Cochrane Kompakt

Welchen Nutzen und welche Risiken hat Koffein bei Atemproblemen von Neugeborenen, die wenige Wochen zu früh geboren wurden?

1 day 17 hours ago
Kernaussagen
  • Nur eine Studie untersuchte, ob die Gabe von atemstimulierenden Medikamenten wie Koffein bei Neugeborenen, die wenige Wochen zu früh geboren wurden, dazu beitragen kann, Probleme mit niedrigen Sauerstoffwerten oder der Atmung zu verhindern oder zu verringern. Das bedeutet, dass wir nur über sehr wenig Evidenz zu ihrer Anwendung verfügen.

  • Koffein verringert möglicherweise die Häufigkeit von Sauerstoffmangel bei späten Frühgeborenen im Verlauf einer Woche nach Behandlungsbeginn. Wir sind sehr unsicher, ob es den Bedarf an Atemunterstützung (zum Beispiel durch Beatmungsgeräte) verringert oder unerwünschte Wirkungen verursacht.

  • Es sind weitere Untersuchungen erforderlich, um festzustellen, ob atemstimulierende Medikamente für Neugeborene, die wenige Wochen zu früh geboren wurden, hilfreich und sicher sind. Wir fanden einige Studien, die bald veröffentlicht werden und dazu beitragen werden, die Evidenz zu aktualisieren.

Was sind späte Frühgeborene?

Neugeborene, die wenige Wochen zu früh, zwischen der 34. und 36. Schwangerschaftswoche, geboren wurden, werden als „späte Frühgeborene" bezeichnet. Diese Frühgeborenen sind noch nicht so weit entwickelt wie termingerecht geborene Neugeborene (nach 37 Wochen oder 8,5 Monaten), und ihre Lungen sowie andere Organe können schwächer sein.

Was ist intermittierende Hypoxämie?

Manchmal kann der Sauerstoffgehalt im Blut für kurze Zeit absinken (ein Zustand, der als intermittierende Hypoxämie bezeichnet wird). Passiert das, fällt das Atmen schwer. Atembeschwerden können langfristige Probleme verursachen, indem sie das Gehirn schädigen.

Was sind Methylxanthine?

Methylxanthine sind Arzneimittel, die das Atmen erleichtern. Sie regen den Atemantrieb an, also den Impuls des Körpers, regelmäßig zu atmen, und erweitern zusätzlich die Atemwege. Koffein ist die am häufigsten verwendete Art von Methylxanthin, da es weniger unerwünschte Wirkungen hat als andere Arten.

Was wollten wir herausfinden?

Obwohl Methylxanthine wie Koffein häufig und erfolgreich zur Behandlung von Atemproblemen bei sehr frühgeborenen (vor der 32. Schwangerschaftswoche geborenen) Neugeborenen eingesetzt werden, kommen sie bei späten Frühgeborenen seltener zum Einsatz, und es ist unklar, ob diese Behandlung ihnen helfen kann. Wir wollten herausfinden, ob Methylxanthine besser als keine Behandlung oder eine Scheinbehandlung (Placebo) geeignet sind, um Probleme mit niedrigen Sauerstoffwerten oder der Atmung bei späten Frühgeborenen zu verhindern oder zu behandeln. Außerdem wollten wir wissen, ob diese Medikamente unerwünschte Wirkungen haben.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen Methylxanthine bei späten Frühgeborenen mit einem Placebo oder keiner Behandlung verglichen wurden. Wir suchten nach Studien, in denen Folgendes gemessen wurde:

  • wie oft bei den Neugeborenen ein niedriger Sauerstoffgehalt auftrat;

  • ob sie Unterstützung beim Atmen benötigten;

  • wie lange sie im Krankenhaus blieben;

  • ob die Behandlung unerwünschte Wirkungen hatte;

  • ob die Neugeborenen bis zur Entlassung aus dem Krankenhaus überlebten.

Wir untersuchten die Ergebnisse der einzigen Studie, die wir fanden. Wir fassten die Ergebnisse zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie der Anzahl der Neugeborenen in der Studie (Studiengröße) und den bei der Durchführung der Studie angewandten Methoden.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden eine Studie aus Neuseeland mit 132 spätgeborenen Frühgeborenen. In der Studie wurden verschiedene Koffein-Dosierungen mit einem Placebo verglichen. Es ergaben sich folgende Ergebnisse:

  • Koffein verringert möglicherweise die Häufigkeit von Sauerstoffmangel bei den Neugeborenen im Verlauf einer Woche nach Behandlungsbeginn.

  • Es ist unklar, ob Koffein bei anderen Problemen hilft, zum Beispiel dabei, Atemunterstützung zu vermeiden, oder ob es den Krankenhausaufenthalt verkürzt oder die Chancen erhöht, bis zur Entlassung aus dem Krankenhaus zu überleben.

  • Es ist unklar, ob Koffein unerwünschte Wirkungen verursacht.

  • Die Studie berichtete nicht über andere wichtige Endpunkte, wie die langfristige Entwicklung oder die Häufigkeit von Atemstillständen (Apnoe).

Wir fanden keine Studien, die untersucht haben, ob Methylxanthine bei diesen Neugeborenen zur Behandlung von Atemproblemen eingesetzt werden können, anstatt sie vorbeugend zu verabreichen.

Was schränkt die Evidenz ein?

Die größte Einschränkung besteht darin, dass wir nur eine Studie gefunden haben. Das bedeutet, dass wir uns hinsichtlich der Ergebnisse nicht sicher sein können. Die Studie berichtete nicht über alle Endpunkte, über die wir mehr wissen wollten, und einige Ergebnisse waren unklar. Unser Vertrauen in diese Ergebnisse ist sehr gering, da sie auf nur einer kleinen Studie beruhen und wir einige Bedenken hinsichtlich der Durchführung und Berichterstattung der Studie hatten. Zukünftige Forschungsarbeiten könnten diese Ergebnisse ändern.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf den Stand von Dezember 2025. Derzeit laufen fünf weitere Studien. Sobald diese abgeschlossen sind, könnten ihre Ergebnisse uns helfen, besser zu verstehen, ob Methylxanthine für spätgeborene Neugeborene hilfreich und sicher sind.

Bodrero E, Isaza-López MC, Pahl A, Fiander M, Soll RF, Bruschettini M, supported by Cochrane Sweden and the Cochrane Neonatal Review Group

Trägt die Alpha-1-Antitrypsin-Substitutionstherapie (Ersatztherapie mit Protein aus dem Blut gesunder Spender) dazu bei, die Symptome von Atemwegserkrankungen bei Menschen mit Alpha-1-Antitrypsin-Mangel zu verbessern?

1 day 17 hours ago
Kernaussagen
  • Bei Menschen mit Alpha-1-Antitrypsin-Mangel führt die Zufuhr von zusätzlichem Alpha-1-Antitrypsin über eine Infusion in eine Vene (intravenöse Substitutionstherapie) möglicherweise zu einem leichten Anstieg der Anzahl der Exazerbationen (Verschlimmerungen der Lungenerkrankung) pro Jahr. Auf die Zahl der Todesfälle hat die Behandlung jedoch möglicherweise nur geringe oder gar keine Auswirkungen. Wir sind sehr unsicher, ob die intravenöse Substitutionstherapie einen Einfluss auf die Anzahl der Menschen hat, bei denen schwerwiegende unerwünschte Ereignisse wie Krankenhausaufenthalte oder bleibende Schäden auftreten. Die Verabreichung von zusätzlichem Alpha-1-Antitrypsin über eine Atemmaske (inhalative Substitutionstherapie) hat möglicherweise nur geringe oder gar keine Auswirkungen auf die Anzahl der Menschen, bei denen schwerwiegende unerwünschte Ereignisse auftreten. Zudem sind wir sehr unsicher, ob diese Behandlung einen Einfluss auf Exazerbationen hat.

  • Unsere Übersichtsarbeit umfasste nur wenige Studien, und wir haben wenig Vertrauen in die Evidenz.

Was ist ein Alpha-1-Antitrypsin-Mangel (AATD)?

Alpha-1-Antitrypsin (AAT) ist ein Protein, das unsere Organe vor Schäden durch körpereigene Enzyme schützt. Ein AAT-Mangel (AATD) ist eine genetisch bedingte Erkrankung, bei der der Körper nicht genügend AAT produziert. Dies kann zu Lungenschäden und chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD; einer Langzeiterkrankung, die das Atmen erschwert) führen. Zu den Symptomen von AATD gehören Atemnot, Husten und Keuchen. Raucher mit AATD haben ein höheres Risiko, eine schwere Lungenerkrankung zu entwickeln. AATD kann auch zu Leberproblemen führen. Manche Menschen mit AATD können ihr ganzes Leben lang gesund bleiben.

Was ist eine Alpha-1-Antitrypsin-Substitutionstherapie?

Die AAT-Substitutionstherapie soll den AAT-Spiegel im Blutkreislauf und in der Lunge erhöhen. Das erfolgt mithilfe von AAT-Protein aus dem Blut, das aus dem Blut gesunder Spendender gewonnen wird. Die AAT-Substitutionstherapie kann möglicherweise dazu beitragen, das Lungengewebe vor Schäden zu schützen und das Fortschreiten der Lungenerkrankung zu verlangsamen. Sie kann über eine Infusion in eine Vene (intravenös), durch Injektion unter die Haut (subkutan) oder über eine Atemmaske verabreicht werden.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob eine Anhebung der AAT-Spiegel bei Menschen mit AATD die Anzahl der Exazerbationen (Verschlimmerungen der Erkrankung), die Zahl der Todesfälle sowie die Zahl der Menschen, bei denen schwerwiegende unerwünschte Ereignisse wie Krankenhausaufenthalte oder bleibende Schäden auftreten, verringern könnte. Unsere Übersichtsarbeit konzentrierte sich auf die Endpunkte, die für Menschen mit dieser Erkrankung am wichtigsten sind.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen eine AAT-Substitutionstherapie, die auf beliebige Weise verabreicht wurde (intravenös, subkutan oder inhalativ), mit einer anderen Art der Verabreichung, einem Placebo (Scheinbehandlung) oder keiner Behandlung verglichen wurde. Wir verglichen und fassten die Ergebnisse zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie Studienmethoden und Größe der Studien.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden sechs Studien mit 524 Teilnehmenden. Vier Studien befassten sich mit der intravenösen AAT-Substitutionstherapie, die anderen beiden mit der inhalativen AAT-Substitutionstherapie. In allen sechs Studien wurde die AAT-Substitutionstherapie mit einem Placebo verglichen. Die Studien wurden in einkommensstarken Ländern in Europa, Nordamerika und Australien durchgeführt. Die kleinste Studie umfasste fünf Teilnehmende, die größte 180 Teilnehmende.

Hauptergebnisse

Intravenöse AAT-Substitutionstherapie im Vergleich zu Placebo

  • Die intravenöse AAT-Substitutionstherapie führt möglicherweise zu einem leichten Anstieg der Anzahl der jährlichen Exazerbationen. Die Evidenz zeigt eine Rate von 1710 jährlichen Exazerbationen pro 1000 Personen, die eine intravenöse AAT-Substitutionstherapie erhielten, verglichen mit 1420 jährlichen Exazerbationen pro 1000 Personen, die Placebo erhielten (290 Exazerbationen mehr in der AAT-Gruppe).

  • Die intravenöse AAT-Substitutionstherapie hat im Vergleich zu Placebo möglicherweise nur geringe oder gar keine Auswirkungen auf die Zahl der Todesfälle.

  • Wir sind sehr unsicher, ob bei Personen, die eine intravenöse AAT-Substitutionstherapie erhalten, die Wahrscheinlichkeit, ein oder mehrere schwerwiegende unerwünschte Ereignisse zu erleiden, höher ist als bei denjenigen, die ein Placebo erhalten.

Inhalative AAT-Substitutionstherapie im Vergleich zu Placebo

  • Wir sind sehr unsicher, ob die inhalative AAT-Substitutionstherapie im Vergleich zu Placebo einen Einfluss auf die Anzahl der jährlichen Exazerbationen hat.

  • In keiner Studie wurden Todesfälle berichtet.

  • Die inhalative AAT-Substitutionstherapie hat im Vergleich zu Placebo möglicherweise nur einen geringen oder gar keinen Einfluss auf die Anzahl der Personen, bei denen ein oder mehrere schwerwiegende unerwünschte Ereignisse auftreten.

Was schränkt die Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Evidenz ist gering, da nur wenige Studien verfügbar waren, die von uns gefundenen Studien nur wenige Teilnehmende umfassten und die Ergebnisse nur einen Teil der Personen abdeckten, die für uns von Interesse waren.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Wir haben Evidenz berücksichtigt, die bis August 2025 veröffentlicht wurde.

Glaister P, Hindle Robinson N, Woods A, Bentham C, Hamzah J, Crossingham I

Die Fragestellung des Reviews

2 days 18 hours ago
Welche langfristigen Vorteile und Risiken haben verschiedene Arten von Gewichtsreduktionschirurgie (auch als metabolische und bariatrische Chirurgie bezeichnet) bei der Behandlung von Adipositas und Typ-2-Diabetes bei Erwachsenen?Kernaussagen
  • Bei Menschen mit Adipositas und Typ-2-Diabetes könnte ein Magenbypass (d. h. ein Roux-en-Y-Magenbypass oder ein Magenbypass mit einer Anastomose) den größten Nutzen haben, um das Körpergewicht und den Taillenumfang zu verringern sowie den Typ-2-Diabetes und die langfristigen Blutzuckerwerte zu verbessern – mindestens fünf Jahre nach der Operation. Beim Magenbypass mit einer Anastomose sind wir hinsichtlich der Ergebnisse allerdings sehr unsicher.

  • Es ist unklar, ob die verschiedenen Operationsverfahren einen Einfluss auf Risiken wie schwerwiegende unerwünschte gesundheitliche Wirkungen und den Tod jeglicher Ursache mindestens fünf Jahre nach der Operation haben.

  • Größere und gut konzipierte Studien könnten dazu beitragen, die bestehenden Unsicherheiten zu verringern und unser Vertrauen in die Ergebnisse zu stärken.

Was sind Adipositas und Typ-2-Diabetes?
Adipositas bezeichnet eine übermäßige Ansammlung von Körperfett, die die Gesundheit beeinträchtigen kann. Bei Typ-2-Diabetes kann der Körper den Blutzuckerspiegel nicht ausreichend regulieren, da das Hormon Insulin nicht richtig wirkt. Typ-2-Diabetes tritt häufig bei Menschen mit Adipositas auf. Beide Erkrankungen erhöhen das Risiko für einen vorzeitigen Tod und andere gesundheitliche Probleme wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Wie werden Adipositas und Typ-2-Diabetes behandelt?

Zur Gewichtsabnahme und Verbesserung des Diabetes werden zunächst häufig Änderungen des Lebensstils wie eine Ernährungsumstellung, Bewegung und verhaltenstherapeutische Maßnahmen sowie Medikamente eingesetzt. Wenn diese nicht ausreichend wirken, können metabolische und bariatrische Operationen als zusätzliche Behandlungsoption in Betracht gezogen werden. Es gibt verschiedene Arten der bariatrischen Chirurgie:

  • Magenband (ein verstellbares Band, das um den oberen Teil des Magens gelegt wird und diesen verengt, sodass kleinere Portionen ausreichen);

  • Schlauchmagen (Sleeve-Gastrektomie; Entfernung eines Teils des Magens);

  • Roux-en-Y-Magenbypass (RYGB; aus dem oberen Teil des Magens wird ein kleiner Vormagen gebildet und direkt mit einem tiefer gelegenen Abschnitt des Dünndarms verbunden, sodass ein Teil des Magens und des Dünndarms umgangen wird);

  • Magenbypass mit nur einer Verbindung (Ein-Anastomosen-Magenbypass oder Mini-Magenbypass);

  • Magenplikatur (Einfaltung der Magenwand, um den Magen zu verkleinern);

  • biliopankreatische Diversion mit Duodenal-Switch (der Magen wird verkleinert und ein großer Teil des Dünndarms umgangen, sodass der Körper weniger Nährstoffe aus der Nahrung aufnimmt).

Was wollten wir herausfinden?
  • Welche der verschiedenen Operationsmethoden am sichersten und wirksamsten sind, wenn man sie miteinander sowie mit einer Behandlung durch Lebensstiländerung und Medikamente hinsichtlich ihrer langfristigen (mindestens 5 Jahre Nachbeobachtung) Vorteile und Risiken vergleicht.

  • Ob diese Operationen das Körpergewicht und den Taillenumfang verringern, den Typ-2-Diabetes verbessern, die langfristigen Blutzuckerwerte senken und die Lebensqualität mindestens fünf Jahre nach der Operation verbessern.

  • Ob sich die Operationen über diesen Zeitraum hinweg auf schwerwiegende unerwünschte gesundheitliche Wirkungen, Todesfälle jeglicher Ursache und Komplikationen des Typ-2-Diabetes auswirken.

Wie gingen wir vor?
Wir suchten nach Studien mit Personen, die Adipositas und Typ-2-Diabetes hatten. Wir schlossen Studien ein, in denen mindestens zwei verschiedene chirurgische Eingriffe oder eine Operation mit einer Lebensstil- und medikamentösen Behandlung verglichen wurden. Wir fassten alle Behandlungen mithilfe einer Methode namens Netzwerk-Metaanalyse zusammen und verglichen sie; dabei bewerteten wir unser Vertrauen in die Ergebnisse anhand von Faktoren wie Studienmethoden und Stichprobengröße.

Was fanden wir heraus?
Wir fanden 18 Studien mit insgesamt 15.282 Menschen mit Adipositas und Typ-2-Diabetes. In 13 dieser Studien (mit insgesamt 911 Teilnehmenden) wurden die Teilnehmenden nach dem Zufallsprinzip zwei oder mehr Behandlungsgruppen zugeordnet. Dies ist der beste Weg, um sicherzustellen, dass die Gruppen der Teilnehmenden ähnlich sind. Fünf Studien (mit 14.371 Personen) verwendeten Beobachtungsdaten aus der Versorgungsrealität. Die Studien untersuchten verschiedene Operationsverfahren wie Magenband, Schlauchmagen, Roux-en-Y-Magenbypass, Magenbypass mit einer Anastomose und Magenplikatur. Wir stellten fest, dass:

  • Der Roux-en-Y-Magenbypass senkt langfristig möglicherweise das Körpergewicht und verringert wahrscheinlich den Taillenumfang – im Vergleich zu einer Behandlung mit Lebensstiländerungen und Medikamenten.

