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Updated: 16 hours 5 min ago

Sturzprävention: Bewegung kann Schlimmes verhindern

Tue, 06/08/2021 - 08:58

Stürze können für ältere Menschen schwerwiegende Folgen haben. Gleichgewichtstraining kombiniert mit funktionellen Übungen kann davor schützen. Drei aktuelle Cochrane Reviews geben Auskunft darüber, für welche Personengruppen solche Bewegungsübungen am sinnvollsten sind. Kurz nicht aufgepasst, und schon liegt man am Boden: …

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COVID-19-Therapie mit Rekonvaleszenten-Plasma: Keine Wirkung bei schwereren Verläufen

Mon, 05/31/2021 - 07:46

Vier Aktualisierungen in nur einem Jahr – der Cochrane Review zu Rekonvaleszenten-Plasma als Behandlung von COVID-19 war wahrhaft ein „lebender“, also engmaschig aktualisierter Review. Und dieses kurze Leben war ein sehr bewegtes: Zu Beginn der Pandemie schien das Blutplasma von …

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Händewaschen: wirksam gegen Durchfall

Wed, 05/19/2021 - 11:02

Ob Videos, Gruppenschulungen oder Sticker – ein Cochrane Review zeigt, dass verschiedenste Maßnahmen die Handhygiene in verschiedenen Situationen verbessern und dadurch das Risiko für Durchfallerkrankungen deutlich senken. Der Chirurg und Geburtshelfer Ignaz Semmelweis erkannte vor über 170 Jahren, dass Händewaschen …

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Wie wirksam ist eine Therapie mit Tieren für ältere Menschen

Tue, 05/04/2021 - 12:21

Sarah Chapman von Cochrane UK schaut sich in diesem Blog-Beitrag zwei aktuelle systematische Reviews mit Evidenz zur Wirksamkeit einer tiergestützten Therapie für ältere Menschen an. Studienteilnehmende waren Menschen in Pflegeheimen und Tagespflegeeinrichtungen, inklusive Menschen mit Demenz. Meine Mutter war noch …

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Cochrane Evidence Essentials – eine virtuelle Reise zur evidenzbasierten Medizin

Mon, 04/26/2021 - 14:38

Der kostenlose Online-Kurs «Evidence Essentials» von Cochrane ist jetzt auch auf Deutsch verfügbar. Er führt in Themen der evidenzbasierten Medizin (EbM), klinische Studien und Cochrane Reviews ein und zeigt, wie man diese verstehen und nutzen kann. Die vier Lernmodule – …

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Bluthochdruck: Ist weniger wirklich mehr?

Fri, 04/16/2021 - 10:13

Hohen Blutdruck haben viele, doch im Alter nimmt das Risiko erheblich zu. Die Werte zu senken soll Betroffene vor schweren Folgeerkrankungen schützen. Welche Grenzwerte man bei der Behandlung von Bluthochdruck anpeilen sollte, ist jedoch umstritten. Ein Cochrane-Review fasst die Evidenz …

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Cochrane für die Physiotherapie – den Zugang zu Evidenz erleichtern

Tue, 03/30/2021 - 09:57

Seit 2012 setzt sich eine Gruppe wissenschaftlich tätiger Physiotherapeuten* dafür ein, Fachkollegen und anderen Interessierten den Zugang zu physiotherapeutischer Evidenz aus Cochrane Reviews zu erleichtern. Inzwischen sind verschiedene Angebote entstanden, die alle frei zugänglich sind. Auch Physiotherapeuten brauchen Evidenz: Welche …

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Periphere Nervenblockaden: Eine alternative Schmerztherapie bei Hüftfrakturen

Fri, 03/19/2021 - 13:18

Ältere Menschen brechen sich bei einem Sturz oft den Oberschenkelknochen nahe dem Hüftgelenk. Ob periphere Nervenblockaden eine Alternative zu den herkömmlichen Schmerzmitteln sein könnten, untersuchte ein aktualisierter Cochrane Review.

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Schlüsselkonzepte für die kritische Bewertung von Gesundheitsinformationen

Thu, 03/04/2021 - 16:19

Eine Ära geht zuende: Nach fast drei Jahren endete kürzlich unsere „Schlüsselkonzept“-Serie auf Wissen Was Wirkt. Ihr Ziel war es den Lesern und Leserinnen das Rüstzeug mitzugeben, Gesundheitsinformationen zu verstehen, zu beurteilen und anzuwenden, in einem Wort: Gesundheitskompetenz. Ein kurzer …

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CEOsys: Fundiertes Wissen zu COVID-19

Thu, 02/25/2021 - 15:56

In der Pandemie fehlt es vor allem an einem: gesichertem Wissen. Dabei gibt es inzwischen eine große Zahl von Studien – und täglich werden es mehr. Doch was bleibt von dieser Flut von qualitativ oft fragwürdiger Evidenz unterm Strich übrig? …

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Den Kopf im Alter trainieren: Geistige Leistungsfähigkeit erhalten und Demenz verhindern durch kognitives Training?

Wed, 02/10/2021 - 11:05

Ein wirksames Heilmittel gegen geistigen Abbau im Alter oder Demenz gibt es nicht. Doch wie sieht es mit Präventionsmethoden aus? Drei Cochrane Reviews haben untersucht, ob ein kognitives Training dem Verlust von kognitiven Fähigkeiten entgegenwirken kann. Dass die geistige Leistungsfähigkeit …

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Gesundes Altern: eine neue Serie auf Wissen Was Wirkt

Wed, 01/27/2021 - 10:20

Im Jahr 2050 wird jeder sechste Mensch auf der Welt über 65 Jahre alt sein, etwa doppelt so viele wie im Jahr 2019. In Europa und Nordamerika soll es sogar jeder Vierte sein. Grund genug für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) das …

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3.6 Überwiegen die Vorteile oder die Nachteile einer Behandlung?

Wed, 01/20/2021 - 11:29

Wir alle kennen dieses Szenario: Unser Arzt hat uns ein Medikament verschrieben. Zuhause lesen wir die Packungsbeilage und sind plötzlich mit einer Vielzahl von möglichen Nebenwirkungen konfrontiert. Wir fragen uns: Ist der zu erwartende Nutzen diese Risiken wirklich wert? Eben …

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3.5 Wie vertrauenswürdig ist die Evidenz?

Thu, 12/17/2020 - 11:45

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser: Bei der Verwendung von Evidenz für eine informierte klinische Entscheidung ist es für uns wichtig zu wissen, ob die Evidenz von guter oder schlechter Qualität ist – d.h. ob die Forschungsarbeit angemessen durchgeführt wurde …

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Wenn «Da Vinci» mit am Operationstisch steht

Mon, 12/07/2020 - 17:53

«Da Vinci» – diesen Namen verwenden nicht nur Kunstinteressierte, sondern auch Ärzte und Patienten. Gemeint ist dann aber nicht der Maler, Erfinder und Universalgelehrte der Renaissance, sondern ein Roboter, der in den Spitälern immer häufiger bei verschiedenen chirurgischen Eingriffen eingesetzt …

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Guter Rat, nicht teuer

Tue, 12/01/2020 - 10:23

Forschung, die hilft: Das GAP-Projekt für eine „Gut informierte Arzt-Patienten-Kommunikation“ geht mit einem Informationsportal zu Rückenschmerz und einer kuratierten Suchmaschine für Gesundheitsfragen online.

