Evidenzbasierte Medizin

Definition und Hintergrund

Evidenzbasierte Medizin (EbM) ist der gewissenhafte, ausdrückliche und vernünftige Gebrauch der gegenwärtig besten externen, wissenschaftlichen Evidenz für Entscheidungen in der medizinischen Versorgung individueller Patienten. Die Praxis der EbM bedeutet die Integration individueller klinischer Expertise mit der bestverfügbaren externen Evidenz aus systematischer Forschung.

EbM stützt sich auf die drei Säulen der individuellen klinischen Erfahrung, die Werte und Wünsche des Patienten und des aktuellen Standes der klinischen Forschung.

Das Vorgehen in der EbM gliedert sich in fünf Schritte:
1.    Übersetzung des klinischen Problems in eine Fragestellung, die durch wissenschaftliche Untersuchungen zu beantworten ist
2.    Systematische Literaturrecherche nach geeigneten Studien
3.    Kritische Evidenzbewertung über alle identifizierten Studien hinweg
4.    Anwendung der gewonnenen Einsichten in Abwägung der konkreten klinischen Situation
5.    Selbstkritische Evaluation und ggf. Anpassung der bisherigen Vorgehensweise

Das fünfschrittige Vorgehen bedarf des Trainings und ist im Alltag der Patientenversorgung häufig nicht praktikabel. Wesentlich für die EbM ist die systematische, zeitnahe und unverzerrte Berücksichtigung von Studienergebnissen. Zur Unterstützung stellt Cochrane Deutschland folgende Informationen und Ressourcen zur Verfügung

EbM in Deutschland

In Deutschland wurde 2000 das Deutsche Netzwerk Evidenzbasierte Medizin DNEbM e.V. gegründet, das sich als interdisziplinäre Plattform für EbM-Aktivitäten versteht. Die Webseite bietet nützliche Hintergrundinformationen, Links und Diskussionsbeiträge zur EbM-Entwicklung in Deutschland, die der Dynamik in den angelsächsischen Ländern nur verzögert folgt. Besonders hingewiesen sei auf den Terminkalender des DNEbM und die „EbM“-Splitter", die Einzelaspekte der EbM pointiert erklären.

Das unabhängige Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) setzt sich seit 2004 auf Grundlage der EbM für eine Verbesserung der Gesundheitsversorgung ein. Das IQWIG ist im Wesentlichen im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA ) und des Bundesgesundheitsministeriums tätig, bewertet Operations- und Diagnoseverfahren, Arzneimittel und Behandlungsleitlinien und erarbeitet Grundlagen für neue Disease Management Programme (DMP).

Das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ),eine Einrichtung der Bundesärztekammer und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, bietet umfassende Ressourcen zur EbM an. Es bietet zudem in Zusammenarbeit mit der AWMF Portale für qualitätsbewertete Leitlinien und Patienteninformationen.

An einigen Universitätskliniken haben sich Wissensnetzwerke gebildet, die die Integration und Weiterbildung im Bereich der EbM vorantreiben, so z.B. an der Universität Witten-Herdecke und der Kooperation EbM Frankfurt.

>> Link zur Evidenzbasierung in den Gesundheitsfachberufen (GFB)

EbM und Cochrane

Die Entwicklung der EbM und Cochrane International sind eng miteinander verwoben. Das Buch „Effectiveness and efficiency“ von A. Cochrane  (1972) gilt als Geburtshelfer sowohl von Cochrane International als auch der EbM. Davon inspiriert publizierte I. Chalmers 1989 das bis heute regelmäßig aktualisierte Referenzwerk "Effective care in pregnancy and childbirth". Dieses auf systematischen Übersichten und Studienregistern basierende Werk kann als das erste evidenzbasierte Therapiehandbuch und als Vorläufer der Cochrane Library angesehen werden.

Heute ist Cochrane ein weltweites Netzwerk und trägt wesentlich dazu bei, das Problem der wachsenden Informationsflut zu lösen. Durch systematische Recherche, Bewertung und leicht zugängliche Aufbereitung von Studienergebnissen wird der Wissenstransfer aus der klinischen Forschung in die klinische Praxis transparenter und einfacher.

Video von Cochrane Consumer Network "What is Cochrane evidence and how can it help you?"