Cochrane Kompakt

Was hilft Neugeborenen mit Atemproblemen direkt nach der Geburt besser: Raumluft oder zusätzlicher Sauerstoff?

19 hours 17 minutes ago
Kernaussagen
  • Wenn termingeborene oder fast termingeborene Neugeborene bei der Geburt Unterstützung beim Atmen benötigen, verringert die Verwendung von Raumluft anstelle von zusätzlichem Sauerstoff möglicherweise das Risiko, dass sie vor der Entlassung aus dem Krankenhaus sterben. Allerdings können wir dies nicht mit Sicherheit sagen, da die bisherigen Studien methodische Schwächen aufweisen.

  • Die Verwendung von Raumluft anstelle von zusätzlichem Sauerstoff hat möglicherweise nur geringe oder gar keine Auswirkungen auf das Risiko einer mittelschweren oder schweren Hirnschädigung (hypoxisch-ischämische Enzephalopathie, HIE). Diese entsteht, wenn das Gehirn eines Neugeborenen zum Zeitpunkt der Geburt nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt oder durchblutet wird. Die Diagnose wird in den ersten Stunden nach der Geburt gestellt.

  • Die langfristigen Auswirkungen der Verwendung von Raumluft im Vergleich zu zusätzlichem Sauerstoff sind unklar. Keine der Studien begleitete die Kinder über das erste Lebensjahr hinaus, um ihre neurologische Entwicklung und mögliche Beeinträchtigungen anhand anerkannter, standardisierter Kriterien zu beurteilen. Zwei Studien untersuchten Kinder bis zum Alter von zwei Jahren. Allerdings verwendeten diese Studien weniger zuverlässige Untersuchungsmethoden. Daher ist weiterhin sehr unsicher, ob die Verwendung von Raumluft anstelle von zusätzlichem Sauerstoff langfristig einen Unterschied macht.

Was passiert, wenn ein Neugeborenes bei der Geburt Atembeschwerden hat?

Die meisten Neugeborenen beginnen unmittelbar nach der Geburt selbstständig zu atmen. Dadurch füllen sich ihre Lungen mit Luft und der Körper stellt sich darauf um, den Sauerstoff nicht mehr über die Plazenta, sondern über die eigene Lunge aufzunehmen. Etwa jedes zehnte Neugeborene, das zum oder nahe dem errechneten Geburtstermin (termingerecht oder spätfrühgeboren) zur Welt kommt, benötigt jedoch Unterstützung, um mit dem Atmen zu beginnen. Wenn ein Neugeborenes nicht effektiv atmen kann, kann es zu einer sogenannten Asphyxie kommen. Dabei handelt es sich um einen Zustand, bei dem der Körper – insbesondere das Gehirn – nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. Eine Asphyxie ist ein schwerwiegendes Problem, das zum Tod oder zu dauerhaften Hirnschäden führen kann.

Wie wird dieser Zustand behandelt?

Wenn Neugeborene Schwierigkeiten haben, ihre Lungen zu entfalten, unterstützen medizinische Fachkräfte ihre Atmung häufig mithilfe einer Maske. Dabei wird Luft unter leichtem Druck in die Lunge geleitet (Überdruckbeatmung). Dabei können sie entweder Raumluft mit einem Sauerstoffgehalt von 21 % oder zusätzlich Sauerstoff mit einer Konzentration von bis zu 100 % verwenden.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob Raumluft oder zusätzlicher Sauerstoff besser geeignet ist, um termingeborenen oder fast termingeborenen Neugeborenen dabei zu helfen, direkt nach der Geburt selbstständig zu atmen. Wir wollten insbesondere herausfinden, ob Raumluft die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass:

  • die Neugeborenen überleben (Verringerung der Todesfälle vor der Entlassung aus dem Krankenhaus); und

  • mittelschwere bis schwere Hirnschäden (hypoxisch-ischämische Enzephalopathie, kurz HIE) vermieden werden.

Außerdem wollten wir herausfinden, ob die Verwendung von Raumluft unerwünschte Wirkungen hat, beispielsweise langfristige Beeinträchtigungen der Entwicklung oder der körperlichen Fähigkeiten der Kinder.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen Raumluft mit zusätzlichem Sauerstoff bei Neugeborenen verglichen wurde, die zum oder kurz vor dem errechneten Geburtstermin zur Welt kamen und Hilfe benötigten, um mit dem Atmen zu beginnen. Wir haben die Ergebnisse dieser Studien verglichen und zusammengefasst. Außerdem bewerteten wir unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie der Studiendurchführung und der Anzahl einbezogener Neugeborener.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 12 Studien mit insgesamt 2.054 Neugeborenen, die zum Geburtstermin oder bis zu fünf Wochen früher geboren wurden. Diese Studien wurden sowohl in Ländern mit hohem Einkommen als auch in Ländern mit niedrigem bis mittlerem Einkommen durchgeführt. In allen Studien wurde Raumluft (21 % Sauerstoff) mit reinem Sauerstoff (100 %) verglichen, um Neugeborene direkt nach der Geburt beim Atmen zu unterstützen.

Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Verwendung von Raumluft anstelle von 100 % reinem Sauerstoff die Zahl der Todesfälle vor der Entlassung der Neugeborenen aus dem Krankenhaus möglicherweise verringert. Allerdings hat die Verwendung von Raumluft möglicherweise kaum oder gar keinen Einfluss auf das Risiko einer mittelschweren oder schweren Hirnschädigung (HIE). Keine der Studien untersuchte die Kinder lange genug, um mittelschwere bis schwere langfristige Entwicklungsbeeinträchtigungen oder Behinderungen nach dem ersten Lebensjahr anhand anerkannter, standardisierter Kriterien zu beurteilen.

Insgesamt sind wir uns über die Wirkungen auf diese wichtigen gesundheitlichen Endpunkte noch nicht sicher, da die verfügbare Evidenz begrenzt ist und die Studien methodische Schwächen aufweisen.

Was schränkt die Evidenz ein?

Wir haben aus mehreren Gründen nur wenig Vertrauen in diese Ergebnisse. Die meisten Studien wiesen Schwächen in ihrer Planung oder Durchführung auf, die möglicherweise die Genauigkeit der Ergebnisse beeinträchtigt haben. So gab es beispielsweise Bedenken hinsichtlich der Einteilung der Neugeborenen in die Behandlungsgruppen und der Berichterstattung über die Ergebnisse. Die Evidenz ist zudem eingeschränkt, da die Studien klein waren und nicht genügend Neugeborene umfassten, um eine eindeutige Aussage treffen zu können. Zwar verglichen die Studien Raumluft mit reinem Sauerstoff (100 %), aber keine untersuchte Sauerstoffkonzentrationen dazwischen. Auch wurde die Sauerstoffzufuhr in keiner Studie an den tatsächlichen Bedarf der Neugeborenen angepasst. Aufgrund dieser Evidenzlücken und der wenigen verfügbaren Daten zur langfristigen Gesundheit und Gehirnentwicklung können wir nicht mit Sicherheit sagen, ob sich die Ergebnisse auf alle Neugeborenen in der heutigen klinischen Versorgung übertragen lassen.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von Januar 2026.

Rüegger CM, Dawson JA, Cracknell J, Fiander M, Davis PG, Gaertner VD, Supported by the Cochrane Neonatal Review Group

Verkürzt die tägliche Unterbrechung der Sedierung die Zeit, die Patient*innen auf der Intensivstation an Beatmungsgeräten verbringen?

19 hours 17 minutes ago
Kernaussagen
  • Eine tägliche Unterbrechung der Sedierung kann möglicherweise die Beatmungsdauer verkürzen. Wahrscheinlich senkt sie zudem die Sterblichkeit und verkürzt den Aufenthalt auf der Intensivstation und im Krankenhaus verglichen mit Sedierungsverfahren ohne tägliche Unterbrechung.

  • Eine tägliche Unterbrechung der Sedierung hat möglicherweise kaum oder keinen Einfluss auf das Risiko, dass der Beatmungsschlauch oder andere Schläuche versehentlich herausgezogen werden. Wahrscheinlich verringert sie jedoch die Notwendigkeit einer Tracheotomie (Einführen eines Beatmungsschlauchs über einen Zugang am Hals in die Luftröhre). Eine tägliche Unterbrechung der Sedierung hat möglicherweise kaum oder keinen Einfluss auf die verabreichte Menge an Sedativa. Wahrscheinlich erhöht sie jedoch die Menge an Schmerzmitteln aus der Gruppe der Opioide (morphinartige Schmerzmittel), die Patient*innen während ihres Aufenthalts auf der Intensivstation erhalten.

  • Es sind weitere Studien bei Kindern erforderlich. Zukünftige Studien sollten erfassen, welche Gesamtmengen an Sedativa und Schmerzmitteln verabreicht werden und wie sich die Behandlung auf die Lebensqualität der Patient*innen auswirkt.

Was bedeutet eine tägliche Unterbrechung der Sedierung?

Schwer kranke Säuglinge, Kinder und Erwachsene auf der Intensivstation müssen möglicherweise künstlich beatmet werden (mechanische Beatmung). Dafür wird ein Beatmungsschlauch in die Luftröhre eingeführt (Intubation). Künstlich beatmete Patient*innen benötigen möglicherweise auch beruhigende Medikamente (Sedativa), damit sie den Beatmungsschlauch besser tolerieren und sich wohler fühlen. Sedativa werden in der Regel als Infusion in eine Vene verabreicht.

Da der Körper schwer kranker Patient*innen Medikamente möglicherweise anders verarbeitet, können sich Sedativa und Schmerzmittel im Körper anreichern. Dadurch kann es schwieriger werden, die Patient*innen zu wecken, wenn sich ihr Zustand verbessert. Dies kann wiederum die Dauer der künstlichen Beatmung verlängern. Die tägliche Unterbrechung der Sedierung dient dazu, um zu überprüfen, ob die Patient*innen aufwachen und ob sie weiterhin beruhigende Medikamente benötigen. Wenn sich die Patient*innen unwohl fühlen und weiterhin eine Sedierung benötigen, wird die Gabe der beruhigenden Medikamente in niedrigerer Dosierung wieder aufgenommen. Wenn sich die Patient*innen im Wachzustand wohlfühlen und selbstständig und sicher atmen können, kann das medizinische Team prüfen, ob der Beatmungsschlauch entfernt werden kann.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob eine tägliche Unterbrechung der Sedierung im Vergleich zu anderen Sedierungsstrategien dazu beitragen kann, Folgendes zu verringern:

  • die Dauer der Beatmung;

  • Todesfälle;

  • die Dauer des Aufenthalts auf der Intensivstation und im Krankenhaus;

  • sedierungsbedingte unerwünschte Ereignisse, darunter das versehentliche Herausziehen des Beatmungsschlauchs oder anderer Schläuche und Zugänge, Schwierigkeiten bei der Entwöhnung von der künstlichen Beatmung, die Notwendigkeit einer Tracheotomie (Anlegen eines Zugangs zur Luftröhre am Hals) sowie das Auftreten eines Delirs (eine plötzlich auftretende Störung des Denkens, des Verständnisses und der Aufmerksamkeit);

  • die Menge der verabreichten Sedativa und Schmerzmittel.

Außerdem wollten wir herausfinden, welche der Sedierungsstrategien die Lebensqualität der Betroffenen stärker verbessert.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien mit Erwachsenen und Kindern, die eine tägliche Unterbrechung der Sedierung mit anderen Sedierungsstrategien ohne tägliche Unterbrechung verglichen. Wir verglichen und fassten die Ergebnisse der Studien zusammen. Außerdem bewerteten wir unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie den Studienmethoden und der Anzahl der einbezogenen Personen.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 23 Studien mit 5.987 Teilnehmenden (3.238 Erwachsene; 2.750 Kinder). Sieben Studien wurden in Nordamerika durchgeführt, sechs in Europa, drei in China, zwei in Ägypten sowie jeweils eine in Australien, Brasilien, Indien, Indonesien und Japan.

Das tägliche Unterbrechen der Sedierung wurde verglichen mit:

  • Schritt-für-Schritt-Anleitungen zur Steuerung der Sedierung;

  • der üblichen Vorgehensweise, bei der das medizinische Team über die Steuerung der Sedierung entscheidet; oder

  • einer Strategie, bei der die Schmerzbehandlung im Vordergrund steht und beruhigende Medikamente nur dann eingesetzt werden, wenn sich die Patient*innen sehr unwohl fühlen und sich selbst gefährden.

Hauptergebnisse

Im Vergleich zu anderen Verfahren zur Steuerung der Sedierung führt das tägliche Unterbrechen der Sedierung dazu, dass:

  • die Dauer der künstlichen Beatmung möglicherweise um etwa 14 % verkürzt wird. Dies entspricht bei Erwachsenen etwa einem Tag und bei Kindern 0,4 Tagen (18 Studien, 3.815 Teilnehmende);

  • die Zahl der Todesfälle wahrscheinlich um etwa 3,5 % sinkt (18 Studien, 4.057 Teilnehmende);

  • die Aufenthaltsdauer auf der Intensivstation wahrscheinlich um etwa 11 % verkürzt wird. Dies entspricht bei Erwachsenen etwa 1,1 Tagen und bei Kindern 0,5 Tagen (18 Studien, 4.477 Teilnehmende);

  • die tägliche Unterbrechung der Sedierung möglicherweise kaum oder keinen Einfluss darauf hat, wie häufig der Beatmungsschlauch (16 Studien, 4.342 Teilnehmende) oder andere Schläuche (7 Studien, 1.536 Teilnehmende) versehentlich herausgezogen werden;

  • die tägliche Unterbrechung der Sedierung wahrscheinlich dazu führt, dass seltener eine Tracheotomie erforderlich ist (8 Studien, 2.503 Teilnehmende).

Es ist sehr unsicher, welchen Einfluss eine tägliche Unterbrechung der Sedierung auf die Menge der Sedativa hat, die Patient*innen auf der Intensivstation erhalten. Die tägliche Unterbrechung der Sedierung führt wahrscheinlich zu einem leichten Anstieg der verabreichten Menge an Schmerzmitteln aus der Gruppe der Opioide (morphinartige Schmerzmittel). Die verschiedenen Sedierungsstrategien unterscheiden sich möglicherweise kaum oder gar nicht in ihrer Wirkung auf die Lebensqualität der Patient*innen. Die Evidenz ist jedoch sehr unsicher.

Was schränkt die Evidenz ein?

Wir haben mäßiges Vertrauen in die Evidenz zur Sterblichkeit und zur Aufenthaltsdauer auf der Intensivstation und im Krankenhaus. Unser Vertrauen in die Evidenz zur Dauer der künstlichen Beatmung, zu bestimmten unerwünschten Ereignissen und zur Menge der verabreichten Medikamente ist dagegen gering. Unser Vertrauen in die Evidenz war vor allem aus folgenden Gründen eingeschränkt:

  • die Ergebnisse zwischen den Studien variierten teilweise;

  • in den Studien wurden unterschiedliche Sedierungsverfahren miteinander verglichen;

  • einige Endpunkte wurden von zu wenigen Studien berichtet, um die Effektstärke mit Sicherheit einschätzen zu können.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Dieser Review ist eine Aktualisierung einer vorherigen Version. Die Evidenz ist auf dem Stand vom 8. Oktober 2025.

Rose L, Williamson DR, McCullagh IJ, Skidmore B, Fergusson DA, Perreault MM, Burry LD

Welchen Nutzen und welche Risiken hat Musik für Menschen, deren Blut regelmäßig mithilfe einer Maschine gereinigt wird (Hämodialyse)?

1 day 20 hours ago
Kernaussagen
  • Menschen, deren Nieren nicht mehr ausreichend funktionieren, benötigen eine Hämodialyse. Bei diesem Verfahren werden mithilfe einer Maschine Abfallstoffe sowie überschüssige Salze und Flüssigkeit aus dem Blut entfernt. Musikbasierte Angebote während der Hämodialyse verbessern möglicherweise kurzfristig (bis zu vier Wochen) Müdigkeit und Schmerzen sowie kurz- und mittelfristig depressive Symptome.

  • Es ist sehr ungewiss, ob musikbasierte Angebote mittelfristig (nach vier Wochen bis zu sechs Monaten) Müdigkeit und kurz- sowie mittelfristig den Blutdruck beeinflussen. In keiner Studie wurden Müdigkeit, Blutdruck oder depressive Symptome über einen Zeitraum von mehr als sechs Monaten gemessen, und in keiner Studie wurden Schmerzen über einen Zeitraum von mehr als vier Wochen bewertet.

  • Weitere Studien sind erforderlich, um die Wirkungen musikbasierter Angebote bei Menschen, die eine Hämodialyse erhalten, zuverlässiger beurteilen zu können. Neue Studien sollten mehr Teilnehmende einbeziehen und die Wirkungen der musikbasierten Angebote über einen längeren Zeitraum messen.

Was sind Nierenversagen und Hämodialyse?

