Cochrane Kompakt

Vitamine und Mineralstoffen für Frauen mit verminderter Fruchtbarkeit (Subfertilität)

12 hours 32 minutes ago

Fragestellung des Reviews:
Verbessern ergänzende oral verabreichte Antioxidantien im Vergleich zu Plazebo, keiner Behandlung/Regelversorgung oder anderen Antioxidantien die Fruchtbarkeit bei subfertilen Frauen? die "Standardbehandlung" umfasst weniger als 1 mg Folsäure.

Hintergrund:
Viele subfertile Frauen die sich einer Fruchtbarkeitsbehandlung unterziehen, nehmen auch Nahrungsergänzungsmittel ein, in der Hoffnung dadurch ihre Fruchtbarkeit zu verbessern. Dies kann eine sehr stressreiche Zeit für die Frauen und ihre Partner und Partnerinnen sein. Es ist wichtig, diesen Paaren qualitativ hochwertige Evidenz zur Verfügung zu stellen. Auf deren Grundlage können sie eine informierte Entscheidung treffen, ob die Einnahme von ergänzenden Antioxidantien während Fruchtbarkeitsbehandlungen ihre Chancen verbessert oder unerwünschte Ereignisse verursacht. Dies ist besonders wichtig, da die meisten antioxidativen Nahrungsergänzungsmittel keiner gesetzlichen Kontrolle unterliegen. Dieser Review untersuchte, inwiefern Ergänzungsmittel mit oral verabreichten Antioxidantien die Chancen einer subfertilen Frau erhöhen, schwanger zu werden und ein Baby zu bekommen.

Datum der Suche:
Die Evidenz ist auf dem Stand von September 2019.

Studienmerkmale:
Dieser Review schloss 63 randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 7760 teilnehmenden Frauen ein, welche Antioxidantien entweder mit Placebo, keiner Behandlung bzw. Standardbehandlung oder mit anderen Antioxidantien verglichen.

Finanzierungsquellen
Finanzierungsquellen wurden nur in 27 von 63 eingeschlossenen Studien genannt.

Hauptergebnisse:
Wir sind uns unsicher, ob die Verwendung von Antioxidantien die Zahl der Lebendgeburten erhöht, da die Evidenz von sehr niedriger Qualität war. Aufgrund der Ergebnisse würden wir erwarten, dass von 100 subfertilen Frauen, welche keine Antioxidantien einnehmen, 20 ein Kind bekommen würden. Im Vergleich dazu würden zwischen 24 und 36 von 100 subfertilen Frauen ein Kind bekommen, welche Antioxidantien einnehmen. Evidenz von sehr niedriger Qualität deutet darauf hin, dass Antioxidantien mit einer höheren Rate an klinischen Schwangerschaften in Verbindung steht. Über unerwünschte Wirkungen wurde nur wenig berichtet. Jedoch schien die Einnahme von Antioxidantien nicht zu mehr Fehlgeburten, Mehrlingsgeburten, Verdauungsstörungen oder Eileiterschwangerschaften zu führen.

Hinweise von geringer Qualität deuten darauf hin, dass es keinen Unterschied bei den Raten von Lebendgeburten oder klinischen Schwangerschaften gibt, wenn eine niedrigere Melatonindosis mit einer höheren Dosis verglichen wird. Aufgrund der Ergebnisse würden wir erwarten, dass von 100 subfertilen Frauen, welche eine niedrige Dosis Melatonin einnehmen, 24 ein Kind bekommen würden. Im Vergleich dazu würden zwischen 12 und 40 von 100 subfertilen Frauen ein Kind bekommen, welche eine höhere Dosis Melatonin einnehmen.

Drei Studien berichteten über Fehlgeburten im Vergleich von Antioxidantien zur Antioxidantien Vergleichsgruppe (zwei Studien verwendeten Melatonindosen und eine Studie verglich N-Acetylcystein mit L-Carnitin). In beiden Melatonin-Studien gab es keine Fehlgeburten. Über Mehrlingsschwangerschaften und gastrointestinale Störungen wurde nicht berichtet. Über das Auftreten von Eileiterschwangerschaften wurde nur in einer Studie berichtet. Allerdings traten in dieser keine Eileiterschwangerschaft auf.

In der Studie, in der N-Acetylcystein mit L-Carnitin verglichen wurde, wurde keine Lebendgeburtenrate angegeben. Es gibt nur sehr wenige Evidenz, die auf einen Unterschied in der klinischen Schwangerschaft hinweist. Evidenz von niedriger Qualität zeigen keinen Unterschied bei Fehlgeburten. In der Studie wurde nicht über Mehrlingsschwangerschaften, Magen-Darm-Störungen oder Eileiterschwangerschaften berichtet.

Qualität der Evidenz:
Die Gesamtqualität der Evidenz war durch schwerwiegende Risiken einer Verzerrung aufgrund unzureichender Angaben zu den Methoden, Ungenauigkeit und Inkonsistenz eingeschränkt.

Showell MG, Mackenzie-Proctor R, Jordan V, Hart RJ

Was sind die Vorteile und Risiken von Magnesiumsulfat bei der Behandlung von Kindern unter zwei Jahren mit Bronchiolitis?

12 hours 32 minutes ago
Kernaussagen
  • Es ist unklar, ob Magnesiumsulfat allein oder in Kombination mit anderen Behandlungen die gesundheitlichen Ergebnisse bei Kindern unter zwei Jahren mit Bronchiolitis verbessert.

  • Es sind weitere groß angelegte, gut konzipierte Studien erforderlich, die sich mit den Vorteilen und Nachteilen von Magnesiumsulfat bei akuter Bronchiolitis befassen.

Was ist eine akute Bronchiolitis?

Eine akute Bronchiolitis ist eine häufige Lungeninfektion bei Kindern unter zwei Jahren. Die kleinen Atemwege in der Lunge werden verengt oder blockiert, was zu Husten, Keuchen und Atembeschwerden führt. Bronchiolitis wird durch Viren verursacht. Die Behandlung besteht meist aus unterstützenden Maßnahmen, zum Beispiel ausreichend Flüssigkeit und befeuchtetem Sauerstoff. Kinder mit Bronchiolitis benötigen möglicherweise eine Intensivbehandlung.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob Magnesiumsulfat, allein oder in Kombination mit anderen Behandlungen, wirksamer und sicherer ist als andere Behandlungen bei akuter Bronchiolitis.

Wie gingen wir vor?

Wir haben nach Studien gesucht, in denen Magnesiumsulfat (allein oder in Kombination mit anderen Behandlungen) mit anderen Behandlungsoptionen verglichen wurde. Wir haben die Ergebnisse dieser Studien zusammengefasst und die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz anhand der Studienmethoden und der Größe der Studien bewertet.

Was fanden wir heraus?

Wir haben sieben Studien mit 816 Kindern aus Katar, der Türkei, dem Iran, China und Indien einbezogen. Vier Studien umfassten Kinder mit mittelschwerer bis schwerer Bronchiolitis. In den Studien wurde Magnesiumsulfat entweder über einen Schlauch in eine Vene (intravenös) oder als feiner Inhalationsnebel (vernebelt) verabreicht. Es wurde mit einer Scheinbehandlung (Placebo), Medikamenten zur Öffnung der Atemwege (Salbutamol oder Adrenalin), einer Salzlösung (hypertonische Kochsalzlösung), der üblichen Behandlung (Sauerstoff und ausreichende Flüssigkeitszufuhr) oder keiner Behandlung verglichen.

Es ist unklar, ob Magnesiumsulfat allein oder in Kombination mit anderen Behandlungen die Ergebnisse verbessert. Dazu gehören zum Beispiel die Verringerung der Todesfälle, unerwartete medizinische Probleme während der Behandlung, die Dauer des Krankenhausaufenthalts oder die Schwere der Erkrankung (bewertet anhand klinischer Skalen der Ärzt*innnen). Die Zeit bis zur Genesung wurde nicht gemessen.

Was schränkt die Evidenz ein?

Insgesamt ist die Vertrauenswürdigkeit sehr gering, vor allem weil die eingeschlossenen Studien nur wenige Kinder umfassten und die Studien methodische Probleme aufwiesen. Weitere Studien werden wahrscheinlich die Ergebnisse dieses Reviews verändern.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von November 2024.

Chandelia S, Kumar D, Tandon D, Makol J

Verbessert die Kombination aus Immuntherapie und Chemotherapie im Vergleich zu alleiniger Chemotherapie die Behandlungsergebnisse bei frühem dreifach-negativem Brustkrebs?

12 hours 32 minutes ago
Kernaussagen

- Bei Patientinnen mit frühem, potenziell heilbarem, dreifach-negativem Brustkrebs (Stadien 1 bis 3) ist nach zusätzlicher Gabe von sogenannten Immuncheckpoint-Inhibitoren (Immuntherapie) zur Chemotherapie vor der Operation im Vergleich zur alleinigen Chemotherapie wahrscheinlich häufiger kein Krebs mehr nachweisbar. Auch die Zeit bis zum Wiederauftreten der Erkrankung sowie die Gesamtüberlebenszeit (Zeit von der Diagnose oder dem Behandlungsbeginn bis zum Tod, unabhängig von der Ursache) verbessern sich wahrscheinlich. Allerdings erhöht die zusätzliche Immuntherapie wahrscheinlich das Risiko schwerwiegender unerwünschter Wirkungen. Die Lebensqualität ist bei beiden Behandlungen möglicherweise ähnlich. Die Gesamtzahl an unerwünschten Wirkungen ist wahrscheinlich ebenfalls ähnlich.

- Es gibt möglicherweise keine Verbesserungen bei der Überlebenszeit, wenn die Immuntherapie nach der Operation zur Chemotherapie hinzugefügt wird.

- Künftige Studien sollten untersuchen, wie Immuncheckpoint-Inhibitoren in verschiedenen Gruppen wirken und sich auf Endpunkte wie die Lebensqualität während und nach der Behandlung konzentrieren.

Was sind Immuncheckpoint-Inhibitoren?

Immuncheckpoint-Inhibitoren sind Medikamente, die in der Krebsbehandlung als Teil einer Therapieform, der so genannten Immuntherapie, eingesetzt werden. Sie wirken, indem sie dem Immunsystem helfen, den Krebs zu bekämpfen. Krebszellen können sich der Aufmerksamkeit des Immunsystems entziehen, indem sie ein Signal nutzen, an dem zwei Proteine namens PD-1 und PD-L1 beteiligt sind. PD-1- und PD-L1-Inhibitoren blockieren dieses Signal und erleichtern es dem Immunsystem, Krebszellen zu finden und sie zu bekämpfen.

Warum ist dies für Menschen mit frühem dreifach-negativem Brustkrebs wichtig?

TNBC ist eine aggressive Form von Brustkrebs, die etwa 12% bis 17 % der Brustkrebsfälle ausmacht. Er kann schwieriger zu behandeln sein als andere Arten von Brustkrebs. Eine Chemotherapie ist die Standardbehandlung bei dieser Erkrankung. Sie kann vor der Operation (neoadjuvant) oder nach der Operation (adjuvant) gegeben werden und kann die Überlebenschancen verbessern. Trotz der Behandlung entwickelt sich bei etwa 30 bis 40 von 100 Menschen mit frühem dreifach-negativem Brustkrebs die Erkrankung weiter. Der Krebs breitet sich dann auf andere Teile des Körpers aus. Dies nennt man Metastasierung.

Derzeit werden neue Behandlungsmethoden untersucht, bei denen die Chemotherapie mit Immuncheckpoint-Inhibitoren kombiniert wird. Diese Medikamente helfen dem Immunsystem, Krebszellen besser zu erkennen und anzugreifen. Studien deuten darauf hin, dass diese Kombination die Behandlungsergebnisse verbessern könnte. Es ist wichtig zu wissen, ob diese Kombination wirksam und sicher ist. Nur so können Ärzt*innen und Patientinnen gut informierte Entscheidungen über die Behandlung treffen.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten wissen, ob die Kombination aus Immuncheckpoint-Inhibitoren und Chemotherapie bei Patientinnen mit frühem dreifach-negativem Brustkrebs besser wirkt als die Chemotherapie allein und ob sie sicher ist.

Wie gingen wir vor?

Wir haben nach Studien gesucht, die Immuncheckpoint-Inhibitoren in Kombination mit einer Chemotherapie mit einer Chemotherapie allein verglichen haben. Wir haben die Ergebnisse zusammengefasst und unser Vertrauen in die Ergebnisse auf der Grundlage von Faktoren wie Studienmethoden und Größe der Studien bewertet.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden sieben Studien mit insgesamt 4341 Personen. In zwei Studien wurden PD-1-Inhibitoren (z. B. Pembrolizumab) und in fünf Studien PD-L1-Inhibitoren (z. B. Durvalumab, Atezolizumab) eingesetzt. In sechs Studien erfolgte die Behandlung vor der Operation, in einer Studie nach der Operation.

In Studien, in denen PD-1- oder PD-L1-Inhibitoren in Kombination mit einer Chemotherapie mit einer alleinigen Chemotherapie vor der Operation verglichen wurden, hatten die Patientinnen, die eine Kombinationstherapie erhielten:

- wahrscheinlich häufiger zum Zeitpunkt der Operation keine Anzeichen von Krebs (419 von 1000 im Vergleich zu 616 von 1000 mit alleiniger Chemotherapie);

- länger lebten, ohne dass der Krebs zurückkehrte; und

- wahrscheinlich länger lebten vom Beginn der Diagnose oder Behandlung bis zum Tod jeglicher Ursache.

Möglicherweise unterscheidet sich die Lebensqualität zwischen den Gruppen kaum oder gar nicht. Bei der Gesamtzahl an unerwünschten Wirkungen oder behandlungsbedingten Todesfällen gibt es wahrscheinlich nur geringe oder gar keine Unterschiede zwischen den Gruppen. Schwerwiegende unerwünschte Wirkungen traten bei der Immuntherapie wahrscheinlich häufiger auf als bei der Chemotherapie allein.

Nur in einer einzigen Studie wurden Immuncheckpoint-Inhibitoren in Kombination mit einer Chemotherapie mit einer alleinigen Chemotherapie nach einer Operation verglichen. Es gibt nach der Operation möglicherweise keine Verbesserung der Ergebnisse durch die kombinierte Therapie.

Was schränkt die Evidenz ein?

Wir sind uns sicher bis moderat sicher, dass die Kombination aus Immuntherapie und Chemotherapie vor der Operation die Überlebenschancen verbessert. Für die Anwendung nach der Operation ist der Vertrauenswürdigkeit der Ergebnisse zur Wirksamkeit nur gering. Das liegt daran, dass nur eine kleine Studie vorlag. In dieser Studie nahmen zu wenige Patient*innen teil, um verlässliche Schlussfolgerungen zu ziehen. Außerdem wussten die Teilnehmenden möglicherweise, welche Behandlung sie erhielten. Das kann die Ergebnisse beeinflusst haben.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand vom 6. November 2024.

Gao Y, Liu M, Li L, Zhang J, Song F, Tian J

Wie lässt sich die Teilnahme an einer Herzrehabilitation verbessern?

12 hours 32 minutes ago
Kernaussagen
  • Maßnahmen zur Förderung der Teilnahme an Herzrehabilitationsprogrammen tragen möglicherweise dazu bei, dass mehr Menschen teilnehmen.

  • Die Maßnahmen steigern wahrscheinlich leicht sowohl die Teilnahme an Herzrehabilitationsprogrammen als auch deren Abschlussrate.

  • Wir brauchen weitere gut durchgeführte Studien, um sicher zu wissen, welche Maßnahmen die Nutzung von Herzrehabilitationsprogrammen am besten erhöhen. Weil überwiegend Männer an den Studien teilnahmen, sind weitere Untersuchungen bei Frauen, älteren Menschen und anderen unterrepräsentierten Gruppen notwendig, um die Wirksamkeit und Zugänglichkeit von Herzrehabilitationsprogrammen für alle zu prüfen.

Was ist Herzrehabilitation?

Eine Herzrehabilitation ist ein strukturiertes Behandlungsprogramm, das von speziell geschulten Gesundheitsfachpersonen begleitet wird. Es unterstützt Menschen dabei, sich nach einem Herzinfarkt, einer Herzoperation oder anderen Herzerkrankungen – zum Beispiel einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz) – zu erholen und ihre Herzgesundheit langfristig zu stärken. Eine Herzrehabilitation hilft dabei, die Erholung nach einer Herzerkrankung zu unterstützen, zukünftigen Herzproblemen vorzubeugen und das allgemeine Wohlbefinden zu fördern. Eine Herzrehabilitation wird für Menschen mit diesen Herzerkrankungen ausdrücklich empfohlen.

Was ist das zugrunde liegende Problem?

