Cochrane Kompakt

Beugt eine regelmäßige Gerinnungsfaktortherapie Gelenkschädigungen bei Kindern mit schwerer Bluterkrankheit A oder B vor?

1 week 1 day ago
Kernaussagen

– Eine vorbeugende Behandlung mit Gerinnungsfaktoren kann im Vergleich zu einer Behandlung nur bei auftretenden Blutungen möglicherweise die Zahl der Gelenkblutungen und die Gesamtzahl der Blutungen pro Jahr senken – bei zuvor unbehandelten oder nur minimal behandelten Kindern ohne Gelenkschäden.

– Bei Kindern mit Bluterkrankheit, die noch nicht behandelt wurden, gibt es wahrscheinlich keinen Unterschied zwischen den Gruppen hinsichtlich der Schwere von Gelenkschäden. Eine vorbeugende Behandlung mit Gerinnungsfaktoren verbessert möglicherweise nicht die Lebensqualität im Vergleich zu einer Behandlung bei Bedarf. Dieses Ergebnis ist allerdings sehr unsicher.

– Kinder, die eine vorbeugende Behandlung mit Gerinnungsfaktoren erhalten, benötigen möglicherweise mehr monatliche Infusionen als Kinder, die bei Bedarf behandelt werden. Auch dieses Ergebnis ist sehr unsicher. Möglicherweise gibt es zwischen den beiden Gruppen keinen Unterschied bei unerwünschten Wirkungen, etwa bei Infektionen oder der Bildung von Antikörpern, die die Behandlung weniger wirksam machen.

Was versteht man unter der Bluterkrankheit?

Die Bluterkrankheit A und B sind angeborene Blutungsstörungen. Besonders problematisch sind wiederholte Blutungen in die Gelenke. Wiederholte Blutungen können diese Gelenke schädigen. Solche geschädigten Gelenke werden oft als „Zielgelenke“ bezeichnet und können Schmerzen und Bewegungseinschränkungen verursachen.

Wie wird die Bluterkrankheit behandelt?

Derzeit werden Blutungen mit Gerinnungsfaktortherapien behandelt und verhindert. Dabei handelt es sich um Medikamente, die die Blutgerinnung unterstützen. Diese Medikamente können aus Spenderblut gewonnen oder in einem Labor hergestellt werden. Seit kurzem gibt es auch neue Behandlungsmethoden, bei denen keine Gerinnungsfaktoren verwendet werden.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob Kinder, die bisher keine Therapie wegen Gelenkeinblutungen erhalten haben, eine regelmäßige Behandlung mit Gerinnungsfaktortherapien erhalten sollten, um Gelenkeinblutungen und Gelenkschäden zu verhindern und um das allgemeine Wohlbefinden zu verbessern.

Wie gingen wir vor?

Wir haben nach Studien gesucht, die regelmäßige Gerinnungsfaktortherapien oder die Behandlung von Blutungen bei Bedarf eingesetzt haben, um Blutungen bei Kindern im Alter von bis zu 10 Jahren mit Bluterkrankheit ohne Gelenkschäden zu verhindern. Wir haben die Ergebnisse der Studien zusammengefasst und die Vertrauenswürdigkeit der Ergebnisse anhand der Studienqualität und der Anzahl der Kinder bewertet.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden drei Studien mit 126 Kindern mit schwerer Bluterkrankheit A. Die größte Studie umfasste 65 Kinder, die kleinste Studie 21 Kinder. Die Studien wurden in drei Ländern durchgeführt: Italien, Indien und den USA. Eine Studie dauerte 11,5 Monate, eine Studie dauerte 9 Jahre und eine Studie dauerte 10 Jahre.

Hauptergebnisse

Im Vergleich zu einer Behandlung bei Bedarf verringert die Vorbeugung von Blutungen durch die regelmäßige Gabe von Gerinnungsfaktoren möglicherweise innerhalb eines Jahres die Zahl der Gelenkeinblutungen und die Gesamtanzahl der Blutungen (3 Studien, 125 Kinder). Hinsichtlich der Schwere der Gelenkschäden gibt es wahrscheinlich keinen Unterschied zwischen den Gruppen (2 Studien, 95 Kinder). Gerinnungsfaktoren verbessern möglicherweise nicht die Lebensqualität im Vergleich zu einer Behandlung bei Bedarf (sehr niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz, 2 Studien, 105 Kinder). Wahrscheinlich gibt es keinen Unterschied in der im Röntgen sichtbaren Gelenkschädigung zwischen einer vorbeugenden Behandlung und einer Behandlung bei Bedarf (2 Studien, 61 Kinder). Die Vorbeugung von Blutungen mit einer regelmäßigen Gabe von Gerinnungsfaktoren erhöht möglicherweise im Vergleich zur Behandlung bei Bedarf die Gesamtzahl der monatlichen Gerinnungsfaktorinfusionen, aber die Evidenz ist sehr unsicher (2 Studien, 86 Kinder). Bei der Entwicklung von Antikörpern, die die Wirkung der Behandlung abschwächen können, gibt es möglicherweise keinen Unterschied zwischen den beiden Gruppen (2 Studien, 105 Kinder).

Was schränkt die Aussagekraft der Evidenz ein?

Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz ist moderat bis sehr gering, weil die Kinder wussten, welche Behandlung sie erhielten, was die Ergebnisse beeinflusst haben könnte. In einigen Studien nahmen auch Kinder teil, die bereits Gelenkschäden hatten. Die Ergebnisse wurden jedoch nicht getrennt für Kinder mit und ohne Gelenkschäden ausgewertet. Auch wenn klinische Studien, die eine vorbeugende Gerinnungsfaktortherapie mit einer Behandlung nur bei auftretenden Blutungen vergleichen, heute nicht mehr ethisch vertretbar sind, wären weitere gut geplante Studien hilfreich. Sie könnten genauer zeigen, wie groß der Nutzen von Gerinnungsfaktortherapien und neueren, gerinnungsfaktorfreien Behandlungen bei der Vorbeugung von Gelenkblutungen und Gesamtblutungen bei Kindern mit Bluterkrankheit ist.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von 20. November 2024.

Razmpoosh E, Olasupo OO, Bhatt M, Matino D, Iorio A

Ist es besser, den Embryo am 3. oder am 5. Tag in die Gebärmutter zu übertragen, wenn man versucht, ein Baby durch künstliche Befruchtung zu bekommen?

1 week 5 days ago
Kernaussagen
  • Die Chance nach einem IVF-Zyklus (In-vitro-Fertilisation) auf ein lebend geborenes Kind verbessert sich möglicherweise geringfügig, wenn der Embryo an Tag 5 bis 6 (Blastozystenstadium) statt an Tag 3 (Furchungsstadium) übertragen wird, und zwar bei Frauen mit einer "guten Prognose" (d. h. mit Eigenschaften, die eine Schwangerschaft erleichtern). Die Lebendgeburtenrate pro IVF-Zyklus bezieht sich dabei auf alle Transfers von Eizellen, die aus einem Stimulationszyklus stammen – unabhängig davon, ob sie frisch oder eingefroren waren.

  • Betrachtet man nur die Ergebnisse für frisch transferierte Embryonen, die einige Tage nach der Befruchtung in die Gebärmutter eingesetzt werden, so erhöht wahrscheinlich der Transfer von Embryonen im Blastozystenstadium im Vergleich zum Furchungsstadium die Chance auf ein Baby.

  • Der Transfer von Embryonen im Blastozystenstadium statt im Furchungsstadium erhöht wahrscheinlich das Risiko für eine Frühgeburt (32. bis 36. Schwangerschaftswoche) im Vergleich zu einer Geburt zum regulären Termin (etwa 40 Wochen).

  • Weitere Forschung ist erforderlich, um die langfristigen Wirkungen zu verstehen, insbesondere bei Menschen mit einer geringeren Chance auf eine erfolgreiche IVF.

Was ist assistierte Befruchtung?

Assistierte Empfängnis umfasst medizinische Behandlungen, die eine Schwangerschaft ermöglichen sollen, wenn sie auf natürlichem Weg nicht zustande gekommen ist. Bei der In-vitro-Fertilisation (IVF) werden einer Frau Eizellen entnommen und außerhalb des Körpers mit Spermien befruchtet. Einer oder mehrere der daraus entstandenen Embryonen werden anschließend in die Gebärmutter eingesetzt. Die Embryonen können einige Tage nach der Befruchtung (Furchungsstadium, Tag 2 bis 3) oder etwas später (Blastozystenstadium, Tag 5 bis 6) übertragen werden.

Beim Transfer im Blastozystenstadium ist der Zeitpunkt zwischen Embryo und Gebärmutter möglicherweise besser abgestimmt, was die Chancen auf eine Schwangerschaft erhöhen könnte. Bei manchen Menschen kann es jedoch passieren, dass Embryonen verloren gehen, die sich im Labor nicht bis zum fünften Tag weiterentwickeln, sich aber im Mutterleib möglicherweise hätten entwickeln können. Wir wissen noch nicht, ob eine der beiden Strategien insgesamt zu besseren Ergebnissen über den gesamten Behandlungsverlauf führt oder ob sie das Risiko von Schwangerschaftskomplikationen beeinflusst.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten wissen, welche Wirkungen der Transfer von Embryonen im Blastozystenstadium im Vergleich zum Transfer von Embryonen im Furchungsstadium hat:

  • auf die Chance einer Lebendgeburt, wenn alle Embryonen aus einem Zyklus verwendet werden, also sowohl frische als auch eingefrorene und später aufgetaute Embryonen. Dies wird auch als Chance „pro Zyklus“ oder „kumulativ“ bezeichnet;

  • die Chance auf eine Lebendgeburt nach einem einzelnen Transfer eines frischen Embryos;

  • das Risiko von Komplikationen während der Schwangerschaft oder bei der Geburt (z. B. Frühgeburt);

  • Schwangerschaftsraten;

  • das Risiko einer Fehlgeburt;

  • wie viele Embryonen zur späteren Verwendung eingefroren werden können; und

  • auf die Möglichkeit, dass kein Embryo übertragen werden kann.

Was genau haben wir gemacht?

Wir haben nach randomisierten kontrollierten Studien gesucht, die den Embryotransfer im Blastozysten- und im Furchungsstadium bei Frauen, die sich einer IVF unterziehen, vergleichen. Wir haben die Ergebnisse der Studien kombiniert und unser Vertrauen in sie bewertet. Unsere Einschätzungen der Vertrauenswürdigkeit der Evidenz werden im Folgenden in Klammern wiedergegeben.

Was fanden wir heraus?
  • Wir haben 36 Studien mit 8389 Frauen einbezogen. Die meisten Studien wurden in spezialisierten IVF-Kinderwunschkliniken durchgeführt und schlossen Frauen mit guten Voraussetzungen für eine Schwangerschaft ein, zum Beispiel jüngere Frauen, die mehrere Embryonen entwickelten.

Chance, ein Kind zu bekommen (Lebendgeburt)

  • Pro IVF-Zyklus mit frischen und tiefgefrorenen Embryonen (kumulative Lebendgeburtenrate) erhöht der Blastozystentransfer möglicherweise geringfügig die Chance auf ein Baby (niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz).

  • Nach einem einzigen Transfer eines frischen Embryos: Der Blastozystentransfer erhöht wahrscheinlich die Chance, ein Baby zu bekommen. Wenn nach einem Embryonentransfer im Furchungsstadium 32 von 100 Frauen ein Baby bekommen, wären es nach einem Embryonentransfer im Blastozystenstadium etwa 37 bis 43 von 100 Frauen (moderate Vertrauenswürdigkeit der Evidenz).

Frühgeburt

  • Der Blastozystentransfer erhöht wahrscheinlich die Wahrscheinlichkeit, dass ein Baby zwischen der 32. und 36. Woche (späte Frühgeburt) geboren wird (moderate Vertrauenswürdigkeit der Evidenz).

Chance, schwanger zu werden ("klinische Schwangerschaft")

  • Der Blastozystentransfer erhöht möglicherweise die Chance auf eine Schwangerschaft nach einem frischen Transfer (niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz).

Fehlgeburt

  • Möglicherweise gibt es nur einen geringen oder gar keinen Unterschied zwischen dem Blastozystentransfer und dem Transfer im Furchungsstadium in Bezug auf die Rate an Fehlgeburten (niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz).

Einfrieren von überzähligen Embryonen

  • Der Blastozystentransfer verringert möglicherweise die Wahrscheinlichkeit, dass Embryonen für eine spätere Verwendung eingefroren werden können (niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz).

Anteil der Fälle, in denen kein Embryo übertragen werden konnte

  • Der Blastozystentransfer führt möglicherweise dazu, dass es häufiger zu keinem Embryotransfer kommt, zum Beispiel weil sich im Labor kein Embryo bis zum 5. Tag weiterentwickelt (niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz).

Was schränkt die Aussagekraft der Evidenz ein?

Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz ist moderat bis niedrig. Viele Studien waren klein, und die Art der IVF-Behandlung war unterschiedlich. Die Teilnehmenden wussten, ob ihr Embryo im Spaltstadium oder im Blastozystenstadium übertragen wurde. Dieses Wissen könnte die Ergebnisse beeinflusst haben. In einigen Studien erhielten die meisten Frauen nur einen frischen Embryotransfer. Die Ergebnisse könnten daher anders aussehen, wenn man sie erst später bewertet, nachdem auch eingefrorene Embryonen verwendet wurden. In den meisten Studien nahmen Frauen teil, die gute Voraussetzungen für eine Schwangerschaft hatten. Die Ergebnisse gelten daher möglicherweise nicht für Frauen mit Merkmalen, die eine Schwangerschaft erschweren.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz beruht auf Studien, nach denen bis Oktober 2024 gesucht wurde.

Glujovsky D, Cornelisse S, Blake D, Quinteiro Retamar AM, Alvarez Sedo CR, Ciapponi A

Wirken verhaltensorientierte Ansätze in der Mundhygieneberatung bei Erwachsenen mit Zahnfleischerkrankung?

1 week 5 days ago
Kernaussagen
  • Bei Menschen, die an Parodontitis (Zahnbettentzündung, eine schwere Form der Zahnfleischerkrankung) leiden, ist unklar, ob verhaltensorientierte Ansätze in der Mundhygieneberatung im Vergleich zur üblichen Beratung allein einen spürbaren Nutzen haben.

  • Auch bei Menschen mit Gingivitis (einer Zahnfleischentzündung, einer milderen Form der Zahnfleischerkrankung) ist die Evidenz sehr unsicher, ob verhaltensorientierte Ansätze in der Mundhygieneberatung im Vergleich zur üblichen Beratung allein einen spürbaren zusätzlichen Nutzen haben.

  • Künftige Studien sind nötig, um besser zu verstehen, ob Verhaltensansätze Menschen mit Zahnfleischerkrankung unterstützen können.

Was ist eine Zahnfleischerkrankung?

Zu den Symptomen einer Zahnfleischerkrankung gehören Zahnfleischbluten, geschwollenes Zahnfleisch und Mundgeruch. Eine Gingivitis ist eine milde Form der Zahnfleischerkrankung, die sich auf das Zahnfleisch beschränkt. Wenn eine Gingivitis nicht behandelt wird, kann sie sich zu einer Parodontitis entwickeln, einer schwereren Form der Zahnfleischerkrankung. Eine Parodontitis kann das Weichgewebe und den Kieferknochen um die Zähne herum bleibend schädigen. In einigen Fällen verlieren Betroffene ihre Zähne.

Wie wird eine Zahnfleischerkrankung behandelt?

