Cochrane Kompakt

Welche Vorteile und Risiken hat die Holmium-Laser-Enukleation der Prostata (HoLEP) im Vergleich zu anderen Prostataoperationen?

3 minutes 28 seconds ago
Kernaussagen
  • Holmium-Laser-Enukleation der Prostata (HoLEP) und die Standard-Prostataoperation (transurethral resection of the prostate, TURP) lindern Harnwegsbeschwerden möglicherweise ähnlich gut und verbessern die Lebensqualität in vergleichbarem Maße. Auch schwerwiegende Komplikationen treten im ersten Jahr nach der Operation möglicherweise ähnlich häufig auf.

  • HoLEP verringert im Vergleich zur TURP und im Vergleich zur Prostatektomie (operative Entfernung von Prostatagewebe) wahrscheinlich den Bedarf an Bluttransfusionen. Möglicherweise ist der Bedarf auch im Vergleich zur Laserablation (Zerstörung von Prostatagewebe mit einem Laser) geringer. Pro 1.000 behandelte Männer würden etwa 36 weniger eine Bluttransfusion benötigen (HoLEP vs. TURP).

  • Es liegt noch nicht genügend Evidenz vor, um zu beurteilen, ob HoLEP bei sehr stark vergrößerter Prostata oder bei Personen, die bestimmte blutverdünnende Medikamente einnehmen, die bessere Behandlungsmöglichkeit ist.

Was ist eine benigne Prostatahyperplasie?

Die Prostata ist eine kleine Drüse, die nur bei Männern vorkommt. Dabei handelt es sich um eine gutartige Erkrankung, bei der sich die Prostata mit zunehmendem Alter häufig vergrößert. Dadurch kann der Harnfluss behindert werden. Das lässt sich mit einem verengten Schlauch vergleichen: Der Urin kann schlechter abfließen, sodass das Wasserlassen zunehmend schwieriger wird.

Wie wird eine gutartige Prostatahyperplasie behandelt?

Zu den Behandlungsmöglichkeiten zählen Änderungen des Lebensstils, Medikamente und operative Eingriffe. Lange Zeit war die transurethrale Resektion der Prostata (TURP) die am häufigsten durchgeführte Operation. Bei der TURP wird überschüssiges Prostatagewebe mit einem kleinen Instrument entfernt, das durch die Harnröhre eingeführt wird. Heute werden dafür auch Laserverfahren eingesetzt. Eine dieser Laserbehandlungen ist die sogenannte Holmium-Laser-Enukleation der Prostata (HoLEP).

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten wissen, wie HoLEP im Vergleich zu anderen Operationen die Beschwerden und die Lebensqualität beeinflusst und wie sicher das Verfahren ist.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen HoLEP mit anderen Prostataoperationen verglichen wurde. Wir untersuchten, wie wirksam und sicher die verschiedenen Operationsverfahren waren und wie schnell sich die Männer davon erholten. Anschließend fassten wir alle Ergebnisse zusammen und bewerteten die Zuverlässigkeit der einzelnen Studien.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 52 Studien mit 6.242 Männern, die sich einer Prostataoperation unterzogen hatten. Diese Zusammenfassung konzentriert sich auf Studien, in denen HoLEP innerhalb des ersten Jahres nach der Operation mit der TURP verglichen wurde. Die TURP galt lange als Standardoperation bei gutartiger Prostatavergrößerung. Dieser Vergleich ist besonders relevant für Männer, die zwischen verschiedenen Operationsverfahren wählen. Das Durchschnittsalter der Männer lag zwischen 65 und 74 Jahren und die durchschnittliche Prostatagröße in den Studien reichte von 30 cm³ bis 142 cm³. Die Studien wurden in 11 Ländern durchgeführt.

  • Symptome und Lebensqualität : HoLEP lindert Harnwegsbeschwerden möglicherweise ähnlich gut wie die TURP (14 Studien, 1666 Personen) und verbessert möglicherweise auch die Lebensqualität in ähnlichem Maße (6 Studien, 876 Personen). Die festgestellten Unterschiede waren so gering, dass sie für die Männer keine spürbare Bedeutung hatten.

  • Schwerwiegende Komplikationen: Schwerwiegende Komplikationen treten bei HoLEP möglicherweise ähnlich häufig auf wie bei der TURP (10 Studien, 1147 Personen).

  • Erneute Operationen und erektile Funktion: Die Häufigkeit erneuter Operationen und die erektile Funktion sind nach HoLEP und TURP wahrscheinlich ähnlich.

  • Ejakulation: Keine der Studien berichtete darüber, wie sich HoLEP und TURP auf die Ejakulation auswirkten, obwohl dies für viele Männer von großer Bedeutung ist.

  • Bluttransfusion: HoLEP senkt im Vergleich zur TURP wahrscheinlich das Risiko, eine Bluttransfusion zu benötigen. Im Vergleich zu den meisten anderen Operationsverfahren macht HoLEP möglicherweise keinen oder nur einen geringen Unterschied. Etwa 44 von 1.000 Männern benötigen nach einer TURP eine Transfusion, verglichen mit etwa 8 von 1.000 nach einer HoLEP (15 Studien, 1.755 Personen).

  • Wir verglichen HoLEP außerdem mit anderen Laserverfahren, anderen Enukleationstechniken und offenen Operationen. Dabei betrachteten wir auch Ergebnisse, die mehr als ein Jahr nach dem Eingriff erhoben wurden. Diese Ergebnisse sind im Volltext des Reviews dargestellt.

Was schränkt die Evidenz ein?
  • Studienqualität: Die meisten Studien wiesen methodische Mängel auf. So ist es beispielsweise unmöglich, die Operierenden zu verblinden, und auch die Teilnehmenden können nur schwer darüber im Unklaren gelassen werden, welche Operation sie erhalten haben. Dies kann beeinflussen, wie die Ergebnisse gemessen und berichtet werden. Nur wenige Studien verfügten über vorab registrierte Protokolle, sodass einige Ergebnisse möglicherweise selektiv berichtet wurden. Aus diesen Gründen haben wir in viele der Ergebnisse nur geringes oder sehr geringes Vertrauen.

  • Kurze Nachbeobachtung: Die meisten Studien führten eine Nachbeobachtung nur bis zu 12 Monaten durch. Wir wissen nicht, ob die Vorteile von HoLEP langfristig bestehen bleiben oder ob sich die Häufigkeit erneuter Operationen auf längere Sicht wesentlich unterscheidet.

  • Keine der Studien berichtete darüber, wie sich die verschiedenen Operationsverfahren auf die Ejakulation auswirkten. Da etwa drei von vier Männern nach einer HoLEP eine retrograde Ejakulation („trockener Orgasmus“) erleben, ist dies eine wichtige Wissenslücke. Auch Daten zur Harninkontinenz nach der Operation wurden nicht einheitlich erfasst.

  • Erfahrung der Operierenden: Die meisten Operierenden in den einbezogenen Studien verfügten über umfangreiche Erfahrung mit der HoLEP. Die tatsächlichen Ergebnisse können anders ausfallen, wenn die Operierenden noch wenig Erfahrung mit HoLEP haben. Die Komplikationsrate nimmt mit zunehmender Erfahrung weiter ab und stabilisiert sich offenbar erst nach etwa 350 Eingriffen.

  • Begrenzte Evidenz für bestimmte Patientengruppen: Wir konnten nicht untersuchen, ob HoLEP bei Männern mit sehr stark vergrößerter Prostata (≥ 80 ml) oder bei Männern, die blutverdünnende Medikamente einnehmen, anders wirkt, da zu wenige Studien diese Patientengruppen einschlossen. Gerade bei diesen Patientengruppen könnte HoLEP möglicherweise besonders vorteilhaft sein. Daher ist diese Evidenzlücke besonders relevant.

  • Wenige Studien für einige Vergleiche: Die meisten Studien verglichen HoLEP mit TURP. Für Vergleiche mit Laserablation, anderen Enukleationstechniken oder offenen Operationen ist die Evidenz daher weniger sicher.

Wie aktuell ist dieser Review?

Dieser Review ist auf dem Stand vom 08. April 2026.

Sathianathen N, Hwang EC, Brown SJane, Bakker C, Borofsky MS, Ergun O, Dahm P

Welche Wirkungen hat eine Jodsupplementierung zur Vorbeugung von Jodmangelerkrankungen bei Kindern und Jugendlichen?

1 day ago
Kernaussagen
  • Eine Jodsupplementierung verbessert die Denkfähigkeit (kognitive Funktion) bei Kindern und Jugendlichen leicht. Das Wachstum (Gewicht) beeinflusst eine Jodsupplementierung möglicherweise nicht oder allenfalls geringfügig. In keiner der Studien wurden unerwünschte Wirkungen berichtet.

  • Eine Jodsupplementierung verringert wahrscheinlich das Auftreten einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) und möglicherweise auch das Risiko, im Säuglingsalter zu sterben, in Regionen mit hoher Säuglingssterblichkeit. Ob eine Jodsupplementierung das Auftreten einer Schilddrüsenvergrößerung (Struma) verringert, ist unklar.

  • Zukünftige Studien sollten sich auf Regionen und Bevölkerungsgruppen konzentrieren, in denen Jodmangel ein Problem sein könnte, und dabei auch Kinder aus sozioökonomisch benachteiligten Gruppen einbeziehen. Zukünftige Studien sollten höhere Joddosen über längere Behandlungs- und Nachbeobachtungszeiträume untersuchen.

Was ist Jod und warum ist es wichtig?

Jod ist ein Mineralstoff, den der Körper für die Bildung von Schilddrüsenhormonen benötigt. Diese Hormone sind wichtig für die normale Entwicklung des Körpers und des Gehirns. Da Jod für die körperliche und geistige Entwicklung wichtig ist, sollten Kinder ausreichend damit versorgt sein. Jodmangel bei Kindern kann das Wachstum und die Entwicklung des zentralen Nervensystems beeinträchtigen. Mögliche Folgen sind Entwicklungsstörungen, eine eingeschränkte geistige Leistungsfähigkeit, eine Vergrößerung der Schilddrüse (Struma) und in schweren Fällen auch ein erhöhtes Risiko, im Säuglingsalter zu sterben.

Wichtige Jodquellen in der Ernährung sind jodiertes Speisesalz, Fisch und andere Meeresprodukte sowie Milch und Milchprodukte. Auch Getreide kann Jod liefern, wenn es auf jodreichen Böden angebaut wurde. Eine Jodsupplementierung kann auf unterschiedliche Weise erfolgen: Jodiertes Öl kann einmalig oder einmal jährlich in einen Muskel gespritzt werden. Kaliumjodid kann dagegen täglich oder wöchentlich in niedriger Dosis als Tablette, Kapsel oder Tropfen eingenommen werden.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob eine Jodsupplementierung im Vergleich zu einem Placebo (Scheinbehandlung) Jodmangelerkrankungen bei Kindern und Jugendlichen verhindern kann. Außerdem wollten wir wissen, ob die Einnahme einer Jodsupplementierung mit unerwünschten Wirkungen verbunden ist.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, die eine Jodsupplementierung mit einem Placebo bei Kindern und Jugendlichen mit einem erhöhten Risiko für Jodmangel verglichen. Wir verglichen die Ergebnisse der Studien, fassten sie zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz. Dabei berücksichtigten wir unter anderem die Größe der Studien und wie gut sie durchgeführt wurden.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden acht Studien mit insgesamt 2.528 Teilnehmenden, die die Wirkungen einer Jodsupplementierung zur Vorbeugung von Jodmangel bei Kindern und Jugendlichen untersuchten. Die Studien wurden zwischen 1982 und 2009 durchgeführt, überwiegend in einkommensschwachen Regionen in Albanien, Bangladesch, Kolumbien, Indonesien, Malawi, Neuseeland und Tansania. In den Studien wurde eine orale Jodsupplementierung mit einem Placebo verglichen. In einer Studie erhielten die Teilnehmenden zusätzlich Eisen.

Jodsupplementierung im Vergleich zu Placebo
  • Eine Jodsupplementierung verbessert die Denkfähigkeit (kognitive Funktion) im Vergleich zu Placebo leicht (1 Studie, 166 Teilnehmende).

  • Eine Jodsupplementierung hat im Vergleich zu Placebo möglicherweise nur geringe oder keine Auswirkungen auf das Gewicht der Kinder (3 Studien, 658 Teilnehmende).

  • Eine Jodsupplementierung verringert im Vergleich zu Placebo wahrscheinlich deutlich das Auftreten einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) (1 Studie, 264 Teilnehmende).

  • Keine der Studien berichtete über unerwünschte Wirkungen der Jodsupplementierung. Auch zur Lebensqualität lagen keine Daten vor.

  • Eine Jodsupplementierung verringert im Vergleich zu Placebo wahrscheinlich das Risiko, innerhalb der ersten sechs Lebensmonate zu sterben (1 Studie, 617 Säuglinge).

  • Ob eine Jodsupplementierung das Auftreten einer Schilddrüsenvergrößerung (Struma) verringert ist auf Basis von 2 Studien mit 432 Teilnehmenden unklar. Eine der beiden Studien verwendete keine ausreichend robusten Methoden. Wir schlossen diese Studie aus der Analyse aus. Danach zeigte sich, dass Jod das Auftreten einer Schilddrüsenvergrößerung (Struma) wahrscheinlich deutlich verringert (1 Studie, 230 Teilnehmende).

Jod- und Eisensupplementierung im Vergleich zu Placebo
  • Es ist unklar, ob eine Jod-plus-Eisen-Supplementierung das Körpergewicht beeinflusst (1 Studie, 146 Teilnehmende).

  • Zu den Wirkungen auf die kognitive Funktion, Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose), unerwünschte Wirkungen, Lebensqualität, Todesfälle jeglicher Ursache und Schilddrüsenvergrößerung (Struma) lagen keine Daten vor.

Was schränkt die Evidenz ein?

Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz war je nach Ergebnis unterschiedlich und reichte von hoch bis sehr niedrig. Unser Vertrauen in die Evidenz war in einigen Fällen begrenzt, weil:

  • es möglich ist, dass die Teilnehmenden in den Studien wussten, welche Behandlung sie erhielten;

  • die Studien an unterschiedlichen Personengruppen durchgeführt wurden;

  • es nicht genügend Studien gibt, um die Ergebnisse mit Sicherheit beurteilen zu können.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von Mai 2025.

Velasco I, Rueda-Etxebarria M, Trak-Fellermeier MA, Taylor P, Rabassa Bonet M, Chi Y, Janka H, Rueda JR

Welche Kombinationen von inhalativen Medikamenten sind bei chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) wirksam und sicher?

1 day ago
Kernaussagen

• Die Anwendung eines Inhalators, der einen langwirksamen Muskarin-Antagonisten plus einen langwirksamen Beta-Agonisten (LAMA+LABA) enthält, verbessert bei chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) wahrscheinlich die Lungenfunktion und senkt das Risiko einer Lungenentzündung im Vergleich zu LABA plus einem inhalativen Kortikosteroid (LABA+ICS).

• LAMA+LABA und LABA+ICS verringern COPD-Exazerbationen wahrscheinlich ähnlich stark und verbessern die Lebensqualität wahrscheinlich in ähnlichem Ausmaß.

• Bei Personen, die LAMA+LABA erhielten, war das Sterberisiko wahrscheinlich geringfügig höher.

Was ist eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) und wie wird sie behandelt?

Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) ist eine langfristige Lungenerkrankung, die durch Husten, Auswurf (Schleim aus der Lunge) und Atembeschwerden gekennzeichnet ist. 

COPD wird unter anderem mit sogenannten Bronchodilatatoren (bronchienerweiternden Medikamenten) behandelt. Sie entspannen die Muskulatur der Atemwege und erweitern dadurch die Bronchien, sodass das Atmen leichter fällt. Zwei wichtige Arten von Bronchodilatatoren sind langwirksame Muskarin-Antagonisten (LAMAs) und langwirksame Beta-Agonisten (LABAs). Leitlinien empfehlen für Menschen mit stabiler COPD und hohem Risiko eine Inhalationsbehandlung mit einer Kombination aus LAMA und LABA oder aus LABA und einem inhalativen Kortikosteroid (ICS). Kortikosteroide sind entzündungshemmende Medikamente.

Was wollten wir herausfinden?

Wir untersuchten die Ergebnisse von Studien, in denen die Teilnehmenden nach dem Zufallsprinzip entweder LAMA+LABA oder LABA+ICS erhielten, und verglichen die Wirkungen der beiden Behandlungen.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, die den Nutzen und die Risiken von LAMA+LABA und LABA+ICS bei der Behandlung von Menschen mit COPD untersuchten. Wir haben diese Ergebnisse zusammengefasst und unser Vertrauen in die Evidenz bewertet.

Was fanden wir heraus?

Wir schlossen 19 Studien mit 22.354 Teilnehmenden ein. Die Studien dauerten zwischen 6 und 52 Wochen. An den Studien nahmen mehr Männer als Frauen teil (etwa 70 % der Teilnehmenden waren Männer), und das Durchschnittsalter der Teilnehmenden lag bei etwa 64 Jahren. Die meisten Studien umfassten Menschen mit mittelschwerer bis schwerer COPD. An den meisten Studien waren Pharmaunternehmen beteiligt, was die Zuverlässigkeit der Ergebnisse beeinträchtigen könnte.

