Neue Cochrane Evidenz zu Omega-3 Nahrungsergänzung

Neue Cochrane Evidenz stellt die weit verbreitete Ansicht in Frage, dass Omega-3 Nahrungsergänzungsmittel das Risiko von Herzerkrankungen, Schlaganfällen oder Tod reduzieren könnten


Omega-3 ist eine Fettsäure. Kleine Mengen an Omega-3-Fettsäuren sind für unsere Gesundheit lebensnotwendig und in den Nahrungsmitteln, die wir zu uns nehmen, enthalten. Die Hauptarten von Omega-3-Fettsäuren sind alpha-Linolensäure(ALA), Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA). ALA ist natürlicherweise in pflanzlicher Nahrung enthalten. So zum Beispiel in Nüssen und Samen (Walnüsse und Rapssaat sind reichhaltige Quellen). EPA und DHA werden auch langkettige Omega-3-Fettsäuren genannt und sind in fetthaltigem Fisch, wie Lachs oder Fischölen einschließlich Lebertran enthalten.

Der erhöhte Verzehr von Omega-3-Fettsäure wird weltweit befürwortet, weil man allgemein davon überzeugt ist, dass dies vor Herzkrankheiten schützt. Es gibt mehr als einen möglichen Mechanismus dafür, wie die Fettsäure helfen kann, Herzkrankheiten vorzubeugen, einschließlich der Senkung des Blutdrucks oder Cholesterinspiegels. Omega-3-Fette sind als rezeptfreie Nahrungsergänzungsmittel einfach erhältlich und werden häufig gekauft und verwendet.

Ein neuer Cochrane Review, der gestern in der Cochrane Library veröffentlicht wurde, fasst die Ergebnisse von 79 randomisierten Studien mit 112.059 Teilnehmern* zusammen. Diese Studien bewerteten die Auswirkungen des Verzehrs von zusätzlichen Omega-3-Fettsäuren im Vergleich zum normalen oder niedrigeren Verzehr von Omega- 3-Fettsäuren auf Erkrankungen des Herzens und des Kreislaufs. 25 Studien wurden als sehr vertrauenswürdig eingestuft, da sie gut konzipiert und durchgeführt wurden.

Die Studien schlossen Männer und Frauen ein, einige gesund und andere mit bestehenden Krankheiten aus Nordamerika, Europa, Australien und Asien. Die Teilnehmer wurden zufällig entweder der Interventionsgruppe, in der Teilnehmer vermehrt Omega-3-Fettsäuren für mindestens ein Jahr aufnahmen  oder der Kontrollgruppe, die ihre gewöhnliche Einnahme beibehielt, zugeteilt. Die meisten Studien untersuchten die Wirkung der Verabreichung eines Nahrungsergänzugsmittels mit langkettigen Omega-3-Fettsäuren in Kapselform und verglichen diese mit einer Scheinpille (Placebo). Nur wenige dieser Studien bewerteten den direkten Verzehr von Fisch. In den meisten Studien mit pflanzlichem ALA wurden Omega-3-Fettsäuren zu Lebensmitteln wie Margarine hinzugefügt und diese angereicherten Nahrungsmittel gegeben oder aber Nahrungsmittel, die natürlich reich an ALA sind wie Walnüsse, an Personen in den Interventionsgruppen. Die Personen in den Kontrollgruppen erhielten übliche (nicht angereicherte) Nahrungsmittel.

Die Studien schlossen Männer und Frauen ein, einige gesund und andere mit bestehenden Krankheiten aus Nordamerika, Europa, Australien und Asien. Die Teilnehmer wurden zufällig entweder der Interventionsgruppe, in der Teilnehmer vermehrt Omega-3-Fettsäuren für mindestens ein Jahr aufnahmen  oder der Kontrollgruppe, die ihre gewöhnliche Einnahme beibehielt, zugeteilt. Die meisten Studien untersuchten die Wirkung der Verabreichung eines Nahrungsergänzugsmittels mit langkettigen Omega-3-Fettsäuren in Kapselform und verglichen diese mit einer Scheinpille (Placebo). Nur wenige dieser Studien bewerteten den direkten Verzehr von Fisch. In den meisten Studien mit pflanzlichem ALA wurden Omega-3-Fettsäuren zu Lebensmitteln wie Margarine hinzugefügt und diese angereicherten Nahrungsmittel gegeben oder aber Nahrungsmittel, die natürlich reich an ALA sind wie Walnüsse, an Personen in den Interventionsgruppen. Die Personen in den Kontrollgruppen erhielten übliche (nicht angereicherte) Nahrungsmittel.

Die Cochrane-Autoren fanden heraus, dass die erhöhte Aufnahme der langkettigen Omega-3-Fettsäuren für die meisten betrachteten Erhebungen nur einen geringen oder gar keinen Nutzen bringt. Sie fanden sehr vertrauenswürdige Evidenz dafür, dass langkettige Omega-3-Fettsäuren wenig oder keine bedeutsame Wirkung auf das Sterberisiko jeglicher Ursache hatten. Das Sterberisiko jeglicher Ursache betrug 8,8 % bei Personen, die ihre Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren erhöht hatten, gegenüber 9 % bei Personen in den Kontrollgruppen.