Eine Zahnfleischerkrankung wird in der Regel durch Zahnärzt*innen oder Dentalhygieniker*innen behandelt, zum Beispiel durch eine professionelle Reinigung der Zähne und Zahnfleischtaschen. Bei stärkeren oder länger bestehenden Entzündungen können zusätzliche Behandlungen nötig sein, etwa Antibiotika oder ein operativer Eingriff. Die Symptome einer Zahnfleischerkrankung lassen sich durch eine gute Mundhygiene lindern. Dazu gehören mindestens zweimal tägliches Zähneputzen sowie die Reinigung der Zahnzwischenräume, zum Beispiel mit Zahnseide oder anderen geeigneten Hilfsmitteln. Eine gute Mundhygiene ist wichtig und eine Voraussetzung dafür, dass eine Zahnfleischentzündung erfolgreich behandelt werden kann. Auch wenn Menschen mit Zahnfleischerkrankungen von zahnärztlichem Fachpersonal zur Mundhygiene beraten werden, gelingt es nicht allen, diese Maßnahmen ausreichend umzusetzen, um ihre Erkrankung in den Griff zu bekommen.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob verhaltensorientierte Ansätze in der Mundhygieneberatung wirksamer sind als die übliche Beratung allein, um die Mundhygienegewohnheiten von Erwachsenen mit Zahnfleischerkrankungen zu verbessern. Zu verhaltensorientierten Ansätzen zählen Techniken zur Verhaltensänderung, die Menschen dabei unterstützen sollen, ihre gewohnten Verhaltensmuster zu verändern.

Wir untersuchten insbesondere Blutungen nach leichtem Sondieren oder Druck, Entzündungszeichen wie gerötetes und geschwollenes Zahnfleisch, Plaque (einen klebrigen Bakterienfilm auf den Zähnen), die Tiefe der Zahnfleischtaschen sowie die Festigkeit des Zahnhalteapparats. Wir untersuchten außerdem, ob die Studienteilnehmenden häufiger über verbesserte Mundhygienegewohnheiten berichteten und ob verhaltenstherapeutische Ansätze mit Schäden verbunden waren.

Was genau haben wir gemacht?

Wir suchten nach Studien, an denen Erwachsene mit Zahnfleischerkrankung teilnahmen. Wir schlossen Studien ein, die verhaltensorientierte Ansätze zur Mundhygieneberatung mit der üblichen Beratung allein verglichen. Wir fassten die Ergebnisse zusammen und verglichen sie getrennt für Personen mit Parodontitis und Personen mit Gingivitis. Bei Personen mit Parodontitis wurden die Ergebnisse danach getrennt ausgewertet, ob sie zuvor noch nie wegen einer Zahnfleischerkrankung behandelt worden waren (aktive Behandlung) oder eine Langzeitbehandlung erhielten (unterstützende Behandlung). Wir bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz auf der Grundlage von Faktoren wie Studienmethodik und Studiengröße.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 25 Studien mit 1422 Personen. Neunzehn Studien betrafen nur Menschen mit Parodontitis, fünf Studien betrafen nur Menschen mit Gingivitis, und eine Studie betraf beide Formen.

In den eingeschlossenen Studien wurden unterschiedliche Verhaltensansätze verwendet, um die Mundhygienegewohnheiten der Menschen zu ändern. Zu den verschiedenen Ansätzen gehörten zum Beispiel Handy-Apps, die Informationen zur Mundhygiene bereitstellen oder an die Zahnpflege erinnern. Außerdem kamen intraorale Kameras oder Spiegel zum Einsatz, mit denen Menschen Rückmeldungen zum Verlauf ihrer Erkrankung erhalten konnten. Weitere Maßnahmen waren eine ausführlichere und individuell angepasste Beratung, die Bereitstellung von Mundhygieneprodukten für die Anwendung zu Hause sowie Gespräche mit Beratungs- oder motivierenden Interviewtechniken, die dabei helfen sollen, das eigene Verhalten zu verändern. Teilweise führten die Teilnehmenden auch ein Tagebuch, das später bei Zahnarztterminen besprochen wurde.

Hauptergebnisse

Bei Erwachsenen mit Parodontitis ist unklar, ob verhaltenstherapeutische Maßnahmen Blutungen, Entzündungen, Plaque oder die Tiefe der Zahnfleischtaschen besser reduzieren können als die üblichen Ratschläge allein. Es ist auch unklar, ob Personen, die verhaltenstherapeutische Maßnahmen erhalten, eher über eine Verbesserung ihrer Mundhygienegewohnheiten berichten als Personen, die nur die übliche Beratung erhalten. Dieses Ergebnis gilt sowohl für Personen mit aktiver Behandlung als auch für Personen mit unterstützender Behandlung.

Bei Erwachsenen mit Gingivitis ist ebenfalls unklar, ob verhaltenstherapeutische Ansätze besser geeignet sind, die Symptome der Gingivitis zu lindern oder die Mundhygienegewohnheiten zu verbessern, als die übliche Beratung allein.

Zum Zeitpunkt unserer Suche fanden wir keine Studien, die Informationen über die Festigkeit des Zahnhalteapparats oder über mögliche Schäden der verhaltenstherapeutischen Ansätze enthielten.

Was schränkt die Evidenz ein?

Die Evidenz ist von sehr niedriger Vertrauenswürdigkeit, weil:

  • Die Teilnehmenden wussten möglicherweise, welche Behandlung sie erhielten. Das könnte die Ergebnisse beeinflusst haben.

  • Die Studien lieferten nicht immer alle Informationen, die wir benötigten.

  • Die meisten Studien umfassten nur sehr wenige oder nicht ausreichend viele Teilnehmende, sodass die Ergebnisse nicht mit ausreichender Sicherheit bewertet werden können.

  • Die Studien waren unterschiedlich aufgebaut, und sie kamen teilweise zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Diese Evidenz ist auf dem Stand vom 3. Juli 2024.

O'Malley L, Lewis SR, Preshaw PM, Riley P, Adair P, Edwards ML E, Raison H, Byrne MJ, Kitsaras G, Jervøe-Storm PM

Welche Methode ist am besten geeignet, um bei Schwangeren ab der 37. Woche die Geburt einzuleiten?

1 week 5 days ago
Kernaussagen

Ergebnisse aus Studien mit Frauen ohne vorherigen Kaiserschnitt sowie aus Studien mit einer gemischten Gruppe (mit und ohne vorherigen Kaiserschnitt), in denen die meisten Frauen keinen vorherigen Kaiserschnitt hatten:

  • Es ist unklar, ob eine andere Methode zur Geburtseinleitung besser ist als Misoprostol in niedriger Dosis (≤ 50 µg) in die Scheide einzuführen, wenn es darum geht, innerhalb von 24 Stunden eine vaginale Geburt zu erreichen, das Risiko eines Kaiserschnitts wegen Sorgen um das Wohlbefinden des Babys zu senken und den Tod des Babys zu verhindern.

  • Stickstoffmonoxid-Donatoren, osmotische Zervixdilatatoren, Ballonkatheter und die orale Einnahme einer niedrigen Dosis (≤ 50 μg) Misoprostol tragen wahrscheinlich dazu bei, das Risiko übermäßiger Gebärmutterkontraktionen zu verringern, die das Baby belasten können, im Vergleich zur vaginalen Verabreichung einer niedrigen Dosis (≤ 50 μg) Misoprostol.

  • Weitere Studien sind notwendig, um die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz zu verbessern.

Was ist eine Geburtseinleitung?

Eine Geburtseinleitung bedeutet, dass die Wehen gezielt mit medizinischen Methoden ausgelöst werden. Das kann nötig sein, wenn das Baby nach dem errechneten Termin noch nicht geboren ist oder wenn die Gesundheit von Mutter oder Kind gefährdet sein könnte. Es gibt fünf verschiedene Methoden der Geburtseinleitung, die im Folgenden beschrieben werden.

  • Medikamentöse Methoden: Hormonpräparate wie Misoprostol, Dinoproston und Oxytocin werden vaginal, oral (durch den Mund) oder intravenös (in eine Vene) verabreicht

  • Mechanische Methoden: beispielsweise ein Ballonkatheter, der in die Scheide eingeführt wird, um den Gebärmutterhals zu erweitern (zu öffnen)

  • Eröffnung der Fruchtblase mit einem schmerzlosen kleinen Schnitt (Amniotomie)

  • Kombination verschiedener Methoden: Einsatz von Medikamenten und mechanischen oder chirurgischen Techniken zur Verbesserung der Wirksamkeit

  • Alternative Methoden (z. B. Akupunktur und pflanzliche Präparate).

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, welche Methode zur Geburtseinleitung bei Schwangeren ab der 37. Schwangerschaftswoche am wirksamsten ist und dabei am sichersten für Mutter und Kind.

Wie sind wir vorgegangen?

Wir haben nach Studien gesucht, in denen Methoden zur Geburtseinleitung bei Frauen ab der 37. Schwangerschaftswoche verglichen wurden. Wir haben Methoden berücksichtigt, die in internationalen Leitlinien zur Geburtseinleitung empfohlen werden und bereits in früheren Cochrane Reviews untersucht wurden. Wir fassten die Studienergebnisse zusammen, verglichen sie und bewerteten das Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie Studienqualität und Stichprobengröße.

Was haben wir herausgefunden?

Wir haben 106 Studien mit 30 348 Frauen aus 35 Ländern ausgewertet, in denen 13 Methoden der Geburtseinleitung und eine Kontrollgruppe ohne routinemäßige Geburtseinleitung, bei der entweder abgewartet wurde (abwartendes Vorgehen) oder keine aktive Einleitung erfolgte, verglichen wurden.

Die Studien umfassten die folgenden Gruppen von Frauen.

  • Die meisten Studien konzentrierten sich auf Frauen ohne vorangegangenen Kaiserschnitt.

  • In zwei Studien wurden ausdrücklich nur Frauen mit einem vorangegangenen Kaiserschnitt berücksichtigt.

  • Sieben Studien umfassten sowohl Frauen mit als auch ohne vorherigen Kaiserschnitt, wobei die meisten keinen vorherigen Kaiserschnitt hatten.

    • In drei Studien wurde eindeutig angegeben, dass sie Frauen mit und ohne vorherigen Kaiserschnitt einschlossen.

    • Da jedoch mehr als die Hälfte der Frauen zum ersten Mal Mutter wurde, gingen wir davon aus, dass auch bei diesen Studien die Mehrheit der Frauen noch keinen vorherigen Kaiserschnitt hatte.

Wir haben folgende Methoden untersucht.

  • Acht medikamentöse Methoden: niedrig dosiertes (≤ 50 μg) Misoprostol, verabreicht oral, vaginal oder über die Mundschleimhaut (sublingual/bukkal); ein Misoprostol-Vaginalpessar mit kontrollierter Wirkstofffreisetzung (eine tamponähnliche Vorrichtung); Dinoproston, angewendet als Vaginalgel, Vaginaltablette oder als Vaginalpessar mit kontrollierter Wirkstofffreisetzung; Oxytocin und Stickstoffmonoxid-Donatoren.

  • Zwei mechanische Methoden: Ballonkatheter und osmotische Zervixdilatatoren

  • Drei Kombinationen von Methoden: Oxytocin mit Amniotomie; Ballonkatheter mit Oxytocin; und Ballonkatheter mit niedrig dosiertem Misoprostol (≤ 50 μg)

Die folgenden Ergebnisse beziehen sich auf unsere vier wichtigsten Endpunkte: keine vaginale Geburt innerhalb von 24 Stunden, Kaiserschnitt aufgrund von Sorgen um das Wohlergehen des Babys, Uteruskontraktionen, die das Baby belasten können, und Tod des Babys. Die Daten stammen aus Studien mit Frauen ohne vorherigen Kaiserschnitt sowie aus Studien mit einer gemischten Gruppe von Frauen mit und ohne vorherigen Kaiserschnitt.

  • Es gab keine eindeutigen Belege dafür, dass eine der untersuchten Methoden wirksamer ist als niedrig dosiertes Misoprostol (≤ 50 µg), das vaginal verabreicht wird. Dies gilt für wichtige Endpunkte wie das Ausbleiben einer vaginalen Geburt innerhalb von 24 Stunden, einen Kaiserschnitt aufgrund von Sorgen um das Wohlbefinden des Babys oder den Tod des Babys.

  • Im Vergleich zur niedrig dosierten (≤ 50 μg) vaginalen Gabe von Misoprostol senken Stickoxidspender, osmotische Dilatatoren, Ballonkatheter und niedrig dosiertes (≤ 50 μg) oral eingenommenes Misoprostol wahrscheinlich das Risiko übermäßiger Uteruskontraktionen, die für das Baby belastend sein können.

Es gibt nicht genügend Evidenz, um die sicherste und wirksamste Methode der Geburtseinleitung für Frauen mit vorangegangenem Kaiserschnitt zu bestimmen.

Was schränkt die Evidenz ein?

Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz ist überwiegend moderat bis niedrig. Das liegt daran, dass die Studien methodisch Schwächen hatten und es nicht genügend Studien gab, um sichere Ergebnisse zu erzielen. In vielen Studien wurden schwerwiegende unerwünschte Wirkungen für Frauen und Babys nicht erfasst oder berichtet, wie z. B. der Tod des Babys und übermäßige Gebärmutterkontraktionen, die das Baby belasten können. Außerdem untersuchten die Studien nicht alle Methoden der Geburtseinleitung, die für die von uns untersuchten Endpunkte von Bedeutung sind.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand vom 1. Februar 2023.

Rattanakanokchai S, Gallos ID, Kietpeerakool C, Eamudomkarn N, Show KL, Tin KN, Oladapo OT, Chou D, Mol BWJ, Li W, Lumbiganon P, Coomarasamy A, Price MJ

Wie wirksam sind verschiedene Methoden zur Bestimmung des Zeitpunkts der intrauterinen Insemination, um Frauen dabei zu helfen, ein Baby zu bekommen?

2 weeks ago
Kernaussagen

• Die verfügbare Evidenz reicht nicht aus, um zu beurteilen, ob bestimmte Methoden zur zeitlichen Abstimmung von Eisprung und Insemination sicherer oder wirksamer sind als andere Methoden.• Wir können auch nicht sagen, ob eine bestimmte Methode zur Überwachung oder Auslösung des Eisprungs besser ist. Die Ergebnisse sind zu unsicher oder stammen nur aus einer kleinen Studie.• Künftige Studien sollten bessere Methoden verwenden und den Erfolg der Behandlungen in Bezug auf Lebendgeburten oder fortbestehenden Schwangerschaften messen.

Was ist Subfertilität?

Von Subfertilität spricht man, wenn trotz regelmäßigem, ungeschütztem Geschlechtsverkehr innerhalb von 12 Monaten keine Schwangerschaft eintritt. Bei Frauen ab 35 Jahren gilt diese Einschätzung bereits nach sechs Monaten.(Anmerkung: Wenn man bei älteren Frauen genauso lange (12 Monate) abwartet, geht wertvolle Zeit verloren, in der eine Abklärung oder Behandlung noch besser wirken könnte.) Subfertilität betrifft etwa 10% der Paare, die versuchen, ein Baby zu bekommen.

Wie wird Subfertilität behandelt?

Die Behandlungsmöglichkeiten für subfertile Paare variieren und hängen von der Ursache der Subfertilität, dem Alter des Paares, wie lange sie schon probieren, schwanger zu werden, und anderen Faktoren ab.

Eine mögliche Behandlung für Paare mit unerfülltem Kinderwunsch ist die intrauterine Insemination (IUI). Dabei handelt es sich um eine Form der assistierten Befruchtung. Die Spermien werden zu einem gezielt gewählten Zeitpunkt im Menstruationszyklus direkt in die Gebärmutter eingebracht. Dieser Zeitpunkt liegt möglichst nah am Eisprung, um die Chance auf eine Schwangerschaft zu erhöhen.

Der Zeitpunkt der Insemination wird meist auf zwei Arten bestimmt: entweder durch eine Hormoninjektion (hCG) oder durch das Messen eines natürlichen Hormonschubs (LH) im Urin oder Blut der Frau. Es werden auch andere Methoden eingesetzt. Es ist jedoch noch nicht klar, welche Methode zur Bestimmung des Zeitpunkts die besten Voraussetzungen für ein gesundes Baby oder eine über das Frühstadium hinaus fortbestehende Schwangerschaft bietet.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, welche der verschiedenen Methoden zur Bestimmung des Zeitpunkts am effektivsten ist, um eine Lebendgeburt zu ermöglichen.

Was genau haben wir gemacht?

Wir haben nach Studien gesucht, die verschiedene Methoden der zeitlichen Planung der intrauterinen Insemination (IUI) bei subfertilen Paaren verglichen haben. Wir haben die Ergebnisse der Studien verglichen und zusammengefasst. Außerdem haben wir das Vertrauen in die Evidenz, basierend auf Faktoren wie Studiengröße und Studienmethoden, bewertet.

Was haben wir herausgefunden?