Im Vergleich zu LABA+ICS verbesserte LAMA+LABA die Lungenfunktion und verringerte das Risiko für eine Lungenentzündung von 5 % auf 3 %. Gleichzeitig erhöhte LAMA+LABA wahrscheinlich das Sterberisiko geringfügig (von 1 % auf 1,4 %). LAMA+LABA hatte im Vergleich zu LABA+ICS wahrscheinlich kaum oder gar keinen Einfluss auf COPD-Exazerbationen (Schübe). Die Teilnehmenden in beiden Behandlungsgruppen berichteten über eine ähnliche Lebensqualität. Auch das Risiko für schwerwiegende unerwünschte Wirkungen war etwa gleich; solche Ereignisse traten jedoch nur selten auf. 

Was schränkt die Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Evidenz war mäßig bis hoch, da die einbezogenen Studien gut konzipiert waren und eine ausreichende Anzahl von Teilnehmenden mit überwiegend mittelschwerer bis schwerer COPD umfassten.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Diese Übersichtsarbeit ist auf dem Stand vom 10. September 2022. Die Ergebnisse laufender oder künftiger Studien zu neu entwickelten Medikamenten stehen noch aus. Diese Übersichtsarbeit sollte in einigen Jahren erneut aktualisiert werden.

Fukuda N, Horita N, Kaneko A, Goto A, Kaneko T, Ota E, Kew KM

Was sind die langfristigen Wirkungen einer mindestens einjährigen Hormontherapie bei Frauen in der Peri- und Postmenopause?

5 days 2 hours ago
Kernaussagen

Wirkungen der Hormontherapie auf die langfristige Gesundheit von Frauen sind unterschiedlich, je nachdem, ob sie eine kombinierte Hormontherapie (sowohl Östrogen als auch Gestagen) oder nur Östrogen einnehmen.
Angesichts der veränderten Dosierungen und Applikationsformen der Hormontherapie im Laufe der Zeit sollten die Ergebnisse dieses Reviews mit Vorsicht interpretiert werden. Die hier zusammengefassten Ergebnisse stammen aus Studien, in denen die Hormontherapie als Tabletten zum Einnehmen verabreicht wurde.
Künftige Studien sollten die langfristigen Auswirkungen einer Hormontherapie bei Frauen untersuchen, die vor dem 50. Lebensjahr damit beginnen oder deren Eierstöcke infolge einer medizinischen Behandlung nicht mehr funktionieren.

Was sind Menopause und Perimenopause?

Die Menopause tritt natürlicherweise ein – meist zwischen dem 44. und 55. Lebensjahr –, wenn die Eierstöcke keine Eizellen mehr freisetzen und die Produktion der Sexualhormone stark zurückgeht (bis fast zum Erliegen). Die Menopause wird (nachträglich) diagnostiziert, wenn diese Veränderungen dazu führen, dass seit 12 Monaten keine Regelblutung mehr aufgetreten ist. Nach der operativen Entfernung beider Eierstöcke setzt die Menopause sofort ein – der übliche Zeitraum von zwölf Monaten ohne Menstruation gilt hier nicht.

Die Perimenopause ist die Übergangsphase vor der Menopause, in welcher der Hormonspiegel sinkt und die Periode unregelmäßig wird. Sie kann mehrere Jahre andauern und es können Symptome wie Hitzewallungen, nächtliche Schweißausbrüche und Stimmungsschwankungen auftreten.

Ein sinkender Hormonspiegel kann sich auf Herz, Blutgefäße und Knochen auswirken. Er erhöht unter anderem das Risiko für einen ungünstigen Cholesterinspiegel, Veränderungen von Gewicht und Körperfett, Bluthochdruck, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfall sowie für Osteoporose und eine abnehmende Muskelkraft oder Mobilität.

Was ist eine Hormontherapie?

Bei der Hormontherapie wird Östrogen, allein oder zusammen mit einem Gestagen, zur Linderung von Beschwerden in den Wechseljahren eingesetzt. Frauen ohne Gebärmutter können eine reine Östrogentherapie erhalten. Frauen mit Gebärmutter benötigen zusätzlich ein Gestagen, um die Gebärmutterschleimhaut zu schützen und das Risiko für Endometriumkrebs zu senken.

Östrogen kann man als Tablette schlucken oder über die Haut aufnehmen, zum Beispiel als Pflaster oder Gel. Gestagene können als Tablette, über die Vagina oder mithilfe eines Intrauterinpessars gegeben werden – das ist ein kleines T-förmiges Kunststoffteil, das in der Gebärmutter sitzt. Die kombinierte Hormontherapie kann täglich oder zyklisch eingenommen werden. In der zyklischen Form bekommt man täglich Östrogen, aber das Gestagen nur in bestimmten Wochen. Dadurch kann es zu monatlichen Entzugsblutungen kommen.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten untersuchen, ob sich eine Hormontherapie, die über längere Zeit eingenommen wird, langfristig auf die Gesundheit von Frauen auswirkt.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen Frauen in den Wechseljahren, die mindestens ein Jahr lang eine Hormontherapie erhielten, mit Frauen verglichen wurden, die ein inaktives Scheinmedikament (Placebo) einnahmen. Wir fassten die Studienergebnisse zusammen, verglichen sie und bewerteten, wie verlässlich die Evidenz ist – unter anderem anhand der verwendeten Methoden und der Größe der Studien.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 24 Studien mit 45.660 Teilnehmenden. Die meisten Daten stammen aus zwei großen, hochwertigen Studien, die in den 1990er Jahren durchgeführt und Anfang der 2000er Jahre veröffentlicht wurden. Die im Folgenden vorgestellten Ergebnisse stammen aus einer dieser Studien. Die vollständigen Ergebnisse finden Sie im Hauptteil.

Kombinierte kontinuierliche Hormontherapie im Vergleich zu Placebo

Auf der Grundlage der Evidenz aus einer Studie mit 16.608 Frauen, in der die Endpunkte nach einer Nachbeobachtungszeit von etwa 5,5 Jahren gemessen wurden, bewirkt eine kombinierte kontinuierliche Hormontherapie:

wahrscheinlich keinen oder nur einen minimalen Unterschied, einen Herzinfarkt zu erleiden oder an Lungenkrebs zu erkranken;
erhöht wahrscheinlich geringfügig das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken (von etwa 19 auf 24 von 1000 Frauen);
reduziert wahrscheinlich das Risiko von Knochenbrüchen (von etwa 111 auf 87 von 1000 Frauen).

Eine kombinierte kontinuierliche Hormontherapie erhöht möglicherweise:

das Risiko für einen Schlaganfall (von etwa 13 auf 18 von 1000 Frauen);
das Risiko für ein Blutgerinnsel in einer Vene (von etwa 10 auf 20 von 1000 Frauen);
Gallenblasenerkrankungen, die einen chirurgischen Eingriff erfordern (von etwa 16 auf 27 von 1000 Frauen).

Ausschließliche Östrogengabe im Vergleich zu Placebo

Auf der Grundlage der Evidenz aus einer Studie mit 10.739 Frauen, die sich einer Hysterektomie (chirurgische Entfernung der Gebärmutter) unterzogen hatten, bei der die Endpunkte nach 7 Jahren Nachbeobachtung gemessen wurden, bewirkt eine reine Östrogen-Hormontherapie:

wahrscheinlich keinen oder nur einen minimalen Unterschied, einen Herzinfarkt zu erleiden, ein Blutgerinnsels in einer Vene zu entwickeln oder an Brustkrebs zu erkranken;
reduziert wahrscheinlich das Risiko von Knochenbrüchen (von etwa 141 auf 103 von 1000 Frauen);
erhöht wahrscheinlich das Risiko für einen Schlaganfall (von etwa 24 auf 32 von 1000 Frauen) und einer Gallenblasenerkrankung, die eine Operation erfordert (von etwa 27 auf 47 pro 1000 Frauen).

Eine reine Östrogen-Hormontherapie hat möglicherweise keinen oder nur einen minimalen Einfluss darauf, an Lungenkrebs zu erkranken.

Wir verfügten nicht über genügend Daten, um das Risiko einer langfristigen Hormontherapie bei Frauen, die vor ihrem 50. Lebensjahr mit der Therapie begonnen haben, zu bewerten.

Was schränkt die Aussagekraft der Evidenz ein?

Nur etwa 30% der Frauen waren zu Beginn der Studie 50 bis 59 Jahre alt, also die Altersgruppe, die am ehesten eine Hormontherapie gegen Hitzewallungen und nächtliche Schweißausbrüche in Betracht zieht. Darüber hinaus hat sich die Hormontherapie im Laufe der Zeit weiterentwickelt – mit neuen Applikationsformen, unterschiedlichen Hormontypen und angepassten Dosierungen. Die meisten Daten stammen aus einer Studie, in der die Frauen eine Hormontherapie zum Einnehmen erhielten. Diese birgt möglicherweise andere Risiken als die derzeit in der klinischen Praxis verwendeten Anwendungsformen.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von September 2024.

Bofill Rodriguez M, Yong LN, Mirkov S, Bekos C, Lethaby A, Farquhar C

Kann das Training mit Gehirn-Computer-Schnittstellen die Bewegungsfähigkeit und die Bewältigung alltäglicher Aktivitäten nach einem Schlaganfall verbessern?

5 days 2 hours ago
Kernaussagen
  • Ein Training der Gehirn-Computer-Schnittstellen (engl. Brain-computer-interface, kurz: BCI) kann die Armbewegung möglicherweise etwas verbessern, hat jedoch möglicherweise kaum oder gar keinen Einfluss auf die Beinbewegung. Es ist sehr ungewiss, ob es bei Alltagsaktivitäten hilft.

  • Im Vergleich zu einem „Schein“-BCI (unechten BCI) hat das BCI-Training möglicherweise kaum oder gar keinen Einfluss auf die Bewegungsfähigkeit oder die Alltagsaktivitäten.

  • Es sind größere, gut konzipierte Studien erforderlich, um die tatsächlichen Nutzen und Schäden des BCI-Trainings zu bestätigen.

Was ist eine Gehirn-Computer-Schnittstelle (engl. brain-computer interface; BCI)?

Eine Gehirn-Computer-Schnittstelle (BCI) ist eine Technologie, die eine direkte Verbindung zwischen dem Gehirn und einem externen Gerät herstellt. Dabei werden normalerweise Sensoren auf der Kopfhaut angebracht, um die Gehirnsignale zu erfassen, die entstehen, wenn eine Person sich eine Bewegung vorstellt oder versucht sie auszuführen.

Wie wird BCI nach einem Schlaganfall eingesetzt?

Nach einem Schlaganfall leiden Betroffene häufig unter Muskelschwäche oder Bewegungsausfällen. Beim BCI-Training werden die Gehirnsignale erfasst, die entstehen, wenn eine Person eine Bewegung beabsichtigt. Die Signale werden dann in Echtzeit in ein Feedback umgewandelt. Zum Beispiel erkennt das BCI, wenn der Patient daran denkt, seine Hand zu bewegen. Es löst daraufhin eine Bewegung eines Roboterhandschuhs aus, die Hand zu bewegen, oder stimuliert die Muskeln elektrisch, sodass sich die Hand bewegt. Dieses Feedback erfolgt genau in dem Moment, in dem die Person versucht, die Bewegung auszuführen. Das trägt vermutlich dazu bei, das Gehirn „neu zu vernetzen“ und die Wiederherstellung der Bewegungsfähigkeit zu fördern.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob BCI-Training bei der Verbesserung der Arm- und Beinbewegungen sowie der Fähigkeit zur Ausübung alltäglicher Aktivitäten bei Menschen mit Schlaganfall besser ist als herkömmliche Therapien, andere aktive Behandlungen oder ein Schein-BCI (unechtes BCI). Außerdem wollten wir herausfinden, ob das BCI-Training mit unerwünschten Wirkungen verbunden ist.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, die die Wirkungen des BCI-Trainings bei Erwachsenen untersuchten, die einen Schlaganfall erlitten und infolgedessen Bewegungsschwierigkeiten hatten. Die Teilnehmenden dieser Studien hatten entweder einen Schlaganfall durch ein verstopftes Blutgefäß oder einen Schlaganfall durch eine Blutung im Gehirn erlitten. Die meisten befanden sich einige Monate nach dem Schlaganfall, nachdem sich ihr Zustand stabilisiert hatte. Anschließend haben wir die Ergebnisse der Studien verglichen und zusammengefasst und unsere Zuversicht in die Evidenz bewertet, basierend auf Faktoren wie den angewandten Methoden und der Anzahl der untersuchten Personen.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 43 Studien mit insgesamt 1.628 Erwachsenen, die einen Schlaganfall erlitten hatten. Die Evidenz deutet auf Folgendes hin:

  • Im Vergleich zur herkömmlichen Therapie kann das BCI-Training möglicherweise die Armbewegungen geringfügig verbessern (10 Studien, 611 Personen), hat jedoch möglicherweise kaum bis gar keinen Einfluss auf die Beinbewegungen (1 Studie, 64 Personen). Wir können nicht sagen, ob es bei Alltagsaktivitäten hilft (5 Studien, 282 Personen), da die Evidenz sehr unsicher ist.

  • Im Vergleich zu anderen aktiven Behandlungen kann das BCI-Training das Gleichgewicht möglicherweise leicht verbessern (6 Studien, 165 Personen), hat jedoch möglicherweise kaum oder gar keinen Einfluss auf die Beinbewegungen (4 Studien, 130 Personen). Bei der Armbewegung(14 Studien, 331 Personen) und der Bewältigung von Alltagsaktivitäten (5 Studien, 163 Personen), sind wir nicht sicher genug, um eine eindeutige Aussage zu treffen.

  • Im Vergleich zu einem Schein-BCI, das wie das echte System aussieht und sich auch so anfühlt, aber kein echtes Feedback zu den Gehirnsignalen liefert, macht das BCI-Training möglicherweise kaum einen Unterschied bei den Armbewegungen (9 Studien, 279 Personen), den Beinbewegungen (3 Studien, 106 Personen) oder den Alltagsaktivitäten (1 Studie, 28 Personen).

Wir haben uns auch einige andere Aspekte angesehen, wie beispielsweise erhöhte Muskelspannung, Muskelkraft und die allgemeine Erholung des Nervensystems. Die Evidenz hierzu war zu ungewiss, als dass wir Schlussfolgerungen hätten ziehen können.

Wir wollten außerdem wissen ob unerwünschte Wirkungen auftraten. In vielen Studien wurde jedoch nicht darüber berichtet. In den Studien, in denen dies der Fall war, handelte es sich in der Regel um leichte Wirkungen wie Muskelkater oder Müdigkeit. Da nur sehr wenige Studien dazu ausreichende Angaben machte,können wir nicht mit Sicherheit sagen, ob das BCI-Training ein zusätzliches Risiko birgt.

Was schränkt die Evidenz ein?

Wir haben aus mehreren Gründen wenig bis sehr wenig Vertrauen in die Evidenz:

  • Die meisten Studien waren klein angelegt und umfassten nur wenige Teilnehmende.

  • Viele der Studien wurden so durchgeführt, dass dies die Ergebnisse beeinflusst haben könnte. Beispielsweise wussten die Teilnehmenden oft, welche Behandlung sie erhielten.

  • Die Ergebnisse variierten zudem stark von einer Studie zur anderen.

  • Schließlich wurden einige Studien, die keinen Nutzen feststellten, möglicherweise nicht veröffentlicht. Dadurch könnte das BCI-Training wirksamer erscheinen, als es tatsächlich ist.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von Oktober 2025.

Qin Y, Li M, Li Y, Ma M, Xu J, Lu Y, Shi X, Cui G, Zhao H, Yang K

Mit welchen Methoden lassen sich Blutentnahmen bei Frühgeborenen minimieren?

1 week 1 day ago
Kernaussagen
  • Die Entnahme von Blut aus der Nabelschnur oder der Plazenta anstelle einer direkten Entnahme bei Frühgeborenen verringert wahrscheinlich die Frühgeborenen-Retinopathie, eine Augenerkrankung, die das Sehvermögen beeinträchtigen kann, und kann Komplikationen wie Hirnblutungen (intraventrikuläre Blutungen) und die bronchopulmonale Dysplasie, eine Form der Lungenerkrankung, reduzieren.

  • Wir wissen nicht, ob die Rückführung des Blutes nach der Untersuchung oder die Anwendung strenger Regeln zur Begrenzung von Blutuntersuchungen dazu beitragen, die Blutentnahmen und die damit verbundenen Komplikationen zu minimieren.

  • Wir benötigen groß angelegte, qualitativ hochwertige Studien, die die Kinder bis zum Alter von mindestens drei Jahren begleiten, um besser zu verstehen, welche Methoden am besten funktionieren und wie sie sich auf die längerfristige Entwicklung auswirken. Zukünftige Studien sollten neben den hier beschriebenen Methoden auch neuere Ansätze untersuchen, wie beispielsweise die Entnahme winziger Blutmengen für Untersuchungen oder die Verwendung anderer Körperflüssigkeiten als Blut, wie Speichel und Urin.

Warum ist es wichtig, die Blutentnahmen bei zu früh geborenen Babys auf ein Minimum zu beschränken?

Babys, die vor der 37. Schwangerschaftswoche geboren werden (Frühgeborene), benötigen während ihres Krankenhausaufenthalts oft zahlreiche Blutuntersuchungen. Da diese Babys sehr klein sind, können wiederholte Blutentnahmen einen großen Teil ihres gesamten Blutvolumens entziehen. Dies kann dazu führen, dass Bluttransfusionen erforderlich werden.