In Deutschland haben rund 8 von 10 Menschen schon einmal Erfahrungen mit Rückenschmerzen gemacht – Grund für uns, dem Thema schon im vergangenen Jahr unter dem Titel „Wenn der Rücken schmerzt“ eine ganze Artikelserie auf Wissen Was Wirkt zu widmen. Im Rahmen dieser Serie haben wir bereits über das GAP-Projekt berichtet – ein Forschungsprojekt des Instituts für Evidenz in der Medizin (für die Cochrane Deutschland Stiftung) an der Uniklinik Freiburg, in Kooperation mit mehreren Partnern. Es hat eine „Gut informierte Arzt-Patienten-Kommunikation“ zum Ziel gesetzt und sich dafür zunächst beispielhaft auf das Volksleiden Rückenschmerz konzentriert.

Um eine bessere Kommunikation zwischen Arzt und Patient zu ermöglichen, bedarf es zum einen eines besseren Wissens auf Seite des Patienten und zum anderen der Fähigkeit des Arztes, nicht nur allgemein auf das Thema, sondern spezifischer auch auf die Bedürfnisse seines Patienten einzugehen. Das GAP-Projekt hat es sich zur Aufgabe gemacht, genau diese Brücke zwischen Arzt und Patient zu schlagen. „Unser Blog-Beitrag zum GAP-Projekt vom Oktober 2019 ist auf reges Interesse gestoßen. Wir wurden mehrfach gefragt, ob die Ergebnisse nicht auch für Außenstehende zugänglich gemacht werden könnten“, sagt Projektleiter Dr. Sebastian Voigt-Radloff vom Institut für Evidenz in der Medizin. „Wir freuen uns daher sehr, dass wir das Informationsangebot des Projektes jetzt online frei zur Verfügung stellen können und hoffen sehr, dass es auch möglichst breit genutzt wird.“

Die Früchte der langjährigen Projekt-Arbeit sind ab sofort in Form von zwei kostenlosen, frei zugänglichen Online-Angeboten zugänglich:

Das GAP-Rückenschmerz-Portal – praktisch und evidenzbasiert

Für das Talamed-Rückenschmerzportal, das über den Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses gefördert wird, bereitete das GAP-Team evidenzbasierte Informationen rund um das Thema „Kreuzschmerzen“ nutzerfreundlich auf. Das Portal bietet Patienten und Ärzten jeweils eigene Oberflächen für den Zugriff auf aktuelle, vertrauenswürdige und verständliche Informationen rund um das Thema Kreuzschmerz. Es bietet zudem strukturierte Hilfestellung für mehr Mitsprache im Arzt-Patienten-Gespräch, sowie kostenlose Medien zum Thema „Übungen und Stressreduktion“.

Die Vertrauenswürdigkeit der Informationen wurde sichergestellt, indem die Empfehlungen der Nationalen Versorgungsleitlinie „Nicht-spezifischer Kreuzschmerz“ mit drei weiteren internationalen Leitlinien abgeglichen und in zwei Aktualisierungswellen mit den Ergebnissen neuerer wissenschaftlicher Arbeiten verglichen wurden.

Die GAP-Suchmaschine: Hochwertige Gesundheitsinformationen

Einen breiteren Ansatz verfolgt die GAP-Suchmaschine. Die Suchmaschine bietet für die Suche nach Gesundheitsinformationen eine Alternative zu „Dr. Google“, indem sie nur Suchergebnisse von einer nach transparenten Kriterien kuratierten Auswahl von Anbietern anzeigt. „Weil es unmöglich ist sämtliche Artikel dieser Webseiten aktuell zu bewerten, haben wir stattdessen von jedem Anbieter eine Stichprobe von Beiträgen auf die vier Kriterien Vertrauenswürdigkeit, Verständlichkeit, Aktualität und Nutzerfreundlichkeit hin analysiert“, erklärt Voigt-Radloff. Der Clou dabei: Mit Hilfe einer Filterfunktion kann jeder Nutzer selbst entscheiden, welche dieser Qualitätsmerkmale ihm besonders wichtig sind. „Das Talamed-Rückenschmerzportal und die GAP-Suchmaschine sind frei von wirtschaftlichen Interessen und setzen kein ‚Profiling‘ ein, das die Internetbewegungen der Nutzer zu werblichen Zwecken nutzt“, so Voigt-Radloff, „Die Informationen sind in verständlicher Sprache aufbereitet und somit direkt im Arzt-Patienten-Gespräch einsetzbar, im Sinne einer Gut informierten Arzt-Patienten-Kommunikation.“

Bitte nutzen, Feedback geben und weitersagen!

Die beiden neuen Angebote sollen Patienten mit Rückenschmerzen beziehungsweise Informationssuchenden fortan mit praktischer Hilfe zur Seite stehen. Sie bleiben aber auch Teil wissenschaftlicher Forschungsarbeit, die beide Ansätze in Zukunft noch verbessern möchte. Deshalb freuen sich Voigt-Radloff und das GAP-Team nicht nur sehr über eine breite Nutzung des Portals und der Suchmaschine, sondern erst recht über Feedback dazu. Dieses können Nutzer ganz einfach und schnell hinterlassen, indem sie an einer kurzen, freiwilligen Umfrage teilnehmen, zu der bei Nutzung von Portal und Suchmaschine eingeladen wird.

Text: Cochrane Deutschland

*Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für alle Geschlechter.

Wie wirksam sind Screenings auf COVID-19?

Thu, 11/26/2020 - 09:51

Manche Menschen sind zwar Träger des Coronavirus, haben aber keine Symptome. Dennoch können sie andere Menschen anstecken. Eine Möglichkeit, Infizierte frühzeitig zu erkennen und so die Infektionskette zu durchbrechen, könnte das Screening breiter Bevölkerungsteile sein. Was das ist und welche Evidenz die Autoren eines neuen Cochrane Rapid Reviews für die Wirksamkeit von Massenscreenings fanden, wollen wir in diesem Beitrag unter die Lupe nehmen.

Wer sich mit dem Coronavirus infiziert, kann eine ganze Reihe von Symptomen haben. Aber es gibt auch Infizierte, die sich gesund fühlen und keinerlei Beschwerden entwickeln, zumindest am Anfang der Infektion. Das macht die Eindämmung der Pandemie so schwierig. Denn Menschen mit einer verdeckten Infektion können zu ‚unsichtbaren Bindegliedern‘ in der Infektionskette werden. In der Tat entwickelt ein erheblicher Anteil der mit SARS-CoV-2 infizierten Personen niemals oder erst nach längerer Inkubationszeit COVID-19 (1). Sie können aber andere Menschen damit anstecken. Sogenannte Screenings, also die breit angelegte Untersuchung von klinisch unauffälligen Personen, könnte helfen, solche verdeckten Fälle aufzudecken.

Was sind Screenings?

Screenings zielen darauf ab, Erkrankungen bei Menschen zu identifizieren, die keine Symptome aufweisen. Hierzu gehören auch gängige Früherkennungsuntersuchungen, die meist für Menschen mit einem erhöhten Grundrisiko angeboten werden. So wird Frauen in Deutschland ab dem 20. Lebensjahr ein regelmäßiger Pap-Test empfohlen (Österreich: ab 18; Schweiz: ab 21), um Gebärmutterhalskrebs vorzubeugen; Menschen über 50 eine Koloskopie, um Darmkrebs frühzeitig zu erkennen. Zur Abgrenzung: Eine andere, hier nicht gemeinte Bedeutung des Begriffs „Screening“ ist eine umfassende, individuelle Untersuchung von Menschen, die unspezifische Symptome aufweisen, bei denen die Krankheitsursache aber unklar ist.

