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Updated: 19 hours 27 min ago

Gedächtnisstörungen nach einem Schlaganfall: hilft die kognitive Rehabilitation?

Mon, 01/02/2017 - 10:58

Beim Stichwort Schlaganfall denken viele zuerst an Lähmungen. Aber neben den körperlichen Fähigkeiten können auch die kognitiven Fähigkeiten stark beeinträchtigt sein. Ein Cochrane-Review hat untersucht, wie wirksam Maßnahmen zur Rehabilitation des Gedächtnisses nach einem Schlaganfall sind.

Plötzlich bleibt ein Blutgerinnsel irgendwo in einer kleinen Ader des Gehirns stecken und führt zu einer Minderdurchblutung, durch die Gehirnzellen absterben können. Oder ein kleines Blutgefäß im Gehirn platzt und es kommt zu einer Blutung. Beide Ereignisse nennt man landläufig Schlaganfall. Die Symptome treten „wie auf einen Schlag“ auf: ein Taubheitsgefühl oder eine Lähmung in Gesicht, Armen oder Beinen oder eine Sprachstörung, Sehen von Doppelbildern oder Probleme bei der Koordination. In den Industrieländern ist der Schlaganfall zudem die dritthäufigste Todesursache nach Herzerkrankungen und Krebs. In Deutschland, Österreich und der Schweiz sind Schlaganfälle für rund 6 % aller Todesfälle verantwortlich. Wird ein Schlaganfall jedoch rechtzeitig erkannt und behandelt, können sich die Symptome zurückbilden. Auch im höheren Alter ist das Gehirn flexibel genug um durch gezieltes Training zu lernen und betroffene Funktionen ganz oder teilweise zurückzugewinnen.

Gedächtnis-Rehabilitation als Therapie

Wenig bekannt ist, dass die Betroffenen neben den körperlichen auch mit kognitiven Beschwerden wie Gedächtnisproblemen und Stimmungsschwankungen zu kämpfen haben. Auch Orientierungslosigkeit und Verwirrtheit ähnlich wie bei Demenzerkrankungen kommen vor. Das kann zu vielen Schwierigkeiten im alltäglichen Leben führen und die Betroffenen abhängig von der Hilfe durch Angehörige oder Pflegende machen. Dabei hängen die Art und das Ausmaß der Gedächtnisbeeinträchtigung vom Schweregrad der Hirnschädigung, dem Alter und dem vorherigen Gesundheitszustand ab. Bei Schlaganfallpatienten werden kognitive Rehabilitationsprogramme eingesetzt, in denen beispielsweise Gedächtnisübungen gemacht oder Merksprüche eingeübt werden, um die Gedächtnisleistungen zu verbessern.

Ein neuer Cochrane-Review prüft die Wirksamkeit kognitiver Rehabilitation bei Menschen, die nach einem Schlaganfall von Gedächtnisproblemen betroffen sind. Die Autoren fanden 13 Studien mit insgesamt 514 Teilnehmern, deren Durchschnittsalter zwischen 31 und 68 Jahren lag und die entweder zuhause oder im Krankenhaus behandelt wurden. Die Patienten nahmen entweder einzeln oder in Gruppen an den Übungen teil und erhielten in einem Zeitraum von zwei bis zehn Wochen verschiedene Arten von Gedächtnistraining. Dabei wurde jede Form von Therapie, die die Gedächtnisfunktion verbessern könnte, als Gedächtnis-Rehabilitation eingestuft. Bei „internen“ Hilfestellungen stand das Erlernen von Eselsbrücken, Sprechübungen und bildlichen Vorstellungen im Vordergrund. „Externe“ Hilfsmittel wie Tagebücher oder Kalender sollten beim Erinnern und beim Abrufen von Information helfen. In den Kontrollgruppen bekamen die Patienten keine solchen gezielten Therapien zur Verbesserung der Gedächtnisleistung, jedoch verschiedene andere Reha-Maßnahmen.

Um herauszufinden, ob die Teilnehmer mit der Reha bessere Ergebnisse erzielten als die jeweilige Kontrollgruppe, benutzten die Forscher subjektive Bewertungen und objektive Messungen der Gedächtnisfunktionen. So wurden sowohl kurz- wie auch langfristige Wirkungen auf die Gedächtnisleistung, funktionelle Fertigkeiten, die Stimmung und die Lebensqualität betrachtet.

