Cochrane Kompakt

Verbessert die Senkung der Körpertemperatur von Spender*innen nach dem Hirntod die Qualität der transplantierten Organe?

1 day 18 hours ago
Kernaussagen
  • Die Senkung der Körpertemperatur von Organspender*innen auf der Intensivstation vor der Organentnahme führt möglicherweise nicht dazu, dass das transplantierte Organ beim Empfänger bzw. der Empfängerin schneller seine Funktion aufnimmt.

  • Die Senkung der Körpertemperatur führt möglicherweise weder dazu, dass weniger Organe transplantiert werden können, noch zu bestimmten Sicherheitsproblemen bei den Spender*innen, etwa Herzrhythmusstörungen, Kreislaufstillstand oder Blutdruckproblemen.

  • Die Ein-Jahres-Überlebensrate des transplantierten Organs wurde nur in drei der vier Studien angegeben. Keine der Studien berichtete über die Lebensqualität oder Herzerkrankungen der Empfänger*innnen nach zwölf Monaten. Auch wichtige Messgrößen zur Funktion der transplantierten Organe nach zwölf Monaten wurden nicht berichtet – etwa die Herzfunktion nach einer Herztransplantation oder der Insulinbedarf nach einer Bauchspeicheldrüsentransplantation.

Was ist eine Transplantation solider Organe?

Bei einer Organtransplantation wird ein Organ wie eine Niere, ein Herz, eine Leber, eine Lunge oder eine Bauchspeicheldrüse von einem Spender bzw. einer Spenderin auf einen Empfänger bzw. eine Empfängerin übertragen. Für Menschen mit einem Organversagen im Endstadium ist eine Organtransplantation die beste Behandlungsmöglichkeit. Allerdings herrscht nach wie vor ein Mangel an für eine Spende geeigneten Organen. Viele Spenderorgane stammen von Menschen, bei denen im Rahmen einer intensivmedizinischen Behandlung der Hirntod eingetreten ist (d. h., bei denen ein dauerhafter und irreversibler Verlust der Hirnfunktion vorliegt). Es ist bekannt, dass der Eintritt des Hirntods zu erheblichen Organschäden führt. Deshalb sollte die medizinische Betreuung dieser Spender*innen bestmöglich gestaltet werden, damit die Transplantation bei den Empfänger*innen möglichst erfolgreich ist und das transplantierte Organ möglichst gut funktioniert.

Warum wird die Körpertemperatur der Organspender*innen gesenkt, und wie erfolgt dies?

Die Senkung der Körpertemperatur der Spender*innen unter die normale Kerntemperatur (< 35,5 °C) kann die Körperfunktionen verlangsamen und dazu beitragen, die Organe bis zu ihrer Entnahme und Transplantation in einem gesünderen Zustand zu erhalten. Dies kann auf der Intensivstation zwischen dem Hirntod und der Organspende erfolgen. Die Senkung der Körpertemperatur kann erreicht werden, indem man den Spender spontan auf die Zieltemperatur abkühlen lässt oder Ventilatoren, Eispackungen oder spezielle externe Kühlsysteme einsetzt. Andere Möglichkeiten umfassen Verfahren wie eine Blasenspülung, invasive Kühlsysteme oder temperaturgeregelte befeuchtete Atemgase, die während der Beatmung verwendet werden, um die gewünschte Kerntemperatur zu erreichen. Je nach Körpertemperatur wird die therapeutische Hypothermie in vier Schweregrade eingeteilt: leicht (34,0 bis 35,5 °C), mäßig (32,0 bis 33,9 °C), mäßig tief (30,0 bis 31,9 °C) und tief (unter 30 °C).

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten untersuchen, ob die Senkung der Körpertemperatur von Spender*innen zu gesünderen Organen und besseren Behandlungsergebnissen für Empfänger*innen nach einer Organtransplantation führt. Wir waren daran interessiert, herauszufinden:

  • wie schnell die gespendeten Organe ihre Funktion aufnahmen;

  • ob die Transplantation erfolgreich war;

  • ob der Empfänger bzw. die Empfängerin überlebte (und wie lange).

Wie sind wir vorgegangen?

Wir suchten nach Studien, in denen untersucht wurde, ob die Senkung der Körpertemperatur der Spender*innen wirksam war und ob sie unerwünschte Wirkungen verursachte. In die Studien wurden nur Spender*innen eingeschlossen, bei denen entweder sämtliche Hirnfunktionen irreversibel ausgefallen waren oder die Fähigkeit zu Bewusstsein und selbstständiger Atmung irreversibel verloren gegangen war. Die Empfänger*innen mussten eine Niere, ein Herz, eine Leber, eine Lunge oder eine Bauchspeicheldrüse transplantiert bekommen. Die Studien konnten an jedem Ort der Welt durchgeführt worden sein.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden vier Studien mit 2.096 Spendern, in denen die Wirkungen einer Senkung der Körpertemperatur der Spender*innen vor der Transplantation untersucht wurden. Zwei Studien befassten sich mit Nierentransplantationen, zwei weitere mit der Transplantation mehrerer solider Organe (Niere, Leber, Lunge, Herz, Bauchspeicheldrüse). Die Studien wurden in den USA und in Frankreich durchgeführt.

Nierentransplantation

Senkung der Körpertemperatur der Spender*innnen im Vergleich zur Aufrechterhaltung der normalen Körpertemperatur:

  • verringert möglicherweise nicht die Zeit, die benötigt wird, bis die transplantierten Nieren ihre Funktion aufnehmen (4 Studien, 3.015 Empfänger*innen);

  • hat möglicherweise keinen Einfluss auf das Überleben der transplantierten Niere ein Jahr nach der Transplantation (3 Studien, 2.075 Empfänger*innen);

  • hat möglicherweise keinen Einfluss darauf, wie viele Nierenempfänger*innen ein Jahr nach der Transplantation noch am Leben waren (1 Studie, 526 Empfänger*innen).

Andere Organe

Senkung der Körpertemperatur der Spender*innnen im Vergleich zur Aufrechterhaltung der normalen Körpertemperatur:

  • verringert möglicherweise nicht die Zeit, bis transplantierte Lungen ihre Funktion aufnehmen (1 Studie, 99 Empfänger*innnen);

  • verringert möglicherweise nicht die Zeit, bis transplantierte Lebern ihre Funktion aufnehmen (1 Studie, 262 Empfänger*innen);

  • verringert wahrscheinlich nicht die Anzahl der für eine Transplantation verfügbaren Organe (4 Studien, 4.265 Empfänger*innen).

Eine Senkung der Körpertemperatur der Spender*innnen im Vergleich zur Aufrechterhaltung der normalen Körpertemperatur führt möglicherweise zu keinen Problemen bei den Spender*innnen (wie Herzprobleme) (3 Studien, 2.015 Spender*innen).

Was schränkt die Evidenz ein?

Die geringe Anzahl der untersuchten Studien und der transplantierten Spenderorgane stellten die größten Einschränkungen dieser Übersichtsarbeit dar. Die Ein-Jahres-Überlebensrate des transplantierten Organs wurde nur in drei Studien angegeben. Keine der Studien berichtete über die Lebensqualität oder Herzerkrankungen der Empfänger*innnen nach zwölf Monaten. Auch wichtige Messgrößen zur Funktion der transplantierten Organe nach zwölf Monaten wurden nicht berichtet – etwa die Herzfunktion nach einer Herztransplantation oder der Insulinbedarf nach einer Bauchspeicheldrüsentransplantation. Die meisten Studien konzentrierten sich auf Nierenspender*innen und -empfänger*innnen, während für andere solide Organe nur sehr wenige Informationen vorlagen.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Übersichtsarbeit ist auf den Stand von September 2025.

Amarnath DR, Tingle SJ, Hoather TJ, Thompson ER, Wilson CH, supported by Cochrane Kidney and Transplant

Ist die Blutentnahme mit einer Nadel aus einer Vene (Venenpunktion) bei termingeborenen Neugeborenen besser als der Einstich in die Ferse (Fersenpunktion)?

3 days 19 hours ago
Kernaussagen
  • Eine Venenpunktion (das Einführen einer Nadel in eine Vene) ist für Neugeborene bei der Blutentnahme möglicherweise weniger schmerzhaft als eine Fersenpunktion (das Durchstechen der Haut an der Ferse mit einer speziellen Stechhilfe), unabhängig davon, ob zur Schmerzlinderung eine süß schmeckende Lösung verabreicht wird oder nicht. Zudem kann sie, wenn keine süß schmeckende Lösung zur Schmerzlinderung eingesetzt wird, die Notwendigkeit mehrerer Hautpunktionen verringern.

  • Wir wissen nicht, ob die Venenpunktion im Vergleich zur Fersenpunktion die Notwendigkeit von mehr als einer Hautpunktion verringert, wenn zur Schmerzlinderung eine süß schmeckende Lösung verabreicht wird.

  • Es werden größere, methodisch besser geplante Studien mit vollständiger Ergebnisberichterstattung benötigt, um zu zeigen, welche Methode für Neugeborene besser ist.

Warum entnehmen wir Neugeborenen Blutproben?

In den meisten Ländern wird eine Blutprobe von Neugeborenen für routinemäßige Vorsorgeuntersuchungen entnommen. Blutproben können auch für andere Blutuntersuchungen erforderlich sein, um Erkrankungen wie Gelbsucht oder Unterzuckerung (Hypoglykämie) zu diagnostizieren und zu überwachen. Die Blutentnahme bei Neugeborenen ist jedoch schmerzhaft. Unbehandelte Schmerzen bei Neugeborenen können ihr körperliches Wachstum und ihre Gehirnentwicklung beeinträchtigen. Zur Schmerzlinderung kann Neugeborenen vor dem Eingriff eine süß schmeckende Lösung (z. B. eine Saccharoselösung) verabreicht werden. Schmerzen bei Neugeborenen lassen sich nur schwer messen. Zur Beurteilung werden daher Anzeichen wie der Gesichtsausdruck, Weinen und Veränderungen der Herzfrequenz herangezogen.

Wie werden Blutproben entnommen?Venenpunktion

Die Venenpunktion ist eine Methode zur Blutentnahme, bei der eine Nadel direkt in eine Vene gestochen wird. Wer eine Venenpunktion durchführt, muss dafür gut geschult sein, damit die Blutentnahme erfolgreich verläuft. Diese Technik wird häufig angewendet, wenn 1 ml oder mehr Blut benötigt wird, sowie um wiederholte Einstiche in die Haut und damit verbundene Komplikationen (wie z. B. Hautinfektionen) durch die Fersenpunktion zu vermeiden.

Fersenpunktion

Die Fersenpunktion ist weltweit die Standardmethode zur Blutentnahme bei Neugeborenen in Krankenhäusern. Sie wird üblicherweise angewendet, wenn weniger als 1 ml Blut benötigt wird. Die erfolgreiche Anwendung erfordert keine spezielle Schulung oder Erfahrung. Bei dem Verfahren wird mit einer Lanzette – in der Regel einer automatischen Stechhilfe – ein kleiner Einstich (1 bis 2 mm tief) an der Ferse vorgenommen. Nach der Punktion wird die Ferse des Neugeborenen zusammengedrückt, um die benötigte Blutprobe zu entnehmen, was weitere Schmerzen verursachen kann.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden:

  • ob eine Venenpunktion bei Neugeborenen weniger schmerzhaft ist als eine Fersenpunktion; und

  • welches Verfahren beim ersten Versuch am besten funktioniert, sodass keine zweite Hautpunktion erforderlich ist.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen die Venenpunktion und die Fersenpunktion zur Blutentnahme bei Neugeborenen verglichen wurden. Die Studien mussten die Schmerzreaktionen sowie die Anzahl der Hautpunktionen erfassen, die für eine erfolgreiche Probenentnahme erforderliche waren. Außerdem mussten sie dokumentiert haben, ob den Neugeborenen zur Schmerzlinderung eine süß schmeckende Lösung verabreicht wurde. Die Säuglinge in den Studien mussten gesund und termingerecht geboren sein. Wir verglichen und fassten die Ergebnisse der Studien zusammen und bewerteten die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz anhand von Faktoren wie der Methodik und Größe der Studien.

Was fanden wir heraus?

Wir haben acht Studien mit insgesamt 826 termingeborenen Neugeborenen einbezogen. Drei Studien fanden in Schweden statt, je eine in Japan, Malaysia, Nepal, Spanien und Großbritannien.

Wenn keine süß schmeckende Lösung verabreicht wird:

  • verursacht die Venenpunktion wahrscheinlich weniger Schmerzen als die Fersenpunktion (6 Studien, 488 Neugeborene); und

  • verringert die Venenpunktion im Vergleich zur Fersenpunktion wahrscheinlich die Notwendigkeit von mehr als einer Hautpunktion (6 Studien, 397 Neugeborene).

Wenn eine süß schmeckende Lösung verabreicht wird:

  • verursacht die Venenpunktion im Vergleich zur Fersenpunktion möglicherweise weniger Schmerzen (3 Studien, 170 Neugeborene); und

  • sind wir unsicher, welche Auswirkungen eine Venenpunktion im Vergleich zur Fersenpunktion auf die Notwendigkeit von mehr als einer Hautpunktion hat (2 Studien, 110 Neugeborene).

Was schränkt die Aussagekraft der Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Evidenz war begrenzt und reichte von moderat bis sehr gering. Das liegt daran, dass alle Studien Einschränkungen hinsichtlich ihrer Durchführung aufwiesen. Dazu gehörten Probleme bei der Zuordnung der Neugeborenen zu den jeweiligen Gruppen, bei der Berichterstattung über die Studienergebnisse sowie bei der Anzahl der in die Studien eingeschlossenen Neugeborenen. Zudem wussten die Personen, die die Eingriffe durchführten, welche Entnahmemethode bei jedem Neugeborenen angewendet wurde, was die Bewertung der Schmerzen in den Studien beeinflusst haben könnte.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Diese Übersichtsarbeit aktualisiert unsere Cochrane-Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2011. Die Evidenz ist auf den Stand von Juli 2025.

Martins G, Fiander M, Taddio A, Shah VS

Welche Vorteile und Risiken haben Jochbeinimplantate für Menschen mit zahnlosem Oberkiefer und starkem Knochenverlust?

3 days 19 hours ago
Kernaussagen
  • Im Vergleich zu herkömmlichen Zahnimplantaten, die erst nach einem Knochenaufbau eingesetzt werden, gehen Jochbeinimplantate wahrscheinlich seltener verloren. Außerdem konnten die Betroffenen deutlich schneller mit funktionsfähigem Zahnersatz versorgt werden. Allerdings traten bei Jochbeinimplantaten mehr Komplikationen auf.

  • Die Löcher für die Implantate können entweder mit einem herkömmlichen rotierenden Bohrer oder mithilfe eines vibrierenden Instruments angelegt werden, das den Knochen sehr gezielt abträgt (piezoelektrische Chirurgie). Hinsichtlich der Haltbarkeit der Implantate und des Zahnersatzes sowie des Komplikationsrisikos gibt es zwischen den beiden Methoden möglicherweise kaum oder gar keinen Unterschied. Mit einem rotierenden Bohrer lässt sich der Eingriff jedoch wahrscheinlich schneller durchführen.

  • Es gibt nur wenige Studien zu dieser Fragestellung. Wir benötigen weitere und größere Studien, um die Vorteile und Risiken verlässlicher beurteilen zu können.

Welche Folgen hat es, wenn Menschen keine oder nur noch wenige natürliche Zähne haben?

Wenn Zähne verloren gehen, bildet sich der umgebende Knochen allmählich zurück, weil er beim Kauen nicht mehr belastet wird. Das Ausmaß des Knochenverlusts variiert von Person zu Person. Der Knochenabbau kann so stark sein, dass Betroffene herausnehmbare Zahnprothesen nicht mehr bequem tragen können. Dies kann das Essen und Sprechen erschweren und das Selbstbewusstsein, das Wohlbefinden und die sozialen Beziehungen beeinträchtigen. Zahnimplantate können helfen, diese Probleme zu lösen.

Was sind Zahnimplantate und wie helfen sie?

Herkömmliche Zahnimplantate sind 0,5 bis 2 cm lange Schrauben, die in den Kieferknochen eingesetzt werden und als künstliche Zahnwurzeln dienen. Daran können Zahnärzt*innen festsitzenden Zahnersatz oder herausnehmbare beziehungsweise teilweise herausnehmbare Prothesen befestigen.

Jochbeinimplantate („zygomatische Implantate“) sind mit etwa 3 bis 5 cm länger. Sie kommen zum Einsatz, wenn sich der Oberkieferknochen so stark zurückgebildet hat, dass herkömmliche Implantate nicht mehr sicher darin verankert werden können. Jochbeinimplantate dienen fast immer als Verankerung für festsitzenden Zahnersatz und nicht für herausnehmbare Prothesen.

Bei Jochbeinimplantaten kann der festsitzende Zahnersatz häufig noch am selben Tag eingesetzt werden. Das ist möglich, weil bei Jochbeinimplantaten kein Knochenaufbau erforderlich ist. Bei einem solchen Eingriff bringt eine Chirurgin bzw. ein Chirurg patienteneigenen Knochen oder Knochenersatzmaterial in den Kiefer ein, damit herkömmliche Implantate darin verankert werden können. Knochenaufbau ist komplex, teuer und zeitaufwendig. Es kann mehrere Operationen erfordern und mehr als ein Jahr dauern, bis Zahnersatz eingesetzt werden kann.

Jochbeinimplantate können entweder mit rotierenden Bohrern oder mithilfe der piezoelektrischen Chirurgie eingesetzt werden. Dabei wird der Knochen durch Ultraschallschwingungen bearbeitet, was das umliegende Gewebe möglicherweise weniger belastet. Jochbeinimplantate können Komplikationen verursachen. Ihre möglichen Vorteile müssen daher sorgfältig gegen die damit verbundenen Risiken abgewogen werden.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob Jochbeinimplantate im Vergleich zu herkömmlichen Implantaten nach einem Knochenaufbau zu Folgendem führen:

  • Versagen des Zahnersatzes – wenn der Zahnersatz bricht oder sich lockert;

  • Implantatversagen – bei dem die Implantatschrauben instabil werden;

  • Komplikationen.