Wir haben 42 Studien gefunden, an denen 6603 Paare teilgenommen haben. Wir haben uns hauptsächlich auf die Evidenz aus sieben Studien mit 1917 Paaren gestützt. Die übrigen 35 Studien wiesen unzureichende Methoden auf oder lieferten nicht genügend Informationen, um eine Analyse ihrer Ergebnisse zu ermöglichen.

Hauptergebnisse

• In drei Studien wurden unterschiedliche Zeitintervalle zwischen Hormoninjektion (hCG) und Insemination verglichen. Wir haben die Ergebnisse für verschiedene Zeitintervalle analysiert: 0 bis 33 Stunden versus 34 bis 40 Stunden zwischen Injektion und Insemination sowie 34 bis 40 Stunden versus über 40 Stunden. Die Ergebnisse zeigten keine eindeutige Evidenz für einen Unterschied bei den Schwangerschafts- oder Lebendgeburtenraten zwischen den Gruppen.

• In einer Studie wurde untersucht, ob man den Zeitpunkt der Insemination besser mithilfe einer hCG-Injektion oder anhand des natürlichen Anstiegs des luteinisierenden Hormons (LH) festlegt. Es ist unsicher, ob es einen Unterschied bei den Schwangerschafts- oder Lebendgeburtenraten zwischen den Gruppen gibt.

• In einer Studie wurden zwei Arten von Hormoninjektionen verglichen, die den Eisprung auslösen: ein im Labor hergestelltes hCG und hCG, das aus Urin gewonnen wird. Es ist unklar, ob es einen Unterschied bei den Schwangerschafts- oder Lebendgeburtenraten zwischen den Gruppen gibt.

• In einer Studie wurde untersucht, ob die zusätzliche Gabe des Hormons FSH, das die Eierstöcke anregt, weitere Eizellen zu produzieren, zusammen mit dem üblichen hCG-Ovulationsauslöser die Chancen auf eine Schwangerschaft erhöht, verglichen mit der alleinigen Anwendung von hCG. Dieser Vergleich zeigte, dass es möglicherweise weniger Lebendgeburten oder fortbestehende Schwangerschaften in der hCG-Gruppe im Vergleich zur hCG-plus-FSH-Gruppe gibt. Die Vertrauenswürdigkeit der Ergebnisse ist jedoch niedrig. Größere Studien sind erforderlich, um diese Ergebnisse zu bestätigen.

Was schränkt die Evidenz ein?

Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz ist für alle Vergleiche niedrig. Der Grund ist, dass in den Studien zu wenige Frauen teilnahmen, um verlässliche Aussagen zu den wichtigsten Endpunkten zu machen (Lebendgeburt oder fortbestehende Schwangerschaft)..

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von Oktober 2023.

Adesina M, Cantineau AEP, Showell MG, Vail A, Wilkinson J

Was sind die Vorteile und Risiken der Ergotherapie für Menschen mit Multipler Sklerose?

2 weeks 5 days ago
Kernaussagen
  • Unmittelbar nach einer Ergotherapie zeigen Menschen mit Multipler Sklerose möglicherweise kleine Verbesserungen in der Bewältigung des Alltags und in der psychischen gesundheitsbezogenen Lebensqualität (HR-QoL). Auf die körperliche HR-QoL und die Teilhabe hat die Ergotherapie dagegen möglicherweise keinen oder nur einen geringen Einfluss. Teilhabe beschreibt, inwieweit Menschen mit MS an wichtigen Lebensbereichen wie Arbeit, Familie und sozialem Leben beteiligt sind.

  • Drei bis sechs Monate nach der Therapie verbessert die Ergotherapie möglicherweise geringfügig die psychische HR-QoL. Auf Alltagsaktivitäten und die körperliche HR-QoL hat sie hingegen möglicherweise kaum Einfluss. Im Vergleich zur üblichen Versorgung führt Ergotherapie möglicherweise zu einer gewissen Verbesserung der Alltagsfunktionen sowie der körperlichen und psychischen HR-QoL.

  • Da aussagekräftige Langzeitdaten fehlen, können wir den langfristigen Nutzen oder mögliche Schäden der Ergotherapie nicht sicher beurteilen.

  • Der tatsächliche Nutzen der Ergotherapie könnte in unseren Ergebnissen unterschätzt sein. Das liegt daran, dass die eingeschlossenen Studien sehr unterschiedliche Formen der Ergotherapie untersucht haben. Außerdem haben wir keine Studien berücksichtigt, in denen Ergotherapie mit anderen Behandlungen kombiniert wurde – es sei denn, die spezifischen Wirkungen der Ergotherapie wurden separat gemessen.

  • Zukünftige Studien sollten untersuchen, welche Bestandteile der Therapie für welche Menschen und in welchen Situationen am wirksamsten sind.

Was ist Multiple Sklerose?

Multiple Sklerose (MS) ist eine häufige Erkrankung des zentralen Nervensystems, von der weltweit etwa 2,9 Millionen Menschen betroffen sind. Bei MS greift das Immunsystem fälschlicherweise die Schutzschicht um die Nervenfasern im Gehirn und Rückenmark an. Dadurch wird die Kommunikation zwischen dem Gehirn und dem Rest des Körpers gestört, was zu Symptomen wie Müdigkeit, Muskelschwäche und Gleichgewichtsstörungen führt. MS kann alltägliche Aufgaben wie Anziehen, Zubereiten von Mahlzeiten oder Gehen erschweren. Sie kann auch Gedächtnis und Konzentration beeinträchtigen. Dadurch werden Arbeit und soziale Kontakte schwieriger.

Wie wird Multiple Sklerose behandelt?

Mit Medikamenten bei MS wird versucht, Schübe zu reduzieren, das Fortschreiten der Erkrankung zu bremsen und Symptome zu lindern. Rehabilitationstherapien können Menschen mit MS dabei unterstützen, besser mit ihren Symptomen umzugehen, den Alltag zu meistern und am sozialen Leben teilzunehmen.

Eine Rehabilitationstherapie ist die Ergotherapie. Sie hilft Menschen bei Alltagsaufgaben wie Anziehen, Kochen, Baden und Arbeiten. Ergotherapeut*innen unterstützen die Betroffenen dabei, Wege zu finden, wie sie diese Tätigkeiten leichter ausführen können, und geben ihnen Mittel an die Hand, die bei der Bewältigung der Symptome helfen. Sie arbeiten auch an der Verbesserung von Kraft und Koordination, um das tägliche Leben besser bewältigen zu können.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten untersuchen, welchen Nutzen Ergotherapie für Menschen mit Multipler Sklerose hat. Dabei interessierte uns besonders, ob sie den Alltag, die körperliche und psychische HR-QoL sowie die Teilhabe verbessert. Wir wollten auch herausfinden, ob Ergotherapie unerwünschte Wirkungen hat.

Was genau haben wir gemacht?

Wir suchten nach Studien, die ergotherapeutische Maßnahmen mit anderen Maßnahmen, der üblichen Versorgung oder keiner Behandlung bei Menschen mit MS verglichen. Wir schlossen multidisziplinäre Studien aus – also Studien, in denen Vertreter mehrerer Gesundheitsfachberufe gleichzeitig beteiligt waren, es sei denn, der spezifische Beitrag der Ergotherapie wurde ausdrücklich beschrieben. Wir interessierten uns für die Wirkungen unmittelbar nach der Behandlung, drei bis sechs Monate nach der Behandlung (mittelfristig) und ein Jahr nach der Behandlung (langfristig). Wir kombinierten die Ergebnisse der Studien und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz auf der Grundlage von Faktoren wie Studienmethoden und Größe der Studien.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 20 Studien zu ergotherapeutischen Interventionen, an denen 1628 Menschen mit MS teilgenommen hatten. Zehn Studien befassten sich mit der Frage, wie Menschen mit MS bei der Bewältigung ihrer Fatigue unterstützt werden können; neun Studien konzentrierten sich auf die Verbesserung alltäglicher Aktivitäten wie Ankleiden und Kochen, und eine Studie zielte darauf ab, eine stärkere Einbindung in soziale Aktivitäten zu fördern. Die Studien wurden überwiegend in Ländern mit hohem Einkommen durchgeführt. Die Teilnehmenden an den Studien waren Erwachsene im Alter von 18 bis 70 Jahren, die an MS mit leichter bis mittlerer Behinderung litten.

Wie sahen die Ergebnisse aus?

Im Vergleich zu anderen Behandlungen führt die Ergotherapie kurzfristig möglicherweise zu kleinen Verbesserungen der Alltagsfunktion. Im Vergleich zur üblichen Versorgung oder zu keiner Behandlung sind die Vorteile möglicherweise größer. Allerdings ist die zugrunde liegende Evidenz überwiegend unsicher. Die mittel- und langfristigen Wirkungen sind unklar.

Ergotherapie führt möglicherweise kurzfristig zu geringen Verbesserungen der psychischen HR-QoL, hat aber möglicherweise keine oder nur minimale Wirkungen auf die körperliche HR-QoL. Die Ergebnisse für Vergleiche mit der üblichen Versorgung oder keiner Intervention sind überwiegend sehr unsicher. Das gilt auch für die mittel- und langfristigen Wirkungen.

Ergotherapie hat möglicherweise nur geringe oder keine kurzfristigen Auswirkungen auf die Teilhabe, aber die Evidenz ist sehr begrenzt.

In keiner Studie wurden negative Auswirkungen der Ergotherapie systematisch erfasst. Daher ist unklar, ob Schäden auftreten können.

Was schränkt die Aussagekraft der Evidenz ein?

Es gibt nur begrenzte Evidenz darüber, wie Ergotherapie die körperliche HR-QoL von Menschen mit MS beeinflusst. Wir sind uns nicht sicher, wie wirksam Ergotherapie im Vergleich zur üblichen Versorgung oder keiner Behandlung ist, da es nicht genügend Studien gibt, um verlässliche Schlussfolgerungen zu ziehen. Zu möglichen schädlichen Wirkungen der Ergotherapie gibt es keine Informationen. Für Menschen mit Multipler Sklerose und einem hohen Grad an Behinderung gibt es zudem nur begrenzte Evidenz zur Ergotherapie.

Eine weitere Einschränkung ist, dass wir sehr unterschiedliche ergotherapeutische Maßnahmen zusammengefasst haben. Dadurch sind die Ergebnisse unsicherer und schwerer zu deuten. Ergotherapie umfasst viele unterschiedliche Ansätze und ist keine einheitliche Behandlung. Weil wir multidisziplinäre Studien ausgeschlossen haben, in denen der Beitrag der Ergotherapie nicht eindeutig beschrieben war, könnten uns wichtige Erkenntnisse entgangen sein.

Es sind weitere Studien nötig, um besser zu verstehen, wie Ergotherapie Menschen mit MS hilft.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz basiert auf Recherchen, die im November 2024 durchgeführt wurden.

Kos D, Boers A, O'Meara C, Bekkering GE, De Coninck L, Koen M, Freeman J, Hynes SM, Eijssen ICJM

Kann die nicht-invasive Messung der Sauerstoffversorgung im Gehirn dabei helfen, Hirnschäden bei sehr frühgeborenen Kindern zu verhindern?

2 weeks 5 days ago
Kernaussagen
  • Die nicht-invasive Messung der Sauerstoffversorgung im Gehirn mittels Nahinfrarotspektroskopie (NIRS) senkt bei sehr frühgeborenen Kindern wahrscheinlich weder die Sterblichkeit noch das Risiko für kurzfristige Hirnprobleme.

  • Um klarere Aussagen über einen möglichen Nutzen zu ermöglichen, sollten zukünftige Studien die NIRS einheitlicher einsetzen und langfristige Effekte untersuchen.

Was ist Nahinfrarotspektroskopie (NIRS)?

Die Nahinfrarotspektroskopie (NIRS) ist ein nicht-invasives Verfahren zur Messung des Sauerstoffgehalts im Gehirn.

Wie könnte NIRS Frühgeborenen auf der neonatologischen Intensivstation helfen?

Frühgeborene, vor allem solche, die sehr früh geboren werden (vor der 32. Schwangerschaftswoche), haben oft schwerwiegende gesundheitliche Probleme. Zu diesen möglichen Problemen gehören Hirnschäden, die durch eine unzureichende Sauerstoffversorgung des Gehirns verursacht werden. Der Einsatz von NIRS könnte Ärzt*innen dabei helfen, Probleme mit der Sauerstoffversorgung des Gehirns früh zu erkennen und schnell zu reagieren.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten untersuchen, ob eine NIRS-Überwachung das Gehirn besser schützt, die neurologische Entwicklung verbessert und das Überleben von Frühgeborenen im Vergleich zur üblichen Versorgung erhöht. Insbesondere interessierten wir uns für die Wirkungen von NIRS auf:

  • Tod jeglicher Ursache;

  • neurologische Entwicklungsprobleme (einschließlich zerebraler Lähmungen, schwerer Entwicklungsverzögerungen, Blindheit und Taubheit) nach 18 bis 24 Monaten;

  • schwere Hirnschäden;

  • chronische Lungenerkrankungen;

  • nekrotisierende Enterokolitis (schwere Darmerkrankung);

  • schwere Frühgeborenen-Retinopathie (Augenkrankheit, die zu Sehstörungen und in schweren Fällen zu Erblindung führen kann); und

  • schwerwiegende unerwünschte Auswirkungen.

Wie sind wir vorgegangen?

Wir suchten nach Studien, in denen die NIRS-Überwachung bei sehr frühgeborenen Kindern entweder mit keiner NIRS-Überwachung oder mit einer verblindeten NIRS-Überwachung verglichen wurde. Bei der verblindeten Überwachung waren die gemessenen Sauerstoffwerte im Gehirn für das Behandlungsteam nicht sichtbar, sodass sie ihre Entscheidungen nicht auf diese Informationen stützen konnten. Wir haben die Ergebnisse der Studien verglichen und zusammengefasst und unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie Studienmethoden und Größe der Studien bewertet.

Was fanden wir heraus?

Wir schlossen fünf zwischen 2016 und 2023 veröffentlichte Studien ein, an denen 2.415 sehr frühgeborene Kinder teilnahmen (1.191 in der NIRS-Gruppe und 1.224 in der Gruppe ohne NIRS/mit verblindeter NIRS). Die Säuglinge in der Gruppe ohne NIRS/mit verblindeter NIRS erhielten die normale Versorgung.

Was sind die wichtigsten Ergebnisse?

Die Evidenz aus fünf Studien (mit 2415 Säuglingen) zeigt, dass die NIRS-Überwachung im Vergleich zur normalen Versorgung wahrscheinlich zu geringen bis keinen Unterschieden führt bei:

  • Tod jeglicher Ursache;

  • schwere Hirnschäden;

  • chronische Lungenerkrankungen;

  • nekrotisierender Enterokolitis (schwere Darmerkrankung); und

  • schweren unerwünschten Auswirkungen.

Die Evidenz zu den Auswirkungen von NIRS auf langfristige neurologische Entwicklungsprobleme bei älteren Säuglingen ist sehr unsicher und beruht auf nur einer Studie mit 115 Kindern. Die NIRS-Überwachung führt wahrscheinlich nur zu einem geringen bis keinem Unterschied bei schwerer Frühgeborenen-Retinopathie (zwei Studien mit 1745 Säuglingen).

Was schränkt die Evidenz ein?

Vier der fünf eingeschlossenen Studien waren klein. Zudem traten Todesfälle, schwere Hirnschäden oder langfristige Probleme der neurologischen Entwicklung nur selten auf. Darüber hinaus waren die Ergebnisse der Studien sehr unterschiedlich. Nicht alle Studien setzten die NIRS-Überwachung auf die gleiche Weise ein. Deshalb ist unklar, ob sie bei allen Säuglingen und in verschiedenen Krankenhäusern und Ländern die gleichen Wirkungen hätte. Schließlich wurden nicht alle Endpunkte, an denen wir interessiert waren, eindeutig gemessen.

Die Ergebnisse künftiger Studien könnten die Ergebnisse dieses Reviews ändern.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von August 2025. Derzeit laufen fünf Studien zu dieser Fragestellung. Eine davon soll bis zum Jahr 2029 etwa 3.000 Babys einschließen. Diese große Studie kann helfen, den Nutzen und mögliche Schäden der NIRS bei sehr frühgeborenen Kindern besser zu verstehen.

