Cochrane Kompakt

Welchen Nutzen und Risiken haben verschiedene Antimykotika zur Behandlung von Pilzinfektionen bei Neugeborenen?

10 hours 27 minutes ago
Kernaussagen
  • Neugeborene erkranken manchmal an Infektionen, die dadurch verursacht werden, dass Pilze in den Blutkreislauf oder in tiefliegendes Körpergewebe des Kindes gelangen (invasive Pilzinfektionen). Es ist unklar, ob ein Antimykotikum (ein Medikament, das Pilze abtötet oder ihr Wachstum hemmt) besser ist als ein anderes. Das betrifft das Sterberisiko, die Notwendigkeit, die Behandlung wegen unerwünschter Wirkungen abzubrechen, und die Dauer des Krankenhausaufenthalts. Diese Schlussfolgerung basiert jedoch auf wenigen kleinen Studien.

  • Es sind große, gut konzipierte Studien erforderlich, um den Nutzen und mögliche Risiken von Antimykotika zur Behandlung invasiver Pilzinfektionen bei Neugeborenen zu bewerten.

Was ist eine invasive Pilzinfektion?

Eine invasive Pilzinfektion liegt vor, wenn Pilze in den Blutkreislauf oder in tiefliegendes Körpergewebe des Kindes gelangen. Invasive Pilzinfektionen werden in der Regel durch Candida verursacht, einen Hefepilz. Invasive Pilzinfektionen sind schwerwiegend und eine wichtige Ursache für Tod und schwere Erkrankungen bei Frühgeborenen.

Wie werden invasive Pilzinfektionen behandelt?

Invasive Pilzinfektionen werden üblicherweise mit verschiedenen Medikamenten behandelt, die Pilze abtöten oder deren Wachstum hemmen (Antimykotika), darunter:

  • Poliene (z. B. Amphotericin B);

  • Azole (z. B. Fluconazol);

  • Echinocandine (z. B. Micafungin, Caspofungin); und

  • Antimetaboliten (5-Fluorocytosin).

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob ein bestimmtes Antimykotikum oder eine bestimmte Kombination von Antimykotika bei folgenden Punkten besser abschneidet:

  • das Risiko, dass das Kind (aus welchem Grund auch immer) vor der Entlassung aus dem Krankenhaus stirbt;

  • die neurologische Entwicklung des Kindes bis zum Alter von zwei Jahren;

  • das Risiko, eine höhere Dosis des Antimykotikums verabreichen oder ein weiteres Antimykotikum hinzufügen zu müssen, weil sich die Infektion nicht bessert oder sich verschlimmert;

  • die Dauer des Krankenhausaufenthalts der Neugeborenen;

  • unerwünschte oder schädliche Wirkungen von Antimykotika, die zum Absetzen des Medikaments führen.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen Antimykotika (oder Kombinationen von Antimykotika) bei Neugeborenen untersucht wurden, die entweder zu früh (frühgeboren) oder zum normalen Zeitpunkt (termingerecht) geboren wurden. Wir verglichen die Ergebnisse der Studien, fassten sie zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie Studienmethodik und Stichprobengröße.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden sechs Studien, an denen 229 Neugeborene mit invasiven Pilzinfektionen teilnahmen. Eine Studie umfasste ausschließlich Frühgeborene, die anderen sowohl Frühgeborene als auch termingerecht geborene Neugeborene. Eine Studie verglich Fluconazol mit Amphotericin B, zwei Studien verglichen Micafungin mit Amphotericin B, zwei Studien verglichen Caspofungin mit Amphotericin B und eine Studie verglich Micafungin mit Fluconazol.

Hauptergebnisse

Es ist unklar, ob eine antimykotische Behandlung besser ist als eine andere, um das Risiko zu verringern, dass ein Kind im Krankenhaus stirbt oder die Behandlung aufgrund unerwünschter oder schädlicher Wirkungen abgebrochen werden muss.

Es ist unklar, ob Fluconazol oder Micafungin im Vergleich zu Amphotericin B den Krankenhausaufenthalt von Neugeborenen mit invasiven Pilzinfektionen verkürzen können.

Was schränkt die Evidenz ein?

Wir haben kein Vertrauen in die Evidenz. Dies liegt daran, dass einige Studien Einschränkungen hinsichtlich ihrer Durchführungsweise aufwiesen. Beispielsweise wussten die Forschenden, welche Behandlung die Kinder erhielten, was die Ergebnisse beeinflusst haben könnte. Zudem deckt die Evidenz nicht alle Ergebnisse ab, die uns interessierten. Es gab nicht genügend Studien, um Gewissheit über die Ergebnisse zu erlangen, und die Studien waren sehr klein angelegt.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Diese Übersichtsarbeit aktualisiert unsere vorherige Übersichtsarbeit, die erstmals 2004 veröffentlicht und 2012 aktualisiert wurde. Die Evidenz ist auf den Stand von November 2025.

Prasad R, Sk MH, Saha B, Sahoo J, Kumar A, Fiander M, Cracknell J, McGuire W, supported by the Cochrane Neonatal Review Group

Wie beeinflussen Marketing und Werbung der Pharmaunternehmen das Verschreibungsverhalten von Ärzten?

10 hours 27 minutes ago
Kernaussagen
  • Geschenke und Zahlungen von Pharmaunternehmen an Ärzte führen zu einer Zunahme unangemessener Verschreibungen und der Anzahl der von Ärzten verordneten Arzneimittel; wahrscheinlich erhöhen sie auch die Kosten. Werbung und Fortbildung von Pharmaunternehmen können zu unangemessenen Verschreibungen und höheren Verschreibungskosten führen; diese Aktivitäten erhöhen wahrscheinlich die Anzahl der von Ärzten ausgestellten Verschreibungen.

  • Richtlinien zu Interessenkonflikten, die die Interaktionen zwischen Pharmaunternehmen und Ärzten einschränken oder steuern, verbessern wahrscheinlich die Angemessenheit der Verschreibung und können möglicherweise die Anzahl der Verschreibungen verringern.

  • Es sind weitere Studien erforderlich, die untersuchen, wie kostenlose Arzneimittelproben von Pharmaunternehmen das Verschreibungsverhalten beeinflussen und welche Auswirkungen unangemessene Verschreibungen auf die Gesundheit der Menschen haben.

Was versteht man unter Marketing und Werbung von Pharmaunternehmen?

Pharmaunternehmen interagieren auf vielfältige Weise mit Fachkräften im Gesundheitswesen, um für die von ihnen hergestellten Arzneimittel zu werben. Zu diesen Interaktionen gehören Besuche von Pharmareferenten, gesponserte Fortbildungsangebote, Werbesendungen per Post, Anzeigen in medizinischen Fachzeitschriften und das Sponsoring von Veranstaltungen auf Konferenzen. Pharmaunternehmen gewähren Ärzten zudem Geschenke und Zahlungen. Darunter gehören Einladungen zu Speisen und Getränke, die Übernahme von Reisekosten, kostenlose Arzneimittelproben, Personal für Praxen sowie Honorare für die Mitgliedschaft in einem Unternehmensbeirat.

Welche Bedenken bestehen hinsichtlich dieser Interaktionen?

Diese Interaktionen können Fachkräften im Gesundheitswesen helfen, sich über neue Behandlungsmethoden zu informieren. Allerdings wollen Pharmaunternehmen auch den Absatz ihrer Produkte steigern. Diese Motivation steht möglicherweise nicht immer im Einklang mit dem Ziel, für jeden Patienten das am besten geeignete oder kostengünstigste Arzneimittel zu verschreiben. Es bestehen Bedenken, dass diese Interaktionen die Verschreibungsentscheidungen von Ärzten beeinflussen. Pharmaunternehmen gaben 2016 in den USA fast 30 Milliarden US-Dollar für Marketing und Werbung aus.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob Interaktionen zwischen Ärzten (und anderen Fachkräften im Gesundheitswesen, die Patienten Arzneimittel verschreiben) und Pharmaunternehmen die Verschreibungspraxis beeinflussen. Um diese Frage zu beantworten, haben wir vier Indikatoren untersucht:

  • Angemessenheit: Haben die Interaktionen beeinflusst, ob Ärzte Arzneimittel angemessen verschrieben haben?

  • Anzahl: Hat sich die Anzahl der Verschreibungen verändert?

  • Kosten: Haben sich die Kosten für Verschreibungen verändert?

  • Haben sich die Anträge von Ärzten auf Aufnahme von Arzneimitteln in die Arzneimittelliste des Krankenhauses verändert?

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen untersucht wurde, wie sich Interaktionen von Pharmaunternehmen mit verschreibenden Ärzten im Vergleich zu keinen oder weniger Interaktionen auf die Angemessenheit, die Anzahl und die Kosten der verschriebenen Arzneimittel sowie auf die Anträge auf Aufnahme in die Arzneimittelliste auswirkten.

Wir analysierten die Ergebnisse der Studien, indem wir die Interaktionen in vier Gruppen einteilten:

  • Werbung und Fortbildung;

  • Geschenke und Zahlungen;

  • kostenlose Arzneimittelproben;

  • Richtlinien zu Interessenkonflikten: Vorgaben, die Interaktionen zwischen Ärzten und Pharmaunternehmen einschränken oder steuern.

Wir bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie den Studienmethoden, den Umfang der Evidenz und der Stärke der von uns beobachteten Effekte.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 93 Studien, die sich mit unserer Fragestellung befassten: 82 wurden in den USA durchgeführt, die restlichen 11 im Vereinigten Königreich und in Europa. Wir fanden Evidenz zu allen vier Arten von Interaktionen:

  • Werbung und Fortbildung (hauptsächlich Besuche von Außendienstmitarbeitenden bei ärztlichem Personal): 16 Studien;

  • Geschenke und Zahlungen: 62 Studien;

  • Gratisproben: 7 Studien;

  • Richtlinien zu Interessenkonflikten: 8 Studien.

Hauptergebnisse

Werbung und Fortbildung von Pharmaunternehmen, die sich an Ärzte richten, im Vergleich zu keiner oder geringerer Exposition:

  • können möglicherweise zu einer Zunahme unangemessener Verschreibungen führen (6 Studien, 1.335 Ärzte);

  • erhöhen wahrscheinlich die Anzahl der Verschreibungen (7 Studien, 151.399 Ärzte);

  • können möglicherweise die Kosten für Verschreibungen erhöhen (2 Studien, 986 Ärzte);

  • können Anträge auf Aufnahme in die Arzneimittelliste erhöhen, doch die Evidenz war sehr ungewiss (1 Studie, 105 Ärzte).

Geschenke und Zahlungen der Pharmaindustrie an Ärzte:

  • erhöhen die Zahl unangemessener Verschreibungen (10 Studien, 2,9 Millionen Ärzte);

  • erhöhen die Anzahl der Verschreibungen (39 Studien, 3,8 Millionen Ärzte);

  • erhöhen wahrscheinlich die Verschreibungskosten (25 Studien, 2,5 Millionen Ärzte);

  • können Anträge auf Aufnahme in die Arzneimittelliste erhöhen, doch die Evidenz war sehr ungewiss (1 Studie, 105 Ärzte).

Wir sind uns sehr unsicher, ob kostenlose Arzneimittelproben von Pharmaunternehmen an Ärzte die Angemessenheit, die Anzahl und die Kosten der Verschreibungen oder die Anträge auf Aufnahme in die Arzneimittelliste beeinflussen.

Richtlinien zu Interessenkonflikten, die die Interaktionen zwischen Pharmaunternehmen und Ärzten einschränken oder steuern:

  • verbessern wahrscheinlich die Angemessenheit der Verschreibung (2 Studien, 3.065 Ärzte);

  • können möglicherweise die Verschreibungsmenge verringern (6 Studien, 110.470 Ärzte);

  • haben ungewisse Wirkungen auf die Kosten (2 Studien, 33.975 Ärzte).

Keine der Studien, die diese Richtlinien untersuchten, erfasste Veränderungen bei den Anträgen auf Aufnahme in die Arzneimittelliste.

Was schränkt die Evidenz ein?

Alle Studien wurden in den USA, im Vereinigten Königreich und in Europa durchgeführt. Daher wissen wir nicht, wie sich Marketing und Werbung der Pharmaunternehmen auf das Verschreibungsverhalten von Ärzten in anderen Regionen auswirken.

Aufgrund der Methodik der Studien lässt sich nicht feststellen, ob das Marketing und die Werbemaßnahmen der Pharmaunternehmen ursächlich zu Veränderungen im Verschreibungsverhalten der Ärzte geführt haben. Wir haben jedoch großes Vertrauen darin, dass unangemessene Verschreibungen bei Ärzten, die Geschenke und Zahlungen erhielten, häufiger auftraten und dass diese Ärzte mehr Verschreibungen ausstellten als Ärzte, die keine Geschenke und Zahlungen erhielten. Die Studien zeigten zudem ein einheitliches Muster: Je häufiger Ärzte mit Pharmaunternehmen in Kontakt standen, desto weniger angemessen war ihr Verschreibungsverhalten und desto mehr Arzneimittel verordneten sie.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von Januar 2025.

Mintzes B, Lexchin J, Grundy Q, Fabbri A, Spurling GKP, Qureshi R, Bero L

Welche Nutzen und Risiken birgt das Medikament Zuclopenthixolacetat für Menschen mit einer Psychose, die aggressives Verhalten zeigen?

6 days 12 hours ago
Kernaussagen
  • Zwischen Zuclopenthixolacetat und Standardtherapien gibt es nur geringe Unterschiede: Wahrscheinlich sind nach 24 und 48 Stunden mehr Patient*innen unter Zuclopenthixolacetat sediert (schläfrig), und sie benötigen möglicherweise weniger zusätzliche Dosen von Benzodiazepinen (Beruhigungsmitteln). Dosierungen von 25 mg bis 50 mg Zuclopenthixolacetat pro Injektion sind möglicherweise ebenso wirksam wie Dosierungen von 50 mg bis 100 mg pro Injektion. Die Ergebnisse sind jedoch unsicher.

  • Hinsichtlich unerwünschter Wirkungen gibt es möglicherweise keinen deutlichen Unterschied zwischen Zuclopenthixolacetat und Standardmedikamenten. Die Ergebnisse sind jedoch unsicher.

  • Es sind weitere hochwertige Studien erforderlich, um den Nutzen und die Risiken von Zuclopenthixolacetat besser beurteilen zu können.

Was ist Schizophrenie?

Schizophrenie ist eine schwere psychische Erkrankung, die langfristige Beeinträchtigungen verursachen und den Alltag erheblich einschränken kann. Menschen mit Schizophrenie können Schwierigkeiten haben, zwischen der Realität und Dingen zu unterscheiden, die nicht real sind (Psychose). Sie können zum Beispiel Stimmen hören (akustische Halluzinationen), Dinge sehen, die nicht vorhanden sind (visuelle Halluzinationen), oder feste Überzeugungen haben, die nicht der Realität entsprechen (Wahnvorstellungen). Diese Erfahrungen können beängstigend und belastend sein. Manchmal können diese Symptome dazu führen, dass Menschen sich selbst oder anderen gegenüber aggressiv oder gewalttätig verhalten. Allerdings haben Menschen mit Schizophrenie auch ein erhöhtes Risiko, selbst Opfer von Gewalt zu werden. Der Umgang mit Aggressivität und gewalttätigem Verhalten bei Menschen mit Schizophrenie ist wichtig. Ziel sollte es sein, negative Einstellungen und Stigmatisierung abzubauen und eine sichere, respektvolle Behandlung zu fördern.

Welche Medikamente werden zur Behandlung von Schizophrenie eingesetzt?

Die Medikamente können beruhigend wirken (tranquilisierende Wirkung), starke Unruhe oder Angst lindern, Aggressivität reduzieren und Schläfrigkeit beziehungsweise Schlaf fördern (sedierende Wirkung). Im Idealfall sollten diese Medikamente psychotische Symptome wie Halluzinationen und Wahnvorstellungen behandeln, möglichst selten eingesetzt werden und nur wenige unerwünschte Wirkungen verursachen, zum Beispiel Schmerzen an der Injektionsstelle oder unwillkürliches Zittern.

Zuklopenthixolacetat ist ein injizierbares Antipsychotikum, dessen Wirkung zwei bis drei Tage anhalten kann. In dieser Übersichtsarbeit wurde untersucht, wie wirksam Zuclopenthixolacetat im Vergleich zu anderen üblicherweise eingesetzten Medikamenten bei der Behandlung von Psychosen, Aggressivität oder gewalttätigem Verhalten ist.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob Zuclopenthixolacetat akute Verhaltensänderungen bei Menschen mit Schizophrenie besser behandelt als üblicherweise eingesetzte Medikamente. Wir untersuchten, wie schnell die Medikamente dazu beitrugen, dass die Betroffenen ruhig und schläfrig wurden, welche Gesamtwirkung sie auf die Betroffenen und ihr Verhalten hatten und ob unerwünschte Wirkungen auftraten.

Wie sind wir vorgegangen?

Wir suchten nach Studien, in denen Zuclopenthixolacetat bei Menschen mit Schizophrenie oder ähnlichen schweren psychischen Erkrankungen und akuten Verhaltensstörungen mit anderen üblichen Behandlungen verglichen wurde. Wir haben die Ergebnisse der Studien verglichen und zusammengefasst und unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie Studienmethodik und Stichprobengröße bewertet.

Was fanden wir heraus?

