Cochrane Kompakt

Helfen digitale Technologien Menschen mit Mukoviszidose, ihre Inhalationstherapie einzuhalten?

7 hours 3 minutes ago
Kernaussagen

Kurzfristig unterstützt die digitale Technologie Menschen mit Mukoviszidose möglicherweise dabei, ihre Inhalationstherapie einzuhalten. Sie hat jedoch nur geringe oder gar keine Auswirkungen auf die Lungenfunktion oder pulmonale Exazerbationen, also eine akute Verschlechterung des Gesundheitszustands, die meist durch Infektionen verursacht wird.

Mittelfristig wird die Kombination aus digitaler Überwachung und maßgeschneiderter Unterstützung über eine Online-Plattform die Menschen wahrscheinlich dazu ermutigen, die inhalative Behandlung beizubehalten. Dadurch wird die Belastung durch die Behandlung wahrscheinlich verringert, ihre Lebensqualität wird jedoch wahrscheinlich nicht verbessert.

Zukünftige Forschungen sollten prüfen, wie digitale Technologien Kindern und Erwachsenen mit Mukoviszidose helfen können, ihre inhalativen Behandlungen einzuhalten, und wie sie sich auf andere Bereiche ihrer Behandlung auswirken.

Was ist Mukoviszidose?

Mukoviszidose ist eine lebensbedrohliche Erbkrankheit, bei der sich klebriger, zäher Schleim in der Lunge und im Verdauungssystem bildet. Mit der Zeit wird die Lunge geschädigt, sodass sie schließlich nicht mehr richtig funktioniert.

Wie wird Mukoviszidose behandelt?

Derzeit gibt es keine Heilung für Mukoviszidose, aber Behandlungen helfen, die Symptome zu kontrollieren und Komplikationen zu verringern. Zu den Behandlungen gehören Antibiotika zur Vorbeugung und Behandlung von Infektionen der Atemwege sowie Medikamente, die den Schleim in der Lunge verdünnen und das Abhusten erleichtern. Menschen mit Mukoviszidose verwenden Inhalatoren und Vernebler, um Medikamente schnell in die Lunge zu bringen. Vernebler sind kleine Geräte, die flüssige Medikamente in einen Nebel verwandeln, der über ein Mundstück oder eine Maske inhaliert wird.

Die Behandlung von Mukoviszidose ist kompliziert und zeitaufwändig; Menschen mit Mukoviszidose verbringen in der Regel 2 bis 2,5 Stunden täglich mit der Behandlung.

Die Menschen nutzen zunehmend digitale Technologien, um ihre Gesundheit und Fitness mit Hilfe von Aktivitätsmessgeräten und Mobiltelefonanwendungen zu überwachen. Menschen mit Mukoviszidose nutzen digitale Technologien, um ihre Behandlung zu verfolgen und zu verbessern. Einige Technologien ermöglichen das Hochladen von Informationen ins Internet, so dass Einzelpersonen und ihre Gesundheitsteams diese Informationen sofort zur Überwachung und Verbesserung der Behandlung nutzen können.

Was wollten wir herausfinden?

Kann digitale Technologie Menschen mit Mukoviszidose helfen, ihre Inhalationstherapie einzuhalten?

Haben die digitalen Technologien zur Überwachung der Adhärenz unerwünschte oder schädliche Wirkungen?

Wie gingen wir vor?

Wir haben nach Studien gesucht, die jegliche Art von digitaler Technologie zur Überwachung der Einhaltung von Inhalationstherapien bei Mukoviszidose untersuchen. Wir fassten die Ergebnisse der Studien zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz auf der Grundlage von Faktoren wie den Methoden und der Größe der Studien.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden zwei Studien mit 628 Personen im Alter von fünf bis 41 Jahren, die verschiedene digitale Technologien verwendeten. Wir konnten ihre Ergebnisse nicht kombinieren und haben sie getrennt analysiert. Bei beiden Studien wurden die Teilnehmenden nach dem Zufallsprinzip in eine von zwei Gruppen eingeteilt, wobei die Chancen, in einer der beiden Gruppen zu sein, gleich groß waren.

In einer kleinen Studie mit 20 Kindern im Alter von 5 bis 16 Jahren wurden zwei Atemmodi eines digitalen Verneblers miteinander verglichen. Das Gerät verabreichte ein Antibiotikum als inhalativen Nebel. Ein Modus ermutigte die Kinder, über ein angepasstes Mundstück längere und tiefere Atemzüge zu machen; der andere Modus bestand aus dem üblichen Atemmuster. Die Studie dauerte 10 Wochen.

An der größeren Studie nahmen 608 Personen im Alter von 16 Jahren und älter teil. Verglichen wurde ein Vernebler, der die Anwendung automatisch erfasst und mit der webbasierten Plattform CFHealthHub verbunden ist, mit demselben Vernebler ohne Anbindung an diese Plattform. CFHealthHub ermöglichte den Teilnehmenden den Zugriff auf ihre Adhärenzdaten und die individuelle Betreuung durch die Studienautor*innen, die 12 Monate lang Daten sammelten.

Hauptergebnisse

Die Studie zum Vergleich der Inhalationsarten ergab, dass die Kinder, die den digital verstärkten Atemmodus verwendeten, die Verneblerbehandlung besser einhielten als die Kinder, die den üblichen Atemmodus verwendeten. Für die Lungenfunktion machte dies jedoch möglicherweise kaum einen Unterschied. Es gab keine schädlichen oder unerwünschten Wirkungen bei der Verwendung der verschiedenen Inhalationsarten.

Die zweite Studie zeigte, dass die Kombination eines Online-Programms mit einem Vernebler zur Datenerfassung wahrscheinlich die Therapietreue im Vergleich zur alleinigen Verwendung des Verneblers verbessert. Die Kombination aus Vernebler und Online-Unterstützung reduziert wahrscheinlich auch die Belastung durch die Behandlung. Es macht jedoch wahrscheinlich nur einen geringen oder gar keinen Unterschied in Bezug auf die Lebensqualität oder die Anzahl der Krankheitsschübe. Die Kinder in der Gruppe mit Online-Plattform berichteten insgesamt etwas häufiger über unerwünschte Wirkungen. Bei den unerwünschten Wirkungen, die wir als direkt mit der Behandlung zusammenhängend einstuften – gemessen anhand von Angst- und Depressionswerten –, zeigte sich jedoch kein Unterschied zwischen den beiden Gruppen.

Was schränkt die Aussagekraft der Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Evidenz aus der kleineren Studie ist begrenzt, da sie sehr klein war und sich auf Kinder konzentrierte, während unsere Frage breiter angelegt war. Außerdem wurde nur über zwei der geplanten Endpunkte berichtet.

Unser Vertrauen in die Evidenz aus der größeren Studie reichte von gering bis mäßig. Diese Studie war größer und erfasste mehr der für unsere Fragestellung wichtigen Endpunkte. An dieser Studie nahmen jedoch nur Personen ab 16 Jahren teil, so dass wir nicht wissen, ob die Ergebnisse auch für jüngere Kinder gelten.

Derzeit gibt es nur wenig Evidenz dafür, wie digitale Technologien die Adhärenz bei Inhalationstherapien verbessern können. Künftige Studien sollten untersuchen, wie digitale Technologien die regelmäßige Anwendung der Inhalationstherapie bei Kindern und Erwachsenen verbessern können. Außerdem sollte geprüft werden, welche Auswirkungen dies auf den gesamten Behandlungsplan hat. Wenn die Inhalationstherapie zuverlässig durchgeführt wird, könnte dies den Zeitaufwand für andere Behandlungen verringern.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand vom 27. Februar 2025.

Calthorpe R, Smith S, Jahnke N, Smyth AR, supported by the Cochrane Cystic Fibrosis Review Group

Wie gut erkennt eine vereinfachte und leicht verfügbare Form der Hirnstrommessung (amplitudenintegriertes EEG) Krampfanfälle bei Neugeborenen?

1 day 7 hours ago
Kernaussagen

- Die amplitudenintegrierte Elektroenzephalographie (aEEG) ist möglicherweise nicht genau genug, um Säuglinge mit Anfällen und auch einzelne Anfallsepisoden bei einem Säugling zu identifizieren.

- Eine Behandlung, die sich nur auf ein aEEG stützt, führt möglicherweise zu einer unangemessenen oder unnötigen Behandlung mit Medikamenten gegen Krampfanfälle.

Warum ist es wichtig, Krampfanfälle genau zu erkennen?

Krampfanfälle entstehen durch eine plötzlich gestörte elektrische Aktivität im Gehirn. Das kommt bei Neugeborenen selten vor, ist aber ein ernstzunehmendes Problem. Sie treten als Reaktion auf Probleme wie eine verminderte Sauerstoff- oder Blutversorgung des Gehirns, einen niedrigen Blutzuckerspiegel und Infektionen des Gehirns auf. Säuglinge können einen einzelnen oder mehrere Anfälle haben. Jeder Anfall kann zwischen 10 Sekunden und mehreren Minuten dauern.

Krampfanfälle bei Neugeborenen können das Gehirn schädigen und langfristige Auswirkungen haben. Daher ist es wichtig, Anfälle sicher zu erkennen.

Was ist aEEG (amplitudenintegrierte Elektroenzephalographie)?

Die Elektroenzephalographie (EEG) ist ein Verfahren, mit dem die elektrische Aktivität des Gehirns gemessen wird – ohne dass dafür ein Eingriff in den Körper nötig ist. Die elektrische Aktivität des Gehirns wird meist mit 10 bis 20 kleinen Elektroden gemessen, die auf der Kopfhaut befestigt werden. Diese Methode gilt als die beste Untersuchung, um epileptische Anfälle oder anfallsartige Veränderungen im Gehirn zu erkennen. Dies wird als konventionelle Elektroenzephalographie (kEEG) bezeichnet. Auf Neugeborenen-Intensivstationen ist ein kEEG jedoch nicht immer leicht verfügbar. Die Untersuchung ist aufwendig in der Durchführung und die Auswertung der Messergebnisse erfordert viel Erfahrung und spezielles Fachwissen.

Die amplitudenintegrierte Elektroenzephalographie (aEEG) ist eine vereinfachte Form der Hirnstrommessung. Sie ist leichter durchzuführen als kEEG, liefert jedoch weniger detaillierte Informationen. Das aEEG wird aus normalen EEG-Signalen berechnet. Dafür werden nur 2 bis 4 Elektroden auf der Kopfhaut angebracht. Diese können auch von speziell geschulten Pflegefachpersonen auf einer Neugeborenen-Intensivstation angelegt werden. Ärztinnen und Ärzte, die Säuglinge direkt am Krankenbett betreuen, können ein aEEG auswerten, um mögliche Krampfanfälle zu erkennen.

Es gibt verschiedene aEEG-Aufzeichnungsgeräte: Einige verwenden 2 Elektroden, andere 4 Elektroden. Außerdem kann ein aEEG auch nachträglich zu Forschungszwecken aus einem bereits aufgezeichneten kEEG erstellt werden.

Was wollten wir herausfinden?

Wie zuverlässig erkennt ein aEEG Krampfanfälle bei Säuglingen?

Wie gingen wir vor?

Wir haben nach Studien gesucht, die das aEEG mit dem kEEG zur Erkennung von Krampfanfällen bei Neugeborenen verglichen haben. Wir haben genau geprüft, wie die Studien durchgeführt wurden und welche Ergebnisse sie erbracht haben. Wir haben die Ergebnisse zusammengefasst und die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz bewertet.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 16 relevante Studien mit insgesamt 562 Neugeborenen. Von den 16 eingeschlossenen Studien untersuchten drei Studien nur, wie gut das aEEG Neugeborene mit Krampfanfällen erkennt, drei Studien nur, wie gut einzelne Krampfanfälle erkannt werden, und 10 Studien beides: sowohl die Erkennung von betroffenen Neugeborenen als auch die Erkennung einzelner Anfälle.

Die Dauer der Aufzeichnung, die Anzahl der aEEG-Ableitungen, die Nutzung unverarbeiteter EEG-Signale sowie die Ausbildung und Erfahrung der aEEG-Auswerter*innen unterschieden sich zwischen den Studien.

Nur in zwei Studien wurde das aEEG von den Ärztinnen und Ärzten direkt am Krankenbett ausgewertet, was dem klinischen Alltag entspricht. In den übrigen Studien wurde das aEEG erst später von spezialisierten Fachpersonen für Neugeborene ausgewertet. Wenn das aEEG erst zu einem späteren Zeitpunkt ausgewertet wird, ist es für die unmittelbare Behandlung und Betreuung der Babys nur eingeschränkt hilfreich.

Im Durchschnitt wurden mit dem aEEG 71 von 100 Säuglingen mit Krampfanfällen erkannt. Das bedeutet, dass 29 Säuglinge mit Krampfanfällen übersehen wurden. 16 Säuglinge wurden als von Krampfanfällen betroffen erkannt, obwohl sie in Wirklichkeit keine Anfälle hatten.

Die eingeschlossenen Studien zeigten sehr unterschiedliche Ergebnisse zur Genauigkeit des aEEG. Je nach Studie wurden zwischen 0 und 86 von 100 einzelnen Anfällen korrekt erkannt.

Die Ergebnisse des Reviews deuten darauf hin, dass das aEEG möglicherweise nicht genau genug ist, um von Krampfanfällen betroffene Säuglinge und einzelne Krampfanfälle bei einem Säugling zu identifizieren.

Was schränkt die Aussagekraft der Evidenz ein?

Der Review hatte mehrere Einschränkungen. Die wichtigste war, dass sich die Studienergebnisse stark voneinander unterschieden, ohne dass dafür ein klarer Grund erkennbar war. Dadurch ist die Evidenz weniger zuverlässig. Eine weitere Einschränkung der Evidenz ist, dass nur zwei Studien untersucht haben, wie genau das aEEG ist, wenn es unter realen Bedingungen direkt am Krankenbett beurteilt wird.

Wie aktuell ist dieser Review?

Die Evidenz ist auf dem Stand von Juli 2022.

Rakshasbhuvankar AA, Nagarajan L, Zhelev Z, Rao SC

Welche kombinierten Diagnose- und Behandlungsstrategien helfen am besten bei starken Blutungen nach der Geburt?

1 day 7 hours ago
Kernaussagen
  • Wir fanden heraus, dass ein standardisiertes Vorgehen zur Diagnose und Behandlung einer starken Blutung nach der Geburt (postpartale Blutung, PPH) wirksamer ist als die übliche Praxis mit bloßer visueller Schätzung des Blutverlusts. Dabei wurde die Blutung diagnostiziert, wenn die betreuende Fachperson klinisch besorgt war, oder in einer speziellen Messfolie 300 bis 500 ml Blut aufgefangen wurden und gleichzeitig auffällige Zeichen wie schneller Puls, niedriger Blutdruck, eine nicht ausreichend zusammengezogene Gebärmutter oder starker Blutfluss beobachtet wurden, oder 500 ml oder mehr Blut in dieser Messfolie gesammelt wurden. Wurde eine Blutung festgestellt, folgte sofort ein festgelegtes Behandlungspaket.

  • Wenn beide Gruppen dasselbe Behandlungspaket erhielten, war die erweiterte Diagnose wirksamer. Diese stellte eine starke Blutung fest, wenn die betreuende Fachperson klinisch besorgt war, oder 300 bis 500 ml Blut in einer Messfolie gesammelt wurden und gleichzeitig auffällige Zeichen wie schneller Puls, niedriger Blutdruck oder eine Gebärmutter, die sich nicht ausreichend zusammengezogen hat, beobachtet wurden, oder 500 ml oder mehr Blut gemessen wurden. Dieses Vorgehen war wirksamer als eine Diagnose, die nur auf klinischer Besorgnis oder 500 ml oder mehr gemessenem Blutverlust beruhte.

Was ist eine postpartale Blutung (PPH)?

PPH wird allgemein als Blutverlust von 500 ml oder mehr in den ersten 24 Stunden nach der Entbindung definiert.

Warum ist dieser Review wichtig?

Starke Blutungen nach der Geburt sind weltweit eine der häufigsten Ursachen dafür, dass Mütter während oder kurz nach der Entbindung sterben. Um die Folgen einer starken Blutung nach der Geburt zu verringern, sind eine schnelle Erkennung und eine wirksame Behandlung entscheidend. Ziel unserer Analyse war es herauszufinden, welche Kombination aus Diagnose und Behandlung am wirksamsten ist.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten wissen, welche Kombination aus Diagnose und Behandlung einer starken Blutung nach der Geburt am besten wirkt.

Wie gingen wir vor?

Wir haben relevante Studien ausgewertet, um herauszufinden, welche Kombination aus Diagnose und Behandlung einer starken Blutung nach der Geburt am wirksamsten ist. Wir berücksichtigten Frauen mit einer vaginalen Geburt oder einem Kaiserschnitt – egal ob in einer Geburtsstation, im Krankenhaus oder zu Hause.

Es gibt verschiedene Methoden, um eine starke Blutung nach der Geburt festzustellen. Dazu gehören: die klinische Einschätzung durch die betreuende Fachperson, die visuelle Schätzung des Blutverlusts (das Blut wird angesehen und grob eingeschätzt), die Messung des Blutverlusts in einer speziellen Auffangfolie oder einem Tablett mit Markierungen, die das Volumen anzeigen (volumetrische Methode), die Messung des Blutverlusts in einer Auffangfolie zusammen mit Beobachtungen wie Herzfrequenz und Blutdruck, oder das Wiegen des verlorenen Blutes mithilfe einer Waage (gravimetrische Methode).

Zur Behandlung einer starken Blutung nach der Geburt gibt es unterschiedliche Vorgehensweisen. Dazu gehören die „übliche Versorgung“ (also die normale Krankenhauspraxis) und sogenannte Behandlungsbündel. Behandlungsbündel bestehen aus mehreren Maßnahmen, die gleichzeitig begonnen werden. Ein Beispiel ist das MOTIVE-Bündel: (M- Massage der Gebärmutter, um ihr das Zusammenziehen zu erleichtern, O- Gabe von wehenfördernden Medikamenten wie Oxytocin, T- Gabe von Tranexamsäure (ein Medikament, das die Blutung verringern kann), IV- Flüssigkeit über eine Infusion, um den Kreislauf zu stabilisieren, E- Untersuchung und rasche weitere Maßnahmen, wenn die Blutung anhält.

