Beugt eine regelmäßige Gerinnungsfaktortherapie Gelenkschädigungen bei Kindern mit schwerer Bluterkrankheit A oder B vor?
– Eine vorbeugende Behandlung mit Gerinnungsfaktoren kann im Vergleich zu einer Behandlung nur bei auftretenden Blutungen möglicherweise die Zahl der Gelenkblutungen und die Gesamtzahl der Blutungen pro Jahr senken – bei zuvor unbehandelten oder nur minimal behandelten Kindern ohne Gelenkschäden.
– Bei Kindern mit Bluterkrankheit, die noch nicht behandelt wurden, gibt es wahrscheinlich keinen Unterschied zwischen den Gruppen hinsichtlich der Schwere von Gelenkschäden. Eine vorbeugende Behandlung mit Gerinnungsfaktoren verbessert möglicherweise nicht die Lebensqualität im Vergleich zu einer Behandlung bei Bedarf. Dieses Ergebnis ist allerdings sehr unsicher.
– Kinder, die eine vorbeugende Behandlung mit Gerinnungsfaktoren erhalten, benötigen möglicherweise mehr monatliche Infusionen als Kinder, die bei Bedarf behandelt werden. Auch dieses Ergebnis ist sehr unsicher. Möglicherweise gibt es zwischen den beiden Gruppen keinen Unterschied bei unerwünschten Wirkungen, etwa bei Infektionen oder der Bildung von Antikörpern, die die Behandlung weniger wirksam machen.
Was versteht man unter der Bluterkrankheit?Die Bluterkrankheit A und B sind angeborene Blutungsstörungen. Besonders problematisch sind wiederholte Blutungen in die Gelenke. Wiederholte Blutungen können diese Gelenke schädigen. Solche geschädigten Gelenke werden oft als „Zielgelenke“ bezeichnet und können Schmerzen und Bewegungseinschränkungen verursachen.
Wie wird die Bluterkrankheit behandelt?Derzeit werden Blutungen mit Gerinnungsfaktortherapien behandelt und verhindert. Dabei handelt es sich um Medikamente, die die Blutgerinnung unterstützen. Diese Medikamente können aus Spenderblut gewonnen oder in einem Labor hergestellt werden. Seit kurzem gibt es auch neue Behandlungsmethoden, bei denen keine Gerinnungsfaktoren verwendet werden.
Was wollten wir herausfinden?Wir wollten herausfinden, ob Kinder, die bisher keine Therapie wegen Gelenkeinblutungen erhalten haben, eine regelmäßige Behandlung mit Gerinnungsfaktortherapien erhalten sollten, um Gelenkeinblutungen und Gelenkschäden zu verhindern und um das allgemeine Wohlbefinden zu verbessern.
Wie gingen wir vor?Wir haben nach Studien gesucht, die regelmäßige Gerinnungsfaktortherapien oder die Behandlung von Blutungen bei Bedarf eingesetzt haben, um Blutungen bei Kindern im Alter von bis zu 10 Jahren mit Bluterkrankheit ohne Gelenkschäden zu verhindern. Wir haben die Ergebnisse der Studien zusammengefasst und die Vertrauenswürdigkeit der Ergebnisse anhand der Studienqualität und der Anzahl der Kinder bewertet.
Was fanden wir heraus?Wir fanden drei Studien mit 126 Kindern mit schwerer Bluterkrankheit A. Die größte Studie umfasste 65 Kinder, die kleinste Studie 21 Kinder. Die Studien wurden in drei Ländern durchgeführt: Italien, Indien und den USA. Eine Studie dauerte 11,5 Monate, eine Studie dauerte 9 Jahre und eine Studie dauerte 10 Jahre.
HauptergebnisseIm Vergleich zu einer Behandlung bei Bedarf verringert die Vorbeugung von Blutungen durch die regelmäßige Gabe von Gerinnungsfaktoren möglicherweise innerhalb eines Jahres die Zahl der Gelenkeinblutungen und die Gesamtanzahl der Blutungen (3 Studien, 125 Kinder). Hinsichtlich der Schwere der Gelenkschäden gibt es wahrscheinlich keinen Unterschied zwischen den Gruppen (2 Studien, 95 Kinder). Gerinnungsfaktoren verbessern möglicherweise nicht die Lebensqualität im Vergleich zu einer Behandlung bei Bedarf (sehr niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz, 2 Studien, 105 Kinder). Wahrscheinlich gibt es keinen Unterschied in der im Röntgen sichtbaren Gelenkschädigung zwischen einer vorbeugenden Behandlung und einer Behandlung bei Bedarf (2 Studien, 61 Kinder). Die Vorbeugung von Blutungen mit einer regelmäßigen Gabe von Gerinnungsfaktoren erhöht möglicherweise im Vergleich zur Behandlung bei Bedarf die Gesamtzahl der monatlichen Gerinnungsfaktorinfusionen, aber die Evidenz ist sehr unsicher (2 Studien, 86 Kinder). Bei der Entwicklung von Antikörpern, die die Wirkung der Behandlung abschwächen können, gibt es möglicherweise keinen Unterschied zwischen den beiden Gruppen (2 Studien, 105 Kinder).
Was schränkt die Aussagekraft der Evidenz ein?Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz ist moderat bis sehr gering, weil die Kinder wussten, welche Behandlung sie erhielten, was die Ergebnisse beeinflusst haben könnte. In einigen Studien nahmen auch Kinder teil, die bereits Gelenkschäden hatten. Die Ergebnisse wurden jedoch nicht getrennt für Kinder mit und ohne Gelenkschäden ausgewertet. Auch wenn klinische Studien, die eine vorbeugende Gerinnungsfaktortherapie mit einer Behandlung nur bei auftretenden Blutungen vergleichen, heute nicht mehr ethisch vertretbar sind, wären weitere gut geplante Studien hilfreich. Sie könnten genauer zeigen, wie groß der Nutzen von Gerinnungsfaktortherapien und neueren, gerinnungsfaktorfreien Behandlungen bei der Vorbeugung von Gelenkblutungen und Gesamtblutungen bei Kindern mit Bluterkrankheit ist.
Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?Die Evidenz ist auf dem Stand von 20. November 2024.