Nierenversagen ist ein Zustand, bei dem die Nieren nicht mehr gut genug funktionieren, um eine Person am Leben zu erhalten. Bei der Hämodialyse werden mithilfe einer Maschine Abfallstoffe sowie überschüssige Salze und Flüssigkeit aus dem Blut entfernt. Menschen, die eine Hämodialyse erhalten, sind häufig erheblichen körperlichen und psychischen Belastungen ausgesetzt.

Wie könnten musikbasierte Angebote helfen?

Zu den musikbasierten Angeboten gehören beispielsweise das Hören von Musik über Kopfhörer während der Dialyse, Live-Musik oder angeleitete Musiktherapie. Diese Angebote sollen den Betroffenen helfen, sich zu entspannen, Stress abzubauen und ihr allgemeines Wohlbefinden zu verbessern.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, wie sich musikbasierte Angebote bei Menschen, die eine Hämodialyse erhalten, auf Müdigkeit, Blutdruck, depressive Symptome und Schmerzen auswirken.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, die musikbasierte Angebote bei Menschen, die eine Hämodialyse erhalten, mit der üblichen Versorgung oder anderen Maßnahmen (z. B. dem Tragen von Kopfhörern ohne Musik) verglichen. Wir haben die Ergebnisse der Studien, soweit möglich, zusammengefasst und das Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie dem Studiendesign und der Anzahl der Studienteilnehmenden bewertet.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 27 Studien mit insgesamt 1.584 Personen, die sich einer Hämodialyse unterziehen. Die Studien fanden in 13 Ländern und Gebieten in Asien, Europa, Nordamerika und Südamerika statt.

  • Musikbasierte Angebote verringern möglicherweise die Müdigkeit kurzfristig (bis zu vier Wochen). Ob sie die Müdigkeit auch mittelfristig (nach vier Wochen bis zu sechs Monaten) beeinflussen, ist sehr ungewiss. Keine der Studien untersuchte die Müdigkeit langfristig (über sechs Monate hinaus).

  • Ob musikbasierte Angebote den Blutdruck kurz- oder mittelfristig beeinflussen, ist sehr ungewiss. Keine Studie untersuchte den Blutdruck langfristig.

  • Musikbasierte Angebote lindern möglicherweise kurz- und mittelfristig depressive Symptome. Es gab keine Studien, die sich mit depressiven Symptomen auf lange Sicht befassten.

  • Musikbasierte Angebote lindern möglicherweise kurzfristig Schmerzen. Keine Studie untersuchte Schmerzen mittel- oder langfristig.

Was schränkt die Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Evidenz ist gering bis sehr gering. Viele Studien waren klein und wiesen methodische Mängel auf, die die Ergebnisse möglicherweise beeinflusst haben. Zudem unterschieden sich die Ergebnisse zwischen den Studien. Einige Studien hatten zu wenige Teilnehmende, um zuverlässige Schlussfolgerungen ziehen zu können. Es fehlt Evidenz zu den langfristigen Wirkungen musikbasierter Angebote auf Müdigkeit, Blutdruck, depressive Symptome und Schmerzen bei Menschen, die eine Hämodialyse erhalten.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von Mai 2025.

Nishiwaki H, Levack WMM, Hasegawa T, Ota E, Noma H, Suzuki T, Watanabe Y, Abe Y, Tomioka H, Kondo D, Li D, Han Y, Kelly TN, supported by Cochrane Kidney and Transplant

Verbessert die elektrische Stimulation der Beinmuskulatur die Muskelstruktur und -funktion bei Erwachsenen mit Nierenversagen, die eine Dialyse erhalten?

2 days 20 hours ago
Kernaussagen
  • Wir wissen nicht, ob die neuromuskuläre Elektrostimulation (NMES) die Alltagsaktivitäten und die Selbstständigkeit von Erwachsenen mit Nierenversagen, die eine Hämodialyse erhalten, verbessert oder ihr Sterberisiko beeinflusst. Die Evidenz ist sehr unsicher. Bei der NMES werden über Elektroden auf der Haut schwache elektrische Impulse abgegeben, die Muskelkontraktionen auslösen.

  • NMES hat möglicherweise nur geringe oder keine Auswirkungen auf den Blutdruck und die Ruheherzfrequenz. Keine der Studien berichtete Ergebnisse zu Müdigkeit, Schmerzen, Infektionen oder Problemen mit dem Dialysezugang.

  • Weitere Forschung ist erforderlich, da zu vielen wichtigen Endpunkten, darunter Müdigkeit, Schmerzen, Infektionen und Probleme mit dem Dialysezugang, keine Ergebnisse vorliegen. An keiner der Studien nahmen Erwachsene teil, die eine Peritonealdialyse (Bauchfelldialyse) erhielten.

Was ist das Problem?

Erwachsene mit Nierenversagen, bei denen die Nieren nicht mehr ausreichend arbeiten, um den Körper am Leben zu erhalten, benötigen eine Dialyse. Dabei werden mithilfe einer Maschine Abfallstoffe sowie überschüssige Salze und Flüssigkeit aus dem Blut entfernt. Menschen, die eine Dialyse erhalten, leiden häufig unter Muskelschwäche und einem Verlust an Muskelkraft. Ursachen dafür sind unter anderem mangelnde körperliche Aktivität und die Nierenerkrankung selbst. Bewegung kann helfen, doch vielen Erwachsenen, die eine Dialyse erhalten, fällt es aufgrund von Müdigkeit, Krankheit oder Zeitmangel schwer, körperlich aktiv zu sein. Bei der neuromuskulären Elektrostimulation (NMES) werden über Elektroden auf der Haut schwache elektrische Impulse abgegeben, die Muskelkontraktionen auslösen. Diese Methode kann dazu beitragen, die Muskeln zu stärken, ohne dass sich die Betroffenen selbst aktiv bewegen müssen. Sie könnte daher besonders für Menschen hilfreich sein, die keine aktiven Bewegungsübungen durchführen können. NMES wurde bereits bei anderen Erkrankungen erfolgreich eingesetzt. Ob die Methode auch bei Erwachsenen mit Nierenversagen, die eine Dialyse erhalten, wirksam ist, ist jedoch noch unklar.

Was wollten wir herausfinden?

In dieser Übersichtsarbeit wurde untersucht, ob NMES Erwachsenen, die eine Dialyse erhalten, helfen kann. Wir wollten herausfinden, ob NMES die Alltagsaktivitäten, die Selbstständigkeit und die Herz-Kreislauf-Gesundheit verbessert und welche Auswirkungen sie auf das Sterberisiko, Müdigkeit, Schmerzen, Infektionen und Probleme mit dem Dialysezugang hat.

Wie gingen wir vor?

Wir durchsuchten mehrere wissenschaftliche Datenbanken nach Studien, die die Wirkungen von NMES auf die Beinmuskulatur von Erwachsenen untersuchten, die eine Dialyse erhielten. Studien wurden einbezogen, wenn sie NMES mit einer Gruppe verglichen, die keine NMES erhielt.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 12 Studien mit 348 Erwachsenen mit Nierenversagen, die sich einer Hämodialyse unterzogen. Für einen oder mehrere Endpunkte lagen Ergebnisse von 299 Teilnehmenden vor. Die meisten Studien waren klein, dauerten zwischen vier und 20 Wochen und wurden in Hämodialysezentren in acht Ländern durchgeführt. In den meisten Studien wurde die Beinmuskulatur während der Dialysebehandlung mittels NMES stimuliert.

  • Nur eine kleine Studie untersuchte, ob NMES Erwachsenen hilft, ihren Alltagsaktivitäten nachzugehen und selbstständig zu leben. Die Evidenz ist sehr unsicher. Daher wissen wir nicht, ob NMES die Alltagsaktivitäten und die Selbstständigkeit beeinflusst.

  • Vier Studien ergaben, dass NMES möglicherweise nur geringe oder keine Auswirkungen auf den Blutdruck hat. Zwei Studien zeigten, dass NMES möglicherweise auch die Ruheherzfrequenz kaum oder gar nicht beeinflusst.

  • Eine Teilnehmende, die die übliche Versorgung erhielt, verstarb während der Studie. Die Evidenz war sehr ungewiss, ob NMES das Sterberisiko beeinflusst.

  • In keiner Studie wurde untersucht, ob NMES Müdigkeit, Schmerzen, Infektionen oder Probleme mit dem Dialysezugang verringert.

  • An keiner der Studien nahmen Erwachsene teil, die eine Peritonealdialyse (Bauchfelldialyse) erhielten.

Was schränkt die Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Ergebnisse ist gering oder sehr gering. An den meisten Studien nahmen nur wenige Personen teil. Daher ist unklar, ob die Ergebnisse bei größeren Gruppen ähnlich ausfallen würden. In einigen Studien war nicht ausreichend beschrieben, wie sie durchgeführt wurden. Dies erschwert die Beurteilung der Zuverlässigkeit ihrer Ergebnisse. Zudem wurden in vielen Studien keine Ergebnisse zu wichtigen Endpunkten wie Müdigkeit, Schmerzen, Infektionen oder Problemen mit dem Dialysezugang erhoben oder berichtet. Die NMES-Programme unterschieden sich in ihrer Durchführung. Daher ist unklar, welches Programm am wirksamsten ist.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz basiert auf Recherchen bis Juni 2025.

Beresford L, Burgess LC, Dewhurst S, Hutchison A, Pandyan AD, supported by Cochrane Kidney and Transplant

Welche Vorteile bieten Hörgeräte für Erwachsene bei leichtem bis mittelschwerem Hörverlust, und können durch das Tragen unerwünschte Wirkungen auftreten?

2 days 20 hours ago
Kernaussagen
  • Hörgeräte verbessern wahrscheinlich deutlich die Fähigkeit von Erwachsenen mit leichtem bis mittelschwerem Hörverlust, am Alltag teilzuhaben und anderen Menschen zuzuhören. Sie verbessern das gesundheitsbezogene Wohlbefinden im Alltag möglicherweise leicht, haben jedoch möglicherweise kaum oder gar keinen Einfluss auf das Gefühl der Einsamkeit.

  • Wir sind sehr unsicher, ob Hörgeräte das Arbeitsgedächtnis (die Fähigkeit, Informationen für kurze Zeit im Gedächtnis zu behalten und damit zu arbeiten) beeinflussen oder unerwünschte Wirkungen verursachen, wie Schmerzen oder Hörschäden durch eine zu starke Verstärkung. Es gab nur sehr wenig Evidenz, die uns bei der Beantwortung dieser Frage helfen konnte.

  • Wir benötigen bessere und längerfristige Studien, die die Wirkungen von Hörgeräten getrennt nach verschiedenen Altersgruppen, Geschlechtern, Schweregraden des Hörverlusts, Hörgerätetypen, sozialen und finanziellen Verhältnissen sowie verschiedenen Bevölkerungsgruppen und Ethnien untersuchen.

Was ist ein leichter bis mittelschwerer Hörverlust?

Hörverlust ist sehr verbreitet, wobei die meisten Betroffenen einen leichten bis mittelschweren Hörverlust haben.

  • Bei einem leichten Hörverlust sind leise Töne schwerer zu hören. Dadurch kann es zu Schwierigkeiten beim Zuhören in lauten Umgebungen kommen.

  • Bei einem mittelschweren Hörverlust ist die Sprache oft nicht mehr klar verständlich. Gesprächen zu folgen kann sowohl in ruhiger als auch in lauter Umgebung schwierig sein.

Die häufigsten Ursachen für Hörverlust sind Alterung und Lärmbelastung.

Wie wird Hörverlust behandelt?

Hörgeräte sind die am häufigsten eingesetzte, weit verbreitete Technologie, um Menschen mit leichtem bis mittelschwerem Hörverlust zu helfen. Hörgeräte verstärken Schall und sollen dafür sorgen, dass Töne klarer und dadurch leichter zu hören sind. Dies ist besonders wichtig für das Verstehen von Sprache. Das übergeordnete Ziel von Hörgeräten ist es, die Auswirkungen eines Hörverlusts zu verringern und die Fähigkeit einer Person zur Teilhabe am Alltag zu verbessern.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob Hörgeräte besser sind als andere Optionen – beispielsweise der Verzicht auf Hörgeräte, Placebo-Hörgeräte (Scheinbehandlung) oder Aufklärungsprogramme – um Folgendes zu verbessern:

  • die Fähigkeit einer Person, an alltäglichen Situationen teilzuhaben;

  • unerwünschte Wirkungen wie Schmerzen oder solche, die durch übermäßige Lärmbelastung verursacht werden;

  • das Wohlbefinden in Bezug auf die allgemeine Gesundheit, wie z. B. körperliches und soziales Wohlbefinden;

  • die Fähigkeit, anderen Menschen zuzuhören;

  • die psychische Gesundheit – das Hauptinteresse galt dabei der Einsamkeit; und

  • die Fähigkeit zu denken, sich zu erinnern und zu lernen (Kognition) – das Hauptinteresse galt dabei dem Arbeitsgedächtnis (dem kurzfristigen Speichern von Informationen im Gedächtnis und dem darauf basierenden Handeln).

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen Hörgeräte für Erwachsene mit leichtem bis mittelschwerem Hörverlust im Vergleich zu anderen Optionen untersucht wurden. Wir haben die Studien verglichen und zusammengefasst und anschließend unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie Studienmethoden, Umfang und Dauer bewertet.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 16 Studien mit 2.261 Erwachsenen mit leichtem bis mittelschwerem Hörverlust. Ihr Durchschnittsalter lag zwischen 58 und 83 Jahren. Die Studien dauerten zwischen vier Wochen und drei Jahren und wurden in den USA, Europa, Brasilien, Hongkong und Australien durchgeführt.

  • Hörgeräte führen wahrscheinlich zu einer deutlichen Verbesserung der Fähigkeit von Erwachsenen mit leichtem bis mittelschwerem Hörverlust, an alltäglichen Situationen teilzuhaben (8 Studien, 1.683 Personen).

  • Es ist unklar, ob Hörgeräte unerwünschte Wirkungen haben. Nur eine Studie berichtete von zwei Fällen, in denen Personen Schmerzen oder Unwohlsein durch Hörgeräte empfanden; keine Studie berichtete über unerwünschte Wirkungen durch übermäßige Lärmbelastung.

  • Hörgeräte können das allgemeine gesundheitsbezogene Wohlbefinden möglicherweise leicht verbessern (4 Studien, 1.558 Personen) und führen wahrscheinlich zu einer deutlichen Verbesserung der Fähigkeit, anderen Menschen zuzuhören (5 Studien, 622 Personen).

  • Hörgeräte führen möglicherweise zu einem geringen oder gar keinem Unterschied hinsichtlich der Einsamkeit (2 Studien, 907 Personen).

  • Ihre Wirkungen auf das Arbeitsgedächtnis sind unklar (3 Studien, 910 Personen).

Die Evidenz aus dieser Übersichtsarbeit stützt die gängige Praxis, Erwachsenen mit leichtem bis mittelschwerem Hörverlust, die wegen ihrer Hörprobleme Hilfe suchen, Hörgeräte anzubieten.

Was schränkt die Evidenz ein?

Es gab mehrere Einschränkungen. In einer Studie lässt sich oft nur schwer verbergen, ob jemand Hörgeräte trägt, da diese in der Regel sichtbar sind. Dies könnte die Genauigkeit der Ergebnisse beeinträchtigen. Studien mit einer Dauer von drei Monaten oder weniger sind möglicherweise nicht lang genug, um das gesamte Spektrum der Wirkungen von Hörgeräten zu erfassen. Manche Wirkungen zeigen sich möglicherweise erst über einen längeren Zeitraum. Die Studien haben die Wirkungen von Hörgeräten unterschiedlich gemessen, was einen Vergleich erschwerte.

Wie aktuell ist dieser Review?

Dies ist eine Aktualisierung einer erstmals im Jahr 2017 veröffentlichten Übersichtsarbeit. Die letzte Suche nach neuen Studien erfolgte im August 2024. Wir haben außerdem veröffentlichte Evidenz aus bestehenden und laufenden Studien bis zum 18. Mai 2026 einbezogen.

Ferguson MA, Sarant JZ, Bennett RJ, McIlhiney P, Badcock N, Bothe E

Welchen Nutzen und welche Risiken haben Hausbesuche bei Familien mit Frühgeborenen oder Neugeborenen mit niedrigem Geburtsgewicht nach der Entlassung aus dem Krankenhaus?

3 days 21 hours ago
Kernaussagen
  • Hausbesuche durch medizinisches Fachpersonal oder Ehrenamtliche nach der Entlassung von zu Frühgeborenen oder Neugeborenen mit niedrigem Geburtsgewicht aus dem Krankenhaus erhöhen wahrscheinlich die Zahl der Kinder, die gestillt werden. Das kann dazu beitragen, dass mehr Kinder ausschließliche gestillt werden, verglichen mit Situationen ohne Hausbesuche.