Was haben wir herausgefunden?

Wir fanden fünf Studien mit 236.771 Frauen.

Wir sind zuversichtlich, dass folgendes Vorgehen wirksamer ist als die visuelle Schätzung des Blutverlusts mit anschließender üblicher Versorgung: Eine starke Blutung wird festgestellt, wenn die betreuende Fachperson klinisch besorgt ist, oder 300 bis 500 ml Blut in einer Messfolie gesammelt werden und gleichzeitig auffällige Zeichen wie ein schneller Puls, niedriger Blutdruck oder eine Gebärmutter, die sich nicht ausreichend zusammengezogen hat, auftreten, oder 500 ml oder mehr Blut gemessen werden, und danach sofort das MOTIVE-Behandlungspaket angewendet wird. Dieses Vorgehen verringert Blutungen von 500 ml oder mehr sowie von 1000 ml oder mehr. Es macht jedoch wahrscheinlich wenig oder keinen Unterschied bei der Notwendigkeit von Bluttransfusionen, zusätzlichen Medikamenten oder beim Sterberisiko der Mütter.

Wir sind zuversichtlich, dass folgendes Vorgehen wirksamer ist als die visuelle Schätzung des Blutverlusts mit anschließender üblicher Behandlung: Eine starke Blutung wird festgestellt, wenn die betreuende Fachperson klinisch besorgt ist oder 500 ml oder mehr Blut gemessen werden, und anschließend sofort das MOTIVE-Behandlungspaket angewendet wird. Dieses Vorgehen verringert Blutungen von 500 ml oder mehr. Wahrscheinlich macht es jedoch wenig oder keinen Unterschied bei sehr starken Blutungen von 1000 ml oder mehr oder bei der Notwendigkeit einer Bluttransfusion. Möglicherweise macht es auch wenig oder keinen Unterschied beim Sterberisiko der Mütter. Wir sind sicher, dass dieses Vorgehen dazu führt, dass häufiger zusätzliche Medikamente eingesetzt werden.

Wir sind zuversichtlich, dass die erweiterte Diagnose wirksamer ist als die einfachere Diagnose, wenn beide Gruppen das gleiche MOTIVE-Behandlungspaket erhalten. Die erweiterte Diagnose stellt eine starke Blutung fest, wenn die betreuende Fachperson klinisch besorgt ist, oder 300 bis 500 ml Blut gemessen werden und gleichzeitig auffällige Zeichen wie ein schneller Puls oder niedriger Blutdruck auftreten, oder 500 ml oder mehr Blut gemessen werden. Die einfachere Diagnose beruht nur auf klinischer Besorgnis oder 500 ml oder mehr gemessenem Blutverlust. Die Notwendigkeit einer Bluttransfusion und das Risiko, dass die Mutter stirbt, werden dadurch wahrscheinlich nicht oder nur geringfügig verringert.

Die Diagnose mithilfe eines Auffangsystems zur Blutmessung plus übliche Versorgung (in einem europäischen Gesundheitssystem) macht im Vergleich zur visuellen Schätzung des Blutverlusts plus übliche Versorgung (ebenfalls in Europa) wahrscheinlich wenig oder keinen Unterschied beim Bedarf an Bluttransfusionen.

Wir sind zuversichtlich, dass die Diagnose mit der gravimetrischen Methode (dabei wird der Blutverlust gewogen) in Kombination mit der üblichen Versorgung wirksamer ist als die Diagnose mit einem Auffangsystem zur Blutmessung plus übliche Versorgung, wenn es darum geht, Blutungen von 500 ml oder mehr zu verringern. Möglicherweise macht dieses Vorgehen jedoch wenig oder keinen Unterschied beim Bedarf an Bluttransfusionen.

Die Diagnose mithilfe einer Messschale plus übliche Versorgung macht im Vergleich zur Diagnose mit einem Auffangsystem zur Blutmessung plus übliche Versorgung möglicherweise wenig oder keinen Unterschied bei Blutungen von 500 ml oder mehr oder von 1000 ml oder mehr.

Die Diagnose mit der gravimetrischen Methode (dabei wird der Blutverlust gewogen) plus übliche Versorgung macht im Vergleich zur Diagnose mit einem Mess-Tablett plus übliche Versorgung möglicherweise wenig oder keinen Unterschied bei Blutungen von 500 ml oder mehr.

Was schränkt die Evidenz ein?

Alle unsere Studien betrafen Frauen, die normal gebären, und die meisten fanden in Krankenhäusern statt. Wir hätten gerne mehr Informationen über Frauen, die per Kaiserschnitt und in anderen Situationen wie Hausgeburten gebären. Wir würden auch gerne mehr Informationen über unerwünschte Wirkungen und die Erfahrungen der Frauen mit der Behandlung erhalten.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Diese Evidenz ist auf dem Stand vom 18. Oktober 2024.

Yunas I, Price MJ, Vigneswaran K, Tobias A, Devall AJ, Coomarasamy A

Hilft Kühlen nach dem Einsetzen eines künstlichen Kniegelenks?

2 days 7 hours ago
Hilft Kühlen nach Einsetzen eines künstlichen Kniegelenks – und gibt es Risiken?Kernaussagen

Verglichen mit einer Scheinbehandlung kann die Anwendung von Kälte auf das Knie nach dem Einsetzen eines künstlichen Kniegelenks möglicherweise helfen: den Blutverlust zu verringern, Schmerzen zu lindern, die Beweglichkeit des Kniegelenks zu verbessern und kurzfristig Schwellungen am Knie zu reduzieren. Weniger sicher ist die Wirkung von Kühlen auf den Bedarf an Bluttransfusionen, die Kniegelenksfunktion, die Schmerzlinderung, die Dauer des Krankenhausaufenthalts, die Lebensqualität oder das Aktivitätsniveau. In den Studien wurden insgesamt nur wenige unerwünschte Ereignisse berichtet. Es gab keinen Hinweis auf schwerwiegende unerwünschte Ereignisse, allerdings ist die Evidenz sehr unsicher.

Was ist eine Kniearthrose und wann kann ein Gelenkersatz notwendig werden?

Eine Arthrose ist eine degenerative Gelenkerkrankung, zum Beispiel des Kniegelenks. Eine Arthrose im Kniegelenk kann Schmerzen verursachen, die Kniegelenksfunktion einschränken und die Lebensqualität beeinträchtigen. Bei einer fortgeschrittenen Kniearthrose kann ein Gelenkersatz die Beschwerden langfristig verbessern. In den ersten Monaten nach der Operation – die Erholungsphase kann bis zu sechs Monate dauern – fühlen sich viele Betroffene jedoch geschwächt und im Alltag eingeschränkt. Bei einer „Kältetherapie“ (Kryotherapie) wird die Haut rund um eine Verletzung oder eine Operationswunde gezielt gekühlt, also mit niedrigen Temperaturen behandelt. Die Kühlung kann zum Beispiel mit Eisbeuteln erfolgen. Es gibt aber auch spezielle Geräte, die kaltes Wasser durch eine Manschette oder ein Polster rund um das Knie leiten.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten wissen, ob eine Kryotherapie in den ersten 48 Stunden nach dem Einsatz eines künstlichen Kniegelenks den Blutverlust, die Schmerzen und die Funktion des Kniegelenks beeinflusst.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen eine Kryotherapie nach dem Einsatz eines künstlichen Kniegelenks mit einer Scheinbehandlung (Placebo) verglichen wurde. Wir fassten die Ergebnisse der Studien zusammen, verglichen sie und bewerteten die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz – zum Beispiel danach, wie gut die Studien geplant und durchgeführt wurden und wie viele Personen daran teilgenommen haben.

Was fanden wir?

Wir schlossen 22 Studien ein, in denen Patient*innen nach dem Einsatz eines künstlichen Kniegelenks mit einer beliebigen Form von Kryotherapie (mit oder ohne andere Behandlungen) behandelt und mit Patient*innen verglichen wurden, die keine Kryotherapie erhielten. Insgesamt umfassten die Studien 1839 Teilnehmende im Alter zwischen 64 und 74 Jahren. Uns interessierten vor allem Ergebnisse aus der akuten Phase – also aus den ersten 48 Stunden nach der Operation. Einige Studien beobachteten die Teilnehmenden jedoch länger und erfassten Ergebnisse noch bis zu 12 Wochen nach dem Eingriff.

Hauptergebnisse

Blutverlust

Bei den Teilnehmenden, die eine Kryotherapie erhielten, war der Blutverlust im Zeitraum bis 13 Tage nach dem Eingriff möglicherweise im Mittel um 264 ml geringer.

- Die Teilnehmenden, die eine Kryotherapie erhielten, verloren im Mittel 561 ml Blut.

- Die Teilnehmenden, die keine Kryotherapie erhielten, verloren im Mittel 825 ml Blut.

Schmerzen (niedrigere Werte bedeuten eine niedrigere Schmerzintensität)

Zwei Tage nach der Operation bewerteten die Teilnehmenden mit Kryotherapie ihre Schmerzen auf einer Skala von 0 bis 10 im Durchschnitt im Mittel möglicherweise um 1,6 Punkte niedriger als die Vergleichsgruppe.

- Die Teilnehmenden mit Kryotherapie bewerteten ihre Schmerzen im Durchschnitt mit 3,2 von 10 Punkten.

- Die Teilnehmenden ohne Kryotherapie gaben ihre Schmerzen im Durchschnitt mit 4,8 von 10 Punkten an.

Bluttransfusionen

Von den Teilnehmenden, die eine Kryotherapie erhielten, bekamen im Zeitraum bis 13 Tage nach dem Eingriff möglicherweise 42 von 100 mehr eine Bluttransfusion.

- Von 100 Personen, die eine Kryotherapie erhielten, bekamen möglicherweise 79 eine Bluttransfusion

- Von 100 Personen ohne Kryotherapie bekamen möglicherweise 37 eine Bluttransfusion.

Beweglichkeit des Kniegelenks

Bei der Entlassung aus dem Krankenhaus konnten die Teilnehmenden mit Kryotherapie ihr Knie möglicherweise um etwa 8 Grad weiter beugen als diejenigen ohne Kryotherapie.

- Die Teilnehmenden mit Kryotherapie konnten ihr Knie bei der Entlassung möglicherweise bis etwa 71 Grad beugen.

- Die Teilnehmenden ohne Kryotherapie konnten ihr Knie bei der Entlassung bis etwa 63 Grad beugen.

Kniegelenksfunktion

Die Kniegelenksfunktion war bei den Teilnehmenden, die eine Kryotherapie erhielten, zwei Wochen nach der Operation auf einer Skala von 0 bis 100 Punkten möglicherweise um 13,2 Punkte besser.

- Die Teilnehmenden, die eine Kryotherapie erhielten, erreichten möglicherweise einen durchschnittlichen Funktionswert von 88,6 Punkten.

- Die Teilnehmenden ohne Kryotherapie erreichten möglicherweise einen durchschnittlichen Funktionswert von 75,4 Punkten.

Unerwünschte Ereignisse insgesamt

In den ersten 30 Tagen nach der Operation berichtete niemand in der Kryotherapie-Gruppe über mehr unerwünschte Ereignisse (0 von 100).

- Von den Teilnehmenden, die eine Kryotherapie erhielten, berichteten 2,7 von 100 über das Auftreten von unerwünschten Ereignissen.

- In der Gruppe ohne Kryotherapie berichteten etwa 2 von 100 Personen über unerwünschte Ereignisse.

Studienabbrüche aufgrund unerwünschter Ereignisse

Sehr wenige Personen brachen die Studien wegen unerwünschter Wirkungen ab. Der Unterschied zwischen den Gruppen war sehr klein und die Evidenz sehr unsicher.

- Von den Teilnehmenden, die eine Kryotherapie erhielten, schieden 0,4 von 100 aus den Studien aus.

- Von den Teilnehmenden, die keine Kryotherapie erhielten, schieden 0,2 von 100 aus den Studien aus.

Was schränkt die Evidenz ein?

Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz ist gering, dass die Kältetherapie den Blutverlust, die Schmerzen und die Beweglichkeit des Kniegelenks leicht verbessert. Wir sind uns sehr unsicher, ob die Kältetherapie den Bedarf an Bluttransfusionen beeinflusst, die Kniegelenksfunktion verbessert oder das Risiko für unerwünschte Ereignisse verändert. Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz für diese Endpunkte ist sehr niedrig. Unser Vertrauen in die Evidenz ist eingeschränkt, weil viele Studien methodische Schwächen hatten. So wurden Teilnehmende nicht immer zufällig den Behandlungen zugeteilt, manche schieden vorzeitig aus, und häufig wussten die Teilnehmenden, welche Behandlung sie erhielten. Zudem gab es nur wenige Studien oder Teilnehmende, und die Ergebnisse unterschieden sich teilweise deutlich zwischen den Studien.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand vom 27. Mai 2022.

Aggarwal A, Adie S, Harris IA, Naylor J

Hilft Bewegungstherapie bei einer Schulter, die in mehrere Richtungen instabil ist – und gibt es Risiken?

3 days 8 hours ago
Kernaussagen
  • Ob Bewegungstherapie bei einer Schulterinstabilität in mehrere Richtungen hilft oder schadet, ist derzeit nicht bekannt. Es gibt keine hochwertigen Studien, in denen die Teilnehmenden per Zufall verschiedenen Behandlungen zugeteilt wurden.

  • Künftige Studien sollten randomisiert sein und Bewegungstherapie mit keiner Behandlung, einer Scheinbehandlung, einer Warteliste oder der üblichen Versorgung vergleichen, um Nutzen und mögliche Schäden zu beurteilen.

Was ist eine Schulter, die in mehrere Richtungen instabil ist?

Die Schulter ist ein sehr bewegliches Gelenk. Damit sie stabil bleibt, ist sie auf Muskeln, Bänder und die Gelenkkapsel angewiesen – eine feste Hülle aus Weichteilgewebe, die das Gelenk umgibt und stützt. Bei einer multidirektionalen Instabilität ist die Schulter in mehrere Richtungen zu beweglich. Der Oberarmkopf kann sich wegen geschwächter stabilisierender Strukturen zu weit aus seiner normalen Position verschieben. Das kann zu Beschwerden, Schmerzen oder dem Gefühl führen, dass die Schulter locker oder instabil ist. Eine multidirektionale Instabilität hängt häufig mit einer allgemeinen „Lockerheit“ des Gelenks zusammen. Diese kann angeboren sein oder sich durch wiederholte Überkopfbewegungen – zum Beispiel beim Sport – entwickeln.

Was versteht man unter Bewegungstherapie?

Eine Bewegungstherapie wird in der Regel als erste Behandlungsmöglichkeit für Menschen mit multidirektionaler Instabilität empfohlen. Ziel der Behandlung ist es, die Muskeln rund um die Schulter zu stärken und besser „zusammenarbeiten“ zu lassen. Dazu gehören vor allem die Muskeln der Rotatorenmanschette und die Muskeln rund um das Schulterblatt. So soll die Schulter stabiler werden. Die Bewegungstherapie kann Krafttraining mit Widerstand, Übungen zur Verbesserung der Körperwahrnehmung (also um die Stellung und Bewegung der Schulter besser zu spüren) sowie das Korrigieren ungünstiger Bewegungsmuster beinhalten. Expert*innen sind der Ansicht, dass gezielte Übungen dazu beitragen können, die übermäßige Bewegung des Oberarmkopfes zu kontrollieren und die funktionelle Stabilität zu verbessern. Nutzen und Schaden der Bewegungstherapie sind jedoch nach wie vor unklar.

Was wollten wir herausfinden?

Ziel dieses Reviews war es zu prüfen, ob eine Bewegungstherapie die Schmerzen verringert, ob sie die Stabilität der Schulter verbessert und ob sie die Lebensqualität von Menschen mit multidirektionaler Schulterinstabilität steigert. Außerdem wollten wir wissen, ob durch die Bewegungstherapie möglicherweise unerwünschte Wirkungen oder Schäden auftreten.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach randomisierten Studien bei Menschen mit traumatischer oder nicht-traumatischer (mit oder ohne spezifische Verletzung) multidirektionaler Instabilität, in denen der Nutzen und Schaden einer Bewegungstherapie untersucht wurde. Die Studien mussten eine Gruppe, die eine Bewegungstherapie erhielt, mit einer Kontrollgruppe vergleichen. Diese Vergleichsgruppe bekam entweder eine Scheinbehandlung (Placebo), keine Behandlung, die übliche Versorgung oder stand auf einer Warteliste für eine Behandlung. Wir haben geplant, die Ergebnisse dieser Studien zu vergleichen und zusammenzufassen und unser Vertrauen in die Evidenz auf der Grundlage von Faktoren wie Studienmethoden und Größe der Studien zu bewerten.

Was fanden wir heraus?

Wir haben keine randomisierten kontrollierten Studien gefunden, die eine Bewegungstherapie bei Menschen mit multidirektionaler Instabilität der Schulter untersucht haben.

Was schränkt die Evidenz ein?

Wir haben keine Evidenz aus randomisierten kontrollierten Studien gefunden.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Wir haben nach Studien gesucht, die bis Mai 2025 veröffentlicht wurden.

Karasuyama M, Imai T, Gotoh M, Kawakami J, Ariie T, Yamamoto S

Intervallfasten im Vergleich zu klassischer Diät oder keiner Behandlung: Welche Methode unterstützt das Abnehmen besser?