Wir schlossen 11 Studien mit insgesamt 714 Menschen ein. Wir stellten nur geringe Unterschiede zwischen Zuclopenthixolacetat und anderen üblichen Behandlungen fest. Wahrscheinlich waren etwa 24 Stunden nach der Behandlung mehr Menschen, die Zuclopenthixolacetat erhielten, sediert. In den ersten 15 Minuten war dies jedoch möglicherweise nicht der Fall. Personen, denen Zuclopenthixolacetat verabreicht wurde, benötigen möglicherweise weniger Dosen von Benzodiazepinen. Die Ergebnisse sind jedoch unsicher. Dosierungen von 25 mg bis 50 mg Zuclopenthixolacetat pro Injektion sind möglicherweise ebenso wirksam wie Dosierungen von 50 mg bis 100 mg pro Injektion. Die Ergebnisse sind jedoch unsicher. Hinsichtlich unerwünschter Wirkungen gibt es möglicherweise keinen deutlichen Unterschied zwischen Zuclopenthixolacetat und Standardmedikamenten. Die Ergebnisse sind jedoch unsicher.

Was schränkt die Evidenz ein?

Viele der eingeschlossenen Studien waren klein und wiesen methodische Schwächen sowie Mängel in der Berichterstattung auf. Daher ist unser Vertrauen in die Evidenz begrenzt. Weitere hochwertige Studien sind erforderlich, um den Nutzen und die Risiken von Zuclopenthixolacetat besser beurteilen zu können.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz in dieser Übersichtsarbeit ist auf den Stand von September 2025.

Jayakody K, Chuang S, Gunadasa S, Gibson RC, Kumar A, Tune P

Welchen Nutzen und welche Risiken haben Behandlungen gegen Lippenherpes?

6 days 12 hours ago
Kernaussagen
  • Im Vergleich zu einer Placebo-Behandlung beschleunigen Aciclovir- und Penciclovir-Cremes wahrscheinlich die Heilung von Lippenherpes um etwa einen Tag, ohne das Risiko unerwünschter Ereignisse zu erhöhen. Im direkten Vergleich haben beide Cremes möglicherweise ähnliche Wirkungen auf die Heilungsdauer und das Risiko unerwünschter Ereignisse. Im Vergleich zu Placebo haben Aciclovir-Tabletten möglicherweise kaum oder gar keinen Einfluss auf die Heilungsdauer von Lippenherpes, während Valaciclovir-Tabletten die Heilungsdauer um etwa einen Tag verkürzen.

  • Unerwünschte Ereignisse traten bei allen Behandlungen selten auf.

  • Wenn in Studien zu Lippenherpes einheitliche Endpunkte untersucht würden, ließen sich die Ergebnisse besser miteinander vergleichen. Das könnte Ärztinnen und Ärzten weltweit helfen, die am besten geeigneten Behandlungen auszuwählen.

Was ist Lippenherpes?

Lippenherpes (Herpes labialis) ist eine Infektion, die durch das Herpes-simplex-Virus verursacht wird und bei der sich schmerzhafte Bläschen an und um die Lippen bilden. Lippenherpes ist weit verbreitet und ansteckend. Bei vielen Betroffenen tritt die Erkrankung immer wieder auf. Die Beschwerden und das unangenehme Gefühl, dass die Bläschen für andere sichtbar sind, können das Wohlbefinden der Betroffenen beeinträchtigen. In einigen Fällen kann unbehandelter Lippenherpes zu schweren Komplikationen führen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei Lippenherpes?

Standardbehandlungen bei Lippenherpes zielen darauf ab, die Vermehrung des Virus zu hemmen. Dazu gehören antivirale Cremes wie Aciclovir und Penciclovir, die direkt auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen werden, sowie antivirale Tabletten wie Aciclovir und Valaciclovir. Andere Behandlungen sind weniger verbreitet oder werden noch erprobt.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten wissen, welche Behandlungen bei Lippenherpes die Heilung beschleunigen und die Symptome lindern können. Außerdem wollten wir wissen, ob Behandlungen gegen Lippenherpes unerwünschte Wirkungen haben.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen verschiedene Behandlungen gegen Lippenherpes bei Menschen mit gesundem Immunsystem mit einem Placebo (Scheinbehandlung), keiner Behandlung oder anderen Behandlungen verglichen wurden. Wir fassten die Daten aus den Studien zusammen, um übergreifende Erkenntnisse zu gewinnen. Außerdem bewerteten wir unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie den Studienmethoden und der Größe der Studien.

Wir konzentrierten uns vor allem auf die gängigsten Behandlungen gegen Lippenherpes, berücksichtigten aber auch die Evidenz zu allen anderen Behandlungsarten.

Was fanden wir heraus?

Wir haben 87 Studien mit 22.631 Teilnehmenden (überwiegend Frauen) einbezogen. Die Studien wurden in Europa, Nordamerika, Australien und Asien durchgeführt und untersuchten insgesamt 58 verschiedene Behandlungen. Die Studiendauer war unterschiedlich, in den meisten Studien wurden die Teilnehmenden jedoch über den Verlauf einer einzelnen Lippenherpes-Episode hinweg beobachtet.

Die meisten Studien (84 von 87) berichteten über die Heilungsdauer des Lippenherpes. Etwas mehr als die Hälfte der Studien (49 von 87) berichtete über unerwünschte Ereignisse, die zum Abbruch der Behandlung führten. In 58 Studien wurden leichte oder mittelschwere unerwünschte Ereignisse erfasst.

43 Studien wurden von der pharmazeutischen Industrie und 25 von gemeinnützigen Organisationen finanziert. Eine Studie erhielt keine Finanzierung, bei weiteren 18 Studien fehlten Angaben zur Finanzierungsquelle.

Hauptergebnisse

Neben der Heilungsdauer und unerwünschten Ereignissen interessierte uns auch, wie sich die Behandlungen auf die Beschwerden, den Schweregrad des Lippenherpes und die Stärke der Schmerzen auswirken. Allerdings lieferte keine der Studien zu den gängigsten Behandlungen auswertbare Ergebnisse zu diesen Endpunkten.

Antivirale Cremes im Vergleich zu Placebo

Im Vergleich zu Placebo:

  • verkürzt Aciclovir-Creme die Heilungsdauer von Lippenherpes wahrscheinlich um etwa einen Tag (7 Studien, 3.475 Teilnehmende). Das Risiko für unerwünschte Ereignisse, die zum Abbruch der Behandlung führten (9 Studien, 6.574 Teilnehmende), sowie für leichte oder mittelschwere unerwünschte Ereignisse (8 Studien, 6.525 Teilnehmende) ist wahrscheinlich ähnlich wie unter Placebo;

  • verkürzt Penciclovir-Creme die Heilungsdauer von Lippenherpes wahrscheinlich um etwa einen Tag (1 Studie, 528 Personen). Das Risiko für unerwünschte Ereignisse, die zum Abbruch der Behandlung führten, sowie für leichte oder mittelschwere unerwünschte Ereignisse ist wahrscheinlich ähnlich wie unter Placebo (2 Studien, 3.598 Personen).

Antivirale Tabletten im Vergleich zu Placebo

Im Vergleich zu Placebo:

  • haben Aciclovir-Tabletten möglicherweise kaum oder gar einen Einfluss auf die Heilungsdauer von Lippenherpes (1 Studie, 145 Personen);

  • beschleunigen Valaciclovir-Tabletten die Heilung um etwa einen Tag (2 Studien, 1.218 Personen).

Die Aciclovir-Studie enthielt keine Angaben zu unerwünschten Ereignissen. In den Valaciclovir-Studien traten keine unerwünschten Ereignisse auf, die zum Abbruch der Behandlung führten. Leichte oder mittelschwere unerwünschte Ereignisse traten unter Valaciclovir und Placebo etwa gleich häufig auf (2 Studien, 1.856 Personen).

Penciclovir-Creme im Vergleich zu Aciclovir-Creme

Penciclovir-Creme und Aciclovir-Creme haben möglicherweise ähnliche Wirkungen auf die Heilungsdauer und ein ähnliches Risiko für leichte oder mittelschwere unerwünschte Ereignisse (1 Studie, 225 Personen). In dieser Studie traten keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse auf.

Aciclovir-Creme im Vergleich zu Aciclovir-Tabletten

Wir wollten die Wirkungen von Aciclovir-Creme und Aciclovir-Tabletten vergleichen, fanden jedoch keine Studien, die diese beiden Behandlungen direkt miteinander verglichen.

Was schränkt die Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Evidenz zu den gängigsten Behandlungen gegen Lippenherpes ist überwiegend moderat oder gering, vor allem weil die Studien nur wenige Teilnehmende umfassten. Neuere Behandlungen wie die photodynamische Therapie, Laserbehandlungen, Zinkpflaster und Propolis-Salben bieten möglicherweise zusätzliche Vorteile. Die Evidenz dazu ist jedoch begrenzt.

Die meisten Studien umfassten Erwachsene, daher sind wir unsicher, wie diese Behandlungen bei Kindern wirken. Zudem wurden nur wenige Studien in Ostasien und in Regionen mit begrenzten Ressourcen durchgeführt.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?
Diese Übersichtsarbeit umfasst Studien, die bis zum 23. September 2025 veröffentlicht wurden.

Lin HS, Lin PT, Shih IC, Lu ML, Tsai YS, Chi CC

Bewegungsprogramme zur Förderung der Knochenmineralisierung und des Wachstums bei Frühgeborenen

6 days 12 hours ago
Kernaussagen
  • Bewegungsprogramme bei Frühgeborenen haben möglicherweise kurzfristig einen geringen positiven Einfluss auf die Knochenentwicklung und die Gewichtszunahme.

  • Bewegungsprogramme haben möglicherweise nur geringe oder keine Auswirkungen auf die Zunahme der Körperlänge bei Frühgeborenen.

  • Wir wissen nicht, ob Bewegungsprogramm das Risiko von Frakturen (Knochenbrüchen) beeinflussen, und wir verfügen nicht über ausreichende Informationen, um langfristig den Nutzen oder mögliche Risiken zu bewerten.

Was versteht man unter einer beeinträchtigten Knochenentwicklung und einem verminderten Wachstum bei Frühgeborenen?

Frühgeborene (vor der 37. Schwangerschaftswoche geboren) werden häufig so versorgt, dass körperliche Aktivität möglichst vermieden wird, um Stress und damit verbundene Komplikationen zu verringern. Ein Mangel an körperlicher Aktivität könnte jedoch die Knochenentwicklung und das Knochenwachstum beeinträchtigen, insbesondere bei Frühgeborenen mit einem sehr geringen Geburtsgewicht (weniger als 1500 g). Dies könnte langfristige Folgen haben, wie sie auch bei Kindern und Erwachsenen beobachtet werden, die über längere Zeit bettlägerig sind.

Was sind Bewegungsprogramme?

Bewegungsprogramme umfassen tägliche Übungen über mehrere Wochen, bei denen die Gelenke der Arme und Beine für einige Minuten sanft bewegt und belastet werden.

Was bedeutet Knochenmineralisierung?

Bei der Knochenmineralisierung werden Mineralstoffe, vor allem Kalzium und Phosphor, in das neu gebildete Knochengewebe eingelagert. Dadurch werden die Knochen fest und stabil.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob Bewegungsprogramme während des ersten Krankenhausaufenthalts dazu beitragen, dass sich die Knochen von Frühgeborenen besser entwickeln und die Kinder besser wachsen. Wir wollten diese Wirkungen sowohl am Ende des Bewegungsprogramms als auch 12 bis 24 Monate nach dem errechneten Geburtstermin untersuchen. Außerdem wollten wir untersuchen, ob diese Programme das Risiko für Frakturen (Knochenbrüche) beeinflussen.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen Bewegungsprogramme bei Frühgeborenen mit einer Versorgung ohne strukturiertes Bewegungsprogramm verglichen wurden.

Was fanden wir heraus?

Wir haben 15 kleine Studien mit 434 Frühgeborenen in unsere Übersichtsarbeit einbezogen.

Wir stellten fest, dass Frühgeborene, die über mehrere Wochen täglich Bewegungsübungen erhielten, am Ende des Programms möglicherweise eine geringfügig bessere Knochenmineralisierung und eine etwas stärkere Gewichtszunahme aufwiesen.

Wir wissen nicht, ob Bewegungsprogramme den Knochenmineralgehalt langfristig beeinflussen, da keine der eingeschlossenen Studien diese Wirkung untersuchte. Es gab keinen Anhaltspunkt dafür, dass die Bewegungsprogramm einen Einfluss auf das Längenwachstum haben. Die Evidenz zur Wirkung von Bewegungsprogrammen auf das Risiko für Knochenbrüche (Frakturen) ist sehr unsicher.

Was schränkt die Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Ergebnisse ist gering bis sehr gering, vor allem weil viele der eingeschlossenen Studien nur wenige Teilnehmende hatten oder methodische Schwächen aufwiesen. Wenn die Ergebnisse mehrerer Studien zusammengefasst wurden, waren sie häufig ungenau und unterschieden sich teilweise deutlich voneinander. Aus diesen Gründen sind wir unsicher, ob Bewegungsprogramme die Knochenmineralisierung, die Gewichtszunahme, das Längenwachstum oder das Risiko für Knochenbrüche nennenswert beeinflussen.

Die verfügbare Evidenz beschränkt sich auf Ergebnisse, die während des ersten Krankenhausaufenthalts erhoben wurden. Zu den langfristigen Wirkungen liegen keine Daten vor.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Diese Übersichtsarbeit aktualisiert unsere vorherige Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2014. Die Evidenz ist auf dem Stand von Oktober 2025.

Kaempfen S, Cooper C, Schulzke SM, supported by Cochrane Neonatal

Wie sicher und wirksam ist Mifepriston zur Notfallverhütung?

1 week 1 day ago
Kernaussagen
  • Im Vergleich zu Levonorgestrel, einer häufig verwendeten Pille zur Notfallverhütung, führt Mifepriston wahrscheinlich zu weniger Schwangerschaften. Mifepriston ist wahrscheinlich auch wirksamer zur Schwangerschaftsverhütung als die Yuzpe-Methode (eine Kombination aus Notfallverhütungspillen).

  • Die wichtigste unerwünschte Wirkung von Mifepriston ist eine Verzögerung der nächsten Monatsblutung. Sie tritt bei höheren Dosierungen häufiger auf.

  • Zukünftige Studien sollten untersuchen, ob der Zeitraum zwischen ungeschütztem Geschlechtsverkehr und der Einnahme von Mifepriston (beispielsweise ein Tag im Vergleich zu fünf Tagen oder mehr) die Wirksamkeit beeinflusst. Außerdem sollte untersucht werden, wie Frauen die verschiedenen Methoden der Notfallverhütung bewerten und akzeptieren.

Was bedeutet Notfallverhütung?

Die Notfallverhütung wird eingesetzt, um eine Schwangerschaft nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr, nach dem Versagen einer anderen Verhütungsmethode (z. B. einem gerissenen Kondom) oder nach sexueller Gewalt zu verhindern. Zu den gängigen Methoden der Notfallverhütung gehören Kupfer-Intrauterinpessare (IUP, auch als Kupferspirale bekannt) und Tabletten, die sogenannte „Pille danach“.

IUPs sind kleine, T-förmige Kunststoffkörper, die in die Gebärmutter eingesetzt werden. Sie verhindern eine Schwangerschaft, indem sie die Beweglichkeit der Spermien einschränken und dadurch die Befruchtung der Eizelle erschweren. Sie sind sehr wirksam bei der Verhütung einer Schwangerschaft. Allerdings kann es schwierig sein, rechtzeitig ein IUP einsetzen zu lassen, da dies durch eine medizinische Fachkraft erfolgen muss.

Pillen zur Notfallverhütung wirken, indem sie den Eisprung verhindern oder verzögern. Sie umfassen:

  • Mifepriston, das das für eine Schwangerschaft notwendige Hormon Progesteron blockiert;

  • Levonorgestrel, das den Eisprung vorübergehend verhindert oder verzögert;

  • die Yuzpe-Methode, bei der zwei hohe Dosen einer herkömmlichen Antibabypille im Abstand von etwa 12 Stunden eingenommen werden.

Einige Notfallverhütungspillen sind teuer und nicht überall erhältlich.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, wie wirksam Mifepriston im Vergleich zu anderen Methoden der Notfallverhütung Schwangerschaften verhindert. Außerdem haben wir diese Methoden verglichen, um festzustellen, ob sie sich hinsichtlich folgender Aspekte unterscheiden:

  • unerwünschte Wirkungen (wie Übelkeit und Erbrechen);

  • dem Zeitpunkt der nächsten Menstruation der Frauen.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen Mifepriston mit anderen Notfallverhütungspillen oder IUPs verglichen wurde. Untersucht wurden Frauen im gebärfähigen Alter, die Notfallverhütung zur Verhinderung einer Schwangerschaft (nicht zum Abbruch einer bereits bestehenden Frühschwangerschaft) einsetzten.

Wir fassten die Ergebnisse der Studien zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie der Methodik der Studien und der Anzahl der beteiligten Frauen.

Was fanden wir heraus?

Wir haben 87 Studien mit rund 36.000 Frauen einbezogen. Die meisten wurden zwischen 1992 und 2015 in China durchgeführt. Die kleinste Studie umfasste 16 Frauen, die größte 4.000. Fast die Hälfte (42 Studien) verglich zwei verschiedene Dosierungen von Mifepriston, während 41 Studien Mifepriston mit Levonorgestrel verglichen. Fünf Studien verglichen Mifepriston mit der Yuzpe-Methode oder mit Spiralen.

