Literaturrecherche in US-Datenbanken: Ein Thema für die Politik

Symbolbild Datenstrom mit Fragezeichen

Inzwischen beschäftigt sich auch die Bundespolitik mit der Problematik, dass die Biomedizin-Forschung weltweit sehr abhängig von US-amerikanischen Quellen ist – und dass das die Erstellung hochwertiger Evidenzsynthesen gefährden könnte: Im Dezember 2025 hatte die Fraktion von „Bündnis90/Die Grünen“ im Bundestag eine Kleine Anfrage gestellt und darin auf die Gefahr aufmerksam gemacht, „dass bislang frei verfügbare Informationsressourcen künftig nicht mehr kostenlos zugänglich, nur erratisch erreichbar oder gänzlich eingestellt werden könnten.“ Auf dieses Risiko weisen verschiedene wissenschaftliche Organisationen, darunter Cochrane Deutschland, schon seit mehreren Monaten hin.

Nun hat die Bundesregierung auf die Kleine Anfrage geantwortet: Sie „beobachtet mit Sorge, dass (…) auch der Bereich der Lebenswissenschaften von den aktuellen Entwicklungen in der US-amerikanischen Forschungslandschaft betroffen ist“, heißt es in dem Antwortschreiben. Auch wenn es bei bislang frei zugänglichen Informationsangeboten und Recherchequellen insbesondere der National Library of Medicine noch keine signifikanten Ausfälle oder Einschränkungen gegeben habe, könne deren uneingeschränkte Verfügbarkeit nicht mehr als selbstverständlich erachtet werden. Es bestehe politischer Konsens darüber, dass diesen Entwicklungen langfristig strategisch zu begegnen sei, indem eine in der Wissenschaft abgestimmte zumindest europäische Datensouveränität geschaffen werde. „Diesbezüglich sind sich Bundesregierung, Europäische Kommission und das Europäische Parlament einig“, schreibt die Bundesregierung. „Der Prozess hin zu diesem langfristigen Ziel wird in enger Abstimmung mit den deutschen Wissenschaftsorganisationen und den europäischen und internationalen Partnern verfolgt.“ Es sei eine Taskforce eingesetzt worden, um den Gesamtprozess auf europäischer und internationaler Ebene abzustimmen.

Etliche Fachleute und Organisationen, unter anderem auch Cochrane Deutschland, machen seit geraumer Zeit immer wieder auf die Abhängigkeit der internationalen Biomedizin-Forschung von US-amerikanischen Datenbeständen aufmerksam. Die bislang unbeschränkt zugänglichen US-Datenbanken sind derzeit die wichtigste Quelle für umfassende Literaturrecherchen. „Die Diskussion um die Verfügbarkeit von PubMed und Co. mag auf den ersten Blick akademisch abgehoben scheinen“, so Jörg Meerpohl, wissenschaftlicher Direktor von Cochrane Deutschland. „Aber letzten Endes geht es dabei um etwas ganz Grundlegendes: um unser aller Gesundheit. Denn ohne vollständigen Überblick über die weltweite Studienlage kann es keine hochwertigen Evidenzsynthesen geben. Und ohne hochwertige Evidenzsynthesen wissen wir nicht, ob Behandlungen wirksam sind und welche Risiken sie mit sich bringen. Mediziner*innen können Menschen dann nicht bestmöglich therapieren. Deswegen brauchen wir Forschenden Lösungen, die uns bei der Informationsbeschaffung weniger abhängig von US-amerikanischen Datenbanken machen. Wir sind daher froh, dass die Thematik nun auf die politische Agenda rückt.“

Sowohl die Kleine Anfrage als auch die Antwort der Bundesregierung nehmen Bezug auf eine Handreichung zum Thema, die im August 2025 vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, dem Gemeinsamen Bundesausschuss und Cochrane Deutschland veröffentlicht wurde. Sie gibt Forschenden Hinweise, auf welche Quellen sie ersatzweise zugreifen können, falls PubMed, ClinicalTrials.org und andere US-Datenbanken nur noch eingeschränkt verfügbar wären. 
Sie ist jetzt in einer aktualisierten Form hier abrufbar.

Hier lassen sich die Kleine Anfrage der Fraktion von „Bündnis90/Die Grünen“ sowie die Antwort der Bundesregierung in voller Länge nachlesen. 

Cochrane Deutschland hat im September 2025 ein englischsprachiges "Lunch&Learn"-Webinar organisiert, in dem es um alternative Datenbanken ging, die Forschende als Alternative zu PubMed und Co. nutzen können. Die Aufzeichnung dieses Webinars ist hier abrufbar.