Wenn nicht nur die Seele leidet - eine Special Collection zu Komorbiditäten psychischer Störungen

Eine verringerte Lebenserwartung, sowohl aufgrund psychischer Störungen als auch infolge schwerer nichtübertragbarer Krankheiten, sind zentrale und viel diskutierte Probleme der öffentlichen Gesundheitsversorgung. Weniger gut steht es um die Aufmerksamkeit für die eigentlich gut etablierten Verbindungen zwischen diesen beiden Problembereichen: Psychische Störungen können sowohl Vorläufer, als auch Folge chronischer Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder Krebs sein. Risikofaktoren für diese Krankheiten, wie Bewegungsmangel und schädlicher Alkoholkonsum, sind auch Risikofaktoren für psychische Störungen und verbinden diese stark. In der klinischen Praxis werden solche Wechselwirkungen und Begleiterkrankungen jedoch sehr oft übersehen.

Der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge wäre es möglich, "die vorzeitige Sterblichkeit und Morbidität zu verringern, wenn die Komorbidität stärker in den Mittelpunkt gerückt würde". [1]

Die Cochrane Review Groups im Mental Health and Neuroscience Network haben solche Komorbiditäten als zentrales, fachgebietsübergreifendes Thema identifiziert. Für den Welttag der psychischen Gesundheit am 10. Oktober hat das Netzwerk eine Sonderkollektion (Special Collction) der Cochrane Library zu diesem Thema erstellt. Sie richtet sich an Menschen, die neurologische und psychische Gesundheitsdienste in Anspruch nehmen, sowie an Kliniker und Entscheidungsträger im Gesundheitswesen. Es ist die erste Sondersammlung von aktueller Cochrane-Evidenz für Interventionen bei Menschen, die unter einer Reihe von komorbiden Zuständen leiden, die das Gehirn oder die Psyche betreffen. Sie liefert der klinischen Praxis neueste Evidenz für das Management solcher Komorbiditäten, zeigt aber auch Lücken in der Evidenz auf, die durch neue klinische Fragestellungen und Studien im Bereich der psychischen Gesundheit und der Neurowissenschaften geschlossen werden könnten.

Diese Spezialsammlung enthält hauptsächlich Übersichtsarbeiten zu Komorbiditäten des  Cochrane Mental Health and Neuroscience Network, einschließlich Cochrane Common Mental Disorders, Cochrane Dementia and Cognitive Improvement, Cochrane Drugs and Alcohol, Cochrane Epilepsy, and Cochrane Schizophrenia. Ebenfalls enthalten sind Reviews von Cochrane Injuries im Acute and Emergency Care Network, sowie Cochrane Stroke im Circulation and Breathing Network.

 

Zur Cochrane Library Special Collection (auf Englisch, aber viele der dort genannten Reviews haben laienverständliche Kurzzusammenfassungen auf Deutsch)

Zum Beitrag „Wer hilft wie bei psychischen Gesundheitsproblemen?“ auf unserem Blog „Wissen Was Wirkt“, der sich im Oktober 2018 mit Hilfsangeboten auseinandersetzte.

Referenz: 1. World Health Organization. Addressing comorbidity between mental disorders and major noncommunicable diseases. 2017.


Anmerkung: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für alle Geschlechter.