Außerdem wollten wir herausfinden:

  • welcher Implantattyp zu einer höheren Zufriedenheit und einer schnelleren Rehabilitation führte;

  • welches Verfahren zur Vorbereitung der Implantatstelle schneller durchgeführt werden konnte und welches die Patient*innen bevorzugten.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen folgende Behandlungen miteinander verglichen wurden:

  • Jochbeinimplantate im Vergleich zu Standardimplantaten in transplantiertem Kieferknochen bei Patient*innen mit schwerem Knochenverlust im Oberkiefer; oder

  • verschiedene Methoden zur Vorbereitung des Implantatbetts für Jochbeinimplantate.

Wir haben die Studienergebnisse verglichen und zusammengefasst und unsere Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie den Studienmethoden bewertet.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden zwei kleine Studien, in denen die Teilnehmenden drei Jahre lang beobachtet wurden. Beide wurden in Europa durchgeführt. Eine verglich Jochbeinimplantate mit Standardimplantaten in transplantiertem Knochen und umfasste 71 Personen. Die andere verglich die piezoelektrische Chirurgie mit rotierenden Bohrern zur Vorbereitung der Implantatstelle und umfasste 20 Personen.

Hauptergebnisse

Nach drei Jahren führten Jochbeinimplantate im Vergleich zu Standardimplantaten in transplantiertem Kieferknochen:

  • möglicherweise seltener zu einem Versagen des Zahnersatzes: Von 100 behandelten Personen versagte der Zahnersatz bei etwa 12 Personen weniger als nach einem Knochenaufbau mit herkömmlichen Implantaten;

  • wahrscheinlich seltener zu einem Implantatversagen: Von 100 behandelten Personen versagten die Implantate bei etwa 22 Personen weniger als nach einem Knochenaufbau mit herkömmlichen Implantaten;

  • wahrscheinlich zu mehr Komplikationen: Etwa vier Fünftel der Personen mit Jochbeinimplantaten hatten Komplikationen, verglichen mit etwa der Hälfte der Personen mit Standardimplantaten.

Wir wissen nicht, welches Verfahren zu einer höheren Zufriedenheit der Patient*innen führt. Personen mit Jochbeinimplantaten erhielten ihren neuen Zahnersatz jedoch wahrscheinlich deutlich früher: im Durchschnitt nach etwas mehr als einem Tag. Bei herkömmlichen Implantaten dauerte es dagegen im Durchschnitt 444 Tage, bis der Zahnersatz eingesetzt werden konnte.

In der Studie, in der die piezoelektrische Chirurgie mit rotierenden Bohrern zur Vorbereitung der Implantatstellen verglichen wurde, gab es nach drei Jahren möglicherweise kaum oder gar keinen Unterschied zwischen den beiden Verfahren hinsichtlich:

  • Versagen der Zahnersatzteile;

  • Implantatversagen;

  • Komplikationen;

  • Präferenz der Patient*innen.

Allerdings konnte das Einsetzen der Implantate mit rotierenden Bohrern wahrscheinlich um mehr als neun Minuten verkürzt werden.

Was schränkt die Evidenz ein?

Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz reichte für die einzelnen Ergebnisse von sehr gering bis moderat. Wir fanden nur zwei Studien zu diesen Behandlungsansätzen. Beide umfassten nur wenige Teilnehmende. Weitere gut geplante Studien sind erforderlich, um herauszufinden, welche Behandlungsverfahren am besten geeignet sind.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von November 2025.

Visconti RF, Greco K, Cotticelli C, Ambrosi A, Esposito MAB

Ist Bewegung eine wirksame Therapie bei Hüftarthrose?

3 days 19 hours ago
Kernaussagen
  • Bei Menschen mit Hüftarthrose – einer Erkrankung, bei der sich der Knorpel und andere Strukturen des Hüftgelenks verändern und die mit Schmerzen und Steifheit einhergehen kann – hat Bewegungstherapie im Vergleich zu einer Placebo-Ultraschallbehandlung oder regelmäßigen Kontrollkontakten möglicherweise kaum oder gar keine Wirkung auf die Schmerzen, kann die körperliche Funktion jedoch möglicherweise leicht verbessern. Im Vergleich zu keiner Behandlung, der üblichen Versorgung oder einer kurzen Aufklärung lindert Bewegungstherapie Schmerzen wahrscheinlich geringfügig und verbessert die Gelenkfunktion ebenfalls geringfügig. Diese Verbesserungen sind im Alltag jedoch möglicherweise kaum spürbar. Wird eine andere Behandlung durch Bewegungstherapie ergänzt, hat dies wahrscheinlich kaum oder gar keine zusätzliche Wirkung auf Schmerzen und Gelenkfunktion.

  • Bei Menschen mit Hüftarthrose ist unklar, ob Bewegungstherapie im Vergleich zu einer Scheinbehandlung oder Kontrollbetreuung sowie im Vergleich zu keiner Behandlung, der üblichen Versorgung oder einer kurzen Aufklärung zu mehr unerwünschten Ereignissen führt. Wird eine andere Behandlung durch Bewegungstherapie ergänzt, treten wahrscheinlich geringfügig weniger unerwünschte Ereignisse auf als bei der anderen Behandlung allein.

  • Es sind weitere, gut konzipierte Studien speziell mit Menschen mit Hüftarthrose erforderlich, um verlässlichere Schlussfolgerungen über die Wirkungen von Bewegungstherapie ziehen zu können.

Was ist Hüftarthrose?

Eine Hüftarthrose ist eine Erkrankung, bei der sich der Knorpel und andere Strukturen des Hüftgelenks verändern. Es handelt sich um eine häufige chronische Erkrankung. Menschen mit Hüftarthrose leiden häufig unter Gelenkschmerzen und -steifheit. Betroffene können bei alltäglichen Tätigkeiten eingeschränkt sein, etwa beim Treppensteigen oder beim Aufstehen von einem Stuhl.

Wie könnte Bewegungstherapie helfen?

Bewegungstherapie soll die Muskelkraft und die Beweglichkeit des Gelenks verbessern und das Vertrauen der Betroffenen stärken, bestimmte Aktivitäten bewältigen zu können. Dadurch sollen Schmerzen und Einschränkungen abnehmen und Betroffene ihre Beschwerden besser bewältigen können. Die Trainingsprogramme variieren erheblich und umfassen eine breite Palette unterschiedlicher Übungsarten, Intensitäten und Durchführungsmethoden.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten wissen, ob Bewegungstherapie bei Menschen mit Hüftarthrose Schmerzen lindert und die Gelenkfunktion sowie das Wohlbefinden verbessert. Außerdem wollten wir wissen, ob Teilnehmende, die sich körperlich betätigten, eher von einem Behandlungserfolg berichteten und seltener aus der Studie ausschieden oder unerwünschte Ereignisse auftraten.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen die Wirkungen von Bewegungstherapie bei Erwachsenen mit Hüftarthrose untersucht wurden. Die Trainingsprogramme mussten an Land stattfinden, geplant, strukturiert und wiederholbar sein. Wir verglichen und fassten die Ergebnisse der Studien zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie den Studienmethoden und der Übereinstimmung der Ergebnisse zwischen den Studien.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 18 Studien mit 1.368 Erwachsenen. Die Teilnehmenden waren überwiegend Frauen (63 %) im Alter zwischen 53 und 74 Jahren. Die Studien wurden in Australien, Kanada, Dänemark, Finnland, Deutschland, Irland, Italien, den Niederlanden, Neuseeland, Norwegen, Schweden und den USA durchgeführt. Die Trainingsprogramme dauerten zwischen zwei und 52 Wochen. In den meisten Studien wurden die Ergebnisse unmittelbar nach Abschluss des Trainingsprogramms gemessen; einige Studien berichteten zusätzlich über längerfristige Ergebnisse.

Bewegungstherapie im Vergleich zu einer Placebo-Ultraschallbehandlung oder regelmäßigen Kontrollkontakten (2 Studien, 123 Erwachsene)
  • Bewegungstherapie hat möglicherweise nur geringe bis gar keine Wirkungen auf die Schmerzen.

  • Bewegungstherapie kann möglicherweise die Gelenkfunktion leicht verbessern. Auf einer Skala von 0 bis 100, auf der ein Unterschied von 13 Punkten als signifikante Veränderung gilt, erzielten die Personen, die eine Bewegungstherapie erhielten, ein um 7,4 Punkte besseres Ergebnis als diejenigen, die eine Scheinbehandlung erhielten.

  • Keine der Studien berichtete über das Wohlbefinden oder ob die Teilnehmenden die Behandlung insgesamt als erfolgreich bewerteten.

  • Personen, die eine Bewegungstherapie erhalten, brechen ihre Teilnahme an der Studie möglicherweise nicht häufiger ab.

  • Wir sind uns nicht sicher, ob bei einer Bewegungstherapie mehr unerwünschte Ereignisse auftreten.

Bewegungstherapie im Vergleich zu keiner Behandlung, Standardversorgung oder begrenzter Aufklärung (10 Studien, 494 Erwachsene)
  • Bewegungstherapie führt wahrscheinlich zu einer Verbesserung von Schmerzen und Gelenkfunktion, allerdings nur geringfügig. Auf einer Skala von 0 bis 100 schnitten Personen, die sich bewegen, bei den Schmerzen um 7,2 Punkte besser ab (wobei ein Unterschied von 12 Punkten eine signifikante Veränderung darstellt) und bei der Gelenkfunktion um 8,8 Punkte besser (wobei ein Unterschied von 13 Punkten eine signifikante Veränderung darstellt) im Vergleich zu Personen, die keine Behandlung, die Standardversorgung oder eine Aufklärung erhielten.

  • Bewegungstherapie hat wahrscheinlich wenig bis gar keine Wirkungen auf das Wohlbefinden.

  • Eine Bewegungstherapie führt möglicherweise weder dazu, dass mehr Personen die Behandlung als erfolgreich bewerten, noch dazu, dass mehr Personen ihre Studienteilnahme abbrechen.

  • Wir sind uns nicht sicher, ob bei einer Bewegungstherapie mehr unerwünschte Ereignisse auftreten.

Bewegungstherapie in Kombination mit einer anderen Behandlung im Vergleich zur anderen Behandlung allein (7 Studien, 751 Erwachsene)
  • Wird eine andere Behandlung durch Bewegungstherapie ergänzt, hat dies wahrscheinlich kaum oder gar keine zusätzliche Wirkung auf Schmerzen, Gelenkfunktion oder Wohlbefinden. Auch darauf, ob Personen ihre Studienteilnahme abbrechen, hat die Bewegungstherapie wahrscheinlich kaum oder gar keinen Einfluss.

  • Die Ergänzung einer anderen Behandlung durch Bewegungstherapie hat möglicherweise kaum oder gar keinen Einfluss darauf, ob die Teilnehmenden die Behandlung insgesamt als erfolgreich bewerten.

  • Bei Personen, deren andere Behandlung durch Bewegungstherapie ergänzt wird, treten wahrscheinlich geringfügig weniger unerwünschte Ereignisse auf als bei der anderen Behandlung allein.

Was schränkt die Evidenz ein?

Da an den eingeschlossenen Studien Menschen mit unterschiedlich starken Hüftschmerzen und Funktionseinschränkungen teilnahmen, lassen sich die Ergebnisse wahrscheinlich auf die meisten Erwachsenen mit Hüftarthrose übertragen. Allerdings waren nur sehr wenige jüngere Erwachsene in den Studien vertreten, sodass die Ergebnisse möglicherweise nicht in gleichem Maße auf jüngere Menschen übertragbar sind.

In den meisten Studien wussten die Teilnehmenden, ob sie ein Trainingsprogramm absolvierten, und die Angaben zu Schmerzen und körperlicher Funktionsfähigkeit stammten aus Selbstauskünften. Das könnte den Eindruck erwecken, dass die Bewegungstherapie stärker wirkt, als es tatsächlich der Fall ist.

Unser Vertrauen in einige Ergebnisse ist moderat, in andere gering. Dies liegt daran, dass viele Studien klein angelegt waren und die Ergebnisse zwischen den Studien variierten. Weitere Forschungsarbeiten könnten die Ergebnisse verändern.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Dieser Review aktualisiert unseren vorherigen aus dem Jahr 2014. Die Evidenz ist auf den Stand von Februar 2025.

Hall M, Lawford BJ, Hinman RS, Dobson F, Spiers L, Kimp A, French HP, Reichenbach S, Hernandez-Molina G, Bennell KL

Können nicht-medikamentöse Maßnahmen SARS-CoV-2-Infektionen in Alten- und Pflegeheimen verhindern oder vermindern?

1 week 1 day ago
Kernaussagen

• Nicht-medikamentöse Maßnahmen (z.B. Besuchsbeschränkungen oder regelmäßige Tests) könnten SARS-CoV-2-Infektionen(die COVID-19 verursachen) bei bei Bewohnern und Personal von Einrichtungen von Alten- und Pflegeheimen verhindern. Wir haben aber Bedenken hinsichtlich der Verlässlichkeit der Ergebnisse.

• Es werden mehr qualitativ hochwertige Studien hinsichtlich der Erfahrungen aus der Praxis benötigt.

• Außerdem sind weitere Untersuchungen über Maßnahmen in Einrichtungen erforderlich, in denen die meisten Bewohnern und Mitarbeiter bereits geimpft wurden sowie weitere Studien aus anderen Regionen als Nordamerika und Europa.

Was sind nicht-medikamentöse Maßnahmen?

Nicht-medikamentöse Maßnahmen sind Maßnahmen zur Vorbeugung oder Minimierung von Krankheiten ohne den Einsatz von Medikamenten, wie z. B. Impfstoffen. Dazu gehören die Regulation der Bewegungen und des Kontakts zwischen Personen, die Verwendung persönlicher Schutzausrüstung oder regelmäßige Testungen auf Infektionen.

SARS-CoV-2 ist hoch ansteckend. Ältere Menschen oder Menschen mit Behinderungen, die in Pflegeeinrichtungen (z.B. Senioren- oder Pflegeheime) leben, sind für eine Infektion besonders anfällig. Das kommt daher, dass sie in engem Kontakt mit anderen Bewohnern leben und engen Kontakt mit Pflegepersonal und Besuchern haben. Aufgrund ihres Alters und ihres Gesundheitszustands haben die Heimbewohnern oft ein erhöhtes Risiko, schwer an COVID-19 zu erkranken und an der Krankheit zu sterben.

Was wollten wir herausfinden?

Wir untersuchten, wie wirksam nicht-medikamentöse Maßnahmen darin sind, SARS-CoV-2 Infektionen unter Bewohnern und Personal von Alten- und Pflegeheimen zu verhindern und die Ausbreitung in diesen zu beschränken. Dabei interessierten wir uns für alle Arten von Pflegeeinrichtungen für Erwachsene, z. B. Senioren- und Altenpflegeheime und Pflegeeinrichtungen für Menschen mit Behinderungen.

Wie sind wir vorgegangen?

Wir suchten systematisch nach Studien, welche die Auswirkungen von nicht-medikamentösen Maßnahmen in in Alten- und Pflegeheime untersuchten. Um aufgenommen zu werden, mussten die Studien darüber berichten, wie viele Infektionen, Krankenhausaufenthalte oder Todesfälle die Maßnahmen bei Bewohnern oder Personal verhinderten, oder ob die Maßnahmen den Eintrag des Virus in die Einrichtung oder Ausbrüche innerhalb dieser Einrichtung verhinderten. Wir berücksichtigten alle Arten von Studien, einschließlich Beobachtungsstudien, die Daten aus der Praxis verwenden, und Modellierungsstudien, die auf Daten aus computergenerierten Simulationen und Annahmen zum Modell beruhen.

Was haben wir gefunden?

Wir identifizierten 22 Studien: 11 Beobachtungsstudien und 11 Modellierungsstudien. Alle Studien wurden in Nordamerika oder Europa durchgeführt.

In dem Review unterscheiden wir vier Haupttypen von Maßnahmen.

1. Maßnahmen, welche den Zugang zu den Einrichtungen regulieren und damit das Ziel verfolgen, den Eintrag des Virus durch Bewohner, Personal oder Besuchern zu verhindern. Zu diesen Maßnahmen gehörten eine freiwillige Selbstisolation des Personals mit den Bewohnern, Quarantäne oder Testung von Neuaufnahmen, Beschränkungen bei der Aufnahme neuer Bewohner und Zugangsbeschränkungen für Besucher.

2. Maßnahmen, welche Kontakte regulieren und das Risiko für Übertragungen reduzieren, um Ansteckungen und die Ausbreitung des Virus in den Einrichtungen vorzubeugen. Zu diesen Maßnahmen gehörten das Tragen von Masken oder anderer Schutzausrüstung, Abstandsregelungen, zusätzliche Reinigungs- und Hygienemaßnahmen, Regelungen, um Kontakte zwischen Bewohnern und zwischen Personal zu reduzieren sowie den Zusammenschluss von Bewohnern und Personal in feste Pflegegruppen und die Begrenzung des Kontakts zwischen diesen Gruppen.

3. Maßnahmen zur Erkennung von Infektionen und zur frühzeitigen Erkennung von Ausbrüchen. Zu diesen Maßnahmen gehörten die regelmäßige Testung von Bewohnern oder Personal, unabhängig von den Symptomen, sowie die Testung im Fall von COVID-19-typischen Krankheitssymptomen.

4. Maßnahmen zur Ausbruchsbekämpfung und -kontrolle, mit dem Ziel, die Konsequenzen eines Ausbruchs zu minimieren. Zu diesen Maßnahmen gehören die Isolierung infizierter Bewohner und die räumliche Trennung von infizierten und nicht-infizierten Bewohnern bzw. dem sie betreuenden Personal.

In einigen Studien wurde eine Kombination dieser Maßnahmen angewandt.

Hauptergebnisse

Maßnahmen, welche den Zugang zu den Einrichtungen regulieren (4 Beobachtungsstudien; 4 Modellierungsstudien)

Die meisten Studien zeigten, dass diese Maßnahmen von Nutzen waren, aber einzelne Studien beschrieben auch keine oder unerwünschte Wirkungen, wie z. B. Depressionen und Delirium bei Bewohnern durch Besuchsverbote.