Trotz ihrer Vorteile nehmen weltweit nur wenige der berechtigten Personen an Herzrehabilitationsprogrammen teil. Auch wenn eine Herzrehabilitation begonnen wird, schließen viele Menschen das Programm nicht vollständig ab.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob Maßnahmen zur Förderung der Nutzung von Herzrehabilitationsprogrammen mehr Menschen helfen:

  • sich für ein Herzrehabilitationsprogramm anzumelden;

  • an einem Herzrehabilitationsprogramm teilzunehmen; und

  • ein Herzrehabilitationsprogramm zu absolvieren.

Wir wollten auch wissen, ob diese Maßnahmen unerwünschte Wirkungen haben könnten.

Wie gingen wir vor?

Wir haben nach Studien gesucht, in denen verschiedene Methoden zur Steigerung der Nutzung von Herzrehabilitationsprogrammen getestet wurden. Es wurden nur Studien berücksichtigt, in denen die Teilnehmenden nach dem Zufallsprinzip zwei oder mehr Behandlungsgruppen zugewiesen wurden. Dies ist die beste Methode, um sicherzustellen, dass die Gruppen zu Beginn vergleichbar sind und dass weder die Teilnehmenden noch das Studienteam wissen, wer welche Behandlung erhält. Wir haben Studien in allen Sprachen berücksichtigt. Wir fassten die Ergebnisse der Studien zusammen, verglichen sie miteinander und beurteilten unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie den Studienmethoden und der Studiengröße.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden insgesamt 47 Studien (58 Vergleiche) mit 10.803 Personen. Die einbezogenen Studien wurden hauptsächlich in Nordamerika und Europa oder anderen Ländern mit hohem Einkommen durchgeführt. Es konnten keine Studien aus Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen eingeschlossen werden. Die Teilnehmenden hatten eine Herzerkrankung, zum Beispiel einen Herzinfarkt, eine Angina pectoris oder eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz), oder sie waren wegen eines Herzproblems operiert worden, etwa mit einer Bypass-Operation oder dem Einsetzen eines Stents. Die meisten Teilnehmenden waren Männer. Die Studien untersuchten verschiedene Ansätze, um die Teilnahme an der Herzrehabilitation zu verbessern. Dazu gehörten: ein früherer Beginn der Rehabilitation, der Einsatz digitaler Angebote, Programme an unterschiedlichen Orten (zum Beispiel zu Hause), Unterstützung durch andere Betroffene oder durch medizinisches Fachpersonal, speziell auf Frauen zugeschnittene Programme sowie kürzere oder flexiblere Angebote.

Hauptergebnisse

Bei Menschen mit Herzerkrankungen bewirken Maßnahmen zur Förderung der Nutzung von Herzrehabilitationsprogrammen:

  • dass sich möglicherweise mehr Patient*innen für die Programme anmelden (27 Studien, 726 Personen);

  • dass wahrscheinlich etwas mehr Patient*innen an den Programmen teilnehmen (18 Studien, 3024 Personen);

  • dass wahrscheinlich etwas mehr Patient*innen die Programme abschließen (19 Studien, 5432 Personen); und

  • Schwerwiegende unerwünschte Wirkungen treten wahrscheinlich nicht auf (6 Studien, 716 Personen).

Was schränkt die Evidenz ein?

Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz war gering bis moderat, unter anderem weil die Studien verschiedene Strategien zur Steigerung der Nutzung der Herzrehabilitation untersuchten. Die Ergebnisse sind zwar vielversprechend, es sind jedoch weitere gut durchgeführte Studien nötig, um zu klären, welche Strategien am wirksamsten sind, besonders wenn es darum geht, Patient*innen dabei zu unterstützen, eine Herzrehabilitation vollständig abzuschließen Es lagen nur wenige Informationen über die Kosten oder die Kosteneffizienz von Maßnahmen zur Förderung der Nutzung von Herzrehabilitationsprogrammen vor. Außerdem braucht es mehr Forschung zu bislang unterrepräsentierten Gruppen, zum Beispiel zu Frauen, älteren Menschen und Personen, die in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen leben. Das kann dazu beitragen, Herzrehabilitationsprogramme für alle Menschen zugänglicher und wirksamer zu machen.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Dieser Review ist eine Aktualisierung unseres Reviews aus dem Jahr 2019. Die Evidenz ist auf dem Stand von März 2025.

Long L, Lin CZ, Davies P, Wells V, Grace SL, Taylor RS

Helfen elektronische oder robotergestützte Gangtrainer (Gangtrainingsgeräte) Menschen nach einem Schlaganfall dabei, besser gehen zu können?

3 days 12 hours ago
Kernaussagen

- Der Einsatz von elektronischen und robotergestützten Gangtrainern unterstützt in Verbindung mit einer Physiotherapie wahrscheinlich Menschen nach einem Schlaganfall dabei, wieder selbständig gehen zu können. Sie sind möglicherweise besonders in den ersten drei Monaten nach einem Schlaganfall von Nutzen.

- Es bedarf weiterer Forschung, um zu ermitteln, wie häufig und über welchen Zeitraum diese Geräte eingesetzt werden sollten.

Was ist ein Schlaganfall?

Zu einem Schlaganfall kommt es, wenn der Blutfluss in einen Teil des Gehirns unterbrochen wird und dadurch die Versorgung der Gehirnzellen mit Sauerstoff und Nährstoffen nicht mehr gewährleistet ist. Dies verursacht einen plötzlichen Schwächeanfall, der in der Regel eine Körperhälfte betrifft. Wenn die Blutversorgung des Gehirns unterbrochen wird, beginnen Gehirnzellen abzusterben. Dies kann zu einer Schädigung des Gehirns, funktionellen Einschränkungen und sogar zum Tod führen.

Menschen, die einen Schlaganfall überstehen, haben, verursacht durch die Schädigung ihres Gehirns, häufig langfristige Probleme. Körperliche Aktivitäten wie das Gehen können ihnen schwerfallen, zum Beispiel aufgrund einer geschwächten Beinmuskulatur einer oder beiden Körperhälften, steifer Gelenke oder dem Verlust koordinativer Fähigkeiten. Die Betroffenen benötigen möglicherweise eine lange Rehabilitationsphase mit Physiotherapie, bevor sie ihre frühere Unabhängigkeit wiedererlangen. Physiotherapeutische Maßnahmen umfassen Übungen, Massagen, funktionelles Training und Elektrotherapie, mit dem Ziel, die Betroffenen dabei zu unterstützen, ihre Bewegungsfähigkeit wiederzuerlangen.

Gehen nach einem Schlaganfall

Eines der wichtigsten Ziele nach einem Schlaganfall ist es, dass die Betroffenen wieder gehen können. Der Einsatz von robotergestützten Gangtrainern (die für die automatisierte Ausführung von Bewegungen und spezifische Aufgaben programmiert sind) und elektrisch betriebene mechanische (elektromechanische) Gangtrainern wurden dazu entwickelt, die Betroffenen beim Gangtraining zu unterstützen. Menschen, die nach einem Schlaganfall Probleme mit dem Gehen haben, benötigen viel Training, um das Gehen zu verbessern. Es ist unklar, ob der Einsatz von Gangtrainern wirksam sind.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob Gangtrainer in Kombination mit Physiotherapie die Gehfähigkeit von Menschen nach einem Schlaganfall stärker verbessern können als eine Therapie ohne ihren Einsatz.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen der Einsatz von Gangtrainern zur Unterstützung von Menschen nach einem Schlaganfall bei der Wiedererlangung ihrer Gehfähigkeit zu untersucht wurden. Wir waren daran interessiert, herauszufinden:

- wie viele der Teilnehmenden selbstständig gehen konnten;

- wie schnell die Teilnehmenden gehen konnten;

- wie weit sie in 6 Minuten gehen konnten;

- wie viele Teilnehmende aus den Studien ausschieden; und

- wie viele Teilnehmende starben.

Wir suchten nach Studien, in denen die Teilnehmenden den Behandlungsgruppen nach dem Zufallsprinzip zugewiesen wurden. Dieser Studientyp liefert die zuverlässigste Evidenz zu den Wirkungen einer therapeutischen Maßnahme.

Was fanden wir?

Wir fanden 101 Studien mit 4224 Erwachsenen (Durchschnittsalter 47 bis 76 Jahre), die einen Schlaganfall erlitten hatten und das Gehen wieder erlernten. In den Studien wurden die Wirkungen einer Physiotherapie in Kombination mit elektromechanischen und robotergestützten Gangtrainern zur Gangschulung mit den Wirkungen einer alleinigen Physiotherapie oder der Standardversorgung verglichen. In den meisten Studien dauerte das Training drei bis vier Wochen, die kürzeste Dauer war 10 Tage, die längste acht Wochen.

Am Ende des Trainings führte der Einsatz eines Gangtrainers in Verbindung mit einer Physiotherapie, verglichen mit Physiotherapie alleine oder der üblichen Versorgung, zu folgenden Ergebnissen:

- wahrscheinlich hilft es einer größeren Zahl von Betroffenen dabei, selbstständig gehen zu können (51 Studien; 2148 Personen);

- wahrscheinlich erhöht es nicht die durchschnittliche Gehgeschwindigkeit der Betroffenen (73 Studien; 3043 Personen);

- vergrößert nicht die Entfernung, die die Betroffenen innerhalb von 6 Minuten zurücklegen können (42 Studien; 1966 Personen); und

- es hat keinen Einfluss auf die Anzahl der Teilnehmenden, die aus den Studien ausschieden oder die Zahl der Todesfälle (Todesfälle waren selten) (101 Studien; 4224 Teilnehmende).

Auf neun Personen, die mit einem Gangtrainer in Verbindung mit einer Physiotherapie behandelt werden, kommt wahrscheinlich eine zusätzliche Person, die am Ende der Behandlung selbstständig gehen kann.

Bei der Nachbeobachtung zeigte sich, dass die Verwendung eines Gangtrainers in Verbindung mit einer Physiotherapie möglicherweise nicht dazu beiträgt, dass mehr Menschen selbstständig gehen können, und dass sich die durchschnittliche Gehgeschwindigkeit oder die in 6 Minuten zurückgelegte Strecke im Vergleich zur Physiotherapie oder zur üblichen Behandlung wahrscheinlich nicht erhöht.

Was schränkt die Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Ergebnisse variiert von gering bis hoch. Viele Studien hatten methodische Schwächen und basierten auf kleinen Stichproben. Daher ließen einige der Studien den Nutzen der Gangtrainer möglicherweise größer erscheinen, als er in Wirklichkeit ist.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von Dezember 2023.

Mehrholz J, Kugler J, Pohl M, Elsner B

Was sind die Risiken und Vorteile der Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS) oder anderen nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) zur Vorbeugung von Darmkrebs in der Allgemeinbevölkerung?

3 days 12 hours ago
Kernaussagen
  • Ob die tägliche Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS) vor Darmkrebs schützt, ist bisher nicht eindeutig geklärt. Die Studien liefern unterschiedliche Ergebnisse. Klar ist jedoch: ASS erhöht das Risiko für schwerwiegende Blutungen außerhalb des Gehirns. Auch das Risiko einer Hirnblutung (hämorrhagischer Schlaganfall) steigt wahrscheinlich.

  • ASS hat wahrscheinlich keinen Einfluss auf die Anzahl neuer Darmkrebsfälle nach einer Nachbeobachtung von 5 bis 15 Jahren. Nach 15 Jahren senkt ASS möglicherweise die Zahl der neuen Darmkrebsfälle. Die Vertrauenswürdigkeit dieser Langzeit-Evidenz ist allerdings sehr gering.

  • ASS erhöht möglicherweise die Zahl der Todesfälle durch Darmkrebs nach 5 bis 10 Jahren leicht; nach mindestens 15 Jahren zeigt sich möglicherweise ein kleiner Vorteil bei der Darmkrebssterblichkeit. Allerdings sind diese langfristigen Ergebnisse sehr unsicher.

  • ASS hat wahrscheinlich keinen Einfluss auf die Gesamtzahl schwerwiegender unerwünschter Wirkungen, erhöht jedoch das Risiko schwerwiegender Blutungen außerhalb des Gehirns und wahrscheinlich auch das Risiko einer Hirnblutung (hämorrhagischer Schlaganfall).

  • Weitere Studien sind nötig, um die langfristigen Auswirkungen von ASS besser zu verstehen. Außerdem muss geklärt werden, ob auch andere entzündungshemmende Medikamente Darmkrebs vorbeugen können oder nicht.

Was ist Darmkrebs und was bedeutet Chemoprävention?

Darmkrebs, auch bekannt als kolorektaler Krebs, ist eine häufige und schwerwiegende Erkrankung. Manchmal entstehen vor diesem Krebs zunächst gutartige Wucherungen im Darm, sogenannte kolorektale Adenome, auch als Darmpolypen bekannt. Seit vielen Jahren interessieren sich Forschende für den Einsatz von Medikamenten zur Senkung des Risikos für Darmkrebs und Darmpolypen. Dieser Ansatz wird als Chemoprävention bezeichnet.

NSAIDs sind eine Gruppe von Medikamenten, die Entzündungen, Fieber und Schmerzen lindern und in niedriger Dosis auch zur Vorbeugung von Blutgerinnseln eingesetzt werden. ASS (z.B. Aspirin) und Ibuprofen sind Beispiele für häufig eingesetzte NSAIDs. Sie wurden zur Vorbeugung von Krebs untersucht, weil man annimmt, dass langfristige Entzündungen zur Entstehung von Tumoren beitragen können.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob ASS und andere NSAIDs bei der Prävention von Darmkrebs und Darmpolypen in der Allgemeinbevölkerung hilfreich oder schädlich sind.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, die als „randomisierte kontrollierte Studien” bekannt sind und in denen ASS oder andere NSAIDs entweder mit keiner Behandlung oder mit anderen Behandlungen zur Prävention von Darmkrebs und Darmpolypen in der Allgemeinbevölkerung verglichen wurden. Wir haben die Ergebnisse dieser Studien (soweit möglich) zusammengefasst und die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz anhand von Faktoren wie der Größe der Studien und der Qualität ihrer Methoden bewertet.

Was fanden wir heraus?

Wir haben 10 Studien gefunden, die untersuchten, ob ASS zur Vorbeugung von Darmkrebs in der Allgemeinbevölkerung beiträgt. An diesen Studien nahmen insgesamt 124.837 Personen teil. Die meisten davon fanden in Europa und Nordamerika statt, eine Studie wurde in Australien durchgeführt und zwei große Studien wurden in Japan durchgeführt. Sieben der Studien untersuchten niedrig dosiertes ASS (75 bis 100 mg täglich), drei untersuchten höhere Dosierungen.

Wir haben keine Studien zu den Wirkungen anderer NSAIDs auf das Risiko für die Entwicklung von Darmkrebs oder Darmpolypen gefunden.

Welche Wirkungen hat ASS auf die Entstehung von Darmkrebs?
  • ASS hat wahrscheinlich keinen Einfluss auf die Anzahl neuer Darmkrebsfälle nach 5 bis 15 Jahren. ASS verringert möglicherweise die Zahl neuer Darmkrebsfälle, wenn es über einen Zeitraum von 15 Jahren oder länger eingenommen wird. Allerdings sind diese langfristigen Ergebnisse sehr unsicher.

  • ASS führt möglicherweise nach 5 bis 10 Jahren zu einem leichten Anstieg der Todesfälle (eine Hypothese lautet, dass ASS das Wachstum von bereits bestehenden fortgeschrittenen Krebserkrankungen bei manchen Menschen beschleunigen könnte) und nach 10 bis 15 Jahren möglicherweise zu einem geringen oder gar keinem Unterschied in der Darmkrebssterblichkeit. Nach einer Nachbeobachtung von 15 Jahren oder mehr senkt ASS möglicherweise die Sterblichkeit. Allerdings sind diese langfristigen Ergebnisse sehr unsicher.

  • ASS hat möglicherweise keinen Einfluss auf die Anzahl neuer Darmpolypen innerhalb von 5 bis 10 Jahren Nachbeobachtung. Auch diese Ergebnisse sind sehr unsicher.

Was sind die Risiken der Einnahme von ASS zur Vorbeugung von Darmkrebs?
  • ASS hat wahrscheinlich keinen Einfluss auf die Gesamtzahl schwerwiegender unerwünschter Wirkungen.

  • ASS erhöht das Risiko schwerer Blutungen außerhalb des Gehirns.

  • ASS erhöht wahrscheinlich das Risiko für Hirnblutungen (hämorrhagische Schlaganfälle).

Wie zuverlässig ist die von uns gefundene Evidenz?

Wir sind sicher, dass das Risiko für schwere Blutungen außerhalb des Gehirns steigt. Die Vertrauenswürdigkeit der Ergebnisse zum Auftreten neuer Darmkrebserkrankungen nach 5 bis 15 Jahren, für schwerwiegende Nebenwirkungen und hämorrhagische Schlaganfälle ist moderat. Die Vertrauenswürdigkeit der anderen Ergebnisse ist gering bis sehr gering.

Drei Hauptfaktoren schränken die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz ein.