6 days 8 hours ago
Kernaussagen
  • Verglichen mit herkömmlichen Diäten führt Intervallfasten bei Erwachsenen mit Übergewicht oder Adipositas möglicherweise zu ähnlichen Ergebnissen hinsichtlich Gewichtsabnahme und Lebensqualität. Zwischen Intervallfasten und anderen Diäten unterscheidet sich die Zahl der unerwünschten Wirkungen möglicherweise nicht oder nur minimal. Die wissenschaftlichen Belege dafür sind allerdings sehr unsicher.

  • Im Vergleich zu keiner aktiven Ernährungsintervention oder einer Warteliste führt Intervallfasten wahrscheinlich nur zu einem kleinen Unterschied beim Gewicht. Dieser Unterschied ist jedoch so gering, dass er für die Gesundheit kaum eine spürbare Rolle spielt. Zu den Auswirkungen auf die Lebensqualität und zu möglichen unerwünschten Ereignissen, wie Müdigkeit, Kopfschmerzen oder Übelkeit, gibt es bisher nur sehr unsichere Ergebnisse.

  • Keine der eingeschlossenen Studien untersuchte, wie zufrieden die Teilnehmenden mit dem Intervallfasten waren. Auch dazu, ob sich ihr Diabetes-Status veränderte oder wie sich andere allgemeine Gesundheitsprobleme entwickelten, gab es keine Angaben. Wir brauchen weitere Studien, um dies zu erforschen.

Was bedeutet Adipositas und wie könnte Intervallfasten dabei helfen?

Ein stark erhöhter Körperfettanteil erhöht das Risiko für Folgeerkrankungen. Dazu gehören zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes. Auch das Risiko für eine verkürzte Lebenserwartung steigt. Die Zahl der Menschen mit Adipositas steigt weltweit. Dadurch geraten Gesundheitssysteme zunehmend unter Druck. Gewichtsabnahme gilt weiterhin als der wirksamste Ansatz, um die gesundheitlichen Risiken von Übergewicht und Adipositas zu senken und die gesellschaftlichen Folgen zu verringern. Übliche Ernährungsempfehlungen raten dazu, weniger Kalorien zu sich zu nehmen und die Essgewohnheiten umzustellen, etwa hin zu einer insgesamt gesünderen Lebensmittelauswahl oder zu einer anderen Zusammensetzung von Eiweiß, Kohlenhydraten und Fett. Intervallfasten ist ein relativ neuer Ansatz zur Gewichtsabnahme. Dabei wechseln sich Zeiten mit wenig oder keiner Nahrungsaufnahme (Fasten) mit Zeiten ab, in denen normal gegessen wird. Es gibt verschiedene Formen des Intervallfastens: zeitlich begrenztes Essen, d.h. die tägliche Nahrungsaufnahme ist auf ein bestimmtes Zeitfenster beschränkt; periodisches Fasten an einzelnen Tagen in der Woche oder alternierendes Fasten, d.h. Fastentage und Tage mit normaler Nahrungsaufnahme wechseln sich ab. Intervallfasten soll angeblich den allgemeinen Gesundheitszustand verbessern, indem es bestimmte Körperfunktionen günstig beeinflusst. Gleichzeitig könnte es jedoch auch zu unerwünschten Beschwerden wie Müdigkeit, Kopfschmerzen oder Übelkeit kommen.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob Intervallfasten bei Erwachsenen mit Übergewicht und Adipositas effektiver zur Gewichtsabnahme beiträgt als herkömmliche Ernährungsempfehlungen. Außerdem wollten wir wissen, welche Wirkungen Intervallfasten auf die Lebensqualität, den Diabetes-Status und die Blutfettwerte hat und ob unerwünschte Wirkungen auftreten.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien mit Erwachsenen (über 18 Jahren) mit Übergewicht oder Adipositas. In diesen Studien wurden die Teilnehmenden per Zufall einer Gruppe zugeteilt: Sie sollten entweder Intervallfasten durchführen, eine herkömmliche Ernährungsberatung erhalten, keine Behandlung bekommen oder zunächst auf einer Warteliste stehen. (Personen auf einer Warteliste sollen die Behandlung zwar erhalten, beginnen sie jedoch erst zu einem späteren Zeitpunkt. In der Zwischenzeit werden sie mit Personen verglichen, die die Behandlung sofort starten). Wir schlossen Studien mit Menschen ein, die mit Übergewicht oder Adipositas lebten – unabhängig davon, ob sie bereits Folgeerkrankungen wie Diabetes oder Nierenerkrankungen hatten oder nicht.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 22 Studien mit insgesamt 1995 Teilnehmenden. Die Untersuchungen wurden im häuslichen Umfeld oder in Einrichtungen vor Ort (z. B. in der Gemeinde) durchgeführt. Die Studien fanden in Europa, Nordamerika, China, Australien und Südamerika statt.

Im Vergleich zu herkömmlichen Ernährungsempfehlungen führt Intervallfasten möglicherweise zu keinem oder nur einem minimalen Unterschied bei der Gewichtsabnahme, gemessen als Veränderung gegenüber dem Ausgangsgewicht (21 Studien, 1430 Personen) und der Lebensqualität (drei Studien, 106 Personen). Ob Intervallfasten dazu führt, dass mindestens 5% des Körpergewichts verloren werden (4 Studien, 472 Personen), ist unklar. Auch zu möglichen unerwünschten Ereignissen (7 Studien, 619 Personen) lässt sich derzeit keine verlässliche Aussage treffen.

Im Vergleich zu keiner Intervention oder einer Warteliste bewirkt Intervallfasten wahrscheinlich einen geringfügigen Unterschied bei der Gewichtsabnahme (6 Studien, 427 Personen). Dieser Unterschied ist jedoch so gering, dass er für die Gesundheit kaum eine spürbare Rolle spielt. Die Ergebnisse zu den Wirkungen auf die Lebensqualität (1 Studie, 60 Personen) oder auf unerwünschte Ereignisse (2 Studien, 189 Personen) sind unsicher.

In keiner der eingeschlossenen Studien wurde untersucht oder berichtet, wie zufrieden die Teilnehmenden mit dem Intervallfasten waren, ob sich ihr Diabetes-Status veränderte, oder wie sich andere allgemeine Gesundheitsprobleme entwickelten.

Was schränkt die Evidenz ein?

Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz zur Gewichtsabnahme beim Vergleich von Intervallfasten mit keiner Behandlung ist moderat. Für die anderen Ergebnisse ist die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz niedrig bis sehr niedrig. Das liegt daran, dass viele der eingeschlossenen Studien methodische Schwächen hatten, nur wenige Teilnehmende einschlossen und die Ergebnisse nicht eindeutig waren.

Wie aktuell ist dieser Review?

Die Evidenz ist auf dem Stand vom 5. November 2024.

Garegnani LI, Oltra G, Ivaldi D, Burgos MA, Andrenacci PJ, Rico S, Boyd M, Radler D, Escobar Liquitay CM, Madrid E

Führt eine Schulung von Gesundheitsfachpersonen dazu, dass mehr Menschen erfolgreich mit dem Rauchen aufhören?

6 days 8 hours ago
Kernaussagen
  • Die Schulung von Gesundheitsfachpersonen in Techniken zur Unterstützung beim Rauchstopp führt dazu, dass etwas mehr Patient*innen nach 6 bis 14 Monaten nicht mehr rauchen.

  • Schulungen, die mehrere Bausteine kombinieren, sind möglicherweise noch wirksamer – zum Beispiel, wenn sie die Beratung von Patient*innen, zusätzliche Folgetermine oder unterstützende Selbsthilfematerialien sowie Rückmeldungen zum Vorgehen der Gesundheitsfachpersonen kombinieren.

  • Weitere Forschung sollte prüfen, ob eine Schulung von Gesundheitsfachpersonen in Kombination mit medikamentöser Unterstützung zur Rauchentwöhnung (zum Beispiel Nikotinersatztherapie) oder anderen unterstützenden Maßnahmen dazu beiträgt, dass mehr Menschen dauerhaft mit dem Rauchen aufhören.

Was beinhaltet eine Schulung für Gesundheitsfachpersonen zur Unterstützung des Rauchstopps bei Patient*innen?

Die Schulung von Gesundheitsfachpersonen in Techniken zur Raucherentwöhnung soll dazu führen, dass sie ihre Patient*innen häufiger darauf ansprechen, ob sie rauchen. Gesundheitsfachpersonen sind dann auf dem neuesten Stand der Forschung und können Menschen, die rauchen, gezielt beim Aufhören unterstützen.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob die Schulung von Gesundheitsfachpersonen in Techniken zur Rauchentwöhnung ihren Patient*innen hilft, mit dem Rauchen aufzuhören, und ob eine intensivere Schulung dazu beiträgt, dass mehr ihrer Patient*innen mit dem Rauchen aufhören.

Wie sind wir vorgegangen?

Wir haben nach Studien gesucht, in denen Gesundheitsfachpersonen in Techniken zur Rauchentwöhnung geschult wurden. Die Gesundheitsfachpersonen setzten diese Techniken dann ein, um ihre Patient*innen bei der Rauchentwöhnung zu unterstützen. In all diesen Studien wurden die geschulten Gesundheitsfachpersonen mit Kontrollgruppen verglichen, in denen die Gesundheitsfachpersonen keine Schulung, eine weniger intensive Schulung oder eine Schulung zu einem anderen Thema als dem Rauchen erhalten hatten. Wir verglichen und fassten die Ergebnisse der Studien mit statistischen Methoden zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie Studienmethoden und Größe der Studien.

Was fanden wir heraus?

Wir schlossen 29 Studien in diesen Review ein. Insgesamt wurden in den Studien 4 030 Gesundheitsfachpersonen geschult, die 38 178 Patient*innen, die rauchten, bei der Rauchentwöhnung unterstützten.

Patient*innen schafften den Rauchstopp häufiger, wenn ihre Behandelnden in Rauchentwöhnung geschult waren.

Möglicherweise schaffen noch mehr Patient*innen den Rauchstopp, wenn die Gesundheitsfachpersonen eine intensivere Schulung absolviert haben.

Das gilt möglicherweise auch, wenn die geschulten Gesundheitsfachpersonen:

  • ihren Patient*innen eine Nikotinersatztherapie anbieten; oder

  • Aufforderungen oder Erinnerungen schicken.

Insbesondere bei diesem letzten Ergebnis sind wir uns jedoch nicht sicher. Es ist möglich, dass diese Maßnahme letztlich nicht dazu führt, dass mehr Menschen mit dem Rauchen aufhören.

Was schränkt die Evidenz ein?

Wir sind sicher, dass mehr Patient*innen mit dem Rauchen aufhören, wenn die Angehörigen der Gesundheitsberufe eine Schulung erhalten haben. Bei den anderen Ergebnissen sind wir weniger sicher. In einigen Studien war nicht klar beschrieben, wie genau sie durchgeführt wurden. Außerdem überprüften manche Studien nicht mit biologischen Tests (zum Beispiel durch Messung bestimmter Stoffe im Körper), ob die Teilnehmenden tatsächlich nicht geraucht hatten, sondern verließen sich nur auf deren eigene Angaben.

Wie aktuell ist diese Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von August 2024.

Sharrad KJ, Carson-Chahhoud KV, Verbiest MEA, Greenslade S, Parkhouse T, Assendelft WJJ, Crone MR, Livingstone-Banks J

Welche Auswirkungen hat es auf Patient*innen, Behandlungsabläufe und Kosten, wenn im Krankenhaus Pflegefachkräfte bestimmte ärztliche Aufgaben übernehmen?

1 week 3 days ago
Kernaussagen
  • Übernehmen Pflegefachkräfte ausgewählte ärztliche Aufgaben, zeigen sich möglicherweise ähnliche Ergebnisse wie bei einer Durchführung durch Ärztinnen oder Ärzte.

  • Obwohl die wissenschaftliche Evidenz insgesamt unsicher ist, zeigen einzelne Studien Hinweise darauf, dass sich bestimmte Ergebnisse verbessern könnten, wenn Pflegefachkräfte ausgewählte ärztliche Aufgaben übernehmen. Dazu gehören in einigen Fällen klinische Endpunkte (z. B. körperliche und psychische Funktion sowie das Management von Diabetes oder Ekzemen) sowie Aspekte der Versorgungsqualität, etwa die Genauigkeit von Beurteilungen, die Einhaltung von Leitlinien, das Medikamentenmanagement, die Erkennung von Polypen oder die Dauer eines Eingriffs.

  • In Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen sind künftige Studien erforderlich, bei denen Menschen nach dem Zufallsprinzip den Behandlungsgruppen zugewiesen werden.

Was genau ist mit der Übernahme von Versorgungsaufgaben durch eine Pflegefachkraft anstelle einer Ärztin oder eines Arztes gemeint?

Eine Versorgung durch eine Pflegefachkraft anstelle einer Ärztin oder eines Arztes bedeutet, dass bestimmte ärztliche Aufgaben von entsprechend qualifizierten Pflegefachkräften übernommen werden. Dazu gehören unter anderem die Aufnahme der Krankengeschichte, die Durchführung einer körperlichen Untersuchung, die Anordnung von Tests, die Verschreibung von Medikamenten sowie die Aufklärung der Patient*innen. Die Pflegefachkraft soll sicherstellen, dass die Versorgung der Patient*innen der üblichen ärztlichen Behandlung entspricht. Das Pflegepersonal kann diese Aufgaben entweder unabhängig von der Ärztin/dem Arzt oder unter deren/dessen Aufsicht wahrnehmen.

Das Gesundheitssystem steht stark unter Druck. Eine älter werdende Bevölkerung, mehr chronische Erkrankungen, eine hohe Arbeitsbelastung für das Personal, steigende Behandlungskosten und ein Mangel an Ärztinnen und Ärzten verschärfen die Situation zunehmend. Um eine gute Versorgungsqualität zu sichern und gleichzeitig die Kosten im Blick zu behalten, setzen einige Länder verstärkt auf speziell qualifizierte Pflegefachpersonen, die bestimmte Aufgaben von Ärztinnen und Ärzten übernehmen.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob:

  • sich die Versorgung im Krankenhaus unterscheidet, je nachdem, ob sie von einer Pflegefachkraft oder von einer Ärztin bzw. einem Arzt übernommen wird. Dabei haben wir betrachtet, welche Auswirkungen dies auf die Patient*innen, auf den Versorgungsprozess sowie auf wirtschaftliche Aspekte wie Kosten hat.

  • sich die Ergebnisse der Versorgung – wenn sie von einer Pflegefachkraft statt von einer Ärztin oder einem Arzt durchgeführt wird – je nach Rahmenbedingungen unterscheiden. Dabei interessierten uns insbesondere folgende Faktoren: die Art der Gesundheitseinrichtung, die Patientengruppe, die Erkrankung, die Art des Eingriffs oder der Behandlung, die Qualifikation und Position der Pflegefachkraft, eine zusätzliche spezialisierte Ausbildung, der Umfang der Verantwortung sowie die konkrete Form, in der ärztliche Aufgaben übernommen wurden (Art der Substitution).

Was haben wir gemacht?

Wir suchten nach Studien, in denen der Vergleich zwischen der Durchführung bestimmter Aufgaben durch eine Pflegefachkraft anstelle einer Ärzt*in im Krankenhaus untersucht wurde. Wir schlossen Studien ein, die folgende Ergebnisse untersuchten: Ergebnisse für Patientinnen und Patienten, zum Beispiel Todesfälle, Sicherheitsereignisse, klinische Ergebnisse, Lebensqualität und Selbstwirksamkeit; Ergebnisse für den Versorgungsprozess, also wie gut die Behandlung durchgeführt wurde (z. B. Qualität und Genauigkeit der Versorgung), wirtschaftliche Ergebnisse, insbesondere direkte Kosten.

Was fanden wir heraus?

Wir schlossen 82 Studien ein, die weltweit durchgeführt wurden, die meisten davon im Vereinigten Königreich (32 Studien). Die Studien umfassten insgesamt 28 041 Teilnehmende, wobei die Zahl der Teilnehmenden zwischen 7 und 1907 lag. Die meisten Studien hatten eine Laufzeit von 12 Monaten, zwei Studien dauerten bis zu fünf Jahre. Mehrere Studien endeten mit der Entlassung des Patienten bzw. der Patientin oder nach dem Eingriff.

Hauptergebnisse
  • Wir haben herausgefunden, dass die Übernahme bestimmter ärztlicher Aufgaben durch Pflegefachkräfte wahrscheinlich nur zu einer geringen bis gar keinen Veränderung der Sterblichkeitsrate und der Patientensicherheit führt. Möglicherweise kommt es zu einer leichten Verbesserung einiger klinischer Endpunkte (physische und psychische Funktion, Diabetes- und Ekzemmanagement). Die Übernahme ärztlicher Tätigkeiten durch Pflegefachkräfte führt wahrscheinlich zu keinen oder nur geringen Unterschieden bei Lebensqualität und Selbstwirksamkeit der Patient*innen. In einzelnen Studien wurden bei bestimmten Prozessmerkmalen leichte Verbesserungen gesehen, zum Beispiel bei der Genauigkeit von Beurteilungen, der Befolgung von Praxisempfehlungen oder Aspekten des Medikamentenmanagements, dem Erkennen von Polypen oder der Zeit, bis ein Eingriff erfolgt. Es ist unklar, ob sich die Übernahme ärztlicher Tätigkeiten durch Pflegefachkräfte auf die direkten Kosten auswirkt.

  • In Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen zeigte sich für die Lebensqualität in einer einzelnen, kleinen Studie möglicherweise ein Vorteil, wenn Pflegefachkräfte ärztliche Tätigkeiten übernehmen. In Ländern mit hohem Einkommen war die „relative Leistung“ bei konkreten Aufgaben und Prozessmaßen (z. B. leitliniengerechte Versorgung oder Zielerreichung) im Durchschnitt möglicherweise eher besser, wenn Pflegefachkräfte ärztliche Tätigkeiten übernehmen. Insgesamt ist diese Evidenz wegen sehr unterschiedlicher Studien unsicher.