Früherkennung ist das Ziel, aber sind Screenings der richtige Weg?

In der gegenwärtigen COVID-19-Krise wäre es extrem hilfreich, symptomlose Träger des Virus verlässlich identifizieren zu können, damit sie sich von anderen fernhalten und so weitere Ansteckungen vermeiden können. Umstritten ist jedoch, ob breit angelegte Screenings – sei es durch Fiebermessen an Flughäfen oder Virus-Tests für ganze Bevölkerungsgruppen – der richtige Weg dafür sind. Das Grundproblem dabei: keine Testmethode ist zu 100 Prozent zuverlässig. Stets bleibt das Restrisiko eines falsch-positiven (Test stellt Infektion fest, die in Wirklichkeit nicht vorhanden ist) oder eines falsch-negativen Ergebnisses (Test gibt Entwarnung, obwohl tatsächlich eine Infektion vorliegt – sie auch unseren Artikel zu generellen Gesundheitschecks). Beides hat unerwünschte Folgen: Im Fall von COVID-19 führen falsch-positive Ergebnisse zu unnötiger Isolation und Sorgen; falsch-negativ getestete Menschen könnten sich in falscher Sicherheit wiegen und unwissentlich Mitmenschen anstecken.

Die Autoren eines kürzlich veröffentlichten Cochrane Rapid Reviews wollten nun zusammenfassen, was die Wissenschaft bisher über die Wirksamkeit von breit angelegten Screenings auf COVID-19 von symptomfreien oder -armen Personen erforscht hat. Dies gilt für die Allgemeinbevölkerung oder für besondere Berufsgruppen wie dem Personal in Krankenhäusern und Pflegeheimen. Genauer gesagt wollten die Autoren:

  • den Nutzen sowie die möglichen negativen Auswirkungen eines Screenings scheinbar gesunder Menschen auf eine Infektion mit SARS-CoV-2 identifizieren und
  • herausfinden, wie zuverlässig Personen mit oder ohne SARS-CoV-2-Infektion korrekt mit einem Screening identifiziert werden können.

Um diese Fragen schnell beantworten zu können, nutzen die Autoren das verkürzte Verfahren eines „schnellen“ Cochrane Rapid Reviews, das wir bereits in einem früheren Blog-Beitrag zur Wirksamkeit von Quarantänemaßnahmen während der COVID-19-Pandemie genauer erläutert haben. Die Autoren der Übersichtsarbeit sind der Überzeugung, dass das „Schnellverfahren“ keinen Einfluss auf die allgemeinen Schlussfolgerungen des Reviews hat.

Was machten die Autoren?

Die Autoren suchten nach Studien, in denen Personen „gescreent“ wurden, die bisher keine Hinweise auf eine potenzielle SARS-CoV-2-Infektion zeigten. Sie fanden 22 Studien; davon 17 Kohortenstudien (prospektive longitudinale Beobachtungstudien) und fünf Modellierungsstudien (mehr zu Modellierungsstudien in unserem Artikel Wenn Mathematik die „bestmögliche“ Evidenz liefert). Die Studien fanden in den USA, Europa und Asien statt. Der Review enthält Evidenz aus Studien, die bis Mai 2020 veröffentlicht wurden.

Was kam dabei raus?

Wirksamkeit und unerwünschte Ereignisse

Zwei der Modellierungsstudien berichten über die Wirksamkeit und die unerwünschten Ereignisse der Screenings. Eine Studie deutet an, dass eine Befragung nach Symptomen an Flughäfen die Einreise von infizierten Personen etwas reduzieren, aber nicht stoppen könnte. Die andere deutet darauf hin, dass wöchentliche oder 14-tägige Früherkennungsuntersuchungen von Gesundheitspersonal die Übertragung der Infektion auf Patienten und andere in Notaufnahmen Beschäftigte verringern könnten. Keine der Studien berücksichtigte die negativen Auswirkungen der Screenings.

Die korrekte Identifizierung von Infizierten

In 17 Kohortenstudien und drei Modellierungsstudien wurde darüber berichtetet, ob Screenings diejenigen mit und ohne Infektion korrekt identifizieren können. Die Studien unterschieden sich stark in Bezug auf das Setting und die Methoden.

In den Kohortenstudien wurden verschiedene Screening-Strategien evaluiert, wobei Personen zumeist nur einmal und nicht wiederholt gescreent wurden. Gefragt wurde dabei entweder nach Symptomen, ob man kürzlich international gereist sei oder ob man mit einem bekannten oder vermuteten COVID-19-Fall in Kontakt gekommen sei. In anderen Fällen wurde die Körpertemperatur gemessen oder ein schneller „Point-of-Care“-Test durchgeführt, der vor Ort innerhalb von Minuten Ergebnisse liefert. Die Screening-Strategien der 17 Kohortenstudien mit 17.574 Personen erzielten sehr oft falsch-negative Ergebnisse wie auch falsch-positive Ergebnisse. So wurden:

  • zwischen 20 und 100 von 100 tatsächlich infizierten Menschen fälschlicherweise als virusfrei identifiziert;
  • zwischen 0 und 38 von 100 gesunden Menschen fälschlicherweise als betroffen identifiziert.

Diese hohen Fehlerraten hingen nur geringfügig von der verwendeten Screeningmethode ab. So wurden nach Befragung bezüglich möglicher Symptome in 13 der Kohortenstudien mit 16.762 Personen

  • zwischen 40 und 100 von 100 infizierten Menschen fälschlicherweise als virusfrei identifiziert und
  • zwischen 0 und 34 von 100 gesunden Menschen fälschlicherweise als betroffen identifiziert.

Temperaturkontrollen, die in sechs Studien mit 14.741 Personen nach internationalen Reisen oder nach Kontakten mit infizierten Bekannten oder vermuteten Infizierten durchgeführt wurden, identifizierten

  • zwischen 77 und 100 von 100 infizierten Menschen fälschlicherweise als virusfrei und
  • zwischen 0 und 10 von 100 gesunden Menschen als fälschlicherweise infiziert.

Zwei Kohortenstudien mit 779 Teilnehmern kombinierten das Screening auf Symptome mit Temperaturkontrollen. Hier wurden:

  • zwischen 31 und 88 von 100 infizierten Menschen fälschlicherweise als virusfrei und
  • zwischen 0 und 10 Personen von 100 gesunden Menschen als betroffen identifiziert.

Drei der Modellierungsstudien befassten sich speziell mit Ein- und Ausreisekontrollen an Flughäfen. In der ersten Studie wurden ganze 70 Prozent der infizierten Reisenden übersehen. Die zweite entdeckte zwar 90 Prozent der Infektionen, verwendete jedoch ein Szenario, das die Review-Autoren als unrealistisch einschätzten. Die dritte Studie verwendete allgemein sehr unzuverlässige Methoden, so dass die Evidenz aus dieser Studie nicht verwendet werden konnte.

Wie vertrauenswürdig ist die Evidenz?

Die meisten der in den Review eingeschlossenen Studien haben ihre Screening-Methoden nicht klar genug beschrieben, was das Vertrauen der Autoren in die Ergebnisse einschränkt. Zudem waren die Teilnehmer und Settings sehr unterschiedlich, so dass es schwierig ist, zu beurteilen, ob die Ergebnisse breitere Gültigkeit haben.