Bodrero E, Isaza-López MC, Fiander M, Greisen G, Gluud C, Bruschettini M, supported by Cochrane Sweden and Cochrane Neonatal

Welchen Nutzen und welche Risiken haben Cannabis-basierte Medikamente für Erwachsene mit chronischen neuropathischen Schmerzen?

3 weeks ago
Hauptergebnisse
  • Da es an belastbarer Evidenz fehlt, ist unklar, ob Cannabis-basierte Medikamente mehr nutzen oder schaden.

  • Um den möglichen Nutzen und mögliche Schäden Cannabis-basierter Medikamente verlässlich beurteilen zu können, braucht es größere, methodisch gut durchgeführte Studien. Diese sollten auch Menschen mit schweren körperlichen Begleiterkrankungen (z. B. Herz- oder Nierenerkrankungen) sowie mit psychischen Erkrankungen einschließen.

Einführung in das Thema des Reviews

Was sind neuropathische Schmerzen?

Bei neuropathischen Schmerzen handelt es sich um Nervenschmerzen, die auftreten, wenn Nerven im Gehirn, im Rückenmark oder in den peripheren Nerven geschädigt sind oder nicht richtig funktionieren. Sie unterscheiden sich von Schmerzbotschaften, die über intakte Nerven aus geschädigtem Gewebe weitergeleitet werden, beispielsweise nach einem Sturz, bei einer Schnittwunde oder bei Arthrose im Knie.

Wie werden neuropathische Schmerzen behandelt?

Neuropathische Schmerzen werden mit verschiedenen Arten von Medikamenten behandelt. Eine ausreichende Schmerzlinderung wird mit den verfügbaren Medikamenten nur bei wenigen Menschen mit neuropathischen Schmerzen erreicht.

Zur Behandlung neuropathischer Schmerzen wurden verschiedene Präparate vorgeschlagen, die auf Wirkstoffen der Cannabispflanze basieren. Zu diesen Präparaten zählen Dampf aus erhitztem pflanzlichem Cannabis sowie verschiedene Arzneimittel in Form von Mundsprays, Tabletten, Cremes und Pflastern, bei denen der Wirkstoff über die Haut in den Körper aufgenommen wird. Sie enthalten Cannabiswirkstoffe, die entweder aus der Pflanze gewonnen oder synthetisch hergestellt wurden.

Cannabis-basierte Medikamente werden folgendermaßen klassifiziert: Präparate mit überwiegend Tetrahydrocannabinol (THC), einem Inhaltsstoff der Cannabispflanze, der berauschend wirkt; Präparate mit überwiegend Cannabidiol (CBD), einem Inhaltsstoff der Cannabispflanze ohne die typische Rauschwirkung; sowie Kombinationspräparate mit vergleichbaren Anteilen von THC und CBD.

Manche Menschen mit neuropathischen Schmerzen berichten von positiven Erfahrungen mit Cannabis-basierten Präparaten. Solche Berichte werden in den Medien häufig aufgegriffen.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden:

  • welche Inhaltsstoffe der Cannabisblüte zu einer möglichen Linderung neuropathischer Schmerzen beitragen;

  • ob Arzneimittel auf Cannabisbasis unerwünschte oder schädliche Wirkungen haben.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen unterschiedliche Cannabis-basierte Medikamente mit einem Placebo (Scheinmedikament) verglichen wurden. Dazu zählten Präparate, die hauptsächlich THC enthalten, hauptsächlich CBD enthalten oder beide Wirkstoffe kombinieren.

Wir fassten die Ergebnisse der Studien zusammen, verglichen sie miteinander und beurteilten unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie der Studienmethoden und der Studiengröße. Wir haben drei Vergleiche analysiert:

  • THC-dominante Präparate im Vergleich zu Placebo;

  • Kombinationspräparate mit vergleichbaren Anteilen von THC und CBD im Vergleich zu Placebo;

  • CBD-dominante Präparate im Vergleich zu Placebo.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 21 Studien, an denen 2187 Menschen mit verschiedenen Arten von neuropathischen Schmerzen teilnahmen. Die Studien wurden in Asien, Europa und Nordamerika durchgeführt. Die kleinste Studie hatte 18 Teilnehmende, die größte 339. Das Durchschnittsalter der Teilnehmenden reichte von 34 bis 70 Jahren. Der Anteil der Frauen reichte von 0 % bis 90 %. Die Studien dauerten zwischen zwei und 26 Wochen. Pharmazeutische Unternehmen finanzierten 14 (d.h. zwei Drittel) der Studien.

Hauptergebnisse

THC-dominante Medikamente gegenüber Placebo

Es ist unklar, ob Medikamente, die hauptsächlich THC enthalten, einen Einfluss auf die Zahl der Menschen haben, die:

  • eine Schmerzlinderung von mindestens 30 % oder mindestens 50 % erfahren;

  • ihren Zustand als stark oder sehr stark verbessert einschätzen;

  • das Medikament aufgrund von unerwünschten Wirkungen absetzen;

  • schwerwiegende unerwünschte oder schädliche Wirkungen erfahren;

  • unerwünschte Wirkungen auf die Psyche (z. B. Verwirrtheit) erfahren.

THC-dominante Medikamente erhöhen möglicherweise die Anzahl unerwünschter Wirkungen auf das Nervensystem (z. B. Schwindel) im Vergleich zu Placebo leicht.

THC/CBD-Kombinationspräparate gegenüber Placebo

Es ist unklar, ob Medikamente mit einem ausgewogenen THC/CBD-Verhältnis einen Unterschied bei der Zahl der Betroffenen bewirken, die:

  • eine Schmerzlinderung von mindestens 50 % erfahren;

  • schwerwiegende unerwünschte oder schädliche Wirkungen erleiden;

  • unerwünschte Wirkungen auf das Nervensystem (z. B. Schwindel); und

  • unerwünschte Wirkungen auf die Psyche (z. B. Verwirrtheit) erleiden.

Sie erhöhen möglicherweise geringfügig die Zahl der Personen, die ihren Zustand als stark oder sehr stark verbessert einschätzen und eine Schmerzlinderung von mindestens 30 % erfahren: Möglicherweise brechen mehr Menschen die Behandlung aufgrund unerwünschter Wirkungen ab.

CBD-dominante Medikamente gegenüber Placebo

Es ist unklar, ob Medikamente, die hauptsächlich CBD enthalten, die Zahl der Menschen, die eine Schmerzlinderung von mindestens 50 % erfahren, beeinflussen.

Wir wissen nicht, ob CBD-dominante Medikamente die Zahl der Menschen beeinflussen, die:

  • ihren Zustand als stark oder sehr stark verbessert einschätzen;

  • das Medikament aufgrund von unerwünschten Wirkungen absetzen;

  • schwerwiegende unerwünschte oder schädliche Wirkungen erfahren;

  • eine Schmerzlinderung von mindestens 30 % erfahren;

  • unerwünschte Wirkungen auf das Nervensystem oder die Psyche erfahren.

Dies liegt daran, dass die Evidenz begrenzt ist und die Ergebnisse der einzelnen Studien voneinander abweichen.

Was schränkt die Aussagekraft der Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Evidenz ist gering bis sehr gering. Zukünftige Studien könnten daher zu anderen Ergebnissen kommen. Vier zentrale Faktoren haben unser Vertrauen in die Evidenz verringert. In einigen Studien fehlten ausreichende Angaben zur methodischen Durchführung. Die Ergebnisse der einzelnen Studien unterschieden sich. Außerdem waren die Ergebnisse oft zu ungenau, um klare Schlussfolgerungen zuzulassen. Menschen mit schweren inneren Erkrankungen (z. B. Herz- oder Lebererkrankungen) wurden von den Studien ausgeschlossen.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand vom 29. Januar 2025.

Ateş G, Welsch P, Klose P, Phillips T, Lambers B, Häuser W, Radbruch L

Welchen Nutzen und welche Risiken haben Eisenpräparate für Kinder, die in Malaria-Gebieten leben?

4 weeks 1 day ago
Kernaussagen
  • Eisenpräparate erhöhen bei Kindern das Malariarisiko nicht, wenn Maßnahmen zur Vorbeugung und Behandlung von Malaria verfügbar sind.

  • In Gebieten ohne Maßnahmen zur Vorbeugung und Behandlung von Malaria können Eisenpräparate das Malariarisiko leicht erhöhen. Das zusätzliche Risiko ist jedoch gering.

  • Um besser zu verstehen, welche Kinder am meisten von Eisen profitieren, ob Folsäure die Wirkung von Eisen beeinflusst und wie Eisen in Regionen mit eingeschränkten Malariadiensten sicher gegeben werden kann, sind weitere Studien nötig.

Was sind Anämie und Malaria?

Anämie ist ein Zustand, bei dem der Körper nicht über genügend gesunde rote Blutkörperchen verfügt, um Sauerstoff zu den Geweben zu transportieren. Sie wird häufig durch einen Eisenmangel in der Ernährung verursacht, der bei Kindern zu Symptomen wie Müdigkeit, Schwäche sowie Wachstums- und Entwicklungsstörungen führt.

Malaria ist eine schwere Krankheit, die durch Parasiten verursacht wird. Diese werden durch den Stich infizierter Moskitos auf den Menschen übertragen. Sie ist in vielen tropischen und subtropischen Regionen verbreitet. Zu den Symptomen gehören Fieber, Schüttelfrost und weitere grippeähnliche Beschwerden. Ohne rasche Behandlung kann die Erkrankung lebensbedrohlich werden.

In Regionen, in denen Malaria dauerhaft vorkommt und das ganze Jahr über relativ gleich häufig ist, gab es die Sorge, dass Eisenpräparate bei Kindern das Risiko erhöhen könnten, an Malaria zu erkranken. Das liegt daran, dass der Malariaparasit Eisen für sein Wachstum benötigt. Ein höherer Eisengehalt im Blut könnte dem Parasiten daher möglicherweise helfen. Eine Blutarmut kann das Immunsystem schwächen. Dadurch werden Kinder anfälliger für Infektionen – auch für Malaria.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten wissen, ob Eisenpräparate für Kinder, die in Malaria-Gebieten leben, sicher sind und helfen. Konkret wollten wir herausfinden, ob die Gabe von Eisenpräparaten an Kinder in Malariagebieten folgende Risiken beeinflusst:

  • klinische Malaria (definiert als Fieber und Malariaparasiten im Blut);

  • schwere Malaria (eine gefährlichere Form der Krankheit, die zu Koma, schwerer Blutarmut oder Organversagen führen kann);

  • Tod; und

  • Krankenhausaufenthalte oder Klinikbesuche.

Wie sind wir vorgegangen?

Wir haben nach Studien gesucht, die sich mit der Verabreichung von Eisenpräparaten (mit oder ohne Folsäure) an Kinder unter 18 Jahren befassten, die in Gebieten mit hoher Malariaübertragung leben. Dazu gehörten alle Studien aus der 2016 veröffentlichten Version dieses Reviews sowie neu identifizierte Studien. Wir schlossen Studien ein, die Eisenpräparate mit einem Placebo (Scheinmedikament) oder keiner Behandlung verglichen. Wir haben auch Studien einbezogen, in denen die Verabreichung von Eisen zusammen mit einer Malariabehandlung untersucht wurde.

Wir fanden 40 Studien mit 33.785 Kindern. Wir verglichen und fassten die Ergebnisse der Studien zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz auf der Grundlage der Studienmethoden und Größe der Studien.

Was fanden wir heraus?
  • Die Behandlung mit Eisen führt zu geringen bis keinen Unterschieden bei der klinischen Malaria, verringert das Risiko einer schweren Malaria leicht und führt möglicherweise zu geringen bis keinen Unterschieden bei Todesfällen oder Krankenhausaufenthalten und Klinikbesuchen.

  • Eisen in Verbindung mit Folsäure führt möglicherweise zu einem geringen bis gar keinem Unterschied bei schwerer Malaria, Tod und Krankenhausaufenthalten.

  • In Gebieten, in denen eine gute Malariaprophylaxe und -behandlung gewährleistet ist, zu der unter anderem Moskitonetze, das Ausbringen von Insektiziden zur Verringerung der Mückenpopulation und der Zugang zu Tests und Behandlungen gehören, kann Eisen möglicherweise dazu beitragen, das Risiko einer klinischen Malaria zu verringern. In Gebieten, in denen solche Ressourcen nicht zur Verfügung stehen, erhöht Eisen möglicherweise das Risiko einer klinischen Malaria.

  • Eisen in Kombination mit einer Malariaprophylaxe reduziert die klinische Malaria erheblich, verringert möglicherweise nicht das Sterberisiko und reduziert wahrscheinlich Krankenhausaufenthalte und Klinikbesuche.

Was schränkt die Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Evidenz war unterschiedlich. Wir sind sicher, dass die Einnahme von oralen Eisenpräparaten das Risiko einer klinischen oder schweren Malaria nicht erhöht. In den Fällen, in denen wir nur begrenztes Vertrauen hatten, enthielten die Studien keine detaillierten Informationen über ihre Durchführung. Daher ist es schwierig, die Zuverlässigkeit ihrer Ergebnisse zu beurteilen. In Gebieten, in denen es keine Malariaprophylaxe und -behandlung gibt, ist die Evidenz weniger sicher. Sie stützt sich nämlich hauptsächlich auf eine einzige große Studie. Schließlich sind nur begrenzt Informationen über die Wirkung der Kombination aus Eisen und Folsäure verfügbar.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand vom 20. Mai 2025.

Itzkovich M, Neuberger A, Harris I, Yahav D, Paul M, Gilboa M

Welche möglichen Vorteile und Risiken hat eine Manipulative Wirbelsäulentherapie bei Menschen mit lang anhaltenden Kreuzschmerzen?

4 weeks 2 days ago
Kernaussagen
  • Es ist sehr unsicher, ob die manipulative Wirbelsäulentherapie (MWT), bei der Therapeut*innen die Gelenke der Wirbelsäule bewegen, im Vergleich zu einer Schein-MWT die Schmerzen leicht reduziert und die körperliche Funktion mäßig verbessert.

  • Ebenso unsicher ist das Ergebnis, dass die MWT die Schmerzen im Vergleich zu keiner Behandlung mäßig reduziert. Möglicherweise verbessert die MWT die körperliche Funktion im Vergleich zu keiner Behandlung deutlich.

  • Weniger als die Hälfte der Studien berichtete über unerwünschte oder schädliche Wirkungen. Unerwünschte Wirkungen wie Muskelkater und eine vorübergehende Zunahme von Schmerzen im unteren Rückenbereich waren zwar häufig, aber es wurden keine schwerwiegenden unerwünschten Wirkungen im Zusammenhang mit der MWT beobachtet.

Was sind unspezifische chronische Kreuzschmerzen?

Schmerzen im unteren Rückenbereich sind weit verbreitet und gehen häufig mit erheblichen funktionellen Einschränkungen einher. Sie stellen eine große Belastung für die Gesellschaft dar. Häufige Folgen sind eine eingeschränkte Lebensqualität, Arbeitsausfälle sowie erhebliche medizinische Kosten. Chronische Kreuzschmerzen werden als Schmerzen definiert, die länger als 12 Wochen anhalten. Wir konzentrierten uns auf Personen mit überwiegend im unteren Rücken lokalisierten Schmerzen sowie auf Personen mit Schmerzen, die in das Gesäß und die Beine ausstrahlen.

Wie werden chronische Kreuzschmerzen behandelt?

Die Manipulative Wirbelsäulentherapie (MWT) ist eine häufig eingesetzte Behandlungsform bei chronischen Schmerzen im unteren Rückenbereich und wird weltweit von verschiedenen Gesundheitsfachpersonen, darunter Chiropraktiker*innen, Manualtherapeut*innen und Osteopath*innen, angewendet. Die MWT eine manuelle Behandlung der Wirbelsäule, die sowohl Manipulation als auch Mobilisierung umfasst, um Schmerzen zu lindern, die Funktion zu verbessern und die Rückkehr zu den gewohnten Aktivitäten zu erleichtern. Die manipulative Wirbelsäulentherapie (MWT) umfasst sowohl sanfte, wiederholte Bewegungen und Dehnungen (Mobilisation) als auch schnelle, kontrollierte Impulse mit geringer Amplitude (Manipulation). Ziel ist es, den Bewegungsumfang zu verbessern und Schmerzen zu lindern; bei Manipulationen kann es dabei zu einem hörbaren Geräusch („Knacken“) kommen.

