Cochrane Kompakt

Welche Wirkungen haben Makrolide (Antibiotika) zur Vorbeugung langfristiger Lungenerkrankungen bei Frühgeborenen?

2 days 9 hours ago
Kernaussagen
  • Die bronchopulmonale Dysplasie (BPD) ist eine langfristige Lungenerkrankung, die häufig bei Frühgeborenen mit noch nicht vollständig entwickelten Lungen auftritt. Es ist unklar, ob Makrolide (Antibiotika) bei sehr frühgeborenen Säuglingen (Geburt vor der 32. Schwangerschaftswoche) oder Neugeborenen mit sehr niedrigem Geburtsgewicht (unter 1500 g), die in den ersten 72 Lebensstunden invasiv beatmet werden müssen, eine bronchopulmonale Dysplasie verhindern können und dabei sicher sind.

  • Es werden weitere Studien benötigt, um die langfristigen Auswirkungen von Makroliden zu untersuchen. Zudem sollte geprüft werden, ob Makrolide auch bei anderen Neugeborenengruppen mit einem Risiko für oder einer bereits bestehenden bronchopulmonalen Dysplasie wirksam und sicher sind. Auch die Dauer der Verabreichung von Makroliden muss weiter erforscht werden.

Was ist eine bronchopulmonale Dyplasie (BPD)?

Sehr frühgeborene Neugeborene und Neugeborene mit sehr niedrigem Geburtsgewicht haben ein erhöhtes Risiko für eine bronchopulmonale Dysplasie. Diese langfristige Lungenerkrankung tritt häufig bei Frühgeborenen auf, deren Lungen noch nicht vollständig entwickelt sind. Die Erkrankung kann leicht bis schwer verlaufen. Entzündungen in den Lungenbläschen können dabei das Atmen erschweren. Einige Neugeborene benötigen auch zu Hause zusätzlichen Sauerstoff. Zudem sind sie im Kleinkindalter anfälliger für wiederkehrende Atemwegsinfektionen und Asthma. Neugeborene, die sehr früh geboren werden und zum Atmen einen Beatmungsschlauch in der Luftröhre benötigen, haben ein erhöhtes Risiko, eine langfristige Lungenerkrankung zu entwickeln.

Wie kann eine bronchopulmonale Dyplasie verhindert werden?

Ein möglicher Ansatz zur Vorbeugung einer langfristigen Lungenerkrankung ist die Gabe von Makroliden (Antibiotika) bei Neugeborenen, die kurz nach der Geburt über einen Beatmungsschlauch in der Luftröhre beatmet werden müssen. Makrolide sind eine Gruppe von Antibiotika, die eine entzündungshemmende Wirkung auf die Lunge haben. Zu den Makroliden gehören Antibiotika wie Azithromycin, Erythromycin und Clarithromycin. Makrolide werden auch bei anderen Lungenerkrankungen eingesetzt. Dazu gehören beispielsweise die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD), bei der die Atemwege dauerhaft verengt sind, sowie Mukoviszidose, bei der sich zäher Schleim in der Lunge ansammelt. Bei einigen dieser Erkrankungen können Makrolide Atembeschwerden sowie Symptome wie Husten und pfeifende Atemgeräusche lindern.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob Makrolide für sehr frühgeborene Neugeborene und Neugeborene mit sehr niedrigem Geburtsgewicht von Nutzen sein können. Konkret wollten wir untersuchen, wie sich die Gabe von Makroliden (entweder über eine Vene oder direkt in den Magen) im Vergleich zu einer Scheinbehandlung (Placebo) oder keiner Behandlung auf die folgenden Endpunkte auswirkt:

  • Bronchopulmonale Dysplasie

  • Tod vor der Entlassung

  • Magen-Darm-Beschwerden (Durchfall und Erbrechen)

  • Funktionsstörung der Leber

  • Herzrhythmusstörungen (unregelmäßiger Herzschlag)

  • Pylorusstenose (Verengung des Magenausgangs zum Dünndarm)

  • Ob nach der Geburt Steroide zur Behandlung der Lungenerkrankung benötigt wurden

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, die untersuchten, ob Makrolide im Vergleich zu einer Scheinbehandlung (Placebo) oder keiner Behandlung einer bronchopulmonalen Dysplasie vorbeugen können. Eingeschlossen wurden sehr frühgeborene Neugeborene und/oder Neugeborene mit sehr niedrigem Geburtsgewicht, die kurz nach der Geburt eine Beatmung über einen Schlauch in der Luftröhre benötigten. Wir fassten die Ergebnisse der Studien zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz. Dabei berücksichtigten wir Faktoren wie die Studienmethoden und die Größe der Studien.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden sechs Studien mit 1108 Frühgeborenen, in denen die Verabreichung von Makroliden mit Placebo oder keiner Behandlung bei beatmeten Neugeborenen kurz nach der Geburt verglichen wurde. Es gibt fünf laufende Studien, die noch nicht veröffentlicht oder abgeschlossen sind. Eine weitere Studie konnten wir noch nicht bewerten, da uns dafür noch Ergebnisdaten der Autor*innen fehlen.