  • Der Magenbypass mit einer Anastomose und, in geringerem Ausmaß, der Schlauchmagen könnten das Körpergewicht ebenfalls senken und den Taillenumfang verringern. Wir sind hinsichtlich dieser Ergebnisse jedoch sehr unsicher.

  • Der Roux-en-Y-Magenbypass, der Magenbypass mit einer Anastomose, der Schlauchmagen und das Magenband verbessern den Typ-2-Diabetes möglicherweise. Wir sind hinsichtlich dieser Ergebnisse jedoch sehr unsicher.

  • Es ist unklar, ob die verschiedenen Operationsverfahren einen Einfluss auf schwerwiegende unerwünschte gesundheitliche Wirkungen oder den Tod jeglicher Ursache haben.

  • Der Roux-en-Y-Magenbypass verringert langfristig möglicherweise die Komplikationen bei Typ-2-Diabetes – im Vergleich zu nicht-chirurgischen Behandlungen. Wir sind hinsichtlich dieses Ergebnisses jedoch sehr unsicher.

  • Der Roux-en-Y-Magenbypass verbessert möglicherweise die Blutzuckerwerte – im Vergleich zu nicht-chirurgischen Behandlungen.

  • Der Magenbypass mit einer Anastomose und der Schlauchmagen könnten die Blutzuckerwerte ebenfalls verbessern. Wir sind hinsichtlich dieser Ergebnisse jedoch sehr unsicher.

  • Der Roux-en-Y-Magenbypass und der Schlauchmagen könnten die gesundheitsbezogene Lebensqualität stärker steigern als nicht-chirurgische Behandlungen. Auch hier sind wir hinsichtlich der Ergebnisse sehr unsicher.

Was schränkt die Evidenz ein?
Unser Vertrauen in die Evidenz ist oft gering bis sehr gering, da in die Studien nur wenige Personen eingeschlossen wurden und die Ergebnisse für einige Endpunkte – insbesondere schwerwiegende unerwünschte gesundheitliche Wirkungen, Tod jeglicher Ursache und Komplikationen bei Typ-2-Diabetes – auf sehr wenigen Ereignissen beruhten. Zudem gab es für mehrere chirurgische Verfahren nicht genügend Studien, um sichere Aussagen über die Ergebnisse treffen zu können. Es ist wichtig zu beachten, dass die Bewertung unseres Vertrauens in die Ergebnisse ausschließlich auf Studien beruhte, in denen die Teilnehmenden den Gruppen nach dem Zufallsprinzip zugeteilt wurden, und keine Beobachtungsstudien einbezog.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?
Diese Evidenz ist auf dem Stand von Juni 2024.

Kiesswetter E, Gorenflo L, Schwarzer G, Stadelmaier J, Wallerer S, Marjanovic G, Fink JM, Lehane C, Metzendorf MI, Meerpohl J, Schwingshackl L

Wann sollten Neugeborene mit niedriger Blutplättchenzahl (Thrombozytopenie), bei denen ein erhöhtes Blutungsrisiko besteht, Blutplättchen (auch Thrombozyten genannt, eine Art von Blutzellen, die zur Bildung von Blutgerinnseln beitragen) verabreicht wer...

1 week 4 days ago
Kernaussagen
  • Eine Thrombozytentransfusion (Gabe von Blutplättchen, die Blutgerinnsel zur Blutstillung bilden) bereits bei höheren Thrombozytenwerten (wenn das Blutungsrisiko noch geringer ist) scheint weder die Sterblichkeit noch das Blutungsrisiko zu senken.

  • Eine Transfusion erst bei einem niedrigeren Thrombozytenwert führt wahrscheinlich dazu, dass weniger Neugeborene überhaupt eine Thrombozytentransfusion erhalten – möglicherweise ohne dabei das Risiko für Tod oder Blutungen zu erhöhen.

  • Weitere Studien sind nötig, um festzustellen, bei welcher genauen Thrombozytenzahl Neugeborene - unter Berücksichtigung ihres individuellen Blutungsrisikos - Thrombozytentransfusionen erhalten sollten.

Was sind Thrombozyten (Blutplättchen)?

Thrombozyten sind Blutzellen, die Blutgerinnsel bilden, um Blutungen zu stillen. Thrombozyten sind Blutzellen, die Blutgerinnsel bilden, um Blutungen zu stillen. Eine niedrige Thrombozytenzahl (weniger als 150.000 Thrombozyten pro Mikroliter im Bluttest) wird als Thrombozytopenie bezeichnet. Eine Thrombozytopenie tritt häufig bei Frühgeborenen oder kranken Neugeborenen auf und kann deren Blutungsrisiko erhöhen.

Wie wird eine Thrombozytopenie behandelt?

Eine Thrombozytopenie wird üblicherweise durch die Verabreichung von Blutplättchen aus Spenderblut behandelt. Thrombozyten werden im Rahmen einer sogenannten Transfusion direkt in eine Vene verabreicht. Allerdings kann eine Thrombozytentransfusion selbst das Sterberisiko und das Risiko anderer Komplikationen erhöhen. Fachleute sind sich zudem uneinig, ob Neugeborene bereits bei höheren oder erst bei niedrigeren Thrombozytenwerten eine Thrombozytentransfusion erhalten sollten.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob es für Neugeborene mit Thrombozytopenie besser ist, Thrombozyten bereits bei höheren oder erst bei niedrigeren Thrombozytenwerte zu transfundieren. Wir wollten wissen, welche Wirkungen Transfusionen auf die Sterblichkeit und Blutungen sowie auf die Entwicklung der Neugeborenen haben.

Wie gingen wir vor?

Wir haben nach Studien gesucht, die sich mit Thrombozytentransfusionen bei Neugeborene mit Thrombozytopenie befassten. Wir haben die Ergebnisse der Studien zusammengefasst, verglichen und die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz bewertet – auf Grundlage von Faktoren wie der Studienmethodik und der Größe der Studien.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden drei Studien (856 Neugeborene), in denen verschiedene Thrombozytenwerte als Schwellenwert für eine Thrombozytentransfusion verglichen wurden. Zwei Studien wurden in Ländern mit hohem Einkommen (Kanada sowie dem Vereinigten Königreich, Irland und den Niederlanden) durchgeführt, eine weitere in einem Land mit niedrigem mittlerem Einkommen (Indien). In einer Studie wurde untersucht, ob es besser ist, eine Thrombozytentransfusion bereits bei einer leicht verminderten Thrombozytenzahl durchzuführen (leichte Thrombozytopenie) oder erst bei mäßig verminderten Thrombozytenwerten (moderate Thrombozytopenie) (Bereich der leichten Thrombozytopenie) . Eine weitere Studie untersuchte, ob es besser ist, bereits bei einer mäßig verminderten Thrombozytenzahl eine Thrombozytentransfusion durchzuführen (moderate Thrombozytopenie) oder erst bei einer stark verminderten Thrombozytenzahl (schwere Thrombozytopenie) (Bereich der moderaten Thrombozytopenie) . In der dritten Studie wurde untersucht, ob es besser ist, bereits bei einer sehr niedrigen Thrombozytenzahl (schwere Thrombozytopenie) zu transfundieren oder erst bei einer extrem niedrigen Zahl (sehr schwere Thrombozytopenie) (Bereich der schweren Thrombozytopenie) .

Möglicherweise besteht kein oder nur ein geringer Unterschied in der Sterblichkeit zwischen niedrigeren und höheren Thrombozytenwerten:

  • im Bereich der leichten Thrombozytopenie (1 Studie, 152 Neugeborene);

  • im Bereich der mäßigen Thrombozytopenie (1 Studie, 44 Neugeborene);

  • im Bereich der schweren Thrombozytopenie (1 Studie, 656 Neugeborene).

Möglicherweise besteht auch kein oder nur ein geringer Unterschied bei Blutungen zwischen niedrigeren und höheren Thrombozytenwerten:

  • im Bereich der leichten Thrombozytopenie (keine Angaben);

  • im Bereich der mäßigen Thrombozytopenie (1 Studie, 44 Neugeborene);

  • im Bereich der schweren Thrombozytopenie (1 Studie, 658 Neugeborene).

Wenn erst bei einem niedrigeren Thrombozytenwert transfundiert wurde, erhielten deutlich weniger Neugeborene überhaupt eine Thrombozytentransfusion:

  • im Bereich der leichten Thrombozytopenie (1 Studie, 152 Neugeborene);

  • im Bereich der mäßigen Thrombozytopenie (keine Angaben);

  • Bereich der schweren Thrombozytopenie (1 Studie, 659 Neugeborene).

Was schränkt die Evidenz ein?

Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz ist moderat bis sehr niedrig. Sie ist begrenzt, da das Behandlungsteam wusste, welche Behandlung die Neugeborenen erhielten. Außerdem fanden wir nur drei Studien, die sich alle hinsichtlich der untersuchten Thrombozytenwerte unterschieden. Die Studien unterschieden sich zudem darin, ob sie Neugeborene einbezogen, bei denen bereits Blutungen vorlagen. Die größte Studie schloss Neugeborene mit Blutungen nicht ein.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von Juni 2025.

Chotas W, Wallman-Stokes A, Patel RM, Cooper C, Soll RF, supported by the Cochrane Neonatal Review Group

Ist eine Ballonangioplastie mit einem medikamentenbeschichteten Ballon bei Menschen mit verengten oder verschlossenen Beinarterien wirksamer als eine Ballonangioplastie mit einem unbeschichteten Ballon?

2 weeks 1 day ago
Kernaussagen

- Medikamentenbeschichtete Ballons verringern wahrscheinlich das Risiko einer erneuten Verengung der behandelten Arterie (binäre Restenose) und möglicherweise die Notwendigkeit einer erneuten Behandlung derselben Arterie (Revaskularisierung der Zielläsion). Nach sechs Monaten zeigte sich zudem ein geringerer Lumenverlust.

- Medikamentenbeschichtete und unbeschichtete Ballons unterscheiden sich wahrscheinlich kaum oder gar nicht hinsichtlich Amputationen, Todesfällen und der Veränderung des Knöchel-Arm-Index. Wahrscheinlich gibt es auch bei der Lebensqualität kaum oder keinen Unterschied. Bei der Gehfähigkeit zeigte sich kein klarer Unterschied. Beim amputationsfreien Überleben zeigte sich nach sechs Monaten ebenfalls kein klarer Unterschied; nach einem Jahr war es möglicherweise mit unbeschichteten Ballons besser.

Was ist eine periphere arterielle Verschlusskrankheit der Beine und was sind medikamentenbeschichtete Ballons?

Bei einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit der Beine ist die Durchblutung der Unterschenkel eingeschränkt, weil die Blutgefäße verengt oder verschlossen sind. Viele Menschen sind davon betroffen. In ihrer schwersten Form kann sie aufgrund der schlechten Durchblutung zu Schmerzen, Infektionen und Amputationen führen. Menschen mit einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit werden zunächst meist mit Medikamenten und Änderungen des Lebensstils behandelt. Dazu gehören Unterstützung beim Rauchstopp und regelmäßiges Gehtraining. Diese Maßnahmen können die allgemeine Gesundheit und auch die Beschwerden verbessern. Medikamente und eine Umstellung der Lebensgewohnheiten wirken jedoch nicht bei allen Menschen, und manche benötigen möglicherweise eine Operation. Bei diesem Eingriff kann es sich um eine herkömmliche offene Operation oder um ein weniger invasives Verfahren handeln, das als Angioplastie bezeichnet wird und bei dem die Verengungen in den Arterien mithilfe eines Ballons geöffnet werden. Eine neuere Form der Angioplastie, die sogenannte Angioplastie mit medikamentenbeschichteten Ballons, gilt als vielversprechende Alternative zur herkömmlichen Ballonangioplastie bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit. Im Gegensatz zu herkömmlichen Ballons geben medikamentenbeschichtete Ballons zusätzlich einen Wirkstoff wie Paclitaxel an die Gefäßwand ab. Paclitaxel wird auch in der Krebstherapie eingesetzt und soll dazu beitragen, eine erneute Verengung des behandelten Blutgefäßes zu verhindern oder hinauszuzögern.

Was wollten wir herausfinden?

Ziel dieser Übersichtsarbeit war es herauszufinden, wie wirksam medikamentenbeschichtete Ballons im Vergleich zu herkömmlichen unbeschichteten Ballons bei der Behandlung der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit der Beine sind.

Wie gingen wir vor?

Wir fassten 31 klinische Studien mit insgesamt 5.292 Teilnehmenden zusammen, die wegen einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit eine Angioplastie erhielten. Sie wurden nach dem Zufallsprinzip entweder mit einem medikamentenbeschichteten oder mit einem herkömmlichen unbeschichteten Ballon behandelt. Die Studien untersuchten Arterien im Ober- und Unterschenkel, sowohl oberhalb als auch unterhalb des Knies. Die Studien wurden in Europa, den USA, China, Singapur, Jordanien, Japan und Neuseeland durchgeführt, und in allen wurden medikamentenbeschichtete Ballons mit dem Wirkstoff Paclitaxel verwendet. Die Teilnehmenden wurden nach der Operation bis zu fünf Jahre lang nachbeobachtet.

Was fanden wir heraus?

Medikamentenbeschichtete Ballons führen möglicherweise dazu, dass dieselbe Arterie seltener erneut behandelt werden muss (Revaskularisierung der Zielläsion). Dieser Befund zeigte sich bei Nachbeobachtungszeiten von bis zu fünf Jahren. Medikamentenbeschichtete Ballons verringern wahrscheinlich bis zu zwei Jahre nach der Behandlung das Risiko, dass sich die behandelte Arterie erneut verengt (binäre Restenose). Nach sechs Monaten war der späte Lumenverlust bei medikamentenbeschichteten Ballons geringer. Das bedeutet, dass sich das behandelte Gefäß weniger stark wieder verengte. Medikamentenbeschichtete und unbeschichtete Ballons unterscheiden sich wahrscheinlich kaum oder gar nicht hinsichtlich Amputationen, Todesfällen und der Veränderung des Knöchel-Arm-Index. Wahrscheinlich gibt es auch bei der Lebensqualität kaum oder keinen Unterschied. Bei der Gehfähigkeit zeigte sich kein klarer Unterschied. Beim amputationsfreien Überleben zeigte sich nach sechs Monaten ebenfalls kein klarer Unterschied; nach einem Jahr war es möglicherweise mit unbeschichteten Ballons besser.

Was schränkt die Evidenz ein?

Die Studien unterschieden sich darin, wie die Teilnehmenden nach dem Eingriff mit gerinnungshemmenden Medikamenten zum Einnehmen behandelt wurden. Weitere Bedenken ergaben sich daraus, dass verschiedene Studien für denselben Endpunkt stärker voneinander abweichende Ergebnisse berichtete als erwartet. Zudem zeigten die Ergebnisschätzungen teils sowohl einen möglichen Unterschied als auch keinen Unterschied zwischen den Behandlungen. Dies bedeutete, dass wir unser Vertrauen in die Evidenz herabstufen mussten. Unser Vertrauen in die Ergebnisse war gering, wenn es darum ging, ob die behandelte Gefäßstelle erneut geöffnet werden musste. Bei Amputationen, erneuten Gefäßverengungen, Todesfällen und Veränderungen des Knöchel-Arm-Index war unser Vertrauen in die Ergebnisse mäßig.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Diese Übersichtsarbeit ist eine Aktualisierung unserer früheren Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2016. Die Evidenz ist auf dem Stand von März 2023.

Ma G-W, Bernatchez J, Yarranton B, Dueck AD, Rajan DK, Forbes TL, de Mestral C, Kayssi A

Welche Vorteile und Risiken haben Ciclosporin-A-Augentropfen bei trockenen Augen (Sicca-Syndrom)?

2 weeks 3 days ago
Kernaussagen
  • Ciclosporin-A-Augentropfen (CsA), darunter Restasis, Cequa und andere neuere Präparate, verbessern möglicherweise im Vergleich zu wirkstofffreien Trägerlösungen (Augentropfen ohne CsA) oder künstlichen Tränen einige Anzeichen und Beschwerden des trockenen Auges. Allerdings ist unser Vertrauen in diese Ergebnisse nur moderat oder gering.

  • Personen, die CsA-Augentropfen anwendeten, brachen die Behandlung aufgrund unerwünschter Wirkungen etwas häufiger ab als Personen in der Vergleichsgruppe. Insgesamt kam dies jedoch nur selten vor.

  • Es sind qualitativ hochwertigere Langzeitstudien erforderlich, die den Nutzen und die Risiken von CsA-Augentropfen bei Menschen mit unterschiedlich stark ausgeprägtem Sicca-Syndrom untersuchen.

Was versteht man unter trockenen Augen (Sicca-Syndrom)?

Ein dünner Tränenfilm hält die Augenoberfläche feucht. Gerät der Tränenfilm aus dem Gleichgewicht, kann ein trockenes Auge entstehen. Fachleute sprechen auch vom Sicca-Syndrom. Menschen mit trockenen Augen können Beschwerden wie ein Sandkorngefühl, Brennen und Lichtempfindlichkeit sowie verschwommenes Sehen oder eine schwankende Sehschärfe haben. Dies kann das Autofahren und Lesen erschweren und die Lebensqualität beeinträchtigen.

Bei manchen Menschen entsteht das trockene Auge infolge einer anderen Erkrankung oder einer Behandlung am Auge. Bei anderen bleibt die Ursache unbekannt. Viele Fälle des trockenen Auges stehen mit Erkrankungen in Zusammenhang, die Entzündungen, Schwellungen oder Reizungen am Auge und in seiner Umgebung verursachen.

