Hilft eine hochdosierte Lichttherapie bei Neugeborenengelbsucht besser als eine niedrigdosierte?
-
Für Neugeborene mit Gelbsucht:
-
Es ist unklar, ob eine hochdosierte Phototherapie (Lichttherapie) im Vergleich zu einer niedrigdosierten Phototherapie das Risiko für Hirnschäden, Zerebralparese oder Tod bei Neugeborenen vor der Entlassung aus dem Krankenhaus verringert.
-
Eine hochdosierte Phototherapie senkt den Bilirubinspiegel möglicherweise etwas stärker als eine niedrigdosierte Phototherapie – gemessen 12 bis 48 Stunden nach Beginn der Behandlung.
-
-
Größere und besser durchgeführte Studien sind nötig, um verschiedene Dosierungen der Phototherapie zu vergleichen und herauszufinden, welche Dosierung für Säuglinge am besten ist.
Gelbsucht (eine Gelbfärbung der Haut und der Augen) ist die häufigste Erkrankung bei Neugeborenen. Sie wird durch Bilirubin (ein gelbliches Pigment) im Blut verursacht. Bilirubin entsteht im Körper beim natürlichen Abbau alter roter Blutkörperchen. Wenn mehr Bilirubin entsteht, als das Baby über Urin oder Stuhl ausscheiden kann, sammelt es sich im Körper an.
Was ist eine Phototherapie?Eine Phototherapie (Lichttherapie) ist die Hauptbehandlung bei Neugeborenengelbsucht. Bei der Phototherapie nimmt die Haut das Licht der Geräte auf, ähnlich wie bei Sonnenlicht. Bei der Phototherapie wird spezielles Licht verwendet. Es hilft, Bilirubin in eine weniger schädliche Substanz umzuwandeln, die das Baby über Urin oder Stuhl ausscheiden kann. Die Phototherapie kann in unterschiedlichen Dosierungen verabreicht werden. Mit „Dosis“ meinen wir die Stärke des Lichts, die Art der verwendeten Geräte oder den Abstand zwischen Lichtquelle und Haut des Babys.
Warum ist die Behandlung von Gelbsucht wichtig?Gelbsucht kann zu Problemen bei der Entwicklung und Funktion des Gehirns führen. (Anmerkung: Eine leichte Gelbsucht ist aber meist normal und kein Grund zur Besorgnis.) Ein Beispiel hierfür ist eine Enzephalopathie, also eine Schädigung oder Erkrankung des Gehirns. Diese kann zu Kernikterus führen, einer dauerhaften Hirnschädigung, die wiederum eine Zerebralparese verursachen kann. Dabei handelt es sich um eine Bewegungsstörung, die die Kontrolle der Muskeln beeinträchtigt. Schwere Hirnschäden aufgrund von Gelbsucht können zum Tod führen.
Was wollten wir herausfinden?Wir wollten herausfinden, ob eine höhere Dosis Phototherapie bei Neugeborenen zu einer schnelleren Senkung des Bilirubinspiegels führt und das Risiko für Langzeitprobleme oder den Tod aufgrund von Hirnschäden verringert.
Wie gingen wir vor?Wir haben nach Studien gesucht, in denen verschiedene Dosen der Phototherapie verglichen wurden, um festzustellen, ob unterschiedliche Dosen unterschiedliche Wirkungen haben. Wir haben verschiedene Phototherapiegeräte, unterschiedliche Lichtstärken und verschiedene Abstände zwischen der Haut des Babys und dem Phototherapielicht verglichen. Wir haben die Ergebnisse der Studien zusammengefasst und die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz bewertet, basierend auf Faktoren wie Studienmethoden, Größe der Studien sowie der Übereinstimmung zwischen den Studien.
Was fanden wir heraus?Wir fanden 41 Studien mit 6927 Neugeborenen, deren Gelbsucht mit Phototherapie behandelt wurde. Die Phototherapiebehandlung in den Studien dauerte zwischen 16 und 60 Stunden.
HauptergebnisseBei Babys mit Gelbsucht:
-
Es ist unklar, ob höhere im Vergleich zu niedrigeren Dosen der Phototherapie das Auftreten von Enzephalopathie oder Zerebralparese reduzieren.
-
Hohe versus niedrige Dosen der Phototherapie:
-
Möglicherweise kein oder nur ein minimaler Einfluss auf die Sterblichkeit während des Krankenhausaufenthalts;
-
Möglicherweis eine geringfügig stärkere Senkung des Bilirubinspiegels 24 oder 48 Stunden nach der Phototherapie;
-
Möglicherweise keine oder nur minimale Auswirkungen auf die Senkung des Bilirubinspiegels 72 Stunden nach der Phototherapie. Die Ergebnisse sind allerdings sehr unsicher.
-
In keiner der untersuchten Studien wurde über das Auftreten von Kernikterus berichtet.
Was schränkt die Evidenz ein?Drei Hauptfaktoren schränken die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz ein. Erstens schien es in etwa einem Drittel der Studien so, als seien die Teilnehmenden nicht vollständig nach dem Zufallsprinzip den verschiedenen Behandlungsgruppen zugeordnet worden. Das bedeutet, dass Unterschiede zwischen den Gruppen möglicherweise auf Unterschiede zwischen den Neugeborenen und nicht auf die Behandlungen zurückzuführen sind. Zweitens unterschieden sich die Ergebnisse zu den Bilirubinwerten zwischen den Studien, die diesen Endpunkt berichteten, deutlich. Auch nach einer eingehenden Bewertung wissen wir nicht genau, warum dies so ist. Drittens gab es für die Endpunkte zu Zerebralparese und Tod nur sehr wenige Studien und Teilnehmende. Aus diesen Gründen können wir keine eindeutigen Schlussfolgerungen darüber ziehen, wie gut verschiedene Dosierungen der Phototherapie wirken.
Wie aktuell ist die Evidenz?Die Evidenz ist auf dem Stand vom 09. Juni 2025.