  • In einer Subgruppenanalyse nach Art der Erkrankung zeigte eine Studie bei Patient*innen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, dass ambulante Einrichtungen unter Leitung von Pflegefachkräften bei Prozess- und Zielerreichungsmaßen möglicherweise besser abschnitten als ärztlich geleitete Einrichtungen.

  • In von Pflegefachkräften geleiteten Ambulanzen sind die klinischen Ergebnisse möglicherweise geringfügig besser. Bei patient*innenrelevanten Endpunkten zeigte sich wahrscheinlich kaum oder kein Unterschied bei Todesfällen, Lebensqualität und Selbstwirksamkeit, wenn Pflegefachkräfte ärztliche Aufgaben übernehmen. Ob sich die relative Leistung (bestimmte Prozess- und Qualitätsmaße) zwischen Pflegefachkräften und Ärzt*innen unterscheidet, ist insgesamt unsicher und variiert je nach Aufgabe und Versorgungskontext.

  • In der Subgruppenanalyse nach Qualifikationsniveau deuteten einzelne Studien darauf hin, dass es möglicherweise weniger Patientensicherheitsereignisse gibt, wenn speziell weitergebildete Pflegefachkräfte ärztliche Aufgaben übernehmen. Zwischen den verschiedenen Qualifikationsniveau zeigten sich keine klaren Unterschiede bei klinischen Endpunkten, Lebensqualität und Selbstwirksamkeit.

  • Weniger Studien umfassten zusätzliche Qualifikationen für Ärzt*innen oder für fortgeschritten qualifizierte Pflegefachkräfte als für examinierte Pflegefachkräfte. Es zeigten sich keine klaren Unterschiede, wenn zusätzliche Schulungen und das Ausmaß an Verantwortung in den Analysen für die Endpunkte berücksichtigt wurden.

  • In Bezug auf die Art der Übernahme ärztlicher Aufgaben deuteten die Ergebnisse darauf hin, dass bestimmte Prozess- und Qualitätsmaße (relative Leistung) in der Regelversorgung und in der erweiterten Versorgung möglicherweise eher besser ausfielen, wenn Pflegefachkräfte ärztliche Tätigkeiten übernahmen; die Evidenz ist jedoch unsicher.

Was schränkt die Evidenz ein?

Aufgrund der Unterschiede bei den Teilnehmenden, den Interventionen und der Messung der Endpunkte, ist die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz nur moderat oder gering. Außerdem wurden nur wenige Studien in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen durchgeführt.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand vom 25. Juni 2024.

Butler M, Kirwan M, Mc Carthy VJC, Cole JA, Schultz TJ

Welche Vor- und Nachteile hat eine Operation bei einer Senkung der Beckenorgane – mit oder ohne ungewolltem Harnverlust?

1 week 4 days ago
Kernaussagen

- Bei Frauen mit einer Senkung der Beckenorgane (Beckenorganprolaps) und Belastungsharninkontinenz verbessert eine zusätzliche Operation gegen Inkontinenz, die gleichzeitig mit der Operation zur Behebung der Senkung durchgeführt wird, die Rate der nach der Operation auftretenden Belastungsharninkontinenz wahrscheinlich. Bei Frauen mit einer Beckenorgansenkung, die vor der Operation keine Belastungsinkontinenz haben, ist eine zusätzliche Operation gegen Inkontinenz möglicherweise nicht nötig. Anmerkung: Viele Frauen mit einer Beckenorgansenkung haben vor der Operation keine Belastungsinkontinenz, da die Absenkung der Beckenorgane die Harnröhre mechanisch blockiert. Nach der Operation wird diese Blockade aufgehoben. Dadurch kann nach der Operation eine Belastungsinkontinenz neu auftreten.

- Bei Frauen mit einer Beckenorgansenkung, die vor der Operation keine Belastungsinkontinenz haben, senkt eine Operation mit körpereigenem Gewebe möglicherweise das Risiko für eine Belastungsinkontinenz nach der Operation eher als eine Operation mit einem eingesetzten Netz. Im Vergleich zur Netzeinlage gibt es bei der Operation mit körpereigenem Gewebe jedoch möglicherweise ein bis sieben Jahre nach der Operation ein deutlich erhöhtes Risiko, dass sich die Organe wieder absenken (550 von 1000 nach OP mit körpereigenem Gewebe, 220 von 1000 mit eingesetztem Netz).

Was ist eine Beckenorgansenkung?

Eine Beckenorgansenkung kommt insbesondere bei Frauen nach der Geburt und in der Postmenopause häufig vor. Dabei handelt es sich um eine starke Absenkung der Beckenorgane. Beckenorgane wie Gebärmutter, Blase, Darm und Scheide sinken dabei nach unten. Bei fortgeschrittenen Formen können sie aus der Scheide herausragen. Eine Beckenorgansenkung geht häufig mit ungewolltem Harnverlust beim Husten oder bei körperlicher Anstrengung (z.B. beim Sport) einher. Dies wird als "Belastungsharninkontinenz" bezeichnet. Bei einigen Frauen blockiert der Prolaps jedoch die Harnröhre, und die Belastungsharninkontinenz wird möglicherweise erst bemerkt, wenn der Prolaps behoben ist. Dies wird als "okkulte" (oder versteckte) Belastungsharninkontinenz bezeichnet. Belastungsharninkontinenz kann sich auch erst nach einer Operation zur Behebung des Prolapses entwickeln, was als "neu auftretende Belastungsharninkontinenz" bezeichnet wird. Eine Beckenorgansenkung kann die Lebensqualität von Frauen stark beeinträchtigen. Je stärker die Beckenorgansenkung ist, desto größer sind meist die Beschwerden – zum Beispiel Probleme beim Wasserlassen oder beim Stuhlgang.

Wie kann eine Beckenorgansenkung behandelt werden?

Beckenorgansenkungen können operativ über die Scheide oder über einen Bauchschnitt behandelt werden. Die Eingriffe erfolgen meist als schonende „Schlüsselloch“-Operation oder mit Unterstützung eines Operationsroboters. Bei der Operation kann entweder das körpereigene Gewebe der Frau verwendet werden oder es wird ein Netz eingesetzt, um das Gewebe zu stützen oder zu verstärken. Eine Belastungsharninkontinenz kann im Rahmen einer Operation zur Behandlung einer Beckenorgansenkung mitbehandelt werden. Eine Möglichkeit ist, ein schmales Netzband unter die Harnröhre zu legen, um sie zu stützen. Eine andere Möglichkeit ist, das Gewebe auf beiden Seiten der Harnröhre im Becken anzuheben und festzunähen.

Was wollten wir herausfinden?

Unser Ziel war es herauszufinden, welche Operation für Frauen mit einer Beckenorgansenkung am besten geeignet ist, unabhängig davon, ob es zu ungewolltem Urinverlust kommt oder nicht. Wir untersuchten, ob Frauen nach einer Operation wegen einer Beckenorgansenkung seltener ungewollt Urin verlieren, wenn gleichzeitig eine zusätzliche Operation gegen Harninkontinenz durchgeführt wird. Außerdem untersuchten wir, ob es nach der Operation erneut zu einer Senkung der Beckenorgane kam, ob Frauen Symptome einer überaktiven Blase (z. B. plötzlichen Harndrang) entwickelten, Probleme beim Entleeren der Blase hatten oder eine weitere Operation benötigten.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten systematisch nach Studien und sammelten, fassten und analysierten die relevanten Daten, um herauszufinden, welche Behandlung am besten geeignet ist.

Was fanden wir heraus?

Insgesamt schlossen wir 22 Studien mit 3.095 Frauen ein. Die Studien untersuchten Operationen zur Behebung einer Beckenorgansenkung mit oder ohne zusätzliche Inkontinenz-Operation bei Frauen mit und ohne Belastungsharninkontinenz.

Operationen zur Behandlung von Frauen mit einer Beckenorgansenkung und Belastungsharninkontinenz

Wird während einer Operationen zur Behebung einer Beckenorgansenkung bei Frauen mit Belastungsharninkontinenz ein zusätzliches Stützband unter der Harnröhre eingesetzt, verringert dies möglicherweise die Belastungsharninkontinenz und bewirkt möglicherweise, dass seltener eine weitere Inkontinenz-Operation nötig ist. Die Inkontinenz-Operation kann möglicherweise auch bis zu drei Monate nach der Operationen zur Behebung einer Beckenorgansenkung durchgeführt werden, ohne dass sich die Erfolgsrate wesentlich unterscheidet. In dieser Situation könnten einige Frauen nach der Operation zur Behebung einer Beckenorgansenkung auf eine zusätzliche Operation gegen Inkontinenz verzichten, da sie dann keinen ungewollten Urinverlust haben.

Es ist weiterhin unklar, ob eine Sakrokolpopexie oder Sakrohysteropexie, also eine Operation zur Behebung einer Beckenorgansenkung über den Bauchraum, in Kombination mit einer Burch-Kolposuspension, also dem zusätzlichen Anheben und Fixieren der Harnröhre, die Rate der Belastungsharninkontinenz verringert. Die Evidenz beruht auf einer kleinen Studie mit 47 Frauen. In einer weiteren Studie mit 113 Frauen wurde die Burch-Kolposuspension (Anhebung und Fixierung der Harnröhre) mit einem Stützband unter der Harnröhre verglichen. Nach zwei Jahren verringerte das Stützband die Belastungsharninkontinenz möglicherweise stärker als die Burch-Kolposuspension.

Zwischen einer vaginalen Netzeinlage mit Befestigungsarmen und einer Operation mit körpereigenem Gewebe plus Stützband unter der Harnröhre zeigten sich keine relevanten Unterschiede – weder beim ungewollten Urinverlust nach der Operation noch bei anderen Ergebnissen.

Operationen für Frauen mit Beckenorgansenkung und okkulter Belastungsharninkontinenz

Eine vaginale Operation zur Behebung einer Beckenorgansenkung mit einem zusätzlichen Stützband unter der Harnröhre verringert im Vergleich zu einer Operation ohne dieses Stützband wahrscheinlich die Belastungsharninkontinenz und die Notwendigkeit weiterer Inkontinenz-Operationen (5 Studien, 369 Frauen). Möglicherweise gibt es nur geringe oder gar keine Unterschiede beim Wiederauftreten einer Beckenorgansenkung, überaktiver Blase, neu auftretender überaktiver Blase oder Blasenentleerungsstörung.

Operationen für Frauen mit Beckenorgansenkung ohne Belastungsharninkontinenz

Eine vaginale Operation zur Behebung einer Beckenorgansenkung mit oder ohne zusätzliches Stützband unter der Harnröhre bewirkt bei Frauen ohne Belastungsharninkontinenz keinen Unterschied bei neu auftretender Belastungsharninkontinenz (1 Studie, 220 Frauen).

Es ist unklar, ob eine Operation zur Behebung einer Beckenorgansenkung über den Bauchraum mit oder ohne Anheben und Fixieren der Harnröhre (Burch-Kolposuspension) das neu auftreten von einer Belastungsharninkontinenz verbessert (2 Studien, 364 Frauen).

Bei einer Nachbeobachtung von 3 bis 7 Jahren verringert eine vaginale Operation zur Behebung einer Beckenorgansenkung mit körpereigenem Gewebe möglicherweise geringfügig neu auftretende Belastungsharninkontinenz im Vergleich zu einer Operation mit eingesetztem Netz (3 Studien, 417 Frauen). Das Einsetzen eines Vaginalnetzes verringert jedoch möglicherweise die Rate wiederkehrender Beckenorgansenkungen (3 Studien, 458 Frauen).

Was schränkt die Evidenz ein?

Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz ist moderat oder niedrig. Die Aussagekraft der Ergebnisse ist eingeschränkt, da einige Studien nicht verblindet waren, nicht alle wichtigen Endpunkte untersucht wurden und viele Studien nur wenige Frauen einschlossen.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von Juli 2025.

Baessler K, Christmann-Schmid C, Haya N, Mowat A, Chen Z, Wallace SA, Yeung E, Maher C

Können Programme mit mehreren Bausteinen Jugendlichen mit starkem Übergewicht dabei helfen, sich besser zu fühlen und gesünder zu leben?

2 weeks ago
Kernaussagen
  • Programme, die mehrere Bausteine kombinieren – zum Beispiel Ernährung, Bewegung und andere Alltagsgewohnheiten – und auf Gemeindeebene (z. B. in Schulen) durchgeführt werden, verbessern möglicherweise nach einem Jahr geringfügig das körperliche Wohlbefinden und wahrscheinlich nach zwei Jahren geringfügig den BMI-z-Score (ein Maß dafür, wie stark das Gewicht eines Kindes vom alters‐ und geschlechtstypischen Durchschnitt abweicht) bei Jugendlichen im Alter von 10 bis 19 Jahren mit schwerem Übergewicht (Adipositas). Diese Programme hatten insgesamt begrenzte Wirkungen auf das psychische Wohlbefinden, die körperliche Aktivität, die Lebensqualität und den BMI-z-score (nach 12 Monaten) der Jugendlichen.

  • Der Gesamtnutzen und mögliche unerwünschte Wirkungen von Programmen mit mehreren Bausteinen für Jugendliche sind weiterhin unklar. Zudem stammt der Großteil der Evidenz aus Ländern mit hohem Einkommen.

  • Es sind weitere Studien in unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen und Regionen erforderlich, um besser zu verstehen, welche Maßnahmen bei verschiedenen Jugendlichen wirken – und welche nicht.

Was ist das zugrunde liegende Problem?

Adipositas bei Jugendlichen ist weltweit ein wichtiges Gesundheitsproblem. Sie hat viele Ursachen, zum Beispiel Ernährung, Bewegung und Verhaltensweisen im Alltag. Adipositas bei Jugendlichen wird in der Regel definiert als ein Body-Mass-Index (BMI - eine Zahl, die aus der Größe und dem Gewicht einer Person berechnet wird, um festzustellen, ob ihr Gewicht in einem gesunden Bereich liegt), der deutlich über dem liegt, der für junge Menschen desselben Alters und Geschlechts typisch ist. Behandlungsansätze, die zu gesünderen Lebensgewohnheiten anregen, werden häufig zur Behandlung von Adipositas bei Jugendlichen eingesetzt, aber ihre langfristigen Auswirkungen sind nach wie vor unklar.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob Programme mit mehreren Bausteinen zur Förderung von gesunder Ernährung, körperlicher Aktivität und Verhalten Jugendlichen im Alter von 10 bis 19 Jahren mit Adipositas helfen. Wir haben uns darauf konzentriert, wie sich diese Programme langfristig (Nachbeobachtung von 12 bis 24 Monaten) auf das körperliche und psychische Wohlbefinden, die Lebensqualität, die körperliche Aktivität und gewichtsbezogene Maße auswirken.

Wie gingen wir vor?

Wir haben nach Studien gesucht, in denen Programme getestet wurden, die zwei oder mehr Bereiche miteinander verbinden: Ernährung, körperliche Aktivität und/oder Verhaltensänderung. Wir haben nur Studien einbezogen, in denen diese Programme mit keinen Programmen, der üblichen Versorgung oder einer Wartelistengruppe verglichen wurden. Alle Studien mussten eine Nachbeobachtung der Jugendlichen für mindestens ein Jahr nach Beginn der Intervention aufweisen. Wir fassten die Studienergebnisse zusammen, verglichen sie und bewerteten, wie verlässlich die Evidenz ist, unter anderem anhand der verwendeten Methoden und der Größe der Studien.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 33 Studien mit 5949 Jugendlichen in Ländern mit hohem Einkommen, die an Orten wie Schulen, Kirchen, Gesundheitseinrichtungen und Gemeindezentren durchgeführt wurden. Wir haben die Studien in zwei Gruppen unterteilt: (1) Studien, die Programme in Einrichtungen des Gesundheitswesens durchführten, z. B. in Behandlungszentren der Primärversorgung oder in Krankenhäusern; (2) Studien, die Programme auf Gemeindeebene durchführten, z.B. in Schulen, Gemeindezentren, Sportzentren oder anderen öffentlichen Einrichtungen.

Hauptergebnisse

Verglichen mit der üblichen Versorgung bewirken in Gesundheitseinrichtungen durchgeführte Programme möglicherweise nur einen geringen oder gar keinen Unterschied für die Jugendlichen auf:

  • das körperliche oder psychische Wohlbefinden;

  • körperliche Aktivität, gemessen als Veränderung gegenüber dem Ausgangswert (ein Wert, der angibt, wie stark die körperliche Aktivität einer Person nach dem Behandlungsprogramm im Vergleich zum Ausgangswert zugenommen oder abgenommen hat);

  • BMI-z-score.

Es ist unklar, ob diese Programme das Ausmaß der körperlichen Aktivität von Jugendlichen beeinflussen, wenn die körperliche Aktivität erst am Ende der Studie gemessen wird. Diese Behandlungsansätze verbessern möglicherweise geringfügig die Lebensqualität der Jugendlichen nach einem Jahr. Es ist unklar, ob sie schädliche oder unerwünschte Ereignisse verursacht haben. Keine der Studien, die in Gesundheitseinrichtungen durchgeführt wurden, berichtete über Adipositas-bedingte Behinderungen.

Im Vergleich zur üblichen Versorgung bewirken auf Gemeindeebene durchgeführte Programme:

  • möglicherweise eine leichte Verbesserung des körperlichen Wohlbefindens der Jugendlichen;

  • möglicherweise keine oder nur minimale Veränderungen des psychischen Wohlbefindens und der körperlichen Aktivität;

  • über den Zeitraum von 12 Monaten möglicherweise keine oder nur minimale Veränderungen beim BMI-z-Score und über den Zeitraum von 24 Monaten möglicherweise eine geringfügige Reduktion des BMI-z-Scores.

Diese Programme bewirken wahrscheinlich wenig bis gar keinen Unterschied in der Lebensqualität der Jugendlichen nach 12 Monaten. In keiner der auf Gemeindeebene durchgeführten Studien wurde über Adipositas-bedingte Behinderungen berichtet oder darüber, ob die Programme zu unerwünschten oder schädlichen Ereignissen führten.

