Cochrane Kompakt

Welchen Nutzen und welche Risiken haben Cannabis-basierte Medikamente für Erwachsene mit chronischen neuropathischen Schmerzen?

17 hours 36 minutes ago
Hauptergebnisse
  • Da es an belastbarer Evidenz fehlt, ist unklar, ob Cannabis-basierte Medikamente mehr nutzen oder schaden.

  • Um den möglichen Nutzen und mögliche Schäden Cannabis-basierter Medikamente verlässlich beurteilen zu können, braucht es größere, methodisch gut durchgeführte Studien. Diese sollten auch Menschen mit schweren körperlichen Begleiterkrankungen (z. B. Herz- oder Nierenerkrankungen) sowie mit psychischen Erkrankungen einschließen.

Einführung in das Thema des Reviews

Was sind neuropathische Schmerzen?

Bei neuropathischen Schmerzen handelt es sich um Nervenschmerzen, die auftreten, wenn Nerven im Gehirn, im Rückenmark oder in den peripheren Nerven geschädigt sind oder nicht richtig funktionieren. Sie unterscheiden sich von Schmerzbotschaften, die über intakte Nerven aus geschädigtem Gewebe weitergeleitet werden, beispielsweise nach einem Sturz, bei einer Schnittwunde oder bei Arthrose im Knie.

Wie werden neuropathische Schmerzen behandelt?

Neuropathische Schmerzen werden mit verschiedenen Arten von Medikamenten behandelt. Eine ausreichende Schmerzlinderung wird mit den verfügbaren Medikamenten nur bei wenigen Menschen mit neuropathischen Schmerzen erreicht.

Zur Behandlung neuropathischer Schmerzen wurden verschiedene Präparate vorgeschlagen, die auf Wirkstoffen der Cannabispflanze basieren. Zu diesen Präparaten zählen Dampf aus erhitztem pflanzlichem Cannabis sowie verschiedene Arzneimittel in Form von Mundsprays, Tabletten, Cremes und Pflastern, die den Wirkstoff über die Haut aufnehmen. Sie enthalten Cannabiswirkstoffe, die entweder aus der Pflanze gewonnen oder synthetisch hergestellt wurden.

Cannabis-basierte Medikamente werden folgendermaßen klassifiziert: Präparate mit überwiegend Tetrahydrocannabinol (THC), einem Inhaltsstoff der Cannabispflanze, der berauschend wirkt; Präparate mit überwiegend Cannabidiol (CBD), einem Inhaltsstoff der Cannabispflanze ohne die typische Rauschwirkung; sowie Kombinationspräparate mit vergleichbaren Anteilen von THC und CBD.

Manche Menschen mit neuropathischen Schmerzen berichten von positiven Erfahrungen mit Cannabis-basierten Präparaten. Solche Berichte werden in den Medien häufig aufgegriffen.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden:

  • welche Inhaltsstoffe der Cannabisblüte zu einer möglichen Linderung neuropathischer Schmerzen beitragen;

  • ob Arzneimittel auf Cannabisbasis unerwünschte oder schädliche Wirkungen haben.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen unterschiedliche Cannabis-basierte Medikamente mit einem Placebo (Scheinmedikament) verglichen wurden. Dazu zählten Präparate, die hauptsächlich THC enthalten, hauptsächlich CBD enthalten oder beide Wirkstoffe kombinieren.

Wir fassten die Ergebnisse der Studien zusammen, verglichen sie miteinander und beurteilten unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie der Studienmethoden und der Studiengröße. Wir haben drei Vergleiche analysiert:

  • THC-dominante Präparate im Vergleich zu Placebo;

  • Kombinationspräparate mit vergleichbaren Anteilen von THC und CBD im Vergleich zu Placebo;

  • CBD-dominante Präparate im Vergleich zu Placebo.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 21 Studien, an denen 2187 Menschen mit verschiedenen Arten von neuropathischen Schmerzen teilnahmen. Die Studien wurden in Asien, Europa und Nordamerika durchgeführt. Die kleinste Studie hatte 18 Teilnehmende, die größte 339. Das Durchschnittsalter der Teilnehmenden reichte von 34 bis 70 Jahren. Der Anteil der Frauen reichte von 0 % bis 90 %. Die Studien dauerten zwischen zwei und 26 Wochen. Pharmazeutische Unternehmen finanzierten 14 (d.h. zwei Drittel) der Studien.

Hauptergebnisse

THC-dominante Medikamente gegenüber Placebo

Es ist unklar, ob Medikamente, die hauptsächlich THC enthalten, einen Einfluss auf die Zahl der Menschen haben, die:

  • eine Schmerzlinderung von mindestens 30 % oder mindestens 50 % erfahren;

  • ihren Zustand als stark oder sehr stark verbessert einschätzen;

  • das Medikament aufgrund von unerwünschten Wirkungen absetzen;

  • schwerwiegende unerwünschte oder schädliche Wirkungen erfahren;

  • unerwünschte Wirkungen auf die Psyche (z. B. Verwirrtheit) erfahren.

THC-dominante Medikamente erhöhen möglicherweise die Anzahl unerwünschter Wirkungen auf das Nervensystem (z. B. Schwindel) im Vergleich zu Placebo leicht.

THC/CBD-Kombinationspräparate gegenüber Placebo

Es ist unklar, ob Medikamente mit einem ausgewogenen THC/CBD-Verhältnis einen Unterschied bei der Zahl der Betroffenen bewirken, die:

  • eine Schmerzlinderung von mindestens 50 % erfahren;

  • schwerwiegende unerwünschte oder schädliche Wirkungen erleiden;

  • unerwünschte Wirkungen auf das Nervensystem (z. B. Schwindel); und

  • unerwünschte Wirkungen auf die Psyche (z. B. Verwirrtheit) erleiden.

Sie erhöhen möglicherweise geringfügig die Zahl der Personen, die ihren Zustand als stark oder sehr stark verbessert einschätzen und eine Schmerzlinderung von mindestens 30 % erfahren: Möglicherweise brechen mehr Menschen die Behandlung aufgrund unerwünschter Wirkungen ab.

CBD-dominante Medikamente gegenüber Placebo

Es ist unklar, ob Medikamente, die hauptsächlich CBD enthalten, die Zahl der Menschen, die eine Schmerzlinderung von mindestens 50 % erfahren, beeinflussen.

Wir wissen nicht, ob CBD-dominante Medikamente die Zahl der Menschen beeinflussen, die:

  • ihren Zustand als stark oder sehr stark verbessert einschätzen;

  • das Medikament aufgrund von unerwünschten Wirkungen absetzen;

  • schwerwiegende unerwünschte oder schädliche Wirkungen erfahren;

  • eine Schmerzlinderung von mindestens 30 % erfahren;

  • unerwünschte Wirkungen auf das Nervensystem oder die Psyche erfahren.

Dies liegt daran, dass die Evidenz begrenzt ist und die Ergebnisse der einzelnen Studien voneinander abweichen.

Was schränkt die Aussagekraft der Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Evidenz ist gering bis sehr gering. Zukünftige Studien könnten daher zu anderen Ergebnissen kommen. Vier zentrale Faktoren haben unser Vertrauen in die Evidenz verringert. In einigen Studien fehlten ausreichende Angaben zur methodischen Durchführung. Die Ergebnisse der einzelnen Studien unterschieden sich. Außerdem waren die Ergebnisse oft zu ungenau, um klare Schlussfolgerungen zuzulassen. Menschen mit schweren inneren Erkrankungen (z. B. Herz- oder Lebererkrankungen) wurden von den Studien ausgeschlossen.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand vom 29. Januar 2025.

Ateş G, Welsch P, Klose P, Phillips T, Lambers B, Häuser W, Radbruch L

Welchen Nutzen und welche Risiken haben Eisenpräparate für Kinder, die in Malaria-Gebieten leben?

1 week 1 day ago
Kernaussagen
  • Eisenpräparate erhöhen bei Kindern das Malariarisiko nicht, wenn Maßnahmen zur Vorbeugung und Behandlung von Malaria verfügbar sind.

  • In Gebieten ohne Maßnahmen zur Vorbeugung und Behandlung von Malaria können Eisenpräparate das Malariarisiko leicht erhöhen. Das zusätzliche Risiko ist jedoch gering.

  • Um besser zu verstehen, welche Kinder am meisten von Eisen profitieren, ob Folsäure die Wirkung von Eisen beeinflusst und wie Eisen in Regionen mit eingeschränkten Malariadiensten sicher gegeben werden kann, sind weitere Studien nötig.

Was sind Anämie und Malaria?

Anämie ist ein Zustand, bei dem der Körper nicht über genügend gesunde rote Blutkörperchen verfügt, um Sauerstoff zu den Geweben zu transportieren. Sie wird häufig durch einen Eisenmangel in der Ernährung verursacht, der bei Kindern zu Symptomen wie Müdigkeit, Schwäche sowie Wachstums- und Entwicklungsstörungen führt.

Malaria ist eine schwere Krankheit, die durch Parasiten verursacht wird. Diese werden durch den Stich infizierter Moskitos auf den Menschen übertragen. Sie ist in vielen tropischen und subtropischen Regionen verbreitet. Zu den Symptomen gehören Fieber, Schüttelfrost und weitere grippeähnliche Beschwerden. Ohne rasche Behandlung kann die Erkrankung lebensbedrohlich werden.

In Regionen, in denen Malaria dauerhaft vorkommt und das ganze Jahr über relativ gleich häufig ist, gab es die Sorge, dass Eisenpräparate bei Kindern das Risiko erhöhen könnten, an Malaria zu erkranken. Das liegt daran, dass der Malariaparasit Eisen für sein Wachstum benötigt. Ein höherer Eisengehalt im Blut könnte dem Parasiten daher möglicherweise helfen. Eine Blutarmut kann das Immunsystem schwächen. Dadurch werden Kinder anfälliger für Infektionen – auch für Malaria.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten wissen, ob Eisenpräparate für Kinder, die in Malaria-Gebieten leben, sicher sind und helfen. Konkret wollten wir herausfinden, ob die Gabe von Eisenpräparaten an Kinder in Malariagebieten folgende Risiken beeinflusst:

  • klinische Malaria (definiert als Fieber und Malariaparasiten im Blut);

  • schwere Malaria (eine gefährlichere Form der Krankheit, die zu Koma, schwerer Blutarmut oder Organversagen führen kann);

  • Tod; und

  • Krankenhausaufenthalte oder Klinikbesuche.

Wie sind wir vorgegangen?

Wir haben nach Studien gesucht, die sich mit der Verabreichung von Eisenpräparaten (mit oder ohne Folsäure) an Kinder unter 18 Jahren befassten, die in Gebieten mit hoher Malariaübertragung leben. Dazu gehörten alle Studien aus der 2016 veröffentlichten Version dieses Reviews sowie neu identifizierte Studien. Wir schlossen Studien ein, die Eisenpräparate mit einem Placebo (Scheinmedikament) oder keiner Behandlung verglichen. Wir haben auch Studien einbezogen, in denen die Verabreichung von Eisen zusammen mit einer Malariabehandlung untersucht wurde.

Wir fanden 40 Studien mit 33.785 Kindern. Wir verglichen und fassten die Ergebnisse der Studien zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz auf der Grundlage der Studienmethoden und Größe der Studien.

Was fanden wir heraus?
  • Die Behandlung mit Eisen führt zu geringen bis keinen Unterschieden bei der klinischen Malaria, verringert das Risiko einer schweren Malaria leicht und führt möglicherweise zu geringen bis keinen Unterschieden bei Todesfällen oder Krankenhausaufenthalten und Klinikbesuchen.

  • Eisen in Verbindung mit Folsäure führt möglicherweise zu einem geringen bis gar keinem Unterschied bei schwerer Malaria, Tod und Krankenhausaufenthalten.

  • In Gebieten, in denen eine gute Malariaprophylaxe und -behandlung gewährleistet ist, zu der unter anderem Moskitonetze, das Ausbringen von Insektiziden zur Verringerung der Mückenpopulation und der Zugang zu Tests und Behandlungen gehören, kann Eisen möglicherweise dazu beitragen, das Risiko einer klinischen Malaria zu verringern. In Gebieten, in denen solche Ressourcen nicht zur Verfügung stehen, erhöht Eisen möglicherweise das Risiko einer klinischen Malaria.

  • Eisen in Kombination mit einer Malariaprophylaxe reduziert die klinische Malaria erheblich, verringert möglicherweise nicht das Sterberisiko und reduziert wahrscheinlich Krankenhausaufenthalte und Klinikbesuche.

Was schränkt die Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Evidenz war unterschiedlich. Wir sind sicher, dass die Einnahme von oralen Eisenpräparaten das Risiko einer klinischen oder schweren Malaria nicht erhöht. In den Fällen, in denen wir nur begrenztes Vertrauen hatten, enthielten die Studien keine detaillierten Informationen über ihre Durchführung. Daher ist es schwierig, die Zuverlässigkeit ihrer Ergebnisse zu beurteilen. In Gebieten, in denen es keine Malariaprophylaxe und -behandlung gibt, ist die Evidenz weniger sicher. Sie stützt sich nämlich hauptsächlich auf eine einzige große Studie. Schließlich sind nur begrenzt Informationen über die Wirkung der Kombination aus Eisen und Folsäure verfügbar.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand vom 20. Mai 2025.

Itzkovich M, Neuberger A, Harris I, Yahav D, Paul M, Gilboa M

Welche möglichen Vorteile und Risiken hat eine Manipulative Wirbelsäulentherapie bei Menschen mit lang anhaltenden Kreuzschmerzen?

1 week 2 days ago
Kernaussagen
  • Es ist sehr unsicher, ob die manipulative Wirbelsäulentherapie (MWT), bei der Therapeut*innen die Gelenke der Wirbelsäule bewegen, im Vergleich zu einer Schein-MWT die Schmerzen leicht reduziert und die körperliche Funktion mäßig verbessert.

  • Ebenso unsicher ist das Ergebnis, dass die MWT die Schmerzen im Vergleich zu keiner Behandlung mäßig reduziert. Möglicherweise verbessert die MWT die körperliche Funktion im Vergleich zu keiner Behandlung deutlich.

  • Weniger als die Hälfte der Studien berichtete über unerwünschte oder schädliche Wirkungen. Unerwünschte Wirkungen wie Muskelkater und eine vorübergehende Zunahme von Schmerzen im unteren Rückenbereich waren zwar häufig, aber es wurden keine schwerwiegenden unerwünschten Wirkungen im Zusammenhang mit der MWT beobachtet.

Was sind unspezifische chronische Kreuzschmerzen?

Schmerzen im unteren Rückenbereich sind weit verbreitet und gehen häufig mit erheblichen funktionellen Einschränkungen einher. Sie stellen eine große Belastung für die Gesellschaft dar. Häufige Folgen sind eine eingeschränkte Lebensqualität, Arbeitsausfälle sowie erhebliche medizinische Kosten. Chronische Kreuzschmerzen werden als Schmerzen definiert, die länger als 12 Wochen anhalten. Wir konzentrierten uns auf Personen mit überwiegend im unteren Rücken lokalisierten Schmerzen sowie auf Personen mit Schmerzen, die in das Gesäß und die Beine ausstrahlen.

Wie werden chronische Kreuzschmerzen behandelt?

Die Manipulative Wirbelsäulentherapie (MWT) ist eine häufig eingesetzte Behandlungsform bei chronischen Schmerzen im unteren Rückenbereich und wird weltweit von verschiedenen Gesundheitsfachpersonen, darunter Chiropraktiker*innen, Manualtherapeut*innen und Osteopath*innen, angewendet. Die MWT eine manuelle Behandlung der Wirbelsäule, die sowohl Manipulation als auch Mobilisierung umfasst, um Schmerzen zu lindern, die Funktion zu verbessern und die Rückkehr zu den gewohnten Aktivitäten zu erleichtern. Die manipulative Wirbelsäulentherapie (MWT) umfasst sowohl sanfte, wiederholte Bewegungen und Dehnungen (Mobilisation) als auch schnelle, kontrollierte Impulse mit geringer Amplitude (Manipulation). Ziel ist es, den Bewegungsumfang zu verbessern und Schmerzen zu lindern; bei Manipulationen kann es dabei zu einem hörbaren Geräusch („Knacken“) kommen.