Hauptergebnisse

Im Vergleich zu Levonorgestrel führt eine mittlere Dosis Mifepriston (25 mg bis 50 mg) wahrscheinlich:

  • zu weniger Schwangerschaften: Wenn 35 von 1.000 Frauen, denen Levonorgestrel verabreicht wurde, schwanger wurden, wären es bei Mifepriston etwa 23 von 1.000 Frauen (27 Studien, 6.052 Frauen);

  • zu einer Verringerung des Risikos von unerwünschten Wirkungen (17 Studien, 4.350 Frauen);

  • zu einem erhöhten Risiko einer verspäteten Menstruation (17 Studien, 3.615 Frauen).

Im Vergleich zu Levonorgestrel führt eine niedrige Dosis Mifepriston (unter 25 mg):

  • zu weniger Schwangerschaften: Wenn 20 von 1.000 Frauen, denen Levonorgestrel verabreicht wurde, schwanger wurden, wären es bei der Einnahme von Mifepriston etwa 15 von 1.000 (14 Studien, 8.752 Frauen);

  • wahrscheinlich zu einer Verringerung des Risikos unerwünschter Wirkungen (3 Studien, 609 Frauen);

  • wahrscheinlich zu einem leicht erhöhten Risiko einer verspäteten Menstruation (10 Studien, 7.618 Frauen).

Im Vergleich zur Yuzpe-Methode führt Mifepriston (jede Dosis):

  • wahrscheinlich zu weniger Schwangerschaften: Wenn 25 von 1.000 Frauen, denen die Yuzpe-Pillenkombination verabreicht wurde, schwanger wurden, wären es bei der Einnahme von Mifepriston etwa 3 von 1.000 Frauen (3 Studien, 2.144 Frauen);

  • wahrscheinlich zu deutlich weniger unerwünschten Wirkungen (2 Studien, 1.693 Frauen);

  • zu einem erhöhten Risiko einer verspäteten Menstruation (3 Studien, 1.912 Frauen).

Im Vergleich zu Spiralen sind wir uns hinsichtlich der Wirkungen von Mifepriston auf die Anzahl der Schwangerschaften, unerwünschte Wirkungen und verspätete Regelblutungen unsicher (2 Studien).

Im Vergleich zu einer niedrigen Dosis Mifepriston (unter 25 mg) führt eine mittlere Dosis Mifepriston (25 mg bis 50 mg):

  • zu etwas weniger Schwangerschaften: Wenn bei 16 von 1.000 Frauen, die eine niedrige Mifepriston-Dosis erhalten, eine Schwangerschaft eintritt, wären es bei einer mittleren Mifepriston-Dosis etwa 13 von 1.000 (26 Studien, 12.358 Frauen);

  • möglicherweise zu kaum oder gar keinem Unterschied beim Risiko für unerwünschte Wirkungen (12 Studien, 2.908 Frauen);

  • zu einem leicht erhöhten Risiko einer verspäteten Menstruation (22 Studien, 11.733 Frauen).

Was schränkt die Evidenz ein?

Wir haben in die meisten Ergebnisse moderates oder hohes Vertrauen. Allerdings beschrieben viele Studien ihre Methoden nicht ausreichend klar, sodass unser Vertrauen in einige Ergebnisse eingeschränkt ist. Die meisten Studien wurden in China durchgeführt, sodass die Ergebnisse möglicherweise nicht auf Frauen in anderen Teilen der Welt übertragbar sind. Wir fanden keine Studien, in denen Mifepriston mit Ulipristalacetat, einer sehr wirksamen Pille zur Notfallverhütung, verglichen wurde.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von Februar 2025.

Ramanadhan S, Edelman A, Che Y, Paynter RA, Hersh A, Henderson JT

Welche Vorteile hat die Gabe von Vitamin D bei frühgeborenen und untergewichtigen Säuglingen?

1 week 2 days ago
Kernaussagen
  • Die Gabe von Vitamin-D-Präparaten an Frühgeborene (vor der 37. Schwangerschaftswoche) und Neugeborene mit niedrigem Geburtsgewicht (weniger als 2500 g) senkt wahrscheinlich das Risiko eines Vitamin-D-Mangels (Vitamin-D-Spiegel unter 30 nmol/L) und einer unzureichenden Vitamin-D-Versorgung (Vitamin-D-Spiegel unter 50 nmol/L).

  • Höhere Vitamin-D-Dosen (800 IE/Tag oder mehr) verringern bei Frühgeborenen wahrscheinlich das Risiko eines Vitamin-D-Mangels im Vergleich zu niedrigeren Dosen (200 bis weniger als 800 IE/Tag). Allerdings können höhere Dosen bei einigen Frühgeborenen auch zu übermäßig hohen Vitamin-D-Spiegeln führen.

  • Zukünftige Studien sollten untersuchen, welche Vitamin-D-Dosis in Abhängigkeit vom Gewicht der Neugeborenen optimal ist, und dabei wichtige Ergebnisse wie die Knochengesundheit erfassen.

Warum ist Vitamin D wichtig für frühgeborene oder untergewichtige Säuglinge?

Vitamin D hilft dem Körper, Kalzium aus der Nahrung aufzunehmen. Kalzium ist für die Entwicklung und Stabilität der Knochen unerlässlich. Bei einer unzureichenden Vitamin-D-Versorgung können die Knochen weniger stabil werden und sich verformen oder leichter brechen. Dies wird bei Kindern als Rachitis bezeichnet. Sonnenlicht regt die körpereigene Vitamin-D-Bildung in der Haut an. Es ist außerdem in Fisch, Fleisch und anderen tierischen Lebensmitteln enthalten. Säuglinge sollen vor direkter Sonnenbestrahlung geschützt werden. Da Sonnenlicht normalerweise zur körpereigenen Bildung von Vitamin D beiträgt und Muttermilch nur wenig Vitamin D enthält, besteht bei Säuglingen ein erhöhtes Risiko für eine unzureichende Vitamin-D-Versorgung. Als ausreichend gelten bei Säuglingen Vitamin-D-Spiegel im Blut von 50 bis 250 nmol/L. Werte unter 50 nmol/L gelten als unzureichende Versorgung („Insuffizienz“), Werte unter 30 nmol/L als Vitamin-D-Mangel („Defizienz“). Die Behandlung erfolgt mit Präparaten, die geschluckt oder injiziert werden können. Zu viel Vitamin D (über 250 nmol/L) kann unerwünschte Wirkungen haben, beispielsweise einen erhöhten Kalziumspiegel im Blut oder Nierensteine verursachen. Die Empfehlungen zur Vitamin-D-Supplementierung unterscheiden sich weltweit.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, welche Vitamin-D-Dosis und welche Dauer der Supplementierung für Frühgeborene und Neugeborene mit niedrigem Geburtsgewicht am besten geeignet sind. Uns interessierte, ob eine Vitamin-D-Supplementierung:

  • einen Vitamin-D-Mangel oder eine unzureichende Vitamin-D-Versorgung verringert;

  • die Knochengesundheit verbessert;

  • unerwünschte Wirkungen hervorruft.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien mit Frühgeborenen, die vor der 37. Schwangerschaftswoche geboren wurden, oder mit Neugeborenen mit niedrigem Geburtsgewicht unter 2500 g. Die Studien verglichen eine Vitamin-D-Supplementierung entweder mit keiner Supplementierung oder höhere Dosen mit niedrigeren Dosen.

Wir verglichen und fassten die Ergebnisse der Studien zusammen. Anschließend bewerteten wir anhand verschiedener Faktoren, wie der Methodik und Größe der Studien, wie vertrauenswürdig die Ergebnisse sind.

Was haben wir herausgefunden?

Wir fanden 34 Studien mit 5012 Neugeborenen.

HauptergebnisseVitamin-D-Supplementierung im Vergleich zu keiner Supplementierung (11 Studien, 1.514 Neugeborene)

Eine Vitamin-D-Supplementierung senkt wahrscheinlich bis zur Entlassung aus dem Krankenhaus das Risiko eines Vitamin-D-Mangels. Davon profitiert wahrscheinlich 1 von 4 supplementierten Neugeborenen (4 Studien, 385 Neugeborene). Möglicherweise verringert die Supplementierung auch das Risiko einer unzureichenden Vitamin-D-Versorgung. Davon profitiert möglicherweise 1 von 3 supplementierten Neugeborenen (4 Studien, 385 Neugeborene). Über die Auswirkungen auf die Knochengesundheit und entsprechende Blutmarker wurde nicht berichtet.

Vitamin-D-Supplementierung im Vergleich zu keiner Supplementierung (1 Studie, 2.079 termingenaue Neugeborene mit niedrigem Geburtsgewicht; Vitamin-D-Werte lagen für 453 Kinder vor)

Eine Vitamin-D-Supplementierung verringert wahrscheinlich im Alter von sechs Monaten das Risiko eines Vitamin-D-Mangels. Davon profitiert wahrscheinlich 1 von 3 supplementierten Neugeborenen (basierend auf den Daten von 453 Kinder). Wahrscheinlich verringert sie auch das Risiko einer unzureichenden Vitamin-D-Versorgung; auch hier profitiert wahrscheinlich 1 von 3 supplementierten Neugeborenen. Über die Auswirkungen auf die Knochengesundheit und entsprechende Blutmarker sowie auf übermäßig hohe Kalzium- und Vitamin-D-Spiegel im Blut wurde nicht berichtet.

Vitamin-D-Supplementierung in höherer Dosierung (800 IE/Tag oder mehr) im Vergleich zu niedrigerer Dosierung (200 bis 800 IE/Tag) (25 Studien, 1.546 Frühgeborene)

Höhere Vitamin-D-Dosen verringern wahrscheinlich stärker als niedrigere Dosen das Risiko eines Vitamin-D-Mangels (Nutzen wahrscheinlich bei 1 von 8 supplementierten Neugeborenen; 11 Studien, 672 Neugeborene). Möglicherweise verringern sie auch stärker das Risiko einer unzureichenden Vitamin-D-Versorgung (Nutzen möglicherweise bei 1 von 4 supplementierten Neugeborenen; 11 Studien, 683 Neugeborene). Allerdings führen höhere Dosen wahrscheinlich häufiger zu übermäßig hohen Vitamin-D-Spiegeln (Nachteil wahrscheinlich bei 1 von 25 supplementierten Neugeborenen; 5 Studien, 395 Neugeborene). Höhere Vitamin-D-Dosen verbessern bei Frühgeborenen möglicherweise einige Blutmarker der Knochengesundheit. Allerdings gibt es möglicherweise kaum oder keinen Unterschied bei röntgenologisch erkennbaren Zeichen einer verminderten Knochenmineralisierung (7 Studien, 447 Neugeborene).

Was schränkt die Evidenz ein?

Zur Knochengesundheit und zu unerwünschten Wirkungen, einschließlich erhöhter Kalziumwerte im Blut, liegen nicht genügend Informationen vor.

Unsere Einschätzung beruht darauf, dass die Evidenz auf wenigen Fällen basiert, die Eltern und Beurteilenden wussten, welche Behandlung die Neugeborenen erhielten, und einige Neugeborene nicht bis zum Ende der Studie nachbeobachtet wurden. Wir sind uns hinsichtlich anderer unerwünschter Wirkungen durch übermäßig hohe Vitamin-D-Spiegel und erhöhte Kalziumspiegel im Blut nicht sicher, da nur wenige Ereignisse auftraten und die Zahl der Teilnehmenden gering war.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf den Stand von Februar 2026.

Pharande P, Middleton JL, Cooper C, Pammi M, Osborn DA, Abdel-Latif ME

Welchen Nutzen und welche Risiken haben Progesteronrezeptor-Modulatoren (PRMs) bei der Behandlung von Endometriose?

1 week 2 days ago
Kernaussagen
  • Bei der Behandlung der Endometriose (einer Erkrankung, bei der gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter wächst) zeigten Studien, in denen ein Progesteronrezeptor-Modulator (PRM; ein Medikament, das die Wirkung des Hormons Progesteron im Körper verändert) mit einem Placebo (einer Scheinbehandlung ohne Wirkstoff) verglichen wurde, dass der PRM Mifepriston schmerzhafte Regelblutungen lindern kann. Allerdings kann es zu Hitzewallungen kommen.

  • Ein PRM namens Gestrinon ist bei schmerzhaften Regelblutungen möglicherweise weniger wirksam als sogenannte Gonadotropin-Releasing-Hormon(GnRH)-Analoga (Medikamente, die die von den Eierstöcken produzierte Östrogenmenge senken), kann jedoch Schmerzen beim Geschlechtsverkehr lindern. Gestrinon verursacht zudem möglicherweise weniger Hitzewallungen. Wir wissen nicht, wie Gestrinon im Vergleich zu Danazol nicht menstruationsbedingte Schmerzen, schmerzhafte Regelblutungen oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr beeinflusst. Wir wissen nicht, ob Gestrinon oder Danazol mehr unerwünschte Wirkungen verursacht.

  • Künftige Studien sollten Progesteronrezeptor-Modulatoren mit Medikamenten vergleichen, die derzeit zur Behandlung von Endometriosebeschwerden eingesetzt werden. Außerdem sollten Schmerzen mit anerkannten und zuverlässigen Methoden erfasst werden. Zudem sind größere und sorgfältig konzipierte Studien erforderlich, um den Nutzen und die unerwünschten Wirkungen weiterer Progesteronrezeptor-Modulatoren neben Mifepriston und Gestrinon zu untersuchen.

Was ist Endometriose?

Endometriose ist eine Erkrankung, bei der gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter wächst. Endometriose ist von Östrogen abhängig und tritt daher vor allem im gebärfähigen Alter auf. Sie kann Schmerzen im Bauchraum verursachen, die vor allem während der Periode (Menstruation) oder beim Geschlechtsverkehr auftreten.

Zur Behandlung der Endometriose stehen verschiedene medikamentöse und chirurgische Verfahren zur Verfügung. Progesteronrezeptor-Modulatoren (PRMs) sind Arzneimittel, die die Wirkungsweise des Hormons Progesteron im Körper verändern. Zu den PRMs gehören Mifepriston, Gestrinon, Ulipristalacetat, Vilaprisan und Asoprisnil. Da sie das Wachstum von Gebärmutterschleimhautgewebe verlangsamen oder hemmen können, wurden sie als mögliche Behandlung der Endometriose vorgeschlagen.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten wissen, ob PRMs bei Patientinnen mit Endometriose Schmerzen besser lindern als ein Placebo (Scheinbehandlung), keine Behandlung oder andere Medikamente. Dabei betrachteten wir Schmerzen insgesamt, Schmerzen während der Menstruation und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr

Außerdem wollten wir wissen, welche unerwünschten Wirkungen diese Medikamente haben. Dazu untersuchten wir beispielsweise, wie häufig Hitzewallungen und Übelkeit auftraten.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, die untersuchten, wie wirksam PRMs bei Endometriosebeschwerden sind und welche unerwünschten Wirkungen sie haben. Wir verglichen die Ergebnisse der Studien, fassten sie zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz. Dabei berücksichtigten wir unter anderem die Größe der Studien und wie sie durchgeführt wurden.

Was fanden wir heraus?

Wir schlossen neun Studien mit 922 Frauen im Alter von 18 bis 45 Jahren ein. In den meisten Studien wurden die PRMs Mifepriston oder Gestrinon getestet. Eine Studie untersuchte Asoprisnil, wurde jedoch nur als kurze Zusammenfassung ohne verwertbare Ergebnisse veröffentlicht. In zwei Studien wurden keine der für unsere Fragestellung relevanten Ergebnisse erfasst.

Hauptergebnisse

Progesteronrezeptor-Modulatoren im Vergleich zu Placebo

Im Vergleich zu einem Placebo kann Mifepriston:

  • möglicherweise nach dreimonatiger Behandlung schmerzhafte Regelblutungen verringern (basierend auf einer Studie mit 342 Frauen);

  • möglicherweise mehr unerwünschte Wirkungen wie Hitzewallungen verursachen (1 Studie, 360 Frauen);

  • möglicherweise kaum oder gar keinen Einfluss darauf haben, ob Übelkeit auftritt (1 Studie, 360 Frauen); und

  • Wir sind unsicher, ob Mifepriston Schmerzen beim Geschlechtsverkehr lindert (1 Studie, 223 Frauen).

Progesteronrezeptor-Modulatoren im Vergleich zu anderen medikamentösen Behandlungen

Im Vergleich zu Danazol ergab eine Studie mit 38 Frauen Folgendes:

  • Wir nicht wissen, ob Gestrinon die Schmerzsymptomatik nach sechsmonatiger Behandlung verbessert (1 Studie, 38 Frauen);

  • Wir wissen nicht, ob Gestrinon mehr oder weniger Hitzewallungen verursacht oder ob es keinen Unterschied gibt (2 Studien, 302 Frauen); und

  • Gestrinon und Danazol verursachen möglicherweise in ähnlichem Maße Übelkeit, die Ergebnisse sind jedoch sehr ungewiss (2 Studien, 302 Frauen).