Es wurden verschiedene Methoden untersucht, um den Blutverlust zu reduzieren, beispielsweise die Verwendung von Blut aus der Nabelschnur oder der Plazenta bei der Geburt, die Entnahme sehr kleiner Blutproben, die Rückführung des Blutes zum Frühgeborenen nach der Untersuchung oder die Einhaltung strenger Regeln zur Begrenzung der Häufigkeit von Blutentnahmen. Es ist nach wie vor unklar, welche dieser Methoden wirksam und sicher ist.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob verschiedene Strategien zur Reduzierung der Blutentnahmen bei Frühgeborenen:

  • ihre Überlebenschancen verbessern;

  • körperliche oder geistige Entwicklungsstörungen, darunter Blindheit, Taubheit und Zerebralparese (eine lebenslange Erkrankung, die Bewegung, Körperhaltung und Muskelkontrolle beeinträchtigt), im Alter von 18 Monaten und älter verringern;

  • schwerwiegende Komplikationen reduzieren, darunter die Frühgeborenen-Retinopathie (eine Augenerkrankung, die das Sehvermögen beeinträchtigen kann), Hirnblutungen (intraventrikuläre Blutungen) und die bronchopulmonale Dysplasie, eine Form der Lungenerkrankung.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen verschiedene Strategien zur Blutersparnis mit der üblichen Versorgung von Frühgeborenen verglichen wurden. Wir haben die Ergebnisse der Studien verglichen und zusammengefasst und unser Vertrauen in die Evidenz bewertet, basierend darauf, wie die Studien konzipiert waren und wie viele Frühgeborene daran teilnahmen.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden fünf Studien mit 365 extrem frühgeborenen Kindern (die mehr als drei Monate vor dem errechneten Geburtstermin geboren wurden). Zwei Studien wurden in Indien, zwei in den USA und eine in Israel durchgeführt. Die kleinste Studie umfasste 20 Frühgeborene, die größte 102.

Eine Studie wurde von der Regierung, einer Wohltätigkeits-Spendenaktion und einem Technologieunternehmen finanziert. Der Autor einer weiteren Studie war zudem Eigentümer des Unternehmens, das das in der Studie verwendete Blutrückführgerät herstellte und lieferte. Die drei übrigen Studien machten entweder keine Angaben zur Finanzierung oder gaben an, dass keine Interessenkonflikte vorlagen.

Hauptergebnisse

Keine der Studien berichtete über Ergebnisse hinsichtlich körperlicher oder geistiger Entwicklungsstörungen (einschließlich Blindheit, Taubheit und Zerebralparese), als die Kinder 18 Monate alt oder älter waren.

Die Verwendung von Blut aus der Nabelschnur oder der Plazenta bei der Geburt anstelle einer direkten Blutentnahme beim Frühgeborenen:

  • kann möglicherweise Hirnblutungen in der ersten Lebenswoche verringern: Etwa 12 von 100 Frühgeborenen weniger könnten schwere Hirnblutungen erleiden (2 bis 16 Frühgeborene weniger; 2 Studien, 160 Frühgeborene);

  • kann möglicherweise die bronchopulmonale Dysplasie verringern: Etwa 13 von 100 Frühgeborenen weniger könnten diese Lungenerkrankung entwickeln (von 25 weniger bis zu 4 mehr Frühgeborene; 2 Studien, 152 Frühgeborene);

  • verringert wahrscheinlich die Frühgeborenen-Retinopathie, die vor der Entlassung aus dem Krankenhaus behandelt werden muss: Etwa 19 von 100 Frühgeborenen entwickeln wahrscheinlich keine Frühgeborenen-Retinopathie (6 bis 27 weniger Frühgeborene; 2 Studien, 152 Frühgeborene).

Wir wissen nicht, ob die Verwendung von Blut aus der Nabelschnur oder der Plazenta die Überlebensraten der Frühgeborenen verbessert.

Wir wissen auch nicht, ob (1) Geräte, die das Blut nach der Untersuchung in den Blutkreislauf des Frühgeborenen zurückleiten, oder (2) die Einhaltung strenger Regeln zur Begrenzung der Blutentnahme einen Einfluss auf Folgendes haben:

  • die Überlebensraten;

  • schwerwiegenden Komplikationen (einschließlich Frühgeborenen-Retinopathie, Hirnblutungen und bronchopulmonaler Dysplasie).

Nur eine kleine Studie untersuchte jeweils einen dieser Ansätze.

Was schränkt die Evidenz ein?

Wir sind mäßig überzeugt, dass die Verwendung von Nabelschnur- oder Plazentablut die Anzahl der Frühgeborenen, die eine Frühgeborenen-Retinopathie entwickeln, signifikant senkt – unsere Vertrauen darin wurde jedoch dadurch gemindert, dass relativ wenige Säuglinge untersucht wurden. Wir haben wenig bis gar kein Vertrauen in die Evidenz bezüglich der Überlebensrate und anderer schwerwiegender Komplikationen (Hirnblutungen und bronchopulmonale Dysplasie), da die Studien sehr klein waren und die Ergebnisse in einigen Fällen variierten.

Wir haben kein Vertrauen in die Evidenz für (1) Geräte, die Blut in den Blutkreislauf des Frühgeborenen zurückleiten, und (2) die Einhaltung strenger Regeln zur Begrenzung der Blutentnahme, da:

  • zu wenige Studien diese Methoden untersucht haben;

  • die Anzahl der einbezogenen Frühgeborenen gering war;

  • wir Bedenken hinsichtlich der Methoden dieser Studien, der Darstellung der Ergebnisse oder beidem hatten.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von September 2025.

Nissimov S, Sibrecht G, Weerasekara I, Bartocci M, Bruschettini M, supported by Cochrane Sweden and Cochrane Neonatal

Kann eine Behandlung mit Antibiotika den „Superkeim“ MRSA aus den Lungen von Menschen mit Mukoviszidose beseitigen?

1 week 1 day ago
Kernaussagen
  • Eine frühzeitige Behandlung von Infektionen mit dem Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) (einer Bakterienart, die gegen bestimmte Antibiotika resistent ist) bei Menschen mit Mukoviszidose (CF) scheint möglich zu sein, doch sind wir uns über die Wirksamkeit der derzeitigen Routinebehandlung unsicher.

  • Die längerfristigen Auswirkungen der Behandlung sind unklar.

  • Es sind weitere Forschungsarbeiten erforderlich, um MRSA-Infektionen und deren Behandlung im Zeitalter der CFTR-Modulatoren (Medikamente, die das durch das CF-Gen gebildete defekte Protein reparieren, sodass Salz und Wasser korrekt durch die Zellen transportiert werden können und der Abtransport von Schleim aus der Lunge unterstützt wird) zu bewerten.

Was ist Mukoviszidose (Cystische Fibrose; CF)?

CF ist eine Erbkrankheit, bei der sich zäher Schleim in der Lunge und anderen Organen ansammelt. Für Menschen mit CF ist es sehr schwierig, diesen zähen Schleim abzuhusten. Dadurch können sich darin leicht Krankheitserreger, darunter auch MRSA, vermehren, und das Risiko für Infektionen der Atemwege steigt. CF verschlimmert sich mit der Zeit. Obwohl es derzeit keine Heilung gibt, können viele Menschen mit CF ein aktives und erfülltes Leben führen.

Was ist MRSA und wie wird es behandelt?

MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) sind Bakterien, die unter Umständen Infektionen verursachen und mit Antibiotika behandelt werden können. MRSA ist jedoch gegen bestimmte Antibiotika resistent, was die Behandlung einer Infektion erschwert. Diese Bakterien werden manchmal auch als „Superkeime“ bezeichnet. Eine Infektion mit MRSA ist für Menschen mit CF besonders besorgniserregend, da MRSA vermutlich mehr Schäden verursachen kann als andere Bakterien, die nicht gegen Antibiotika resistent sind.

MRSA wird in der Regel mit einer Kombination aus Antibiotika behandelt, die oral (über den Mund) eingenommen oder inhaliert werden. Ergänzt wird die Therapie durch eine Dekontaminationsbehandlung (Antibiotika-Cremes, die auf die Haut und in die Nasenhöhlen aufgetragen werden).

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten wissen, ob eine Behandlung mit Antibiotika:

  • die MRSA-Infektion in der Lunge von Kindern oder Erwachsenen mit CF beseitigen kann;

  • keine Infektion mit anderen resistenten Bakterien verursacht;

  • keine unerwünschten Wirkungen hervorruft.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen Antibiotika (oral oder inhalativ) zur Behandlung von MRSA-Infektionen bei Menschen mit CF untersucht wurden.

  • Die Studien mussten die Antibiotikabehandlung entweder mit keiner Behandlung, einem Placebo (Scheinbehandlung) oder einer anderen Art von Antibiotika vergleichen.

  • Die Teilnehmenden mussten an CF leiden und eine aktuelle MRSA-Infektion haben.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden fünf Studien, an denen 410 Menschen mit CF und einer diagnostizierten MRSA-Infektion teilnahmen. Die Studien fanden in Italien oder Nordamerika statt und dauerten zwischen acht Wochen und sechs Monaten. Die Teilnehmenden der Studien (gleiche Anzahl von Männern und Frauen) waren jung (das Durchschnittsalter lag zwischen 11 und 25 Jahren).

Orale Antibiotika im Vergleich zu keiner Behandlung (2 Studien, 106 Personen)

Eine Gruppe von Menschen mit CF wurde mit oralen Antibiotika (Trimethoprim, Sulfamethoxazol und Rifampicin oder Cotrimoxazol und Rifampicin) sowie einer Dekontaminationsbehandlung behandelt; die andere Gruppe erhielt keine Behandlung.

  • Orale Antibiotika können MRSA möglicherweise beseitigen. Eine Studie wurde aufgrund der eindeutigen Vorteile der Antibiotika vorzeitig abgebrochen, doch bei einigen Personen klang die Infektion auch ohne Behandlung ab. Nach sechs Monaten gab es zwischen den Gruppen keinen Unterschied hinsichtlich der Anzahl der Personen, die noch MRSA hatten.

  • Antibiotika verbessern möglicherweise die Lungenfunktion.

  • Hinsichtlich der Lebensqualität und unerwünschter Effekte der Behandlung gab es möglicherweise kaum bis gar keinen Unterschied zwischen den Gruppen. Möglicherweise gab es auch kaum bis gar keinen Unterschied hinsichtlich der Häufigkeit von Krankheitsschüben (obwohl eine Studie berichtete, dass in den ersten sechs Monaten weniger Personen, die Antibiotika einnahmen, ins Krankenhaus eingewiesen wurden) oder der Gewichtsveränderung.

Inhalative Antibiotika im Vergleich zu Placebo (2 Studien, 251 Personen)

In beiden Studien wurde eine Standarddosis Vancomycin (ein inhalatives Antibiotikum) mit einem Placebo (einem Scheinmedikament) verglichen, und in einer Studie wurde zudem eine Standarddosis Vancomycin mit einer hohen Dosis verglichen.

  • Inhalative Antibiotika führen im Vergleich zu Placebo wahrscheinlich zu keinem Unterschied in der Lungenfunktion (2 Studien), doch die Ergebnisse einer Studie deuteten darauf hin, dass inhalative Antibiotika nach 20 Wochen wahrscheinlich zu einer leichten Verbesserung führen.

  • Eine Standarddosis Vancomycin hat im Vergleich zu Placebo wahrscheinlich keinen Einfluss auf die Häufigkeit von Schüben (2 Studien);

  • Eine Studie berichtete über eine längere Zeitspanne bis zum nächsten Krankheitsschub bei der niedrigeren Vancomycin-Dosis;

  • Eine Studie berichtete über einen Rückgang der MRSA-Bakterienkonzentration bei einer höheren Dosis Vancomycin über einen Zeitraum von bis zu einem Monat;

  • In keiner der beiden Studien zeigten sich Unterschiede hinsichtlich der Lebensqualität oder unerwünschter Wirkungen.

Orale und inhalative Antibiotika im Vergleich zu oralen Antibiotika plus Placebo (1 Studie, 25 Teilnehmende)

Eine Studie verglich eine Kombination aus oralen und inhalativen Antibiotika mit oralen Antibiotika plus inhalativem Placebo.

  • Wir sind uns nicht sicher, ob eine der beiden Behandlungen einen Einfluss auf die MRSA-Beseitigung hatte;

  • Es gibt möglicherweise nur wenige oder gar keine Unterschiede zwischen den Gruppen hinsichtlich der Lungenfunktion oder unerwünschter Wirkungen. Es ist unsicher, ob es einen Unterschied in der Lebensqualität gibt;

  • Die Studie berichtete nicht über Veränderungen des Gewichts oder der Häufigkeit von Krankheitsschüben.

Was schränkt die Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Evidenz reichte von hoch bis sehr gering. Dies lag möglicherweise an Problemen mit dem Studiendesign (die Teilnehmenden wussten, welche Behandlung sie erhielten) oder daran, dass an den einzelnen Studien nur wenige Personen teilnahmen und viele von ihnen vorzeitig abbrachen.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Diese Übersichtsarbeit aktualisiert unsere vorherige Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2022. Die Evidenz ist auf den Stand vom 28. April 2026.

Lo DKH, Jahnke N, Smith S, Muhlebach MS, Smyth AR, Supported by the Cochrane Cystic Fibrosis Review Group

Helfen Lendenwirbelstützen und andere Hilfsmittel Menschen mit lang anhaltenden (chronischen) Schmerzen im unteren Rückenbereich, sich leichter zu bewegen?

1 week 1 day ago
Kernaussagen
  • Bei Erwachsenen mit lang anhaltenden (chronischen) Schmerzen im unteren Rückenbereich führen Lendenwirbelstützen, die ohne zusätzliche Behandlung allein angewendet werden, möglicherweise nicht zu einer Verringerung der Schmerzen oder der Funktionsbeeinträchtigung.

  • Bei Erwachsenen mit chronischen Schmerzen im unteren Rückenbereich werden die Schmerzen möglicherweise leicht gelindert, wenn Lendenwirbelstützen zusammen mit entzündungshemmenden Schmerzmitteln (NSAR) angewendet werden, im Vergleich zur alleinigen Einnahme der NSAR. Wir wissen nicht, wie sich dies auf die Funktionsbeeinträchtigung auswirkt. Wir wissen nicht, ob die Kombination von Lendenwirbelstützen mit Aufklärung und Bewegung besser ist als Aufklärung und Bewegung allein, oder ob die Kombination von Lendenwirbelstützen mit Physiotherapie einen Vorteil gegenüber einer alleinigen Physiotherapie bietet.

  • Es sind weitere Forschungsarbeiten erforderlich, insbesondere bei älteren Erwachsenen und Menschen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen.

Was sind Schmerzen im unteren Rückenbereich?

Schmerzen im unteren Rückenbereich sind Schmerzen im unteren Teil des Rückens, die auch in eines oder beide Beine ausstrahlen können. Wenn die Beschwerden länger als 12 Wochen andauern, gelten sie als langanhaltend und werden als chronische Schmerzen im unteren Rückenbereich bezeichnet. Sie sind weltweit eine häufige Ursache für Einschränkungen, die die Lebensqualität der Menschen beeinträchtigen kann. Schätzungen zufolge sind sie die häufigste Ursache für den Bedarf an Rehabilitation. Dadurch verursachen sie hohe Kosten im Gesundheitswesen sowie durch Arbeitsausfälle.

Was sind Lendenwirbelstützen und andere Hilfsmittel?

Zu den Lendenwirbelstützen zählen Bandagen, Gürtel und allgemeine Stützen, die dazu beitragen, den unteren Rücken zu stabilisieren oder zu stützen. Einige bestehen aus Hartplastik, um die Bewegung einzuschränken. Andere sind weicher, ermöglichen eine gewisse Bewegungsfreiheit und bieten dennoch Halt während der Bewegung.

Andere Hilfsmittel sind Gegenstände, die Menschen mit Behinderungen helfen, sich leichter fortzubewegen. Dazu gehören Rollstühle, Elektromobile, Dreiräder, Krücken, Gehstöcke und Gehhilfen wie Rollatoren.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten wissen, ob Lendenwirbelstützen und andere Hilfsmittel für Erwachsene mit chronischen Schmerzen im unteren Rückenbereich dazu beitragen, Schmerzen und Funktionsbeeinträchtigungen zu verringern und die gesundheitsbezogene Lebensqualität zu verbessern. Außerdem interessierten uns die Sicherheit der Behandlungen, ob die Personen, die sie erhielten, sie als hilfreich empfanden, ob sie den Einsatz von Schmerzmitteln und Stürze reduzierten, sowie ihre Wirkungen auf Angstzustände, Depressionen und die Teilnahme an sozialen Aktivitäten.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen Menschen mit chronischen Schmerzen im unteren Rückenbereich entweder eine spezifische Rückenschmerzbehandlung oder die „übliche Versorgung“ (z. B. Schmerzmittel, allgemeine Physiotherapie, Aufklärung) oder gar keine Behandlung erhielten und die Ergebnisse der Gruppen miteinander verglichen wurden. Wir haben die Ergebnisse ähnlicher Studien zusammengefasst und unser Vertrauen in die Evidenz bewertet.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden acht Studien mit 501 Männern und Frauen im Alter von 25 bis 78 Jahren. Sie litten seit einem bis fünf Jahren an chronischen Schmerzen im unteren Rückenbereich. In allen Studien wurden Lendenwirbelstützen (z. B. Bandagen, Korsetts) untersucht. Fünf der Studien fanden in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen (Bangladesch, Iran, Türkei) statt, drei in Ländern mit hohem Einkommen (Japan, USA).