Maßnahmen die Kontakte regulieren und das Übertragungsrisiko senken (6 Beobachtungsstudien; 2 Modellierungsstudien)

Einige Maßnahmen können von Vorteil sein, aber oft ist die Studienlage (Evidenz) sehr unsicher.

Maßnahmen zur Identifikation von Infektionen und Ausbrüchen (2 Beobachtungsstudien; 6 Modellierungsstudien)

Routinemäßige Testungen von Bewohnern und Personal könnten die Zahl von Infektionen, Krankenhausaufenthalten und Todesfällen unter den Bewohnern verringern. Die Evidenz für die Wirkungen hinsichtlich der Todesfälle beim Personal ist jedoch weniger eindeutig. Häufigere Testung, schnellere Verfügbarkeit der Testergebnisse und die Verwendung genauerer Tests haben Modellierungsstudien zufolge einen positiveren Effekt.

Maßnahmen zur Ausbruchsbekämpfung und -kontrolle (4 Beobachtungsstudien; 3 Modellierungsstudien)

Diese Maßnahmen könnten die Zahl von Infektionen und das Risiko von Krankheitsausbrüchen in Einrichtungen verringern, aber die Studienlage ist sehr unsicher.

Kombinierte Maßnahmen (2 Beobachtungsstudien; 1 Modellierungsstudien)

Eine Kombination verschiedener Maßnahmen könnte die Zahl der Infektionen und Todesfälle wirksam verringern.

Was sind die Limitationen der Ergebnisse?

Unser Vertrauen in diese Ergebnisse ist begrenzt. In vielen Studien wurden mathematische Vorhersagen und keine realen Daten verwendet. Wir können nicht absolut sicher sein, dass diese Modellannahmen korrekt sind. In den meisten Beobachtungsstudien wurden nicht die zuverlässigsten Methoden verwendet. Das bedeutet, dass wir nicht sicher sein können, dass die Maßnahme den Effekt verursacht hat, z. B. dass es das Testen von Bewohnern war, was die Zahl von Todesfällen verringert hat.

Wie aktuell ist diese Evidenz?

Dieser Review umfasst Studien, die bis zum 22. Januar 2021 veröffentlicht wurden.

Stratil JM, Biallas RL, Burns J, Arnold L, Geffert K, Kunzler AM, Monsef I, Stadelmaier J, Wabnitz K, Litwin T, Kreutz C, Boger AH, Lindner S, Verboom B, Voss S, Movsisyan A

Welche Behandlungen helfen bei Schmerzen an den Sehnenansätzen (Apophysitis) an der Hüfte, den Beinen oder Füßen bei Kindern und Jugendlichen?

1 week 3 days ago
Kernaussagen
  • Bei den meisten Kindern mit Schmerzen an den Sehnenansätzen (Apophysitis) bessern sich die Beschwerden im Laufe der Zeit. Es ist ungewiss, ob eine Behandlung der Apophysitis die Schmerzen kurzfristig lindert, sowie die körperliche Funktionsfähigkeit und die Teilnahme am Sport beeinflusst.

  • Es ist unklar, ob eine bestimmte Behandlung besser oder schlechter ist als eine andere. Die Studien waren größtenteils klein und wiesen Mängel im Studiendesign auf. Die Studien erfassten unerwünschte Wirkungen nicht durchgängig. Keine Studie untersuchte, ob Kinder die Teilnahme aufgrund unerwünschter Wirkungen abbrachen.

  • Die Evidenz ist begrenzt. In den meisten Studien nahmen mehr Jungen als Mädchen teil. Zudem wurden Kinder eingeschlossen, die überdurchschnittlich körperlich aktiv waren. Die Kinder wussten oft, welcher Behandlungsgruppe sie zugeteilt waren, was die Ergebnisse beeinflusst haben könnte.

Was ist eine Apophysitis?

Während des Wachstums entwickeln Kinder und Jugendliche manchmal belastungsabhängige Schmerzen an Sehnenansätzen der Hüfte, den Beinen oder Füßen. Diese Schmerzen werden in der Regel durch eine Reizung der Sehnenansätze infolge wiederholter und länger andauernder Belastung verursacht, und nicht durch ein einzelnes Ereignis. Die Schmerzen sind meist von kurzer Dauer und haben nur begrenzte Auswirkungen auf das Leben des Kindes. Manchmal können die Schmerzen jedoch dazu führen, dass Kinder hinken, weniger Sport treiben oder körperlich weniger aktiv sind. Je nachdem, an welcher Stelle von Hüfte, Knie oder Fuß die Beschwerden auftreten, werden sie unterschiedlich bezeichnet. Zusammenfassend spricht man von „Apophysitis“ oder „apophysären Beschwerden der unteren Extremitäten“.

Wie wird eine Apophysitis behandelt?

An der Behandlung einer Apophysitis können unterschiedliche Gesundheitsfachkräfte beteiligt sein, darunter Hausärzt*innen, Physiotherapeut*innen und Podolog*innen. Zum Einsatz kommen verschiedene Behandlungen, darunter Bewegungs- und Dehnübungen, Medikamente, Bandagen oder Schienen sowie Hilfsmittel für die Schuhe, etwa spezielles Schuhwerk oder Fersenerhöhungen. Unabhängig von der Behandlung bessert sich eine Apophysitis in der Regel von selbst. In einigen Fällen jedoch können die Schmerzen lange bestehen bleiben.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, welche Behandlungen Schmerzen wirksam lindern, und verstehen, wie sicher diese Behandlungen sind. Wir wollten wissen, welche Behandlungen die körperliche Funktionsfähigkeit der Kinder verbessern und ihre Teilnahme am Sport ermöglichen. Außerdem wollten wir wissen, ob eine Behandlung besser wirkt als eine andere.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen verschiedene Behandlungsmethoden für Apophysitis an Hüfte, Knie und Fuß untersucht wurden. Wir haben nicht nach Behandlungen gesucht, die eine Operation umfassten.

Wir haben die Ergebnisse von Studien zusammengefasst, in denen dieselben Behandlungen untersucht wurden und ähnliche Methoden zur Messung der Wirksamkeit verwendet wurden. Und wir haben die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz bewertet.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 10 Studien mit 654 Kindern, deren Durchschnittsalter zwischen 10,3 und 13,3 Jahren lag. Sieben Studien befassten sich mit Schmerzen der Ferse (Kalkaneusapophysitis), drei mit Schmerzen an der Vorderseite des Knies (Traktionsapophysitis des Tibiatuberkel).

Hauptergebnisse
  • Eine Studie (23 Kinder) verglich ein Medikament (Dexamethason) mit einem Placebo (Scheinbehandlung). Es ist sehr unsicher, ob Dexamethason die Schmerzen lindert, die körperliche Funktionsfähigkeit verbessert oder den Kindern hilft, kurzfristig wieder Sport zu treiben. Zwei Studien (74 Kinder) berichteten über unerwünschte Wirkungen von Medikamenten, doch auch hier war die Evidenz sehr ungewiss.

  • Eine Studie (21 Kinder) verglich Dexamethason mit der Standardversorgung. Es ist sehr unsicher, ob Dexamethason die Schmerzen lindert, die körperliche Funktionsfähigkeit verbessert oder den Kindern hilft, kurzfristig wieder Sport zu treiben. Eine Studie (30 Kinder) berichtete über unerwünschte Wirkungen, doch die Evidenz war ebenfalls sehr ungewiss.

  • Eine Studie (22 Kinder) verglich Kinesio-Tape mit einem Placebo. Es ist sehr unsicher, ob Kinesio-Tape kurzfristig Schmerzen lindert oder die körperliche Funktionsfähigkeit verbessert. Die Studie berichtete nicht über die Teilnahme am Sport oder über unerwünschte Wirkungen.

  • Eine Studie (124 Kinder) verglich Fußorthesen mit Fersenerhöhungen. Sie zeigte, dass es kurzfristig wahrscheinlich kaum oder gar keinen Unterschied zwischen den beiden Behandlungen hinsichtlich der Schmerzen oder der körperlichen Funktionsfähigkeit gibt. Die Studie berichtete nicht über die Teilnahme am Sport. Eine Studie (101 Kinder) berichtete, dass keine unerwünschten Wirkungen auftraten.

  • Eine Studie mit 43 Kindern verglich eine Fersenpolsterung mit einem Fersenband. Es ist sehr unsicher, ob Fersenpolster kurzfristig die körperliche Funktionsfähigkeit verbessern oder unerwünschte Wirkungen verursachen. Die Studie berichtete nicht über die Teilnahme am Sport.

  • In keiner der Studien wurde berichtet, ob Kinder aufgrund von unerwünschten Wirkungen aus den Studien ausgeschieden sind.

Was schränkt die Aussagekraft der Evidenz ein?
  • In den meisten Studien wussten die Kinder und ihre Betreuer*innen, welche Behandlung sie erhielten, was möglicherweise Einfluss darauf hatte, wie sie über Verbesserungen berichteten. Dies könnte die Zuverlässigkeit der Ergebnisse beeinträchtigen.

  • Eine Apophysitis bessert sich häufig von selbst, wenn die Kinder weiterwachsen und sich die Apophysenfugen schließen. Daher ist schwer zu beurteilen, ob eine Besserung durch die Behandlung oder durch den natürlichen Heilungsverlauf bedingt ist.

  • An den Studien nahmen deutlich mehr Jungen als Mädchen teil, und die meisten Teilnehmenden waren körperlich sehr aktiv. Es ist unwahrscheinlich, dass sich die Erkrankung bei Jungen und Mädchen unterschiedlich auswirkt. Unklar ist jedoch, ob die Ergebnisse auf weniger körperlich aktive Kinder übertragbar sind.

  • Außerdem umfassten die meisten Studien nur eine geringe Zahl an Teilnehmenden. Daher können wir den Ergebnissen nur begrenzt vertrauen und wissen nicht, ob sie sich auf eine größere Gruppe von Kindern mit Apophysitis übertragen lassen.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand vom 4. Januar 2025.

Williams CM, Krommes K, Paterson KL, Haines T, Caserta A, Thorborg K

Verbessern Medikamente, die das Immunsystem beim Erkennen und Bekämpfen von Krebszellen unterstützen, die Behandlungsergebnisse bei älteren Menschen mit operablem Lungenkrebs?

2 weeks ago
Kernaussagen
  • Medikamente, die das körpereigene Immunsystem dabei unterstützen, Krebszellen zu erkennen und anzugreifen, können bei Menschen ab 65 Jahren, die wegen der häufigsten Form von Lungenkrebs operiert werden, den Tumor verkleinern und wahrscheinlich das Wiederauftreten der Erkrankung hinauszögern. Allerdings verlängern diese Medikamente wahrscheinlich nicht die Gesamtlebenszeit der Betroffenen.

  • Es liegt noch nicht genügend Evidenz vor, um beurteilen zu können, ob der Nutzen dieser Medikamente ihre Risiken überwiegt. Zudem wurde in keiner der Studien untersucht, wie sich die Behandlung auf das Wohlbefinden der Betroffenen auswirkt.

Was ist ein nicht-kleinzelliger Lungenkrebs, der operiert werden kann?

Etwa 85 % der Menschen mit Lungenkrebs leiden an sogenanntem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC). Er tritt am häufigsten bei älteren Erwachsenen auf, wobei das Durchschnittsalter bei der Diagnose bei 71 Jahren liegt. Wenn sich der Krebs noch nicht über die Lunge hinaus ausgebreitet hat und die Person fit genug für eine Operation ist, kann der Tumor entfernt werden. Allerdings kann der Krebs nach der Behandlung wieder auftreten, und zwischen 30 % und 55 % der Betroffenen sterben letztendlich an der Krankheit. Um das Risiko eines Rückfalls zu verringern, können verschiedene Behandlungsmethoden kombiniert werden.

Wie wird nicht-kleinzelliger Lungenkrebs, der operiert werden kann, behandelt?

In den letzten Jahren hat sich die Behandlung von Lungenkrebs durch die Entdeckung von Medikamenten, die das körpereigene Immunsystem dabei unterstützen, Krebszellen zu erkennen und anzugreifen (Immuntherapien), grundlegend verändert. Immuntherapien werden in Kombination mit Medikamenten angewendet, die Krebszellen abtöten (Chemotherapien). Eine Immuntherapie vor oder nach der Operation – oder in beiden Behandlungsphasen – kann die Heilungschancen verbessern und dazu beitragen, ein Wiederauftreten der Erkrankung hinauszuzögern.

Was wollten wir herausfinden?

Mit zunehmendem Alter verändert sich das Immunsystem und kann Krebszellen weniger wirksam bekämpfen. Dieser Prozess wird als Immunoseneszenz bezeichnet. Ältere Menschen sind eine sehr vielfältige Gruppe. Deshalb sollte jede Person individuell beurteilt werden, denn das Alter allein reicht nicht aus, um die am besten geeignete Behandlung festzulegen. Wir wollten herausfinden, ob eine Immuntherapie bei Menschen ab 65 Jahren trotz der altersbedingten Veränderungen des Immunsystems wirksam ist, die Heilungschancen verbessert, das Leben verlängert und welche unerwünschten Wirkungen sie verursacht.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach hochwertigen Studien, in denen bei Menschen ab 65 Jahren eine Immuntherapie – allein oder zusammen mit einer Chemotherapie – vor der Operation, nach der Operation oder in beiden Behandlungsphasen untersucht wurde. Wir fassten die Ergebnisse zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz. Dabei berücksichtigten wir unter anderem, wie die Studien durchgeführt wurden und wie viele Personen daran teilnahmen.

Was fanden wir heraus?

Für Menschen ab 65 Jahren fanden wir Ergebnisse aus 11 Studien mit insgesamt 3152 Personen mit nicht-kleinzelligem Lungenkrebs. Die Studien verglichen eine Immuntherapie mit einer Scheinbehandlung oder keiner Behandlung. In einigen Studien erhielten beide Behandlungsgruppen zusätzlich eine Chemotherapie. Die Behandlungen wurden entweder nur vor der Operation, nur danach oder sowohl vor als auch nach der Operation verabreicht.

Die Immuntherapie verringert die Menge an Krebsgewebe, die zum Zeitpunkt der Operation noch vorhanden ist, und verzögert wahrscheinlich ein Wiederauftreten der Erkrankung. Die Immuntherapie hat wahrscheinlich nur einen geringen oder gar keinen Einfluss auf das Gesamtüberleben. Es lag nicht genügend Evidenz vor, um die unerwünschten Wirkungen der Behandlung beurteilen zu können. Zudem wurde in keiner Studie das Wohlbefinden der Teilnehmenden untersucht.

Was schränkt die Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Evidenz zu den meisten Ergebnissen ist moderat, da einige Bedenken hinsichtlich der Durchführung der Studien bestehen. Es werden umfangreichere Daten über längere Zeiträume benötigt, um besser beurteilen zu können, ob und um wie viel die Behandlung die Lebenszeit verlängert. Unser Vertrauen in die Evidenz zu unerwünschten Wirkungen ist sehr gering, da nur eine Studie hierzu Daten lieferte.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand vom 3. Juli 2025.

Plissonneau E, Marchal C, Malouf R, Calais F, Westeel V, Orillard E

Welche Vor- und Nachteile hat es, den Blutdruck nach einer Behandlung zur Wiederherstellung der Durchblutung bei Menschen mit ischämischem Schlaganfall stärker zu senken als üblich?

2 weeks ago
Kernaussagen
  • Bei Erwachsenen, deren Blutfluss in einer verschlossenen Hirnarterie wiederhergestellt wurde, erhöht eine sehr intensive Blutdrucksenkung – in den meisten Studien unter 140 mmHg – im Vergleich zu den üblichen Blutdruckzielen von etwa unter 180 mmHg nicht die Wahrscheinlichkeit, drei Monate nach dem Schlaganfall selbstständig leben zu können. „Selbstständig leben“ bedeutet, ohne Hilfe gehen und die meisten alltäglichen Aufgaben bewältigen zu können.

  • Eine intensive Blutdrucksenkung erhöht wahrscheinlich das Risiko zu sterben und sich nach dem Schlaganfall schlecht zu erholen. Eine intensive Blutdrucksenkung erhöht oder verringert die Häufigkeit von Hirnblutungen insgesamt nicht. Bei symptomatischen Hirnblutungen führt sie möglicherweise zu keinem oder nur einem geringen Unterschied.

  • Die meisten Studienteilnehmenden wurden in Krankenhäusern mit spezialisierten Schlaganfallversorgung in Ländern mit oberem mittlerem oder hohem Einkommen behandelt. Wir wissen nicht, ob die Ergebnisse auch in Ländern mit weniger Ressourcen oder für alle Menschen mit ischämischem Schlaganfall gelten.

Was ist ein ischämischer Schlaganfall?

Ein Schlaganfall tritt auf, wenn die Blutversorgung eines Teils des Gehirns plötzlich unterbrochen wird. Bei einem ischämischen Schlaganfall wird diese Unterbrechung durch ein Blutgerinnsel verursacht, das eine Arterie im Gehirn verstopft. Dies kann verschiedene neurologische Beschwerden verursachen, etwa Schwäche, ein vermindertes Gefühl in einzelnen Körperteilen, Koordinationsprobleme und Schwierigkeiten beim Sprechen.

Wie wird ein Schlaganfall behandelt?

Ärzt*innen können die verstopfte Arterie manchmal wieder öffnen, indem sie über eine Vene ein Medikament verabreichen, das das Blutgerinnsel auflöst. Alternativ können sie das Gerinnsel mithilfe eines dünnen, durch die Blutgefäße vorgeschobenen Schlauchs entfernen. Dieses Verfahren wird mechanische Thrombektomie genannt. Beide Verfahren werden als Reperfusionsbehandlungen bezeichnet, weil sie die Durchblutung des Gehirns wiederherstellen.