Was schränkt die Evidenz ein?

Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz ist niedrig, da die Nachbeobachtungszeit begrenzt war und die Studien methodische Schwächen hatten. Die meisten dieser Studien wurden in Ländern mit hohem Einkommen durchgeführt, so dass wir nicht sicher sein können, wie gut diese Maßnahmen in anderen Ländern und bei anderen Bevölkerungsgruppen funktionieren.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von Februar 2024.

Franco JVA, Guo Y, Bongaerts B, Metzendorf MI, Hindemit J, Aqra Z, Alhalahla M, Tapinova K, Villegas Arbelaez E, Alade OT, Medina Rodriguez M, Rees K, Al-Khudairy L, Torbahn G, Ells LJ

Was sind die Vorteile und Risiken von Ginkgo biloba bei kognitiven Störungen und Demenz?

2 weeks ago
Kernaussagen

- Bei Menschen mit Sorgen um ihr Denkvermögen oder Gedächtnis ist ungewiss, ob Ginkgo den allgemeinen Zustand nach sechs Monaten deutlicher verbessert als ein Placebo (Scheinbehandlung).
- Bei Menschen mit Multipler Sklerose und Denk- oder Gedächtnisproblemen verbessert Ginkgo das Denken nach drei Monaten wahrscheinlich nicht besser als ein Placebo.
- Bei Menschen, bei denen eine leichte kognitive Beeinträchtigung, jedoch keine Demenz diagnostiziert wurde, ist Ginkgo nach sechs Monaten wahrscheinlich nicht besser als ein Placebo, um den Gesamtzustand, das Denkvermögen oder die Fähigkeiten zur Bewältigung alltäglicher Aufgaben zu verbessern.
- Bei Menschen, bei denen eine Demenzerkrankung diagnostiziert wurde, verbessert Ginkgo nach sechs Monaten möglicherweise den Allgemeinzustand, das Denkvermögen insgesamt sowie die Fähigkeiten zur Bewältigung alltäglicher Aufgaben stärker als ein Placebo. Die einzelnen Studien kamen jedoch zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen bezüglich der Wirkungen von Ginkgo. Daher ist es schwierig, eindeutige Schlussfolgerungen zu ziehen.
- Studien, in denen Ginkgo bei Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung oder Demenz mit einem Placebo verglichen wurde, zeigen, dass Ginkgo wahrscheinlich nicht mit einem erhöhten Risiko für Schäden verbunden ist.

Was sind kognitive Beeinträchtigungen und Demenz?

Eine kognitive Beeinträchtigung bedeutet, dass das Denken nicht mehr so gut funktioniert wie gewohnt, beispielsweise beim Lernen, Erinnern oder Entscheiden. Auch die Stimmung, das Verhalten oder die Motivation können sich verändern. Demenz ist ein Oberbegriff für schwere kognitive Beeinträchtigungen, die den Alltag und die gewohnten Aktivitäten deutlich einschränken. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, an Demenz zu erkranken. Die häufigste Form der Demenz bei älteren Erwachsenen ist die Alzheimer-Krankheit.

Wie werden kognitive Beeinträchtigungen und Demenz behandelt?

Es ist nicht erwiesen, dass die verfügbaren Behandlungen das Fortschreiten von kognitiven Beeinträchtigungen oder Demenz aufhalten können. Medikamente wie Cholinesterase-Hemmer können bestimmte Symptome verbessern. Zusätzlich können zur Unterstützung nicht-medikamentöse Maßnahmen hilfreich sein.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob Medikamente aus den Blättern von Ginkgo biloba (Ginkgo-Baum) bei der Behandlung von kognitiven Beeinträchtigungen oder Demenz helfen können, insbesondere bei der Verbesserung der Denkfähigkeit und der Fähigkeit, alltägliche Aufgaben zu erledigen. Wir wollten auch wissen, ob diese pflanzlichen Mittel Menschen helfen können, die sich Sorgen um ihre geistige Leistungsfähigkeit machen oder Denkprobleme haben, die im Zusammenhang mit Multipler Sklerose auftreten.

Wie gingen wir vor?

Wir haben nach Studien gesucht, in denen Ginkgo-Präparate bei Menschen mit Denkproblemen oder der Diagnose einer leichten kognitiven Beeinträchtigung oder Demenz getestet wurden. Die Menschen mussten mindestens drei Monate lang behandelt werden. Wir haben die Ergebnisse dieser Studien getrennt für verschiedene Arten von kognitiven Beeinträchtigungen oder Diagnosen zusammengefasst. Wir bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie der Qualität der Studien, der Größe der Studien und der Frage, ob verschiedene Studien zu ähnlichen oder unterschiedlichen Ergebnissen kamen.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 82 Studien mit 10 613 Personen, die sich Sorgen um ihre geistige Leistungsfähigkeit machten, bei denen Denkprobleme im Zusammenhang mit Multipler Sklerose auftraten oder bei denen eine leichte kognitive Beeinträchtigung oder Demenz diagnostiziert wurde. In den Studien wurden Ginkgo-Präparate mit Placebo (Scheinbehandlung) oder mit anderen Arzneimitteln verglichen, oder Ginkgo-Präparate wurden zusätzlich zu anderen Behandlungen angewendet. Mehr als die Hälfte der Studien wurde in China durchgeführt.

Hauptergebnisse

Bei Menschen, die sich Sorgen um ihr Gedächtnis und ihr Denkvermögen machen, ist es ungewiss, ob Ginkgo-Präparat nach sechs Monaten ihren Gesamtzustand deutlicher als ein Placebo verbessern. In einer Studie wurde nach sechs Monaten kein Unterschied zwischen einem Ginkgo-Präparat und Placebo in Bezug auf mögliche schädliche Auswirkungen festgestellt. Eine andere Studie mit einer Laufzeit von nur drei Monaten zeigte jedoch, dass ein Ginkgo-Präparat insgesamt mit mehr schädlichen Wirkungen verbunden war als ein Placebo.

Bei Menschen mit kognitiven Problemen im Zusammenhang mit Multipler Sklerose bringt eine dreimonatige Behandlung mit einem Ginkgo-Präparat im Vergleich zu Placebo wahrscheinlich nur einen sehr kleinen oder keinen messbaren Vorteil für die Denkfähigkeit. Keine der eingeschlossenen Studien berichtete, wie viele Personen insgesamt Schäden erlitten. In einer Studie traten bei zwei Personen schwerwiegende Schäden auf, die wahrscheinlich nicht auf das Ginkgo-Präparat zurückzuführen waren.

Bei Menschen mit einer leichten kognitiven Beeinträchtigung führt eine sechsmonatige Behandlung mit einem Ginkgo-Präparat im Vergleich zu einem Placebo wahrscheinlich zu keinem oder nur zu einem geringen Unterschied beim allgemeinen Gesundheitszustand, der Denkfähigkeit und den Fähigkeiten für den Alltag. Zwischen einem Ginkgo-Präparat und einem Placebo gibt es möglicherweise über den Zeitraum von bis zu 12 Monaten nur einen geringen oder gar keinen Unterschied im Risiko von Schäden und kein Unterschied bei schweren Schäden.

Bei Menschen mit diagnostizierter Demenz kann eine sechsmonatige Behandlung mit Ginkgo im Vergleich zu einem Placebo den allgemeinen Gesundheitszustand, das Denkvermögen und die Fähigkeit, alltägliche Aktivitäten auszuführen, möglicherweise etwas verbessern. Zwischen Ginkgo und Placebo gibt es wahrscheinlich nur einen geringen oder gar keinen Unterschied beim Risiko von Schäden innerhalb von bis zu 12 Monaten. Auch beim Risiko schwerer Schäden besteht möglicherweise nur ein geringer oder gar kein Unterschied.

Was schränkt die Evidenz ein?

Bei vielen Studien gab es methodische Probleme. Zudem waren die Ergebnisse der einzelnen Studien uneinheitlich, was die Aussagekraft der Ergebnisse beeinträchtigt. Nur wenige Studien untersuchten Ginkgo bei Demenz länger als sechs Monate, so dass der potenzielle Nutzen und Schaden einer längerfristigen Einnahme bei Demenz unbekannt ist.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von November 2024.

Wieland LS, Ludeman E, Chi Y, Feinberg TM, Chen I-H, Chen K-H, Zhu Y, Wolverson E, Amri H

Hilft persönliche Psychoedukation Eltern von Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen?

2 weeks ago
Kernaussagen
  • Psychoedukation – also persönliche Gespräche mit einer Fachkraft, in denen Eltern verständliche Informationen über die Erkrankung erhalten – verbessert möglicherweise das psychische, emotionale und soziale Wohlbefinden von Eltern von Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen kurz- und mittelfristig. Außerdem verringert sie möglicherweise kurzfristig Ängste der Eltern.

  • Die Evidenz zur Wirkung der Psychoedukation auf die Lebensqualität der Eltern und ihre Erfahrungen mit der Betreuung ihrer Kinder ist sehr unsicher.

  • Insgesamt ist die verfügbare Evidenz begrenzt. Um besser zu verstehen, wie Psychoedukation die Eltern von Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen unterstützen kann, sind weitere Forschungen erforderlich.

Wie wirkt sich eine schwere psychische Erkrankung des Kindes auf die Eltern aus?

Von einer schweren psychischen Erkrankung spricht man, wenn Denken, Gefühle oder Verhalten einer Person so stark beeinträchtigt sind, dass sie ihren Alltag nur noch sehr eingeschränkt bewältigen kann. Sie kann die Fähigkeit einer Person, zu arbeiten, für sich selbst zu sorgen, Beziehungen zu pflegen oder an anderen wichtigen Lebensbereichen teilzuhaben, stark einschränken. Schwere psychische Erkrankungen sind beispielsweise Schizophrenie, bipolare Störungen und schwere Depressionen. Solche Erkrankungen dauern oft lange an und beeinträchtigen den Alltag erheblich. Die Betreuung eines Kindes mit einer schweren psychischen Erkrankung ist für Eltern häufig sehr belastend und mit Stress, Sorgen und Traurigkeit verbunden. Eltern können dadurch auch selbst gesundheitliche Probleme entwickeln und sich isoliert oder überfordert fühlen.

Was ist Psychoedukation?

Psychoedukation ist die verständliche Aufklärung von Betroffenen und ihren Angehörigen durch Fachpersonen über eine psychische Erkrankung. Dabei geht es zum Beispiel um typische Symptome, wie Behandlungen wirken, wie sich die Krankheit voraussichtlich entwickelt und wie der Alltag mit der Erkrankung gestaltet werden kann. Psychoedukation kann dazu beitragen, dass Eltern sich sicherer fühlen und die Herausforderungen bei der Betreuung ihres Kindes besser bewältigen – unabhängig vom Alter des Kindes. Zur Psychoedukation gehören in der Regel Gruppentreffen mit anderen Eltern. Die Teilnehmenden erhalten dort Informationen, können Erfahrungen austauschen und gegenseitige Unterstützung erfahren. In dieser Übersicht haben wir nur Studien berücksichtigt, in denen Psychoedukation persönlich angeboten wurde und nicht online durchgeführt wurde.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten wissen, ob Eltern durch persönliche Psychoedukation – angeboten von Fachpersonen oder speziell geschulten Personen – besser mit der schweren psychischen Erkrankung ihres Sohnes oder ihrer Tochter zurechtkommen. Andere Formen der Unterstützung durch Betreuungspersonen wurden nicht berücksichtigt.

Wir verglichen Psychoedukation mit "inaktiven" Interventionen (z. B. keine Maßnahme, Warteliste, übliche Versorgung) oder aktiven Behandlungen (z. B. Medikamente). Uns interessierte vor allem, wie sich die Psychoedukation kurzfristig auf das psychosoziale Wohlbefinden der Eltern (also ihre psychische, emotionale und soziale Gesundheit) und auf ihre Lebensqualität auswirkt. Außerdem betrachteten wir, ob es zu unerwünschten Ereignissen oder negativen Wirkungen kam.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach randomisierten kontrollierten Studien, die die Auswirkungen persönlicher Psychoedukation auf Eltern von Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen untersuchten. Wir haben die Ergebnisse der Studien kombiniert und die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz beurteilt.

Was fanden wir heraus?

Wir haben fünf Studien mit insgesamt 304 Teilnehmenden identifiziert. Die meisten Teilnehmenden waren Frauen über 45 Jahre. Die erkrankten Personen hatten meist Schizophrenie. Die Studien wurden in Asien (Iran, Indonesien, Japan und China) durchgeführt und zwischen 2006 und 2020 veröffentlicht. Die psychoedukativen Interventionen dauerten 3 bis 12 Wochen, mit 4 bis 12 Sitzungen.

In den Studien wurden nur die Durchschnittswerte am Ende der Intervention angegeben; die Ergebnisse wurden nicht als "jegliche Veränderung" oder "klinisch wichtige Veränderung" angegeben. Keine der Studien berichtete von unerwünschten Ereignissen. Daher waren für diesen wichtigen Endpunkt keine Daten verfügbar. In den Studien wurden jedoch einige andere wichtige Endpunkte gemessen.

Hauptergebnisse

Psychoedukation für Eltern von Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen im Vergleich zu keiner Maßnahme:

  • führt möglicherweise kurzfristig zu einer deutlichen Verbesserung des psychosozialen Wohlbefindens der Eltern (3 Studien, 150 Teilnehmende);

  • führt möglicherweise mittelfristig zu einer deutlichen Verbesserung des psychosozialen Wohlbefindens der Eltern (1 Studie, 37 Teilnehmende);

  • die kurzfristigen Auswirkungen auf die Lebensqualität der Eltern sind ungewiss (1 Studie, 40 Teilnehmende);

  • verbessert möglicherweise kurzfristig die Ängste der Eltern deutlich (1 Studie, 73 Teilnehmende); und

  • die kurzfristigen Auswirkungen auf die Erfahrungen der Eltern bei der Betreuung ihres Kindes sind ungewiss (1 Studie, 36 Teilnehmende).

Im Vergleich zu anderen nicht-medikamentösen Angeboten ist sehr unklar, ob Psychoedukation das psychosoziale Wohlbefinden der Eltern kurz- oder mittelfristig verbessert (1 Studie, 37 Teilnehmende).

Es gab keine Studien, die Psychoedukation mit Medikamenten verglichen.

Was schränkt die Evidenz ein?

In diesem Review wurde die persönliche Psychoedukation für Eltern von Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen untersucht. Die Evidenz war begrenzt, da nur fünf kleine Studien aus Asien über kurzfristige Wirkungen berichteten. Die meisten Teilnehmenden waren Mütter von Menschen mit Schizophrenie; Väter waren unterrepräsentiert. Langfristige Endpunkte und unerwünschte Ereignisse wurden nicht berichtet. Die Interventionen und Vergleiche waren unterschiedlich, und häufig fehlten wichtige Informationen zu den Teilnehmenden. Die Ergebnisse sind daher nur eingeschränkt aussagekräftig. Es werden größere, gut konzipierte Studien benötigt.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz basiert auf Recherchen, die bis zum 11. November 2024 durchgeführt wurden.

Jimenez Tejero E, Lopez-Alcalde J, Carralero-Montero A, Álvarez-Díaz N, García Sastre M, Asenjo-Esteve ÁL, Castro-Molina FJ, Muriel A, Maravilla Herrera P, Monge Martín D, Cuesta-Lozano D

Beugt eine regelmäßige Gerinnungsfaktortherapie Gelenkschädigungen bei Kindern mit schwerer Bluterkrankheit A oder B vor?

3 weeks 2 days ago
Kernaussagen

– Eine vorbeugende Behandlung mit Gerinnungsfaktoren kann im Vergleich zu einer Behandlung nur bei auftretenden Blutungen möglicherweise die Zahl der Gelenkblutungen und die Gesamtzahl der Blutungen pro Jahr senken – bei zuvor unbehandelten oder nur minimal behandelten Kindern ohne Gelenkschäden.

– Bei Kindern mit Bluterkrankheit, die noch nicht behandelt wurden, gibt es wahrscheinlich keinen Unterschied zwischen den Gruppen hinsichtlich der Schwere von Gelenkschäden. Eine vorbeugende Behandlung mit Gerinnungsfaktoren verbessert möglicherweise nicht die Lebensqualität im Vergleich zu einer Behandlung bei Bedarf. Dieses Ergebnis ist allerdings sehr unsicher.

– Kinder, die eine vorbeugende Behandlung mit Gerinnungsfaktoren erhalten, benötigen möglicherweise mehr monatliche Infusionen als Kinder, die bei Bedarf behandelt werden. Auch dieses Ergebnis ist sehr unsicher. Möglicherweise gibt es zwischen den beiden Gruppen keinen Unterschied bei unerwünschten Wirkungen, etwa bei Infektionen oder der Bildung von Antikörpern, die die Behandlung weniger wirksam machen.

Was versteht man unter der Bluterkrankheit?

Die Bluterkrankheit A und B sind angeborene Blutungsstörungen. Besonders problematisch sind wiederholte Blutungen in die Gelenke. Wiederholte Blutungen können diese Gelenke schädigen. Solche geschädigten Gelenke werden oft als „Zielgelenke“ bezeichnet und können Schmerzen und Bewegungseinschränkungen verursachen.

Wie wird die Bluterkrankheit behandelt?

Derzeit werden Blutungen mit Gerinnungsfaktortherapien behandelt und verhindert. Dabei handelt es sich um Medikamente, die die Blutgerinnung unterstützen. Diese Medikamente können aus Spenderblut gewonnen oder in einem Labor hergestellt werden. Seit kurzem gibt es auch neue Behandlungsmethoden, bei denen keine Gerinnungsfaktoren verwendet werden.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob Kinder, die bisher keine Therapie wegen Gelenkeinblutungen erhalten haben, eine regelmäßige Behandlung mit Gerinnungsfaktortherapien erhalten sollten, um Gelenkeinblutungen und Gelenkschäden zu verhindern und um das allgemeine Wohlbefinden zu verbessern.