Was sind Cyclosporin-A (CsA)-Augentropfen?

CsA-Augentropfen sind entzündungshemmende Arzneimittel. Sie sollen Entzündungen an der Augenoberfläche verringern, die Tränenproduktion fördern und die Augenoberfläche vor Schäden schützen. CsA-Augentropfen sind in verschiedenen Konzentrationen erhältlich, meist zwischen 0,05 % (niedrige Konzentration) bis 2 % (hohe Konzentration).

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob CsA-Augentropfen wirksamer sind als Augentropfen, die bis auf Cyclosporin dieselben Inhaltsstoffe enthalten (wirkstofffreie Trägerlösung), als künstliche Tränen oder als eine andere CsA-Formulierung oder Konzentration, um folgende Symptome zu lindern:

  • Symptome des trockenen Auges;

  • die Gesundheit der Augenoberfläche;

  • die Tränenproduktion;

  • die Verweildauer der Tränen auf dem Auge (Tränenfilmstabilität).

Außerdem wollten wir herausfinden, ob Personen, die CsA-Augentropfen verwendeten, die Behandlung aufgrund unerwünschter Wirkungen häufiger absetzten als Personen, die eine wirkstofffreie Trägerlösung, künstliche Tränen oder CsA-Tropfen einer anderen Formulierung oder Konzentration verwendeten.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen CsA-Augentropfen mit einer wirkstofffreien Trägerlösung, künstlichen Tränen oder einer anderen CsA-Formulierung bzw. Konzentration verglichen wurden. Wir verglichen und fassten die Ergebnisse dieser Studien zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie den Studienmethoden und der Anzahl der Studienteilnehmenden.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 58 Studien mit insgesamt 10.225 Menschen mit Sicca-Syndrom. 35 der 58 Studien (60 %) wurden in China, Südkorea oder den USA durchgeführt. Das Durchschnittsalter der Teilnehmenden lag bei etwa 53 Jahren. Frauen machten insgesamt etwa 80 % der Teilnehmenden aus, wobei der Anteil je nach Studie zwischen 46 % und 100 % variierte. Fast die Hälfte der Studien wurde von Pharmaunternehmen finanziert oder gefördert. Gemeinnützige Organisationen unterstützten 10 Studien, sechs Studien erhielten keine externe Finanzierung und bei 14 Studien wurden die Finanzierungsquellen nicht angegeben.

Wir haben die Studien anhand der Konzentration von CsA und den Vergleichsbehandlungen in sechs Gruppen eingeteilt. Hier konzentrieren wir uns auf die drei Gruppen mit den meisten Daten.

Hauptergebnisse

Vergleich 1

Im Vergleich zu einer wirkstofffreien Trägerlösung, künstlichen Tränen oder beidem hat die dreimonatige Anwendung von CsA-0,05%-Augentropfen möglicherweise zu einer leichten Verbesserung folgender Symptome geführt:

  • Symptome des trockenen Auges (13 Studien, 1.396 Personen);

  • Gesundheit der Augenoberfläche (7 Studien, 1.355 Personen).

Die Ergebnisse hinsichtlich der Tränenproduktion und der Stabilität des Tränenfilms waren uneinheitlich, sodass wir keine eindeutigen Schlussfolgerungen ziehen konnten.

Vergleich 2

Personen, die CsA-Augentropfen unterschiedlicher Formulierungen und Konzentrationen verwendeten, wiesen nach drei Monaten möglicherweise eine etwas bessere Tränenproduktion auf als diejenigen, die CsA-0,05%-Augentropfen verwendeten; der Unterschied zwischen den Gruppen war jedoch gering (5 Studien, 572 Personen). Wir sind uns hinsichtlich der Wirkungen auf folgende Aspekte unsicher:

  • Symptome des trockenen Auges;

  • die Gesundheit der Augenoberfläche;

  • Stabilität des Tränenfilms.

Vergleich 3

Im Vergleich zu einer wirkstofffreien Trägerlösung, künstlichen Tränen oder beidem führte die dreimonatige Anwendung von CsA-0,1%-Augentropfen zu Folgendem:

  • verbesserte wahrscheinlich leicht die Gesundheit der Augenoberfläche (7 Studien, 2.940 Personen);

  • verbesserte möglicherweise die Tränenproduktion geringfügig (3 Studien, 735 Personen).

Die Ergebnisse zu den Symptomen des trockenen Auges waren uneinheitlich, sodass wir keine eindeutigen Schlussfolgerungen ziehen konnten. CsA-Augentropfen mit einer Konzentration von 0,1 % verbessern die Stabilität des Tränenfilms möglicherweise nicht oder nur geringfügig.

Abbruch der Behandlung aufgrund von unerwünschten Wirkungen

Im Vergleich zu Personen, die wirkstofffreie Trägerlösungen oder künstliche Tränen verwendeten, brachen Personen, die CsA in einer Konzentration von 0,05 % oder 0,1 % verwendeten, die Behandlung aufgrund unerwünschter Wirkungen wahrscheinlich etwas häufiger ab. Insgesamt brachen nur wenige Personen die Behandlung aufgrund von unerwünschten Wirkungen ab.

Was schränkt die Aussagekraft der Evidenz ein?

Wir haben wenig Vertrauen in die Evidenz zu Symptomen des trockenen Auges, zur Gesundheit der Augenoberfläche, zur Tränenproduktion und zur Tränenfilmstabilität, da die Studienergebnisse oft uneinheitlich oder zu unsicher waren, um das tatsächliche Ausmaß der Wirkungen einzuschätzen. In vielen Studien waren die Angaben zu den verwendeten Methoden unklar oder unvollständig. Wir haben jedoch moderates Vertrauen in die Evidenz zum Abbruch der Behandlung.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von März 2026.

Priyadarshini SR, Sadhu S, Tzang CC, Niedert C, Holt CA, Han G, de Paiva CS, Pflugfelder SC, Akpek EK, Li T

Helfen Bewegungsprogramme Jugendlichen mit Adipositas?

2 weeks 3 days ago
Kernaussagen
  • Bewegungsprogramme verringern bei Jugendlichen mit Adipositas im Vergleich zu keinem Bewegungsprogramm möglicherweise geringfügig das Körpergewicht, den Taillenumfang und den Körperfettanteil – jeweils gemessen am Ende der Intervention.

  • Wir wissen nicht, ob Bewegungsprogramme im Vergleich zu keinem Bewegungsprogramm Auswirkungen auf andere Körpermaße oder durch Adipositas bedingte Gesundheitsprobleme haben.

  • Wir benötigen größere, länger dauernde und qualitativ hochwertigere Studien, um die Wirkungen von Bewegungsprogrammen bei Jugendlichen mit Adipositas verlässlicher beurteilen zu können.

Was ist Adipositas?

Adipositas bedeutet, dass eine Person so viel Körperfett hat, dass dies ihre Gesundheit beeinträchtigen kann. Weltweit hat sich die Adipositas bei Jugendlichen (im Alter von 10 bis 19 Jahren) seit 1990 verdreifacht, und bis zum Jahr 2050 könnten mehr als 300 Millionen Kinder und Jugendliche an Adipositas leiden.

Adipositas im Kindes- und Jugendalter kann sich negativ auf die körperliche und psychische Gesundheit auswirken und das Risiko für Krebs, Leber- oder Nierenerkrankungen im Erwachsenenalter erhöhen.

Eine Gewichtsabnahme ist der beste Weg, die gesundheitlichen Risiken von Adipositas zu verringern. Dies geschieht in der Regel durch Änderungen des Lebensstils, wie mehr körperliche Aktivität (z. B. Schwimmen, Laufen, Krafttraining) und eine gesündere Ernährung, durch chirurgische Eingriffe oder Medikamente.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob Bewegungsprogramme im Vergleich zu keinem Bewegungsprogramm Jugendlichen mit Adipositas hilft:

  • Gewicht zu verlieren und den BMI (Body-Mass-Index; ein Maß zur Beurteilung des Körpergewichts im Verhältnis zur Körpergröße), den BMI-z-Score (ein Maß dafür, wie der BMI im Vergleich zu anderen Personen gleichen Alters und Geschlechts liegt), den Taillenumfang und den Körperfettanteil zu senken;

  • ihren Blutzuckerspiegel und ihre Insulinresistenz zu senken (Insulin ist ein Hormon, das dabei hilft, den Blutzuckerspiegel zu regulieren).

Wir wollten außerdem herausfinden, ob bestimmte Bewegungsformen diese Wirkungen besser erzielen als andere und ob die Bewegungsprogramme unerwünschte oder schädliche Ereignisse verursachen.

Wie sind wir vorgegangen?

Wir suchten nach Studien, in denen die Teilnahme an einem Bewegungsprogramm (wie Ausdauertraining, Krafttraining oder Fußball) verglichen wurde mit:

  • keinem Bewegungsprogramm;

  • einem anderen Bewegungsprogramm (zum Beispiel hochintensives Training im Vergleich zu Training mit mittlerer Intensität).

Die Jugendlichen mussten mindestens 12 Wochen lang an diesem Bewegungsprogramm teilnehmen. Wir verglichen die Ergebnisse der Studien, fassten sie zusammen und beurteilten unser Vertrauen in die Evidenz, basierend auf Faktoren wie Studienmethoden und Anzahl an Teilnehmenden.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 30 Studien mit insgesamt 1.508 Jugendlichen. Die Studien waren klein: Die kleinste umfasste nur 21 Jugendliche, die größte 106. Knapp die Hälfte der teilnehmenden Jugendlichen waren weiblich (46 %). Ihr Durchschnittsalter lag zwischen 10 und fast 17 Jahren. Die Studien wurden in 15 Ländern durchgeführt: 5 in Tunesien; je 4 in China und im Iran; 3 in Brasilien; je 2 in Kanada, Spanien und den USA; sowie je eine in Australien, Estland, Indien, Mexiko, Südkorea, Schweden, Taiwan und Thailand.

Die meisten Studien dauerten 12 oder 13 Wochen; die längste Studie dauerte 32 Wochen.

Wir fassten die Ergebnisse der Studien in zwei übergeordneten Vergleichen zusammen:

  • jede Art von Bewegungsprogramm (z. B. Ausdauertraining, aktive Videospiele) im Vergleich zu keinem Bewegungsprogramm (22 Studien);

  • eine Form von Bewegung im Vergleich zu einer anderen (17 Studien).

HauptergebnisseBewegungsprogramme im Vergleich zu keinem Bewegungsprogramm

Im Vergleich zu keinem Bewegungsprogramm führen Bewegungsprogramme möglicherweise zu einer leichten Verringerung:

  • des Körpergewichts: Jugendliche in den aktiven Gruppen wogen im Durchschnitt 1,88 kg weniger (17 Studien, 749 Jugendliche);

  • des Taillenumfangs: In den aktiven Gruppen war der durchschnittliche Taillenumfang der Jugendlichen um 2,88 cm geringer (10 Studien, 476 Jugendliche);

  • des Körperfettanteil: In den aktiven Gruppen lag der durchschnittliche Körperfettanteil der Jugendlichen um 2,96 % niedriger (9 Studien, 313 Jugendliche).

Es ist sehr unsicher, welche Wirkungen Bewegungsprogramme auf folgende Faktoren haben:

  • BMI;

  • BMI-Z-Score;

  • Blutzuckerwerte;

  • Insulinresistenz;

  • unerwünschte, schädliche Ereignisse.

Eine Form von Bewegung im Vergleich zu einer anderen

Wir sind sehr unsicher, ob sich verschiedene Bewegungsformen in ihren Wirkungen auf die untersuchten Aspekte unterscheiden.

Was schränkt die Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Evidenz ist aus folgenden Gründen begrenzt:

  • Die Studien waren klein;

  • in den Studien wurden unterschiedliche Formen von Bewegung untersucht;

  • die Studien haben ihre Methoden und Ergebnisse unzureichend berichtet;

  • in einigen Studien wurden nicht alle Ergebnisse berichtet;

  • keine Studie berichtete über unerwünschte, schädliche Ereignisse.

Die Studien, die verschiedene Bewegungsformen miteinander verglichen, unterschieden sich stark. Deshalb konnten wir ihre Ergebnisse meist nicht zusammenfassen und keine verlässlichen Schlussfolgerungen ziehen. Daher wissen wir nicht, ob eine bestimmte Form von Bewegung besser ist als eine andere.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Diese Evidenz ist auf den Stand von Dezember 2025.

Meneses-Echavez JF, Chavez Guapo N, Loaiza-Betancur AF, Iglesias Gonzalez LE, Escobar Liquitay CM, Bidonde J

Verbessert eine Chemotherapie vor der Operation die Überlebensrate und die Lebensqualität bei Frauen mit fortgeschrittenem epithelialem Ovarialkarzinom (Eierstockkrebs)?

2 weeks 5 days ago
Kernaussagen
  • Bei Frauen mit fortgeschrittenem epithelialem Ovarialkarzinom (Stadium IIIC oder IV) gibt es kaum einen Unterschied in der Überlebensdauer, unabhängig davon, ob die Behandlung mit einer Chemotherapie oder einer Operation beginnt. Es gibt wahrscheinlich nur einen geringen oder keinen Unterschied darin, wie lange es dauert, bis das Ovarialkarzinom nach der Behandlung wieder auftritt.

  • Eine Chemotherapie vor der Operation verringert wahrscheinlich das Risiko schwerwiegender Operationskomplikationen. Sie halbiert wahrscheinlich das Risiko, dass während der Operation ein Teil des Darms entfernt werden muss, und verringert wahrscheinlich deutlich das Risiko, dass ein Stoma angelegt werden muss (eine künstliche Darmöffnung, über die der Darminhalt in einen Beutel abgeleitet wird).

  • Eine Chemotherapie vor der Operation ist bei Frauen mit fortgeschrittenem epithelialem Ovarialkarzinom eine Alternative zur Operation mit anschließender Chemotherapie. Die Entscheidung, welche Behandlung zuerst erfolgen soll, hängt von den Präferenzen der Patientin, ihrem Gesundheitszustand zum Zeitpunkt der Diagnose, den Risiken einer Operation sowie dem Ausmaß und der Ausbreitung der Erkrankung ab.

Was ist das epitheliale Ovarialkarzinom (Eierstockkrebs), und wie wird es behandelt?

Das Ovarialkarzinom ist weltweit die achthäufigste Krebserkrankung bei Frauen. Etwa 90 % der Ovarialkarzinomfälle sind epitheliale Ovarialkarzinome (EOC). Diese gehen von Zellen der Oberfläche des Eierstocks oder der Schleimhaut der Eileiter aus. Bei den meisten Frauen mit EOC wird die Diagnose gestellt, wenn sich der Krebs in einem späten Stadium befindet und sich bereits in der Bauchhöhle ausgebreitet hat (Stadium IIIC/IV). Obwohl sich die Überlebensraten in den letzten 30 Jahren verbessert haben, sind nur vier von zehn Frauen mit Ovarialkarzinom 10 Jahre nach der Diagnose noch am Leben.

Die Behandlung des Ovarialkarzinoms besteht aus einer Kombination von Operation und Chemotherapie. Ziel der Operation ist es, so viel sichtbaren Krebs wie möglich zu entfernen. Eine alleinige Operation reicht jedoch wahrscheinlich nicht zu einer dauerhaften Krankheitsfreiheit, und die meisten Frauen benötigen zusätzlich eine Chemotherapie. Bei der Chemotherapie werden platinbasierte Medikamente eingesetzt, um Zellen zu behandeln, die operativ nicht entfernt werden können oder nicht sichtbar sind.

Üblicherweise wird die Chemotherapie nach der Operation verabreicht. Die Chemotherapie kann jedoch auch bereits vor der Operation begonnen werden. Nach der Operation werden die verbleibenden Chemotherapiezyklen wie üblich fortgesetzt.

Warum ist das wichtig ?

Frauen mit fortgeschrittenem EOC sind zum Zeitpunkt der Diagnose möglicherweise zu geschwächt für eine Operation oder benötigen einen sehr umfangreichen Eingriff, um alle sichtbaren Tumoranteile zu entfernen. Eine Chemotherapie vor der Operation könnte den Tumor verkleinern. Dadurch können die Frauen möglicherweise in einem besseren Zustand operiert werden oder es ist ein weniger umfangreicher Eingriff nötig.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob es besser ist, die Chemotherapie vor der Operation durchzuführen oder zuerst zu operieren und anschließend eine Chemotherapie zu beginnen. Uns interessierte, wie viele Frauen mit EOC:

  • 48 Monate nach der Diagnose noch am Leben waren;

  • 24 Monate nach der Behandlung kein Ovarialkarzinom mehr hatten;

  • nach der Operation verstarben;

  • unerwünschte Wirkungen aufgrund der Operation hatten;

  • ein Stoma benötigten, bei dem der Darm durch die Bauchwand nach außen geleitet wird und der Darminhalt in einem Beutel aufgefangen wird, oder ob ein Teil des Darms entfernt werden musste (Darmresektion); und

  • über eine Verbesserung ihrer Lebensqualität berichteten.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, die bei Frauen mit fortgeschrittenem EOC die Chemotherapie gefolgt von einer Operation mit einer Operation mit anschließender Chemotherapie verglichen. Wir verglichen die Ergebnisse der Studien, fassten sie zusammen und bewerteten, wie groß unser Vertrauen in die Evidenz ist. Dabei berücksichtigten wir Faktoren wie die Größe der Studien und deren Durchführung.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden sieben Studien mit insgesamt 2.650 Frauen mit EOC im Stadium III oder IV. Verglichen wurden eine Chemotherapie vor der Operation mit anschließender weiterer Chemotherapie und eine Operation mit anschließender Chemotherapie. Die Studien wurden weltweit in 20, überwiegend einkommensstarken Ländern durchgeführt.

