Verbessert die Senkung der Körpertemperatur von Spender*innen nach dem Hirntod die Qualität der transplantierten Organe?
-
Die Senkung der Körpertemperatur von Organspender*innen auf der Intensivstation vor der Organentnahme führt möglicherweise nicht dazu, dass das transplantierte Organ beim Empfänger bzw. der Empfängerin schneller seine Funktion aufnimmt.
-
Die Senkung der Körpertemperatur führt möglicherweise weder dazu, dass weniger Organe transplantiert werden können, noch zu bestimmten Sicherheitsproblemen bei den Spender*innen, etwa Herzrhythmusstörungen, Kreislaufstillstand oder Blutdruckproblemen.
-
Die Ein-Jahres-Überlebensrate des transplantierten Organs wurde nur in drei der vier Studien angegeben. Keine der Studien berichtete über die Lebensqualität oder Herzerkrankungen der Empfänger*innnen nach zwölf Monaten. Auch wichtige Messgrößen zur Funktion der transplantierten Organe nach zwölf Monaten wurden nicht berichtet – etwa die Herzfunktion nach einer Herztransplantation oder der Insulinbedarf nach einer Bauchspeicheldrüsentransplantation.
Bei einer Organtransplantation wird ein Organ wie eine Niere, ein Herz, eine Leber, eine Lunge oder eine Bauchspeicheldrüse von einem Spender bzw. einer Spenderin auf einen Empfänger bzw. eine Empfängerin übertragen. Für Menschen mit einem Organversagen im Endstadium ist eine Organtransplantation die beste Behandlungsmöglichkeit. Allerdings herrscht nach wie vor ein Mangel an für eine Spende geeigneten Organen. Viele Spenderorgane stammen von Menschen, bei denen im Rahmen einer intensivmedizinischen Behandlung der Hirntod eingetreten ist (d. h., bei denen ein dauerhafter und irreversibler Verlust der Hirnfunktion vorliegt). Es ist bekannt, dass der Eintritt des Hirntods zu erheblichen Organschäden führt. Deshalb sollte die medizinische Betreuung dieser Spender*innen bestmöglich gestaltet werden, damit die Transplantation bei den Empfänger*innen möglichst erfolgreich ist und das transplantierte Organ möglichst gut funktioniert.
Warum wird die Körpertemperatur der Organspender*innen gesenkt, und wie erfolgt dies?Die Senkung der Körpertemperatur der Spender*innen unter die normale Kerntemperatur (< 35,5 °C) kann die Körperfunktionen verlangsamen und dazu beitragen, die Organe bis zu ihrer Entnahme und Transplantation in einem gesünderen Zustand zu erhalten. Dies kann auf der Intensivstation zwischen dem Hirntod und der Organspende erfolgen. Die Senkung der Körpertemperatur kann erreicht werden, indem man den Spender spontan auf die Zieltemperatur abkühlen lässt oder Ventilatoren, Eispackungen oder spezielle externe Kühlsysteme einsetzt. Andere Möglichkeiten umfassen Verfahren wie eine Blasenspülung, invasive Kühlsysteme oder temperaturgeregelte befeuchtete Atemgase, die während der Beatmung verwendet werden, um die gewünschte Kerntemperatur zu erreichen. Je nach Körpertemperatur wird die therapeutische Hypothermie in vier Schweregrade eingeteilt: leicht (34,0 bis 35,5 °C), mäßig (32,0 bis 33,9 °C), mäßig tief (30,0 bis 31,9 °C) und tief (unter 30 °C).
Was wollten wir herausfinden?Wir wollten untersuchen, ob die Senkung der Körpertemperatur von Spender*innen zu gesünderen Organen und besseren Behandlungsergebnissen für Empfänger*innen nach einer Organtransplantation führt. Wir waren daran interessiert, herauszufinden:
-
wie schnell die gespendeten Organe ihre Funktion aufnahmen;
-
ob die Transplantation erfolgreich war;
-
ob der Empfänger bzw. die Empfängerin überlebte (und wie lange).
