Cochrane Kompakt

Hilft pharmazeutische Betreuung per Telefon, Video oder App Menschen mit chronischen Erkrankungen besser als die übliche Versorgung?

23 hours 32 minutes ago
Kernaussagen
  • Telepharmazeutische Betreuung hilft Menschen möglicherweise dabei, ihre Medikamente wie verschrieben einzunehmen. Zudem senkt sie möglicherweise sowohl den systolischen Blutdruck (Druck während des Herzschlags) als auch den diastolischen Blutdruck (Druck zwischen zwei Herzschlägen). Telepharmazeutische Betreuung hat wahrscheinlich kaum oder gar keinen Einfluss auf die Blutzuckerkontrolle, gemessen anhand des HbA1c-Werts.

  • Es ist sehr unsicher, ob telepharmazeutische Betreuung die Zufriedenheit der Menschen mit ihrer Versorgung verbessert. Telepharmazeutische Betreuung wirkt sich möglicherweise auf arzneimittelbezogene Probleme wie Neben- oder Wechselwirkungen aus. Die Ergebnisse waren jedoch uneinheitlich: Einige Maßnahmen zielten darauf ab, solche Probleme häufiger zu erkennen, während andere darauf ausgerichtet waren, arzneimittelbedingte Schäden zu verringern. In keiner Studie wurde über Todesfälle oder unerwünschte Wirkungen der telepharmazeutischen Betreuung berichtet. Mögliche Risiken bleiben daher unklar.

  • Die Studien zeigten keine einheitlichen Wirkungen auf die Lebensqualität, Krankenhausaufenthalte, Besuche in der Notaufnahme oder die Gesundheitskosten. Die meisten Studien umfassten nur wenige Personen oder hatten Einschränkungen. Zudem unterschieden sich die telepharmazeutischen Maßnahmen in ihrem Inhalt und ihrer Durchführung.

Was ist Telepharmazie?

Unter „Telepharmazie“ versteht man die pharmazeutische Betreuung per Telefon, Videoanruf, App oder andere elektronische Kommunikationsmittel, ohne, dass man persönlich anwesend sein muss. Dazu gehören die Beratung zu Medikamenten, die Unterstützung bei der richtigen Einnahme von Medikamenten und die Überwachung des Gesundheitszustands. Telepharmazie kann Menschen den Zugang zur Unterstützung durch Apothekerinnen und Apotheker erleichtern – insbesondere, wenn sie weit entfernt wohnen oder nur eingeschränkt mobil sind. Dies kann Apothekerinnen und Apothekern zudem dabei helfen, Probleme im Zusammenhang mit Medikamenten zu erkennen und die Behandlung bei Bedarf anzupassen.

Was sind chronische Erkrankungen?

Chronische Erkrankungen sind Gesundheitsprobleme, die drei Monate oder länger andauern. Sie lassen sich meist behandeln, aber nicht heilen. Sie können sich mit der Zeit verschlimmern. Menschen mit chronischen Erkrankungen benötigen oft eine kontinuierliche Betreuung. Beispiele hierfür sind Diabetes, Bluthochdruck, Asthma und Herzerkrankungen. Diese Erkrankungen können die Lebensqualität beeinträchtigen und schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben, wenn sie nicht ausreichend behandelt werden. Menschen mit chronischen Erkrankungen benötigen oft regelmäßige Kontrolluntersuchungen, Tests und Unterstützung bei der korrekten Einnahme ihrer Medikamente.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob Telepharmazie Menschen mit chronischen Erkrankungen in der ambulanten Versorgung im Vergleich zur üblichen Versorgung dabei hilft, ihre Medikamente wie verordnet einzunehmen. Zudem untersuchten wir, ob Telepharmazie die Zufriedenheit mit der Versorgung, Probleme im Zusammenhang mit Medikamenten, die Asthmakontrolle, den Blutdruck und die Blutzuckerkontrolle (gemessen anhand des HbA1c-Werts) beeinflusst. Wir untersuchten auch andere mögliche Wirkungen, etwa auf die Lebensqualität, die Zahl der Krankenhauseinweisungen, Besuche in der Notaufnahme und die Gesundheitskosten.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen telepharmazeutische Betreuung durch Apothekerinnen und Apotheker mit der üblichen Versorgung von Menschen mit chronischen Erkrankungen in der ambulanten Versorgung verglichen wurde. Wir haben hochwertige Studien einbezogen, sogenannte randomisierte kontrollierte Studien. Wir fassten die Ergebnisse zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz. Dabei berücksichtigten wir Faktoren wie das Studiendesign, die Zahl der Teilnehmenden und die Frage, wie gut die Ergebnisse der Studien übereinstimmten.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 21 Studien mit insgesamt 5440 Teilnehmenden, die in verschiedenen Ländern und Einrichtungen wie Apotheken und Krankenhäusern durchgeführt wurden. In den meisten Studien wurde die telepharmazeutische Betreuung mit der üblichen persönlichen Betreuung von Menschen mit chronischen Erkrankungen im ambulanten Bereich verglichen. In den einbezogenen Studien bezog sich die Standardversorgung im Allgemeinen auf die übliche persönliche Betreuung ohne zusätzliche Unterstützung durch Telepharmazie. Die meisten Studien dauerten höchstens 12 Monate.

Im Vergleich zur üblichen Versorgung kann telepharmazeutische Betreuung Menschen mit chronischen Erkrankungen in der ambulanten Versorgung

  • möglicherweise dabei helfen, ihre Medikamente wie verordnet einzunehmen (10 Studien, 2978 Personen).

  • Die Evidenz ist sehr ungewiss hinsichtlich der Frage, ob telepharmazeutische Betreuung die Zufriedenheit der Menschen mit ihrer Versorgung verbessert (3 Studien, 422 Personen).

  • Telepharmazeutische Betreuung wirkt sich möglicherweise auf Probleme im Zusammenhang mit Medikamenten wie Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen aus (5 Studien, 547 Personen). Die Ergebnisse waren jedoch uneinheitlich: Einige Studien sollten mehr Probleme erkennen, während andere Schäden durch Medikamente verringern sollten.

  • Telepharmazeutische Betreuung senkt möglicherweise sowohl den systolischen als auch den diastolischen Blutdruck (5 Studien, 1254 Personen).

  • Telepharmazeutische Betreuung hat aber wahrscheinlich kaum oder gar keinen Einfluss auf die Blutzuckerkontrolle, gemessen anhand der HbA1c-Werte (5 Studien, 1771 Personen).

In keiner Studie wurde über Todesfälle oder unerwünschte Wirkungen der telepharmazeutischen Betreuung berichtet. Mögliche Risiken bleiben daher unklar. Bei einigen Ergebnissen – etwa zur Blutzuckerkontrolle – sind wir uns sicherer als bei anderen, beispielsweise bei der Zufriedenheit der Menschen mit ihrer Versorgung. Bei einigen Endpunkten könnten zukünftige Studien zeigen, dass die Wirkungen anders sind als bisher angenommen.

Was schränkt die Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Ergebnisse ist eingeschränkt, weil viele Studien nur wenige Teilnehmende umfassten, methodische Einschränkungen aufwiesen oder die Ergebnisse nicht immer übereinstimmten. Die Evidenz zu Problemen im Zusammenhang mit Medikamenten beruhte ausschließlich auf den Berichten der Teilnehmenden. Da die Studien diese Probleme unterschiedlich erfassten, konnten wir die Daten nicht zusammenfassen und gemeinsam analysieren. In den Studien kamen unterschiedliche telepharmazeutische Maßnahmen zum Einsatz, die sich in ihrem Inhalt sowie darin unterschieden, wie und wie häufig sie angeboten wurden. Dies könnte die Ergebnisse beeinflusst haben.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von Dezember 2025.

Sugita H, Sato MT, Yamaji N, Maeda M, Ichimura T, Sunaga T, Toyoda S, Nishimura E, Tun PP, Augustin G, Noma H, Ota E, Hasegawa T

Menschliche Stammzellen zur Behandlung einer fortgeschrittenen Lebererkrankung bei Erwachsenen

23 hours 32 minutes ago
Welche Vorteile und Risiken hat die Behandlung mit menschlichen Stammzellen im Vergleich zu keiner aktiven Behandlung, einer unterstützenden Behandlung oder einem Placebo bei Menschen mit dekompensierter Leberzirrhose?Kernaussagen

Wir sind uns nicht sicher,

  • ob menschliche Stammzellen (d. h. spezielle Zelltypen, die sich selbst erneuern und sich zu vielen verschiedenen Zelltypen im Körper entwickeln können) bei Menschen mit dekompensierter Leberzirrhose (d. h. einer fortgeschrittenen Lebererkrankung) im Vergleich zu keiner aktiven Behandlung, einer unterstützenden Behandlung oder einem Placebo (Scheininjektion) zu einer Verringerung der Todesfälle führen können

  • ob menschliche Stammzellen schwerwiegende unerwünschte Wirkungen verringern oder verstärken können.

  • ob menschliche Stammzellen die gesundheitsbezogene Lebensqualität (Wohlbefinden) verbessern können.

  • ob menschliche Stammzellen Komplikationen verringern können.

  • ob menschliche Stammzellen nicht schwerwiegende unerwünschte Wirkungen verstärken oder Leberfunktionstests (ein Bluttest, bei dem Substanzen in der Leber gemessen werden) verbessern könnten.

Was sind dekompensierte Leberzirrhose und menschliche Stammzellen?

Bei einer Leberzirrhose werden normale Leberzellen durch Narbengewebe ersetzt. Die dekompensierte Leberzirrhose ist ein fortgeschrittenes Stadium der Zirrhose, bei dem die Leber ihre Funktion verliert. Menschen mit dekompensierter Leberzirrhose zeigen in der Regel eine Gelbfärbung der Augen, der Haut und des Urins, Gas- oder Flüssigkeitsansammlungen im Bauch, Verwirrung, Erbrechen von Blut oder eine geschwächte Nierenfunktion. Bei dekompensierter Leberzirrhose ist eine Lebertransplantation erforderlich, die jedoch Risiken birgt. Zudem sind nicht immer Spender verfügbar . Menschliche Stammzellen können eine alternative Methode für Menschen mit fortschreitender Verschlechterung der Leberfunktion sein, da sie die Regeneration und Wiederherstellung der Leberzellen fördern können.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob menschliche Stammzellen - unabhängig von ihrer Zielgruppe (Erwachsene oder Geschlecht), der Art der Stammzellen, der Art der Injektion oder der verabreichten Dosis - besser sind als Scheininjektionen (Placebo), konventionelle oder reguläre Behandlungen, keine Behandlung oder unterstützende Behandlungen (d. h. Kontrollinterventionen), um das Sterberisiko und schwere (lebensbedrohliche) unerwünschte Ereignisse zu verringern und das Wohlbefinden zu verbessern. Wir wollten auch herausfinden, ob menschliche Stammzellen mit Komplikationen, nicht schwerwiegenden unerwünschten Wirkungen oder Veränderungen der Leberfunktion in Verbindung stehen.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen die Behandlung mit menschlichen Stammzellen mit einer Kontrollgruppe verglichen wurde, die eine Scheininjektion, eine regelmäßige Behandlung, keine Behandlung oder eine unterstützende Behandlung erhielt.

Was fanden wir heraus?

12 Studien mit 823 Erwachsene mit dekompensierter Leberzirrhose wurden in diesen Review eingeschlossen. In den Studien wurden sechs Gruppen von menschlichen Stammzellen untersucht (aus dem Knochenmark stammende mesenchymale Zellen, mononukleäre Zellen, Stammzellen aus der Nabelschnur, autologe Stammzellen, CD34/133+ und CD133+ Zellen).

Die Stammzelltransplantation erfolgte in sechs Studien über die Leberarterie, in zwei Studien über die Pfortader, in zwei weiteren Studien über die Venen der oberen Extremitäten und in einer Studie intravenös. Eine Studie lieferte keine Informationen über die Vorgehensweise bei der Zelltransplantation. Die kleinste Studie umfasste 27 Teilnehmende, die größte Studie 219. Diese Studien wurden durch universitäre, industrielle, nationale oder vorläufige Forschungsgelder finanziert. Alle 12 Studien wiesen Probleme mit dem Studiendesign und den Studienmethoden auf.

Die Evidenz über die Wirkungen der untersuchten menschlichen Stammzellen im Vergleich zu einer der oben genannten Kontrollinterventionen auf die Sterblichkeit ist sehr unsicher; 41 von 308 Personen (13,3 %) im Vergleich zu 78 von 269 Personen (29 %) starben nach einem Monitoring von 3 bis 75 Monaten (sieben Studien).

Die Evidenz ist sehr unsicher, was die Wirkung der untersuchten Stammzellen im Vergleich zu einer der oben genannten Kontrollinterventionen auf schwerwiegende unerwünschte Wirkungen angeht. Bei einem Nachbeobachtungszeitraum von einem Monat bis zu einem Jahr (acht Studien) traten bei 74 von 366 Personen (20,2 %) im Vergleich zu 108 von 312 Personen (34,6 %) schwerwiegende unerwünschte Wirkungen auf.

Es ist sehr unklar, ob die untersuchten Stammzellen im Vergleich zu einer der oben genannten Kontrollbehandlungen das Wohlbefinden der Menschen nach einer Nachbeobachtung von einem und sechs Monaten (zwei Studien) beeinflussen.

Die Evidenz über die Wirkung der untersuchten Stammzellen im Vergleich zu einer der oben genannten Kontrollbehandlungen auf die Entwicklung von Komplikationen ist sehr unsicher. Bei 20 von 154 Personen (13 %) im Vergleich zu 29 von 150 Personen (19,3 %) traten eine oder mehrere Komplikationen nach der Nachbeobachtung von drei Monaten bis zu einem Jahr auf (vier Studien).

Die Evidenz ist sehr unsicher, was die Wirkung der untersuchten Stammzellen im Vergleich zu einer der oben genannten Kontrollbehandlungen auf nicht schwerwiegende unerwünschte Wirkungen betrifft. Bei 26 von 226 Personen (11,5 %) im Vergleich zu 1 von 211 Personen (0,5 %) traten nach einer Nachbeobachtung von einem Monat bis 75 Monaten (fünf Studien) nicht schwerwiegende unerwünschte Wirkungen auf.

Die Evidenz über die Wirkungen der untersuchten Stammzellen im Vergleich zu einer der oben genannten Kontrollbehandlungen auf die Leberwerte nach einer Nachbeobachtung von drei Monaten bis zu einem Jahr ist sehr unsicher.

Wir haben 12 laufende Studien ermittelt (über deren Ergebnisse noch nicht berichtet wurde).

Was schränkt die Evidenz ein?

Unzureichende Studienmethoden könnten den Nutzen und unerwünschten Wirkungen menschlicher Stammzellen über- oder unterbewerten. Es fehlt noch immer Evidenz über die Wirkung menschlicher Stammzellen im Vergleich zu einer Scheininjektion, keiner Behandlung oder einer unterstützenden Behandlung bezüglich der Sterblichkeit, dem Wohlbefinden, schwerwiegenden und nicht schwerwiegenden unerwünschten Wirkungen und der Entwicklung von Komplikationen.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand vom 4. Oktober 2024.

Aung HH, Naing C, Ni H, Aye SN, Htet NH, Kew ST, Pavlov CS

Verbessern moderne Verfahren zur Spermienauswahl die Erfolgsaussichten einer assistierten Reproduktion bei Frauen mit Kinderwunsch?

1 week 1 day ago
Kernaussagen
  • Fortschrittliche Verfahren zur Spermienauswahl können bei Menschen mit Kinderwunsch eingesetzt werden, die mithilfe einer assistierten Reproduktion – beispielsweise einer In-vitro-Fertilisation (IVF) oder einer intrazytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) – schwanger werden möchten. Diese Verfahren sollen die Auswahl geeigneter Spermien verbessern und dadurch die Chancen auf eine erfolgreiche Befruchtung erhöhen. Ob sie tatsächlich zu besseren Ergebnissen führen, ist derzeit jedoch unklar.

  • Werden für die intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) gezielt Spermien ausgewählt, die an die natürlich im Körper vorkommende Substanz Hyaluronsäure binden (HA-ICSI), verringert dies im Vergleich zur üblichen Spermienauswahl wahrscheinlich geringfügig das Risiko einer Fehlgeburt. HA-ICSI erhöht möglicherweise die Wahrscheinlichkeit einer Lebendgeburt nicht oder nur geringfügig.

  • Die Evidenz für andere Verfahren ist sehr begrenzt. Es sind weitere Studien erforderlich, um herauszufinden, ob moderne Verfahren zur Spermienauswahl die IVF erfolgreicher machen als die derzeit angewandte Standardmethode.

Was ist assistierte Reproduktionstechnologie?