Hauptergebnisse
  • Lendenwirbelstützen allein haben im Vergleich zu keiner Behandlung nach drei Monaten möglicherweise nur eine geringe bis gar keine Wirkung auf Schmerzen und Funktionsbeeinträchtigung (1 Studie, 107 Teilnehmende).

  • Lendenwirbelstützen in Kombination mit Schmerzmitteln können möglicherweise nach drei bis vier Wochen zu einer leichten Verringerung der Schmerzintensität im Vergleich zu Schmerzmitteln allein führen, doch die Evidenz hinsichtlich der Funktionsbeeinträchtigung ist sehr ungewiss (2 Studien, 149 Teilnehmende).

  • Wir sind sehr unsicher hinsichtlich der Wirkungen einer Ergänzung von Bewegungstraining und Aufklärung (d. h. Vermittlung von Wissen über den Aufbau und die Bewegung des unteren Rückens, dessen Funktion bei alltäglichen Aktivitäten, häufige Erkrankungen, die zu Schmerzen im unteren Rückenbereich führen können, sowie verschiedene Behandlungsoptionen zur Bewältigung und Linderung der Symptome) durch Lendenwirbelstützen auf Schmerzen und Funktionsbeeinträchtigung nach sechs Wochen im Vergleich zu Bewegungstraining und Aufklärung allein (1 Studie, 24 oder 25 Teilnehmende).

  • Wir sind sehr unsicher hinsichtlich der Wirkungen einer Kombination aus Lendenwirbelstützen und allgemeiner Physiotherapie (einschließlich Ultraschall, schwacher elektrischer Ströme, Wärme sowie Übungen zur Verbesserung der Flexibilität und Steigerung der Kraft) auf Schmerzen und Funktionsbeeinträchtigung nach vier Wochen im Vergleich zu allgemeiner Physiotherapie allein (1 Studie, 41 Teilnehmende).

Was schränkt die Evidenz ein?
  • Insgesamt haben wir ein nur eingeschränktes Vertrauen in die Ergebnisse, und unsere Schlussfolgerungen könnten sich nach Durchführung weiterer Studien ändern.

  • Die wichtigste Einschränkung bestand darin, dass die Teilnehmenden und das medizinische Personal wussten, welche Behandlung sie erhielten. Auch wenn sich dies bei solchen Studien nicht vermeiden lässt, könnte es beeinflusst haben, wie die Teilnehmenden ihre Schmerzen oder Funktionsbeeinträchtigungen wahrnahmen und einschätzten.

  • Keine der Studien berichtete über unerwünschte Wirkungen der Behandlungen.

  • Die Merkmale der Teilnehmenden an den Studien wurden meist nicht ausführlich beschrieben. Es ist schwierig einzuschätzen, inwieweit sich die Ergebnisse auf die größere Gruppe von Menschen mit chronischen unteren Rückenschmerzen übertragen lassen.

  • Keine der Studien untersuchte Hilfsmittel zur Fortbewegung, wie Gehhilfen oder Rollstühle, obwohl diese häufig verordnet werden und möglicherweise Auswirkungen auf Schmerzen und Funktionsbeeinträchtigungen haben können. Diese Lücke in der Evidenz ist besonders für ältere Erwachsene und Menschen mit Behinderungen von Bedeutung.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Diese Evidenz ist auf den Stand von Januar 2025.

Arienti C, Lazzarini SG, Zaina F, Cordani C, Dal Farra F, Minozzi S, Kiekens C, Negrini S

Verbessert die Stimulation mehrerer Sinne (wie Hören, Tasten, Schmecken, Riechen) bei Frühgeborenen das Wachstum und die gesunde Entwicklung oder senkt sie das Sterberisiko?

1 week 1 day ago
Kernaussagen
  • Multisensorische Stimulation (die gleichzeitige Stimulation von mehr als einem Sinn) fördert möglicherweise das Wachstum von Frühgeborenen, indem sie die Gewichtszunahme vor der Entlassung aus dem Krankenhaus steigert. Es ist jedoch unklar, ob sie die längerfristige Entwicklung verbessert oder das Sterberisiko senkt, da die verfügbare Evidenz begrenzt und unsicher ist.

  • Im Vergleich zur Stimulation eines einzelnen Sinnes (nur Tastsinn) ist unklar, ob die multisensorische Stimulation die Gewichtszunahme während der Intervention besser fördert als die Stimulation des Tastsinns allein.

Was ist multisensorische Stimulation und wie funktioniert sie?

Multisensorische Stimulation bedeutet, Frühgeborenen Erfahrungen zu vermitteln, die zwei oder mehr ihrer Sinne anregen. Zu den beteiligten Sinnen und den verwendeten Stimulationsarten gehören:

  • Hören – die Stimme eines Elternteils, Gesang oder beruhigende Musik;

  • Tastsinn – Massage oder passive Bewegungen;

  • Geruchs- und Geschmackssinn – der Geruch der Mutter oder Muttermilch;

  • Gleichgewichtssinn – sanftes Schaukeln oder das Verändern der Position des Frühgeborenen;

  • Sehsinn – sanftes, zyklisch wechselndes Licht sowie einfache Formen, Farben oder sich bewegende Muster.

In der Neugeborenenphase wächst das Gehirn sehr schnell. Positive Sinneserfahrungen in dieser Zeit können Frühgeborenen in vielerlei Hinsicht helfen, beispielsweise indem sie das Gedächtnis fördern, bei der Regulierung von Emotionen unterstützen und das frühe Lernen sowie die Entwicklung verbessern.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob multisensorische Stimulation im Vergleich zur Stimulation eines einzelnen Sinnes oder zur Regelversorgung Frühgeborenen hilft, zu überleben, zu wachsen, gesund zu bleiben und sich gut zu entwickeln. Insbesondere wollten wir herausfinden, ob multisensorische Stimulation möglicherweise:

  • die Zahl der Kinder mit schweren Entwicklungsstörungen im korrigierten Alter von 18 bis 24 Monaten verringert, wie z. B. Zerebralparese, Entwicklungsverzögerungen, Einschränkungen der geistigen Fähigkeiten, Blindheit oder Taubheit;

  • die Zahl der Frühgeborenen verringert, die in der Neugeborenenphase oder vor der Entlassung aus dem Krankenhaus sterben;

  • die Gewichtszunahme der Frühgeborenen bis zu ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus steigert.

Wir untersuchten außerdem weitere wichtige Gesundheitsindikatoren der Frühgeborenen, darunter:

  • wie lange sie im Krankenhaus oder auf der Neugeborenen-Intensivstation (NICU) blieben;

  • wie lange es dauerte, bis sie vollständig über den Mund ernährt werden konnten;

  • wie viele Tage sie auf Atemunterstützung angewiesen waren.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen die multisensorische Stimulation vor der Entlassung des Frühgeborenen aus dem Krankenhaus nach der Geburt begann und in denen die multisensorische Stimulation verglichen wurde mit:

  • keiner Intervention oder der Regelversorgung;

  • der Stimulation eines einzelnen Sinnes.

Wir haben die Ergebnisse der Studien zusammengefasst und unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie der Studiengröße (Anzahl der eingeschlossenen Frühgeborenen) und den angewandten Methoden bewertet.

Was fanden wir heraus?

Wir haben 19 Studien (1.544 Frühgeborene) einbezogen. In 18 dieser Studien wurde die multisensorische Stimulation mit der Regelversorgung verglichen, und in einer Studie wurde die multisensorische Stimulation mit der Stimulation eines einzelnen Sinnes (nur Tastsinn) verglichen.

In 10 Studien bestand das Hauptziel darin, zu untersuchen, wie sich multisensorische Stimulation auf die Gehirn- und Verhaltensentwicklung der Frühgeborenen auswirkt.

Die übrigen neun Studien konzentrierten sich auf die Gewichtszunahme während der Intervention, die Gewichtszunahme vor der Entlassung aus dem Krankenhaus, die Aufenthaltsdauer auf der Neugeborenen-Intensivstation, die Gesamtdauer des Krankenhausaufenthalts, die Zeit bis zur vollständigen Ernährung über den Mund, die Anzahl der Tage mit Atemunterstützung oder eine Kombination dieser Messgrößen.

Wir fanden außerdem 13 laufende Studien und 4 Studien, die noch nicht abschließend beurteilt werden konnten. Diese könnten uns in Zukunft weitere nützliche Informationen liefern.

Hauptergebnisse

Keine der Studien, die multisensorische Stimulation mit der Regelversorgung verglichen, berichtete über den kritischen Endpunkt „schwere Entwicklungsstörung" im korrigierten Alter von 18 bis 24 Monaten. Nur eine Studie untersuchte einen verwandten Endpunkt, nämlich Zerebralparese im Alter von 12 Monaten. Da diese Studie sehr klein war, ist die Evidenz sehr unsicher, ob multisensorische Stimulation das Risiko einer Zerebralparese verändert.

Multisensorische Stimulation führt möglicherweise zu keinem oder nur einem geringen Unterschied hinsichtlich der Sterblichkeit vor der Entlassung aus dem Krankenhaus, obwohl dies nur in einer einzigen großen Studie berichtet wurde. Sie erhöht möglicherweise die Gesamtgewichtszunahme vor der Entlassung, doch ist der beobachtete Effekt gering und seine klinische Bedeutung bleibt unklar.

Im Vergleich zur Stimulation eines einzelnen Sinnes (Tastsinn) konnten wir nicht feststellen, ob die multisensorische Stimulation den Frühgeborenen half, während der Intervention mehr an Gewicht zuzunehmen. Die einzige Studie, die wir fanden, in der multisensorische Stimulation mit der Stimulation eines einzelnen Sinnes verglichen wurde, berichtete nicht über die kritischen Endpunkte, zum Beispiel schwere Entwicklungsstörungen im korrigierten Alter von 18 bis 24 Monaten, den Tod während des ersten Krankenhausaufenthalts oder die Gesamtgewichtszunahme vor der Entlassung.

Was schränkt die Evidenz ein?

Wir haben nur begrenztes Vertrauen in diese Ergebnisse, da viele der Studien klein oder nicht gut konzipiert waren. In mehreren Studien wurden die für uns besonders relevanten Endpunkte nicht berichtet oder es lagen nicht genügend Daten für eine Analyse vor. Aufgrund dieser Einschränkungen können die tatsächlichen Wirkungen multisensorischer Stimulation von unseren Ergebnissen abweichen.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz ist auf den Stand vom 28. November 2025.

Wróblewska-Seniuk K, Lenells M, Prescott MG, Fiander M, Soll RF, Bruschettini M, supported by Cochrane Sweden and Cochrane Neonatal

Schützt Magnesiumsulfat bei Frauen mit einem erhöhten Frühgeburtsrisiko das Gehirn ihres Ungeborenen besser als ein Placebo?

1 week 1 day ago
Kernaussagen

Die Verabreichung von Magnesiumsulfat an Frauen mit erhöhtem Frühgeburtsrisiko zum Schutz des Gehirns ihres ungeborenen Kindes verringert im Vergleich zu Placebo die Zahl der Zerebralparesen und den kombinierten Endpunkt Tod oder Zerebralparese bei ihren Kindern im Alter von bis zu zwei Jahren.

Künftige Forschungsarbeiten in diesem Bereich sollten sich speziell damit beschäftigen, wie sich die Behandlung auswirkt auf:

- Kinder, wenn sie Jugendliche und Erwachsene sind; und

- verschiedene Gruppen von Frauen mit Frühgeburtsrisiko und mit verschiedenen Arten der Verabreichung von Magnesiumsulfat.

Was ist Magnesiumsulfat?

Magnesiumsulfat ist ein weltweit gebräuchliches Arzneimittel und wird bei verschiedenen Komplikationen in der Schwangerschaft eingesetzt.

Warum ist dies für Frauen mit erhöhtem Frühgeburtsrisiko und deren ungeborenes Kind wichtig?

Frühgeborene (geboren vor der 37. Schwangerschaftswoche) haben ein höheres Risiko für Komplikationen wie Tod und Behinderungen, z. B. eine Zerebralparese. In den letzten Jahren wurde Magnesiumsulfat Frauen verabreicht, bei denen eine Frühgeburt zu erwarten war (aufgrund spontaner vorzeitiger Wehen oder eines medizinischen Grundes für eine frühzeitige Geburtseinleitung oder einen Kaiserschnitt), um das Gehirn des Kindes zu schützen und diese Komplikationen zu verhindern.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob Magnesiumsulfat das Gehirn von Kindern, die wahrscheinlich zu früh geboren werden, besser schützt als ein Placebo (eine Scheinbehandlung, die keinen Wirkstoff enthält, dem getesteten Medikament aber gleicht).

Wir interessierten uns für die Wirkungen von Magnesiumsulfat auf wichtige Endpunkte, darunter: Tod (der Säuglinge oder später im Kindesalter), Zerebralparese und schwere „neurologische Entwicklungsstörungen" (dazu können Endpunkte wie Zerebralparese, Blindheit, Taubheit oder globale kognitive oder intellektuelle Beeinträchtigungen gehören). Wir interessierten uns auch für die Auswirkungen auf wichtige Endpunkte für die Frauen, einschließlich schwerwiegender Komplikationen der Behandlung mit Magnesiumsulfat (Tod, Atem- oder Herzstillstand) und des Abbruchs der Behandlung aufgrund von Nebenwirkungen.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen untersucht wurde, ob Magnesiumsulfat im Vergleich zu Placebo oder keiner Behandlung Nutzen oder Schaden für Frauen und ihre Frühgeborenen mit sich bringt. Wir verglichen und fassten die Ergebnisse zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz, basierend auf Faktoren wie Studienmethoden und -größen.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden sechs Studien, an denen 5917 Frauen vor der 34. Schwangerschaftswoche und ihre 6759 Babys teilnahmen. Die Studien wurden alle in Ländern mit hohem Einkommen durchgeführt. In den einbezogenen Studien wurde Magnesiumsulfat mit einem Placebo verglichen.

Hauptergebnisse

Eine Behandlung mit Magnesiumsulfat hatte bei Frauen mit erhöhtem Frühgeburtsrisiko im Vergleich zu einer Placebo-Behandlung folgende Wirkungen:

- weniger Fälle von Zerebralparese (Evidenz aus 6 Studien mit 6107 Kindern) und des kombinierten Endpunkts Tod oder Zerebralparese (6 Studien, 6481 Kinder) bei Kindern im Alter von bis zu zwei Jahren;

- wahrscheinlich nur ein geringer oder gar kein Unterschied in der Anzahl an Todesfällen (6 Studien, 6759 Kinder), schweren neurologischen Entwicklungsstörungen (1 Studie, 987 Kinder) oder beim kombinierten Endpunkt Tod oder schwere neurologische Entwicklungsstörungen (3 Studien, 4279 Kinder) bei Kindern im Alter von bis zu zwei Jahren;

- möglicherweise nur ein geringer oder gar kein Unterschied bei den oben genannten Endpunkten bei Kindern im frühen Schulalter;

- möglicherweise nur ein geringer oder gar kein Unterschied in Bezug auf schwerwiegende Komplikationen der Behandlung für die Frauen (4 Studien, 5300 Frauen), aber wahrscheinlich eine höhere Anzahl an Frauen, die die Behandlung aufgrund von Nebenwirkungen abbrechen (3 Studien, 4736 Frauen).

Was schränkt die Evidenz ein?

Wir haben großes Vertrauen in das Ergebnis, dass Magnesiumsulfat die Zerebralparese und den kombinierten Endpunkt Tod oder Zerebralparese bei Kindern im Alter von bis zu zwei Jahren verringert.

Wir haben wenig Vertrauen in die Evidenz für die Endpunkte bei Kindern im Schulalter, da die Studien keine Daten für alle Kinder liefern konnten und es bislang nicht genügend Studien und Daten gibt, um sich der Ergebnisse sicher zu sein.

Wir haben wenig Vertrauen in unser Ergebnis, dass Magnesiumsulfat kaum oder keinen Unterschied bei schwerwiegenden Komplikationen der Behandlung für die Frauen macht, da in nur einer Studie ein einziger Fall einer Komplikation berichtet wurde. Wir haben ein moderates Vertrauen in unser Ergebnis, dass Frauen, die mit Magnesiumsulfat behandelt werden, wahrscheinlich eher die Behandlung aufgrund von Nebenwirkungen abbrechen. Die Ergebnisse in den einzelnen Studien fielen unterschiedlich aus, wahrscheinlich aufgrund unterschiedlicher Entscheidungsprozesse, die zum Abbruch führten.

Die Ergebnisse weiterer Forschungsarbeiten zu den Endpunkten, in die wir nur begrenztes Vertrauen haben, könnten von den Ergebnissen dieses Reviews abweichen.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand vom 17. März 2023.

Shepherd ES, Goldsmith S, Doyle LW, Middleton P, Marret S, Rouse DJ, Pryde P, Wolf HT, Crowther CA

Sollte Oxytocin, das zur Unterstützung der Geburt über die Vene gegeben wird, beendet oder weitergegeben werden, sobald die aktive Wehenphase beginnt?

1 week 4 days ago
Kernaussagen
  • Wenn eine Schwangere Oxytocin über eine Infusion in eine Vene erhält, um die Geburt einzuleiten oder voranzutreiben, macht es möglicherweise keinen oder nur einen geringen Unterschied für die Wahrscheinlichkeit eines Kaiserschnitts (Entbindung durch einen Schnitt am Bauch), ob das Oxytocin nach Beginn der aktiven Wehenphase abgesetzt oder bis zur Geburt des Kindes weitergegeben wird. Beide Vorgehensweisen scheinen für Mutter und Kind sicher zu sein.

