Welche Wirkungen haben Makrolide (Antibiotika) zur Vorbeugung langfristiger Lungenerkrankungen bei Frühgeborenen?
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Die bronchopulmonale Dysplasie (BPD) ist eine langfristige Lungenerkrankung, die häufig bei Frühgeborenen mit noch nicht vollständig entwickelten Lungen auftritt. Es ist unklar, ob Makrolide (Antibiotika) bei sehr frühgeborenen Säuglingen (Geburt vor der 32. Schwangerschaftswoche) oder Neugeborenen mit sehr niedrigem Geburtsgewicht (unter 1500 g), die in den ersten 72 Lebensstunden invasiv beatmet werden müssen, eine bronchopulmonale Dysplasie verhindern können und dabei sicher sind.
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Es werden weitere Studien benötigt, um die langfristigen Auswirkungen von Makroliden zu untersuchen. Zudem sollte geprüft werden, ob Makrolide auch bei anderen Neugeborenengruppen mit einem Risiko für oder einer bereits bestehenden bronchopulmonalen Dysplasie wirksam und sicher sind. Auch die Dauer der Verabreichung von Makroliden muss weiter erforscht werden.
Sehr frühgeborene Neugeborene und Neugeborene mit sehr niedrigem Geburtsgewicht haben ein erhöhtes Risiko für eine bronchopulmonale Dysplasie. Diese langfristige Lungenerkrankung tritt häufig bei Frühgeborenen auf, deren Lungen noch nicht vollständig entwickelt sind. Die Erkrankung kann leicht bis schwer verlaufen. Entzündungen in den Lungenbläschen können dabei das Atmen erschweren. Einige Neugeborene benötigen auch zu Hause zusätzlichen Sauerstoff. Zudem sind sie im Kleinkindalter anfälliger für wiederkehrende Atemwegsinfektionen und Asthma. Neugeborene, die sehr früh geboren werden und zum Atmen einen Beatmungsschlauch in der Luftröhre benötigen, haben ein erhöhtes Risiko, eine langfristige Lungenerkrankung zu entwickeln.
Wie kann eine bronchopulmonale Dyplasie verhindert werden?Ein möglicher Ansatz zur Vorbeugung einer langfristigen Lungenerkrankung ist die Gabe von Makroliden (Antibiotika) bei Neugeborenen, die kurz nach der Geburt über einen Beatmungsschlauch in der Luftröhre beatmet werden müssen. Makrolide sind eine Gruppe von Antibiotika, die eine entzündungshemmende Wirkung auf die Lunge haben. Zu den Makroliden gehören Antibiotika wie Azithromycin, Erythromycin und Clarithromycin. Makrolide werden auch bei anderen Lungenerkrankungen eingesetzt. Dazu gehören beispielsweise die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD), bei der die Atemwege dauerhaft verengt sind, sowie Mukoviszidose, bei der sich zäher Schleim in der Lunge ansammelt. Bei einigen dieser Erkrankungen können Makrolide Atembeschwerden sowie Symptome wie Husten und pfeifende Atemgeräusche lindern.
Was wollten wir herausfinden?Wir wollten herausfinden, ob Makrolide für sehr frühgeborene Neugeborene und Neugeborene mit sehr niedrigem Geburtsgewicht von Nutzen sein können. Konkret wollten wir untersuchen, wie sich die Gabe von Makroliden (entweder über eine Vene oder direkt in den Magen) im Vergleich zu einer Scheinbehandlung (Placebo) oder keiner Behandlung auf die folgenden Endpunkte auswirkt:
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Bronchopulmonale Dysplasie
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Tod vor der Entlassung
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Magen-Darm-Beschwerden (Durchfall und Erbrechen)
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Funktionsstörung der Leber
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Herzrhythmusstörungen (unregelmäßiger Herzschlag)
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Pylorusstenose (Verengung des Magenausgangs zum Dünndarm)
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Ob nach der Geburt Steroide zur Behandlung der Lungenerkrankung benötigt wurden
Wir suchten nach Studien, die untersuchten, ob Makrolide im Vergleich zu einer Scheinbehandlung (Placebo) oder keiner Behandlung einer bronchopulmonalen Dysplasie vorbeugen können. Eingeschlossen wurden sehr frühgeborene Neugeborene und/oder Neugeborene mit sehr niedrigem Geburtsgewicht, die kurz nach der Geburt eine Beatmung über einen Schlauch in der Luftröhre benötigten. Wir fassten die Ergebnisse der Studien zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz. Dabei berücksichtigten wir Faktoren wie die Studienmethoden und die Größe der Studien.
Was fanden wir heraus?Wir fanden sechs Studien mit 1108 Frühgeborenen, in denen die Verabreichung von Makroliden mit Placebo oder keiner Behandlung bei beatmeten Neugeborenen kurz nach der Geburt verglichen wurde. Es gibt fünf laufende Studien, die noch nicht veröffentlicht oder abgeschlossen sind. Eine weitere Studie konnten wir noch nicht bewerten, da uns dafür noch Ergebnisdaten der Autor*innen fehlen.
In fünf der sechs eingeschlossenen Studien wurde Azithromycin verabreicht. In zwei Studien erhielten die Neugeborenen das Antibiotikum über sechs Wochen. Zunächst wurde es über eine Vene gegeben. Sobald die Neugeborenen ausreichend Nahrung über den Magen aufnehmen konnten, wurde die Behandlung über eine Ernährungssonde fortgesetzt. In einer weiteren Studie wurde Azithromycin über 10 Tage verabreicht, in einer über 5 Tage und in einer über 3 Tage. In der sechsten Studie wurde Erythromycin intravenös über einen Zeitraum von sieben Tagen verabreicht.
HauptergebnisseWenn sehr frühgeborene Neugeborene oder Neugeborene mit sehr niedrigem Geburtsgewicht kurz nach der Geburt einen Beatmungsschlauch benötigen, hat die Gabe von Makroliden (insbesondere Azithromycin) im Vergleich zu einer Scheinbehandlung (Placebo) oder keiner Behandlung folgende Wirkungen:
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möglicherweise keinen oder kaum einen Effekt auf die Diagnose einer bronchopulmonalen Dysplasie;
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möglicherweise einen leichten Rückgang der Todesfälle vor der Entlassung aus dem Krankenhaus;
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möglicherweise weniger Magen-Darm-Beschwerden;
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möglicherweise keinen oder kaum einen Unterschied hinsichtlich anderer unerwünschter Wirkungen wie Leberfunktionsstörungen, Herzrhythmusstörungen oder einer Pylorusstenose;
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verringern möglicherweise den Bedarf an Steroiden zur Vorbeugung oder Behandlung der Lungenerkrankung nach der Geburt.
Unser Vertrauen in die meisten der vorliegenden Ergebnisse ist gering. Das bedeutet, dass künftige Studien zu anderen Ergebnissen führen könnten. Drei Hauptfaktoren schränken die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz ein: Erstens führten unsere strengen Einschlusskriterien dazu, dass nur wenige Studien und damit nur wenige Kinder in den Review eingeschlossen wurden. Zweitens erstreckten sich die Studien über 30 Jahre. In dieser Zeit haben sich die Versorgung kranker Neugeborener und die Definition von Lungenerkrankungen deutlich verändert. Das erschwerte die Interpretation der Ergebnisse. Schließlich wurde in fünf der sechs Studien Azithromycin und in einer Studie Erythromycin untersucht. Daher können wir nicht sicher sagen, ob die Ergebnisse auch auf andere Makrolide übertragbar sind.
Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?Die Evidenz ist auf dem Stand von Juni 2025.