Die assistierte Reproduktionstechnologie wird eingesetzt, um auf künstlichem Wege eine Schwangerschaft herbeizuführen. Die In-vitro-Fertilisation (IVF) ist eine häufig angewendete Behandlung bei Menschen mit Fruchtbarkeitsproblemen. Dabei werden Eizellen aus den Eierstöcken entnommen und im Labor mit Spermien befruchtet. Manchmal wird auch die intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) angewendet. Bei der ICSI wird ein einzelnes Spermium direkt in die Eizelle injiziert. Derzeit verwenden IVF-Labore Standardverfahren, um gesund aussehende Spermien für die Befruchtung auszuwählen. Es wird angenommen, dass die Auswahl von Spermien hoher Qualität die Chancen auf eine Schwangerschaft und die Geburt eines gesunden Kindes verbessern kann.

Was sind moderne Verfahren zur Spermienauswahl?

Moderne Verfahren zur Spermienauswahl dienen dazu, für die Befruchtung gesunde, reife und strukturell unauffällige Spermien auszuwählen, also Spermien mit einer möglichst normalen Form und Größe. Diese Verfahren können eingesetzt werden, wenn Fruchtbarkeitsprobleme auf Faktoren beim Mann zurückzuführen sind, beispielsweise auf eine geringe Spermienzahl oder eine eingeschränkte Beweglichkeit der Spermien. Diese Verfahren werden weltweit in vielen Zentren für assistierte Reproduktion eingesetzt. Ob sie die Erfolgsaussichten tatsächlich verbessern, ist jedoch unklar.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, welche Auswirkungen die verschiedenen modernen Verfahren zur Spermienauswahl bei der assistierten Reproduktion auf folgende Ergebnisse haben:

  • Lebendgeburt (die Geburt eines lebenden Kindes);

  • Fehlgeburt (Verlust des Kindes vor der 20. Schwangerschaftswoche);

  • klinische Schwangerschaft (positiver Schwangerschaftstest, der durch Ultraschall bestätigt wurde);

  • fetale Anomalien (das ungeborene Kind entwickelt sich nicht vollständig normal).

Diese Übersichtsarbeit ist die zweite Aktualisierung einer erstmals 2014 veröffentlichten Übersichtsarbeit. Die erste Aktualisierung erschien 2019.

Wie gingen wir vor?

Wir durchsuchten medizinische Datenbanken nach randomisierten Studien, in denen moderne Verfahren zur Spermienauswahl bei der IVF mit den üblichen Methoden zur Spermienauswahl oder mit anderen modernen Verfahren verglichen wurden. In randomisierten Studien werden die Teilnehmenden per Zufall verschiedenen Gruppen zugeteilt. So lässt sich beurteilen, ob Unterschiede in den Ergebnissen auf die untersuchte Methode zurückzuführen sind – hier auf die Art der Spermienauswahl. Anschließend fassten wir die Ergebnisse aller relevanten Studien zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz. Dabei berücksichtigten wir beispielsweise das Studiendesign und die Anzahl der teilnehmenden Personen.

Was fanden wir heraus?

Wir haben fünf Studien gefunden, an denen insgesamt 3752 Frauen teilnahmen. Zwei Studien verglichen eine ICSI, bei der Spermien anhand ihrer Fähigkeit ausgewählt wurden, an Hyaluronsäure zu binden (HA-ICSI), mit einer herkömmlichen ICSI ohne diese zusätzliche Auswahl der Spermien. Eine Studie verglich die HA-ICSI mit einer Technik namens SpermSlow. Dabei handelt es sich um eine spezielle Lösung, die die Auswahl von Spermien unterstützen soll, die für eine Befruchtung besonders geeignet sind. Eine Studie verglich eine Methode zur Spermienauswahl, bei der Spermien anhand ihrer elektrischen Oberflächenladung (Zeta-Potenzial) ausgewählt werden, mit der üblichen Spermienauswahl bei der ICSI. Eine Studie verglich eine ICSI mit vorheriger mikrofluidischer Spermienselektion („Microfluidic Sperm Sorting“) mit einer herkömmlichen ICSI.

In vier der Studien wurde über Lebendgeburten berichtet; in vier über Fehlgeburten; in fünf über klinische Schwangerschaften; und in keiner wurde angegeben, ob fetale Anomalien vorlagen.

Hauptergebnisse

Die in unserer Übersicht berücksichtigten Studien zeigten, dass HA-ICSI im Vergleich zur ICSI:

  • möglicherweise zu keinem Unterschied oder zu einem leichten Anstieg der Lebendgeburten führt (1 Studie, 2772 Personen);

  • wahrscheinlich leicht das Risiko einer Fehlgeburt verringert (2 Studien, 3327 Personen);

  • möglicherweise keinen Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit hat, schwanger zu werden (2 Studien, 3327 Frauen).

Für die anderen Verfahren zur Spermienauswahl ist unklar, ob sie die Wahrscheinlichkeit einer Lebendgeburt, einer Fehlgeburt oder einer Schwangerschaft beeinflussen.

In keiner Studie wurde über fetale Anomalien berichtet.

Bevor eines dieser modernen Verfahren zur Spermienauswahl für den routinemäßigen Einsatz empfohlen werden kann, sind weitere hochwertige Studien erforderlich.

Was schränkt die Evidenz ein?

Die größte Einschränkung war die geringe Anzahl der teilnehmenden Personen in den Studien. Es ist möglich, dass die Studienbeteiligten wussten, wer welche Behandlung erhielt. Dies könnte sich auf die berichteten Ergebnisse ausgewirkt haben. Nicht alle Studien befassten sich mit Fragen, die für Menschen mit Kinderwunsch, die eine assistierte Reproduktion in Anspruch nehmen, wichtig sind. So gab es beispielsweise keine Informationen über fetale Anomalien. Es sind weitere hochwertige Studien mit einer großen Anzahl von Teilnehmenden erforderlich, um beurteilen zu können, ob moderne Verfahren zur Spermienauswahl die Ergebnisse einer IVF verbessern.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Dieser Review ist eine Aktualisierung einer vorherigen Version. Die Evidenz ist auf dem Stand von Februar 2025.

Garg A, Nakhla O, Steeper M, Afroz A, Lepine S, McDowell SJ, Kroon B, Glujovsky D, Yazdani A, Lensen S

Welche Wirkungen hat eine Vitamin B 12 -Supplementierung bei Kindern unter 12 Jahren?

1 week 2 days ago
Kernaussagen
  • Eine Vitamin B 12 -Supplementierung senkt bei Kindern unter 12 Jahren das Risiko für einen Vitamin B 12 -Mangel und verbessert wahrscheinlich den Vitamin B 12 -Spiegel im Vergleich zu einem Placebo (einer Scheinbehandlung ohne Wirkstoff) oder im Vergleich zu Kindern, die kein Präparat erhielten.

  • Die Einnahme von Vitamin B 12 -Präparaten zusammen mit anderen Mikronährstoffpräparaten hat möglicherweise keinen oder nur einen minimalen Einfluss auf einen Vitamin B 12 -Mangel oder den Gesamt-Vitamin B 12 -Spiegel im Vergleich zu Kindern, die dieselben Präparate ohne Vitamin B 12 einnahmen.

  • Für die Auswirkungen von Vitamin B 12 -Präparaten auf andere gesundheitliche Endpunkte bei Kindern liegen derzeit keine eindeutigen Ergebnisse vor.

Was ist Vitamin B 12 ?

Vitamin B 12 ist ein wichtiger Nährstoff, der für die Bildung roter Blutkörperchen sowie für die normale Funktion von Körperzellen und Nerven benötigt wird. Ein Vitamin B 12 -Mangel stellt ein bedeutendes Problem für die öffentliche Gesundheit dar, darunter auch bei Kindern und in ärmeren Regionen der Welt. Ein niedriger Vitamin B 12 -Spiegel bei Kindern wird mit Anämie (niedrigen Hämoglobinwerten) sowie mit Beeinträchtigungen von Wachstum, Entwicklung und kognitiven Fähigkeiten in Verbindung gebracht. Kognitive Fähigkeiten sind geistige Fähigkeiten wie Denken, Verstehen, Lernen und Wahrnehmen.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob Vitamin B 12 -Präparate die Ernährung und Gesundheit von Kindern unter 12 Jahren verbessern können.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen die Wirkungen von Vitamin B 12 mit einem Placebo, keiner Behandlung oder demselben Nahrungsergänzungsmittel (wie in der Kontrollgruppe) ohne Vitamin B 12 verglichen wurden. Wir fassten die Ergebnisse der Studien zusammen und bewerteten, wie vertrauenswürdig die Evidenz ist. Dabei berücksichtigten wir unter anderem, wie die Studien durchgeführt wurden.

Was fanden wir heraus?

Wir haben 16 Studien mit insgesamt 4083 Kindern unter 12 Jahren (im Alter von 2 Tagen bis 11 Jahren) einbezogen. Neun Studien mit insgesamt 2391 Kindern lieferten Daten, die wir auswerten konnten. Die Studien wurden in 10 Ländern weltweit durchgeführt. In den meisten Studien wurden die Endpunkte unmittelbar nach der Intervention erfasst, wobei die Nachbeobachtungszeit zwischen fünf Wochen und 31 Monaten lag. In einer Studie wurden die Endpunkte nach neun Jahren ausgewertet. Vitamin B 12 -Präparate wurden über einen Zeitraum von 28 Tagen bis 31 Monaten in täglichen Dosierungen von 0,9 bis 150 Mikrogramm verabreicht.

Alleinige Vitamin B 12 -Supplementierung im Vergleich zu Placebo

Es gibt möglicherweise kaum oder gar keine Unterschiede beim Wachstum, bei den kognitiven Fähigkeiten (z. B. Aufmerksamkeit) oder bei der Entwicklung (z. B. motorischen Fähigkeiten). Kinder, die Vitamin B 12 -Präparate erhielten, hatten seltener einen Vitamin B 12 -Mangel und wahrscheinlich höhere Vitamin B 12 -Spiegel als Kinder, die ein Placebo erhielten. Beim Auftreten einer Anämie gibt es möglicherweise kaum oder gar keine Unterschiede zwischen den Gruppen. In keiner der Studien wurden Informationen zu unerwünschten Wirkungen berichtet.

Vitamin B 12 allein im Vergleich zu keiner Behandlung

Die Evidenz zu den Auswirkungen auf Körpergröße und Körperlänge ist sehr ungewiss. Keine der Studien veröffentlichte Daten zu anderen Endpunkten, die wir hätten auswerten können.

Vitamin B 12 und andere Mikronährstoffe im Vergleich zu denselben Mikronährstoffpräparaten ohne Vitamin B 12

Hinsichtlich der Körpergröße bzw. Körperlänge, der kognitiven Fähigkeiten (z. B. Aufmerksamkeit) und der Entwicklung (z. B. motorischer Fähigkeiten) gibt es möglicherweise kaum oder gar keine Unterschiede zwischen den Gruppen. Bei Kindern, die Vitamin B 12 -Präparate zusätzlich zu anderen Nährstoffen erhielten, gibt es möglicherweise kaum oder gar keine Unterschiede beim Risiko eines Vitamin B 12 -Mangels, beim Vitamin B 12 -Spiegel, bei Anämie oder bei unerwünschten Wirkungen.

Was schränkt die Evidenz ein?

Da nur wenige und überwiegend kleine Studien vorlagen, sind die Ergebnisse dieser Übersichtsarbeit eingeschränkt. Nur wenige Studien untersuchten gesundheitliche Endpunkte wie Wachstum, kognitive Fähigkeiten, Entwicklung, Anämie oder unerwünschte Wirkungen. Auch das unterschiedliche Alter der Kinder, sowie Unterschiede bei der Vitamin B 12 -Zufuhr und beim Zeitpunkt, zu dem die Endpunkte gemessen wurden, schränken die Aussagekraft dieser Übersichtsarbeit ein.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand vom 23. September 2025.

Larvie DY, Güitrón Leal CE, Venkatramanan S, Palma Molina XE, Steel LB, Kuriyan R, Finkelstein JL

Können Eisenpräparate bei Blutspendenden Eisenmangel und damit eine vorübergehende Aussetzung der Blutspende verhindern sowie die Eisenspeicher wieder auffüllen?

1 week 3 days ago
Kernaussagen
  • Die Einnahme eines Eisenpräparats erhöht möglicherweise die Eisenspeicher im Blut im Vergleich zu keiner Eisengabe.

  • Menschen, die Eisenpräparate einnahmen, mussten bei der nächsten Blutspende wahrscheinlich seltener wegen niedriger Hämoglobinwerte aussetzen.

  • Menschen, die Eisentabletten einnehmen, haben zumindest zu Beginn der Behandlung möglicherweise häufiger Magen-Darm-Beschwerden wie Bauchschmerzen, Verstopfung oder Durchfall als Menschen, die keine Eisentabletten einnehmen.

Was sind Eisenpräparate und wie können sie Blutspender*innen helfen?

Eisenmangel ist ein häufiger Grund dafür, dass Menschen vorübergehend kein Blut spenden dürfen. Wenn das bei einer Blutspende verlorene Eisen nicht ersetzt wird, kann sich bei Blutspendenden ein Eisenmangel entwickeln. Vor jeder Blutspende wird geprüft, ob der Hämoglobinwert hoch genug ist, um Blut spenden zu dürfen. Der Körper kann die Eisenverluste durch eine ausgewogene Ernährung ausgleichen. Es kann jedoch lange dauern, bis die Eisenspeicher wieder aufgefüllt sind. Eisenpräparate in Form von Tabletten oder Injektionen können dazu beitragen, Eisenverluste nach einer Blutspende schneller auszugleichen.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob Eisentabletten oder Eiseninjektionen die Eisenspeicher von Blutspendenden erhöhen und verhindern können, dass sie wegen zu niedriger Hämoglobinwerte von der Blutspende ausgeschlossen werden.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen Eisenpräparate (als Tabletten, Injektionen oder Infusionen in eine Vene) entweder mit keiner Eisengabe oder mit anderen Eisenpräparaten bzw. anderen Eisendosen verglichen wurden. Wir verglichen die Ergebnisse der Studien, fassten sie zusammen und bewerteten, wie groß unser Vertrauen in die Evidenz ist. Dabei berücksichtigten wir Faktoren wie die Größe der Studien und deren Durchführung.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 8 neue Studien. Insgesamt schlossen wir 38 Studien mit 7475 Teilnehmenden ein. Meist wurde Eisen als Tablette zum Einnehmen verabreicht. Nur fünf Studien untersuchten andere Verabreichungsformen wie Injektionen oder Infusionen direkt in die Blutbahn.

  • Eisentabletten erhöhen möglicherweise die Eisenspeicher im Blut, wenn sie über mehrere Wochen oder Monate eingenommen werden. Eisentabletten verringerten wahrscheinlich die Zahl der Menschen, die bei ihrem nächsten Spendeversuch wegen niedriger Hämoglobinwerte aussetzen mussten (7 Studien, 1647 Teilnehmende).

  • Menschen, die Eisentabletten einnahmen, hatten möglicherweise häufiger Magen-Darm-Beschwerden wie Bauchschmerzen, Verstopfung oder Durchfall als Menschen, die keine Eisentabletten einnahmen (8 Studien, 2641 Teilnehmende).

  • Bei Beschwerden wie Kopfschmerzen gab es möglicherweise kaum oder gar keine Unterschiede zwischen den Gruppen. Menschen, die Eisentabletten einnahmen, berichteten jedoch möglicherweise seltener über ein Schwächegefühl.

Was schränkt die Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Evidenz war je nach Ergebnis unterschiedlich und reichte von hoch bis sehr gering. Wenn unser Vertrauen in die Evidenz begrenzt war, lag dies meist daran, dass einige Studien klein oder bereits älter waren. Zudem gab es in manchen Studien methodische Einschränkungen, beispielsweise fehlende Daten oder fehlende Verblindung der Teilnehmenden. Wir wollten auch herausfinden, ob verschiedene Eisenpräparate oder Dosierungen unterschiedlich wirken und ob die Ergebnisse von Geschlecht oder den vorhandenen Eisenspeichern abhängen. Da nicht alle Studien diese Informationen berichteten, konnten wir diese Fragen nicht eindeutig beantworten.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Diese Übersichtsarbeit ist eine Aktualisierung unserer früherer Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2014. Die Evidenz ist auf dem Stand von Januar 2025.

Geneen LJ, Atha K, Kimber C, McClune W, Dorée C, Vendramin C, Chia LW, Roberts DJ

Welche Wirkungen haben Makrolide (Antibiotika) zur Vorbeugung langfristiger Lungenerkrankungen bei Frühgeborenen?

