Welche Wirkungen haben Aufklärungs- und Schulungsmaßnahmen für Beschäftigte im Gesundheitswesen zur Prävention sexueller Belästigung?
Aufklärungs- und Schulungsmaßnahmen zum Thema sexuelle Belästigung erweitern wahrscheinlich das Wissen von Beschäftigten im Gesundheitswesen geringfügig. Im Vergleich zu anderen Aufklärungs- oder Schulungsmaßnahmen verbessern sie möglicherweise die Fähigkeiten im Umgang mit sexueller Belästigung geringfügig.
Wir fanden keine Studien, die die Wirkung von Aufklärungs- und Schulungsmaßnahmen zum Thema sexuelle Belästigung mit keiner Maßnahme, einer Warteliste oder einer minimalen Aufklärungsmaßnahme (z. B. einer Informationsbroschüre) verglichen. Weitere Studien zu diesem Thema sind erforderlich.
Zudem sind weitere Studien erforderlich, die Beschäftigte aus unterschiedlichen Gesundheitsberufen einbeziehen und mögliche Nachteile solcher Aufklärungs- und Schulungsmaßnahmen untersuchen.
Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz umfasst jede Form unerwünschter sexueller Aufmerksamkeit, beispielsweise durch Patientinnen und Patienten, deren Freundes- oder Familienkreis sowie durch andere Fachkräfte oder Kolleginnen und Kollegen. Sexuelle Belästigung ist unter Beschäftigten im Gesundheitswesen weit verbreitet: Etwa 12 % berichten, von Patientinnen und Patienten oder Besuchenden sexuell belästigt worden zu sein. Sexuelle Belästigung kann bei Beschäftigten im Gesundheitswesen zu psychischen Problemen und Unzufriedenheit am Arbeitsplatz führen. Betroffene können sich deshalb sogar dazu entscheiden, ihre Arbeitsstelle aufzugeben oder ganz aus dem Berufsleben auszusteigen.
Die Prävention sexueller Belästigung von Beschäftigten im Gesundheitswesen ist daher wichtig. Aufklärungs- und Schulungsmaßnahmen zum Thema sexuelle Belästigung können unterschiedliche Schwerpunkte haben. Ein Ansatz besteht darin, das Bewusstsein für sexuelle Belästigung zu schärfen oder das Wissen darüber zu erweitern. Ein weiterer Ansatz besteht darin, Strategien zur Vorbeugung sexueller Belästigung zu erlernen oder zu trainieren, wie man dagegen vorgehen kann. Schulungen und Fortbildungen können in Präsenz, digital oder als Kombination aus beidem durchgeführt werden. Die Schulungen können von Kolleginnen und Kollegen, Führungskräften oder speziell geschulten Fachkräften durchgeführt werden, sowohl im Rahmen formeller Angebote als auch informell.
Was wollten wir herausfinden?Wir wollten herausfinden, ob Aufklärungs- und Schulungsmaßnahmen das Wissen über sexuelle Belästigung erweitern und die Fähigkeiten zum Umgang damit verbessern können. Außerdem untersuchten wir, wie häufig sexuelle Belästigung auftritt, welche Folgen sie hat (z. B. Angstzustände, Depressionen, Burnout, krankheitsbedingte Fehlzeiten, Personalfluktuation oder Arbeitsunfähigkeit) und wie sie die Einstellung der Beschäftigten zu ihrem Arbeitsplatz beeinflusst.
Wie gingen wir vor?Wir suchten nach Studien, die Aufklärungs- und Schulungsmaßnahmen zum Thema sexuelle Belästigung mit folgenden Maßnahmen verglichen:
keiner Aufklärungs- oder Schulungsmaßnahme, einer Warteliste oder einer minimalen Aufklärungsmaßnahme (z. B. einer Informationsbroschüre); oder
einer anderen Art von Aufklärung oder Schulung zum Thema sexuelle Belästigung.
Wir verglichen die Ergebnisse der Studien, fassten sie zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz. Dabei berücksichtigten wir unter anderem die Größe der Studien und wie sie durchgeführt wurden.
Was fanden wir heraus?Wir fanden keine Studien, die Aufklärungs- und Schulungsmaßnahmen zum Thema sexuelle Belästigung mit keiner Maßnahme, einer Warteliste oder einer minimalen Aufklärungsmaßnahme (z. B. einem Informationsblatt) verglichen.
Wir fanden zwei Studien, die Aufklärung und Schulungen zum Thema sexuelle Belästigung mit einer anderen Art von Aufklärung oder Schulung zum Thema sexuelle Belästigung verglichen. Beide Studien stammten aus Taiwan und umfassten insgesamt 170 Pflegekräfte, hauptsächlich junge Frauen mit wenig Berufserfahrung. Eine Gruppe von Pflegekräften erhielt eine Präsenzschulung und ein interaktives Computerprogramm zur Aufklärung. Die Pflegekräfte in der Vergleichsgruppe erhielten Aufklärung ausschließlich über eine Broschüre und ein Video.
Aufklärung und Schulung zum Thema sexuelle Belästigung:
erhöhen wahrscheinlich das Wissen darüber, wie sich sexuelle Belästigung verhindern lässt, geringfügig (2 Studien, 168 Personen); und
verbessern möglicherweise geringfügig die Fähigkeiten der Pflegekräfte, mit sexueller Belästigung umzugehen („Bewältigungsverhalten“ und „Präventionsstrategien“; jeweils 2 Studien mit 168 Personen).
Keine der Studien untersuchte, wie häufig sexuelle Belästigung auftrat, welche Folgen sie hatte (z. B. Angstzustände, Depressionen, Burnout, krankheitsbedingte Fehlzeiten, Personalfluktuation oder Erwerbsunfähigkeit) oder wie Beschäftigte im Gesundheitswesen ihren Arbeitsplatz im Zusammenhang mit sexueller Belästigung wahrnahmen.
Was schränkt die Evidenz ein?Unsere Vertrauen in die Evidenz ist mäßig bis gering, vor allem weil wir nur zwei Studien mit wenigen Teilnehmenden gefunden haben.
Weitere Studien sind erforderlich, die Beschäftigte aus unterschiedlichen Gesundheitsberufen einbeziehen und mögliche Nachteile von Aufklärungs- und Schulungsmaßnahmen zum Thema sexuelle Belästigung untersuchen. Zudem sollten zukünftige Studien Aufklärungs- und Schulungsmaßnahmen zum Thema sexuelle Belästigung mit keiner Maßnahme, einer Warteliste oder einer minimalen Aufklärungsmaßnahme (z. B. einer Informationsbroschüre) vergleichen.
Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?Die Evidenz ist auf dem Stand von März 2025.