Was haben wir herausgefunden?

Wir wollten herausfinden, ob die MWT bei Menschen mit chronischen Kreuzschmerzen Schmerzen und Funktion verbessert oder Schaden verursacht. Nicht eingeschlossen wurden Personen, deren Kreuzschmerzen auf eine eindeutig feststellbare Ursache zurückgingen, zum Beispiel auf eine Infektion, einen Tumor oder eine Fraktur.

Wie sind wir vorgegangen?

Wir suchten nach Studien, die MWT mit anderen Methoden verglichen:

  • "vorgetäuschte" MWT (Schein-MWT);

  • keine Behandlung;

  • eine andere "konservative" Behandlung, d. h. eine einfache, nicht-operative Behandlung, z. B. körperliches Training.

Wir haben die Ergebnisse der Studien verglichen und zusammengefasst und unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie Studienmethoden und Größe der Studien bewertet. Dies ist eine aktualisierte Version eines zuletzt 2011 veröffentlichten Reviews.

Was fanden wir heraus?

In dieser aktualisierten Übersichtsarbeit wurden 76 Studien mit 11.866 Personen (veröffentlicht zwischen 1978 und 2024) identifiziert, in denen die Wirkungen von MWT bei Menschen mit chronischen Kreuzschmerzen untersucht wurden. An den Studien nahmen Frauen und Männer teil, überwiegend im mittleren Alter. Die meisten Studien fanden in Ländern mit hohem Einkommen statt (53 Studien, z. B. USA und Vereinigtes Königreich), während 23 Studien in Ländern mit mittlerem Einkommen (z. B. Brasilien, Indien) durchgeführt wurden. Keine Studie wurde in Ländern mit niedrigem Einkommen durchgeführt.

Wichtigste Ergebnisse: Vorteile

Ein Unterschied von zehn Punkten auf einer Skala von null bis hundert gilt für Betroffene als bedeutsam. Das kann bedeuten, dass sich die Symptome spürbar verbessern.

Vergleich zwischen MWT und Schein-MWT

Schmerzen

Einen Monat nach Beginn der Behandlung gaben Personen mit MWT im Durchschnitt um 7 Punkte weniger Schmerzen auf einer Skala von 0 bis 100 an als Personen, die eine Scheinbehandlung erhielten.

Körperliche Funktion

Personen, die eine MWT erhielten, berichteten einen Monat nach Behandlungsbeginn im Durchschnitt eine um 8,8 Punkte bessere körperliche Funktion (auf einer Skala von 0 bis 100) als Personen mit einer Schein-MWT.

Vergleich zwischen MWT und keiner Behandlung

Schmerzen

Personen, die eine MWT erhielten, berichteten einen Monat nach Beginn der Behandlung im Durchschnitt 14 Punkte weniger Schmerzen auf einer Skala von 0 bis 100 als Personen, die keine Behandlung erhielten.

Körperliche Funktion

Personen, die eine MWT erhielten, berichteten einen Monat nach Beginn der Behandlung über eine im Durchschnitt um 12,9 Punkte bessere körperliche Funktion auf einer Skala von 0 bis 100 als Personen, die keine Behandlung erhielten.

Vergleich zwischen MWT und anderen konservativen Behandlungen

Schmerzen

Personen, die eine MWT erhielten, bewerteten ihre Schmerzen einen Monat nach Beginn der Behandlung auf einer Skala von 0 bis 100 im Durchschnitt um 4,7 Punkte geringer als Personen, die eine andere konservative Behandlung erhielten.

Körperliche Funktion

Personen, die eine MWT erhielten, bewerteten ihre körperliche Funktion einen Monat nach Beginn der Behandlung auf einer Skala von 0 bis 100 im Durchschnitt um 4,9 Punkte besser als Personen, die eine andere konservative Behandlung erhielten.

Potenzielle Schäden

Nur wenige Studien berichteten über unerwünschte oder schädliche Wirkungen der MWT. Dazu gehörten Muskelkater und eine vorübergehende Zunahme von Schmerzen im unteren Rückenbereich. Es wurden keine schwerwiegenden unerwünschten Wirkungen im Zusammenhang mit der MWT berichtet.

Was schränkt die Evidenz ein?

Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz ist sehr niedrig, da in den Studien eine Vielzahl von MWT-Techniken verwendet und in unterschiedlichem Umfang getestet wurde und weil die berichteten Ergebnisse stark variierten. Mehrere Studien umfassten nur wenige Teilnehmende, und einige Studien waren methodisch mangelhaft. Daher könnten die Wirkungen der MWT in den Studien überschätzt werden.

Wie aktuell ist dieser Review?

Der Review ist auf dem Stand vom 18. Oktober 2024.

de Zoete A, Innocenti T, Petrozzi MJ, van Middelkoop M, Assendelft WJJ, de Boer MR, van Tulder MW, Rubinstein SM

Wie wirksam und sicher ist Cladribin bei Multipler Sklerose?

4 weeks 2 days ago
Kernaussagen
  • Im Vergleich zu Placebo verringert Cladribin das Risiko eines Rückfalls nach knapp zwei Jahren wahrscheinlich. Ob Cladribin die Zahl neuer Läsionen (d. h. neuer Veränderungen im Gehirn, die in MRT-Scans sichtbar sind) nach knapp zwei Jahren verringert, ist hingegen sehr unsicher. Cladribin hat möglicherweise keinen oder nur einen sehr geringen Einfluss auf das Fortschreiten der Behinderung nach 120 Wochen. Dieses Ergebnis ist aber sehr unsicher. Im Vergleich zu Placebo verändert Cladribin möglicherweise das Risiko unerwünschter Wirkungen, aber nicht das Risiko schwerwiegender unerwünschter Wirkungen. Dieses Ergebnis ist ebenfalls sehr unsicher.

  • Es braucht besser gemachte Studien mit längerer Laufzeit, um verlässlich beurteilen zu können, welchen Nutzen und welche Risiken Cladribin hat. Künftige Studien sollten Cladribin direkt mit anderen Medikamenten vergleichen, die bei dieser Erkrankung eingesetzt werden. Dabei sollten sie vor allem untersuchen, was für Betroffene am wichtigsten ist, zum Beispiel die Lebensqualität und wie gut sie ihren Alltag bewältigen können. Künftige Studien sollten auch benachteiligte Bevölkerungsgruppen einbeziehen.

Was ist Multiple Sklerose?

Bei der Multiplen Sklerose (MS) handelt es sich um eine chronische, nicht heilbare entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems. Dabei treten an verschiedenen Stellen des Gehirns und/oder des Rückenmarks akute Entzündungsherde auf, die mit der Zeit wichtige Alltagsaktivitäten wie Gehen und die Selbstversorgung beeinträchtigen können. Menschen mit MS können verschiedene Beschwerden haben, zum Beispiel Sehstörungen, Taubheitsgefühle oder Kribbeln, Muskelschwäche, Probleme mit Blase oder Darm, Einschränkungen der geistigen Leistungsfähigkeit, Erschöpfung oder Schwindel. Diese Beschwerden können im Verlauf der Erkrankung stärker werden und dazu führen, dass Betroffene im Alltag zunehmend auf Hilfe angewiesen sind. Wenn nach einer beschwerdefreien Zeit die Symptome erneut auftreten, spricht man von einem "Rückfall". Die häufigste Form der MS ist die "schubförmig-remittierende MS", bei der die Symptome schubweise mit beschwerdefreien Intervallen zwischen den akuten Krankheitsphasen auftreten. Mit der Zeit treten Rückfälle häufiger auf, die Symptome nehmen zu, und die beschwerdefreien Phasen werden kürzer. Multiple Sklerose ist eine besonders belastende Erkrankung. Sie betrifft meist junge Erwachsene, vor allem Frauen, oft in einer sehr aktiven Lebensphase.

Wie wird Multiple Sklerose behandelt?

MS wird derzeit mit "krankheitsmodifizierenden" Medikamenten behandelt (z. B. Interferon beta, Glatirameracetat, Natalizumab, Fingolimod, Alemtuzumab, Teriflunomid und Dimethylfumarat). Diese Medikamente können das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen, aber nicht aufhalten.

Was wollten wir herausfinden?

Die genauen Ursachen von MS sind noch nicht vollständig bekannt. Man weiß jedoch, dass Entzündungen eine wichtige Rolle spielen. Daran sind vor allem bestimmte Immunzellen, sogenannte T- und B-Zellen, beteiligt. Cladribin senkt die Anzahl bestimmter Immunzellen im Blut und im Gehirn. Dadurch kann die Entzündung abnehmen und das Fortschreiten der Krankheit möglicherweise verlangsamt werden. Wir wollten herausfinden, ob Cladribin bei Menschen mit MS das Fortschreiten der Behinderung verlangsamen oder aufhalten kann, ohne dass dabei mehr unerwünschte Ereignisse auftreten.

Wie sind wir vorgegangen?

Wir suchten nach Studien, in denen Cladribin mit keiner Behandlung, mit Placebo (Scheinbehandlung) oder mit „krankheitsmodifizierenden“ Medikamenten bei Menschen mit jeder Form von MS verglichen wurde. Wir verglichen und fassten die Ergebnisse der Studien zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz auf der Grundlage von Faktoren wie Studienmethoden, Anzahl der Teilnehmenden und Genauigkeit der Ergebnisse.

Was fanden wir heraus?

Wir schlossen 15 Studien mit den folgenden Designs ein.

  • - neun randomisierte kontrollierte Studien (RCTs, Studien, in denen Teilnehmende per Zufall einer von mindestens zwei Behandlungsgruppen zugeteilt werden), mit insgesamt 2571 Teilnehmenden. Die Teilnehmenden wurden über einen Zeitraum von ein bis zwei Jahren beobachtet.

  • - vier offene Verlängerungsstudien (OLEs, Studien, in denen Teilnehmenden aus vorherigen RCTs der weitere Zugang zur Studienbehandlung ermöglicht wird). In diesen Studien wurden die Teilnehmenden über weitere zwei bis zehn Jahre beobachtet.

  • - zwei Beobachtungsstudien mit Daten aus dem Versorgungsalltag („Real-World-Daten“), in denen Cladribin bei 4111 Personen mit anderen „krankheitsmodifizierenden Medikamenten“ verglichen wurde. Die Beobachtungsdauer lag zwischen ein und drei Jahren.

Wichtige Endpunkte für die Patienten, wie Lebensqualität und Denk- oder Gedächtnisprobleme, wurden in keiner Studie berichtet.

Die Ergebnisse der RCTs deuten darauf hin, dass Cladribin wahrscheinlich das Risiko neuer Schübe im Vergleich zu Placebo verringert. Ob es auch die Zahl der neuen Läsionen verringern, die auf Magnetresonanztomographien (MRT) des Gehirns zu sehen sind, ist sehr unsicher. Allerdings hat Cladribin möglicherweise nur geringe oder gar keine Wirkungen auf die Verschlechterung der Behinderung. Aber auch dieses Ergebnis ist sehr unsicher. Zwischen Cladribin und Placebo gibt es möglicherweise kaum oder keinen Unterschied darin, wie viele Menschen schwerwiegende unerwünschte Wirkungen haben oder die Behandlung abbrechen. Cladribin könnte jedoch das Risiko für andere unerwünschte Wirkungen erhöhen. Die Vertrauenswürdigkeit dieser Ergebnisse ist allerdings sehr gering.

Die Ergebnisse von OLEs deuten darauf hin, dass Cladribin möglicherweise im Vergleich zu Placebo den Anteil der Patient*innen erhöhen kann, die nach vier Jahren keine Anzeichen einer Verschlechterung der Krankheit zeigen. Ob Cladribin auch Rückfälle und die Zahl neuer MRT-Läsionen verringern kann, ist sehr unsicher. Cladribin hat möglicherweise nur geringe oder gar keine Auswirkungen darauf, ob sich die Behinderung verschlechtert, ob unerwünschte Ereignisse auftreten oder ob Menschen die Behandlung abbrechen. Die Vertrauenswürdigkeit dieser Ergebnisse ist ebenfalls sehr niedrig.

Die Ergebnisse aus Beobachtungsstudien, in denen Cladribin mit anderen Medikamenten verglichen wurde, sind unterschiedlich. Cladribin verhindert möglicherweise Rückfälle besser als einige andere Medikamente (Dimethylfumarat, Teriflunomid und Fingolimod nach drei Jahren). Im Vergleich zu Fingolimod, Natalizumab und Interferon beta nach einem Jahr ist jedoch unklar, ob Cladribin Rückfälle besser, schlechter oder ähnlich gut reduziert.

Was schränkt die Evidenz ein?

Insgesamt ist unser Vertrauen in die Ergebnisse gering, da viele Studien von schlechter Qualität sind und kaum berücksichtigen, was für die Betroffenen wichtig ist. Die meisten Studien wurden vom Hersteller von Cladribin finanziert und durchgeführt. Daher besteht die Sorge, dass die Berichterstattung über die Studienergebnisse durch Interessen des Herstellers beeinflusst worden sein könnte.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von Februar 2025.

Celani MG, Orso M, Melis M, Ercolani MV, Cantisani TA

Welchen Nutzen und welche Nachteile hat eine Kniegelenkersatzoperation zur Behandlung von Kniearthrose im Vergleich zu nicht-operativen Behandlungen?

1 month ago
Kernaussagen
  • Menschen mit moderater bis schwerer Kniearthrose, die durch eine Operation ein künstliches Kniegelenk erhalten und anschließend ein nicht-operatives Behandlungsprogramm durchlaufen, verspüren möglicherweise eine klinisch relevante Schmerzlinderung und eine geringfügige, klinisch jedoch nicht relevante Verbesserung der körperlichen Funktionen im Vergleich zu einem Behandlungsprogramm ohne Operation. Zudem verringert sich möglicherweise die Notwendigkeit einer (weiteren bzw. erstmaligen) Operation des Knies im Vergleich zu einer nicht-operativen Behandlung. In Bezug auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität gibt es wahrscheinlich keinen Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.

  • Es ist sehr unsicher, ob eine Knie-Totalendoprothese mit anschließendem nicht-operativem Behandlungsprogramm das Risiko schwerwiegender unerwünschter Wirkungen oder von Therapieabbrüchen aufgrund unerwünschter Wirkungen im Vergleich zu einer alleinigen nicht-operativen Behandlung beeinflusst.

  • Es sind weitere Studien erforderlich, die eine Kniegelenkersatzoperation mit nicht-operativen Behandlungen bei Kniearthrose vergleichen. Diese Studien sollten sich mit den Vorteilen und Risiken der Behandlung und der Patientenzufriedenheit befassen.

Was ist eine Kniearthrose?

Die Kniearthrose gehört zu den häufigsten Gelenkerkrankungen. Häufig ist das Kniegelenk betroffen. Arthrose verursacht Schmerzen, Gelenksteifigkeit und Einschränkungen der Beweglichkeit, die leicht, mittelschwer oder schwer sein können. Millionen von Menschen weltweit sind von diesen Symptomen betroffen, die ihre Lebensqualität beeinträchtigen.

Wie wird eine Kniearthrose behandelt?

Die Behandlung von mittelschwerer bis schwerer Kniearthrose umfasst nicht-operative Behandlungen und Kniegelenkersatzoperationen. Die üblichen nicht-operativen Behandlungsmöglichkeiten sind Aufklärung zu Bewegung, gezieltes Training, Physiotherapie, Gewichtsabnahme, Medikamente und Spritzen ins Gelenk.

Wenn die Arthrose fortgeschritten ist, kann manchmal eine Kniegelenkersatzoperation erforderlich werden. Bei einer Kniegelenkersatzoperation werden die abgenutzten Gelenkflächen im Knie entfernt und durch künstliche Teile ersetzt. Diese bestehen meist aus Metall und Kunststoff und betreffen das Schienbein, den Oberschenkelknochen und manchmal auch die Kniescheibe. Um die reibungslose Bewegung des Gelenks zu unterstützen, wird außerdem ein Abstandshalter aus Kunststoff zwischen Schienbein und Oberschenkelknochen eingesetzt.