Was haben wir herausgefunden?

Wir wollten herausfinden, ob die MWT bei Menschen mit chronischen Kreuzschmerzen Schmerzen und Funktion verbessert oder Schaden verursacht. Nicht eingeschlossen wurden Personen, deren Kreuzschmerzen auf eine eindeutig feststellbare Ursache zurückgingen, zum Beispiel auf eine Infektion, einen Tumor oder eine Fraktur.

Wie sind wir vorgegangen?

Wir suchten nach Studien, die MWT mit anderen Methoden verglichen:

  • "vorgetäuschte" MWT (Schein-MWT);

  • keine Behandlung;

  • eine andere "konservative" Behandlung, d. h. eine einfache, nicht-operative Behandlung, z. B. körperliches Training.

Wir haben die Ergebnisse der Studien verglichen und zusammengefasst und unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie Studienmethoden und Größe der Studien bewertet. Dies ist eine aktualisierte Version eines zuletzt 2011 veröffentlichten Reviews.

Was fanden wir heraus?

In dieser aktualisierten Übersichtsarbeit wurden 76 Studien mit 11.866 Personen (veröffentlicht zwischen 1978 und 2024) identifiziert, in denen die Wirkungen von MWT bei Menschen mit chronischen Kreuzschmerzen untersucht wurden. An den Studien nahmen Frauen und Männer teil, überwiegend im mittleren Alter. Die meisten Studien fanden in Ländern mit hohem Einkommen statt (53 Studien, z. B. USA und Vereinigtes Königreich), während 23 Studien in Ländern mit mittlerem Einkommen (z. B. Brasilien, Indien) durchgeführt wurden. Keine Studie wurde in Ländern mit niedrigem Einkommen durchgeführt.

Wichtigste Ergebnisse: Vorteile

Ein Unterschied von zehn Punkten auf einer Skala von null bis hundert gilt für Betroffene als bedeutsam. Das kann bedeuten, dass sich die Symptome spürbar verbessern.

Vergleich zwischen MWT und Schein-MWT

Schmerzen

Einen Monat nach Beginn der Behandlung gaben Personen mit MWT im Durchschnitt um 7 Punkte weniger Schmerzen auf einer Skala von 0 bis 100 an als Personen, die eine Scheinbehandlung erhielten.

Körperliche Funktion

Personen, die eine MWT erhielten, berichteten einen Monat nach Behandlungsbeginn im Durchschnitt eine um 8,8 Punkte bessere körperliche Funktion (auf einer Skala von 0 bis 100) als Personen mit einer Schein-MWT.

Vergleich zwischen MWT und keiner Behandlung

Schmerzen

Personen, die eine MWT erhielten, berichteten einen Monat nach Beginn der Behandlung im Durchschnitt 14 Punkte weniger Schmerzen auf einer Skala von 0 bis 100 als Personen, die keine Behandlung erhielten.

Körperliche Funktion

Personen, die eine MWT erhielten, berichteten einen Monat nach Beginn der Behandlung über eine im Durchschnitt um 12,9 Punkte bessere körperliche Funktion auf einer Skala von 0 bis 100 als Personen, die keine Behandlung erhielten.

Vergleich zwischen MWT und anderen konservativen Behandlungen

Schmerzen

Personen, die eine MWT erhielten, bewerteten ihre Schmerzen einen Monat nach Beginn der Behandlung auf einer Skala von 0 bis 100 im Durchschnitt um 4,7 Punkte geringer als Personen, die eine andere konservative Behandlung erhielten.

Körperliche Funktion

Personen, die eine MWT erhielten, bewerteten ihre körperliche Funktion einen Monat nach Beginn der Behandlung auf einer Skala von 0 bis 100 im Durchschnitt um 4,9 Punkte besser als Personen, die eine andere konservative Behandlung erhielten.

Potenzielle Schäden

Nur wenige Studien berichteten über unerwünschte oder schädliche Wirkungen der MWT. Dazu gehörten Muskelkater und eine vorübergehende Zunahme von Schmerzen im unteren Rückenbereich. Es wurden keine schwerwiegenden unerwünschten Wirkungen im Zusammenhang mit der MWT berichtet.

Was schränkt die Evidenz ein?

Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz ist sehr niedrig, da in den Studien eine Vielzahl von MWT-Techniken verwendet und in unterschiedlichem Umfang getestet wurde und weil die berichteten Ergebnisse stark variierten. Mehrere Studien umfassten nur wenige Teilnehmende, und einige Studien waren methodisch mangelhaft. Daher könnten die Wirkungen der MWT in den Studien überschätzt werden.

Wie aktuell ist dieser Review?

Der Review ist auf dem Stand vom 18. Oktober 2024.

de Zoete A, Innocenti T, Petrozzi MJ, van Middelkoop M, Assendelft WJJ, de Boer MR, van Tulder MW, Rubinstein SM

Wie wirksam und sicher ist Cladribin bei Multipler Sklerose?

1 week 2 days ago
Kernaussagen
  • Im Vergleich zu Placebo verringert Cladribin das Risiko eines Rückfalls nach knapp zwei Jahren wahrscheinlich. Ob Cladribin die Zahl neuer Läsionen (d. h. neuer Veränderungen im Gehirn, die in MRT-Scans sichtbar sind) nach knapp zwei Jahren verringert, ist hingegen sehr unsicher. Cladribin hat möglicherweise keinen oder nur einen sehr geringen Einfluss auf das Fortschreiten der Behinderung nach 120 Wochen. Dieses Ergebnis ist aber sehr unsicher. Im Vergleich zu Placebo verändert Cladribin möglicherweise das Risiko unerwünschter Wirkungen, aber nicht das Risiko schwerwiegender unerwünschter Wirkungen. Dieses Ergebnis ist ebenfalls sehr unsicher.

  • Es braucht besser gemachte Studien mit längerer Laufzeit, um verlässlich beurteilen zu können, welchen Nutzen und welche Risiken Cladribin hat. Künftige Studien sollten Cladribin direkt mit anderen Medikamenten vergleichen, die bei dieser Erkrankung eingesetzt werden. Dabei sollten sie vor allem untersuchen, was für Betroffene am wichtigsten ist, zum Beispiel die Lebensqualität und wie gut sie ihren Alltag bewältigen können. Künftige Studien sollten auch benachteiligte Bevölkerungsgruppen einbeziehen.

Was ist Multiple Sklerose?

Bei der Multiplen Sklerose (MS) handelt es sich um eine chronische, nicht heilbare entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems. Dabei treten an verschiedenen Stellen des Gehirns und/oder des Rückenmarks akute Entzündungsherde auf, die mit der Zeit wichtige Alltagsaktivitäten wie Gehen und die Selbstversorgung beeinträchtigen können. Menschen mit MS können verschiedene Beschwerden haben, zum Beispiel Sehstörungen, Taubheitsgefühle oder Kribbeln, Muskelschwäche, Probleme mit Blase oder Darm, Einschränkungen der geistigen Leistungsfähigkeit, Erschöpfung oder Schwindel. Diese Beschwerden können im Verlauf der Erkrankung stärker werden und dazu führen, dass Betroffene im Alltag zunehmend auf Hilfe angewiesen sind. Wenn nach einer beschwerdefreien Zeit die Symptome erneut auftreten, spricht man von einem "Rückfall". Die häufigste Form der MS ist die "schubförmig-remittierende MS", bei der die Symptome schubweise mit beschwerdefreien Intervallen zwischen den akuten Krankheitsphasen auftreten. Mit der Zeit treten Rückfälle häufiger auf, die Symptome nehmen zu, und die beschwerdefreien Phasen werden kürzer. Multiple Sklerose ist eine besonders belastende Erkrankung. Sie betrifft meist junge Erwachsene, vor allem Frauen, oft in einer sehr aktiven Lebensphase.

Wie wird Multiple Sklerose behandelt?

MS wird derzeit mit "krankheitsmodifizierenden" Medikamenten behandelt (z. B. Interferon beta, Glatirameracetat, Natalizumab, Fingolimod, Alemtuzumab, Teriflunomid und Dimethylfumarat). Diese Medikamente können das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen, aber nicht aufhalten.

Was wollten wir herausfinden?

Die genauen Ursachen von MS sind noch nicht vollständig bekannt. Man weiß jedoch, dass Entzündungen eine wichtige Rolle spielen. Daran sind vor allem bestimmte Immunzellen, sogenannte T- und B-Zellen, beteiligt. Cladribin senkt die Anzahl bestimmter Immunzellen im Blut und im Gehirn. Dadurch kann die Entzündung abnehmen und das Fortschreiten der Krankheit möglicherweise verlangsamt werden. Wir wollten herausfinden, ob Cladribin bei Menschen mit MS das Fortschreiten der Behinderung verlangsamen oder aufhalten kann, ohne dass dabei mehr unerwünschte Ereignisse auftreten.

Wie sind wir vorgegangen?

Wir suchten nach Studien, in denen Cladribin mit keiner Behandlung, mit Placebo (Scheinbehandlung) oder mit „krankheitsmodifizierenden“ Medikamenten bei Menschen mit jeder Form von MS verglichen wurde. Wir verglichen und fassten die Ergebnisse der Studien zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz auf der Grundlage von Faktoren wie Studienmethoden, Anzahl der Teilnehmenden und Genauigkeit der Ergebnisse.

Was fanden wir heraus?

Wir schlossen 15 Studien mit den folgenden Designs ein.

  • - neun randomisierte kontrollierte Studien (RCTs, Studien, in denen Teilnehmende per Zufall einer von mindestens zwei Behandlungsgruppen zugeteilt werden), mit insgesamt 2571 Teilnehmenden. Die Teilnehmenden wurden über einen Zeitraum von ein bis zwei Jahren beobachtet.

  • - vier offene Verlängerungsstudien (OLEs, Studien, in denen Teilnehmenden aus vorherigen RCTs der weitere Zugang zur Studienbehandlung ermöglicht wird). In diesen Studien wurden die Teilnehmenden über weitere zwei bis zehn Jahre beobachtet.

  • - zwei Beobachtungsstudien mit Daten aus dem Versorgungsalltag („Real-World-Daten“), in denen Cladribin bei 4111 Personen mit anderen „krankheitsmodifizierenden Medikamenten“ verglichen wurde. Die Beobachtungsdauer lag zwischen ein und drei Jahren.

Wichtige Endpunkte für die Patienten, wie Lebensqualität und Denk- oder Gedächtnisprobleme, wurden in keiner Studie berichtet.

Die Ergebnisse der RCTs deuten darauf hin, dass Cladribin wahrscheinlich das Risiko neuer Schübe im Vergleich zu Placebo verringert. Ob es auch die Zahl der neuen Läsionen verringern, die auf Magnetresonanztomographien (MRT) des Gehirns zu sehen sind, ist sehr unsicher. Allerdings hat Cladribin möglicherweise nur geringe oder gar keine Wirkungen auf die Verschlechterung der Behinderung. Aber auch dieses Ergebnis ist sehr unsicher. Zwischen Cladribin und Placebo gibt es möglicherweise kaum oder keinen Unterschied darin, wie viele Menschen schwerwiegende unerwünschte Wirkungen haben oder die Behandlung abbrechen. Cladribin könnte jedoch das Risiko für andere unerwünschte Wirkungen erhöhen. Die Vertrauenswürdigkeit dieser Ergebnisse ist allerdings sehr gering.

Die Ergebnisse von OLEs deuten darauf hin, dass Cladribin möglicherweise im Vergleich zu Placebo den Anteil der Patient*innen erhöhen kann, die nach vier Jahren keine Anzeichen einer Verschlechterung der Krankheit zeigen. Ob Cladribin auch Rückfälle und die Zahl neuer MRT-Läsionen verringern kann, ist sehr unsicher. Cladribin hat möglicherweise nur geringe oder gar keine Auswirkungen darauf, ob sich die Behinderung verschlechtert, ob unerwünschte Ereignisse auftreten oder ob Menschen die Behandlung abbrechen. Die Vertrauenswürdigkeit dieser Ergebnisse ist ebenfalls sehr niedrig.

Die Ergebnisse aus Beobachtungsstudien, in denen Cladribin mit anderen Medikamenten verglichen wurde, sind unterschiedlich. Cladribin verhindert möglicherweise Rückfälle besser als einige andere Medikamente (Dimethylfumarat, Teriflunomid und Fingolimod nach drei Jahren). Im Vergleich zu Fingolimod, Natalizumab und Interferon beta nach einem Jahr ist jedoch unklar, ob Cladribin Rückfälle besser, schlechter oder ähnlich gut reduziert.

Was schränkt die Evidenz ein?

Insgesamt ist unser Vertrauen in die Ergebnisse gering, da viele Studien von schlechter Qualität sind und kaum berücksichtigen, was für die Betroffenen wichtig ist. Die meisten Studien wurden vom Hersteller von Cladribin finanziert und durchgeführt. Daher besteht die Sorge, dass die Berichterstattung über die Studienergebnisse durch Interessen des Herstellers beeinflusst worden sein könnte.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von Februar 2025.

Celani MG, Orso M, Melis M, Ercolani MV, Cantisani TA

Welchen Nutzen und welche Nachteile hat eine Kniegelenkersatzoperation zur Behandlung von Kniearthrose im Vergleich zu nicht-operativen Behandlungen?

1 week 6 days ago
Kernaussagen
  • Menschen mit moderater bis schwerer Kniearthrose, die durch eine Operation ein künstliches Kniegelenk erhalten und anschließend ein nicht-operatives Behandlungsprogramm durchlaufen, verspüren möglicherweise eine klinisch relevante Schmerzlinderung und eine geringfügige, klinisch jedoch nicht relevante Verbesserung der körperlichen Funktionen im Vergleich zu einem Behandlungsprogramm ohne Operation. Zudem verringert sich möglicherweise die Notwendigkeit einer (weiteren bzw. erstmaligen) Operation des Knies im Vergleich zu einer nicht-operativen Behandlung. In Bezug auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität gibt es wahrscheinlich keinen Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.

  • Es ist sehr unsicher, ob eine Knie-Totalendoprothese mit anschließendem nicht-operativem Behandlungsprogramm das Risiko schwerwiegender unerwünschter Wirkungen oder von Therapieabbrüchen aufgrund unerwünschter Wirkungen im Vergleich zu einer alleinigen nicht-operativen Behandlung beeinflusst.

  • Es sind weitere Studien erforderlich, die eine Kniegelenkersatzoperation mit nicht-operativen Behandlungen bei Kniearthrose vergleichen. Diese Studien sollten sich mit den Vorteilen und Risiken der Behandlung und der Patientenzufriedenheit befassen.

Was ist eine Kniearthrose?

Die Kniearthrose gehört zu den häufigsten Gelenkerkrankungen. Häufig ist das Kniegelenk betroffen. Arthrose verursacht Schmerzen, Gelenksteifigkeit und Einschränkungen der Beweglichkeit, die leicht, mittelschwer oder schwer sein können. Millionen von Menschen weltweit sind von diesen Symptomen betroffen, die ihre Lebensqualität beeinträchtigen.

Wie wird eine Kniearthrose behandelt?

Die Behandlung von mittelschwerer bis schwerer Kniearthrose umfasst nicht-operative Behandlungen und Kniegelenkersatzoperationen. Die üblichen nicht-operativen Behandlungsmöglichkeiten sind Aufklärung zu Bewegung, gezieltes Training, Physiotherapie, Gewichtsabnahme, Medikamente und Spritzen ins Gelenk.