Im Vergleich zu einem GnRH-Analogon (Leuprorelin) ergab eine Studie mit 55 Frauen Folgendes:

  • Gestrinon ist möglicherweise bei der Behandlung von schmerzhaften Regelblutungen nach sechsmonatiger Behandlung weniger wirksam (1 Studie, 55 Frauen); aber

  • Gestrinon lindert möglicherweise Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (1 Studie, 52 Frauen);

  • Gestrinon ist hinsichtlich der Schmerzen insgesamt möglicherweise mit Leuprorelin vergleichbar (1 Studie, 55 Frauen);

  • Gestrinon verursacht möglicherweise weniger Hitzewallungen und ein ähnliches Ausmaß an Übelkeit (1 Studie, 55 Frauen).

Was schränkt die Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Evidenz ist gering bis sehr gering, vor allem weil einige Studien eines oder mehrere der folgenden Probleme hatten:

  • Es nahmen nur wenige Personen an den Studien teil;

  • sie wurden in bestimmten Versorgungssituationen oder Bevölkerungsgruppen durchgeführt;

  • sie verwendeten Methoden, die wahrscheinlich zu Fehlern in ihren Ergebnissen führten;

  • sie berichteten nicht eindeutig darüber, wie sie durchgeführt wurden;

  • sie berichteten nicht eindeutig darüber, ob die Teilnehmenden wussten, welche Behandlung sie erhalten hatten, was die Studienergebnisse beeinflusst haben könnte.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Dieser Review ist die Aktualisierung einer früheren Version. Die Evidenz ist auf dem Stand von April 2026.

Grammatis AL, Gibbons T, Anucha EN, Becker CM

Verhindern multifaktorielle oder mehrkomponentige Maßnahmen Stürze bei älteren Menschen, die zu Hause leben?

2 weeks 5 days ago
Kernaussagen
  • Kombinierte Maßnahmen, die auf die individuellen Risikofaktoren einer Person zugeschnitten sind (multifaktorielle Ansätze), verringern möglicherweise im Vergleich zur Standardversorgung die Anzahl der Stürze und das Risiko, mindestens zweimal zu stürzen, leicht. Im Vergleich zu Bewegungstraining oder einer Beratung zur Sturzprävention ist der zusätzliche Nutzen jedoch sehr gering oder möglicherweise gar nicht vorhanden.

  • Kombinierte Maßnahmen, bei denen alle die gleiche Behandlung erhalten (mehrkomponentige Ansätze), bieten im Vergleich zu Bewegungstraining oder einer Beratung bzw. Aufklärung zur Sturzprävention möglicherweise nur einen geringen oder gar keinen zusätzlichen Nutzen. Im Vergleich zur Standardversorgung verringern sie jedoch möglicherweise das Risiko zu stürzen.

  • Weitere Forschung ist nötig, um besser zu verstehen, warum Stürze auftreten, wann und wo sie besonders wahrscheinlich sind und wie sich die Wirkungen von Maßnahmen zur Sturzprävention am besten erfassen lassen.

Wie können wir Stürze bei älteren Menschen verhindern, und warum ist dies wichtig?

Stürze zählen weltweit zu den häufigsten Ursachen für Verletzungen und Todesfälle bei älteren Menschen. Menschen können aus verschiedenen Gründen ein erhöhtes Sturzrisiko haben. Zu diesen „Sturzrisikofaktoren“ zählen beispielsweise frühere Stürze, Muskelschwäche, Gleichgewichtsstörungen, Gefahren in der Umgebung und ungeeignetes Schuhwerk. Zu den Maßnahmen zur Sturzprävention gehören körperliches Training, Aufklärung und Beratung sowie die Überprüfung der eingenommenen Medikamente.

Multifaktorielle Ansätze zur Sturzprävention kombinieren mehrere Maßnahmen, die auf die individuellen Risikofaktoren einer Person abgestimmt sind. Im Gegensatz dazu bestehen mehrkomponentige Ansätze zur Sturzprävention aus einer standardisierten Kombination verschiedener Maßnahmen. Diese Maßnahmen können mit der Standardversorgung, mit Bewegungstraining oder mit einer Aufklärung zur Sturzprävention, beispielsweise durch eine Broschüre, verglichen werden.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten wissen, ob multifaktorielle oder mehrkomponentige Maßnahmen zur Sturzprävention bei älteren Menschen, die zu Hause leben:

  • die Anzahl der Stürze verringern;

  • das Risiko, mindestens einmal zu stürzen, sowie das Risiko, zwei- oder mehrmals zu stürzen, verringern;

  • unerwünschte Wirkungen hervorrufen.

Wie sind wir vorgegangen?

Wir suchten nach Studien, in denen multifaktorielle oder mehrkomponentige Maßnahmen zur Sturzprävention mit Bewegungstraining, der Standardversorgung oder einer Aufklärung zur Sturzprävention verglichen wurden. Wir verglichen die Ergebnisse der Studien, fassten sie zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz. Dabei berücksichtigten wir unter anderem die Größe der Studien und wie sie durchgeführt wurden.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 110 Studien mit insgesamt 48.919 älteren Menschen. Davon:

  • befassten sich 65 Studien mit multifaktoriellen Maßnahmen;

  • 44 Studien befassten sich mit mehrkomponentigen Maßnahmen; und

  • 1 Studie untersuchte beide Arten von Maßnahmen.

Die Studien wurden weltweit durchgeführt, vor allem in Australien, Großbritannien und den USA. Das Durchschnittsalter der Teilnehmenden lag zwischen 62 und 85 Jahren. In den meisten Studien nahmen mehr Frauen als Männer teil, und die meisten Studien dauerten etwa 12 Monate.

HauptergebnisseMultifaktorielle Maßnahmen zur Sturzprävention:
  • im Vergleich zur Standardversorgung verringern möglicherweise die Anzahl der Stürze (29 Studien, 9.442 Personen) und das Risiko, mindestens zweimal zu stürzen (17 Studien, 4.826 Personen). Auf das Risiko, mindestens einmal zu stürzen, haben sie jedoch möglicherweise nur geringe oder gar keine Auswirkungen (38 Studien, 12.774 Personen).

  • im Vergleich zu Bewegungstraining ist unklar, ob sie die Anzahl der Stürze oder das Risiko, mindestens einmal zu stürzen, beeinflussen, da die Evidenz sehr unsicher ist. Keine Studie untersuchte das Risiko, mindestens zweimal zu stürzen.

  • Im Vergleich zu einer Beratung oder Aufklärung zur Sturzprävention bieten sie wahrscheinlich keinen zusätzlichen Nutzen und erhöhen die Anzahl der Stürze möglicherweise geringfügig (7 Studien, 9.901 Personen). Sie haben wahrscheinlich nur geringe oder gar keine Auswirkungen auf das Risiko, mindestens einmal zu stürzen (7 Studien, 8.850 Personen), und auf das Risiko, mindestens zweimal zu stürzen (3 Studien, 7.865 Personen).

Mehrkomponentige Maßnahmen zur Sturzprävention:
  • im Vergleich zur Standardversorgung haben sie möglicherweise nur geringe oder gar keine Auswirkungen auf die Anzahl der Stürze (14 Studien, 4.026 Personen), können aber das Risiko, mindestens einmal zu stürzen, verringern (19 Studien, 6.925 Personen). Die Evidenz hinsichtlich des Risikos, zwei- oder mehrmals zu stürzen, ist sehr ungewiss.

  • im Vergleich zu Bewegungstraining haben sie möglicherweise nur geringe oder gar keine Auswirkungen auf die Anzahl der Stürze (8 Studien, 2.160 Personen) und auf das Risiko, mindestens zweimal zu stürzen (5 Studien, 874 Personen). Sie haben wahrscheinlich nur geringe oder gar keine Auswirkungen auf das Risiko, mindestens einmal zu stürzen (10 Studien, 2.920 Personen).

  • im Vergleich zu Sturzberatung oder -aufklärung haben sie möglicherweise nur geringe oder gar keine Wirkungen auf die Anzahl der Stürze (7 Studien, 9.313 Personen) und das Risiko, mindestens einmal zu stürzen (8 Studien, 9.355 Personen). Sie haben wahrscheinlich nur geringe oder gar keine Auswirkungen auf das Risiko, mindestens zweimal zu stürzen (6 Studien, 8.725 Personen).

Unerwünschte Wirkungen waren im Allgemeinen leicht ausgeprägt.

Was schränkt die Evidenz ein?

Wir haben nur mäßiges bis sehr geringes Vertrauen in die Evidenz, da:

  • die Ergebnisse zwischen den Studien variierten;

  • in den meisten Studien wussten die Teilnehmenden wahrscheinlich, welche Behandlung sie erhielten;

  • nicht alle Studien alle für uns relevanten Aspekte erfasst haben; und

  • Die festgestellten Vorteile könnten überschätzt sein, da Studien mit geringeren oder negativen Ergebnissen möglicherweise seltener veröffentlicht werden.

Wie aktuell ist dieser Review?

Dieser Review ist ein Update einer Version aus dem Jahr 2018. Die Evidenz ist auf dem Stand von Mai 2024.

Swarnalatha C, Wood L, Newell P, Clark CE, Adedire O, Clemson L, Sherrington C, Lamb SE

Welchen Nutzen und welche Risiken haben Ausdauer-Trainingsprogramme für Menschen nach einem Schlaganfall?

2 weeks 6 days ago
Kernaussagen
  • Menschen nach einem Schlaganfall können sicher an Trainingsprogrammen teilnehmen, die Ausdauertraining zur Verbesserung der aeroben Fitness umfassen

  • Ausdauertraining verbessert möglicherweise die körperliche Fitness, verringert Beeinträchtigungen und verbessert Gehgeschwindigkeit und Gleichgewicht am Ende des Trainingsprogramms. Es ist jedoch unklar, ob diese Verbesserungen für die Betroffenen auch tatsächlich spürbar sind.

  • Insgesamt gibt es zur Wirkung von Ausdauertraining bislang nicht genügend Evidenz. Weitere Forschung ist erforderlich.

Was ist ein Schlaganfall?

Ein Schlaganfall tritt auf, wenn die Blutversorgung eines Teils des Gehirns unterbrochen wird und dadurch Hirngewebe geschädigt wird. Die Folgen eines Schlaganfalls können das Leben grundlegend verändern und variieren je nach Schweregrad der Schädigung und der betroffenen Hirnregion. Ein Schlaganfall kann nicht nur die Bewegungsfähigkeit beeinträchtigen, sondern auch Denken, Fühlen und Verhalten beeinflussen. Diese Folgen können nach einem Schlaganfall lebenslang bestehen bleiben. Zu den körperlichen Folgen eines Schlaganfalls gehören eine verminderte aerobe Fitness und Muskelkraft. Beides kann körperliche Aktivität und die Rückkehr zu alltäglichen Aktivitäten erschweren. Eine geringe aerobe Fitness könnte zudem ein Risiko für einen erneuten Schlaganfall darstellen.

Was geschieht während der Rehabilitation nach einem Schlaganfall?

Nach einem Schlaganfall erhalten viele Betroffene eine Rehabilitation, beispielsweise durch Physiotherapeut*innen oder andere Gesundheitsfachkräfte. Ziel ist es, sie dabei zu unterstützen, Schwierigkeiten bei alltäglichen Aktivitäten zu überwinden. Die Rehabilitation umfasst oft verschiedene Arten von Übungen. Eine Trainingsform ist das aerobe oder kardiorespiratorische Training. Dabei bewegt man sich über längere Zeit kontinuierlich, sodass Herz und Kreislauf stärker beansprucht werden und die Herzfrequenz steigt. Dadurch kann sich die Ausdauer verbessern, die beispielsweise für längeres oder wiederholtes Gehen wichtig ist.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob aerobes Fitnesstraining zu jedem Zeitpunkt nach einem Schlaganfall von Nutzen ist, sowohl während des Krankenhausaufenthalts als auch nach der Entlassung. Insbesondere wollten wir wissen, ob aerobes Training nach einem Schlaganfall:

  • sicher ist;

  • die körperliche Fitness und die Bewegungsfähigkeit (einschließlich Gehen und Gleichgewicht) verbessert;

  • das Befinden der Betroffenen verändert (einschließlich Depressionen und Lebensqualität); und

  • das Risiko eines erneuten Schlaganfalls verringert.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen Ausdauertraining für Menschen nach einem Schlaganfall mit der üblichen Versorgung, keinem Trainingsprogramm oder einem Programm ohne körperliche Aktivität verglichen wurde. Wir schlossen nur Studien ein, in denen das Trainingsprogramm ausschließlich aus Ausdauertraining bestand. Studien, die zusätzlich andere Trainingsformen wie beispielsweise Krafttraining umfassten, schlossen wir aus.

Wir haben die Ergebnisse der Studien verglichen und zusammengefasst und unsere Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie den Studienmethoden und der Anzahl der teilnehmenden Personen bewertet.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 53 Studien mit insgesamt 2.672 Menschen mit Schlaganfall. Die meisten Teilnehmenden waren gehfähig. 37 der Studien wurden in Ländern mit hohem Einkommen durchgeführt. Das Durchschnittsalter der Teilnehmenden betrug 61,9 Jahre. Die meisten Studien fanden entweder innerhalb von drei Monaten nach einem Schlaganfall (19 Studien) oder mindestens sechs Monate nach einem Schlaganfall (29 Studien) statt. In 28 Studien erhielten die Personen in den Gruppen mit Ausdauertraining mehr Aufmerksamkeit als diejenigen in den Kontrollgruppen.

In 49 Studien dauerten die Trainingseinheiten zwischen 20 und 60 Minuten; in 48 Studien betrug die Trainingshäufigkeit 3 bis 5 Tage pro Woche. In 37 Studien dauerte das Programm weniger als 12 Wochen. Die Trainingsintensität wurde anhand der maximalen Herzfrequenz, der Herzfrequenzreserve unter Berücksichtigung der Ruheherzfrequenz oder der von den Teilnehmenden subjektiv empfundenen Belastung bestimmt.

In 16 der 53 Studien wurden die Teilnehmenden auch nach dem Trainingsprogramm weiter nachbeobachtet. Die Dauer der Nachbeobachtung lag zwischen 12 Wochen und 12 Monaten nach Beginn des Programms. Eine Studie sah eine sechsmonatige Nachbeobachtung vor, berichtete jedoch nicht darüber.

Hauptergebnisse
  • Aerobes Training hat keinen Einfluss auf die Zahl der Todesfälle am Ende des Programms (36 Studien, 1.563 Teilnehmende) oder bei der Nachbeobachtung (10 Studien, 713 Teilnehmende).

  • Aerobes Training hat keinen Einfluss auf die Anzahl erneuter Schlaganfälle am Ende des Programms (8 Studien, 544 Teilnehmende) und wahrscheinlich auch keinen Einfluss darauf während der Nachbeobachtung (4 Studien, 412 Teilnehmende).

  • Die Evidenz zu den Auswirkungen des aeroben Trainings auf den Blutdruck ist sowohl am Ende des Programms (9 Studien, 535 Teilnehmende) als auch bei der Nachbeobachtung (3 Studien, 155 Teilnehmende) sehr unsicher.

  • Aerobes Training verbessert am Ende des Trainingsprogramms wahrscheinlich geringfügig die aerobe Fitness (13 Studien, 608 Teilnehmende) und die selbst gewählte Gehgeschwindigkeit (16 Studien, 647 Teilnehmende). Bei der Gehgeschwindigkeit ist die Verbesserung jedoch wahrscheinlich zu gering, um klinisch bedeutsam zu sein; bei der aeroben Fitness ist unklar, ob die Verbesserung klinisch bedeutsam ist. Die Evidenz zu den Auswirkungen auf die Funktionsbeeinträchtigung (17 Studien, 1.073 Teilnehmende) und das Gleichgewicht (18 Studien, 772 Teilnehmende) ist dagegen sehr unsicher. Die Ergebnisse bei der Nachbeobachtung sind insgesamt unklar. Die Verbesserung der aeroben Fitness hält möglicherweise an, es ist jedoch unklar, ob sie groß genug ist, um für Menschen nach einem Schlaganfall von Bedeutung zu sein (5 Studien, 237 Teilnehmende).

Was schränkt die Evidenz ein?
  • Die meisten Studien schlossen Menschen ein, die gehen konnten. Über Menschen, die nach einem Schlaganfall stärker in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, ist dagegen nur wenig bekannt.

  • Die meisten Studien fanden in Ländern mit hohem Einkommen statt; über Menschen mit Schlaganfall in anderen Ländern ist wenig bekannt.

  • Insgesamt bestehen viele Unsicherheiten und es liegt nicht genügend Evidenz zu den Wirkungen des Ausdauertrainings vor. Weitere Forschung ist notwendig.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Diese Übersichtsarbeit ist eine von drei neuen Reviews, die gemeinsam eine frühere Übersichtsarbeit zum Fitnesstraining nach einem Schlaganfall aktualisieren. Die Evidenz basiert auf Recherchen, die bis April 2025 durchgeführt wurden.

Kramer S, Cheyne JD, Fawkner S, Hassett L, Johnson L, Mead GE, Rackoll T, Smith J, Wagner V, Saunders DH

Helfen Probiotika bei der Behandlung von akutem infektiösem Durchfall?

3 weeks 1 day ago
Was ist das Ziel dieses Reviews?