Die Verabreichung einer Chemotherapie vor der Operation:

  • hat kaum oder gar keinen Einfluss auf die Anzahl der Frauen, die nach 48 Monaten noch am Leben sind (5 Studien, 2.380 Frauen);

  • hat wahrscheinlich kaum oder gar keinen Einfluss auf die Anzahl der Frauen, die nach 24 Monaten krankheitsfrei blieben (5 Studien, 2.380 Frauen);

  • verringert die Zahl der Todesfälle infolge der Operation (5 Studien, 2.201 Frauen);

  • verringert wahrscheinlich das Risiko schwerer unerwünschter Wirkungen der Operation (3 Studien, 1.094 Frauen);

  • führt wahrscheinlich zu einer starken Verringerung des Risikos, ein Stoma (3 Studien, 1.291 Frauen) oder eine Darmresektion (5 Studien, 2.237 Frauen) zu benötigen;

  • verbessert möglicherweise die Lebensqualität 6 Monate nach der Behandlung geringfügig, die Ergebnisse sind jedoch sehr unsicher (3 Studien, 559 Frauen).

Was schränkt die Evidenz ein?

Wir sind sicher, dass eine Chemotherapie vor der Operation keinen Einfluss auf das Gesamtüberleben hat und die Zahl der operationsbedingten Todesfälle senkt. Bei der übrigen Evidenz sind wir aus mehreren Gründen weniger sicher. Es war offensichtlich, welche Behandlung die Frauen erhielten, was die Ergebnisse beeinflusst haben könnte. Obwohl in die Studien zunächst nur Frauen mit fortgeschrittenem EOC (Stadium IIIC/IV) aufgenommen wurden und viele eine ausgedehnte Tumorausbreitung aufwiesen, wurden in späteren Studien nur Frauen aufgenommen, bei denen die Operateure davon ausgingen, dass sie den gesamten sichtbaren Tumor operativ entfernen könnten. Wir konnten nur die Ergebnisse von fünf der sieben Studien analysieren. Wir werden Ergebnisse aus weiteren Studien hinzufügen, sobald diese verfügbar sind.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand vom 9. Oktober 2025.

Elderfield C, Shawky M, Beazley R, Choudhary C, Coleridge SL, Bryant A, Morrison J

Verhindert oder verringert die Händereinigung mit Asche im Vergleich zu Seife oder anderen Materialien die Verbreitung von viralen und bakteriellen Infektionen?

3 weeks 4 days ago
Hintergrund

Einige Infektionskrankheiten werden durch Tröpfchen übertragen, die durch Husten oder Niesen in die Luft gelangen und Menschen infizieren können, die kontaminierte Haut oder Oberflächen berühren. Händewaschen mit Wasser und Seife kann die Ausbreitung dieser Krankheiten verhindern. Menschen, die keine Seife zur Verfügung haben, können andere Stoffe wie Asche, Schlamm, Erde mit oder ohne Wasser oder nur Wasser verwenden, um ihre Hände zu reinigen. Die Händereinigung mit Asche (die festen Rückstände von Feuerstellen und Feuern) wirkt möglicherweise durch das Abreiben oder Inaktivieren der Viren oder Bakterien. In der Asche enthaltene Chemikalien könnten die Haut jedoch auch schädigen.

Falls Asche ein wirksames Mittel zur Händereinigung ist, könnte sie die Ausbreitung des Coronavirus (von COVID-19) und anderer Infektionskrankheiten in einkommensschwachen Gebieten, in denen Seife nicht weithin verfügbar ist, verringern.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten wissen, ob Menschen, die für die Händereinigung Asche verwenden, häufiger oder weniger häufig an Infektionskrankheiten erkranken als Menschen, die Seife, Wasser, Schlamm oder Erde verwenden, oder die ihre Hände gar nicht reinigen. Wir wollten außerdem wissen, ob es durch die Verwendung von Asche zu unerwünschten Wirkungen wie beispielsweise wunden Händen oder Ausschlägen kommt.

Unsere Methoden

Wir haben nach Studien gesucht, in denen die Händereinigung mit Asche mit der Händereinigung mit Seife, Schlamm, Erde, Wasser oder keiner Händereinigung verglichen wurde. Zur Beantwortung unserer Fragestellung konnten die Studien sowohl Erwachsene als auch Kinder einschließen und an einem beliebigen Ort durchgeführt worden sein.

Aufgrund der schnellen Ausbreitung von COVID-19 mussten wir die Frage zügig beantworten und haben darum einige Schritte des normalen Cochrane-Review-Verfahrens verkürzt. Zu fünf relevanten Studien konnten wir keinen Volltext finden und konnten die Studienautoren nicht kontaktieren, um nach weiteren Daten zu fragen. Obwohl wir mehrere Datenbanken durchsucht haben, können wir nicht ausschließen, dass wir möglicherweise einige Studien nicht gefunden haben. Für eine zukünftige Version dieses Reviews ist geplant, alle relevanten Informationen einzuschließen.

Ergebnisse

Wir fanden 14 Studien, in denen Asche zur Händereinigung untersucht wurde. Nur eine kleine Studie verglich Personen, die einer Händereinigung mit Asche, Seife oder anderen Stoffen zufällig (randomisiert) zugeteilt wurden, direkt miteinander (randomisierte Studien liefern die beste Evidenz). Die Studien schlossen Menschen aller Altersgruppen ein und wurden hauptsächlich in einkommensschwachen, ländlichen Gemeinden durchgeführt. Sechs Studien lieferten Informationen zur Beantwortung unserer Fragestellung.

In einer Studie wurden Kinder, die mit Durchfall im Krankenhaus behandelt worden waren, mit Kindern verglichen, die nicht im Krankenhaus behandelt worden waren. Die Autoren der Studien begutachteten den Bereich der Häuser, in denen die Kinder lebten, in dem die Händehygiene stattfand, um zu sehen, wie sich die Kinder die Hände reinigten. Sie ermittelten, dass die Anzahl der durchfallbedingten Krankenhausauenthalte bei den Kindern der Familien, die Asche zur Händereinigung verwendeten, ähnlich war wie bei den Kindern der Familien, die Seife verwendeten.

Eine andere Studie untersuchte, ob Frauen mit ungewöhnlichem vaginalem Juckreiz oder Ausfluss häufiger ihre Hände mit Asche reinigten als Frauen, die keine derartigen Symptome hatten. Die Wissenschaftler ermittelten, dass bei Frauen, die Asche und Wasser zur Händereinigung verwendeten, ebenso häufig vaginaler Juckreiz oder Ausfluss auftraten wie bei Frauen, die Seife benutzten.

In vier Studien wurde die Menge der Bakterien an den Händen ohne Händereinigung oder nach der Reinigung mit Asche, Seife, Wasser oder Schlamm gemessen. Wir können nicht sicher sagen, wie sich Asche im Vergleich zu anderen Stoffen für die Händereinigung auf die Bakterien an den Händen auswirkt, weil die angewendeten Methoden zur Durchführung der Studien nicht verlässlich und ihre Ergebnisse nicht eindeutig waren.

Keine der Studien lieferte Informationen über den Schweregrad der Infektionen, die Anzahl der Todesfälle, unerwünschte Wirkungen oder darüber, ob die Menschen durchgängig Asche oder einen anderen Stoff verwendet hatten.

Vertrauenswürdigkeit der Evidenz

Unser Vertrauen in die Ergebnisse ist begrenzt, weil wir insgesamt nur wenige Studien gefunden haben, deren Methoden nicht verlässlich waren, die unterschiedliche Arten von Teilnehmern hatten, und von denen keine verlässlich ermittelte, ob die Teilnehmer Infektionen bekamen.

Schlussfolgerung

Wir sind unsicher, ob die Händereinigung mit Asche im Vergleich zur Händereinigung mit Seife, Wasser, Schlamm, Erde oder keiner Händereinigung die Ausbreitung von viralen oder bakteriellen Infektionen verhindert oder verringert. Wir wissen nicht, ob die Händereinigung mit Asche unerwünschte Wirkungen hat.

Zeitpunkt der Literatursuche

Dieser Review enthält Evidenz, die bis zum 26. März 2020 veröffentlicht worden war.

Paludan-Müller AS, Boesen K, Klerings I, Jørgensen KJ, Munkholm K

Welche Maßnahmen sind am besten geeignet, um Hautreizungen durch längeren Kontakt mit Urin oder Stuhl bei Erwachsenen zu verhindern?

3 weeks 4 days ago
Kernaussagen

- Es gibt nur wenig Evidenz darüber, wie gut verschiedene Maßnahmen helfen, um Hautreizungen bei Erwachsenen zu verhindern, die durch längeren Kontakt mit Urin oder Stuhl entstehen. Einige Hautreinigungsmittel sind möglicherweise wirksamer als Waschen mit Wasser und Seife. Die Kombination von Hautreinigungsmitteln mit Hautpflegeprodukten (Feuchtigkeitscremes, Hautschutzmittel) ist möglicherweise effektiver als die alleinige Verwendung von Hautreinigungsmitteln. Allerdings sind die wissenschaftlichen Belege dafür derzeit noch sehr unsicher.
- Um herauszufinden, wie Hautreizungen am besten verhindert werden können, sind weitere Studien zu gebräuchlichen Maßnahmen, getestet in verschiedenen Pflegesituationen, erforderlich.

Was ist Inkontinenz-bedingte Dermatitis?

Hautreizungen durch Inkontinenz gehören zu den häufigsten Problemen bei Erwachsenen, die unkontrolliert Urin oder Stuhl verlieren. Die Haut ist gerötet, häufig wund und juckt, was in einigen Fällen zu offenen Stellen führen kann. Die wichtigsten Maßnahmen zur Vorbeugung dieses Problems sind die Reinigung der Haut und die Anwendung von Produkten zum Schutz der Haut, wie Feuchtigkeitscremes, Hautschutzcremes oder -salben.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten wissen, welche Hautreinigungsmittel und Hautschutzmittel am besten geeignet sind, um Inkontinenz-bedingte Dermatitis bei Erwachsenen zu verhindern. Wir wollten auch wissen, ob die Hautreinigungsmittel und Hautschutzmittel unerwünschte Wirkungen wie Schmerzen, Hautausschlag oder Juckreiz verursachen.

Wie gingen wir vor?

Wir haben methodisch nach Studien gesucht, die verschiedene Methoden zur Vorbeugung von Inkontinenz-bedingter Dermatitis (Hautreinigung, Hautschutz- und -pflegeprodukte oder beides) in Gesundheitseinrichtungen verglichen. Die in die Studien einbezogenen Personen mussten mindestens 18 Jahre alt sein und durften zu Beginn der Studie keine Inkontinenz-bedingte Dermatitis haben. Wir haben die Ergebnisse zusammengefasst und unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie Studienmethoden und Größe der Studien bewertet.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 15 Studien, an denen 1020 Erwachsene mit Inkontinenz (Urin- oder Stuhlverlust oder beides) teilnahmen, die in einem Pflegeheim lebten oder im Krankenhaus waren. Dreizehn dieser Studien umfassten nur wenige Teilnehmende, während an zwei Studien mehr als 170 Erwachsene beteiligt waren. Sechs Studien befassten sich mit kurzfristigen Ergebnissen (bis zu 7 Tagen), vier mit mittelfristigen (8 Tage bis 1 Monat) und eine mit langfristigen Ergebnissen (1 bis 3 Monate). In den übrigen Studien wurde nicht angegeben, wann die Ergebnisse gemessen wurden.

Es war schwierig, die Ergebnisse zu kombinieren und zu vergleichen, da viele verschiedene Produkte untersucht wurden und die Ergebnisse auf unterschiedliche Weise gemessen wurden.

In drei Studien wurden verschiedene Hautreinigungsmittel verglichen, in fünf Studien wurden verschiedene Hautschutz- und -pflegeprodukte verglichen, und in sieben Studien wurden Kombinationen von Hautreinigungsmitteln und Hautschutz- und -pflegeprodukten untersucht.

Hauptergebnisse

Eine Studie deutet darauf hin, dass die Verwendung eines Hautreinigungsmittels im Vergleich zu Waschen mit Wasser und Seife möglicherweise wirksamer Inkontinenz-bedingten Hautentzündungen vorbeugt. Eine andere Studie stellte allerdings keinen oder nur einen geringen Unterschied zwischen diesen beiden Maßnahmen fest. Ebenso zeigte eine Studie, dass die Kombination eines Hautreinigungsmittels mit einem Hautschutz- oder pflegeprodukt möglicherweise wirksamer ist als die alleinige Reinigung. Eine andere Studie stellte jedoch keinen oder nur einen minimalen Unterschied in der Wirksamkeit zwischen diesen beiden Ansätzen fest. Die Ergebnisse aller Vergleiche sind sehr unsicher, so dass wir nicht wissen, ob eine Maßnahme besser zur Vorbeugung von Inkontinenz-bedingter Dermatitis geeignet ist als eine andere.

Möglicherweise gibt es nur einen geringen oder gar keinen Unterschied in der Anzahl der Personen mit behandlungsbedingten Schmerzen zwischen jenen, die eine Kombination aus Hautreinigung und Hautschutz- bzw. -pflege erhielten, und jenen, die nur eine Hautreinigung erhielten. Ebenso unterscheidet sich möglicherweise die Anzahl der Personen mit behandlungsbedingten Schmerzen nicht oder allenfalls geringfügig zwischen denjenigen, die mit einem Hautreinigungsmittel ohne Abspülen plus Hautcreme behandelt werden und denjenigen, die mit Wasser und Seife gereinigt und anschließend mit einer Lotion behandelt werden.

Hautreinigung in Kombination mit Hautschutz oder -pflege führt möglicherweise bei weniger Menschen zu Juckreiz als eine Reinigung ohne begleitende Schutz- oder Pflegeprodukte.

Was schränkt die Aussagekraft der Evidenz ein?

Die Evidenz ist unsicher, da die meisten Studien nur wenige Personen einschlossen und die Ergebnisse nicht einheitlich berichtet wurden. Darüber hinaus gab es erhebliche Unterschiede bei den verwendeten Produkten und Maßnahmen.

Wie aktuell ist dieser Review?

Die Evidenz ist auf dem Stand vom 29. April 2024.

Graham T, Beeckman D, Kottner J, Fader M, Fiorentino F, Fitzpatrick JM, Gray M, Harris RG, Sooriah S, Wallace SA, Worsley PR, Woodward S

Können internationale reisebezogene Kontrollmaßnahmen die Ausbreitung der COVID-19-Pandemie eindämmen?

3 weeks 5 days ago
Was sind internationale reisebezogene Kontrollmaßnahmen?

Internationale Reisekontrollmaßnahmen sind Steuerungsmethoden des internationalen Reiseverkehrs, um die Verbreitung von COVID-19 einzudämmen. Die Maßnahmen umfassen hierbei:

- die Schließung internationaler Grenzen, um Reisende zu stoppen, die von einem Land in ein anderes Land reisen wollen;

- die Einschränkung von Ein- und Ausreisen aus bestimmten Ländern, insbesondere für Länder mit hohen Infektionsraten;

- Screening oder Tests von Reisenden bei der Ein- und Ausreise, wenn sie Symptome aufweisen oder mit einer infizierten Person Kontakt hatten;

- Quarantäne für neu ankommende Reisende aus einem anderen Land, d.h. die Aufforderung an Reisende, nach Ankunft zu Hause oder an einem bestimmten Ort für eine bestimmte Zeit zu bleiben.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, wie wirksam internationale reisebezogene Kontrollmaßnahmen zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie sind.

Unsere Vorgehensweise

Wir haben nach Studien gesucht, welche die Wirkungen dieser Maßnahmen auf die Verbreitung von COVID-19 untersuchten. Die Studien mussten dabei berichten, wie viele Fälle (Menschen mit einer Infektion) durch die Maßnahmen verhindert oder identifiziert werden konnten und ob die Maßnahmen den Verlauf der Epidemie veränderten. Die Studien konnten Menschen jeden Alters und von überall her einschließen. Sie konnten jegliches Studiendesign aufweisen, etwa Studien mit real gewonnen Daten (Beobachtungsstudien) oder mit hypothetischen Daten von computergenerierten Simulationen (Modellierungsstudien).

Dies ist die erste Aktualisierung unseres Reviews. Diese Aktualisierung enthält nur Studien zu COVID-19, welche bis zum 13. November 2020 veröffentlicht wurden.

Was wir gefunden haben

Wir fanden 62 Studien. Die meisten (49 Studien) Studien wiesen einen Modellierungsansatz auf; nur 13 verwendeten real gewonnene Daten (Beobachtungsstudien). Die Studien wurden weltweit an unterschiedlichen Orten und zu unterschiedlichen Zeiten während der Pandemie durchgeführt. Die Ausbreitung von COVID-19 innerhalb der Länder variierte.

Die meisten Studien verglichen gegenwärtige reisebezogene Kontrollmaßnahmen mit nicht-reisebezogenen Kontrollen. In einigen Modellierungsstudien wurden jedoch auch gegenwärtige Maßnahmen mit möglichen Maßnahmen verglichen, um z. B. zu sehen, was passieren könnte, wenn die Kontrollen mehr oder weniger gelockert oder mit anderen Maßnahmen kombiniert werden würden.

Wichtigste Ergebnisse

Im Folgenden fassen wir die Ergebnisse zu einigen Endpunkten zusammen.

Reisebeschränkungen, die den grenzüberschreitenden Reiseverkehr reduzieren oder stoppen (31 Modellierungsstudien)

Die meisten Studien zeigten, dass Reisebeschränkungen, die den grenzüberschreitenden Reiseverkehr einschränken oder stoppen, vorteilhaft waren, jedoch die Stärke dieses positiven Effekts dabei von niedrig bis hoch reichte. Zusätzlich gab es einige Studien, die keinen Effekt fanden. Studien prognostizierten auch, dass diese Einschränkungen den Ausbruch verzögern würden. Diese Verzögerung variierten jedoch je nach Studie zwischen einem Tag bis zu 85 Tagen.

Screening an Grenzen (13 Modellierungsstudien und 13 Beobachtungsstudien)

Diese Studien untersuchten das Screening an Grenzen, einschließlich des Screenings von Personen mit Symptomen oder von Personen, die möglicherweise mit COVID-19 in Kontakt gekommen waren, oder das Testen von Personen vor oder nach Abschluss ihrer Reise.