  • Wenn das Oxytocin zu Beginn der aktiven Wehenphase abgesetzt wird, kann dies dazu beitragen, übermäßige Wehen zu vermeiden und die unnötige Gabe des Medikaments zu verringern. Allerdings kann sich dadurch die aktive Wehenphase möglicherweise verlängern. Dies ist jedoch sehr unsicher.

  • Ob Oxytocin weitergegeben oder abgesetzt wird, sollte gemeinsam mit dem medizinischen Fachpersonal entschieden werden. Dabei sollten die jeweilige Situation, darunter der Fortschritt der Geburt, Wehen und der aktuelle Zustand von Mutter und Kind, ebenso berücksichtigt werden wie die Möglichkeiten zur Überwachung von Mutter und Kind und die Wünsche der Frau.

Was ist Oxytocin?

Bei Schwangeren, die kurz vor dem Geburtstermin stehen (d. h. nach der 37. Schwangerschaftswoche), ist künstliches Oxytocin ein Medikament, um die für die Wehen notwendigen Kontraktionen der Gebärmutter (Wehentätigkeit) auszulösen oder diese zu verstärken. Es wird häufig über eine Infusion in eine Vene verabreicht. Sobald die aktive Wehenphase eingesetzt hat (d. h., der Muttermund mindestens 4 cm geöffnet (dilatiert) ist und regelmäßige Wehen auftreten), geht man davon aus, dass der Körper ausreichend natürliches Oxytocin produziert, damit die Geburt weiter voranschreitet. Wenn künstliches Oxytocin auch nach Beginn der aktiven Wehenphase weiter verabreicht wird, kann dies dazu führen, dass die Wehen zu häufig oder zu stark werden. Dadurch kann das Ungeborene belastet werden und möglicherweise die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass die Frau einen Kaiserschnitt benötigt.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten wissen, ob das Absetzen von Oxytocin nach Beginn der aktiven Wehenphase das Risiko eines Kaiserschnitts senkt und ob dies für die Mutter oder Neugeborene Vorteile oder Nachteile hat.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen die beiden Vorgehensweisen bei Frauen mit einer termingerechten Einlingsschwangerschaft (d. h. ein Baby, keine Zwillinge oder Drillinge) verglichen wurden, denen Oxytocin zur Einleitung oder zur Beschleunigung der Wehen verabreicht wurde, um herauszufinden, ob es besser ist:

  • das Oxytocin abzusetzen, sobald die aktive Phase der Wehen beginnt, oder

  • die Oxytocin-Gabe bis zur Geburt fortzusetzen?

Wir suchten nach Evidenz bis zum 17. November 2025. Wir haben die Studienergebnisse nach Möglichkeit zusammengefasst, um möglichst umfassende Informationen zu erhalten. Wir bewerteten, wie vertrauenswürdig jede Studie ist und wie sicher wir uns auf die Ergebnisse verlassen können, basierend auf Faktoren wie der Größe der Studien, ob sie gut konzipiert und durchgeführt wurden, sowie der Genauigkeit ihrer Ergebnisse.

Was fanden wir heraus?

Wir haben neun Studien mit insgesamt 4814 Frauen einbezogen. Die Studien fanden in Krankenhäusern in Dänemark, Frankreich, Indien, Iran, Israel, Thailand, der Türkei und den USA statt. In den Studien wurden verschiedene Definitionen der aktiven Wehenphase verwendet.

Hauptergebnisse

Das Absetzen von Oxytocin während der aktiven Phase der Wehen:

  • hat möglicherweise kaum oder gar keinen Einfluss auf die Anzahl der Kaiserschnittgeburten (8 Studien, 4.710 Frauen);

  • hat kaum oder gar keinen Einfluss auf die Anzahl der instrumentellen Entbindungen (5 Studien, 3.776 Frauen); und

  • verringert möglicherweise das Risiko von zu häufigen oder zu starken Wehen (sogenannte Uterustachysystolie oder Hyperstimulation) (3 Studien, 1.371 Frauen);

  • allerdings verlängert es die aktive Wehenphase möglicherweise um durchschnittlich etwa 35 Minuten. Dieses Ergebnis ist jedoch sehr unsicher (8 Studien, 4.141 Frauen).

Darüber hinaus besteht zwischen der Fortsetzung und dem Absetzen von Oxytocin in der aktiven Wehenphase:

  • wahrscheinlich kein deutlicher Unterschied hinsichtlich des Apgar-Scores (eine schnelle Beurteilung des Gesundheitszustands eines Neugeborenen nach der Geburt) (5 Studien, 2.096 Frauen);

  • kaum oder gar kein Unterschied hinsichtlich der Anzeichen einer verminderten Sauerstoffversorgung des Kindes vor der Geburt, gemessen anhand einer Untersuchung des Nabelschnurbluts nach der Geburt (6 Studien, 4.086 Frauen); und

  • kaum oder gar kein Unterschied hinsichtlich der Einweisung auf die Neugeborenenstation (7 Studien, 4.606 Frauen).

Was schränkt die Evidenz ein?

Die Zuverlässigkeit der Evidenz variierte stark. Wir waren uns hinsichtlich der Ergebnisse zu instrumentellen Geburten, einer verminderten Sauerstoffversorgung des Kindes vor der Geburt, sowie zur Einweisung auf die Neugeborenenstation sehr sicher. Hinsichtlich des Apgar-Scores sind wir uns moderat sicher. Bei den Ergebnissen zu Kaiserschnitt und Uterushyperstimulation waren wir etwas unsicher, bei den Ergebnissen zur Dauer der aktiven Wehenphase hingegen sehr unsicher. Einige Gründe für die Unsicherheit waren:

  • dass die Teilnehmenden wussten, in welcher Gruppe sie sich befanden, d. h., ob die Oxytocin-Gabe fortgesetzt oder abgebrochen wurde, was die Ergebnisse möglicherweise beeinflusst hat;

  • dass die Studien unterschiedliche Definitionen für die von ihnen berichteten Messgrößen verwendeten, wie z. B. die aktive Wehenphase, die Uterustachysystolie und die Uterushyperstimulation; und

  • dass die Dauer der Wehen bei den Schwangeren zwischen den Studien variierte.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand vom 17. November 2025.

Boie S, Uldbjerg N, Bor P, Thornton JG, Le Ray C, Glavind J, Goffinet F, Girault A

Können elektronische Zigaretten dabei helfen, mit dem Rauchen aufzuhören und haben sie unerwünschte Wirkungen, wenn sie für diesen Zweck verwendet werden?

1 week 4 days ago
Kernaussagen
  • Elektronische Zigaretten mit Nikotin (E-Zigaretten) können Menschen dabei helfen, mindestens sechs Monate lang mit dem Rauchen aufzuhören. Sie sind wirksamer als die Nikotinersatztherapie und wahrscheinlich auch wirksamer als E-Zigaretten ohne Nikotin.

  • E-Zigaretten wirken möglicherweise besser als gar keine Unterstützung oder eine rein verhaltensorientierte Unterstützung. Wir sind sehr unsicher, ob sie mit schwerwiegenden unerwünschten Wirkungen verbunden sind.

  • Wir benötigen jedoch mehr Erkenntnisse, insbesondere über die Wirkung neuerer E-Zigaretten, die Nikotin besser an den Körper abgeben als ältere Modelle. Eine bessere Nikotinabgabe könnte dazu beitragen, dass mehr Menschen mit dem Rauchen aufhören.

Was sind E-Zigaretten?

E-Zigaretten oder „Vapes“ sind Handgeräte, die eine Flüssigkeit erhitzen, die in der Regel Nikotin und Aromastoffe enthält. Bei E-Zigaretten wird das Nikotin nicht durch Rauch, sondern durch Dampf inhaliert. Da bei regulierten E-Zigaretten kein Tabak verbrannt wird, sind Nutzende weniger krankmachenden Schadstoffen ausgesetzt als Menschen, die herkömmliche Zigaretten rauchen.

Die Nutzung einer E-Zigarette wird häufig als „vapen“ (dampfen) bezeichnet. Viele Menschen nutzen E-Zigaretten als Hilfsmittel, um mit dem Rauchen von Tabak aufzuhören. Hier konzentrieren wir uns vor allem auf nikotinhaltige E-Zigaretten.

Was wollten wir herausfinden?

Der Verzicht auf das Rauchen senkt das Risiko vieler Krankheiten. Vielen Menschen fällt es schwer, mit dem Rauchen aufzuhören. Wir wollten herausfinden, ob die Nutzung von E-Zigaretten beim Rauchstopp helfen kann. Zudem wollten wir wissen, ob dabei unerwünschte Wirkungen auftreten.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, die den Einsatz von E-Zigaretten zum Rauchstopp bei Menschen jeden Alters untersuchten.

Wir waren daran interessiert, herauszufinden:

- wie viele Personen mindestens sechs Monate lang nicht rauchten; und

- wie viele Personen nach mindestens einer Woche Anwendung über unerwünschte Wirkungen berichteten.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 80 Studien mit insgesamt 29.861 rauchenden Erwachsenen. Die meisten Studien wurden in den USA (40 Studien) und im Vereinigten Königreich (16) durchgeführt. In den meisten Studien wurden nikotinhaltige E-Zigaretten verglichen mit:

  • Nikotinersatztherapie (z. B. Pflaster oder Kaugummi);

  • Medikamenten zum Rauchstopp (Vareniclin und Cytisin);

  • nikotinfreien E-Zigaretten;

  • Tabakerhitzer (Produkte, bei denen Tabak auf eine ausreichend hohe Temperatur erhitzt wird, sodass Dampf entsteht, ohne dass der Tabak verbrannt wird oder Rauch entsteht; im Unterschied zu E-Zigaretten wird dabei echter Tabak in Form von Tabakblättern verarbeitet);

  • oralen Nikotinbeuteln (Beuteln, die keinen Tabak enthalten, aber Nikotin freisetzen, wenn sie im Mund behalten werden);

  • andere Arten nikotinhaltiger E-Zigaretten (z. B. Pod-Geräte, neuere Geräte);

  • Beratung oder Betreuung (Verhaltensunterstützung); oder

  • keine Unterstützung beim Rauchstopp.

Was sind die Ergebnisse unseres Reviews?
  • Mit E-Zigaretten geben mehr Menschen das Rauchen für mindestens sechs Monate auf als mit einer Nikotinersatztherapie (11 Studien; 4.114 Personen);

  • Mit nikotinhaltigen E-Zigaretten hören wahrscheinlich mehr Menschen für mindestens sechs Monate mit dem Rauchen auf als mit E-Zigaretten ohne Nikotin (7 Studien, 1.918 Personen);

  • Nikotinhaltige E-Zigaretten helfen möglicherweise mehr Menschen dabei, mit dem Rauchen aufzuhören, als verhaltensorientierte Unterstützung oder gar keine Unterstützung (11 Studien, 7.214 Personen);

  • Von 100 Personen, die mit nikotinhaltigen E-Zigaretten versuchen, mit dem Rauchen aufzuhören, schaffen es etwa 8 bis 10. Zum Vergleich: Bei einer Nikotinersatztherapie schaffen es 6 von 100 Personen, bei E-Zigaretten ohne Nikotin ebenfalls wahrscheinlich 6 von 100 und bei keiner Unterstützung oder ausschließlich einer Verhaltensberatung möglicherweise 5 von 100;

  • Möglicherweise unterscheidet sich die Anzahl der unerwünschten Wirkungen bei der Verwendung nikotinhaltiger E-Zigaretten nicht von der bei einer Nikotinersatztherapie. Ob sie sich von der bei keiner Unterstützung oder ausschließlich einer Verhaltensberatung unterscheidet, ist sehr unsicher. Nicht schwerwiegende unerwünschte Wirkungen traten dort allerdings möglicherweise häufiger auf als bei Menschen, die keine Unterstützung oder ausschließlich eine Verhaltensberatung erhielten;

  • In Studien, in denen nikotinhaltige E-Zigaretten mit einer Nikotinersatztherapie verglichen wurden, wurden nur wenige unerwünschte Wirkungen berichtet, darunter auch nur wenige schwerwiegende. Im Vergleich zu nikotinhaltigen E-Zigaretten gibt es wahrscheinlich keinen Unterschied darin, wie häufig:

    • schwerwiegende unerwünschte Wirkungen bei Personen auftreten, die eine Nikotinersatztherapie anwenden;

    • nicht schwerwiegende unerwünschte Wirkungen bei Personen auftreten, die nikotinfreie E-Zigaretten verwenden.

Was schränkt die Evidenz ein?
  • Wir sind von der Aussagekraft der Ergebnisse überzeugt, dass nikotinhaltige E-Zigaretten mehr Menschen dabei helfen, mit dem Rauchen aufzuhören, als eine Nikotinersatztherapie. Für E-Zigaretten ohne Nikotin benötigen wir jedoch weitere aussagekräftige Studien.

  • Auch Studien, in denen nikotinhaltige E-Zigaretten mit Verhaltensberatung oder gar keiner Unterstützung verglichen wurden, zeigten, dass mehr Menschen mit nikotinhaltigen E-Zigaretten mit dem Rauchen aufhörten. Allerdings sind wir bei diesen Ergebnissen unsicherer, weil die Teilnehmenden wussten, welche Behandlung sie jeweils erhielten.

  • Die meisten unserer Ergebnisse zu den unerwünschten Wirkungen könnten sich ändern, sobald mehr Erkenntnisse vorliegen. In den Studien wurden oft nur wenige Fälle von unerwünschten Wirkungen berichtet und die Ergebnisse waren nicht eindeutig.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Dieser Review aktualisiert unseren vorherigen, im Jahr 2025 veröffentlichten Review. Wir werden ihn erneut aktualisieren, sobald neue Evidenz vorliegt. Die Evidenz ist auf dem Stand vom 1. Januar 2026.

Lindson N, Livingstone-Banks J, Butler AR, McRobbie H, Bullen CR, Hajek P, Wu AD, Begh R, Theodoulou A, Ma C, Notley C, Rigotti NA, Turner T, Fanshawe T, Hartmann-Boyce J

Welchen Nutzen und welche Risiken hat Koffein bei Atemproblemen von Neugeborenen, die wenige Wochen zu früh geboren wurden?

2 weeks 3 days ago
Kernaussagen
  • Nur eine Studie untersuchte, ob die Gabe von atemstimulierenden Medikamenten wie Koffein bei Neugeborenen, die wenige Wochen zu früh geboren wurden, dazu beitragen kann, Probleme mit niedrigen Sauerstoffwerten oder der Atmung zu verhindern oder zu verringern. Das bedeutet, dass wir nur über sehr wenig Evidenz zu ihrer Anwendung verfügen.

  • Koffein verringert möglicherweise die Häufigkeit von Sauerstoffmangel bei späten Frühgeborenen im Verlauf einer Woche nach Behandlungsbeginn. Wir sind sehr unsicher, ob es den Bedarf an Atemunterstützung (zum Beispiel durch Beatmungsgeräte) verringert oder unerwünschte Wirkungen verursacht.

  • Es sind weitere Untersuchungen erforderlich, um festzustellen, ob atemstimulierende Medikamente für Neugeborene, die wenige Wochen zu früh geboren wurden, hilfreich und sicher sind. Wir fanden einige Studien, die bald veröffentlicht werden und dazu beitragen werden, die Evidenz zu aktualisieren.

Was sind späte Frühgeborene?

Neugeborene, die wenige Wochen zu früh, zwischen der 34. und 36. Schwangerschaftswoche, geboren wurden, werden als „späte Frühgeborene" bezeichnet. Diese Frühgeborenen sind noch nicht so weit entwickelt wie termingerecht geborene Neugeborene (nach 37 Wochen oder 8,5 Monaten), und ihre Lungen sowie andere Organe können schwächer sein.

Was ist intermittierende Hypoxämie?

Manchmal kann der Sauerstoffgehalt im Blut für kurze Zeit absinken (ein Zustand, der als intermittierende Hypoxämie bezeichnet wird). Passiert das, fällt das Atmen schwer. Atembeschwerden können langfristige Probleme verursachen, indem sie das Gehirn schädigen.

Was sind Methylxanthine?

Methylxanthine sind Arzneimittel, die das Atmen erleichtern. Sie regen den Atemantrieb an, also den Impuls des Körpers, regelmäßig zu atmen, und erweitern zusätzlich die Atemwege. Koffein ist die am häufigsten verwendete Art von Methylxanthin, da es weniger unerwünschte Wirkungen hat als andere Arten.

Was wollten wir herausfinden?

Obwohl Methylxanthine wie Koffein häufig und erfolgreich zur Behandlung von Atemproblemen bei sehr frühgeborenen (vor der 32. Schwangerschaftswoche geborenen) Neugeborenen eingesetzt werden, kommen sie bei späten Frühgeborenen seltener zum Einsatz, und es ist unklar, ob diese Behandlung ihnen helfen kann. Wir wollten herausfinden, ob Methylxanthine besser als keine Behandlung oder eine Scheinbehandlung (Placebo) geeignet sind, um Probleme mit niedrigen Sauerstoffwerten oder der Atmung bei späten Frühgeborenen zu verhindern oder zu behandeln. Außerdem wollten wir wissen, ob diese Medikamente unerwünschte Wirkungen haben.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen Methylxanthine bei späten Frühgeborenen mit einem Placebo oder keiner Behandlung verglichen wurden. Wir suchten nach Studien, in denen Folgendes gemessen wurde:

  • wie oft bei den Neugeborenen ein niedriger Sauerstoffgehalt auftrat;

  • ob sie Unterstützung beim Atmen benötigten;

  • wie lange sie im Krankenhaus blieben;

  • ob die Behandlung unerwünschte Wirkungen hatte;

  • ob die Neugeborenen bis zur Entlassung aus dem Krankenhaus überlebten.

