Kurse und Studiengang zu Health Technology Assessment (HTA)
Workshop "Health Technology Assessment" 22.-26. November 2010,
Donau-Universität-Krems, Österreich
Zertifikatskurs “Introduction to Health Technology Assessment”, 4.-7. Oktober 2010
Internationaler Master in „Health Technology Assessment, Evidence-based Healthcare and Decision Science“, Start im Herbst 2010
UMIT - Private Universität für Gesundheitswissenschaften, Medizinische Informatik und Technik, Hall/Tirol
Definition und Hintergrund
Erstmalig 1975 vom Office of Technology Assessment (OTA) in den USA eingeführt bezeichnet der Begriff Health Technology Assessment (HTA) den Prozess der systematischen Bewertung medizinischer Verfahren und Technologien mit Bezug zur gesundheitlichen Versorgung der Bevölkerung. In Zeiten von wachsenden Gesundheitskosten und beschränkter Budgets verlangt der rasche Zuwachs an medizinischem Fachwissen, Therapien und Techniken den gewissenhaften Einsatz der zu Verfügung stehenden Ressourcen. Die kritische Beurteilung von medizinischen Prozessen und Verfahren in HTA-Berichten ist neben der Erstellung von Cochrane Reviews, Klinischen Leitlinien, Patienteninformationen etc. ein weiterer Schritt, um den Wissenstransfer des ständig steigenden Bestands an Evidenz in die Praxis zu gewährleisten.
In HTA-Berichten soll demnach die gesamte verfügbare externe Evidenz zur jeweiligen Fragestellung aufgefunden, kritisch beurteilt und bewertet werden. Abschließend wird ein zusammenfassender Bericht erstellt und gegebenenfalls Handlungsempfehlungen für die Gesundheitsversorgung gegeben. HTA-Berichte informieren behandelnde Ärzte, Gesundheitsbehörden, Krankenkassen, Patienten selbst etc. über die experimentelle Wirksamkeit (efficacy), die Wirksamkeit unter Alltagsbedingungen (effectiveness), die Sicherheit (safety) und den gesundheitsökonomischen Stellenwert (cost-effectiveness), sowie den sozialen, ethischen und legalen Rahmen der jeweiligen Fragestellung. In diesem Zusammenhang darf HTA nicht nur als rein wissenschaftliche Methode verstanden werden. HTA definiert sich vielmehr über sein originäres Ziel: eine evidenzbasierte medizinische Entscheidungsfindung zu ermöglichen, um Kosteneffektivität („value for money“) in der Medizin sicherzustellen. Somit gehen HTA-Berichte über systematische Übersichtsarbeiten zur Wirksamkeit hinaus, enthalten diese jedoch als unverzichtbaren Kern, da ohne Wirksamkeit jede weitere Betrachtung überflüssig ist.
HTA in Deutschland
Als koordinierende Instanz fördert die Deutsche Agentur für HTA (DAHTA@DIMDI) des Deutschen Instituts für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) die Erstellung von HTA Berichten zu Nutzen, Risiko, Kosten und Auswirkungen medizinischer Verfahren und Technologien. Als Basis dient eine öffentlich zugängliche Themensammlung, zu der grundsätzlich jeder eine gewünschte Fragestellung ergänzen kann. Die Themenfindung bzw. Prioritätensetzung wird durch das HTA-Kuratorium (Vertreter der Selbstverwaltung des deutschen Gesundheitssystems, Verbraucher- bzw. Patientenvertreter, Industrie und Beobachter) festgelegt. Hierbei haben Themen, für die gesundheitspolitischer Entscheidungsbedarf besteht, Vorrang.
Außerdem erstellt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) Berichte, die überwiegend als Grundlage von Entscheidungen des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) dienen. Zudem veröffentlich das IQWiG Gesundheitsinformationen für Patienten und Angehörige.
Curriculum HTA
In Antwort auf die bisher noch fehlende strukturierte und konsentierte
Fort- und Weiterbildung für Health Technology Assessment hat
der Verein zur Förderung der Technologiebewertung im Gesundheitswesen
(HTA) e.V. gemeinsam mit dem Fachbereich HTA im Deutschen Netzwerk
Evidenzbasierte Medizin ein Curriculum Health Technolgy Assessment
erarbeitet.
Das Curriculum richtet sich an Personen,die Informationen aus HTA
als Grundlage für Entscheidungen im Kontext der Gesundheitsversorgung
nutzen möchten, bzw. HTA-Aufträge erteilen und an Personen,
die selbst Technology Assessments erstellen möchten, bzw. an
deren Erstellung beteiligt sind. Autoren:
Perleth M, Bestehorn K, Busse R, Gerhardus A, Lühmann D, Meyer
VP, Siebert U.
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des Curriculums
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HTA und die Cochrane Collaboration
Die Erstellung von HTA-Berichten und systematischen Übersichtsarbeiten der Cochrane Collaboration weisen grundsätzliche Gemeinsamkeiten auf:
Konzeptionell und methodisch zielen sowohl HTA-Berichte als auch Systematische Übersichtsarbeiten der Cochrane Collaboration darauf ab, die gesamte verfügbare Evidenz zu einer medizinischen Fragestellung, Prozedur oder Verfahren aufzufinden und in einem standardisierten und transparenten Prozess kritisch zu beurteilen und zusammenzufassen. Um dem kontinuierlich wachsenden Stand des Wissens gerecht zu werden, müssen diese Übersichtsarbeiten regelmäßig reevaluiert und gegebenenfalls aktualisiert werden. Die hohe Qualität dieser Berichte soll durch externen peer-review und die Organisation von Schulungs- und Fortbildungsveranstaltungen sichergestellt werden. Des Weiteren werden Symposien, Kongresse und Seminare regelmäßig in beiden Fachbereichen durchgeführt um den methodologischen Fortschritt zu fördern. Darüber hinaus stellt die Cochrane Library, als derzeit kompletteste Quelle wissenschaftlicher Evidenz zu medizinischen Fragestellungen, oft den gemeinsamen Ausgangspunkt für HTA-Berichte und systematische Übersichtsarbeiten dar: Die umfassende Datenbank der Cochrane Collaboration mit Studien, Übersichtsarbeiten, HTA-Reports und Gesundheitsökomischer Analysen ist zum einen die optimale Basis für neue HTA-Berichte und Systematische Übersichtsarbeiten und macht diese zum anderen leicht zugänglich für den Nutzer.