Schlussfolgerungen

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass jede der untersuchten Screening-Strategien ein hohes Risiko mit sich brachte, dass tatsächlich infizierte Personen fälschlicherweise als virusfrei identifiziert werden (falsch-negatives Ergebnis).

Hauptautorin Meera Viswanathan vom unabhängigen Forschungsinstitut RTI International (North Carolina, USA) kommentiert: „Wir sind uns nicht sicher, ob kombinierte Screenings, wiederholte Symptombeurteilung oder schnelle Labortests sinnvoll sind. Da infizierte Menschen beim Screening leicht übersehen werden können, sind gesundheitspolitische Maßnahmen wie eine Nase-Mund-Bedeckung, physical distancing und Quarantäne für diejenigen, die möglicherweise Kontakt mit einer infizierten Person hatten, weiterhin sehr wichtig.“

Zukünftige Screening-Studien auf Bevölkerungsebene dürften unser Verständnis der Wirksamkeit und Genauigkeit des Screenings auf COVID-19 wesentlich verbessern.

Text adaptiert aus dem Englischen: Andrea Puhl

(1) Gudbjartsson DF, Helgason A, Jonsson H, Magnusson OT, Melsted P, Norddahl Gl, et al. Spread of SARS-CoV-2 in the Icelandic population. New England Journal of Medicine 2020;382(24):2302-15. [DOI: 10.1056/NEJMoa2006100] [PMID: 32289214].

Mehr Informationen zu den Ergebnissen finden Sie in der laienverständlichen Zusammenfassung.

Anmerkung: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für alle Geschlechter.

Gesundheitskompetenz: gar nicht mal so leicht! Eine Einführung.

Thu, 11/19/2020 - 09:13

Sie sind erkrankt und möchten sich über Behandlungsmöglichkeiten informieren? Sie wollen im Gespräch mit Ihrem Arzt die richtigen Fragen stellen? Sie fragen sich, wie Sie an Informationen kommen können? Und wie Sie beurteilen sollen, ob die Informationen tatsächlich verlässlich sind? Wenn Sie dabei ins Grübeln kommen, sind Sie nicht alleine: Mehr als der Hälfte der Menschen in Deutschland geht es gemäß der ersten repräsentativen Studie zum Thema Gesundheitskompetenz ganz ähnlich. Was unter der ‚individuellen Gesundheitskompetenz‘ zu verstehen ist und warum sie heute mehr denn je eine Rolle spielt, möchten wir Ihnen in diesem ersten Artikel einer kurzen Serie zum Thema vorstellen.

Eine gute Freundin von mir hat die Angewohnheit, jedes einzelne Krankheitssymptom, das sie an sich oder ihren Kindern beobachtet, zu ergoogeln. Zwar weiß ich nicht, nach welcher Suchstrategie sie dabei vorgeht oder welche der unzähligen Suchergebnisse sie am Ende nutzt, habe aber häufig den Eindruck, dass sie nach ihrer Suche im Netz besorgter ist als zuvor. Das zugrundeliegende Problem bringt Sven Oswald, Journalist beim Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb), so auf den Punkt: „Grundsätzlich findet sich ja leider bei jeder Erkrankung und jedem noch so harmlosen Symptom im Netz ein Fall, der tödlich ausging. Das verunsichert und schürt Ängste“. Wenn meine Freundin nach dem Googeln noch mehr verunsichert ist als zuvor, dann kann das auch damit zu tun haben, dass sie Schwierigkeiten hat, gute und schlechte Informationen und Informationsquellen zu unterscheiden – sie verfügt möglicherweise nicht über ausreichend Gesundheitskompetenz.

Gesundheitskompetenz –was ist das?

Immer, wenn Menschen eine gesundheitsbezogene Entscheidung treffen, greifen sie auf ihre mehr oder minder ausgeprägte Gesundheitskompetenz zurück. Damit ist all das Wissen gemeint, über das sie hinsichtlich des Themas „Gesundheit“ und all seiner Aspekte verfügen. Das Spektrum möglicher Themen ist dabei sehr breit. Es kann Fragen zu einer medizinischen Behandlung und den Gang zum Arzt, zu einem Medikament oder generell zu Themen wie Ernährung, Bewegung und seelischem Gleichgewicht betreffen.

Gesundheitskompetenz erstreckt sich ganz allgemein auf die Bereiche Krankheitsbewältigung, Krankheitsprävention und Gesundheitsförderung. Schlechte Gesundheitskompetenz hat folglich Auswirkungen in diesen drei Bereichen, die sich beispielsweise in höherem Erkrankungsrisiko, ungesunder Lebensführung, Defiziten im Umgang mit akuten und chronischen Erkrankungen und Orientierungsschwierigkeiten im Gesundheitssystem zeigen. Studien belegen bspw., dass Menschen mit hoher Gesundheitskompetenz häufiger Sport treiben und seltener in Krankenhäusern behandelt werden. Demgegenüber haben Menschen mit einem niedrigen Grad an Gesundheitskompetenz etwa Schwierigkeiten, sich über zustehende Versicherungsleistungen zu informieren, medizinischen Anweisungen zu folgen oder an gemeinsamer Entscheidungsfindung mitzuwirken. Laut einer Schätzung der WHO sind drei bis fünf Prozent der Gesundheitsausgaben auf mangelnde Gesundheitskompetenz zurückzuführen. In Deutschland wären das jährlich 9 bis 15 Milliarden Euro.

Im Jahr 2014 wurde die erste Studie in Deutschland durchgeführt (publiziert 2016). Sie war repräsentativ, das heißt, dass die Datenerhebung methodisch so konzipiert wurde, dass aus Stichproben Aussagen über die Gesamtheit der Bevölkerung möglich sind. Die Studie hat gezeigt, dass über 54% der Menschen in Deutschland nicht über eine ausreichende Gesundheitskompetenz verfügen. Ihnen fehlen also wichtige Fähigkeiten und Kenntnisse, um gute, wissenschaftlich belegte Informationen finden, verstehen, einordnen, bewerten und nutzen zu können.

Die Gründe hierfür sind vielseitig und betreffen den Einzelnen ebenso wie die Anbieter von Gesundheitsinformationen. Sind die bereitgestellten Informationen leicht zu finden, so dass der Einzelne seine individuelle Gesundheitskompetenz leicht anwenden kann? Sind die bereitgestellten Informationen verlässlich? Sind sie gut strukturiert? All dies fällt in den Verantwortungsbereich von Informationsdienstleistern und Versorgungseinrichtungen und damit der sogenannten organisationalen Gesundheitskompetenz, über die wir im nächsten Beitrag dieser Serie berichten wollen.

Gute Informationen lassen sich (manchmal) schwer finden

Im Juli 2019 schrieb Bundesgesundheitsminister Spahn anlässlich der Verleihung des Berliner Gesundheitspreises 2019, „Wir werden das Feld nicht Dr. Google und Co. überlassen!“ Man kann fragen, ob es dafür nicht schon ein wenig spät ist. Unzweifelhaft ist: Die Informationsflut im Internet ist enorm. Den Nonsens, die persönlichen, nicht validierten Meinungen und die gezielte Desinformation von den vertrauenswürdigen und verlässlichen Informationen zu unterscheiden, wird immer schwieriger. Die Menge an verfügbaren Gesundheitsinformationen ist so groß wie nie zuvor. Gerade in unserer Zeit, in der einerseits eine Vertrauenskrise in die Wissenschaft herrscht und andererseits selbst Verantwortliche in höchsten Ämtern ohne Konsequenzen bewusst falsche Informationen und „alternative Fakten“ weitergeben, ist es von größter Bedeutung, allen Menschen sowohl das Handwerk der kritischen Informationssuche zu vermitteln als auch vertrauenswürdige Informationen bereitzustellen.