Sie fanden auch, dass die erhöhte Einnahme von langkettigen Omega-3-Fettsäuren (einschließlich EPA und DHA) vor allem durch Nahrungsergänzungsmittel wahrscheinlich kaum einen oder gar keinen Unterschied im Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse, koronare Herztode, koronare Herzerkrankungsereignisse, Schlaganfall oder Herzrhythmusstörungen ergibt. Langkettige Omega-3-Fettsäuren reduzierten wahrscheinlich einige Blutfette, Triglyceride und HDL-Cholesterin. Triglyceride zu reduzieren schützt wahrscheinlich vor Herzkrankheiten, aber die Reduzierung von HDL hat den gegenteiligen Effekt. Die Forscher sammelten aus den Studien Informationen zu schädlichen Nebenwirkungen, aber Informationen zu Blutungen und Blutgerinnsel waren sehr begrenzt.

Der systematische Review legt nahe, dass der Verzehr von mehr ALA durch Nahrungsergänzungsmittel oder Lebensmittel wahrscheinlich wenig oder gar keine Wirkung auf herzkreislaufbedingte Todesfälle oder Todesfälle jeglicher Ursache hat. Der Verzehr von mehr ALA reduziert jedoch wahrscheinlich das Risiko von Herzrhythmusstörungenvon 3,3 auf 2,6 %. Das Review-Team fand heraus, dass die Reduktion von kardiovaskulären Ereignissen mit ALA so gering war, dass etwa 1000 Menschen den Verzehr von ALA erhöhen müssten, damit einer von ihnen davon profitierten würde. Ähnliche Ergebnisse wurden für die herzkreislaufbedingten Todesfälle gefunden. Die Daten aus den Studien reichten nicht aus, um das Risiko von Blutungen oder Blutgerinnseln durch ALA zu messen.

Die erhöhte Aufnahme von langkettigen Omega -3-Fettsäuren oder ALA beeinflusst wahrscheinlich nicht das Körpergewicht oder die Fettleibigkeit.

Hauptautor des Cochrane-Reviews, Dr. Lee Hooper von der University of East Anglia, Großbritannien, sagte: "Wir können den Ergebnissen dieses Reviews vertrauen, die die weitverbreitete Meinung anfechten, dass Nahrungsergänzungsmittel mit langkettigen Omega-3-Fettsäuren das Herz schützen. Dieser systematische Review umfasst Informationen von vielen Tausenden von Menschen über lange Zeiträume. Trotz dieser Menge an Informationen haben wir keine schützenden Wirkungen entdeckt.”

"Der Review liefert gute Evidenz dafür, dass die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit langkettigen Omega-3-Fettsäuren (Fischöl, EPA oder DHA) der Herzgesundheit nicht förderlich ist oder dass sie unser Risiko für Schlaganfälle oder Todesfälle jeglicher Ursache nicht verringern kann. Die vertrauenswürdigsten Studien zeigten konsistent wenig oder keine Wirkung von langkettigen Omega-3-Fettsäuren auf die kardiovaskuläre Gesundheit. 

Während der Verzehr von fettreichem Fisch eigentlich gesund ist, ist es aus der kleinen Anzahl von Studien unersichtlich, ob der Verzehr von mehr fettreichem Fisch unsere Herzen schützt.”

"Dieser systematische Review fand Evidenz von moderater Qualität dafür, dass ALA, welches in Pflanzenölen (wie Rapssamen oder Rapsöl) und Nüssen (insbesondere Walnüssen) enthalten ist, bei einigen Herz- und Kreislauferkrankungen einen leichten Schutz bieten könnte. Die Wirksamkeit ist jedoch sehr gering: 143 Menschen müssten ihre ALA-Zufuhr erhöhen, um zu verhindern, dass eine Person eine Herzrhythmusstörung (Arrhythmie) entwickelt. Eintausend Menschen müssten ihre ALA-Aufnahme erhöhen, um zu verhindern, dass eine Person an einer koronaren Herzerkrankung stirbt oder ein kardiovaskuläres Ereignis erleidet. ALA ist eine essentielle Fettsäure, ein wichtiger Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung und eine erhöhte Zufuhr kann für die Prävention oder Behandlung von Herzkreislauferkrankungen möglicherweise etwas nutzbringend sein."

Referenz des Cochrane Reviews:

Abdelhamid AS, Brown TJ, Brainard JS, Biswas P, Thorpe GC, Moore HJ, Deane KHO, AlAbdulghafoor FK, Summerbell CD, Worthington HV, Song F, Hooper L. Omega-3 fatty acids for the primary and secondary prevention of cardiovascular disease. Cochrane Database of Systematic Reviews 2018, Issue 5. Art. No.: CD003177. DOI: 10.1002/14651858.CD003177.pub3.

Für weitere Informationen auf Englisch kontaktieren Sie bitte den Erstautor:

Dr. Lee Hooper
Norwich Medical School
University of East Anglia
Norwich Research Park 
Norwich 
Norfolk, UK
l.hooper@uea.ac.uk.

Text aus dem Englischen übersetzt von Cochrane Deutschland. 

Über die UEA

Die University of East Anglia (UEA) ist eine der  britischen Top-15-Universitäten. Sie ist bekannt für ihre weltweit führende Forschung und herausragende Studentenerfahrung und wurde im Rahmen des Teaching Excellence-Rahmenprogramms mit Gold ausgezeichnet. Sie ist Teil des Norwich Research Parks, einer der größten Forschergruppen in Europa in den Bereichen Umwelt, Gesundheit und Pflanzenwissenschaften www.uea.ac.uk.

*Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für beiderlei Geschlecht.