  • Es gab nicht genügend Studien, um die Ergebnisse abzusichern.

  • In einigen Studien wussten die Teilnehmenden möglicherweise, welche Behandlung sie erhielten, was die Ergebnisse beeinflussen könnte.

  • Nicht alle Studien lieferten Informationen zu allen Ergebnissen, an denen wir interessiert waren.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Diese Evidenz basiert auf Recherchen in medizinischen Datenbanken, die wir bis März 2025 durchgeführt haben.

Cai Z, Meng Y, Yang W, Han Y, Cao D, Zhang B

Helfen digitale Technologien Menschen mit Mukoviszidose, ihre Inhalationstherapie einzuhalten?

6 days 15 hours ago
Kernaussagen

Kurzfristig unterstützt die digitale Technologie Menschen mit Mukoviszidose möglicherweise dabei, ihre Inhalationstherapie einzuhalten. Sie hat jedoch nur geringe oder gar keine Auswirkungen auf die Lungenfunktion oder pulmonale Exazerbationen, also eine akute Verschlechterung des Gesundheitszustands, die meist durch Infektionen verursacht wird.

Mittelfristig wird die Kombination aus digitaler Überwachung und maßgeschneiderter Unterstützung über eine Online-Plattform die Menschen wahrscheinlich dazu ermutigen, die inhalative Behandlung beizubehalten. Dadurch wird die Belastung durch die Behandlung wahrscheinlich verringert, ihre Lebensqualität wird jedoch wahrscheinlich nicht verbessert.

Zukünftige Forschungen sollten prüfen, wie digitale Technologien Kindern und Erwachsenen mit Mukoviszidose helfen können, ihre inhalativen Behandlungen einzuhalten, und wie sie sich auf andere Bereiche ihrer Behandlung auswirken.

Was ist Mukoviszidose?

Mukoviszidose ist eine lebensbedrohliche Erbkrankheit, bei der sich klebriger, zäher Schleim in der Lunge und im Verdauungssystem bildet. Mit der Zeit wird die Lunge geschädigt, sodass sie schließlich nicht mehr richtig funktioniert.

Wie wird Mukoviszidose behandelt?

Derzeit gibt es keine Heilung für Mukoviszidose, aber Behandlungen helfen, die Symptome zu kontrollieren und Komplikationen zu verringern. Zu den Behandlungen gehören Antibiotika zur Vorbeugung und Behandlung von Infektionen der Atemwege sowie Medikamente, die den Schleim in der Lunge verdünnen und das Abhusten erleichtern. Menschen mit Mukoviszidose verwenden Inhalatoren und Vernebler, um Medikamente schnell in die Lunge zu bringen. Vernebler sind kleine Geräte, die flüssige Medikamente in einen Nebel verwandeln, der über ein Mundstück oder eine Maske inhaliert wird.

Die Behandlung von Mukoviszidose ist kompliziert und zeitaufwändig; Menschen mit Mukoviszidose verbringen in der Regel 2 bis 2,5 Stunden täglich mit der Behandlung.

Die Menschen nutzen zunehmend digitale Technologien, um ihre Gesundheit und Fitness mit Hilfe von Aktivitätsmessgeräten und Mobiltelefonanwendungen zu überwachen. Menschen mit Mukoviszidose nutzen digitale Technologien, um ihre Behandlung zu verfolgen und zu verbessern. Einige Technologien ermöglichen das Hochladen von Informationen ins Internet, so dass Einzelpersonen und ihre Gesundheitsteams diese Informationen sofort zur Überwachung und Verbesserung der Behandlung nutzen können.

Was wollten wir herausfinden?

Kann digitale Technologie Menschen mit Mukoviszidose helfen, ihre Inhalationstherapie einzuhalten?

Haben die digitalen Technologien zur Überwachung der Adhärenz unerwünschte oder schädliche Wirkungen?

Wie gingen wir vor?

Wir haben nach Studien gesucht, die jegliche Art von digitaler Technologie zur Überwachung der Einhaltung von Inhalationstherapien bei Mukoviszidose untersuchen. Wir fassten die Ergebnisse der Studien zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz auf der Grundlage von Faktoren wie den Methoden und der Größe der Studien.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden zwei Studien mit 628 Personen im Alter von fünf bis 41 Jahren, die verschiedene digitale Technologien verwendeten. Wir konnten ihre Ergebnisse nicht kombinieren und haben sie getrennt analysiert. Bei beiden Studien wurden die Teilnehmenden nach dem Zufallsprinzip in eine von zwei Gruppen eingeteilt, wobei die Chancen, in einer der beiden Gruppen zu sein, gleich groß waren.

In einer kleinen Studie mit 20 Kindern im Alter von 5 bis 16 Jahren wurden zwei Atemmodi eines digitalen Verneblers miteinander verglichen. Das Gerät verabreichte ein Antibiotikum als inhalativen Nebel. Ein Modus ermutigte die Kinder, über ein angepasstes Mundstück längere und tiefere Atemzüge zu machen; der andere Modus bestand aus dem üblichen Atemmuster. Die Studie dauerte 10 Wochen.

An der größeren Studie nahmen 608 Personen im Alter von 16 Jahren und älter teil. Verglichen wurde ein Vernebler, der die Anwendung automatisch erfasst und mit der webbasierten Plattform CFHealthHub verbunden ist, mit demselben Vernebler ohne Anbindung an diese Plattform. CFHealthHub ermöglichte den Teilnehmenden den Zugriff auf ihre Adhärenzdaten und die individuelle Betreuung durch die Studienautor*innen, die 12 Monate lang Daten sammelten.

Hauptergebnisse

Die Studie zum Vergleich der Inhalationsarten ergab, dass die Kinder, die den digital verstärkten Atemmodus verwendeten, die Verneblerbehandlung besser einhielten als die Kinder, die den üblichen Atemmodus verwendeten. Für die Lungenfunktion machte dies jedoch möglicherweise kaum einen Unterschied. Es gab keine schädlichen oder unerwünschten Wirkungen bei der Verwendung der verschiedenen Inhalationsarten.

Die zweite Studie zeigte, dass die Kombination eines Online-Programms mit einem Vernebler zur Datenerfassung wahrscheinlich die Therapietreue im Vergleich zur alleinigen Verwendung des Verneblers verbessert. Die Kombination aus Vernebler und Online-Unterstützung reduziert wahrscheinlich auch die Belastung durch die Behandlung. Es macht jedoch wahrscheinlich nur einen geringen oder gar keinen Unterschied in Bezug auf die Lebensqualität oder die Anzahl der Krankheitsschübe. Die Kinder in der Gruppe mit Online-Plattform berichteten insgesamt etwas häufiger über unerwünschte Wirkungen. Bei den unerwünschten Wirkungen, die wir als direkt mit der Behandlung zusammenhängend einstuften – gemessen anhand von Angst- und Depressionswerten –, zeigte sich jedoch kein Unterschied zwischen den beiden Gruppen.

Was schränkt die Aussagekraft der Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Evidenz aus der kleineren Studie ist begrenzt, da sie sehr klein war und sich auf Kinder konzentrierte, während unsere Frage breiter angelegt war. Außerdem wurde nur über zwei der geplanten Endpunkte berichtet.

Unser Vertrauen in die Evidenz aus der größeren Studie reichte von gering bis mäßig. Diese Studie war größer und erfasste mehr der für unsere Fragestellung wichtigen Endpunkte. An dieser Studie nahmen jedoch nur Personen ab 16 Jahren teil, so dass wir nicht wissen, ob die Ergebnisse auch für jüngere Kinder gelten.

Derzeit gibt es nur wenig Evidenz dafür, wie digitale Technologien die Adhärenz bei Inhalationstherapien verbessern können. Künftige Studien sollten untersuchen, wie digitale Technologien die regelmäßige Anwendung der Inhalationstherapie bei Kindern und Erwachsenen verbessern können. Außerdem sollte geprüft werden, welche Auswirkungen dies auf den gesamten Behandlungsplan hat. Wenn die Inhalationstherapie zuverlässig durchgeführt wird, könnte dies den Zeitaufwand für andere Behandlungen verringern.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand vom 27. Februar 2025.

Calthorpe R, Smith S, Jahnke N, Smyth AR, supported by the Cochrane Cystic Fibrosis Review Group

Wie gut erkennt eine vereinfachte und leicht verfügbare Form der Hirnstrommessung (amplitudenintegriertes EEG) Krampfanfälle bei Neugeborenen?

1 week ago
Kernaussagen

- Die amplitudenintegrierte Elektroenzephalographie (aEEG) ist möglicherweise nicht genau genug, um Säuglinge mit Anfällen und auch einzelne Anfallsepisoden bei einem Säugling zu identifizieren.

- Eine Behandlung, die sich nur auf ein aEEG stützt, führt möglicherweise zu einer unangemessenen oder unnötigen Behandlung mit Medikamenten gegen Krampfanfälle.

Warum ist es wichtig, Krampfanfälle genau zu erkennen?

Krampfanfälle entstehen durch eine plötzlich gestörte elektrische Aktivität im Gehirn. Das kommt bei Neugeborenen selten vor, ist aber ein ernstzunehmendes Problem. Sie treten als Reaktion auf Probleme wie eine verminderte Sauerstoff- oder Blutversorgung des Gehirns, einen niedrigen Blutzuckerspiegel und Infektionen des Gehirns auf. Säuglinge können einen einzelnen oder mehrere Anfälle haben. Jeder Anfall kann zwischen 10 Sekunden und mehreren Minuten dauern.

Krampfanfälle bei Neugeborenen können das Gehirn schädigen und langfristige Auswirkungen haben. Daher ist es wichtig, Anfälle sicher zu erkennen.

Was ist aEEG (amplitudenintegrierte Elektroenzephalographie)?

Die Elektroenzephalographie (EEG) ist ein Verfahren, mit dem die elektrische Aktivität des Gehirns gemessen wird – ohne dass dafür ein Eingriff in den Körper nötig ist. Die elektrische Aktivität des Gehirns wird meist mit 10 bis 20 kleinen Elektroden gemessen, die auf der Kopfhaut befestigt werden. Diese Methode gilt als die beste Untersuchung, um epileptische Anfälle oder anfallsartige Veränderungen im Gehirn zu erkennen. Dies wird als konventionelle Elektroenzephalographie (kEEG) bezeichnet. Auf Neugeborenen-Intensivstationen ist ein kEEG jedoch nicht immer leicht verfügbar. Die Untersuchung ist aufwendig in der Durchführung und die Auswertung der Messergebnisse erfordert viel Erfahrung und spezielles Fachwissen.

Die amplitudenintegrierte Elektroenzephalographie (aEEG) ist eine vereinfachte Form der Hirnstrommessung. Sie ist leichter durchzuführen als kEEG, liefert jedoch weniger detaillierte Informationen. Das aEEG wird aus normalen EEG-Signalen berechnet. Dafür werden nur 2 bis 4 Elektroden auf der Kopfhaut angebracht. Diese können auch von speziell geschulten Pflegefachpersonen auf einer Neugeborenen-Intensivstation angelegt werden. Ärztinnen und Ärzte, die Säuglinge direkt am Krankenbett betreuen, können ein aEEG auswerten, um mögliche Krampfanfälle zu erkennen.

Es gibt verschiedene aEEG-Aufzeichnungsgeräte: Einige verwenden 2 Elektroden, andere 4 Elektroden. Außerdem kann ein aEEG auch nachträglich zu Forschungszwecken aus einem bereits aufgezeichneten kEEG erstellt werden.

Was wollten wir herausfinden?

Wie zuverlässig erkennt ein aEEG Krampfanfälle bei Säuglingen?

Wie gingen wir vor?

Wir haben nach Studien gesucht, die das aEEG mit dem kEEG zur Erkennung von Krampfanfällen bei Neugeborenen verglichen haben. Wir haben genau geprüft, wie die Studien durchgeführt wurden und welche Ergebnisse sie erbracht haben. Wir haben die Ergebnisse zusammengefasst und die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz bewertet.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 16 relevante Studien mit insgesamt 562 Neugeborenen. Von den 16 eingeschlossenen Studien untersuchten drei Studien nur, wie gut das aEEG Neugeborene mit Krampfanfällen erkennt, drei Studien nur, wie gut einzelne Krampfanfälle erkannt werden, und 10 Studien beides: sowohl die Erkennung von betroffenen Neugeborenen als auch die Erkennung einzelner Anfälle.

Die Dauer der Aufzeichnung, die Anzahl der aEEG-Ableitungen, die Nutzung unverarbeiteter EEG-Signale sowie die Ausbildung und Erfahrung der aEEG-Auswerter*innen unterschieden sich zwischen den Studien.

Nur in zwei Studien wurde das aEEG von den Ärztinnen und Ärzten direkt am Krankenbett ausgewertet, was dem klinischen Alltag entspricht. In den übrigen Studien wurde das aEEG erst später von spezialisierten Fachpersonen für Neugeborene ausgewertet. Wenn das aEEG erst zu einem späteren Zeitpunkt ausgewertet wird, ist es für die unmittelbare Behandlung und Betreuung der Babys nur eingeschränkt hilfreich.

Im Durchschnitt wurden mit dem aEEG 71 von 100 Säuglingen mit Krampfanfällen erkannt. Das bedeutet, dass 29 Säuglinge mit Krampfanfällen übersehen wurden. 16 Säuglinge wurden als von Krampfanfällen betroffen erkannt, obwohl sie in Wirklichkeit keine Anfälle hatten.

Die eingeschlossenen Studien zeigten sehr unterschiedliche Ergebnisse zur Genauigkeit des aEEG. Je nach Studie wurden zwischen 0 und 86 von 100 einzelnen Anfällen korrekt erkannt.

Die Ergebnisse des Reviews deuten darauf hin, dass das aEEG möglicherweise nicht genau genug ist, um von Krampfanfällen betroffene Säuglinge und einzelne Krampfanfälle bei einem Säugling zu identifizieren.

Was schränkt die Aussagekraft der Evidenz ein?

Der Review hatte mehrere Einschränkungen. Die wichtigste war, dass sich die Studienergebnisse stark voneinander unterschieden, ohne dass dafür ein klarer Grund erkennbar war. Dadurch ist die Evidenz weniger zuverlässig. Eine weitere Einschränkung der Evidenz ist, dass nur zwei Studien untersucht haben, wie genau das aEEG ist, wenn es unter realen Bedingungen direkt am Krankenbett beurteilt wird.

Wie aktuell ist dieser Review?

Die Evidenz ist auf dem Stand von Juli 2022.

Rakshasbhuvankar AA, Nagarajan L, Zhelev Z, Rao SC

Welche kombinierten Diagnose- und Behandlungsstrategien helfen am besten bei starken Blutungen nach der Geburt?

1 week ago
Kernaussagen
  • Wir fanden heraus, dass ein standardisiertes Vorgehen zur Diagnose und Behandlung einer starken Blutung nach der Geburt (postpartale Blutung, PPH) wirksamer ist als die übliche Praxis mit bloßer visueller Schätzung des Blutverlusts. Dabei wurde die Blutung diagnostiziert, wenn die betreuende Fachperson klinisch besorgt war, oder in einer speziellen Messfolie 300 bis 500 ml Blut aufgefangen wurden und gleichzeitig auffällige Zeichen wie schneller Puls, niedriger Blutdruck, eine nicht ausreichend zusammengezogene Gebärmutter oder starker Blutfluss beobachtet wurden, oder 500 ml oder mehr Blut in dieser Messfolie gesammelt wurden. Wurde eine Blutung festgestellt, folgte sofort ein festgelegtes Behandlungspaket.

  • Wenn beide Gruppen dasselbe Behandlungspaket erhielten, war die erweiterte Diagnose wirksamer. Diese stellte eine starke Blutung fest, wenn die betreuende Fachperson klinisch besorgt war, oder 300 bis 500 ml Blut in einer Messfolie gesammelt wurden und gleichzeitig auffällige Zeichen wie schneller Puls, niedriger Blutdruck oder eine Gebärmutter, die sich nicht ausreichend zusammengezogen hat, beobachtet wurden, oder 500 ml oder mehr Blut gemessen wurden. Dieses Vorgehen war wirksamer als eine Diagnose, die nur auf klinischer Besorgnis oder 500 ml oder mehr gemessenem Blutverlust beruhte.

Was ist eine postpartale Blutung (PPH)?

PPH wird allgemein als Blutverlust von 500 ml oder mehr in den ersten 24 Stunden nach der Entbindung definiert.

Warum ist dieser Review wichtig?

Starke Blutungen nach der Geburt sind weltweit eine der häufigsten Ursachen dafür, dass Mütter während oder kurz nach der Entbindung sterben. Um die Folgen einer starken Blutung nach der Geburt zu verringern, sind eine schnelle Erkennung und eine wirksame Behandlung entscheidend. Ziel unserer Analyse war es herauszufinden, welche Kombination aus Diagnose und Behandlung am wirksamsten ist.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten wissen, welche Kombination aus Diagnose und Behandlung einer starken Blutung nach der Geburt am besten wirkt.

