Können Programme mit mehreren Bausteinen Jugendlichen mit starkem Übergewicht dabei helfen, sich besser zu fühlen und gesünder zu leben?
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Programme, die mehrere Bausteine kombinieren – zum Beispiel Ernährung, Bewegung und andere Alltagsgewohnheiten – und auf Gemeindeebene (z. B. in Schulen) durchgeführt werden, verbessern möglicherweise nach einem Jahr geringfügig das körperliche Wohlbefinden und wahrscheinlich nach zwei Jahren geringfügig den BMI-z-Score (ein Maß dafür, wie stark das Gewicht eines Kindes vom alters‐ und geschlechtstypischen Durchschnitt abweicht) bei Jugendlichen im Alter von 10 bis 19 Jahren mit schwerem Übergewicht (Adipositas). Diese Programme hatten insgesamt begrenzte Wirkungen auf das psychische Wohlbefinden, die körperliche Aktivität, die Lebensqualität und den BMI-z-score (nach 12 Monaten) der Jugendlichen.
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Der Gesamtnutzen und mögliche unerwünschte Wirkungen von Programmen mit mehreren Bausteinen für Jugendliche sind weiterhin unklar. Zudem stammt der Großteil der Evidenz aus Ländern mit hohem Einkommen.
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Es sind weitere Studien in unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen und Regionen erforderlich, um besser zu verstehen, welche Maßnahmen bei verschiedenen Jugendlichen wirken – und welche nicht.
Adipositas bei Jugendlichen ist weltweit ein wichtiges Gesundheitsproblem. Sie hat viele Ursachen, zum Beispiel Ernährung, Bewegung und Verhaltensweisen im Alltag. Adipositas bei Jugendlichen wird in der Regel definiert als ein Body-Mass-Index (BMI - eine Zahl, die aus der Größe und dem Gewicht einer Person berechnet wird, um festzustellen, ob ihr Gewicht in einem gesunden Bereich liegt), der deutlich über dem liegt, der für junge Menschen desselben Alters und Geschlechts typisch ist. Behandlungsansätze, die zu gesünderen Lebensgewohnheiten anregen, werden häufig zur Behandlung von Adipositas bei Jugendlichen eingesetzt, aber ihre langfristigen Auswirkungen sind nach wie vor unklar.
Was wollten wir herausfinden?Wir wollten herausfinden, ob Programme mit mehreren Bausteinen zur Förderung von gesunder Ernährung, körperlicher Aktivität und Verhalten Jugendlichen im Alter von 10 bis 19 Jahren mit Adipositas helfen. Wir haben uns darauf konzentriert, wie sich diese Programme langfristig (Nachbeobachtung von 12 bis 24 Monaten) auf das körperliche und psychische Wohlbefinden, die Lebensqualität, die körperliche Aktivität und gewichtsbezogene Maße auswirken.
Wie gingen wir vor?Wir haben nach Studien gesucht, in denen Programme getestet wurden, die zwei oder mehr Bereiche miteinander verbinden: Ernährung, körperliche Aktivität und/oder Verhaltensänderung. Wir haben nur Studien einbezogen, in denen diese Programme mit keinen Programmen, der üblichen Versorgung oder einer Wartelistengruppe verglichen wurden. Alle Studien mussten eine Nachbeobachtung der Jugendlichen für mindestens ein Jahr nach Beginn der Intervention aufweisen. Wir fassten die Studienergebnisse zusammen, verglichen sie und bewerteten, wie verlässlich die Evidenz ist, unter anderem anhand der verwendeten Methoden und der Größe der Studien.
Was fanden wir heraus?Wir fanden 33 Studien mit 5949 Jugendlichen in Ländern mit hohem Einkommen, die an Orten wie Schulen, Kirchen, Gesundheitseinrichtungen und Gemeindezentren durchgeführt wurden. Wir haben die Studien in zwei Gruppen unterteilt: (1) Studien, die Programme in Einrichtungen des Gesundheitswesens durchführten, z. B. in Behandlungszentren der Primärversorgung oder in Krankenhäusern; (2) Studien, die Programme auf Gemeindeebene durchführten, z.B. in Schulen, Gemeindezentren, Sportzentren oder anderen öffentlichen Einrichtungen.
HauptergebnisseVerglichen mit der üblichen Versorgung bewirken in Gesundheitseinrichtungen durchgeführte Programme möglicherweise nur einen geringen oder gar keinen Unterschied für die Jugendlichen auf:
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das körperliche oder psychische Wohlbefinden;
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körperliche Aktivität, gemessen als Veränderung gegenüber dem Ausgangswert (ein Wert, der angibt, wie stark die körperliche Aktivität einer Person nach dem Behandlungsprogramm im Vergleich zum Ausgangswert zugenommen oder abgenommen hat);
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BMI-z-score.
Es ist unklar, ob diese Programme das Ausmaß der körperlichen Aktivität von Jugendlichen beeinflussen, wenn die körperliche Aktivität erst am Ende der Studie gemessen wird. Diese Behandlungsansätze verbessern möglicherweise geringfügig die Lebensqualität der Jugendlichen nach einem Jahr. Es ist unklar, ob sie schädliche oder unerwünschte Ereignisse verursacht haben. Keine der Studien, die in Gesundheitseinrichtungen durchgeführt wurden, berichtete über Adipositas-bedingte Behinderungen.
Im Vergleich zur üblichen Versorgung bewirken auf Gemeindeebene durchgeführte Programme:
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möglicherweise eine leichte Verbesserung des körperlichen Wohlbefindens der Jugendlichen;
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möglicherweise keine oder nur minimale Veränderungen des psychischen Wohlbefindens und der körperlichen Aktivität;
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über den Zeitraum von 12 Monaten möglicherweise keine oder nur minimale Veränderungen beim BMI-z-Score und über den Zeitraum von 24 Monaten möglicherweise eine geringfügige Reduktion des BMI-z-Scores.
Diese Programme bewirken wahrscheinlich wenig bis gar keinen Unterschied in der Lebensqualität der Jugendlichen nach 12 Monaten. In keiner der auf Gemeindeebene durchgeführten Studien wurde über Adipositas-bedingte Behinderungen berichtet oder darüber, ob die Programme zu unerwünschten oder schädlichen Ereignissen führten.
Was schränkt die Evidenz ein?Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz ist niedrig, da die Nachbeobachtungszeit begrenzt war und die Studien methodische Schwächen hatten. Die meisten dieser Studien wurden in Ländern mit hohem Einkommen durchgeführt, so dass wir nicht sicher sein können, wie gut diese Maßnahmen in anderen Ländern und bei anderen Bevölkerungsgruppen funktionieren.
Wie aktuell ist die Evidenz?Die Evidenz ist auf dem Stand von Februar 2024.