Nach der Reperfusion haben viele Menschen einen sehr hohen Blutdruck, der das Risiko für eine Hirnblutung erhöhen kann. Wird der Blutdruck jedoch zu stark oder zu schnell gesenkt, kann dies die Blutversorgung von noch gefährdetem Hirngewebe beeinträchtigen und dadurch das Gehirn schädigen.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob eine intensive Blutdrucksenkung nach einer Reperfusionsbehandlung im Vergleich zur üblichen Blutdruckkontrolle:

  • die Genesung und die Fähigkeit zu einem selbstbestimmten Leben verbessert;

  • die gesundheitsbezogene Lebensqualität verbessert;

  • die Überlebensrate verbessert;

  • das Auftreten von Hirnblutungen erhöht oder verringert;

  • die Dauer des Krankenhausaufenthalts verkürzt;

  • die Häufigkeit anderer unerwünschter Wirkungen beeinflusst.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach klinischen Studien, in denen Erwachsene mit ischämischem Schlaganfall nach dem Zufallsprinzip verschiedenen Gruppen zugeteilt wurden. Sie hatten eine Reperfusionsbehandlung mit einem gerinnselauflösenden Medikament, einer mechanischen Thrombektomie oder beidem erhalten. Kurz nach der Reperfusion wurden niedrigere Blutdruckziele von unter 160 mmHg mit den üblichen Zielwerten von unter 180 mmHg verglichen.

Wir haben die Ergebnisse der Studien zusammengefasst und ausgewertet. Wir berücksichtigten außerdem, wie die Studien durchgeführt wurden, wie viele Personen daran teilnahmen und wie ähnlich oder unterschiedlich die Studien waren. So beurteilten wir, wie verlässlich die Ergebnisse sind.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden neun Studien mit insgesamt 4.381 Erwachsenen mit ischämischem Schlaganfall, die eine Reperfusionsbehandlung erhielten. Die meisten Teilnehmenden wurden in Krankenhäusern in Ländern mit hohem Einkommen behandelt, eine geringere Anzahl in Krankenhäusern in Ländern mit mittlerem Einkommen. Keine der Studien fand in Ländern mit niedrigem Einkommen statt. In den meisten Studien sollte der systolische Blutdruck – also der obere Wert bei der Blutdruckmessung – bei der intensiven Strategie unter 140 mmHg und bei der üblichen Strategie unter etwa 180 mmHg gehalten werden.

Hauptergebnisse
  • Eine intensive Blutdrucksenkung hat im Vergleich zur üblichen Blutdruckkontrolle kaum oder keinen Einfluss darauf, ob Menschen etwa drei Monate nach dem Schlaganfall selbstständig leben können.

  • Eine intensive Blutdrucksenkung hat wahrscheinlich kaum oder gar keinen Einfluss auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität.

  • Eine intensive Blutdrucksenkung erhöht oder verringert die Häufigkeit von Hirnblutungen insgesamt nicht. Bei symptomatischen Hirnblutungen, die mit einer Verschlechterung der Beschwerden einhergehen, gibt es möglicherweise kaum oder keinen Unterschied zur üblichen Blutdruckkontrolle.

  • Eine intensive Blutdrucksenkung erhöht wahrscheinlich das Sterberisiko und wahrscheinlich auch das Risiko einer schlechten Genesung nach einem Schlaganfall.

Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass eine Senkung des Blutdrucks auf sehr niedrige Zielwerte nach der Reperfusion wahrscheinlich keinen zusätzlichen Nutzen bringt und manchen Menschen möglicherweise schadet.

Was schränkt die Evidenz ein?

Die Evidenz weist mehrere wichtige Einschränkungen auf. So nahmen an einigen Studien nur relativ wenige Personen teil, wodurch die Ergebnisse weniger verlässlich sind. Zudem wurden die meisten Teilnehmenden in spezialisierten Zentren in Ländern mit mittlerem und hohem Einkommen behandelt; es liegt keine Evidenz aus Ländern mit niedrigem Einkommen vor. Bestimmte Personengruppen waren in den Studien möglicherweise nur unzureichend vertreten, etwa ältere Menschen mit mehreren weiteren Erkrankungen. Außerdem berichteten viele Studien die Ergebnisse nicht getrennt für Frauen und Männer.

Aufgrund dieser Einschränkungen sollten die Ergebnisse mit Vorsicht interpretiert werden. Weitere Forschung ist nötig, um herauszufinden, ob bestimmte Personengruppen von anderen Blutdruckzielen profitieren könnten.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz in dieser Übersichtsarbeit ist auf dem Stand von März 2025.

Varela LB, Escobar Liquitay CM, Díaz Menai S, Rodriguez JP, Quarteroni E, Ivaldi D, Burgos MA, Meza N, Garegnani LI

Welche Hormone wirken am besten zur Stimulation der Eierstöcke bei Frauen, die sich einer In-vitro-Fertilisation (IVF) unterziehen?

2 weeks ago
Kernaussagen
  • Bei der Verwendung von rekombinantem follikelstimulierendem Hormon (rFSH) kommt es wahrscheinlich zu etwas weniger Lebendgeburten als bei der Verwendung von gereinigtem humanem Menopausen-Gonadotropin (HMG) oder hochgereinigtem HMG (HP-HMG). Im Vergleich zu rFSH-Biosimilars kommt es wahrscheinlich zu etwas mehr Lebendgeburten. Zwischen rFSH und hochgereinigtem follikelstimulierendem Hormon (FSH-HP) oder Follitropin Delta gibt es wahrscheinlich kaum bis keinen Unterschied in der Zahl der Lebendgeburten. Bei der Verwendung von rFSH kommt es wahrscheinlich zu weniger klinischen Schwangerschaften als bei der Verwendung von HMG oder HP-HMG, aber wahrscheinlich zu mehr klinischen Schwangerschaften als bei der Verwendung von rFSH-Biosimilars. Zwischen rFSH und FSH-HP oder Follitropin Delta gibt es wahrscheinlich kaum bis keinen Unterschied in der Zahl der klinischen Schwangerschaften.

  • Bei der Verwendung von rFSH ist das Risiko eines ovariellen Überstimulationssyndroms (OHSS) wahrscheinlich höher als bei der Verwendung von HMG, HP-HMG oder Follitropin Delta. Im Vergleich zu FSH-HP gibt es wahrscheinlich kaum bis keinen Unterschied. Im Vergleich zu rFSH-Biosimilars gibt es möglicherweise kaum bis keinen Unterschied.

  • Zukünftige Studien sollten auch eingefrorene Embryonen berücksichtigen und die kumulativen Ergebnisse über mehrere Embryotransfers hinweg untersuchen. So ließe sich die Wirksamkeit der Behandlung umfassender beurteilen. Strategien zur Prävention und Behandlung des OHSS sollten Priorität haben.

Was ist In-vitro-Fertilisation?

Die In-vitro-Fertilisation (IVF) ist eine Form der Fertilitätsbehandlung. Durch die Stimulation der Eierstöcke reifen mehrere Eizellen heran. Diese werden entnommen, befruchtet und anschließend als Embryonen in die Gebärmutter eingesetzt. Zur Stimulation der Eierstöcke werden verschiedene Hormone, darunter Gonadotropine, eingesetzt:

  • gereinigtes humanes Menopausen-Gonadotropin (HMG) und hochgereinigtes humanes Menopausen-Gonadotropin (HP-HMG);

  • gereinigtes follikelstimulierendes Hormon (FSH-P) oder hochgereinigtes follikelstimulierendes Hormon (FSH-HP);

  • rekombinantes follikelstimulierendes Hormon (rFSH), das mithilfe gentechnischer Verfahren im Labor hergestellt wurde und eine hohe Reinheit aufweist;

  • Follitropin Delta, das entwickelt wurde, um eine individuellere Wirkung zu erzielen; und

  • „Biosimilars“, die hergestellt werden, um ähnliche Ergebnisse wie rFSH zu potenziell geringeren Kosten zu erzielen.

Das ovarielle Überstimulationssyndrom (OHSS) ist eine mögliche, mitunter schwerwiegende Komplikation der IVF. Dabei schwellen die Eierstöcke an, und Flüssigkeit kann sich im Bauchraum ansammeln.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, welches Gonadotropin zu mehr Lebendgeburten und mehr klinischen, durch Ultraschall bestätigten Schwangerschaften führt und zugleich seltener ein ovarielles Überstimulationssyndrom (OHSS) verursacht.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen verschiedene Gonadotropine bei Frauen verglichen wurden, die sich einer IVF unterzogen. In den Studien konnten frische oder eingefrorene Embryonen verwendet werden.

Was fanden wir heraus?

Wir schlossen 59 Studien mit insgesamt 18.119 Frauen ein, die sich in einer Klinik einer Fertilitätsbehandlung unterzogen.

rFSH im Vergleich zu HMG/HP-HMG (17 Studien, 5.639 Frauen)
  • Die Zahl der Lebendgeburten ist bei rFSH im Vergleich zu HMG/HP-HMG wahrscheinlich geringer. Wenn die Wahrscheinlichkeit einer Lebendgeburt unter HMG/HP-HMG bei 28 % liegt, dann liegt die Wahrscheinlichkeit einer Lebendgeburt unter rFSH zwischen 22 % und 27 %.

  • Das Risiko für ein OHSS ist bei rFSH im Vergleich zu HMG/HP-HMG wahrscheinlich höher. Wenn das Risiko für ein OHSS bei HMG/HP-HMG bei 2,6 % liegt, dann liegt das Risiko für ein OHSS bei rFSH zwischen 2,9 % und 4,7 %.

  • Die Zahl der klinischen Schwangerschaften ist bei rFSH im Vergleich zu HMG/HP-HMG wahrscheinlich geringer.

rFSH im Vergleich zu FSH-HP (23 Studien, 4.612 Frauen)
  • Es gibt wahrscheinlich kaum oder gar keinen Unterschied bei den Lebendgeburten zwischen rFSH und FSH-HP. Wenn die Wahrscheinlichkeit einer Lebendgeburt mit FSH-HP bei 27 % liegt, dann liegt die Wahrscheinlichkeit einer Lebendgeburt mit rFSH zwischen 24 % und 31 %.

  • Es gibt wahrscheinlich kaum bis gar keinen Unterschied beim Auftreten eines OHSS bei der Behandlung mit rFSH im Vergleich zu FSH-HP. Wenn das Risiko eines OHSS bei FSH-HP bei 2,5 % liegt, dann liegt das Risiko eines OHSS bei rFSH zwischen 1,7 % und 3,8 %.

  • Zwischen rFSH und FSH-HP gibt es wahrscheinlich kaum bis keinen Unterschied in der Zahl der klinischen Schwangerschaften.

rFSH im Vergleich zu Follitropin Delta (7 Studien, 3.614 Frauen)
  • Es gibt wahrscheinlich kaum oder gar keinen Unterschied bei den Lebendgeburten zwischen rFSH und Follitropin Delta. Liegt die Wahrscheinlichkeit einer Lebendgeburt mit Follitropin Delta bei 29 %, so liegt die Wahrscheinlichkeit einer Lebendgeburt mit rFSH zwischen 24 % und 30 %.

  • Das Risiko für ein OHSS ist bei rFSH wahrscheinlich höher. Wenn das Risiko für ein OHSS bei Follitropin Delta bei 4,4 % liegt, dann liegt das Risiko bei rFSH zwischen 5,1 % und 9,2 %.

  • Zwischen rFSH und Follitropin Delta gibt es wahrscheinlich kaum bis keinen Unterschied in der Zahl der klinischen Schwangerschaften.

rFSH im Vergleich zu Biosimilars (8 Studien, 2.870 Frauen)
  • Die Lebendgeburtenrate ist bei rFSH im Vergleich zu Biosimilars wahrscheinlich höher. Wenn die Wahrscheinlichkeit einer Lebendgeburt bei Biosimilars bei 23 % liegt, liegt die Wahrscheinlichkeit einer Lebendgeburt bei rFSH zwischen 25 % und 32 %.

  • Beim OHSS gibt es möglicherweise kaum oder gar keinen Unterschied zwischen rFSH und Biosimilars. Liegt die Wahrscheinlichkeit eines OHSS bei Biosimilars bei 9,6 %, so liegt sie bei rFSH zwischen 5,7 % und 10 %.

  • Die klinische Schwangerschaftsrate ist bei rFSH wahrscheinlich höher als bei Biosimilars.

Was schränkt die Evidenz ein?

Die Ergebnisse beruhen überwiegend auf IVF-Zyklen, bei denen ein frischer Embryo übertragen wurde. Bei der Übertragung eingefrorener Embryonen könnten die Ergebnisse anders ausfallen. Viele Studien wurden von Pharmaunternehmen finanziert, die die untersuchten Hormone herstellen. Dies könnte die Ergebnisse beeinflusst haben. Zudem schlossen wir einige Studien mithilfe einer Integritätscheckliste aus. Bei mehreren der verbleibenden Studien hatten wir jedoch weiterhin Bedenken hinsichtlich der Zuverlässigkeit der Daten.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Dies ist eine Aktualisierung einer zuvor im Jahr 2011 veröffentlichten Übersichtsarbeit. Die Evidenz ist auf dem Stand von März 2025.

Berkhout RP, Kostova EB, van Wely M

Inwieweit lindern entzündungshemmende Medikamente für die Augen die Symptome und Anzeichen einer Augenlidentzündung?

2 weeks 1 day ago
Kernaussagen
  • Es ist unklar, ob Augentropfen zur Dämpfung der Immunreaktionen der Augenoberfläche, wie beispielsweise topische Kortikosteroide (zur lokalen Anwendung) oder Cyclosporin, nach 4 bis 12 Wochen die Anzeichen und Symptome einer Blepharitis lindern. Die bisherige Evidenz ist begrenzt, deutet jedoch darauf hin, dass die Kombination aus topischen Kortikosteroiden und Antibiotika die Hornhautverfärbung wahrscheinlich stärker verringert als Antibiotika allein.

  • Weitere Studien sind erforderlich, um den langfristigen Nutzen und Schaden dieser Medikamente bei Blepharitis mit einheitlichen Methoden zu untersuchen.

Was ist eine Blepharitis?
Blepharitis ist eine häufige Augenerkrankung. Damit sind geschwollene und juckende Augenlider infolge einer Entzündung gemeint. Zu den Symptomen einer Blepharitis gehören ein sandiges oder reibendes Gefühl im Auge, Schmerzen, Juckreiz und tränende Augen. Diese Beschwerden zählen zu den häufigsten Gründen, weshalb Betroffene eine Augenklinik aufsuchen. Es gibt verschiedene Ursachen für eine Blepharitis, darunter Infektionen, verstopfte Talgdrüsen oder Hauterkrankungen.

Wie wird eine Blepharitis behandelt?
Die Augenlidhygiene ist die erste Behandlungsmaßnahme bei einer Blepharitis. Dazu gehören das Erwärmen und Reinigen der Augenlider. Die Augenlider können mit einem heißen Handtuch oder einem Wärmepack auf den geschlossenen Augen erwärmt werden. In manchen Fällen verschreiben Ärzt*innen antibiotische Augentropfen oder -salben, um die bakterielle Besiedlung der Augenoberfläche zu verringern. Bei einer schweren Entzündung können entzündungshemmende Medikamente eingesetzt werden. Dazu gehören Kortikosteroide und steroidsparende Immunsuppressiva wie Cyclosporin und Tacrolimus. Diese Wirkstoffe dämpfen die Immunreaktion und können dadurch die Entzündung verringern. Da es sich bei der Blepharitis um eine Entzündung handelt, könnten Augentropfen, die die Immunreaktion dämpfen, zur Behandlung beitragen. Derzeit fehlen jedoch klare Empfehlungen dazu, wann diese Medikamente eingesetzt werden sollten, wie lange die Behandlung dauern sollte und welche Konzentration oder Zubereitungsform für die Anwendung am Auge am besten geeignet ist.

Was wollten wir herausfinden?
Wir wollten herausfinden, wie gut entzündungshemmende Medikamente zur Anwendung am Auge bei Blepharitis wirken.

Wie gingen wir vor?
Wir suchten nach Studien, in denen Medikamente zur Anwendung am Auge bei Blepharitis untersucht wurden. Diese wurden verglichen mit einem anderen topischen Immunsuppressivum, einer anderen Dosierung desselben Medikaments, einem Placebo (einer Scheinbehandlung ohne Wirkstoff, die genauso aussieht wie das getestete Medikament), herkömmlichen Behandlungen wie Augenlidhygiene oder künstlichen Tränen, Antibiotika oder keiner Behandlung. Wir schlossen Studien aus, in denen bei derselben Person an jedem Auge ein anderes Medikament getestet wurde.

Was fanden wir heraus?
Wir schlossen 12 Studien mit insgesamt 2752 Teilnehmenden und 2802 untersuchten Augen ein. Die Studien untersuchten Kortikosteroide – allein oder zusammen mit Antibiotika – sowie Cyclosporin und Tacrolimus, die jeweils direkt am Auge angewendet wurden. Sechs der Studien wurden in den Vereinigten Staaten durchgeführt. Der Zeitpunkt der Beurteilung und die Behandlungsdauer lagen zwischen 2 und 12 Wochen.

Was sind die Hauptergebnisse unseres Reviews?
Die langfristigen Wirkungen von Medikamenten für die Augen auf die Symptome und Anzeichen einer Blepharitis über einen Zeitraum von mehr als 12 Wochen waren unklar. Es ist unklar, ob topische Kortikosteroide – allein oder zusammen mit Antibiotika – oder Cyclosporin im Vergleich zu Placebo oder Antibiotika allein die zusammengefassten Symptomwerte verbessern.

In keiner Studie, die topische Kortikosteroide – allein oder zusammen mit Antibiotika – mit einem Placebo verglich, wurde die Tränenfilm-Aufreißzeit untersucht. Sie gibt an, wie lange es nach einem Lidschlag dauert, bis der erste trockene Fleck auf der Augenoberfläche entsteht. Topische Kortikosteroide in Kombination mit Antibiotika verbessern die Tränenfilm-Aufreißzeit im Vergleich zu einer alleinigen Antibiotikabehandlung wahrscheinlich nicht. Es ist unklar, ob topisches Cyclosporin die Tränenfilm-Aufreißzeit im Vergleich zu einem Placebo verbessert.

Es ist unklar, ob topische Kortikosteroide – allein oder zusammen mit Antibiotika – oder Cyclosporin im Vergleich zu einem Placebo die Hornhautverfärbung beeinflussen. Allerdings führen topische Kortikosteroide in Kombination mit Antibiotika wahrscheinlich zu einer stärkeren Verringerung der Hornhautverfärbung als Antibiotika allein.

