Welchen Nutzen und welche Risiken haben die verschiedenen Stimulationstechniken des Akupunkturpunkts PC6 am Handgelenk zur Vorbeugung von Übelkeit und Erbrechen nach einer Operation?
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Sowohl invasive (z. B. Nadelakupunktur) als auch nicht-invasive (z. B. Akupressurarmbänder) Stimulationstechniken des Akupunkturpunkts PC6 verringern möglicherweise in Kombination mit Antiemetika (Medikamente gegen Übelkeit) die Wahrscheinlichkeit von Übelkeit und Erbrechen nach einer Operation im Vergleich zu Scheinbehandlungen. Bei einer Scheinbehandlung wird z. B. ein Gerät an einer Stelle angebracht, die nicht zum Akupunkturpunkt PC6 gehört, oder es wird versucht, die Stimulation des Akupunkturpunkts PC6 zu imitieren. Es kann auch ein Placebo (Scheinmedikament - Kochsalzlösung) eingesetzt werden.
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Die Kombination von nicht-invasiven Stimulationstechniken des Akupunkturpunkts PC6 mit Antiemetika vermindert wahrscheinlich den Bedarf an einer zusätzlichen medikamentösen Therapie im weiteren Verlauf. Ob die Stimulation des Akupunkturpunkts PC6 leichte Nebenwirkungen verursacht, ist unklar, weil in den Studien nur selten darüber berichtet wurde.
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Es bedarf weiterer methodisch hochwertiger Studien, um den kombinierten Einsatz von Stimulationstechniken des Akupunkturpunkts PC6 und Antiemetika bei Kindern und in Ländern mit niedrigem Einkommen zu untersuchen.
Nach einer Operation unter Vollnarkose leiden viele Menschen unter Übelkeit und Erbrechen. Diese Beschwerden gehören zu den häufigsten Nebenwirkungen und können bei bis zu 80 von 100 Personen auftreten. Eine Vollnarkose sorgt dafür, dass man während der Operation bewusstlos ist und keine Schmerzen spürt. Antiemetika werden zur Vorbeugung dieser Symptome verabreicht, sind jedoch nur teilweise wirksam. Einige Antiemetika können Nebenwirkungen wie Schläfrigkeit oder Kopfschmerzen verursachen. In Studien wurden außerdem auch postoperative Komplikationen wie Wundinfektionen erfasst. Bei manchen Personen können Übelkeit oder Erbrechen trotz vorbeugender Behandlung gegen Übelkeit zu einem unerwartet längeren Krankenhausaufenthalt führen und mit weiteren Komplikationen verbunden sein. Die Stimulation des Akupunkturpunkts PC6 (Neiguan) am Handgelenk ist eine alternative Methode, die Übelkeit und Erbrechen möglicherweise lindern kann und dabei womöglich weniger Nebenwirkungen hat als herkömmliche Medikamente gegen Übelkeit.
Was wollten wir herausfinden?Wir wollten herausfinden, bei wie vielen Personen nach der Stimulation des Akupunkturpunkts PC6 am Handgelenk postoperative Übelkeit und Erbrechen auftraten und ob es unerwünschte Wirkungen gab. Außerdem wollten wir herausfinden, ob Stimulationstechniken des Akupunkturpunkts PC6, Antiemetika oder beides wirksamer waren als Scheinbehandlungen und welche Technik sich als am wirksamsten erwies.
Wie gingen wir vor?Wir haben nach Studien gesucht, in denen die Teilnehmenden randomisiert einer Behandlungsgruppe zugewiesen wurden, die eine Stimulation des Akupunkturpunkts PC6 am Handgelenk mit oder ohne Antiemetika erhielten. Dabei wurde sichergestellt, dass die Teilnehmende nicht wussten, ob sie eine aktive oder inaktive Stimulation des Akupunkturpunkts PC6, ein Antiemetikum oder eine Kochsalzinjektion erhielten. Studien, in denen neben PC6 (Neiguan) am Handgelenk auch andere Akupunkturpunkte untersucht wurden, wurden ausgeschlossen. Wir haben direkte Ergebnisse (aus direkten Vergleichen) und indirekte Ergebnisse (aus Vergleichen über eine gemeinsame Vergleichsbehandlung) verschiedener Stimulationstechniken des Akupunkturpunkts PC6 am Handgelenk mit oder ohne Antiemetika verglichen und unser Vertrauen in die Evidenz auf Grundlage der Qualität der Studienmethoden und der Anzahl der Teilnehmenden bewertet.
Was fanden wir heraus?Wir identifizierten 77 Studien mit 9847 Teilnehmenden, bei denen zwischen dem Aufwachen nach einer Operation in Lokal- oder Vollnarkose und der Entlassung das Risiko für postoperative Übelkeit und Erbrechen bestand. Die meisten Studien konzentrierten sich auf Erwachsene aus Ländern mit mittlerem bis hohem Einkommen.
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Invasive PC6-Techniken (z. B. Nadelakupunktur) und nicht-invasive PC6-Techniken (z. B. Akupressurbänder) mindern möglicherweise postoperative Übelkeit und Erbrechen (135 bis 247 weniger Personen pro 1000 Personen).
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Die Kombination von invasiven PC6-Techniken mit Antiemetika führt möglicherweise zu einer moderaten bis starken Verminderung von Übelkeit und Erbrechen nach einer Operation (203 bis 383 Personen weniger pro 1000 Personen).
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Nichtinvasive Techniken zur Stimulation des Akupunkturpunkts PC6 in Kombination mit Antiemetika verringern wahrscheinlich den Bedarf an zusätzlichen Medikamenten, wenn die erste vorbeugende Behandlung nicht ausreicht (180 weniger von 1000 Personen).
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In keiner der eingeschlossenen Studien wurden schwere oder langfristige Komplikationen beschrieben. Bei der Stimulation des Akupunkturpunkts PC6 treten möglicherweise leichte, vorübergehende Nebenwirkungen wie Hautreizungen, Blasenbildung, Rötungen und Schmerzen auf. Dieses Ergebnis ist jedoch sehr unsicher.
Unser Vertrauen in die Evidenz ist überwiegend gering. Das liegt unter anderem daran, dass sich die Studien in ihrer Qualität, in den eingeschlossenen Patientengruppen, in der Dauer der Behandlung und darin unterschieden, wann Übelkeit und Erbrechen nach der Operation beurteilt wurden. In vielen Studien wurden unerwünschte Wirkungen nicht konsequent erfasst oder berichtet. Die Ergebnisse weiterer gut konzipierter Studien in Ländern mit niedrigem Einkommen und mit Kindern könnten die Ergebnisse dieses Reviews möglicherweise ändern.
Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?Dieser Review ist die Aktualisierung eines Reviews, der im Jahr 2015 veröffentlicht wurde. Die Evidenz ist auf dem Stand von Juni 2025.