Welchen Nutzen und welche Risiken haben Cannabis-basierte Medikamente für Erwachsene mit chronischen neuropathischen Schmerzen?
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Da es an belastbarer Evidenz fehlt, ist unklar, ob Cannabis-basierte Medikamente mehr nutzen oder schaden.
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Um den möglichen Nutzen und mögliche Schäden Cannabis-basierter Medikamente verlässlich beurteilen zu können, braucht es größere, methodisch gut durchgeführte Studien. Diese sollten auch Menschen mit schweren körperlichen Begleiterkrankungen (z. B. Herz- oder Nierenerkrankungen) sowie mit psychischen Erkrankungen einschließen.
Was sind neuropathische Schmerzen?
Bei neuropathischen Schmerzen handelt es sich um Nervenschmerzen, die auftreten, wenn Nerven im Gehirn, im Rückenmark oder in den peripheren Nerven geschädigt sind oder nicht richtig funktionieren. Sie unterscheiden sich von Schmerzbotschaften, die über intakte Nerven aus geschädigtem Gewebe weitergeleitet werden, beispielsweise nach einem Sturz, bei einer Schnittwunde oder bei Arthrose im Knie.
Wie werden neuropathische Schmerzen behandelt?
Neuropathische Schmerzen werden mit verschiedenen Arten von Medikamenten behandelt. Eine ausreichende Schmerzlinderung wird mit den verfügbaren Medikamenten nur bei wenigen Menschen mit neuropathischen Schmerzen erreicht.
Zur Behandlung neuropathischer Schmerzen wurden verschiedene Präparate vorgeschlagen, die auf Wirkstoffen der Cannabispflanze basieren. Zu diesen Präparaten zählen Dampf aus erhitztem pflanzlichem Cannabis sowie verschiedene Arzneimittel in Form von Mundsprays, Tabletten, Cremes und Pflastern, die den Wirkstoff über die Haut aufnehmen. Sie enthalten Cannabiswirkstoffe, die entweder aus der Pflanze gewonnen oder synthetisch hergestellt wurden.
Cannabis-basierte Medikamente werden folgendermaßen klassifiziert: Präparate mit überwiegend Tetrahydrocannabinol (THC), einem Inhaltsstoff der Cannabispflanze, der berauschend wirkt; Präparate mit überwiegend Cannabidiol (CBD), einem Inhaltsstoff der Cannabispflanze ohne die typische Rauschwirkung; sowie Kombinationspräparate mit vergleichbaren Anteilen von THC und CBD.
Manche Menschen mit neuropathischen Schmerzen berichten von positiven Erfahrungen mit Cannabis-basierten Präparaten. Solche Berichte werden in den Medien häufig aufgegriffen.
Was wollten wir herausfinden?Wir wollten herausfinden:
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welche Inhaltsstoffe der Cannabisblüte zu einer möglichen Linderung neuropathischer Schmerzen beitragen;
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ob Arzneimittel auf Cannabisbasis unerwünschte oder schädliche Wirkungen haben.
Wir suchten nach Studien, in denen unterschiedliche Cannabis-basierte Medikamente mit einem Placebo (Scheinmedikament) verglichen wurden. Dazu zählten Präparate, die hauptsächlich THC enthalten, hauptsächlich CBD enthalten oder beide Wirkstoffe kombinieren.
Wir fassten die Ergebnisse der Studien zusammen, verglichen sie miteinander und beurteilten unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie der Studienmethoden und der Studiengröße. Wir haben drei Vergleiche analysiert:
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THC-dominante Präparate im Vergleich zu Placebo;
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Kombinationspräparate mit vergleichbaren Anteilen von THC und CBD im Vergleich zu Placebo;
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CBD-dominante Präparate im Vergleich zu Placebo.
Wir fanden 21 Studien, an denen 2187 Menschen mit verschiedenen Arten von neuropathischen Schmerzen teilnahmen. Die Studien wurden in Asien, Europa und Nordamerika durchgeführt. Die kleinste Studie hatte 18 Teilnehmende, die größte 339. Das Durchschnittsalter der Teilnehmenden reichte von 34 bis 70 Jahren. Der Anteil der Frauen reichte von 0 % bis 90 %. Die Studien dauerten zwischen zwei und 26 Wochen. Pharmazeutische Unternehmen finanzierten 14 (d.h. zwei Drittel) der Studien.
HauptergebnisseTHC-dominante Medikamente gegenüber Placebo
Es ist unklar, ob Medikamente, die hauptsächlich THC enthalten, einen Einfluss auf die Zahl der Menschen haben, die:
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eine Schmerzlinderung von mindestens 30 % oder mindestens 50 % erfahren;
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ihren Zustand als stark oder sehr stark verbessert einschätzen;
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das Medikament aufgrund von unerwünschten Wirkungen absetzen;
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schwerwiegende unerwünschte oder schädliche Wirkungen erfahren;
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unerwünschte Wirkungen auf die Psyche (z. B. Verwirrtheit) erfahren.
THC-dominante Medikamente erhöhen möglicherweise die Anzahl unerwünschter Wirkungen auf das Nervensystem (z. B. Schwindel) im Vergleich zu Placebo leicht.
THC/CBD-Kombinationspräparate gegenüber Placebo
Es ist unklar, ob Medikamente mit einem ausgewogenen THC/CBD-Verhältnis einen Unterschied bei der Zahl der Betroffenen bewirken, die:
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eine Schmerzlinderung von mindestens 50 % erfahren;
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schwerwiegende unerwünschte oder schädliche Wirkungen erleiden;
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unerwünschte Wirkungen auf das Nervensystem (z. B. Schwindel); und
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unerwünschte Wirkungen auf die Psyche (z. B. Verwirrtheit) erleiden.
Sie erhöhen möglicherweise geringfügig die Zahl der Personen, die ihren Zustand als stark oder sehr stark verbessert einschätzen und eine Schmerzlinderung von mindestens 30 % erfahren: Möglicherweise brechen mehr Menschen die Behandlung aufgrund unerwünschter Wirkungen ab.
CBD-dominante Medikamente gegenüber Placebo
Es ist unklar, ob Medikamente, die hauptsächlich CBD enthalten, die Zahl der Menschen, die eine Schmerzlinderung von mindestens 50 % erfahren, beeinflussen.
Wir wissen nicht, ob CBD-dominante Medikamente die Zahl der Menschen beeinflussen, die:
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ihren Zustand als stark oder sehr stark verbessert einschätzen;
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das Medikament aufgrund von unerwünschten Wirkungen absetzen;
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schwerwiegende unerwünschte oder schädliche Wirkungen erfahren;
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eine Schmerzlinderung von mindestens 30 % erfahren;
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unerwünschte Wirkungen auf das Nervensystem oder die Psyche erfahren.
Dies liegt daran, dass die Evidenz begrenzt ist und die Ergebnisse der einzelnen Studien voneinander abweichen.
Was schränkt die Aussagekraft der Evidenz ein?Unser Vertrauen in die Evidenz ist gering bis sehr gering. Zukünftige Studien könnten daher zu anderen Ergebnissen kommen. Vier zentrale Faktoren haben unser Vertrauen in die Evidenz verringert. In einigen Studien fehlten ausreichende Angaben zur methodischen Durchführung. Die Ergebnisse der einzelnen Studien unterschieden sich. Außerdem waren die Ergebnisse oft zu ungenau, um klare Schlussfolgerungen zuzulassen. Menschen mit schweren inneren Erkrankungen (z. B. Herz- oder Lebererkrankungen) wurden von den Studien ausgeschlossen.
Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?Die Evidenz ist auf dem Stand vom 29. Januar 2025.