2 weeks ago
Kernaussagen
  • Die bronchopulmonale Dysplasie (BPD) ist eine langfristige Lungenerkrankung, die häufig bei Frühgeborenen mit noch nicht vollständig entwickelten Lungen auftritt. Es ist unklar, ob Makrolide (Antibiotika) bei sehr frühgeborenen Säuglingen (Geburt vor der 32. Schwangerschaftswoche) oder Neugeborenen mit sehr niedrigem Geburtsgewicht (unter 1500 g), die in den ersten 72 Lebensstunden invasiv beatmet werden müssen, eine bronchopulmonale Dysplasie verhindern können und dabei sicher sind.

  • Es werden weitere Studien benötigt, um die langfristigen Auswirkungen von Makroliden zu untersuchen. Zudem sollte geprüft werden, ob Makrolide auch bei anderen Neugeborenengruppen mit einem Risiko für oder einer bereits bestehenden bronchopulmonalen Dysplasie wirksam und sicher sind. Auch die Dauer der Verabreichung von Makroliden muss weiter erforscht werden.

Was ist eine bronchopulmonale Dyplasie (BPD)?

Sehr frühgeborene Neugeborene und Neugeborene mit sehr niedrigem Geburtsgewicht haben ein erhöhtes Risiko für eine bronchopulmonale Dysplasie. Diese langfristige Lungenerkrankung tritt häufig bei Frühgeborenen auf, deren Lungen noch nicht vollständig entwickelt sind. Die Erkrankung kann leicht bis schwer verlaufen. Entzündungen in den Lungenbläschen können dabei das Atmen erschweren. Einige Neugeborene benötigen auch zu Hause zusätzlichen Sauerstoff. Zudem sind sie im Kleinkindalter anfälliger für wiederkehrende Atemwegsinfektionen und Asthma. Neugeborene, die sehr früh geboren werden und zum Atmen einen Beatmungsschlauch in der Luftröhre benötigen, haben ein erhöhtes Risiko, eine langfristige Lungenerkrankung zu entwickeln.

Wie kann eine bronchopulmonale Dyplasie verhindert werden?

Ein möglicher Ansatz zur Vorbeugung einer langfristigen Lungenerkrankung ist die Gabe von Makroliden (Antibiotika) bei Neugeborenen, die kurz nach der Geburt über einen Beatmungsschlauch in der Luftröhre beatmet werden müssen. Makrolide sind eine Gruppe von Antibiotika, die eine entzündungshemmende Wirkung auf die Lunge haben. Zu den Makroliden gehören Antibiotika wie Azithromycin, Erythromycin und Clarithromycin. Makrolide werden auch bei anderen Lungenerkrankungen eingesetzt. Dazu gehören beispielsweise die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD), bei der die Atemwege dauerhaft verengt sind, sowie Mukoviszidose, bei der sich zäher Schleim in der Lunge ansammelt. Bei einigen dieser Erkrankungen können Makrolide Atembeschwerden sowie Symptome wie Husten und pfeifende Atemgeräusche lindern.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob Makrolide für sehr frühgeborene Neugeborene und Neugeborene mit sehr niedrigem Geburtsgewicht von Nutzen sein können. Konkret wollten wir untersuchen, wie sich die Gabe von Makroliden (entweder über eine Vene oder direkt in den Magen) im Vergleich zu einer Scheinbehandlung (Placebo) oder keiner Behandlung auf die folgenden Endpunkte auswirkt:

  • Bronchopulmonale Dysplasie

  • Tod vor der Entlassung

  • Magen-Darm-Beschwerden (Durchfall und Erbrechen)

  • Funktionsstörung der Leber

  • Herzrhythmusstörungen (unregelmäßiger Herzschlag)

  • Pylorusstenose (Verengung des Magenausgangs zum Dünndarm)

  • Ob nach der Geburt Steroide zur Behandlung der Lungenerkrankung benötigt wurden

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, die untersuchten, ob Makrolide im Vergleich zu einer Scheinbehandlung (Placebo) oder keiner Behandlung einer bronchopulmonalen Dysplasie vorbeugen können. Eingeschlossen wurden sehr frühgeborene Neugeborene und/oder Neugeborene mit sehr niedrigem Geburtsgewicht, die kurz nach der Geburt eine Beatmung über einen Schlauch in der Luftröhre benötigten. Wir fassten die Ergebnisse der Studien zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz. Dabei berücksichtigten wir Faktoren wie die Studienmethoden und die Größe der Studien.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden sechs Studien mit 1108 Frühgeborenen, in denen die Verabreichung von Makroliden mit Placebo oder keiner Behandlung bei beatmeten Neugeborenen kurz nach der Geburt verglichen wurde. Es gibt fünf laufende Studien, die noch nicht veröffentlicht oder abgeschlossen sind. Eine weitere Studie konnten wir noch nicht bewerten, da uns dafür noch Ergebnisdaten der Autor*innen fehlen.

In fünf der sechs eingeschlossenen Studien wurde Azithromycin verabreicht. In zwei Studien erhielten die Neugeborenen das Antibiotikum über sechs Wochen. Zunächst wurde es über eine Vene gegeben. Sobald die Neugeborenen ausreichend Nahrung über den Magen aufnehmen konnten, wurde die Behandlung über eine Ernährungssonde fortgesetzt. In einer weiteren Studie wurde Azithromycin über 10 Tage verabreicht, in einer über 5 Tage und in einer über 3 Tage. In der sechsten Studie wurde Erythromycin intravenös über einen Zeitraum von sieben Tagen verabreicht.

Hauptergebnisse

Wenn sehr frühgeborene Neugeborene oder Neugeborene mit sehr niedrigem Geburtsgewicht kurz nach der Geburt einen Beatmungsschlauch benötigen, hat die Gabe von Makroliden (insbesondere Azithromycin) im Vergleich zu einer Scheinbehandlung (Placebo) oder keiner Behandlung folgende Wirkungen:

  • möglicherweise keinen oder kaum einen Effekt auf die Diagnose einer bronchopulmonalen Dysplasie;

  • möglicherweise einen leichten Rückgang der Todesfälle vor der Entlassung aus dem Krankenhaus;

  • möglicherweise weniger Magen-Darm-Beschwerden;

  • möglicherweise keinen oder kaum einen Unterschied hinsichtlich anderer unerwünschter Wirkungen wie Leberfunktionsstörungen, Herzrhythmusstörungen oder einer Pylorusstenose;

  • verringern möglicherweise den Bedarf an Steroiden zur Vorbeugung oder Behandlung der Lungenerkrankung nach der Geburt.

Was schränkt die Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die meisten der vorliegenden Ergebnisse ist gering. Das bedeutet, dass künftige Studien zu anderen Ergebnissen führen könnten. Drei Hauptfaktoren schränken die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz ein: Erstens führten unsere strengen Einschlusskriterien dazu, dass nur wenige Studien und damit nur wenige Kinder in den Review eingeschlossen wurden. Zweitens erstreckten sich die Studien über 30 Jahre. In dieser Zeit haben sich die Versorgung kranker Neugeborener und die Definition von Lungenerkrankungen deutlich verändert. Das erschwerte die Interpretation der Ergebnisse. Schließlich wurde in fünf der sechs Studien Azithromycin und in einer Studie Erythromycin untersucht. Daher können wir nicht sicher sagen, ob die Ergebnisse auch auf andere Makrolide übertragbar sind.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von Juni 2025.

O’Connor KL, Cracknell J, Cooper C, Davies MW

Wie sieht weltweit die aktuelle Evidenz zu den Versorgungsstrukturen in der Rehabilitation in den Gesundheitssystemen aus (von wem, wann und wo erhält man Hilfe und wie sind die Leistungen organisiert)?

2 weeks 3 days ago
Kernaussagen

Die verfügbare Evidenz ist begrenzt, und wir wissen noch nicht, wie Rehabilitationsleistungen im Gesundheitswesen am besten organisiert werden sollten.
Der Einsatz verschiedener Leistungserbringer (wie z. B. spezialisierter Physiotherapeuten) hat möglicherweise kaum oder gar keinen Einfluss auf die Ergebnisse der Rehabilitation. Telerehabilitation (Rehabilitation über Videoanrufe oder Apps) könnte in Bezug auf die Selbstständigkeit bei Alltagsaktivitäten, das Wohlbefinden, Depressionen, die Armfunktion und die Mobilität ähnliche Ergebnisse liefern wie die herkömmliche Rehabilitation vor Ort; es ist jedoch weitere Forschung erforderlich.
Da die meisten Studien aus Ländern mit hohem Einkommen stammen, lassen sich die Ergebnisse möglicherweise nicht auf alle Länder übertragen. Weitere Forschung in unterschiedlichen Kontexten ist erforderlich.

Wie sehen die Versorgungsstrukturen aus?

Bei den Versorgungsstrukturen geht es um die praktischen Aspekte der Rehabilitation: Wer unterstützt Sie, wann und wo erhalten Sie Hilfe und wie sind die Leistungen organisiert, um eine reibungslose und effektive Versorgung zu gewährleisten. Dazu gehören beispielsweise die Fragen, wie schnell Sie einen Termin bekommen oder mit der Behandlung beginnen können; ob die Behandlung von einem Arzt, einer Pflegekraft, einem Therapeuten oder einer anderen qualifizierten Fachkraft durchgeführt wird; wie die Arbeitsbedingungen und die Unterstützung für die Personen aussehen, die Sie betreuen; wie verschiedene Gesundheitsdienstleister sich untereinander abstimmen, damit Ihre Versorgung nahtlos ineinandergreift; und ob Sie eine Rehabilitation in einem Krankenhaus, einer Klinik, zu Hause oder im Rahmen einer Telerehabilitation erhalten.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten verstehen:

wie Gesundheitssysteme Rehabilitationsleistungen bestmöglich organisieren können (z. B. wer die Versorgung übernimmt, wie schnell Menschen einen Termin erhalten und ob Technologien wie die Telerehabilitation die Genesung unterstützen);
welche Forschungsergebnisse weltweit dazu vorliegen, wie Rehabilitationsleistungen organisiert und erbracht werden;
wie diese Informationen den Akteuren im Gesundheitswesen als Orientierung bei Entscheidungen zur Rehabilitation dienen können; und
ob neue Arten von Forschung und Richtlinien erforderlich sind, um die Rehabilitationsleistungen zu verbessern.

Wie gingen wir vor?

Dieses Projekt war Teil einer umfassenderen Studie zu Rehabilitation und Gesundheitspolitik. Wir haben drei große Forschungsdatenbanken nach systematischen Übersichtsarbeiten (Zusammenstellungen von Erkenntnissen aus zahlreichen Einzelstudien) zur Art und Weise der Erbringung von Rehabilitationsleistungen durchsucht.

Was fanden wir heraus?

Wir haben 25 systematische Übersichtsarbeiten gefunden. Davon hatten nur fünf systematische Übersichtsarbeiten Ergebnisse, die wir für dieses Projekt verwenden konnten. Sie bezogen sich auf Studien, die hauptsächlich in Ländern mit hohem Einkommen in Europa, Amerika und im westlichen Pazifik durchgeführt wurden. Die Studien bezogen sich auf verschiedene Bevölkerungsgruppen, darunter ältere Erwachsene und Menschen, die sich von einem Schlaganfall erholten.

Hauptergebnisse

Wenn die Behandlung durch andere medizinische Fachkräfte als Ärzte (z. B. spezialisierte Physiotherapeuten) erfolgt, gibt es keine Hinweise auf einen bedeutsamen Unterschied bei den Gesundheitsergebnissen im Vergleich zur Versorgung durch Ärzte.
Wir fanden keine verlässlichen Nachweise dafür, dass es einen Unterschied macht, ob die Behandlung in Krankenhäusern, Praxen oder zu Hause erfolgt. Einige Studien verglichen die Rehabilitation zu Hause mit der üblichen Betreuung vor Ort und kamen zu ähnlichen Ergebnissen für beide Ansätze; allerdings war die Anzahl der Studien gering, und die Evidenz reicht nicht aus, um fundierte Schlussfolgerungen zu ziehen.
Bei Menschen, die sich von einem Schlaganfall erholen, kann die Rehabilitation zu Hause über Videoanrufe oder Apps ähnliche Ergebnisse wie die Rehabilitation vor Ort hinsichtlich der Selbstständigkeit bei Alltagsaktivitäten, des Wohlbefindens, der Depression, der Armfunktion und der Mobilität erzielen; es ist jedoch weitere Forschung erforderlich.

Was schränkt die Evidenz ein?

Viele der Übersichtsarbeiten wiesen methodische Schwächen auf, sodass unser Vertrauen in die Ergebnisse begrenzt ist. Nicht in allen Reviews wurde das Vertrauen in die Evidenz bewertet. Erfolgte die Bewertung, stuften die Review-Autoren das Vertrauen in die Evidenz überwiegend als niedrig ein. Das bedeutet, dass künftige Studien unsere Ergebnisse ändern könnten. Fast alle Studien wurden in Ländern mit hohem Einkommen durchgeführt. Da keine Erkenntnisse aus Afrika, Südostasien oder dem östlichen Mittelmeerraum vorlagen, sind die Ergebnisse möglicherweise nicht generell übertragbar.

Wie aktuell ist die Evidenz?
Die Erkenntnisse sind auf den Stand vom 17. November 2024 aktualisiert.

Del Furia MJ, Minozzi S, Battel I, Cordani C, Arienti C, Atkinson-Graham M, Bakaa N, Capodaglio P, Côté P, Décary S, De Groote W, Duttine A, Engeda EH, Frontera WR, Gimigliano F, Konstantinidis T, Liguori S, Mudau Q, Paoletta M, Ryan R, Sabariego C,…

Welche Operation ist bei Arthrose des Daumens wirksamer?

2 weeks 3 days ago
Kernaussagen
  • Im Vergleich zur Trapeziektomie (Entfernung des Knochens an der Daumenbasis) bietet die Trapeziektomie mit LRTI (engl. Ligament Reconstruction and Tendon Interposition, das bedeutet Ersatz des Bandes und Verstärkung des Gelenks durch eine Sehne aus dem Unterarm) 3 bis 54 Monate nach der Behandlung möglicherweise nur einen geringen bis gar keinen Effekt hinsichtlich Schmerzen, Funktion, Gelenkbildgebung oder unerwünschter Wirkungen.

  • Wir wissen nicht, welche Operation bei einer Arthrose des Daumens am besten geeignet ist. In diesem Bereich bedarf es weiterer Forschung.

Was ist Daumenarthrose?

Arthrose ist eine Gelenkerkrankung, bei der die Knorpelschicht des Gelenks immer dünner wird und es zu Umbauprozessen im Gelenk kommen kann. Arthrose am Daumengrundgelenk (Trapezometacarpalgelenk) kann Schmerzen, Steifheit und Kraftverlust im Daumen verursachen. Dies kann sich darauf auswirken, wie gut sich der Daumen bewegen lässt, wie stark der Griff ist und wie gut jemand alltägliche Aufgaben zu Hause oder bei der Arbeit bewältigen kann.

Obwohl viele Menschen unter dieser Erkrankung leiden, lassen sich deren Auswirkungen auf das Befinden nicht mit Röntgenaufnahmen messen. Daher wird eine Arthrose des Daumens anhand ihrer Symptome behandelt und nicht anhand dessen, was auf Röntgenaufnahmen zu sehen ist.

Bei vielen Menschen sind die Symptome sehr gering, sodass keine Behandlung erforderlich ist. Bestimmte Tätigkeiten und Hobbys können die Beschwerden verschlimmern, insbesondere wenn häufige Greifbewegungen oder feinmotorische Bewegungen (z. B. Pinzettengriff mit Daumen und Zeigefinger) erforderlich sind.

Wie wird eine Daumenarthrose behandelt?

Arthrose im Daumen kann behandelt werden mit:

  • nicht-chirurgischen Behandlungsmethoden, wie Schienen oder entzündungshemmende Medikamente

  • Steroidinjektionen

  • Operation - wird oft angewendet, wenn die ersten beiden aufgeführten Methoden nicht zum Erfolg führen

Es gibt viele verschiedene Arten von Operationen, doch alle zielen darauf ab, Schmerzen zu lindern und die Funktionsfähigkeit zu verbessern (bzw. die Einschränkung zu verringern). Bei den meisten Operationen wird zunächst der Knochen an der Daumenbasis entfernt (Trapeziektomie). Anschließend wird das Gelenk entweder rekonstruiert oder stabilisiert, indem Bänder oder Sehnen verwendet werden, die aus einer anderen Körperregion entnommen, von einem Spender gewonnen oder künstlich hergestellt sind. Das gängigste Verfahren ist die Trapeziektomie mit Bandrekonstruktion und Sehneninterposition (LRTI). Dabei wird das Band, das die Knochen zwischen Daumen und Zeigefinger zusammenhält, wiederaufgebaut. Der durch den entfernten Knochen entstandene Hohlraum wird mit einer Sehne aus dem Unterarm aufgefüllt, um den Daumen zu stützen. Andere Operationsmethoden lassen den durch den entfernten Knochen entstandenen Hohlraum bewusst offen, damit er sich mit Narbengewebe füllt (Distraktionsarthroplastik), oder ersetzen das Gelenk vollständig durch ein künstliches Gelenk (Arthroplastik).