Für das Screening auf der Basis von Symptomen oder möglicher Exposition gegenüber COVID-19 ergaben Modellierungsstudien, dass das Screening ein- oder ausgeführte Fälle reduziert und Ausbrüche verzögert. Modellierungsstudien prognostizierten, dass 1% bis 53% der Fälle entdeckt werden könnten. Beobachtungsstudien berichteten eine große Spannweite bezüglich entdeckter Fälle - von 0% bis 100%, wobei die Mehrheit der Studien hierbei weniger als 54% hinsichtlich der entdeckten Fälle angaben.

Für das Screening auf der Basis von Tests berichteten die Studien, dass das Testen von Reisenden die Zahl der ein- oder ausgeführten Fälle und der entdeckten Fälle reduziert. Beobachtungsstudien berichteten, dass der Anteil der entdeckten Fälle zwischen 58% und 90% lag. Diese Unterschiede könnten auf dem Zeitpunkt der Testungen beruhen.

Quarantäne (12 Modellierungsstudien)

Alle Studien deuten darauf hin, dass Quarantäne vorteilhaft ist, wobei die Stärke dieses Effekts jedoch in den verschiedenen Studien von niedrig bis hoch reichte. Modellierungsstudien prognostizierten beispielsweise, dass Quarantäne zu einem Rückgang von 450 bis mehr als 64.000 Fällen in einer Bevölkerungsgruppe führen könnte. Unterschiede in der Wirkung können davon abhängen, wie lange die Menschen in Quarantäne waren und wie gut sie die Regeln befolgt haben.

Quarantäne und Screening an Grenzen (7 Modellierungsstudien und 4 Beobachtungsstudien)

Für Quarantäne und Screening an Grenzen deuteten die meisten Studien auf einen gewissen Nutzen hin, allerdings war das Ausmaß dieses Effekts von Studie zu Studie unterschiedlich. So wurde beispielsweise in Beobachtungsstudien berichtet, dass zwischen 68% und 92% der Fälle erkannt werden können. Unterschiede in der Wirkung können davon abhängen, wie lange die Menschen in Quarantäne waren und wie häufig sie in dieser Zeit der Quarantäne getestet wurden.

Wie vertrauenswürdig sind diese Ergebnisse?

Unser Vertrauen in diese Ergebnisse ist begrenzt. Die meisten Studien basierten auf mathematischen Vorhersagemodellen (Modellierung), so dass uns Evidenz auf Basis real gewonnener Daten fehlt. Darüber hinaus waren wir uns unsicher darüber, ob die Modelle korrekte Annahmen verwendeten, so dass unser Vertrauen in die Evidenz zu Reisebeschränkungen und insbesondere Quarantäne sehr niedrig ist. Einige Studien wurden in einem beschleunigten Verfahren online als „Preprints“ veröffentlicht. Preprints unterziehen sich nicht den üblichen, strengen Qualitätssicherungsmaßnahmen veröffentlichter Studien. Daher sind wir nicht sicher, wie zuverlässig sie sind. Außerdem waren die Studien sehr unterschiedlich untereinander und ihre Ergebnisse variierten je nach Ausgestaltung einzelner reisebezogener Maßnahmen (z. B. die Art des Screening-Ansatzes), wie sie in die Praxis umgesetzt und durchgesetzt wurden, dem Umfang des grenzüberschreitenden Reisens, dem Ausmaß der gruppenbezogenen Übertragung und anderen Arten von nationalen Maßnahmen zur Kontrolle der Pandemie.

Was bedeutet das?

Insgesamt könnten internationale reisebezogene Kontrollmaßnahmen dazu beitragen, die Ausbreitung von COVID-19 über nationale Grenzen hinweg zu begrenzen. Einschränkungen bezüglich des grenzüberschreitenden Reiseverkehrs können hilfreiche Maßnahmen sein. Das Screening an den Grenzen von Reisenden nur mit Symptomen wird wahrscheinlich viele Fälle übersehen; Tests könnten effektiver sein, aber auch hierbei könnten Fälle übersehen werden, wenn diese ausschließlich bei der Ankunft durchgeführt werden. Eine Quarantäne, die mindestens 10 Tage andauert, kann die Ausbreitung von COVID-19 durch Reisende verhindern und könnte noch effektiver sein, wenn sie mit einer anderen Maßnahme wie z.B. Tests kombiniert wird, vor allem, wenn die Menschen die Regeln einhalten.

Zukünftige Forschung sollte eine bessere Berichtsform aufweisen. Mehr Studien sollten sich auf real gewonnene Evidenz konzentrieren und den potenziellen Nutzen und die Risiken von reisebezogenen Kontrollmaßnahmen für den Einzelnen und die Gesellschaft als Ganzes untersuchen und bewerten.

Burns J, Movsisyan A, Stratil JM, Biallas RL, Coenen M, Emmert-Fees KMF, Geffert K, Hoffmann S, Horstick O, Laxy M, Klinger C, Kratzer S, Litwin T, Norris S, Pfadenhauer LM, von Philipsborn P, Sell K, Stadelmaier J, Verboom B, Voss S, Wabnitz K, Rehfuess…

Verbessert die Senkung der Körpertemperatur von Spender*innen nach dem Hirntod die Qualität der transplantierten Organe?

1 month ago
Kernaussagen
  • Die Senkung der Körpertemperatur von Organspender*innen auf der Intensivstation vor der Organentnahme führt möglicherweise nicht dazu, dass das transplantierte Organ beim Empfänger bzw. der Empfängerin schneller seine Funktion aufnimmt.

  • Die Senkung der Körpertemperatur führt möglicherweise weder dazu, dass weniger Organe transplantiert werden können, noch zu bestimmten Sicherheitsproblemen bei den Spender*innen, etwa Herzrhythmusstörungen, Kreislaufstillstand oder Blutdruckproblemen.

  • Die Ein-Jahres-Überlebensrate des transplantierten Organs wurde nur in drei der vier Studien angegeben. Keine der Studien berichtete über die Lebensqualität oder Herzerkrankungen der Empfänger*innnen nach zwölf Monaten. Auch wichtige Messgrößen zur Funktion der transplantierten Organe nach zwölf Monaten wurden nicht berichtet – etwa die Herzfunktion nach einer Herztransplantation oder der Insulinbedarf nach einer Bauchspeicheldrüsentransplantation.

Was ist eine Transplantation solider Organe?

Bei einer Organtransplantation wird ein Organ wie eine Niere, ein Herz, eine Leber, eine Lunge oder eine Bauchspeicheldrüse von einem Spender bzw. einer Spenderin auf einen Empfänger bzw. eine Empfängerin übertragen. Für Menschen mit einem Organversagen im Endstadium ist eine Organtransplantation die beste Behandlungsmöglichkeit. Allerdings herrscht nach wie vor ein Mangel an für eine Spende geeigneten Organen. Viele Spenderorgane stammen von Menschen, bei denen im Rahmen einer intensivmedizinischen Behandlung der Hirntod eingetreten ist (d. h., bei denen ein dauerhafter und irreversibler Verlust der Hirnfunktion vorliegt). Es ist bekannt, dass der Eintritt des Hirntods zu erheblichen Organschäden führt. Deshalb sollte die medizinische Betreuung dieser Spender*innen bestmöglich gestaltet werden, damit die Transplantation bei den Empfänger*innen möglichst erfolgreich ist und das transplantierte Organ möglichst gut funktioniert.

Warum wird die Körpertemperatur der Organspender*innen gesenkt, und wie erfolgt dies?

Die Senkung der Körpertemperatur der Spender*innen unter die normale Kerntemperatur (< 35,5 °C) kann die Körperfunktionen verlangsamen und dazu beitragen, die Organe bis zu ihrer Entnahme und Transplantation in einem gesünderen Zustand zu erhalten. Dies kann auf der Intensivstation zwischen dem Hirntod und der Organspende erfolgen. Die Senkung der Körpertemperatur kann erreicht werden, indem man den Spender spontan auf die Zieltemperatur abkühlen lässt oder Ventilatoren, Eispackungen oder spezielle externe Kühlsysteme einsetzt. Andere Möglichkeiten umfassen Verfahren wie eine Blasenspülung, invasive Kühlsysteme oder temperaturgeregelte befeuchtete Atemgase, die während der Beatmung verwendet werden, um die gewünschte Kerntemperatur zu erreichen. Je nach Körpertemperatur wird die therapeutische Hypothermie in vier Schweregrade eingeteilt: leicht (34,0 bis 35,5 °C), mäßig (32,0 bis 33,9 °C), mäßig tief (30,0 bis 31,9 °C) und tief (unter 30 °C).

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten untersuchen, ob die Senkung der Körpertemperatur von Spender*innen zu gesünderen Organen und besseren Behandlungsergebnissen für Empfänger*innen nach einer Organtransplantation führt. Wir waren daran interessiert, herauszufinden:

  • wie schnell die gespendeten Organe ihre Funktion aufnahmen;

  • ob die Transplantation erfolgreich war;

  • ob der Empfänger bzw. die Empfängerin überlebte (und wie lange).

Wie sind wir vorgegangen?

Wir suchten nach Studien, in denen untersucht wurde, ob die Senkung der Körpertemperatur der Spender*innen wirksam war und ob sie unerwünschte Wirkungen verursachte. In die Studien wurden nur Spender*innen eingeschlossen, bei denen entweder sämtliche Hirnfunktionen irreversibel ausgefallen waren oder die Fähigkeit zu Bewusstsein und selbstständiger Atmung irreversibel verloren gegangen war. Die Empfänger*innen mussten eine Niere, ein Herz, eine Leber, eine Lunge oder eine Bauchspeicheldrüse transplantiert bekommen. Die Studien konnten an jedem Ort der Welt durchgeführt worden sein.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden vier Studien mit 2.096 Spendern, in denen die Wirkungen einer Senkung der Körpertemperatur der Spender*innen vor der Transplantation untersucht wurden. Zwei Studien befassten sich mit Nierentransplantationen, zwei weitere mit der Transplantation mehrerer solider Organe (Niere, Leber, Lunge, Herz, Bauchspeicheldrüse). Die Studien wurden in den USA und in Frankreich durchgeführt.

Nierentransplantation

Senkung der Körpertemperatur der Spender*innnen im Vergleich zur Aufrechterhaltung der normalen Körpertemperatur:

  • verringert möglicherweise nicht die Zeit, die benötigt wird, bis die transplantierten Nieren ihre Funktion aufnehmen (4 Studien, 3.015 Empfänger*innen);

  • hat möglicherweise keinen Einfluss auf das Überleben der transplantierten Niere ein Jahr nach der Transplantation (3 Studien, 2.075 Empfänger*innen);

  • hat möglicherweise keinen Einfluss darauf, wie viele Nierenempfänger*innen ein Jahr nach der Transplantation noch am Leben waren (1 Studie, 526 Empfänger*innen).

Andere Organe

Senkung der Körpertemperatur der Spender*innnen im Vergleich zur Aufrechterhaltung der normalen Körpertemperatur:

  • verringert möglicherweise nicht die Zeit, bis transplantierte Lungen ihre Funktion aufnehmen (1 Studie, 99 Empfänger*innnen);

  • verringert möglicherweise nicht die Zeit, bis transplantierte Lebern ihre Funktion aufnehmen (1 Studie, 262 Empfänger*innen);

  • verringert wahrscheinlich nicht die Anzahl der für eine Transplantation verfügbaren Organe (4 Studien, 4.265 Empfänger*innen).

Eine Senkung der Körpertemperatur der Spender*innnen im Vergleich zur Aufrechterhaltung der normalen Körpertemperatur führt möglicherweise zu keinen Problemen bei den Spender*innnen (wie Herzprobleme) (3 Studien, 2.015 Spender*innen).

Was schränkt die Evidenz ein?

Die geringe Anzahl der untersuchten Studien und der transplantierten Spenderorgane stellten die größten Einschränkungen dieser Übersichtsarbeit dar. Die Ein-Jahres-Überlebensrate des transplantierten Organs wurde nur in drei Studien angegeben. Keine der Studien berichtete über die Lebensqualität oder Herzerkrankungen der Empfänger*innnen nach zwölf Monaten. Auch wichtige Messgrößen zur Funktion der transplantierten Organe nach zwölf Monaten wurden nicht berichtet – etwa die Herzfunktion nach einer Herztransplantation oder der Insulinbedarf nach einer Bauchspeicheldrüsentransplantation. Die meisten Studien konzentrierten sich auf Nierenspender*innen und -empfänger*innnen, während für andere solide Organe nur sehr wenige Informationen vorlagen.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Übersichtsarbeit ist auf den Stand von September 2025.

Amarnath DR, Tingle SJ, Hoather TJ, Thompson ER, Wilson CH, supported by Cochrane Kidney and Transplant

Ist die Blutentnahme mit einer Nadel aus einer Vene (Venenpunktion) bei termingeborenen Neugeborenen besser als der Einstich in die Ferse (Fersenpunktion)?

1 month ago
Kernaussagen
  • Eine Venenpunktion (das Einführen einer Nadel in eine Vene) ist für Neugeborene bei der Blutentnahme möglicherweise weniger schmerzhaft als eine Fersenpunktion (das Durchstechen der Haut an der Ferse mit einer speziellen Stechhilfe), unabhängig davon, ob zur Schmerzlinderung eine süß schmeckende Lösung verabreicht wird oder nicht. Zudem kann sie, wenn keine süß schmeckende Lösung zur Schmerzlinderung eingesetzt wird, die Notwendigkeit mehrerer Hautpunktionen verringern.

  • Wir wissen nicht, ob die Venenpunktion im Vergleich zur Fersenpunktion die Notwendigkeit von mehr als einer Hautpunktion verringert, wenn zur Schmerzlinderung eine süß schmeckende Lösung verabreicht wird.

  • Es werden größere, methodisch besser geplante Studien mit vollständiger Ergebnisberichterstattung benötigt, um zu zeigen, welche Methode für Neugeborene besser ist.

Warum entnehmen wir Neugeborenen Blutproben?

In den meisten Ländern wird eine Blutprobe von Neugeborenen für routinemäßige Vorsorgeuntersuchungen entnommen. Blutproben können auch für andere Blutuntersuchungen erforderlich sein, um Erkrankungen wie Gelbsucht oder Unterzuckerung (Hypoglykämie) zu diagnostizieren und zu überwachen. Die Blutentnahme bei Neugeborenen ist jedoch schmerzhaft. Unbehandelte Schmerzen bei Neugeborenen können ihr körperliches Wachstum und ihre Gehirnentwicklung beeinträchtigen. Zur Schmerzlinderung kann Neugeborenen vor dem Eingriff eine süß schmeckende Lösung (z. B. eine Saccharoselösung) verabreicht werden. Schmerzen bei Neugeborenen lassen sich nur schwer messen. Zur Beurteilung werden daher Anzeichen wie der Gesichtsausdruck, Weinen und Veränderungen der Herzfrequenz herangezogen.

Wie werden Blutproben entnommen?Venenpunktion

Die Venenpunktion ist eine Methode zur Blutentnahme, bei der eine Nadel direkt in eine Vene gestochen wird. Wer eine Venenpunktion durchführt, muss dafür gut geschult sein, damit die Blutentnahme erfolgreich verläuft. Diese Technik wird häufig angewendet, wenn 1 ml oder mehr Blut benötigt wird, sowie um wiederholte Einstiche in die Haut und damit verbundene Komplikationen (wie z. B. Hautinfektionen) durch die Fersenpunktion zu vermeiden.

Fersenpunktion

Die Fersenpunktion ist weltweit die Standardmethode zur Blutentnahme bei Neugeborenen in Krankenhäusern. Sie wird üblicherweise angewendet, wenn weniger als 1 ml Blut benötigt wird. Die erfolgreiche Anwendung erfordert keine spezielle Schulung oder Erfahrung. Bei dem Verfahren wird mit einer Lanzette – in der Regel einer automatischen Stechhilfe – ein kleiner Einstich (1 bis 2 mm tief) an der Ferse vorgenommen. Nach der Punktion wird die Ferse des Neugeborenen zusammengedrückt, um die benötigte Blutprobe zu entnehmen, was weitere Schmerzen verursachen kann.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden:

  • ob eine Venenpunktion bei Neugeborenen weniger schmerzhaft ist als eine Fersenpunktion; und

  • welches Verfahren beim ersten Versuch am besten funktioniert, sodass keine zweite Hautpunktion erforderlich ist.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen die Venenpunktion und die Fersenpunktion zur Blutentnahme bei Neugeborenen verglichen wurden. Die Studien mussten die Schmerzreaktionen sowie die Anzahl der Hautpunktionen erfassen, die für eine erfolgreiche Probenentnahme erforderliche waren. Außerdem mussten sie dokumentiert haben, ob den Neugeborenen zur Schmerzlinderung eine süß schmeckende Lösung verabreicht wurde. Die Säuglinge in den Studien mussten gesund und termingerecht geboren sein. Wir verglichen und fassten die Ergebnisse der Studien zusammen und bewerteten die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz anhand von Faktoren wie der Methodik und Größe der Studien.

Was fanden wir heraus?

Wir haben acht Studien mit insgesamt 826 termingeborenen Neugeborenen einbezogen. Drei Studien fanden in Schweden statt, je eine in Japan, Malaysia, Nepal, Spanien und Großbritannien.

Wenn keine süß schmeckende Lösung verabreicht wird:

  • verursacht die Venenpunktion wahrscheinlich weniger Schmerzen als die Fersenpunktion (6 Studien, 488 Neugeborene); und

  • verringert die Venenpunktion im Vergleich zur Fersenpunktion wahrscheinlich die Notwendigkeit von mehr als einer Hautpunktion (6 Studien, 397 Neugeborene).

Wenn eine süß schmeckende Lösung verabreicht wird:

  • verursacht die Venenpunktion im Vergleich zur Fersenpunktion möglicherweise weniger Schmerzen (3 Studien, 170 Neugeborene); und

  • sind wir unsicher, welche Auswirkungen eine Venenpunktion im Vergleich zur Fersenpunktion auf die Notwendigkeit von mehr als einer Hautpunktion hat (2 Studien, 110 Neugeborene).