Reizungen der Augenoberfläche traten unter topischen Kortikosteroiden und den Vergleichsbehandlungen ähnlich häufig auf. In keiner Studie, in der Cyclosporin mit Placebo verglichen wurde, wurden unerwünschte Wirkungen untersucht.

Was schränkt die Evidenz ein?
Dass es keine einheitliche oder standardisierte Skala zur Beurteilung der Symptome und Anzeichen einer Blepharitis gibt, führte dazu, dass die Studien sehr unterschiedliche Bewertungsinstrumente verwendeten. Die kurz- und langfristigen unerwünschten Wirkungen topischer Steroide und anderer Immunsuppressiva sollten in künftigen Studien sorgfältig untersucht werden, damit Ärzt*innen Behandlungsentscheidungen besser treffen können. Es sind hochwertige Studien erforderlich. Unser Vertrauen in die Evidenz ist begrenzt, da für die meisten Vergleiche nur wenige Studien vorlagen und nicht alle Studien Daten zu allen für uns wichtigen Aspekten lieferten.

Wie aktuell ist die Evidenz?
Die Evidenz entspricht dem Stand vom 6. April 2025.

Kam KW, Mehraban Far P, Yim TW, Chen LJ, Mak CY, Young AL., supported by the Cochrane Eyes and Vision Review Group

Welche krankheitsmodifizierenden Antirheumatika (DMARDs) wirken bei Erwachsenen mit rheumatoider Arthritis, wenn ein biologisches oder zielgerichtetes synthetisches DMARD nicht ausreichend gewirkt hat?

2 weeks 1 day ago
Kernaussagen
  • Wenn ein biologisches oder zielgerichtetes synthetisches krankheitsmodifizierendes Antirheumatikum (DMARD) nicht ausreichend wirkt, stehen mehrere weitere Medikamente zur Verfügung, die die Beschwerden der rheumatoiden Arthritis lindern können. DMARDs sind Medikamente, die den Krankheitsverlauf bremsen oder aufhalten können.

  • Wir wissen nicht sicher, ob sich die Medikamente hinsichtlich ihrer unerwünschten Wirkungen von Placebo (Scheinbehandlung) oder voneinander unterscheiden.

  • Wir benötigen weitere Studien, in denen die Medikamente direkt miteinander verglichen werden, um besser einschätzen zu können, welches das beste ist. Bei der Wahl der Behandlung sollten die persönliche gesundheitliche Situation und die Präferenzen der betroffenen Person berücksichtigt werden.

Was ist rheumatoide Arthritis?

Rheumatoide Arthritis ist eine Erkrankung, bei der das körpereigene Immunsystem, das normalerweise Infektionen bekämpft, fälschlicherweise die Gelenke angreift. Dies führt zu Gelenkschmerzen, Schwellungen, Steifheit und Funktionseinschränkungen. Rheumatoide Arthritis ist eine chronische Erkrankung, doch Behandlungen können helfen, die Symptome zu lindern und den Krankheitsverlauf zu verlangsamen.

Wie wird rheumatoide Arthritis behandelt?

Rheumatoide Arthritis wird in der Regel mit krankheitsmodifizierenden Antirheumatika (DMARDs) behandelt, die die für die Symptome verantwortliche Entzündung eindämmen und zudem Gelenkschäden verhindern. Es gibt verschiedene Arten von DMARDs. Zielgerichtete synthetische (targeted synthetic, ts) DMARDs wirken, indem sie auf bestimmte Zellen oder Proteine abzielen. Biologische (b) DMARDs richten sich ebenfalls gezielt gegen bestimmte Zellen oder Proteine. Sie werden jedoch mithilfe lebender Zellen biotechnologisch hergestellt. Konventionelle synthetische DMARDs beeinflussen das Immunsystem auf breiterer Ebene, statt gezielt an einem bestimmten Bestandteil oder Signalweg anzusetzen.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten die Wirkungen von DMARDs bei Erwachsenen mit rheumatoider Arthritis untersuchen, bei denen die Behandlung mit einem b/ts-DMARD nicht angeschlagen hat. Dies ist eine sogenannte „lebende“ systematische Übersichtsarbeit. Das bedeutet, dass regelmäßig nach neuen Studien gesucht und die Übersichtsarbeit bei Bedarf aktualisiert wird. Da sich dieses Gebiet der Medizin ständig weiterentwickelt und verändert, möchten wir sicherstellen, dass die aktuellste Evidenz in dieser Übersichtsarbeit berücksichtigt wird.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen untersucht wurde wie wirksam DMARDs bei Erwachsenen mit rheumatoider Arthritis sind, bei denen die Behandlung mit einem b/ts-DMARD nicht angeschlagen hatte.

Wir untersuchten, wie gut die verfügbaren DMARDs die Symptome der rheumatoiden Arthritis linderten, darunter Schmerzen, Gelenkschwellungen und Einschränkungen der Gelenkbeweglichkeit. Dies ermittelten wir mithilfe der ACR50-Ansprechkriterien des American College of Rheumatology (ACR50-Ansprechen). Ein ACR50-Ansprechen bedeutet, dass das Medikament gegen rheumatoide Arthritis wirksam ist und sich die Symptome um mindestens die Hälfte verbessert haben. Wir untersuchten außerdem unerwünschte Wirkungen, die dazu führen könnten, dass eine Person die Einnahme des Medikaments abbricht.

Wir verglichen die Ergebnisse der Studien, fassten sie zusammen und bewerteten, wie groß unser Vertrauen in die Evidenz ist. Dabei berücksichtigten wir Faktoren wie die Größe der Studien und deren Durchführung.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 19 Studien mit insgesamt 4.779 Menschen mit rheumatoider Arthritis. Alle waren zuvor mit einem Tumornekrosefaktor-Hemmer (einer Art biologischem DMARD) behandelt worden, der nicht ausreichend gewirkt hatte. Die meisten Teilnehmenden waren Frauen. Sie waren im Durchschnitt 49 bis 58 Jahre alt und lebten seit durchschnittlich 6 bis 14 Jahren mit rheumatoider Arthritis. Die Studien wurden weltweit durchgeführt, unter anderem in Nordamerika, Europa und Asien. Neun Studien wurden von Pharmaunternehmen finanziert, während die übrigen 10 durch nationale Forschungszuschüsse finanziert wurden.

Folgende Medikamente linderten die Symptome der rheumatoiden Arthritis bei Patient*innen, bei denen ein b/ts-DMARD versagt hatte:

  • ein anderer Tumornekrosefaktor-Hemmer (2 Studien; 343 Personen);

  • Sarilumab (1 Studie, 365 Personen);

  • Tocilizumab 4 mg/kg (1 Studie, 319 Personen);

  • Tocilizumab 8 mg/kg (1 Studie, 328 Personen);

  • intravenös (in eine Vene) verabreichtes Abatacept (2 Studien, 665 Personen);

  • Rituximab (1 Studie, 499 Personen);

  • Upadacitinib (1 Studie, 333 Personen);

  • Tofacitinib (1 Studie, 263 Personen);

  • eine höhere Dosis Baricitinib (1 Studie, 353 Personen).

Wir wissen nicht sicher, ob sich die Medikamente hinsichtlich ihrer unerwünschten Wirkungen von Placebo (Scheinbehandlung) oder voneinander unterscheiden. Die Evidenz hierzu war insgesamt von geringer Vertrauenswürdigkeit.

Was schränkt die Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Evidenz reichte von hoch bis sehr niedrig. Wenn unser Vertrauen in die Evidenz begrenzt war, lag dies daran, dass nicht genügend Studien vorlagen, um sicher über die Ergebnisse urteilen zu können. Bei unserer Suche stellten wir mehrere Lücken in der verfügbaren Evidenz fest. Insbesondere gab es nur wenige Studien, in denen Medikamente direkt miteinander verglichen wurden. Die meisten Studien verglichen ein Medikament mit Placebo. Mehr Studien mit direkten Vergleichen zwischen den Medikamenten würden uns helfen, besser zu beurteilen, welches Medikament am besten geeignet ist.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz ist auf den Stand vom 28. November 2025. Da es sich um eine „lebende“ systematische Übersichtsarbeit handelt, werden wir sie jährlich aktualisieren, damit neue Evidenz in die Ergebnisse einfließt.

Thomas J, Kamso MM, Whittle SL, Wells GA, Kelly SE, Pardo Pardo J, Tugwell P, Johnston RV, Glennon V, Ejaredar M, Thomas M, Lee C, Elliott J, Mokbel A, Avery JC, Grobler L, Cyril S, Deardon R, Akl EA, Maxwell LJ, Buchbinder R, Hazlewood GS, Supported by…

Wie wirken sich Angebote für mehr körperliche Aktivität auf Kinder mit Adipositas aus?

2 weeks 2 days ago
Kernaussagen
  • Im Vergleich zu keiner körperlichen Aktivität trägt möglicherweise jede Art von körperlicher Aktivität dazu bei, den BMI von Kindern mit Adipositas leicht zu senken. Der BMI (Body-Mass-Index) setzt das Körpergewicht ins Verhältnis zur Körpergröße und dient dazu, das Gewicht einer Person einzuschätzen. Leichte unerwünschte Ereignisse treten möglicherweise deutlich häufiger auf. Hinsichtlich beider Ergebnisse sind wir uns jedoch sehr unsicher.

  • Es ist unklar, ob körperliche Aktivität im Vergleich zu keiner, einer anderen Art oder einem anderen Umfang an körperlicher Aktivität das Körpergewicht, den Körperfettanteil, das Wohlbefinden oder den Blutzuckerspiegel von Kindern mit Adipositas beeinflusst. Zudem ist unklar, ob körperliche Aktivität die Häufigkeit schwerwiegender unerwünschter Ereignisse beeinflusst.

  • Wir benötigen größere, länger dauernde und qualitativ hochwertigere Studien, um die Wirkungen körperlicher Aktivität bei Kindern mit Adipositas verlässlicher beurteilen zu können.

Was ist Adipositas?

Von Adipositas spricht man, wenn eine Person zu viel Körperfett hat. Weltweit hat die Adipositas bei Kindern (im Alter von 0 bis 9 Jahren) seit 1975 erheblich zugenommen. Bis zum Jahr 2050 könnten mehr als 300 Millionen Kinder und Jugendliche (im Alter von 10 bis 19 Jahren) an Adipositas leiden.

Kinder mit Adipositas haben ein erhöhtes Risiko, im späteren Leben gesundheitliche Probleme wie Herzerkrankungen, Schlaganfall, Typ-2-Diabetes, bestimmte Krebsarten, Lebererkrankungen, Asthma, Gelenk- und Muskelprobleme sowie Infektionen zu entwickeln. Adipositas im Kindesalter steht zudem in Zusammenhang mit einer höheren Rate an Angstzuständen und Depressionen.

Eine Gewichtsabnahme ist der beste Weg, die gesundheitlichen Risiken von Adipositas zu verringern. Bei Kindern erfolgt dies in der Regel durch eine Veränderung des Lebensstils, etwa durch mehr körperliche Aktivität – zum Beispiel Laufspiele oder bewegungsfördernde interaktive Videospiele, die auch als „Exergaming“ bezeichnet werden – und eine gesündere Ernährung.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob körperliche Aktivität Kindern mit Adipositas im Vergleich zu keiner körperlichen Aktivität dabei hilft:

  • ihren BMI (Body-Mass-Index) oder BMI-Z-Score zu senken. Der BMI setzt das Körpergewicht ins Verhältnis zur Körpergröße und wird berechnet, indem das Gewicht in Kilogramm durch das Quadrat der Körpergröße in Metern geteilt wird (kg/m 2 ). Der BMI-Z-Score gibt an, wie der BMI eines Kindes im Vergleich zu gleichaltrigen Kindern desselben Geschlechts einzuordnen ist;

  • Gewicht zu verlieren;

  • ihr Wohlbefinden zu steigern;

  • ihren Körperfettanteil zu verringern oder zu einer günstigeren Verteilung des Körperfetts im Körper beizutragen; und

  • ihren Blutzuckerspiegel zu senken.

Außerdem wollten wir herausfinden, ob manche Bewegungsprogramme vorteilhafter sind als andere und ob die Bewegungsprogramme zu unerwünschten Ereignissen führten.

Wie sind wir vorgegangen?

Wir suchten nach Studien, in denen körperliche Aktivität mit Folgendem verglichen wurde:

  • keiner körperliche Aktivität;

  • einer anderen Art oder einem anderen Umfang körperlicher Aktivität.

Die Kinder mussten die körperliche Aktivität mindestens 12 Wochen lang ausüben. Wir verglichen die Ergebnisse der Studien, fassten sie zusammen und beurteilten unser Vertrauen in die Evidenz, basierend auf Faktoren wie Studienmethoden und Anzahl an Teilnehmenden.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden vier Studien mit insgesamt 517 Kindern. Die Studien waren klein: Die kleinste umfasste nur 59 Kinder, die größte 222. Knapp die Hälfte der teilnehmenden Kinder waren Mädchen (46 %). Ihr Durchschnittsalter betrug 9 Jahre.

In drei Studien führten die Kinder die körperlichen Aktivitäten 12 oder 13 Wochen lang durch; das Bewegungsprogramm der vierten Studie dauerte 32 Wochen. Die Studien fanden in drei Ländern statt: je eine Studie in Brasilien und im Iran, sowie zwei Studien in den USA. In den amerikanischen Studien waren 73 % der Kinder schwarz. In den anderen Studien wurde die ethnische Zugehörigkeit der Kinder nicht angegeben.

  • In allen vier Studien wurde körperliche Aktivität mit keiner körperlichen Aktivität verglichen.

  • Eine Studie verglich zudem eine Art körperlicher Aktivität (Exergaming) mit einer anderen (Übungen im Schwimmbad).

  • Eine Studie verglich zudem die Ausübung derselben körperlichen Aktivitäten über 20 Minuten mit der über 40 Minuten.

HauptergebnisseKörperliche Aktivität im Vergleich zu keiner körperlichen Aktivität

Im Vergleich zu keiner körperlichen Aktivität hatten Kinder mit Adipositas, die an einem der Bewegungsprogramm teilnahmen, möglicherweise:

  • ihren BMI leicht gesenkt: Der BMI der Kinder in den körperlich aktiven Gruppen war im Durchschnitt um 1,52 kg/m 2 niedriger (2 Studien, 118 Kinder);

  • mehr leichte unerwünschte Wirkungen erlebt: Bei Kindern in den aktiven Gruppen war die Wahrscheinlichkeit, leichte unerwünschte Wirkungen zu erleben, etwa 3,5-mal höher (1 Studie, 222 Kinder).

Wir sind jedoch sehr unsicher, was diese Ergebnisse angeht.

Es ist unklar, ob die untersuchten Aktivitätsprogramme bei Kindern einen Einfluss auf Folgendes haben:

  • BMI-Z-Score;

  • Gewicht;

  • Wohlbefinden;

  • Körperfettanteil oder die Verteilung des Körperfetts;

  • Blutzuckerwerte;

  • Risiko, schwerwiegende unerwünschte Ereignisse zu erleiden.

Vergleich verschiedener Arten und Umfänge körperlicher Aktivität

Es ist sehr unsicher, ob eine bestimmte Art oder ein bestimmter Umfang körperlicher Aktivität die untersuchten Ergebnisse anders beeinflusst als eine andere Art oder ein anderer Umfang.

Was schränkt die Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Evidenz ist begrenzt, da:

  • es nur wenige Studien mit jeweils wenigen Teilnehmenden gab;

  • in den Studien unterschiedliche Arten körperlicher Aktivität untersucht wurden;

  • die Studien ihre Methoden und Ergebnisse nur unzureichend beschrieben;

  • drei von vier Studien nicht alle ihre Ergebnisse berichteten.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Diese Evidenz ist auf den Stand von Dezember 2025.

Loaiza-Betancur AF, Iglesias Gonzalez LE, Chavez Guapo N, Escobar Liquitay CM, Bidonde J

Helfen Programme zur Rauchentwöhnung Menschen, die wegen einer psychischen Erkrankung im Krankenhaus behandelt werden?

3 weeks ago
Kernaussagen
  • Wenn Menschen während ihres Aufenthalts in einer psychiatrischen Klinik eine Beratung zur Rauchentwöhnung und eine Nikotinersatztherapie erhalten und diese Unterstützung nach der Entlassung fortgesetzt wird, gelingt es möglicherweise mehr von ihnen, mit dem Rauchen aufzuhören, als bei der üblichen Behandlung. Dies wurde sechs Monate nach Beginn der Behandlung gemessen. Bei einer Nikotinersatztherapie wird Nikotin in einer weniger schädlichen Form als durch Rauchen verabreicht, um das Verlangen nach Nikotin und Entzugserscheinungen zu verringern.

  • Für andere Maßnahmen zur Rauchentwöhnung, die im Rahmen stationärer psychiatrischer Aufenthalte begonnen wurden, gab es nicht genügend Informationen, um ihre Wirksamkeit zuverlässig beurteilen zu können. Wir benötigen mehr und besser konzipierte Studien, die verschiedene Ansätze zur Unterstützung beim Rauchstopp untersuchen, insbesondere medikamentöse Behandlungen.

Warum ist Rauchen ein Problem für Menschen mit psychischen Erkrankungen?

Menschen mit psychischen Erkrankungen sterben im Durchschnitt 15 bis 20 Jahre früher als Menschen in der Allgemeinbevölkerung. Häufige Ursachen dafür sind vermeidbare körperliche Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Atemwegserkrankungen, Diabetes und Krebs. Tabakrauchen ist eine der Hauptursachen für diese Erkrankungen. Menschen, die wegen einer psychischen Erkrankung stationär behandelt werden, rauchen häufiger als Menschen in der Allgemeinbevölkerung. Obwohl viele von ihnen mit dem Rauchen aufhören möchten, gelingt ihnen dies seltener. Viele Krankenhäuser sind rauchfreie Einrichtungen und bieten daher einen geeigneten Rahmen, um Menschen mit psychischen Erkrankungen beim Rauchstopp zu unterstützen.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten wissen, ob Programme zur Rauchentwöhnung, die während eines Aufenthalts auf einer psychiatrischen Station beginnen, den Betroffenen helfen, mit dem Rauchen aufzuhören, und welche Programme am wirksamsten sind. Besonders interessierte uns, wie viele Menschen nach sechs Monaten rauchfrei waren und ob schwerwiegende unerwünschte Ereignisse auftraten, beispielsweise Todesfälle oder lebensbedrohliche Ereignisse.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen Programme zur Rauchentwöhnung, die während eines Aufenthalts auf einer psychiatrischen Station begannen, mit der üblichen Versorgung, einer Wartelistenkontrolle oder einer Scheinbehandlung verglichen wurden. Die teilnehmenden Personen konnten jede psychiatrische Diagnose haben, mussten jedoch volljährig (18 Jahre oder älter) sein und Tabak rauchen.