  • Intensivere Hausbesuche durch speziell geschultes medizinisches Fachpersonal senken im Vergleich zu weniger intensiven Hausbesuchen wahrscheinlich das Risiko, dass Neugeborene sterben oder schwer an einer bakteriellen Infektion erkranken.ntensivere Hausbesuche bedeuten, dass das Fachpersonal die Familien häufiger oder länger besucht. Es ist beispielsweise speziell für die Betreuung von Frühgeborenen geschult und unterstützt die Eltern beim Hautkontakt mit ihrem Kind (Känguru-Methode).

  • Es sind weitere, größere Studien erforderlich, insbesondere in Ländern mit niedrigem Einkommen.

Was sind Frühgeborene und Neugeborene mit niedrigem Geburtsgewicht?

Neugeborene, die vor der 37. Schwangerschaftswoche geboren werden, gelten als Frühgeborene. Solche, die bei der Geburt weniger als 2,5 kg wiegen, gelten als Neugeborene mit niedrigem Geburtsgewicht. Frühgeborene und Neugeborene mit niedrigem Geburtsgewicht haben häufiger gesundheitliche Probleme als termingerecht geborene oder normalgewichtige Neugeborene, insbesondere im ersten Lebensjahr. Auch für die Eltern oder Betreuungspersonen kann die Versorgung dieser Kinder nach der Entlassung aus dem Krankenhaus mit zusätzlichen Herausforderungen verbunden sin.

Was sind Hausbesuche und warum können sie sinnvoll sein?

Bei Hausbesuchen besuchen geschulte Gesundheitsfachkräfte, Ehrenamtliche oder Pflegekräfte die Familien zu Hause, nachdem das Neugeborene aus dem Krankenhaus entlassen wurde. Sie zeigen den Eltern, wie sie ihr Neugeborenes zu Hause versorgen und in seiner Entwicklung fördern können. Außerdem achten sie darauf, ob gesundheitliche Probleme auftreten. Hausbesuche können sich darin unterscheiden, wie häufig und wie lange sie stattfinden, wer sie durchführt und welche Art von Betreuung die Familien erhalten.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob Hausbesuche nach der Entlassung aus dem Krankenhaus die Gesundheit der Neugeborenen und die psychische Gesundheit ihrer Eltern und Betreuungspersonen verbessern sowie die Bindung zum Kind stärken können.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen Folgendes miteinander verglichen wurde:

  • Hausbesuche bei Familien mit Frühgeborenen oder Neugeborene mit niedrigem Geburtsgewicht im Vergleich zu keinen Hausbesuchen; oder

  • intensivere Hausbesuche im Vergleich zu weniger intensiven Hausbesuchen im Rahmen der Regelversorgung.

Intensivere Hausbesuche konnten bedeuten, dass die Besuche häufiger stattfanden oder länger dauerten, speziell geschulte Gesundheitsfachkräfte eingesetzt wurden oder zusätzliche Betreuungsangebote vorgesehen waren. Dazu gehörte beispielsweise die Unterstützung beim Hautkontakt zwischen Eltern und Kind (Känguru-Methode).

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 35 Studien. Davon lieferten 28 Studien mit insgesamt 12.021 Neugeborenen und 10.056 Eltern oder Betreuungspersonen Daten, die wir für unsere Auswertung nutzen konnten. Die Studien wurden weltweit durchgeführt, allerdings nur wenige davon in Ländern mit niedrigem Einkommen.

Hausbesuche im Vergleich zu keinen Hausbesuchen
  • Wir wissen nicht, ob Hausbesuche das Risiko senken, dass Neugeborene im ersten Lebensjahr sterben (1 Studie, 79 Neugeborene).

  • Hausbesuche haben möglicherweise nur geringe bis gar keine Auswirkungen auf die kognitiven Fähigkeiten der Neugeborenen (3 Studien, 287 Neugeborene) und wahrscheinlich nur geringe bis gar keine Auswirkungen auf ihre motorischen Fähigkeiten (1 Studie, 127 Neugeborene).

  • Wir wissen nicht, ob Hausbesuche das Risiko für Durchfall bei Neugeborenen senken (1 Studie, 179 Neugeborene).

  • Hausbesuche haben wahrscheinlich kaum oder gar keinen Einfluss auf das Wachstum der Neugeborenen im Alter von sechs Monaten (1 Studie, 179 Neugeborene).

  • Hausbesuche erhöhen wahrscheinlich den Anteil der Neugeborenen, die im Alter von sechs Monaten gestillt werden (4 Studien, 1.217 Neugeborene). Sie führen möglicherweise auch dazu, dass deutlich mehr Neugeborene in diesem Alter ausschließlich gestillt werden, also nur Muttermilch und keine anderen Nahrungsmittel oder Getränke erhalten (3 Studien, 1.129 Neugeborene).

Intensivere Hausbesuche im Vergleich zu weniger intensiven Hausbesuchen (im Rahmen der Regelversorgung)
  • Intensivere Hausbesuche, bei denen die Eltern auch bei der Känguru-Methode unterstützt werden, senken wahrscheinlich das Risiko, dass die Neugeborenen innerhalb der ersten sechs Lebensmonate sterben (1 Studie, 8.402 Neugeborene).

  • Intensivere Hausbesuche haben wahrscheinlich kaum oder gar keinen Einfluss auf die kognitiven oder motorischen Fähigkeiten der Kinder im Alter von einem Jahr (jeweils 1 Studie mit 552 Kindern).

  • Intensivere Hausbesuche mit Unterstützung bei der Känguru-Methode senken wahrscheinlich geringfügig das Risiko, dass die Kinder im Alter von drei Monaten an Durchfall erkranken (1 Studie, 7.654 Neugeborene) oder innerhalb der ersten 28 Lebenstage eine schwere bakterielle Infektion entwickeln (1 Studie, 8.384 Neugeborene).

  • Intensivere Hausbesuche haben wahrscheinlich kaum oder gar keinen Einfluss auf das Körpergewicht der Kinder (1 Studie, 7.086 Neugeborene). Sie verringern wahrscheinlich geringfügig den Anteil der Kinder, die im Alter von sechs Monaten stark untergewichtig sind (1 Studie, 6.641 Neugeborene).

  • Intensivere Hausbesuche haben möglicherweise kaum oder keinen Einfluss auf das Stillen nach sechs Monaten (1 Studie, 308 Neugeborene). Die Wirkung auf das ausschließliche Stillen ist unklar (3 Studien, 7.091 Neugeborene).

Was schränkt die Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Evidenz reichte von moderat bis sehr gering, da viele Studien nur wenige Teilnehmende einschlossen und methodische Schwächen aufwiesen.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von April 2026.

Durao S, Gloeck NR, Odendaal WA, Hohlfeld A, Brand A, Gordon S, Balakrishna Y, Kredo T

Welche ergonomischen Anpassungen am Arbeitsplatz können helfen, arbeitsbedingte Arm-, Nacken- oder Schulterbeschwerden zu lindern?

3 days 21 hours ago
Kernaussagen
  • Ergonomische Anpassungen am Arbeitsplatz haben bei Menschen mit Arm-, Nacken- oder Schulterbeschwerden möglicherweise keinen oder nur einen geringen Einfluss auf Schmerzen, körperliche Funktionsfähigkeit, Genesung, Lebensqualität und krankheitsbedingte Fehlzeiten im Vergleich zu keiner Behandlung oder der üblichen Versorgung. Dies gilt für einen Zeitraum von bis zu drei Monaten nach den Anpassungen. Die Ergebnisse zur Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen sind uneinheitlich. Ergonomische Anpassungen verbessern möglicherweise im Vergleich zu Bewegungsübungen die Lebensqualität.

  • Es sind weitere hochwertige Studien mit vielen Teilnehmenden erforderlich, um besser beurteilen zu können, wie wirksam ergonomische Maßnahmen bei der Behandlung von Arm-, Nacken- und Schulterbeschwerden sind und ob bestimmte Personengruppen stärker davon profitieren als andere.

Was sind arbeitsbedingte Beschwerden im Arm-, Nacken- oder Schulterbereich?

Viele Menschen, die bei ihrer Arbeit regelmäßig dieselben Bewegungen ausführen oder körperlich anstrengende Tätigkeiten verrichten, entwickeln Beschwerden in Armen, Nacken oder Schultern. Dazu gehören beispielsweise Menschen, die am viel am Computer arbeiten oder körperlich schwere Arbeit leisten. Mögliche Ursachen sind sich wiederholende Bewegungen, längere Zeit in ungünstiger Körperhaltung oder der Einsatz vibrierender Werkzeuge. Zu diesen arbeitsbedingten Beschwerden gehören beispielsweise das Karpaltunnelsyndrom am Handgelenk, das durch häufiges Klicken mit der Computermaus begünstigt werden kann, oder Verletzungen der Rotatorenmanschette in der Schulter durch wiederholtes Heben. Auch unspezifische Schmerzen im Nacken, in den Armen oder Händen zählen dazu. Arm-, Nacken- und Schulterbeschwerden sind weit verbreitet und können sowohl für die Betroffenen als auch für die Gesellschaft erhebliche Folgen haben. Sie führen häufig zu längeren Krankschreibungen und damit verbundenen Arbeitsausfällen.

Was kann helfen, diese Beschwerden zu lindern?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, diese Beschwerden zu lindern, beispielsweise durch regelmäßige Pausen oder den Wechsel zwischen unterschiedlichen Tätigkeiten. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die Arbeitsmittel und die Arbeitsumgebung an die individuellen Bedürfnisse der Beschäftigten anzupassen. Solche Anpassungen werden als „ergonomische Maßnahmen“ bezeichnet. Zu den ergonomischen Anpassungen gehören beispielsweise:

  • die Anpassung der Höhe und Anordnung von Arbeitsflächen und Arbeitsmitteln;

  • die Anpassung von Computerausstattung und Arbeitsstühlen; sowie

  • Schulungen, in denen Beschäftigte lernen, ihre Bewegungen und Körperhaltung bewusst wahrzunehmen und bei Bedarf anzupassen.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob ergonomische Anpassungen am Arbeitsplatz Menschen mit arbeitsbedingten Arm-, Nacken- oder Schulterbeschwerden helfen. Uns interessierte insbesondere, ob sie Schmerzen lindern und die körperliche Funktionsfähigkeit verbessern. Außerdem wollten wir wissen, ob sie krankheitsbedingte Fehlzeiten verringern, die Rückkehr an den Arbeitsplatz erleichtern, Produktivitätsverluste während der Arbeit reduzieren oder einen Berufswechsel beeinflussen.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, die ergonomische Anpassungen am Arbeitsplatz bei Erwachsenen mit arbeitsbedingten Arm-, Nacken- oder Schulterbeschwerden untersuchten. Die Vergleichsgruppen erhielten entweder keine Behandlung oder eine andere Behandlung (z. B. Bewegungstherapie), jedoch keine ergonomischen Anpassungen am Arbeitsplatz.

Wir haben die Ergebnisse der Studien verglichen, analysiert und zusammengefasst. Wir bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie der Anzahl und der Qualität der Studien.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 20 Studien mit 2.478 Teilnehmenden. Neun Studien wurden in Europa durchgeführt, sechs in Nordamerika, drei in Asien und zwei im Nahen Osten. In 16 Studien wurden Menschen mit allgemeinen Schmerzen im Nacken-, Schulter- oder Handbereich untersucht. Vier weitere Studien untersuchten Menschen mit spezifischen Erkrankungen: einem Karpaltunnelsyndrom oder einer Sehnenentzündung der Rotatorenmanschette in der Schulter. An 13 Studien nahmen Menschen teil, die am Computer oder im Büro arbeiteten. Sieben weitere Studien untersuchten Beschäftigte in Fabriken, an Nähmaschinen oder in Schlachthöfen. Drei Studien umfassten ausschließlich Frauen.

In den Studien wurden ergonomische Maßnahmen verglichen mit:

  • keiner Behandlung, Placebo („Scheinbehandlung“), das Warten auf eine Behandlung (Warteliste) oder der üblichen Versorgung (12 Studien);

  • Bewegungsübungen (8 Studien);

  • einer anderen ergonomischen Maßnahme (6 Studien); und

  • einer aktiven Behandlung, beispielsweise mit individuell angepassten Brillen oder unterstützenden Tapes (2 Studien).

Hauptergebnisse

Die folgenden Ergebnisse wurden bis zu drei Monate nach der Intervention gemessen (kurzfristig).

Im Vergleich zu keiner Behandlung oder der üblichen Versorgung haben ergonomische Maßnahmen bei Menschen mit unspezifischen arbeitsbedingten Arm-, Nacken- oder Schulterbeschwerden folgende Auswirkungen:

  • möglicherweise nur einen geringen oder gar keinen Einfluss auf

    • Schmerzen (4 Studien, 692 Personen); oder

    • das Wohlbefinden (1 Studie, 68 Personen).

  • wahrscheinlich kaum bis gar keinen Einfluss auf

    • die Funktionsfähigkeit (1 Studie, 383 Personen); oder

    • die Genesung (1 Studie, 386 Personen).

  • wahrscheinlich keinen oder nur einen geringen Einfluss auf krankheitsbedingte Fehlzeiten (3 Studien, 759 Personen). In einer weiteren Studie mit 98 Personen wurden die Fehlzeiten anders erfasst. Das Ergebnis dieser Studie ist weniger zuverlässig

  • verringern möglicherweise die Inanspruchnahme von medizinischer Leistungen oder haben darauf möglicherweise keinen oder nur einen geringen Einfluss – je nachdem, wie diese erfasst wurde.

Im Vergleich zu Bewegungsübungen haben ergonomische Anpassungen bei Menschen mit unspezifischen arbeitsbedingten Arm-, Nacken- oder Schulterbeschwerden folgende Auswirkungen:

  • möglicherweise kaum oder gar keinen Einfluss auf

    • die Genesung (1 Studie, 257 Personen); oder

    • die Inanspruchnahme medizinischer Leistungen (1 Studie, 217 Personen)

  • verbessern möglicherweise das Wohlbefinden (1 Studie, 61 Personen).

Es ist unklar, wie sich ergonomische Anpassungen im Vergleich zu anderen aktiven Behandlungen bei Menschen mit unspezifischen arbeitsbedingten Arm-, Nacken- oder Schulterbeschwerden oder bestimmten Erkrankungen auswirken auf:

  • Schmerzen (8 Studien, 364 Personen); oder

  • die Funktionsfähigkeit (3 Studien, 180 Personen).

Es ist unklar, ob ergonomische Maßnahmen in Kombination mit einer zusätzlichen Behandlung Schmerzen stärker lindern als diese Behandlung allein (2 Studien, 137 Personen).

Was schränkt die Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Ergebnisse dieser Übersichtsarbeit ist begrenzt. Unser Vertrauen in die Ergebnisse ist aus folgenden Gründen eingeschränkt:

  • geringe Anzahl an Studien;

  • geringe Anzahl an Teilnehmenden;

  • der geringen methodischen Qualität der Studien;

  • unterschiedlichen Ergebnissen der einzelnen Studien; sowie

  • Die Teilnehmenden wussten, welche Behandlung sie erhielten. Dies könnte ihre Einschätzung der Behandlungsergebnisse beeinflusst haben.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz ist auf den Stand vom 1. Juni 2026.

Mehta P, Stubbs PW, Tamminga SJ, Trøstrup J, Stynes SM, Koes BW, Verhagen AP

Welche Wirkungen haben Aufklärungs- und Schulungsmaßnahmen für Beschäftigte im Gesundheitswesen zur Prävention sexueller Belästigung?

1 week 1 day ago
Kernaussagen
  • Aufklärungs- und Schulungsmaßnahmen zum Thema sexuelle Belästigung erweitern wahrscheinlich das Wissen von Beschäftigten im Gesundheitswesen geringfügig. Im Vergleich zu anderen Aufklärungs- oder Schulungsmaßnahmen verbessern sie möglicherweise die Fähigkeiten im Umgang mit sexueller Belästigung geringfügig.

  • Wir fanden keine Studien, die die Wirkung von Aufklärungs- und Schulungsmaßnahmen zum Thema sexuelle Belästigung mit keiner Maßnahme, einer Warteliste oder einer minimalen Aufklärungsmaßnahme (z. B. einer Informationsbroschüre) verglichen. Weitere Studien zu diesem Thema sind erforderlich.

  • Zudem sind weitere Studien erforderlich, die Beschäftigte aus unterschiedlichen Gesundheitsberufen einbeziehen und mögliche Nachteile solcher Aufklärungs- und Schulungsmaßnahmen untersuchen.

Was ist sexuelle Belästigung, und warum und wie sollte sie verhindert werden?