Was schränkt die Aussagekraft der Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Evidenz war begrenzt und reichte von moderat bis sehr gering. Das liegt daran, dass alle Studien Einschränkungen hinsichtlich ihrer Durchführung aufwiesen. Dazu gehörten Probleme bei der Zuordnung der Neugeborenen zu den jeweiligen Gruppen, bei der Berichterstattung über die Studienergebnisse sowie bei der Anzahl der in die Studien eingeschlossenen Neugeborenen. Zudem wussten die Personen, die die Eingriffe durchführten, welche Entnahmemethode bei jedem Neugeborenen angewendet wurde, was die Bewertung der Schmerzen in den Studien beeinflusst haben könnte.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Diese Übersichtsarbeit aktualisiert unsere Cochrane-Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2011. Die Evidenz ist auf den Stand von Juli 2025.

Martins G, Fiander M, Taddio A, Shah VS

Welche Vorteile und Risiken haben Jochbeinimplantate für Menschen mit zahnlosem Oberkiefer und starkem Knochenverlust?

1 month ago
Kernaussagen
  • Im Vergleich zu herkömmlichen Zahnimplantaten, die erst nach einem Knochenaufbau eingesetzt werden, gehen Jochbeinimplantate wahrscheinlich seltener verloren. Außerdem konnten die Betroffenen deutlich schneller mit funktionsfähigem Zahnersatz versorgt werden. Allerdings traten bei Jochbeinimplantaten mehr Komplikationen auf.

  • Die Löcher für die Implantate können entweder mit einem herkömmlichen rotierenden Bohrer oder mithilfe eines vibrierenden Instruments angelegt werden, das den Knochen sehr gezielt abträgt (piezoelektrische Chirurgie). Hinsichtlich der Haltbarkeit der Implantate und des Zahnersatzes sowie des Komplikationsrisikos gibt es zwischen den beiden Methoden möglicherweise kaum oder gar keinen Unterschied. Mit einem rotierenden Bohrer lässt sich der Eingriff jedoch wahrscheinlich schneller durchführen.

  • Es gibt nur wenige Studien zu dieser Fragestellung. Wir benötigen weitere und größere Studien, um die Vorteile und Risiken verlässlicher beurteilen zu können.

Welche Folgen hat es, wenn Menschen keine oder nur noch wenige natürliche Zähne haben?

Wenn Zähne verloren gehen, bildet sich der umgebende Knochen allmählich zurück, weil er beim Kauen nicht mehr belastet wird. Das Ausmaß des Knochenverlusts variiert von Person zu Person. Der Knochenabbau kann so stark sein, dass Betroffene herausnehmbare Zahnprothesen nicht mehr bequem tragen können. Dies kann das Essen und Sprechen erschweren und das Selbstbewusstsein, das Wohlbefinden und die sozialen Beziehungen beeinträchtigen. Zahnimplantate können helfen, diese Probleme zu lösen.

Was sind Zahnimplantate und wie helfen sie?

Herkömmliche Zahnimplantate sind 0,5 bis 2 cm lange Schrauben, die in den Kieferknochen eingesetzt werden und als künstliche Zahnwurzeln dienen. Daran können Zahnärzt*innen festsitzenden Zahnersatz oder herausnehmbare beziehungsweise teilweise herausnehmbare Prothesen befestigen.

Jochbeinimplantate („zygomatische Implantate“) sind mit etwa 3 bis 5 cm länger. Sie kommen zum Einsatz, wenn sich der Oberkieferknochen so stark zurückgebildet hat, dass herkömmliche Implantate nicht mehr sicher darin verankert werden können. Jochbeinimplantate dienen fast immer als Verankerung für festsitzenden Zahnersatz und nicht für herausnehmbare Prothesen.

Bei Jochbeinimplantaten kann der festsitzende Zahnersatz häufig noch am selben Tag eingesetzt werden. Das ist möglich, weil bei Jochbeinimplantaten kein Knochenaufbau erforderlich ist. Bei einem solchen Eingriff bringt eine Chirurgin bzw. ein Chirurg patienteneigenen Knochen oder Knochenersatzmaterial in den Kiefer ein, damit herkömmliche Implantate darin verankert werden können. Knochenaufbau ist komplex, teuer und zeitaufwendig. Es kann mehrere Operationen erfordern und mehr als ein Jahr dauern, bis Zahnersatz eingesetzt werden kann.

Jochbeinimplantate können entweder mit rotierenden Bohrern oder mithilfe der piezoelektrischen Chirurgie eingesetzt werden. Dabei wird der Knochen durch Ultraschallschwingungen bearbeitet, was das umliegende Gewebe möglicherweise weniger belastet. Jochbeinimplantate können Komplikationen verursachen. Ihre möglichen Vorteile müssen daher sorgfältig gegen die damit verbundenen Risiken abgewogen werden.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob Jochbeinimplantate im Vergleich zu herkömmlichen Implantaten nach einem Knochenaufbau zu Folgendem führen:

  • Versagen des Zahnersatzes – wenn der Zahnersatz bricht oder sich lockert;

  • Implantatversagen – bei dem die Implantatschrauben instabil werden;

  • Komplikationen.

Außerdem wollten wir herausfinden:

  • welcher Implantattyp zu einer höheren Zufriedenheit und einer schnelleren Rehabilitation führte;

  • welches Verfahren zur Vorbereitung der Implantatstelle schneller durchgeführt werden konnte und welches die Patient*innen bevorzugten.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen folgende Behandlungen miteinander verglichen wurden:

  • Jochbeinimplantate im Vergleich zu Standardimplantaten in transplantiertem Kieferknochen bei Patient*innen mit schwerem Knochenverlust im Oberkiefer; oder

  • verschiedene Methoden zur Vorbereitung des Implantatbetts für Jochbeinimplantate.

Wir haben die Studienergebnisse verglichen und zusammengefasst und unsere Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie den Studienmethoden bewertet.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden zwei kleine Studien, in denen die Teilnehmenden drei Jahre lang beobachtet wurden. Beide wurden in Europa durchgeführt. Eine verglich Jochbeinimplantate mit Standardimplantaten in transplantiertem Knochen und umfasste 71 Personen. Die andere verglich die piezoelektrische Chirurgie mit rotierenden Bohrern zur Vorbereitung der Implantatstelle und umfasste 20 Personen.

Hauptergebnisse

Nach drei Jahren führten Jochbeinimplantate im Vergleich zu Standardimplantaten in transplantiertem Kieferknochen:

  • möglicherweise seltener zu einem Versagen des Zahnersatzes: Von 100 behandelten Personen versagte der Zahnersatz bei etwa 12 Personen weniger als nach einem Knochenaufbau mit herkömmlichen Implantaten;

  • wahrscheinlich seltener zu einem Implantatversagen: Von 100 behandelten Personen versagten die Implantate bei etwa 22 Personen weniger als nach einem Knochenaufbau mit herkömmlichen Implantaten;

  • wahrscheinlich zu mehr Komplikationen: Etwa vier Fünftel der Personen mit Jochbeinimplantaten hatten Komplikationen, verglichen mit etwa der Hälfte der Personen mit Standardimplantaten.

Wir wissen nicht, welches Verfahren zu einer höheren Zufriedenheit der Patient*innen führt. Personen mit Jochbeinimplantaten erhielten ihren neuen Zahnersatz jedoch wahrscheinlich deutlich früher: im Durchschnitt nach etwas mehr als einem Tag. Bei herkömmlichen Implantaten dauerte es dagegen im Durchschnitt 444 Tage, bis der Zahnersatz eingesetzt werden konnte.

In der Studie, in der die piezoelektrische Chirurgie mit rotierenden Bohrern zur Vorbereitung der Implantatstellen verglichen wurde, gab es nach drei Jahren möglicherweise kaum oder gar keinen Unterschied zwischen den beiden Verfahren hinsichtlich:

  • Versagen der Zahnersatzteile;

  • Implantatversagen;

  • Komplikationen;

  • Präferenz der Patient*innen.

Allerdings konnte das Einsetzen der Implantate mit rotierenden Bohrern wahrscheinlich um mehr als neun Minuten verkürzt werden.

Was schränkt die Evidenz ein?

Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz reichte für die einzelnen Ergebnisse von sehr gering bis moderat. Wir fanden nur zwei Studien zu diesen Behandlungsansätzen. Beide umfassten nur wenige Teilnehmende. Weitere gut geplante Studien sind erforderlich, um herauszufinden, welche Behandlungsverfahren am besten geeignet sind.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von November 2025.

Visconti RF, Greco K, Cotticelli C, Ambrosi A, Esposito MAB

Ist Bewegung eine wirksame Therapie bei Hüftarthrose?

1 month ago
Kernaussagen
  • Bei Menschen mit Hüftarthrose – einer Erkrankung, bei der sich der Knorpel und andere Strukturen des Hüftgelenks verändern und die mit Schmerzen und Steifheit einhergehen kann – hat Bewegungstherapie im Vergleich zu einer Placebo-Ultraschallbehandlung oder regelmäßigen Kontrollkontakten möglicherweise kaum oder gar keine Wirkung auf die Schmerzen, kann die körperliche Funktion jedoch möglicherweise leicht verbessern. Im Vergleich zu keiner Behandlung, der üblichen Versorgung oder einer kurzen Aufklärung lindert Bewegungstherapie Schmerzen wahrscheinlich geringfügig und verbessert die Gelenkfunktion ebenfalls geringfügig. Diese Verbesserungen sind im Alltag jedoch möglicherweise kaum spürbar. Wird eine andere Behandlung durch Bewegungstherapie ergänzt, hat dies wahrscheinlich kaum oder gar keine zusätzliche Wirkung auf Schmerzen und Gelenkfunktion.

  • Bei Menschen mit Hüftarthrose ist unklar, ob Bewegungstherapie im Vergleich zu einer Scheinbehandlung oder Kontrollbetreuung sowie im Vergleich zu keiner Behandlung, der üblichen Versorgung oder einer kurzen Aufklärung zu mehr unerwünschten Ereignissen führt. Wird eine andere Behandlung durch Bewegungstherapie ergänzt, treten wahrscheinlich geringfügig weniger unerwünschte Ereignisse auf als bei der anderen Behandlung allein.

  • Es sind weitere, gut konzipierte Studien speziell mit Menschen mit Hüftarthrose erforderlich, um verlässlichere Schlussfolgerungen über die Wirkungen von Bewegungstherapie ziehen zu können.

Was ist Hüftarthrose?

Eine Hüftarthrose ist eine Erkrankung, bei der sich der Knorpel und andere Strukturen des Hüftgelenks verändern. Es handelt sich um eine häufige chronische Erkrankung. Menschen mit Hüftarthrose leiden häufig unter Gelenkschmerzen und -steifheit. Betroffene können bei alltäglichen Tätigkeiten eingeschränkt sein, etwa beim Treppensteigen oder beim Aufstehen von einem Stuhl.

Wie könnte Bewegungstherapie helfen?

Bewegungstherapie soll die Muskelkraft und die Beweglichkeit des Gelenks verbessern und das Vertrauen der Betroffenen stärken, bestimmte Aktivitäten bewältigen zu können. Dadurch sollen Schmerzen und Einschränkungen abnehmen und Betroffene ihre Beschwerden besser bewältigen können. Die Trainingsprogramme variieren erheblich und umfassen eine breite Palette unterschiedlicher Übungsarten, Intensitäten und Durchführungsmethoden.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten wissen, ob Bewegungstherapie bei Menschen mit Hüftarthrose Schmerzen lindert und die Gelenkfunktion sowie das Wohlbefinden verbessert. Außerdem wollten wir wissen, ob Teilnehmende, die sich körperlich betätigten, eher von einem Behandlungserfolg berichteten und seltener aus der Studie ausschieden oder unerwünschte Ereignisse auftraten.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen die Wirkungen von Bewegungstherapie bei Erwachsenen mit Hüftarthrose untersucht wurden. Die Trainingsprogramme mussten an Land stattfinden, geplant, strukturiert und wiederholbar sein. Wir verglichen und fassten die Ergebnisse der Studien zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie den Studienmethoden und der Übereinstimmung der Ergebnisse zwischen den Studien.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 18 Studien mit 1.368 Erwachsenen. Die Teilnehmenden waren überwiegend Frauen (63 %) im Alter zwischen 53 und 74 Jahren. Die Studien wurden in Australien, Kanada, Dänemark, Finnland, Deutschland, Irland, Italien, den Niederlanden, Neuseeland, Norwegen, Schweden und den USA durchgeführt. Die Trainingsprogramme dauerten zwischen zwei und 52 Wochen. In den meisten Studien wurden die Ergebnisse unmittelbar nach Abschluss des Trainingsprogramms gemessen; einige Studien berichteten zusätzlich über längerfristige Ergebnisse.

Bewegungstherapie im Vergleich zu einer Placebo-Ultraschallbehandlung oder regelmäßigen Kontrollkontakten (2 Studien, 123 Erwachsene)
  • Bewegungstherapie hat möglicherweise nur geringe bis gar keine Wirkungen auf die Schmerzen.

  • Bewegungstherapie kann möglicherweise die Gelenkfunktion leicht verbessern. Auf einer Skala von 0 bis 100, auf der ein Unterschied von 13 Punkten als signifikante Veränderung gilt, erzielten die Personen, die eine Bewegungstherapie erhielten, ein um 7,4 Punkte besseres Ergebnis als diejenigen, die eine Scheinbehandlung erhielten.

  • Keine der Studien berichtete über das Wohlbefinden oder ob die Teilnehmenden die Behandlung insgesamt als erfolgreich bewerteten.

  • Personen, die eine Bewegungstherapie erhalten, brechen ihre Teilnahme an der Studie möglicherweise nicht häufiger ab.

  • Wir sind uns nicht sicher, ob bei einer Bewegungstherapie mehr unerwünschte Ereignisse auftreten.

Bewegungstherapie im Vergleich zu keiner Behandlung, Standardversorgung oder begrenzter Aufklärung (10 Studien, 494 Erwachsene)
  • Bewegungstherapie führt wahrscheinlich zu einer Verbesserung von Schmerzen und Gelenkfunktion, allerdings nur geringfügig. Auf einer Skala von 0 bis 100 schnitten Personen, die sich bewegen, bei den Schmerzen um 7,2 Punkte besser ab (wobei ein Unterschied von 12 Punkten eine signifikante Veränderung darstellt) und bei der Gelenkfunktion um 8,8 Punkte besser (wobei ein Unterschied von 13 Punkten eine signifikante Veränderung darstellt) im Vergleich zu Personen, die keine Behandlung, die Standardversorgung oder eine Aufklärung erhielten.

  • Bewegungstherapie hat wahrscheinlich wenig bis gar keine Wirkungen auf das Wohlbefinden.

  • Eine Bewegungstherapie führt möglicherweise weder dazu, dass mehr Personen die Behandlung als erfolgreich bewerten, noch dazu, dass mehr Personen ihre Studienteilnahme abbrechen.

  • Wir sind uns nicht sicher, ob bei einer Bewegungstherapie mehr unerwünschte Ereignisse auftreten.

Bewegungstherapie in Kombination mit einer anderen Behandlung im Vergleich zur anderen Behandlung allein (7 Studien, 751 Erwachsene)
  • Wird eine andere Behandlung durch Bewegungstherapie ergänzt, hat dies wahrscheinlich kaum oder gar keine zusätzliche Wirkung auf Schmerzen, Gelenkfunktion oder Wohlbefinden. Auch darauf, ob Personen ihre Studienteilnahme abbrechen, hat die Bewegungstherapie wahrscheinlich kaum oder gar keinen Einfluss.

  • Die Ergänzung einer anderen Behandlung durch Bewegungstherapie hat möglicherweise kaum oder gar keinen Einfluss darauf, ob die Teilnehmenden die Behandlung insgesamt als erfolgreich bewerten.

  • Bei Personen, deren andere Behandlung durch Bewegungstherapie ergänzt wird, treten wahrscheinlich geringfügig weniger unerwünschte Ereignisse auf als bei der anderen Behandlung allein.

Was schränkt die Evidenz ein?

Da an den eingeschlossenen Studien Menschen mit unterschiedlich starken Hüftschmerzen und Funktionseinschränkungen teilnahmen, lassen sich die Ergebnisse wahrscheinlich auf die meisten Erwachsenen mit Hüftarthrose übertragen. Allerdings waren nur sehr wenige jüngere Erwachsene in den Studien vertreten, sodass die Ergebnisse möglicherweise nicht in gleichem Maße auf jüngere Menschen übertragbar sind.

In den meisten Studien wussten die Teilnehmenden, ob sie ein Trainingsprogramm absolvierten, und die Angaben zu Schmerzen und körperlicher Funktionsfähigkeit stammten aus Selbstauskünften. Das könnte den Eindruck erwecken, dass die Bewegungstherapie stärker wirkt, als es tatsächlich der Fall ist.

Unser Vertrauen in einige Ergebnisse ist moderat, in andere gering. Dies liegt daran, dass viele Studien klein angelegt waren und die Ergebnisse zwischen den Studien variierten. Weitere Forschungsarbeiten könnten die Ergebnisse verändern.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Dieser Review aktualisiert unseren vorherigen aus dem Jahr 2014. Die Evidenz ist auf den Stand von Februar 2025.

Hall M, Lawford BJ, Hinman RS, Dobson F, Spiers L, Kimp A, French HP, Reichenbach S, Hernandez-Molina G, Bennell KL

Können nicht-medikamentöse Maßnahmen SARS-CoV-2-Infektionen in Alten- und Pflegeheimen verhindern oder vermindern?

1 month 1 week ago
Kernaussagen

• Nicht-medikamentöse Maßnahmen (z.B. Besuchsbeschränkungen oder regelmäßige Tests) könnten SARS-CoV-2-Infektionen(die COVID-19 verursachen) bei bei Bewohnern und Personal von Einrichtungen von Alten- und Pflegeheimen verhindern. Wir haben aber Bedenken hinsichtlich der Verlässlichkeit der Ergebnisse.

• Es werden mehr qualitativ hochwertige Studien hinsichtlich der Erfahrungen aus der Praxis benötigt.