Wie gingen wir vor?

Wir haben relevante Studien ausgewertet, um herauszufinden, welche Kombination aus Diagnose und Behandlung einer starken Blutung nach der Geburt am wirksamsten ist. Wir berücksichtigten Frauen mit einer vaginalen Geburt oder einem Kaiserschnitt – egal ob in einer Geburtsstation, im Krankenhaus oder zu Hause.

Es gibt verschiedene Methoden, um eine starke Blutung nach der Geburt festzustellen. Dazu gehören: die klinische Einschätzung durch die betreuende Fachperson, die visuelle Schätzung des Blutverlusts (das Blut wird angesehen und grob eingeschätzt), die Messung des Blutverlusts in einer speziellen Auffangfolie oder einem Tablett mit Markierungen, die das Volumen anzeigen (volumetrische Methode), die Messung des Blutverlusts in einer Auffangfolie zusammen mit Beobachtungen wie Herzfrequenz und Blutdruck, oder das Wiegen des verlorenen Blutes mithilfe einer Waage (gravimetrische Methode).

Zur Behandlung einer starken Blutung nach der Geburt gibt es unterschiedliche Vorgehensweisen. Dazu gehören die „übliche Versorgung“ (also die normale Krankenhauspraxis) und sogenannte Behandlungsbündel. Behandlungsbündel bestehen aus mehreren Maßnahmen, die gleichzeitig begonnen werden. Ein Beispiel ist das MOTIVE-Bündel: (M- Massage der Gebärmutter, um ihr das Zusammenziehen zu erleichtern, O- Gabe von wehenfördernden Medikamenten wie Oxytocin, T- Gabe von Tranexamsäure (ein Medikament, das die Blutung verringern kann), IV- Flüssigkeit über eine Infusion, um den Kreislauf zu stabilisieren, E- Untersuchung und rasche weitere Maßnahmen, wenn die Blutung anhält.

Was haben wir herausgefunden?

Wir fanden fünf Studien mit 236.771 Frauen.

Wir sind zuversichtlich, dass folgendes Vorgehen wirksamer ist als die visuelle Schätzung des Blutverlusts mit anschließender üblicher Versorgung: Eine starke Blutung wird festgestellt, wenn die betreuende Fachperson klinisch besorgt ist, oder 300 bis 500 ml Blut in einer Messfolie gesammelt werden und gleichzeitig auffällige Zeichen wie ein schneller Puls, niedriger Blutdruck oder eine Gebärmutter, die sich nicht ausreichend zusammengezogen hat, auftreten, oder 500 ml oder mehr Blut gemessen werden, und danach sofort das MOTIVE-Behandlungspaket angewendet wird. Dieses Vorgehen verringert Blutungen von 500 ml oder mehr sowie von 1000 ml oder mehr. Es macht jedoch wahrscheinlich wenig oder keinen Unterschied bei der Notwendigkeit von Bluttransfusionen, zusätzlichen Medikamenten oder beim Sterberisiko der Mütter.

Wir sind zuversichtlich, dass folgendes Vorgehen wirksamer ist als die visuelle Schätzung des Blutverlusts mit anschließender üblicher Behandlung: Eine starke Blutung wird festgestellt, wenn die betreuende Fachperson klinisch besorgt ist oder 500 ml oder mehr Blut gemessen werden, und anschließend sofort das MOTIVE-Behandlungspaket angewendet wird. Dieses Vorgehen verringert Blutungen von 500 ml oder mehr. Wahrscheinlich macht es jedoch wenig oder keinen Unterschied bei sehr starken Blutungen von 1000 ml oder mehr oder bei der Notwendigkeit einer Bluttransfusion. Möglicherweise macht es auch wenig oder keinen Unterschied beim Sterberisiko der Mütter. Wir sind sicher, dass dieses Vorgehen dazu führt, dass häufiger zusätzliche Medikamente eingesetzt werden.

Wir sind zuversichtlich, dass die erweiterte Diagnose wirksamer ist als die einfachere Diagnose, wenn beide Gruppen das gleiche MOTIVE-Behandlungspaket erhalten. Die erweiterte Diagnose stellt eine starke Blutung fest, wenn die betreuende Fachperson klinisch besorgt ist, oder 300 bis 500 ml Blut gemessen werden und gleichzeitig auffällige Zeichen wie ein schneller Puls oder niedriger Blutdruck auftreten, oder 500 ml oder mehr Blut gemessen werden. Die einfachere Diagnose beruht nur auf klinischer Besorgnis oder 500 ml oder mehr gemessenem Blutverlust. Die Notwendigkeit einer Bluttransfusion und das Risiko, dass die Mutter stirbt, werden dadurch wahrscheinlich nicht oder nur geringfügig verringert.

Die Diagnose mithilfe eines Auffangsystems zur Blutmessung plus übliche Versorgung (in einem europäischen Gesundheitssystem) macht im Vergleich zur visuellen Schätzung des Blutverlusts plus übliche Versorgung (ebenfalls in Europa) wahrscheinlich wenig oder keinen Unterschied beim Bedarf an Bluttransfusionen.

Wir sind zuversichtlich, dass die Diagnose mit der gravimetrischen Methode (dabei wird der Blutverlust gewogen) in Kombination mit der üblichen Versorgung wirksamer ist als die Diagnose mit einem Auffangsystem zur Blutmessung plus übliche Versorgung, wenn es darum geht, Blutungen von 500 ml oder mehr zu verringern. Möglicherweise macht dieses Vorgehen jedoch wenig oder keinen Unterschied beim Bedarf an Bluttransfusionen.

Die Diagnose mithilfe einer Messschale plus übliche Versorgung macht im Vergleich zur Diagnose mit einem Auffangsystem zur Blutmessung plus übliche Versorgung möglicherweise wenig oder keinen Unterschied bei Blutungen von 500 ml oder mehr oder von 1000 ml oder mehr.

Die Diagnose mit der gravimetrischen Methode (dabei wird der Blutverlust gewogen) plus übliche Versorgung macht im Vergleich zur Diagnose mit einem Mess-Tablett plus übliche Versorgung möglicherweise wenig oder keinen Unterschied bei Blutungen von 500 ml oder mehr.

Was schränkt die Evidenz ein?

Alle unsere Studien betrafen Frauen, die normal gebären, und die meisten fanden in Krankenhäusern statt. Wir hätten gerne mehr Informationen über Frauen, die per Kaiserschnitt und in anderen Situationen wie Hausgeburten gebären. Wir würden auch gerne mehr Informationen über unerwünschte Wirkungen und die Erfahrungen der Frauen mit der Behandlung erhalten.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Diese Evidenz ist auf dem Stand vom 18. Oktober 2024.

Yunas I, Price MJ, Vigneswaran K, Tobias A, Devall AJ, Coomarasamy A

Hilft Kühlen nach dem Einsetzen eines künstlichen Kniegelenks?

1 week 1 day ago
Hilft Kühlen nach Einsetzen eines künstlichen Kniegelenks – und gibt es Risiken?Kernaussagen

Verglichen mit einer Scheinbehandlung kann die Anwendung von Kälte auf das Knie nach dem Einsetzen eines künstlichen Kniegelenks möglicherweise helfen: den Blutverlust zu verringern, Schmerzen zu lindern, die Beweglichkeit des Kniegelenks zu verbessern und kurzfristig Schwellungen am Knie zu reduzieren. Weniger sicher ist die Wirkung von Kühlen auf den Bedarf an Bluttransfusionen, die Kniegelenksfunktion, die Schmerzlinderung, die Dauer des Krankenhausaufenthalts, die Lebensqualität oder das Aktivitätsniveau. In den Studien wurden insgesamt nur wenige unerwünschte Ereignisse berichtet. Es gab keinen Hinweis auf schwerwiegende unerwünschte Ereignisse, allerdings ist die Evidenz sehr unsicher.

Was ist eine Kniearthrose und wann kann ein Gelenkersatz notwendig werden?

Eine Arthrose ist eine degenerative Gelenkerkrankung, zum Beispiel des Kniegelenks. Eine Arthrose im Kniegelenk kann Schmerzen verursachen, die Kniegelenksfunktion einschränken und die Lebensqualität beeinträchtigen. Bei einer fortgeschrittenen Kniearthrose kann ein Gelenkersatz die Beschwerden langfristig verbessern. In den ersten Monaten nach der Operation – die Erholungsphase kann bis zu sechs Monate dauern – fühlen sich viele Betroffene jedoch geschwächt und im Alltag eingeschränkt. Bei einer „Kältetherapie“ (Kryotherapie) wird die Haut rund um eine Verletzung oder eine Operationswunde gezielt gekühlt, also mit niedrigen Temperaturen behandelt. Die Kühlung kann zum Beispiel mit Eisbeuteln erfolgen. Es gibt aber auch spezielle Geräte, die kaltes Wasser durch eine Manschette oder ein Polster rund um das Knie leiten.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten wissen, ob eine Kryotherapie in den ersten 48 Stunden nach dem Einsatz eines künstlichen Kniegelenks den Blutverlust, die Schmerzen und die Funktion des Kniegelenks beeinflusst.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen eine Kryotherapie nach dem Einsatz eines künstlichen Kniegelenks mit einer Scheinbehandlung (Placebo) verglichen wurde. Wir fassten die Ergebnisse der Studien zusammen, verglichen sie und bewerteten die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz – zum Beispiel danach, wie gut die Studien geplant und durchgeführt wurden und wie viele Personen daran teilgenommen haben.

Was fanden wir?

Wir schlossen 22 Studien ein, in denen Patient*innen nach dem Einsatz eines künstlichen Kniegelenks mit einer beliebigen Form von Kryotherapie (mit oder ohne andere Behandlungen) behandelt und mit Patient*innen verglichen wurden, die keine Kryotherapie erhielten. Insgesamt umfassten die Studien 1839 Teilnehmende im Alter zwischen 64 und 74 Jahren. Uns interessierten vor allem Ergebnisse aus der akuten Phase – also aus den ersten 48 Stunden nach der Operation. Einige Studien beobachteten die Teilnehmenden jedoch länger und erfassten Ergebnisse noch bis zu 12 Wochen nach dem Eingriff.

Hauptergebnisse

Blutverlust

Bei den Teilnehmenden, die eine Kryotherapie erhielten, war der Blutverlust im Zeitraum bis 13 Tage nach dem Eingriff möglicherweise im Mittel um 264 ml geringer.

- Die Teilnehmenden, die eine Kryotherapie erhielten, verloren im Mittel 561 ml Blut.

- Die Teilnehmenden, die keine Kryotherapie erhielten, verloren im Mittel 825 ml Blut.

Schmerzen (niedrigere Werte bedeuten eine niedrigere Schmerzintensität)

Zwei Tage nach der Operation bewerteten die Teilnehmenden mit Kryotherapie ihre Schmerzen auf einer Skala von 0 bis 10 im Durchschnitt im Mittel möglicherweise um 1,6 Punkte niedriger als die Vergleichsgruppe.

- Die Teilnehmenden mit Kryotherapie bewerteten ihre Schmerzen im Durchschnitt mit 3,2 von 10 Punkten.

- Die Teilnehmenden ohne Kryotherapie gaben ihre Schmerzen im Durchschnitt mit 4,8 von 10 Punkten an.

Bluttransfusionen

Von den Teilnehmenden, die eine Kryotherapie erhielten, bekamen im Zeitraum bis 13 Tage nach dem Eingriff möglicherweise 42 von 100 mehr eine Bluttransfusion.

- Von 100 Personen, die eine Kryotherapie erhielten, bekamen möglicherweise 79 eine Bluttransfusion

- Von 100 Personen ohne Kryotherapie bekamen möglicherweise 37 eine Bluttransfusion.

Beweglichkeit des Kniegelenks

Bei der Entlassung aus dem Krankenhaus konnten die Teilnehmenden mit Kryotherapie ihr Knie möglicherweise um etwa 8 Grad weiter beugen als diejenigen ohne Kryotherapie.

- Die Teilnehmenden mit Kryotherapie konnten ihr Knie bei der Entlassung möglicherweise bis etwa 71 Grad beugen.

- Die Teilnehmenden ohne Kryotherapie konnten ihr Knie bei der Entlassung bis etwa 63 Grad beugen.

Kniegelenksfunktion

Die Kniegelenksfunktion war bei den Teilnehmenden, die eine Kryotherapie erhielten, zwei Wochen nach der Operation auf einer Skala von 0 bis 100 Punkten möglicherweise um 13,2 Punkte besser.

- Die Teilnehmenden, die eine Kryotherapie erhielten, erreichten möglicherweise einen durchschnittlichen Funktionswert von 88,6 Punkten.

- Die Teilnehmenden ohne Kryotherapie erreichten möglicherweise einen durchschnittlichen Funktionswert von 75,4 Punkten.

Unerwünschte Ereignisse insgesamt

In den ersten 30 Tagen nach der Operation berichtete niemand in der Kryotherapie-Gruppe über mehr unerwünschte Ereignisse (0 von 100).

- Von den Teilnehmenden, die eine Kryotherapie erhielten, berichteten 2,7 von 100 über das Auftreten von unerwünschten Ereignissen.

- In der Gruppe ohne Kryotherapie berichteten etwa 2 von 100 Personen über unerwünschte Ereignisse.

Studienabbrüche aufgrund unerwünschter Ereignisse

Sehr wenige Personen brachen die Studien wegen unerwünschter Wirkungen ab. Der Unterschied zwischen den Gruppen war sehr klein und die Evidenz sehr unsicher.

- Von den Teilnehmenden, die eine Kryotherapie erhielten, schieden 0,4 von 100 aus den Studien aus.

- Von den Teilnehmenden, die keine Kryotherapie erhielten, schieden 0,2 von 100 aus den Studien aus.

Was schränkt die Evidenz ein?

Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz ist gering, dass die Kältetherapie den Blutverlust, die Schmerzen und die Beweglichkeit des Kniegelenks leicht verbessert. Wir sind uns sehr unsicher, ob die Kältetherapie den Bedarf an Bluttransfusionen beeinflusst, die Kniegelenksfunktion verbessert oder das Risiko für unerwünschte Ereignisse verändert. Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz für diese Endpunkte ist sehr niedrig. Unser Vertrauen in die Evidenz ist eingeschränkt, weil viele Studien methodische Schwächen hatten. So wurden Teilnehmende nicht immer zufällig den Behandlungen zugeteilt, manche schieden vorzeitig aus, und häufig wussten die Teilnehmenden, welche Behandlung sie erhielten. Zudem gab es nur wenige Studien oder Teilnehmende, und die Ergebnisse unterschieden sich teilweise deutlich zwischen den Studien.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand vom 27. Mai 2022.

Aggarwal A, Adie S, Harris IA, Naylor J

Hilft Bewegungstherapie bei einer Schulter, die in mehrere Richtungen instabil ist – und gibt es Risiken?

1 week 2 days ago
Kernaussagen
  • Ob Bewegungstherapie bei einer Schulterinstabilität in mehrere Richtungen hilft oder schadet, ist derzeit nicht bekannt. Es gibt keine hochwertigen Studien, in denen die Teilnehmenden per Zufall verschiedenen Behandlungen zugeteilt wurden.

  • Künftige Studien sollten randomisiert sein und Bewegungstherapie mit keiner Behandlung, einer Scheinbehandlung, einer Warteliste oder der üblichen Versorgung vergleichen, um Nutzen und mögliche Schäden zu beurteilen.

Was ist eine Schulter, die in mehrere Richtungen instabil ist?

Die Schulter ist ein sehr bewegliches Gelenk. Damit sie stabil bleibt, ist sie auf Muskeln, Bänder und die Gelenkkapsel angewiesen – eine feste Hülle aus Weichteilgewebe, die das Gelenk umgibt und stützt. Bei einer multidirektionalen Instabilität ist die Schulter in mehrere Richtungen zu beweglich. Der Oberarmkopf kann sich wegen geschwächter stabilisierender Strukturen zu weit aus seiner normalen Position verschieben. Das kann zu Beschwerden, Schmerzen oder dem Gefühl führen, dass die Schulter locker oder instabil ist. Eine multidirektionale Instabilität hängt häufig mit einer allgemeinen „Lockerheit“ des Gelenks zusammen. Diese kann angeboren sein oder sich durch wiederholte Überkopfbewegungen – zum Beispiel beim Sport – entwickeln.

Was versteht man unter Bewegungstherapie?

Eine Bewegungstherapie wird in der Regel als erste Behandlungsmöglichkeit für Menschen mit multidirektionaler Instabilität empfohlen. Ziel der Behandlung ist es, die Muskeln rund um die Schulter zu stärken und besser „zusammenarbeiten“ zu lassen. Dazu gehören vor allem die Muskeln der Rotatorenmanschette und die Muskeln rund um das Schulterblatt. So soll die Schulter stabiler werden. Die Bewegungstherapie kann Krafttraining mit Widerstand, Übungen zur Verbesserung der Körperwahrnehmung (also um die Stellung und Bewegung der Schulter besser zu spüren) sowie das Korrigieren ungünstiger Bewegungsmuster beinhalten. Expert*innen sind der Ansicht, dass gezielte Übungen dazu beitragen können, die übermäßige Bewegung des Oberarmkopfes zu kontrollieren und die funktionelle Stabilität zu verbessern. Nutzen und Schaden der Bewegungstherapie sind jedoch nach wie vor unklar.