Es ist eine Sache, eine Frage in eine Suchmaschine einzugeben und sich dann die Antworten anzusehen. Es ist aber eine ganz andere Sache, die gefundenen Informationen lesen, verstehen, beurteilen und anwenden zu können.

Ein Beispiel: Als Jugendlicher wollte ich aus Legosteinen ein Batmobil bauen. Ein cooles, ganz in Schwarz. Ich habe also in der Lego-Kiste gezielt nach allen schwarzen Steinen gesucht. In einer großen Kiste voller bunter Legosteine sind die schwarzen in diesem Fall also die „guten“- die, die mir weiterhelfen. Unsere Legosteine waren seinerzeit auf drei Kisten verteilt. Daher habe ich alle zu einem großen Haufen ausgekippt.
Erkenntnis Nr. 1: je mehr Steine auf einem Haufen lagen, desto schwerer wurde es, die schwarzen zu finden.
Erkenntnis Nr. 2: Mehr Steine bedeuteten nicht automatisch auch mehr schwarze Steine. Das wäre nur bei ausgewogener Durchmischung der Fall gewesen. Was habe ich daraus gelernt? Mehr Auswahl bedeutet nicht automatisch bessere Ergebnisse, sondern erschwert unter Umständen sogar das Suchen und Finden.
Mein Vorteil seinerzeit war, dass ich wusste, wie die „guten“ Steine aussehen – ich verfügte also über die Kompetenz, schwarze Steine zu identifizieren.

Wie finde ich vertrauenswürdige Informationen?

Doch wie finde ich vertrauenswürdige Informationen? Und wie kann ich sie kritisch beurteilen? Ein bewusster, kritischer und urteilsfähiger Umgang mit Informationen im Zeitalter der Informationen (und Desinformationen) könnte bereits im Kinder- und Jugendalter vermittelt werden. Man sollte frühzeitig lernen, dass sich im Internet mehr Spreu als Weizen findet und dass dort jeder seine Sicht der Dinge, von dämlich bis brillant, von Täuschung bis Evidenz, verbreiten kann. Und Evidenz ist das Stichwort: jede Einschätzung der Vertrauenswürdigkeit einer Information muss die Frage nach deren wissenschaftlichem Fundament miteinschließen: Stimmt das? Gibt es Beweise? Gibt es gar Bedenken oder Unsicherheiten?

Gleichzeitig braucht es ein Angebot an vertrauenswürdigen, wissenschaftlich fundierten Informationen. Grundsätzlich ist das nicht nur ein frommer Wunsch, denn solche Angebote existieren bereits. Die Informationsseiten des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), des Ärztlichen Zentrums für Qualität in der Medizin (ÄZQ) und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) bieten bspw. nicht nur vertrauenswürdige Informationen, sondern auch transparente Darstellungen der wissenschaftlichen Methodik und Grundlagen, sowie der Qualitätskriterien ihrer Informationen.

Einer Studie der Bertelsmann-Stiftung aus dem Jahr 2017 zufolge verwenden viele Internetnutzer weitere Seiten, wie etwa Wikipedia, die Apotheken-Umschau oder Netdoktor, bei denen die Darstellung der Evidenz nicht durchgehend gegeben und eine Einschätzung der Vertrauenswürdigkeit teilweise schwieriger ist. Bei Ratgeber-Communities wie gutefrage.de oder wer-weiss-was.de wird diese Einschätzung fast unmöglich.

Das 2020 online gegangene Nationale Gesundheitsportal (siehe unten) hat daher zum Ziel, die zentrale Anlaufstelle für alle Gesundheits-relevanten Fragen zu sein: hier werden Anbieter von Gesundheitsinformationen, die die Qualitätskriterien erfüllen, gebündelt. Offen bleiben dessen Erfolgsaussichten hinsichtlich Wirksamkeit und Reichweite. Der Anspruch ist, dass der Bürger dieses Portal als erste Internetadresse bei allen Fragen rund um das Thema Gesundheit annimmt.

Der Erfolg eines solchen Portals hängt sicher auch vom wechselseitigen Verhältnis zwischen individueller Gesundheitskompetenz und dem System der angebotenen Informationen ab. Anders gesagt: Individuelle Gesundheitskompetenz trifft auf die vorhandene Informationsinfrastruktur. Beide Seiten müssen sich auf die Bedürfnisse, Fähigkeiten und Anforderungen der jeweils anderen Seite einstellen und immer wieder an sie anpassen. Dies wird auch in Zeiten der Covid-19-Pandemie immer wieder deutlich: nicht allen Bürgern gelingt es, die vertrauenswürdigen Quellen von allen anderen zu unterscheiden. Und nicht allen Anbietern von Informationen gelingt es, Informationen in einer Form anzubieten, die eine entsprechende Einschätzung ermöglicht. Es gibt auf beiden Seiten durchaus noch Luft nach oben.

Den beiden Perspektiven der individuellen und organisationalen Gesundheitskompetenz widmet sich auch das 2. Symposium der Cochrane Deutschland Stiftung am 12. Februar 2021 in Freiburg, dessen Durchführung aufgrund der Corona-Pandemie als reine Online-Veranstaltung geplant ist (weitere Informationen zur Veranstaltung und Teilnahme).

beenhereNationales Gesundheitsportal

Das Nationale Gesundheitsportal wurde 2020 unter dem Dach des Bundesgesundheitsministeriums geschaffen. Seine Aufgabe ist es, qualitätsgesicherte, neutrale und verständliche Gesundheitsinformationen zur Verfügung zu stellen. Dafür arbeitet es mit Partnern wie dem IQWiG, dem Krebsinformationsdienst des DKFZ und dem Robert Koch-Institut zusammen. Die Qualitätssicherung beruht auf der Einhaltung transparent dargestellter Qualitätskriterien. Wichtigste Grundlage sind die Prinzipien der Evidenzbasierten Medizin (EbM). Als Leitlinie dienen dient die „Gute Praxis Gesundheitsinformation“, herausgegeben durch das Netzwerk Evidenz-basierte Medizin. Weitere Informationen zur Qualitätssicherung finden Sie hier.

Text: Michael Graf-Höfflin

Michael Graf-Höfflin ist Mitarbeiter bei Cochrane Deutschland und drückt in diesem Artikel zum Thema Gesundheitskompetenz auch seine persönliche Haltung aus.

Weiterführende Links:

Anmerkung: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für alle Geschlechter.

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Nach der OP: Wenn Medikamente das kleinere Übel sind

Thu, 11/12/2020 - 08:59

Übelkeit und Erbrechen sind häufige Nebenwirkungen nach Operationen unter Vollnarkose. Für Patienten sind diese Symptome oft sehr belastend, zudem können sie zu längeren Krankenhausaufenthalten führen. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von Medikamenten aus verschiedenen Arzneimittelgruppen zur Vorbeugung dieser „üblen“ Nebenwirkungen. Das Problem: Bislang gab es keinen systematischen Vergleich von Wirksamkeit und potentiellen Nebenwirkungen dieser Medikamente. Die Autoren eines neuen Cochrane Reviews wollten diesem Defizit nun Abhilfe verschaffen.