• Außerdem sind weitere Untersuchungen über Maßnahmen in Einrichtungen erforderlich, in denen die meisten Bewohnern und Mitarbeiter bereits geimpft wurden sowie weitere Studien aus anderen Regionen als Nordamerika und Europa.

Was sind nicht-medikamentöse Maßnahmen?

Nicht-medikamentöse Maßnahmen sind Maßnahmen zur Vorbeugung oder Minimierung von Krankheiten ohne den Einsatz von Medikamenten, wie z. B. Impfstoffen. Dazu gehören die Regulation der Bewegungen und des Kontakts zwischen Personen, die Verwendung persönlicher Schutzausrüstung oder regelmäßige Testungen auf Infektionen.

SARS-CoV-2 ist hoch ansteckend. Ältere Menschen oder Menschen mit Behinderungen, die in Pflegeeinrichtungen (z.B. Senioren- oder Pflegeheime) leben, sind für eine Infektion besonders anfällig. Das kommt daher, dass sie in engem Kontakt mit anderen Bewohnern leben und engen Kontakt mit Pflegepersonal und Besuchern haben. Aufgrund ihres Alters und ihres Gesundheitszustands haben die Heimbewohnern oft ein erhöhtes Risiko, schwer an COVID-19 zu erkranken und an der Krankheit zu sterben.

Was wollten wir herausfinden?

Wir untersuchten, wie wirksam nicht-medikamentöse Maßnahmen darin sind, SARS-CoV-2 Infektionen unter Bewohnern und Personal von Alten- und Pflegeheimen zu verhindern und die Ausbreitung in diesen zu beschränken. Dabei interessierten wir uns für alle Arten von Pflegeeinrichtungen für Erwachsene, z. B. Senioren- und Altenpflegeheime und Pflegeeinrichtungen für Menschen mit Behinderungen.

Wie sind wir vorgegangen?

Wir suchten systematisch nach Studien, welche die Auswirkungen von nicht-medikamentösen Maßnahmen in in Alten- und Pflegeheime untersuchten. Um aufgenommen zu werden, mussten die Studien darüber berichten, wie viele Infektionen, Krankenhausaufenthalte oder Todesfälle die Maßnahmen bei Bewohnern oder Personal verhinderten, oder ob die Maßnahmen den Eintrag des Virus in die Einrichtung oder Ausbrüche innerhalb dieser Einrichtung verhinderten. Wir berücksichtigten alle Arten von Studien, einschließlich Beobachtungsstudien, die Daten aus der Praxis verwenden, und Modellierungsstudien, die auf Daten aus computergenerierten Simulationen und Annahmen zum Modell beruhen.

Was haben wir gefunden?

Wir identifizierten 22 Studien: 11 Beobachtungsstudien und 11 Modellierungsstudien. Alle Studien wurden in Nordamerika oder Europa durchgeführt.

In dem Review unterscheiden wir vier Haupttypen von Maßnahmen.

1. Maßnahmen, welche den Zugang zu den Einrichtungen regulieren und damit das Ziel verfolgen, den Eintrag des Virus durch Bewohner, Personal oder Besuchern zu verhindern. Zu diesen Maßnahmen gehörten eine freiwillige Selbstisolation des Personals mit den Bewohnern, Quarantäne oder Testung von Neuaufnahmen, Beschränkungen bei der Aufnahme neuer Bewohner und Zugangsbeschränkungen für Besucher.

2. Maßnahmen, welche Kontakte regulieren und das Risiko für Übertragungen reduzieren, um Ansteckungen und die Ausbreitung des Virus in den Einrichtungen vorzubeugen. Zu diesen Maßnahmen gehörten das Tragen von Masken oder anderer Schutzausrüstung, Abstandsregelungen, zusätzliche Reinigungs- und Hygienemaßnahmen, Regelungen, um Kontakte zwischen Bewohnern und zwischen Personal zu reduzieren sowie den Zusammenschluss von Bewohnern und Personal in feste Pflegegruppen und die Begrenzung des Kontakts zwischen diesen Gruppen.

3. Maßnahmen zur Erkennung von Infektionen und zur frühzeitigen Erkennung von Ausbrüchen. Zu diesen Maßnahmen gehörten die regelmäßige Testung von Bewohnern oder Personal, unabhängig von den Symptomen, sowie die Testung im Fall von COVID-19-typischen Krankheitssymptomen.

4. Maßnahmen zur Ausbruchsbekämpfung und -kontrolle, mit dem Ziel, die Konsequenzen eines Ausbruchs zu minimieren. Zu diesen Maßnahmen gehören die Isolierung infizierter Bewohner und die räumliche Trennung von infizierten und nicht-infizierten Bewohnern bzw. dem sie betreuenden Personal.

In einigen Studien wurde eine Kombination dieser Maßnahmen angewandt.

Hauptergebnisse

Maßnahmen, welche den Zugang zu den Einrichtungen regulieren (4 Beobachtungsstudien; 4 Modellierungsstudien)

Die meisten Studien zeigten, dass diese Maßnahmen von Nutzen waren, aber einzelne Studien beschrieben auch keine oder unerwünschte Wirkungen, wie z. B. Depressionen und Delirium bei Bewohnern durch Besuchsverbote.

Maßnahmen die Kontakte regulieren und das Übertragungsrisiko senken (6 Beobachtungsstudien; 2 Modellierungsstudien)

Einige Maßnahmen können von Vorteil sein, aber oft ist die Studienlage (Evidenz) sehr unsicher.

Maßnahmen zur Identifikation von Infektionen und Ausbrüchen (2 Beobachtungsstudien; 6 Modellierungsstudien)

Routinemäßige Testungen von Bewohnern und Personal könnten die Zahl von Infektionen, Krankenhausaufenthalten und Todesfällen unter den Bewohnern verringern. Die Evidenz für die Wirkungen hinsichtlich der Todesfälle beim Personal ist jedoch weniger eindeutig. Häufigere Testung, schnellere Verfügbarkeit der Testergebnisse und die Verwendung genauerer Tests haben Modellierungsstudien zufolge einen positiveren Effekt.

Maßnahmen zur Ausbruchsbekämpfung und -kontrolle (4 Beobachtungsstudien; 3 Modellierungsstudien)

Diese Maßnahmen könnten die Zahl von Infektionen und das Risiko von Krankheitsausbrüchen in Einrichtungen verringern, aber die Studienlage ist sehr unsicher.

Kombinierte Maßnahmen (2 Beobachtungsstudien; 1 Modellierungsstudien)

Eine Kombination verschiedener Maßnahmen könnte die Zahl der Infektionen und Todesfälle wirksam verringern.

Was sind die Limitationen der Ergebnisse?

Unser Vertrauen in diese Ergebnisse ist begrenzt. In vielen Studien wurden mathematische Vorhersagen und keine realen Daten verwendet. Wir können nicht absolut sicher sein, dass diese Modellannahmen korrekt sind. In den meisten Beobachtungsstudien wurden nicht die zuverlässigsten Methoden verwendet. Das bedeutet, dass wir nicht sicher sein können, dass die Maßnahme den Effekt verursacht hat, z. B. dass es das Testen von Bewohnern war, was die Zahl von Todesfällen verringert hat.

Wie aktuell ist diese Evidenz?

Dieser Review umfasst Studien, die bis zum 22. Januar 2021 veröffentlicht wurden.

Stratil JM, Biallas RL, Burns J, Arnold L, Geffert K, Kunzler AM, Monsef I, Stadelmaier J, Wabnitz K, Litwin T, Kreutz C, Boger AH, Lindner S, Verboom B, Voss S, Movsisyan A

Welche Behandlungen helfen bei Schmerzen an den Sehnenansätzen (Apophysitis) an der Hüfte, den Beinen oder Füßen bei Kindern und Jugendlichen?

1 month 1 week ago
Kernaussagen
  • Bei den meisten Kindern mit Schmerzen an den Sehnenansätzen (Apophysitis) bessern sich die Beschwerden im Laufe der Zeit. Es ist ungewiss, ob eine Behandlung der Apophysitis die Schmerzen kurzfristig lindert, sowie die körperliche Funktionsfähigkeit und die Teilnahme am Sport beeinflusst.

  • Es ist unklar, ob eine bestimmte Behandlung besser oder schlechter ist als eine andere. Die Studien waren größtenteils klein und wiesen Mängel im Studiendesign auf. Die Studien erfassten unerwünschte Wirkungen nicht durchgängig. Keine Studie untersuchte, ob Kinder die Teilnahme aufgrund unerwünschter Wirkungen abbrachen.

  • Die Evidenz ist begrenzt. In den meisten Studien nahmen mehr Jungen als Mädchen teil. Zudem wurden Kinder eingeschlossen, die überdurchschnittlich körperlich aktiv waren. Die Kinder wussten oft, welcher Behandlungsgruppe sie zugeteilt waren, was die Ergebnisse beeinflusst haben könnte.

Was ist eine Apophysitis?

Während des Wachstums entwickeln Kinder und Jugendliche manchmal belastungsabhängige Schmerzen an Sehnenansätzen der Hüfte, den Beinen oder Füßen. Diese Schmerzen werden in der Regel durch eine Reizung der Sehnenansätze infolge wiederholter und länger andauernder Belastung verursacht, und nicht durch ein einzelnes Ereignis. Die Schmerzen sind meist von kurzer Dauer und haben nur begrenzte Auswirkungen auf das Leben des Kindes. Manchmal können die Schmerzen jedoch dazu führen, dass Kinder hinken, weniger Sport treiben oder körperlich weniger aktiv sind. Je nachdem, an welcher Stelle von Hüfte, Knie oder Fuß die Beschwerden auftreten, werden sie unterschiedlich bezeichnet. Zusammenfassend spricht man von „Apophysitis“ oder „apophysären Beschwerden der unteren Extremitäten“.

Wie wird eine Apophysitis behandelt?

An der Behandlung einer Apophysitis können unterschiedliche Gesundheitsfachkräfte beteiligt sein, darunter Hausärzt*innen, Physiotherapeut*innen und Podolog*innen. Zum Einsatz kommen verschiedene Behandlungen, darunter Bewegungs- und Dehnübungen, Medikamente, Bandagen oder Schienen sowie Hilfsmittel für die Schuhe, etwa spezielles Schuhwerk oder Fersenerhöhungen. Unabhängig von der Behandlung bessert sich eine Apophysitis in der Regel von selbst. In einigen Fällen jedoch können die Schmerzen lange bestehen bleiben.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, welche Behandlungen Schmerzen wirksam lindern, und verstehen, wie sicher diese Behandlungen sind. Wir wollten wissen, welche Behandlungen die körperliche Funktionsfähigkeit der Kinder verbessern und ihre Teilnahme am Sport ermöglichen. Außerdem wollten wir wissen, ob eine Behandlung besser wirkt als eine andere.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen verschiedene Behandlungsmethoden für Apophysitis an Hüfte, Knie und Fuß untersucht wurden. Wir haben nicht nach Behandlungen gesucht, die eine Operation umfassten.

Wir haben die Ergebnisse von Studien zusammengefasst, in denen dieselben Behandlungen untersucht wurden und ähnliche Methoden zur Messung der Wirksamkeit verwendet wurden. Und wir haben die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz bewertet.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 10 Studien mit 654 Kindern, deren Durchschnittsalter zwischen 10,3 und 13,3 Jahren lag. Sieben Studien befassten sich mit Schmerzen der Ferse (Kalkaneusapophysitis), drei mit Schmerzen an der Vorderseite des Knies (Traktionsapophysitis des Tibiatuberkel).

Hauptergebnisse
  • Eine Studie (23 Kinder) verglich ein Medikament (Dexamethason) mit einem Placebo (Scheinbehandlung). Es ist sehr unsicher, ob Dexamethason die Schmerzen lindert, die körperliche Funktionsfähigkeit verbessert oder den Kindern hilft, kurzfristig wieder Sport zu treiben. Zwei Studien (74 Kinder) berichteten über unerwünschte Wirkungen von Medikamenten, doch auch hier war die Evidenz sehr ungewiss.

  • Eine Studie (21 Kinder) verglich Dexamethason mit der Standardversorgung. Es ist sehr unsicher, ob Dexamethason die Schmerzen lindert, die körperliche Funktionsfähigkeit verbessert oder den Kindern hilft, kurzfristig wieder Sport zu treiben. Eine Studie (30 Kinder) berichtete über unerwünschte Wirkungen, doch die Evidenz war ebenfalls sehr ungewiss.

  • Eine Studie (22 Kinder) verglich Kinesio-Tape mit einem Placebo. Es ist sehr unsicher, ob Kinesio-Tape kurzfristig Schmerzen lindert oder die körperliche Funktionsfähigkeit verbessert. Die Studie berichtete nicht über die Teilnahme am Sport oder über unerwünschte Wirkungen.

  • Eine Studie (124 Kinder) verglich Fußorthesen mit Fersenerhöhungen. Sie zeigte, dass es kurzfristig wahrscheinlich kaum oder gar keinen Unterschied zwischen den beiden Behandlungen hinsichtlich der Schmerzen oder der körperlichen Funktionsfähigkeit gibt. Die Studie berichtete nicht über die Teilnahme am Sport. Eine Studie (101 Kinder) berichtete, dass keine unerwünschten Wirkungen auftraten.

  • Eine Studie mit 43 Kindern verglich eine Fersenpolsterung mit einem Fersenband. Es ist sehr unsicher, ob Fersenpolster kurzfristig die körperliche Funktionsfähigkeit verbessern oder unerwünschte Wirkungen verursachen. Die Studie berichtete nicht über die Teilnahme am Sport.

  • In keiner der Studien wurde berichtet, ob Kinder aufgrund von unerwünschten Wirkungen aus den Studien ausgeschieden sind.

Was schränkt die Aussagekraft der Evidenz ein?
  • In den meisten Studien wussten die Kinder und ihre Betreuer*innen, welche Behandlung sie erhielten, was möglicherweise Einfluss darauf hatte, wie sie über Verbesserungen berichteten. Dies könnte die Zuverlässigkeit der Ergebnisse beeinträchtigen.

  • Eine Apophysitis bessert sich häufig von selbst, wenn die Kinder weiterwachsen und sich die Apophysenfugen schließen. Daher ist schwer zu beurteilen, ob eine Besserung durch die Behandlung oder durch den natürlichen Heilungsverlauf bedingt ist.

  • An den Studien nahmen deutlich mehr Jungen als Mädchen teil, und die meisten Teilnehmenden waren körperlich sehr aktiv. Es ist unwahrscheinlich, dass sich die Erkrankung bei Jungen und Mädchen unterschiedlich auswirkt. Unklar ist jedoch, ob die Ergebnisse auf weniger körperlich aktive Kinder übertragbar sind.

  • Außerdem umfassten die meisten Studien nur eine geringe Zahl an Teilnehmenden. Daher können wir den Ergebnissen nur begrenzt vertrauen und wissen nicht, ob sie sich auf eine größere Gruppe von Kindern mit Apophysitis übertragen lassen.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand vom 4. Januar 2025.

Williams CM, Krommes K, Paterson KL, Haines T, Caserta A, Thorborg K

Verbessern Medikamente, die das Immunsystem beim Erkennen und Bekämpfen von Krebszellen unterstützen, die Behandlungsergebnisse bei älteren Menschen mit operablem Lungenkrebs?

1 month 1 week ago
Kernaussagen
  • Medikamente, die das körpereigene Immunsystem dabei unterstützen, Krebszellen zu erkennen und anzugreifen, können bei Menschen ab 65 Jahren, die wegen der häufigsten Form von Lungenkrebs operiert werden, den Tumor verkleinern und wahrscheinlich das Wiederauftreten der Erkrankung hinauszögern. Allerdings verlängern diese Medikamente wahrscheinlich nicht die Gesamtlebenszeit der Betroffenen.

  • Es liegt noch nicht genügend Evidenz vor, um beurteilen zu können, ob der Nutzen dieser Medikamente ihre Risiken überwiegt. Zudem wurde in keiner der Studien untersucht, wie sich die Behandlung auf das Wohlbefinden der Betroffenen auswirkt.

Was ist ein nicht-kleinzelliger Lungenkrebs, der operiert werden kann?

Etwa 85 % der Menschen mit Lungenkrebs leiden an sogenanntem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC). Er tritt am häufigsten bei älteren Erwachsenen auf, wobei das Durchschnittsalter bei der Diagnose bei 71 Jahren liegt. Wenn sich der Krebs noch nicht über die Lunge hinaus ausgebreitet hat und die Person fit genug für eine Operation ist, kann der Tumor entfernt werden. Allerdings kann der Krebs nach der Behandlung wieder auftreten, und zwischen 30 % und 55 % der Betroffenen sterben letztendlich an der Krankheit. Um das Risiko eines Rückfalls zu verringern, können verschiedene Behandlungsmethoden kombiniert werden.

Wie wird nicht-kleinzelliger Lungenkrebs, der operiert werden kann, behandelt?

In den letzten Jahren hat sich die Behandlung von Lungenkrebs durch die Entdeckung von Medikamenten, die das körpereigene Immunsystem dabei unterstützen, Krebszellen zu erkennen und anzugreifen (Immuntherapien), grundlegend verändert. Immuntherapien werden in Kombination mit Medikamenten angewendet, die Krebszellen abtöten (Chemotherapien). Eine Immuntherapie vor oder nach der Operation – oder in beiden Behandlungsphasen – kann die Heilungschancen verbessern und dazu beitragen, ein Wiederauftreten der Erkrankung hinauszuzögern.

Was wollten wir herausfinden?