Was wollten wir herausfinden?

Ziel dieses Reviews war es zu prüfen, ob eine Bewegungstherapie die Schmerzen verringert, ob sie die Stabilität der Schulter verbessert und ob sie die Lebensqualität von Menschen mit multidirektionaler Schulterinstabilität steigert. Außerdem wollten wir wissen, ob durch die Bewegungstherapie möglicherweise unerwünschte Wirkungen oder Schäden auftreten.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach randomisierten Studien bei Menschen mit traumatischer oder nicht-traumatischer (mit oder ohne spezifische Verletzung) multidirektionaler Instabilität, in denen der Nutzen und Schaden einer Bewegungstherapie untersucht wurde. Die Studien mussten eine Gruppe, die eine Bewegungstherapie erhielt, mit einer Kontrollgruppe vergleichen. Diese Vergleichsgruppe bekam entweder eine Scheinbehandlung (Placebo), keine Behandlung, die übliche Versorgung oder stand auf einer Warteliste für eine Behandlung. Wir haben geplant, die Ergebnisse dieser Studien zu vergleichen und zusammenzufassen und unser Vertrauen in die Evidenz auf der Grundlage von Faktoren wie Studienmethoden und Größe der Studien zu bewerten.

Was fanden wir heraus?

Wir haben keine randomisierten kontrollierten Studien gefunden, die eine Bewegungstherapie bei Menschen mit multidirektionaler Instabilität der Schulter untersucht haben.

Was schränkt die Evidenz ein?

Wir haben keine Evidenz aus randomisierten kontrollierten Studien gefunden.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Wir haben nach Studien gesucht, die bis Mai 2025 veröffentlicht wurden.

Karasuyama M, Imai T, Gotoh M, Kawakami J, Ariie T, Yamamoto S

Intervallfasten im Vergleich zu klassischer Diät oder keiner Behandlung: Welche Methode unterstützt das Abnehmen besser?

1 week 5 days ago
Kernaussagen
  • Verglichen mit herkömmlichen Diäten führt Intervallfasten bei Erwachsenen mit Übergewicht oder Adipositas möglicherweise zu ähnlichen Ergebnissen hinsichtlich Gewichtsabnahme und Lebensqualität. Zwischen Intervallfasten und anderen Diäten unterscheidet sich die Zahl der unerwünschten Wirkungen möglicherweise nicht oder nur minimal. Die wissenschaftlichen Belege dafür sind allerdings sehr unsicher.

  • Im Vergleich zu keiner aktiven Ernährungsintervention oder einer Warteliste führt Intervallfasten wahrscheinlich nur zu einem kleinen Unterschied beim Gewicht. Dieser Unterschied ist jedoch so gering, dass er für die Gesundheit kaum eine spürbare Rolle spielt. Zu den Auswirkungen auf die Lebensqualität und zu möglichen unerwünschten Ereignissen, wie Müdigkeit, Kopfschmerzen oder Übelkeit, gibt es bisher nur sehr unsichere Ergebnisse.

  • Keine der eingeschlossenen Studien untersuchte, wie zufrieden die Teilnehmenden mit dem Intervallfasten waren. Auch dazu, ob sich ihr Diabetes-Status veränderte oder wie sich andere allgemeine Gesundheitsprobleme entwickelten, gab es keine Angaben. Wir brauchen weitere Studien, um dies zu erforschen.

Was bedeutet Adipositas und wie könnte Intervallfasten dabei helfen?

Ein stark erhöhter Körperfettanteil erhöht das Risiko für Folgeerkrankungen. Dazu gehören zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes. Auch das Risiko für eine verkürzte Lebenserwartung steigt. Die Zahl der Menschen mit Adipositas steigt weltweit. Dadurch geraten Gesundheitssysteme zunehmend unter Druck. Gewichtsabnahme gilt weiterhin als der wirksamste Ansatz, um die gesundheitlichen Risiken von Übergewicht und Adipositas zu senken und die gesellschaftlichen Folgen zu verringern. Übliche Ernährungsempfehlungen raten dazu, weniger Kalorien zu sich zu nehmen und die Essgewohnheiten umzustellen, etwa hin zu einer insgesamt gesünderen Lebensmittelauswahl oder zu einer anderen Zusammensetzung von Eiweiß, Kohlenhydraten und Fett. Intervallfasten ist ein relativ neuer Ansatz zur Gewichtsabnahme. Dabei wechseln sich Zeiten mit wenig oder keiner Nahrungsaufnahme (Fasten) mit Zeiten ab, in denen normal gegessen wird. Es gibt verschiedene Formen des Intervallfastens: zeitlich begrenztes Essen, d.h. die tägliche Nahrungsaufnahme ist auf ein bestimmtes Zeitfenster beschränkt; periodisches Fasten an einzelnen Tagen in der Woche oder alternierendes Fasten, d.h. Fastentage und Tage mit normaler Nahrungsaufnahme wechseln sich ab. Intervallfasten soll angeblich den allgemeinen Gesundheitszustand verbessern, indem es bestimmte Körperfunktionen günstig beeinflusst. Gleichzeitig könnte es jedoch auch zu unerwünschten Beschwerden wie Müdigkeit, Kopfschmerzen oder Übelkeit kommen.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob Intervallfasten bei Erwachsenen mit Übergewicht und Adipositas effektiver zur Gewichtsabnahme beiträgt als herkömmliche Ernährungsempfehlungen. Außerdem wollten wir wissen, welche Wirkungen Intervallfasten auf die Lebensqualität, den Diabetes-Status und die Blutfettwerte hat und ob unerwünschte Wirkungen auftreten.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien mit Erwachsenen (über 18 Jahren) mit Übergewicht oder Adipositas. In diesen Studien wurden die Teilnehmenden per Zufall einer Gruppe zugeteilt: Sie sollten entweder Intervallfasten durchführen, eine herkömmliche Ernährungsberatung erhalten, keine Behandlung bekommen oder zunächst auf einer Warteliste stehen. (Personen auf einer Warteliste sollen die Behandlung zwar erhalten, beginnen sie jedoch erst zu einem späteren Zeitpunkt. In der Zwischenzeit werden sie mit Personen verglichen, die die Behandlung sofort starten). Wir schlossen Studien mit Menschen ein, die mit Übergewicht oder Adipositas lebten – unabhängig davon, ob sie bereits Folgeerkrankungen wie Diabetes oder Nierenerkrankungen hatten oder nicht.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 22 Studien mit insgesamt 1995 Teilnehmenden. Die Untersuchungen wurden im häuslichen Umfeld oder in Einrichtungen vor Ort (z. B. in der Gemeinde) durchgeführt. Die Studien fanden in Europa, Nordamerika, China, Australien und Südamerika statt.

Im Vergleich zu herkömmlichen Ernährungsempfehlungen führt Intervallfasten möglicherweise zu keinem oder nur einem minimalen Unterschied bei der Gewichtsabnahme, gemessen als Veränderung gegenüber dem Ausgangsgewicht (21 Studien, 1430 Personen) und der Lebensqualität (drei Studien, 106 Personen). Ob Intervallfasten dazu führt, dass mindestens 5% des Körpergewichts verloren werden (4 Studien, 472 Personen), ist unklar. Auch zu möglichen unerwünschten Ereignissen (7 Studien, 619 Personen) lässt sich derzeit keine verlässliche Aussage treffen.

Im Vergleich zu keiner Intervention oder einer Warteliste bewirkt Intervallfasten wahrscheinlich einen geringfügigen Unterschied bei der Gewichtsabnahme (6 Studien, 427 Personen). Dieser Unterschied ist jedoch so gering, dass er für die Gesundheit kaum eine spürbare Rolle spielt. Die Ergebnisse zu den Wirkungen auf die Lebensqualität (1 Studie, 60 Personen) oder auf unerwünschte Ereignisse (2 Studien, 189 Personen) sind unsicher.

In keiner der eingeschlossenen Studien wurde untersucht oder berichtet, wie zufrieden die Teilnehmenden mit dem Intervallfasten waren, ob sich ihr Diabetes-Status veränderte, oder wie sich andere allgemeine Gesundheitsprobleme entwickelten.

Was schränkt die Evidenz ein?

Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz zur Gewichtsabnahme beim Vergleich von Intervallfasten mit keiner Behandlung ist moderat. Für die anderen Ergebnisse ist die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz niedrig bis sehr niedrig. Das liegt daran, dass viele der eingeschlossenen Studien methodische Schwächen hatten, nur wenige Teilnehmende einschlossen und die Ergebnisse nicht eindeutig waren.

Wie aktuell ist dieser Review?

Die Evidenz ist auf dem Stand vom 5. November 2024.

Garegnani LI, Oltra G, Ivaldi D, Burgos MA, Andrenacci PJ, Rico S, Boyd M, Radler D, Escobar Liquitay CM, Madrid E

Führt eine Schulung von Gesundheitsfachpersonen dazu, dass mehr Menschen erfolgreich mit dem Rauchen aufhören?

1 week 5 days ago
Kernaussagen
  • Die Schulung von Gesundheitsfachpersonen in Techniken zur Unterstützung beim Rauchstopp führt dazu, dass etwas mehr Patient*innen nach 6 bis 14 Monaten nicht mehr rauchen.

  • Schulungen, die mehrere Bausteine kombinieren, sind möglicherweise noch wirksamer – zum Beispiel, wenn sie die Beratung von Patient*innen, zusätzliche Folgetermine oder unterstützende Selbsthilfematerialien sowie Rückmeldungen zum Vorgehen der Gesundheitsfachpersonen kombinieren.

  • Weitere Forschung sollte prüfen, ob eine Schulung von Gesundheitsfachpersonen in Kombination mit medikamentöser Unterstützung zur Rauchentwöhnung (zum Beispiel Nikotinersatztherapie) oder anderen unterstützenden Maßnahmen dazu beiträgt, dass mehr Menschen dauerhaft mit dem Rauchen aufhören.

Was beinhaltet eine Schulung für Gesundheitsfachpersonen zur Unterstützung des Rauchstopps bei Patient*innen?

Die Schulung von Gesundheitsfachpersonen in Techniken zur Raucherentwöhnung soll dazu führen, dass sie ihre Patient*innen häufiger darauf ansprechen, ob sie rauchen. Gesundheitsfachpersonen sind dann auf dem neuesten Stand der Forschung und können Menschen, die rauchen, gezielt beim Aufhören unterstützen.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob die Schulung von Gesundheitsfachpersonen in Techniken zur Rauchentwöhnung ihren Patient*innen hilft, mit dem Rauchen aufzuhören, und ob eine intensivere Schulung dazu beiträgt, dass mehr ihrer Patient*innen mit dem Rauchen aufhören.

Wie sind wir vorgegangen?

Wir haben nach Studien gesucht, in denen Gesundheitsfachpersonen in Techniken zur Rauchentwöhnung geschult wurden. Die Gesundheitsfachpersonen setzten diese Techniken dann ein, um ihre Patient*innen bei der Rauchentwöhnung zu unterstützen. In all diesen Studien wurden die geschulten Gesundheitsfachpersonen mit Kontrollgruppen verglichen, in denen die Gesundheitsfachpersonen keine Schulung, eine weniger intensive Schulung oder eine Schulung zu einem anderen Thema als dem Rauchen erhalten hatten. Wir verglichen und fassten die Ergebnisse der Studien mit statistischen Methoden zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie Studienmethoden und Größe der Studien.

Was fanden wir heraus?

Wir schlossen 29 Studien in diesen Review ein. Insgesamt wurden in den Studien 4 030 Gesundheitsfachpersonen geschult, die 38 178 Patient*innen, die rauchten, bei der Rauchentwöhnung unterstützten.

Patient*innen schafften den Rauchstopp häufiger, wenn ihre Behandelnden in Rauchentwöhnung geschult waren.

Möglicherweise schaffen noch mehr Patient*innen den Rauchstopp, wenn die Gesundheitsfachpersonen eine intensivere Schulung absolviert haben.

Das gilt möglicherweise auch, wenn die geschulten Gesundheitsfachpersonen:

  • ihren Patient*innen eine Nikotinersatztherapie anbieten; oder

  • Aufforderungen oder Erinnerungen schicken.

Insbesondere bei diesem letzten Ergebnis sind wir uns jedoch nicht sicher. Es ist möglich, dass diese Maßnahme letztlich nicht dazu führt, dass mehr Menschen mit dem Rauchen aufhören.

Was schränkt die Evidenz ein?

Wir sind sicher, dass mehr Patient*innen mit dem Rauchen aufhören, wenn die Angehörigen der Gesundheitsberufe eine Schulung erhalten haben. Bei den anderen Ergebnissen sind wir weniger sicher. In einigen Studien war nicht klar beschrieben, wie genau sie durchgeführt wurden. Außerdem überprüften manche Studien nicht mit biologischen Tests (zum Beispiel durch Messung bestimmter Stoffe im Körper), ob die Teilnehmenden tatsächlich nicht geraucht hatten, sondern verließen sich nur auf deren eigene Angaben.

Wie aktuell ist diese Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von August 2024.

Sharrad KJ, Carson-Chahhoud KV, Verbiest MEA, Greenslade S, Parkhouse T, Assendelft WJJ, Crone MR, Livingstone-Banks J

Welche Auswirkungen hat es auf Patient*innen, Behandlungsabläufe und Kosten, wenn im Krankenhaus Pflegefachkräfte bestimmte ärztliche Aufgaben übernehmen?

2 weeks 2 days ago
Kernaussagen
  • Übernehmen Pflegefachkräfte ausgewählte ärztliche Aufgaben, zeigen sich möglicherweise ähnliche Ergebnisse wie bei einer Durchführung durch Ärztinnen oder Ärzte.

  • Obwohl die wissenschaftliche Evidenz insgesamt unsicher ist, zeigen einzelne Studien Hinweise darauf, dass sich bestimmte Ergebnisse verbessern könnten, wenn Pflegefachkräfte ausgewählte ärztliche Aufgaben übernehmen. Dazu gehören in einigen Fällen klinische Endpunkte (z. B. körperliche und psychische Funktion sowie das Management von Diabetes oder Ekzemen) sowie Aspekte der Versorgungsqualität, etwa die Genauigkeit von Beurteilungen, die Einhaltung von Leitlinien, das Medikamentenmanagement, die Erkennung von Polypen oder die Dauer eines Eingriffs.

  • In Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen sind künftige Studien erforderlich, bei denen Menschen nach dem Zufallsprinzip den Behandlungsgruppen zugewiesen werden.

Was genau ist mit der Übernahme von Versorgungsaufgaben durch eine Pflegefachkraft anstelle einer Ärztin oder eines Arztes gemeint?

Eine Versorgung durch eine Pflegefachkraft anstelle einer Ärztin oder eines Arztes bedeutet, dass bestimmte ärztliche Aufgaben von entsprechend qualifizierten Pflegefachkräften übernommen werden. Dazu gehören unter anderem die Aufnahme der Krankengeschichte, die Durchführung einer körperlichen Untersuchung, die Anordnung von Tests, die Verschreibung von Medikamenten sowie die Aufklärung der Patient*innen. Die Pflegefachkraft soll sicherstellen, dass die Versorgung der Patient*innen der üblichen ärztlichen Behandlung entspricht. Das Pflegepersonal kann diese Aufgaben entweder unabhängig von der Ärztin/dem Arzt oder unter deren/dessen Aufsicht wahrnehmen.

Das Gesundheitssystem steht stark unter Druck. Eine älter werdende Bevölkerung, mehr chronische Erkrankungen, eine hohe Arbeitsbelastung für das Personal, steigende Behandlungskosten und ein Mangel an Ärztinnen und Ärzten verschärfen die Situation zunehmend. Um eine gute Versorgungsqualität zu sichern und gleichzeitig die Kosten im Blick zu behalten, setzen einige Länder verstärkt auf speziell qualifizierte Pflegefachpersonen, die bestimmte Aufgaben von Ärztinnen und Ärzten übernehmen.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob:

  • sich die Versorgung im Krankenhaus unterscheidet, je nachdem, ob sie von einer Pflegefachkraft oder von einer Ärztin bzw. einem Arzt übernommen wird. Dabei haben wir betrachtet, welche Auswirkungen dies auf die Patient*innen, auf den Versorgungsprozess sowie auf wirtschaftliche Aspekte wie Kosten hat.