Wir fassten die Ergebnisse der Studien zusammen und bewerteten das Vertrauen in die Evidenz. Dabei berücksichtigten wir unter anderem die Studienmethoden und die Größe der Studien.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 10 Studien mit insgesamt 2262 Personen in psychiatrischen Notfall- oder Langzeitstationen. Die meisten Studien umfassten Teilnehmende mit unterschiedlichen psychischen Diagnosen, beispielsweise affektiven Störungen, Angststörungen oder Schizophrenie. Drei Studien schlossen ausschließlich Personen mit Schizophrenie oder schizophrenieähnlichen Erkrankungen ein. Die Studien fanden in fünf Ländern statt (Australien, USA, Taiwan, Israel und Iran).

Die Programme umfassten:

  • Beratung plus Nikotinersatztherapie und fortgesetzte Unterstützung bei der Rauchentwöhnung nach Verlassen des Krankenhauses (im Vergleich zur Standardversorgung);

  • ein verhaltensorientiertes psychologisches Gruppenprogramm zur Unterstützung beim Rauchstopp ohne medikamentöse Behandlung (im Vergleich zu einer Wartelistenkontrolle);

  • Medikamente wie Bupropion (im Vergleich zu Placebo) oder Cytisin (im Vergleich zur Nikotinersatztherapie);

  • Vergleiche zwischen verschiedenen Arten und Dosierungen der Nikotinersatztherapie.

Hauptergebnisse

Beratung plus Nikotinersatztherapie in Verbindung mit fortgesetzter Unterstützung nach der Entlassung aus dem Krankenhaus im Vergleich zur Standardversorgung (5 Studien, 1.611 Personen):

  • führt möglicherweise dazu, dass sechs Monate nach der Entlassung etwa 6 von 100 Menschen zusätzlich weiterhin rauchfrei sind; und

  • führt möglicherweise zu 1 Todesfall weniger je 100 Personen; dieses Ergebnis ist jedoch sehr unsicher

Was schränkt die Evidenz ein?

Unsere Ergebnisse basieren auf einer begrenzten Anzahl von Studien, und unser Vertrauen in die Evidenz ist gering. Wir hatten sehr geringes Vertrauen in das Ergebnis bezüglich der Todesfälle, da es in den Studien nur sehr wenige Todesfälle gab.

Frühere Studien haben bereits gezeigt, dass Medikamente zur Rauchentwöhnung, beispielsweise Vareniclin, bei ambulant behandelten Menschen mit psychischen Erkrankungen wirksam sind. Wir fanden jedoch keine Studien, in denen ihr Einsatz während eines Aufenthalts auf einer psychiatrischen Station untersucht wurde.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Dieser Review ist auf dem Stand vom 10. Februar 2026.

Plever S, Kisely SR, Bonevski B, Siskind D, Yamazaki-Tan J, Thaker P, Vos G, Kim D, Guillaumier A, Gartner CE

Trägt die langfristige Behandlung mit Antibiotika dazu bei, das Wiederauftreten von rheumatischem Fieber und das Fortschreiten einer rheumatischen Herzerkrankung zu verringern?

3 weeks 2 days ago
Kernaussagen

Bei Personen, die bereits an rheumatischem Fieber gelitten haben (eine Autoimmunreaktion des Körpers auf eine bakterielle Infektion) oder an einer rheumatischen Herzerkrankung leiden (eine langfristige Schädigung des Herzens infolge des rheumatischen Fiebers):

- verringert die langfristige Behandlung mit Antibiotika (entweder monatlich durch eine Injektion in den Muskel oder täglich als Tablette eingenommen) wahrscheinlich das Risiko, weitere Episoden des rheumatischen Fiebers zu bekommen, im Vergleich zu keiner Antibiotikabehandlung;

- verringern intramuskulär verabreichte Antibiotika wahrscheinlich das Fortschreiten (die Verschlechterung) einer frühen Herzerkrankung im Vergleich zu keiner Antibiotikabehandlung. Es gibt jedoch keine Evidenz für einen Vergleich zwischen intramuskulären und oralen Antibiotika in Bezug auf das Fortschreiten einer Herzerkrankung im Spätstadium;

- erhöhen Antibiotika möglicherweise nicht das Risiko von Komplikationen, wie einer schweren allergischen Reaktion (Anaphylaxie).

Was ist eine rheumatische Herzerkrankung?

Die rheumatische Herzerkrankung ist die weltweit häufigste Ursache für Herzkrankheiten bei jungen Menschen und verursacht jährlich den Tod von etwa 300.000 Menschen. Rheumatisches Fieber tritt oft aufgrund einer Halsentzündung auf. Dabei werden die körpereigenen Abwehrkräfte fehlgeleitet und greifen statt der Bakterien das Herz an. Dies kann dann zu einer Schädigung der Herzklappen (Durchgänge zwischen den Herzkammern) führen, die als rheumatische Herzerkrankung bezeichnet wird. Antibiotika töten Bakterien ab, die Infektionen verursachen können, und verringern so das Risiko, dass Menschen an rheumatischem Fieber erkranken.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob und wenn ja, wie wirksam Antibiotika das Risiko eines erneuten Auftretens von rheumatischem Fieber und damit einer rheumatischen Herzerkrankung verringern.

Wie gingen wir vor?

Wir schlossen Studien ein, in denen Menschen mit früherem rheumatischem Fieber oder rheumatischer Herzerkrankung nach dem Zufallsprinzip Antibiotika erhielten oder nicht (z. B. basierend auf einem Münzwurf). Wir wollten zum einen die langfristige Behandlung mit Antibiotika mit keiner Antibiotika-Behandlung vergleichen und zum anderen die langfristige Behandlung mit intramuskulärem Penicillin mit der langfristigen Behandlung mit Penicillin zur Einnahme vergleichen. Die Teilnehmenden der einbezogenen Studien, die zuvor an rheumatischem Fieber oder einer rheumatischen Herzerkrankung litten, umfassten Personen jeden Alters. Wir untersuchten eine Vielzahl möglicher Ereignisse, die hätten eintreten können. Dazu gehörten das Wiederauftreten des rheumatischen Fiebers, das Fortschreiten der rheumatischen Herzerkrankung, Herzprobleme (Karditis), schwangerschafts- und geburtsbedingte Komplikationen (einschließlich fötaler/neonataler Ereignisse), Sterblichkeit, Therapietreue, schwerwiegende unerwünschte Wirkungen wie Anaphylaxie, Nervenschädigung sowie die Zufriedenheit der Teilnehmenden mit der Antibiotika-Behandlung.

Was fanden wir?

Wir fanden 11 Studien (3951 Teilnehmende), die uns bei der Beantwortung unserer Fragen halfen. Das durchschnittliche Alter der Studienteilnehmenden betrug 12,3 Jahre, und 50,6 % von ihnen waren männlich. Die meisten hatten bereits vorher Episoden von rheumatischem Fieber gehabt.

Wir stellten fest, dass die langfristige Behandlung mit Antibiotika (entweder monatlich in den Muskel gespritzt oder täglich als Tablette eingenommen) im Vergleich zu keiner Antibiotikabehandlung wahrscheinlich das Risiko verringert, weitere Episoden von rheumatischem Fieber zu bekommen. Die Injektion in einen Muskel wirkt wahrscheinlich besser als Tabletten. Bei Personen im Frühstadium einer rheumatischen Herzerkrankung, das bei einem Echokardiogramm des Herzens festgestellt wurde (eine Untersuchung, bei der Schallwellen verwendet werden, um die innere Struktur des Herzens zu sehen), verringert eine monatliche Injektion von Penicillin-Antibiotika in den Muskel im Vergleich zu einer Behandlung ohne Antibiotika wahrscheinlich das Risiko, dass sich diese Herzprobleme verschlimmern. Antibiotika, die in den Muskel gespritzt werden, verursachen möglicherweise im Vergleich zu keiner Antibiotikabehandlung nicht sehr häufig eine allergische Reaktion, die das Atmen beeinträchtigt (Anaphylaxie). Rötungen an der Injektionsstelle und allergische Reaktionen auf die Antibiotika treten wahrscheinlich häufiger auf. Es gab nur wenige Informationen über die Sterblichkeitsrate oder Nervenschädigungen und keine Evidenz dazu, ob eine Antibiotika-Injektion besser als Tabletten geeignet ist, um eine Verschlimmerung einer latenten (frühen) rheumatischen Herzerkrankung zu verhindern.

Was schränkt die Evidenz ein?

Die meisten der einbezogenen Studien (neun) wurden nicht in Ländern mit niedrigem Einkommen durchgeführt, in denen derzeit die meisten Fälle von rheumatischen Herzerkrankungen auftreten. Dadurch sind diese Ergebnisse für die Menschen in diesen Ländern möglicherweise weniger relevant. Es gibt nur sehr wenige Informationen zu anderen wesentlichen Aspekten, abgesehen vom Wiederauftreten des rheumatischen Fiebers oder dem Fortschreiten der rheumatischen Herzerkrankung. Die Evidenz wies noch einige andere potenzielle Einschränkungen auf: In sechs Studien gab es Probleme mit der Verblindung, das heißt, die Teilnehmenden oder das Studienpersonal waren darüber informiert, ob Antibiotika verabreicht wurden. Dies könnte dazu geführt haben, dass dieses Wissen die Antworten der Teilnehmenden beeinflusste. Es ist möglich, dass die Teilnehmenden vieler der einbezogener Studien wussten, welche Behandlung sie erhielten. Bei vier Studien gab es möglicherweise ein Problem mit dem Verfahren der zufälligen Einteilung der Teilnehmenden in die Behandlungsgruppen. Für einige der Ergebnisse dieses Reviews lag uns nur eine Studie vor.

Es bedarf mehr qualitativ hochwertiger Studien, die sich auf die Weltregionen konzentrieren, in denen rheumatisches Fieber derzeit am häufigsten vorkommt. Es wird auch mehr Forschung zu frühen (latenten) rheumatischen Herzkrankheiten benötigt, bei denen die größten Unterschiede auftreten könnten.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand vom 10. März 2024. Dies ist zwar der aktuellste verfügbare Review, aber die meisten Studien in diesem Review stammen aus den 1950er bis 1960er Jahren. Einige Behandlungen sind also möglicherweise veraltet.

Bray JJH, Thompson S, Seitler S, Ali SA, Yiu J, Salehi M, Ahmad M, Pelone F, Gashau H, Shokraneh F, Ahmed N, Cassandra M, Marijon E, Celermajer DS, Providencia R

Was sind die wirksamsten Maßnahmen, um Kinder und Jugendliche davon abzuhalten, E-Zigaretten zu konsumieren?

3 weeks 3 days ago
Kernaussagen
  • Programme in Schulen verhindern möglicherweise, dass Jugendliche mit dem Konsum von E-Zigaretten beginnen, jedoch ist die Evidenz sehr unsicher. Ein gemeindebasiertes Programm, das per Textnachricht angeboten wird, hilft Jugendlichen wahrscheinlich dabei, mit dem Konsum von E-Zigaretten aufzuhören.

  • Die Evidenz ist sehr begrenzt, da nur drei Studien zu den Ergebnissen beigetragen haben.

  • Derzeit laufen 30 weitere Studien, und wir müssen noch fünf weitere veröffentlichte Studien überprüfen. Diese könnten in Zukunft weitere Antworten liefern.

Was sind elektronische Zigaretten (E-Zigaretten)?

E-Zigaretten, auch als „Vapes“ bekannt, sind batteriebetriebene Geräte. Sie erhitzen eine Flüssigkeit und erzeugen dabei ein Aerosol (ein Gemisch kleiner Partikel, die in die Luft abgegeben werden). Dieses Aerosol wird über den Mund eingeatmet und gelangt in die Lunge. Dazu gehören unter anderem elektronische Zigarren, „Snus“ (ein schwedisches Tabakprodukt) oder Wasserpfeifen. Sie können Nikotin enthalten, müssen es aber nicht.

Allgemein wurde angenommen, dass diese Geräte Menschen, die derzeit rauchen, beim Rauchstopp helfen könnten. Inzwischen ist klar, dass sie Erwachsenen tatsächlich dabei helfen können, mit dem Rauchen aufzuhören. Allerdings greifen auch junge Menschen, die bislang nicht rauchen, häufiger zu diesen Geräten. E-Zigaretten können die Atemwege belasten und mit Beschwerden wie Asthma in Zusammenhang stehen. Zudem könnte Nikotin, das häufig in E-Zigaretten enthalten ist, die Entwicklung des jugendlichen Gehirns beeinträchtigen.

Welche Arten von Programmen werden eingesetzt, um Kinder und Jugendliche vom E-Zigaretten-Konsum abzuhalten?

Zu den Programmen gehörten Aufklärungs-, Schulungs- und Kommunikationsmaßnahmen – entweder auf Gemeinde- oder Schulebene – sowie öffentliche Informationskampagnen. Weitere Programme umfassten familienbezogene Maßnahmen, medikamentöse Behandlungen oder Beratungsangebote. Alle zielen darauf ab, Kinder und Jugendliche vom Konsum von E-Zigaretten abzuhalten oder sie dabei zu unterstützen, den Konsum zu beenden.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden:

  • ob Programme wirksam sind, die verhindern sollen, dass Kinder und Jugendliche mit dem Konsum von E-Zigaretten beginnen, oder die sie dabei unterstützen sollen, den Konsum zu beenden.;

  • ob die Programme unerwünschte Wirkungen auf die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen oder auf die Organisationen hatten, die sie durchführten.

Wie sind wir vorgegangen?

Wir suchten nach Studien, die Programme untersuchten, die Kinder und Jugendliche davon abhalten sollen, mit dem Konsum von E-Zigaretten zu beginnen, oder ihnen dabei helfen sollen, den Konsum von E-Zigaretten aufzugeben. Die Programme richteten sich entweder an Kinder und Jugendliche, die bislang keine E-Zigaretten konsumiert hatten, oder an aktuelle Konsument*innen.

  • In den Studien wurden die Programme mit keiner Maßnahme, mit der Aufnahme auf eine Warteliste oder mit einem anderen allgemeinen Gesundheitsprogramm verglichen. Eingeschlossen wurden Programme, die in der Gemeinde, in der Schule, in Gesundheitseinrichtungen, in Krankenhäusern oder zu Hause durchgeführt wurden.

  • Die Teilnehmenden waren Kinder und Jugendliche bis 19 Jahre. Zusätzlich konnten auch ihre Eltern oder Betreuungspersonen sowie Gesundheitsfachpersonen einbezogen sein.

  • Der Konsum wurde entweder im Labor oder anhand von Angaben der Eltern, der Teilnehmenden selbst, Fragebögen oder Umfragen erfasst.

Wir verglichen die Ergebnisse der Studien, fassten sie zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz auf Grundlage von Faktoren wie Studienmethoden und Studiengröße.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden drei Studien mit 10.510 Jugendlichen.

  • Alle Teilnehmenden waren Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren.

  • Zwei der Studien (durchgeführt in Schweden und Australien) richteten sich an Kinder und Jugendliche, die bislang weder Zigaretten noch E-Zigaretten konsumiert hatten. Beide Programme wurden in Schulen durchgeführt. Die schwedische Studie mit 1176 Jugendlichen lief über drei Jahre. Die Jugendlichen schlossen gemeinsam mit einer erwachsenen Bezugsperson eine schriftliche Vereinbarung, während der Schulzeit tabakfrei zu bleiben. Zusätzlich nahmen sie im ersten Jahr gemeinsam mit dieser Bezugsperson an einer Informationsveranstaltung teil; außerdem erhielten die Jugendlichen viermal jährlich Unterrichtseinheiten mit altersgerechten Informationen und praktischen Übungen. Verglichen wurde das Programm mit einer weniger umfassenden Maßnahme, die aus vier Aufklärungsveranstaltungen pro Jahr bestand. Die australische Studie mit 7654 Jugendlichen untersuchte ein vierwöchiges Programm mit jeweils 40-minütigen Unterrichtseinheiten. Verglichen wurde es mit dem üblichen Gesundheitslehrplan.

  • Eine US-amerikanische gemeindebasierte Studie mit 1681 Jugendlichen, die aktuell E-Zigaretten konsumierten, untersuchte ein textbasiertes Nachrichtensystem. Das Programm dauerte entweder vier oder 14 Wochen – je nachdem, ob die Teilnehmenden ein konkretes Datum für den Ausstieg angegeben hatten oder nicht. Als Vergleich dienten entweder monatliche SMS-Abfragen zum E-Zigaretten-Konsum oder eine Wartelistenkontrolle, also Personen, die auf einer Warteliste für die Intervention standen.

Hauptergebnisse
  • Die beiden Studien mit Personen, die noch nie E-Zigaretten konsumiert hatten, ergaben, dass schulbasierte Programme möglicherweise dazu beitragen können, Jugendliche davon abzuhalten, E-Zigaretten überhaupt auszuprobieren. Die Ergebnisse sind jedoch mit großer Unsicherheit behaftet: In zwei Studien begannen etwa 31 % der Jugendlichen, die an einem Schulprogramm teilnahmen, mit dem Konsum von E-Zigaretten, verglichen mit etwa 33 % in der Kontrollgruppe bzw. in einem alternativen Programm. Die Evidenz ist jedoch sehr unsicher.