Wenn die Arthrose fortgeschritten ist, kann manchmal eine Kniegelenkersatzoperation erforderlich werden. Bei einer Kniegelenkersatzoperation werden die abgenutzten Gelenkflächen im Knie entfernt und durch künstliche Teile ersetzt. Diese bestehen meist aus Metall und Kunststoff und betreffen das Schienbein, den Oberschenkelknochen und manchmal auch die Kniescheibe. Um die reibungslose Bewegung des Gelenks zu unterstützen, wird außerdem ein Abstandshalter aus Kunststoff zwischen Schienbein und Oberschenkelknochen eingesetzt.

Für Kniearthrose gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten. Welche davon am besten geeignet ist, hängt von der einzelnen Person ab. Damit Menschen mit Kniearthrose die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten gut verstehen, brauchen sie klare und verlässliche Informationen über die möglichen Vorteile und Risiken – sowohl nicht-operativer Maßnahmen als auch von Knieersatzoperationen. So können sie eine Behandlung wählen, die am besten zu ihren persönlichen Werten, Zielen und ihrem Lebensstil passt.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, welche Behandlung (Kniegelenkersatzoperation, nicht-operative Behandlungen, Scheinbehandlung) bei Erwachsenen mit mittelschwerer bis schwerer Kniearthrose am besten wirkt.

Außerdem wollten wir herausfinden, ob Erwachsene, die sich einer Kniegelenkersatzoperation, einer nicht-operativen Behandlung oder einer Scheinbehandlung unterzogen hatten, unerwünschte Wirkungen hatten.

Wie sind wir vorgegangen?

Wir haben nach veröffentlichten Studien der letzten 15 Jahre gesucht, in denen eine Kniegelenkersatzoperation im Vergleich zu nicht-operativen Behandlungen oder Scheinbehandlungen bei Menschen mit mittelschwerer bis schwerer Kniearthrose untersucht wurde. Wir haben die Ergebnisse der Studien zusammengefasst und verglichen und unser Vertrauen in die Evidenz auf der Grundlage von Faktoren wie Studienmethoden und Größe der Studien bewertet.

Was fanden wir heraus?

Wir haben nur eine einzige Studie gefunden, an der 100 Erwachsene mit überwiegend moderater bis schwerer Kniearthrose teilnahmen. In der Studie wurde untersucht, ob eine Kniegelenkersatzoperation in Kombination mit einem anschließenden 12-wöchigen nicht-operativen Behandlungsprogramm bessere Ergebnisse erzielt als das 12-wöchige nicht-operative Behandlungsprogramm allein. In der Gruppe mit OP waren 32 von 50 Erwachsenen Frauen (64 %). Das Durchschnittsalter betrug 66 Jahre. In der Gruppe, die nicht operiert wurde, waren 30 von 50 Erwachsenen Frauen (60 %). Das Durchschnittsalter betrug ebenfalls 66 Jahre.

Hauptergebnisse

Kniegelenkersatzoperation mit anschließendem 12-wöchigen nicht-operativen Behandlungsprogramm im Vergleich zu alleiniger 12-wöchiger nicht-operativer Behandlung:

  • verringert die Schmerzen nach einem Jahr möglicherweise spürbar;

  • verbessert die körperliche Funktion nach einem Jahr möglicherweise nur geringfügig (im Alltag nicht spürbar);

  • verringert möglicherweise die Notwendigkeit einer OP am Knie (Revisions- oder Folgeoperation am Knie bzw. Erstoperation am Knie);

  • führt wahrscheinlich nach einem Jahr zu keinem Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen in Bezug auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität.

Es gab keine Evidenz für die Zufriedenheit der Patient*innen mit den Behandlungsergebnissen.

Es ist unklar, ob eine Kniegelenkersatzoperation mit anschließendem 12-wöchigem nicht-operativem Behandlungsprogramm das Risiko schwerwiegender unerwünschter Wirkungen nach einem Jahr oder von Abbrüchen wegen unerwünschter Wirkungen im Vergleich zu dem alleinigen nicht-operativen Programm verändert.

Was schränkt die Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Evidenz ist nur moderat bis sehr niedrig, da wir lediglich eine kleine Studie aus den Jahren 2011 bis 2013 gefunden haben. Es war unklar, nach welchen Kriterien die Ärzt*innen entschieden, wer für eine Kniegelenkersatzoperation infrage kommt. Eine kleine Anzahl der Studienteilnehmer*innen hatte leichte statt mittelschwere bis schwere Arthrose. Personen, die in der Woche zuvor starke Schmerzen hatten, wurden nicht in die Studie aufgenommen, was die Ergebnisse beeinflusst haben könnte. Außerdem wussten die Studienteilnehmenden, welche Behandlung sie erhielten, was die Ergebnisse beeinflusst haben könnte.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von Januar 2025.

Pacheco-Brousseau L, Abdelrazeq S, Kelly SE, Pardo Pardo J, Dervin G, Stacey D, Wells GA

Hilft körperliches Training bei Depressionen?

1 week 6 days ago
Kernaussagen
  • Im Vergleich zu keiner Therapie verringert körperliches Training möglicherweise die Symptome einer Depression in moderatem Ausmaß.

  • Die Evidenz deutet darauf hin, dass es nur einen geringen bis gar keinen Unterschied in der Verringerung der Depressionssymptome durch körperliches Training im Vergleich zu Psychotherapien oder Antidepressiva geben könnte. Diese Schlussfolgerung stützt sich allerdings auf wenige kleine Studien.

  • In den Studien wurden die Ergebnisse am Ende der Behandlung gemessen; die meisten Teilnehmenden wurden nicht längerfristig nachbeobachtet.

  • Unerwünschte Wirkungen des körperlichen Trainings traten nur selten auf und betrafen nur eine kleine Anzahl von Teilnehmenden.

Was ist eine Depression?

Eine Depression ist eine psychische Störung, die sich durch eine anhaltend gedrückte Stimmung, Interessenverlust, Freudlosigkeit (Anhedonie) sowie mangelnden Antrieb äußert. Depressionen sind weit verbreitet: Weltweit sind über 100 Millionen Menschen davon betroffen. Depressionen können erhebliche Auswirkungen auf die körperliche Gesundheit haben und die Lebensqualität der Betroffenen beeinträchtigen.

Wie wird eine Depression behandelt?

Forschungen haben gezeigt, dass sowohl Medikamente (Antidepressiva) als auch psychotherapeutische Behandlungen, bei denen die Gedanken, Gefühle oder Verhaltensweisen der Menschen beeinflusst werden sollen, bei Depressionen wirksam sein können. Viele Menschen möchten jedoch auch alternative Methoden ausprobieren. (Anmerkung: Die deutsche Nationale Versorgungsleitlinie Unipolare Depression (Version 3.2.2022) empfiehlt sportliche Aktivitäten als mögliche unterstützende Maßnahme bei Depressionen.)

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob körperliches Training die Symptome einer Depression verringert und die Lebensqualität von Menschen mit Depressionen verbessert. Wir wollten auch herausfinden, wie körperliches Training im Vergleich zu Medikamenten, Psychotherapie und alternativen Behandlungen abschneidet. Wir wollten außerdem herausfinden, ob körperliches Training mit unerwünschten Wirkungen einhergeht und ob der gesundheitliche Nutzen in einem guten Verhältnis zu den Kosten steht. Dieser Review ist eine Aktualisierung der Version aus dem Jahr 2013.

Wie sind wir vorgegangen?

Wir suchten nach randomisierten kontrollierten Studien (RCTs), d. h. Studien, in denen Personen nach dem Zufallsprinzip einer Behandlungsgruppe zugewiesen wurden und in denen die die Wirksamkeit von körperlichem Training zur Behandlung von Depressionen bei Erwachsenen (ab 18 Jahren) untersucht wurde. In den Studien wurde körperliches Training entweder mit einer anderen aktiven Behandlung (z. B. Medikamenten oder Psychotherapie) oder mit einer inaktiven Intervention verglichen, z. B. keine Behandlung, Warteliste oder einer Scheinbehandlung. Alle Studien schlossen Erwachsene mit einer Depressionsdiagnose ein, und die durchgeführte körperliche Aktivität musste unserer Definition von "körperlichem Training" entsprechen.

Wir haben die Studienergebnisse systematisch beschrieben, bewertet und zusammengefasst. Unser Vertrauen in die Evidenz haben wir auf der Grundlage von Faktoren wie der Größe der Studien und den verwendeten Methoden beurteilt. Wir haben in medizinischen Datenbanken nach Studien bis November 2023 gesucht.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 73 Studien, an denen 4985 Erwachsene mit Depressionen beteiligt waren. Das Risiko einer systematischen Verzerrung war bei einigen der Studien hoch, was unser Vertrauen in die Ergebnisse einschränkte.

Körperliches Training führt im Vergleich zu keiner Therapie möglicherweise zu einer Verringerung der depressiven Symptome. Allerdings ist die Evidenz zu langfristigen Wirkungen unsicher.

Wahrscheinlich gibt es bei den depressiven Symptomen nur geringe oder keine Unterschiede zwischen Menschen, die körperlich trainieren, und solchen, die eine Psychotherapie erhalten. Möglicherweise gibt es bei den depressiven Symptomen nur geringe oder keine Unterschiede zwischen Menschen, die körperlich trainieren, und solchen, die Medikamente (Antidepressiva) erhalten.

Es scheint keine Unterschiede zwischen den verschiedenen Interventionen hinsichtlich ihrer Akzeptanz als Behandlung zu geben, gemessen an der Zahl der Teilnehmenden, die die Studien abschlossen.

Der Nutzen von körperlichem Training in Bezug auf die Lebensqualität ist im Vergleich zu keiner Behandlung, Psychotherapie oder medikamentöser Therapie uneinheitlich und unsicher.

Unerwünschte Ereignisse durch das körperliche Training waren nicht häufig. Die wenigen Teilnehmenden, die unerwünschte Wirkungen angaben, berichteten überwiegend über Muskel- und Gelenkbeschwerden oder eine Verschlechterung der depressiven Symptome.

Was schränkt die Evidenz ein?

Viele der Studien umfassten eine relativ kleine Anzahl von Personen und zeigten in methodischer Hinsicht ein hohes Risiko für systematische Verzerrungen. Außerdem wurde in den meisten Studien die Wirkung von körperlichem Training nur über einen kurzen Zeitraum untersucht. Diese Faktoren schränken unser Vertrauen in die Ergebnisse dieses Reviews ein. Künftige Studien sollten die methodische Qualität verbessern, herausfinden, welche Arten von körperlichem Training für unterschiedliche Personengruppen wirksam sind, und sicherstellen, dass verschiedene Bevölkerungsgruppen eingeschlossen werden, um Aspekte der gesundheitlichen Chancengleichheit angemessen zu berücksichtigen.

Clegg AJ, Hill JE, Mullin DS, Harris C, Smith CJ, Lightbody CE, Dwan K, Cooney GM, Mead GE, Watkins CL

Sollten Säuglinge mit sehr niedrigem Geburtsgewicht bei niedrigeren oder höheren Hämoglobinwerten Bluttransfusionen erhalten?

4 weeks 2 days ago
Kernaussagen

- Nach zwei Jahren zeigen sich bei niedrigeren und höheren Hämoglobin-Grenzwerten für Bluttransfusionen ähnliche Raten von Tod oder Behinderung.

- Ein niedrigerer Hämoglobin-Schwellenwert beeinflusst die Sterblichkeit nicht.

- Bei niedrigeren Schwellenwerten werden möglicherweise weniger Transfusionen durchgeführt.

Was bedeutet ein niedriger Hämoglobinwert?

Sehr kleine Frühgeborene entwickeln häufig eine Anämie, das heißt einen niedrigen Hämoglobinspiegel oder eine geringe Anzahl roter Blutkörperchen. Gründe dafür sind unter anderem die wiederholten Blutentnahmen für Untersuchungen sowie die noch unreife Blutbildung im Knochenmark.

Warum ist das wichtig?

Durch eine Bluttransfusion erhöht sich die Anzahl der roten Blutkörperchen im Kreislauf. Diese Zellen enthalten Hämoglobin, das Sauerstoff durch den Körper transportiert. Bluttransfusionen sollen die Sauerstoffversorgung des Körpers verbessern.

Wie wird eine niedrige Anzahl roter Blutkörperchen behandelt?

Fast alle sehr kleinen Frühgeborenen erhalten aufgrund eines niedrigen Hämoglobinwerts oder einer niedrigen Anzahl roter Blutkörperchen eine Bluttransfusion. Obwohl Bluttransfusionen häufig eingesetzt werden, besteht Unsicherheit darüber, ab welchen Hämoglobin-Schwellenwerten eine Transfusion sinnvoll ist. Deshalb untersuchten mehrere Studien Nutzen und Risiken von Bluttransfusionen bei niedrigen und hohen Hämoglobin-Schwellenwerten.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten untersuchen, ob die Aufrechterhaltung eines höheren Hämoglobinspiegels durch Bluttransfusionen die Gesundheit und Entwicklung sehr kleiner Frühgeborener bis zum Alter von zwei Jahren verbessert und ob dadurch mehr Transfusionen notwendig werden.

Wie gingen wir vor?

Wir haben umfassend nach Studien gesucht, die untersuchten, ob Bluttransfusionen bei sehr kleinen Frühgeborenen bei niedrigeren im Vergleich zu höheren Hämoglobin-Grenzwerten unterschiedlich wirken.

Was fanden wir heraus?

Sechs gut konzipierte Studien mit 3.451 sehr kleinen Frühgeborenen zeigen, dass Säuglinge, die erst bei einem niedrigeren Hämoglobinwert eine Transfusion erhielten, genauso gut abschnitten. Das bedeutet, dass sich die Sterbe- oder Behinderungsrate nicht von der bei Säuglingen unterschied, die bei einem höheren Hämoglobin-Grenzwert transfundiert wurden. Auch bei der kombinierten Sterbe- und Behinderungsrate zeigte sich kein Unterschied. Gleichzeitig wurden bei Säuglingen mit einem niedrigen Hämoglobinwert weniger Bluttransfusionen durchgeführt.

Was schränkt die Aussagekraft der Evidenz ein?

In diesen großen Studien wurden nur sehr geringe oder gar keine Unterschiede bei den Endpunkten für sehr kleinen Frühgeborenen bis zum Alter von zwei Jahren festgestellt. In allen sechs Studien wurde der Hämoglobinwert als Schwellenwert für die Transfusion verwendet, nicht jedoch weitere Parameter.

Wir sind sicher, dass sich niedrige im Vergleich zu hohen Hämoglobin-Schwellenwerten für Bluttransfusionen bei sehr kleinen Frühgeborenen bis zum Alter von zwei Jahren kaum oder gar nicht auf Gesundheit und Entwicklung auswirken. Aufgrund fehlender Verblindung und uneinheitlicher Ergebnisse ist unser Vertrauen in die Evidenz zur Anzahl der Transfusionen pro Säugling gering.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Dieser Review ist eine Aktualisierung unserer vorherigen Version aus dem Jahr 2011. Die Evidenz ist auf dem Stand von Januar 2024.

Andersen C, Stark MJ, Crawford T, Whyte RK, Franz AR, Soll RF, Kirpalani H

Welche Wirkungen haben biologisches Geschlecht und kultureller Geschlechtsbegriff (Gender) auf den Erfolg einer Nierentransplantation?

4 weeks 2 days ago
Kernaussagen

- Bei folgenden Ergebnissen gibt es möglicherweise keinen oder nur einen geringen Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Empfänger*innen einer transplantierten Niere: Verlust der transplantierten Niere, Tod, akute oder chronische Abstoßung (bei denen das Immunsystem die transplantierte Niere angreift) sowie das Auftreten von Krebs. Dabei beziehen sich die Begriffe "männlich" und "weiblich" auf biologische Unterschiede. Bei einer Nierentransplantation handelt es sich um einen chirurgischer Eingriff, bei dem eine Niere von einer Person - Spender*in - auf eine andere Person - Empfänger*in - übertragen wird.