  • sich die Ergebnisse der Versorgung – wenn sie von einer Pflegefachkraft statt von einer Ärztin oder einem Arzt durchgeführt wird – je nach Rahmenbedingungen unterscheiden. Dabei interessierten uns insbesondere folgende Faktoren: die Art der Gesundheitseinrichtung, die Patientengruppe, die Erkrankung, die Art des Eingriffs oder der Behandlung, die Qualifikation und Position der Pflegefachkraft, eine zusätzliche spezialisierte Ausbildung, der Umfang der Verantwortung sowie die konkrete Form, in der ärztliche Aufgaben übernommen wurden (Art der Substitution).

Was haben wir gemacht?

Wir suchten nach Studien, in denen der Vergleich zwischen der Durchführung bestimmter Aufgaben durch eine Pflegefachkraft anstelle einer Ärzt*in im Krankenhaus untersucht wurde. Wir schlossen Studien ein, die folgende Ergebnisse untersuchten: Ergebnisse für Patientinnen und Patienten, zum Beispiel Todesfälle, Sicherheitsereignisse, klinische Ergebnisse, Lebensqualität und Selbstwirksamkeit; Ergebnisse für den Versorgungsprozess, also wie gut die Behandlung durchgeführt wurde (z. B. Qualität und Genauigkeit der Versorgung), wirtschaftliche Ergebnisse, insbesondere direkte Kosten.

Was fanden wir heraus?

Wir schlossen 82 Studien ein, die weltweit durchgeführt wurden, die meisten davon im Vereinigten Königreich (32 Studien). Die Studien umfassten insgesamt 28 041 Teilnehmende, wobei die Zahl der Teilnehmenden zwischen 7 und 1907 lag. Die meisten Studien hatten eine Laufzeit von 12 Monaten, zwei Studien dauerten bis zu fünf Jahre. Mehrere Studien endeten mit der Entlassung des Patienten bzw. der Patientin oder nach dem Eingriff.

Hauptergebnisse
  • Wir haben herausgefunden, dass die Übernahme bestimmter ärztlicher Aufgaben durch Pflegefachkräfte wahrscheinlich nur zu einer geringen bis gar keinen Veränderung der Sterblichkeitsrate und der Patientensicherheit führt. Möglicherweise kommt es zu einer leichten Verbesserung einiger klinischer Endpunkte (physische und psychische Funktion, Diabetes- und Ekzemmanagement). Die Übernahme ärztlicher Tätigkeiten durch Pflegefachkräfte führt wahrscheinlich zu keinen oder nur geringen Unterschieden bei Lebensqualität und Selbstwirksamkeit der Patient*innen. In einzelnen Studien wurden bei bestimmten Prozessmerkmalen leichte Verbesserungen gesehen, zum Beispiel bei der Genauigkeit von Beurteilungen, der Befolgung von Praxisempfehlungen oder Aspekten des Medikamentenmanagements, dem Erkennen von Polypen oder der Zeit, bis ein Eingriff erfolgt. Es ist unklar, ob sich die Übernahme ärztlicher Tätigkeiten durch Pflegefachkräfte auf die direkten Kosten auswirkt.

  • In Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen zeigte sich für die Lebensqualität in einer einzelnen, kleinen Studie möglicherweise ein Vorteil, wenn Pflegefachkräfte ärztliche Tätigkeiten übernehmen. In Ländern mit hohem Einkommen war die „relative Leistung“ bei konkreten Aufgaben und Prozessmaßen (z. B. leitliniengerechte Versorgung oder Zielerreichung) im Durchschnitt möglicherweise eher besser, wenn Pflegefachkräfte ärztliche Tätigkeiten übernehmen. Insgesamt ist diese Evidenz wegen sehr unterschiedlicher Studien unsicher.

  • In einer Subgruppenanalyse nach Art der Erkrankung zeigte eine Studie bei Patient*innen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, dass ambulante Einrichtungen unter Leitung von Pflegefachkräften bei Prozess- und Zielerreichungsmaßen möglicherweise besser abschnitten als ärztlich geleitete Einrichtungen.

  • In von Pflegefachkräften geleiteten Ambulanzen sind die klinischen Ergebnisse möglicherweise geringfügig besser. Bei patient*innenrelevanten Endpunkten zeigte sich wahrscheinlich kaum oder kein Unterschied bei Todesfällen, Lebensqualität und Selbstwirksamkeit, wenn Pflegefachkräfte ärztliche Aufgaben übernehmen. Ob sich die relative Leistung (bestimmte Prozess- und Qualitätsmaße) zwischen Pflegefachkräften und Ärzt*innen unterscheidet, ist insgesamt unsicher und variiert je nach Aufgabe und Versorgungskontext.

  • In der Subgruppenanalyse nach Qualifikationsniveau deuteten einzelne Studien darauf hin, dass es möglicherweise weniger Patientensicherheitsereignisse gibt, wenn speziell weitergebildete Pflegefachkräfte ärztliche Aufgaben übernehmen. Zwischen den verschiedenen Qualifikationsniveau zeigten sich keine klaren Unterschiede bei klinischen Endpunkten, Lebensqualität und Selbstwirksamkeit.

  • Weniger Studien umfassten zusätzliche Qualifikationen für Ärzt*innen oder für fortgeschritten qualifizierte Pflegefachkräfte als für examinierte Pflegefachkräfte. Es zeigten sich keine klaren Unterschiede, wenn zusätzliche Schulungen und das Ausmaß an Verantwortung in den Analysen für die Endpunkte berücksichtigt wurden.

  • In Bezug auf die Art der Übernahme ärztlicher Aufgaben deuteten die Ergebnisse darauf hin, dass bestimmte Prozess- und Qualitätsmaße (relative Leistung) in der Regelversorgung und in der erweiterten Versorgung möglicherweise eher besser ausfielen, wenn Pflegefachkräfte ärztliche Tätigkeiten übernahmen; die Evidenz ist jedoch unsicher.

Was schränkt die Evidenz ein?

Aufgrund der Unterschiede bei den Teilnehmenden, den Interventionen und der Messung der Endpunkte, ist die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz nur moderat oder gering. Außerdem wurden nur wenige Studien in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen durchgeführt.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand vom 25. Juni 2024.

Butler M, Kirwan M, Mc Carthy VJC, Cole JA, Schultz TJ

Welche Vor- und Nachteile hat eine Operation bei einer Senkung der Beckenorgane – mit oder ohne ungewolltem Harnverlust?

2 weeks 3 days ago
Kernaussagen

- Bei Frauen mit einer Senkung der Beckenorgane (Beckenorganprolaps) und Belastungsharninkontinenz verbessert eine zusätzliche Operation gegen Inkontinenz, die gleichzeitig mit der Operation zur Behebung der Senkung durchgeführt wird, die Rate der nach der Operation auftretenden Belastungsharninkontinenz wahrscheinlich. Bei Frauen mit einer Beckenorgansenkung, die vor der Operation keine Belastungsinkontinenz haben, ist eine zusätzliche Operation gegen Inkontinenz möglicherweise nicht nötig. Anmerkung: Viele Frauen mit einer Beckenorgansenkung haben vor der Operation keine Belastungsinkontinenz, da die Absenkung der Beckenorgane die Harnröhre mechanisch blockiert. Nach der Operation wird diese Blockade aufgehoben. Dadurch kann nach der Operation eine Belastungsinkontinenz neu auftreten.

- Bei Frauen mit einer Beckenorgansenkung, die vor der Operation keine Belastungsinkontinenz haben, senkt eine Operation mit körpereigenem Gewebe möglicherweise das Risiko für eine Belastungsinkontinenz nach der Operation eher als eine Operation mit einem eingesetzten Netz. Im Vergleich zur Netzeinlage gibt es bei der Operation mit körpereigenem Gewebe jedoch möglicherweise ein bis sieben Jahre nach der Operation ein deutlich erhöhtes Risiko, dass sich die Organe wieder absenken (550 von 1000 nach OP mit körpereigenem Gewebe, 220 von 1000 mit eingesetztem Netz).

Was ist eine Beckenorgansenkung?

Eine Beckenorgansenkung kommt insbesondere bei Frauen nach der Geburt und in der Postmenopause häufig vor. Dabei handelt es sich um eine starke Absenkung der Beckenorgane. Beckenorgane wie Gebärmutter, Blase, Darm und Scheide sinken dabei nach unten. Bei fortgeschrittenen Formen können sie aus der Scheide herausragen. Eine Beckenorgansenkung geht häufig mit ungewolltem Harnverlust beim Husten oder bei körperlicher Anstrengung (z.B. beim Sport) einher. Dies wird als "Belastungsharninkontinenz" bezeichnet. Bei einigen Frauen blockiert der Prolaps jedoch die Harnröhre, und die Belastungsharninkontinenz wird möglicherweise erst bemerkt, wenn der Prolaps behoben ist. Dies wird als "okkulte" (oder versteckte) Belastungsharninkontinenz bezeichnet. Belastungsharninkontinenz kann sich auch erst nach einer Operation zur Behebung des Prolapses entwickeln, was als "neu auftretende Belastungsharninkontinenz" bezeichnet wird. Eine Beckenorgansenkung kann die Lebensqualität von Frauen stark beeinträchtigen. Je stärker die Beckenorgansenkung ist, desto größer sind meist die Beschwerden – zum Beispiel Probleme beim Wasserlassen oder beim Stuhlgang.

Wie kann eine Beckenorgansenkung behandelt werden?

Beckenorgansenkungen können operativ über die Scheide oder über einen Bauchschnitt behandelt werden. Die Eingriffe erfolgen meist als schonende „Schlüsselloch“-Operation oder mit Unterstützung eines Operationsroboters. Bei der Operation kann entweder das körpereigene Gewebe der Frau verwendet werden oder es wird ein Netz eingesetzt, um das Gewebe zu stützen oder zu verstärken. Eine Belastungsharninkontinenz kann im Rahmen einer Operation zur Behandlung einer Beckenorgansenkung mitbehandelt werden. Eine Möglichkeit ist, ein schmales Netzband unter die Harnröhre zu legen, um sie zu stützen. Eine andere Möglichkeit ist, das Gewebe auf beiden Seiten der Harnröhre im Becken anzuheben und festzunähen.

Was wollten wir herausfinden?

Unser Ziel war es herauszufinden, welche Operation für Frauen mit einer Beckenorgansenkung am besten geeignet ist, unabhängig davon, ob es zu ungewolltem Urinverlust kommt oder nicht. Wir untersuchten, ob Frauen nach einer Operation wegen einer Beckenorgansenkung seltener ungewollt Urin verlieren, wenn gleichzeitig eine zusätzliche Operation gegen Harninkontinenz durchgeführt wird. Außerdem untersuchten wir, ob es nach der Operation erneut zu einer Senkung der Beckenorgane kam, ob Frauen Symptome einer überaktiven Blase (z. B. plötzlichen Harndrang) entwickelten, Probleme beim Entleeren der Blase hatten oder eine weitere Operation benötigten.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten systematisch nach Studien und sammelten, fassten und analysierten die relevanten Daten, um herauszufinden, welche Behandlung am besten geeignet ist.

Was fanden wir heraus?

Insgesamt schlossen wir 22 Studien mit 3.095 Frauen ein. Die Studien untersuchten Operationen zur Behebung einer Beckenorgansenkung mit oder ohne zusätzliche Inkontinenz-Operation bei Frauen mit und ohne Belastungsharninkontinenz.

Operationen zur Behandlung von Frauen mit einer Beckenorgansenkung und Belastungsharninkontinenz

Wird während einer Operationen zur Behebung einer Beckenorgansenkung bei Frauen mit Belastungsharninkontinenz ein zusätzliches Stützband unter der Harnröhre eingesetzt, verringert dies möglicherweise die Belastungsharninkontinenz und bewirkt möglicherweise, dass seltener eine weitere Inkontinenz-Operation nötig ist. Die Inkontinenz-Operation kann möglicherweise auch bis zu drei Monate nach der Operationen zur Behebung einer Beckenorgansenkung durchgeführt werden, ohne dass sich die Erfolgsrate wesentlich unterscheidet. In dieser Situation könnten einige Frauen nach der Operation zur Behebung einer Beckenorgansenkung auf eine zusätzliche Operation gegen Inkontinenz verzichten, da sie dann keinen ungewollten Urinverlust haben.

Es ist weiterhin unklar, ob eine Sakrokolpopexie oder Sakrohysteropexie, also eine Operation zur Behebung einer Beckenorgansenkung über den Bauchraum, in Kombination mit einer Burch-Kolposuspension, also dem zusätzlichen Anheben und Fixieren der Harnröhre, die Rate der Belastungsharninkontinenz verringert. Die Evidenz beruht auf einer kleinen Studie mit 47 Frauen. In einer weiteren Studie mit 113 Frauen wurde die Burch-Kolposuspension (Anhebung und Fixierung der Harnröhre) mit einem Stützband unter der Harnröhre verglichen. Nach zwei Jahren verringerte das Stützband die Belastungsharninkontinenz möglicherweise stärker als die Burch-Kolposuspension.

Zwischen einer vaginalen Netzeinlage mit Befestigungsarmen und einer Operation mit körpereigenem Gewebe plus Stützband unter der Harnröhre zeigten sich keine relevanten Unterschiede – weder beim ungewollten Urinverlust nach der Operation noch bei anderen Ergebnissen.

Operationen für Frauen mit Beckenorgansenkung und okkulter Belastungsharninkontinenz

Eine vaginale Operation zur Behebung einer Beckenorgansenkung mit einem zusätzlichen Stützband unter der Harnröhre verringert im Vergleich zu einer Operation ohne dieses Stützband wahrscheinlich die Belastungsharninkontinenz und die Notwendigkeit weiterer Inkontinenz-Operationen (5 Studien, 369 Frauen). Möglicherweise gibt es nur geringe oder gar keine Unterschiede beim Wiederauftreten einer Beckenorgansenkung, überaktiver Blase, neu auftretender überaktiver Blase oder Blasenentleerungsstörung.

Operationen für Frauen mit Beckenorgansenkung ohne Belastungsharninkontinenz

Eine vaginale Operation zur Behebung einer Beckenorgansenkung mit oder ohne zusätzliches Stützband unter der Harnröhre bewirkt bei Frauen ohne Belastungsharninkontinenz keinen Unterschied bei neu auftretender Belastungsharninkontinenz (1 Studie, 220 Frauen).

Es ist unklar, ob eine Operation zur Behebung einer Beckenorgansenkung über den Bauchraum mit oder ohne Anheben und Fixieren der Harnröhre (Burch-Kolposuspension) das neu auftreten von einer Belastungsharninkontinenz verbessert (2 Studien, 364 Frauen).

Bei einer Nachbeobachtung von 3 bis 7 Jahren verringert eine vaginale Operation zur Behebung einer Beckenorgansenkung mit körpereigenem Gewebe möglicherweise geringfügig neu auftretende Belastungsharninkontinenz im Vergleich zu einer Operation mit eingesetztem Netz (3 Studien, 417 Frauen). Das Einsetzen eines Vaginalnetzes verringert jedoch möglicherweise die Rate wiederkehrender Beckenorgansenkungen (3 Studien, 458 Frauen).

Was schränkt die Evidenz ein?

Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz ist moderat oder niedrig. Die Aussagekraft der Ergebnisse ist eingeschränkt, da einige Studien nicht verblindet waren, nicht alle wichtigen Endpunkte untersucht wurden und viele Studien nur wenige Frauen einschlossen.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von Juli 2025.

Baessler K, Christmann-Schmid C, Haya N, Mowat A, Chen Z, Wallace SA, Yeung E, Maher C

Können Programme mit mehreren Bausteinen Jugendlichen mit starkem Übergewicht dabei helfen, sich besser zu fühlen und gesünder zu leben?

2 weeks 6 days ago
Kernaussagen
  • Programme, die mehrere Bausteine kombinieren – zum Beispiel Ernährung, Bewegung und andere Alltagsgewohnheiten – und auf Gemeindeebene (z. B. in Schulen) durchgeführt werden, verbessern möglicherweise nach einem Jahr geringfügig das körperliche Wohlbefinden und wahrscheinlich nach zwei Jahren geringfügig den BMI-z-Score (ein Maß dafür, wie stark das Gewicht eines Kindes vom alters‐ und geschlechtstypischen Durchschnitt abweicht) bei Jugendlichen im Alter von 10 bis 19 Jahren mit schwerem Übergewicht (Adipositas). Diese Programme hatten insgesamt begrenzte Wirkungen auf das psychische Wohlbefinden, die körperliche Aktivität, die Lebensqualität und den BMI-z-score (nach 12 Monaten) der Jugendlichen.

  • Der Gesamtnutzen und mögliche unerwünschte Wirkungen von Programmen mit mehreren Bausteinen für Jugendliche sind weiterhin unklar. Zudem stammt der Großteil der Evidenz aus Ländern mit hohem Einkommen.

  • Es sind weitere Studien in unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen und Regionen erforderlich, um besser zu verstehen, welche Maßnahmen bei verschiedenen Jugendlichen wirken – und welche nicht.

