Entstehung

Archie CochraneArchibald Leman Cochrane war ein britischer Arzt und Epidemiologe, dessen Wirken und Denken wesentlich das Entstehen der evidenzbasierten Medizin und der Cochrane Collaboration beeinflusste. Sein Buch "Effectiveness und Efficiency" widmete er 1972 der Bevölkerung von Rhonda Fach in Wales, ohne deren Mithilfe er seine ersten epidemiologischen Studien nicht hätte verwirklichen können.

Cochranes medizinisches Vorbild war James Lind (1716-1794), ein britischer Schiffsarzt, der mit der ersten 'kontrollierten Studie' auf einer Schiffsreise den Wirksamkeitsnachweis für die Gabe von Vitamin C bei Skorbut erbrachte ('A Treatise of the Scurvey 1753') und damit Medizingeschichte schrieb. Cochrane sah sich 1941 als Kriegsgefangener in einer noch viel desolateren Situation, etwas gegen die Gelbsuchtepedemie im Lager tun zu wollen. In einer 'Studie' unter materiell wie methodisch mehr als armseligen Umständen wies er den Nutzen von Vitamin-B-Gabe (in Form von Hefe) nach. Dies war eines der prägenden Erlebnisse, die ihn zum Verfechter einer Medizin machten, die auf der Basis der Evidenz und der Effektivität beruht.

Archibald Leman Cochrane wurde 1909 im schottischen Kirklands, Galashiels, geboren. Er absolvierte das King's College in Cambridge mit einem Master in Science (1930) und einem Master of Arts (1934). Von 1933 an widmete er sich dem Studium der Psychoanalyse in Berlin, Wien und Den Haag und unterzog sich auch selbst einer Analyse bei einem Schüler Sigmund Freuds, Theodor Reik. 1934 begann er dann seine medizinische Ausbildung am University College Hospital in London.

Er unterbrach sein Studium beim Ausbruch des spanischen Bürgerkriegs, schloss sich 1935 der freiwilligen 'Spanish Medical Aid Committee's Field Ambulance Unit' an und erlebte als Sanitäter die Belagerung von Madrid und die Schlachten von Jarama und Brunete.

Zurückgekehrt, qualifizierte er sich 1938 als Arzt und arbeitete am West London Hospital, später als wissenschaftlicher Assistent am University College.

1940 bis 1945 diente er im 2. Weltkrieg als Captain im Royal Army Medical Corps. 1941 geriet er dabei auf Kreta in deutsche Gefangenschaft und erlebte seine Zeit als Kriegsgefangener in den Lagern von Thessaloniki, Hildburghausen, Elsterhorst und Wittenberg an der Elbe - immer im Einsatz als 'medical officer' für seine Mitgefangenen.

Archie Cochrane im 2. Weltkrieg

1946 schloss er dank eines Stipendiums sein Diplom in Epidemiologie an der London School of Hygiene & Tropical Medicine ab. Dort arbeitere er mit Austin Bradford Hill, einem der Entwickler der randomisierten, kontrollierten Studie.

Bei einem Forschungsaufenthalt in den Vereinigten Staaten (1947-48) wandte sich sein Interesse den Problemen der Röntgendiagnostik von Lungentuberkulose und deren epidemiologischen Implikationen zu. Er wurde Mitglied einer Forschungseinheit des Medical Research Council in Cardiff (1949 - 1959), die sich mit dem Krankheitsbild der Staublunge bei Bergarbeitern befasste. Pioniercharakter hatte die von ihm betreute epidemiologische Studie 'Rhonda Fach Scheme' - eine Untersuchung der Thoraxerkrankungen in der Bevölkerung zweier walisischer Bergabeiter Gemeinden. Hier zeichnete sich Cochranes weiteres Interesse ab: die Förderung der Durchführung und Anwendung von randomisierten klinischen Studien, die Bewertung von Screening-Maßnahmen und Versorgungsforschung.

Archie Cochrane 19491960 - 1969 hatte Archie Cochrane die 'David Davies' Professur für Tuberkulose und Thoraxerkrankungen an der Welsh School of Medicine in Cardiff inne, 1969 wurde er Direktor der Abteilung Epidemiolgie des Medical Research Council.

1972 publizierte er die weithin beachtete Rock Carling Lecture "Effectiveness and Efficiency", die die internationale Debatte auslöste, aus der heraus die Methoden der evidenzbasierten Medizin wie auch die Cochrane Collaboration enstanden.

1972 - 1975 war Archie Cochrane der erste Präsident der Faculty of Community Medicine of the Royal Colleges of Physicians of the United Kingdom.

1974 zog er sich, vielfach mit akademischen Würden ausgezeichnet, aus dem Berufsleben zurück, blieb dem Medical Research Council aber verbunden. Er vervollständigte die Verlaufsstudien (20 Jahre und 30 Jahre) des Rhonda Fach Scheme und hielt die Dunham Vorlesung in Harvard, USA - eine der höchsten Auszeichnungen, die einem Nicht-US-Bürger gewährt wurde.

Archie Cochrane

1988 starb  Archibald Leman Cochrane in Dorset im Alter von 79 Jahren.

Posthum veröffentlicht ein Freund, Max Blythe, 1989 Cochranes Autobiographie 'One Man's Medicine', die er von 1985 - 1988 in Zusammenarbeit mit Cochrane erstellt hatte. Archibald Leman Cochrane bedachte in seinem Nachlass das Green College, Oxford, mit 300.000 Pfund. Er verband dies mit dem Wunsch, die Summe im Forschungsbereich der randomisierten, klinischen Studie einzusetzen.

Ausgewählte Literatur

Effectiveness and Efficiency: Random reflections of health services (1972). British Medical Journal. The Nuffield Provincial Hospitals Trust (Originallehrbuch)

Poems from Prison (1974, Chepstow), C.P. Healey

A critical review with particular reference to the medical profession. in: Medicines for the year 2000, London: Office of Health Economics, 1-11

Sickness in Salonica: my first, worst and most successful clinical trial. BMJ 1984; 289: 1726-7

One Man's Medicine (1989)

Die Bilder auf dieser Website wurden freundlicherweise vom Archie Cochrane Archive der Universität von Cardiff, Wales, zur Verfügung gestellt.


Anmerkung: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für alle Geschlechter.