Kontrolle ist besser: Das neue Manual zur Bewertung klinischer Studien

Mit dem aktualisierten Manual „Bewertung des Biasrisikos in Interventionsstudien“ von Cochrane Deutschland und der AWMF lassen sich Studien nach allen Regeln der Review-Kunst kritisch unter die Lupe nehmen.

Um einen Cochrane Review zu erstellen, braucht es viel Sitzfleisch. Denn nachdem man die wissenschaftliche Literatur systematisch nach relevanten Studien für seine Fragestellung durchforstet hat, gilt es, den oft beachtlichen Stapel von gefundenen Studien kritisch zu bewerten. Ein Kernpunkt ist dabei die Suche nach möglichen Quellen für Verzerrungen (Biases), auch bekannt als systematische Fehler. „Systematisch“ bedeutet in diesem Fall nichts Gutes. Vielmehr ist damit gemeint, dass Studiendaten nicht zufällig um den wahren Wert streuen, sondern eben systematisch auf der einen oder anderen Seite daneben liegen und dadurch das Ergebnis verschieben. Solche Verzerrungen können aus einer ganzen Reihe von Gründen entstehen. So können sich die Vergleichsgruppen einer Studie in wichtigen Merkmalen der Teilnehmenden wie dem Alter unterscheiden. Eine Übersicht über mögliche Fehlerquellen gibt dieser Artikel.

Aufgabe von Review-Autor:innen ist es nun, solche Verzerrungsrisiken (Risk of Bias) zu erkennen und in die Bewertung der gefundenen Evidenz einfließen zu lassen. Dabei hilft das nun in aktualisierter Fassung erschienene Manual „Bewertung des Biasrisikos in Interventionsstudien“. Die initiale Version dieses Manuals wurde 2016 im Rahmen des vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) geförderten Projekts „Acting on Knowledge“ in Zusammenarbeit von Cochrane Deutschland mit dem Institut für Medizinisches Wissensmanagement der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V. (AMWF-IMWi) erstellt.

Die nun vorliegende erste Aktualisierung und Erweiterung wurde ohne externe Förderung unter Federführung von Cochrane Deutschland und in Zusammenarbeit mit dem AWMF-IMWI und dem Ärztlichen Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) erstellt. Zu den wesentlichen Neuerungen der aktuellen Version gehört eine Einführung in die beiden Bewertungsinstrumente „RoB 2“ (zur Bewertung von randomisierten Interventionsstudien) und „ROBINS-I“ (zur Bewertung von nicht-randomisierten Interventionsstudien). Beide Instrumente wurden erst nach Fertigstellung der initialen Version des Manuals verfügbar. Cochrane empfiehlt sie zur Bewertung des Biasrisikos in Interventionsstudien.

Das vorliegende Manual richtet sich primär an wissenschaftlich Tätige, Autor:innen von systematischen Reviews sowie Leitlinienerstellende und -beratende, aber auch an alle anderen, die sich für die kritische Bewertung von Interventionsstudien interessieren. Es soll Nutzer:innen einen Überblick über die qualifizierte Evidenzbewertung vermitteln und in Verbindung mit praktischer Anleitung (z.B. im Rahmen eines Workshops oder Leitlinien-seminars) zur eigenständigen Bewertung des Biasrisikos befähigen.

Das komplette Manual ist unter diesem Link kostenlos abrufbar.


Anmerkung: Im Sinne einer genderneutralen Sprache nutzen wir neuerdings den Genderstern (wie in Leiter*in). Für ältere Texte gilt weiterhin: Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für alle Geschlechter.