Was wollten wir herausfinden?

Für Menschen mit Daumenarthrose wollten wir die besten Operationsmethoden finden, um:

  • Schmerzen, Funktionsbeeinträchtigungen, unerwünschte Ereignisse und Therapieversagen (was zu weiteren Operationen führt) zu verringern, und

  • die Lebensqualität zu verbessern.

Wir wollten außerdem untersuchen, wie sich die verschiedenen Methoden auf die Zufriedenheit der Patienten mit ihrer Behandlung auswirken und wie das Gelenk im Röntgenbild aussieht.

Wie gingen wir vor?
Wir haben nach Studien gesucht, in denen verschiedene Operationsmethoden bei Daumenarthrose verglichen wurden. Die Studienteilnehmenden konnten jeden Alters und jeden Geschlechts sein, an einer leichten oder schweren Arthrose leiden und aus jedem Land der Welt stammen. Wir haben die Ergebnisse verglichen und zusammengefasst und unser Vertrauen in die Evidenz bewertet.

Was fanden wir heraus?

Wir haben 25 Studien mit insgesamt 1591 Teilnehmenden gefunden, bei denen es sich überwiegend um Frauen handelte. In den Studien kamen verschiedene chirurgische Verfahren zum Einsatz. Am häufigsten wurde eine Trapeziektomie mit LRTI durchgeführt. Die Studien begleiteten die Teilnehmenden über einen Zeitraum von 12 bis 120 Monaten.

In keiner der Studien wurde eine Scheinoperation (eine vorgetäuschte Operation ohne die Absicht, die Arthrose zu behandeln) als Vergleich herangezogen.

Hauptergebnisse

Im Vergleich zur alleinigen Trapeziektomie bietet die Trapeziektomie mit LRTI zwischen 3 und 54 Monaten nach der Behandlung möglicherweise nur einen geringen oder gar keinen Vorteil hinsichtlich Schmerzen, Funktion, Gelenkbildgebung oder unerwünschten Wirkungen (4 Studien; 421 Teilnehmende).

Die auf einer Skala von 0 bis 100 gemessene Schmerzintensität (wobei 0 für keine Schmerzen steht) war bei der Trapeziektomie mit LRTI um 2,8 Punkte geringer.

  • Personen, bei denen eine Trapeziektomie mit LRTI durchgeführt wurde, bewerteten ihre Schmerzen mit 23,2 Punkten.

  • Personen, bei denen eine Trapeziektomie durchgeführt wurde, bewerteten ihre Schmerzen mit 26 Punkten.

Die körperliche Funktionsfähigkeit, gemessen auf einer Skala von 0 bis 100 (wobei 0 die beste Funktionsfähigkeit darstellt), war bei einer Trapeziektomie mit LRTI um 0,03 Punkte schlechter.

Unerwünschte Wirkungen: Nach einer Trapeziektomie mit LRTI traten am Ende der Nachbeobachtung bei 66 von 1000 Personen mehr unerwünschte Wirkungen auf im Vergleich zur alleinigen Trapeziektomie.

  • 133 von 1000 Personen berichteten über ein unerwünschtes Ereignis im Zusammenhang mit einer Trapeziektomie mit LRTI.

  • 67 von 1000 Personen berichteten von einem unerwünschten Ereignis im Zusammenhang mit einer Trapeziektomie.

Gelenkbildgebung: Der Abstand zwischen dem Kahnbein (einem Knochen im Handgelenk) und dem ersten Mittelhandknochen (einem Knochen in der Hand, der das Handgelenk mit dem Daumen verbindet) war bei einer Trapeziektomie mit LRTI um 0,1 mm geringer als bei einer Trapeziektomie ohne LRTI.

In den Studien wurden weder die allgemeine Zufriedenheit der Patienten mit der Behandlung noch die Rate an Therapieversagen oder die Lebensqualität erfasst.

Was schränkt die Evidenz ein?

Wir haben wenig Vertrauen in die Evidenz dafür, dass eine Trapeziektomie mit einer LRTI Schmerzen lindert, die Funktion verbessert oder dazu führt, dass mehr Menschen über unerwünschte Wirkungen berichten. Das liegt daran, dass die Studien klein waren und die chirurgischen Verfahren von Studie zu Studie erheblich variierten.

Wir sind uns unsicher, ob eine Operation Vorteile gegenüber dem Verzicht auf eine Operation, nicht-chirurgischen Therapien oder einer Scheinoperation (Placebo) bietet, da wir keine Studien gefunden haben, die diesen Vergleich untersucht haben. Zukünftige Studien werden die aktuellen Einschätzungen wahrscheinlich korrigieren.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Dies ist eine aktualisierte Fassung eines Reviews, der erstmals im Jahr 2005 veröffentlicht wurde. Die Evidenz entspricht dem Stand vom 19. Mai 2025.

Baljer B, Vinycomb T, Low N

Was sind Nutzen und Risiken einer Botox-A-Injektion zur Behandlung anhaltender Nackenschmerzen?

2 weeks 3 days ago
Kernaussagen
  • Im Vergleich zu einem Kochsalz-Placebo (einer inaktiven sterilen Salzlösung) kann Botox-A kurzfristig eine leichte Schmerzlinderung bewirken (6 % stärker als unter Placebo). Dieser Effekt hält jedoch nicht langfristig an. Die Betroffenen berichten möglicherweise sowohl kurz- als auch langfristig von einer leichten Verbesserung des Behandlungserfolgs (20 %). Möglicherweise verbessert sich weder die Fähigkeit der Betroffenen, alltägliche Tätigkeiten auszuführen, noch ihr gesundheitsbezogenes Wohlbefinden. Es besteht möglicherweise ein um 16 % erhöhtes Risiko für leichte unerwünschte Wirkungen wie Schmerzen an der Injektionsstelle, Muskelermüdung, Muskelkater oder Kopfschmerzen, die bis zu drei Wochen anhalten können.

  • Die Hersteller von Botox-A haben einen Teil der Forschung finanziert, was möglicherweise die Studien beeinflusst und den Nutzen dieser Behandlung überbewertet hat.

  • Zukünftige Studien sollten größer angelegt sein, methodisch hochwertiger durchgeführt werden und über einen längeren Zeitraum laufen. Die Studien sollten unabhängig finanziert werden.

Was ist Botox-A?

Botox-A ist ein Neurotoxin (eine chemische Substanz), das bestimmte Muskeln vorübergehend schwächt, lähmt oder bestimmte Nerven blockiert. Es wird in Triggerpunkte injiziert. Triggerpunkte sind als besonders empfindliche Knoten in verspannten Skelettmuskelsträngen definiert, die Schmerzen in Körperregionen auslösen können, die nicht direkt an der betroffenen Stelle liegen. Dieses Phänomen wird als übertragener Schmerz bezeichnet.

Botox-A könnte bei hartnäckigen Nackenschmerzen helfen, indem es Muskelverspannungen und -krämpfe sowie die damit verbundenen Schmerzsignale reduziert.

Es können leichte und vorübergehende unerwünschte Wirkungen auftreten, wie zum Beispiel kleine Stellen, die schmerzen oder empfindlich sind. Es können seltene Ereignisse wie schwere allergische Reaktionen auftreten, die zum Tod führen können.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob bei Menschen mit anhaltenden Nackenschmerzen Botox-A bei der Linderung folgender Symptome wirksamer ist als eine Placebo-Injektion mit Kochsalzlösung (eine inaktive sterile Salzlösung):

  • Schmerz;

  • körperliche Funktionsfähigkeit (Fähigkeit, alltägliche Aktivitäten auszuführen);

  • gesundheitsbezogenes Wohlbefinden;

  • als wie erfolgreich die Betroffenen ihre Behandlung empfanden;

  • Patientenzufriedenheit.

Nackenschmerzen können Symptome im Kopf, im oberen Rücken und im Arm umfassen, die ihren Ursprung im Nacken haben. Nackenschmerzen können mit oder ohne begleitende myofasziale Schmerzen (empfindliche Knoten mit verspannten Muskelsträngen), degenerative Veränderungen, Schleudertrauma-bedingte Beschwerden und vom Nacken ausgehende Kopfschmerzen auftreten.

Wir wollten auch wissen, ob Botox-A unerwünschte Wirkungen hervorruft.

Wie sind wir vorgegangen?

Wir haben nach Studien gesucht, in denen Injektionen mit Botox-A mit einem Placebo verglichen wurden. Wir haben die Ergebnisse der Studien verglichen und zusammengefasst und unser Vertrauen hinsichtlich der Evidenz bewertet. Dabei haben wir Faktoren wie die Studienmethodik, unterschiedliche Behandlungsdosen, die Übereinstimmung der Studienergebnisse sowie die Größe der Studien berücksichtigt.

Was fanden wir heraus?

Wir haben 16 Studien mit insgesamt 855 Personen mit anhaltenden Nackenschmerzen (myofasziale Schmerzen, Schleudertrauma-assoziierte Beschwerden oder vom Nacken ausgehende Kopfschmerzen) gefunden. Sie waren zwischen 18 und 80 Jahre alt, davon waren mehr als die Hälfte (64%) Frauen. Die meisten Studien dauerten zwischen 3 und 12 Wochen; nur zwei Studien erstreckten sich über 24 Wochen oder länger. Sie fanden in Schmerzambulanzen in Krankenhäusern, chirurgischen Abteilungen und an Universitäten in Nord- und Mittelamerika, Europa, dem Nahen Osten und Asien statt. In den meisten Studien wurden kurzfristige Ergebnisse (bis zu drei Monate) berichtet. Die Gesamtdosis an Botox-A lag zwischen 10 und 400 Einheiten und wurde an 1 bis 10 Triggerpunkten verabreicht.

Hauptergebnisse

Bei Personen mit anhaltenden Nackenschmerzen, die mit Botox-A im Vergleich zu Placebo behandelt wurden:

  • kann es möglicherweise zu einer leichten kurzfristigen Linderung der Schmerzen kommen (6 %; 12 Studien, 393 Personen), doch diese Veränderungen haben möglicherweise keine spürbaren Auswirkungen auf den Alltag. hält möglicherweise die festgestellte Schmerzlinderung langfristig nicht an;

  • gibt es möglicherweise nur einen geringen oder gar keinen Nutzen für die alltägliche körperliche Funktionsfähigkeit (2 %; 3 Studien, 76 Personen) oder das gesundheitsbezogene Wohlbefinden, doch sind wir hinsichtlich dieser Evidenz nicht sicher;

  • könnte es möglicherweise sowohl kurzfristig (20 %; 1 Studie, 19 Teilnehmende) als auch langfristig (20 %; 1 Studie, 31 Teilnehmende) eine leichte Verbesserung des von den Teilnehmenden angegebenen Behandlungserfolgs geben;

  • kann möglicherweise das Risiko für leichte Wirkungen wie Schmerzen an der Injektionsstelle, Muskelermüdung, Muskelkater oder allgemeine Kopfschmerzen im Vergleich zu Placebo um 16 % höher sein. Diese unerwünschten Wirkungen können bis zu drei Wochen anhalten.

In keiner Studie wurde die Patientenzufriedenheit untersucht.

Was schränkt die Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Evidenz ist aus mehreren Gründen eingeschränkt.

  • Da die meisten Studien nur kurzfristig angelegt waren, sind die langfristigen Auswirkungen nicht bekannt.

  • Die meisten Studien wurden von Pharmaunternehmen finanziert, sodass die Vorteile von Botox-A möglicherweise überbewertet wurden.

  • Die in mehreren Studien angewandten Methoden haben wahrscheinlich Fehlerquellen eingeführt, darunter die Art und Weise der Gruppenzuteilung sowie die Möglichkeit, dass den Teilnehmenden bewusst war, welche Behandlung sie erhielten.

  • In den Studien wurden unterschiedliche Dosierungen von Botox-A verwendet, was einen Vergleich der Ergebnisse erschwert.

Zukünftige Studien sollten unabhängig finanziert werden, auf fundiertere Methoden zurückgreifen und Langzeitergebnisse liefern.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand vom März 2026. Diese Übersicht ergänzt die 2011 veröffentlichte Vorgängerversion um 10 neue Studien. Wir stellten eine möglicherweise leichte Linderung der Schmerzen fest.

Gross AR, Lee H, Chacko N, Kovacevic L, Smith A, Shanthanna H, Burnie SJ, Forget M, Schneider G, Santaguida PL, Bobos P

Medikamente bei Posttraumatischer Belastungsstörung

2 weeks 3 days ago
Warum ist dieser Review wichtig?

Eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) tritt nach dem Erleben eines schweren Traumas auf und verursacht enorme persönliche und gesellschaftliche Kosten. Obwohl die Erkrankung traditionell mit Psychotherapie behandelt wurde, haben sich medikamentöse Therapien bei der Behandlung von PTBS als wirksam erwiesen.

Für wen ist dieser Review interessant?

- Menschen mit PTBS.
- Angehörige und Freunde von Menschen, die an einer PTBS leiden.
- Hausärzte, Psychiater, Psychologen und Apotheker.

Was wurde in diesem Review untersucht?

- Ist eine medikamentöse Therapie wirksam bei der Linderung von PTBS-Symptomen bei Erwachsenen mit PTBS?

Welche Studien wurden in diesen Review eingeschlossen?

Wir schlossen Studien ein, die Medikamente mit Placebo oder einer Kontrollbehandlung (oder beidem) zur Behandlung von PTBS bei Erwachsenen verglichen.
Wir haben 66 Studien mit insgesamt 7442 Teilnehmenden in das Review einbezogen.

Was sagt uns die Evidenz dieses Reviews?

Die Daten sprechen dafür, dass selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (engl. Selective Serotonin Reuptake Inhibitors, kurz SSRI) im Vergleich zu Placebo wahrscheinlich eine positive Wirkung auf die PTBS-Symptome haben, wobei die Evidenz eine moderate Vertrauenswürdigkeit aufweist. Zudem gab es Hinweise, dass das noradrenerge und spezifisch serotonerg wirkende Antidepressivum (NaSSA) Mirtazapin und das trizyklische Antidepressivum (TCA) Amitriptylin möglicherweise bei der Linderung von PTBS-Symptomen wirksam sind, wobei diese Evidenz eine niedrige Vertrauenswürdigkeit aufweist. Wir fanden zudem keine Hinweise auf einen Nutzen hinsichtlich der Anzahl der Teilnehmenden, bei denen sich der Zustand nach der Behandlung mit einem Antipsychotikum im Vergleich zur Placebo-Gruppe verbesserte; dies basiert auf Evidenz mit niedriger Vertrauenswürdigkeit. Bei den übrigen Medikamentenklassen konnten wir keine Evidenz für einen Nutzen hinsichtlich der Linderung von PTBS-Symptomen feststellen.

Es gab Hinweise darauf, dass in der Gruppe der Patienten, die einzelne SSRI-Präparate einnahmen, mehr Patienten aufgrund von unerwünschten Wirkungen aus der Studie ausschieden als in der Placebo-Gruppe. Die absoluten Abbruchraten waren in den SSRI-Gruppen jedoch gering.

Wie sieht das weitere Vorgehen aus?

Die meisten Ergebnisse für die Wirksamkeit der medikamentösen Therapie beziehen sich auf SSRI zur Akutbehandlung. Es besteht ein anhaltender Bedarf an der Entwicklung neuer medikamentöser Therapien für PTBS.

Williams T, Phillips NJ, Stein DJ, Ipser JC

Wie genau sind Modelle zur Vorhersage des Brustkrebsrisikos bei Frauen mit Brustkrebs in der Familie?

2 weeks 3 days ago
Kernaussagen
  • Wir haben vier Modelle zur Vorhersage des Brustkrebsrisikos gefunden, die oft genug getestet wurden, um sie genauer beurteilen zu können. Es handelte sich dabei um die Modelle Gail, Tyrer-Cuzick, BOADICEA und BRCAPRO.

  • Das BOADICEA-Modell war eines der zuverlässigeren Instrumente zur Abschätzung des zukünftigen Brustkrebsrisikos bei Frauen mit einer familiären Vorbelastung für diese Erkrankung. Das bedeutet, es könnte ihnen und ihren Ärzten bei der Entscheidung über die Behandlung unterstützen.

  • Weitere Forschung ist erforderlich, damit die vorhandenen Risikomodelle zuverlässiger vorhersagen können, welche Frauen mit familiärer Vorbelastung tatsächlich an Brustkrebs erkranken und welche nicht.

Warum ist es hilfreich, das Brustkrebsrisiko einer Frau vorhersagen zu können?