Mit zunehmendem Alter verändert sich das Immunsystem und kann Krebszellen weniger wirksam bekämpfen. Dieser Prozess wird als Immunoseneszenz bezeichnet. Ältere Menschen sind eine sehr vielfältige Gruppe. Deshalb sollte jede Person individuell beurteilt werden, denn das Alter allein reicht nicht aus, um die am besten geeignete Behandlung festzulegen. Wir wollten herausfinden, ob eine Immuntherapie bei Menschen ab 65 Jahren trotz der altersbedingten Veränderungen des Immunsystems wirksam ist, die Heilungschancen verbessert, das Leben verlängert und welche unerwünschten Wirkungen sie verursacht.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach hochwertigen Studien, in denen bei Menschen ab 65 Jahren eine Immuntherapie – allein oder zusammen mit einer Chemotherapie – vor der Operation, nach der Operation oder in beiden Behandlungsphasen untersucht wurde. Wir fassten die Ergebnisse zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz. Dabei berücksichtigten wir unter anderem, wie die Studien durchgeführt wurden und wie viele Personen daran teilnahmen.

Was fanden wir heraus?

Für Menschen ab 65 Jahren fanden wir Ergebnisse aus 11 Studien mit insgesamt 3152 Personen mit nicht-kleinzelligem Lungenkrebs. Die Studien verglichen eine Immuntherapie mit einer Scheinbehandlung oder keiner Behandlung. In einigen Studien erhielten beide Behandlungsgruppen zusätzlich eine Chemotherapie. Die Behandlungen wurden entweder nur vor der Operation, nur danach oder sowohl vor als auch nach der Operation verabreicht.

Die Immuntherapie verringert die Menge an Krebsgewebe, die zum Zeitpunkt der Operation noch vorhanden ist, und verzögert wahrscheinlich ein Wiederauftreten der Erkrankung. Die Immuntherapie hat wahrscheinlich nur einen geringen oder gar keinen Einfluss auf das Gesamtüberleben. Es lag nicht genügend Evidenz vor, um die unerwünschten Wirkungen der Behandlung beurteilen zu können. Zudem wurde in keiner Studie das Wohlbefinden der Teilnehmenden untersucht.

Was schränkt die Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Evidenz zu den meisten Ergebnissen ist moderat, da einige Bedenken hinsichtlich der Durchführung der Studien bestehen. Es werden umfangreichere Daten über längere Zeiträume benötigt, um besser beurteilen zu können, ob und um wie viel die Behandlung die Lebenszeit verlängert. Unser Vertrauen in die Evidenz zu unerwünschten Wirkungen ist sehr gering, da nur eine Studie hierzu Daten lieferte.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand vom 3. Juli 2025.

Plissonneau E, Marchal C, Malouf R, Calais F, Westeel V, Orillard E

Welche Vor- und Nachteile hat es, den Blutdruck nach einer Behandlung zur Wiederherstellung der Durchblutung bei Menschen mit ischämischem Schlaganfall stärker zu senken als üblich?

1 month 1 week ago
Kernaussagen
  • Bei Erwachsenen, deren Blutfluss in einer verschlossenen Hirnarterie wiederhergestellt wurde, erhöht eine sehr intensive Blutdrucksenkung – in den meisten Studien unter 140 mmHg – im Vergleich zu den üblichen Blutdruckzielen von etwa unter 180 mmHg nicht die Wahrscheinlichkeit, drei Monate nach dem Schlaganfall selbstständig leben zu können. „Selbstständig leben“ bedeutet, ohne Hilfe gehen und die meisten alltäglichen Aufgaben bewältigen zu können.

  • Eine intensive Blutdrucksenkung erhöht wahrscheinlich das Risiko zu sterben und sich nach dem Schlaganfall schlecht zu erholen. Eine intensive Blutdrucksenkung erhöht oder verringert die Häufigkeit von Hirnblutungen insgesamt nicht. Bei symptomatischen Hirnblutungen führt sie möglicherweise zu keinem oder nur einem geringen Unterschied.

  • Die meisten Studienteilnehmenden wurden in Krankenhäusern mit spezialisierten Schlaganfallversorgung in Ländern mit oberem mittlerem oder hohem Einkommen behandelt. Wir wissen nicht, ob die Ergebnisse auch in Ländern mit weniger Ressourcen oder für alle Menschen mit ischämischem Schlaganfall gelten.

Was ist ein ischämischer Schlaganfall?

Ein Schlaganfall tritt auf, wenn die Blutversorgung eines Teils des Gehirns plötzlich unterbrochen wird. Bei einem ischämischen Schlaganfall wird diese Unterbrechung durch ein Blutgerinnsel verursacht, das eine Arterie im Gehirn verstopft. Dies kann verschiedene neurologische Beschwerden verursachen, etwa Schwäche, ein vermindertes Gefühl in einzelnen Körperteilen, Koordinationsprobleme und Schwierigkeiten beim Sprechen.

Wie wird ein Schlaganfall behandelt?

Ärzt*innen können die verstopfte Arterie manchmal wieder öffnen, indem sie über eine Vene ein Medikament verabreichen, das das Blutgerinnsel auflöst. Alternativ können sie das Gerinnsel mithilfe eines dünnen, durch die Blutgefäße vorgeschobenen Schlauchs entfernen. Dieses Verfahren wird mechanische Thrombektomie genannt. Beide Verfahren werden als Reperfusionsbehandlungen bezeichnet, weil sie die Durchblutung des Gehirns wiederherstellen.

Nach der Reperfusion haben viele Menschen einen sehr hohen Blutdruck, der das Risiko für eine Hirnblutung erhöhen kann. Wird der Blutdruck jedoch zu stark oder zu schnell gesenkt, kann dies die Blutversorgung von noch gefährdetem Hirngewebe beeinträchtigen und dadurch das Gehirn schädigen.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob eine intensive Blutdrucksenkung nach einer Reperfusionsbehandlung im Vergleich zur üblichen Blutdruckkontrolle:

  • die Genesung und die Fähigkeit zu einem selbstbestimmten Leben verbessert;

  • die gesundheitsbezogene Lebensqualität verbessert;

  • die Überlebensrate verbessert;

  • das Auftreten von Hirnblutungen erhöht oder verringert;

  • die Dauer des Krankenhausaufenthalts verkürzt;

  • die Häufigkeit anderer unerwünschter Wirkungen beeinflusst.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach klinischen Studien, in denen Erwachsene mit ischämischem Schlaganfall nach dem Zufallsprinzip verschiedenen Gruppen zugeteilt wurden. Sie hatten eine Reperfusionsbehandlung mit einem gerinnselauflösenden Medikament, einer mechanischen Thrombektomie oder beidem erhalten. Kurz nach der Reperfusion wurden niedrigere Blutdruckziele von unter 160 mmHg mit den üblichen Zielwerten von unter 180 mmHg verglichen.

Wir haben die Ergebnisse der Studien zusammengefasst und ausgewertet. Wir berücksichtigten außerdem, wie die Studien durchgeführt wurden, wie viele Personen daran teilnahmen und wie ähnlich oder unterschiedlich die Studien waren. So beurteilten wir, wie verlässlich die Ergebnisse sind.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden neun Studien mit insgesamt 4.381 Erwachsenen mit ischämischem Schlaganfall, die eine Reperfusionsbehandlung erhielten. Die meisten Teilnehmenden wurden in Krankenhäusern in Ländern mit hohem Einkommen behandelt, eine geringere Anzahl in Krankenhäusern in Ländern mit mittlerem Einkommen. Keine der Studien fand in Ländern mit niedrigem Einkommen statt. In den meisten Studien sollte der systolische Blutdruck – also der obere Wert bei der Blutdruckmessung – bei der intensiven Strategie unter 140 mmHg und bei der üblichen Strategie unter etwa 180 mmHg gehalten werden.

Hauptergebnisse
  • Eine intensive Blutdrucksenkung hat im Vergleich zur üblichen Blutdruckkontrolle kaum oder keinen Einfluss darauf, ob Menschen etwa drei Monate nach dem Schlaganfall selbstständig leben können.

  • Eine intensive Blutdrucksenkung hat wahrscheinlich kaum oder gar keinen Einfluss auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität.

  • Eine intensive Blutdrucksenkung erhöht oder verringert die Häufigkeit von Hirnblutungen insgesamt nicht. Bei symptomatischen Hirnblutungen, die mit einer Verschlechterung der Beschwerden einhergehen, gibt es möglicherweise kaum oder keinen Unterschied zur üblichen Blutdruckkontrolle.

  • Eine intensive Blutdrucksenkung erhöht wahrscheinlich das Sterberisiko und wahrscheinlich auch das Risiko einer schlechten Genesung nach einem Schlaganfall.

Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass eine Senkung des Blutdrucks auf sehr niedrige Zielwerte nach der Reperfusion wahrscheinlich keinen zusätzlichen Nutzen bringt und manchen Menschen möglicherweise schadet.

Was schränkt die Evidenz ein?

Die Evidenz weist mehrere wichtige Einschränkungen auf. So nahmen an einigen Studien nur relativ wenige Personen teil, wodurch die Ergebnisse weniger verlässlich sind. Zudem wurden die meisten Teilnehmenden in spezialisierten Zentren in Ländern mit mittlerem und hohem Einkommen behandelt; es liegt keine Evidenz aus Ländern mit niedrigem Einkommen vor. Bestimmte Personengruppen waren in den Studien möglicherweise nur unzureichend vertreten, etwa ältere Menschen mit mehreren weiteren Erkrankungen. Außerdem berichteten viele Studien die Ergebnisse nicht getrennt für Frauen und Männer.

Aufgrund dieser Einschränkungen sollten die Ergebnisse mit Vorsicht interpretiert werden. Weitere Forschung ist nötig, um herauszufinden, ob bestimmte Personengruppen von anderen Blutdruckzielen profitieren könnten.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz in dieser Übersichtsarbeit ist auf dem Stand von März 2025.

Varela LB, Escobar Liquitay CM, Díaz Menai S, Rodriguez JP, Quarteroni E, Ivaldi D, Burgos MA, Meza N, Garegnani LI

Welche Hormone wirken am besten zur Stimulation der Eierstöcke bei Frauen, die sich einer In-vitro-Fertilisation (IVF) unterziehen?

1 month 1 week ago
Kernaussagen
  • Bei der Verwendung von rekombinantem follikelstimulierendem Hormon (rFSH) kommt es wahrscheinlich zu etwas weniger Lebendgeburten als bei der Verwendung von gereinigtem humanem Menopausen-Gonadotropin (HMG) oder hochgereinigtem HMG (HP-HMG). Im Vergleich zu rFSH-Biosimilars kommt es wahrscheinlich zu etwas mehr Lebendgeburten. Zwischen rFSH und hochgereinigtem follikelstimulierendem Hormon (FSH-HP) oder Follitropin Delta gibt es wahrscheinlich kaum bis keinen Unterschied in der Zahl der Lebendgeburten. Bei der Verwendung von rFSH kommt es wahrscheinlich zu weniger klinischen Schwangerschaften als bei der Verwendung von HMG oder HP-HMG, aber wahrscheinlich zu mehr klinischen Schwangerschaften als bei der Verwendung von rFSH-Biosimilars. Zwischen rFSH und FSH-HP oder Follitropin Delta gibt es wahrscheinlich kaum bis keinen Unterschied in der Zahl der klinischen Schwangerschaften.

  • Bei der Verwendung von rFSH ist das Risiko eines ovariellen Überstimulationssyndroms (OHSS) wahrscheinlich höher als bei der Verwendung von HMG, HP-HMG oder Follitropin Delta. Im Vergleich zu FSH-HP gibt es wahrscheinlich kaum bis keinen Unterschied. Im Vergleich zu rFSH-Biosimilars gibt es möglicherweise kaum bis keinen Unterschied.

  • Zukünftige Studien sollten auch eingefrorene Embryonen berücksichtigen und die kumulativen Ergebnisse über mehrere Embryotransfers hinweg untersuchen. So ließe sich die Wirksamkeit der Behandlung umfassender beurteilen. Strategien zur Prävention und Behandlung des OHSS sollten Priorität haben.

Was ist In-vitro-Fertilisation?

Die In-vitro-Fertilisation (IVF) ist eine Form der Fertilitätsbehandlung. Durch die Stimulation der Eierstöcke reifen mehrere Eizellen heran. Diese werden entnommen, befruchtet und anschließend als Embryonen in die Gebärmutter eingesetzt. Zur Stimulation der Eierstöcke werden verschiedene Hormone, darunter Gonadotropine, eingesetzt:

  • gereinigtes humanes Menopausen-Gonadotropin (HMG) und hochgereinigtes humanes Menopausen-Gonadotropin (HP-HMG);

  • gereinigtes follikelstimulierendes Hormon (FSH-P) oder hochgereinigtes follikelstimulierendes Hormon (FSH-HP);

  • rekombinantes follikelstimulierendes Hormon (rFSH), das mithilfe gentechnischer Verfahren im Labor hergestellt wurde und eine hohe Reinheit aufweist;

  • Follitropin Delta, das entwickelt wurde, um eine individuellere Wirkung zu erzielen; und

  • „Biosimilars“, die hergestellt werden, um ähnliche Ergebnisse wie rFSH zu potenziell geringeren Kosten zu erzielen.

Das ovarielle Überstimulationssyndrom (OHSS) ist eine mögliche, mitunter schwerwiegende Komplikation der IVF. Dabei schwellen die Eierstöcke an, und Flüssigkeit kann sich im Bauchraum ansammeln.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, welches Gonadotropin zu mehr Lebendgeburten und mehr klinischen, durch Ultraschall bestätigten Schwangerschaften führt und zugleich seltener ein ovarielles Überstimulationssyndrom (OHSS) verursacht.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen verschiedene Gonadotropine bei Frauen verglichen wurden, die sich einer IVF unterzogen. In den Studien konnten frische oder eingefrorene Embryonen verwendet werden.

Was fanden wir heraus?

Wir schlossen 59 Studien mit insgesamt 18.119 Frauen ein, die sich in einer Klinik einer Fertilitätsbehandlung unterzogen.

rFSH im Vergleich zu HMG/HP-HMG (17 Studien, 5.639 Frauen)
  • Die Zahl der Lebendgeburten ist bei rFSH im Vergleich zu HMG/HP-HMG wahrscheinlich geringer. Wenn die Wahrscheinlichkeit einer Lebendgeburt unter HMG/HP-HMG bei 28 % liegt, dann liegt die Wahrscheinlichkeit einer Lebendgeburt unter rFSH zwischen 22 % und 27 %.

  • Das Risiko für ein OHSS ist bei rFSH im Vergleich zu HMG/HP-HMG wahrscheinlich höher. Wenn das Risiko für ein OHSS bei HMG/HP-HMG bei 2,6 % liegt, dann liegt das Risiko für ein OHSS bei rFSH zwischen 2,9 % und 4,7 %.

  • Die Zahl der klinischen Schwangerschaften ist bei rFSH im Vergleich zu HMG/HP-HMG wahrscheinlich geringer.

rFSH im Vergleich zu FSH-HP (23 Studien, 4.612 Frauen)
  • Es gibt wahrscheinlich kaum oder gar keinen Unterschied bei den Lebendgeburten zwischen rFSH und FSH-HP. Wenn die Wahrscheinlichkeit einer Lebendgeburt mit FSH-HP bei 27 % liegt, dann liegt die Wahrscheinlichkeit einer Lebendgeburt mit rFSH zwischen 24 % und 31 %.

  • Es gibt wahrscheinlich kaum bis gar keinen Unterschied beim Auftreten eines OHSS bei der Behandlung mit rFSH im Vergleich zu FSH-HP. Wenn das Risiko eines OHSS bei FSH-HP bei 2,5 % liegt, dann liegt das Risiko eines OHSS bei rFSH zwischen 1,7 % und 3,8 %.

  • Zwischen rFSH und FSH-HP gibt es wahrscheinlich kaum bis keinen Unterschied in der Zahl der klinischen Schwangerschaften.

rFSH im Vergleich zu Follitropin Delta (7 Studien, 3.614 Frauen)
  • Es gibt wahrscheinlich kaum oder gar keinen Unterschied bei den Lebendgeburten zwischen rFSH und Follitropin Delta. Liegt die Wahrscheinlichkeit einer Lebendgeburt mit Follitropin Delta bei 29 %, so liegt die Wahrscheinlichkeit einer Lebendgeburt mit rFSH zwischen 24 % und 30 %.

  • Das Risiko für ein OHSS ist bei rFSH wahrscheinlich höher. Wenn das Risiko für ein OHSS bei Follitropin Delta bei 4,4 % liegt, dann liegt das Risiko bei rFSH zwischen 5,1 % und 9,2 %.

  • Zwischen rFSH und Follitropin Delta gibt es wahrscheinlich kaum bis keinen Unterschied in der Zahl der klinischen Schwangerschaften.

rFSH im Vergleich zu Biosimilars (8 Studien, 2.870 Frauen)
  • Die Lebendgeburtenrate ist bei rFSH im Vergleich zu Biosimilars wahrscheinlich höher. Wenn die Wahrscheinlichkeit einer Lebendgeburt bei Biosimilars bei 23 % liegt, liegt die Wahrscheinlichkeit einer Lebendgeburt bei rFSH zwischen 25 % und 32 %.

  • Beim OHSS gibt es möglicherweise kaum oder gar keinen Unterschied zwischen rFSH und Biosimilars. Liegt die Wahrscheinlichkeit eines OHSS bei Biosimilars bei 9,6 %, so liegt sie bei rFSH zwischen 5,7 % und 10 %.

  • Die klinische Schwangerschaftsrate ist bei rFSH wahrscheinlich höher als bei Biosimilars.

Was schränkt die Evidenz ein?

Die Ergebnisse beruhen überwiegend auf IVF-Zyklen, bei denen ein frischer Embryo übertragen wurde. Bei der Übertragung eingefrorener Embryonen könnten die Ergebnisse anders ausfallen. Viele Studien wurden von Pharmaunternehmen finanziert, die die untersuchten Hormone herstellen. Dies könnte die Ergebnisse beeinflusst haben. Zudem schlossen wir einige Studien mithilfe einer Integritätscheckliste aus. Bei mehreren der verbleibenden Studien hatten wir jedoch weiterhin Bedenken hinsichtlich der Zuverlässigkeit der Daten.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Dies ist eine Aktualisierung einer zuvor im Jahr 2011 veröffentlichten Übersichtsarbeit. Die Evidenz ist auf dem Stand von März 2025.

Berkhout RP, Kostova EB, van Wely M
Checked
17 hours 41 minutes ago
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