- Nur eine Studie untersuchte das Gender (definiert als soziokulturelle Identität der Personen). Es konnten keine Schlussfolgerungen zur Wirkung des Genders auf den Ausgang der Nierentransplantation gezogen werden.

Worum geht es?

Für Menschen mit Nierenversagen – einem Zustand, bei dem die Nieren ihre lebenswichtige Funktion nicht mehr ausreichend erfüllen – kann eine Nierentransplantation die Lebenserwartung deutlich verlängern und die Lebensqualität erheblich steigern. Es ist daher von entscheidender Bedeutung, alle Faktoren umfassend zu analysieren, die das Überleben der transplantierten Niere und des Empfängers bzw. der Empfängerin maßgeblich beeinflussen. Das biologische Geschlecht des Empfängers oder der Empfängerin, das durch biologische Unterschiede als „männlich“ oder „weiblich“ bestimmt wird, könnte die Ergebnisse durch immunologische Prozesse beeinflussen, die die Abstoßung des Transplantats regulieren. Das Gender, definiert als die soziokulturelle Identität einer Person, könnte Faktoren wie die Einnahmetreue der Medikamente beeinflussen, was sich auch auf relevante Endpunkte auswirken könnte. Es ist jedoch derzeit nicht klar, ob es tatsächlich eine Auswirkung gibt.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob das biologische Geschlecht oder das Gender einer Person einen Einfluss auf Endpunkte nach einer Transplantation hat, beispielsweise auf die Abstoßung der Niere, Verlust der transplantierten Niere, Entwicklung von Krebs oder Tod.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten in der medizinischen Fachliteratur vor allem nach Kohortenstudien (Studien, die Menschen über einen bestimmten Zeitraum hinweg beobachten), Fall-Kontroll-Studien (Studien, die zwei Gruppen von Menschen mit und ohne unsere spezifischen Endpunkte vergleichen) und Querschnittsstudien (Studien, bei denen Daten von vielen Menschen zu einem einzelnen Zeitpunkt erhoben werden). Unser Fokus lag dabei auf Studien, die untersuchten, wie Geschlecht und Gender das Transplantatüberleben, den Tod, die Krebsinzidenz und die Abstoßung nach Nieren- und gleichzeitiger Pankreas-Nierentransplantation beeinflussen. Wir haben keine Studien berücksichtigt, in denen Geschlecht und Gender nicht eindeutig definiert sind. Wir fassten die Ergebnisse der Studien zusammen, verglichen sie und bewerteten unser Vertrauen in die Informationen anhand von Faktoren wie Studienmethoden und Studiengröße.

Was fanden wir?

Wir fanden 53 Studien mit 2.940.273 Teilnehmenden, wobei die Anzahl von 59 bis 407.963 pro Studie reichte. Insgesamt waren 46 % der Teilnehmenden weiblich und 54 % männlich. Sechzehn Studien wurden in Nord- und Südamerika, zwölf in Europa, elf im westlichen Pazifikraum, vier im östlichen Mittelmeerraum, drei in Afrika, zwei in Südostasien und fünf in mehreren Regionen durchgeführt. Zwischen Männern und Frauen (bezogen auf das biologische Geschlecht) gibt es keinen oder nur einen minimalen Unterschied in Bezug auf die Ergebnisse Verlust der transplantierten Niere, Tod, Krebsdiagnose, oder Auftreten einer akuten oder chronischen Abstoßung. Wir haben nur eine Studie gefunden, die sich auf das Gender der Empfänger*innen konzentrierte, und können daher keine Schlussfolgerungen zu den Auswirkungen des Genders auf die Ergebnisse nach einer Nierentransplantation ziehen.

Was schränkt die Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Evidenz ist gering, da in den meisten Studien Geschlecht und Gender nicht getrennt definiert wurden und die Begriffe oft synonym verwendet wurden. Die Studien wurden über einen Zeitraum von mehr als drei Jahrzehnten durchgeführt (von 1990 bis 2023), wobei sich die Definitionen, insbesondere für die akute Abstoßung, im Laufe der Zeit verändert haben.

Wie aktuell ist dieser Review?

Wir haben Datenbanken bis zum 12. April 2023 durchsucht.

Jayanti S, Beruni NA, Chui JN, Deng D, Liang A, Chong AS, Craig JC, Foster B, Howell M, Kim S, Mannon RB, Sapir-Pichhadze R, Scholes-Robertson NJ, Strauss AT, Jaure A, West L, Cooper TE, Wong G

Hilft elektrische Muskelstimulation nach einem Schlaganfall, die Muskelkraft und die Ausführung alltäglicher Aktivitäten zu verbessern?

1 month ago
Kernaussagen
  • Elektrische Muskelstimulation verbessert die Muskelkraft bei Menschen mit Muskelschwäche nach einem Schlaganfall.

  • Wenn Betroffene bereits wieder in der Lage sind, eine Alltagsaktivität auszuführen, ist der zusätzliche Nutzen einer elektrischen Stimulation während dieser Aktivitäten gering.

  • Es gibt zu wenig verlässliche Studien, um zu sagen, ob elektrische Muskelstimulation bei Schwäche besser oder schlechter wirkt als andere Kräftigungstherapien.

Was ist elektrische Muskelstimulation?

Bei der elektrischen Muskelstimulation werden Elektroden auf die Haut geklebt. Sie sind mit einem kleinen Gerät verbunden, das schwache elektrische Impulse an den Muskel sendet und so eine Muskelkontraktion auslöst.

Wie wird die elektrische Muskelstimulation nach einem Schlaganfall eingesetzt?

Die elektrische Muskelstimulationn kann nach einem Schlaganfall auf zwei Arten eingesetzt werden. Die zyklische elektrische Muskelstimulation (CES) kann bei Schwäche eingesetzt werden, um die Muskelkraft zu verbessern. Die funktionelle elektrische Muskelstimulation (FES) stimuliert während der Ausführung einer Alltagsbewegung einen oder mehrere Muskeln, um die Ausführung dieser Tätigkeit zu verbessern.

Was wollten wir herausfinden?

Wir untersuchten, ob die zyklische elektrische Stimulation (CES) wirksamer ist als keine Behandlung oder eine andere Kräftigungstherapie, um die Muskelkraft zu steigern, und ob die funktionelle elektrische Stimulation (FES) wirksamer ist als keine Behandlung oder das Ausführen derselben Tätigkeit ohne Stimulation, um die Leistungsfähigkeit bei dieser Tätigkeit zu verbessern. Wir untersuchten außerdem, wie sich elektrische Muskelstimulation auf die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und die Lebensqualität auswirkt und ob sie mit unerwünschten Wirkungen verbunden ist.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, die die Wirkungen von CES oder FES bei Erwachsenen nach einem Schlaganfall untersuchten. Anschließend verglichen und fassten wir die Ergebnisse der Studien zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie Studienmethoden und Größe der Studien.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 89 Studien mit insgesamt 2.905 Erwachsenen, die einen Schlaganfall erlitten hatten. Vierunddreißig Studien mit 1.176 Teilnehmenden befassten sich mit CES, 55 Studien mit 1.729 Teilnehmenden mit FES.

  • In 23 Studien verbesserte CES die Muskelkraft im Vergleich zu keiner Behandlung in moderatem Ausmaß. Zwanzig dieser Studien zeigten auch eine Verbesserung der Leistung bei alltäglichen Aktivitäten, wie Greifen oder Gehen.

  • Nur eine Studie verglich CES mit einer anderen Kräftigungstherapie. Die Ergebnisse waren unklar.

  • Wahrscheinlich verbessert FES unmittelbar nach der Intervention die untersuchte Aktivität in moderatem Ausmaß (12 Studien).

  • In 35 Studien zeigte die FES nur eine geringe zusätzliche Verbesserung im Vergleich zur Ausübung der gleichen Tätigkeit ohne Stimulation.

  • In vielen Studien wurde nicht berichtet, ob unerwünschte Wirkungen der elektrischen Muskelstimulation auftraten. Die Studien, die darüber berichteten, meldeten nur wenige unerwünschte Wirkungen, keine davon war schwerwiegend.

  • Nur sehr wenige Studien untersuchten, ob die elektrische Stimulation die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben oder die Lebensqualität verbessert. Daher können wir nicht sagen, ob sie Auswirkungen auf diese Endpunkte hat.

Was schränkt die Evidenz ein?

Wir sind moderat bis sicher überzeugt, dass CES im Vergleich zu keiner Behandlung wirksam ist und dass auch FES im Vergleich zu keiner Behandlung wirksam ist. Wird jedoch dieselbe Tätigkeit ohne Stimulation geübt, bringt FES nur einen sehr geringen zusätzlichen Nutzen. In den Fällen mit nur moderater Vertrauenswürdigkeit der Evidenz lag dies an der geringen Zahl der Studienteilnehmenden.

Wir sind nur moderat sicher, dass CES und FES nicht mit unerwünschten Wirkungen verbunden sind, da nur wenige Studien hierzu Angaben machten.

Aufgrund der geringen Anzahl an Studien für diesen Vergleich ist unser Vertrauen in die Evidenz zu CES im Vergleich zu einer anderen Form der Kräftigungstherapie sehr gering. Auch für die Wirkungen der elektrischen Muskelstimulation auf die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und die Lebensqualität ist die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz sehr gering, da diese Endpunkte nur selten untersucht wurden.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von Dezember 2024.

Scrivener K, Ada L, Glinsky JV, Dorsch S, Jamieson S, Brighton-Hall SM, McCredie L, Hanekom A, Lannin NA

Können Programme mit mehreren Bausteinen Kindern mit starkem Übergewicht dabei helfen, sich besser zu fühlen und gesünder zu leben?

1 month ago
Kernaussagen
  • Programme, die mehrere Bausteine kombinieren – zum Beispiel Ernährung, Bewegung und andere Alltagsgewohnheiten –, helfen möglicherweise fettleibigen Kindern, sich mehr zu bewegen, wenn sie in Gesundheitseinrichtungen angeboten werden. Werden solche Programme in der Gemeinschaft (etwa in Schulen oder Vereinen) durchgeführt, verbessern sie möglicherweise geringfügig die Lebensqualität der Kinder nach zwei Jahren. Insgesamt zeigten sich jedoch nur geringe oder gar keine Effekte auf andere wichtige Bereiche, zum Beispiel auf das körperliche und seelische Wohlbefinden oder auf den BMI-z-Score (ein Maß dafür, wie stark das Gewicht eines Kindes vom alters- und geschlechtstypischen Durchschnitt abweicht).

  • Nutzen und mögliche Nachteile dieser verhaltensverändernden Maßnahmen für Kinder und ihre Eltern sind nach wie vor unklar. Die meisten Studien stammen aus Ländern mit hohem Einkommen.

  • Weitere Studien in unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen und Settings sind notwendig, um besser zu verstehen, was bei welchen Kindern wirkt – und was nicht.

Was ist das zugrunde liegende Problem?

Fettleibigkeit bei Kindern stellt weltweit ein bedeutendes Gesundheitsproblem dar, das viele Ursachen hat, darunter Ernährungsgewohnheiten, körperliche Aktivität und Verhaltensweisen. Fettleibigkeit wird meist so definiert: Der Body-Mass-Index (BMI – ein Wert aus Größe und Gewicht) liegt deutlich höher als bei anderen Kindern oder Jugendlichen gleichen Alters und Geschlechts. Behandlungsansätze, die zu einem gesünderen Lebensstil anregen, werden häufig zur Behandlung von Fettleibigkeit bei Kindern eingesetzt, doch ihre Wirkungen über längere Zeiträume sind noch unklar.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten untersuchen, ob Programme, die mehrere Maßnahmen kombinieren, zum Beispiel zu Ernährung, Bewegung und Verhalten, Kindern unter 10 Jahren mit Adipositas und ihren Eltern helfen. Wir haben uns darauf konzentriert, wie sich diese Interventionen langfristig (nach 12 bis 24 Monaten) auf das körperliche und geistige Wohlbefinden, die körperliche Aktivität, die Lebensqualität und gewichtsbezogene Messgrößen auswirken. Wir haben auch mögliche unerwünschte Wirkungen untersucht.

Wie gingen wir vor?

Wir haben nach Studien gesucht, in denen Behandlungen zur Änderung des Gesundheitsverhaltens getestet wurden, die zwei oder mehr Bereiche kombinieren: Ernährung, körperliche Aktivität oder Verhaltensänderung. Wir schlossen nur Studien ein, in denen diese Maßnahmen mit keiner Behandlung, der üblichen Versorgung oder einer Wartelistengruppe verglichen wurden und die eine Nachbeobachtung von mindestens einem Jahr nach Beginn des Programms aufwiesen. Wir fassten die Studienergebnisse zusammen, verglichen sie und bewerteten, wie verlässlich die Evidenz ist, unter anderem anhand der verwendeten Methoden und der Größe der Studien.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 34 Studien mit 6.849 Kindern in Ländern mit hohem Einkommen (Nordamerika, Europa, Neuseeland, Australien, Israel). Wir haben die Studien in zwei Gruppen unterteilt: (1) Studien, bei denen die Behandlungen in Gesundheitseinrichtungen wie Erstversorgungszentren oder Krankenhäusern durchgeführt wurden; (2) Studien, bei denen die Behandlungen in Schulen, Gemeindezentren, Sportzentren oder anderen öffentlichen Einrichtungen durchgeführt wurden.

Hauptergebnisse

Verglichen mit der üblichen Versorgung bewirken in Gesundheitseinrichtungen durchgeführte, aus mehreren Komponenten bestehende Ansätze zur Verhaltensänderung:

  • wahrscheinlich wenig bis gar keinen Unterschied des körperlichen Wohlbefindens der Kinder (gemessen nach 12 Monaten) im Vergleich zur Kontrollgruppe;

  • möglicherweise eine Verbesserung gegenüber dem Ausgangswert (seit Beginn der Studie) des körperliche Wohlbefinden der Kinder nach 12 Monaten; das ist aber sehr unsicher;

  • wahrscheinlich wenig bis gar keinen Einfluss auf das psychische Wohlbefinden oder die gesundheitsbezogene Lebensqualität der Kinder;

  • möglicherweise eine Verbesserung der objektiv gemessenen körperliche Aktivität, aber nur einen geringen oder gar keinen Unterschied bei der subjektiv gemessenen körperlichen Aktivität;

  • möglicherweise keinen oder nur einen minimalen Effekt auf den BMI-z-Score.

Es ist unklar, ob diese Maßnahmen mit negativen Auswirkungen oder unerwünschten Ereignissen verbunden waren. Keine der Studien machte Angaben zu Behinderungen, die mit Fettleibigkeit zusammenhängen.

Verglichen mit der üblichen Versorgung bewirken in Schulen, Gemeindezentren, Sportzentren oder anderen öffentlichen Einrichtungen durchgeführte, aus mehreren Komponenten bestehende Ansätze zur Verhaltensänderung:

  • möglicherweise wenig bis gar keinen Unterschied beim körperlichen Wohlbefinden, der objektiv gemessenen körperlichen Aktivität und der Lebensqualität nach 12 Monaten;

  • wahrscheinlich wenig bis gar keinen Unterschied beim psychische Wohlbefinden und der objektiv gemessenen körperlichen Aktivität nach 24 Monaten;

  • möglicherweise eine leichte Verbesserung der Lebensqualität;

  • wahrscheinlich wenig bis gar keinen Unterschied zum BMI-z-Score.

Keine der Studien machte Angaben zu Behinderungen, die mit Fettleibigkeit zusammenhängen, oder das Auftreten von negativen oder unerwünschten Ereignissen.