Frauen, in deren Familie Brustkrebs vorkommt, haben ein erhöhtes Risiko, im Laufe ihres Lebens selbst an Brustkrebs zu erkranken. In Kliniken wird die Wahrscheinlichkeit, dass eine Frau innerhalb eines bestimmten Zeitraums an Brustkrebs erkrankt, häufig mithilfe statistischer Instrumente geschätzt, die als Modelle zur Risikovorhersage für Brustkrebs bezeichnet werden.

Die Möglichkeit, das Brustkrebsrisiko einer Frau mit Brustkrebs in der Familie genau einzuschätzen, hilft Ärzten und der betroffenen Frau dabei zu entscheiden, wie ihr Brustkrebsrisiko bewältigt oder verringert werden kann. Die Behandlung kann Folgendes umfassen:

  • regelmäßige bildgebende Untersuchungen mittels Mammografie oder Magnetresonanztomografie (MRT; ein bildgebendes Verfahren, das detaillierte Aufnahmen des Brustgewebes erstellt), um Brustkrebs möglichst frühzeitig zu erkennen;

  • die Einnahme von risikomindernden Medikamenten; oder

  • in manchen Fällen die operative Entfernung beider Brüste zur Vorbeugung von Brustkrebs.

Derzeit ist unklar, welches der verfügbaren Modelle zur Vorhersage des Brustkrebsrisikos bei Frauen mit Brustkrebs in der Familie am besten funktioniert.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten:

  • Modelle zur Vorhersage des Brustkrebsrisikos ermitteln, die bei Frauen mit Brustkrebs in der Familie entwickelt oder getestet wurden (oder beides); und

  • beurteilen, wie genau sie das zukünftige Brustkrebsrisiko bei diesen Frauen vorhersagen.

Wie gingen wir vor?

Wir haben nach Studien gesucht, in denen diese Modelle entwickelt oder getestet wurden. Wir haben untersucht, wie genau die Modelle das Brustkrebsrisiko vorhersagen, wobei wir uns auf folgende Aspekte konzentriert haben:

  • ob die vorhergesagte Anzahl der Brustkrebsfälle mit der tatsächlich eingetretenen Anzahl übereinstimmte (Kalibrierung); und

  • ob das Modell zwischen Frauen unterscheiden konnte, die an Brustkrebs erkrankten, und solchen, bei denen dies nicht der Fall war (Trennschärfe).

Sobald genügend Studien dasselbe Modell untersucht hatten, haben wir ihre Ergebnisse statistisch zusammengefasst.

Was fanden wir heraus?

Wir haben 12 Modelle zur Abschätzung des zukünftigen Brustkrebsrisikos identifiziert, die in Studien getestet wurden und in denen alle oder die meisten Frauen eine familiäre Vorbelastung für Brustkrebs aufwiesen. Für die Überprüfung der Modelle wurden Daten von zwischen 134 und 130.058 Frauen herangezogen. Die meisten Frauen lebten in Nordamerika, Europa oder Australien, nur wenige stammten aus Asien.

Die Studien wurden von Regierungen (25 Studien), Universitäten (24), gemeinnützigen Organisationen (21) und der Industrie (3) finanziert. Sechs Studien machten keine Angaben zu ihren Finanzierungsquellen, und einige wurden von mehr als einer Quelle finanziert.

Es ist uns gelungen, die Ergebnisse mehrerer Studien für vier Modelle zusammenzufassen: das Gail-, das Tyrer-Cuzick-, das BOADICEA- und das BRCAPRO-Modell.

Kalibrierung: Entsprach die prognostizierte Zahl der Brustkrebsfälle der tatsächlichen Zahl?
  • Die Modelle „Gail“ und „BOADICEA“ schätzten genau die Anzahl der Frauen in den einbezogenen Studien, die innerhalb eines bestimmten Zeitraums an Brustkrebs erkranken würden:

    • Von den 100 Brustkrebsfällen, die Gail vorhergesagt hatte, traten tatsächlich etwa 106 auf;

    • Von 100 von BOADICEA vorhergesagten Brustkrebsfällen traten tatsächlich etwa 98 ein.

  • Das Tyrer-Cuzick-Modell ging davon aus, dass in den Studien mehr Frauen an Brustkrebs erkranken würden, als dies tatsächlich der Fall war. Von den 100 vorhergesagten Brustkrebsfällen traten tatsächlich nur etwa 86 ein.

  • Das BRCAPRO-Modell schätzte, dass in den Studien weniger Frauen an Brustkrebs erkranken würden, als tatsächlich erkrankten. Von 100 prognostizierten Brustkrebsfällen traten tatsächlich etwa 144 auf.

Trennschärfe: Wie gut konnten die Modelle zwischen Frauen unterscheiden, die an Brustkrebs erkranken, und solchen, die nicht daran erkranken?
  • Alle vier Modelle konnten moderat gut vorhersagen, welche Frauen in einem bestimmten Zeitraum an Brustkrebs erkranken und welche nicht, aber keines lieferte wirklich gute Ergebnisse.

  • Die Modelle Tyrer-Cuzick (Version 8), BOADICEA und BRCAPRO konnten in etwa 64 bis 65 von 100 Fällen richtig unterscheiden, welche Frauen an Brustkrebs erkranken würden und welche nicht.

  • Das Gail-Modell schnitt etwas schlechter ab und erkannte nur in 61 von 100 Fällen korrekt, welche Frauen an Brustkrebs erkranken würden.

Was schränkt die Evidenz ein?

Wir haben die Qualität der meisten in unseren Review einbezogenen Studien als schlecht oder unklar bewertet. Das bedeutet, dass wir nicht sicher sein können, dass diese Ergebnisse zuverlässig sind. Unser Vertrauen wurde aus mehreren Gründen geschwächt, darunter:

  • In manchen Studien traten zu wenige Brustkrebsfälle auf, sodass die Genauigkeit der Vorhersagemodelle nur schwer zuverlässig bewertet werden konnte;

  • Nicht alle Studien berichteten die Informationen zur Leistung der Modelle, die wir gesucht haben;

  • In einigen Studien fehlten Informationen oder es wurde nicht erläutert, wie mit fehlenden Informationen umgegangen wurde.

Wie aktuell ist die Evidenz?
Das Review umfasst Studien, die bis Dezember 2024 veröffentlicht wurden.

McGarrigle SA, Hanhauser YP, Mockler D, Gallagher DJ, Kennedy MJ, Damen JAAG, Bennett K, Connolly EM, Supported by the Cochrane Breast Cancer Review Group

Welche Vorteile und Risiken bieten Medikamente zur Gewichtsreduktion bei Kindern und Jugendlichen?

2 weeks 4 days ago
Kernaussagen
  • Es ist unsicher, ob im Vergleich zu Placebo (einer Scheinbehandlung ohne Wirkstoff) Medikamente zur Gewichtsreduktion den Body-Mass-Index (der angibt, ob das Gewicht einer Person im gesunden Bereich liegt) sowie das Körpergewicht leicht senken können. Medikamente zur Gewichtsreduktion haben wahrscheinlich kaum oder gar keinen Einfluss auf die Zahl der Menschen, bei denen unerwünschte oder gesundheitsschädliche Ereignisse auftreten.

  • Wir wissen nicht, ob Medikamente zur Gewichtsreduktion in Kombination mit Änderungen des Lebensstils wirksamer sind als die alleinige Änderung des Lebensstils - oder ob sie zu unerwünschten Wirkungen führen.

  • Um die Vorteile und Risiken besser zu verstehen, benötigen wir weitere Studien, in denen junge Menschen über einen Zeitraum von mindestens einem Jahr begleitet und ihr körperliches und psychisches Wohlbefinden erfasst wird.

Was ist Adipositas?

Adipositas bedeutet, zu viel Körperfett zu haben. Adipositas bei Kindern (0 bis 9 Jahre) und Jugendlichen (10 bis 19 Jahre) erhöht das Risiko für verschiedene Erkrankungen, sowohl kurzfristig als auch im Erwachsenenalter. Adipositas wirkt sich auch darauf aus, wie junge Menschen sich selbst wahrnehmen und mit anderen umgehen, was häufig zu geringem Selbstwertgefühl, Ängsten, Depressionen und sozialen Schwierigkeiten führt.

Wie wird Adipositas behandelt?

Adipositas ist ein komplexes Problem, bei dem viele Faktoren eine Rolle spielen. Kinder und Jugendliche mit Adipositas können von Änderungen ihres Lebensstils profitieren, beispielsweise durch eine verbesserte Ernährung und mehr Bewegung, Beratung und verhaltenstherapeutische Unterstützung. Medikamente zur Gewichtsreduktion kommen in der Regel erst dann in Betracht, wenn eine Umstellung des Lebensstils nicht zum Erfolg geführt hat.

Zur Behandlung von Adipositas bei Kindern und Jugendlichen werden verschiedene Medikamente eingesetzt. Darunter sind neuere Medikamente, die als GLP-1-Agonisten bezeichnet werden und besser unter deren Markennamen, wie z. B. Wegovy und Ozempic, bekannt sind. Wir haben die Wirkungen aller Medikamente zur Gewichtsreduktion gemeinsam betrachtet.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob Medikamente zur Gewichtsreduktion besser wirken als ein Placebo (eine Scheinbehandlung ohne Wirkstoff) oder als eine Umstellung der Lebensstils bei:

  • Senkung des Body-Mass-Index (BMI) – ein Wert, der aus dem Gewicht und der Körpergröße einer Person berechnet wird und angibt, ob sich das Gewicht in einem gesunden Bereich befindet; er wird in Kilogramm pro Quadratmeter (kg/m²) angegeben;

  • Gewichtsreduzierung (kg);

  • das Wohlbefinden steigern.

Wir wollten außerdem herausfinden, ob diese Medikamente dazu führen, dass:

  • unerwünschte Ereignisse auftreten;

  • Personen, die Studien aufgrund unerwünschter Ereignisse vorzeitig abbrechen;

  • durch Adipositas bedingte Gesundheitsprobleme, darunter hoher Blutzucker, Bluthochdruck und ungesunde Blutfettwerte auftreten.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen Medikamente zur Gewichtsreduktion bei Kindern und Jugendlichen mit Placebo, keiner Behandlung, einem anderen Medikament zur Gewichtsreduktion oder Änderungen des Lebensstils verglichen wurden und die mindestens drei Monate dauerten. Wir haben die Ergebnisse der Studien verglichen und zusammengefasst und unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie den Studienmethoden und der Anzahl der beteiligten Jugendlichen bewertet.

Was fanden wir heraus?

Wir haben 37 Studien mit insgesamt 4218 Jugendlichen einbezogen. Bei 28 Studien handelte es sich ausschließlich um Jugendliche. Acht davon waren Kinder und Jugendliche. Eine Studie sah vor, sowohl Kinder als auch Jugendliche einzubeziehen, machte jedoch keine Angaben zu deren Alter. In 31 Studien wurden Medikamente zur Gewichtsreduktion mit Placebo verglichen. In sechs Studien wurden Medikamente zur Gewichtsreduktion in Kombination mit Änderungen des Lebensstils (Änderungen der Ernährung, der körperlichen Aktivität oder beidem) mit alleinigen Änderungen des Lebensstils verglichen.

Hauptergebnisse

Im Vergleich zu Placebo können Medikamente zur Gewichtsreduktion:

  • den BMI möglicherweise um durchschnittlich 1,8 kg/m² senken, basierend auf 25 Studien mit 3091 jungen Menschen. Dies ist nur eine geringfügige Verringerung, die die Gesundheit junger Menschen möglicherweise nicht wesentlich verbessert;

  • möglicherweise zu einer Gewichtsabnahme von durchschnittlich 5,47 kg führen (20 Studien, 2380 Personen);

  • wahrscheinlich kaum oder gar nicht auf das Wohlbefinden junger Menschen Einfluss nehmen (4 Studien, 741 Personen);

  • wahrscheinlich kaum oder gar nicht die Zahl der Personen beeinflussen, bei denen unerwünschte Ereignisse auftraten - was in beiden Gruppen häufig vorkam: Bei 872 von 1000 Personen, denen Medikamente zur Gewichtsreduktion verabreicht wurden, und bei 846 von 1000 Personen, denen ein Placebo verabreicht wurde, traten unerwünschte Ereignisse auf (8 Studien, 1877 Personen);

  • möglicherweise kaum oder gar keinen Einfluss auf die Zahl der Personen nehmen, die Studien aufgrund unerwünschter Ereignisse vorzeitig abbrechen: Von 1000 Personen, denen das Medikament verabreicht wurde, verließen 36 die Studie vorzeitig, verglichen mit 24 von 1000 Personen, denen ein Placebo verabreicht wurde (13 Studien, 2213 Personen);

  • möglicherweise kaum oder gar keinen Einfluss auf durch Adipositas bedingte Gesundheitsprobleme haben (1 Studie, 51 Personen).

Bei den verschiedenen Medikamenten zur Gewichtsreduktion gibt es erhebliche Unterschiede hinsichtlich der Senkung des BMI und des Gewichts.

Wir sind uns sehr unsicher, welche Wirkungen Medikamente zur Gewichtsreduktion in Kombination mit Änderungen des Lebensstils im Vergleich zu alleinigen Änderungen des Lebensstils auf folgende Aspekte haben:

  • Veränderung des BMI;

  • Veränderung des Gewichts;

  • die Anzahl der Personen, die aufgrund unerwünschter Ereignisse vorzeitig die Studie abbrechen.

In keiner der in diesem Vergleich berücksichtigten Studien wurden das Wohlbefinden der Jugendlichen, die Anzahl derjenigen, die unerwünschte Ereignisse erlebt haben, sowie durch Adipositas bedingte Gesundheitsprobleme erfasst.

Was schränkt die Evidenz ein?

Bei beiden Vergleichen war unser Vertrauen in die Evidenz für die meisten Endpunkte eingeschränkt, da die Studien Methoden verwendeten, die wahrscheinlich zu Fehlern in den Ergebnissen führten.

Was Medikamente zur Gewichtsreduktion im Vergleich zu Placebos betrifft , so war unser Vertrauen in die Evidenz für BMI und Körpergewicht ebenfalls eingeschränkt, da die Studienergebnisse variierten. Wir hatten wenig Vertrauen in die Evidenz zur Anzahl der Personen, die Studien aufgrund unerwünschter Ereignisse vorzeitig abgebrochen hatten, da diese sich nur auf wenige Fälle stützten. Wir hatten nur moderates Vertrauen in die Evidenz zum Thema Wohlbefinden, da es zu wenige Studien gab, um sichere Aussagen über die Ergebnisse treffen zu können.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von Juli 2023. Im Juni 2025 haben wir den Stand der laufenden Studien überprüft und die Ergebnisse entsprechend aktualisiert.

Gerardi C, Allocati E, Prutsky G, Carrano FM, Romano E, De Giorgi S, Metzendorf MI, Calcaterra V, Di Lorenzo N, Banzi R

Ist es unbedenklich, die Steroidgabe nach einer Nierentransplantation zu reduzieren?

3 weeks ago
Kernaussagen
  • Nach einer Nierentransplantation werden häufig Steroide verabreicht, um zu verhindern, dass der Körper die neue Niere abstößt. Sie können jedoch unerwünschte Wirkungen wie Gewichtszunahme, hohen Blutzucker und Abnahme der Knochensubstanz verursachen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Steroidgabe zu reduzieren, doch müssen diese sorgfältig gegen das mögliche Risiko einer Nierenabstoßung abgewogen werden (bei der das körpereigene Immunsystem die transplantierte Niere angreift).

  • Bei erwachsenen Nierentransplantierten reduziert der Verzicht auf Steroide möglicherweise die Sterblichkeit nach 1 bis 5 Jahren; nach einem Jahr ist dieser Effekt sehr unsicher. Das Absetzen von Steroiden hat möglicherweise nur geringe oder gar keine Wirkungen auf die Sterblichkeit. Der Verzicht auf Steroide erhöht möglicherweise das Risiko einer akuten Nierenabstoßung, doch das Absetzen der Steroide hat möglicherweise nur geringe oder gar keine Wirkungen auf das Abstoßungsrisiko.

  • Der Verzicht auf Steroide senkt möglicherweise das Risiko, nach einer Transplantation an Diabetes zu erkranken. Der Verzicht auf Steroide oder deren Absetzen hat möglicherweise nur geringe oder gar keine Wirkungen auf Infektionen oder herzbedingte Komplikationen.

Worum geht es?

Eine Nierentransplantation ist in der Regel die bevorzugte Behandlungsmethode für Menschen mit Nierenversagen (wenn die Nieren nicht mehr richtig funktionieren). Die meisten Menschen mit einer Nierentransplantation erhalten im Rahmen ihrer Behandlung Steroide. Steroide helfen dabei, eine Abstoßung der neuen Niere zu verhindern (bei der das körpereigene Immunsystem die transplantierte Niere angreift), können jedoch auch unerwünschte Wirkungen wie Gewichtszunahme, hohen Blutzucker und Abnahme der Knochensubstanz verursachen.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten wissen, welche Nutzen und Risiken mit einer Reduzierung der Steroidgabe nach einer Nierentransplantation verbunden sind. Insbesondere haben wir uns zwei Hauptstrategien angesehen.