  • Die dritte Studie ergab, dass ein gemeindebasiertes Programm Jugendlichen, die bereits E-Zigaretten nutzten, wahrscheinlich dabei hilft, den Konsum von E-Zigaretten aufzugeben: 45 % der Jugendlichen, die an dem Programm teilnahmen, gaben an, weiterhin E-Zigaretten zu konsumieren. In der Vergleichsgruppe, die entweder ein alternatives Programm erhielt oder auf einer Warteliste stand, waren es 62 % (1 Studie, 1681 Personen).

  • Keine der Studien lieferte Informationen zu den unerwünschten Wirkungen der Programme.

Was schränkt die Evidenz ein?

Da die Übersichtsarbeit nur drei Studien einschloss, steht nur sehr begrenzte Evidenz dazu zur Verfügung, welche Programme helfen können, den Konsum von E-Zigaretten bei Jugendlichen zu verhindern oder zu beenden. Unser Vertrauen in die Evidenz war sehr gering bis moderat, da nur sehr wenige Studien gefunden wurden, die Programme unterschiedlich waren und die Studien über unterschiedliche Zeiträume liefen.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Diese Evidenz ist auf den Stand vom 1. September 2025. Dies ist eine Aktualisierung unserer früheren Übersichtsarbeit, die 2024 veröffentlicht wurde.

Barnes C, Turon H, Hall AE, Bialek C, McCrabb S, Hodder RK, Yoong S, Stockings E, Agyei DD, Mantach S, Wolfenden L

Ist die Resektion (chirurgische Entfernung) von Blasenkrebs mithilfe von Blaulicht besser als die Standardresektion unter Weißlicht bei Menschen mit Verdacht auf Blasenkrebs?

4 weeks ago
Kernaussagen
  • Eine durch Blaulicht unterstützte Resektion (chirurgische Entfernung) der Blase hat bei Menschen mit geringem Risiko für ein erneutes Auftreten von Krebs möglicherweise kaum oder gar keine Auswirkungen auf dieses Risiko. Bei Menschen mit mittlerem oder hohem Risiko kann sie das Risiko eines erneuten Auftretens von Krebs jedoch möglicherweise verringern.

  • Die durch Blaulicht unterstützte Resektion der Blase hat bei Menschen mit geringem oder mittlerem Risiko für ein Fortschreiten der Krebserkrankung wahrscheinlich kaum oder gar keine Auswirkungen auf dieses Risiko. Bei Menschen mit hohem Risiko kann sie das Risiko eines Fortschreitens der Erkrankung jedoch möglicherweise senken.

Warum wird bei der Resektion der Blase eine spezielle Darstellungsmethode (Blaulicht) verwendet?

Bei Menschen mit Verdacht auf Blasenkrebs wird der vermutete Tumor mit einem speziellen Instrument, das über die Harnröhre in die Blase eingeführt wird, aus der Blasenwand entfernt. Manchmal ist es jedoch schwierig, normales Blasengewebe von Krebsgewebe zu unterscheiden. Um den Tumor besser erkennen und vollständig entfernen zu können, wird über einen dünnen Schlauch (Katheter) eine spezielle Flüssigkeit (fluoreszierenden Wirkstoff) in die Blase eingebracht. Während der Operation werden die Krebszellen unter speziellem Blaulicht rot sichtbar.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob die Resektion der Blase unter Blaulicht bei Menschen mit nicht-muskelinvasivem (oberflächlichem) Blasenkrebs bessere Ergebnisse liefert als die Resektion unter Weißlicht. Wir haben untersucht, ob sich dies auf Folgendes auswirkt:

  • die Zeit bis zum erneuten Auftreten des Krebses (Rezidiv);

  • die Zeit bis zum Fortschreiten der Krebserkrankung (Progression);

  • ob die Menschen länger lebten;

  • schwerwiegende Komplikationen während der Operation;

  • leichte Komplikationen während der Operation;

  • und ob unerwünschte Wirkungen auftraten.

Wie sind wir vorgegangen?

Wir suchten nach Studien, in denen Menschen mit Blasenkrebs nach dem Zufallsprinzip entweder einer durch Blaulicht unterstützten Resektion oder einer Resektion unter Weißlicht zugewiesen wurden. Wir haben die Ergebnisse dieser Studien verglichen, zusammengefasst und unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie den Studienmethoden und der Größe der Studien bewertet.

Was fanden wir heraus?

Wir haben 17 Studien identifiziert, in denen die Resektion der Blase unter Einsatz von Blaulicht mit der Resektion der Blase unter Einsatz von Weißlicht verglichen wurde. An diesen Studien nahmen insgesamt 4890 Teilnehmende teil. Eine durch Blaulicht unterstützte Entfernung des Tumors in der Blase hat bei Personen mit geringem Risiko möglicherweise kaum oder gar keine Wirkungen auf das Rezidivrisiko, senkt jedoch möglicherweise bei Personen mit mittlerem und hohem Risiko das Rezidivrisiko. Eine durch Blaulicht unterstützte Entfernung des Tumors in der Blase hat bei Menschen mit geringem Risiko wahrscheinlich kaum oder gar keine Auswirkungen auf das Risiko eines Fortschreitens der Erkrankung (Progression). Bei Menschen mit mittlerem Risiko hat sie möglicherweise ebenfalls kaum oder gar keine Auswirkungen. Bei Menschen mit hohem Risiko kann sie das Progressionsrisiko jedoch möglicherweise senken. Wir haben außerdem festgestellt, dass Blaulicht möglicherweise kaum oder gar keine Auswirkungen auf leichte oder schwerwiegende Operationskomplikationen, das langfristige Risiko, an Blasenkrebs zu sterben, oder auf unerwünschte Wirkungen hat.

Was schränkt die Evidenz ein?

Die Aussagekraft der Erkenntnisse in dieser Übersichtsarbeit wird vor allem durch die Qualität der einbezogenen Studien eingeschränkt. In einigen Studien wurden die Behandlungen nicht wie geplant durchgeführt, was einen fairen Vergleich der Gruppen erschwerte In anderen Studien fehlten Daten. Zudem unterschieden sich Umfang und Gründe für die fehlenden Daten zwischen den Behandlungsgruppen. Das könnte die Ergebnisse beeinflusst haben. Außerdem wurden in einigen Studien möglicherweise nur ausgewählte Endpunkte berichtet. Dadurch könnten die Ergebnisse kein vollständiges Bild der Auswirkungen der Behandlung vermitteln.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Dieser Review ist die Aktualisierung einer vorherigen Version. Die Evidenz ist auf dem Stand von März 2026.

Maisch P, Hamidi Madani M, Koziarz A, Narayan VM, Kim MH, Dahm P

Haben Kinder mit frühen Sprachschwierigkeiten auch im Laufe ihres Heranwachsens Probleme?

4 weeks 1 day ago
Kernaussagen
  • Kinder mit geringen Sprachfähigkeiten haben wahrscheinlich auch später Schwierigkeiten beim Sprechen, beim Sprachverständnis sowie beim Lesen und Schreiben. Sie haben möglicherweise auch häufiger psychische und soziale Schwierigkeiten. Die Evidenz zu diesen Endpunkten ist jedoch weniger eindeutig als die Evidenz zu den Lernleistungen.

  • Frühe Sprachschwierigkeiten wirken sich möglicherweise negativ auf die spätere Selbstständigkeit aus und beeinflussen wahrscheinlich den beruflichen Werdegang negativ.

  • Wir benötigen mehr langfristige, hochwertige Studien mit großen Stichproben und Vergleichsgruppen, um zu verstehen, welche Kinder am stärksten betroffen sind und wie sich frühe Sprachschwierigkeiten auf spätere Endpunkte auswirken, insbesondere auf die Selbstständigkeit und die Teilhabe am täglichen Leben. In diesen Bereichen ist die derzeitige Evidenz noch begrenzt.

Geringe Sprachfähigkeiten bei Kindern

Kinder mit geringen Sprachfähigkeiten haben in der frühen Kindheit Schwierigkeiten beim Sprechen, beim Verstehen oder beim Sprachgebrauch. Diese Schwierigkeiten können sich darauf auswirken, wie Kinder lesen lernen, mit anderen kommunizieren und an alltäglichen Aktivitäten in der Schule und zu Hause teilnehmen. Bei manchen Kindern bessern sich frühe Sprachschwierigkeiten mit der Zeit. Bei anderen bestehen sie auch dann noch fort, wenn die Kinder älter werden. Sie können sich auf das spätere Lernen, soziale Beziehungen und die Selbstständigkeit auswirken.

Was wollten wir herausfinden?
Wir wollten herausfinden, ob Kinder im Alter von vier bis acht Jahren mit geringen Sprachfähigkeiten auch später noch Schwierigkeiten mit der Sprache, dem Lesen und verschiedenen Bereichen ihres täglichen Lebens haben.

Wie gingen wir vor?
Wir haben nach Studien gesucht, in denen Kinder im Alter zwischen vier und acht Jahren mit geringen Sprachfähigkeiten untersucht wurden. Diese Kinder erzielten entweder unterdurchschnittliche Ergebnisse in Sprachtests oder hatten eine klinische Diagnose einer Sprachstörung. Wir haben die Endpunkte in Bezug auf Sprache und Lesen sowie fünf Bereiche der Lebensqualität analysiert:

  • psychisches Wohlbefinden (psychische Gesundheit)

  • körperliche Gesundheit

  • Unabhängigkeit

  • soziale Beziehungen (Freunde finden)

  • Teilhabe am Alltag, beispielsweise am Arbeits- und Gemeinschaftsleben

Mithilfe statistischer Methoden (Metaanalyse) haben wir die Ergebnisse der Studien zusammengefasst und dabei berücksichtigt, dass einige Endpunkte miteinander in Zusammenhang standen.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 80 Studien (durchgeführt in Nordamerika oder Europa), in denen Kinder mit geringen Sprachfähigkeiten bis ins Jugend- oder Erwachsenenalter begleitet wurden und die Endpunkte von 15 verschiedenen Gruppen von Kindern (Kohorten) mit insgesamt etwa 28.800 Kindern berichteten.

Kinder mit geringen Sprachfähigkeiten werden im Vergleich zu Kindern ohne diese Beeinträchtigung:

  • häufiger bis ins Jugend- und Erwachsenenalter hinein Schwierigkeiten mit der Sprache und dem Lesen haben.

Diese Schwierigkeiten waren deutlich erkennbar und zeigten sich durchgängig in allen Studien. Kinder mit geringen Sprachfähigkeiten haben möglicherweise bis wahrscheinlich auch ein erhöhtes Risiko für:

  • psychische Probleme wie Depressionen oder Angstzustände (wahrscheinlich)

  • Schwierigkeiten beim Knüpfen von Freundschaften (wahrscheinlich)

  • weniger Selbstständigkeit im Alltag (möglicherweise)

Wir verfügen nicht über genügend Evidenz, um zu wissen, ob sie gesundheitliche Probleme haben.

Was schränkt die Evidenz ein?

Einige Studien in dieser Übersichtsarbeit wiesen Einschränkungen auf, die das Vertrauen in die Ergebnisse beeinträchtigen.

  • Wir sind sehr sicher, dass Kinder mit geringen Sprachfähigkeiten auch später häufiger Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben haben.

  • Kinder mit geringen Sprachfähigkeiten haben wahrscheinlich im Laufe ihres Heranwachsens Sprachschwierigkeiten. Die Vertrauenswürdigkeit ist hier nur moderat, da einige der Kinder die Studie vorzeitig abgebrochen haben. Unsere Ergebnisse waren im Großen und Ganzen übereinstimmend.

  • Es ist wahrscheinlich, dass Kinder mit geringen Sprachfähigkeiten im Laufe ihres Heranwachsens häufiger unter psychischen Problemen (z. B. Schwierigkeiten beim Knüpfen von Freundschaften) leiden und sich weniger am Alltag beteiligen. Unser Vertrauen in die Ergebnisse ist aufgrund kleiner Studien (hinsichtlich der Teilnahme) oder Abweichungen zwischen den Studien nur moderat. Im Allgemeinen waren die Muster konsistent, doch weitere Evidenz könnte unsere Ergebnisse beeinflussen.

  • Kinder mit geringen Sprachfähigkeiten haben möglicherweise Schwierigkeiten, im Laufe ihres Heranwachsens selbstständig zu werden. Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz ist hier nur niedrig, da es nur sehr wenige Studien gibt. Zukünftige Evidenz wird unsere Ergebnisse wahrscheinlich verändern.

  • Wir sind uns unsicher, ob Kinder mit geringen Sprachfähigkeiten im Laufe ihres Heranwachsens gesundheitliche Probleme haben. Die Evidenz ist sehr unsicher.

Die Art und Weise, wie geringe Sprachkenntnisse beschrieben und gemessen wurden, unterschied sich teilweise von Studie zu Studie. Einige Endpunkte – insbesondere die körperliche Gesundheit, die Selbstständigkeit und die Teilhabe am täglichen Leben – wurden nur in wenigen Studien erfasst. Einige Studien waren klein oder bezogen sich nur auf bestimmte Gruppen von Kindern. Wichtige Faktoren wie der nonverbale IQ oder andere gesundheitliche Faktoren wurden nicht immer angegeben. Die Ergebnisse variierten zudem von Studie zu Studie, was bedeutet, dass nicht alle Kinder mit geringen Sprachfähigkeiten in gleicher Weise betroffen sind. Insgesamt zeigt sich ein konsistentes Muster, jedoch sollten einige Ergebnisse mit Vorsicht interpretiert werden.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von März 2025.

Hagen ÅM, Rogde K, Lervåg A, Melby-Lervåg M, Norbury C

Wie oft sollten Patientinnen und Patienten umgelagert werden und welche Lagerungspositionen eignen sich am besten, um Druckgeschwüren vorzubeugen?

1 month ago
Kernaussagen
  • Es gibt keine eindeutige Evidenz dafür, dass eine bestimmte Umlagerungshäufigkeit oder Lagerungsposition (z. B. eine 30°-Neigung) Druckgeschwüren bei Erwachsenen in Krankenhäusern oder Pflegeheimen besser vorbeugt als andere.

  • Bestimmte Umlagerungshäufigkeiten und Lagerungspositionen können zwar die Pflegekosten senken, doch die Evidenz hierfür ist begrenzt und unsicher.

  • Dies ist die zweite Aktualisierung einer 2014 veröffentlichten Übersichtsarbeit. Es gibt weiterhin nur wenige Studien. Die meisten Studien waren klein und methodisch nicht gut durchgeführt.

Was sind Druckgeschwüre?

Druckgeschwüre (auch Dekubitus, Druckwunden oder Liegewunden genannt) entstehen, wenn Menschen sich kaum bewegen können oder viel Zeit im Sitzen oder Liegen verbringen – beispielsweise ältere Menschen oder schwer kranke Menschen. Wenn ein Körperteil über längere Zeit gegen eine Matratze oder einen Stuhl gedrückt wird, wird die Haut an knöchernen Körperstellen wie den Fersen, dem Steißbein, den Hüften oder dem Hinterkopf belastet. Die Durchblutung wird beeinträchtigt, und Haut und Gewebe werden geschädigt.

Wie lassen sich Druckgeschwüre vermeiden?

Eine Veränderung der Körperhaltung kann die Durchblutung der belasteten Körperstellen verbessern. Außerdem kann sie den Komfort erhöhen und das psychische Wohlbefinden fördern. Zu den Maßnahmen zur Vorbeugung von Druckgeschwüren gehören:

  • Umlagern: eine Person regelmäßig, beispielsweise alle zwei, drei oder vier Stunden, in eine andere Position bringen;

  • Lagerungsposition: eine Person unterschiedlich lagern, zum Beispiel mit erhöhtem Kopfende des Bettes oder in einer geneigten Körperhaltung;

  • Mikrobewegungen: häufige, kleine Veränderungen der Körperposition bei Menschen, die sich nicht selbst bewegen können (z. B. während einer Operation);

  • speziell angepasste Matratzen und spezielle Schutzverbände.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten wissen:

  • welche Lagerungsmaßnahmen (z. B. die Umlagerungshäufigkeit – also wie oft jemand umgelagert wird – und verschiedene Lagerungspositionen) Druckgeschwüren am besten vorbeugen;

  • wie sie sich auf die Kosten der Gesundheitsversorgung auswirken; und

  • wie sie sich auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität, Schmerzen und die Patientenzufriedenheit auswirken.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien mit Erwachsenen ohne Druckgeschwüre, die in Krankenhäusern, Langzeitpflegeeinrichtungen oder Altenpflegeeinrichtungen betreut wurden. In den Studien wurde untersucht, welche Umlagerungsmaßnahmen Druckgeschwüren am wirksamsten vorbeugen.

Wir fassten die Ergebnisse zusammen und bewerteten, wie groß unser Vertrauen in die Ergebnisse ist. Dabei berücksichtigten wir, wie die Studien durchgeführt wurden.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden drei neue Studien, die seit der Aktualisierung der Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2020 veröffentlicht wurden. Diese im Jahr 2026 aktualisierte Übersichtsarbeit umfasst 11 Studien und zwei gesundheitsökonomische Bewertungen.

Die Studien wurden in China, Belgien, Nordamerika, dem Iran und Großbritannien durchgeführt. Die meisten Studien wurden in Krankenhäusern durchgeführt (Intensivstationen, Operationssäle, Stationen); drei fanden in Pflegeheimen statt. An den Studien nahmen 4462 Erwachsene im Alter von 18 bis 90 Jahren teil.

Umlagern
  • Wir haben die Ergebnisse von vier Studien zusammengefasst, in denen verschiedene Umlagerungshäufigkeiten verglichen wurden. Es ist unklar, ob das Umlagern alle zwei statt alle vier Stunden, alle zwei statt alle drei Stunden, alle drei statt alle vier Stunden oder alle vier statt alle sechs Stunden das Risiko für Druckgeschwüre verändert (4 Studien, 2175 Personen).

  • In einer Studie wurde ein tragbarer Sensor getestet, der die Körperposition elektronisch erfasst und diese Informationen an das Pflegepersonal weiterleitet. Die Pflegekräfte einer Gruppe erhielten über den Sensor visuelle Erinnerungen, die Patientinnen und Patienten alle zwei Stunden umzulagern. In der anderen Gruppe gab es keine Erinnerungen; dort erfolgte das Umlagern nach Ermessen der Pflegekräfte. Die Sensoren mit visuellen Erinnerungen verringern wahrscheinlich die Zahl der Druckgeschwüre.(1 Studie, 1312 Personen).