Was schränkt die Evidenz ein?

Wir haben nur wenig Vertrauen in die Ergebnisse, weil die Studien die Teilnehmenden nicht lange genug begleitet haben und die Studien methodische Schwächen aufwiesen. Die meisten wurden in Ländern mit hohem Einkommen durchgeführt, so dass wir nicht sicher sein können, wie gut diese Maßnahmen in anderen Ländern und bei anderen Bevölkerungsgruppen funktionieren. Auch wenn die Effekte insgesamt gering ausfielen (oder nicht nachweisbar waren), könnten sie für bestimmte Untergruppen von Kindern mit hohem Risiko relevant sein.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von Februar 2024.

Franco JVA, Guo Y, Bongaerts B, Metzendorf MI, Hindemit J, Aqra Z, Alhalahla M, Tapinova K, Villegas Arbelaez E, Alade OT, Medina Rodriguez M, Rees K, Al-Khudairy L, Torbahn G, Ells LJ

Vergleich verschiedener Antibiotika, die Frauen bei einem Kaiserschnitt routinemäßig erhalten, um Infektionen vorzubeugen

1 month ago
Worum geht es?

Wir wollten herausfinden, ob die routinemäßige Verabreichung bestimmter Antibiotika bei Kaiserschnitten im Vergleich zu anderen Antibiotika die Zahl der Infektionen bei Müttern und Neugeborenen verringert. Wir haben außerdem untersucht, ob es Unterschiede bei unerwünschten Wirkungen gibt. Wir konzentrierten uns insbesondere auf Antibiotikaklassen, die gegen die nach der Entbindung am häufigsten auftretenden Infektionen wirksam sind, und verglichen daher vor allem Cephalosporine mit Penicillinen. Zur Beantwortung dieser Fragestellung haben wir alle relevanten Studien (randomisierte kontrollierte Studien) gesucht und analysiert (Stand der letzten Suche: 2. Dezember 2019).

Warum ist dies wichtig ?

Frauen, die per Kaiserschnitt entbinden, haben im Vergleich zu Frauen mit vaginaler Geburt ein erhöhtes Infektionsrisiko. Infektionsquellen können der Urin, die Operationswunde oder die Gebärmutterschleimhaut sein. Infektionen können schwerwiegend sein und beispielsweise einen Abszess im Becken oder eine Blutvergiftung verursachen. In sehr seltenen Fällen können diese Infektionen tödlich verlaufen, insbesondere in Regionen mit begrenzten Ressourcen. Zur Vermeidung von Infektionen sind eine sorgfältige Hautdesinfektion und die prophylaktische Gabe von Antibiotika vor Beginn des Kaiserschnitts ebenso wichtig wie eine gute chirurgische Technik. Antibiotika können jedoch bei der Mutter unerwünschte Wirkungen wie Übelkeit, Erbrechen, Hautausschlag und in seltenen Fällen allergische Reaktionen verursachen. Sowohl die Mutter als auch das Neugeborene können an einer Pilzinfektion (Candida) erkranken. Antibiotika, die Frauen kurz vor oder während der Geburt verabreicht werden, können zudem die Darmflora des Neugeboren verändern und das sich entwickelnde Immunsystem des Neugeborenen beeinträchtigen.

Welche Evidenz fanden wir?

Wir identifizierten 39 relevante Studien. Davon lieferten 33 Studien Daten zu insgesamt 8073 Frauen und ihren Babys. Die Qualität der einzelnen Studien war im Allgemeinen unklar, was zu einer insgesamt geringen oder sehr geringen Vertrauenswürdigkeit der Evidenz führte. Drei der 33 Studien wurden mit finanzieller Unterstützung von Arzneimittelherstellern durchgeführt. In den meisten Studien wurden Antibiotika erst bei oder nach dem Abklemmen der Nabelschnur verabreicht, obwohl heute in der Praxis häufig bereits vor dem Hautschnitt Antibiotika verabreicht werden.

Acht Studien mit insgesamt 1540 Frauen verglichen antistaphylokokkenwirksame Cephalosporine der ersten und zweiten Generation mit Breitbandpenicillinen, die mit einem Betalaktamase-Hemmer kombiniert waren. Wir stellten fest, dass sich diese Antibiotika hinsichtlich der Reduktion von Endometritis und mütterlichem Fieber möglicherweise nicht wesentlich unterscheiden. Es war unklar, welches Antibiotikum bei Wundinfektionen, Harnwegsinfektionen und mütterlichen unerwünschten Wirkungen wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Hautausschlag bessere Ergebnisse erzielte. Wir fanden keine Evidenz zu längerfristigen Ergebnissen bei Müttern nach deren Entlassung aus dem Krankenhaus und keine Evidenz zu den Ergebnissen bei den Neugeborenen. Nur eine kleine Studie mit 75 Frauen berichtete über Blutvergiftungen (Sepsis) bei Müttern, jedoch traten zu wenige Fälle auf, um klare Unterschiede zwischen den Antibiotika feststellen zu können.

Wir fanden keine Studien, die Evidenz zum Vergleich von antistaphylokokkenwirksamen Cephalosporinen mit Lincosamiden bzw. mit Lincosamiden plus Aminoglykosiden lieferten. Die übrigen Studien verglichen eine Vielzahl unterschiedlicher Antibiotika, lieferten jedoch nicht genügend Daten, um eindeutige Schlussfolgerungen zu einzelnen Vergleichen zu ziehen.

Was bedeutet das?

Antistaphylokokkenwirksame Cephalosporine und Penicilline mit Betalaktamasehemmern zeigen bei Kaiserschnitten möglicherweise eine vergleichbare Wirksamkeit zur Verhinderung mütterlicher Infektionen. Für zahlreiche klinisch relevante Endpunkte ist die Evidenz jedoch unklar. Insbesondere fanden wir keine Evidenz zu den Auswirkungen dieser Antibiotika auf Neugeborene sowie keine Evidenz zu Langzeitwirkungen bei Frauen und deren Kindern. Dies ist insbesondere bei Studien relevant, in denen Antibiotika vor dem chirurgischen Schnitt verabreicht werden, da die Antibiotika das Baby erreichen können. Für die anderen Vergleiche, die in diesem Review einbezogen wurden, lagen nur wenige Daten vor. Viele Studien waren älteren Datums und berichteten nur unzureichend über den Studienaufbau sowie über zentrale Endpunkte; zudem waren die Stichproben oft klein und es traten nur wenige Ereignisse auf. Darüber hinaus ist Forschung zu Antibiotika erforderlich, die gegen Erreger wirksam sind, welche Resistenzen gegenüber bestimmten Antibiotika aufweisen.

Williams MJ, Carvalho Ribeiro do Valle C, Gyte GML

Welche Vorteile und Risiken hat es, gutartige Muskelknoten (Myome) in der Gebärmutter direkt während eines Kaiserschnitts mitzuentfernen?

1 month ago
Kernaussagen
  • Die vorhandenen Studien liefern nur sehr unsichere Hinweise dazu, wie sich eine Myomentfernung während eines Kaiserschnitts auswirkt. Deshalb lässt sich derzeit nicht zuverlässig sagen, ob dieser Eingriff das Risiko für Bluttransfusionen oder starke Blutungen erhöht, ob er die Dauer der Operation oder des Krankenhausaufenthalts verlängert, ob häufiger größere Folgeoperationen nötig sind oder ob es öfter zu Fieber in den Tagen nach der Geburt kommt.

  • Es ist unklar, ob eine Myomentfernung während eines Kaiserschnitts den Hämoglobinwert oder die Möglichkeit, später erneut schwanger zu werden, beeinflusst.

Was ist eine postpartale Blutung?

Postpartale Blutungen sind definiert als starke Blutungen und ein Blutverlust von 500 ml oder mehr innerhalb von 24 Stunden nach der Geburt. Sie ist weltweit die Hauptursache für Todesfälle und Erkrankungen von Müttern. Weltweit stirbt etwa alle sieben Minuten eine Frau daran.

Was wollten wir herausfinden?

Uterusmyome (gutartige Wucherungen, die sich in oder um die Gebärmutter herum entwickeln) werden bei immer mehr Frauen entdeckt. In der Vergangenheit haben Ärzt*innen die Entfernung von Myomen (Myomektomie genannt) während einer Kaiserschnittgeburt wegen des Risikos übermäßiger oder starker Blutungen vermieden. Es wird angenommen, dass die Entfernung von Myomen während der Geburt mit längeren Operationszeiten und einem längeren Krankenhausaufenthalt verbunden ist. Die Entfernung von Myomen hat jedoch potenzielle Vorteile für die Erhaltung der zukünftigen Fruchtbarkeit der Frau. Für Frauen, die sich einem Kaiserschnitt unterziehen, kann dies eine einmalige Gelegenheit sein, diesen Eingriff vorzunehmen. Wir wollten herausfinden, welche Vor- und Nachteile es hat, wenn bei einem Kaiserschnitt zusätzlich Myome entfernt werden – im Vergleich dazu, die Myome nicht zu entfernen – bei schwangeren Frauen, die Uterusmyome haben und per Kaiserschnitt entbinden müssen.

Wie sind wir vorgegangen?

Wir haben nach Studien gesucht, die zwei Vorgehensweisen bei schwangeren Frauen mit Gebärmuttermyomen vergleichen, die per Kaiserschnitt entbinden: Kaiserschnitt mit Myomentfernung (Kaiserschnitt-Myomektomie) versus Kaiserschnitt ohne Myomentfernung (Kaiserschnitt allein). Wir verglichen und fassten die Ergebnisse der Studien zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz, basierend auf Faktoren wie Größe und Methoden der Studie.

Was fanden wir?

Wir fanden 23 Studien mit 7504 Frauen. Die größte Studie umfasste 2565 Frauen und die kleinste 50 Frauen. Die Studien wurden in Ländern mit hohem oder mittlerem Einkommen auf der ganzen Welt durchgeführt (d. h. sie verfügten über gute oder sehr gute medizinische Einrichtungen); die meisten wurden in der Türkei durchgeführt. Fünf Studien umfassten nur Frauen, die mit einem Kind schwanger waren, und eine Studie umfasste nur Frauen, die mit Zwillingen schwanger waren. In den meisten Studien wurde nicht angegeben, ob der Kaiserschnitt von den Frauen selbst gewählt wurde oder ob es sich um eine Notoperation handelte. Nur vier Studien gaben an, wie sie finanziert wurden.

Was schränkt die Evidenz ein?

Wir wissen derzeit nicht zuverlässig, ob und wie sich die Entfernung von Myomen während eines Kaiserschnitts darauf auswirkt, ob Frauen Bluttransfusionen benötigen, stärker bluten, länger im Krankenhaus bleiben, länger operiert werden müssen, einen größeren Eingriff benötigen oder in den Tagen nach der Geburt Fieber bekommen. Mehrere Faktoren haben unser Vertrauen in die Evidenz beeinträchtigt. Erstens könnten die Unterschiede zwischen den Gruppen auf Unterschiede zwischen den Frauen und nicht auf Unterschiede zwischen den Behandlungen zurückzuführen sein. Zweitens umfassten viele der Studien nur eine geringe Anzahl von Frauen. Drittens variierten einige Ergebnisse zwischen den Studien. Zu Hämoglobinwerten (ein Protein in den roten Blutkörperchen, das den Sauerstofftransport im Körper ermöglicht) und zur zukünftigen Fruchtbarkeit lagen keine Ergebnisse vor.

Insgesamt lassen die verfügbaren Daten keine verlässlichen Schlussfolgerungen zu Nutzen und Schaden der Kaiserschnitt-Myomektomie zu, da die eingeschlossenen Studien entweder keine verwertbaren Daten lieferten oder deren Vertrauenswürdigkeit sehr gering ist. Es sind weitere gut konzipierte Studien erforderlich, um den Einsatz der Myomektomie im Rahmen eines Kaiserschnitts zu untersuchen, insbesondere in Ländern mit niedrigen Ressourcen.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von 2. Februar 2024.

Dey T, Cole MG, Brown D, Hill RA, Chaplin M, Huffstetler HE, Curtis F

Digitales Tracking, Entscheidungsunterstützung für Leistungserbringende und gezielte mobile Kommunikation mit Klient*innen zur Verbesserung der Primärversorgung

1 month ago
Kernaussagen

Der Einsatz digitaler Hilfsmittel zur Unterstützung von Gesundheitsfachkräften bei der Nachverfolgung von Patientendaten und der Entscheidungsfindung zeigt uneinheitliche Ergebnisse. Diese Ansätze haben möglicherweise in bestimmten Situationen Vorteile, während sie in anderen nur geringe oder keine Effekte zeigen. Oft kennen wir die tatsächlichen Auswirkungen nicht, weil es entweder nicht genügend Studien gibt oder die vorhandenen Studien keine eindeutigen Ergebnisse liefern.

Was wollten wir herausfinden?

In diesem Review wurde untersucht, ob digitale Hilfsmittel Gesundheitsfachkräfte dabei unterstützen können, Patienteninformationen effektiver zu erfassen und eine bessere Versorgung zu gewährleisten als herkömmliche Methoden wie Papierakten oder der Verzicht auf unterstützende Hilfsmittel. Der Fokus lag auf Einrichtungen der primären Gesundheitsversorgung, darunter Kliniken und gemeindebasierte Gesundheitsprogramme.

Was ist digitales Tracking?

Digitales Tracking unterstützt Gesundheitsfachkräfte dabei, Patienteninformationen über einen längeren Zeitraum hinweg zu erfassen und zu speichern. Dies kann dazu beitragen, dass sie eine bessere Versorgung erbringen, und Regierungen dabei unterstützen, bedarfsgerechtere Gesundheitsdienste zu entwickeln.

In wohlhabenderen Ländern werden Patientendaten häufig in elektronischen Gesundheitsakten gespeichert. In vielen Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen verwenden Gesundheitsfachkräfte jedoch weiterhin Papierakten oder haben nur eingeschränkten Zugang zu digitalen Hilfsmitteln. Mobile Geräte wie Tablets und Smartphones können Gesundheitsfachkräften in diesen Settings die Nutzung digitaler Systeme erleichtern, um Patientendaten genauer und sicherer zu erfassen.

Welche weiteren Hilfsmittel gibt es?

Entscheidungsunterstützungssysteme: Digitales Tracking wird manchmal mit Entscheidungshilfen kombiniert. Diese Hilfsmittel unterstützen Gesundheitsfachkräfte dabei, Patientendaten systematisch auszuwerten und fundierte Behandlungsentscheidungen zu treffen.

Gezielte Kommunikation mit Klient*innen: Digitales Tracking kann auch mit Systemen zur Kommunikation mit Patient*innen und Klient*innen kombiniert werden. Diese Hilfsmittel ermöglichen es Gesundheitsfachkräften, Patient*innen Nachrichten zu senden, wie etwa Terminerinnerungen, Medikationspläne oder gesundheitsbezogene Empfehlungen.

Was fanden wir heraus?

Das Review schloss 18 Studien ein. Siebzehn stammten aus Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen, in denen elektronische Patientenakten entweder selten genutzt werden oder sich erst in der Einführungsphase befinden. Die meisten Studien konzentrierten sich auf die Nutzung mobiler Geräte durch Gesundheitsfachkräfte, vor allem im Bereich der Mütter- und Kindergesundheit oder der Behandlung chronisch Kranker.

Wenn Beschäftigte in der primären Gesundheitsversorgung digitales Tracking in Kombination mit Entscheidungshilfen, gezielter Kommunikation oder beidem einsetzen, zeigen sich im Vergleich zur Regelversorgung uneinheitliche Ergebnisse.

