Verbessern moderne Verfahren zur Spermienauswahl die Erfolgsaussichten einer assistierten Reproduktion bei Frauen mit Kinderwunsch?
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Fortschrittliche Verfahren zur Spermienauswahl können bei Menschen mit Kinderwunsch eingesetzt werden, die mithilfe einer assistierten Reproduktion – beispielsweise einer In-vitro-Fertilisation (IVF) oder einer intrazytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) – schwanger werden möchten. Diese Verfahren sollen die Auswahl geeigneter Spermien verbessern und dadurch die Chancen auf eine erfolgreiche Befruchtung erhöhen. Ob sie tatsächlich zu besseren Ergebnissen führen, ist derzeit jedoch unklar.
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Werden für die intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) gezielt Spermien ausgewählt, die an die natürlich im Körper vorkommende Substanz Hyaluronsäure binden (HA-ICSI), verringert dies im Vergleich zur üblichen Spermienauswahl wahrscheinlich geringfügig das Risiko einer Fehlgeburt. HA-ICSI erhöht möglicherweise die Wahrscheinlichkeit einer Lebendgeburt nicht oder nur geringfügig.
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Die Evidenz für andere Verfahren ist sehr begrenzt. Es sind weitere Studien erforderlich, um herauszufinden, ob moderne Verfahren zur Spermienauswahl die IVF erfolgreicher machen als die derzeit angewandte Standardmethode.
Die assistierte Reproduktionstechnologie wird eingesetzt, um auf künstlichem Wege eine Schwangerschaft herbeizuführen. Die In-vitro-Fertilisation (IVF) ist eine häufig angewendete Behandlung bei Menschen mit Fruchtbarkeitsproblemen. Dabei werden Eizellen aus den Eierstöcken entnommen und im Labor mit Spermien befruchtet. Manchmal wird auch die intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) angewendet. Bei der ICSI wird ein einzelnes Spermium direkt in die Eizelle injiziert. Derzeit verwenden IVF-Labore Standardverfahren, um gesund aussehende Spermien für die Befruchtung auszuwählen. Es wird angenommen, dass die Auswahl von Spermien hoher Qualität die Chancen auf eine Schwangerschaft und die Geburt eines gesunden Kindes verbessern kann.
Was sind moderne Verfahren zur Spermienauswahl?Moderne Verfahren zur Spermienauswahl dienen dazu, für die Befruchtung gesunde, reife und strukturell unauffällige Spermien auszuwählen, also Spermien mit einer möglichst normalen Form und Größe. Diese Verfahren können eingesetzt werden, wenn Fruchtbarkeitsprobleme auf Faktoren beim Mann zurückzuführen sind, beispielsweise auf eine geringe Spermienzahl oder eine eingeschränkte Beweglichkeit der Spermien. Diese Verfahren werden weltweit in vielen Zentren für assistierte Reproduktion eingesetzt. Ob sie die Erfolgsaussichten tatsächlich verbessern, ist jedoch unklar.
Was wollten wir herausfinden?Wir wollten herausfinden, welche Auswirkungen die verschiedenen modernen Verfahren zur Spermienauswahl bei der assistierten Reproduktion auf folgende Ergebnisse haben:
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Lebendgeburt (die Geburt eines lebenden Kindes);
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Fehlgeburt (Verlust des Kindes vor der 20. Schwangerschaftswoche);
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klinische Schwangerschaft (positiver Schwangerschaftstest, der durch Ultraschall bestätigt wurde);
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fetale Anomalien (das ungeborene Kind entwickelt sich nicht vollständig normal).
Diese Übersichtsarbeit ist die zweite Aktualisierung einer erstmals 2014 veröffentlichten Übersichtsarbeit. Die erste Aktualisierung erschien 2019.
Wie gingen wir vor?Wir durchsuchten medizinische Datenbanken nach randomisierten Studien, in denen moderne Verfahren zur Spermienauswahl bei der IVF mit den üblichen Methoden zur Spermienauswahl oder mit anderen modernen Verfahren verglichen wurden. In randomisierten Studien werden die Teilnehmenden per Zufall verschiedenen Gruppen zugeteilt. So lässt sich beurteilen, ob Unterschiede in den Ergebnissen auf die untersuchte Methode zurückzuführen sind – hier auf die Art der Spermienauswahl. Anschließend fassten wir die Ergebnisse aller relevanten Studien zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz. Dabei berücksichtigten wir beispielsweise das Studiendesign und die Anzahl der teilnehmenden Personen.
Was fanden wir heraus?Wir haben fünf Studien gefunden, an denen insgesamt 3752 Frauen teilnahmen. Zwei Studien verglichen eine ICSI, bei der Spermien anhand ihrer Fähigkeit ausgewählt wurden, an Hyaluronsäure zu binden (HA-ICSI), mit einer herkömmlichen ICSI ohne diese zusätzliche Auswahl der Spermien. Eine Studie verglich die HA-ICSI mit einer Technik namens SpermSlow. Dabei handelt es sich um eine spezielle Lösung, die die Auswahl von Spermien unterstützen soll, die für eine Befruchtung besonders geeignet sind. Eine Studie verglich eine Methode zur Spermienauswahl, bei der Spermien anhand ihrer elektrischen Oberflächenladung (Zeta-Potenzial) ausgewählt werden, mit der üblichen Spermienauswahl bei der ICSI. Eine Studie verglich eine ICSI mit vorheriger mikrofluidischer Spermienselektion („Microfluidic Sperm Sorting“) mit einer herkömmlichen ICSI.
In vier der Studien wurde über Lebendgeburten berichtet; in vier über Fehlgeburten; in fünf über klinische Schwangerschaften; und in keiner wurde angegeben, ob fetale Anomalien vorlagen.
HauptergebnisseDie in unserer Übersicht berücksichtigten Studien zeigten, dass HA-ICSI im Vergleich zur ICSI:
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möglicherweise zu keinem Unterschied oder zu einem leichten Anstieg der Lebendgeburten führt (1 Studie, 2772 Personen);
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wahrscheinlich leicht das Risiko einer Fehlgeburt verringert (2 Studien, 3327 Personen);
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möglicherweise keinen Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit hat, schwanger zu werden (2 Studien, 3327 Frauen).
Für die anderen Verfahren zur Spermienauswahl ist unklar, ob sie die Wahrscheinlichkeit einer Lebendgeburt, einer Fehlgeburt oder einer Schwangerschaft beeinflussen.
In keiner Studie wurde über fetale Anomalien berichtet.
Bevor eines dieser modernen Verfahren zur Spermienauswahl für den routinemäßigen Einsatz empfohlen werden kann, sind weitere hochwertige Studien erforderlich.
Was schränkt die Evidenz ein?Die größte Einschränkung war die geringe Anzahl der teilnehmenden Personen in den Studien. Es ist möglich, dass die Studienbeteiligten wussten, wer welche Behandlung erhielt. Dies könnte sich auf die berichteten Ergebnisse ausgewirkt haben. Nicht alle Studien befassten sich mit Fragen, die für Menschen mit Kinderwunsch, die eine assistierte Reproduktion in Anspruch nehmen, wichtig sind. So gab es beispielsweise keine Informationen über fetale Anomalien. Es sind weitere hochwertige Studien mit einer großen Anzahl von Teilnehmenden erforderlich, um beurteilen zu können, ob moderne Verfahren zur Spermienauswahl die Ergebnisse einer IVF verbessern.
Wie aktuell ist die Evidenz?Dieser Review ist eine Aktualisierung einer vorherigen Version. Die Evidenz ist auf dem Stand von Februar 2025.