  • Verzicht auf Steroide, wenn diese nach der Transplantation weniger als 14 Tage lang angewendet wurden.

  • Absetzen der Steroide, wenn diese länger als 14 Tage eingenommen und danach zu einem beliebigen Zeitpunkt abgebrochen wurden.

Wie gingen wir vor?

Wir haben nach Studien gesucht, die sich mit den Nutzen und Risiken des Verzichts auf oder des Absetzens von Steroiden nach einer Nierentransplantation befassen.

Wir haben die Ergebnisse der Studien verglichen und zusammengefasst und unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie den Untersuchungsmethoden und der Größe der Studien bewertet.

Was fanden wir heraus?

Wir haben 53 Studien mit insgesamt 8317 Nierentransplantierten ausgewertet; drei dieser Studien bezogen Kinder mit ein. Die Zahl der in diese Studien randomisierten Teilnehmenden lag zwischen 21 und 560. Die meisten Studien wurden in Europa und den USA durchgeführt. In diesen Studien wurden verschiedene Methoden zur Reduzierung des Einsatzes von Steroiden verglichen.

Bei erwachsenen Nierentransplantierten haben wir festgestellt, dass das Absetzen der Steroide möglicherweise kaum oder gar keine Wirkungen auf die Sterblichkeit hat (nach 1 Jahr sowie nach 1 bis 5 Jahren). Der Verzicht auf Steroide reduziert möglicherweise die Sterblichkeit nach 1 bis 5 Jahren, wobei dieser Effekt nach einem Jahr sehr unsicher ist. Der Verzicht auf Steroide erhöht möglicherweise das Risiko einer akuten Nierenabstoßung, doch das Absetzen der Steroide hat möglicherweise nur geringe oder gar keine Wirkungen auf das Abstoßungsrisiko.

Der Verzicht auf Steroide senkt möglicherweise das Risiko, nach einer Transplantation an Diabetes zu erkranken.

Der Verzicht auf Steroide oder deren Absetzen hat möglicherweise nur geringe oder gar keine Wirkungen auf Infektionen oder herzbedingte Komplikationen.

Was schränkt die Evidenz ein?

Wir haben nur sehr eingeschränktes bis moderates Vertrauen in die Evidenz, da in den Studien unterschiedliche Arten von zusätzlichen Behandlungen zum Einsatz kamen und die meisten Studien vor mehr als 10 Jahren veröffentlicht wurden. Zudem sind diese Strategien möglicherweise nur für bestimmte Nierentransplantierte geeignet, insbesondere für diejenigen mit einem geringen Risiko einer Nierenabstoßung. Außerdem bezogen sich die meisten Studien auf Erwachsene mit einer Nierentransplantation. Wir haben sehr wenig Vertrauen in die für Kinder ermittelten Ergebnisse. Entscheidungen über die Einnahme von Steroiden sollten im Gespräch zwischen dem Patienten und seinem transplantierenden Arzt getroffen werden, wobei das Abstoßungsrisiko und andere gesundheitliche Zustände zu berücksichtigen sind.

Wie aktuell ist dieser Review?

Der Review ist auf dem Stand von April 2025.

Oliveras L, Melilli E, Cruzado JM, Nagler EV, Webster AC, Pascual J, Montero N, supported by Cochrane Kidney and Transplant

Welche Nutzen und Risiken sind mit dem Einsatz von Thromboelastographie- (TEG) und Thromboelastometrie- (ROTEM) Geräten zur Steuerung von Bluttransfusionen bei Patienten mit schweren Blutungen verbunden?

3 weeks 1 day ago
Kernaussagen

• Es ist möglich, dass TEG (Thromboelastographie) und ROTEM (Thromboelastometrie), die Aufschluss über den Transfusionsbedarf geben, die Sterblichkeit, die Menge des verlorenen Bluts und den Bedarf an Blutprodukten sowie die Notwendigkeit weiterer Operationen verringern können. Dies ist jedoch sehr unsicher. Diese Erkenntnisse beziehen sich vor allem auf Menschen mit Herzoperation.

• Uns lagen keine Informationen über unerwünschte Ereignisse im Zusammenhang mit dieser Diagnostik vor (bspw. Überdiagnostik, die dazu führt, dass Therapien zu früh eingeleitet werden).

• Die Evidenz ist sehr lückenhaft und es sind weitere Studien mit einer größeren Teilnehmerzahl erforderlich, insbesondere bei Kindern und Personen in anderen Kontexten als der Herzchirurgie.

Was sind TEG und ROTEM?

Die Thromboelastographie (TEG) und die Thromboelastometrie (ROTEM) sind Blutanalysegeräte für den Einsatz am Krankenbett, die zur Überwachung der Blutgerinnung und zur Steuerung von Transfusionen von Blutprodukten eingesetzt werden. Starke Blutungen und Gerinnungsstörungen sind schwerwiegende klinische Zustände, die mit einer hohen Sterblichkeitsrate einhergehen.

Zu den Blutprodukten zählen rote Blutkörperchen, frisch gefrorenes Plasma (FFP = fresh frozen plasma), Gerinnungsfaktorkonzentrate, spezielle Gerinnungsfaktorkonzentrate wie ein Kryopräzipitat oder Thrombozyten.

Warum ist das für Menschen mit starken Blutungen wichtig?

Probleme mit starken Blutungen und der Blutgerinnung können durch eine Reihe von Faktoren verursacht werden, die jeweils unterschiedlich behandelt werden müssen. Bei Menschen mit Blutungen infolge einer Operation, eines Traumas (schwere körperliche Verletzung) oder einer Entbindung lässt sich die Gerinnungsfähigkeit des Blutes mithilfe von TEG- und ROTEM-Tests überwachen. Diese Untersuchungen werden am Krankenbett durchgeführt, um Informationen in Echtzeit zu liefern.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten die Nutzen und Risiken des TEG- oder ROTEM-gesteuerten Einsatzes von Blutprodukten bei der Behandlung von Menschen mit schweren Blutungen und Blutgerinnungsstörungen untersuchen. Dies wurde mit der Verwendung von Standard-Labortests und dem klinischen Urteil der Ärzte verglichen.

Uns interessierten die Wirkungen auf:

• Todesfälle jeglicher Ursache;

• die Verwendung von Blutprodukten;

• die Menge des Blutverlusts;

• die Notwendigkeit einer weiteren Operation;

• die Aufenthaltsdauer im Krankenhaus;

- jegliche unerwünschte Wirkungen.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen untersucht wurde, ob Blutgerinnungsanalysegeräte (TEG oder ROTEM) zur Steuerung der Transfusion von Blutprodukten bei Erwachsenen oder Kindern mit schweren Blutungen im Krankenhaus die Sterblichkeit senken. Die Analysegeräte wurden mit oder ohne weitere Laboruntersuchungen eingesetzt und mit Transfusionsentscheidungen verglichen, die auf klinischer Einschätzung, standardmäßiger Labortests oder beidem basierten.

Wir haben die Ergebnisse der Studien verglichen und zusammengefasst und unser Vertrauen in die Evidenz basierend auf Faktoren wie der Studienmethodik und der Anzahl der Teilnehmenden bewertet.

Was fanden wir heraus?

Wir haben 35 Studien (randomisierte kontrollierte Studien) gefunden, an denen 3096 Erwachsene teilnahmen. Bei den meisten dieser Patienten traten nach einer geplanten Herzoperation starke Blutungen auf.

Hauptergebnisse

Die Anwendung einer TEG- oder ROTEM-gesteuerten Behandlung bei Patienten mit schweren Blutungen könnte im Zusammenhang stehen mit:

• einer niedrigeren Sterblichkeit (19 Studien, 1868 Personen).

• einem geringeren Bedarf an Blutprodukten: frisch gefrorenes Plasma (18 Studien, 1536 Personen) oder Thrombozyten (20 Studien, 1607 Personen).

• keinem Unterschied in der Menge der Erythrozytenkonzentrate (21 Studien, 2003 Teilnehmer).

• weniger erneuten Operationen (13 Studien, 1204 Personen).

• weniger Blutverlust (19 Studien, 1523 Personen).

In keiner der Studien wurden die Risiken einer TEG- oder ROTEM-gesteuerten Behandlung untersucht.

Wir sind sehr unsicher bezüglich dieser Ergebnisse.

Was schränkt die Evidenz ein?

• Die TEG- oder ROTEM-gesteuerte Behandlung muss an einer größeren Anzahl von Patienten, einschließlich Kindern, und bei verschiedenen Blutungsursachen untersucht werden, damit wir mehr Gewissheit über die Ergebnisse gewinnen können.

• Die Anzahl der Todesfälle (Mortalität) war das wichtigste Ergebnis dieses Reviews, jedoch hatte keine der einzelnen Studien ausreichend Teilnehmende, um einen Nutzen dafür nachzuweisen, da er selten auftritt.

• Viele der Studien schlossen Teilnehmende mit geplanter Herzoperation ein, bei der der Blutkreislauf während des Eingriffs außerhalb des Körpers aufrechterhalten wird. Die Ergebnisse könnten je nach Ursache der starken Blutung variieren.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von Januar 2025.

Kvisselgaard AD, Wolthers SA, Wikkelsø AJ., Holst LB, Drivenes B, Afshari A

Welche Vorteile und Risiken birgt eine geplante frühe Geburt nach der 34. Woche für Frauen mit Bluthochdruck in der Schwangerschaft?

3 weeks 1 day ago
Kernaussagen
  • Eine geplante frühe Geburt führt zu weniger Komplikationen für die Frau, ohne dass sich das Risiko für einen Kaiserschnitt erhöht.

  • Eine geplante frühe Geburt senkt wahrscheinlich das Risiko einer Totgeburt und führt wahrscheinlich zu kaum oder gar keinen Unterschieden beim Risiko einer Einweisung auf die Neugeborenen-Intensivstation. Die Wirkungen auf die Neugeborenensterblichkeit sind unklar.

  • Es sind weitere Studien erforderlich, um die Wirkungen einer geplanten frühen Geburt auf die langfristige Gesundheit von Frauen und Kindern zu untersuchen.

Was ist Bluthochdruck in der Schwangerschaft?

Bluthochdruck tritt bei jeder zehnten Schwangerschaft auf. Frauen, die während der Schwangerschaft unter Bluthochdruck leiden, haben ein erhöhtes Risiko für Komplikationen. Präeklampsie (Bluthochdruck mit Eiweiß im Urin oder mit Auswirkungen auf andere Organe) ist die schwerwiegendste Form von Bluthochdruck während der Schwangerschaft und entsteht, wenn ein Problem vorliegt, das die Plazenta betrifft.

Wird Bluthochdruck nicht frühzeitig erkannt und behandelt, kann es zu Komplikationen kommen. Dazu können Krampfanfälle (Eklampsie), Schlaganfall, Blut- und Leberfunktionsstörungen (HELLP-Syndrom), Atembeschwerden aufgrund von Flüssigkeit in der Lunge (Lungenödem), Plazentaablösung, Leber- und Nierenversagen gehören. Auch das Neugeborene könnte davon betroffen sein, da es möglicherweise nicht so gut wachsen kann. Dies kann dazu führen, dass das Neugeborene nach der Geburt mehr Unterstützung benötigt und ein erhöhtes Risiko besteht, auf die Neugeborenen-Intensivstation verlegt zu werden. Es kann auch dazu führen, dass das Neugeborene tot geboren wird.

Wie wird Bluthochdruck in der Schwangerschaft behandelt?

Frauen, die während der Schwangerschaft unter Bluthochdruck leiden, wird eine sorgfältige Überwachung empfohlen, die regelmäßige Blutdruck-, Urin- sowie Blut- und Ultraschalluntersuchungen umfassen kann. Manche Frauen müssen möglicherweise Medikamente einnehmen, um ihren Blutdruck in einem unbedenklichen Wertebereich zu halten.

Das Einleiten der Geburt des Kindes ist die einzige Behandlungsmethode, die das Risiko schwerwiegender Komplikationen senkt. Der Zeitpunkt der Entbindung hängt jedoch davon ab, in welchem Stadium sich die Schwangerschaft befindet, ob Anzeichen oder Symptome für Komplikationen vorliegen und um welche Art von Blutdruckproblem es sich handelt.

Bei Frauen, die früh in der Schwangerschaft (vor der 34. Woche) unter Bluthochdruck leiden, wird eine sorgfältige Überwachung empfohlen, sofern keine schwerwiegenden Komplikationen auftreten, da eine frühe Frühgeburt Risiken für das Baby mit sich bringt. Im späteren Verlauf der Schwangerschaft (ab der 34. Woche) ist das Verhältnis von Risiken und Nutzen weniger eindeutig.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob eine geplante frühe Geburt bei Frauen mit Bluthochdruck in der Schwangerschaft nach der 34. Woche besser geeignet ist als eine sorgfältige Überwachung (abwartende Beobachtung), um Komplikationen bei Müttern und Neugeborenen zu verringern. Wir wollten außerdem herausfinden, ob eine geplante frühe Geburt mit unerwünschten Wirkungen verbunden ist.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen eine geplante frühe Geburt verglichen wurde mit einer sorgfältigen Überwachung von Frauen mit jeglicher Art von Bluthochdruck während der Schwangerschaft ab der 34. Woche. Wir haben die Ergebnisse der Studien verglichen und zusammengefasst und unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie Studienmethodik und Stichprobengröße bewertet.

Was fanden wir heraus?

Wir haben sechs Studien gefunden, an denen 3491 Frauen mit Bluthochdruck in der Schwangerschaft teilnahmen und die zwischen 2002 und 2022 durchgeführt wurden. Fünf dieser Studien wurden in Ländern mit hohem Einkommen durchgeführt (Großbritannien, Niederlande, USA). Eine dieser Studien wurde in zwei Ländern durchgeführt, die als Länder mit niedrigem Einkommen (Sambia) bzw. mit unterem mittleren Einkommen (Indien) eingestuft wurden. Der Zeitpunkt der geplanten frühen Geburt variierte zwischen den Studien, je nachdem, wann die Studie durchgeführt und welche Art von Bluthochdruck untersucht wurde.

Hauptergebnisse

Eine geplante frühe Geburt verringert Komplikationen bei Frauen mit Bluthochdruck in der Schwangerschaft nach der 34. Woche. Eine geplante frühe Geburt nach der 34. Woche erhöht das Risiko eines Kaiserschnitts nicht. Eine geplante frühe Geburt hat möglicherweise kaum oder gar keinen Einfluss auf das Risiko mütterlichen Versterbens.

Für das Neugeborene führt eine geplante frühe Geburt wahrscheinlich zu einer deutlichen Verringerung des Risikos einer Totgeburt, hat jedoch wahrscheinlich kaum oder gar keinen Einfluss auf das Risiko einer Einweisung auf die Neugeborenen-Intensivstation. Eine geplante frühe Geburt könnte zu kaum oder gar keinen Unterschieden beim Gesamtrisiko für schwerwiegende Komplikationen nach der Geburt, einschließlich des neonatalen Todes, führen, doch sind wir uns hinsichtlich dieser Ergebnisse sehr unsicher.

Was schränkt die Evidenz ein?

Wir sind von unseren Ergebnissen hinsichtlich der Wirkungen einer geplanten frühen Geburt auf das Gesamtrisiko von Komplikationen bei Frauen und das Risiko eines Kaiserschnitts überzeugt. Was die Wirkungen auf die Neugeborenen angeht, sind wir hinsichtlich unserer Ergebnisse weniger sicher, da nur wenige unerwünschte Wirkungen berichtet wurden.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Dieser Review ist eine Aktualisierung einer vorherigen Version. Die Evidenz ist auf dem Stand vom 16. Januar 2026.

Beardmore-Gray A, Rohwer C, Fernandez Turienzo C, Cluver CA

Welche Vor- und Nachteile haben Medikamente, die die Bildung roter Blutkörperchen anregen (Erythropoese-stimulierende Wirkstoffe), wenn sie Frühgeborenen oder Neugeborene mit niedrigem Geburtsgewicht in der ersten Lebenswoche verabreicht werden?

3 weeks 1 day ago
Kernaussagen
  • Der frühzeitige Einsatz von Medikamenten, die die Bildung roter Blutkörperchen anregen, wie Erythropoetin oder Darbepoetin, führt wahrscheinlich zu kaum oder gar keinen Unterschieden hinsichtlich der Sterblichkeit. Sie verringern möglicherweise mittelschwere bis schwere neurologische Entwicklungsstörungen. Sie haben kaum oder gar keine Wirkungen auf das Auftreten schwerer Augenerkrankungen. Sie verringern möglicherweise den Bedarf an Bluttransfusionen und verringern wahrscheinlich schwere Darmprobleme und schwere Hirnblutungen.