Lagerungsposition
  • Es ist unklar, ob eine 30°-Neigung mit nächtlicher Umlagerung alle drei Stunden das Risiko für Druckgeschwüre stärker verringert als eine 90°-Neigung mit nächtlicher Umlagerung alle sechs Stunden (2 Studien, 252 Personen).

  • Das Anheben des Kopfendes des Bettes um 30° hat im Vergleich zu 45° möglicherweise keinen Einfluss auf das Risiko für Druckgeschwüre (1 Studie, 80 Personen). Die Evidenz hierzu ist jedoch sehr unsicher.

  • Bei Menschen, die in Bauchlage liegen und eine sogenannte Lungen-Rekrutierung erhalten (ein Verfahren, das die Lunge wieder entfalten soll), treten möglicherweise häufiger Druckgeschwüre auf als bei Menschen in Rückenlage (1 Studie, 116 Personen).

Mikrobewegungen (häufige, kleine Veränderungen der Körperposition)
  • Mikrobewegungen verringern möglicherweise Druckgeschwüre (2 Studien, 477 Personen).

Kosteneffizienz
  • Einer Studie zufolge sind die Kosten pro Bewohner*in und Tag bei einer Umlagerung alle vier Stunden niedriger als bei einer Umlagerung alle zwei Stunden. Das liegt vor allem daran, dass weniger Pflegezeit benötigt wird.

  • Eine weitere Studie schätzte, dass eine Umlagerung alle drei Stunden mit einer 30°-Neigung kostengünstiger ist als die Standardversorgung (Umlagerung alle sechs Stunden mit einer 90°-Neigung).

Weitere Endpunkte
  • Keine der Studien berichtete über die weiteren Endpunkte (z. B. Lebensqualität, Schmerzen oder Patientenzufriedenheit).

Was schränkt die Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Evidenz ist gering bis sehr gering. Die meisten Studien waren klein oder wiesen methodische Schwächen auf. Es lagen nur sehr wenige Informationen zur Kosteneffizienz vor. Über die gesundheitsbezogene Lebensqualität, Schmerzen oder die Patientenzufriedenheit wurde überhaupt nicht berichtet.

Da die Evidenz keine eindeutigen Hinweise darauf liefert, welche Umlagerungsstrategie Druckgeschwüren am besten vorbeugt, sollte die Häufigkeit des Umlagerns an den Gesundheitszustand, die persönlichen Wünsche, den Komfort und die Bewegungsfähigkeit der betroffenen Person angepasst werden.

Wie aktuell ist dieser Review?

Dies ist die zweite Aktualisierung einer Übersichtsarbeit, die erstmals 2014 veröffentlicht und 2020 aktualisiert wurde. Die Evidenz ist auf dem Stand vom 7. August 2025.

Latimer SL, Chaboyer WP, Probst S, Thalib L, Palipana D, Lapkin S, McInnes E, Downes MJ, Gillespie BM

Helfen Biologika (Medikamente, die gezielt bestimmte Teile des Immunsystems beeinflussen) bei der Behandlung von Morbus Crohn?

1 month ago
Kernaussagen
  • Mit Ustekinumab erreichen mehr Menschen eine klinische Remission (d. h. die Erkrankung ist nicht mehr aktiv oder die Beschwerden sind weitgehend unter Kontrolle) als mit Placebo (Scheinbehandlung) (360 von 1000 gegenüber 179 von 1000). Mit Adalimumab in Kombination mit Medikamenten, die auf das Immunsystem wirken, sowie mit Guselkumab und Upadacitinib erreichen wahrscheinlich mehr Menschen eine Remission als mit Placebo. Vedolizumab und Natalizumab wirken wahrscheinlich nur geringfügig besser als Placebo.

  • Menschen, die nach Erreichen einer Remission mit Adalimumab weiterbehandelt werden (Erhaltungstherapie), bleiben wahrscheinlich häufiger ein bis zwei Jahre lang beschwerdefrei als Menschen, die ein Placebo (Scheinbehandlung) erhalten (714 von 1000 versus 492 von 1000).

  • Kurzfristig (etwa ein Jahr) führen Upadacitinib, Ustekinumab und Vedolizumab im Vergleich zu Placebo wahrscheinlich dazu, dass eine ähnliche Anzahl von Patient*innen die Behandlung aufgrund von unerwünschten Wirkungen abbricht. Auf Grundlage der derzeit verfügbaren Evidenz lassen sich langfristige unerwünschte Wirkungen von Biologika nicht mit Sicherheit beurteilen.

Was ist Morbus Crohn?

Morbus Crohn ist eine lebenslange (chronische) entzündliche Erkrankung, die jeden Abschnitt des Darms betreffen kann. Zu den häufigsten Symptomen zählen blutiger Stuhl, Durchfall, Bauchschmerzen, Fieber, Gewichtsverlust, Müdigkeit und weitere Beschwerden. Wenn Morbus Crohn Beschwerden verursacht, spricht man von einer „aktiven“ Erkrankung. Sind die Beschwerden unter Kontrolle, befindet sich die Erkrankung „in Remission“. Wir wissen nicht genau, wodurch Morbus Crohn verursacht wird. Möglicherweise spielt eine Kombination aus genetischen Faktoren, Fehlfunktionen des Immunsystems, bestimmten Darmbakterien und Umwelteinflüssen eine Rolle. Es gibt derzeit keine Heilung für Morbus Crohn. Die Symptome können jedoch meist mit Medikamenten wie Steroiden oder anderen Medikamenten, die das Immunsystem beeinflussen, kontrolliert werden. In manchen Fällen ist auch eine Operation notwendig.

Was sind Biologika?

Um die Jahrtausendwende wurden Biologika und andere zielgerichtete Therapien eingeführt. Seitdem werden sie zunehmend zur Behandlung von Morbus Crohn eingesetzt. Diese neueren Therapien greifen gezielter in bestimmte Vorgänge des Immunsystems ein als ältere Behandlungen. Man geht davon aus, dass sie wirksamer sind und weniger unerwünschte Wirkungen haben. Sie können über eine Vene (intravenös), unter die Haut oder manchmal auch als Tablette verabreicht werden.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob Biologika und andere zielgerichtete Therapien Morbus Crohn wirksam behandeln können, welche unerwünschten Wirkungen sie haben und wie sie im Vergleich zueinander abschneiden. Wir untersuchten, ob die Medikamente Symptome verschwinden lassen oder lindern können, ob sie bei einer Koloskopie (Darmspiegelung) Anzeichen einer Abheilung des Darms erkennen lassen und welche kurzfristigen (bis zu ein bis zwei Jahre) und langfristigen (länger als zwei Jahre) unerwünschten Wirkungen sie haben.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen Biologika mit anderen medikamentösen Behandlungen oder mit einem Placebo (Scheinbehandlung) bei Erwachsenen mit Morbus Crohn verglichen wurden. An den Studien konnten sowohl Männer als auch Frauen teilnehmen. Die Teilnehmenden konnten seit unterschiedlich langer Zeit an Morbus Crohn leiden und bereits verschiedene Medikamente gegen Morbus Crohn eingenommen haben. Wir fassten die Ergebnisse zusammen und bewerteten anhand der Planung und Durchführung der Studien, wie zuverlässig die Ergebnisse sind.

Was fanden wir heraus?

Wir schlossen 94 Studien mit insgesamt 27.476 Teilnehmenden ein, darunter etwa gleich viele Männer wie Frauen. Die meisten Teilnehmenden waren zwischen 30 und 40 Jahre alt, die Altersspanne reichte jedoch von älteren Jugendlichen bis zu Menschen im sechsten Lebensjahrzehnt. In den Induktionsstudien hatten die Teilnehmenden eine mittelschwere bis schwere Form von Morbus Crohn. In den Erhaltungsstudien befanden sich einige Teilnehmende bereits in Remission. Andere hatten zwar auf eine vorherige Behandlung angesprochen, hatten aber noch Beschwerden. Die meisten Induktionsstudien beobachteten die Teilnehmenden über einen Zeitraum von drei bis sechs Monaten, die Erhaltungsstudien über etwa ein Jahr.

Hauptergebnisse
  • Es gab 66 Induktionsstudien mit 20.653 Teilnehmenden und 22 Erhaltungsstudien mit 6.823 Teilnehmenden.

  • Mit Ustekinumab erreichen mehr Menschen eine klinische Remission (d. h. die Erkrankung ist nicht mehr aktiv oder die Beschwerden sind weitgehend unter Kontrolle) als mit Placebo (Scheinbehandlung) (360 von 1000 gegenüber 179 von 1000). Mit Adalimumab in Kombination mit Medikamenten, die auf das Immunsystem wirken, sowie mit Guselkumab und Upadacitinib erreichen wahrscheinlich mehr Menschen eine Remission als mit Placebo. Vedolizumab und Natalizumab wirken wahrscheinlich nur geringfügig besser als Placebo. Risankizumab, BI695501 (ein Medikament, das Adalimumab ähnelt), eine Kombination aus Infliximab und Medikamenten, die das Immunsystem beeinflussen, sowie Filgotinib sind möglicherweise wirksamer als Placebo, wenn es darum geht, eine klinische Remission zu erreichen.

  • Wir sind uns nicht sicher, ob andere Biologika besser wirken als Placebo, wenn es darum geht, eine klinische Remission zu erreichen.

  • Menschen, die nach Erreichen einer Remission mit Adalimumab weiterbehandelt werden (Erhaltungstherapie), bleiben wahrscheinlich häufiger ein bis zwei Jahre lang beschwerdefrei als Menschen, die ein Placebo (Scheinbehandlung) erhalten (714 von 1000 versus 492 von 1000).

  • Kurzfristig (etwa ein Jahr) führen Upadacitinib, Ustekinumab und Vedolizumab im Vergleich zu Placebo wahrscheinlich dazu, dass eine ähnliche Anzahl von Patient*innen die Behandlung aufgrund von unerwünschten Wirkungen abbricht. Für Risankizumab, Certolizumab und Filgotinib reicht die Evidenz nicht aus, um beurteilen zu können, ob diese Medikamente dazu führen, dass mehr oder weniger Menschen die Behandlung aufgrund unerwünschter Wirkungen abbrechen.

  • Auf Grundlage der derzeit verfügbaren Evidenz lassen sich langfristige unerwünschte Wirkungen von Biologika nicht mit Sicherheit beurteilen.

Was schränkt die Evidenz ein?

Die Teilnehmenden der einbezogenen Studien unterschieden sich in mehreren Merkmalen. So hatten einige bereits Biologika oder andere zielgerichtete Therapien erhalten, andere nicht. Der Schweregrad ihrer Erkrankung war unterschiedlich, und einige erhielten zusätzlich andere Behandlungen, während andere keine weiteren Therapien bekamen. Da sich die Teilnehmenden der einzelnen Studien in diesen Merkmalen unterschieden, waren die Studien nicht immer gut miteinander vergleichbar.

Die meisten Erkenntnisse beziehen sich auf klinische Symptome. Ergebnisse aus Darmspiegelungen oder mikroskopischen Untersuchungen des Gewebes waren dagegen nur begrenzt verfügbar. Außerdem gab es bei einigen Studien Mängel in der Durchführung und den verwendeten Methoden.

Wie aktuell ist dieser Review?

Dieser Review ist auf dem Stand vom Juni 2025.

Gordon M, Sinopoulou V, Akobeng AK, Freeman SC, Moran GW, Cherayath R, Masitara M, Sherafat A, Khan MI, Alqusous F, Elleithy A, Phlananthachai S

Audit und Feedback: Wirkungen auf die berufliche Praxis

1 month ago
Kernaussagen

- Audit und Feedback im Gesundheitswesen bedeutet, dass die Leistungen von Gesundheitsfachpersonen systematisch überprüft und mit etablierten fachlichen Standards verglichen werden. Im Anschluss werden die Ergebnisse des Vergleichs den Gesundheitsfachpersonen als Feedback übermittelt, mit dem Ziel, eine Verbesserung ihrer Leistung zu fördern.

- Audit und Feedback führen wahrscheinlich zu einer leichten bis mäßigen Verbesserung der Leistung von Gesundheitsfachpersonen. Am wirkungsvollsten ist es, wenn Gesundheitsfachpersonen erkennen, wie sie im Vergleich zu den Besten abschneiden, sich auf zentrale Verbesserungsbereiche fokussieren können und konkrete Tipps für Veränderungen erhalten. Audit und Feedback können noch wirkungsvoller sein, wenn sie durch zusätzliche Hilfen wie Erinnerungshilfen oder Schulungsangebote unterstützt werden.

- Zukünftige Forschung sollte untersuchen, wie sich Audit- und Feedbackmaßnahmen am effektivsten verbessern lassen.

Was versteht man unter Audit und Feedback im Gesundheitswesen?

Audit- und Feedback werden in Gesundheitseinrichtungen häufig eingesetzt, um die Leistung von Fachkräften im Gesundheitswesen gezielt zu verbessern. In einem Audit- und Feedback-Prozess werden Berufsausübung oder -leistung einer Person gemessen und anschließend mit fachlichen Standards oder Zielen verglichen. Kurz gesagt: Ihre Leistung wird bewertet. Im Rahmen des "Feedbacks" werden die Ergebnisse dieses Vergleichs den Gesundheitsfachpersonen zur Verfügung gestellt. Ziel dieses Prozesses ist es, die Gesundheitsfachpersonen zu ermutigen, Maßnahmen zu ergreifen oder Veränderungen umzusetzen, um die Einhaltung der Standards sicherzustellen.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach allen Studien, in denen Gesundheitsfachpersonen nach dem Zufallsprinzip ein Audit und ein Feedback erhielten, und in denen die Ergebnisse für die berufliche Praxis gemessen wurden.

Was fanden wir?

Wir haben 292 Studien gefunden, die unseren Anforderungen entsprachen. Wir stellten fest, dass Audit und Feedback häufig zusammen mit anderen Strategien zur Verbesserung der Versorgungsqualität eingesetzt werden, z. B. in Form von Fortbildungen oder Erinnerungshilfen. In den meisten Studien wurden die Wirkungen von Audit und Feedback auf Ärzt*innen gemessen, in einigen Studien jedoch auch auf Pflegefachpersonen oder Apotheker*innen. Audit und Feedback wurden eingesetzt, um ihre Leistung in verschiedenen Bereichen zu beeinflussen, einschließlich der ordnungsgemäßen Anwendung von verschreibungspflichtigen Behandlungen oder der Veranlassung diagnostischer Untersuchungen.

Die genaue Art und Weise, wie Audit und Feedback durchgeführt wurden, war in den einzelnen Studien sehr unterschiedlich. Das Feedback an die Gesundheitsfachpersonen erfolgte teils mündlich, teils schriftlich – entweder über ein elektronisches Dashboard oder auf mehreren Wegen zugleich. In einigen Studien erhielten sie dieses Feedback von den für die Studie verantwortlichen Forscher*innen, in anderen Studien von Vorgesetzten oder Kolleg*innen. In einigen Studien erhielten die Gesundheitsfachpersonen nur ein einziges Mal ein Feedback, während sie in anderen Studien ein monatliches Feedback erhielten. Manchmal erhielten sie auch Vorschläge oder Ratschläge zur Verbesserung ihrer Leistung oder wurden bei der Erstellung eines Handlungsplans zur Verbesserung ihrer Leistung unterstützt.

Die wichtigsten Ergebnisse: Was geschieht, wenn Gesundheitsfachpersonen auditiert werden und ein Feedback erhalten?

Die Effekte von Audit und Feedback variierten in den eingeschlossenen Studien erheblich; in den meisten Fällen führten sie jedoch zu geringen bis mäßigen Verbesserungen der Versorgungsqualität.

Audit und Feedback entfalten ihre größte Wirkung, wenn sie den Gesundheitsfachpersonen ermöglichen, ihre eigene Leistung mit der ihrer besonders leistungsstarken Kolleg*innen zu vergleichen. Besonders hilfreich ist es, wenn dadurch klinische Probleme mit hoher Priorität erkannt werden können und konkrete Handlungsschritte aufgezeigt werden. Zudem sind Audit und Feedback besonders effektiv, wenn sie sich auf Bereiche konzentrieren, in denen noch erhebliches Verbesserungspotenzial besteht. Weitere mit einer stärkeren Wirksamkeit in Verbindung gebrachte Merkmale von Audit und Feedback sind vielfältig. Besonders wirksam ist es, wenn sich die Rückmeldung auf das individuelle Verhalten einzelner Empfänger*innen bezieht statt auf das gesamte Team oder die Organisation. Zudem zeigt sich eine größere Wirkung, wenn das Feedback von anerkannten Kolleg*innen übermittelt wird, zu denen bereits eine vertrauensvolle Beziehung besteht. Auch die Nutzung mehrerer Kommunikationsformen, beispielsweise einer Kombination aus mündlicher und schriftlicher Rückmeldung, kann die Effektivität erhöhen. Ein weiteres entscheidendes Element ist die Einbettung eines konkreten Handlungsplans mit klaren Empfehlungen und Schritten zur Verbesserung.

Darüber verändert sich möglicherweise die Wirkung von Audit und Feedback, wenn sie mit anderen Strategien zur Verbesserung der Versorgungsqualität kombiniert werden, z. B. mit Fortbildungen oder Erinnerungshilfen.

Was schränkt die Evidenz ein?

Die Qualität der Evidenz ist mäßig, und weitere Forschung ist erforderlich, um zu bestätigen, welche Merkmale von Audit und Feedback in den verschiedenen Situationen am ehesten die größten Wirkungen erzielen.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Dieser Review ist eine Aktualisierung einer vorherigen Version. Die Evidenz ist auf dem Stand von Juni 2020.

Ivers N, Yogasingam S, Lacroix M, Brown KA, Antony J, Soobiah C, Simeoni M, Willis TA, Crawshaw J, Antonopoulou V, Meyer C, Solbak NM, Murray BJ, Butler E-A, Lepage S, Giltenane M, Carter MD, Fontaine G, Sykes M, Halasy M, Bazazo A, Seaton S, Canavan T,…
Checked
17 hours 6 minutes ago
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