Akute infektiöse Durchfallerkrankungen stellen weltweit ein erhebliches Gesundheitsproblem dar und betreffen insbesondere Menschen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Wir wollten wissen, ob die Einnahme von Probiotika dazu beiträgt, die Zeit bis zum Abklingen der Symptome zu verkürzen. Wir suchten nach Studien, die den Einsatz von Probiotika bei Menschen mit akuter Diarrhoe untersuchten. Wir suchten nach Studien, in denen die Teilnehmenden nach dem Zufallsprinzip verschiedenen Behandlungen zugeteilt wurden. Solche Studien liefern die zuverlässigste Evidenz.

Kernaussagen

Probiotika haben möglicherweise keinen Einfluss auf die Dauer einer akuten Durchfallerkrankung. Wir wissen nicht, ob sie dazu beitragen, dass sich die Betroffenen schneller von der Durchfallerkrankung erholen. Wir benötigen weitere zuverlässige Studien, um beurteilen zu können, ob Probiotika bei akutem infektiösem Durchfall helfen.

Was wurde in diesem Review untersucht?

Als Durchfall bezeichnet man häufigen Stuhlgang sowie ungewöhnlich weichen oder wässrigen Stuhl. Akuter Durchfall kann durch Infektionen des Darms mit Bakterien, Viren oder Parasiten verursacht werden. Die Erreger werden häufig über Wasser oder Lebensmittel übertragen, die mit Fäkalien verunreinigt sind. Akuter Durchfall bessert sich in der Regel innerhalb weniger Tage. Bei schwerem akutem Durchfall kann der Körper große Mengen an Wasser, Salzen und Nährstoffen verlieren. Dies kann zu einer starken Austrocknung führen und in schweren Fällen lebensbedrohlich sein. Die Behandlung von akutem Durchfall soll verhindern oder ausgleichen, dass der Körper zu viel Flüssigkeit verliert. Außerdem soll sie die Genesung beschleunigen und die Zeit verkürzen, in der Betroffene die Infektion auf andere übertragen können.

Probiotika sind lebende Bakterien oder Hefen. Sie sollen das natürliche Gleichgewicht der Mikroorganismen im Darm wiederherstellen, wenn dieses durch eine Erkrankung oder Behandlung gestört wurde. Probiotika werden häufig als „gute“ oder „nützliche“ Mikroorganismen bezeichnet. Sie können beispielsweise in bestimmten Joghurts enthalten sein oder als Nahrungsergänzungsmittel eingenommen werden. Bei akutem infektiösem Durchfall könnten Probiotika auf verschiedene Weise wirken: Sie könnten die krankmachenden Mikroorganismen direkt hemmen, die Abwehrfunktion des Darms unterstützen oder Entzündungen und Schäden an der Darmschleimhaut verringern.

Was sind die wichtigsten Ergebnisse des Reviews?

Wir fanden 82 Studien mit insgesamt 12.127 Teilnehmenden mit akutem Durchfall. Die meisten Teilnehmenden waren Kinder. Nur 26 Studien wurden in Ländern durchgeführt, in denen die allgemeine Sterblichkeit bei Erwachsenen und Kindern hoch war.

In den 82 Studien wurden verschiedene Probiotika mit keiner zusätzlichen Behandlung oder mit einem Placebo verglichen. Wir wollten herausfinden:

• wie viele Personen nach 48 Stunden noch Durchfall hatten; und
• wie lange der Durchfall im Durchschnitt anhielt.

Die Studien unterschieden sich deutlich in ihrer Planung und Durchführung. Die Studien definierten „akuten Durchfall“ und das „Ende der Durchfallbeschwerden“ unterschiedlich und untersuchten zudem viele verschiedene Probiotika. Deshalb konnten nicht alle Studienergebnisse in die Analyse einbezogen werden.

Wir fanden keinen Unterschied zwischen Probiotika und Placebo oder keiner zusätzlichen Behandlung darin, wie viele Kinder nach 48 Stunden noch Durchfall hatten (2 Studien in Ländern mit hohem Einkommen; 1.770 Kinder). Wir sind uns nicht sicher, ob Probiotika die Dauer des Durchfalls verkürzen (6 Studien; 3.058 Personen). Diese Ergebnisse unterschieden sich nicht nach Alter, Ernährungs- oder sozioökonomischem Status, Region oder Rotavirus-Infektion der Teilnehmenden. Auch die Einnahme von Antibiotika oder Zinkpräparaten änderte die Ergebnisse nicht.

Probiotika hatten möglicherweise keinen Einfluss auf:

• die Anzahl der Personen, die länger als 14 Tage an Durchfall litten (neun Studien; 2.928 Personen); oder
• die Anzahl der Personen, die wegen Durchfall ins Krankenhaus eingewiesen wurden (sechs Studien; 2.283 Personen).

Es ist unklar, ob Probiotika die Dauer des Krankenhausaufenthalts im Vergleich zu Placebo oder keiner zusätzlichen Behandlung verkürzen (24 Studien; 4.056 Personen). Nur wenige Studien berichteten über unerwünschte Wirkungen von Probiotika; bei den Personen, die Probiotika einnahmen, wurden keine schwerwiegenden unerwünschten Wirkungen berichtet.

Wie zuverlässig sind die Ergebnisse?

Frühere Versionen dieses Reviews stützten ihre Schlussfolgerungen auf viele kleine Studien und deuteten darauf hin, dass Probiotika wirksam sein könnten.

Diese neue Analyse zeigt, dass bei diesem Thema eine Verzerrung durch Veröffentlichungsbias vorliegt, da kleine Studien, die positive Wirkungen nachweisen, eher veröffentlicht werden, was die Ergebnisse verzerrt. In der aktuellen Version fanden die Autor*innen Hinweise darauf, dass kleine Studien mit positiven Ergebnissen häufiger veröffentlicht wurden. Zudem wiesen viele Studien methodische Schwächen auf und ihre Ergebnisse unterschieden sich stark. Deshalb stützten die Auto*rinnen ihre wichtigsten Schlussfolgerungen vor allem auf größere Studien mit geringem Verzerrungsrisiko.

Wie aktuell ist dieser Review?

Wir haben Studien berücksichtigt, die bis zum 17. Dezember 2019 veröffentlicht wurden.

Collinson S, Deans A, Padua-Zamora A, Gregorio GV, Li C, Dans LF, Allen SJ

Hilft eine bewegungsorientierte Herzrehabilitation Menschen mit koronarer Herzkrankheit langfristig?

3 weeks 1 day ago
Kernaussagen
  • Im Vergleich zu keinem strukturierten Bewegungstraining verringert eine bewegungsbasierte Herzrehabilitation bei Menschen mit koronarer Herzkrankheit die Zahl der Herzinfarkte, führt wahrscheinlich zu weniger Krankenhauseinweisungen und senkt das Sterberisiko wahrscheinlich leicht.

  • Eine bewegungsbasierte Herzrehabilitation verbessert wahrscheinlich einige Aspekte der gesundheitsbezogenen Lebensqualität über einen Zeitraum von bis zu 12 Monaten und scheint kosteneffizient zu sein.

  • Neuere Studien schließen nun mehr Frauen ein, untersuchen häufiger Programme für zu Hause und digitale Programme und wurden in mehr Ländern weltweit durchgeführt.

Was ist eine koronare Herzkrankheit (KHK)?

Eine koronare Herzkrankheit (KHK) ist eine Erkrankung, bei der die Blutgefäße, die das Herz mit Blut versorgen, verengt oder verschlossen sind – häufig durch Fettablagerungen. Dadurch wird der Herzmuskel schlechter durchblutet Sie ist weltweit die häufigste Todesursache. Dank besserer Behandlungsmöglichkeiten überleben heute mehr Menschen eine KHK und leben länger mit den Folgen der Erkrankung. Viele Menschen mit KHK leiden bei körperlicher Belastung unter Brustschmerzen (Angina pectoris) und Atemnot sowie häufig auch unter Müdigkeit. Zudem besteht das Risiko weiterer Komplikationen, zum Beispiel eines Herzinfarkts.

Was ist eine bewegungsbasierte Herzrehabilitation?

Die bewegungsbasierte Herzrehabilitation soll Menschen mit KHK helfen, mit ihrer Erkrankung umzugehen, ihre Gesundheit zu verbessern und das Risiko künftiger Komplikationen zu verringern. Sie umfasst strukturierte Trainingsprogramme, die teilweise mit Informationen zur Erkrankung oder psychologischer Unterstützung kombiniert werden.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten wissen, ob Menschen mit KHK durch eine bewegungsbasierte Herzrehabilitation im Vergleich zu keinem strukturierten Trainingsprogramm:

  • ein geringeres Sterberisiko haben;

  • weniger Herzinfarkte haben;

  • seltener weitere Eingriffe am Herzen benötigen, zum Beispiel einen Stent (ein kleines Röhrchen, das ein Blutgefäß offenhält) oder eine Bypass-Operation sowie

  • weniger häufig ins Krankenhaus eingewiesen werden.

Außerdem interessierte uns, ob eine bewegungsbasierte Herzrehabilitation die gesundheitsbezogene Lebensqualität der Betroffenen verbesserte und kosteneffizient war.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen eine bewegungsbasierte Herzrehabilitation bei Erwachsenen mit koronarer Herzkrankheit mit keiner strukturierten Bewegung verglichen wurde. Die Studienteilnehmenden mussten einen Herzinfarkt (Myokardinfarkt) erlitten haben, sich einem Eingriff zur Wiederherstellung der Durchblutung des Herzens (zum Beispiel einer Koronarbypass-Operation) unterzogen haben oder an Angina pectoris beziehungsweise verengten oder verschlossenen Herzkranzgefäßen leiden. Das Training konnte im Krankenhaus, in wohnortnahen Einrichtungen oder zu Hause stattfinden. Die Studien mussten die Teilnehmenden mindestens sechs Monate lang nachbeobachten.

Was fanden wir heraus?
Wir fanden 107 Studien mit 26.886 Teilnehmenden. Die meisten Teilnehmenden hatten einen Herzinfarkt erlitten oder sich einer Bypass-Operation beziehungsweise einem Eingriff zur Öffnung verengter oder verschlossener Herzkranzgefäße (Angioplastie) unterzogen. Die meisten Studien schlossen sowohl Männer als auch Frauen ein, doch Frauen machten insgesamt nur 17 % der Teilnehmenden aus.

In 52 Studien wurde ausschließlich ein Bewegungsprogramm untersucht. Die übrigen Studien untersuchten Bewegungstraining in Kombination mit weiteren Maßnahmen, zum Beispiel Informationen zur Erkrankung oder psychologischer beziehungsweise sozialer Unterstützung. Am häufigsten wurde Ausdauertraining eingesetzt, zum Beispiel Radfahren auf dem Fahrradergometer, Gehen oder Zirkeltraining. Die Häufigkeit und Intensität der körperlichen Aktivität variierte zwischen den Studien. In 27 Studien wurde Bewegung zu Hause untersucht, wobei einige Trainingsprogramme über eine Smartphone-App oder online durchgeführt wurden. Die meisten Studien begleiteten die Teilnehmenden über einen Zeitraum von bis zu 12 Monaten.

Hauptergebnisse

Im Vergleich zu keinem strukturierten Bewegungstraining bewirkt eine bewegungsbasierte Herzrehabilitation über sechs bis zwölf Monate Folgendes:

  • verringert wahrscheinlich die Gesamtsterblichkeit (30 Studien, 10.391 Personen) und senkt wahrscheinlich die Sterblichkeit aufgrund von Herzerkrankungen (20 Studien, 7.277 Personen). Wenn 125 Menschen an einer bewegungsbasierten Herzrehabilitation teilnehmen, wird wahrscheinlich ein Todesfall verhindert. Ebenso kann wahrscheinlich bei 200 Teilnehmenden ein Todesfall aufgrund herzbedingter Ursachen verhindert werden.

  • verringert deutlich die Rate der Herzinfarkte (25 Studien, 8.584 Personen). Pro 71 Teilnehmende an einer bewegungsorientierten Herzrehabilitation wird ein Herzinfarkt verhindert;

  • hat kaum bis gar keinen Einfluss auf die Notwendigkeit weiterer Herzinterventionen (einschließlich Stents oder Bypass-Operationen);

  • verringert wahrscheinlich die Zahl der Krankenhauseinweisungen insgesamt (21 Studien, 3.868 Personen). Von 17 Menschen, die an einer bewegungsbasierten Herzrehabilitation teilnehmen, wird voraussichtlich eine Krankenhauseinweisung verhindert. Möglicherweise werden auch herzbedingte Krankenhausaufnahmen reduziert (6 Studien, 1.550 Personen).

Die Evidenz deutete darauf hin, dass sich die gesundheitsbezogene Lebensqualität durch das Training verbesserte.

Die Evidenz aus acht Studien deutet darauf hin, dass eine bewegungsbasierte Herzrehabilitation kosteneffizient ist.

Was schränkt die Evidenz ein?

Wir haben großes Vertrauen in die Evidenz zu Herzinfarkten und zur Notwendigkeit weiterer Herzbehandlungen. Unser Vertrauen in die übrige Evidenz ist jedoch begrenzt, da einige Studien methodische Schwächen bei der Durchführung oder Berichterstattung aufwiesen. Beispielsweise wissen wir nicht genau, wie konsequent die Teilnehmenden ihre Trainingsprogramme durchgeführt haben. Insgesamt sind Frauen in den Studien nach wie vor deutlich seltener vertreten als Männer. Viele der neuen Studien, die wir gefunden haben, wurden in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen durchgeführt. Daher könnten unsere Ergebnisse für diese Länder relevanter sein als bisher.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Dies ist eine Aktualisierung der vorherigen Version, die 2021 veröffentlicht wurde. Die Evidenz ist auf dem Stand von März 2026.

Dibben G, de Vries FBG, Faulkner J, Oldridge N, Rees K, Stens NA, Thijssen D, Thompson DR, Zwisler AD, Taylor RS

Welche Wirkungen haben Medikamente zur Vorbeugung von Knochenbrüchen bei Männern?

3 weeks 2 days ago
Kernaussagen
  • Es ist unklar, ob Medikamente zur Vorbeugung von Knochenschwund (Bisphosphonate) das Risiko für Hüft-, Wirbelsäulen- oder andere Knochenbrüche bei Männern senken.

  • Diese Medikamente verursachen bei Männern wahrscheinlich nicht mehr unerwünschte Wirkungen oder schwerwiegende Gesundheitsprobleme als eine Scheinbehandlung (Placebo).

  • Für andere Medikamente (Analoga des Parathormons (PTH) und des Parathormon-verwandten Proteins (PTHrP), Denosumab und Romosozumab) zeigen sich ähnliche Ergebnisse. Bei PTH-/PTHrP-Analoga besteht jedoch große Unsicherheit hinsichtlich unerwünschter Wirkungen.

Was ist Osteoporose und in welchem Zusammenhang steht sie mit Knochenbrüchen bei Männern?

Knochenverlust (Osteoporose) liegt vor, wenn die Knochendichte abnimmt, sodass die Knochen weniger stabil sind und leichter brechen. Knochenbrüche treten besonders häufig an der Hüfte, der Wirbelsäule und anderen Knochen auf. Bei älteren Menschen entstehen solche Knochenbrüche häufig schon durch einen Sturz aus dem Stand oder aus geringer Höhe. Solche Frakturen können zu lang anhaltenden Schmerzen, zum Verlust der Selbstständigkeit, zu Behinderungen und in einigen Fällen sogar zum Tod führen. Osteoporose bei Männern beginnt in der Regel später im Leben und schreitet langsamer voran als bei Frauen. Auch andere Risikofaktoren für Knochenbrüche, etwa Gleichgewicht, Muskelkraft, Begleiterkrankungen, die Einnahme bestimmter Medikamente und die Art, wie jemand stürzt, können sich zwischen Männern und Frauen unterscheiden.

Ärzt*innen setzen häufig knochenstärkende Medikamente ein, um Knochenbrüchen nach leichten Stürzen oder Verletzungen vorzubeugen. Zu den etablierten Medikamenten gehören Bisphosphonate (Zoledronsäure, Alendronat, Risedronat, Ibandronat), Analoga des Parathormons (PTH) oder des Parathormon-verwandten Proteins (PTHrP) sowie Denosumab oder Romosozumab. Die meisten Untersuchungen zu diesen Medikamenten wurden bei Frauen durchgeführt, insbesondere nach den Wechseljahren. Über die Wirkungen dieser Behandlungen bei Männern mit erhöhtem Frakturrisiko ist weitaus weniger bekannt.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob diese Medikamente Frakturen der Hüfte, der Wirbelsäule oder anderer Knochen reduzieren und ob sie bei Männern mit Frakturrisiko unerwünschte Wirkungen verursachen.

Wie sind wir vorgegangen?

Wir suchten nach Studien, in denen Männer mit einem Frakturrisiko Medikamente wie Bisphosphonate, PTH/PTHrP-Analoga, Denosumab oder Romosozumab im Vergleich zu einer Scheinbehandlung (Placebo) oder anderen Behandlungen erhielten. Wir verglichen die Ergebnisse der Studien, fassten sie zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz. Dabei berücksichtigten wir unter anderem die Größe der Studien und wie sie durchgeführt wurden.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 17 Studien mit 4.132 Männern. Das Durchschnittsalter der teilnehmenden Personen lag zwischen 52 und 73 Jahren. Zwei Studien wurden in Deutschland durchgeführt, vier in den USA, eine in der Türkei, eine in Taiwan und neun Studien waren multinational.