Wie gingen wir vor?

Wir haben nach Studien gesucht, die regelmäßige Gerinnungsfaktortherapien oder die Behandlung von Blutungen bei Bedarf eingesetzt haben, um Blutungen bei Kindern im Alter von bis zu 10 Jahren mit Bluterkrankheit ohne Gelenkschäden zu verhindern. Wir haben die Ergebnisse der Studien zusammengefasst und die Vertrauenswürdigkeit der Ergebnisse anhand der Studienqualität und der Anzahl der Kinder bewertet.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden drei Studien mit 126 Kindern mit schwerer Bluterkrankheit A. Die größte Studie umfasste 65 Kinder, die kleinste Studie 21 Kinder. Die Studien wurden in drei Ländern durchgeführt: Italien, Indien und den USA. Eine Studie dauerte 11,5 Monate, eine Studie dauerte 9 Jahre und eine Studie dauerte 10 Jahre.

Hauptergebnisse

Im Vergleich zu einer Behandlung bei Bedarf verringert die Vorbeugung von Blutungen durch die regelmäßige Gabe von Gerinnungsfaktoren möglicherweise innerhalb eines Jahres die Zahl der Gelenkeinblutungen und die Gesamtanzahl der Blutungen (3 Studien, 125 Kinder). Hinsichtlich der Schwere der Gelenkschäden gibt es wahrscheinlich keinen Unterschied zwischen den Gruppen (2 Studien, 95 Kinder). Gerinnungsfaktoren verbessern möglicherweise nicht die Lebensqualität im Vergleich zu einer Behandlung bei Bedarf (sehr niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz, 2 Studien, 105 Kinder). Wahrscheinlich gibt es keinen Unterschied in der im Röntgen sichtbaren Gelenkschädigung zwischen einer vorbeugenden Behandlung und einer Behandlung bei Bedarf (2 Studien, 61 Kinder). Die Vorbeugung von Blutungen mit einer regelmäßigen Gabe von Gerinnungsfaktoren erhöht möglicherweise im Vergleich zur Behandlung bei Bedarf die Gesamtzahl der monatlichen Gerinnungsfaktorinfusionen, aber die Evidenz ist sehr unsicher (2 Studien, 86 Kinder). Bei der Entwicklung von Antikörpern, die die Wirkung der Behandlung abschwächen können, gibt es möglicherweise keinen Unterschied zwischen den beiden Gruppen (2 Studien, 105 Kinder).

Was schränkt die Aussagekraft der Evidenz ein?

Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz ist moderat bis sehr gering, weil die Kinder wussten, welche Behandlung sie erhielten, was die Ergebnisse beeinflusst haben könnte. In einigen Studien nahmen auch Kinder teil, die bereits Gelenkschäden hatten. Die Ergebnisse wurden jedoch nicht getrennt für Kinder mit und ohne Gelenkschäden ausgewertet. Auch wenn klinische Studien, die eine vorbeugende Gerinnungsfaktortherapie mit einer Behandlung nur bei auftretenden Blutungen vergleichen, heute nicht mehr ethisch vertretbar sind, wären weitere gut geplante Studien hilfreich. Sie könnten genauer zeigen, wie groß der Nutzen von Gerinnungsfaktortherapien und neueren, gerinnungsfaktorfreien Behandlungen bei der Vorbeugung von Gelenkblutungen und Gesamtblutungen bei Kindern mit Bluterkrankheit ist.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von 20. November 2024.

Razmpoosh E, Olasupo OO, Bhatt M, Matino D, Iorio A

Ist es besser, den Embryo am 3. oder am 5. Tag in die Gebärmutter zu übertragen, wenn man versucht, ein Baby durch künstliche Befruchtung zu bekommen?

3 weeks 6 days ago
Kernaussagen
  • Die Chance nach einem IVF-Zyklus (In-vitro-Fertilisation) auf ein lebend geborenes Kind verbessert sich möglicherweise geringfügig, wenn der Embryo an Tag 5 bis 6 (Blastozystenstadium) statt an Tag 3 (Furchungsstadium) übertragen wird, und zwar bei Frauen mit einer "guten Prognose" (d. h. mit Eigenschaften, die eine Schwangerschaft erleichtern). Die Lebendgeburtenrate pro IVF-Zyklus bezieht sich dabei auf alle Transfers von Eizellen, die aus einem Stimulationszyklus stammen – unabhängig davon, ob sie frisch oder eingefroren waren.

  • Betrachtet man nur die Ergebnisse für frisch transferierte Embryonen, die einige Tage nach der Befruchtung in die Gebärmutter eingesetzt werden, so erhöht wahrscheinlich der Transfer von Embryonen im Blastozystenstadium im Vergleich zum Furchungsstadium die Chance auf ein Baby.

  • Der Transfer von Embryonen im Blastozystenstadium statt im Furchungsstadium erhöht wahrscheinlich das Risiko für eine Frühgeburt (32. bis 36. Schwangerschaftswoche) im Vergleich zu einer Geburt zum regulären Termin (etwa 40 Wochen).

  • Weitere Forschung ist erforderlich, um die langfristigen Wirkungen zu verstehen, insbesondere bei Menschen mit einer geringeren Chance auf eine erfolgreiche IVF.

Was ist assistierte Befruchtung?

Assistierte Empfängnis umfasst medizinische Behandlungen, die eine Schwangerschaft ermöglichen sollen, wenn sie auf natürlichem Weg nicht zustande gekommen ist. Bei der In-vitro-Fertilisation (IVF) werden einer Frau Eizellen entnommen und außerhalb des Körpers mit Spermien befruchtet. Einer oder mehrere der daraus entstandenen Embryonen werden anschließend in die Gebärmutter eingesetzt. Die Embryonen können einige Tage nach der Befruchtung (Furchungsstadium, Tag 2 bis 3) oder etwas später (Blastozystenstadium, Tag 5 bis 6) übertragen werden.

Beim Transfer im Blastozystenstadium ist der Zeitpunkt zwischen Embryo und Gebärmutter möglicherweise besser abgestimmt, was die Chancen auf eine Schwangerschaft erhöhen könnte. Bei manchen Menschen kann es jedoch passieren, dass Embryonen verloren gehen, die sich im Labor nicht bis zum fünften Tag weiterentwickeln, sich aber im Mutterleib möglicherweise hätten entwickeln können. Wir wissen noch nicht, ob eine der beiden Strategien insgesamt zu besseren Ergebnissen über den gesamten Behandlungsverlauf führt oder ob sie das Risiko von Schwangerschaftskomplikationen beeinflusst.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten wissen, welche Wirkungen der Transfer von Embryonen im Blastozystenstadium im Vergleich zum Transfer von Embryonen im Furchungsstadium hat:

  • auf die Chance einer Lebendgeburt, wenn alle Embryonen aus einem Zyklus verwendet werden, also sowohl frische als auch eingefrorene und später aufgetaute Embryonen. Dies wird auch als Chance „pro Zyklus“ oder „kumulativ“ bezeichnet;

  • die Chance auf eine Lebendgeburt nach einem einzelnen Transfer eines frischen Embryos;

  • das Risiko von Komplikationen während der Schwangerschaft oder bei der Geburt (z. B. Frühgeburt);

  • Schwangerschaftsraten;

  • das Risiko einer Fehlgeburt;

  • wie viele Embryonen zur späteren Verwendung eingefroren werden können; und

  • auf die Möglichkeit, dass kein Embryo übertragen werden kann.

Was genau haben wir gemacht?

Wir haben nach randomisierten kontrollierten Studien gesucht, die den Embryotransfer im Blastozysten- und im Furchungsstadium bei Frauen, die sich einer IVF unterziehen, vergleichen. Wir haben die Ergebnisse der Studien kombiniert und unser Vertrauen in sie bewertet. Unsere Einschätzungen der Vertrauenswürdigkeit der Evidenz werden im Folgenden in Klammern wiedergegeben.

Was fanden wir heraus?
  • Wir haben 36 Studien mit 8389 Frauen einbezogen. Die meisten Studien wurden in spezialisierten IVF-Kinderwunschkliniken durchgeführt und schlossen Frauen mit guten Voraussetzungen für eine Schwangerschaft ein, zum Beispiel jüngere Frauen, die mehrere Embryonen entwickelten.

Chance, ein Kind zu bekommen (Lebendgeburt)

  • Pro IVF-Zyklus mit frischen und tiefgefrorenen Embryonen (kumulative Lebendgeburtenrate) erhöht der Blastozystentransfer möglicherweise geringfügig die Chance auf ein Baby (niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz).

  • Nach einem einzigen Transfer eines frischen Embryos: Der Blastozystentransfer erhöht wahrscheinlich die Chance, ein Baby zu bekommen. Wenn nach einem Embryonentransfer im Furchungsstadium 32 von 100 Frauen ein Baby bekommen, wären es nach einem Embryonentransfer im Blastozystenstadium etwa 37 bis 43 von 100 Frauen (moderate Vertrauenswürdigkeit der Evidenz).

Frühgeburt

  • Der Blastozystentransfer erhöht wahrscheinlich die Wahrscheinlichkeit, dass ein Baby zwischen der 32. und 36. Woche (späte Frühgeburt) geboren wird (moderate Vertrauenswürdigkeit der Evidenz).

Chance, schwanger zu werden ("klinische Schwangerschaft")

  • Der Blastozystentransfer erhöht möglicherweise die Chance auf eine Schwangerschaft nach einem frischen Transfer (niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz).

Fehlgeburt

  • Möglicherweise gibt es nur einen geringen oder gar keinen Unterschied zwischen dem Blastozystentransfer und dem Transfer im Furchungsstadium in Bezug auf die Rate an Fehlgeburten (niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz).

Einfrieren von überzähligen Embryonen

  • Der Blastozystentransfer verringert möglicherweise die Wahrscheinlichkeit, dass Embryonen für eine spätere Verwendung eingefroren werden können (niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz).

Anteil der Fälle, in denen kein Embryo übertragen werden konnte

  • Der Blastozystentransfer führt möglicherweise dazu, dass es häufiger zu keinem Embryotransfer kommt, zum Beispiel weil sich im Labor kein Embryo bis zum 5. Tag weiterentwickelt (niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz).

Was schränkt die Aussagekraft der Evidenz ein?

Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz ist moderat bis niedrig. Viele Studien waren klein, und die Art der IVF-Behandlung war unterschiedlich. Die Teilnehmenden wussten, ob ihr Embryo im Spaltstadium oder im Blastozystenstadium übertragen wurde. Dieses Wissen könnte die Ergebnisse beeinflusst haben. In einigen Studien erhielten die meisten Frauen nur einen frischen Embryotransfer. Die Ergebnisse könnten daher anders aussehen, wenn man sie erst später bewertet, nachdem auch eingefrorene Embryonen verwendet wurden. In den meisten Studien nahmen Frauen teil, die gute Voraussetzungen für eine Schwangerschaft hatten. Die Ergebnisse gelten daher möglicherweise nicht für Frauen mit Merkmalen, die eine Schwangerschaft erschweren.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz beruht auf Studien, nach denen bis Oktober 2024 gesucht wurde.

Glujovsky D, Cornelisse S, Blake D, Quinteiro Retamar AM, Alvarez Sedo CR, Ciapponi A

Wirken verhaltensorientierte Ansätze in der Mundhygieneberatung bei Erwachsenen mit Zahnfleischerkrankung?

3 weeks 6 days ago
Kernaussagen
  • Bei Menschen, die an Parodontitis (Zahnbettentzündung, eine schwere Form der Zahnfleischerkrankung) leiden, ist unklar, ob verhaltensorientierte Ansätze in der Mundhygieneberatung im Vergleich zur üblichen Beratung allein einen spürbaren Nutzen haben.

  • Auch bei Menschen mit Gingivitis (einer Zahnfleischentzündung, einer milderen Form der Zahnfleischerkrankung) ist die Evidenz sehr unsicher, ob verhaltensorientierte Ansätze in der Mundhygieneberatung im Vergleich zur üblichen Beratung allein einen spürbaren zusätzlichen Nutzen haben.

  • Künftige Studien sind nötig, um besser zu verstehen, ob Verhaltensansätze Menschen mit Zahnfleischerkrankung unterstützen können.

Was ist eine Zahnfleischerkrankung?

Zu den Symptomen einer Zahnfleischerkrankung gehören Zahnfleischbluten, geschwollenes Zahnfleisch und Mundgeruch. Eine Gingivitis ist eine milde Form der Zahnfleischerkrankung, die sich auf das Zahnfleisch beschränkt. Wenn eine Gingivitis nicht behandelt wird, kann sie sich zu einer Parodontitis entwickeln, einer schwereren Form der Zahnfleischerkrankung. Eine Parodontitis kann das Weichgewebe und den Kieferknochen um die Zähne herum bleibend schädigen. In einigen Fällen verlieren Betroffene ihre Zähne.

Wie wird eine Zahnfleischerkrankung behandelt?

Eine Zahnfleischerkrankung wird in der Regel durch Zahnärzt*innen oder Dentalhygieniker*innen behandelt, zum Beispiel durch eine professionelle Reinigung der Zähne und Zahnfleischtaschen. Bei stärkeren oder länger bestehenden Entzündungen können zusätzliche Behandlungen nötig sein, etwa Antibiotika oder ein operativer Eingriff. Die Symptome einer Zahnfleischerkrankung lassen sich durch eine gute Mundhygiene lindern. Dazu gehören mindestens zweimal tägliches Zähneputzen sowie die Reinigung der Zahnzwischenräume, zum Beispiel mit Zahnseide oder anderen geeigneten Hilfsmitteln. Eine gute Mundhygiene ist wichtig und eine Voraussetzung dafür, dass eine Zahnfleischentzündung erfolgreich behandelt werden kann. Auch wenn Menschen mit Zahnfleischerkrankungen von zahnärztlichem Fachpersonal zur Mundhygiene beraten werden, gelingt es nicht allen, diese Maßnahmen ausreichend umzusetzen, um ihre Erkrankung in den Griff zu bekommen.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob verhaltensorientierte Ansätze in der Mundhygieneberatung wirksamer sind als die übliche Beratung allein, um die Mundhygienegewohnheiten von Erwachsenen mit Zahnfleischerkrankungen zu verbessern. Zu verhaltensorientierten Ansätzen zählen Techniken zur Verhaltensänderung, die Menschen dabei unterstützen sollen, ihre gewohnten Verhaltensmuster zu verändern.

Wir untersuchten insbesondere Blutungen nach leichtem Sondieren oder Druck, Entzündungszeichen wie gerötetes und geschwollenes Zahnfleisch, Plaque (einen klebrigen Bakterienfilm auf den Zähnen), die Tiefe der Zahnfleischtaschen sowie die Festigkeit des Zahnhalteapparats. Wir untersuchten außerdem, ob die Studienteilnehmenden häufiger über verbesserte Mundhygienegewohnheiten berichteten und ob verhaltenstherapeutische Ansätze mit Schäden verbunden waren.

Was genau haben wir gemacht?

Wir suchten nach Studien, an denen Erwachsene mit Zahnfleischerkrankung teilnahmen. Wir schlossen Studien ein, die verhaltensorientierte Ansätze zur Mundhygieneberatung mit der üblichen Beratung allein verglichen. Wir fassten die Ergebnisse zusammen und verglichen sie getrennt für Personen mit Parodontitis und Personen mit Gingivitis. Bei Personen mit Parodontitis wurden die Ergebnisse danach getrennt ausgewertet, ob sie zuvor noch nie wegen einer Zahnfleischerkrankung behandelt worden waren (aktive Behandlung) oder eine Langzeitbehandlung erhielten (unterstützende Behandlung). Wir bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz auf der Grundlage von Faktoren wie Studienmethodik und Studiengröße.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 25 Studien mit 1422 Personen. Neunzehn Studien betrafen nur Menschen mit Parodontitis, fünf Studien betrafen nur Menschen mit Gingivitis, und eine Studie betraf beide Formen.

In den eingeschlossenen Studien wurden unterschiedliche Verhaltensansätze verwendet, um die Mundhygienegewohnheiten der Menschen zu ändern. Zu den verschiedenen Ansätzen gehörten zum Beispiel Handy-Apps, die Informationen zur Mundhygiene bereitstellen oder an die Zahnpflege erinnern. Außerdem kamen intraorale Kameras oder Spiegel zum Einsatz, mit denen Menschen Rückmeldungen zum Verlauf ihrer Erkrankung erhalten konnten. Weitere Maßnahmen waren eine ausführlichere und individuell angepasste Beratung, die Bereitstellung von Mundhygieneprodukten für die Anwendung zu Hause sowie Gespräche mit Beratungs- oder motivierenden Interviewtechniken, die dabei helfen sollen, das eigene Verhalten zu verändern. Teilweise führten die Teilnehmenden auch ein Tagebuch, das später bei Zahnarztterminen besprochen wurde.

Hauptergebnisse

Bei Erwachsenen mit Parodontitis ist unklar, ob verhaltenstherapeutische Maßnahmen Blutungen, Entzündungen, Plaque oder die Tiefe der Zahnfleischtaschen besser reduzieren können als die üblichen Ratschläge allein. Es ist auch unklar, ob Personen, die verhaltenstherapeutische Maßnahmen erhalten, eher über eine Verbesserung ihrer Mundhygienegewohnheiten berichten als Personen, die nur die übliche Beratung erhalten. Dieses Ergebnis gilt sowohl für Personen mit aktiver Behandlung als auch für Personen mit unterstützender Behandlung.

Bei Erwachsenen mit Gingivitis ist ebenfalls unklar, ob verhaltenstherapeutische Ansätze besser geeignet sind, die Symptome der Gingivitis zu lindern oder die Mundhygienegewohnheiten zu verbessern, als die übliche Beratung allein.

Zum Zeitpunkt unserer Suche fanden wir keine Studien, die Informationen über die Festigkeit des Zahnhalteapparats oder über mögliche Schäden der verhaltenstherapeutischen Ansätze enthielten.