Positive Wirkungen : Es gibt Hinweise darauf, dass diese Hilfsmittel Vorteile bieten könnten. Sie unterstützen beispielsweise möglicherweise Gesundheitsfachkräfte dabei, Leitlinien konsequenter einzuhalten, Aufzeichnungen präziser zu führen und die Versorgungsqualität zu verbessern. Sie verbessern möglicherweise auch Behandlungsergebnisse der Patient*innen. So könnten etwa weniger Babys mit niedrigem Geburtsgewicht geboren werden oder Mütter früher mit dem Stillen starten. Einige Patient*innen berichten zudem möglicherweise über eine verbesserte Lebensqualität oder eine konsequentere Einnahme ihrer Medikamente bei chronischen Erkrankungen, etwa nach einem Schlaganfall. Diese positiven Wirkungen sind jedoch möglicherweise gering

Geringe oder keine Wirkung : In anderen Fällen haben diese Hilfsmittel möglicherweise keinen oder nur einen geringen Einfluss auf das Verhalten von Gesundheitsfachkräften oder auf die Gesundheit der Patient*innen.

Unsicherheit : In vielen Fällen sind die Ergebnisse unklar, da es nicht genügend Studien gibt oder die vorhandenen Studien keine verlässliche Evidenz liefern.

Was sind die Limitationen dieser Evidenz?

Die Vertrauenswürdigkeit der Ergebnisse ist gering, da nur wenige Studien vorlagen; einige waren klein, andere wiesen methodische Mängel auf, wodurch die Aussagekraft der Ergebnisse eingeschränkt ist.

Wie aktuell ist dieser Review?

Die Studien, die in diesem Review berücksichtigt wurden, stammen aus dem Zeitraum zwischen 2000 und November 2022.

Agarwal S, Chin WY, Vasudevan L, Henschke N, Tamrat T, Foss HS, Glenton C, Bergman H, Fønhus MS, Ratanaprayul N, Pandya S, Mehl GL, Lewin S

Körperliches Fitnesstraining für Schlaganfallpatienten

1 month ago

Fragestellung
Wir begutachteten die Evidenz dazu, ob ein körperliches Fitnesstraining für Menschen, die einen Schlaganfall erlitten haben, einen Nutzen in Bezug auf verschiedene gesundheitsbezogene und funktionelle Endpunkte bringt.

Hintergrund
Eine ausreichende körperliche Fitness ist wichtig zur Durchführung von alltäglichen Aktivitäten wie Laufen und Treppensteigen. Die körperliche Fitness ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Männer haben beispielsweise in der Regel eine etwas bessere Fitness als Frauen, und mit zunehmendem Alter und durch weniger körperliche Aktivität nimmt die Fitness generell ab. Betroffene haben nach einem Schlaganfall häufig eine schlechte körperliche Fitness. Dies kann die Ausführung alltäglicher Aktivitäten beeinträchtigen und durch den Schlaganfall verursachte Einschränkungen verstärken. Aus diesem Grund ist Fitnesstraining als Therapieansatz für Schlaganfallpatienten vorgeschlagen worden. Die Teilnahme an einem Fitnesstraining könnte jedoch eine Reihe weiterer Vorteile mit sich bringen, die für Schlaganfallpatienten von Bedeutung sind, wie die Verbesserung der kognitiven Funktionsfähigkeit (Denkfähigkeit) und Verbesserungen von Stimmung und Lebensqualität. Außerdem könnte sich das Risiko für einen weiteren Schlaganfall verringern.

Studienmerkmale
Im Juli 2018 identifizierten wir 75 Studien für den Einschluss in den Review. An den Studien nahmen insgesamt 3617 Teilnehmer aus allen Versorgungsphasen teil, einschließlich der Krankenhausphase und der Phase, in der die Betroffenen wieder zu Hause leben. Die meisten Studienteilnehmer waren in der Lage, allein zu gehen. In den Studien wurden unterschiedliche Formen von Fitnesstraining untersucht; diese umfassten kardiorespiratorisches bzw. ‚Ausdauer‘-Training, Widerstands- bzw. ‚Kraft‘-Training, oder gemischtes Training, das heißt eine Kombination aus kardiorespiratorischem und Widerstandstraining.

Hauptergebnisse
Wir ermittelten, dass ein kardiorespiratorisches Fitnesstraining, insbesondere, wenn es Gehen beinhaltet, die Fitness, Balance und Gehfähigkeit nach einem Schlaganfall verbessern kann. Die Verbesserungen der kardiorespiratorischen Fitness verringern möglicherweise die Wahrscheinlichkeit für schlaganfallbedingte Krankenhausaufenthalte um 7%. Ein gemischtes Trainingsprogramm verbessert die Gehfähigkeit und das Gleichgewicht. Ein Krafttraining kann möglicherweise bei der Verbesserung des Gleichgewichts eine Rolle spielen. Insgesamt scheint es deshalb wahrscheinlich, dass Menschen nach einem Schlaganfall am meisten von einem Training profitieren, das kardiorespiratorische Anteile und Gehen beinhaltet. Es lagen jedoch nicht ausreichend Informationen vor, um verlässliche Schlüsse zur Wirkung von Fitnesstraining auf andere Bereiche wie die Lebensqualität, die Stimmung oder die kognitive Funktionsfähigkeit zu formulieren. Die kognitive Funktionsfähigkeit ist noch zu wenig untersucht worden, obwohl sie einen Endpunkt darstellt, der für Menschen nach einem Schlaganfall von wesentlichem Interesse ist. Es gab keine Evidenz dafür, dass durch eine der unterschiedlichen Formen von Fitnesstraining Verletzungen oder andere Gesundheitsprobleme verursacht wurden; Bewegung scheint eine unbedenkliche Maßnahme zu sein. Es sind weitere Studien erforderlich zur Untersuchung der positiven Wirkungen, die für Menschen nach einem Schlaganfall wichtig sind - insbesondere für diejenigen mit schwerwiegenderen Schlaganfällen, die möglicherweise nicht gehen können.

Qualität der Evidenz
Die Durchführung von Studien zu Fitnesstraining kann schwierig sein. Wir haben größtes Vertrauen in die Schätzungen des Nutzens eines kardiorespiratorischen Trainings (mittel/hoch). Die Evidenz für andere Trainingsformen ist moderat bis niedrig. Es ergaben sich jedoch einige übereinstimmende Ergebnisse aus verschiedenen Studien, die alle tendenziell ähnliche Wirkungen in unterschiedlichen Teilnehmergruppen zeigen.

Saunders DH, Sanderson M, Hayes S, Johnson L, Kramer S, Carter D, Jarvis H, Brazzelli M, Mead GE

Können Schulmahlzeiten die Gesundheit und Lernchancen von Kindern verbessern, die in sozioökonomisch benachteiligten Verhältnissen aufwachsen?

1 month 1 week ago
Kernaussagen
  • Schulmahlzeiten in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen verbessern geringfügig die Leistungen in Mathematik. Auf die Leseleistungen haben sie hingegen möglicherweise nur einen geringen oder gar keinen Einfluss. Schulmahlzeiten führen zu einem leichten Anstieg der Einschulungszahlen, haben jedoch möglicherweise nur geringe bis gar keine Auswirkungen auf die Anwesenheitsquote. Schulmahlzeiten führen wahrscheinlich zu einem leichten Anstieg der Körpergröße und des Gewichts für das jeweilige Alter. Wir sind uns nicht sicher, ob sie Übergewicht und Fettleibigkeit verringern.

  • Forschung sollte ein wesentlicher Bestandteil in der Planung und Umsetzung von Schulernährungsprogrammen sein. Um die Ergebnisse verschiedener Studien besser vergleichen zu können, sollten sich Forschende, Eltern und politische Entscheidungsträger auf eine gemeinsame Liste der wichtigsten Ziele für die Gesundheit, die Entwicklung und den Schulerfolg von Kindern einigen.

Warum wollten wir Studien zu Schulmahlzeiten überprüfen?

Weltweit erhalten viele Kinder nicht genügend nahrhafte Lebensmittel, um gesund zu bleiben und in der Schule gut lernen zu können. Dies beeinträchtigt ihre Möglichkeit, eingeschult zu werden, die Schule regelmäßig zu besuchen und dort zu lernen. Schulmahlzeiten sollen Hunger verringern sowie die Lernfähigkeit, die Konzentration und die allgemeine Gesundheit der Kinder verbessern.

Schulmahlzeiten gehören weltweit zu den wichtigsten sozialen Sicherheitsnetzen. Wir haben untersucht, wie sich Schulmahlzeiten auf Kinder aus sozioökonomisch benachteiligten Verhältnissen weltweit auswirken. Die meisten bisherigen Evidenzübersichten sind geografisch eingeschränkt und stützen sich überwiegend auf narrative Analysen.

Was wollten wir herausfinden?

Wir formulierten zwei zentrale Fragen zur gesundheitlichen Chancengleichheit:

  • Verbessern Schulmahlzeiten die körperliche Gesundheit von Kindern aus sozioökonomisch benachteiligten Verhältnissen weltweit?

  • Profitieren Kinder, die aufgrund ihres Geschlechts oder eines niedrigen Familieneinkommens benachteiligt sind, stärker von Schulmahlzeiten als weniger benachteiligte Kinder?

Wie gingen wir vor?

Wir haben nach Studien gesucht, in denen die Auswirkungen von Schulmahlzeiten auf Schüler*innen im Alter von fünf bis 19 Jahren untersucht wurden. Wir haben randomisierte Studien einbezogen, bei denen Schüler*innen oder Schulen per Zufall verschiedenen Studiengruppen zugeordnet werden. Da randomisierte Studien jedoch nicht immer möglich sind, haben wir auch nicht-randomisierte Studien einbezogen, in denen Schulmahlzeiten mit Gruppen ohne Schulspeisung verglichen wurden. Bei diesen nicht-randomisierten Studien mussten die Endpunkte mindestens zweimal gemessen werden: einmal zu Beginn und einmal am Ende der Studie. Wir haben unser Vertrauen in die Ergebnisse für jeden Endpunkt separat bewertet.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 13 randomisierte Studien und 27 nicht-randomisierte Studien, an denen insgesamt mehr als 91.995 Schüler*innen im Alter von fünf bis 19 Jahren teilnahmen. Eine Studie umfasste 59.613 Schüler*innen, während andere Studien zwischen 40 und 6038 Schüler*innnen umfassten. In den meisten Studien war die Anzahl von Jungen und Mädchen ähnlich, aber drei Studien schlossen nur Mädchen ein. Die meisten Studien (34) fanden in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen statt, während sechs aus Ländern mit hohem Einkommen stammten.

In Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen führen Schulmahlzeiten zu einem leichten Anstieg der Testergebnisse in Mathematik. Auf die Testergebnisse im Lesen haben sie jedoch möglicherweise nur eine geringe oder gar keine Wirkung. Schulmahlzeiten führen zu einem leichten Anstieg der Einschulungszahlen, haben jedoch möglicherweise nur geringe bis gar keine Auswirkungen auf die Anwesenheitsquote. Schulmahlzeiten führen wahrscheinlich zu einem leichten Anstieg der Körpergröße und des Gewichts für das jeweilige Alter. Wir sind uns nicht sicher, ob sie Übergewicht und Fettleibigkeit verringern.

In Ländern mit hohem Einkommen lieferte eine Studie sehr unsichere Evidenz dafür, dass Schulmahlzeiten die Anwesenheit leicht erhöhen können.

Was schränkt die Aussagekraft der Evidenz ein?

Da wir nur sehr wenige geeignete Studien aus Ländern mit hohem Einkommen gefunden haben, raten wir davon ab, die Ergebnisse auf dieses Umfeld zu übertragen.

Bei den Ergebnissen der Mathematiktests sowie bei den Einschulungszahlen schätzen wir die Evidenz als verlässlich ein. Bei den Ergebnissen zu Größe und altersbezogenem Gewicht sind wir nur mäßig zuversichtlich, da es methodische Bedenken bei den zugrunde liegenden Studien gab. Wir haben wenig Vertrauen in die Ergebnisse der Lesetests und der Anwesenheitserfassung, da wir einige Bedenken hinsichtlich der Studienmethoden hatten und die Ergebnisse der verschiedenen Studien erheblich voneinander abweichen. Wir sind von den Ergebnissen für Übergewicht/Fettleibigkeit nicht überzeugt, da es Bedenken hinsichtlich der Studienmethoden gibt. Zudem haben die beiden Studien den Endpunkt auf unterschiedliche Weise gemessen und eine der Studien war sehr klein.

Mehrere Studien berichteten über kontextbedingte Herausforderungen wie Konflikte, Dürren, bürokratische Verzögerungen und Schwierigkeiten bei der Auszahlung von Mitteln an Caterer. Zudem zeigte sich in einigen Fällen der unerwartete Eifer, auch in Kontrollschulen Schulmahlzeiten einzuführen.

Wir benötigen mehr Erkenntnisse über Schulmahlzeiten und ihre Auswirkungen auf benachteiligte Schüler*innen, insbesondere in der Sekundarstufe, in Ländern aller Einkommensstufen. Es sind auch mehr Studien nötig, die den Unterschied zwischen benachteiligten Gruppen und Kindern aus besser gestellten Verhältnissen in Ländern mit hohem Einkommen untersuchen. Wir schlagen vor, dass Forschende, Fachkräfte der Schulverpflegung, Lehrkräfte und Eltern gemeinsam einen Kernbestand relevanter Endpunkte erarbeiten. Diese sollten anschließend in einem frei zugänglichen Repository veröffentlicht werden.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Dieser Review aktualisiert und erweitert eine vorherige Version aus dem Jahr 2007. Die Evidenz ist auf dem Stand von November 2024.

Finanzielle Förderung

Dubai Cares finanzierte diesen Review über das „World Food Program School Feeding Program“. Die London School of Hygiene and Tropical Medicine hat diesen Review ebenfalls finanziert. Die Geldgeber hatten keinen Einfluss auf die Inhalte des Reviews.

Kristjansson E, Dignam M, Rizvi A, Osman M, Magwood O, Olarte D, Cohen JFW, Krasevec J, Grover T, Labelle PR, Garner JA, Janzen L, Rossiter S, Dewidar O, Shea B, Welch V, Wells GA

Welchen Nutzen und welche Risiken hat eine manuelle Therapie in Kombination mit therapeutischen Übungen zur Behandlung von Nackenschmerzen?

1 month 1 week ago
Kernaussagen
  • Eine Kombination aus manueller Therapie und therapeutischen Übungen verbessert im Vergleich zu einer Scheinbehandlung möglicherweise die Funktionsfähigkeit moderat, hat aber möglicherweise nur eine geringe oder gar keine Auswirkungen auf die Schmerzen.

  • Eine Kombination aus manueller Therapie und therapeutischen Übungen verbessert im Vergleich zu keiner Behandlung möglicherweise deutlich die Schmerzen sowie moderat die Funktionsfähigkeit und die gesundheitsbezogene Lebensqualität.

  • Bei nicht schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen (unerwünschten oder schädlichen Wirkungen) wie Muskelkater durch die Behandlung, Kopfschmerzen oder Schwindel gibt es möglicherweise keinen oder nur einen geringen Unterschied.

Was sind Nackenschmerzen?

Nackenschmerzen sind weit verbreitet. Sie können die Betroffenen erheblich beeinträchtigen und verursachen hohe volkswirtschaftliche Kosten. Die Symptome können akut (< 4 Wochen), subakut (4 bis 12 Wochen) oder anhaltend (> 12 Wochen) sein. Nackenschmerzen können bis in Kopf, oberen Rücken und die Arme ausstrahlen und dabei auch Schwäche oder Taubheitsgefühle in den Armen verursachen. Nackenschmerzen können ihren Ursprung in Knochen, Gelenken, Nerven, Muskeln oder Weichteilen haben. Zudem werden sie von sozialen, psychologischen und individuellen Faktoren beeinflusst.

Wie werden Nackenschmerzen behandelt?