Was ist das zugrunde liegende Problem?

Adipositas bei Jugendlichen ist weltweit ein wichtiges Gesundheitsproblem. Sie hat viele Ursachen, zum Beispiel Ernährung, Bewegung und Verhaltensweisen im Alltag. Adipositas bei Jugendlichen wird in der Regel definiert als ein Body-Mass-Index (BMI - eine Zahl, die aus der Größe und dem Gewicht einer Person berechnet wird, um festzustellen, ob ihr Gewicht in einem gesunden Bereich liegt), der deutlich über dem liegt, der für junge Menschen desselben Alters und Geschlechts typisch ist. Behandlungsansätze, die zu gesünderen Lebensgewohnheiten anregen, werden häufig zur Behandlung von Adipositas bei Jugendlichen eingesetzt, aber ihre langfristigen Auswirkungen sind nach wie vor unklar.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob Programme mit mehreren Bausteinen zur Förderung von gesunder Ernährung, körperlicher Aktivität und Verhalten Jugendlichen im Alter von 10 bis 19 Jahren mit Adipositas helfen. Wir haben uns darauf konzentriert, wie sich diese Programme langfristig (Nachbeobachtung von 12 bis 24 Monaten) auf das körperliche und psychische Wohlbefinden, die Lebensqualität, die körperliche Aktivität und gewichtsbezogene Maße auswirken.

Wie gingen wir vor?

Wir haben nach Studien gesucht, in denen Programme getestet wurden, die zwei oder mehr Bereiche miteinander verbinden: Ernährung, körperliche Aktivität und/oder Verhaltensänderung. Wir haben nur Studien einbezogen, in denen diese Programme mit keinen Programmen, der üblichen Versorgung oder einer Wartelistengruppe verglichen wurden. Alle Studien mussten eine Nachbeobachtung der Jugendlichen für mindestens ein Jahr nach Beginn der Intervention aufweisen. Wir fassten die Studienergebnisse zusammen, verglichen sie und bewerteten, wie verlässlich die Evidenz ist, unter anderem anhand der verwendeten Methoden und der Größe der Studien.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 33 Studien mit 5949 Jugendlichen in Ländern mit hohem Einkommen, die an Orten wie Schulen, Kirchen, Gesundheitseinrichtungen und Gemeindezentren durchgeführt wurden. Wir haben die Studien in zwei Gruppen unterteilt: (1) Studien, die Programme in Einrichtungen des Gesundheitswesens durchführten, z. B. in Behandlungszentren der Primärversorgung oder in Krankenhäusern; (2) Studien, die Programme auf Gemeindeebene durchführten, z.B. in Schulen, Gemeindezentren, Sportzentren oder anderen öffentlichen Einrichtungen.

Hauptergebnisse

Verglichen mit der üblichen Versorgung bewirken in Gesundheitseinrichtungen durchgeführte Programme möglicherweise nur einen geringen oder gar keinen Unterschied für die Jugendlichen auf:

  • das körperliche oder psychische Wohlbefinden;

  • körperliche Aktivität, gemessen als Veränderung gegenüber dem Ausgangswert (ein Wert, der angibt, wie stark die körperliche Aktivität einer Person nach dem Behandlungsprogramm im Vergleich zum Ausgangswert zugenommen oder abgenommen hat);

  • BMI-z-score.

Es ist unklar, ob diese Programme das Ausmaß der körperlichen Aktivität von Jugendlichen beeinflussen, wenn die körperliche Aktivität erst am Ende der Studie gemessen wird. Diese Behandlungsansätze verbessern möglicherweise geringfügig die Lebensqualität der Jugendlichen nach einem Jahr. Es ist unklar, ob sie schädliche oder unerwünschte Ereignisse verursacht haben. Keine der Studien, die in Gesundheitseinrichtungen durchgeführt wurden, berichtete über Adipositas-bedingte Behinderungen.

Im Vergleich zur üblichen Versorgung bewirken auf Gemeindeebene durchgeführte Programme:

  • möglicherweise eine leichte Verbesserung des körperlichen Wohlbefindens der Jugendlichen;

  • möglicherweise keine oder nur minimale Veränderungen des psychischen Wohlbefindens und der körperlichen Aktivität;

  • über den Zeitraum von 12 Monaten möglicherweise keine oder nur minimale Veränderungen beim BMI-z-Score und über den Zeitraum von 24 Monaten möglicherweise eine geringfügige Reduktion des BMI-z-Scores.

Diese Programme bewirken wahrscheinlich wenig bis gar keinen Unterschied in der Lebensqualität der Jugendlichen nach 12 Monaten. In keiner der auf Gemeindeebene durchgeführten Studien wurde über Adipositas-bedingte Behinderungen berichtet oder darüber, ob die Programme zu unerwünschten oder schädlichen Ereignissen führten.

Was schränkt die Evidenz ein?

Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz ist niedrig, da die Nachbeobachtungszeit begrenzt war und die Studien methodische Schwächen hatten. Die meisten dieser Studien wurden in Ländern mit hohem Einkommen durchgeführt, so dass wir nicht sicher sein können, wie gut diese Maßnahmen in anderen Ländern und bei anderen Bevölkerungsgruppen funktionieren.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von Februar 2024.

Franco JVA, Guo Y, Bongaerts B, Metzendorf MI, Hindemit J, Aqra Z, Alhalahla M, Tapinova K, Villegas Arbelaez E, Alade OT, Medina Rodriguez M, Rees K, Al-Khudairy L, Torbahn G, Ells LJ

Was sind die Vorteile und Risiken von Ginkgo biloba bei kognitiven Störungen und Demenz?

2 weeks 6 days ago
Kernaussagen

- Bei Menschen mit Sorgen um ihr Denkvermögen oder Gedächtnis ist ungewiss, ob Ginkgo den allgemeinen Zustand nach sechs Monaten deutlicher verbessert als ein Placebo (Scheinbehandlung).
- Bei Menschen mit Multipler Sklerose und Denk- oder Gedächtnisproblemen verbessert Ginkgo das Denken nach drei Monaten wahrscheinlich nicht besser als ein Placebo.
- Bei Menschen, bei denen eine leichte kognitive Beeinträchtigung, jedoch keine Demenz diagnostiziert wurde, ist Ginkgo nach sechs Monaten wahrscheinlich nicht besser als ein Placebo, um den Gesamtzustand, das Denkvermögen oder die Fähigkeiten zur Bewältigung alltäglicher Aufgaben zu verbessern.
- Bei Menschen, bei denen eine Demenzerkrankung diagnostiziert wurde, verbessert Ginkgo nach sechs Monaten möglicherweise den Allgemeinzustand, das Denkvermögen insgesamt sowie die Fähigkeiten zur Bewältigung alltäglicher Aufgaben stärker als ein Placebo. Die einzelnen Studien kamen jedoch zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen bezüglich der Wirkungen von Ginkgo. Daher ist es schwierig, eindeutige Schlussfolgerungen zu ziehen.
- Studien, in denen Ginkgo bei Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung oder Demenz mit einem Placebo verglichen wurde, zeigen, dass Ginkgo wahrscheinlich nicht mit einem erhöhten Risiko für Schäden verbunden ist.

Was sind kognitive Beeinträchtigungen und Demenz?

Eine kognitive Beeinträchtigung bedeutet, dass das Denken nicht mehr so gut funktioniert wie gewohnt, beispielsweise beim Lernen, Erinnern oder Entscheiden. Auch die Stimmung, das Verhalten oder die Motivation können sich verändern. Demenz ist ein Oberbegriff für schwere kognitive Beeinträchtigungen, die den Alltag und die gewohnten Aktivitäten deutlich einschränken. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, an Demenz zu erkranken. Die häufigste Form der Demenz bei älteren Erwachsenen ist die Alzheimer-Krankheit.

Wie werden kognitive Beeinträchtigungen und Demenz behandelt?

Es ist nicht erwiesen, dass die verfügbaren Behandlungen das Fortschreiten von kognitiven Beeinträchtigungen oder Demenz aufhalten können. Medikamente wie Cholinesterase-Hemmer können bestimmte Symptome verbessern. Zusätzlich können zur Unterstützung nicht-medikamentöse Maßnahmen hilfreich sein.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob Medikamente aus den Blättern von Ginkgo biloba (Ginkgo-Baum) bei der Behandlung von kognitiven Beeinträchtigungen oder Demenz helfen können, insbesondere bei der Verbesserung der Denkfähigkeit und der Fähigkeit, alltägliche Aufgaben zu erledigen. Wir wollten auch wissen, ob diese pflanzlichen Mittel Menschen helfen können, die sich Sorgen um ihre geistige Leistungsfähigkeit machen oder Denkprobleme haben, die im Zusammenhang mit Multipler Sklerose auftreten.

Wie gingen wir vor?

Wir haben nach Studien gesucht, in denen Ginkgo-Präparate bei Menschen mit Denkproblemen oder der Diagnose einer leichten kognitiven Beeinträchtigung oder Demenz getestet wurden. Die Menschen mussten mindestens drei Monate lang behandelt werden. Wir haben die Ergebnisse dieser Studien getrennt für verschiedene Arten von kognitiven Beeinträchtigungen oder Diagnosen zusammengefasst. Wir bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie der Qualität der Studien, der Größe der Studien und der Frage, ob verschiedene Studien zu ähnlichen oder unterschiedlichen Ergebnissen kamen.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 82 Studien mit 10 613 Personen, die sich Sorgen um ihre geistige Leistungsfähigkeit machten, bei denen Denkprobleme im Zusammenhang mit Multipler Sklerose auftraten oder bei denen eine leichte kognitive Beeinträchtigung oder Demenz diagnostiziert wurde. In den Studien wurden Ginkgo-Präparate mit Placebo (Scheinbehandlung) oder mit anderen Arzneimitteln verglichen, oder Ginkgo-Präparate wurden zusätzlich zu anderen Behandlungen angewendet. Mehr als die Hälfte der Studien wurde in China durchgeführt.

Hauptergebnisse

Bei Menschen, die sich Sorgen um ihr Gedächtnis und ihr Denkvermögen machen, ist es ungewiss, ob Ginkgo-Präparat nach sechs Monaten ihren Gesamtzustand deutlicher als ein Placebo verbessern. In einer Studie wurde nach sechs Monaten kein Unterschied zwischen einem Ginkgo-Präparat und Placebo in Bezug auf mögliche schädliche Auswirkungen festgestellt. Eine andere Studie mit einer Laufzeit von nur drei Monaten zeigte jedoch, dass ein Ginkgo-Präparat insgesamt mit mehr schädlichen Wirkungen verbunden war als ein Placebo.

Bei Menschen mit kognitiven Problemen im Zusammenhang mit Multipler Sklerose bringt eine dreimonatige Behandlung mit einem Ginkgo-Präparat im Vergleich zu Placebo wahrscheinlich nur einen sehr kleinen oder keinen messbaren Vorteil für die Denkfähigkeit. Keine der eingeschlossenen Studien berichtete, wie viele Personen insgesamt Schäden erlitten. In einer Studie traten bei zwei Personen schwerwiegende Schäden auf, die wahrscheinlich nicht auf das Ginkgo-Präparat zurückzuführen waren.

Bei Menschen mit einer leichten kognitiven Beeinträchtigung führt eine sechsmonatige Behandlung mit einem Ginkgo-Präparat im Vergleich zu einem Placebo wahrscheinlich zu keinem oder nur zu einem geringen Unterschied beim allgemeinen Gesundheitszustand, der Denkfähigkeit und den Fähigkeiten für den Alltag. Zwischen einem Ginkgo-Präparat und einem Placebo gibt es möglicherweise über den Zeitraum von bis zu 12 Monaten nur einen geringen oder gar keinen Unterschied im Risiko von Schäden und kein Unterschied bei schweren Schäden.

Bei Menschen mit diagnostizierter Demenz kann eine sechsmonatige Behandlung mit Ginkgo im Vergleich zu einem Placebo den allgemeinen Gesundheitszustand, das Denkvermögen und die Fähigkeit, alltägliche Aktivitäten auszuführen, möglicherweise etwas verbessern. Zwischen Ginkgo und Placebo gibt es wahrscheinlich nur einen geringen oder gar keinen Unterschied beim Risiko von Schäden innerhalb von bis zu 12 Monaten. Auch beim Risiko schwerer Schäden besteht möglicherweise nur ein geringer oder gar kein Unterschied.

Was schränkt die Evidenz ein?

Bei vielen Studien gab es methodische Probleme. Zudem waren die Ergebnisse der einzelnen Studien uneinheitlich, was die Aussagekraft der Ergebnisse beeinträchtigt. Nur wenige Studien untersuchten Ginkgo bei Demenz länger als sechs Monate, so dass der potenzielle Nutzen und Schaden einer längerfristigen Einnahme bei Demenz unbekannt ist.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von November 2024.

Wieland LS, Ludeman E, Chi Y, Feinberg TM, Chen I-H, Chen K-H, Zhu Y, Wolverson E, Amri H

Hilft persönliche Psychoedukation Eltern von Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen?

2 weeks 6 days ago
Kernaussagen
  • Psychoedukation – also persönliche Gespräche mit einer Fachkraft, in denen Eltern verständliche Informationen über die Erkrankung erhalten – verbessert möglicherweise das psychische, emotionale und soziale Wohlbefinden von Eltern von Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen kurz- und mittelfristig. Außerdem verringert sie möglicherweise kurzfristig Ängste der Eltern.

  • Die Evidenz zur Wirkung der Psychoedukation auf die Lebensqualität der Eltern und ihre Erfahrungen mit der Betreuung ihrer Kinder ist sehr unsicher.

  • Insgesamt ist die verfügbare Evidenz begrenzt. Um besser zu verstehen, wie Psychoedukation die Eltern von Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen unterstützen kann, sind weitere Forschungen erforderlich.

Wie wirkt sich eine schwere psychische Erkrankung des Kindes auf die Eltern aus?

Von einer schweren psychischen Erkrankung spricht man, wenn Denken, Gefühle oder Verhalten einer Person so stark beeinträchtigt sind, dass sie ihren Alltag nur noch sehr eingeschränkt bewältigen kann. Sie kann die Fähigkeit einer Person, zu arbeiten, für sich selbst zu sorgen, Beziehungen zu pflegen oder an anderen wichtigen Lebensbereichen teilzuhaben, stark einschränken. Schwere psychische Erkrankungen sind beispielsweise Schizophrenie, bipolare Störungen und schwere Depressionen. Solche Erkrankungen dauern oft lange an und beeinträchtigen den Alltag erheblich. Die Betreuung eines Kindes mit einer schweren psychischen Erkrankung ist für Eltern häufig sehr belastend und mit Stress, Sorgen und Traurigkeit verbunden. Eltern können dadurch auch selbst gesundheitliche Probleme entwickeln und sich isoliert oder überfordert fühlen.

Was ist Psychoedukation?

Psychoedukation ist die verständliche Aufklärung von Betroffenen und ihren Angehörigen durch Fachpersonen über eine psychische Erkrankung. Dabei geht es zum Beispiel um typische Symptome, wie Behandlungen wirken, wie sich die Krankheit voraussichtlich entwickelt und wie der Alltag mit der Erkrankung gestaltet werden kann. Psychoedukation kann dazu beitragen, dass Eltern sich sicherer fühlen und die Herausforderungen bei der Betreuung ihres Kindes besser bewältigen – unabhängig vom Alter des Kindes. Zur Psychoedukation gehören in der Regel Gruppentreffen mit anderen Eltern. Die Teilnehmenden erhalten dort Informationen, können Erfahrungen austauschen und gegenseitige Unterstützung erfahren. In dieser Übersicht haben wir nur Studien berücksichtigt, in denen Psychoedukation persönlich angeboten wurde und nicht online durchgeführt wurde.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten wissen, ob Eltern durch persönliche Psychoedukation – angeboten von Fachpersonen oder speziell geschulten Personen – besser mit der schweren psychischen Erkrankung ihres Sohnes oder ihrer Tochter zurechtkommen. Andere Formen der Unterstützung durch Betreuungspersonen wurden nicht berücksichtigt.

Wir verglichen Psychoedukation mit "inaktiven" Interventionen (z. B. keine Maßnahme, Warteliste, übliche Versorgung) oder aktiven Behandlungen (z. B. Medikamente). Uns interessierte vor allem, wie sich die Psychoedukation kurzfristig auf das psychosoziale Wohlbefinden der Eltern (also ihre psychische, emotionale und soziale Gesundheit) und auf ihre Lebensqualität auswirkt. Außerdem betrachteten wir, ob es zu unerwünschten Ereignissen oder negativen Wirkungen kam.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach randomisierten kontrollierten Studien, die die Auswirkungen persönlicher Psychoedukation auf Eltern von Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen untersuchten. Wir haben die Ergebnisse der Studien kombiniert und die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz beurteilt.

Was fanden wir heraus?

