Was kann jeder Einzelne tun, um sich vor Luftverschmutzung zu schützen?

Luftverschmutzung ist ein großes Problem, insbesondere für Menschen mit chronischen Lungen- oder Atemwegsleiden. Was man tun kann, um sich weniger Luftschadstoffen auszusetzen, ist die Frage eines kürzlich veröffentlichten Cochrane-Review. Wir haben uns mit der Hauptautorin Pippa Powell von der European Lung Foundation zusammengesetzt und sie zu den Ergebnissen des Reviews befragt.

Was haben Sie in Ihrem Cochrane Review in Erfahrung gebracht?

Das wichtigste Ergebnis ist, dass es insgesamt zu dieser Frage wenig Evidenz gibt. Wir haben nur sehr wenige Studien zu den Auswirkungen der Luftverschmutzung auf Menschen mit Erkrankungen der Lunge und Atemwege gefunden. Zudem sind die, die wir gefunden haben, sehr heterogen. Das heißt, sie verwendeten alle sehr unterschiedliche Methoden. Das hinderte uns daran, die Studien miteinander vergleichen und daraus solide Schlussfolgerungen ziehen zu können. Das war enttäuschend, aber auch nicht wirklich überraschend.

Was können Menschen, die sich vor Luftverschmutzung schützen wollen, aus diesem Review mitnehmen?

Menschen, die mit chronischen Erkrankungen wie Asthma oder COPD leben, haben beim Thema Luftverschmutzung echte Sorgen. Sie fragen oft, was sie tun können, um sich möglichst effektiv davor zu schützen. Bei der European Lung Foundation erhalten wir oft solche Anfragen, etwa um welche Uhrzeit man am besten zur Arbeit zu pendeln sollte, um möglichst wenigen Schadstoffen ausgesetzt zu sein. Oder wann man am besten Sport treibt oder spazieren geht. Dafür gibt es durchaus plausible Ratschläge. Dennoch wäre es besser, wenn wir ihnen evidenzbasierte Empfehlungen an die Hand geben könnten. Diese Informationen werden auch von Gesundheitsfachpersonen benötigt, um Menschen bestmöglich zu beraten. Der Review verrät wenig Neues, doch er bestätigt manche der Tipps, die wir schon länger geben: So kann beispielsweise das Tragen einer Maske oder die Wahl einer weniger befahrenen Strecke für das Pendeln mit dem Fahrrad die Auswirkungen der Luftverschmutzung verringern.

Was sollte angesichts des Mangels an Studien und evidenzbasierter Schlussfolgerungen als Nächstes geschehen?

Dieser Review sollte mehr Studien motivieren, die sich mit den Auswirkungen spezifischer Maßnahmen der Schadstoffreduzierung auf die Gesundheit von Menschen mit chronischen Erkrankungen befassen. Also etwa mit den Effekten verschiedener Pendelrouten, der Verwendung von Indikatoren der Luftqualität oder dem Tragen von Masken.

Größere Studien und Langzeituntersuchungen, die Teilnehmende mit bereits bestehenden chronischen Erkrankungen einbeziehen und die für die Patient*innen wichtige Ergebnisse (wie Verschlechterung der Symptome, Krankenhausaufenthalte, Lebensqualität und unerwünschte Ereignisse) einschließen, sind dringend erforderlich.

Pippa Powell

Text übersetzt von Cochrane Deutschland

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Anmerkung: Im Sinne einer genderneutralen Sprache nutzen wir neuerdings den Genderstern (wie in Leiter*in). Für ältere Texte gilt weiterhin: Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für alle Geschlechter.