Nackenschmerzen können durch eine Kombination aus manueller Therapie und therapeutischen Übungen behandelt werden. Bei der manuellen Therapie werden Weichteile, Gelenke oder Nerven durch manuelle Techniken mobilisiert oder manipuliert. Therapeutische Übungen können Dehnungs-, Kräftigungs-, Koordinations-, Herz-Kreislauf- und Mind-Body-Übungen (z. B. Yoga) einschließen.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten wissen, welchen Nutzen und welche Risiken manuelle Therapie in Kombination mit therapeutischen Übungen hat.

Wie gingen wir vor?

Wir haben nach Studien gesucht, in denen manuelle Therapie in Kombination mit therapeutischen Übungen im Vergleich zu einer Scheinbehandlung oder keiner Behandlung bei Erwachsenen mit Nackenschmerzen untersucht wurde. Wir verglichen und fassten die Ergebnisse der Studien zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz auf der Grundlage von Faktoren wie Studienmethoden, Konsistenz der Ergebnisse und Studiengröße.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden neun Studien, an denen 694 Erwachsene teilnahmen. Die Studien fanden in Nordamerika, Europa, Asien und im Pazifikraum statt.

Manuelle Therapie in Kombination mit therapeutischen Übungen im Vergleich zu einer Scheinbehandlung bei kurzfristiger Nachbeobachtung (bis zu vier Wochen):

  • Schmerzen (9%ige Verbesserung auf der Skala, bezogen auf die maximal mögliche Verbesserung): Menschen, die manuelle Therapie in Kombination mit therapeutischen Übungen erhalten, verspüren möglicherweise eine geringe oder keine Schmerzreduktion – im Durchschnitt 0,91 Punkte auf einer 0-bis-10-Punktskala (niedrigere Werte bedeuten weniger Schmerzen).

  • Funktionsfähigkeit (10%ige Verbesserung auf der Skala, bezogen auf die maximal mögliche Verbesserung): Menschen, die manuelle Therapie in Kombination mit therapeutischen Übungen erhalten, zeigen möglicherweise eine Verbesserung der Funktion um 10,2 Punkte auf einer 0-bis-100-Punktskala, wobei niedrigere Werte eine bessere Funktion anzeigen.

  • Gesundheitsbezogene Lebensqualität (2%ige Verbesserung auf der Skala, bezogen auf die maximal mögliche Verbesserung): Menschen, die eine manuelle Therapie in Kombination mit therapeutischen Übungen erhalten, erfahren möglicherweise eine geringe oder keine Verbesserung der Lebensqualität, im Durchschnitt 2 Punkte auf einer 0-bis-100-Punktskala, wobei niedrigere Werte eine bessere Lebensqualität anzeigen.

  • Von den Teilnehmenden berichteter Behandlungserfolg und unerwünschte Ereignisse wurden nicht erhoben bzw. nicht angegeben.

Manuelle Therapie in Kombination mit therapeutischen Übungen im Vergleich zu keiner Behandlung bei kurzfristiger Nachbeobachtung:

  • Schmerzen (24%ige Verbesserung auf der Skala, bezogen auf die maximal mögliche Verbesserung): Menschen, die eine manuelle Therapie in Kombination mit therapeutischen Übungen erhalten, erfahren auf einer Skala von 0 bis 10 Punkten möglicherweise eine Verbesserung um 2,44 Punkte, wobei ein niedrigerer Wert weniger Schmerzen bedeutet.

  • Funktionsfähigkeit (14%ige Verbesserung auf der Skala, bezogen auf die maximal mögliche Verbesserung): Menschen, die eine manuelle Therapie in Kombination mit therapeutischen Übungen erhalten, erfahren auf einer Skala von 0 bis 100 Punkten möglicherweise eine Verbesserung um 13,84 Punkte, wobei ein niedrigerer Wert eine bessere Funktionsfähigkeit bedeutet.

  • Gesundheitsbezogene Lebensqualität (24%ige Verbesserung auf der Skala, bezogen auf die maximal mögliche Verbesserung): Menschen, die eine manuelle Therapie in Kombination mit therapeutischen Übungen erhalten, erfahren auf einer Skala von 0 bis 100 Punkten möglicherweise eine Verbesserung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität um 24,8 Punkte, wobei ein niedrigerer Wert eine bessere Lebensqualität bedeutet.

  • Wie erfolgreich die Behandlung aus Sicht der Teilnehmenden war, ist sehr unsicher.

  • Nicht schwerwiegende unerwünschte Ereignisse: Das Risiko für leichte, vorübergehende unerwünschte Beschwerden wie Muskelkater, Kopfschmerzen oder Schwindel nahm möglicherweise kaum zu. Das bedeutet, dass in der Behandlungsgruppe etwa 2 von 100 Personen über leichte, vorübergehende unerwünschte Wirkungen berichteten – in der Nichtbehandlungsgruppe war es etwa 1 von 100 Personen.

  • Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse wurden nicht gemeldet.

Was schränkt die Aussagekraft der Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Evidenz war aus den folgenden Gründen gering. Es ist möglich, dass die Studienteilnehmenden wussten, welche Behandlung sie bekamen. Dies ist jedoch eine Einschränkung, die sich bei den meisten Rehabilitationsstudien nicht ändern lässt. Die Berichterstattung zu den für die kurz- und langfristige Nachbeobachtung relevanten Endpunkten war teilweise unvollständig. Diese Verzerrungen können dazu geführt haben, dass das Ausmaß der berichteten Wirkungen entweder über- oder unterschätzt wurde. Über das Auftreten von unerwünschten Ereignissen wurde nicht immer berichtet. In den meisten Studien war die Zahl der Teilnehmenden gering. Es braucht gut geplante Studien mit größeren Teilnehmerzahlen und einer konsistenten Berichterstattung zur Art, Intensität, Häufigkeit und Dauer der kombinierten Intervention aus manueller Therapie und therapeutischen Übungen. Aufgrund der Unsicherheiten in der derzeit verfügbaren Evidenz sind weitere Studien zu akuten und subakuten Nackenschmerzen erforderlich.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Dieser Review aktualisiert eine frühere Veröffentlichung desselben Autor*innenteams, die nicht als Cochrane Review erschienen ist. Die Evidenz ist auf dem Stand von März 2025.

Chacko N, Gross AR, Miller J, Santaguida PL, Burnie SJ, Gelley GM, Paquin JP, Duranai MR, Langevin P, Chopra-Tandon N, Chak NT, Hoving JL, Bobos P

Ist die Einnahme von Calciumpräparaten während der Schwangerschaft ein wirksames Mittel zur Vorbeugung von Bluthochdruckstörungen und damit verbundenen Schwangerschaftskomplikationen?

1 month 2 weeks ago
Kernaussagen
  • Wir fanden, dass sich die Zahl der Frauen, die eine Präeklampsie entwickeln, durch Calciumgaben in der Schwangerschaft kaum oder gar nicht unterscheidet. Bei weiteren Ergebnissen für Mütter und Babys ist unklar, ob sich Calcium positiv auswirkt.

  • Die meisten Teilnehmerinnen begannen erst im zweiten Trimester mit der Einnahme von Calcium. Daher liefert der Review keine Aussagen dazu, ob eine Calciumergänzung, die bereits in einer sehr frühen Schwangerschaftsphase begonnen wird, wirksam wäre. Weder für Frauen mit hohem Präeklampsie-Risiko noch für Frauen mit niedriger Calciumaufnahme ergab eine Calciumergänzung Unterschiede im Auftreten von Präeklampsie.

  • Wir fanden verlässliche Evidenz, wenn wir nur große Studien mit mehr als 500 Frauen analysierten. Es ist unwahrscheinlich, dass weitere Studien die aktuelle Evidenz zum Präeklampsierisiko noch wesentlich verändern würden. Daher könnte sich zukünftige Forschung auf andere Ansätze zur Vorbeugung von Bluthochdruckerkrankungen in der Schwangerschaft richten.

Warum ist Bluthochdruck in der Schwangerschaft ein Problem?

Bluthochdruck in der Schwangerschaft ist eine der Hauptursachen für Tod und schwere Erkrankungen bei Müttern und Säuglingen. Eine Präeklampsie ist die schwerwiegendste Komplikation. Sie beeinträchtigt die Plazenta und kann andere Organe wie Nieren, Leber und Gehirn in Mitleidenschaft ziehen. Gegenwärtig gibt es keine Behandlung für Präeklampsie, außer der vorzeitigen Entbindung des Babys.

Wie könnte Calcium helfen?

Es gibt einige Hinweise darauf, dass Calcium den Blutdruck bei Menschen mit normalem Blutdruck und bei Frauen mit vorausgegangener Präeklampsie senken kann; andere Studien sprechen jedoch dagegen. Calcium ist jedoch gut verfügbar, kostengünstig und gilt als wahrscheinlich sicher für Mutter und Kind. Calciumtabletten werden oral eingenommen, also geschluckt. Wenn Calcium einer Präeklampsie vorbeugen könnte, könnte es den Tod und schwere Erkrankungen von Müttern und Säuglingen verringern.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten wissen, ob die Einnahme von Calcium während der Schwangerschaft zur Vorbeugung von Präeklampsie und anderen Bluthochdruckerkrankungen wirksam ist und ob sie unerwünschte Wirkungen hat. Uns interessierte auch, ob Calcium die Zahl der Babys, die während oder kurz nach der Geburt sterben, die Zahl der Mütter und Babys, die sterben oder krank werden, und die Zahl der Frühgeburten verringert.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, die Calciumpräparate während der Schwangerschaft untersuchten. Wir nutzten eine Checkliste, um sicherzustellen, dass nur verlässliche Studien in die Auswertung einflossen. Wir haben die Qualität der Studien beurteilt, bevor wir ihre Ergebnisse verglichen und zusammengefasst haben. Abschließend bewerteten wir unser Vertrauen in die Ergebnisse.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 10 Studien mit insgesamt 37.504 Frauen, in denen die Wirkungen einer zusätzlichen Calciumgabe neben der üblichen Versorgung untersucht wurden. In acht Studien wurde eine Calciumgabe mit Placebo (einer Scheinbehandlung) verglichen, und in zwei Studien wurde eine niedrig dosierte (500 mg täglich) mit einer hoch dosierten (1500 mg täglich) Calciumgabe verglichen. Die Studien fanden weltweit statt, in Ländern mit hohem und niedrigem Einkommen. Einige Frauen in den Studien waren über die Ernährung ausreichend mit Calcium versorgt, andere nicht. Bei einigen Frauen war das Risiko einer Präeklampsie hoch, bei anderen nicht.

Calcium im Vergleich zu Placebo (insgesamt 8 Studien, 15.504 Frauen) Die Evidenz aus sechs Studien mit insgesamt 15.364 Frauen zeigt, dass eine Calciumergänzung im Vergleich zu Placebo möglicherweise nur einen minimalen oder keinen Einfluss auf das Auftreten einer Präeklampsie hat. Als wir jedoch nur die großen Studien mit mehr als 500 Teilnehmerinnen berücksichtigten (4 Studien, 14.730 Frauen), zeigte sich eine verlässliche Evidenz dafür, dass Calcium im Vergleich zu Placebo nur einen minimalen oder keinen Einfluss auf das Auftreten einer Präeklampsie hat.

Calcium hat wahrscheinlich nur einen geringen oder gar keinen Einfluss auf das Gesamtrisiko einer Mutter, an einer Präeklampsie zu sterben oder schwere Komplikationen zu entwickeln. Calcium hat möglicherweise keinen oder nur einen minimalen Einfluss auf das Sterberisiko des Babys während der Schwangerschaft und in den ersten Lebenstagen.

Es ist sehr unsicher, ob sich Calcium auf das Sterberisiko der Mütter, auf die Geburt vor der 37. Woche und auf unerwünschte Wirkungen auswirkt.

Niedrige im Vergleich zu hohen Calciumdosen (2 Studien, 22.000 Frauen) Eine niedrigere Calciumdosis hat möglicherweise im Vergleich zu einer höheren Dosis einen geringen oder gar keinen Einfluss auf das Auftreten einer Präeklampsie. Wir wissen nicht, welche Wirkungen eine niedrige Calciumdosis im Vergleich zu einer höheren Dosis auf die Sterblichkeit der Mütter hat. Die Einnahme einer niedrigeren Calciumdosis hat keinen Einfluss auf das Sterberisiko des Babys während der Schwangerschaft und in den ersten Lebenstagen und beeinflusst wahrscheinlich auch nicht eine Geburt vor der 37. Schwangerschaftswoche.

Was schränkt die Aussagekraft der Evidenz ein?

Die meisten Frauen begannen erst im zweiten Trimester der Schwangerschaft mit der Einnahme von Calcium. Der Review kann daher nicht beurteilen, ob eine bereits zu Beginn der Schwangerschaft gestartete Calciumgabe wirksam wäre. Wir wissen nicht, ob es einen Unterschied gibt zwischen Frauen in Regionen mit ausreichend hoher Calciumaufnahme mit der üblichen Ernährung und Frauen, bei denen das nicht der Fall ist. Und wir wissen nicht, ob Frauen mit einem hohen oder niedrigen Präeklampsierisiko unterschiedlich profitieren.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von Januar 2025.

Cluver CA, Rohwer C, Rohwer AC

Welche Behandlungen heilen oder verbessern Harninkontinenz (ungewollten Urinverlust) bei älteren Frauen?

1 month 2 weeks ago
Kernaussagen

- Regelmäßiges Beckenbodentraining, also Übungen zur Stärkung der Muskeln, die Blase, Gebärmutter und Darm stützen, allein oder kombiniert mit Therapien wie Akupunktur, Pilates oder Yoga, ist möglicherweise die wirksamste Behandlungsmethode.
- In Studien, in denen Frauen konservativ behandelt wurden (z. B. mit Beckenbodentraining), wurden keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse gemeldet. In Studien, in denen Frauen medikamentös behandelt wurden, dagegen schon.
- Wir brauchen mehr Forschung, die verschiedene Behandlungen, insbesondere operative Eingriffe, bei Frauen über 60 Jahren vergleicht.

Was ist Harninkontinenz?

Harninkontinenz (unfreiwilliger Urinverlust) ist weit verbreitet und beeinträchtigt das tägliche Leben. Die Beschwerden werden mit zunehmendem Alter oft stärker und beeinflussen das tägliche Leben, die Gefühle und die Beziehungen älterer Frauen.

Wie wird Harninkontinenz behandelt?

Die Behandlungen der Harninkontinenz lassen sich grob in drei Gruppen einteilen:

- konservative Behandlung, die eine Änderung der Lebensweise (z. B. Gewichtsabnahme) und Übungen wie Beckenbodentraining zur Verbesserung der Blasenkontrolle umfasst;
- Medikamente, die die Blase beruhigen und die Muskelkontrolle verbessern;
- operative Eingriffe, die die Blase oder die Muskeln zur Kontrolle des Urinflusses unterstützen.

Es ist unklar, ob Behandlungen, die bei jüngeren Frauen und Frauen mittleren Alters wirksam sind, auch bei älteren Frauen funktionieren. Die Wechseljahre und das Älterwerden wirken sich auf die Beckenbodenmuskulatur aus, ebenso wie andere Gesundheitsprobleme (z. B. Übergewicht oder Adipositas, Verstopfung, Diabetes, Bewegungsprobleme, Gedächtnisstörungen). Die richtige Behandlung hängt von der Art der Inkontinenz, ihrem Schweregrad sowie dem allgemeinen Gesundheitszustand und den Vorlieben der betroffenen Frau ab.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, welche Behandlungen die Harninkontinenz bei Frauen ab 60 Jahren heilen oder verbessern, und ob diese Behandlungen zu schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen führten.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien zu Behandlungen der Harninkontinenz bei Frauen über 60 Jahren, in denen diese entweder mit keiner Behandlung bzw. der üblichen Versorgung oder mit einer anderen Inkontinenzbehandlung verglichen wurden. Wir verglichen und fassten die Ergebnisse der Studien zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz, basierend auf Faktoren wie Studienmethoden und Größe der Studien.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 43 Studien mit insgesamt 8506 Frauen über 60 Jahren mit Harninkontinenz. Die Studien wurden in Ländern auf der ganzen Welt durchgeführt. Die größte Studie umfasste 1438 Frauen, die kleinste 14. Fünfzehn Studien (1955 Frauen) berichteten über „Heilung"; 14 Studien (3053 Frauen) berichteten über „Heilung oder Verbesserung" und 15 Studien (3740 Frauen) über schwerwiegende unerwünschte Ereignisse.