Hauptergebnisse

Im Vergleich zu Placebo über einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren:

  • 0,1 % weniger Personen erlitten eine Hüftfraktur , wenn sie Bisphosphonate einnahmen, doch die Evidenz ist sehr unsicher (4 Studien, 1.635 Personen):

    • 0,2 % der Männer erlitten unter Bisphosphonaten eine Hüftfraktur;

    • 0,3 % der Männer erlitten unter Placebo eine Hüftfraktur.

  • 0,4 % weniger Männer erlitten unter Bisphosphonaten symptomatische Wirbelfrakturen , doch die Evidenz ist sehr unsicher (5 Studien, 1.876 Personen):

    • 0,4 % der Männer erlitten unter Bisphosphonaten eine symptomatische Wirbelfraktur;

    • 0,8 % der Männer erlitten unter Placebo eine symptomatische Wirbelfraktur.

  • Bei der Einnahme von Bisphosphonaten traten bei 0,5 % weniger Männern andere Frakturen (keine Hüft- oder Wirbelfrakturen) auf, doch die Evidenz ist sehr unsicher (6 Studien, 2.043 Personen):

    • 1,6 % der Männer erlitten unter Bisphosphonaten andere Frakturen;

    • 2,1 % der Männer hatten unter Placebo andere Frakturen.

Bisphosphonate erhöhen wahrscheinlich nicht das Risiko für unerwünschte Wirkungen. 4,2 % mehr Männer hatten unter Bisphosphonaten unerwünschte Wirkungen als unter Placebo (7 Studien, 2.548 Personen).

  • Unerwünschte Wirkungen traten bei 74,6 % der Männer unter Bisphosphonaten und

  • bei 70,4 % der Männer unter Placebo auf.

1,2 % weniger Männer brachen die Studie aufgrund unerwünschter Wirkungen ab, wenn sie Bisphosphonate statt Placebo einnahmen. Die Evidenz hierzu ist jedoch sehr unsicher (7 Studien, 2.548 Personen).

  • 2,5 % der Männer brachen die Studie aufgrund von unerwünschten Wirkungen unter Bisphosphonaten ab;

  • 3,7 % der Männer brachen die Studie aufgrund von unerwünschten Wirkungen unter Placebo ab.

Bisphosphonate erhöhen wahrscheinlich nicht das Risiko schwerwiegender unerwünschter Wirkungen (6 Studien, 2.457 Personen). Bei 1,4 % weniger Männern traten schwerwiegende unerwünschte Wirkungen unter Bisphosphonaten auf als bei denjenigen, die ein Placebo einnahmen:

  • 27,2 % der Männer erlitten schwerwiegende unerwünschte Wirkungen unter Bisphosphonaten;

  • 28,6 % der Männner erlitten schwerwiegende unerwünschte Wirkungen unter Placebo.

Einschränkungen der körperlichen Funktionsfähigkeit wurden in keiner Studie untersucht.

Ähnliche Ergebnisse fanden wir für PTH- oder PTHrP-Analoga (4 Studien, 569 Männer), Denosumab (1 Studie, 240 Personen) und Romosozumab (1 Studie, 244 Männer) im Vergleich zu Placebo.

Was schränkt die Evidenz ein?

Wir haben sehr geringes Vertrauen in die Wirkungen von Bisphosphonaten zur Vorbeugung von Frakturen, da nur wenige Studien vorlagen. Zudem war die Nachbeobachtung in der Regel kurz (meist zwei Jahre oder weniger); und es gab in beiden Studiengruppen nur wenige Personen mit Frakturen.

Wir haben nur moderates Vertrauen in die Wirkung von Bisphosphonaten auf unerwünschte Wirkungen oder schwerwiegende unerwünschte Wirkungen, da nicht klar war, ob in allen Studien jedes Ereignis vollständig berichtet wurde. Wir haben sehr geringes Vertrauen in die Wirkung von Bisphosphonaten auf Studienabbrüche aufgrund von unerwünschten Wirkungen, da in einigen Studien nicht klar war, ob die Personen aufgrund von unerwünschten Wirkungen oder aus anderen Gründen aus der Studie ausschieden.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von Oktober 2025.

Braten LC, Suter C, Johnston RV, Hartzell SA, Järvinen T, Buchbinder R

Welche Vorteile und Risiken hat die Holmium-Laser-Enukleation der Prostata (HoLEP) im Vergleich zu anderen Prostataoperationen?

4 weeks 1 day ago
Kernaussagen
  • Holmium-Laser-Enukleation der Prostata (HoLEP) und die Standard-Prostataoperation (transurethral resection of the prostate, TURP) lindern Harnwegsbeschwerden möglicherweise ähnlich gut und verbessern die Lebensqualität in vergleichbarem Maße. Auch schwerwiegende Komplikationen treten im ersten Jahr nach der Operation möglicherweise ähnlich häufig auf.

  • HoLEP verringert im Vergleich zur TURP und im Vergleich zur Prostatektomie (operative Entfernung von Prostatagewebe) wahrscheinlich den Bedarf an Bluttransfusionen. Möglicherweise ist der Bedarf auch im Vergleich zur Laserablation (Zerstörung von Prostatagewebe mit einem Laser) geringer. Pro 1.000 behandelte Männer würden etwa 36 weniger eine Bluttransfusion benötigen (HoLEP vs. TURP).

  • Es liegt noch nicht genügend Evidenz vor, um zu beurteilen, ob HoLEP bei sehr stark vergrößerter Prostata oder bei Personen, die bestimmte blutverdünnende Medikamente einnehmen, die bessere Behandlungsmöglichkeit ist.

Was ist eine benigne Prostatahyperplasie?

Die Prostata ist eine kleine Drüse, die nur bei Männern vorkommt. Dabei handelt es sich um eine gutartige Erkrankung, bei der sich die Prostata mit zunehmendem Alter häufig vergrößert. Dadurch kann der Harnfluss behindert werden. Das lässt sich mit einem verengten Schlauch vergleichen: Der Urin kann schlechter abfließen, sodass das Wasserlassen zunehmend schwieriger wird.

Wie wird eine gutartige Prostatahyperplasie behandelt?

Zu den Behandlungsmöglichkeiten zählen Änderungen des Lebensstils, Medikamente und operative Eingriffe. Lange Zeit war die transurethrale Resektion der Prostata (TURP) die am häufigsten durchgeführte Operation. Bei der TURP wird überschüssiges Prostatagewebe mit einem kleinen Instrument entfernt, das durch die Harnröhre eingeführt wird. Heute werden dafür auch Laserverfahren eingesetzt. Eine dieser Laserbehandlungen ist die sogenannte Holmium-Laser-Enukleation der Prostata (HoLEP).

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten wissen, wie HoLEP im Vergleich zu anderen Operationen die Beschwerden und die Lebensqualität beeinflusst und wie sicher das Verfahren ist.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen HoLEP mit anderen Prostataoperationen verglichen wurde. Wir untersuchten, wie wirksam und sicher die verschiedenen Operationsverfahren waren und wie schnell sich die Männer davon erholten. Anschließend fassten wir alle Ergebnisse zusammen und bewerteten die Zuverlässigkeit der einzelnen Studien.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 52 Studien mit 6.242 Männern, die sich einer Prostataoperation unterzogen hatten. Diese Zusammenfassung konzentriert sich auf Studien, in denen HoLEP innerhalb des ersten Jahres nach der Operation mit der TURP verglichen wurde. Die TURP galt lange als Standardoperation bei gutartiger Prostatavergrößerung. Dieser Vergleich ist besonders relevant für Männer, die zwischen verschiedenen Operationsverfahren wählen. Das Durchschnittsalter der Männer lag zwischen 65 und 74 Jahren und die durchschnittliche Prostatagröße in den Studien reichte von 30 cm³ bis 142 cm³. Die Studien wurden in 11 Ländern durchgeführt.

  • Symptome und Lebensqualität : HoLEP lindert Harnwegsbeschwerden möglicherweise ähnlich gut wie die TURP (14 Studien, 1666 Personen) und verbessert möglicherweise auch die Lebensqualität in ähnlichem Maße (6 Studien, 876 Personen). Die festgestellten Unterschiede waren so gering, dass sie für die Männer keine spürbare Bedeutung hatten.

  • Schwerwiegende Komplikationen: Schwerwiegende Komplikationen treten bei HoLEP möglicherweise ähnlich häufig auf wie bei der TURP (10 Studien, 1147 Personen).

  • Erneute Operationen und erektile Funktion: Die Häufigkeit erneuter Operationen und die erektile Funktion sind nach HoLEP und TURP wahrscheinlich ähnlich.

  • Ejakulation: Keine der Studien berichtete darüber, wie sich HoLEP und TURP auf die Ejakulation auswirkten, obwohl dies für viele Männer von großer Bedeutung ist.

  • Bluttransfusion: HoLEP senkt im Vergleich zur TURP wahrscheinlich das Risiko, eine Bluttransfusion zu benötigen. Im Vergleich zu den meisten anderen Operationsverfahren macht HoLEP möglicherweise keinen oder nur einen geringen Unterschied. Etwa 44 von 1.000 Männern benötigen nach einer TURP eine Transfusion, verglichen mit etwa 8 von 1.000 nach einer HoLEP (15 Studien, 1.755 Personen).

  • Wir verglichen HoLEP außerdem mit anderen Laserverfahren, anderen Enukleationstechniken und offenen Operationen. Dabei betrachteten wir auch Ergebnisse, die mehr als ein Jahr nach dem Eingriff erhoben wurden. Diese Ergebnisse sind im Volltext des Reviews dargestellt.

Was schränkt die Evidenz ein?
  • Studienqualität: Die meisten Studien wiesen methodische Mängel auf. So ist es beispielsweise unmöglich, die Operierenden zu verblinden, und auch die Teilnehmenden können nur schwer darüber im Unklaren gelassen werden, welche Operation sie erhalten haben. Dies kann beeinflussen, wie die Ergebnisse gemessen und berichtet werden. Nur wenige Studien verfügten über vorab registrierte Protokolle, sodass einige Ergebnisse möglicherweise selektiv berichtet wurden. Aus diesen Gründen haben wir in viele der Ergebnisse nur geringes oder sehr geringes Vertrauen.

  • Kurze Nachbeobachtung: Die meisten Studien führten eine Nachbeobachtung nur bis zu 12 Monaten durch. Wir wissen nicht, ob die Vorteile von HoLEP langfristig bestehen bleiben oder ob sich die Häufigkeit erneuter Operationen auf längere Sicht wesentlich unterscheidet.

  • Keine der Studien berichtete darüber, wie sich die verschiedenen Operationsverfahren auf die Ejakulation auswirkten. Da etwa drei von vier Männern nach einer HoLEP eine retrograde Ejakulation („trockener Orgasmus“) erleben, ist dies eine wichtige Wissenslücke. Auch Daten zur Harninkontinenz nach der Operation wurden nicht einheitlich erfasst.

  • Erfahrung der Operierenden: Die meisten Operierenden in den einbezogenen Studien verfügten über umfangreiche Erfahrung mit der HoLEP. Die tatsächlichen Ergebnisse können anders ausfallen, wenn die Operierenden noch wenig Erfahrung mit HoLEP haben. Die Komplikationsrate nimmt mit zunehmender Erfahrung weiter ab und stabilisiert sich offenbar erst nach etwa 350 Eingriffen.

  • Begrenzte Evidenz für bestimmte Patientengruppen: Wir konnten nicht untersuchen, ob HoLEP bei Männern mit sehr stark vergrößerter Prostata (≥ 80 ml) oder bei Männern, die blutverdünnende Medikamente einnehmen, anders wirkt, da zu wenige Studien diese Patientengruppen einschlossen. Gerade bei diesen Patientengruppen könnte HoLEP möglicherweise besonders vorteilhaft sein. Daher ist diese Evidenzlücke besonders relevant.

  • Wenige Studien für einige Vergleiche: Die meisten Studien verglichen HoLEP mit TURP. Für Vergleiche mit Laserablation, anderen Enukleationstechniken oder offenen Operationen ist die Evidenz daher weniger sicher.

Wie aktuell ist dieser Review?

Dieser Review ist auf dem Stand vom 08. April 2026.

Sathianathen N, Hwang EC, Brown SJane, Bakker C, Borofsky MS, Ergun O, Dahm P

Welche Wirkungen hat eine Jodsupplementierung zur Vorbeugung von Jodmangelerkrankungen bei Kindern und Jugendlichen?

1 month ago
Kernaussagen
  • Eine Jodsupplementierung verbessert die Denkfähigkeit (kognitive Funktion) bei Kindern und Jugendlichen leicht. Das Wachstum (Gewicht) beeinflusst eine Jodsupplementierung möglicherweise nicht oder allenfalls geringfügig. In keiner der Studien wurden unerwünschte Wirkungen berichtet.

  • Eine Jodsupplementierung verringert wahrscheinlich das Auftreten einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) und möglicherweise auch das Risiko, im Säuglingsalter zu sterben, in Regionen mit hoher Säuglingssterblichkeit. Ob eine Jodsupplementierung das Auftreten einer Schilddrüsenvergrößerung (Struma) verringert, ist unklar.

  • Zukünftige Studien sollten sich auf Regionen und Bevölkerungsgruppen konzentrieren, in denen Jodmangel ein Problem sein könnte, und dabei auch Kinder aus sozioökonomisch benachteiligten Gruppen einbeziehen. Zukünftige Studien sollten höhere Joddosen über längere Behandlungs- und Nachbeobachtungszeiträume untersuchen.

Was ist Jod und warum ist es wichtig?

Jod ist ein Mineralstoff, den der Körper für die Bildung von Schilddrüsenhormonen benötigt. Diese Hormone sind wichtig für die normale Entwicklung des Körpers und des Gehirns. Da Jod für die körperliche und geistige Entwicklung wichtig ist, sollten Kinder ausreichend damit versorgt sein. Jodmangel bei Kindern kann das Wachstum und die Entwicklung des zentralen Nervensystems beeinträchtigen. Mögliche Folgen sind Entwicklungsstörungen, eine eingeschränkte geistige Leistungsfähigkeit, eine Vergrößerung der Schilddrüse (Struma) und in schweren Fällen auch ein erhöhtes Risiko, im Säuglingsalter zu sterben.

Wichtige Jodquellen in der Ernährung sind jodiertes Speisesalz, Fisch und andere Meeresprodukte sowie Milch und Milchprodukte. Auch Getreide kann Jod liefern, wenn es auf jodreichen Böden angebaut wurde. Eine Jodsupplementierung kann auf unterschiedliche Weise erfolgen: Jodiertes Öl kann einmalig oder einmal jährlich in einen Muskel gespritzt werden. Kaliumjodid kann dagegen täglich oder wöchentlich in niedriger Dosis als Tablette, Kapsel oder Tropfen eingenommen werden.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob eine Jodsupplementierung im Vergleich zu einem Placebo (Scheinbehandlung) Jodmangelerkrankungen bei Kindern und Jugendlichen verhindern kann. Außerdem wollten wir wissen, ob die Einnahme einer Jodsupplementierung mit unerwünschten Wirkungen verbunden ist.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, die eine Jodsupplementierung mit einem Placebo bei Kindern und Jugendlichen mit einem erhöhten Risiko für Jodmangel verglichen. Wir verglichen die Ergebnisse der Studien, fassten sie zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz. Dabei berücksichtigten wir unter anderem die Größe der Studien und wie gut sie durchgeführt wurden.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden acht Studien mit insgesamt 2.528 Teilnehmenden, die die Wirkungen einer Jodsupplementierung zur Vorbeugung von Jodmangel bei Kindern und Jugendlichen untersuchten. Die Studien wurden zwischen 1982 und 2009 durchgeführt, überwiegend in einkommensschwachen Regionen in Albanien, Bangladesch, Kolumbien, Indonesien, Malawi, Neuseeland und Tansania. In den Studien wurde eine orale Jodsupplementierung mit einem Placebo verglichen. In einer Studie erhielten die Teilnehmenden zusätzlich Eisen.

Jodsupplementierung im Vergleich zu Placebo
  • Eine Jodsupplementierung verbessert die Denkfähigkeit (kognitive Funktion) im Vergleich zu Placebo leicht (1 Studie, 166 Teilnehmende).

  • Eine Jodsupplementierung hat im Vergleich zu Placebo möglicherweise nur geringe oder keine Auswirkungen auf das Gewicht der Kinder (3 Studien, 658 Teilnehmende).

  • Eine Jodsupplementierung verringert im Vergleich zu Placebo wahrscheinlich deutlich das Auftreten einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) (1 Studie, 264 Teilnehmende).

  • Keine der Studien berichtete über unerwünschte Wirkungen der Jodsupplementierung. Auch zur Lebensqualität lagen keine Daten vor.

  • Eine Jodsupplementierung verringert im Vergleich zu Placebo wahrscheinlich das Risiko, innerhalb der ersten sechs Lebensmonate zu sterben (1 Studie, 617 Säuglinge).

  • Ob eine Jodsupplementierung das Auftreten einer Schilddrüsenvergrößerung (Struma) verringert ist auf Basis von 2 Studien mit 432 Teilnehmenden unklar. Eine der beiden Studien verwendete keine ausreichend robusten Methoden. Wir schlossen diese Studie aus der Analyse aus. Danach zeigte sich, dass Jod das Auftreten einer Schilddrüsenvergrößerung (Struma) wahrscheinlich deutlich verringert (1 Studie, 230 Teilnehmende).