Wir untersuchten die Ergebnisse der einzigen Studie, die wir fanden. Wir fassten die Ergebnisse zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie der Anzahl der Neugeborenen in der Studie (Studiengröße) und den bei der Durchführung der Studie angewandten Methoden.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden eine Studie aus Neuseeland mit 132 spätgeborenen Frühgeborenen. In der Studie wurden verschiedene Koffein-Dosierungen mit einem Placebo verglichen. Es ergaben sich folgende Ergebnisse:

  • Koffein verringert möglicherweise die Häufigkeit von Sauerstoffmangel bei den Neugeborenen im Verlauf einer Woche nach Behandlungsbeginn.

  • Es ist unklar, ob Koffein bei anderen Problemen hilft, zum Beispiel dabei, Atemunterstützung zu vermeiden, oder ob es den Krankenhausaufenthalt verkürzt oder die Chancen erhöht, bis zur Entlassung aus dem Krankenhaus zu überleben.

  • Es ist unklar, ob Koffein unerwünschte Wirkungen verursacht.

  • Die Studie berichtete nicht über andere wichtige Endpunkte, wie die langfristige Entwicklung oder die Häufigkeit von Atemstillständen (Apnoe).

Wir fanden keine Studien, die untersucht haben, ob Methylxanthine bei diesen Neugeborenen zur Behandlung von Atemproblemen eingesetzt werden können, anstatt sie vorbeugend zu verabreichen.

Was schränkt die Evidenz ein?

Die größte Einschränkung besteht darin, dass wir nur eine Studie gefunden haben. Das bedeutet, dass wir uns hinsichtlich der Ergebnisse nicht sicher sein können. Die Studie berichtete nicht über alle Endpunkte, über die wir mehr wissen wollten, und einige Ergebnisse waren unklar. Unser Vertrauen in diese Ergebnisse ist sehr gering, da sie auf nur einer kleinen Studie beruhen und wir einige Bedenken hinsichtlich der Durchführung und Berichterstattung der Studie hatten. Zukünftige Forschungsarbeiten könnten diese Ergebnisse ändern.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf den Stand von Dezember 2025. Derzeit laufen fünf weitere Studien. Sobald diese abgeschlossen sind, könnten ihre Ergebnisse uns helfen, besser zu verstehen, ob Methylxanthine für spätgeborene Neugeborene hilfreich und sicher sind.

Bodrero E, Isaza-López MC, Pahl A, Fiander M, Soll RF, Bruschettini M, supported by Cochrane Sweden and the Cochrane Neonatal Review Group

Trägt die Alpha-1-Antitrypsin-Substitutionstherapie (Ersatztherapie mit Protein aus dem Blut gesunder Spender) dazu bei, die Symptome von Atemwegserkrankungen bei Menschen mit Alpha-1-Antitrypsin-Mangel zu verbessern?

2 weeks 3 days ago
Kernaussagen
  • Bei Menschen mit Alpha-1-Antitrypsin-Mangel führt die Zufuhr von zusätzlichem Alpha-1-Antitrypsin über eine Infusion in eine Vene (intravenöse Substitutionstherapie) möglicherweise zu einem leichten Anstieg der Anzahl der Exazerbationen (Verschlimmerungen der Lungenerkrankung) pro Jahr. Auf die Zahl der Todesfälle hat die Behandlung jedoch möglicherweise nur geringe oder gar keine Auswirkungen. Wir sind sehr unsicher, ob die intravenöse Substitutionstherapie einen Einfluss auf die Anzahl der Menschen hat, bei denen schwerwiegende unerwünschte Ereignisse wie Krankenhausaufenthalte oder bleibende Schäden auftreten. Die Verabreichung von zusätzlichem Alpha-1-Antitrypsin über eine Atemmaske (inhalative Substitutionstherapie) hat möglicherweise nur geringe oder gar keine Auswirkungen auf die Anzahl der Menschen, bei denen schwerwiegende unerwünschte Ereignisse auftreten. Zudem sind wir sehr unsicher, ob diese Behandlung einen Einfluss auf Exazerbationen hat.

  • Unsere Übersichtsarbeit umfasste nur wenige Studien, und wir haben wenig Vertrauen in die Evidenz.

Was ist ein Alpha-1-Antitrypsin-Mangel (AATD)?

Alpha-1-Antitrypsin (AAT) ist ein Protein, das unsere Organe vor Schäden durch körpereigene Enzyme schützt. Ein AAT-Mangel (AATD) ist eine genetisch bedingte Erkrankung, bei der der Körper nicht genügend AAT produziert. Dies kann zu Lungenschäden und chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD; einer Langzeiterkrankung, die das Atmen erschwert) führen. Zu den Symptomen von AATD gehören Atemnot, Husten und Keuchen. Raucher mit AATD haben ein höheres Risiko, eine schwere Lungenerkrankung zu entwickeln. AATD kann auch zu Leberproblemen führen. Manche Menschen mit AATD können ihr ganzes Leben lang gesund bleiben.

Was ist eine Alpha-1-Antitrypsin-Substitutionstherapie?

Die AAT-Substitutionstherapie soll den AAT-Spiegel im Blutkreislauf und in der Lunge erhöhen. Das erfolgt mithilfe von AAT-Protein aus dem Blut, das aus dem Blut gesunder Spendender gewonnen wird. Die AAT-Substitutionstherapie kann möglicherweise dazu beitragen, das Lungengewebe vor Schäden zu schützen und das Fortschreiten der Lungenerkrankung zu verlangsamen. Sie kann über eine Infusion in eine Vene (intravenös), durch Injektion unter die Haut (subkutan) oder über eine Atemmaske verabreicht werden.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob eine Anhebung der AAT-Spiegel bei Menschen mit AATD die Anzahl der Exazerbationen (Verschlimmerungen der Erkrankung), die Zahl der Todesfälle sowie die Zahl der Menschen, bei denen schwerwiegende unerwünschte Ereignisse wie Krankenhausaufenthalte oder bleibende Schäden auftreten, verringern könnte. Unsere Übersichtsarbeit konzentrierte sich auf die Endpunkte, die für Menschen mit dieser Erkrankung am wichtigsten sind.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen eine AAT-Substitutionstherapie, die auf beliebige Weise verabreicht wurde (intravenös, subkutan oder inhalativ), mit einer anderen Art der Verabreichung, einem Placebo (Scheinbehandlung) oder keiner Behandlung verglichen wurde. Wir verglichen und fassten die Ergebnisse zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie Studienmethoden und Größe der Studien.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden sechs Studien mit 524 Teilnehmenden. Vier Studien befassten sich mit der intravenösen AAT-Substitutionstherapie, die anderen beiden mit der inhalativen AAT-Substitutionstherapie. In allen sechs Studien wurde die AAT-Substitutionstherapie mit einem Placebo verglichen. Die Studien wurden in einkommensstarken Ländern in Europa, Nordamerika und Australien durchgeführt. Die kleinste Studie umfasste fünf Teilnehmende, die größte 180 Teilnehmende.

Hauptergebnisse

Intravenöse AAT-Substitutionstherapie im Vergleich zu Placebo

  • Die intravenöse AAT-Substitutionstherapie führt möglicherweise zu einem leichten Anstieg der Anzahl der jährlichen Exazerbationen. Die Evidenz zeigt eine Rate von 1710 jährlichen Exazerbationen pro 1000 Personen, die eine intravenöse AAT-Substitutionstherapie erhielten, verglichen mit 1420 jährlichen Exazerbationen pro 1000 Personen, die Placebo erhielten (290 Exazerbationen mehr in der AAT-Gruppe).

  • Die intravenöse AAT-Substitutionstherapie hat im Vergleich zu Placebo möglicherweise nur geringe oder gar keine Auswirkungen auf die Zahl der Todesfälle.

  • Wir sind sehr unsicher, ob bei Personen, die eine intravenöse AAT-Substitutionstherapie erhalten, die Wahrscheinlichkeit, ein oder mehrere schwerwiegende unerwünschte Ereignisse zu erleiden, höher ist als bei denjenigen, die ein Placebo erhalten.

Inhalative AAT-Substitutionstherapie im Vergleich zu Placebo

  • Wir sind sehr unsicher, ob die inhalative AAT-Substitutionstherapie im Vergleich zu Placebo einen Einfluss auf die Anzahl der jährlichen Exazerbationen hat.

  • In keiner Studie wurden Todesfälle berichtet.

  • Die inhalative AAT-Substitutionstherapie hat im Vergleich zu Placebo möglicherweise nur einen geringen oder gar keinen Einfluss auf die Anzahl der Personen, bei denen ein oder mehrere schwerwiegende unerwünschte Ereignisse auftreten.

Was schränkt die Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Evidenz ist gering, da nur wenige Studien verfügbar waren, die von uns gefundenen Studien nur wenige Teilnehmende umfassten und die Ergebnisse nur einen Teil der Personen abdeckten, die für uns von Interesse waren.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Wir haben Evidenz berücksichtigt, die bis August 2025 veröffentlicht wurde.

Glaister P, Hindle Robinson N, Woods A, Bentham C, Hamzah J, Crossingham I

Die Fragestellung des Reviews

2 weeks 4 days ago
Welche langfristigen Vorteile und Risiken haben verschiedene Arten von Operationen zur Gewichtsreduktion bei der Behandlung von Adipositas bei erwachsenen Menschen mit Typ-2-Diabetes?Kernaussagen
  • Bei Menschen mit Adipositas und Typ-2-Diabetes könnte ein Magenbypass (d. h. ein Roux-en-Y-Magenbypass oder ein Magenbypass mit einer Anastomose) den größten Nutzen haben, um das Körpergewicht und den Taillenumfang zu verringern sowie den Typ-2-Diabetes und die langfristigen Blutzuckerwerte zu verbessern – mindestens fünf Jahre nach der Operation. Beim Magenbypass mit einer Anastomose sind wir hinsichtlich der Ergebnisse allerdings sehr unsicher.

  • Es ist unklar, ob die verschiedenen Operationsverfahren einen Einfluss auf Risiken wie schwerwiegende unerwünschte gesundheitliche Wirkungen und den Tod jeglicher Ursache mindestens fünf Jahre nach der Operation haben.

  • Größere und gut konzipierte Studien könnten dazu beitragen, die bestehenden Unsicherheiten zu verringern und unser Vertrauen in die Ergebnisse zu stärken.

Was sind Adipositas und Typ-2-Diabetes?
Adipositas bezeichnet eine übermäßige Ansammlung von Körperfett, die die Gesundheit beeinträchtigen kann. Bei Typ-2-Diabetes kann der Körper den Blutzuckerspiegel nicht ausreichend regulieren, da das Hormon Insulin nicht richtig wirkt. Typ-2-Diabetes tritt häufig bei Menschen mit Adipositas auf. Beide Erkrankungen erhöhen das Risiko für einen vorzeitigen Tod und andere gesundheitliche Probleme wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Wie werden Adipositas und Typ-2-Diabetes behandelt?

Zur Gewichtsabnahme und Verbesserung des Diabetes werden zunächst häufig Änderungen des Lebensstils wie eine Ernährungsumstellung, Bewegung und verhaltenstherapeutische Maßnahmen sowie Medikamente eingesetzt. Wenn diese nicht ausreichend wirken, können metabolische und bariatrische Operationen als zusätzliche Behandlungsoption in Betracht gezogen werden. Es gibt verschiedene Arten der bariatrischen Chirurgie:

  • Magenband (ein verstellbares Band, das um den oberen Teil des Magens gelegt wird und diesen verengt, sodass kleinere Portionen ausreichen);

  • Schlauchmagen (Sleeve-Gastrektomie; Entfernung eines Teils des Magens);

  • Roux-en-Y-Magenbypass (RYGB; aus dem oberen Teil des Magens wird ein kleiner Vormagen gebildet und direkt mit einem tiefer gelegenen Abschnitt des Dünndarms verbunden, sodass ein Teil des Magens und des Dünndarms umgangen wird);

  • Magenbypass mit nur einer Verbindung (Ein-Anastomosen-Magenbypass oder Mini-Magenbypass);

  • Magenplikatur (Einfaltung der Magenwand, um den Magen zu verkleinern);

  • biliopankreatische Diversion mit Duodenal-Switch (der Magen wird verkleinert und ein großer Teil des Dünndarms umgangen, sodass der Körper weniger Nährstoffe aus der Nahrung aufnimmt).

Was wollten wir herausfinden?
  • Welche der verschiedenen Operationsmethoden am sichersten und wirksamsten sind, wenn man sie miteinander sowie mit einer Behandlung durch Lebensstiländerung und Medikamente hinsichtlich ihrer langfristigen (mindestens 5 Jahre Nachbeobachtung) Vorteile und Risiken vergleicht.

  • Ob diese Operationen das Körpergewicht und den Taillenumfang verringern, den Typ-2-Diabetes verbessern, die langfristigen Blutzuckerwerte senken und die Lebensqualität mindestens fünf Jahre nach der Operation verbessern.

  • Ob sich die Operationen über diesen Zeitraum hinweg auf schwerwiegende unerwünschte gesundheitliche Wirkungen, Todesfälle jeglicher Ursache und Komplikationen des Typ-2-Diabetes auswirken.

Wie gingen wir vor?
Wir suchten nach Studien mit Personen, die Adipositas und Typ-2-Diabetes hatten. Wir schlossen Studien ein, in denen mindestens zwei verschiedene chirurgische Eingriffe oder eine Operation mit einer Lebensstil- und medikamentösen Behandlung verglichen wurden. Wir fassten alle Behandlungen mithilfe einer Methode namens Netzwerk-Metaanalyse zusammen und verglichen sie; dabei bewerteten wir unser Vertrauen in die Ergebnisse anhand von Faktoren wie Studienmethoden und Stichprobengröße.

Was fanden wir heraus?
Wir fanden 18 Studien mit insgesamt 15.282 Menschen mit Adipositas und Typ-2-Diabetes. In 13 dieser Studien (mit insgesamt 911 Teilnehmenden) wurden die Teilnehmenden nach dem Zufallsprinzip zwei oder mehr Behandlungsgruppen zugeordnet. Dies ist der beste Weg, um sicherzustellen, dass die Gruppen der Teilnehmenden ähnlich sind. Fünf Studien (mit 14.371 Personen) verwendeten Beobachtungsdaten aus der Versorgungsrealität. Die Studien untersuchten verschiedene Operationsverfahren wie Magenband, Schlauchmagen, Roux-en-Y-Magenbypass, Magenbypass mit einer Anastomose und Magenplikatur. Wir stellten fest, dass:

  • Der Roux-en-Y-Magenbypass senkt langfristig möglicherweise das Körpergewicht und verringert wahrscheinlich den Taillenumfang – im Vergleich zu einer Behandlung mit Lebensstiländerungen und Medikamenten.

  • Der Magenbypass mit einer Anastomose und, in geringerem Ausmaß, der Schlauchmagen könnten das Körpergewicht ebenfalls senken und den Taillenumfang verringern. Wir sind hinsichtlich dieser Ergebnisse jedoch sehr unsicher.

  • Der Roux-en-Y-Magenbypass, der Magenbypass mit einer Anastomose, der Schlauchmagen und das Magenband verbessern den Typ-2-Diabetes möglicherweise. Wir sind hinsichtlich dieser Ergebnisse jedoch sehr unsicher.

  • Es ist unklar, ob die verschiedenen Operationsverfahren einen Einfluss auf schwerwiegende unerwünschte gesundheitliche Wirkungen oder den Tod jeglicher Ursache haben.

  • Der Roux-en-Y-Magenbypass verringert langfristig möglicherweise die Komplikationen bei Typ-2-Diabetes – im Vergleich zu nicht-chirurgischen Behandlungen. Wir sind hinsichtlich dieses Ergebnisses jedoch sehr unsicher.

  • Der Roux-en-Y-Magenbypass verbessert möglicherweise die Blutzuckerwerte – im Vergleich zu nicht-chirurgischen Behandlungen.

  • Der Magenbypass mit einer Anastomose und der Schlauchmagen könnten die Blutzuckerwerte ebenfalls verbessern. Wir sind hinsichtlich dieser Ergebnisse jedoch sehr unsicher.

  • Der Roux-en-Y-Magenbypass und der Schlauchmagen könnten die gesundheitsbezogene Lebensqualität stärker steigern als nicht-chirurgische Behandlungen. Auch hier sind wir hinsichtlich der Ergebnisse sehr unsicher.

Was schränkt die Evidenz ein?
Unser Vertrauen in die Evidenz ist oft gering bis sehr gering, da in die Studien nur wenige Personen eingeschlossen wurden und die Ergebnisse für einige Endpunkte – insbesondere schwerwiegende unerwünschte gesundheitliche Wirkungen, Tod jeglicher Ursache und Komplikationen bei Typ-2-Diabetes – auf sehr wenigen Ereignissen beruhten. Zudem gab es für mehrere chirurgische Verfahren nicht genügend Studien, um sichere Aussagen über die Ergebnisse treffen zu können. Es ist wichtig zu beachten, dass die Bewertung unseres Vertrauens in die Ergebnisse ausschließlich auf Studien beruhte, in denen die Teilnehmenden den Gruppen nach dem Zufallsprinzip zugeteilt wurden, und keine Beobachtungsstudien einbezog.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?
Diese Evidenz ist auf dem Stand von Juni 2024.