Hauptergebnisse

Was die "Heilung" betrifft, so haben wir festgestellt, dass Beckenbodentraining mit oder ohne ergänzende Behandlungen (einschließlich Akupunktur, Pilates und Yoga) möglicherweise besser wirkt als keine Behandlung oder die übliche Versorgung.

Hinsichtlich einer „Heilung oder Verbesserung“ zeigte das Beckenbodentraining – mit oder ohne begleitende Schulung – im Vergleich zu keiner Behandlung oder der üblichen Versorgung die vielversprechendsten Ergebnisse.

In Studien, in denen Frauen ein Beckenbodentraining (mit oder ohne ergänzende Behandlungen oder begleitende Schulungen) durchführten, wurden keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse berichtet. In Studien, in denen Frauen Medikamente gegen Harninkontinenz verabreicht wurden, gab es Berichte zu schwerwiegenden unerwünschten Wirkungen.

Wir waren nicht in der Lage, operative Eingriffe zu bewerten, da es nicht genug verlässliche Daten gab.

Was schränkt die Aussagekraft der Evidenz ein?

Die Evidenz stammt aus nur wenigen kleinen Studien. Die meisten Studien schlossen zwar Frauen ab 60 Jahren ein, waren jedoch nur selten speziell für diese Altersgruppe konzipiert oder berichteten Ergebnisse getrennt nach Alter. Es gab nur sehr wenige Studien zu operativen Eingriffen bei älteren Frauen, so dass sich unsere Ergebnisse hauptsächlich auf nicht-operative (konservative oder medikamentöse) Behandlungen beziehen. Unser Vertrauen in die Evidenz war gering oder sehr gering, weil die Studien klein oder nicht gut berichtet waren. Weil die Studien zu unterschiedlichen Ergebnissen kamen und manche Behandlungen nur einmal getestet wurden, kann man daraus keine klaren Schlüsse ziehen.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand vom 23. März 2025.

Vesentini G, O'Connor N, Le Berre M, Nabhan AF, Wagg A, Wallace SA, Dumoulin C

Ist Methylphenidat eine wirksame Behandlung für Kinder und Jugendliche mit Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und verursacht es unerwünschte Wirkungen?

1 month 2 weeks ago
Kernaussagen

- Methylphenidat kann möglicherweise Hyperaktivität und Impulsivität verringern und Kindern helfen, sich zu konzentrieren. Methylphenidat kann möglicherweise auch allgemein zur Verbesserung des Verhaltens beitragen, scheint aber keinen Einfluss auf die Lebensqualität zu haben.

- Methylphenidat scheint das Risiko schwerer (lebensbedrohlicher) unerwünschter Wirkungen nicht zu erhöhen, wenn es über einen Zeitraum von bis zu sechs Monaten eingenommen wird. Es ist jedoch mit einem erhöhten Risiko für nicht schwerwiegende unerwünschte Wirkungen wie Schlafstörungen und Appetitlosigkeit verbunden.

- Künftige Studien sollten sich mehr auf die Erfassung unerwünschter Wirkungen konzentrieren und über längere Zeiträume durchgeführt werden.

Was ist eine Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS)?

ADHS ist eine der am häufigsten diagnostizierten und behandelten psychiatrischen Erkrankungen bei Kindern. Kindern mit ADHS fällt es schwer, sich zu konzentrieren. Sie sind oft hyperaktiv (zappelig, unfähig lange still zu sitzen) und impulsiv (d.h. sie tun Dinge, ohne darüber nachzudenken). Für Kinder mit ADHS kann es schwierig sein, in der Schule zurechtzukommen, weil es ihnen schwer fällt, Anweisungen zu befolgen und sich zu konzentrieren. Ihre Verhaltensprobleme beeinträchtigen oft auch ihre Fähigkeit, gut mit der Familie oder mit Freunden auszukommen. Sie bekommen häufiger Probleme als andere Kinder.

Wie wird ADHS behandelt?

Methylphenidat (z.B. Ritalin) ist das am häufigsten verschriebene Medikament für Kinder und Jugendliche mit ADHS. Methylphenidat ist ein Stimulans, das dazu beiträgt, die Aktivität in Teilen des Gehirns zu erhöhen, die beispielsweise mit der Konzentration zu tun haben. Methylphenidat kann als Tablette eingenommen oder in Form eines Hautpflasters verabreicht werden. Einige Präparate mit Methylphenidat setzen den Wirkstoff sofort nach der Einnahme frei, andere enthalten sowohl einen schnell wirkenden Substanzanteil als auch einen, der nach und nach über mehrere Stunden abgegeben wird (retardiert). Methylphenidat kann unerwünschte Wirkungen wie Kopfschmerzen, Bauchschmerzen und Schlafstörungen verursachen. Manchmal verursacht Methylphenidat schwerwiegende unerwünschte Wirkungen wie Herzprobleme, Halluzinationen oder "Ticks" (Zuckungen) im Gesicht.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob Methylphenidat die ADHS-Symptome (Aufmerksamkeit, Hyperaktivität) von Kindern verbessert, wobei wir uns hauptsächlich auf die Bewertungen von Lehrern und Lehrerinnen anhand verschiedener Skalen stützten. Zudem wollten wir herausfinden, ob es schwerwiegende unerwünschte Wirkungen wie Tod, Krankenhauseinweisungen oder Behinderungen verursacht. Wir interessierten uns auch für weniger schwerwiegende unerwünschte Wirkungen wie Schlafprobleme und Appetitverlust sowie für die Auswirkungen auf das allgemeine Verhalten und die Lebensqualität der Kinder.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, die den Einsatz von Methylphenidat bei Kindern und Jugendlichen mit ADHS untersuchten. Die Studienteilnehmenden mussten minderjährig (18 Jahre oder jünger) sein und eine ADHS-Diagnose haben. Sie konnten andere Störungen oder Erkrankungen haben, andere Medikamente einnehmen oder sich einer Verhaltenstherapie unterziehen. Sie mussten einen normalen IQ (Intelligenzquotient) haben. In den Studien konnte Methylphenidat mit einem Placebo (Medikament, das so aussieht und schmeckt wie Methylphenidat, aber keinen Wirkstoff enthält) oder keiner Behandlung verglichen werden. Die Teilnehmenden mussten nach dem Zufallsprinzip entweder der Behandlung mit Methylphenidat oder der Placebobehandlung zugeteilt werden. Wir verglichen die Ergebnisse der Studien, fassten diese mit statistischen Methoden zusammen und bewerteten die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz anhand von Faktoren wie der Studienmethodik und der Größe der Studien.

Was fanden wir?

Wir fanden 212 Studien mit 16.302 Kindern oder Jugendlichen mit ADHS. In den meisten dieser Studien wurde Methylphenidat mit Placebo verglichen. Die meisten Studien waren klein und umfassten etwa 70 Kinder mit einem Durchschnittsalter von 10 Jahren (die Altersspanne reichte von 3 bis 18 Jahren). Die meisten Studien waren kurz und dauerten durchschnittlich etwa einen Monat. Die kürzeste Studie dauerte nur einen Tag, die längste 425 Tage. Die meisten Studien wurden in den USA durchgeführt.

Basierend auf den Bewertungen der Lehrer*innen, verglichen mit Placebo oder keiner Behandlung, bewirkt Methylphenidat möglicherweise:

- Verbesserung der ADHS-Symptome (21 Studien, 1728 Kinder)

- keinen Einfluss auf schwerwiegende unerwünschte Wirkungen (26 Studien, 3673 Teilnehmende)

- mehr nicht schwerwiegende unerwünschte Wirkungen (35 Studien, 5342 Teilnehmende)

- Verbesserung des allgemeinen Verhaltens verbessern (7 Studien, 792 Teilnehmende)

- keine Auswirkungen auf die Lebensqualität (4 Studien, 608 Teilnehmende)

Einschränkungen der Evidenz

Unser Vertrauen in die Ergebnisse dieses Reviews ist aus mehreren Gründen begrenzt. Oft war es möglich, dass die Studienbeteiligten wussten, welche Behandlung die Kinder erhielten, was die Ergebnisse beeinflusst haben könnte. Die Berichterstattung über die Ergebnisse war in vielen Studien nicht vollständig, und bei einigen Ergebnissen variierten die Ergebnisse zwischen den Studien. Die Studien waren klein und verwendeten unterschiedliche Skalen zur Messung der Symptome. Außerdem waren die meisten Studien nur von kurzer Dauer, so dass es unmöglich ist, die langfristigen Auswirkungen von Methylphenidat zu beurteilen. Rund 41% der Studien wurden von der pharmazeutischen Industrie finanziert oder teilweise finanziert.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Dies ist die Aktualisierung einer früheren Version von 2015. Die Evidenz ist auf dem Stand von März 2022.

Storebø OJ, Storm MR, Pereira Ribeiro J, Skoog M, Groth C, Callesen HE, Schaug JP, Darling P, Huus C-ML, Zwi M, Kirubakaran R, Simonsen E, Gluud C

Welchen Nutzen und welche Risiken haben abschwellende Mittel oder Mittel gegen Allergien (Antihistaminika) bei der Behandlung von Kindern mit akuter Mittelohrentzündung?

1 month 2 weeks ago
Kernaussagen
  • Manchmal erhalten Kinder mit einer akuten Mittelohrentzündung (Otitis media) abschwellende Mittel oder Mittel gegen Allergien (Antihistaminika).

  • Es ist unklar, ob abschwellende Mittel oder Antihistaminika bei der Behandlung der akuten Mittelohrentzündung wirksam sind oder unerwünschte Wirkungen haben.

  • Da die vorhandenen Studien keinen Hinweis auf einen Nutzen ergaben und die Mittel auch schaden könnten, scheinen weitere Studien nicht gerechtfertigt.

Was ist eine akute Mittelohrentzündung?

Eine akute Otitis media (AOM) ist eine bakterielle Infektion des Mittelohrs. Sie ist die häufigste bakterielle Infektion bei Kindern und weltweit der häufigste Grund für die Behandlung eines Kindes mit Antibiotika. Die Infektion entwickelt sich meist während oder nach einer Erkältung. Zu den Symptomen zählen plötzlich auftretende Ohrenschmerzen, Fieber, Reizbarkeit und manchmal auch ein Ausfluss aus dem Gehörgang. Manchmal sammelt sich nach der Infektion Flüssigkeit im Mittelohr an, die das Hörvermögen beeinträchtigen kann.

Wie wird eine akute Mittelohrentzündung behandelt?

Traditionell wird die AOM mit Antibiotika behandelt. Die Infektion heilt jedoch häufig ohne Behandlung aus, und Komplikationen (wie die Ausbreitung der Infektion auf den Schädel oder das Gehirn) sind selten. Die meisten aktuellen Behandlungsleitlinien empfehlen zunächst ein abwartendes Vorgehen: Antibiotika sollen nicht sofort gegeben werden, sondern nur dann, wenn sich die Beschwerden verschlimmern oder nach zwei bis drei Tagen keine Besserung eintritt. Kinder mit Schmerzen und Fieber erhalten häufig Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen. Einige Forschende vermuten, dass frei verkäufliche Medikamente wie abschwellende Mittel oder Antihistaminika bei der Behandlung einer akuten Mittelohrentzündung helfen könnten, indem sie die durch die Infektion ausgelöste Entzündung im Mittelohr verringern. Abschwellende Mittel werden normalerweise zur Behandlung einer verstopften Nase eingesetzt, Antihistaminika zur Linderung von Allergiebeschwerden. Sie sind in Form von Tabletten, Sirup und Nasensprays/-tropfen erhältlich.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten wissen, ob abschwellende Mittel und Antihistaminika, allein oder in Kombination, als Arzneimittel zur Verbesserung von AOM bei Kindern wirksam sind und zwar auf folgende Ergebnisse:

  • Erholung von der AOM;

  • Ohrenschmerzen;

  • die Anzahl der Komplikationen der AOM; und

  • das Vorhandensein von Mittelohrflüssigkeit nach der Infektion.

Wir wollten auch herausfinden, ob abschwellende Mittel oder Antihistaminika mit unerwünschten Wirkungen verbunden sind.

Wie gingen wir vor?

Wir haben nach Studien gesucht, in denen die Wirkungen von abschwellenden Mitteln und Antihistaminika bei Kindern mit AOM untersucht wurden. Wir verglichen die Ergebnisse, fassten sie mit statistischen Methoden zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz auf der Grundlage von Faktoren wie Studienmethoden und Größe der Studien.

Was fanden wir heraus?

Wir haben 15 Studien mit 3066 Teilnehmenden in unsere Untersuchung einbezogen. In den 12 Studien waren die Kinder zwischen drei Monaten und 15 Jahren alt. In einer Studie waren auch einige Erwachsene enthalten, eine andere Studie hat möglicherweise auch 18-Jährige einbezogen. Die Studien wurden zwischen 1965 und 2003 durchgeführt und dauerten zwischen einem Jahr und fünf Jahren. In einigen Studien wurde die Studiendauer nicht angegeben. Sie fanden in den USA, Dänemark, Kanada und im Vereinigten Königreich statt. In acht Studien wurden abschwellende Mittel oder Antihistaminika zum Einnehmen (Tabletten, Sirup) mit Placebo (Scheinbehandlung) oder keiner Behandlung verglichen. Das sind die Hauptvergleiche dieses Reviews. In keiner Studie wurden abschwellende oder antiallergische Nasensprays untersucht. In 12 Studien erhielten die Kinder in beiden Gruppen auch Antibiotika.

Es ist unklar, ob abschwellende Mittel mit mehr unerwünschten Wirkungen verbunden sind oder ob sie einen Einfluss auf Ohrenschmerzen oder das Vorhandensein von Mittelohrflüssigkeit nach einer Infektion haben. Wir haben keine Studien gefunden, die zeigen, ob abschwellende Mittel die Erholung von Kindern mit akuter Mittelohrentzündung (AOM) beeinflussen. Abschwellende Mittel haben möglicherweise nur minimale oder gar keine Wirkungen auf das Risiko schwerer Komplikationen.

Es ist unklar, ob Antihistaminika die Genesung von AOM verbessern, mit unerwünschten Wirkungen verbunden sind oder die Ohrenschmerzen verringern. Antihistaminika haben möglicherweise nur minimale oder gar keine Wirkungen auf das Risiko schwerer Komplikationen oder das Vorhandensein von Mittelohrflüssigkeit nach der Infektion.

Es gibt keine laufenden Studien zu dieser Frage.

Was schränkt die Aussagekraft der Evidenz ein?

Die Evidenz für den potenziellen Nutzen und Schaden von abschwellenden Mitteln und Antihistaminika als zusätzliche Behandlung von AOM bei Kindern ist nicht überzeugend. Die Studien waren im Allgemeinen zu klein und verwendeten Methoden, die zu Fehlern in den Ergebnissen führen können. Ein Beispiel hierfür ist, wenn Kinder oder Behandelnde wissen, welche Medikamente die Kinder erhalten haben.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von Februar 2025.

Darlison P, Moresco L, Nussbaumer-Streit B, Bruschettini M, Gisselsson-Solen M, supported by Cochrane Sweden and Cochrane Austria
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17 hours 36 minutes ago
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