Wirkung kurzfristig und nicht objektiv messbar

Im Vergleich zu den Kontrollgruppen war die Verbesserung der subjektiven Gedächtnisleistung mit der Reha nur kurzfristig – etwa in den ersten vier Wochen nach der Behandlung – nachweisbar. Es gab keine ausreichende Evidenz, dass diese Verbesserung länger anhielt zum Beispiel wenn die Studienteilnehmer nach drei Monaten oder später erneut befragt wurden. Die Review-Autoren fanden keine signifikante kurz- oder langfristige Wirkung auf objektive Gedächtnistests oder funktionelle Fertigkeiten. Auch schien es keine Verbesserungen bezüglich Unabhängigkeit im alltäglichen Leben, Stimmung oder Lebensqualität der Betroffenen zu geben. Der Nutzen von Gedächtnis-Rehabilitation nach einem Schlaganfall war also, wenn überhaupt, nur subjektiv vorhanden und nicht von Dauer. Dies heißt nun nicht, dass in der Rehabilitation von Menschen nach einem Schlaganfall nicht auch versucht werden sollte, vorhandene Gedächtnisprobleme anzugehen. Leider war die Anzahl und Qualität der bisherigen randomisiert-kontrollierten Studien in diesem Bereich jedoch nicht ausreichend, um eine klare evidenzbasierte Empfehlung auszusprechen.

Text: Stephanie Heyl und Erik von Elm

Hier geht´s zum Cochrane Review: http://www.cochrane.org/CD002293/STROKE_cognitive-rehabilitation-memory-deficits-after-stroke

Umfassende gesetzliche Rauchverbote schützen Nichtraucher

Wed, 12/28/2016 - 12:24

Eine Zigarette oder Zigarre nach dem Festmahl gehört für viele zu einem gelungenen Festabend dazu. Auch wenn es gemütlich ist drinnen bei den Liebsten zu rauchen, sollte man sich überlegen doch lieber vor die Tür zu gehen. Denn Passivrauch schadet der Gesundheit von Nichtrauchern – ob groß oder klein.

Auch wenn über 70 Prozent der Deutschen nicht rauchen, sind viele Menschen durch Passivrauch gefährdet. Dieser birgt nämlich erhebliche gesundheitliche Gefahren. Daher ist ein (gesetzlicher) Nichtraucherschutz wichtig. Vor allem, weil Rauchen das größte vermeidbare Gesundheitsrisiko darstellt.
Erfreulich ist, dass im deutschsprachigen Raum ein deutlicher Trend zum Nichtrauchen über alle Altersgruppen hinweg erkennbar ist. Am stärksten ist dieser Trend bei Kindern und Jugendlichen: Nur noch zehn Prozent der 12- bis 17-Jährigen greifen aktuell regelmäßig zum Glimmstängel. Vor 20 Jahren waren es fast dreimal so viele.

Eher unerfreulich ist hingegen die Tatsache, dass 2014 jede fünfte Person über 15 Jahre in der EU Passivrauch ausgesetzt war. Fast die Hälfte aller Passivraucher sind Kinder. Sie sind unter anderem  wegen ihrer höheren Atemfrequenz besonders von den giftigen Substanzen im Rauch gefährdet.

Laut der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) sind etwa 90 Stoffe des Zigarettenrauchs krebserregend oder potentiell krebserregend.
Jeder, der den blauen Dunst einatmet, erhöht sein Risiko für Lungenkrebs, und jüngere Frauen wahrscheinlich auch ihr Brustkrebsrisiko. Bei Nichtrauchern erhöht sich durch Passivrauch auch das Risiko für Herzkreislauferkrankungen mit Folgen wie Infarkten und Schlaganfällen, wenn auch nicht so gravierend wie bei Aktivrauchern.

Weltweit sterben ca. sechs Millionen Menschen an den Folgen des Rauchens. Geschätzte weitere 331.000 Menschen sind Opfer der Passivrauchfolgen, berichtete das Fachmagazin Lancet in einer Studie von 2015. Die Europäische Union schätzte die Anzahl der Todesopfer durch Passivrauch in der EU im Jahr 2007 auf über 200 pro Tag.

Handlungsfreiheit der Raucher nachrangig

Aufgrund des Rechts der Nichtraucher auf körperliche Unversehrtheit kann die allgemeine Handlungsfreiheit von Rauchern sekundär eingeschränkt werden.

In Deutschland, Österreich und der Schweiz hat jeder Arbeitnehmer und jede Arbeitnehmerin einen Rechtsanspruch auf einen rauchfreien Arbeitsplatz.  Trotzdem darf in Österreich in Restaurants, Bars geraucht werden. Wenn ein Restaurant klein ist, braucht es nicht einmal einen Nicht-Raucherbereich.