Kiesswetter E, Gorenflo L, Schwarzer G, Stadelmaier J, Wallerer S, Marjanovic G, Fink JM, Lehane C, Metzendorf MI, Meerpohl J, Schwingshackl L

Wann sollten Neugeborene, die zu wenige Blutplättchen und deshalb ein erhöhtes Blutungsrisiko haben, zusätzliche Blutplättchen erhalten?

3 weeks 6 days ago
Kernaussagen
  • Eine Thrombozytentransfusion (Gabe von Blutplättchen, die Blutgerinnsel zur Blutstillung bilden) bereits bei höheren Thrombozytenwerten (wenn das Blutungsrisiko noch geringer ist) scheint weder die Sterblichkeit noch das Blutungsrisiko zu senken.

  • Eine Transfusion erst bei einem niedrigeren Thrombozytenwert führt wahrscheinlich dazu, dass weniger Neugeborene überhaupt eine Thrombozytentransfusion erhalten – möglicherweise ohne dabei das Risiko für Tod oder Blutungen zu erhöhen.

  • Weitere Studien sind nötig, um festzustellen, bei welcher genauen Thrombozytenzahl Neugeborene - unter Berücksichtigung ihres individuellen Blutungsrisikos - Thrombozytentransfusionen erhalten sollten.

Was sind Thrombozyten (Blutplättchen)?

Thrombozyten sind Blutzellen, die Blutgerinnsel bilden, um Blutungen zu stillen. Thrombozyten sind Blutzellen, die Blutgerinnsel bilden, um Blutungen zu stillen. Eine niedrige Thrombozytenzahl (weniger als 150.000 Thrombozyten pro Mikroliter im Bluttest) wird als Thrombozytopenie bezeichnet. Eine Thrombozytopenie tritt häufig bei Frühgeborenen oder kranken Neugeborenen auf und kann deren Blutungsrisiko erhöhen.

Wie wird eine Thrombozytopenie behandelt?

Eine Thrombozytopenie wird üblicherweise durch die Verabreichung von Blutplättchen aus Spenderblut behandelt. Thrombozyten werden im Rahmen einer sogenannten Transfusion direkt in eine Vene verabreicht. Allerdings kann eine Thrombozytentransfusion selbst das Sterberisiko und das Risiko anderer Komplikationen erhöhen. Fachleute sind sich zudem uneinig, ob Neugeborene bereits bei höheren oder erst bei niedrigeren Thrombozytenwerten eine Thrombozytentransfusion erhalten sollten.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob es für Neugeborene mit Thrombozytopenie besser ist, Thrombozyten bereits bei höheren oder erst bei niedrigeren Thrombozytenwerte zu transfundieren. Wir wollten wissen, welche Wirkungen Transfusionen auf die Sterblichkeit und Blutungen sowie auf die Entwicklung der Neugeborenen haben.

Wie gingen wir vor?

Wir haben nach Studien gesucht, die sich mit Thrombozytentransfusionen bei Neugeborene mit Thrombozytopenie befassten. Wir haben die Ergebnisse der Studien zusammengefasst, verglichen und die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz bewertet – auf Grundlage von Faktoren wie der Studienmethodik und der Größe der Studien.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden drei Studien (856 Neugeborene), in denen verschiedene Thrombozytenwerte als Schwellenwert für eine Thrombozytentransfusion verglichen wurden. Zwei Studien wurden in Ländern mit hohem Einkommen (Kanada sowie dem Vereinigten Königreich, Irland und den Niederlanden) durchgeführt, eine weitere in einem Land mit niedrigem mittlerem Einkommen (Indien). In einer Studie wurde untersucht, ob es besser ist, eine Thrombozytentransfusion bereits bei einer leicht verminderten Thrombozytenzahl durchzuführen (leichte Thrombozytopenie) oder erst bei mäßig verminderten Thrombozytenwerten (moderate Thrombozytopenie) (Bereich der leichten Thrombozytopenie) . Eine weitere Studie untersuchte, ob es besser ist, bereits bei einer mäßig verminderten Thrombozytenzahl eine Thrombozytentransfusion durchzuführen (moderate Thrombozytopenie) oder erst bei einer stark verminderten Thrombozytenzahl (schwere Thrombozytopenie) (Bereich der moderaten Thrombozytopenie) . In der dritten Studie wurde untersucht, ob es besser ist, bereits bei einer sehr niedrigen Thrombozytenzahl (schwere Thrombozytopenie) zu transfundieren oder erst bei einer extrem niedrigen Zahl (sehr schwere Thrombozytopenie) (Bereich der schweren Thrombozytopenie) .

Möglicherweise besteht kein oder nur ein geringer Unterschied in der Sterblichkeit zwischen niedrigeren und höheren Thrombozytenwerten:

  • im Bereich der leichten Thrombozytopenie (1 Studie, 152 Neugeborene);

  • im Bereich der mäßigen Thrombozytopenie (1 Studie, 44 Neugeborene);

  • im Bereich der schweren Thrombozytopenie (1 Studie, 656 Neugeborene).

Möglicherweise besteht auch kein oder nur ein geringer Unterschied bei Blutungen zwischen niedrigeren und höheren Thrombozytenwerten:

  • im Bereich der leichten Thrombozytopenie (keine Angaben);

  • im Bereich der mäßigen Thrombozytopenie (1 Studie, 44 Neugeborene);

  • im Bereich der schweren Thrombozytopenie (1 Studie, 658 Neugeborene).

Wenn erst bei einem niedrigeren Thrombozytenwert transfundiert wurde, erhielten deutlich weniger Neugeborene überhaupt eine Thrombozytentransfusion:

  • im Bereich der leichten Thrombozytopenie (1 Studie, 152 Neugeborene);

  • im Bereich der mäßigen Thrombozytopenie (keine Angaben);

  • Bereich der schweren Thrombozytopenie (1 Studie, 659 Neugeborene).

Was schränkt die Evidenz ein?

Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz ist moderat bis sehr niedrig. Sie ist begrenzt, da das Behandlungsteam wusste, welche Behandlung die Neugeborenen erhielten. Außerdem fanden wir nur drei Studien, die sich alle hinsichtlich der untersuchten Thrombozytenwerte unterschieden. Die Studien unterschieden sich zudem darin, ob sie Neugeborene einbezogen, bei denen bereits Blutungen vorlagen. Die größte Studie schloss Neugeborene mit Blutungen nicht ein.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von Juni 2025.

Chotas W, Wallman-Stokes A, Patel RM, Cooper C, Soll RF, supported by the Cochrane Neonatal Review Group

Ist eine Ballonangioplastie mit einem medikamentenbeschichteten Ballon bei Menschen mit verengten oder verschlossenen Beinarterien wirksamer als eine Ballonangioplastie mit einem unbeschichteten Ballon?

1 month ago
Kernaussagen

- Medikamentenbeschichtete Ballons verringern wahrscheinlich das Risiko einer erneuten Verengung der behandelten Arterie (binäre Restenose) und möglicherweise die Notwendigkeit einer erneuten Behandlung derselben Arterie (Revaskularisierung der Zielläsion). Nach sechs Monaten zeigte sich zudem ein geringerer Lumenverlust.

- Medikamentenbeschichtete und unbeschichtete Ballons unterscheiden sich wahrscheinlich kaum oder gar nicht hinsichtlich Amputationen, Todesfällen und der Veränderung des Knöchel-Arm-Index. Wahrscheinlich gibt es auch bei der Lebensqualität kaum oder keinen Unterschied. Bei der Gehfähigkeit zeigte sich kein klarer Unterschied. Beim amputationsfreien Überleben zeigte sich nach sechs Monaten ebenfalls kein klarer Unterschied; nach einem Jahr war es möglicherweise mit unbeschichteten Ballons besser.

Was ist eine periphere arterielle Verschlusskrankheit der Beine und was sind medikamentenbeschichtete Ballons?

Bei einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit der Beine ist die Durchblutung der Unterschenkel eingeschränkt, weil die Blutgefäße verengt oder verschlossen sind. Viele Menschen sind davon betroffen. In ihrer schwersten Form kann sie aufgrund der schlechten Durchblutung zu Schmerzen, Infektionen und Amputationen führen. Menschen mit einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit werden zunächst meist mit Medikamenten und Änderungen des Lebensstils behandelt. Dazu gehören Unterstützung beim Rauchstopp und regelmäßiges Gehtraining. Diese Maßnahmen können die allgemeine Gesundheit und auch die Beschwerden verbessern. Medikamente und eine Umstellung der Lebensgewohnheiten wirken jedoch nicht bei allen Menschen, und manche benötigen möglicherweise eine Operation. Bei diesem Eingriff kann es sich um eine herkömmliche offene Operation oder um ein weniger invasives Verfahren handeln, das als Angioplastie bezeichnet wird und bei dem die Verengungen in den Arterien mithilfe eines Ballons geöffnet werden. Eine neuere Form der Angioplastie, die sogenannte Angioplastie mit medikamentenbeschichteten Ballons, gilt als vielversprechende Alternative zur herkömmlichen Ballonangioplastie bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit. Im Gegensatz zu herkömmlichen Ballons geben medikamentenbeschichtete Ballons zusätzlich einen Wirkstoff wie Paclitaxel an die Gefäßwand ab. Paclitaxel wird auch in der Krebstherapie eingesetzt und soll dazu beitragen, eine erneute Verengung des behandelten Blutgefäßes zu verhindern oder hinauszuzögern.

Was wollten wir herausfinden?

Ziel dieser Übersichtsarbeit war es herauszufinden, wie wirksam medikamentenbeschichtete Ballons im Vergleich zu herkömmlichen unbeschichteten Ballons bei der Behandlung der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit der Beine sind.

Wie gingen wir vor?

Wir fassten 31 klinische Studien mit insgesamt 5.292 Teilnehmenden zusammen, die wegen einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit eine Angioplastie erhielten. Sie wurden nach dem Zufallsprinzip entweder mit einem medikamentenbeschichteten oder mit einem herkömmlichen unbeschichteten Ballon behandelt. Die Studien untersuchten Arterien im Ober- und Unterschenkel, sowohl oberhalb als auch unterhalb des Knies. Die Studien wurden in Europa, den USA, China, Singapur, Jordanien, Japan und Neuseeland durchgeführt, und in allen wurden medikamentenbeschichtete Ballons mit dem Wirkstoff Paclitaxel verwendet. Die Teilnehmenden wurden nach der Operation bis zu fünf Jahre lang nachbeobachtet.

Was fanden wir heraus?

Medikamentenbeschichtete Ballons führen möglicherweise dazu, dass dieselbe Arterie seltener erneut behandelt werden muss (Revaskularisierung der Zielläsion). Dieser Befund zeigte sich bei Nachbeobachtungszeiten von bis zu fünf Jahren. Medikamentenbeschichtete Ballons verringern wahrscheinlich bis zu zwei Jahre nach der Behandlung das Risiko, dass sich die behandelte Arterie erneut verengt (binäre Restenose). Nach sechs Monaten war der späte Lumenverlust bei medikamentenbeschichteten Ballons geringer. Das bedeutet, dass sich das behandelte Gefäß weniger stark wieder verengte. Medikamentenbeschichtete und unbeschichtete Ballons unterscheiden sich wahrscheinlich kaum oder gar nicht hinsichtlich Amputationen, Todesfällen und der Veränderung des Knöchel-Arm-Index. Wahrscheinlich gibt es auch bei der Lebensqualität kaum oder keinen Unterschied. Bei der Gehfähigkeit zeigte sich kein klarer Unterschied. Beim amputationsfreien Überleben zeigte sich nach sechs Monaten ebenfalls kein klarer Unterschied; nach einem Jahr war es möglicherweise mit unbeschichteten Ballons besser.

Was schränkt die Evidenz ein?

Die Studien unterschieden sich darin, wie die Teilnehmenden nach dem Eingriff mit gerinnungshemmenden Medikamenten zum Einnehmen behandelt wurden. Weitere Bedenken ergaben sich daraus, dass verschiedene Studien für denselben Endpunkt stärker voneinander abweichende Ergebnisse berichtete als erwartet. Zudem zeigten die Ergebnisschätzungen teils sowohl einen möglichen Unterschied als auch keinen Unterschied zwischen den Behandlungen. Dies bedeutete, dass wir unser Vertrauen in die Evidenz herabstufen mussten. Unser Vertrauen in die Ergebnisse war gering, wenn es darum ging, ob die behandelte Gefäßstelle erneut geöffnet werden musste. Bei Amputationen, erneuten Gefäßverengungen, Todesfällen und Veränderungen des Knöchel-Arm-Index war unser Vertrauen in die Ergebnisse mäßig.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Diese Übersichtsarbeit ist eine Aktualisierung unserer früheren Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2016. Die Evidenz ist auf dem Stand von März 2023.

Ma G-W, Bernatchez J, Yarranton B, Dueck AD, Rajan DK, Forbes TL, de Mestral C, Kayssi A

Welche Vorteile und Risiken haben Ciclosporin-A-Augentropfen bei trockenen Augen (Sicca-Syndrom)?

1 month ago
Kernaussagen
  • Ciclosporin-A-Augentropfen (CsA), darunter Restasis, Cequa und andere neuere Präparate, verbessern möglicherweise im Vergleich zu wirkstofffreien Trägerlösungen (Augentropfen ohne CsA) oder künstlichen Tränen einige Anzeichen und Beschwerden des trockenen Auges. Allerdings ist unser Vertrauen in diese Ergebnisse nur moderat oder gering.

  • Personen, die CsA-Augentropfen anwendeten, brachen die Behandlung aufgrund unerwünschter Wirkungen etwas häufiger ab als Personen in der Vergleichsgruppe. Insgesamt kam dies jedoch nur selten vor.

  • Es sind qualitativ hochwertigere Langzeitstudien erforderlich, die den Nutzen und die Risiken von CsA-Augentropfen bei Menschen mit unterschiedlich stark ausgeprägtem Sicca-Syndrom untersuchen.

Was versteht man unter trockenen Augen (Sicca-Syndrom)?

Ein dünner Tränenfilm hält die Augenoberfläche feucht. Gerät der Tränenfilm aus dem Gleichgewicht, kann ein trockenes Auge entstehen. Fachleute sprechen auch vom Sicca-Syndrom. Menschen mit trockenen Augen können Beschwerden wie ein Sandkorngefühl, Brennen und Lichtempfindlichkeit sowie verschwommenes Sehen oder eine schwankende Sehschärfe haben. Dies kann das Autofahren und Lesen erschweren und die Lebensqualität beeinträchtigen.

Bei manchen Menschen entsteht das trockene Auge infolge einer anderen Erkrankung oder einer Behandlung am Auge. Bei anderen bleibt die Ursache unbekannt. Viele Fälle des trockenen Auges stehen mit Erkrankungen in Zusammenhang, die Entzündungen, Schwellungen oder Reizungen am Auge und in seiner Umgebung verursachen.

Was sind Cyclosporin-A (CsA)-Augentropfen?

CsA-Augentropfen sind entzündungshemmende Arzneimittel. Sie sollen Entzündungen an der Augenoberfläche verringern, die Tränenproduktion fördern und die Augenoberfläche vor Schäden schützen. CsA-Augentropfen sind in verschiedenen Konzentrationen erhältlich, meist zwischen 0,05 % (niedrige Konzentration) bis 2 % (hohe Konzentration).

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob CsA-Augentropfen wirksamer sind als Augentropfen, die bis auf Cyclosporin dieselben Inhaltsstoffe enthalten (wirkstofffreie Trägerlösung), als künstliche Tränen oder als eine andere CsA-Formulierung oder Konzentration, um folgende Symptome zu lindern:

  • Symptome des trockenen Auges;

  • die Gesundheit der Augenoberfläche;

  • die Tränenproduktion;

  • die Verweildauer der Tränen auf dem Auge (Tränenfilmstabilität).

Außerdem wollten wir herausfinden, ob Personen, die CsA-Augentropfen verwendeten, die Behandlung aufgrund unerwünschter Wirkungen häufiger absetzten als Personen, die eine wirkstofffreie Trägerlösung, künstliche Tränen oder CsA-Tropfen einer anderen Formulierung oder Konzentration verwendeten.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen CsA-Augentropfen mit einer wirkstofffreien Trägerlösung, künstlichen Tränen oder einer anderen CsA-Formulierung bzw. Konzentration verglichen wurden. Wir verglichen und fassten die Ergebnisse dieser Studien zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie den Studienmethoden und der Anzahl der Studienteilnehmenden.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 58 Studien mit insgesamt 10.225 Menschen mit Sicca-Syndrom. 35 der 58 Studien (60 %) wurden in China, Südkorea oder den USA durchgeführt. Das Durchschnittsalter der Teilnehmenden lag bei etwa 53 Jahren. Frauen machten insgesamt etwa 80 % der Teilnehmenden aus, wobei der Anteil je nach Studie zwischen 46 % und 100 % variierte. Fast die Hälfte der Studien wurde von Pharmaunternehmen finanziert oder gefördert. Gemeinnützige Organisationen unterstützten 10 Studien, sechs Studien erhielten keine externe Finanzierung und bei 14 Studien wurden die Finanzierungsquellen nicht angegeben.

Wir haben die Studien anhand der Konzentration von CsA und den Vergleichsbehandlungen in sechs Gruppen eingeteilt. Hier konzentrieren wir uns auf die drei Gruppen mit den meisten Daten.