Für Kniearthrose gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten. Welche davon am besten geeignet ist, hängt von der einzelnen Person ab. Damit Menschen mit Kniearthrose die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten gut verstehen, brauchen sie klare und verlässliche Informationen über die möglichen Vorteile und Risiken – sowohl nicht-operativer Maßnahmen als auch von Knieersatzoperationen. So können sie eine Behandlung wählen, die am besten zu ihren persönlichen Werten, Zielen und ihrem Lebensstil passt.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, welche Behandlung (Kniegelenkersatzoperation, nicht-operative Behandlungen, Scheinbehandlung) bei Erwachsenen mit mittelschwerer bis schwerer Kniearthrose am besten wirkt.

Außerdem wollten wir herausfinden, ob Erwachsene, die sich einer Kniegelenkersatzoperation, einer nicht-operativen Behandlung oder einer Scheinbehandlung unterzogen hatten, unerwünschte Wirkungen hatten.

Wie sind wir vorgegangen?

Wir haben nach veröffentlichten Studien der letzten 15 Jahre gesucht, in denen eine Kniegelenkersatzoperation im Vergleich zu nicht-operativen Behandlungen oder Scheinbehandlungen bei Menschen mit mittelschwerer bis schwerer Kniearthrose untersucht wurde. Wir haben die Ergebnisse der Studien zusammengefasst und verglichen und unser Vertrauen in die Evidenz auf der Grundlage von Faktoren wie Studienmethoden und Größe der Studien bewertet.

Was fanden wir heraus?

Wir haben nur eine einzige Studie gefunden, an der 100 Erwachsene mit überwiegend moderater bis schwerer Kniearthrose teilnahmen. In der Studie wurde untersucht, ob eine Kniegelenkersatzoperation in Kombination mit einem anschließenden 12-wöchigen nicht-operativen Behandlungsprogramm bessere Ergebnisse erzielt als das 12-wöchige nicht-operative Behandlungsprogramm allein. In der Gruppe mit OP waren 32 von 50 Erwachsenen Frauen (64 %). Das Durchschnittsalter betrug 66 Jahre. In der Gruppe, die nicht operiert wurde, waren 30 von 50 Erwachsenen Frauen (60 %). Das Durchschnittsalter betrug ebenfalls 66 Jahre.

Hauptergebnisse

Kniegelenkersatzoperation mit anschließendem 12-wöchigen nicht-operativen Behandlungsprogramm im Vergleich zu alleiniger 12-wöchiger nicht-operativer Behandlung:

  • verringert die Schmerzen nach einem Jahr möglicherweise spürbar;

  • verbessert die körperliche Funktion nach einem Jahr möglicherweise nur geringfügig (im Alltag nicht spürbar);

  • verringert möglicherweise die Notwendigkeit einer OP am Knie (Revisions- oder Folgeoperation am Knie bzw. Erstoperation am Knie);

  • führt wahrscheinlich nach einem Jahr zu keinem Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen in Bezug auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität.

Es gab keine Evidenz für die Zufriedenheit der Patient*innen mit den Behandlungsergebnissen.

Es ist unklar, ob eine Kniegelenkersatzoperation mit anschließendem 12-wöchigem nicht-operativem Behandlungsprogramm das Risiko schwerwiegender unerwünschter Wirkungen nach einem Jahr oder von Abbrüchen wegen unerwünschter Wirkungen im Vergleich zu dem alleinigen nicht-operativen Programm verändert.

Was schränkt die Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Evidenz ist nur moderat bis sehr niedrig, da wir lediglich eine kleine Studie aus den Jahren 2011 bis 2013 gefunden haben. Es war unklar, nach welchen Kriterien die Ärzt*innen entschieden, wer für eine Kniegelenkersatzoperation infrage kommt. Eine kleine Anzahl der Studienteilnehmer*innen hatte leichte statt mittelschwere bis schwere Arthrose. Personen, die in der Woche zuvor starke Schmerzen hatten, wurden nicht in die Studie aufgenommen, was die Ergebnisse beeinflusst haben könnte. Außerdem wussten die Studienteilnehmenden, welche Behandlung sie erhielten, was die Ergebnisse beeinflusst haben könnte.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von Januar 2025.

Pacheco-Brousseau L, Abdelrazeq S, Kelly SE, Pardo Pardo J, Dervin G, Stacey D, Wells GA

Hilft körperliches Training bei Depressionen?

1 month ago
Kernaussagen
  • Im Vergleich zu keiner Therapie verringert körperliches Training möglicherweise die Symptome einer Depression in moderatem Ausmaß.

  • Die Evidenz deutet darauf hin, dass es nur einen geringen bis gar keinen Unterschied in der Verringerung der Depressionssymptome durch körperliches Training im Vergleich zu Psychotherapien oder Antidepressiva geben könnte. Diese Schlussfolgerung stützt sich allerdings auf wenige kleine Studien.

  • In den Studien wurden die Ergebnisse am Ende der Behandlung gemessen; die meisten Teilnehmenden wurden nicht längerfristig nachbeobachtet.

  • Unerwünschte Wirkungen des körperlichen Trainings traten nur selten auf und betrafen nur eine kleine Anzahl von Teilnehmenden.

Was ist eine Depression?

Eine Depression ist eine psychische Störung, die sich durch eine anhaltend gedrückte Stimmung, Interessenverlust, Freudlosigkeit (Anhedonie) sowie mangelnden Antrieb äußert. Depressionen sind weit verbreitet: Weltweit sind über 100 Millionen Menschen davon betroffen. Depressionen können erhebliche Auswirkungen auf die körperliche Gesundheit haben und die Lebensqualität der Betroffenen beeinträchtigen.

Wie wird eine Depression behandelt?

Forschungen haben gezeigt, dass sowohl Medikamente (Antidepressiva) als auch psychotherapeutische Behandlungen, bei denen die Gedanken, Gefühle oder Verhaltensweisen der Menschen beeinflusst werden sollen, bei Depressionen wirksam sein können. Viele Menschen möchten jedoch auch alternative Methoden ausprobieren. (Anmerkung: Die deutsche Nationale Versorgungsleitlinie Unipolare Depression (Version 3.2.2022) empfiehlt sportliche Aktivitäten als mögliche unterstützende Maßnahme bei Depressionen.)

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob körperliches Training die Symptome einer Depression verringert und die Lebensqualität von Menschen mit Depressionen verbessert. Wir wollten auch herausfinden, wie körperliches Training im Vergleich zu Medikamenten, Psychotherapie und alternativen Behandlungen abschneidet. Wir wollten außerdem herausfinden, ob körperliches Training mit unerwünschten Wirkungen einhergeht und ob der gesundheitliche Nutzen in einem guten Verhältnis zu den Kosten steht. Dieser Review ist eine Aktualisierung der Version aus dem Jahr 2013.

Wie sind wir vorgegangen?

Wir suchten nach randomisierten kontrollierten Studien (RCTs), d. h. Studien, in denen Personen nach dem Zufallsprinzip einer Behandlungsgruppe zugewiesen wurden und in denen die die Wirksamkeit von körperlichem Training zur Behandlung von Depressionen bei Erwachsenen (ab 18 Jahren) untersucht wurde. In den Studien wurde körperliches Training entweder mit einer anderen aktiven Behandlung (z. B. Medikamenten oder Psychotherapie) oder mit einer inaktiven Intervention verglichen, z. B. keine Behandlung, Warteliste oder einer Scheinbehandlung. Alle Studien schlossen Erwachsene mit einer Depressionsdiagnose ein, und die durchgeführte körperliche Aktivität musste unserer Definition von "körperlichem Training" entsprechen.

Wir haben die Studienergebnisse systematisch beschrieben, bewertet und zusammengefasst. Unser Vertrauen in die Evidenz haben wir auf der Grundlage von Faktoren wie der Größe der Studien und den verwendeten Methoden beurteilt. Wir haben in medizinischen Datenbanken nach Studien bis November 2023 gesucht.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 73 Studien, an denen 4985 Erwachsene mit Depressionen beteiligt waren. Das Risiko einer systematischen Verzerrung war bei einigen der Studien hoch, was unser Vertrauen in die Ergebnisse einschränkte.

Körperliches Training führt im Vergleich zu keiner Therapie möglicherweise zu einer Verringerung der depressiven Symptome. Allerdings ist die Evidenz zu langfristigen Wirkungen unsicher.

Wahrscheinlich gibt es bei den depressiven Symptomen nur geringe oder keine Unterschiede zwischen Menschen, die körperlich trainieren, und solchen, die eine Psychotherapie erhalten. Möglicherweise gibt es bei den depressiven Symptomen nur geringe oder keine Unterschiede zwischen Menschen, die körperlich trainieren, und solchen, die Medikamente (Antidepressiva) erhalten.

Es scheint keine Unterschiede zwischen den verschiedenen Interventionen hinsichtlich ihrer Akzeptanz als Behandlung zu geben, gemessen an der Zahl der Teilnehmenden, die die Studien abschlossen.

Der Nutzen von körperlichem Training in Bezug auf die Lebensqualität ist im Vergleich zu keiner Behandlung, Psychotherapie oder medikamentöser Therapie uneinheitlich und unsicher.

Unerwünschte Ereignisse durch das körperliche Training waren nicht häufig. Die wenigen Teilnehmenden, die unerwünschte Wirkungen angaben, berichteten überwiegend über Muskel- und Gelenkbeschwerden oder eine Verschlechterung der depressiven Symptome.

Was schränkt die Evidenz ein?

Viele der Studien umfassten eine relativ kleine Anzahl von Personen und zeigten in methodischer Hinsicht ein hohes Risiko für systematische Verzerrungen. Außerdem wurde in den meisten Studien die Wirkung von körperlichem Training nur über einen kurzen Zeitraum untersucht. Diese Faktoren schränken unser Vertrauen in die Ergebnisse dieses Reviews ein. Künftige Studien sollten die methodische Qualität verbessern, herausfinden, welche Arten von körperlichem Training für unterschiedliche Personengruppen wirksam sind, und sicherstellen, dass verschiedene Bevölkerungsgruppen eingeschlossen werden, um Aspekte der gesundheitlichen Chancengleichheit angemessen zu berücksichtigen.

Clegg AJ, Hill JE, Mullin DS, Harris C, Smith CJ, Lightbody CE, Dwan K, Cooney GM, Mead GE, Watkins CL

Sollten Säuglinge mit sehr niedrigem Geburtsgewicht bei niedrigeren oder höheren Hämoglobinwerten Bluttransfusionen erhalten?

1 month 2 weeks ago
Kernaussagen

- Nach zwei Jahren zeigen sich bei niedrigeren und höheren Hämoglobin-Grenzwerten für Bluttransfusionen ähnliche Raten von Tod oder Behinderung.

- Ein niedrigerer Hämoglobin-Schwellenwert beeinflusst die Sterblichkeit nicht.

- Bei niedrigeren Schwellenwerten werden möglicherweise weniger Transfusionen durchgeführt.

Was bedeutet ein niedriger Hämoglobinwert?

Sehr kleine Frühgeborene entwickeln häufig eine Anämie, das heißt einen niedrigen Hämoglobinspiegel oder eine geringe Anzahl roter Blutkörperchen. Gründe dafür sind unter anderem die wiederholten Blutentnahmen für Untersuchungen sowie die noch unreife Blutbildung im Knochenmark.

Warum ist das wichtig?

Durch eine Bluttransfusion erhöht sich die Anzahl der roten Blutkörperchen im Kreislauf. Diese Zellen enthalten Hämoglobin, das Sauerstoff durch den Körper transportiert. Bluttransfusionen sollen die Sauerstoffversorgung des Körpers verbessern.

Wie wird eine niedrige Anzahl roter Blutkörperchen behandelt?

Fast alle sehr kleinen Frühgeborenen erhalten aufgrund eines niedrigen Hämoglobinwerts oder einer niedrigen Anzahl roter Blutkörperchen eine Bluttransfusion. Obwohl Bluttransfusionen häufig eingesetzt werden, besteht Unsicherheit darüber, ab welchen Hämoglobin-Schwellenwerten eine Transfusion sinnvoll ist. Deshalb untersuchten mehrere Studien Nutzen und Risiken von Bluttransfusionen bei niedrigen und hohen Hämoglobin-Schwellenwerten.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten untersuchen, ob die Aufrechterhaltung eines höheren Hämoglobinspiegels durch Bluttransfusionen die Gesundheit und Entwicklung sehr kleiner Frühgeborener bis zum Alter von zwei Jahren verbessert und ob dadurch mehr Transfusionen notwendig werden.

Wie gingen wir vor?

Wir haben umfassend nach Studien gesucht, die untersuchten, ob Bluttransfusionen bei sehr kleinen Frühgeborenen bei niedrigeren im Vergleich zu höheren Hämoglobin-Grenzwerten unterschiedlich wirken.

Was fanden wir heraus?

Sechs gut konzipierte Studien mit 3.451 sehr kleinen Frühgeborenen zeigen, dass Säuglinge, die erst bei einem niedrigeren Hämoglobinwert eine Transfusion erhielten, genauso gut abschnitten. Das bedeutet, dass sich die Sterbe- oder Behinderungsrate nicht von der bei Säuglingen unterschied, die bei einem höheren Hämoglobin-Grenzwert transfundiert wurden. Auch bei der kombinierten Sterbe- und Behinderungsrate zeigte sich kein Unterschied. Gleichzeitig wurden bei Säuglingen mit einem niedrigen Hämoglobinwert weniger Bluttransfusionen durchgeführt.

Was schränkt die Aussagekraft der Evidenz ein?

In diesen großen Studien wurden nur sehr geringe oder gar keine Unterschiede bei den Endpunkten für sehr kleinen Frühgeborenen bis zum Alter von zwei Jahren festgestellt. In allen sechs Studien wurde der Hämoglobinwert als Schwellenwert für die Transfusion verwendet, nicht jedoch weitere Parameter.

Wir sind sicher, dass sich niedrige im Vergleich zu hohen Hämoglobin-Schwellenwerten für Bluttransfusionen bei sehr kleinen Frühgeborenen bis zum Alter von zwei Jahren kaum oder gar nicht auf Gesundheit und Entwicklung auswirken. Aufgrund fehlender Verblindung und uneinheitlicher Ergebnisse ist unser Vertrauen in die Evidenz zur Anzahl der Transfusionen pro Säugling gering.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Dieser Review ist eine Aktualisierung unserer vorherigen Version aus dem Jahr 2011. Die Evidenz ist auf dem Stand von Januar 2024.

Andersen C, Stark MJ, Crawford T, Whyte RK, Franz AR, Soll RF, Kirpalani H

Welche Wirkungen haben biologisches Geschlecht und kultureller Geschlechtsbegriff (Gender) auf den Erfolg einer Nierentransplantation?

1 month 2 weeks ago
Kernaussagen

- Bei folgenden Ergebnissen gibt es möglicherweise keinen oder nur einen geringen Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Empfänger*innen einer transplantierten Niere: Verlust der transplantierten Niere, Tod, akute oder chronische Abstoßung (bei denen das Immunsystem die transplantierte Niere angreift) sowie das Auftreten von Krebs. Dabei beziehen sich die Begriffe "männlich" und "weiblich" auf biologische Unterschiede. Bei einer Nierentransplantation handelt es sich um einen chirurgischer Eingriff, bei dem eine Niere von einer Person - Spender*in - auf eine andere Person - Empfänger*in - übertragen wird.

- Nur eine Studie untersuchte das Gender (definiert als soziokulturelle Identität der Personen). Es konnten keine Schlussfolgerungen zur Wirkung des Genders auf den Ausgang der Nierentransplantation gezogen werden.

Worum geht es?