Wir haben fünf Studien mit insgesamt 304 Teilnehmenden identifiziert. Die meisten Teilnehmenden waren Frauen über 45 Jahre. Die erkrankten Personen hatten meist Schizophrenie. Die Studien wurden in Asien (Iran, Indonesien, Japan und China) durchgeführt und zwischen 2006 und 2020 veröffentlicht. Die psychoedukativen Interventionen dauerten 3 bis 12 Wochen, mit 4 bis 12 Sitzungen.

In den Studien wurden nur die Durchschnittswerte am Ende der Intervention angegeben; die Ergebnisse wurden nicht als "jegliche Veränderung" oder "klinisch wichtige Veränderung" angegeben. Keine der Studien berichtete von unerwünschten Ereignissen. Daher waren für diesen wichtigen Endpunkt keine Daten verfügbar. In den Studien wurden jedoch einige andere wichtige Endpunkte gemessen.

Hauptergebnisse

Psychoedukation für Eltern von Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen im Vergleich zu keiner Maßnahme:

  • führt möglicherweise kurzfristig zu einer deutlichen Verbesserung des psychosozialen Wohlbefindens der Eltern (3 Studien, 150 Teilnehmende);

  • führt möglicherweise mittelfristig zu einer deutlichen Verbesserung des psychosozialen Wohlbefindens der Eltern (1 Studie, 37 Teilnehmende);

  • die kurzfristigen Auswirkungen auf die Lebensqualität der Eltern sind ungewiss (1 Studie, 40 Teilnehmende);

  • verbessert möglicherweise kurzfristig die Ängste der Eltern deutlich (1 Studie, 73 Teilnehmende); und

  • die kurzfristigen Auswirkungen auf die Erfahrungen der Eltern bei der Betreuung ihres Kindes sind ungewiss (1 Studie, 36 Teilnehmende).

Im Vergleich zu anderen nicht-medikamentösen Angeboten ist sehr unklar, ob Psychoedukation das psychosoziale Wohlbefinden der Eltern kurz- oder mittelfristig verbessert (1 Studie, 37 Teilnehmende).

Es gab keine Studien, die Psychoedukation mit Medikamenten verglichen.

Was schränkt die Evidenz ein?

In diesem Review wurde die persönliche Psychoedukation für Eltern von Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen untersucht. Die Evidenz war begrenzt, da nur fünf kleine Studien aus Asien über kurzfristige Wirkungen berichteten. Die meisten Teilnehmenden waren Mütter von Menschen mit Schizophrenie; Väter waren unterrepräsentiert. Langfristige Endpunkte und unerwünschte Ereignisse wurden nicht berichtet. Die Interventionen und Vergleiche waren unterschiedlich, und häufig fehlten wichtige Informationen zu den Teilnehmenden. Die Ergebnisse sind daher nur eingeschränkt aussagekräftig. Es werden größere, gut konzipierte Studien benötigt.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz basiert auf Recherchen, die bis zum 11. November 2024 durchgeführt wurden.

Jimenez Tejero E, Lopez-Alcalde J, Carralero-Montero A, Álvarez-Díaz N, García Sastre M, Asenjo-Esteve ÁL, Castro-Molina FJ, Muriel A, Maravilla Herrera P, Monge Martín D, Cuesta-Lozano D

Beugt eine regelmäßige Gerinnungsfaktortherapie Gelenkschädigungen bei Kindern mit schwerer Bluterkrankheit A oder B vor?

1 month ago
Kernaussagen

– Eine vorbeugende Behandlung mit Gerinnungsfaktoren kann im Vergleich zu einer Behandlung nur bei auftretenden Blutungen möglicherweise die Zahl der Gelenkblutungen und die Gesamtzahl der Blutungen pro Jahr senken – bei zuvor unbehandelten oder nur minimal behandelten Kindern ohne Gelenkschäden.

– Bei Kindern mit Bluterkrankheit, die noch nicht behandelt wurden, gibt es wahrscheinlich keinen Unterschied zwischen den Gruppen hinsichtlich der Schwere von Gelenkschäden. Eine vorbeugende Behandlung mit Gerinnungsfaktoren verbessert möglicherweise nicht die Lebensqualität im Vergleich zu einer Behandlung bei Bedarf. Dieses Ergebnis ist allerdings sehr unsicher.

– Kinder, die eine vorbeugende Behandlung mit Gerinnungsfaktoren erhalten, benötigen möglicherweise mehr monatliche Infusionen als Kinder, die bei Bedarf behandelt werden. Auch dieses Ergebnis ist sehr unsicher. Möglicherweise gibt es zwischen den beiden Gruppen keinen Unterschied bei unerwünschten Wirkungen, etwa bei Infektionen oder der Bildung von Antikörpern, die die Behandlung weniger wirksam machen.

Was versteht man unter der Bluterkrankheit?

Die Bluterkrankheit A und B sind angeborene Blutungsstörungen. Besonders problematisch sind wiederholte Blutungen in die Gelenke. Wiederholte Blutungen können diese Gelenke schädigen. Solche geschädigten Gelenke werden oft als „Zielgelenke“ bezeichnet und können Schmerzen und Bewegungseinschränkungen verursachen.

Wie wird die Bluterkrankheit behandelt?

Derzeit werden Blutungen mit Gerinnungsfaktortherapien behandelt und verhindert. Dabei handelt es sich um Medikamente, die die Blutgerinnung unterstützen. Diese Medikamente können aus Spenderblut gewonnen oder in einem Labor hergestellt werden. Seit kurzem gibt es auch neue Behandlungsmethoden, bei denen keine Gerinnungsfaktoren verwendet werden.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob Kinder, die bisher keine Therapie wegen Gelenkeinblutungen erhalten haben, eine regelmäßige Behandlung mit Gerinnungsfaktortherapien erhalten sollten, um Gelenkeinblutungen und Gelenkschäden zu verhindern und um das allgemeine Wohlbefinden zu verbessern.

Wie gingen wir vor?

Wir haben nach Studien gesucht, die regelmäßige Gerinnungsfaktortherapien oder die Behandlung von Blutungen bei Bedarf eingesetzt haben, um Blutungen bei Kindern im Alter von bis zu 10 Jahren mit Bluterkrankheit ohne Gelenkschäden zu verhindern. Wir haben die Ergebnisse der Studien zusammengefasst und die Vertrauenswürdigkeit der Ergebnisse anhand der Studienqualität und der Anzahl der Kinder bewertet.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden drei Studien mit 126 Kindern mit schwerer Bluterkrankheit A. Die größte Studie umfasste 65 Kinder, die kleinste Studie 21 Kinder. Die Studien wurden in drei Ländern durchgeführt: Italien, Indien und den USA. Eine Studie dauerte 11,5 Monate, eine Studie dauerte 9 Jahre und eine Studie dauerte 10 Jahre.

Hauptergebnisse

Im Vergleich zu einer Behandlung bei Bedarf verringert die Vorbeugung von Blutungen durch die regelmäßige Gabe von Gerinnungsfaktoren möglicherweise innerhalb eines Jahres die Zahl der Gelenkeinblutungen und die Gesamtanzahl der Blutungen (3 Studien, 125 Kinder). Hinsichtlich der Schwere der Gelenkschäden gibt es wahrscheinlich keinen Unterschied zwischen den Gruppen (2 Studien, 95 Kinder). Gerinnungsfaktoren verbessern möglicherweise nicht die Lebensqualität im Vergleich zu einer Behandlung bei Bedarf (sehr niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz, 2 Studien, 105 Kinder). Wahrscheinlich gibt es keinen Unterschied in der im Röntgen sichtbaren Gelenkschädigung zwischen einer vorbeugenden Behandlung und einer Behandlung bei Bedarf (2 Studien, 61 Kinder). Die Vorbeugung von Blutungen mit einer regelmäßigen Gabe von Gerinnungsfaktoren erhöht möglicherweise im Vergleich zur Behandlung bei Bedarf die Gesamtzahl der monatlichen Gerinnungsfaktorinfusionen, aber die Evidenz ist sehr unsicher (2 Studien, 86 Kinder). Bei der Entwicklung von Antikörpern, die die Wirkung der Behandlung abschwächen können, gibt es möglicherweise keinen Unterschied zwischen den beiden Gruppen (2 Studien, 105 Kinder).

Was schränkt die Aussagekraft der Evidenz ein?

Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz ist moderat bis sehr gering, weil die Kinder wussten, welche Behandlung sie erhielten, was die Ergebnisse beeinflusst haben könnte. In einigen Studien nahmen auch Kinder teil, die bereits Gelenkschäden hatten. Die Ergebnisse wurden jedoch nicht getrennt für Kinder mit und ohne Gelenkschäden ausgewertet. Auch wenn klinische Studien, die eine vorbeugende Gerinnungsfaktortherapie mit einer Behandlung nur bei auftretenden Blutungen vergleichen, heute nicht mehr ethisch vertretbar sind, wären weitere gut geplante Studien hilfreich. Sie könnten genauer zeigen, wie groß der Nutzen von Gerinnungsfaktortherapien und neueren, gerinnungsfaktorfreien Behandlungen bei der Vorbeugung von Gelenkblutungen und Gesamtblutungen bei Kindern mit Bluterkrankheit ist.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von 20. November 2024.

Razmpoosh E, Olasupo OO, Bhatt M, Matino D, Iorio A

Ist es besser, den Embryo am 3. oder am 5. Tag in die Gebärmutter zu übertragen, wenn man versucht, ein Baby durch künstliche Befruchtung zu bekommen?

1 month ago
Kernaussagen
  • Die Chance nach einem IVF-Zyklus (In-vitro-Fertilisation) auf ein lebend geborenes Kind verbessert sich möglicherweise geringfügig, wenn der Embryo an Tag 5 bis 6 (Blastozystenstadium) statt an Tag 3 (Furchungsstadium) übertragen wird, und zwar bei Frauen mit einer "guten Prognose" (d. h. mit Eigenschaften, die eine Schwangerschaft erleichtern). Die Lebendgeburtenrate pro IVF-Zyklus bezieht sich dabei auf alle Transfers von Eizellen, die aus einem Stimulationszyklus stammen – unabhängig davon, ob sie frisch oder eingefroren waren.

  • Betrachtet man nur die Ergebnisse für frisch transferierte Embryonen, die einige Tage nach der Befruchtung in die Gebärmutter eingesetzt werden, so erhöht wahrscheinlich der Transfer von Embryonen im Blastozystenstadium im Vergleich zum Furchungsstadium die Chance auf ein Baby.

  • Der Transfer von Embryonen im Blastozystenstadium statt im Furchungsstadium erhöht wahrscheinlich das Risiko für eine Frühgeburt (32. bis 36. Schwangerschaftswoche) im Vergleich zu einer Geburt zum regulären Termin (etwa 40 Wochen).

  • Weitere Forschung ist erforderlich, um die langfristigen Wirkungen zu verstehen, insbesondere bei Menschen mit einer geringeren Chance auf eine erfolgreiche IVF.

Was ist assistierte Befruchtung?

Assistierte Empfängnis umfasst medizinische Behandlungen, die eine Schwangerschaft ermöglichen sollen, wenn sie auf natürlichem Weg nicht zustande gekommen ist. Bei der In-vitro-Fertilisation (IVF) werden einer Frau Eizellen entnommen und außerhalb des Körpers mit Spermien befruchtet. Einer oder mehrere der daraus entstandenen Embryonen werden anschließend in die Gebärmutter eingesetzt. Die Embryonen können einige Tage nach der Befruchtung (Furchungsstadium, Tag 2 bis 3) oder etwas später (Blastozystenstadium, Tag 5 bis 6) übertragen werden.

Beim Transfer im Blastozystenstadium ist der Zeitpunkt zwischen Embryo und Gebärmutter möglicherweise besser abgestimmt, was die Chancen auf eine Schwangerschaft erhöhen könnte. Bei manchen Menschen kann es jedoch passieren, dass Embryonen verloren gehen, die sich im Labor nicht bis zum fünften Tag weiterentwickeln, sich aber im Mutterleib möglicherweise hätten entwickeln können. Wir wissen noch nicht, ob eine der beiden Strategien insgesamt zu besseren Ergebnissen über den gesamten Behandlungsverlauf führt oder ob sie das Risiko von Schwangerschaftskomplikationen beeinflusst.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten wissen, welche Wirkungen der Transfer von Embryonen im Blastozystenstadium im Vergleich zum Transfer von Embryonen im Furchungsstadium hat:

  • auf die Chance einer Lebendgeburt, wenn alle Embryonen aus einem Zyklus verwendet werden, also sowohl frische als auch eingefrorene und später aufgetaute Embryonen. Dies wird auch als Chance „pro Zyklus“ oder „kumulativ“ bezeichnet;

  • die Chance auf eine Lebendgeburt nach einem einzelnen Transfer eines frischen Embryos;

  • das Risiko von Komplikationen während der Schwangerschaft oder bei der Geburt (z. B. Frühgeburt);

  • Schwangerschaftsraten;

  • das Risiko einer Fehlgeburt;

  • wie viele Embryonen zur späteren Verwendung eingefroren werden können; und

  • auf die Möglichkeit, dass kein Embryo übertragen werden kann.

Was genau haben wir gemacht?

Wir haben nach randomisierten kontrollierten Studien gesucht, die den Embryotransfer im Blastozysten- und im Furchungsstadium bei Frauen, die sich einer IVF unterziehen, vergleichen. Wir haben die Ergebnisse der Studien kombiniert und unser Vertrauen in sie bewertet. Unsere Einschätzungen der Vertrauenswürdigkeit der Evidenz werden im Folgenden in Klammern wiedergegeben.

Was fanden wir heraus?
  • Wir haben 36 Studien mit 8389 Frauen einbezogen. Die meisten Studien wurden in spezialisierten IVF-Kinderwunschkliniken durchgeführt und schlossen Frauen mit guten Voraussetzungen für eine Schwangerschaft ein, zum Beispiel jüngere Frauen, die mehrere Embryonen entwickelten.

Chance, ein Kind zu bekommen (Lebendgeburt)

  • Pro IVF-Zyklus mit frischen und tiefgefrorenen Embryonen (kumulative Lebendgeburtenrate) erhöht der Blastozystentransfer möglicherweise geringfügig die Chance auf ein Baby (niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz).

  • Nach einem einzigen Transfer eines frischen Embryos: Der Blastozystentransfer erhöht wahrscheinlich die Chance, ein Baby zu bekommen. Wenn nach einem Embryonentransfer im Furchungsstadium 32 von 100 Frauen ein Baby bekommen, wären es nach einem Embryonentransfer im Blastozystenstadium etwa 37 bis 43 von 100 Frauen (moderate Vertrauenswürdigkeit der Evidenz).

Frühgeburt

  • Der Blastozystentransfer erhöht wahrscheinlich die Wahrscheinlichkeit, dass ein Baby zwischen der 32. und 36. Woche (späte Frühgeburt) geboren wird (moderate Vertrauenswürdigkeit der Evidenz).

Chance, schwanger zu werden ("klinische Schwangerschaft")

  • Der Blastozystentransfer erhöht möglicherweise die Chance auf eine Schwangerschaft nach einem frischen Transfer (niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz).

Fehlgeburt

  • Möglicherweise gibt es nur einen geringen oder gar keinen Unterschied zwischen dem Blastozystentransfer und dem Transfer im Furchungsstadium in Bezug auf die Rate an Fehlgeburten (niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz).

Einfrieren von überzähligen Embryonen

  • Der Blastozystentransfer verringert möglicherweise die Wahrscheinlichkeit, dass Embryonen für eine spätere Verwendung eingefroren werden können (niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz).

Anteil der Fälle, in denen kein Embryo übertragen werden konnte

  • Der Blastozystentransfer führt möglicherweise dazu, dass es häufiger zu keinem Embryotransfer kommt, zum Beispiel weil sich im Labor kein Embryo bis zum 5. Tag weiterentwickelt (niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz).

Was schränkt die Aussagekraft der Evidenz ein?

Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz ist moderat bis niedrig. Viele Studien waren klein, und die Art der IVF-Behandlung war unterschiedlich. Die Teilnehmenden wussten, ob ihr Embryo im Spaltstadium oder im Blastozystenstadium übertragen wurde. Dieses Wissen könnte die Ergebnisse beeinflusst haben. In einigen Studien erhielten die meisten Frauen nur einen frischen Embryotransfer. Die Ergebnisse könnten daher anders aussehen, wenn man sie erst später bewertet, nachdem auch eingefrorene Embryonen verwendet wurden. In den meisten Studien nahmen Frauen teil, die gute Voraussetzungen für eine Schwangerschaft hatten. Die Ergebnisse gelten daher möglicherweise nicht für Frauen mit Merkmalen, die eine Schwangerschaft erschweren.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz beruht auf Studien, nach denen bis Oktober 2024 gesucht wurde.

Glujovsky D, Cornelisse S, Blake D, Quinteiro Retamar AM, Alvarez Sedo CR, Ciapponi A
Checked
12 hours 32 minutes ago
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