Was schränkt die Evidenz ein?

Die Evidenz ist von sehr niedriger Vertrauenswürdigkeit, weil:

  • Die Teilnehmenden wussten möglicherweise, welche Behandlung sie erhielten. Das könnte die Ergebnisse beeinflusst haben.

  • Die Studien lieferten nicht immer alle Informationen, die wir benötigten.

  • Die meisten Studien umfassten nur sehr wenige oder nicht ausreichend viele Teilnehmende, sodass die Ergebnisse nicht mit ausreichender Sicherheit bewertet werden können.

  • Die Studien waren unterschiedlich aufgebaut, und sie kamen teilweise zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Diese Evidenz ist auf dem Stand vom 3. Juli 2024.

O'Malley L, Lewis SR, Preshaw PM, Riley P, Adair P, Edwards ML E, Raison H, Byrne MJ, Kitsaras G, Jervøe-Storm PM

Welche Methode ist am besten geeignet, um bei Schwangeren ab der 37. Woche die Geburt einzuleiten?

3 weeks 6 days ago
Kernaussagen

Ergebnisse aus Studien mit Frauen ohne vorherigen Kaiserschnitt sowie aus Studien mit einer gemischten Gruppe (mit und ohne vorherigen Kaiserschnitt), in denen die meisten Frauen keinen vorherigen Kaiserschnitt hatten:

  • Es ist unklar, ob eine andere Methode zur Geburtseinleitung besser ist als Misoprostol in niedriger Dosis (≤ 50 µg) in die Scheide einzuführen, wenn es darum geht, innerhalb von 24 Stunden eine vaginale Geburt zu erreichen, das Risiko eines Kaiserschnitts wegen Sorgen um das Wohlbefinden des Babys zu senken und den Tod des Babys zu verhindern.

  • Stickstoffmonoxid-Donatoren, osmotische Zervixdilatatoren, Ballonkatheter und die orale Einnahme einer niedrigen Dosis (≤ 50 μg) Misoprostol tragen wahrscheinlich dazu bei, das Risiko übermäßiger Gebärmutterkontraktionen zu verringern, die das Baby belasten können, im Vergleich zur vaginalen Verabreichung einer niedrigen Dosis (≤ 50 μg) Misoprostol.

  • Weitere Studien sind notwendig, um die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz zu verbessern.

Was ist eine Geburtseinleitung?

Eine Geburtseinleitung bedeutet, dass die Wehen gezielt mit medizinischen Methoden ausgelöst werden. Das kann nötig sein, wenn das Baby nach dem errechneten Termin noch nicht geboren ist oder wenn die Gesundheit von Mutter oder Kind gefährdet sein könnte. Es gibt fünf verschiedene Methoden der Geburtseinleitung, die im Folgenden beschrieben werden.

  • Medikamentöse Methoden: Hormonpräparate wie Misoprostol, Dinoproston und Oxytocin werden vaginal, oral (durch den Mund) oder intravenös (in eine Vene) verabreicht

  • Mechanische Methoden: beispielsweise ein Ballonkatheter, der in die Scheide eingeführt wird, um den Gebärmutterhals zu erweitern (zu öffnen)

  • Eröffnung der Fruchtblase mit einem schmerzlosen kleinen Schnitt (Amniotomie)

  • Kombination verschiedener Methoden: Einsatz von Medikamenten und mechanischen oder chirurgischen Techniken zur Verbesserung der Wirksamkeit

  • Alternative Methoden (z. B. Akupunktur und pflanzliche Präparate).

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, welche Methode zur Geburtseinleitung bei Schwangeren ab der 37. Schwangerschaftswoche am wirksamsten ist und dabei am sichersten für Mutter und Kind.

Wie sind wir vorgegangen?

Wir haben nach Studien gesucht, in denen Methoden zur Geburtseinleitung bei Frauen ab der 37. Schwangerschaftswoche verglichen wurden. Wir haben Methoden berücksichtigt, die in internationalen Leitlinien zur Geburtseinleitung empfohlen werden und bereits in früheren Cochrane Reviews untersucht wurden. Wir fassten die Studienergebnisse zusammen, verglichen sie und bewerteten das Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie Studienqualität und Stichprobengröße.

Was haben wir herausgefunden?

Wir haben 106 Studien mit 30 348 Frauen aus 35 Ländern ausgewertet, in denen 13 Methoden der Geburtseinleitung und eine Kontrollgruppe ohne routinemäßige Geburtseinleitung, bei der entweder abgewartet wurde (abwartendes Vorgehen) oder keine aktive Einleitung erfolgte, verglichen wurden.

Die Studien umfassten die folgenden Gruppen von Frauen.

  • Die meisten Studien konzentrierten sich auf Frauen ohne vorangegangenen Kaiserschnitt.

  • In zwei Studien wurden ausdrücklich nur Frauen mit einem vorangegangenen Kaiserschnitt berücksichtigt.

  • Sieben Studien umfassten sowohl Frauen mit als auch ohne vorherigen Kaiserschnitt, wobei die meisten keinen vorherigen Kaiserschnitt hatten.

    • In drei Studien wurde eindeutig angegeben, dass sie Frauen mit und ohne vorherigen Kaiserschnitt einschlossen.

    • Da jedoch mehr als die Hälfte der Frauen zum ersten Mal Mutter wurde, gingen wir davon aus, dass auch bei diesen Studien die Mehrheit der Frauen noch keinen vorherigen Kaiserschnitt hatte.

Wir haben folgende Methoden untersucht.

  • Acht medikamentöse Methoden: niedrig dosiertes (≤ 50 μg) Misoprostol, verabreicht oral, vaginal oder über die Mundschleimhaut (sublingual/bukkal); ein Misoprostol-Vaginalpessar mit kontrollierter Wirkstofffreisetzung (eine tamponähnliche Vorrichtung); Dinoproston, angewendet als Vaginalgel, Vaginaltablette oder als Vaginalpessar mit kontrollierter Wirkstofffreisetzung; Oxytocin und Stickstoffmonoxid-Donatoren.

  • Zwei mechanische Methoden: Ballonkatheter und osmotische Zervixdilatatoren

  • Drei Kombinationen von Methoden: Oxytocin mit Amniotomie; Ballonkatheter mit Oxytocin; und Ballonkatheter mit niedrig dosiertem Misoprostol (≤ 50 μg)

Die folgenden Ergebnisse beziehen sich auf unsere vier wichtigsten Endpunkte: keine vaginale Geburt innerhalb von 24 Stunden, Kaiserschnitt aufgrund von Sorgen um das Wohlergehen des Babys, Uteruskontraktionen, die das Baby belasten können, und Tod des Babys. Die Daten stammen aus Studien mit Frauen ohne vorherigen Kaiserschnitt sowie aus Studien mit einer gemischten Gruppe von Frauen mit und ohne vorherigen Kaiserschnitt.

  • Es gab keine eindeutigen Belege dafür, dass eine der untersuchten Methoden wirksamer ist als niedrig dosiertes Misoprostol (≤ 50 µg), das vaginal verabreicht wird. Dies gilt für wichtige Endpunkte wie das Ausbleiben einer vaginalen Geburt innerhalb von 24 Stunden, einen Kaiserschnitt aufgrund von Sorgen um das Wohlbefinden des Babys oder den Tod des Babys.

  • Im Vergleich zur niedrig dosierten (≤ 50 μg) vaginalen Gabe von Misoprostol senken Stickoxidspender, osmotische Dilatatoren, Ballonkatheter und niedrig dosiertes (≤ 50 μg) oral eingenommenes Misoprostol wahrscheinlich das Risiko übermäßiger Uteruskontraktionen, die für das Baby belastend sein können.

Es gibt nicht genügend Evidenz, um die sicherste und wirksamste Methode der Geburtseinleitung für Frauen mit vorangegangenem Kaiserschnitt zu bestimmen.

Was schränkt die Evidenz ein?

Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz ist überwiegend moderat bis niedrig. Das liegt daran, dass die Studien methodisch Schwächen hatten und es nicht genügend Studien gab, um sichere Ergebnisse zu erzielen. In vielen Studien wurden schwerwiegende unerwünschte Wirkungen für Frauen und Babys nicht erfasst oder berichtet, wie z. B. der Tod des Babys und übermäßige Gebärmutterkontraktionen, die das Baby belasten können. Außerdem untersuchten die Studien nicht alle Methoden der Geburtseinleitung, die für die von uns untersuchten Endpunkte von Bedeutung sind.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand vom 1. Februar 2023.

Rattanakanokchai S, Gallos ID, Kietpeerakool C, Eamudomkarn N, Show KL, Tin KN, Oladapo OT, Chou D, Mol BWJ, Li W, Lumbiganon P, Coomarasamy A, Price MJ

Wie wirksam sind verschiedene Methoden zur Bestimmung des Zeitpunkts der intrauterinen Insemination, um Frauen dabei zu helfen, ein Baby zu bekommen?

4 weeks 1 day ago
Kernaussagen

• Die verfügbare Evidenz reicht nicht aus, um zu beurteilen, ob bestimmte Methoden zur zeitlichen Abstimmung von Eisprung und Insemination sicherer oder wirksamer sind als andere Methoden.• Wir können auch nicht sagen, ob eine bestimmte Methode zur Überwachung oder Auslösung des Eisprungs besser ist. Die Ergebnisse sind zu unsicher oder stammen nur aus einer kleinen Studie.• Künftige Studien sollten bessere Methoden verwenden und den Erfolg der Behandlungen in Bezug auf Lebendgeburten oder fortbestehenden Schwangerschaften messen.

Was ist Subfertilität?

Von Subfertilität spricht man, wenn trotz regelmäßigem, ungeschütztem Geschlechtsverkehr innerhalb von 12 Monaten keine Schwangerschaft eintritt. Bei Frauen ab 35 Jahren gilt diese Einschätzung bereits nach sechs Monaten.(Anmerkung: Wenn man bei älteren Frauen genauso lange (12 Monate) abwartet, geht wertvolle Zeit verloren, in der eine Abklärung oder Behandlung noch besser wirken könnte.) Subfertilität betrifft etwa 10% der Paare, die versuchen, ein Baby zu bekommen.

Wie wird Subfertilität behandelt?

Die Behandlungsmöglichkeiten für subfertile Paare variieren und hängen von der Ursache der Subfertilität, dem Alter des Paares, wie lange sie schon probieren, schwanger zu werden, und anderen Faktoren ab.

Eine mögliche Behandlung für Paare mit unerfülltem Kinderwunsch ist die intrauterine Insemination (IUI). Dabei handelt es sich um eine Form der assistierten Befruchtung. Die Spermien werden zu einem gezielt gewählten Zeitpunkt im Menstruationszyklus direkt in die Gebärmutter eingebracht. Dieser Zeitpunkt liegt möglichst nah am Eisprung, um die Chance auf eine Schwangerschaft zu erhöhen.

Der Zeitpunkt der Insemination wird meist auf zwei Arten bestimmt: entweder durch eine Hormoninjektion (hCG) oder durch das Messen eines natürlichen Hormonschubs (LH) im Urin oder Blut der Frau. Es werden auch andere Methoden eingesetzt. Es ist jedoch noch nicht klar, welche Methode zur Bestimmung des Zeitpunkts die besten Voraussetzungen für ein gesundes Baby oder eine über das Frühstadium hinaus fortbestehende Schwangerschaft bietet.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, welche der verschiedenen Methoden zur Bestimmung des Zeitpunkts am effektivsten ist, um eine Lebendgeburt zu ermöglichen.

Was genau haben wir gemacht?

Wir haben nach Studien gesucht, die verschiedene Methoden der zeitlichen Planung der intrauterinen Insemination (IUI) bei subfertilen Paaren verglichen haben. Wir haben die Ergebnisse der Studien verglichen und zusammengefasst. Außerdem haben wir das Vertrauen in die Evidenz, basierend auf Faktoren wie Studiengröße und Studienmethoden, bewertet.

Was haben wir herausgefunden?

Wir haben 42 Studien gefunden, an denen 6603 Paare teilgenommen haben. Wir haben uns hauptsächlich auf die Evidenz aus sieben Studien mit 1917 Paaren gestützt. Die übrigen 35 Studien wiesen unzureichende Methoden auf oder lieferten nicht genügend Informationen, um eine Analyse ihrer Ergebnisse zu ermöglichen.

Hauptergebnisse

• In drei Studien wurden unterschiedliche Zeitintervalle zwischen Hormoninjektion (hCG) und Insemination verglichen. Wir haben die Ergebnisse für verschiedene Zeitintervalle analysiert: 0 bis 33 Stunden versus 34 bis 40 Stunden zwischen Injektion und Insemination sowie 34 bis 40 Stunden versus über 40 Stunden. Die Ergebnisse zeigten keine eindeutige Evidenz für einen Unterschied bei den Schwangerschafts- oder Lebendgeburtenraten zwischen den Gruppen.

• In einer Studie wurde untersucht, ob man den Zeitpunkt der Insemination besser mithilfe einer hCG-Injektion oder anhand des natürlichen Anstiegs des luteinisierenden Hormons (LH) festlegt. Es ist unsicher, ob es einen Unterschied bei den Schwangerschafts- oder Lebendgeburtenraten zwischen den Gruppen gibt.

• In einer Studie wurden zwei Arten von Hormoninjektionen verglichen, die den Eisprung auslösen: ein im Labor hergestelltes hCG und hCG, das aus Urin gewonnen wird. Es ist unklar, ob es einen Unterschied bei den Schwangerschafts- oder Lebendgeburtenraten zwischen den Gruppen gibt.

• In einer Studie wurde untersucht, ob die zusätzliche Gabe des Hormons FSH, das die Eierstöcke anregt, weitere Eizellen zu produzieren, zusammen mit dem üblichen hCG-Ovulationsauslöser die Chancen auf eine Schwangerschaft erhöht, verglichen mit der alleinigen Anwendung von hCG. Dieser Vergleich zeigte, dass es möglicherweise weniger Lebendgeburten oder fortbestehende Schwangerschaften in der hCG-Gruppe im Vergleich zur hCG-plus-FSH-Gruppe gibt. Die Vertrauenswürdigkeit der Ergebnisse ist jedoch niedrig. Größere Studien sind erforderlich, um diese Ergebnisse zu bestätigen.

Was schränkt die Evidenz ein?

Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz ist für alle Vergleiche niedrig. Der Grund ist, dass in den Studien zu wenige Frauen teilnahmen, um verlässliche Aussagen zu den wichtigsten Endpunkten zu machen (Lebendgeburt oder fortbestehende Schwangerschaft)..

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von Oktober 2023.

Adesina M, Cantineau AEP, Showell MG, Vail A, Wilkinson J

Was sind die Vorteile und Risiken der Ergotherapie für Menschen mit Multipler Sklerose?

1 month ago
Kernaussagen
  • Unmittelbar nach einer Ergotherapie zeigen Menschen mit Multipler Sklerose möglicherweise kleine Verbesserungen in der Bewältigung des Alltags und in der psychischen gesundheitsbezogenen Lebensqualität (HR-QoL). Auf die körperliche HR-QoL und die Teilhabe hat die Ergotherapie dagegen möglicherweise keinen oder nur einen geringen Einfluss. Teilhabe beschreibt, inwieweit Menschen mit MS an wichtigen Lebensbereichen wie Arbeit, Familie und sozialem Leben beteiligt sind.

  • Drei bis sechs Monate nach der Therapie verbessert die Ergotherapie möglicherweise geringfügig die psychische HR-QoL. Auf Alltagsaktivitäten und die körperliche HR-QoL hat sie hingegen möglicherweise kaum Einfluss. Im Vergleich zur üblichen Versorgung führt Ergotherapie möglicherweise zu einer gewissen Verbesserung der Alltagsfunktionen sowie der körperlichen und psychischen HR-QoL.

  • Da aussagekräftige Langzeitdaten fehlen, können wir den langfristigen Nutzen oder mögliche Schäden der Ergotherapie nicht sicher beurteilen.

  • Der tatsächliche Nutzen der Ergotherapie könnte in unseren Ergebnissen unterschätzt sein. Das liegt daran, dass die eingeschlossenen Studien sehr unterschiedliche Formen der Ergotherapie untersucht haben. Außerdem haben wir keine Studien berücksichtigt, in denen Ergotherapie mit anderen Behandlungen kombiniert wurde – es sei denn, die spezifischen Wirkungen der Ergotherapie wurden separat gemessen.

  • Zukünftige Studien sollten untersuchen, welche Bestandteile der Therapie für welche Menschen und in welchen Situationen am wirksamsten sind.

Was ist Multiple Sklerose?

Multiple Sklerose (MS) ist eine häufige Erkrankung des zentralen Nervensystems, von der weltweit etwa 2,9 Millionen Menschen betroffen sind. Bei MS greift das Immunsystem fälschlicherweise die Schutzschicht um die Nervenfasern im Gehirn und Rückenmark an. Dadurch wird die Kommunikation zwischen dem Gehirn und dem Rest des Körpers gestört, was zu Symptomen wie Müdigkeit, Muskelschwäche und Gleichgewichtsstörungen führt. MS kann alltägliche Aufgaben wie Anziehen, Zubereiten von Mahlzeiten oder Gehen erschweren. Sie kann auch Gedächtnis und Konzentration beeinträchtigen. Dadurch werden Arbeit und soziale Kontakte schwieriger.

Wie wird Multiple Sklerose behandelt?

Mit Medikamenten bei MS wird versucht, Schübe zu reduzieren, das Fortschreiten der Erkrankung zu bremsen und Symptome zu lindern. Rehabilitationstherapien können Menschen mit MS dabei unterstützen, besser mit ihren Symptomen umzugehen, den Alltag zu meistern und am sozialen Leben teilzunehmen.