Wir suchten nach Studien, in denen untersucht wurde, ob die Senkung der Körpertemperatur der Spender*innen wirksam war und ob sie unerwünschte Wirkungen verursachte. In die Studien wurden nur Spender*innen eingeschlossen, bei denen entweder sämtliche Hirnfunktionen irreversibel ausgefallen waren oder die Fähigkeit zu Bewusstsein und selbstständiger Atmung irreversibel verloren gegangen war. Die Empfänger*innen mussten eine Niere, ein Herz, eine Leber, eine Lunge oder eine Bauchspeicheldrüse transplantiert bekommen. Die Studien konnten an jedem Ort der Welt durchgeführt worden sein.
Was fanden wir heraus?Wir fanden vier Studien mit 2.096 Spendern, in denen die Wirkungen einer Senkung der Körpertemperatur der Spender*innen vor der Transplantation untersucht wurden. Zwei Studien befassten sich mit Nierentransplantationen, zwei weitere mit der Transplantation mehrerer solider Organe (Niere, Leber, Lunge, Herz, Bauchspeicheldrüse). Die Studien wurden in den USA und in Frankreich durchgeführt.
NierentransplantationSenkung der Körpertemperatur der Spender*innnen im Vergleich zur Aufrechterhaltung der normalen Körpertemperatur:
-
verringert möglicherweise nicht die Zeit, die benötigt wird, bis die transplantierten Nieren ihre Funktion aufnehmen (4 Studien, 3.015 Empfänger*innen);
-
hat möglicherweise keinen Einfluss auf das Überleben der transplantierten Niere ein Jahr nach der Transplantation (3 Studien, 2.075 Empfänger*innen);
-
hat möglicherweise keinen Einfluss darauf, wie viele Nierenempfänger*innen ein Jahr nach der Transplantation noch am Leben waren (1 Studie, 526 Empfänger*innen).
Senkung der Körpertemperatur der Spender*innnen im Vergleich zur Aufrechterhaltung der normalen Körpertemperatur:
-
verringert möglicherweise nicht die Zeit, bis transplantierte Lungen ihre Funktion aufnehmen (1 Studie, 99 Empfänger*innnen);
-
verringert möglicherweise nicht die Zeit, bis transplantierte Lebern ihre Funktion aufnehmen (1 Studie, 262 Empfänger*innen);
-
verringert wahrscheinlich nicht die Anzahl der für eine Transplantation verfügbaren Organe (4 Studien, 4.265 Empfänger*innen).
Eine Senkung der Körpertemperatur der Spender*innnen im Vergleich zur Aufrechterhaltung der normalen Körpertemperatur führt möglicherweise zu keinen Problemen bei den Spender*innnen (wie Herzprobleme) (3 Studien, 2.015 Spender*innen).
Was schränkt die Evidenz ein?Die geringe Anzahl der untersuchten Studien und der transplantierten Spenderorgane stellten die größten Einschränkungen dieser Übersichtsarbeit dar. Die Ein-Jahres-Überlebensrate des transplantierten Organs wurde nur in drei Studien angegeben. Keine der Studien berichtete über die Lebensqualität oder Herzerkrankungen der Empfänger*innnen nach zwölf Monaten. Auch wichtige Messgrößen zur Funktion der transplantierten Organe nach zwölf Monaten wurden nicht berichtet – etwa die Herzfunktion nach einer Herztransplantation oder der Insulinbedarf nach einer Bauchspeicheldrüsentransplantation. Die meisten Studien konzentrierten sich auf Nierenspender*innen und -empfänger*innnen, während für andere solide Organe nur sehr wenige Informationen vorlagen.
Wie aktuell ist die Evidenz?Die Übersichtsarbeit ist auf den Stand von September 2025.