Für Menschen mit Nierenversagen – einem Zustand, bei dem die Nieren ihre lebenswichtige Funktion nicht mehr ausreichend erfüllen – kann eine Nierentransplantation die Lebenserwartung deutlich verlängern und die Lebensqualität erheblich steigern. Es ist daher von entscheidender Bedeutung, alle Faktoren umfassend zu analysieren, die das Überleben der transplantierten Niere und des Empfängers bzw. der Empfängerin maßgeblich beeinflussen. Das biologische Geschlecht des Empfängers oder der Empfängerin, das durch biologische Unterschiede als „männlich“ oder „weiblich“ bestimmt wird, könnte die Ergebnisse durch immunologische Prozesse beeinflussen, die die Abstoßung des Transplantats regulieren. Das Gender, definiert als die soziokulturelle Identität einer Person, könnte Faktoren wie die Einnahmetreue der Medikamente beeinflussen, was sich auch auf relevante Endpunkte auswirken könnte. Es ist jedoch derzeit nicht klar, ob es tatsächlich eine Auswirkung gibt.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob das biologische Geschlecht oder das Gender einer Person einen Einfluss auf Endpunkte nach einer Transplantation hat, beispielsweise auf die Abstoßung der Niere, Verlust der transplantierten Niere, Entwicklung von Krebs oder Tod.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten in der medizinischen Fachliteratur vor allem nach Kohortenstudien (Studien, die Menschen über einen bestimmten Zeitraum hinweg beobachten), Fall-Kontroll-Studien (Studien, die zwei Gruppen von Menschen mit und ohne unsere spezifischen Endpunkte vergleichen) und Querschnittsstudien (Studien, bei denen Daten von vielen Menschen zu einem einzelnen Zeitpunkt erhoben werden). Unser Fokus lag dabei auf Studien, die untersuchten, wie Geschlecht und Gender das Transplantatüberleben, den Tod, die Krebsinzidenz und die Abstoßung nach Nieren- und gleichzeitiger Pankreas-Nierentransplantation beeinflussen. Wir haben keine Studien berücksichtigt, in denen Geschlecht und Gender nicht eindeutig definiert sind. Wir fassten die Ergebnisse der Studien zusammen, verglichen sie und bewerteten unser Vertrauen in die Informationen anhand von Faktoren wie Studienmethoden und Studiengröße.

Was fanden wir?

Wir fanden 53 Studien mit 2.940.273 Teilnehmenden, wobei die Anzahl von 59 bis 407.963 pro Studie reichte. Insgesamt waren 46 % der Teilnehmenden weiblich und 54 % männlich. Sechzehn Studien wurden in Nord- und Südamerika, zwölf in Europa, elf im westlichen Pazifikraum, vier im östlichen Mittelmeerraum, drei in Afrika, zwei in Südostasien und fünf in mehreren Regionen durchgeführt. Zwischen Männern und Frauen (bezogen auf das biologische Geschlecht) gibt es keinen oder nur einen minimalen Unterschied in Bezug auf die Ergebnisse Verlust der transplantierten Niere, Tod, Krebsdiagnose, oder Auftreten einer akuten oder chronischen Abstoßung. Wir haben nur eine Studie gefunden, die sich auf das Gender der Empfänger*innen konzentrierte, und können daher keine Schlussfolgerungen zu den Auswirkungen des Genders auf die Ergebnisse nach einer Nierentransplantation ziehen.

Was schränkt die Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Evidenz ist gering, da in den meisten Studien Geschlecht und Gender nicht getrennt definiert wurden und die Begriffe oft synonym verwendet wurden. Die Studien wurden über einen Zeitraum von mehr als drei Jahrzehnten durchgeführt (von 1990 bis 2023), wobei sich die Definitionen, insbesondere für die akute Abstoßung, im Laufe der Zeit verändert haben.

Wie aktuell ist dieser Review?

Wir haben Datenbanken bis zum 12. April 2023 durchsucht.

Jayanti S, Beruni NA, Chui JN, Deng D, Liang A, Chong AS, Craig JC, Foster B, Howell M, Kim S, Mannon RB, Sapir-Pichhadze R, Scholes-Robertson NJ, Strauss AT, Jaure A, West L, Cooper TE, Wong G

Hilft elektrische Muskelstimulation nach einem Schlaganfall, die Muskelkraft und die Ausführung alltäglicher Aktivitäten zu verbessern?

1 month 3 weeks ago
Kernaussagen
  • Elektrische Muskelstimulation verbessert die Muskelkraft bei Menschen mit Muskelschwäche nach einem Schlaganfall.

  • Wenn Betroffene bereits wieder in der Lage sind, eine Alltagsaktivität auszuführen, ist der zusätzliche Nutzen einer elektrischen Stimulation während dieser Aktivitäten gering.

  • Es gibt zu wenig verlässliche Studien, um zu sagen, ob elektrische Muskelstimulation bei Schwäche besser oder schlechter wirkt als andere Kräftigungstherapien.

Was ist elektrische Muskelstimulation?

Bei der elektrischen Muskelstimulation werden Elektroden auf die Haut geklebt. Sie sind mit einem kleinen Gerät verbunden, das schwache elektrische Impulse an den Muskel sendet und so eine Muskelkontraktion auslöst.

Wie wird die elektrische Muskelstimulation nach einem Schlaganfall eingesetzt?

Die elektrische Muskelstimulationn kann nach einem Schlaganfall auf zwei Arten eingesetzt werden. Die zyklische elektrische Muskelstimulation (CES) kann bei Schwäche eingesetzt werden, um die Muskelkraft zu verbessern. Die funktionelle elektrische Muskelstimulation (FES) stimuliert während der Ausführung einer Alltagsbewegung einen oder mehrere Muskeln, um die Ausführung dieser Tätigkeit zu verbessern.

Was wollten wir herausfinden?

Wir untersuchten, ob die zyklische elektrische Stimulation (CES) wirksamer ist als keine Behandlung oder eine andere Kräftigungstherapie, um die Muskelkraft zu steigern, und ob die funktionelle elektrische Stimulation (FES) wirksamer ist als keine Behandlung oder das Ausführen derselben Tätigkeit ohne Stimulation, um die Leistungsfähigkeit bei dieser Tätigkeit zu verbessern. Wir untersuchten außerdem, wie sich elektrische Muskelstimulation auf die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und die Lebensqualität auswirkt und ob sie mit unerwünschten Wirkungen verbunden ist.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, die die Wirkungen von CES oder FES bei Erwachsenen nach einem Schlaganfall untersuchten. Anschließend verglichen und fassten wir die Ergebnisse der Studien zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie Studienmethoden und Größe der Studien.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 89 Studien mit insgesamt 2.905 Erwachsenen, die einen Schlaganfall erlitten hatten. Vierunddreißig Studien mit 1.176 Teilnehmenden befassten sich mit CES, 55 Studien mit 1.729 Teilnehmenden mit FES.

  • In 23 Studien verbesserte CES die Muskelkraft im Vergleich zu keiner Behandlung in moderatem Ausmaß. Zwanzig dieser Studien zeigten auch eine Verbesserung der Leistung bei alltäglichen Aktivitäten, wie Greifen oder Gehen.

  • Nur eine Studie verglich CES mit einer anderen Kräftigungstherapie. Die Ergebnisse waren unklar.

  • Wahrscheinlich verbessert FES unmittelbar nach der Intervention die untersuchte Aktivität in moderatem Ausmaß (12 Studien).

  • In 35 Studien zeigte die FES nur eine geringe zusätzliche Verbesserung im Vergleich zur Ausübung der gleichen Tätigkeit ohne Stimulation.

  • In vielen Studien wurde nicht berichtet, ob unerwünschte Wirkungen der elektrischen Muskelstimulation auftraten. Die Studien, die darüber berichteten, meldeten nur wenige unerwünschte Wirkungen, keine davon war schwerwiegend.

  • Nur sehr wenige Studien untersuchten, ob die elektrische Stimulation die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben oder die Lebensqualität verbessert. Daher können wir nicht sagen, ob sie Auswirkungen auf diese Endpunkte hat.

Was schränkt die Evidenz ein?

Wir sind moderat bis sicher überzeugt, dass CES im Vergleich zu keiner Behandlung wirksam ist und dass auch FES im Vergleich zu keiner Behandlung wirksam ist. Wird jedoch dieselbe Tätigkeit ohne Stimulation geübt, bringt FES nur einen sehr geringen zusätzlichen Nutzen. In den Fällen mit nur moderater Vertrauenswürdigkeit der Evidenz lag dies an der geringen Zahl der Studienteilnehmenden.

Wir sind nur moderat sicher, dass CES und FES nicht mit unerwünschten Wirkungen verbunden sind, da nur wenige Studien hierzu Angaben machten.

Aufgrund der geringen Anzahl an Studien für diesen Vergleich ist unser Vertrauen in die Evidenz zu CES im Vergleich zu einer anderen Form der Kräftigungstherapie sehr gering. Auch für die Wirkungen der elektrischen Muskelstimulation auf die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und die Lebensqualität ist die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz sehr gering, da diese Endpunkte nur selten untersucht wurden.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von Dezember 2024.

Scrivener K, Ada L, Glinsky JV, Dorsch S, Jamieson S, Brighton-Hall SM, McCredie L, Hanekom A, Lannin NA

Können Programme mit mehreren Bausteinen Kindern mit starkem Übergewicht dabei helfen, sich besser zu fühlen und gesünder zu leben?

1 month 3 weeks ago
Kernaussagen
  • Programme, die mehrere Bausteine kombinieren – zum Beispiel Ernährung, Bewegung und andere Alltagsgewohnheiten –, helfen möglicherweise fettleibigen Kindern, sich mehr zu bewegen, wenn sie in Gesundheitseinrichtungen angeboten werden. Werden solche Programme auf Gemeindeebene (etwa in Schulen oder Vereinen) durchgeführt, verbessern sie möglicherweise geringfügig die Lebensqualität der Kinder nach zwei Jahren. Insgesamt zeigten sich jedoch nur geringe oder gar keine Effekte auf andere wichtige Bereiche, zum Beispiel auf das körperliche und seelische Wohlbefinden oder auf den BMI-z-Score (ein Maß dafür, wie stark das Gewicht eines Kindes vom alters- und geschlechtstypischen Durchschnitt abweicht).

  • Nutzen und mögliche Nachteile dieser verhaltensverändernden Maßnahmen für Kinder und ihre Eltern sind nach wie vor unklar. Die meisten Studien stammen aus Ländern mit hohem Einkommen.

  • Weitere Studien in unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen und Settings sind notwendig, um besser zu verstehen, was bei welchen Kindern wirkt – und was nicht.

Was ist das zugrunde liegende Problem?

Fettleibigkeit bei Kindern stellt weltweit ein bedeutendes Gesundheitsproblem dar, das viele Ursachen hat, darunter Ernährungsgewohnheiten, körperliche Aktivität und Verhaltensweisen. Fettleibigkeit wird meist so definiert: Der Body-Mass-Index (BMI – ein Wert aus Größe und Gewicht) liegt deutlich höher als bei anderen Kindern oder Jugendlichen gleichen Alters und Geschlechts. Behandlungsansätze, die zu einem gesünderen Lebensstil anregen, werden häufig zur Behandlung von Fettleibigkeit bei Kindern eingesetzt, doch ihre Wirkungen über längere Zeiträume sind noch unklar.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten untersuchen, ob Programme, die mehrere Maßnahmen kombinieren, zum Beispiel zu Ernährung, Bewegung und Verhalten, Kindern unter 10 Jahren mit Adipositas und ihren Eltern helfen. Wir haben uns darauf konzentriert, wie sich diese Interventionen langfristig (nach 12 bis 24 Monaten) auf das körperliche und geistige Wohlbefinden, die körperliche Aktivität, die Lebensqualität und gewichtsbezogene Messgrößen auswirken. Wir haben auch mögliche unerwünschte Wirkungen untersucht.

Wie gingen wir vor?

Wir haben nach Studien gesucht, in denen Behandlungen zur Änderung des Gesundheitsverhaltens getestet wurden, die zwei oder mehr Bereiche kombinieren: Ernährung, körperliche Aktivität oder Verhaltensänderung. Wir schlossen nur Studien ein, in denen diese Maßnahmen mit keiner Behandlung, der üblichen Versorgung oder einer Wartelistengruppe verglichen wurden und die eine Nachbeobachtung von mindestens einem Jahr nach Beginn des Programms aufwiesen. Wir fassten die Studienergebnisse zusammen, verglichen sie und bewerteten, wie verlässlich die Evidenz ist, unter anderem anhand der verwendeten Methoden und der Größe der Studien.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 34 Studien mit 6.849 Kindern in Ländern mit hohem Einkommen (Nordamerika, Europa, Neuseeland, Australien, Israel). Wir haben die Studien in zwei Gruppen unterteilt: (1) Studien, bei denen die Behandlungen in Gesundheitseinrichtungen wie Erstversorgungszentren oder Krankenhäusern durchgeführt wurden; (2) Studien, bei denen die Behandlungen in Schulen, Gemeindezentren, Sportzentren oder anderen öffentlichen Einrichtungen durchgeführt wurden.

Hauptergebnisse

Verglichen mit der üblichen Versorgung bewirken in Gesundheitseinrichtungen durchgeführte, aus mehreren Komponenten bestehende Ansätze zur Verhaltensänderung:

  • wahrscheinlich wenig bis gar keinen Unterschied beim körperlichen Wohlbefinden der Kinder (gemessen nach 12 Monaten) im Vergleich zur Kontrollgruppe;

  • möglicherweise eine Verbesserung gegenüber dem Ausgangswert (seit Beginn der Studie) des körperlichen Wohlbefindens der Kinder nach 12 Monaten; das ist aber sehr unsicher;

  • wahrscheinlich wenig bis gar keinen Einfluss auf das psychische Wohlbefinden oder die gesundheitsbezogene Lebensqualität der Kinder;

  • möglicherweise eine Verbesserung der objektiv gemessenen körperlichen Aktivität, aber nur einen geringen oder gar keinen Unterschied bei der subjektiv gemessenen körperlichen Aktivität;

  • möglicherweise keinen oder nur einen minimalen Effekt auf den BMI-z-Score.

Es ist unklar, ob diese Maßnahmen mit negativen Auswirkungen oder unerwünschten Ereignissen verbunden waren. Keine der Studien machte Angaben zu Behinderungen, die mit Fettleibigkeit zusammenhängen.

Verglichen mit der üblichen Versorgung bewirken in Schulen, Gemeindezentren, Sportzentren oder anderen öffentlichen Einrichtungen durchgeführte, aus mehreren Komponenten bestehende Ansätze zur Verhaltensänderung:

  • möglicherweise wenig bis gar keinen Unterschied beim körperlichen Wohlbefinden, der objektiv gemessenen körperlichen Aktivität und der Lebensqualität nach 12 Monaten;

  • wahrscheinlich wenig bis gar keinen Unterschied beim psychische Wohlbefinden und der objektiv gemessenen körperlichen Aktivität nach 24 Monaten;

  • möglicherweise eine leichte Verbesserung der Lebensqualität nach 24 Monaten (aber nicht nach 12 Monaten);

  • wahrscheinlich wenig bis gar keinen Effekt beim BMI-z-Score.

Keine der Studien machte Angaben zu Behinderungen, die mit Fettleibigkeit zusammenhängen, oder das Auftreten von negativen oder unerwünschten Ereignissen.

Was schränkt die Evidenz ein?

Wir haben nur wenig Vertrauen in die Ergebnisse, weil die Studien die Teilnehmenden nicht lange genug begleitet haben und die Studien methodische Schwächen aufwiesen. Die meisten wurden in Ländern mit hohem Einkommen durchgeführt, so dass wir nicht sicher sein können, wie gut diese Maßnahmen in anderen Ländern und bei anderen Bevölkerungsgruppen funktionieren. Auch wenn die Effekte insgesamt gering ausfielen (oder nicht nachweisbar waren), könnten sie für bestimmte Untergruppen von Kindern mit hohem Risiko relevant sein.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von Februar 2024.

Franco JVA, Guo Y, Bongaerts B, Metzendorf MI, Hindemit J, Aqra Z, Alhalahla M, Tapinova K, Villegas Arbelaez E, Alade OT, Medina Rodriguez M, Rees K, Al-Khudairy L, Torbahn G, Ells LJ

Vergleich verschiedener Antibiotika, die Frauen bei einem Kaiserschnitt routinemäßig erhalten, um Infektionen vorzubeugen

1 month 3 weeks ago
Worum geht es?

