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Das Deutsche Cochrane Zentrum

Persönlichkeitsstörungen, Uniklinikum Freiburg

Arbeitsgruppe "Systematische Übersichtsarbeiten zur Behandlung von Persönlichkeitsstörungen", Universitätsklinikum Freiburg, Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie

Mit dem Borderline-Projekt verfügt die Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg über ein national wie international etabliertes Kompetenzzentrum für die Behandlung und Erforschung der Borderline-Persönlichkeitsstörung. Neben der psychiatrisch-psychotherapeutischen Versorgung auf einer Spezialstation steht die Forschung zur Ätiologie und neurobiologischen Aspekten der Borderline-Persönlichkeitsstörung im Zentrum.

Die Arbeitsgruppe „Systematische Übersichtsarbeiten zur Behandlung von Persönlichkeitsstörungen“ unter Leitung von Prof. Dr. med. Klaus Lieb beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der Erstellung metaanalytischer Übersichtsarbeiten zur psycho- und pharmakotherapeutischen Behandlung von Persönlichkeitsstörungen. Experten der klinischen Forschung (Prof. Dr. med. K. Lieb, J. Stoffers, Dr. phil. G. Jacob, Universitätsklinikum Freiburg; Prof. P. Fonagy, University College London; Prof. Dr. med. M. Bohus, Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Mannheim) arbeiten hier mit Fachleuten auf dem Gebiet von Biometrie und Statistik (Deutsches Cochrane Zentrum, Freiburg; Prof. Dr. M. Schumacher, Dr. G. Antes) zusammen. Die Arbeitsgruppe ist organisatorisch an die Cochrane Developmental, Psychosocial and Learning Problems Group, Bristol, UK (Coordinating Editor: Prof. G. Macdonald) angebunden. Zudem ist die Arbeitsgruppe aufgrund eigener Forschungstätigkeiten international mit Experten auf dem Gebiet der Behandlung von Persönlichkeitsstörungen vernetzt und verfügt über einen guten Einblick in relevante aktuelle Forschungsaktivitäten.

Aktuell werden in einem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekt („Systematic Review and Metaanalysis of Treatments for Borderline Personality Disorder and Deliberate Self-harm“) zwei Reviews zur Wirksamkeit pharmakotherapeutischer und psychotherapeutischer Interventionen in der Behandlung der Borderline-Persönlichkeitsstörung erstellt. Die Arbeitsgruppe kooperiert hierbei mit Prof. Peter Fonagy vom University College London, Prof. Martin Bohus vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim und Reviewern der CDPLPG. Besonderes Gewicht hat bei diesem Vorhaben die genaue Recherche nach unpublizierter Evidenz: Über 100 Forscher der Scientific Community werden persönlich und über Verteilerlisten von internationalen Fachgesellschaften kontaktiert und um Information über eigene unpublizierte Daten und geplante Vorhaben gebeten. Hierdurch kann ein möglichst unverzerrter und vollständiger Datenpool generiert, gleichzeitig ein breiter Einblick in die aktuelle Forschungslandschaft gewonnen werden. Der persönliche Kontakt mit den Forscherkollegen ermöglicht somit eine zeitnahe Aktualisierung der Reviews, indem neue Studien berücksichtigt werden können, sobald die Datenerhebung und –analyse abgeschlossen ist. Neben der Erstellung der Reviews zur Wirksamkeit der Behandlungsverfahren sollen auf der Grundlage des so gewonnenen umfassenden Einblicks in die Methodik der vorhandenen RCTs Empfehlungen für die Planung weiterer Therapieevaluationsstudien in diesem Bereich formuliert werden, zum einen hinsichtlich inhaltlicher Aspekte wie bspw. weiterführenden Fragestellungen, zum anderen hinsichtlich methodisch-qualitativer Aspekte wie der Auswahl relevanter Ergebnisvariablen und geeigneter valider und reliabler Messverfahren.

Im Rahmen des BMBF-Projekts werden außerdem systematische Übersichtsarbeiten zur Wirksamkeit psycho- und pharmakotherapeutischer Therapieverfahren in der Behandlung selbstverletzenden Verhaltens erstellt. Hierbei wird ein symptomorientierter Ansatz verfolgt, d.h. Ziel ist die Integration randomisiert kontrollierter Studien zur Behandlung selbstverletzenden Verhaltens unabhängig von der psychiatrischen Diagnose. Letzteres ist zwar häufig mit dem Vorliegen einer BPS assoziiert, tritt jedoch auch im Rahmen anderer psychischer Störungen, wie beispielsweise bei affektiven Angst- oder Suchterkrankungen, auf. Es soll v.a. der Frage nachgegangen werden, welche Maßnahmen bzw. Programme, die seitens der somatischen Notfall- bzw. Grundversorgung initiiert werden können, bezüglich relevanter Ergebnisparameter wie der Häufigkeit und dem Schweregrad des selbstverletzenden Verhaltens wirksam sind.

Mittelfristiges Ziel ist es, im Rahmen der Cochrane Library hochwertige systematische Übersichtsarbeiten zur Wirksamkeit psycho- und pharmakotherapeutischer Interventionen zur Behandlung auch der übrigen Persönlichkeitsstörungen zur Verfügung zu stellen und diese stetig zu aktualisieren, ebenso Arbeiten zur Relevanz komorbider Persönlichkeitsstörungen bei der Behandlung assoziierter psychischer Störungen, wie bspw. bei affektiven oder Suchterkrankungen. Damit ist beabsichtigt, einen wichtigen Beitrag zur evidenzbasierten Versorgung von Patienten mit Persönlichkeitsstörungen – ggf. auch im Rahmen der Leitlinienentwicklung – zu leisten.

Auswahl relevanter Publikationen

Lieb K, Zanarini MC, Schmahl C, Linehan MM & Bohus M (2004). Borderline personality disorder. Lancet, 364, 453-461.

Kontaktadresse

Prof. Dr.med. Klaus Lieb
Leitender Oberarzt
Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie
Universitätsklinikum Freiburg
Hauptstr. 5
D – 79104 Freiburg
Tel.: +0761-270-6681
Fax: +0761-270-6667
Homepage Abt. für Psychiatrie und Psychotherapie
klaus.lieb@uniklinik-freiburg.de

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