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz umfasst jede Form unerwünschter sexueller Aufmerksamkeit, beispielsweise durch Patientinnen und Patienten, deren Freundes- oder Familienkreis sowie durch andere Fachkräfte oder Kolleginnen und Kollegen. Sexuelle Belästigung ist unter Beschäftigten im Gesundheitswesen weit verbreitet: Etwa 12 % berichten, von Patientinnen und Patienten oder Besuchenden sexuell belästigt worden zu sein. Sexuelle Belästigung kann bei Beschäftigten im Gesundheitswesen zu psychischen Problemen und Unzufriedenheit am Arbeitsplatz führen. Betroffene können sich deshalb sogar dazu entscheiden, ihre Arbeitsstelle aufzugeben oder ganz aus dem Berufsleben auszusteigen.

Die Prävention sexueller Belästigung von Beschäftigten im Gesundheitswesen ist daher wichtig. Aufklärungs- und Schulungsmaßnahmen zum Thema sexuelle Belästigung können unterschiedliche Schwerpunkte haben. Ein Ansatz besteht darin, das Bewusstsein für sexuelle Belästigung zu schärfen oder das Wissen darüber zu erweitern. Ein weiterer Ansatz besteht darin, Strategien zur Vorbeugung sexueller Belästigung zu erlernen oder zu trainieren, wie man dagegen vorgehen kann. Schulungen und Fortbildungen können in Präsenz, digital oder als Kombination aus beidem durchgeführt werden. Die Schulungen können von Kolleginnen und Kollegen, Führungskräften oder speziell geschulten Fachkräften durchgeführt werden, sowohl im Rahmen formeller Angebote als auch informell.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob Aufklärungs- und Schulungsmaßnahmen das Wissen über sexuelle Belästigung erweitern und die Fähigkeiten zum Umgang damit verbessern können. Außerdem untersuchten wir, wie häufig sexuelle Belästigung auftritt, welche Folgen sie hat (z. B. Angstzustände, Depressionen, Burnout, krankheitsbedingte Fehlzeiten, Personalfluktuation oder Arbeitsunfähigkeit) und wie sie die Einstellung der Beschäftigten zu ihrem Arbeitsplatz beeinflusst.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, die Aufklärungs- und Schulungsmaßnahmen zum Thema sexuelle Belästigung mit folgenden Maßnahmen verglichen:

  • keiner Aufklärungs- oder Schulungsmaßnahme, einer Warteliste oder einer minimalen Aufklärungsmaßnahme (z. B. einer Informationsbroschüre); oder

  • einer anderen Art von Aufklärung oder Schulung zum Thema sexuelle Belästigung.

Wir verglichen die Ergebnisse der Studien, fassten sie zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz. Dabei berücksichtigten wir unter anderem die Größe der Studien und wie sie durchgeführt wurden.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden keine Studien, die Aufklärungs- und Schulungsmaßnahmen zum Thema sexuelle Belästigung mit keiner Maßnahme, einer Warteliste oder einer minimalen Aufklärungsmaßnahme (z. B. einem Informationsblatt) verglichen.

Wir fanden zwei Studien, die Aufklärung und Schulungen zum Thema sexuelle Belästigung mit einer anderen Art von Aufklärung oder Schulung zum Thema sexuelle Belästigung verglichen. Beide Studien stammten aus Taiwan und umfassten insgesamt 170 Pflegekräfte, hauptsächlich junge Frauen mit wenig Berufserfahrung. Eine Gruppe von Pflegekräften erhielt eine Präsenzschulung und ein interaktives Computerprogramm zur Aufklärung. Die Pflegekräfte in der Vergleichsgruppe erhielten Aufklärung ausschließlich über eine Broschüre und ein Video.

Aufklärung und Schulung zum Thema sexuelle Belästigung:

  • erhöhen wahrscheinlich das Wissen darüber, wie sich sexuelle Belästigung verhindern lässt, geringfügig (2 Studien, 168 Personen); und

  • verbessern möglicherweise geringfügig die Fähigkeiten der Pflegekräfte, mit sexueller Belästigung umzugehen („Bewältigungsverhalten“ und „Präventionsstrategien“; jeweils 2 Studien mit 168 Personen).

Keine der Studien untersuchte, wie häufig sexuelle Belästigung auftrat, welche Folgen sie hatte (z. B. Angstzustände, Depressionen, Burnout, krankheitsbedingte Fehlzeiten, Personalfluktuation oder Erwerbsunfähigkeit) oder wie Beschäftigte im Gesundheitswesen ihren Arbeitsplatz im Zusammenhang mit sexueller Belästigung wahrnahmen.

Was schränkt die Evidenz ein?

Unsere Vertrauen in die Evidenz ist mäßig bis gering, vor allem weil wir nur zwei Studien mit wenigen Teilnehmenden gefunden haben.

Weitere Studien sind erforderlich, die Beschäftigte aus unterschiedlichen Gesundheitsberufen einbeziehen und mögliche Nachteile von Aufklärungs- und Schulungsmaßnahmen zum Thema sexuelle Belästigung untersuchen. Zudem sollten zukünftige Studien Aufklärungs- und Schulungsmaßnahmen zum Thema sexuelle Belästigung mit keiner Maßnahme, einer Warteliste oder einer minimalen Aufklärungsmaßnahme (z. B. einer Informationsbroschüre) vergleichen.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von März 2025.

Dalsbø TK, Greve RA, Jørgensen IL, Fønhus MS

Wie präzise sind einfache Tests zur Diagnose von Lungentuberkulose?

1 week 2 days ago
Kernaussagen
  • Wir haben nur einen relevanten Test gefunden, den sogenannten MiniDock. Bei Erwachsenen und Jugendlichen mit Symptomen einer Lungentuberkulose (pulmonale Tbc) identifizierte der MiniDock diejenigen, die tatsächlich an Tbc erkrankt waren, größtenteils korrekt und schloss Tbc bei denjenigen aus, die nicht an Tbc erkrankt waren. Bei Menschen mit HIV sowie bei Personen, in deren abgehustetem Schleim (Sputum) keine Tuberkulosebakterien nachgewiesen werden konnten, erkannte MiniDock eine Tuberkulose weniger zuverlässig.

  • MiniDock erkannte eine bestehende Tuberkulose weniger zuverlässig als Xpert Ultra. Beide Tests waren jedoch ähnlich zuverlässig darin, eine Tuberkulose auszuschließen. MiniDock erkannte eine bestehende Tuberkulose zuverlässiger als die mikroskopische Untersuchung.

  • Weitere Studien sind erforderlich, um zu klären, wie zuverlässig der Test bei Kindern ist und ob er auch direkt in ambulanten Gesundheitseinrichtungen statt in Laboren eingesetzt werden kann.

Warum ist die Verbesserung der Tuberkulose-Diagnostik wichtig?

Tuberkulose (Tbc) ist eine Infektionskrankheit, die meist die Lunge betrifft (Lungentuberkulose). Tuberkulose kann auch andere Körperteile betreffen. Hier geht es jedoch ausschließlich um die Lungentuberkulose. Tuberkulose wird über die Luft von Mensch zu Mensch übertragen und zählt weltweit zu den Infektionskrankheiten mit den meisten Todesfällen. Eine schnelle Diagnose ermöglicht einen früheren Behandlungsbeginn. Dadurch können schwere Krankheitsverläufe und Todesfälle verringert sowie weitere Ansteckungen verhindert werden.

Was ist der NPOC-NAAT-Test?

Die meisten Tests auf Tuberkulose werden im Labor durchgeführt. Als beste verfügbare Methode zum Nachweis einer Tuberkulose gilt die Anzucht von Bakterien aus dem abgehusteten Schleim (Sputum), die sogenannte Bakterienkultur. Diese Methode erfordert jedoch eine aufwendige Laborausstattung, und es kann mehrere Wochen dauern, bis das Ergebnis vorliegt. Eine neue Art von Test, der sogenannte „Near-Point-of-Care-Nukleinsäureamplifikationstest“ (NPOC-NAAT), wurde entwickelt, um Tuberkulose möglichst nah am Ort der medizinischen Versorgung nachweisen zu können, also auch außerhalb spezialisierter Labore. Diese Tests können auch bei Untersuchungsaktionen vor Ort oder in lokalen Gesundheitszentren eingesetzt werden, auch von Personen ohne spezielle technische Ausbildung. In dieser Übersichtsarbeit erfüllte nur ein Test die Kriterien für einen NPOC-NAAT, insbesondere die einfache Anwendung außerhalb eines Labors: die Pluslife MiniDock MTB NAT Card (kurz MiniDock). Bei diesem Test wird ein Wattestäbchen entweder in eine kleine Menge abgehusteten Schleims (Sputum) getaucht oder über die Zungenoberfläche gestrichen. Diese Übersichtsarbeit befasst sich ausschließlich mit der Untersuchung von Sputum.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, wie zuverlässig NPOC-NAATs eine Tbc bei Erwachsenen und Jugendlichen anhand von Sputum oder Flüssigkeit aus der Lunge nachweisen können. Bei Kindern mit Verdacht auf Tbc untersuchten wir ähnliche Proben, darunter Sputum, Flüssigkeit aus der Lunge sowie Proben aus der Nase oder dem Magen. Außerdem wollten wir NPOC-NAATs mit anderen Testverfahren (Xpert Ultra, mikroskopische Untersuchung) vergleichen, sofern diese in den Studien direkt miteinander verglichen wurden. Insbesondere untersuchten wir, wie zuverlässig die Tests Personen mit oder ohne Tbc korrekt identifizierten.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen NPOC-NAATs mit der herkömmlichen Methode des Erregernachweis in Kultur verglichen wurden. Wir haben veröffentlichte und unveröffentlichte Studien einbezogen, die im Rahmen eines öffentlichen Aufrufs der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Bereitstellung von Daten identifiziert wurden. Wir fassten die Ergebnisse der Studien zusammen, um die diagnostische Leistungsfähigkeit der Tests zu bewerten. Zudem bewerteten wir unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie Studienmethoden und Größe der Studien.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden fünf Studien, die untersuchten, wie zuverlässig MiniDock Tuberkulose anhand von Sputumproben nachweist. Die Studien umfassten 3.291 Personen, von denen 553 (17%) an TB erkrankt waren.

MiniDock identifizierte wahrscheinlich etwa 85 von 100 Personen mit Tbc korrekt (d. h., bei 15 Personen wurde die Diagnose übersehen). Bei 100 Personen ohne Tbc schloss MiniDock bei etwa 98 von ihnen Tbc korrekt aus. Bei Menschen mit HIV erkannte MiniDock eine bestehende Tuberkulose weniger zuverlässig. Wahrscheinlich wurden 79 von 100 Erkrankten korrekt als an Tuberkulose erkrankt erkannt. Bei Personen mit Tuberkulose, bei denen die Bakterien durch eine mikroskopische Untersuchung nicht nachgewiesen werden konnten, erkannte MiniDock die Erkrankung wahrscheinlich weniger zuverlässig: Der Test erkannte wahrscheinlich 67 von 100 Erkrankten korrekt. Waren die Bakterien dagegen unter dem Mikroskop nachweisbar, erkannte MiniDock wahrscheinlich 99 von 100 Erkrankten korrekt.

In Studien, in denen die Tests direkt miteinander verglichen wurden, war MiniDock bei der korrekten Identifizierung von Menschen mit Tbc wahrscheinlich weniger genau als Xpert Ultra, doch schlossen beide Tests bei einer ähnlichen Anzahl von Menschen, die nicht an der Krankheit litten, Tbc korrekt aus. MiniDock war bei der korrekten Identifizierung von Personen mit Tbc genauer als die mikroskopische Untersuchung von Sputum.

Nur eine Studie bezog Kinder ein, allerdings hatte keines dieser Kinder Tbc. Daher konnten wir nicht abschätzen, wie gut der Test Tbc bei Kindern nachweist.

Was schränkt die Evidenz ein?

Die Evidenz weist mehrere wichtige Einschränkungen auf.

  • Wir fanden nur einen relevanten NPOC-NAAT-Test (MiniDock).

  • In den Studien wurden ausschließlich Sputumproben untersucht, keine Flüssigkeit aus der Lunge oder andere Probenarten.

  • In den meisten Studien wurde der MiniDock-Test in einem Labor durchgeführt und nicht direkt vor Ort wo Menschen getestet werden müssen. Daher lassen sich die Ergebnisse möglicherweise nicht vollständig auf den routinemäßigen Einsatz in lokalen Gesundheitszentren übertragen.

  • Wir wissen nicht, wie zuverlässig der Test bei Kindern ist, da keines der in die Studie einbezogenen Kinder an Tuberkulose erkrankt war.

  • Außerdem fanden wir nur begrenzte Daten zu Personen ohne Symptome, die bei einem Tuberkulose-Screening positiv getestet wurden, sowie zu Personen mit fortgeschrittener HIV-Erkrankung.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Diese Übersichtsarbeit ist auf dem Stand von Juli 2025.

Horne DJ, Zifodya JS, Ejara ED, Coston TD, Shapiro AE, Kohli M, Schumacher SG, Hall-Eidson P, Korobitsyn A, Takwoingi Y

Welches Dialyseverfahren bietet Erwachsenen mit Nierenversagen die größten Vorteile: Hämodiafiltration, Hämofiltration oder Hämodialyse?

1 week 6 days ago
Kernaussagen
  • Bei Erwachsenen mit Nierenversagen (wenn die Nieren ihre lebenswichtigen Funktionen nicht mehr ausreichend erfüllen können) senkt die konvektive Dialyse im Vergleich zur herkömmlichen Hämodialyse wahrscheinlich sowohl das allgemeine Sterberisiko als auch das Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben.

  • Die konvektive Dialyse hat wahrscheinlich kaum oder keinen Einfluss auf das Auftreten nicht tödlicher Herz-Kreislauf-Ereignisse. Sie hat möglicherweise kaum oder keinen Einfluss auf starke Müdigkeit, Probleme mit dem Gefäßzugang für die Dialyse, Krankenhausaufenthalte oder die allgemeine Lebensqualität.

  • Nur wenige Studien verglichen die verschiedenen konvektiven Dialyseverfahren direkt miteinander. Daher bleibt unklar, ob sich die Verfahren in ihrer Wirksamkeit und Sicherheit unterscheiden.

Was ist Nierenversagen und wie wird es behandelt?

Menschen mit Nierenversagen (wenn die Nieren ihre lebenswichtigen Funktionen nicht mehr ausreichend erfüllen) können mit einer Dialyse behandelt werden. Dabei werden Abfallstoffe und überschüssige Flüssigkeit aus dem Blut entfernt. Bei der herkömmlichen Hämodialyse werden Abfallstoffe und überschüssige Flüssigkeit mithilfe eines Dialysegeräts aus dem Blut entfernt. Die erweiterte Hämodialyse ist eine Weiterentwicklung der herkömmlichen Hämodialyse. Dabei werden spezielle Filter eingesetzt, die auch größere Abfallstoffe aus dem Blut entfernen können. Die konvektive Dialyse ist eine neuere Behandlungsform. Dabei werden Abfallstoffe mithilfe eines Flüssigkeitsstroms durch eine Filtermembran aus dem Blut entfernt. So lassen sich auch größere Abfallstoffe entfernen. Es gibt drei Arten der konvektiven Dialyse: 1) Hämofiltration: Bei diesem Verfahren werden Abfallstoffe mithilfe eines Flüssigkeitsstroms durch eine Filtermembran aus dem Blut entfernt. 2) Hämodiafiltration: Dieses Verfahren kombiniert die herkömmliche Hämodialyse mit der Entfernung von Abfallstoffen durch einen Flüssigkeitsstrom 3) Acetatfreie Biofiltration: Diese besondere Form der Hämodiafiltration verwendet eine spezielle Ersatzlösung, die dazu beitragen soll, den Blutdruck während der Dialyse stabil zu halten. Wir haben diese neueren Dialyseverfahren mit der herkömmlichen und der erweiterten Hämodialyse verglichen.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, welche Vor- und Nachteile konvektive Dialyseverfahren im Vergleich zur herkömmlichen Hämodialyse bei Erwachsenen mit Nierenversagen haben.

Wir wollten herausfinden, ob konvektive Dialyseverfahren das allgemeine Sterberisiko und das Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben, verringern. Außerdem wollten wir untersuchen, ob diese Verfahren die Energie und Lebensqualität verbessern, Krankenhausaufenthalte verringern und Probleme mit dem Gefäßzugang für die Dialyse verhindern.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen die konvektive Dialyse mit der herkömmlichen Hämodialyse bei Erwachsenen mit Nierenversagen verglichen wurde.

Wir verglichen und fassten die Ergebnisse zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie Studienmethoden und Größe der Studien.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 62 Studien mit insgesamt 6.897 erwachsenen Teilnehmenden; 54 Studien verglichen die konvektive Hämodialyse mit der herkömmlichen Hämodialyse (6.525 Erwachsene). Wir haben die Ergebnisse der Studien miteinander verglichen, um festzustellen, welche Behandlung wirksamer ist.

  • Im Vergleich zur herkömmlichen Hämodialyse senkt die konvektive Dialyse wahrscheinlich sowohl das allgemeine Sterberisiko als auch das Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben.