In Deutschland, Österreich und der Schweiz gelten seit einigen Jahren Gesetzte, die dass das Rauchen in öffentlichen Gebäuden, öffentlichen Verkehrsmitteln und Plätzen verbieten.
Primäres Ziel aus Sicht der Gesundheitsvorsorge muss der Schutz des Nichtrauchers vor Gesundheitsschäden sein, ein weiterer wichtiger Aspekt ist aber auch die Schaffung von Möglichkeiten für Raucher, um mit dem Rauchen aufzuhören.

Verbote bieten zugleich das Potential, soziale Werte und Normen bezüglich des Rauchverhaltens zu beeinflussen.

Interventionen zur Reduktion von Umgebungsrauch

In einem aktualisierten Cochrane Review wurde untersucht, welche Wirkung gesetzliche Rauchverbote auf die Gesundheit von Passivrauchern, und das Rauchverhalten aktiver Raucher haben. Die Autoren suchten in Datenbanken und auf Webseiten bis Februar 2015 nach Studien, die die Wirkung des Rauchverbots auf Gesundheitsaspekte und das Rauchverhalten untersuchen. Insgesamt wurden im aktualisierten Review 77 Studien begutachtet, 12 Studien wurden aus einem bestehenden Cochrane Review (2010) übernommen, 65 neue identifiziert.

Rauchverbote können auf lokalem, regionalem oder nationalem Level verhängt werden und sich auch in ihrem Ausmaß unterscheiden. So wurden gesetzliche Komplettverbote in Innenräumen inklusive Bars und Restaurants von den Review Autoren als ‘umfassende Rauchverbote‘ eingestuft; solche Komplettverbote wurden in der Mehrheit der begutachteten Studien untersucht (n=nicht berichtet). Solche, die das Rauchen in bestimmten Bereichen erlaubten, wurden als ‘partielle Rauchverbote‘ eingestuft (18 Studien).

In 42 Studien wurden Krankenhausdaten analysiert, um die Aufnahme- und Entlassungszahlen bestimmter Jahrgänge in verschiedenen Ländern zu untersuchen. Elf Studien verwendeten länderspezifische Umfragen bezüglich aktiver Rauchexposition in der Bevölkerung und vier Studien setzten passive Rauchexposition am Arbeitsplatz in Zusammenhang mit Gesundheitsergebnissen.

Was bringts?

Insgesamt zeigt sich ein Trend, dass insbesondere die Einführung von umfassenden Rauchverboten zur Reduktion von rauchbedingten kardiovaskulären Krankheiten und Todesfällen und somit zu verbesserter Gesundheit führt. Wurde nur ein partielles Verbot untersucht, waren die Ergebnisse nicht so deutlich. Interessant: Bei einer längeren Nachbeobachtung nach Einführung der Rauchverbote, stellen die Autoren fest, dass die positiven Gesundheitsergebnisse entweder konstant blieben oder sich sogar noch verbesserten.
Derartige Rauchverbote beziehen sich natürlich nur auf den öffentlichen Raum. Zuhause muss jeder und jede selbst Lösungen für ein gesundes Raumklima finden. Ein bisschen unverqualmte Luft wäre aber auf jeden Fall eine origineller Vorsatz für das neue Jahr.

Text: Stephanie Heyl

Hier geht´s zum Cochrane Review:  http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/14651858.CD005992.pub3/abstract;jsessionid=8E5062F7D039A671BFCC4C6A331D728B.f04t02

Bildnachweis: Elfs on santa sleigh with Father Christmas via photopin (license)

Cochrane Reviews informieren 90% der WHO Leitlinien

Mon, 12/19/2016 - 08:30

WHO Leitlinien dienen weltweit als Entscheidungshilfen in der gesundheitlichen Versorgung und tragen damit zu guten gesundheitspolitischen Entscheidungen und optimaler Therapie und mehr Sicherheit im klinischen Alltag bei. In viele dieser Leitlinien fließt Evidenz aus systematischen Reviews von Cochrane ein.

Das Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist „Gesundheit für alle“. Dies hat die WHO in ihrer gleichnamigen Strategie festgehalten und in kleinere, konkrete Schritte eingeteilt. Dazu gehören beispielsweise die Reduktion von verschiedenen Krankheiten, eine gesunde Umwelt oder adäquate Gesundheitsversorgung.

Die Entscheidungen, wie diese Ziele tatsächlich erreicht werden sollen, müssen durch wissenschaftliche Evidenz aus Studien gestützt werden, die darüber informiert, welche Maßnahmen erfolgsversprechend sind, und welche eher nicht.