Jod- und Eisensupplementierung im Vergleich zu Placebo
  • Es ist unklar, ob eine Jod-plus-Eisen-Supplementierung das Körpergewicht beeinflusst (1 Studie, 146 Teilnehmende).

  • Zu den Wirkungen auf die kognitive Funktion, Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose), unerwünschte Wirkungen, Lebensqualität, Todesfälle jeglicher Ursache und Schilddrüsenvergrößerung (Struma) lagen keine Daten vor.

Was schränkt die Evidenz ein?

Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz war je nach Ergebnis unterschiedlich und reichte von hoch bis sehr niedrig. Unser Vertrauen in die Evidenz war in einigen Fällen begrenzt, weil:

  • es möglich ist, dass die Teilnehmenden in den Studien wussten, welche Behandlung sie erhielten;

  • die Studien an unterschiedlichen Personengruppen durchgeführt wurden;

  • es nicht genügend Studien gibt, um die Ergebnisse mit Sicherheit beurteilen zu können.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von Mai 2025.

Velasco I, Rueda-Etxebarria M, Trak-Fellermeier MA, Taylor P, Rabassa Bonet M, Chi Y, Janka H, Rueda JR

Welche Kombinationen von inhalativen Medikamenten sind bei chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) wirksam und sicher?

1 month ago
Kernaussagen

• Die Anwendung eines Inhalators, der einen langwirksamen Muskarin-Antagonisten plus einen langwirksamen Beta-Agonisten (LAMA+LABA) enthält, verbessert bei chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) wahrscheinlich die Lungenfunktion und senkt das Risiko einer Lungenentzündung im Vergleich zu LABA plus einem inhalativen Kortikosteroid (LABA+ICS).

• LAMA+LABA und LABA+ICS verringern COPD-Exazerbationen wahrscheinlich ähnlich stark und verbessern die Lebensqualität wahrscheinlich in ähnlichem Ausmaß.

• Bei Personen, die LAMA+LABA erhielten, war das Sterberisiko wahrscheinlich geringfügig höher.

Was ist eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) und wie wird sie behandelt?

Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) ist eine langfristige Lungenerkrankung, die durch Husten, Auswurf (Schleim aus der Lunge) und Atembeschwerden gekennzeichnet ist. 

COPD wird unter anderem mit sogenannten Bronchodilatatoren (bronchienerweiternden Medikamenten) behandelt. Sie entspannen die Muskulatur der Atemwege und erweitern dadurch die Bronchien, sodass das Atmen leichter fällt. Zwei wichtige Arten von Bronchodilatatoren sind langwirksame Muskarin-Antagonisten (LAMAs) und langwirksame Beta-Agonisten (LABAs). Leitlinien empfehlen für Menschen mit stabiler COPD und hohem Risiko eine Inhalationsbehandlung mit einer Kombination aus LAMA und LABA oder aus LABA und einem inhalativen Kortikosteroid (ICS). Kortikosteroide sind entzündungshemmende Medikamente.

Was wollten wir herausfinden?

Wir untersuchten die Ergebnisse von Studien, in denen die Teilnehmenden nach dem Zufallsprinzip entweder LAMA+LABA oder LABA+ICS erhielten, und verglichen die Wirkungen der beiden Behandlungen.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, die den Nutzen und die Risiken von LAMA+LABA und LABA+ICS bei der Behandlung von Menschen mit COPD untersuchten. Wir haben diese Ergebnisse zusammengefasst und unser Vertrauen in die Evidenz bewertet.

Was fanden wir heraus?

Wir schlossen 19 Studien mit 22.354 Teilnehmenden ein. Die Studien dauerten zwischen 6 und 52 Wochen. An den Studien nahmen mehr Männer als Frauen teil (etwa 70 % der Teilnehmenden waren Männer), und das Durchschnittsalter der Teilnehmenden lag bei etwa 64 Jahren. Die meisten Studien umfassten Menschen mit mittelschwerer bis schwerer COPD. An den meisten Studien waren Pharmaunternehmen beteiligt, was die Zuverlässigkeit der Ergebnisse beeinträchtigen könnte.

Im Vergleich zu LABA+ICS verbesserte LAMA+LABA die Lungenfunktion und verringerte das Risiko für eine Lungenentzündung von 5 % auf 3 %. Gleichzeitig erhöhte LAMA+LABA wahrscheinlich das Sterberisiko geringfügig (von 1 % auf 1,4 %). LAMA+LABA hatte im Vergleich zu LABA+ICS wahrscheinlich kaum oder gar keinen Einfluss auf COPD-Exazerbationen (Schübe). Die Teilnehmenden in beiden Behandlungsgruppen berichteten über eine ähnliche Lebensqualität. Auch das Risiko für schwerwiegende unerwünschte Wirkungen war etwa gleich; solche Ereignisse traten jedoch nur selten auf. 

Was schränkt die Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Evidenz war mäßig bis hoch, da die einbezogenen Studien gut konzipiert waren und eine ausreichende Anzahl von Teilnehmenden mit überwiegend mittelschwerer bis schwerer COPD umfassten.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Diese Übersichtsarbeit ist auf dem Stand vom 10. September 2022. Die Ergebnisse laufender oder künftiger Studien zu neu entwickelten Medikamenten stehen noch aus. Diese Übersichtsarbeit sollte in einigen Jahren erneut aktualisiert werden.

Fukuda N, Horita N, Kaneko A, Goto A, Kaneko T, Ota E, Kew KM

Was sind die langfristigen Wirkungen einer mindestens einjährigen Hormontherapie bei Frauen in der Peri- und Postmenopause?

1 month ago
Kernaussagen

• Wirkungen der Hormontherapie auf die langfristige Gesundheit von Frauen sind unterschiedlich, je nachdem, ob sie eine kombinierte Hormontherapie (sowohl Östrogen als auch Gestagen) oder nur Östrogen einnehmen.
• Angesichts der veränderten Dosierungen und Applikationsformen der Hormontherapie im Laufe der Zeit sollten die Ergebnisse dieses Reviews mit Vorsicht interpretiert werden. Die hier zusammengefassten Ergebnisse stammen aus Studien, in denen die Hormontherapie als Tabletten zum Einnehmen verabreicht wurde.
• Künftige Studien sollten die langfristigen Auswirkungen einer Hormontherapie bei Frauen untersuchen, die vor dem 50. Lebensjahr damit beginnen oder deren Eierstöcke infolge einer medizinischen Behandlung nicht mehr funktionieren.

Was sind Menopause und Perimenopause?

Die Menopause tritt natürlicherweise ein – meist zwischen dem 44. und 55. Lebensjahr –, wenn die Eierstöcke keine Eizellen mehr freisetzen und die Produktion der Sexualhormone stark zurückgeht (bis fast zum Erliegen). Die Menopause wird (nachträglich) diagnostiziert, wenn diese Veränderungen dazu führen, dass seit 12 Monaten keine Regelblutung mehr aufgetreten ist. Nach der operativen Entfernung beider Eierstöcke setzt die Menopause sofort ein – der übliche Zeitraum von zwölf Monaten ohne Menstruation gilt hier nicht.

Die Perimenopause ist die Übergangsphase vor der Menopause, in welcher der Hormonspiegel sinkt und die Periode unregelmäßig wird. Sie kann mehrere Jahre andauern und es können Symptome wie Hitzewallungen, nächtliche Schweißausbrüche und Stimmungsschwankungen auftreten.

Ein sinkender Hormonspiegel kann sich auf Herz, Blutgefäße und Knochen auswirken. Er erhöht unter anderem das Risiko für einen ungünstigen Cholesterinspiegel, Veränderungen von Gewicht und Körperfett, Bluthochdruck, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfall sowie für Osteoporose und eine abnehmende Muskelkraft oder Mobilität.

Was ist eine Hormontherapie?

Bei der Hormontherapie wird Östrogen, allein oder zusammen mit einem Gestagen, zur Linderung von Beschwerden in den Wechseljahren eingesetzt. Frauen ohne Gebärmutter können eine reine Östrogentherapie erhalten. Frauen mit Gebärmutter benötigen zusätzlich ein Gestagen, um die Gebärmutterschleimhaut zu schützen und das Risiko für Endometriumkrebs zu senken.

Östrogen kann man als Tablette schlucken oder über die Haut aufnehmen, zum Beispiel als Pflaster oder Gel. Gestagene können als Tablette, über die Vagina oder mithilfe eines Intrauterinpessars gegeben werden – das ist ein kleines T-förmiges Kunststoffteil, das in der Gebärmutter sitzt. Die kombinierte Hormontherapie kann täglich oder zyklisch eingenommen werden. In der zyklischen Form bekommt man täglich Östrogen, aber das Gestagen nur in bestimmten Wochen. Dadurch kann es zu monatlichen Entzugsblutungen kommen.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten untersuchen, ob sich eine Hormontherapie, die über längere Zeit eingenommen wird, langfristig auf die Gesundheit von Frauen auswirkt.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen Frauen in den Wechseljahren, die mindestens ein Jahr lang eine Hormontherapie erhielten, mit Frauen verglichen wurden, die ein inaktives Scheinmedikament (Placebo) einnahmen. Wir fassten die Studienergebnisse zusammen, verglichen sie und bewerteten, wie verlässlich die Evidenz ist – unter anderem anhand der verwendeten Methoden und der Größe der Studien.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 24 Studien mit 45.660 Teilnehmenden. Die meisten Daten stammen aus zwei großen, hochwertigen Studien, die in den 1990er Jahren durchgeführt und Anfang der 2000er Jahre veröffentlicht wurden. Die im Folgenden vorgestellten Ergebnisse stammen aus einer dieser Studien. Die vollständigen Ergebnisse finden Sie im Hauptteil.

Kombinierte kontinuierliche Hormontherapie im Vergleich zu Placebo

Auf der Grundlage der Evidenz aus einer Studie mit 16.608 Frauen, in der die Endpunkte nach einer Nachbeobachtungszeit von etwa 5,5 Jahren gemessen wurden, bewirkt eine kombinierte kontinuierliche Hormontherapie:

• wahrscheinlich keinen oder nur einen minimalen Unterschied, einen Herzinfarkt zu erleiden oder an Lungenkrebs zu erkranken;
• erhöht wahrscheinlich geringfügig das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken (von etwa 19 auf 24 von 1000 Frauen);
• reduziert wahrscheinlich das Risiko von Knochenbrüchen (von etwa 111 auf 87 von 1000 Frauen).

Eine kombinierte kontinuierliche Hormontherapie erhöht möglicherweise:

• das Risiko für einen Schlaganfall (von etwa 13 auf 18 von 1000 Frauen);
• das Risiko für ein Blutgerinnsel in einer Vene (von etwa 10 auf 20 von 1000 Frauen);
• Gallenblasenerkrankungen, die einen chirurgischen Eingriff erfordern (von etwa 16 auf 27 von 1000 Frauen).

Ausschließliche Östrogengabe im Vergleich zu Placebo

Auf der Grundlage der Evidenz aus einer Studie mit 10.739 Frauen, die sich einer Hysterektomie (chirurgische Entfernung der Gebärmutter) unterzogen hatten, bei der die Endpunkte nach 7 Jahren Nachbeobachtung gemessen wurden, bewirkt eine reine Östrogen-Hormontherapie:

• wahrscheinlich keinen oder nur einen minimalen Unterschied, einen Herzinfarkt zu erleiden, ein Blutgerinnsels in einer Vene zu entwickeln oder an Brustkrebs zu erkranken;
• reduziert wahrscheinlich das Risiko von Knochenbrüchen (von etwa 141 auf 103 von 1000 Frauen);
• erhöht wahrscheinlich das Risiko für einen Schlaganfall (von etwa 24 auf 32 von 1000 Frauen) und einer Gallenblasenerkrankung, die eine Operation erfordert (von etwa 27 auf 47 pro 1000 Frauen).

Eine reine Östrogen-Hormontherapie hat möglicherweise keinen oder nur einen minimalen Einfluss darauf, an Lungenkrebs zu erkranken.

Wir verfügten nicht über genügend Daten, um das Risiko einer langfristigen Hormontherapie bei Frauen, die vor ihrem 50. Lebensjahr mit der Therapie begonnen haben, zu bewerten.

Was schränkt die Aussagekraft der Evidenz ein?

Nur etwa 30% der Frauen waren zu Beginn der Studie 50 bis 59 Jahre alt, also die Altersgruppe, die am ehesten eine Hormontherapie gegen Hitzewallungen und nächtliche Schweißausbrüche in Betracht zieht. Darüber hinaus hat sich die Hormontherapie im Laufe der Zeit weiterentwickelt – mit neuen Applikationsformen, unterschiedlichen Hormontypen und angepassten Dosierungen. Die meisten Daten stammen aus einer Studie, in der die Frauen eine Hormontherapie zum Einnehmen erhielten. Diese birgt möglicherweise andere Risiken als die derzeit in der klinischen Praxis verwendeten Anwendungsformen.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von September 2024.

Bofill Rodriguez M, Yong LN, Mirkov S, Bekos C, Lethaby A, Farquhar C

Kann das Training mit Gehirn-Computer-Schnittstellen die Bewegungsfähigkeit und die Bewältigung alltäglicher Aktivitäten nach einem Schlaganfall verbessern?

1 month ago
Kernaussagen
  • Ein Training der Gehirn-Computer-Schnittstellen (engl. Brain-computer-interface, kurz: BCI) kann die Armbewegung möglicherweise etwas verbessern, hat jedoch möglicherweise kaum oder gar keinen Einfluss auf die Beinbewegung. Es ist sehr ungewiss, ob es bei Alltagsaktivitäten hilft.

  • Im Vergleich zu einem „Schein“-BCI (unechten BCI) hat das BCI-Training möglicherweise kaum oder gar keinen Einfluss auf die Bewegungsfähigkeit oder die Alltagsaktivitäten.

  • Es sind größere, gut konzipierte Studien erforderlich, um die tatsächlichen Nutzen und Schäden des BCI-Trainings zu bestätigen.

Was ist eine Gehirn-Computer-Schnittstelle (engl. brain-computer interface; BCI)?

Eine Gehirn-Computer-Schnittstelle (BCI) ist eine Technologie, die eine direkte Verbindung zwischen dem Gehirn und einem externen Gerät herstellt. Dabei werden normalerweise Sensoren auf der Kopfhaut angebracht, um die Gehirnsignale zu erfassen, die entstehen, wenn eine Person sich eine Bewegung vorstellt oder versucht sie auszuführen.

Wie wird BCI nach einem Schlaganfall eingesetzt?

Nach einem Schlaganfall leiden Betroffene häufig unter Muskelschwäche oder Bewegungsausfällen. Beim BCI-Training werden die Gehirnsignale erfasst, die entstehen, wenn eine Person eine Bewegung beabsichtigt. Die Signale werden dann in Echtzeit in ein Feedback umgewandelt. Zum Beispiel erkennt das BCI, wenn der Patient daran denkt, seine Hand zu bewegen. Es löst daraufhin eine Bewegung eines Roboterhandschuhs aus, die Hand zu bewegen, oder stimuliert die Muskeln elektrisch, sodass sich die Hand bewegt. Dieses Feedback erfolgt genau in dem Moment, in dem die Person versucht, die Bewegung auszuführen. Das trägt vermutlich dazu bei, das Gehirn „neu zu vernetzen“ und die Wiederherstellung der Bewegungsfähigkeit zu fördern.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob BCI-Training bei der Verbesserung der Arm- und Beinbewegungen sowie der Fähigkeit zur Ausübung alltäglicher Aktivitäten bei Menschen mit Schlaganfall besser ist als herkömmliche Therapien, andere aktive Behandlungen oder ein Schein-BCI (unechtes BCI). Außerdem wollten wir herausfinden, ob das BCI-Training mit unerwünschten Wirkungen verbunden ist.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, die die Wirkungen des BCI-Trainings bei Erwachsenen untersuchten, die einen Schlaganfall erlitten und infolgedessen Bewegungsschwierigkeiten hatten. Die Teilnehmenden dieser Studien hatten entweder einen Schlaganfall durch ein verstopftes Blutgefäß oder einen Schlaganfall durch eine Blutung im Gehirn erlitten. Die meisten befanden sich einige Monate nach dem Schlaganfall, nachdem sich ihr Zustand stabilisiert hatte. Anschließend haben wir die Ergebnisse der Studien verglichen und zusammengefasst und unsere Zuversicht in die Evidenz bewertet, basierend auf Faktoren wie den angewandten Methoden und der Anzahl der untersuchten Personen.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 43 Studien mit insgesamt 1.628 Erwachsenen, die einen Schlaganfall erlitten hatten. Die Evidenz deutet auf Folgendes hin:

  • Im Vergleich zur herkömmlichen Therapie kann das BCI-Training möglicherweise die Armbewegungen geringfügig verbessern (10 Studien, 611 Personen), hat jedoch möglicherweise kaum bis gar keinen Einfluss auf die Beinbewegungen (1 Studie, 64 Personen). Wir können nicht sagen, ob es bei Alltagsaktivitäten hilft (5 Studien, 282 Personen), da die Evidenz sehr unsicher ist.

  • Im Vergleich zu anderen aktiven Behandlungen kann das BCI-Training das Gleichgewicht möglicherweise leicht verbessern (6 Studien, 165 Personen), hat jedoch möglicherweise kaum oder gar keinen Einfluss auf die Beinbewegungen (4 Studien, 130 Personen). Bei der Armbewegung(14 Studien, 331 Personen) und der Bewältigung von Alltagsaktivitäten (5 Studien, 163 Personen), sind wir nicht sicher genug, um eine eindeutige Aussage zu treffen.