  • Die konvektive Dialyse hat wahrscheinlich kaum oder keinen Einfluss auf das Auftreten nicht tödlicher Herz-Kreislauf-Ereignisse.

  • Die konvektive Dialyse hat möglicherweise kaum oder keinen Einfluss auf starke Erschöpfung, Probleme mit dem Gefäßzugang für die Dialyse, Krankenhausaufenthalte oder die allgemeine Lebensqualität.

  • Es gab zu wenige Daten aus Studien, die verschiedene konvektive Dialyseverfahren direkt miteinander verglichen. Daher bleibt unklar, ob sich die Verfahren voneinander unterscheiden.

Was schränkt die Evidenz ein?

Wir haben mäßiges Vertrauen in die Ergebnisse zum allgemeinen Sterberisiko, zum Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben, sowie zum Auftreten nicht tödlicher Herz-Kreislauf-Ereignisse. Wir haben geringes Vertrauen in die Ergebnisse zu starker Erschöpfung, Problemen mit dem Gefäßzugang für die Dialyse, Krankenhausaufenthalten und der allgemeinen Lebensqualität. Das liegt daran, dass an einigen Studien nur wenige Erwachsene teilnahmen oder die Studien keine Ergebnisse zu diesen Endpunkten berichteten. Außerdem unterschieden sich die Studien darin, wie die Behandlungen durchgeführt wurden. Dies erschwerte direkte Vergleiche. Zukünftige Studien sollten sich darauf konzentrieren, wie sich diese Behandlungen auf den Alltag von Erwachsenen mit Nierenversagen auswirken.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von April 2025.

Vernooij RWM, Strippoli GFM, Veltkamp DMJ, Nistor I, Craig JC, Saglimbene VM, Covic AC, Vecchio M, supported by Cochrane Kidney and Transplant

Hilft medizinisches Cannabis bei Schlafstörungen und welche Risiken hat es?

2 weeks 5 days ago
Kernaussagen
  • Medizinisches Cannabis hat bei Erwachsenen mit Schlafstörungen möglicherweise keinen oder nur einen geringen Nutzen. Die Evidenz ist jedoch sehr unsicher.

  • Personen, die medizinisches Cannabis einnahmen, berichteten über mehr unerwünschte Wirkungen als diejenigen, die ein Placebo (Scheinbehandlung) erhielten.

  • Es sind weitere, größere Studien erforderlich, die verschiedene Cannabispräparate untersuchen und auch deren langfristige Wirkungen erfassen.

Was versteht man unter Schlafstörungen?

Bei einer Schlafstörung (Insomnie) haben Betroffene Schwierigkeiten einzuschlafen, durchzuschlafen oder wachen zu früh auf. Dies kann den Alltag beeinträchtigen, beispielsweise durch Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten oder Stimmungsschwankungen. Von einer chronischen Schlafstörung spricht man, wenn die Schlafprobleme mindestens dreimal pro Woche über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten auftreten.

Schlafstörungen sind weit verbreitet, insbesondere bei älteren Menschen und Frauen. Schlafstörungen können allein oder in Verbindung mit Erkrankungen wie chronischen Schmerzen, Depressionen, Angstzuständen oder Krebs auftreten. Schlafstörungen können die Gesundheit und Lebensqualität beeinträchtigen sowie zu Schwierigkeiten im Beruf oder in der Schule führen. Daher sind sie ein bedeutendes Problem für die öffentliche Gesundheit.

Wie werden Schlafstörungen behandelt?

Eine wichtige Behandlung bei Schlafstörungen ist die kognitive Verhaltenstherapie (eine Form der Psychotherapie). Sie hilft dabei, Denk- und Verhaltensweisen zu verändern, die den Schlaf beeinträchtigen, und ist häufig wirksam. Wenn diese nicht verfügbar oder unwirksam ist, kommen kurzfristig Medikamente zum Einsatz. Diese können jedoch unerwünschte Wirkungen wie Schläfrigkeit und Gedächtnisstörungen verursachen und einige können abhängig machen. Deshalb ist ihre langfristige Anwendung häufig nur eingeschränkt möglich. Deshalb wächst das Interesse an alternativen Behandlungsmöglichkeiten wie medizinischem Cannabis.

Medizinisches Cannabis umfasst Präparate, die aus der Cannabispflanze gewonnen und zur Behandlung verschiedener Erkrankungen eingesetzt werden. Es kann verschiedene Wirkstoffe enthalten, darunter Tetrahydrocannabinol und Cannabidiol. Bei bis zu 80 % der Anwendenden können jedoch unerwünschte Wirkungen wie Schwindel, Mundtrockenheit, Gedächtnisprobleme, gesteigerter Appetit, Müdigkeit, Stress und Angstgefühle auftreten.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden:

  • ob medizinisches Cannabis Erwachsenen mit Schlafstörungen im Vergleich zu einem Placebo oder anderen Behandlungen zu einem besseren Schlaf verhilft;

  • ob medizinisches Cannabis unerwünschte Wirkungen verursacht.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen medizinisches Cannabis bei Erwachsenen mit diagnostizierter Schlafstörung mit einem Placebo oder einem anderen Medikament verglichen wurde. Wir haben die Ergebnisse der Studien verglichen und zusammengefasst. Anschließend bewerteten wir, wie vertrauenswürdig die Evidenz ist. Dabei berücksichtigten wir unter anderem, wie die Studien durchgeführt wurden und wie viele Personen daran teilnahmen.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden neun Studien mit 537 Erwachsenen (meist mittleren Alters) mit Schlafstörungen. Die meisten Studien umfassten Personen mit einer chronischen Schlafstörung, bei denen die Schlafprobleme seit mindestens 3 Monaten bestanden. Drei Studien untersuchten hingegen Personen mit akuter Schlafstörung, die weniger als drei Monate bestand. An den Studien nahmen mehr Frauen als Männer teil, und die meisten fanden in Industrieländern statt. Die meisten Studien umfassten weniger als 50 Teilnehmende und dauerten nur wenige Wochen. In den Studien wurden verschiedene Arten von medizinischen Cannabispräparaten getestet, darunter solche, die Tetrahydrocannabinol, Cannabidiol oder Kombinationen aus beiden enthielten. Die Teilnehmenden erhielten die Präparate in Form von Ölen, Kapseln oder Gelen. In acht von neun Studien wurde medizinisches Cannabis mit einem Placebo verglichen.

Hauptergebnisse

Medizinisches Cannabis hat im Vergleich zu einem Placebo möglicherweise nur geringe bis gar keine Wirkungen auf:

  • die Schlafqualität/Zufriedenheit mit dem Schlaf (7 Studien, 374 Personen);

  • die Gesamtschlafdauer (6 Studien, 194 Personen);

  • die Tagesfunktionsfähigkeit (5 Studien, 144 Personen).

Möglicherweise verbessert sich die Lebensqualität (3 Studien, 95 Personen), doch die Evidenz ist sehr ungewiss.

Es wurden mehr unerwünschte Wirkungen berichtet (3 Studien, 98 Personen). Medizinisches Cannabis erhöht möglicherweise das Risiko für unerwünschte Wirkungen im Vergleich zu einem Placebo (3 cross-over-Studien, 98 Teilnehmende).

  • Von den 98 Teilnehmenden berichteten 37 nur während der Behandlung mit Cannabis über unerwünschte Wirkungen,

  • niemand berichtete während der Placebobehandlung über unerwünschte Wirkungen,

  • 14 berichteten sowohl während der Behandlung mit Cannabis als auch Plazebo über unerwünschte Wirkungen und

  • 47 während keiner der beiden Behandlungen.

Was schränkt die Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Evidenz ist sehr gering. An den meisten Studien nahmen nur wenige Personen teil und die Beobachtungszeiträume waren kurz. Daher lässt sich die Wirksamkeit und Sicherheit von medizinischem Cannabis über längere Zeiträume nur schwer beurteilen. In den Studien wurden unterschiedliche Cannabispräparate und verschiedene Methoden zur Erfassung des Schlafes angewendet, was den Vergleich der Ergebnisse zwischen den Studien erschwerte.

In den Studien wurden unterschiedliche Cannabispräparate eingesetzt und der Schlaf auf verschiedene Weise erfasst. Dies erschwerte es, die Ergebnisse der Studien miteinander zu vergleichen.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von April 2025.

Varela LB, Miño Zambrano JE, Maura Goncalves Costa B, Santos Marques da Silva G, Escobar Liquitay CM, Díaz Menai S, Meza N, Garegnani LI

Welchen Nutzen und möglichen Schaden haben Maßnahmen zur Steigerung des Verzehrs von Obst und Gemüse bei Kindern unter fünf Jahren?

2 weeks 6 days ago
Kernaussagen

- Maßnahmen zur Förderung bestimmter Praktiken der Kinderernährung (wie das wiederholte Anbieten und Belohnen) führen wahrscheinlich zu einem geringfügigen Anstieg des Verzehrs von Gemüse bei Kindern unter fünf Jahren.

- Multikomponenten-Interventionen führen wahrscheinlich zu einem geringfügigen Anstieg des Verzehrs von Obst und Gemüse bei Kindern unter fünf Jahren.

- Die Aufklärung der Eltern über gesunde Ernährung führt möglicherweise nur zu einer geringen oder gar keiner Erhöhung des Obst- und Gemüseverzehrs bei Kindern unter fünf Jahren.

Warum ist es wichtig, ausreichend Obst und Gemüse zu essen?

Der unzureichende Konsum von Obst und Gemüse stellt in den Industrieländern eine bedeutsame Belastung für die Gesundheit dar. Der regelmäßige Verzehr ausreichender Mengen an Obst und Gemüse wird neben anderen sofortigen gesundheitlichen Vorteilen auch mit einem verringerten Risiko für zukünftige nicht übertragbare Krankheiten, wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, in Verbindung gebracht. Die frühe Kindheit ist eine prägende Phase für die Entwicklung von Ernährungsgewohnheiten, die sich bis ins Erwachsenenalter fortsetzen. Maßnahmen zur Förderung des Obst- und Gemüseverzehrs in der frühen Kindheit könnten daher eine wirksame Strategie zur Reduzierung dieser Krankheitslast darstellen.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten wissen, welchen Nutzen und welchen Schaden Interventionen haben, die darauf abzielen, den Verzehr von Obst oder Gemüse oder beidem bei Kindern unter fünf Jahren zu steigern.

Wie gingen wir vor?

Wir durchsuchten verschiedene elektronische Datenbanken, um Studien zu finden. Wir kontaktierten die Autor*innen der eingeschlossenen Studien, um weitere potenziell relevante Studien zu erhalten. Alle randomisierten Studien, die Maßnahmen zur Förderung des Obst- oder Gemüseverzehrs (oder beides) bei Kindern bis zu fünf Jahren untersuchten und den Verzehr erfassten, wurden berücksichtigt. Zwei Review-Autor*innen suchten und extrahierten unabhängig voneinander die Informationen aus Studien. Unsere Suche umfasst den Zeitraum bis März 2023.

Was fanden wir?

Wir schlossen 53 Studien mit 12.350 Teilnehmenden ein. Sechzehn Studien untersuchten Interventionen, die sich mit den Ernährungspraktiken von Kindern beschäftigen, wie etwa dem wiederholten Anbieten von Gemüse. Zwanzig Studien untersuchten Mehrkomponenten-Interventionen, bei denen zwei oder mehr Maßnahmen kombiniert wurden, beispielsweise Änderungen der Vorschulrichtlinien in Verbindung mit Aufklärung der Eltern zu gesunder Ernährung. Siebzehn Studien konzentrierten sich auf die Aufklärung der Eltern über gesunde Ernährung, während zwei Studien die Erziehung der Kinder zu gesunder Ernährung untersuchten. Jeweils eine Studie untersuchte die Einführung von Achtsamkeitsübungen für Kinder oder die Bereitstellung von Obst und Gemüse für Familien. Maßnahmen zur Förderung bestimmter Praktiken der Kinderernährung und Multikomponenten-Interventionen führen wahrscheinlich kurzfristig (im Zeitraum bis 12 Monate) zu einem geringfügigen Anstieg des Obst- und Gemüseverzehrs bei Kindern. Eine Aufklärung der Eltern über gesunde Ernährung führt möglicherweise nicht zu einer Steigerung des Obst- und Gemüsekonsums bei Kindern oder hat nur einen minimalen Einfluss darauf. Über Kosten und unbeabsichtigte negative Auswirkungen lagen nur begrenzte Informationen vor. In den Studien, die darüber berichteten, lagen die Interventionskosten zwischen 325 und 1500 US-Dollar (USD). In den beiden Studien, die gezielt nach negativen Auswirkungen suchten, wurden keine negativen Effekte festgestellt. Die Studien, die finanzielle Unterstützung erhielten, wurden überwiegend durch staatliche oder gemeinnützige Mittel gefördert, mit Ausnahme einer Studie, die von der Industrie finanziert wurde.

Was schränkt die Evidenz ein?

Es wurden keine Studien in Ländern mit niedrigem Einkommen durchgeführt und nur eine Studie wurde in einem Land mit mittlerem Einkommen durchgeführt. Unser Vertrauen in die derzeitige Evidenz ist moderat für Maßnahmen zur Förderung bestimmter Praktiken der Kinderernährung und Multikomponenten-Interventionen und niedrig für Maßnahmen zur Aufklärung der Eltern über gesunde Ernährung.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Diese Evidenz ist auf dem Stand von März 2023. Dies ist ein „lebendiger“ systematischer Review (living systematic review). Living Systematic Reviews arbeiten mit einem neuen Ansatz für die Aktualisierung von Reviews, bei dem der Review kontinuierlich aktualisiert wird und relevante neue Evidenz eingearbeitet wird, sobald diese verfügbar ist. Den aktuellen Stand dieses Reviews sehen Sie in der Cochrane Database of Systematic Reviews .

Hodder RK, O'Brien KM, Wyse RJ, Tzelepis F, Yoong S, Stacey FG, Wolfenden L

Welchen Nutzen und Risiken haben verschiedene Antimykotika zur Behandlung von Pilzinfektionen bei Neugeborenen?

3 weeks ago
Kernaussagen
  • Neugeborene erkranken manchmal an Infektionen, die dadurch verursacht werden, dass Pilze in den Blutkreislauf oder in tiefliegendes Körpergewebe des Kindes gelangen (invasive Pilzinfektionen). Es ist unklar, ob ein Antimykotikum (ein Medikament, das Pilze abtötet oder ihr Wachstum hemmt) besser ist als ein anderes. Das betrifft das Sterberisiko, die Notwendigkeit, die Behandlung wegen unerwünschter Wirkungen abzubrechen, und die Dauer des Krankenhausaufenthalts. Diese Schlussfolgerung basiert jedoch auf wenigen kleinen Studien.

  • Es sind große, gut konzipierte Studien erforderlich, um den Nutzen und mögliche Risiken von Antimykotika zur Behandlung invasiver Pilzinfektionen bei Neugeborenen zu bewerten.

Was ist eine invasive Pilzinfektion?

Eine invasive Pilzinfektion liegt vor, wenn Pilze in den Blutkreislauf oder in tiefliegendes Körpergewebe des Kindes gelangen. Invasive Pilzinfektionen werden in der Regel durch Candida verursacht, einen Hefepilz. Invasive Pilzinfektionen sind schwerwiegend und eine wichtige Ursache für Tod und schwere Erkrankungen bei Frühgeborenen.

Wie werden invasive Pilzinfektionen behandelt?

Invasive Pilzinfektionen werden üblicherweise mit verschiedenen Medikamenten behandelt, die Pilze abtöten oder deren Wachstum hemmen (Antimykotika), darunter:

  • Poliene (z. B. Amphotericin B);

  • Azole (z. B. Fluconazol);

  • Echinocandine (z. B. Micafungin, Caspofungin); und

  • Antimetaboliten (5-Fluorocytosin).

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob ein bestimmtes Antimykotikum oder eine bestimmte Kombination von Antimykotika bei folgenden Punkten besser abschneidet:

  • das Risiko, dass das Kind (aus welchem Grund auch immer) vor der Entlassung aus dem Krankenhaus stirbt;

  • die neurologische Entwicklung des Kindes bis zum Alter von zwei Jahren;

  • das Risiko, eine höhere Dosis des Antimykotikums verabreichen oder ein weiteres Antimykotikum hinzufügen zu müssen, weil sich die Infektion nicht bessert oder sich verschlimmert;

  • die Dauer des Krankenhausaufenthalts der Neugeborenen;

  • unerwünschte oder schädliche Wirkungen von Antimykotika, die zum Absetzen des Medikaments führen.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen Antimykotika (oder Kombinationen von Antimykotika) bei Neugeborenen untersucht wurden, die entweder zu früh (frühgeboren) oder zum normalen Zeitpunkt (termingerecht) geboren wurden. Wir verglichen die Ergebnisse der Studien, fassten sie zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie Studienmethodik und Stichprobengröße.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden sechs Studien, an denen 229 Neugeborene mit invasiven Pilzinfektionen teilnahmen. Eine Studie umfasste ausschließlich Frühgeborene, die anderen sowohl Frühgeborene als auch termingerecht geborene Neugeborene. Eine Studie verglich Fluconazol mit Amphotericin B, zwei Studien verglichen Micafungin mit Amphotericin B, zwei Studien verglichen Caspofungin mit Amphotericin B und eine Studie verglich Micafungin mit Fluconazol.