Hauptergebnisse

Vergleich 1

Im Vergleich zu einer wirkstofffreien Trägerlösung, künstlichen Tränen oder beidem hat die dreimonatige Anwendung von CsA-0,05%-Augentropfen möglicherweise zu einer leichten Verbesserung folgender Symptome geführt:

  • Symptome des trockenen Auges (13 Studien, 1.396 Personen);

  • Gesundheit der Augenoberfläche (7 Studien, 1.355 Personen).

Die Ergebnisse hinsichtlich der Tränenproduktion und der Stabilität des Tränenfilms waren uneinheitlich, sodass wir keine eindeutigen Schlussfolgerungen ziehen konnten.

Vergleich 2

Personen, die CsA-Augentropfen unterschiedlicher Formulierungen und Konzentrationen verwendeten, wiesen nach drei Monaten möglicherweise eine etwas bessere Tränenproduktion auf als diejenigen, die CsA-0,05%-Augentropfen verwendeten; der Unterschied zwischen den Gruppen war jedoch gering (5 Studien, 572 Personen). Wir sind uns hinsichtlich der Wirkungen auf folgende Aspekte unsicher:

  • Symptome des trockenen Auges;

  • die Gesundheit der Augenoberfläche;

  • Stabilität des Tränenfilms.

Vergleich 3

Im Vergleich zu einer wirkstofffreien Trägerlösung, künstlichen Tränen oder beidem führte die dreimonatige Anwendung von CsA-0,1%-Augentropfen zu Folgendem:

  • verbesserte wahrscheinlich leicht die Gesundheit der Augenoberfläche (7 Studien, 2.940 Personen);

  • verbesserte möglicherweise die Tränenproduktion geringfügig (3 Studien, 735 Personen).

Die Ergebnisse zu den Symptomen des trockenen Auges waren uneinheitlich, sodass wir keine eindeutigen Schlussfolgerungen ziehen konnten. CsA-Augentropfen mit einer Konzentration von 0,1 % verbessern die Stabilität des Tränenfilms möglicherweise nicht oder nur geringfügig.

Abbruch der Behandlung aufgrund von unerwünschten Wirkungen

Im Vergleich zu Personen, die wirkstofffreie Trägerlösungen oder künstliche Tränen verwendeten, brachen Personen, die CsA in einer Konzentration von 0,05 % oder 0,1 % verwendeten, die Behandlung aufgrund unerwünschter Wirkungen wahrscheinlich etwas häufiger ab. Insgesamt brachen nur wenige Personen die Behandlung aufgrund von unerwünschten Wirkungen ab.

Was schränkt die Aussagekraft der Evidenz ein?

Wir haben wenig Vertrauen in die Evidenz zu Symptomen des trockenen Auges, zur Gesundheit der Augenoberfläche, zur Tränenproduktion und zur Tränenfilmstabilität, da die Studienergebnisse oft uneinheitlich oder zu unsicher waren, um das tatsächliche Ausmaß der Wirkungen einzuschätzen. In vielen Studien waren die Angaben zu den verwendeten Methoden unklar oder unvollständig. Wir haben jedoch moderates Vertrauen in die Evidenz zum Abbruch der Behandlung.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von März 2026.

Priyadarshini SR, Sadhu S, Tzang CC, Niedert C, Holt CA, Han G, de Paiva CS, Pflugfelder SC, Akpek EK, Li T

Helfen Bewegungsprogramme Jugendlichen mit Adipositas?

1 month ago
Kernaussagen
  • Bewegungsprogramme verringern bei Jugendlichen mit Adipositas im Vergleich zu keinem Bewegungsprogramm möglicherweise geringfügig das Körpergewicht, den Taillenumfang und den Körperfettanteil – jeweils gemessen am Ende der Intervention.

  • Wir wissen nicht, ob Bewegungsprogramme im Vergleich zu keinem Bewegungsprogramm Auswirkungen auf andere Körpermaße oder durch Adipositas bedingte Gesundheitsprobleme haben.

  • Wir benötigen größere, länger dauernde und qualitativ hochwertigere Studien, um die Wirkungen von Bewegungsprogrammen bei Jugendlichen mit Adipositas verlässlicher beurteilen zu können.

Was ist Adipositas?

Adipositas bedeutet, dass eine Person so viel Körperfett hat, dass dies ihre Gesundheit beeinträchtigen kann. Weltweit hat sich die Adipositas bei Jugendlichen (im Alter von 10 bis 19 Jahren) seit 1990 verdreifacht, und bis zum Jahr 2050 könnten mehr als 300 Millionen Kinder und Jugendliche an Adipositas leiden.

Adipositas im Kindes- und Jugendalter kann sich negativ auf die körperliche und psychische Gesundheit auswirken und das Risiko für Krebs, Leber- oder Nierenerkrankungen im Erwachsenenalter erhöhen.

Eine Gewichtsabnahme ist der beste Weg, die gesundheitlichen Risiken von Adipositas zu verringern. Dies geschieht in der Regel durch Änderungen des Lebensstils, wie mehr körperliche Aktivität (z. B. Schwimmen, Laufen, Krafttraining) und eine gesündere Ernährung, durch chirurgische Eingriffe oder Medikamente.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob Bewegungsprogramme im Vergleich zu keinem Bewegungsprogramm Jugendlichen mit Adipositas hilft:

  • Gewicht zu verlieren und den BMI (Body-Mass-Index; ein Maß zur Beurteilung des Körpergewichts im Verhältnis zur Körpergröße), den BMI-z-Score (ein Maß dafür, wie der BMI im Vergleich zu anderen Personen gleichen Alters und Geschlechts liegt), den Taillenumfang und den Körperfettanteil zu senken;

  • ihren Blutzuckerspiegel und ihre Insulinresistenz zu senken (Insulin ist ein Hormon, das dabei hilft, den Blutzuckerspiegel zu regulieren).

Wir wollten außerdem herausfinden, ob bestimmte Bewegungsformen diese Wirkungen besser erzielen als andere und ob die Bewegungsprogramme unerwünschte oder schädliche Ereignisse verursachen.

Wie sind wir vorgegangen?

Wir suchten nach Studien, in denen die Teilnahme an einem Bewegungsprogramm (wie Ausdauertraining, Krafttraining oder Fußball) verglichen wurde mit:

  • keinem Bewegungsprogramm;

  • einem anderen Bewegungsprogramm (zum Beispiel hochintensives Training im Vergleich zu Training mit mittlerer Intensität).

Die Jugendlichen mussten mindestens 12 Wochen lang an diesem Bewegungsprogramm teilnehmen. Wir verglichen die Ergebnisse der Studien, fassten sie zusammen und beurteilten unser Vertrauen in die Evidenz, basierend auf Faktoren wie Studienmethoden und Anzahl an Teilnehmenden.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 30 Studien mit insgesamt 1.508 Jugendlichen. Die Studien waren klein: Die kleinste umfasste nur 21 Jugendliche, die größte 106. Knapp die Hälfte der teilnehmenden Jugendlichen waren weiblich (46 %). Ihr Durchschnittsalter lag zwischen 10 und fast 17 Jahren. Die Studien wurden in 15 Ländern durchgeführt: 5 in Tunesien; je 4 in China und im Iran; 3 in Brasilien; je 2 in Kanada, Spanien und den USA; sowie je eine in Australien, Estland, Indien, Mexiko, Südkorea, Schweden, Taiwan und Thailand.

Die meisten Studien dauerten 12 oder 13 Wochen; die längste Studie dauerte 32 Wochen.

Wir fassten die Ergebnisse der Studien in zwei übergeordneten Vergleichen zusammen:

  • jede Art von Bewegungsprogramm (z. B. Ausdauertraining, aktive Videospiele) im Vergleich zu keinem Bewegungsprogramm (22 Studien);

  • eine Form von Bewegung im Vergleich zu einer anderen (17 Studien).

HauptergebnisseBewegungsprogramme im Vergleich zu keinem Bewegungsprogramm

Im Vergleich zu keinem Bewegungsprogramm führen Bewegungsprogramme möglicherweise zu einer leichten Verringerung:

  • des Körpergewichts: Jugendliche in den aktiven Gruppen wogen im Durchschnitt 1,88 kg weniger (17 Studien, 749 Jugendliche);

  • des Taillenumfangs: In den aktiven Gruppen war der durchschnittliche Taillenumfang der Jugendlichen um 2,88 cm geringer (10 Studien, 476 Jugendliche);

  • des Körperfettanteil: In den aktiven Gruppen lag der durchschnittliche Körperfettanteil der Jugendlichen um 2,96 % niedriger (9 Studien, 313 Jugendliche).

Es ist sehr unsicher, welche Wirkungen Bewegungsprogramme auf folgende Faktoren haben:

  • BMI;

  • BMI-Z-Score;

  • Blutzuckerwerte;

  • Insulinresistenz;

  • unerwünschte, schädliche Ereignisse.

Eine Form von Bewegung im Vergleich zu einer anderen

Wir sind sehr unsicher, ob sich verschiedene Bewegungsformen in ihren Wirkungen auf die untersuchten Aspekte unterscheiden.

Was schränkt die Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Evidenz ist aus folgenden Gründen begrenzt:

  • Die Studien waren klein;

  • in den Studien wurden unterschiedliche Formen von Bewegung untersucht;

  • die Studien haben ihre Methoden und Ergebnisse unzureichend berichtet;

  • in einigen Studien wurden nicht alle Ergebnisse berichtet;

  • keine Studie berichtete über unerwünschte, schädliche Ereignisse.

Die Studien, die verschiedene Bewegungsformen miteinander verglichen, unterschieden sich stark. Deshalb konnten wir ihre Ergebnisse meist nicht zusammenfassen und keine verlässlichen Schlussfolgerungen ziehen. Daher wissen wir nicht, ob eine bestimmte Form von Bewegung besser ist als eine andere.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Diese Evidenz ist auf den Stand von Dezember 2025.

Meneses-Echavez JF, Chavez Guapo N, Loaiza-Betancur AF, Iglesias Gonzalez LE, Escobar Liquitay CM, Bidonde J

Verbessert eine Chemotherapie vor der Operation die Überlebensrate und die Lebensqualität bei Frauen mit fortgeschrittenem epithelialem Ovarialkarzinom (Eierstockkrebs)?

1 month ago
Kernaussagen
  • Bei Frauen mit fortgeschrittenem epithelialem Ovarialkarzinom (Stadium IIIC oder IV) gibt es kaum einen Unterschied in der Überlebensdauer, unabhängig davon, ob die Behandlung mit einer Chemotherapie oder einer Operation beginnt. Es gibt wahrscheinlich nur einen geringen oder keinen Unterschied darin, wie lange es dauert, bis das Ovarialkarzinom nach der Behandlung wieder auftritt.

  • Eine Chemotherapie vor der Operation verringert wahrscheinlich das Risiko schwerwiegender Operationskomplikationen. Sie halbiert wahrscheinlich das Risiko, dass während der Operation ein Teil des Darms entfernt werden muss, und verringert wahrscheinlich deutlich das Risiko, dass ein Stoma angelegt werden muss (eine künstliche Darmöffnung, über die der Darminhalt in einen Beutel abgeleitet wird).

  • Eine Chemotherapie vor der Operation ist bei Frauen mit fortgeschrittenem epithelialem Ovarialkarzinom eine Alternative zur Operation mit anschließender Chemotherapie. Die Entscheidung, welche Behandlung zuerst erfolgen soll, hängt von den Präferenzen der Patientin, ihrem Gesundheitszustand zum Zeitpunkt der Diagnose, den Risiken einer Operation sowie dem Ausmaß und der Ausbreitung der Erkrankung ab.

Was ist das epitheliale Ovarialkarzinom (Eierstockkrebs), und wie wird es behandelt?

Das Ovarialkarzinom ist weltweit die achthäufigste Krebserkrankung bei Frauen. Etwa 90 % der Ovarialkarzinomfälle sind epitheliale Ovarialkarzinome (EOC). Diese gehen von Zellen der Oberfläche des Eierstocks oder der Schleimhaut der Eileiter aus. Bei den meisten Frauen mit EOC wird die Diagnose gestellt, wenn sich der Krebs in einem späten Stadium befindet und sich bereits in der Bauchhöhle ausgebreitet hat (Stadium IIIC/IV). Obwohl sich die Überlebensraten in den letzten 30 Jahren verbessert haben, sind nur vier von zehn Frauen mit Ovarialkarzinom 10 Jahre nach der Diagnose noch am Leben.

Die Behandlung des Ovarialkarzinoms besteht aus einer Kombination von Operation und Chemotherapie. Ziel der Operation ist es, so viel sichtbaren Krebs wie möglich zu entfernen. Eine alleinige Operation reicht jedoch wahrscheinlich nicht zu einer dauerhaften Krankheitsfreiheit, und die meisten Frauen benötigen zusätzlich eine Chemotherapie. Bei der Chemotherapie werden platinbasierte Medikamente eingesetzt, um Zellen zu behandeln, die operativ nicht entfernt werden können oder nicht sichtbar sind.

Üblicherweise wird die Chemotherapie nach der Operation verabreicht. Die Chemotherapie kann jedoch auch bereits vor der Operation begonnen werden. Nach der Operation werden die verbleibenden Chemotherapiezyklen wie üblich fortgesetzt.

Warum ist das wichtig ?

Frauen mit fortgeschrittenem EOC sind zum Zeitpunkt der Diagnose möglicherweise zu geschwächt für eine Operation oder benötigen einen sehr umfangreichen Eingriff, um alle sichtbaren Tumoranteile zu entfernen. Eine Chemotherapie vor der Operation könnte den Tumor verkleinern. Dadurch können die Frauen möglicherweise in einem besseren Zustand operiert werden oder es ist ein weniger umfangreicher Eingriff nötig.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob es besser ist, die Chemotherapie vor der Operation durchzuführen oder zuerst zu operieren und anschließend eine Chemotherapie zu beginnen. Uns interessierte, wie viele Frauen mit EOC:

  • 48 Monate nach der Diagnose noch am Leben waren;

  • 24 Monate nach der Behandlung kein Ovarialkarzinom mehr hatten;

  • nach der Operation verstarben;

  • unerwünschte Wirkungen aufgrund der Operation hatten;

  • ein Stoma benötigten, bei dem der Darm durch die Bauchwand nach außen geleitet wird und der Darminhalt in einem Beutel aufgefangen wird, oder ob ein Teil des Darms entfernt werden musste (Darmresektion); und

  • über eine Verbesserung ihrer Lebensqualität berichteten.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, die bei Frauen mit fortgeschrittenem EOC die Chemotherapie gefolgt von einer Operation mit einer Operation mit anschließender Chemotherapie verglichen. Wir verglichen die Ergebnisse der Studien, fassten sie zusammen und bewerteten, wie groß unser Vertrauen in die Evidenz ist. Dabei berücksichtigten wir Faktoren wie die Größe der Studien und deren Durchführung.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden sieben Studien mit insgesamt 2.650 Frauen mit EOC im Stadium III oder IV. Verglichen wurden eine Chemotherapie vor der Operation mit anschließender weiterer Chemotherapie und eine Operation mit anschließender Chemotherapie. Die Studien wurden weltweit in 20, überwiegend einkommensstarken Ländern durchgeführt.

Die Verabreichung einer Chemotherapie vor der Operation:

  • hat kaum oder gar keinen Einfluss auf die Anzahl der Frauen, die nach 48 Monaten noch am Leben sind (5 Studien, 2.380 Frauen);

  • hat wahrscheinlich kaum oder gar keinen Einfluss auf die Anzahl der Frauen, die nach 24 Monaten krankheitsfrei blieben (5 Studien, 2.380 Frauen);

  • verringert die Zahl der Todesfälle infolge der Operation (5 Studien, 2.201 Frauen);

  • verringert wahrscheinlich das Risiko schwerer unerwünschter Wirkungen der Operation (3 Studien, 1.094 Frauen);

  • führt wahrscheinlich zu einer starken Verringerung des Risikos, ein Stoma (3 Studien, 1.291 Frauen) oder eine Darmresektion (5 Studien, 2.237 Frauen) zu benötigen;

  • verbessert möglicherweise die Lebensqualität 6 Monate nach der Behandlung geringfügig, die Ergebnisse sind jedoch sehr unsicher (3 Studien, 559 Frauen).

Was schränkt die Evidenz ein?

Wir sind sicher, dass eine Chemotherapie vor der Operation keinen Einfluss auf das Gesamtüberleben hat und die Zahl der operationsbedingten Todesfälle senkt. Bei der übrigen Evidenz sind wir aus mehreren Gründen weniger sicher. Es war offensichtlich, welche Behandlung die Frauen erhielten, was die Ergebnisse beeinflusst haben könnte. Obwohl in die Studien zunächst nur Frauen mit fortgeschrittenem EOC (Stadium IIIC/IV) aufgenommen wurden und viele eine ausgedehnte Tumorausbreitung aufwiesen, wurden in späteren Studien nur Frauen aufgenommen, bei denen die Operateure davon ausgingen, dass sie den gesamten sichtbaren Tumor operativ entfernen könnten. Wir konnten nur die Ergebnisse von fünf der sieben Studien analysieren. Wir werden Ergebnisse aus weiteren Studien hinzufügen, sobald diese verfügbar sind.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand vom 9. Oktober 2025.

Elderfield C, Shawky M, Beazley R, Choudhary C, Coleridge SL, Bryant A, Morrison J
Checked
3 minutes 28 seconds ago
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