Wissensexplosion

Jeden Tag erscheinen aber Unmengen an neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen in wissenschaftlichen Fachzeitschriften. In „PubMed“ – einer der wichtigsten Literaturdatenbanken der Medizin – werden jedes Jahr allein über 20.000 randomisierte, kontrollierte Studien gelistet und es werden jährlich mehr. All jene, die Antworten auf Fragen suchen, haben es deshalb schwer: Wie den Überblick behalten? Welchen Informationen trauen?

Systematische Reviews, wie sie von Cochrane Autoren erstellt werden, können Struktur in die Informationsflut bringen. Reviews fassen alle Studien zu einer gemeinsamen klinischen oder gesundheitsrelevanten Fragestellung zusammen, kombinieren die Ergebnisse aus Einzelstudien zu einem Gesamtergebnis (sog. Metaanalyse) und beurteilen, wie verlässlich dieses Gesamtergebnis ist.

Auf Basis solcher systematischen Reviews ist es viel leichter einen Überblick über die verfügbare Evidenz zu erhalten und die Wirksamkeit und Risiken von Maßnahmen einzuschätzen. Reviews sortieren praktisch die Evidenz. So bilden sie die Grundlage für Leitlinien, die konkrete Handlungsempfehlungen aussprechen.

Die Arbeit von Cochrane findet international Beachtung: einen Großteil der WHO Leitlinien bezieht sich auf Evidenz aus Cochrane Reviews. Somit beeinflussen Cochrane Reviews weltweit Gesundheitspolitik und Behandlungspraxis.

90% der WHO Leitlinien enthalten Cochrane Evidenz

Der Anteil der WHO Leitlinien, die Cochrane Reviews bei der Entwicklung verwendet hat, erreicht einen neuen Rekord. War bis 2015 bereits in 75% der WHO Leitlinien Cochrane Evidenz enthalten, ist der Anteil seit diesem Jahr sogar bei 90%. Bis zum 26. September 2016 wurden 474 Cochrane Reviews für 160 WHO Leitlinien (und für andere evidenzbasierte Empfehlungen) verwendet, die zwischen den Jahren 2008 und 2016 veröffentlicht wurden. 14 dieser 160 WHO Leitlinien haben sogar mehr als 10 Cochrane Reviews bei ihrer Erstellung verwendet.

Leitlinien: Entscheidungshilfen für eine bessere Versorgung und mehr Sicherheit

Systematisch entwickelte Leitlinien sind eine große Hilfe für Personen, die im Gesundheitswesen tätig sind. Sie helfen, die Qualität der Gesundheitsversorgung zu verbessern, da sie bei speziellen Fragestellungen und/oder Krankheiten praxisorientierte und aktuelle Informationen zur Behandlung und Entscheidungsfindung liefern. Sie unterstützen rationale Entscheidungen unter Einbezug von Patientenpräferenzen und vorhandenen Ressourcen. Obwohl Leitlinien nicht verbindlich sind, sind sie ein vielgenutztes Tool.

Evidenzbasierte Leitlinien fördern auch die Transparenz der medizinischen Entscheidung, indem sie nach einem definierten Vorgehen entwickelt werden. In die Entwicklung einer Leitlinie sind idealerweise Experten aus verschiedenen Fachbereichen und Regionen, sowie Patienten mit eingebunden. Nicht selten werden Leitlinien auch für einen bestimmten geographischen Kontext oder für eine bestimmte Personengruppe, beispielsweise ältere Personen oder Kinder.

Text: K. Sauer

Cochrane Crowd: Mitmachen erwünscht!

Mon, 12/12/2016 - 09:53

Sie messen die Temperatur von Flüssen, kartografieren die Ausbreitung von eingeschleppten Pflanzenarten oder befragen Bauern nach ihrer Mundart. Der neue Trend heisst Citizen
Science, zu Deutsch: Bürgerwissenschaft.

Manche Projekte werden von engagierten Laien angeregt und durchgeführt, andere werden von Wissenschaftlern geplant, wären aber ohne die
tatkräftige Unterstützung von Laien schlichtweg nicht durchführbar. Bei Cochrane tragen seit März 2014 Citizen Scientists auf einer neuen Online-Plattform zur Identifikation von
randomisierten kontrollierten Studien (kurz: RCTs) bei. Das gleicht der sprichwörtlichen Suche nach der Nadel im Heuhaufen, macht aber trotzdem Spass.

Im Hobbykeller selbst Teilchen zu beschleunigen und ein bisschen Antimaterie zu erzeugen, wird wohl auch weiterhin Utopie bleiben. Trotzdem ist es für Laien in vielen Bereichen möglich, eigene
Fragen zu stellen, damit die Forschungslandschaft etwas mitzugestalten oder mit der kostbaren Ressource Zeit ein sinnvolles Projekt zu unterstützen. Ganz nebenbei trägt das auch zu einer
Demokratisierung des Wissenschaftsbetriebs bei.