Hauptergebnisse

Es ist unklar, ob eine antimykotische Behandlung besser ist als eine andere, um das Risiko zu verringern, dass ein Kind im Krankenhaus stirbt oder die Behandlung aufgrund unerwünschter oder schädlicher Wirkungen abgebrochen werden muss.

Es ist unklar, ob Fluconazol oder Micafungin im Vergleich zu Amphotericin B den Krankenhausaufenthalt von Neugeborenen mit invasiven Pilzinfektionen verkürzen können.

Was schränkt die Evidenz ein?

Wir haben kein Vertrauen in die Evidenz. Dies liegt daran, dass einige Studien Einschränkungen hinsichtlich ihrer Durchführungsweise aufwiesen. Beispielsweise wussten die Forschenden, welche Behandlung die Kinder erhielten, was die Ergebnisse beeinflusst haben könnte. Zudem deckt die Evidenz nicht alle Ergebnisse ab, die uns interessierten. Es gab nicht genügend Studien, um Gewissheit über die Ergebnisse zu erlangen, und die Studien waren sehr klein angelegt.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Diese Übersichtsarbeit aktualisiert unsere vorherige Übersichtsarbeit, die erstmals 2004 veröffentlicht und 2012 aktualisiert wurde. Die Evidenz ist auf den Stand von November 2025.

Prasad R, Sk MH, Saha B, Sahoo J, Kumar A, Fiander M, Cracknell J, McGuire W, supported by the Cochrane Neonatal Review Group

Wie beeinflussen Marketing und Werbung der Pharmaunternehmen das Verschreibungsverhalten von Ärzten?

3 weeks ago
Kernaussagen
  • Geschenke und Zahlungen von Pharmaunternehmen an Ärzte führen zu einer Zunahme unangemessener Verschreibungen und der Anzahl der von Ärzten verordneten Arzneimittel; wahrscheinlich erhöhen sie auch die Kosten. Werbung und Fortbildung von Pharmaunternehmen können zu unangemessenen Verschreibungen und höheren Verschreibungskosten führen; diese Aktivitäten erhöhen wahrscheinlich die Anzahl der von Ärzten ausgestellten Verschreibungen.

  • Richtlinien zu Interessenkonflikten, die die Interaktionen zwischen Pharmaunternehmen und Ärzten einschränken oder steuern, verbessern wahrscheinlich die Angemessenheit der Verschreibung und können möglicherweise die Anzahl der Verschreibungen verringern.

  • Es sind weitere Studien erforderlich, die untersuchen, wie kostenlose Arzneimittelproben von Pharmaunternehmen das Verschreibungsverhalten beeinflussen und welche Auswirkungen unangemessene Verschreibungen auf die Gesundheit der Menschen haben.

Was versteht man unter Marketing und Werbung von Pharmaunternehmen?

Pharmaunternehmen interagieren auf vielfältige Weise mit Fachkräften im Gesundheitswesen, um für die von ihnen hergestellten Arzneimittel zu werben. Zu diesen Interaktionen gehören Besuche von Pharmareferenten, gesponserte Fortbildungsangebote, Werbesendungen per Post, Anzeigen in medizinischen Fachzeitschriften und das Sponsoring von Veranstaltungen auf Konferenzen. Pharmaunternehmen gewähren Ärzten zudem Geschenke und Zahlungen. Darunter gehören Einladungen zu Speisen und Getränke, die Übernahme von Reisekosten, kostenlose Arzneimittelproben, Personal für Praxen sowie Honorare für die Mitgliedschaft in einem Unternehmensbeirat.

Welche Bedenken bestehen hinsichtlich dieser Interaktionen?

Diese Interaktionen können Fachkräften im Gesundheitswesen helfen, sich über neue Behandlungsmethoden zu informieren. Allerdings wollen Pharmaunternehmen auch den Absatz ihrer Produkte steigern. Diese Motivation steht möglicherweise nicht immer im Einklang mit dem Ziel, für jeden Patienten das am besten geeignete oder kostengünstigste Arzneimittel zu verschreiben. Es bestehen Bedenken, dass diese Interaktionen die Verschreibungsentscheidungen von Ärzten beeinflussen. Pharmaunternehmen gaben 2016 in den USA fast 30 Milliarden US-Dollar für Marketing und Werbung aus.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob Interaktionen zwischen Ärzten (und anderen Fachkräften im Gesundheitswesen, die Patienten Arzneimittel verschreiben) und Pharmaunternehmen die Verschreibungspraxis beeinflussen. Um diese Frage zu beantworten, haben wir vier Indikatoren untersucht:

  • Angemessenheit: Haben die Interaktionen beeinflusst, ob Ärzte Arzneimittel angemessen verschrieben haben?

  • Anzahl: Hat sich die Anzahl der Verschreibungen verändert?

  • Kosten: Haben sich die Kosten für Verschreibungen verändert?

  • Haben sich die Anträge von Ärzten auf Aufnahme von Arzneimitteln in die Arzneimittelliste des Krankenhauses verändert?

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen untersucht wurde, wie sich Interaktionen von Pharmaunternehmen mit verschreibenden Ärzten im Vergleich zu keinen oder weniger Interaktionen auf die Angemessenheit, die Anzahl und die Kosten der verschriebenen Arzneimittel sowie auf die Anträge auf Aufnahme in die Arzneimittelliste auswirkten.

Wir analysierten die Ergebnisse der Studien, indem wir die Interaktionen in vier Gruppen einteilten:

  • Werbung und Fortbildung;

  • Geschenke und Zahlungen;

  • kostenlose Arzneimittelproben;

  • Richtlinien zu Interessenkonflikten: Vorgaben, die Interaktionen zwischen Ärzten und Pharmaunternehmen einschränken oder steuern.

Wir bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie den Studienmethoden, den Umfang der Evidenz und der Stärke der von uns beobachteten Effekte.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 93 Studien, die sich mit unserer Fragestellung befassten: 82 wurden in den USA durchgeführt, die restlichen 11 im Vereinigten Königreich und in Europa. Wir fanden Evidenz zu allen vier Arten von Interaktionen:

  • Werbung und Fortbildung (hauptsächlich Besuche von Außendienstmitarbeitenden bei ärztlichem Personal): 16 Studien;

  • Geschenke und Zahlungen: 62 Studien;

  • Gratisproben: 7 Studien;

  • Richtlinien zu Interessenkonflikten: 8 Studien.

Hauptergebnisse

Werbung und Fortbildung von Pharmaunternehmen, die sich an Ärzte richten, im Vergleich zu keiner oder geringerer Exposition:

  • können möglicherweise zu einer Zunahme unangemessener Verschreibungen führen (6 Studien, 1.335 Ärzte);

  • erhöhen wahrscheinlich die Anzahl der Verschreibungen (7 Studien, 151.399 Ärzte);

  • können möglicherweise die Kosten für Verschreibungen erhöhen (2 Studien, 986 Ärzte);

  • können Anträge auf Aufnahme in die Arzneimittelliste erhöhen, doch die Evidenz war sehr ungewiss (1 Studie, 105 Ärzte).

Geschenke und Zahlungen der Pharmaindustrie an Ärzte:

  • erhöhen die Zahl unangemessener Verschreibungen (10 Studien, 2,9 Millionen Ärzte);

  • erhöhen die Anzahl der Verschreibungen (39 Studien, 3,8 Millionen Ärzte);

  • erhöhen wahrscheinlich die Verschreibungskosten (25 Studien, 2,5 Millionen Ärzte);

  • können Anträge auf Aufnahme in die Arzneimittelliste erhöhen, doch die Evidenz war sehr ungewiss (1 Studie, 105 Ärzte).

Wir sind uns sehr unsicher, ob kostenlose Arzneimittelproben von Pharmaunternehmen an Ärzte die Angemessenheit, die Anzahl und die Kosten der Verschreibungen oder die Anträge auf Aufnahme in die Arzneimittelliste beeinflussen.

Richtlinien zu Interessenkonflikten, die die Interaktionen zwischen Pharmaunternehmen und Ärzten einschränken oder steuern:

  • verbessern wahrscheinlich die Angemessenheit der Verschreibung (2 Studien, 3.065 Ärzte);

  • können möglicherweise die Verschreibungsmenge verringern (6 Studien, 110.470 Ärzte);

  • haben ungewisse Wirkungen auf die Kosten (2 Studien, 33.975 Ärzte).

Keine der Studien, die diese Richtlinien untersuchten, erfasste Veränderungen bei den Anträgen auf Aufnahme in die Arzneimittelliste.

Was schränkt die Evidenz ein?

Alle Studien wurden in den USA, im Vereinigten Königreich und in Europa durchgeführt. Daher wissen wir nicht, wie sich Marketing und Werbung der Pharmaunternehmen auf das Verschreibungsverhalten von Ärzten in anderen Regionen auswirken.

Aufgrund der Methodik der Studien lässt sich nicht feststellen, ob das Marketing und die Werbemaßnahmen der Pharmaunternehmen ursächlich zu Veränderungen im Verschreibungsverhalten der Ärzte geführt haben. Wir haben jedoch großes Vertrauen darin, dass unangemessene Verschreibungen bei Ärzten, die Geschenke und Zahlungen erhielten, häufiger auftraten und dass diese Ärzte mehr Verschreibungen ausstellten als Ärzte, die keine Geschenke und Zahlungen erhielten. Die Studien zeigten zudem ein einheitliches Muster: Je häufiger Ärzte mit Pharmaunternehmen in Kontakt standen, desto weniger angemessen war ihr Verschreibungsverhalten und desto mehr Arzneimittel verordneten sie.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von Januar 2025.

Mintzes B, Lexchin J, Grundy Q, Fabbri A, Spurling GKP, Qureshi R, Bero L

Welche Nutzen und Risiken birgt das Medikament Zuclopenthixolacetat für Menschen mit einer Psychose, die aggressives Verhalten zeigen?

3 weeks 6 days ago
Kernaussagen
  • Zwischen Zuclopenthixolacetat und Standardtherapien gibt es nur geringe Unterschiede: Wahrscheinlich sind nach 24 und 48 Stunden mehr Patient*innen unter Zuclopenthixolacetat sediert (schläfrig), und sie benötigen möglicherweise weniger zusätzliche Dosen von Benzodiazepinen (Beruhigungsmitteln). Dosierungen von 25 mg bis 50 mg Zuclopenthixolacetat pro Injektion sind möglicherweise ebenso wirksam wie Dosierungen von 50 mg bis 100 mg pro Injektion. Die Ergebnisse sind jedoch unsicher.

  • Hinsichtlich unerwünschter Wirkungen gibt es möglicherweise keinen deutlichen Unterschied zwischen Zuclopenthixolacetat und Standardmedikamenten. Die Ergebnisse sind jedoch unsicher.

  • Es sind weitere hochwertige Studien erforderlich, um den Nutzen und die Risiken von Zuclopenthixolacetat besser beurteilen zu können.

Was ist Schizophrenie?

Schizophrenie ist eine schwere psychische Erkrankung, die langfristige Beeinträchtigungen verursachen und den Alltag erheblich einschränken kann. Menschen mit Schizophrenie können Schwierigkeiten haben, zwischen der Realität und Dingen zu unterscheiden, die nicht real sind (Psychose). Sie können zum Beispiel Stimmen hören (akustische Halluzinationen), Dinge sehen, die nicht vorhanden sind (visuelle Halluzinationen), oder feste Überzeugungen haben, die nicht der Realität entsprechen (Wahnvorstellungen). Diese Erfahrungen können beängstigend und belastend sein. Manchmal können diese Symptome dazu führen, dass Menschen sich selbst oder anderen gegenüber aggressiv oder gewalttätig verhalten. Allerdings haben Menschen mit Schizophrenie auch ein erhöhtes Risiko, selbst Opfer von Gewalt zu werden. Der Umgang mit Aggressivität und gewalttätigem Verhalten bei Menschen mit Schizophrenie ist wichtig. Ziel sollte es sein, negative Einstellungen und Stigmatisierung abzubauen und eine sichere, respektvolle Behandlung zu fördern.

Welche Medikamente werden zur Behandlung von Schizophrenie eingesetzt?

Die Medikamente können beruhigend wirken (tranquilisierende Wirkung), starke Unruhe oder Angst lindern, Aggressivität reduzieren und Schläfrigkeit beziehungsweise Schlaf fördern (sedierende Wirkung). Im Idealfall sollten diese Medikamente psychotische Symptome wie Halluzinationen und Wahnvorstellungen behandeln, möglichst selten eingesetzt werden und nur wenige unerwünschte Wirkungen verursachen, zum Beispiel Schmerzen an der Injektionsstelle oder unwillkürliches Zittern.

Zuklopenthixolacetat ist ein injizierbares Antipsychotikum, dessen Wirkung zwei bis drei Tage anhalten kann. In dieser Übersichtsarbeit wurde untersucht, wie wirksam Zuclopenthixolacetat im Vergleich zu anderen üblicherweise eingesetzten Medikamenten bei der Behandlung von Psychosen, Aggressivität oder gewalttätigem Verhalten ist.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob Zuclopenthixolacetat akute Verhaltensänderungen bei Menschen mit Schizophrenie besser behandelt als üblicherweise eingesetzte Medikamente. Wir untersuchten, wie schnell die Medikamente dazu beitrugen, dass die Betroffenen ruhig und schläfrig wurden, welche Gesamtwirkung sie auf die Betroffenen und ihr Verhalten hatten und ob unerwünschte Wirkungen auftraten.

Wie sind wir vorgegangen?

Wir suchten nach Studien, in denen Zuclopenthixolacetat bei Menschen mit Schizophrenie oder ähnlichen schweren psychischen Erkrankungen und akuten Verhaltensstörungen mit anderen üblichen Behandlungen verglichen wurde. Wir haben die Ergebnisse der Studien verglichen und zusammengefasst und unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie Studienmethodik und Stichprobengröße bewertet.

Was fanden wir heraus?

Wir schlossen 11 Studien mit insgesamt 714 Menschen ein. Wir stellten nur geringe Unterschiede zwischen Zuclopenthixolacetat und anderen üblichen Behandlungen fest. Wahrscheinlich waren etwa 24 Stunden nach der Behandlung mehr Menschen, die Zuclopenthixolacetat erhielten, sediert. In den ersten 15 Minuten war dies jedoch möglicherweise nicht der Fall. Personen, denen Zuclopenthixolacetat verabreicht wurde, benötigen möglicherweise weniger Dosen von Benzodiazepinen. Die Ergebnisse sind jedoch unsicher. Dosierungen von 25 mg bis 50 mg Zuclopenthixolacetat pro Injektion sind möglicherweise ebenso wirksam wie Dosierungen von 50 mg bis 100 mg pro Injektion. Die Ergebnisse sind jedoch unsicher. Hinsichtlich unerwünschter Wirkungen gibt es möglicherweise keinen deutlichen Unterschied zwischen Zuclopenthixolacetat und Standardmedikamenten. Die Ergebnisse sind jedoch unsicher.

Was schränkt die Evidenz ein?

Viele der eingeschlossenen Studien waren klein und wiesen methodische Schwächen sowie Mängel in der Berichterstattung auf. Daher ist unser Vertrauen in die Evidenz begrenzt. Weitere hochwertige Studien sind erforderlich, um den Nutzen und die Risiken von Zuclopenthixolacetat besser beurteilen zu können.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz in dieser Übersichtsarbeit ist auf den Stand von September 2025.

Jayakody K, Chuang S, Gunadasa S, Gibson RC, Kumar A, Tune P

Welchen Nutzen und welche Risiken haben Behandlungen gegen Lippenherpes?

3 weeks 6 days ago
Kernaussagen
  • Im Vergleich zu einer Placebo-Behandlung beschleunigen Aciclovir- und Penciclovir-Cremes wahrscheinlich die Heilung von Lippenherpes um etwa einen Tag, ohne das Risiko unerwünschter Ereignisse zu erhöhen. Im direkten Vergleich haben beide Cremes möglicherweise ähnliche Wirkungen auf die Heilungsdauer und das Risiko unerwünschter Ereignisse. Im Vergleich zu Placebo haben Aciclovir-Tabletten möglicherweise kaum oder gar keinen Einfluss auf die Heilungsdauer von Lippenherpes, während Valaciclovir-Tabletten die Heilungsdauer um etwa einen Tag verkürzen.

  • Unerwünschte Ereignisse traten bei allen Behandlungen selten auf.