  • Angesichts der Vorteile dieser Medikamente sollte sich künftige Forschung damit befassen, wie diese Medikamente gut in den klinischen Alltag eingeführt und für alle Betroffenen verfügbar und finanziert werden können.

Warum ist eine niedrige Anzahl roter Blutkörperchen ein Problem für Frühgeborene und Neugeborene mit niedrigem Geburtsgewicht?

Rote Blutkörperchen transportieren Sauerstoff durch den Körper und sind für eine gute Gesundheit wichtig. Frühgeborene (Neugeborene, die vor dem errechneten Geburtstermin zur Welt kommen) und Neugeborene mit niedrigem Geburtsgewicht können unter einem Mangel an roten Blutkörperchen leiden. Infolgedessen haben sie ein erhöhtes Sterberisiko, sind anfälliger für schwere Erkrankungen und benötigen unter Umständen Bluttransfusionen (die Zufuhr von Spenderblut direkt in eine Vene mittels Infusion). Neugeborene, die Bluttransfusionen erhalten, sind jedoch möglicherweise einem erhöhten Risiko für Infektionen, schwere Darmprobleme und Augenerkrankungen ausgesetzt.

Was sind Erythropoese-stimulierende Wirkstoffe?

Erythropoese-stimulierende Wirkstoffe (ESAs) sind Medikamente, die die Bildung roter Blutkörperchen anregen. Beispiele für ESA sind Erythropoetin und Darbepoetin.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob die Verabreichung von ESA an Frühgeborene und Neugeborene mit niedrigem Geburtsgewicht in der ersten Lebenswoche Auswirkungen hat auf:

  • den Tod;

  • das Auftreten neurologischer Entwicklungsstörungen;

  • den Bedarf an Bluttransfusionen;

  • das Auftreten einer schweren Augenerkrankung (Frühgeborenen-Retinopathie);

  • das Auftreten schwerwiegender Darmprobleme (nekrotisierende Enterokolitis);

  • das Auftreten schwerer Hirnblutungen (intraventrikuläre Blutungen).

Wie gingen wir vor?

Wir haben nach Studien zu Frühgeborenen (mit einer Schwangerschaftsdauer von weniger als 37 Wochen) oder Neugeborenen mit niedrigem Geburtsgewicht (weniger als 2500 Gramm) gesucht, denen in der ersten Lebenswoche ESA verabreicht wurden. Wir haben Studien einbezogen, in denen ESA mit Placebo (Scheinbehandlung) oder keiner Behandlung verglichen wurden. Wir haben die Ergebnisse der Studien verglichen und zusammengefasst und unser Vertrauen in die Evidenz anhand der Studienmethoden und -größen bewertet.

Was fanden wir heraus?

Wir haben 37 Studien mit insgesamt 6724 Säuglingen gefunden. Die Studien wurden weltweit durchgeführt; die meisten fanden jedoch in Europa statt (15 Studien). Die Studien umfassten zwischen 22 und 1258 Neugeborene.

Hauptergebnisse

Wir haben festgestellt, dass ESA im Vergleich zu Placebo oder keiner Behandlung:

  • wahrscheinlich zu kaum oder gar keinen Unterschieden bei der Sterblichkeit (24 Studien, 5217 Säuglinge) führen;

  • möglicherweise mittelschwere bis schwere neurologische Entwicklungsstörungen verringern (3 Studien, 1707 Säuglinge);

  • möglicherweise den Bedarf an Bluttransfusionen verringern (21 Studien, 3507 Säuglinge);

  • kaum oder gar keine Wirkungen auf schwere Augenerkrankungen haben (14 Studien, 3844 Säuglinge);

  • wahrscheinlich das Risiko schwerwiegender Darmprobleme verringern (20 Studien, 5749 Säuglinge);

  • wahrscheinlich das Risiko schwerer Hirnblutungen verringern (9 Studien, 2458 Säuglinge).

Was schränkt die Evidenz ein?

Wir haben großes bis eingeschränktes Vertrauen in die Evidenz. In den Fällen, in denen unser Vertrauen begrenzt war, lag dies daran, dass das medizinische Personal möglicherweise wusste, welche Behandlung die Neugeborenen erhielten, und wir über weniger Informationen und Erkenntnisse hinsichtlich der Wirkungen von Darbepoetin verfügen (in 35 Studien wurde Erythropoetin verwendet, während in nur zwei Studien Darbepoetin zum Einsatz kam). Zudem variierten die Behandlungen je nach Altersgruppe, und es ist unklar, wie einige Studien durchgeführt wurden.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von März 2025. Dieser Bericht aktualisiert unseren vorherigen Bericht aus dem Jahr 2020.

Anarna K, Fiander M, Mitra S, Supported by the Cochrane Neonatal Group

Verbessert die Kombination aus Immuntherapie und Chemotherapie im Vergleich zu alleiniger Chemotherapie die Behandlungsergebnisse bei frühem dreifach-negativem Brustkrebs?

3 weeks 4 days ago
Kernaussagen

- Bei Patientinnen mit frühem, potenziell heilbarem, dreifach-negativem Brustkrebs (Stadien 1 bis 3) ist nach zusätzlicher Gabe von sogenannten Immuncheckpoint-Inhibitoren (Immuntherapie) zur Chemotherapie vor der Operation im Vergleich zur alleinigen Chemotherapie wahrscheinlich häufiger kein Krebs mehr nachweisbar. Auch die Zeit bis zum Wiederauftreten der Erkrankung sowie die Gesamtüberlebenszeit (Zeit von der Diagnose oder dem Behandlungsbeginn bis zum Tod, unabhängig von der Ursache) verbessern sich wahrscheinlich. Allerdings erhöht die zusätzliche Immuntherapie wahrscheinlich das Risiko schwerwiegender unerwünschter Wirkungen. Die Lebensqualität ist bei beiden Behandlungen möglicherweise ähnlich. Die Gesamtzahl an unerwünschten Wirkungen ist wahrscheinlich ebenfalls ähnlich.

- Es gibt möglicherweise keine Verbesserungen bei der Überlebenszeit, wenn die Immuntherapie nach der Operation zur Chemotherapie hinzugefügt wird.

- Künftige Studien sollten untersuchen, wie Immuncheckpoint-Inhibitoren in verschiedenen Gruppen wirken und sich auf Endpunkte wie die Lebensqualität während und nach der Behandlung konzentrieren.

Was sind Immuncheckpoint-Inhibitoren?

Immuncheckpoint-Inhibitoren sind Medikamente, die in der Krebsbehandlung als Teil einer Therapieform, der so genannten Immuntherapie, eingesetzt werden. Sie wirken, indem sie dem Immunsystem helfen, den Krebs zu bekämpfen. Krebszellen können sich der Aufmerksamkeit des Immunsystems entziehen, indem sie ein Signal nutzen, an dem zwei Proteine namens PD-1 und PD-L1 beteiligt sind. PD-1- und PD-L1-Inhibitoren blockieren dieses Signal und erleichtern es dem Immunsystem, Krebszellen zu finden und sie zu bekämpfen.

Warum ist dies für Menschen mit frühem dreifach-negativem Brustkrebs wichtig?

TNBC ist eine aggressive Form von Brustkrebs, die etwa 12% bis 17 % der Brustkrebsfälle ausmacht. Er kann schwieriger zu behandeln sein als andere Arten von Brustkrebs. Eine Chemotherapie ist die Standardbehandlung bei dieser Erkrankung. Sie kann vor der Operation (neoadjuvant) oder nach der Operation (adjuvant) gegeben werden und kann die Überlebenschancen verbessern. Trotz der Behandlung entwickelt sich bei etwa 30 bis 40 von 100 Menschen mit frühem dreifach-negativem Brustkrebs die Erkrankung weiter. Der Krebs breitet sich dann auf andere Teile des Körpers aus. Dies nennt man Metastasierung.

Derzeit werden neue Behandlungsmethoden untersucht, bei denen die Chemotherapie mit Immuncheckpoint-Inhibitoren kombiniert wird. Diese Medikamente helfen dem Immunsystem, Krebszellen besser zu erkennen und anzugreifen. Studien deuten darauf hin, dass diese Kombination die Behandlungsergebnisse verbessern könnte. Es ist wichtig zu wissen, ob diese Kombination wirksam und sicher ist. Nur so können Ärzt*innen und Patientinnen gut informierte Entscheidungen über die Behandlung treffen.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten wissen, ob die Kombination aus Immuncheckpoint-Inhibitoren und Chemotherapie bei Patientinnen mit frühem dreifach-negativem Brustkrebs besser wirkt als die Chemotherapie allein und ob sie sicher ist.

Wie gingen wir vor?

Wir haben nach Studien gesucht, die Immuncheckpoint-Inhibitoren in Kombination mit einer Chemotherapie mit einer Chemotherapie allein verglichen haben. Wir haben die Ergebnisse zusammengefasst und unser Vertrauen in die Ergebnisse auf der Grundlage von Faktoren wie Studienmethoden und Größe der Studien bewertet.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden sieben Studien mit insgesamt 4341 Personen. In zwei Studien wurden PD-1-Inhibitoren (z. B. Pembrolizumab) und in fünf Studien PD-L1-Inhibitoren (z. B. Durvalumab, Atezolizumab) eingesetzt. In sechs Studien erfolgte die Behandlung vor der Operation, in einer Studie nach der Operation.

In Studien, in denen PD-1- oder PD-L1-Inhibitoren zusätzlich zur Chemotherapie vor der Operation mit alleiniger Chemotherapie verglichen wurden:

• hatten die Patientinnen zum Zeitpunkt der Operation häufiger keine nachweisbaren Krebszellen mehr. Etwa 1,5-mal so viele Patientinnen erreichten dieses Ergebnis wie unter alleiniger Chemotherapie;

• lebten die Patientinnen mit Kombinationstherapie länger, ohne dass der Krebs zurückkehrte; und

• senkt die Kombinationstherapie wahrscheinlich das Risiko zu sterben (im Untersuchungszeitraum von 19,8 bis 75,1 Monaten).

Möglicherweise unterscheidet sich die Lebensqualität zwischen den Gruppen kaum oder gar nicht. Bei der Gesamtzahl an unerwünschten Wirkungen oder behandlungsbedingten Todesfällen gibt es wahrscheinlich nur geringe oder gar keine Unterschiede zwischen den Gruppen. Schwerwiegende unerwünschte Wirkungen traten bei der Immuntherapie wahrscheinlich häufiger auf als bei der Chemotherapie allein.

Nur in einer einzigen Studie wurden Immuncheckpoint-Inhibitoren in Kombination mit einer Chemotherapie mit einer alleinigen Chemotherapie nach einer Operation verglichen. Es gibt nach der Operation möglicherweise keine Verbesserung der Ergebnisse durch die kombinierte Therapie.

Was schränkt die Evidenz ein?

Wir sind uns sicher bis moderat sicher, dass die Kombination aus Immuntherapie und Chemotherapie vor der Operation die Überlebenschancen verbessert. Für die Anwendung nach der Operation ist der Vertrauenswürdigkeit der Ergebnisse zur Wirksamkeit nur gering. Das liegt daran, dass nur eine kleine Studie vorlag. In dieser Studie nahmen zu wenige Patient*innen teil, um verlässliche Schlussfolgerungen zu ziehen. Außerdem wussten die Teilnehmenden möglicherweise, welche Behandlung sie erhielten. Das kann die Ergebnisse beeinflusst haben.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand vom 6. November 2024.

Gao Y, Liu M, Li L, Zhang J, Song F, Tian J

Zink zur Vorbeugung und Behandlung von Erkältungskrankheiten

4 weeks 1 day ago

Kernaussagen
- Die Anwendung von Zinkpräparaten führt im Vergleich zu Placebo möglicherweise zu einer nur geringen oder gar keiner Verringerung des Risikos, eine Erkältung zu entwickeln.

- Bei Personen, die bereits eine Erkältung haben, verkürzt sich möglicherweise die Dauer der Erkältung durch Zinkpräparate im Vergleich zu Placebo.

- Es besteht wahrscheinlich ein erhöhtes Risiko für nicht schwerwiegende unerwünschte Ereignisse, wenn Zink zur Behandlung von Erkältungen eingesetzt wird.

Was ist eine Erkältung?
Eine Erkältung ist eine virale Infektion der oberen Atemwege. Es gibt keine spezifische Kombination von Symptomen, die eine Erkältung definiert. Typische Anzeichen sind jedoch verstopfte oder laufende Nase, Niesen, Halsschmerzen, Husten und Müdigkeit, gelegentlich auch begleitet von Fieber. Die meisten Menschen erholen sich in der Regel ohne ärztliche Behandlung von einer Erkältung. Es gibt keine gezielten Behandlungsmöglichkeiten, um Erkältungen vorzubeugen oder ihre Dauer zu verkürzen. Angesichts der Häufigkeit von Erkältungen bei Erwachsenen und Kindern stellen sie eine Belastung für die öffentliche Gesundheit dar und sind eine wesentliche Ursache für Produktivitätsverluste am Arbeitsplatz und Fehlzeiten in der Schule. Die Vorbeugung und Behandlung von Erkältungen durch Zink stößt auf anhaltendes Interesse.

Was wollten wir herausfinden?
Wir wollten herausfinden, ob Zink einer Erkältung vorbeugen und die Dauer einer bestehenden Erkältung verringern kann. Ein Placebo ist ein Präparat ohne Wirkstoff, das jedoch äußerlich einem echten Medikament gleicht. Placebos werden eingesetzt, um zu bewerten, wie sich die Annahme, eine Behandlung erhalten zu haben, im Vergleich zu einer tatsächlichen medizinischen Behandlung auswirkt.

Wir wollten auch herausfinden, ob Zink mit unerwünschten Wirkungen verbunden ist, insbesondere mit solchen, die als mögliche Komplikationen einer Erkältung gelten. Darüber hinaus untersuchten wir den Gesamtschweregrad der Erkältung (nach Einschätzung der Betroffenen), die Dauer einzelner Symptome sowie die Fehltage bei der Arbeit oder in der Schule.

Wie gingen wir vor?
Wir durchsuchten sechs Datenbanken und zwei Register für klinische Studien nach Studien, in denen Zink mit Placebo zur Behandlung oder Vorbeugung von Erkältungen bei Erwachsenen und Kindern verglichen wurde. Wir verglichen die Ergebnisse der Studien, fassten sie mit statistischen Methoden zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz auf der Grundlage spezifischer Faktoren wie dem Risiko für Verzerrungen (Bias) und der Studienmethoden.

Was fanden wir?
Wir fanden 34 Studien zur Vorbeugung oder Behandlung von Erkältungen. Die Studien wurden in 13 Ländern durchgeführt, die meisten in den USA. Zwölf Studien wurden an Kindern (unter 18 Jahren) und 22 Studien an Erwachsenen durchgeführt. Bei den meisten Interventionen wurde das selbstberichtete Verschwinden der Symptome als Behandlungsende erfasst. Die Mindestbehandlungsdauer betrug fünf Tage, die längste Dauer 540 Tage. Die meisten Studien wurden von mit der Industrie verbundenen Organisationen finanziert oder sie machten keine Angaben zu ihrer Finanzierung. Die übrigen wurden von Privatkliniken, nichtstaatlichen Stiftungen, Universitäten oder staatlichen Stellen finanziert.

Wir bewerteten die Auswirkungen von:

- Zink zur Prävention; und

- Zink zur Behandlung.

Wir erhielten folgende Ergebnisse:

Zink zur Vorbeugung

Im Vergleich zu Placebo hat die Anwendung von Zink möglicherweise nur einen geringen oder gar keinen erkältungsvorbeugenden Effekt (9 Studien, 1449 Personen). Zink zur Vorbeugung wirkt sich wahrscheinlich auch wenig bis gar nicht auf die Dauer der Erkältung aus (3 Studien, 740 Teilnehmende) und möglicherweise auch wenig bis gar nicht auf die Schwere der Symptome (2 Studien, 101 Personen). Unerwünschte Wirkungen wurden sowohl von Personen, die Zink erhielten, als auch von denen, die ein Placebo erhielten, berichtet. Am häufigsten traten Veränderungen im Geschmackssinn und Magenbeschwerden auf.