Seit der Zugang zum Internet in unseren Breiten von fast überall möglich ist, wird auch die Mitarbeit in Forschungsprojekten immer einfacher und findet so ausserhalb der „Elfenbeintürme“ der akademischen Wissenschaft statt.

Die Arbeit von Cochrane wäre ohne die vielen kleinen Beiträge Einzelner ohnehin schwer vorstellbar. Das fängt mit dem Engagement der vielen TeilnehmerInnen in klinischen Studien an. Und geht weiter mit den vielen verschiedenen Schritten, die nötig sind, bis die Daten einer Studie möglichst vollständig erhoben, analysiert und veröffentlicht sind.

Bevor dann – oft Jahre später – ein Autorenteam einen systematischen Review zu einer definierten Fragestellung erstellen kann, muss die vorhandene Forschungsliteratur in elektronischen Datenbanken erfasst und mit Schlagwörtern „suchbar“ gemacht werden. Schon früh wurde bei Cochrane erkannt, dass ein eigenes Register sinnvoll ist, das aus mehreren Quellen mit Angaben zur wissenschaftlichen Literatur gespeist wird und in das nur Referenzen von kontrollierten Vergleichsstudien Eingang finden.

Das Cochrane Central Register of Controlled Trials (kurz: CENTRAL) umfasst heute fast eine Million Referenzen zu solchen Studien. Jeder kann mithelfen, anhand der Titel und Zusammenfassungen (den sogenannten „Abstracts“) der bereits veröffentlichten Artikel diejenigen herauszufiltern, die von RCTs berichten und für zukünftige systematische Reviews besonders wichtig sein könnten. Dafür sind ein solides Leseverständnis in Englisch gefragt und die Bereitschaft zu lernen, wie einige wesentliche Studientypen unterschieden werden.

Cochrane Crowd: Plattform für Citizen Scientists

Konkret sieht das so aus: Die Plattform Cochrane Crowd enthält aktuell eine große Menge an unsortierter Referenzen inklusive Titel und das Abstract aus der Datenbank EMBASE. Die Citizen Scientists sichten diese kurzen Texte und entscheiden, ob es sich dabei um einen RCT handelt, die Referenz also für eine mögliche Aufnahme in CENTRAL geeignet ist.

Eine spielerische Anleitung erklärt, wie die RCTs erkannt und von den vielen weniger interessanten Studien unterschieden werden können, die keine zufällige Zuteilung der Teilnehmer in die Vergleichsgruppen benutzt haben. Dabei gibt es Entscheidungshilfen und einige Testläufe am Anfang. Wer diese erfolgreich absolviert hat, wird auf die echten Referenzen losgelassen. Aber keine Angst: dabei ist niemand alleine. Ein ausgetüftelter Algorithmus legt fest, welches Abstract von wie vielen Reviewern unabhängig voneinander klassifiziert wird und wie viele Klassifizierungen vor Aufnahme in CENTRAL (oder Ausschluss) nötig sind.

Die Citizen Scientists können bequem zuhause am Computer oder unterwegs am Smartphone so viele oder wenige Abstracts sichten wie sie wollen. Das Ganze funktioniert auch offline. Mit hinterlegten Suchwörtern können dazu auch eigene Interessenschwerpunkte festgelegt werden. Auch wenn jede(r) nur wenige Klassifizierungen vornimmt, kommt insgesamt eine ansehnliche Anzahl zusammen.

Eine Million – ein hochgestecktes Ziel

Schon zehn Minuten Mitarbeit am Tag, zum Beispiel am Morgen im Bus, bringen das gesamte Projekt weiter. Seit Beginn haben bereits fast 4000 Menschen aus 88 Ländern zu Cochrane Crowd beigetragen. Jetzt nähert sich Cochrane Crowd dem Meilenstein von einer Million einzelnen Klassifizierungen!

Um diese magische Grenze noch in diesem Jahr zu knacken, startet am 19. Dezember um 11 Uhr MEZ ein sogenannter Challenge. In den folgenden 48 Stunden sollen so viele Klassifizierungen wie möglich vorgenommen werden. Alles wird genau gezählt und für jede neue macht Cochrane eine Spende an Ärzte ohne Grenzen oder UNICEF in Großbritannien. Es gibt also gleich mehrere Gründe zum Mitmachen!

Wir hoffen, die Server sind auf den Ansturm vorbereitet…

Text: Stephanie Heyl und Erik von Elm

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