Eine Rehabilitationstherapie ist die Ergotherapie. Sie hilft Menschen bei Alltagsaufgaben wie Anziehen, Kochen, Baden und Arbeiten. Ergotherapeut*innen unterstützen die Betroffenen dabei, Wege zu finden, wie sie diese Tätigkeiten leichter ausführen können, und geben ihnen Mittel an die Hand, die bei der Bewältigung der Symptome helfen. Sie arbeiten auch an der Verbesserung von Kraft und Koordination, um das tägliche Leben besser bewältigen zu können.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten untersuchen, welchen Nutzen Ergotherapie für Menschen mit Multipler Sklerose hat. Dabei interessierte uns besonders, ob sie den Alltag, die körperliche und psychische HR-QoL sowie die Teilhabe verbessert. Wir wollten auch herausfinden, ob Ergotherapie unerwünschte Wirkungen hat.

Was genau haben wir gemacht?

Wir suchten nach Studien, die ergotherapeutische Maßnahmen mit anderen Maßnahmen, der üblichen Versorgung oder keiner Behandlung bei Menschen mit MS verglichen. Wir schlossen multidisziplinäre Studien aus – also Studien, in denen Vertreter mehrerer Gesundheitsfachberufe gleichzeitig beteiligt waren, es sei denn, der spezifische Beitrag der Ergotherapie wurde ausdrücklich beschrieben. Wir interessierten uns für die Wirkungen unmittelbar nach der Behandlung, drei bis sechs Monate nach der Behandlung (mittelfristig) und ein Jahr nach der Behandlung (langfristig). Wir kombinierten die Ergebnisse der Studien und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz auf der Grundlage von Faktoren wie Studienmethoden und Größe der Studien.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 20 Studien zu ergotherapeutischen Interventionen, an denen 1628 Menschen mit MS teilgenommen hatten. Zehn Studien befassten sich mit der Frage, wie Menschen mit MS bei der Bewältigung ihrer Fatigue unterstützt werden können; neun Studien konzentrierten sich auf die Verbesserung alltäglicher Aktivitäten wie Ankleiden und Kochen, und eine Studie zielte darauf ab, eine stärkere Einbindung in soziale Aktivitäten zu fördern. Die Studien wurden überwiegend in Ländern mit hohem Einkommen durchgeführt. Die Teilnehmenden an den Studien waren Erwachsene im Alter von 18 bis 70 Jahren, die an MS mit leichter bis mittlerer Behinderung litten.

Wie sahen die Ergebnisse aus?

Im Vergleich zu anderen Behandlungen führt die Ergotherapie kurzfristig möglicherweise zu kleinen Verbesserungen der Alltagsfunktion. Im Vergleich zur üblichen Versorgung oder zu keiner Behandlung sind die Vorteile möglicherweise größer. Allerdings ist die zugrunde liegende Evidenz überwiegend unsicher. Die mittel- und langfristigen Wirkungen sind unklar.

Ergotherapie führt möglicherweise kurzfristig zu geringen Verbesserungen der psychischen HR-QoL, hat aber möglicherweise keine oder nur minimale Wirkungen auf die körperliche HR-QoL. Die Ergebnisse für Vergleiche mit der üblichen Versorgung oder keiner Intervention sind überwiegend sehr unsicher. Das gilt auch für die mittel- und langfristigen Wirkungen.

Ergotherapie hat möglicherweise nur geringe oder keine kurzfristigen Auswirkungen auf die Teilhabe, aber die Evidenz ist sehr begrenzt.

In keiner Studie wurden negative Auswirkungen der Ergotherapie systematisch erfasst. Daher ist unklar, ob Schäden auftreten können.

Was schränkt die Aussagekraft der Evidenz ein?

Es gibt nur begrenzte Evidenz darüber, wie Ergotherapie die körperliche HR-QoL von Menschen mit MS beeinflusst. Wir sind uns nicht sicher, wie wirksam Ergotherapie im Vergleich zur üblichen Versorgung oder keiner Behandlung ist, da es nicht genügend Studien gibt, um verlässliche Schlussfolgerungen zu ziehen. Zu möglichen schädlichen Wirkungen der Ergotherapie gibt es keine Informationen. Für Menschen mit Multipler Sklerose und einem hohen Grad an Behinderung gibt es zudem nur begrenzte Evidenz zur Ergotherapie.

Eine weitere Einschränkung ist, dass wir sehr unterschiedliche ergotherapeutische Maßnahmen zusammengefasst haben. Dadurch sind die Ergebnisse unsicherer und schwerer zu deuten. Ergotherapie umfasst viele unterschiedliche Ansätze und ist keine einheitliche Behandlung. Weil wir multidisziplinäre Studien ausgeschlossen haben, in denen der Beitrag der Ergotherapie nicht eindeutig beschrieben war, könnten uns wichtige Erkenntnisse entgangen sein.

Es sind weitere Studien nötig, um besser zu verstehen, wie Ergotherapie Menschen mit MS hilft.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz basiert auf Recherchen, die im November 2024 durchgeführt wurden.

Kos D, Boers A, O'Meara C, Bekkering GE, De Coninck L, Koen M, Freeman J, Hynes SM, Eijssen ICJM

Kann die nicht-invasive Messung der Sauerstoffversorgung im Gehirn dabei helfen, Hirnschäden bei sehr frühgeborenen Kindern zu verhindern?

1 month ago
Kernaussagen
  • Die nicht-invasive Messung der Sauerstoffversorgung im Gehirn mittels Nahinfrarotspektroskopie (NIRS) senkt bei sehr frühgeborenen Kindern wahrscheinlich weder die Sterblichkeit noch das Risiko für kurzfristige Hirnprobleme.

  • Um klarere Aussagen über einen möglichen Nutzen zu ermöglichen, sollten zukünftige Studien die NIRS einheitlicher einsetzen und langfristige Effekte untersuchen.

Was ist Nahinfrarotspektroskopie (NIRS)?

Die Nahinfrarotspektroskopie (NIRS) ist ein nicht-invasives Verfahren zur Messung des Sauerstoffgehalts im Gehirn.

Wie könnte NIRS Frühgeborenen auf der neonatologischen Intensivstation helfen?

Frühgeborene, vor allem solche, die sehr früh geboren werden (vor der 32. Schwangerschaftswoche), haben oft schwerwiegende gesundheitliche Probleme. Zu diesen möglichen Problemen gehören Hirnschäden, die durch eine unzureichende Sauerstoffversorgung des Gehirns verursacht werden. Der Einsatz von NIRS könnte Ärzt*innen dabei helfen, Probleme mit der Sauerstoffversorgung des Gehirns früh zu erkennen und schnell zu reagieren.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten untersuchen, ob eine NIRS-Überwachung das Gehirn besser schützt, die neurologische Entwicklung verbessert und das Überleben von Frühgeborenen im Vergleich zur üblichen Versorgung erhöht. Insbesondere interessierten wir uns für die Wirkungen von NIRS auf:

  • Tod jeglicher Ursache;

  • neurologische Entwicklungsprobleme (einschließlich zerebraler Lähmungen, schwerer Entwicklungsverzögerungen, Blindheit und Taubheit) nach 18 bis 24 Monaten;

  • schwere Hirnschäden;

  • chronische Lungenerkrankungen;

  • nekrotisierende Enterokolitis (schwere Darmerkrankung);

  • schwere Frühgeborenen-Retinopathie (Augenkrankheit, die zu Sehstörungen und in schweren Fällen zu Erblindung führen kann); und

  • schwerwiegende unerwünschte Auswirkungen.

Wie sind wir vorgegangen?

Wir suchten nach Studien, in denen die NIRS-Überwachung bei sehr frühgeborenen Kindern entweder mit keiner NIRS-Überwachung oder mit einer verblindeten NIRS-Überwachung verglichen wurde. Bei der verblindeten Überwachung waren die gemessenen Sauerstoffwerte im Gehirn für das Behandlungsteam nicht sichtbar, sodass sie ihre Entscheidungen nicht auf diese Informationen stützen konnten. Wir haben die Ergebnisse der Studien verglichen und zusammengefasst und unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie Studienmethoden und Größe der Studien bewertet.

Was fanden wir heraus?

Wir schlossen fünf zwischen 2016 und 2023 veröffentlichte Studien ein, an denen 2.415 sehr frühgeborene Kinder teilnahmen (1.191 in der NIRS-Gruppe und 1.224 in der Gruppe ohne NIRS/mit verblindeter NIRS). Die Säuglinge in der Gruppe ohne NIRS/mit verblindeter NIRS erhielten die normale Versorgung.

Was sind die wichtigsten Ergebnisse?

Die Evidenz aus fünf Studien (mit 2415 Säuglingen) zeigt, dass die NIRS-Überwachung im Vergleich zur normalen Versorgung wahrscheinlich zu geringen bis keinen Unterschieden führt bei:

  • Tod jeglicher Ursache;

  • schwere Hirnschäden;

  • chronische Lungenerkrankungen;

  • nekrotisierender Enterokolitis (schwere Darmerkrankung); und

  • schweren unerwünschten Auswirkungen.

Die Evidenz zu den Auswirkungen von NIRS auf langfristige neurologische Entwicklungsprobleme bei älteren Säuglingen ist sehr unsicher und beruht auf nur einer Studie mit 115 Kindern. Die NIRS-Überwachung führt wahrscheinlich nur zu einem geringen bis keinem Unterschied bei schwerer Frühgeborenen-Retinopathie (zwei Studien mit 1745 Säuglingen).

Was schränkt die Evidenz ein?

Vier der fünf eingeschlossenen Studien waren klein. Zudem traten Todesfälle, schwere Hirnschäden oder langfristige Probleme der neurologischen Entwicklung nur selten auf. Darüber hinaus waren die Ergebnisse der Studien sehr unterschiedlich. Nicht alle Studien setzten die NIRS-Überwachung auf die gleiche Weise ein. Deshalb ist unklar, ob sie bei allen Säuglingen und in verschiedenen Krankenhäusern und Ländern die gleichen Wirkungen hätte. Schließlich wurden nicht alle Endpunkte, an denen wir interessiert waren, eindeutig gemessen.

Die Ergebnisse künftiger Studien könnten die Ergebnisse dieses Reviews ändern.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von August 2025. Derzeit laufen fünf Studien zu dieser Fragestellung. Eine davon soll bis zum Jahr 2029 etwa 3.000 Babys einschließen. Diese große Studie kann helfen, den Nutzen und mögliche Schäden der NIRS bei sehr frühgeborenen Kindern besser zu verstehen.

Bodrero E, Isaza-López MC, Fiander M, Greisen G, Gluud C, Bruschettini M, supported by Cochrane Sweden and Cochrane Neonatal

Welchen Nutzen und welche Risiken haben Cannabis-basierte Medikamente für Erwachsene mit chronischen neuropathischen Schmerzen?

1 month ago
Hauptergebnisse
  • Da es an belastbarer Evidenz fehlt, ist unklar, ob Cannabis-basierte Medikamente mehr nutzen oder schaden.

  • Um den möglichen Nutzen und mögliche Schäden Cannabis-basierter Medikamente verlässlich beurteilen zu können, braucht es größere, methodisch gut durchgeführte Studien. Diese sollten auch Menschen mit schweren körperlichen Begleiterkrankungen (z. B. Herz- oder Nierenerkrankungen) sowie mit psychischen Erkrankungen einschließen.

Einführung in das Thema des Reviews

Was sind neuropathische Schmerzen?

Bei neuropathischen Schmerzen handelt es sich um Nervenschmerzen, die auftreten, wenn Nerven im Gehirn, im Rückenmark oder in den peripheren Nerven geschädigt sind oder nicht richtig funktionieren. Sie unterscheiden sich von Schmerzbotschaften, die über intakte Nerven aus geschädigtem Gewebe weitergeleitet werden, beispielsweise nach einem Sturz, bei einer Schnittwunde oder bei Arthrose im Knie.

Wie werden neuropathische Schmerzen behandelt?

Neuropathische Schmerzen werden mit verschiedenen Arten von Medikamenten behandelt. Eine ausreichende Schmerzlinderung wird mit den verfügbaren Medikamenten nur bei wenigen Menschen mit neuropathischen Schmerzen erreicht.

Zur Behandlung neuropathischer Schmerzen wurden verschiedene Präparate vorgeschlagen, die auf Wirkstoffen der Cannabispflanze basieren. Zu diesen Präparaten zählen Dampf aus erhitztem pflanzlichem Cannabis sowie verschiedene Arzneimittel in Form von Mundsprays, Tabletten, Cremes und Pflastern, bei denen der Wirkstoff über die Haut in den Körper aufgenommen wird. Sie enthalten Cannabiswirkstoffe, die entweder aus der Pflanze gewonnen oder synthetisch hergestellt wurden.

Cannabis-basierte Medikamente werden folgendermaßen klassifiziert: Präparate mit überwiegend Tetrahydrocannabinol (THC), einem Inhaltsstoff der Cannabispflanze, der berauschend wirkt; Präparate mit überwiegend Cannabidiol (CBD), einem Inhaltsstoff der Cannabispflanze ohne die typische Rauschwirkung; sowie Kombinationspräparate mit vergleichbaren Anteilen von THC und CBD.

Manche Menschen mit neuropathischen Schmerzen berichten von positiven Erfahrungen mit Cannabis-basierten Präparaten. Solche Berichte werden in den Medien häufig aufgegriffen.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden:

  • welche Inhaltsstoffe der Cannabisblüte zu einer möglichen Linderung neuropathischer Schmerzen beitragen;

  • ob Arzneimittel auf Cannabisbasis unerwünschte oder schädliche Wirkungen haben.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen unterschiedliche Cannabis-basierte Medikamente mit einem Placebo (Scheinmedikament) verglichen wurden. Dazu zählten Präparate, die hauptsächlich THC enthalten, hauptsächlich CBD enthalten oder beide Wirkstoffe kombinieren.

Wir fassten die Ergebnisse der Studien zusammen, verglichen sie miteinander und beurteilten unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie der Studienmethoden und der Studiengröße. Wir haben drei Vergleiche analysiert:

  • THC-dominante Präparate im Vergleich zu Placebo;

  • Kombinationspräparate mit vergleichbaren Anteilen von THC und CBD im Vergleich zu Placebo;

  • CBD-dominante Präparate im Vergleich zu Placebo.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 21 Studien, an denen 2187 Menschen mit verschiedenen Arten von neuropathischen Schmerzen teilnahmen. Die Studien wurden in Asien, Europa und Nordamerika durchgeführt. Die kleinste Studie hatte 18 Teilnehmende, die größte 339. Das Durchschnittsalter der Teilnehmenden reichte von 34 bis 70 Jahren. Der Anteil der Frauen reichte von 0 % bis 90 %. Die Studien dauerten zwischen zwei und 26 Wochen. Pharmazeutische Unternehmen finanzierten 14 (d.h. zwei Drittel) der Studien.

Hauptergebnisse

THC-dominante Medikamente gegenüber Placebo

Es ist unklar, ob Medikamente, die hauptsächlich THC enthalten, einen Einfluss auf die Zahl der Menschen haben, die:

  • eine Schmerzlinderung von mindestens 30 % oder mindestens 50 % erfahren;

  • ihren Zustand als stark oder sehr stark verbessert einschätzen;

  • das Medikament aufgrund von unerwünschten Wirkungen absetzen;

  • schwerwiegende unerwünschte oder schädliche Wirkungen erfahren;

  • unerwünschte Wirkungen auf die Psyche (z. B. Verwirrtheit) erfahren.

THC-dominante Medikamente erhöhen möglicherweise die Anzahl unerwünschter Wirkungen auf das Nervensystem (z. B. Schwindel) im Vergleich zu Placebo leicht.

THC/CBD-Kombinationspräparate gegenüber Placebo

Es ist unklar, ob Medikamente mit einem ausgewogenen THC/CBD-Verhältnis einen Unterschied bei der Zahl der Betroffenen bewirken, die:

  • eine Schmerzlinderung von mindestens 50 % erfahren;

  • schwerwiegende unerwünschte oder schädliche Wirkungen erleiden;

  • unerwünschte Wirkungen auf das Nervensystem (z. B. Schwindel); und

  • unerwünschte Wirkungen auf die Psyche (z. B. Verwirrtheit) erleiden.

Sie erhöhen möglicherweise geringfügig die Zahl der Personen, die ihren Zustand als stark oder sehr stark verbessert einschätzen und eine Schmerzlinderung von mindestens 30 % erfahren: Möglicherweise brechen mehr Menschen die Behandlung aufgrund unerwünschter Wirkungen ab.

CBD-dominante Medikamente gegenüber Placebo

Es ist unklar, ob Medikamente, die hauptsächlich CBD enthalten, die Zahl der Menschen, die eine Schmerzlinderung von mindestens 50 % erfahren, beeinflussen.

Wir wissen nicht, ob CBD-dominante Medikamente die Zahl der Menschen beeinflussen, die:

  • ihren Zustand als stark oder sehr stark verbessert einschätzen;

  • das Medikament aufgrund von unerwünschten Wirkungen absetzen;

  • schwerwiegende unerwünschte oder schädliche Wirkungen erfahren;

  • eine Schmerzlinderung von mindestens 30 % erfahren;

  • unerwünschte Wirkungen auf das Nervensystem oder die Psyche erfahren.

Dies liegt daran, dass die Evidenz begrenzt ist und die Ergebnisse der einzelnen Studien voneinander abweichen.

Was schränkt die Aussagekraft der Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Evidenz ist gering bis sehr gering. Zukünftige Studien könnten daher zu anderen Ergebnissen kommen. Vier zentrale Faktoren haben unser Vertrauen in die Evidenz verringert. In einigen Studien fehlten ausreichende Angaben zur methodischen Durchführung. Die Ergebnisse der einzelnen Studien unterschieden sich. Außerdem waren die Ergebnisse oft zu ungenau, um klare Schlussfolgerungen zuzulassen. Menschen mit schweren inneren Erkrankungen (z. B. Herz- oder Lebererkrankungen) wurden von den Studien ausgeschlossen.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand vom 29. Januar 2025.

Ateş G, Welsch P, Klose P, Phillips T, Lambers B, Häuser W, Radbruch L
Checked
7 hours 3 minutes ago
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