  • Im Vergleich zu einem Schein-BCI, das wie das echte System aussieht und sich auch so anfühlt, aber kein echtes Feedback zu den Gehirnsignalen liefert, macht das BCI-Training möglicherweise kaum einen Unterschied bei den Armbewegungen (9 Studien, 279 Personen), den Beinbewegungen (3 Studien, 106 Personen) oder den Alltagsaktivitäten (1 Studie, 28 Personen).

Wir haben uns auch einige andere Aspekte angesehen, wie beispielsweise erhöhte Muskelspannung, Muskelkraft und die allgemeine Erholung des Nervensystems. Die Evidenz hierzu war zu ungewiss, als dass wir Schlussfolgerungen hätten ziehen können.

Wir wollten außerdem wissen ob unerwünschte Wirkungen auftraten. In vielen Studien wurde jedoch nicht darüber berichtet. In den Studien, in denen dies der Fall war, handelte es sich in der Regel um leichte Wirkungen wie Muskelkater oder Müdigkeit. Da nur sehr wenige Studien dazu ausreichende Angaben machte,können wir nicht mit Sicherheit sagen, ob das BCI-Training ein zusätzliches Risiko birgt.

Was schränkt die Evidenz ein?

Wir haben aus mehreren Gründen wenig bis sehr wenig Vertrauen in die Evidenz:

  • Die meisten Studien waren klein angelegt und umfassten nur wenige Teilnehmende.

  • Viele der Studien wurden so durchgeführt, dass dies die Ergebnisse beeinflusst haben könnte. Beispielsweise wussten die Teilnehmenden oft, welche Behandlung sie erhielten.

  • Die Ergebnisse variierten zudem stark von einer Studie zur anderen.

  • Schließlich wurden einige Studien, die keinen Nutzen feststellten, möglicherweise nicht veröffentlicht. Dadurch könnte das BCI-Training wirksamer erscheinen, als es tatsächlich ist.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von Oktober 2025.

Qin Y, Li M, Li Y, Ma M, Xu J, Lu Y, Shi X, Cui G, Zhao H, Yang K

Mit welchen Methoden lassen sich Blutentnahmen bei Frühgeborenen minimieren?

1 month 1 week ago
Kernaussagen
  • Die Entnahme von Blut aus der Nabelschnur oder der Plazenta anstelle einer direkten Entnahme bei Frühgeborenen verringert wahrscheinlich die Frühgeborenen-Retinopathie, eine Augenerkrankung, die das Sehvermögen beeinträchtigen kann, und kann Komplikationen wie Hirnblutungen (intraventrikuläre Blutungen) und die bronchopulmonale Dysplasie, eine Form der Lungenerkrankung, reduzieren.

  • Wir wissen nicht, ob die Rückführung des Blutes nach der Untersuchung oder die Anwendung strenger Regeln zur Begrenzung von Blutuntersuchungen dazu beitragen, die Blutentnahmen und die damit verbundenen Komplikationen zu minimieren.

  • Wir benötigen groß angelegte, qualitativ hochwertige Studien, die die Kinder bis zum Alter von mindestens drei Jahren begleiten, um besser zu verstehen, welche Methoden am besten funktionieren und wie sie sich auf die längerfristige Entwicklung auswirken. Zukünftige Studien sollten neben den hier beschriebenen Methoden auch neuere Ansätze untersuchen, wie beispielsweise die Entnahme winziger Blutmengen für Untersuchungen oder die Verwendung anderer Körperflüssigkeiten als Blut, wie Speichel und Urin.

Warum ist es wichtig, die Blutentnahmen bei zu früh geborenen Babys auf ein Minimum zu beschränken?

Babys, die vor der 37. Schwangerschaftswoche geboren werden (Frühgeborene), benötigen während ihres Krankenhausaufenthalts oft zahlreiche Blutuntersuchungen. Da diese Babys sehr klein sind, können wiederholte Blutentnahmen einen großen Teil ihres gesamten Blutvolumens entziehen. Dies kann dazu führen, dass Bluttransfusionen erforderlich werden.

Es wurden verschiedene Methoden untersucht, um den Blutverlust zu reduzieren, beispielsweise die Verwendung von Blut aus der Nabelschnur oder der Plazenta bei der Geburt, die Entnahme sehr kleiner Blutproben, die Rückführung des Blutes zum Frühgeborenen nach der Untersuchung oder die Einhaltung strenger Regeln zur Begrenzung der Häufigkeit von Blutentnahmen. Es ist nach wie vor unklar, welche dieser Methoden wirksam und sicher ist.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob verschiedene Strategien zur Reduzierung der Blutentnahmen bei Frühgeborenen:

  • ihre Überlebenschancen verbessern;

  • körperliche oder geistige Entwicklungsstörungen, darunter Blindheit, Taubheit und Zerebralparese (eine lebenslange Erkrankung, die Bewegung, Körperhaltung und Muskelkontrolle beeinträchtigt), im Alter von 18 Monaten und älter verringern;

  • schwerwiegende Komplikationen reduzieren, darunter die Frühgeborenen-Retinopathie (eine Augenerkrankung, die das Sehvermögen beeinträchtigen kann), Hirnblutungen (intraventrikuläre Blutungen) und die bronchopulmonale Dysplasie, eine Form der Lungenerkrankung.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen verschiedene Strategien zur Blutersparnis mit der üblichen Versorgung von Frühgeborenen verglichen wurden. Wir haben die Ergebnisse der Studien verglichen und zusammengefasst und unser Vertrauen in die Evidenz bewertet, basierend darauf, wie die Studien konzipiert waren und wie viele Frühgeborene daran teilnahmen.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden fünf Studien mit 365 extrem frühgeborenen Kindern (die mehr als drei Monate vor dem errechneten Geburtstermin geboren wurden). Zwei Studien wurden in Indien, zwei in den USA und eine in Israel durchgeführt. Die kleinste Studie umfasste 20 Frühgeborene, die größte 102.

Eine Studie wurde von der Regierung, einer Wohltätigkeits-Spendenaktion und einem Technologieunternehmen finanziert. Der Autor einer weiteren Studie war zudem Eigentümer des Unternehmens, das das in der Studie verwendete Blutrückführgerät herstellte und lieferte. Die drei übrigen Studien machten entweder keine Angaben zur Finanzierung oder gaben an, dass keine Interessenkonflikte vorlagen.

Hauptergebnisse

Keine der Studien berichtete über Ergebnisse hinsichtlich körperlicher oder geistiger Entwicklungsstörungen (einschließlich Blindheit, Taubheit und Zerebralparese), als die Kinder 18 Monate alt oder älter waren.

Die Verwendung von Blut aus der Nabelschnur oder der Plazenta bei der Geburt anstelle einer direkten Blutentnahme beim Frühgeborenen:

  • kann möglicherweise Hirnblutungen in der ersten Lebenswoche verringern: Etwa 12 von 100 Frühgeborenen weniger könnten schwere Hirnblutungen erleiden (2 bis 16 Frühgeborene weniger; 2 Studien, 160 Frühgeborene);

  • kann möglicherweise die bronchopulmonale Dysplasie verringern: Etwa 13 von 100 Frühgeborenen weniger könnten diese Lungenerkrankung entwickeln (von 25 weniger bis zu 4 mehr Frühgeborene; 2 Studien, 152 Frühgeborene);

  • verringert wahrscheinlich die Frühgeborenen-Retinopathie, die vor der Entlassung aus dem Krankenhaus behandelt werden muss: Etwa 19 von 100 Frühgeborenen entwickeln wahrscheinlich keine Frühgeborenen-Retinopathie (6 bis 27 weniger Frühgeborene; 2 Studien, 152 Frühgeborene).

Wir wissen nicht, ob die Verwendung von Blut aus der Nabelschnur oder der Plazenta die Überlebensraten der Frühgeborenen verbessert.

Wir wissen auch nicht, ob (1) Geräte, die das Blut nach der Untersuchung in den Blutkreislauf des Frühgeborenen zurückleiten, oder (2) die Einhaltung strenger Regeln zur Begrenzung der Blutentnahme einen Einfluss auf Folgendes haben:

  • die Überlebensraten;

  • schwerwiegenden Komplikationen (einschließlich Frühgeborenen-Retinopathie, Hirnblutungen und bronchopulmonaler Dysplasie).

Nur eine kleine Studie untersuchte jeweils einen dieser Ansätze.

Was schränkt die Evidenz ein?

Wir sind mäßig überzeugt, dass die Verwendung von Nabelschnur- oder Plazentablut die Anzahl der Frühgeborenen, die eine Frühgeborenen-Retinopathie entwickeln, signifikant senkt – unsere Vertrauen darin wurde jedoch dadurch gemindert, dass relativ wenige Säuglinge untersucht wurden. Wir haben wenig bis gar kein Vertrauen in die Evidenz bezüglich der Überlebensrate und anderer schwerwiegender Komplikationen (Hirnblutungen und bronchopulmonale Dysplasie), da die Studien sehr klein waren und die Ergebnisse in einigen Fällen variierten.

Wir haben kein Vertrauen in die Evidenz für (1) Geräte, die Blut in den Blutkreislauf des Frühgeborenen zurückleiten, und (2) die Einhaltung strenger Regeln zur Begrenzung der Blutentnahme, da:

  • zu wenige Studien diese Methoden untersucht haben;

  • die Anzahl der einbezogenen Frühgeborenen gering war;

  • wir Bedenken hinsichtlich der Methoden dieser Studien, der Darstellung der Ergebnisse oder beidem hatten.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von September 2025.

Nissimov S, Sibrecht G, Weerasekara I, Bartocci M, Bruschettini M, supported by Cochrane Sweden and Cochrane Neonatal

Kann eine Behandlung mit Antibiotika den „Superkeim“ MRSA aus den Lungen von Menschen mit Mukoviszidose beseitigen?

1 month 1 week ago
Kernaussagen
  • Eine frühzeitige Behandlung von Infektionen mit dem Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) (einer Bakterienart, die gegen bestimmte Antibiotika resistent ist) bei Menschen mit Mukoviszidose (CF) scheint möglich zu sein, doch sind wir uns über die Wirksamkeit der derzeitigen Routinebehandlung unsicher.

  • Die längerfristigen Auswirkungen der Behandlung sind unklar.

  • Es sind weitere Forschungsarbeiten erforderlich, um MRSA-Infektionen und deren Behandlung im Zeitalter der CFTR-Modulatoren (Medikamente, die das durch das CF-Gen gebildete defekte Protein reparieren, sodass Salz und Wasser korrekt durch die Zellen transportiert werden können und der Abtransport von Schleim aus der Lunge unterstützt wird) zu bewerten.

Was ist Mukoviszidose (Cystische Fibrose; CF)?

CF ist eine Erbkrankheit, bei der sich zäher Schleim in der Lunge und anderen Organen ansammelt. Für Menschen mit CF ist es sehr schwierig, diesen zähen Schleim abzuhusten. Dadurch können sich darin leicht Krankheitserreger, darunter auch MRSA, vermehren, und das Risiko für Infektionen der Atemwege steigt. CF verschlimmert sich mit der Zeit. Obwohl es derzeit keine Heilung gibt, können viele Menschen mit CF ein aktives und erfülltes Leben führen.

Was ist MRSA und wie wird es behandelt?

MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) sind Bakterien, die unter Umständen Infektionen verursachen und mit Antibiotika behandelt werden können. MRSA ist jedoch gegen bestimmte Antibiotika resistent, was die Behandlung einer Infektion erschwert. Diese Bakterien werden manchmal auch als „Superkeime“ bezeichnet. Eine Infektion mit MRSA ist für Menschen mit CF besonders besorgniserregend, da MRSA vermutlich mehr Schäden verursachen kann als andere Bakterien, die nicht gegen Antibiotika resistent sind.

MRSA wird in der Regel mit einer Kombination aus Antibiotika behandelt, die oral (über den Mund) eingenommen oder inhaliert werden. Ergänzt wird die Therapie durch eine Dekontaminationsbehandlung (Antibiotika-Cremes, die auf die Haut und in die Nasenhöhlen aufgetragen werden).

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten wissen, ob eine Behandlung mit Antibiotika:

  • die MRSA-Infektion in der Lunge von Kindern oder Erwachsenen mit CF beseitigen kann;

  • keine Infektion mit anderen resistenten Bakterien verursacht;

  • keine unerwünschten Wirkungen hervorruft.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen Antibiotika (oral oder inhalativ) zur Behandlung von MRSA-Infektionen bei Menschen mit CF untersucht wurden.

  • Die Studien mussten die Antibiotikabehandlung entweder mit keiner Behandlung, einem Placebo (Scheinbehandlung) oder einer anderen Art von Antibiotika vergleichen.

  • Die Teilnehmenden mussten an CF leiden und eine aktuelle MRSA-Infektion haben.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden fünf Studien, an denen 410 Menschen mit CF und einer diagnostizierten MRSA-Infektion teilnahmen. Die Studien fanden in Italien oder Nordamerika statt und dauerten zwischen acht Wochen und sechs Monaten. Die Teilnehmenden der Studien (gleiche Anzahl von Männern und Frauen) waren jung (das Durchschnittsalter lag zwischen 11 und 25 Jahren).

Orale Antibiotika im Vergleich zu keiner Behandlung (2 Studien, 106 Personen)

Eine Gruppe von Menschen mit CF wurde mit oralen Antibiotika (Trimethoprim, Sulfamethoxazol und Rifampicin oder Cotrimoxazol und Rifampicin) sowie einer Dekontaminationsbehandlung behandelt; die andere Gruppe erhielt keine Behandlung.

  • Orale Antibiotika können MRSA möglicherweise beseitigen. Eine Studie wurde aufgrund der eindeutigen Vorteile der Antibiotika vorzeitig abgebrochen, doch bei einigen Personen klang die Infektion auch ohne Behandlung ab. Nach sechs Monaten gab es zwischen den Gruppen keinen Unterschied hinsichtlich der Anzahl der Personen, die noch MRSA hatten.

  • Antibiotika verbessern möglicherweise die Lungenfunktion.

  • Hinsichtlich der Lebensqualität und unerwünschter Effekte der Behandlung gab es möglicherweise kaum bis gar keinen Unterschied zwischen den Gruppen. Möglicherweise gab es auch kaum bis gar keinen Unterschied hinsichtlich der Häufigkeit von Krankheitsschüben (obwohl eine Studie berichtete, dass in den ersten sechs Monaten weniger Personen, die Antibiotika einnahmen, ins Krankenhaus eingewiesen wurden) oder der Gewichtsveränderung.

Inhalative Antibiotika im Vergleich zu Placebo (2 Studien, 251 Personen)

In beiden Studien wurde eine Standarddosis Vancomycin (ein inhalatives Antibiotikum) mit einem Placebo (einem Scheinmedikament) verglichen, und in einer Studie wurde zudem eine Standarddosis Vancomycin mit einer hohen Dosis verglichen.

  • Inhalative Antibiotika führen im Vergleich zu Placebo wahrscheinlich zu keinem Unterschied in der Lungenfunktion (2 Studien), doch die Ergebnisse einer Studie deuteten darauf hin, dass inhalative Antibiotika nach 20 Wochen wahrscheinlich zu einer leichten Verbesserung führen.

  • Eine Standarddosis Vancomycin hat im Vergleich zu Placebo wahrscheinlich keinen Einfluss auf die Häufigkeit von Schüben (2 Studien);

  • Eine Studie berichtete über eine längere Zeitspanne bis zum nächsten Krankheitsschub bei der niedrigeren Vancomycin-Dosis;

  • Eine Studie berichtete über einen Rückgang der MRSA-Bakterienkonzentration bei einer höheren Dosis Vancomycin über einen Zeitraum von bis zu einem Monat;

  • In keiner der beiden Studien zeigten sich Unterschiede hinsichtlich der Lebensqualität oder unerwünschter Wirkungen.

Orale und inhalative Antibiotika im Vergleich zu oralen Antibiotika plus Placebo (1 Studie, 25 Teilnehmende)

Eine Studie verglich eine Kombination aus oralen und inhalativen Antibiotika mit oralen Antibiotika plus inhalativem Placebo.

  • Wir sind uns nicht sicher, ob eine der beiden Behandlungen einen Einfluss auf die MRSA-Beseitigung hatte;

  • Es gibt möglicherweise nur wenige oder gar keine Unterschiede zwischen den Gruppen hinsichtlich der Lungenfunktion oder unerwünschter Wirkungen. Es ist unsicher, ob es einen Unterschied in der Lebensqualität gibt;

  • Die Studie berichtete nicht über Veränderungen des Gewichts oder der Häufigkeit von Krankheitsschüben.

Was schränkt die Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Evidenz reichte von hoch bis sehr gering. Dies lag möglicherweise an Problemen mit dem Studiendesign (die Teilnehmenden wussten, welche Behandlung sie erhielten) oder daran, dass an den einzelnen Studien nur wenige Personen teilnahmen und viele von ihnen vorzeitig abbrachen.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Diese Übersichtsarbeit aktualisiert unsere vorherige Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2022. Die Evidenz ist auf den Stand vom 28. April 2026.

Lo DKH, Jahnke N, Smith S, Muhlebach MS, Smyth AR, Supported by the Cochrane Cystic Fibrosis Review Group
Checked
10 hours 27 minutes ago
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