Immunisierungsraten (Cochrane Review)

Donnerstag, 18. Januar 2018

Menschen an Impfungen zu erinnern kann die Immunisierungsraten verbessern

Ein aktualisierter Cochrane Review, der heute veröffentlicht wurde, gibt Hinweise, dass die Immunisierungsrate verbessert werden kann, wenn Menschen an  fällige beziehungsweise überfällig Impfungen erinnert werden. 

Impfungen können zum Beispiel anstehen, wenn sie für eine Altersgruppe, der man angehört, empfohlen werden oder andere Risikofaktoren dafür sprechen. Wenn Impfungen anstehen können Erinnerungen an die Patienten, Eltern oder Erziehungsberechtigte gesendet werden. Sie können auch ganzen Bevölkerungsgruppen zukommen. Recalls  werden versandt, wenn Impfungen überfällig sind. Erinnerungen und Recalls können per Post oder Postkarte, per Anruf, computergestütztem Anruf oder Textnachricht übermittelt werden. Häufige Gründe warum Impfungen nicht wahrgenommen werden, sind dass der Termin vergessen oder verpasst wird, Impfpläne nicht bekannt sind, oder Bedenken bezüglich Impfungen bestehen. Damit Erinnerungen erfolgreich sind, müssen die Einträge und Kontaktinformationen im Impfpass vollständig und aktuell sein. Die Erinnerungen müssen leicht zu lesen, und Impfdienste leicht zugänglich sein. Die Immunisierungsraten für Infektionskrankheiten bei Kindern und Erwachsenen steigen, dennoch bleibt die fehlende Inanspruchnahme von Impfungen ein Problem, das zu Todesfällen und Krankheiten führt, die durch Impfungen vermeidbar gewesen wären. In Europa wurde im Jahr 2012 von 11.316 Masernfällen berichtet und jährlich gibt es geschätzte 4 - 50 Millionen symptomatische Grippefälle. 

Ein Cochrane-Autorenteam hat nun einen systematischen Review aktualisiert, der die Ergebnisse von 75 Studien aus 10 Ländern zusammenfasst. Darunter waren 55 Studien mit 138.625 Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Einige Studien trugen zu mehr als einem Vergleich im Review bei, da sie Interventionen bei mehr als einer relevanten Bevölkerungsgruppe untersuchten. Es gab 29 Studien, die sich mit Erinnerungen für Routine-Impfungen bei Kleinkindern und Kindern wie MMR und Polio befassten, 24 Studien mit Grippe-Impfungen bei Erwachsenen, 12 Studien mit der Immunisierung von Jugendlichen, 8 Studien mit Routine-Impfungen bei Erwachsenen wie zum Beispiel Tetanus oder Hepatitis B, und 5 Studien mit Grippe-Impfungen bei Kindern. Von den Studien wurden 58 in den USA durchgeführt, der Rest wurde in Australien, Asien, Europa und Afrika durchgeführt.

Die Studien befassten sich mit Erinnerungen, die per Post, Telefonaten, computergestützen Anrufen oder Textnachrichten, oder einer Kombination derselben, übermittelt wurden. Sie wurden mit keinen Erinnerungen, medien-basierten Aktivitäten, die Impfungen bewarben, oder Kampagnen in Hausarztpraxen für mehr Bewusstsein bezüglich Impfungen verglichen.

Die Cochrane Autoren fanden heraus, dass Systeme zum Erinnerungs- und Recall-Management die Anzahl der Impfungen bei Kindern und Erwachsenen für jegliche Immunisierungen erhöhen. An anstehende oder überfällige Impfungen zu erinnern erhöht wahrscheinlich die Anzahl der Menschen, die Impfungen erhalten. Basierend auf zusammengefassten Ergebnissen von Studien mit Erwachsenen und Kindern werden ungefähr 8 % mehr Menschen geimpft, wenn sie eine Erinnerung erhalten im Vergleich zu keiner Erinnerung. Ähnliche Ergebnisse wurden bei Kindern und Erwachsenen gefunden, wenn deren Daten separat ausgewertet wurden. Die Autoren stellten Unterschiede in den Studienergebnissen fest sowie Unterschiede in der Wirkung der Erinnerungen je nach Umfeld.

Es gibt Evidenz hoher Qualität, dass Postkarten, Textnachrichten und computergestützte Anrufe wirksame Methoden darstellen, um Erinnerungen zu übermitteln.

Erstautorin Julie Jacobson Vann von der University of North Carolina/Chapel Hill School of Nursing kommentierte: “Die Evidenz zeigt, dass Erinnerungen die Anzahl der Menschen, die geimpft werden, erhöht. Alle Arten von Erinnerungs- und Recall-Management sind wahrscheinlich wirksam. Telefonerinnerungen hatten die größte Wirkung. Auch kleine Wirkungen von Erinnerungen könnten, wenn man sie auf die ganze Bevölkerung überträgt, einen nützlichen Einfluss auf die öffentliche Gesundheit haben.“

“Die Technologie, Erinnerungs- und Recall-Management in die Standardversorgung einzuführen existiert bereits. Erinnerungs- und Recall-Managementsysteme müssen an jedes Umfeld der Gesundheitsversorgung angepasst werden, um ihre Wirksamkeit zu maximieren. Zum Beispiel sind persönliche Telefonerinnerungen wirksam, aber sie sind im Vergleich zu anderen Methoden auch kostenintensiver.“

“Mit dem technischen Fortschritt müssen wir in Betracht ziehen, wie Interventionen zum Erinnerungs- und Recall-Management verbessert werden können. Zum Beispiel müssen wir mehr über die Eigenschaften der wirksamsten zentralisierten und Textnachricht-basierten Interventionen lernen.“

Referenz des aktualisierten Cochrane Reviews: 
Jacobson Vann JC, Jacobson RM, Coyne-Beasley T, Asafu-Adjei JK, Szilagyi PG. Patient reminder and recall interventions to improve immunization rates. Cochrane Database of Systematic Reviews 2018, Issue 1. Art.No.: CD003941. DOI: 10.1002/14651858.CD003941.pub3 .

Englischer Originaltext: http://www.cochrane.org/news/reminding-people-about-vaccinations-can-increase-rates-immunization