Mit Rückblick auf meine Blindarm-OP vor ein paar Jahren kann ich sagen: Es war nicht die Angst vor dem Eingriff, die mich jetzt noch schaudern lässt, sondern vor allem die Übelkeit und Benommenheit nach der Operation, die mir immer noch sehr unangenehm in Erinnerung sind. Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, welche Medikamente ich damals nach meiner Operation erhielt. Ich fragte auch nie nach. Zu dem Zeitpunkt wollte ich nur, dass es mir besser geht.

Post-operative Übelkeit: fast der Normalfall

Offenbar stelle ich hier keine Ausnahme dar. Übelkeit und Erbrechen nach OPs unter Vollnarkose sind weit verbreitet, sie treten häufig sofort nach dem Erwachen aus der Vollnarkose auf. In der Regel lassen Sie nach wenigen Stunden wieder nach, sie können jedoch auch länger anhalten und können dann für die Patienten sogar zu einem verlängerten Krankenhausaufenthalt führen. Frauen sind häufiger betroffen als Männer, ebenso wie Menschen, die opioidhaltige Schmerzmittel erhalten sowie solche, leicht reisekrank werden oder schon zuvor nach einer Operation unter Übelkeit litten.

Medikamente gegen Übelkeit, sogenannte Antiemetika, sollen diese postoperative Übelkeit lindern oder ganz verhindern. Gerade bei Personen mit erhöhtem Risiko für Übelkeit sollten diese Medikamente oder gar mehrere in Kombination bereits vor oder während der Narkose verabreicht werden.

Cochrane Review vergleicht Wirksamkeit von Medikamenten gegen Übelkeit nach einer Vollnarkose

Die Autoren eines neuen Cochrane Reviews untersuchten deshalb welche der verfügbaren Medikamente die wirksamsten zur Vorbeugung von postoperativer Übelkeit bei Erwachsenen sind. Auch wollten sie wissen, welche Nebenwirkungen unter Einnahme dieser Medikamente auftreten können.

Um diese Fragen zu beantworten, wählten sie das statistische Verfahren einer Netzwerk-Metaanalyse (NMA). Eine Metaanalyse fasst mit Hilfe statistischer Verfahren die Daten mehrerer Studien zu verschiedenen Medikamenten in einer gemeinsamen Auswertung zusammen und kommt dadurch im Idealfall zu wesentlich belastbareren Ergebnissen. Während herkömmlichen Metaanalysen nur den paarweisen Vergleich von zwei Behandlungsoptionen erlauben, ermöglicht das statistische Verfahren der NMA darüber hinaus den Vergleich mehrerer Wirkstoffe – auch solcher, die in den zugrunde liegenden Studien nie direkt miteinander verglichen wurden. (mehr zur Methode der NMA). Das Ziel der Review-Autoren war es mit Hilfe einer NMA eine Rangordnung der gängigen Wirkstoffe beziehungsweise verschiedener Wirkstoffkombinationen in Bezug auf Wirksamkeit und Nebenwirkungen zu erstellen.

Dafür sammelten sie sämtliche verfügbaren randomisierten kontrollierten Studien, die bis einschließlich November 2017 erschienen waren.

Die Autoren fanden 585 randomisierte kontrollierte Studien mit 97.516 erwachsenen Teilnehmern (davon über 80 % Frauen), die sich einer Operation unter Vollnarkose unterzogen hatten. 44 einzelne Medikamente aus sechs verschiedenen Wirkstoffklassen und 51 Wirkstoffkombinationen wurden entweder 1) untereinander, 2) mit einer Kontrollgruppe, die keine Maßnahme erhielt, oder 3) mit einer Kontrollgruppe, die ein Placebo (Scheinmedikament) erhielt, verglichen.

Medizin, die post-operativer Übelkeit vorbeugen soll

Die im Review untersuchten Medikamente stammten aus den folgenden sechs Arzneimittelgruppen: Serotonin-Antagonisten (einschließlich Ondansetron, Granistetron und Ramosetron), Dopamin- Antagonisten (einschließlich Droperidol), Neurokinin-Antagonisten (einschließlich Aprepitant und Fosaprepitant), Kortikosteroide (Dexamethason), Antihistaminika und Anticholinergika.

Was waren die Hauptergebnisse des Reviews?

Im Vergleich zur Placebo-Behandlung reduzierten 10 von 28 Einzelpräparaten und 29 von 36 Medikamentenkombinationen, die das Risiko eines Erbrechens innerhalb der ersten 24 Stunden nach der Operation (282 Studien). Kombinationen von Antiemetika wirkten im Allgemeinen besser als allein verabreichte Einzelpräparate. Betrachtet man allein die sich aus den Studien rechnerisch ergebende Wirksamkeit (im Sinne der durchschnittlichen Risk Ratio), so schnitt Fosaprepitant als wirksamstes Einzelpräparat ab. „Allerdings ist die Datenlage hier nicht sehr gut, zudem wissen wir besonders wenig über etwaige Nebenwirkungen“, sagt Erstautorin Stephanie Weibel von der Klinik für Anästhesiologie am Universitätsklinikum Würzburg. Beziehe man diese Faktoren mit ein, liege der Wirkstoff Aprepitant vorn, mit dem sich die Häufigkeit von postoperativem Erbrechen im Vergleich zu Placebo auf rund ein Viertel reduzieren ließ (RR=0,26). Evidenz von als hoch eingestufter Vertrauenswürdigkeit liegt auch für die in der Wirksamkeitsrangliste folgenden Substanzen Ramosetron, Granisetron, Dexamethason und Ondansetron vor. Auch Fosaprepitant und Droperidol erwiesen sich als hoch wirksam, hier erreichte die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz jedoch nur die Stufe „moderat“. Von etwas geringerer Vertrauenswürdigkeit war dagegen die Evidenz für die Wirksamkeit von Casopitant, Tropisetron und Dolasetron.

Nicht alle eingeschlossenen Studien berichteten über ernsthafte Nebenwirkungen der Medikamente, auch aus diesem Grund hatte die Evidenz für das Auftreten von Nebenwirkungen nur geringe bis keine Aussagekraft. „Die klinische Erfahrung zeigt aber, dass solche Nebenwirkungen selten sind und sich meist auf vorübergehende Symptome wie Kopfschmerzen oder Verstopfung beschränken“, erläutert Peter Kranke, Professor für Anästhesiologie am Klinikum der Universität Würzburg und Korrespondenz-Autor des Reviews.

Schlussfolgerungen der Autoren

Zusammenfassend kann man also sagen: Es gibt keinen Grund, nach einer Operation Übelkeit und Erbrechen über sich ergehen zu lassen! Wirksame Medikamente stehen zur Verfügung – für sieben davon liefert dieser neue Cochrane-Review eine gute Evidenzbasis, die es den Autoren ermöglichte, eine Rangliste der Wirksamkeit zu erstellen . Die zuverlässigsten antiemetischen Medikamente waren demnach Aprepitant, Ramosetron, Granisetron, Dexamethason und Ondansetron mit hoher Zuverlässigkeit, gefolgt von Fosaprepitant und Droperidol mit moderater Zuverlässigkeit.