Wir wollten herausfinden, ob die routinemäßige Verabreichung bestimmter Antibiotika bei Kaiserschnitten im Vergleich zu anderen Antibiotika die Zahl der Infektionen bei Müttern und Neugeborenen verringert. Wir haben außerdem untersucht, ob es Unterschiede bei unerwünschten Wirkungen gibt. Wir konzentrierten uns insbesondere auf Antibiotikaklassen, die gegen die nach der Entbindung am häufigsten auftretenden Infektionen wirksam sind, und verglichen daher vor allem Cephalosporine mit Penicillinen. Zur Beantwortung dieser Fragestellung haben wir alle relevanten Studien (randomisierte kontrollierte Studien) gesucht und analysiert (Stand der letzten Suche: 2. Dezember 2019).

Warum ist dies wichtig ?

Frauen, die per Kaiserschnitt entbinden, haben im Vergleich zu Frauen mit vaginaler Geburt ein erhöhtes Infektionsrisiko. Infektionsquellen können der Urin, die Operationswunde oder die Gebärmutterschleimhaut sein. Infektionen können schwerwiegend sein und beispielsweise einen Abszess im Becken oder eine Blutvergiftung verursachen. In sehr seltenen Fällen können diese Infektionen tödlich verlaufen, insbesondere in Regionen mit begrenzten Ressourcen. Zur Vermeidung von Infektionen sind eine sorgfältige Hautdesinfektion und die prophylaktische Gabe von Antibiotika vor Beginn des Kaiserschnitts ebenso wichtig wie eine gute chirurgische Technik. Antibiotika können jedoch bei der Mutter unerwünschte Wirkungen wie Übelkeit, Erbrechen, Hautausschlag und in seltenen Fällen allergische Reaktionen verursachen. Sowohl die Mutter als auch das Neugeborene können an einer Pilzinfektion (Candida) erkranken. Antibiotika, die Frauen kurz vor oder während der Geburt verabreicht werden, können zudem die Darmflora des Neugeboren verändern und das sich entwickelnde Immunsystem des Neugeborenen beeinträchtigen.

Welche Evidenz fanden wir?

Wir identifizierten 39 relevante Studien. Davon lieferten 33 Studien Daten zu insgesamt 8073 Frauen und ihren Babys. Die Qualität der einzelnen Studien war im Allgemeinen unklar, was zu einer insgesamt geringen oder sehr geringen Vertrauenswürdigkeit der Evidenz führte. Drei der 33 Studien wurden mit finanzieller Unterstützung von Arzneimittelherstellern durchgeführt. In den meisten Studien wurden Antibiotika erst bei oder nach dem Abklemmen der Nabelschnur verabreicht, obwohl heute in der Praxis häufig bereits vor dem Hautschnitt Antibiotika verabreicht werden.

Acht Studien mit insgesamt 1540 Frauen verglichen antistaphylokokkenwirksame Cephalosporine der ersten und zweiten Generation mit Breitbandpenicillinen, die mit einem Betalaktamase-Hemmer kombiniert waren. Wir stellten fest, dass sich diese Antibiotika hinsichtlich der Reduktion von Endometritis und mütterlichem Fieber möglicherweise nicht wesentlich unterscheiden. Es war unklar, welches Antibiotikum bei Wundinfektionen, Harnwegsinfektionen und mütterlichen unerwünschten Wirkungen wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Hautausschlag bessere Ergebnisse erzielte. Wir fanden keine Evidenz zu längerfristigen Ergebnissen bei Müttern nach deren Entlassung aus dem Krankenhaus und keine Evidenz zu den Ergebnissen bei den Neugeborenen. Nur eine kleine Studie mit 75 Frauen berichtete über Blutvergiftungen (Sepsis) bei Müttern, jedoch traten zu wenige Fälle auf, um klare Unterschiede zwischen den Antibiotika feststellen zu können.

Wir fanden keine Studien, die Evidenz zum Vergleich von antistaphylokokkenwirksamen Cephalosporinen mit Lincosamiden bzw. mit Lincosamiden plus Aminoglykosiden lieferten. Die übrigen Studien verglichen eine Vielzahl unterschiedlicher Antibiotika, lieferten jedoch nicht genügend Daten, um eindeutige Schlussfolgerungen zu einzelnen Vergleichen zu ziehen.

Was bedeutet das?

Antistaphylokokkenwirksame Cephalosporine und Penicilline mit Betalaktamasehemmern zeigen bei Kaiserschnitten möglicherweise eine vergleichbare Wirksamkeit zur Verhinderung mütterlicher Infektionen. Für zahlreiche klinisch relevante Endpunkte ist die Evidenz jedoch unklar. Insbesondere fanden wir keine Evidenz zu den Auswirkungen dieser Antibiotika auf Neugeborene sowie keine Evidenz zu Langzeitwirkungen bei Frauen und deren Kindern. Dies ist insbesondere bei Studien relevant, in denen Antibiotika vor dem chirurgischen Schnitt verabreicht werden, da die Antibiotika das Baby erreichen können. Für die anderen Vergleiche, die in diesem Review einbezogen wurden, lagen nur wenige Daten vor. Viele Studien waren älteren Datums und berichteten nur unzureichend über den Studienaufbau sowie über zentrale Endpunkte; zudem waren die Stichproben oft klein und es traten nur wenige Ereignisse auf. Darüber hinaus ist Forschung zu Antibiotika erforderlich, die gegen Erreger wirksam sind, welche Resistenzen gegenüber bestimmten Antibiotika aufweisen.

Williams MJ, Carvalho Ribeiro do Valle C, Gyte GML

Welche Vorteile und Risiken hat es, gutartige Muskelknoten (Myome) in der Gebärmutter direkt während eines Kaiserschnitts mitzuentfernen?

1 month 3 weeks ago
Kernaussagen
  • Die vorhandenen Studien liefern nur sehr unsichere Hinweise dazu, wie sich eine Myomentfernung während eines Kaiserschnitts auswirkt. Deshalb lässt sich derzeit nicht zuverlässig sagen, ob dieser Eingriff das Risiko für Bluttransfusionen oder starke Blutungen erhöht, ob er die Dauer der Operation oder des Krankenhausaufenthalts verlängert, ob häufiger größere Folgeoperationen nötig sind oder ob es öfter zu Fieber in den Tagen nach der Geburt kommt.

  • Es ist unklar, ob eine Myomentfernung während eines Kaiserschnitts den Hämoglobinwert oder die Möglichkeit, später erneut schwanger zu werden, beeinflusst.

Was ist eine postpartale Blutung?

Postpartale Blutungen sind definiert als starke Blutungen und ein Blutverlust von 500 ml oder mehr innerhalb von 24 Stunden nach der Geburt. Sie ist weltweit die Hauptursache für Todesfälle und Erkrankungen von Müttern. Weltweit stirbt etwa alle sieben Minuten eine Frau daran.

Was wollten wir herausfinden?

Uterusmyome (gutartige Wucherungen, die sich in oder um die Gebärmutter herum entwickeln) werden bei immer mehr Frauen entdeckt. In der Vergangenheit haben Ärzt*innen die Entfernung von Myomen (Myomektomie genannt) während einer Kaiserschnittgeburt wegen des Risikos übermäßiger oder starker Blutungen vermieden. Es wird angenommen, dass die Entfernung von Myomen während der Geburt mit längeren Operationszeiten und einem längeren Krankenhausaufenthalt verbunden ist. Die Entfernung von Myomen hat jedoch potenzielle Vorteile für die Erhaltung der zukünftigen Fruchtbarkeit der Frau. Für Frauen, die sich einem Kaiserschnitt unterziehen, kann dies eine einmalige Gelegenheit sein, diesen Eingriff vorzunehmen. Wir wollten herausfinden, welche Vor- und Nachteile es hat, wenn bei einem Kaiserschnitt zusätzlich Myome entfernt werden – im Vergleich dazu, die Myome nicht zu entfernen – bei schwangeren Frauen, die Uterusmyome haben und per Kaiserschnitt entbinden müssen.

Wie sind wir vorgegangen?

Wir haben nach Studien gesucht, die zwei Vorgehensweisen bei schwangeren Frauen mit Gebärmuttermyomen vergleichen, die per Kaiserschnitt entbinden: Kaiserschnitt mit Myomentfernung (Kaiserschnitt-Myomektomie) versus Kaiserschnitt ohne Myomentfernung (Kaiserschnitt allein). Wir verglichen und fassten die Ergebnisse der Studien zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz, basierend auf Faktoren wie Größe und Methoden der Studie.

Was fanden wir?

Wir fanden 23 Studien mit 7504 Frauen. Die größte Studie umfasste 2565 Frauen und die kleinste 50 Frauen. Die Studien wurden in Ländern mit hohem oder mittlerem Einkommen auf der ganzen Welt durchgeführt (d. h. sie verfügten über gute oder sehr gute medizinische Einrichtungen); die meisten wurden in der Türkei durchgeführt. Fünf Studien umfassten nur Frauen, die mit einem Kind schwanger waren, und eine Studie umfasste nur Frauen, die mit Zwillingen schwanger waren. In den meisten Studien wurde nicht angegeben, ob der Kaiserschnitt von den Frauen selbst gewählt wurde oder ob es sich um eine Notoperation handelte. Nur vier Studien gaben an, wie sie finanziert wurden.

Was schränkt die Evidenz ein?

Wir wissen derzeit nicht zuverlässig, ob und wie sich die Entfernung von Myomen während eines Kaiserschnitts darauf auswirkt, ob Frauen Bluttransfusionen benötigen, stärker bluten, länger im Krankenhaus bleiben, länger operiert werden müssen, einen größeren Eingriff benötigen oder in den Tagen nach der Geburt Fieber bekommen. Mehrere Faktoren haben unser Vertrauen in die Evidenz beeinträchtigt. Erstens könnten die Unterschiede zwischen den Gruppen auf Unterschiede zwischen den Frauen und nicht auf Unterschiede zwischen den Behandlungen zurückzuführen sein. Zweitens umfassten viele der Studien nur eine geringe Anzahl von Frauen. Drittens variierten einige Ergebnisse zwischen den Studien. Zu Hämoglobinwerten (ein Protein in den roten Blutkörperchen, das den Sauerstofftransport im Körper ermöglicht) und zur zukünftigen Fruchtbarkeit lagen keine Ergebnisse vor.

Insgesamt lassen die verfügbaren Daten keine verlässlichen Schlussfolgerungen zu Nutzen und Schaden der Kaiserschnitt-Myomektomie zu, da die eingeschlossenen Studien entweder keine verwertbaren Daten lieferten oder deren Vertrauenswürdigkeit sehr gering ist. Es sind weitere gut konzipierte Studien erforderlich, um den Einsatz der Myomektomie im Rahmen eines Kaiserschnitts zu untersuchen, insbesondere in Ländern mit niedrigen Ressourcen.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von 2. Februar 2024.

Dey T, Cole MG, Brown D, Hill RA, Chaplin M, Huffstetler HE, Curtis F

Digitales Tracking, Entscheidungsunterstützung für Leistungserbringende und gezielte mobile Kommunikation mit Klient*innen zur Verbesserung der Primärversorgung

1 month 3 weeks ago
Kernaussagen

Der Einsatz digitaler Hilfsmittel zur Unterstützung von Gesundheitsfachkräften bei der Nachverfolgung von Patientendaten und der Entscheidungsfindung zeigt uneinheitliche Ergebnisse. Diese Ansätze haben möglicherweise in bestimmten Situationen Vorteile, während sie in anderen nur geringe oder keine Effekte zeigen. Oft kennen wir die tatsächlichen Auswirkungen nicht, weil es entweder nicht genügend Studien gibt oder die vorhandenen Studien keine eindeutigen Ergebnisse liefern.

Was wollten wir herausfinden?

In diesem Review wurde untersucht, ob digitale Hilfsmittel Gesundheitsfachkräfte dabei unterstützen können, Patienteninformationen effektiver zu erfassen und eine bessere Versorgung zu gewährleisten als herkömmliche Methoden wie Papierakten oder der Verzicht auf unterstützende Hilfsmittel. Der Fokus lag auf Einrichtungen der primären Gesundheitsversorgung, darunter Kliniken und gemeindebasierte Gesundheitsprogramme.

Was ist digitales Tracking?

Digitales Tracking unterstützt Gesundheitsfachkräfte dabei, Patienteninformationen über einen längeren Zeitraum hinweg zu erfassen und zu speichern. Dies kann dazu beitragen, dass sie eine bessere Versorgung erbringen, und Regierungen dabei unterstützen, bedarfsgerechtere Gesundheitsdienste zu entwickeln.

In wohlhabenderen Ländern werden Patientendaten häufig in elektronischen Gesundheitsakten gespeichert. In vielen Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen verwenden Gesundheitsfachkräfte jedoch weiterhin Papierakten oder haben nur eingeschränkten Zugang zu digitalen Hilfsmitteln. Mobile Geräte wie Tablets und Smartphones können Gesundheitsfachkräften in diesen Settings die Nutzung digitaler Systeme erleichtern, um Patientendaten genauer und sicherer zu erfassen.

Welche weiteren Hilfsmittel gibt es?

Entscheidungsunterstützungssysteme: Digitales Tracking wird manchmal mit Entscheidungshilfen kombiniert. Diese Hilfsmittel unterstützen Gesundheitsfachkräfte dabei, Patientendaten systematisch auszuwerten und fundierte Behandlungsentscheidungen zu treffen.

Gezielte Kommunikation mit Klient*innen: Digitales Tracking kann auch mit Systemen zur Kommunikation mit Patient*innen und Klient*innen kombiniert werden. Diese Hilfsmittel ermöglichen es Gesundheitsfachkräften, Patient*innen Nachrichten zu senden, wie etwa Terminerinnerungen, Medikationspläne oder gesundheitsbezogene Empfehlungen.

Was fanden wir heraus?

Das Review schloss 18 Studien ein. Siebzehn stammten aus Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen, in denen elektronische Patientenakten entweder selten genutzt werden oder sich erst in der Einführungsphase befinden. Die meisten Studien konzentrierten sich auf die Nutzung mobiler Geräte durch Gesundheitsfachkräfte, vor allem im Bereich der Mütter- und Kindergesundheit oder der Behandlung chronisch Kranker.

Wenn Beschäftigte in der primären Gesundheitsversorgung digitales Tracking in Kombination mit Entscheidungshilfen, gezielter Kommunikation oder beidem einsetzen, zeigen sich im Vergleich zur Regelversorgung uneinheitliche Ergebnisse.

Positive Wirkungen : Es gibt Hinweise darauf, dass diese Hilfsmittel Vorteile bieten könnten. Sie unterstützen beispielsweise möglicherweise Gesundheitsfachkräfte dabei, Leitlinien konsequenter einzuhalten, Aufzeichnungen präziser zu führen und die Versorgungsqualität zu verbessern. Sie verbessern möglicherweise auch Behandlungsergebnisse der Patient*innen. So könnten etwa weniger Babys mit niedrigem Geburtsgewicht geboren werden oder Mütter früher mit dem Stillen starten. Einige Patient*innen berichten zudem möglicherweise über eine verbesserte Lebensqualität oder eine konsequentere Einnahme ihrer Medikamente bei chronischen Erkrankungen, etwa nach einem Schlaganfall. Diese positiven Wirkungen sind jedoch möglicherweise gering

Geringe oder keine Wirkung : In anderen Fällen haben diese Hilfsmittel möglicherweise keinen oder nur einen geringen Einfluss auf das Verhalten von Gesundheitsfachkräften oder auf die Gesundheit der Patient*innen.

Unsicherheit : In vielen Fällen sind die Ergebnisse unklar, da es nicht genügend Studien gibt oder die vorhandenen Studien keine verlässliche Evidenz liefern.

Was sind die Limitationen dieser Evidenz?

Die Vertrauenswürdigkeit der Ergebnisse ist gering, da nur wenige Studien vorlagen; einige waren klein, andere wiesen methodische Mängel auf, wodurch die Aussagekraft der Ergebnisse eingeschränkt ist.

Wie aktuell ist dieser Review?

Die Studien, die in diesem Review berücksichtigt wurden, stammen aus dem Zeitraum zwischen 2000 und November 2022.

Agarwal S, Chin WY, Vasudevan L, Henschke N, Tamrat T, Foss HS, Glenton C, Bergman H, Fønhus MS, Ratanaprayul N, Pandya S, Mehl GL, Lewin S
Checked
13 hours 26 minutes ago
Subscribe to Cochrane Kompakt feed