Zink zur Behandlung

Die Anwendung von Zink zur Behandlung einer Erkältung verkürzt möglicherweise die Dauer der Symptome im Vergleich zu Placebo um etwa zwei Tage (8 Studien, 972 Personen). Wir haben jedoch wenig Vertrauen in die Evidenz, die diese Schlussfolgerung stützt. Es ist unklar, ob Zink einen Einfluss auf die Schwere der Erkältungssymptome hat (2 Studien, 261 Personen). Unerwünschte Wirkungen wurden bei Zinkanwendung zur Erkältungsbehandlung häufiger berichtet als bei Placebo-Behandlung. Am häufigsten traten Veränderungen im Geschmackssinn und Magenbeschwerden auf. In Studien, in denen Zink zur Anwendung in der Nase verabreicht wurde, wurden keine Fälle von Anosmie (Verlust des Geruchssinns) berichtet. Es gibt allerdings zu wenige Informationen zu spezifischen Nebenwirkungen.

Was schränkt die Evidenz ein?
Unser Vertrauen in die Evidenz ist überwiegend niedrig bis sehr niedrig, d.h. die Ergebnisse weiterer Studien könnten von den Ergebnissen dieses Reviews abweichen. Mehrere Faktoren verringerten unser Vertrauen in die Evidenz. Erstens wurde in einigen Studien das Verfahren, wie die Studienteilnehmenden nach dem Zufallsprinzip den Behandlungsgruppen zugeteilt wurden, nicht ausreichend beschrieben. Unterschiede zwischen den Studiengruppen könnten daher auf Unterschiede zwischen den Teilnehmenden und nicht auf die Behandlung zurückzuführen sein. Zweitens war die Art, wie Zink verabreicht wurde, zwischen den Studien sehr unterschiedlich. Aufgrund der großen Unterschiede zwischen den Studien sind wahrscheinlich weitere Studien erforderlich, bevor eindeutige Schlussfolgerungen gezogen werden können.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?
Die Evidenz ist auf dem Stand vom 22. Mai 2023.

Nault D, Machingo TA, Shipper AG, Antiporta DA, Hamel C, Nourouzpour S, Konstantinidis M, Phillips E, Lipski EA, Wieland LS

Hilft die Einnahme von Medikamenten Menschen mit Friedreich-Ataxie?

4 weeks 2 days ago
Kernaussagen
  • Bei Menschen mit einer fortschreitenden genetisch bedingten Erkrankung namens Friedreich-Ataxie, die Nerven und Muskeln beeinträchtigt, hat die einjährige Einnahme von Medikamenten wahrscheinlich kaum oder gar keine Wirkungen auf die Ataxie-Symptome (Koordinations- und Gleichgewichtsstörungen) oder die Sprachfähigkeit. Allerdings verbessert sich wahrscheinlich die Geschicklichkeit der oberen Extremitäten (die Koordinationsfähigkeit von Armen, Händen und Fingern).

  • Wir wissen nicht sicher, ob die Einnahme von Medikamenten bei Menschen mit Friedreich-Ataxie Wirkungen auf die Herzgesundheit, die Fähigkeit zur Bewältigung alltäglicher Aufgaben oder die Reaktion des Körpers auf körperliche Betätigung hat.

  • Basierend auf der vorliegenden Evidenz ist es sehr ungewiss, ob die Medikamente unerwünschte Wirkungen hervorrufen.

Was ist die Friedreich-Ataxie?

Die Friedreich-Ataxie ist eine seltene Erbkrankheit, die Nerven und Muskeln betrifft und in der Regel im Kindesalter, im Alter zwischen 5 und 15 Jahren, auftritt. Es führt zu Schwierigkeiten bei der Bewegungsausführung, die sich zu Unsicherheit beim Stehen und Gehen entwickelt und dazu führt, dass die Betroffenen im späten Teenageralter oder in den frühen Zwanzigern auf einen Rollstuhl angewiesen sind. Es kann mit einer Wirbelsäulenverkrümmung (Skoliose), einer Fußfehlstellung (Hohlfuß) und Herzproblemen einhergehen. Im Verlauf der Erkrankung treten häufig Sprachstörungen, Hörprobleme, Schwierigkeiten bei der Toilettenbenutzung, Muskelspastizität (unkontrollierbare Erhöhung der Muskelspannung), Depressionen, Angstzustände und Sehstörungen auf. Herzprobleme sind bei fast zwei Dritteln der Menschen mit Friedreich-Ataxie eine Ursache für einen vorzeitigen Tod.

Die klinische Untersuchung und Labortestungen sind für die Beurteilung des Krankheitsverlaufs nicht sehr aussagekräftig, was es erschwert, die Ergebnisse von Studien mit Personen mit Friedreich-Ataxie zu interpretieren.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es für die Friedreich-Ataxie?

Derzeit gibt es keine Heilung für die Friedreich-Ataxie. Es wurden verschiedene Medikamente ausprobiert. Ein neues Medikament, Omaveloxolon, wurde kürzlich in den USA und Europa für Menschen über 16 Jahre mit Friedreich-Ataxie zugelassen.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob eines der in randomisierten klinischen Studien getesteten Medikamente dazu beiträgt, die Lebensqualität von Menschen mit Friedreich-Ataxie zu verbessern. Randomisierte klinische Studien sind Untersuchungen, bei denen einige Teilnehmer ein Medikament, andere ein Placebo erhalten – eine Substanz, die keinen medizinischen Nutzen hat, aber genauso aussieht wie das Wirkstoffpräparat. Keiner der an der Studie Beteiligten weiß, wer das Medikament und wer das Placebo erhält.

Dies ist die dritte Aktualisierung einer Cochrane-Übersichtsarbeit, die erstmals im Jahr 2009 veröffentlicht wurde.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach randomisierten klinischen Studien, in denen bei Menschen mit Friedreich-Ataxie ein Medikament mit einem Placebo verglichen wurde und die mindestens 12 Monate dauerten. Wir haben die Ergebnisse der Studien zusammengefasst und unsere Einschätzung hinsichtlich dieser Evidenz bewertet, basierend auf Faktoren wie der Studienmethodik und der Anzahl der teilnehmenden Personen.

Was fanden wir heraus?

Wir haben acht Studien gefunden, von denen sieben über die Ergebnisse nach einer 12-monatigen Einnahme von Medikamenten oder Placebo berichteten. An den Studien nahmen insgesamt 574 Personen teil, deren Durchschnittsalter zwischen 18 und 35 Jahren lag. Die meisten Teilnehmenden (68 %) litten unter schwerer Ataxie, während 32 % eine mittelschwere Ataxie aufwiesen.

Die Studien wurden in Europa, Nordamerika und Australien durchgeführt. Vier davon wurden von der Pharmaindustrie durchgeführt (d. h. von Unternehmen, die die Medikamente herstellen).

In zwei Studien wurde ein Medikament namens Idebenon eingesetzt, während in den übrigen Studien jeweils ein anderes Medikament zum Einsatz kam: Coenzym Q10 in Kombination mit Vitamin E, Epoetin alpha, Omaveloxolon, Leriglitazon, Pioglitazon und RT001.

Wir stellten fest, dass nach einem Jahr wahrscheinlich kaum oder gar kein Unterschied im Ausmaß der Ataxie festzustellen war, unabhängig davon, ob die Teilnehmer Medikamente oder ein Placebo einnahmen (7 Studien, 513 Personen).

Wir sind uns sehr unsicher, ob das Medikament eine Wirkung auf die Herzgesundheit (gemessen an der Dicke des Herzmuskels), die Fähigkeit zur Bewältigung alltäglicher Aufgaben oder die Ergebnisse bei speziellen Tests hat, mit denen die Reaktion des Körpers auf körperliche Belastung gemessen wird.

Wir haben festgestellt, dass das Medikament die Geschicklichkeit der oberen Extremitäten nach einem Jahr wahrscheinlich verbessert (3 Studien [getestet wurden Leriglitazon, Epoetin alpha und Omaveloxolon], 166 Personen).

Wir uns sehr unsicher, ob die Medikamente mehr unerwünschte Wirkungen verursachen als ein Placebo. Wir sind uns unsicher, ob es hinsichtlich der Anzahl der Personen, die die Einnahme abgebrochen haben, sowie der Anzahl der Personen, die während der Studienjahre verstorben sind, möglicherweise kaum oder gar keinen Unterschied zwischen denjenigen gibt, die das Medikament einnahmen, und denjenigen, die ein Placebo erhielten (6 Studien, 313 Personen).

Was schränkt die Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Wirkungen von Medikamenten bei Ataxie ist nur moderat. Das liegt daran, dass die Ergebnisse nicht sehr genau waren. Wir sind hinsichtlich der Wirkungen des Medikaments auf die Geschicklichkeit der oberen Extremitäten nur moderat überzeugt, da dies lediglich in kleinen Studien berichtet wurde. Wir hatten aufgrund der geringen Teilnehmerzahl in den Studien nur sehr wenig Vertrauen in die anderen Endpunkte. Die Studien lieferten unterschiedliche Ergebnisse, und in einigen Studien wurden nicht die Ergebnisse aller durchgeführten Untersuchungen veröffentlicht.

Es ist schwierig, die individuelle Wahrnehmung hinsichtlich der positiven Wirkungen eines neuen Medikaments zu messen, da diese davon abhängen kann, welche Erwartungen die Person vor Beginn der Einnahme hatte und ob sich ihre Erkrankung im Frühstadium oder bereits im fortgeschrittenen Stadium befindet.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz entspricht dem Stand vom 4. Februar 2025.

Lyons S, Kearney M, Fahey MC, Janjal P, Pandolfo M, Patton P

Ist der Prostata-spezifische Antigen-(PSA)-Test im Blut eine wirksame Früherkennungsuntersuchung für Prostatakrebs?

4 weeks 2 days ago
Kernaussagen
  • Der PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs senkt wahrscheinlich leicht das Risiko, an Prostatakrebs zu sterben. Möglicherweise verringert er auch das Sterberisiko insgesamt. Der PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs hat wahrscheinlich kaum oder gar keinen Einfluss darauf, wie häufig fortgeschrittener Prostatakrebs diagnostiziert wird. Möglicherweise senkt er jedoch die Zahl der Diagnosen von metastasiertem Prostatakrebs – also Krebs, der bereits in andere Körperbereiche gestreut hat.

  • Der PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs erhöht wahrscheinlich die Zahl der Männer, bei denen Prostatakrebs festgestellt wird – insbesondere Krebs im Frühstadium. Dadurch besteht das Risiko, dass manche Männer eine Diagnose und Behandlung für einen Krebs erhalten, der ihnen im Laufe ihres Lebens möglicherweise keine Beschwerden oder gesundheitlichen Probleme verursacht hätte.

  • Ein neuerer Screening-Ansatz kombiniert den PSA-Test mit weiteren Blutmarkern und bildgebenden Untersuchungen der Prostata. Er entdeckt wahrscheinlich mehr Fälle von Prostatakrebs als kein Screening. Ob dadurch weniger Männer an Prostatakrebs oder insgesamt sterben, ist jedoch unklar.

Was ist der PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs?

Prostatakrebs entsteht in der Prostata. Diese kleine Drüse liegt unterhalb der Blase und produziert einen Teil der Samenflüssigkeit. Prostatakrebs gehört zu den häufigsten Krebsarten bei Männern und betrifft vor allem Männer über 50 Jahre. Wenn Prostatakrebs frühzeitig erkannt wird, lässt sie sich in der Regel erfolgreich behandeln. Früherkennungsuntersuchungen sollen Prostatakrebs möglichst früh erkennen, wenn möglicherweise noch keine Symptome vorliegen, oder bevor langsam wachsende Tumore Probleme verursachen.

Der PSA-Bluttest misst die Menge des sogenannten Prostata-spezifischen Antigens (PSA) im Blut. Erhöhte PSA-Werte können auf Prostatakrebs hinweisen. Bei Männern mit erhöhtem PSA-Wert wird häufig eine Biopsie durchgeführt. Dabei wird eine kleine Gewebeprobe aus der Prostata entnommen und auf Krebs untersucht. Anschließend werden Behandlungen wie Operationen oder Bestrahlungen durchgeführt. Diese Behandlungen können jedoch unerwünschte Wirkungen verursachen, zum Beispiel Harninkontinenz, häufigen oder starken Harndrang, Erektionsstörungen oder Darmprobleme.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob die Früherkennung von Prostatakrebs mit dem PSA-Test bei Männern ohne Beschwerden das Risiko senkt, an Prostatakrebs oder aus anderen Ursachen zu sterben. Wir wollten außerdem herausfinden, ob die PSA-Untersuchung:

  • Schaden verursacht;

  • die Lebensqualität von Männern beeinträchtigt; und

  • ob sich die Früherkennung darauf auswirkt, wie häufig Prostatakrebs diagnostiziert wird und in welchem Stadium der Krebs entdeckt wird – ob er noch auf die Prostata begrenzt ist, bereits über die Prostata hinausgewachsen ist oder sich auf andere Körperteile ausgebreitet hat (metastasiert ist).

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, die PSA-Screening bei Männern ohne Krebsbeschwerden mit keinem Screening verglichen. Wir verglichen und fassten die Ergebnisse der Studien zusammen und bewerteten, wie vertrauenswürdig die Evidenz ist. Dabei berücksichtigten wir unter anderem die Studienmethoden und die Anzahl der eingeschlossenen Männer.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden sechs Studien mit insgesamt 789.086 Männern. Die meisten Teilnehmer waren weiß. Die Studien wurden in Kanada, Europa und den USA durchgeführt. Die Männer waren zwischen 45 und 80 Jahre alt und wurden über einen Zeitraum von 3,2 bis 23 Jahren beobachtet.

Hauptergebnisse

Der PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs:

  • verringert wahrscheinlich das Risiko, innerhalb einer Nachbeobachtung von 23 Jahren an Prostatakrebs zu sterben: Pro 1000 untersuchte Männer sterben 2 Männer weniger an Prostatakrebs (Evidenz aus einer Studie mit 162.241 Männern);

  • verringert möglicherweise das Risiko, an irgendeiner Ursache zu sterben: Pro 1000 untersuchte Männer sterben möglicherweise 5 weniger an Prostatakrebs (4 Studien, 675.121 Männer);

  • hat möglicherweise kaum oder gar keinen Einfluss auf die Zahl der Männer mit schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen, wie Todesfällen infolge einer Biopsie oder einer Behandlung von Prostatakrebs (1 Studie, 408.721 Männer);

  • beeinflusst möglicherweise kaum oder gar nicht die Lebensqualität der Männer (1 Studie, 969 Männer).

Was die Diagnose von Prostatakrebs betrifft, gibt es Evidenz aus einer Studie mit 162.236 Männern, dass der PSA-Test:

  • wahrscheinlich die Zahl der Männer erhöht, bei denen Prostatakrebs oder lokal begrenzter Prostatakrebs diagnostiziert wird: Pro 1000 untersuchte Männer wird bei 36 weiteren Männern Prostatakrebs jeglicher Art und bei 34 weiteren Männern lokal begrenzter Krebs diagnostiziert;

  • wahrscheinlich kaum oder gar keinen Einfluss auf die Diagnose von fortgeschrittenem Prostatakrebs hat;

  • möglicherweise die Zahl der Diagnosen von metastasierendem Krebs senkt: möglicherweise 5 Männer weniger pro 1000 gescreenten Männern.

Wir fanden keine Evidenz zu weiteren unerwünschten Wirkungen der Früherkennung. Dazu gehörten Probleme nach Biopsien, wie schwere Infektionen oder Krankenhausaufenthalte, sowie Beschwerden nach Behandlungen, zum Beispiel Harnwegsprobleme, Erektionsstörungen oder Darmprobleme.

In einer Studie mit 60.745 Männern wurde ein neuerer Screening-Ansatz untersucht. Dabei wurde der PSA-Bluttest mit weiteren Bluttests und bildgebenden Untersuchungen der Prostata kombiniert. Dieser Ansatz macht im derzeit überblickten Zeitraum von gut drei Jahren wahrscheinlich bei der Zahl der Prostatakrebsdiagnosen nur einen kleinen Unterschied im Vergleich zu keinem Screening In dieser Studie wurde nicht berichtet, ob sich das Screening auf die Zahl der Todesfälle ausgewirkt hat.

Was schränkt die Evidenz ein?

Wir haben moderates Vertrauen in die Evidenz einer großen, gut durchgeführten Langzeitstudie. In die Evidenz aus den übrigen fünf Studien haben wir weniger Vertrauen, da es Bedenken hinsichtlich der Durchführung der Studien gibt und sich ihre Ergebnisse unterscheiden.

Diese Übersichtsarbeit liefert nur wenige Informationen zu den unerwünschten Wirkungen der Früherkennung. Die eingeschlossenen Studien erfassten solche Daten meist nicht – insbesondere nicht seltene oder erst später auftretende Folgen.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Dies ist eine Aktualisierung unseres Reviews aus dem Jahr 2013. Die Evidenz ist auf den Stand vom 19. November 2025.

Franco JVA, Hwang EC, Jung JH, Vaimberg O, Ilic D, Cleves A, Dahm P
Checked
23 hours 32 minutes ago
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