Die Autoren kommen aufgrund der guten Evidenzlage sogar zu dem Schluss, dass es für viele Interventionen keiner weiteren Wirksamkeitsstudien für antiemetische Medikamente bedürfe. Allerdings sehen sie einen Mangel an Daten über mögliche seltene Nebenwirkungen dieser Medikamente, so dass hier doch noch spezifischer Forschungsbedarf besteht.

Text: Andrea Puhl

Covid-19: Immunität spenden?

Thu, 11/05/2020 - 08:46

In den USA ist seit Ende August die Plasmatherapie bei Covid-19 per Notfallgenehmigung erlaubt. Eine systematische Übersichtsarbeit hat untersucht, ob die Plasmatherapie wirksam und sicher ist – und liefert damit eine wichtige Erfassung des aktuellen Wissensstandes.

Immer wieder werden Menschen, die nach einer Covid-19-Infektion genesen sind, zum Spenden von Blutplasma aufgerufen. Denn im Plasma befinden sich nach einer überstandenen Infektion meistens viele Antikörper gegen das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2. Die gespendeten Antikörper und möglicherweise auch andere Abwehrstoffe könnten den Empfängerinnen und Empfängern gegen Covid-19 helfen.

Im Idealfall sollen sich die gespendeten Antikörper an die Coronaviren binden und diese unschädlich machen. Soweit die Theorie. Zumindest bei anderen viralen Infekten, wie etwa SARS (Schweres Akutes Respiratorisches Syndrom) und Influenza, hat sich der Einsatz von so genanntem Rekonvaleszenten-Plasma bereits bewährt. Es wird mittels Transfusion übertragen.

Ende August 2020 hat die amerikanische Zulassungsbehörde FDA (Food and Drug Administration) in den USA die Covid-19 Behandlung mit Plasma per Notfallgenehmigung gestattet. Anders als bei einer hürdenreichen Zulassung wurde hier nicht abgewartet, bis umfassende Tests mit eindeutigen Ergebnissen zu Wirksamkeit und Sicherheit vorlagen.

Bestätigen sich die Hoffnungen?

Was ist derzeit über die Wirksamkeit und die Sicherheit der Plasmatherapie bei Covid-19 bekannt? Dieser Frage ist ein Autorenteam rund um Vanessa Piechotta (Cochrane Haematology an der Klinik I für Innere Medizin, Uniklinik Köln) nachgegangen. Die 13 Forscherinnen und Forscher wollten wissen, ob die experimentelle Therapie die Virusinfektion kürzer und weniger schwer ausfallen lässt. Und: Wie sicher ist die Therapie mit frischem oder eingefrorenem Rekonvaleszenten-Plasma bei COVID-19? In die Übersichtsarbeit sind nach umfassender Suche die besten verfügbaren wissenschaftlichen Studien eingeflossen: Die 19 Studien umfassen 38.160 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus China, Italien, Mexiko und den USA, den Niederlanden, dem Irak und Iran. Alle wurden im Spital behandelt. Die meisten waren schwerkrank, und 36.081 von ihnen haben Rekonvaleszenten-Plasma erhalten.

Keine solide Einschätzung möglich

Die zusammenfassende Auswertung konnte allerdings keine definitiven Antworten hervorbringen. Möglicherweise bessern sich die Beschwerden der Patientinnen und Patienten ein wenig. Und vielleicht reduziert sich das Risiko, an Covid-19 zu sterben.

Das Autorenteam aus Köln kann allerdings nur wenig Vertrauen in diese Ergebnisse legen und betont deren Unsicherheit. Die zugrundeliegenden Studien waren nur schwer miteinander vergleichbar, etwa weil die Patientinnen und Patienten unterschiedliche Zusatzbehandlungen erhielten, diverse Vorerkrankungen hatten oder es eine große Spanne von Beobachtungszeiten gab.

Außerdem fehlte in den meisten Studien eine nicht mit Plasma behandelte Kontrollgruppe, sodass sich der Einfluss der neuartigen Therapie nicht eindeutig erkennen lässt. Nur zwei der 19 eingeschlossenen Studien waren randomisierte kontrollierte Studien. Das wäre grundsätzlich die optimale – weil wenig verzerrungsanfällige – Studienform, um die Wirksamkeit der Plasmatherapie zu belegen. Allerdings lassen auch beide RCTs viele Fragen offen. Etwa weil sie nur wenige Teilnehmerinnen und Teilnehmer umfassten und Sicherheitsdaten in der Kontrollgruppe fehlten.

Risiken unklar

Neben der Wirksamkeit hat die Übersichtsarbeit auch die Sicherheit der Plasma-Therapie hinterfragt. Wiederum konnte das Autorenteam keine sicheren Schlüsse ziehen. Denn unerwünschte Reaktionen wurden kaum bzw. nicht einheitlich erfasst. Außerdem blieb mangels Kontrollgruppen unklar, ob die berichteten schweren Nebenwirkungen wie allergische Reaktionen, Atemwegskomplikationen oder Tod tatsächlich in ursächlichem Zusammenhang mit der Plasmatherapie standen. Unsicher ist auch, ob es bei der Plasmatherapie häufiger zu Nebenwirkungen kommt und ob diese schwerwiegender sind als bei anderen Therapien.

Keine Studien zu Hyperimmunserum

Die Forscherinnen und Forscher haben auch nach Studien zur Covid-19-Therapie mit Hyperimmunserum gesucht. Das ist, stark vereinfacht, eine hoch konzentrierte und besonders aufwändige Form der Plasmatherapie. Doch zu dieser Behandlungsform gab es keine Studien: weder für die früheren Versionen, erschienen im Mai und Juli 2020, noch für das aktuelle Update. Dementsprechend sind keine Aussagen zu Wirksamkeit und Sicherheit zur Hyperimmunserum-Therapie möglich.

Lebendige Evidenz

Bei der Übersichtsarbeit handelt es sich übrigens um einen „Living Systematic Review”. Das heißt, dass das Autorenteam die Entwicklung der Studienlage laufend beobachtet und bei Bedarf rasch mit einem Update reagiert. Derzeit werden ca. 140 Studien zur Plasmatherapie bei Covid-19 durchgeführt, etwa die Hälfte sind randomisiert-kontrollierte Studien (Stand: September 2020). Vielleicht können diese nach ihrer Veröffentlichung nicht nur den prinzipiellen Nutzen und möglichen Schaden der Plasmatherapie bei Covid-19 endlich besser beleuchten. Interessant wäre auch zu wissen, welche Patientinnen und Patienten eher profitieren und wann der optimale Zeitpunkt des Therapiebeginns ist. Eine weitere Frage ist, ob die Plasmatherapie vorbeugend wirkt, zum Beispiel für Personen, die ein hohes Risiko für eine Ansteckung oder einen schweren Verlauf haben. Genau dieser Frage geht das Kölner Autorenteam zur Zeit in einer separaten Arbeit nach.

„Voreiligen Interpretationen entgegenwirken“

Vanessa Piechotta ist wissenschaftliche Mitarbeiterin und Managing Editor bei Cochrane Haematology (haematology.cochrane.org) an der Uniklinik Köln. Die Gesundheits- und Ernährungswissenschaftlerin absolviert zur Zeit ihren PhD und ist federführend beim Living Systematic Review zur Plasmatherapie bei Covid-19.

Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde, kurz FDA, hat eine Notfallgenehmigung erteilt. Das heißt, die Plasmatherapie darf seit August in den USA breiter eingesetzt werden ohne die üblichen Wirksamkeits- und Sicherheitsprüfungen. Steht das Einklang mit den Ergebnissen des Living Systematic Review?

Die von uns identifizierte und bewertete Evidenz lässt noch keine eindeutigen Schlüsse auf die Wirksamkeit oder Sicherheit der Plasmatherapie zu. Die Notfallgenehmigung beruht auf einer so genannten Expanded-Access-Studie aus den USA mit über 35.000 Patientinnen und Patienten. Das ist eine Studienform, bei der Schwerstkranke eine Therapie ohne Zulassung erhalten, nachdem etablierte Behandlungen versagt haben – in der Hoffnung, ihr Leben zu retten. Diese Expanded-Access-Studie hatte das Ziel, die Sicherheit der Plasmatherapie zu bewerten – im Fokus standen schwere unerwünschte Ereignisse innerhalb von vier Stunden nach der Transfusion. Zu berücksichtigen ist hier allerdings, dass diese Studie nicht kontrolliert ist. Es gab also keine Vergleichsgruppe von Patientinnen und Patienten, die keine Plasmatherapie erhalten haben. Damit kann die Sicherheit der Therapie nicht oder nicht vollständig bewertet werden. Ebenfalls wurde die Studie nicht dafür ausgerichtet, um die Wirksamkeit der Plasmatherapie zu beurteilen. Die Aussage, dass die Sterblichkeit durch die Therapie mit Rekonvaleszenten-Plasma reduziert werden kann, sollte daher mit absoluter Vorsicht interpretiert werden. Wir können dies zurzeit weder bestätigen noch ausschließen.

Sie haben bereits bei mehreren systematischen Übersichtsarbeiten mitgewirkt. War diese Übersichtsarbeit Routine?

Ja und nein – wir haben uns natürlich wie immer durchgehend an die Cochrane-Standards gehalten. Das Besondere an Living Reviews ist, dass sie mit ihren raschen Aktualisierungen auf rasante Entwicklungen und Fortschritte reagieren – wie es momentan in der COVID-19-Forschung notwendig ist.

Was hat sich im Vergleich zu den ersten beiden Version verändert?

Wir hatten zu Beginn sehr breite Einschlusskriterien. In der ersten Version konnten wir beispielsweise nur Fallserien und Fallberichte einschließen. Eigentlich wollten wir die Einschlusskriterien strikter fassen, sobald RCTs verfügbar sind. Dennoch haben wir uns auch in der aktuellen Version bewusst dafür entschieden, neben den inzwischen vorhandenen RCTs andere Studiendesigns weiterhin einzuschließen. Denn die beiden RCTs allein liefern keine aussagekräftige Evidenz zur Wirksamkeit und Sicherheit.

War beim Arbeitsprozess etwas überraschend oder außergewöhnlich?

Beispielsweise sind wir uns bei einer Studie auch nach zahlreichen Diskussionen immer noch nicht sicher, um welchen Studientyp es sich handelt. Die Ursache für Unklarheiten ist zum Beispiel eine mangelhaft berichtete Methodik oder fehlende Begutachtungsprozesse der Primärstudien bei den Vorab-Veröffentlichungen. Wir diskutieren auch fortlaufend, ob die Studien einheitlich genug sind, um sie zu statistisch zusammenzufassen, sodass die Ergebnisse noch aussagekräftig sind. Zum Beispiel sind wir unsicher, ob man Studienergebnisse zu stark unterschiedlicher Krankheitsdauer für eine Metaanalyse „in einen Topf werfen“ sollte. Wir sind da wohl deutlich kritischer als andere Studienteams, die rechnerisch zusammenfasst haben, was man aus unserer Sicht besser getrennt betrachten sollte. Das kann zu Fehlinterpretationen führen.

Warum kam es so rasch zu einem Update?

Unser Ziel ist, dass der Review immer den aktuellsten Kenntnisstand widerspiegelt. Schon als wir das letzte Update im Juli veröffentlicht haben, gab es noch über 100 laufende Studien. Einige davon sind bereits abgeschlossen oder wurden frühzeitig abgebrochen, und laufend gibt es Veröffentlichungen neuer Daten. Dadurch wurde das Update jetzt schon notwendig. Das nächste folgt vielleicht gegen Ende 2020.

Welchen Beitrag kann das Cochrane-Netzwerk zur Bewältigung der Pandemie leisten

Als unabhängiges Netzwerk von Forscherinnen und Forschern mit sehr hohen Qualitätsstandards stellt Cochrane verlässliche Evidenz für Politik, Bevölkerung, Forschung, Gesundheitspersonal und natürlich Patientinnen und Patienten zur Verfügung. Unser Ziel: die weltweite Evidenz systematisch zusammenzufassen und vor allem kritisch zu bewerten, um eine vertrauenswürdige Quelle bereitzustellen und voreiligen Interpretationen entgegenzuwirken.

Text: Julia Harlfinger, Mitarbeiterin von Cochrane Österreich

Im Interview: Vanessa Piechotta, Autorin der „lebendigen“ Übersichtsarbeit

Quellen

Chai KL, Valk SJ, Piechotta V, Kimber C, Monsef I, Doree C, Wood EM, Lamikanra AA, Roberts DJ, McQuilten Z, So-Osman C, Estcourt LJ, Skoetz N. Convalescent plasma or hyperimmune immunoglobulin for people with COVID‐19: a living systematic review. Cochrane Database of Systematic Reviews 2020, Issue 10. Art. No.: CD013600. DOI: 10.1002/14651858.CD013600.pub3. https://www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD013600.pub3/full

UpToDate (2020):
Coronavirus disease 2019 (COVID-19): Convalescent plasma and hyperimmune globulin
https://www.uptodate.com/contents/coronavirus-disease-2019-covid-19-convalescent-plasma-and-hyperimmune-globulin
abgerufen am 22-08-2020

UpToDate (2020):
Coronavirus disease 2019 (COVID-19): Management in hospitalized adults
https://www.uptodate.com/contents/coronavirus-disease-2019-covid-19-management-in-hospitalized-adults
abgerufen am 22-08-2020

Federal Drug Administration FDA (2020):
Recommendations for Investigational COVID-19 Convalescent Plasma
https://www.fda.gov/vaccines-blood-biologics/investigational-new-drug-ind-or-device-exemption-ide-process-cber/recommendations-investigational-covid-19-convalescent-plasma
abgerufen am 24-08-2020

Joyner MJ, Senefeld JW, Klassen SA, Mills JR, Johnson PW, Theel ES, Wiggins CC, Bruno KA, Klompas AM, Lesser ER, Kunze KL, Sexton MA, Diaz Soto JC, Baker SE, Shepherd JRA, van Helmond N, van Buskirk CM, Winters JL, Stubbs JR, Rea RF, Hodge DO, Herasevich V, Whelan ER, Clayburn AJ, Larson KF, Ripoll JG, Andersen KJ, Buras MR, Vogt MNP, Dennis JJ, Regimbal RJ, Bauer PR, Blair JE, Paneth NS, Fairweather D, Wright RS, Carter RE, Casadevall A. Effect of Convalescent Plasma on Mortality among Hospitalized Patients with COVID-19: Initial Three-Month Experience. medRxiv [Preprint]. 2020 Aug 12:2020.08.12.20169359. doi: 10.1101/2020.08.12.20169359. PMID: 32817978; PMCID: PMC7430623. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32817978/

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