  • Wenn in Studien zu Lippenherpes einheitliche Endpunkte untersucht würden, ließen sich die Ergebnisse besser miteinander vergleichen. Das könnte Ärztinnen und Ärzten weltweit helfen, die am besten geeigneten Behandlungen auszuwählen.

Was ist Lippenherpes?

Lippenherpes (Herpes labialis) ist eine Infektion, die durch das Herpes-simplex-Virus verursacht wird und bei der sich schmerzhafte Bläschen an und um die Lippen bilden. Lippenherpes ist weit verbreitet und ansteckend. Bei vielen Betroffenen tritt die Erkrankung immer wieder auf. Die Beschwerden und das unangenehme Gefühl, dass die Bläschen für andere sichtbar sind, können das Wohlbefinden der Betroffenen beeinträchtigen. In einigen Fällen kann unbehandelter Lippenherpes zu schweren Komplikationen führen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei Lippenherpes?

Standardbehandlungen bei Lippenherpes zielen darauf ab, die Vermehrung des Virus zu hemmen. Dazu gehören antivirale Cremes wie Aciclovir und Penciclovir, die direkt auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen werden, sowie antivirale Tabletten wie Aciclovir und Valaciclovir. Andere Behandlungen sind weniger verbreitet oder werden noch erprobt.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten wissen, welche Behandlungen bei Lippenherpes die Heilung beschleunigen und die Symptome lindern können. Außerdem wollten wir wissen, ob Behandlungen gegen Lippenherpes unerwünschte Wirkungen haben.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen verschiedene Behandlungen gegen Lippenherpes bei Menschen mit gesundem Immunsystem mit einem Placebo (Scheinbehandlung), keiner Behandlung oder anderen Behandlungen verglichen wurden. Wir fassten die Daten aus den Studien zusammen, um übergreifende Erkenntnisse zu gewinnen. Außerdem bewerteten wir unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie den Studienmethoden und der Größe der Studien.

Wir konzentrierten uns vor allem auf die gängigsten Behandlungen gegen Lippenherpes, berücksichtigten aber auch die Evidenz zu allen anderen Behandlungsarten.

Was fanden wir heraus?

Wir haben 87 Studien mit 22.631 Teilnehmenden (überwiegend Frauen) einbezogen. Die Studien wurden in Europa, Nordamerika, Australien und Asien durchgeführt und untersuchten insgesamt 58 verschiedene Behandlungen. Die Studiendauer war unterschiedlich, in den meisten Studien wurden die Teilnehmenden jedoch über den Verlauf einer einzelnen Lippenherpes-Episode hinweg beobachtet.

Die meisten Studien (84 von 87) berichteten über die Heilungsdauer des Lippenherpes. Etwas mehr als die Hälfte der Studien (49 von 87) berichtete über unerwünschte Ereignisse, die zum Abbruch der Behandlung führten. In 58 Studien wurden leichte oder mittelschwere unerwünschte Ereignisse erfasst.

43 Studien wurden von der pharmazeutischen Industrie und 25 von gemeinnützigen Organisationen finanziert. Eine Studie erhielt keine Finanzierung, bei weiteren 18 Studien fehlten Angaben zur Finanzierungsquelle.

Hauptergebnisse

Neben der Heilungsdauer und unerwünschten Ereignissen interessierte uns auch, wie sich die Behandlungen auf die Beschwerden, den Schweregrad des Lippenherpes und die Stärke der Schmerzen auswirken. Allerdings lieferte keine der Studien zu den gängigsten Behandlungen auswertbare Ergebnisse zu diesen Endpunkten.

Antivirale Cremes im Vergleich zu Placebo

Im Vergleich zu Placebo:

  • verkürzt Aciclovir-Creme die Heilungsdauer von Lippenherpes wahrscheinlich um etwa einen Tag (7 Studien, 3.475 Teilnehmende). Das Risiko für unerwünschte Ereignisse, die zum Abbruch der Behandlung führten (9 Studien, 6.574 Teilnehmende), sowie für leichte oder mittelschwere unerwünschte Ereignisse (8 Studien, 6.525 Teilnehmende) ist wahrscheinlich ähnlich wie unter Placebo;

  • verkürzt Penciclovir-Creme die Heilungsdauer von Lippenherpes wahrscheinlich um etwa einen Tag (1 Studie, 528 Personen). Das Risiko für unerwünschte Ereignisse, die zum Abbruch der Behandlung führten, sowie für leichte oder mittelschwere unerwünschte Ereignisse ist wahrscheinlich ähnlich wie unter Placebo (2 Studien, 3.598 Personen).

Antivirale Tabletten im Vergleich zu Placebo

Im Vergleich zu Placebo:

  • haben Aciclovir-Tabletten möglicherweise kaum oder gar einen Einfluss auf die Heilungsdauer von Lippenherpes (1 Studie, 145 Personen);

  • beschleunigen Valaciclovir-Tabletten die Heilung um etwa einen Tag (2 Studien, 1.218 Personen).

Die Aciclovir-Studie enthielt keine Angaben zu unerwünschten Ereignissen. In den Valaciclovir-Studien traten keine unerwünschten Ereignisse auf, die zum Abbruch der Behandlung führten. Leichte oder mittelschwere unerwünschte Ereignisse traten unter Valaciclovir und Placebo etwa gleich häufig auf (2 Studien, 1.856 Personen).

Penciclovir-Creme im Vergleich zu Aciclovir-Creme

Penciclovir-Creme und Aciclovir-Creme haben möglicherweise ähnliche Wirkungen auf die Heilungsdauer und ein ähnliches Risiko für leichte oder mittelschwere unerwünschte Ereignisse (1 Studie, 225 Personen). In dieser Studie traten keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse auf.

Aciclovir-Creme im Vergleich zu Aciclovir-Tabletten

Wir wollten die Wirkungen von Aciclovir-Creme und Aciclovir-Tabletten vergleichen, fanden jedoch keine Studien, die diese beiden Behandlungen direkt miteinander verglichen.

Was schränkt die Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Evidenz zu den gängigsten Behandlungen gegen Lippenherpes ist überwiegend moderat oder gering, vor allem weil die Studien nur wenige Teilnehmende umfassten. Neuere Behandlungen wie die photodynamische Therapie, Laserbehandlungen, Zinkpflaster und Propolis-Salben bieten möglicherweise zusätzliche Vorteile. Die Evidenz dazu ist jedoch begrenzt.

Die meisten Studien umfassten Erwachsene, daher sind wir unsicher, wie diese Behandlungen bei Kindern wirken. Zudem wurden nur wenige Studien in Ostasien und in Regionen mit begrenzten Ressourcen durchgeführt.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?
Diese Übersichtsarbeit umfasst Studien, die bis zum 23. September 2025 veröffentlicht wurden.

Lin HS, Lin PT, Shih IC, Lu ML, Tsai YS, Chi CC

Bewegungsprogramme zur Förderung der Knochenmineralisierung und des Wachstums bei Frühgeborenen

3 weeks 6 days ago
Kernaussagen
  • Bewegungsprogramme bei Frühgeborenen haben möglicherweise kurzfristig einen geringen positiven Einfluss auf die Knochenentwicklung und die Gewichtszunahme.

  • Bewegungsprogramme haben möglicherweise nur geringe oder keine Auswirkungen auf die Zunahme der Körperlänge bei Frühgeborenen.

  • Wir wissen nicht, ob Bewegungsprogramm das Risiko von Frakturen (Knochenbrüchen) beeinflussen, und wir verfügen nicht über ausreichende Informationen, um langfristig den Nutzen oder mögliche Risiken zu bewerten.

Was versteht man unter einer beeinträchtigten Knochenentwicklung und einem verminderten Wachstum bei Frühgeborenen?

Frühgeborene (vor der 37. Schwangerschaftswoche geboren) werden häufig so versorgt, dass körperliche Aktivität möglichst vermieden wird, um Stress und damit verbundene Komplikationen zu verringern. Ein Mangel an körperlicher Aktivität könnte jedoch die Knochenentwicklung und das Knochenwachstum beeinträchtigen, insbesondere bei Frühgeborenen mit einem sehr geringen Geburtsgewicht (weniger als 1500 g). Dies könnte langfristige Folgen haben, wie sie auch bei Kindern und Erwachsenen beobachtet werden, die über längere Zeit bettlägerig sind.

Was sind Bewegungsprogramme?

Bewegungsprogramme umfassen tägliche Übungen über mehrere Wochen, bei denen die Gelenke der Arme und Beine für einige Minuten sanft bewegt und belastet werden.

Was bedeutet Knochenmineralisierung?

Bei der Knochenmineralisierung werden Mineralstoffe, vor allem Kalzium und Phosphor, in das neu gebildete Knochengewebe eingelagert. Dadurch werden die Knochen fest und stabil.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob Bewegungsprogramme während des ersten Krankenhausaufenthalts dazu beitragen, dass sich die Knochen von Frühgeborenen besser entwickeln und die Kinder besser wachsen. Wir wollten diese Wirkungen sowohl am Ende des Bewegungsprogramms als auch 12 bis 24 Monate nach dem errechneten Geburtstermin untersuchen. Außerdem wollten wir untersuchen, ob diese Programme das Risiko für Frakturen (Knochenbrüche) beeinflussen.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen Bewegungsprogramme bei Frühgeborenen mit einer Versorgung ohne strukturiertes Bewegungsprogramm verglichen wurden.

Was fanden wir heraus?

Wir haben 15 kleine Studien mit 434 Frühgeborenen in unsere Übersichtsarbeit einbezogen.

Wir stellten fest, dass Frühgeborene, die über mehrere Wochen täglich Bewegungsübungen erhielten, am Ende des Programms möglicherweise eine geringfügig bessere Knochenmineralisierung und eine etwas stärkere Gewichtszunahme aufwiesen.

Wir wissen nicht, ob Bewegungsprogramme den Knochenmineralgehalt langfristig beeinflussen, da keine der eingeschlossenen Studien diese Wirkung untersuchte. Es gab keinen Anhaltspunkt dafür, dass die Bewegungsprogramm einen Einfluss auf das Längenwachstum haben. Die Evidenz zur Wirkung von Bewegungsprogrammen auf das Risiko für Knochenbrüche (Frakturen) ist sehr unsicher.

Was schränkt die Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Ergebnisse ist gering bis sehr gering, vor allem weil viele der eingeschlossenen Studien nur wenige Teilnehmende hatten oder methodische Schwächen aufwiesen. Wenn die Ergebnisse mehrerer Studien zusammengefasst wurden, waren sie häufig ungenau und unterschieden sich teilweise deutlich voneinander. Aus diesen Gründen sind wir unsicher, ob Bewegungsprogramme die Knochenmineralisierung, die Gewichtszunahme, das Längenwachstum oder das Risiko für Knochenbrüche nennenswert beeinflussen.

Die verfügbare Evidenz beschränkt sich auf Ergebnisse, die während des ersten Krankenhausaufenthalts erhoben wurden. Zu den langfristigen Wirkungen liegen keine Daten vor.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Diese Übersichtsarbeit aktualisiert unsere vorherige Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2014. Die Evidenz ist auf dem Stand von Oktober 2025.

Kaempfen S, Cooper C, Schulzke SM, supported by Cochrane Neonatal

Wie sicher und wirksam ist Mifepriston zur Notfallverhütung?

4 weeks 1 day ago
Kernaussagen
  • Im Vergleich zu Levonorgestrel, einer häufig verwendeten Pille zur Notfallverhütung, führt Mifepriston wahrscheinlich zu weniger Schwangerschaften. Mifepriston ist wahrscheinlich auch wirksamer zur Schwangerschaftsverhütung als die Yuzpe-Methode (eine Kombination aus Notfallverhütungspillen).

  • Die wichtigste unerwünschte Wirkung von Mifepriston ist eine Verzögerung der nächsten Monatsblutung. Sie tritt bei höheren Dosierungen häufiger auf.

  • Zukünftige Studien sollten untersuchen, ob der Zeitraum zwischen ungeschütztem Geschlechtsverkehr und der Einnahme von Mifepriston (beispielsweise ein Tag im Vergleich zu fünf Tagen oder mehr) die Wirksamkeit beeinflusst. Außerdem sollte untersucht werden, wie Frauen die verschiedenen Methoden der Notfallverhütung bewerten und akzeptieren.

Was bedeutet Notfallverhütung?

Die Notfallverhütung wird eingesetzt, um eine Schwangerschaft nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr, nach dem Versagen einer anderen Verhütungsmethode (z. B. einem gerissenen Kondom) oder nach sexueller Gewalt zu verhindern. Zu den gängigen Methoden der Notfallverhütung gehören Kupfer-Intrauterinpessare (IUP, auch als Kupferspirale bekannt) und Tabletten, die sogenannte „Pille danach“.

IUPs sind kleine, T-förmige Kunststoffkörper, die in die Gebärmutter eingesetzt werden. Sie verhindern eine Schwangerschaft, indem sie die Beweglichkeit der Spermien einschränken und dadurch die Befruchtung der Eizelle erschweren. Sie sind sehr wirksam bei der Verhütung einer Schwangerschaft. Allerdings kann es schwierig sein, rechtzeitig ein IUP einsetzen zu lassen, da dies durch eine medizinische Fachkraft erfolgen muss.

Pillen zur Notfallverhütung wirken, indem sie den Eisprung verhindern oder verzögern. Sie umfassen:

  • Mifepriston, das das für eine Schwangerschaft notwendige Hormon Progesteron blockiert;

  • Levonorgestrel, das den Eisprung vorübergehend verhindert oder verzögert;

  • die Yuzpe-Methode, bei der zwei hohe Dosen einer herkömmlichen Antibabypille im Abstand von etwa 12 Stunden eingenommen werden.

Einige Notfallverhütungspillen sind teuer und nicht überall erhältlich.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, wie wirksam Mifepriston im Vergleich zu anderen Methoden der Notfallverhütung Schwangerschaften verhindert. Außerdem haben wir diese Methoden verglichen, um festzustellen, ob sie sich hinsichtlich folgender Aspekte unterscheiden:

  • unerwünschte Wirkungen (wie Übelkeit und Erbrechen);

  • dem Zeitpunkt der nächsten Menstruation der Frauen.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen Mifepriston mit anderen Notfallverhütungspillen oder IUPs verglichen wurde. Untersucht wurden Frauen im gebärfähigen Alter, die Notfallverhütung zur Verhinderung einer Schwangerschaft (nicht zum Abbruch einer bereits bestehenden Frühschwangerschaft) einsetzten.

Wir fassten die Ergebnisse der Studien zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie der Methodik der Studien und der Anzahl der beteiligten Frauen.

Was fanden wir heraus?

Wir haben 87 Studien mit rund 36.000 Frauen einbezogen. Die meisten wurden zwischen 1992 und 2015 in China durchgeführt. Die kleinste Studie umfasste 16 Frauen, die größte 4.000. Fast die Hälfte (42 Studien) verglich zwei verschiedene Dosierungen von Mifepriston, während 41 Studien Mifepriston mit Levonorgestrel verglichen. Fünf Studien verglichen Mifepriston mit der Yuzpe-Methode oder mit Spiralen.

Hauptergebnisse

Im Vergleich zu Levonorgestrel führt eine mittlere Dosis Mifepriston (25 mg bis 50 mg) wahrscheinlich:

  • zu weniger Schwangerschaften: Wenn 35 von 1.000 Frauen, denen Levonorgestrel verabreicht wurde, schwanger wurden, wären es bei Mifepriston etwa 23 von 1.000 Frauen (27 Studien, 6.052 Frauen);

  • zu einer Verringerung des Risikos von unerwünschten Wirkungen (17 Studien, 4.350 Frauen);

  • zu einem erhöhten Risiko einer verspäteten Menstruation (17 Studien, 3.615 Frauen).

Im Vergleich zu Levonorgestrel führt eine niedrige Dosis Mifepriston (unter 25 mg):

  • zu weniger Schwangerschaften: Wenn 20 von 1.000 Frauen, denen Levonorgestrel verabreicht wurde, schwanger wurden, wären es bei der Einnahme von Mifepriston etwa 15 von 1.000 (14 Studien, 8.752 Frauen);

  • wahrscheinlich zu einer Verringerung des Risikos unerwünschter Wirkungen (3 Studien, 609 Frauen);

  • wahrscheinlich zu einem leicht erhöhten Risiko einer verspäteten Menstruation (10 Studien, 7.618 Frauen).

Im Vergleich zur Yuzpe-Methode führt Mifepriston (jede Dosis):

  • wahrscheinlich zu weniger Schwangerschaften: Wenn 25 von 1.000 Frauen, denen die Yuzpe-Pillenkombination verabreicht wurde, schwanger wurden, wären es bei der Einnahme von Mifepriston etwa 3 von 1.000 Frauen (3 Studien, 2.144 Frauen);

  • wahrscheinlich zu deutlich weniger unerwünschten Wirkungen (2 Studien, 1.693 Frauen);

  • zu einem erhöhten Risiko einer verspäteten Menstruation (3 Studien, 1.912 Frauen).

