Definition und Hintergrund
EbM stützt sich auf drei Säulen: klinische Erfahrung, die Perspektive der Patient*innen und den aktuellen Stand der Forschung.
Das Vorgehen umfasst fünf Schritte: Aus einem klinischen Problem wird eine wissenschaftlich beantwortbare Frage, dann folgt die systematische Suche nach Studien. Diese werden kritisch bewertet, die Ergebnisse auf die konkrete Situation übertragen und anschließend wird das eigene Vorgehen überprüft und bei Bedarf angepasst.
EbM erfordert Übung und ist im Versorgungsalltag oft schwer konsequent umzusetzen. Entscheidend ist, dass Studienergebnisse systematisch, zeitnah und ohne Verzerrung berücksichtigt werden.
EbM in Deutschland
In Deutschland wurde 2000 das Deutsche Netzwerk Evidenzbasierte Medizin (DNEbM) gegründet. Es vernetzt EbM-Aktivitäten und bietet Hintergrundinformationen sowie Veranstaltungen zu Themen rund um die EbM. Das unabhängige Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) arbeitet seit 2004 auf Grundlage der EbM an einer besseren Gesundheitsversorgung. Es bewertet unter anderem Operations- und Diagnoseverfahren, Arzneimittel und Behandlungsleitlinien sowie Grundlagen für Disease-Management-Programme.
EbM und Cochrane
Die Entwicklung der EbM und Cochrane International sind eng miteinander verwoben. Das Buch "Effectiveness and efficiency" (1972) von Archibald Leman Cochrane (1909 - 1988) gilt als Geburtshelfer sowohl von Cochrane International als auch der EbM. Davon inspiriert publizierte I. Chalmers 1989 das bis heute regelmäßig aktualisierte Referenzwerk "Effective care in pregnancy and childbirth". Dieses auf systematischen Übersichten und Studienregistern basierende Werk kann als das erste evidenzbasierte Therapiehandbuch und als Vorläufer der Cochrane Library angesehen werden.