Im Vergleich zu Spiralen sind wir uns hinsichtlich der Wirkungen von Mifepriston auf die Anzahl der Schwangerschaften, unerwünschte Wirkungen und verspätete Regelblutungen unsicher (2 Studien).

Im Vergleich zu einer niedrigen Dosis Mifepriston (unter 25 mg) führt eine mittlere Dosis Mifepriston (25 mg bis 50 mg):

  • zu etwas weniger Schwangerschaften: Wenn bei 16 von 1.000 Frauen, die eine niedrige Mifepriston-Dosis erhalten, eine Schwangerschaft eintritt, wären es bei einer mittleren Mifepriston-Dosis etwa 13 von 1.000 (26 Studien, 12.358 Frauen);

  • möglicherweise zu kaum oder gar keinem Unterschied beim Risiko für unerwünschte Wirkungen (12 Studien, 2.908 Frauen);

  • zu einem leicht erhöhten Risiko einer verspäteten Menstruation (22 Studien, 11.733 Frauen).

Was schränkt die Evidenz ein?

Wir haben in die meisten Ergebnisse moderates oder hohes Vertrauen. Allerdings beschrieben viele Studien ihre Methoden nicht ausreichend klar, sodass unser Vertrauen in einige Ergebnisse eingeschränkt ist. Die meisten Studien wurden in China durchgeführt, sodass die Ergebnisse möglicherweise nicht auf Frauen in anderen Teilen der Welt übertragbar sind. Wir fanden keine Studien, in denen Mifepriston mit Ulipristalacetat, einer sehr wirksamen Pille zur Notfallverhütung, verglichen wurde.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von Februar 2025.

Ramanadhan S, Edelman A, Che Y, Paynter RA, Hersh A, Henderson JT

Welche Vorteile hat die Gabe von Vitamin D bei frühgeborenen und untergewichtigen Säuglingen?

4 weeks 2 days ago
Kernaussagen
  • Die Gabe von Vitamin-D-Präparaten an Frühgeborene (vor der 37. Schwangerschaftswoche) und Neugeborene mit niedrigem Geburtsgewicht (weniger als 2500 g) senkt wahrscheinlich das Risiko eines Vitamin-D-Mangels (Vitamin-D-Spiegel unter 30 nmol/L) und einer unzureichenden Vitamin-D-Versorgung (Vitamin-D-Spiegel unter 50 nmol/L).

  • Höhere Vitamin-D-Dosen (800 IE/Tag oder mehr) verringern bei Frühgeborenen wahrscheinlich das Risiko eines Vitamin-D-Mangels im Vergleich zu niedrigeren Dosen (200 bis weniger als 800 IE/Tag). Allerdings können höhere Dosen bei einigen Frühgeborenen auch zu übermäßig hohen Vitamin-D-Spiegeln führen.

  • Zukünftige Studien sollten untersuchen, welche Vitamin-D-Dosis in Abhängigkeit vom Gewicht der Neugeborenen optimal ist, und dabei wichtige Ergebnisse wie die Knochengesundheit erfassen.

Warum ist Vitamin D wichtig für frühgeborene oder untergewichtige Säuglinge?

Vitamin D hilft dem Körper, Kalzium aus der Nahrung aufzunehmen. Kalzium ist für die Entwicklung und Stabilität der Knochen unerlässlich. Bei einer unzureichenden Vitamin-D-Versorgung können die Knochen weniger stabil werden und sich verformen oder leichter brechen. Dies wird bei Kindern als Rachitis bezeichnet. Sonnenlicht regt die körpereigene Vitamin-D-Bildung in der Haut an. Es ist außerdem in Fisch, Fleisch und anderen tierischen Lebensmitteln enthalten. Säuglinge sollen vor direkter Sonnenbestrahlung geschützt werden. Da Sonnenlicht normalerweise zur körpereigenen Bildung von Vitamin D beiträgt und Muttermilch nur wenig Vitamin D enthält, besteht bei Säuglingen ein erhöhtes Risiko für eine unzureichende Vitamin-D-Versorgung. Als ausreichend gelten bei Säuglingen Vitamin-D-Spiegel im Blut von 50 bis 250 nmol/L. Werte unter 50 nmol/L gelten als unzureichende Versorgung („Insuffizienz“), Werte unter 30 nmol/L als Vitamin-D-Mangel („Defizienz“). Die Behandlung erfolgt mit Präparaten, die geschluckt oder injiziert werden können. Zu viel Vitamin D (über 250 nmol/L) kann unerwünschte Wirkungen haben, beispielsweise einen erhöhten Kalziumspiegel im Blut oder Nierensteine verursachen. Die Empfehlungen zur Vitamin-D-Supplementierung unterscheiden sich weltweit.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, welche Vitamin-D-Dosis und welche Dauer der Supplementierung für Frühgeborene und Neugeborene mit niedrigem Geburtsgewicht am besten geeignet sind. Uns interessierte, ob eine Vitamin-D-Supplementierung:

  • einen Vitamin-D-Mangel oder eine unzureichende Vitamin-D-Versorgung verringert;

  • die Knochengesundheit verbessert;

  • unerwünschte Wirkungen hervorruft.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien mit Frühgeborenen, die vor der 37. Schwangerschaftswoche geboren wurden, oder mit Neugeborenen mit niedrigem Geburtsgewicht unter 2500 g. Die Studien verglichen eine Vitamin-D-Supplementierung entweder mit keiner Supplementierung oder höhere Dosen mit niedrigeren Dosen.

Wir verglichen und fassten die Ergebnisse der Studien zusammen. Anschließend bewerteten wir anhand verschiedener Faktoren, wie der Methodik und Größe der Studien, wie vertrauenswürdig die Ergebnisse sind.

Was haben wir herausgefunden?

Wir fanden 34 Studien mit 5012 Neugeborenen.

HauptergebnisseVitamin-D-Supplementierung im Vergleich zu keiner Supplementierung (11 Studien, 1.514 Neugeborene)

Eine Vitamin-D-Supplementierung senkt wahrscheinlich bis zur Entlassung aus dem Krankenhaus das Risiko eines Vitamin-D-Mangels. Davon profitiert wahrscheinlich 1 von 4 supplementierten Neugeborenen (4 Studien, 385 Neugeborene). Möglicherweise verringert die Supplementierung auch das Risiko einer unzureichenden Vitamin-D-Versorgung. Davon profitiert möglicherweise 1 von 3 supplementierten Neugeborenen (4 Studien, 385 Neugeborene). Über die Auswirkungen auf die Knochengesundheit und entsprechende Blutmarker wurde nicht berichtet.

Vitamin-D-Supplementierung im Vergleich zu keiner Supplementierung (1 Studie, 2.079 termingenaue Neugeborene mit niedrigem Geburtsgewicht; Vitamin-D-Werte lagen für 453 Kinder vor)

Eine Vitamin-D-Supplementierung verringert wahrscheinlich im Alter von sechs Monaten das Risiko eines Vitamin-D-Mangels. Davon profitiert wahrscheinlich 1 von 3 supplementierten Neugeborenen (basierend auf den Daten von 453 Kinder). Wahrscheinlich verringert sie auch das Risiko einer unzureichenden Vitamin-D-Versorgung; auch hier profitiert wahrscheinlich 1 von 3 supplementierten Neugeborenen. Über die Auswirkungen auf die Knochengesundheit und entsprechende Blutmarker sowie auf übermäßig hohe Kalzium- und Vitamin-D-Spiegel im Blut wurde nicht berichtet.

Vitamin-D-Supplementierung in höherer Dosierung (800 IE/Tag oder mehr) im Vergleich zu niedrigerer Dosierung (200 bis 800 IE/Tag) (25 Studien, 1.546 Frühgeborene)

Höhere Vitamin-D-Dosen verringern wahrscheinlich stärker als niedrigere Dosen das Risiko eines Vitamin-D-Mangels (Nutzen wahrscheinlich bei 1 von 8 supplementierten Neugeborenen; 11 Studien, 672 Neugeborene). Möglicherweise verringern sie auch stärker das Risiko einer unzureichenden Vitamin-D-Versorgung (Nutzen möglicherweise bei 1 von 4 supplementierten Neugeborenen; 11 Studien, 683 Neugeborene). Allerdings führen höhere Dosen wahrscheinlich häufiger zu übermäßig hohen Vitamin-D-Spiegeln (Nachteil wahrscheinlich bei 1 von 25 supplementierten Neugeborenen; 5 Studien, 395 Neugeborene). Höhere Vitamin-D-Dosen verbessern bei Frühgeborenen möglicherweise einige Blutmarker der Knochengesundheit. Allerdings gibt es möglicherweise kaum oder keinen Unterschied bei röntgenologisch erkennbaren Zeichen einer verminderten Knochenmineralisierung (7 Studien, 447 Neugeborene).

Was schränkt die Evidenz ein?

Zur Knochengesundheit und zu unerwünschten Wirkungen, einschließlich erhöhter Kalziumwerte im Blut, liegen nicht genügend Informationen vor.

Unsere Einschätzung beruht darauf, dass die Evidenz auf wenigen Fällen basiert, die Eltern und Beurteilenden wussten, welche Behandlung die Neugeborenen erhielten, und einige Neugeborene nicht bis zum Ende der Studie nachbeobachtet wurden. Wir sind uns hinsichtlich anderer unerwünschter Wirkungen durch übermäßig hohe Vitamin-D-Spiegel und erhöhte Kalziumspiegel im Blut nicht sicher, da nur wenige Ereignisse auftraten und die Zahl der Teilnehmenden gering war.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf den Stand von Februar 2026.

Pharande P, Middleton JL, Cooper C, Pammi M, Osborn DA, Abdel-Latif ME

Welchen Nutzen und welche Risiken haben Progesteronrezeptor-Modulatoren (PRMs) bei der Behandlung von Endometriose?

4 weeks 2 days ago
Kernaussagen
  • Bei der Behandlung der Endometriose (einer Erkrankung, bei der gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter wächst) zeigten Studien, in denen ein Progesteronrezeptor-Modulator (PRM; ein Medikament, das die Wirkung des Hormons Progesteron im Körper verändert) mit einem Placebo (einer Scheinbehandlung ohne Wirkstoff) verglichen wurde, dass der PRM Mifepriston schmerzhafte Regelblutungen lindern kann. Allerdings kann es zu Hitzewallungen kommen.

  • Ein PRM namens Gestrinon ist bei schmerzhaften Regelblutungen möglicherweise weniger wirksam als sogenannte Gonadotropin-Releasing-Hormon(GnRH)-Analoga (Medikamente, die die von den Eierstöcken produzierte Östrogenmenge senken), kann jedoch Schmerzen beim Geschlechtsverkehr lindern. Gestrinon verursacht zudem möglicherweise weniger Hitzewallungen. Wir wissen nicht, wie Gestrinon im Vergleich zu Danazol nicht menstruationsbedingte Schmerzen, schmerzhafte Regelblutungen oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr beeinflusst. Wir wissen nicht, ob Gestrinon oder Danazol mehr unerwünschte Wirkungen verursacht.

  • Künftige Studien sollten Progesteronrezeptor-Modulatoren mit Medikamenten vergleichen, die derzeit zur Behandlung von Endometriosebeschwerden eingesetzt werden. Außerdem sollten Schmerzen mit anerkannten und zuverlässigen Methoden erfasst werden. Zudem sind größere und sorgfältig konzipierte Studien erforderlich, um den Nutzen und die unerwünschten Wirkungen weiterer Progesteronrezeptor-Modulatoren neben Mifepriston und Gestrinon zu untersuchen.

Was ist Endometriose?

Endometriose ist eine Erkrankung, bei der gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter wächst. Endometriose ist von Östrogen abhängig und tritt daher vor allem im gebärfähigen Alter auf. Sie kann Schmerzen im Bauchraum verursachen, die vor allem während der Periode (Menstruation) oder beim Geschlechtsverkehr auftreten.

Zur Behandlung der Endometriose stehen verschiedene medikamentöse und chirurgische Verfahren zur Verfügung. Progesteronrezeptor-Modulatoren (PRMs) sind Arzneimittel, die die Wirkungsweise des Hormons Progesteron im Körper verändern. Zu den PRMs gehören Mifepriston, Gestrinon, Ulipristalacetat, Vilaprisan und Asoprisnil. Da sie das Wachstum von Gebärmutterschleimhautgewebe verlangsamen oder hemmen können, wurden sie als mögliche Behandlung der Endometriose vorgeschlagen.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten wissen, ob PRMs bei Patientinnen mit Endometriose Schmerzen besser lindern als ein Placebo (Scheinbehandlung), keine Behandlung oder andere Medikamente. Dabei betrachteten wir Schmerzen insgesamt, Schmerzen während der Menstruation und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr

Außerdem wollten wir wissen, welche unerwünschten Wirkungen diese Medikamente haben. Dazu untersuchten wir beispielsweise, wie häufig Hitzewallungen und Übelkeit auftraten.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, die untersuchten, wie wirksam PRMs bei Endometriosebeschwerden sind und welche unerwünschten Wirkungen sie haben. Wir verglichen die Ergebnisse der Studien, fassten sie zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz. Dabei berücksichtigten wir unter anderem die Größe der Studien und wie sie durchgeführt wurden.

Was fanden wir heraus?

Wir schlossen neun Studien mit 922 Frauen im Alter von 18 bis 45 Jahren ein. In den meisten Studien wurden die PRMs Mifepriston oder Gestrinon getestet. Eine Studie untersuchte Asoprisnil, wurde jedoch nur als kurze Zusammenfassung ohne verwertbare Ergebnisse veröffentlicht. In zwei Studien wurden keine der für unsere Fragestellung relevanten Ergebnisse erfasst.

Hauptergebnisse

Progesteronrezeptor-Modulatoren im Vergleich zu Placebo

Im Vergleich zu einem Placebo kann Mifepriston:

  • möglicherweise nach dreimonatiger Behandlung schmerzhafte Regelblutungen verringern (basierend auf einer Studie mit 342 Frauen);

  • möglicherweise mehr unerwünschte Wirkungen wie Hitzewallungen verursachen (1 Studie, 360 Frauen);

  • möglicherweise kaum oder gar keinen Einfluss darauf haben, ob Übelkeit auftritt (1 Studie, 360 Frauen); und

  • Wir sind unsicher, ob Mifepriston Schmerzen beim Geschlechtsverkehr lindert (1 Studie, 223 Frauen).

Progesteronrezeptor-Modulatoren im Vergleich zu anderen medikamentösen Behandlungen

Im Vergleich zu Danazol ergab eine Studie mit 38 Frauen Folgendes:

  • Wir nicht wissen, ob Gestrinon die Schmerzsymptomatik nach sechsmonatiger Behandlung verbessert (1 Studie, 38 Frauen);

  • Wir wissen nicht, ob Gestrinon mehr oder weniger Hitzewallungen verursacht oder ob es keinen Unterschied gibt (2 Studien, 302 Frauen); und

  • Gestrinon und Danazol verursachen möglicherweise in ähnlichem Maße Übelkeit, die Ergebnisse sind jedoch sehr ungewiss (2 Studien, 302 Frauen).

Im Vergleich zu einem GnRH-Analogon (Leuprorelin) ergab eine Studie mit 55 Frauen Folgendes:

  • Gestrinon ist möglicherweise bei der Behandlung von schmerzhaften Regelblutungen nach sechsmonatiger Behandlung weniger wirksam (1 Studie, 55 Frauen); aber

  • Gestrinon lindert möglicherweise Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (1 Studie, 52 Frauen);

  • Gestrinon ist hinsichtlich der Schmerzen insgesamt möglicherweise mit Leuprorelin vergleichbar (1 Studie, 55 Frauen);

  • Gestrinon verursacht möglicherweise weniger Hitzewallungen und ein ähnliches Ausmaß an Übelkeit (1 Studie, 55 Frauen).

Was schränkt die Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Evidenz ist gering bis sehr gering, vor allem weil einige Studien eines oder mehrere der folgenden Probleme hatten:

  • Es nahmen nur wenige Personen an den Studien teil;

  • sie wurden in bestimmten Versorgungssituationen oder Bevölkerungsgruppen durchgeführt;

  • sie verwendeten Methoden, die wahrscheinlich zu Fehlern in ihren Ergebnissen führten;

  • sie berichteten nicht eindeutig darüber, wie sie durchgeführt wurden;

  • sie berichteten nicht eindeutig darüber, ob die Teilnehmenden wussten, welche Behandlung sie erhalten hatten, was die Studienergebnisse beeinflusst haben könnte.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Dieser Review ist die Aktualisierung einer früheren Version. Die Evidenz ist auf dem Stand von April 2026.

Grammatis AL, Gibbons T, Anucha EN, Becker CM
Checked
19 hours 17 minutes ago
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