In fünf der sechs eingeschlossenen Studien wurde Azithromycin verabreicht. In zwei Studien erhielten die Neugeborenen das Antibiotikum über sechs Wochen. Zunächst wurde es über eine Vene gegeben. Sobald die Neugeborenen ausreichend Nahrung über den Magen aufnehmen konnten, wurde die Behandlung über eine Ernährungssonde fortgesetzt. In einer weiteren Studie wurde Azithromycin über 10 Tage verabreicht, in einer über 5 Tage und in einer über 3 Tage. In der sechsten Studie wurde Erythromycin intravenös über einen Zeitraum von sieben Tagen verabreicht.

Hauptergebnisse

Wenn sehr frühgeborene Neugeborene oder Neugeborene mit sehr niedrigem Geburtsgewicht kurz nach der Geburt einen Beatmungsschlauch benötigen, hat die Gabe von Makroliden (insbesondere Azithromycin) im Vergleich zu einer Scheinbehandlung (Placebo) oder keiner Behandlung folgende Wirkungen:

  • möglicherweise keinen oder kaum einen Effekt auf die Diagnose einer bronchopulmonalen Dysplasie;

  • möglicherweise einen leichten Rückgang der Todesfälle vor der Entlassung aus dem Krankenhaus;

  • möglicherweise weniger Magen-Darm-Beschwerden;

  • möglicherweise keinen oder kaum einen Unterschied hinsichtlich anderer unerwünschter Wirkungen wie Leberfunktionsstörungen, Herzrhythmusstörungen oder einer Pylorusstenose;

  • verringern möglicherweise den Bedarf an Steroiden zur Vorbeugung oder Behandlung der Lungenerkrankung nach der Geburt.

Was schränkt die Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die meisten der vorliegenden Ergebnisse ist gering. Das bedeutet, dass künftige Studien zu anderen Ergebnissen führen könnten. Drei Hauptfaktoren schränken die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz ein: Erstens führten unsere strengen Einschlusskriterien dazu, dass nur wenige Studien und damit nur wenige Kinder in den Review eingeschlossen wurden. Zweitens erstreckten sich die Studien über 30 Jahre. In dieser Zeit haben sich die Versorgung kranker Neugeborener und die Definition von Lungenerkrankungen deutlich verändert. Das erschwerte die Interpretation der Ergebnisse. Schließlich wurde in fünf der sechs Studien Azithromycin und in einer Studie Erythromycin untersucht. Daher können wir nicht sicher sagen, ob die Ergebnisse auch auf andere Makrolide übertragbar sind.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von Juni 2025.

O’Connor KL, Cracknell J, Cooper C, Davies MW

Wie sieht weltweit die aktuelle Evidenz zu den Versorgungsstrukturen in der Rehabilitation in den Gesundheitssystemen aus (von wem, wann und wo erhält man Hilfe und wie sind die Leistungen organisiert)?

5 days 11 hours ago
Kernaussagen

Die verfügbare Evidenz ist begrenzt, und wir wissen noch nicht, wie Rehabilitationsleistungen im Gesundheitswesen am besten organisiert werden sollten.
Der Einsatz verschiedener Leistungserbringer (wie z. B. spezialisierter Physiotherapeuten) hat möglicherweise kaum oder gar keinen Einfluss auf die Ergebnisse der Rehabilitation. Telerehabilitation (Rehabilitation über Videoanrufe oder Apps) könnte in Bezug auf die Selbstständigkeit bei Alltagsaktivitäten, das Wohlbefinden, Depressionen, die Armfunktion und die Mobilität ähnliche Ergebnisse liefern wie die herkömmliche Rehabilitation vor Ort; es ist jedoch weitere Forschung erforderlich.
Da die meisten Studien aus Ländern mit hohem Einkommen stammen, lassen sich die Ergebnisse möglicherweise nicht auf alle Länder übertragen. Weitere Forschung in unterschiedlichen Kontexten ist erforderlich.

Wie sehen die Versorgungsstrukturen aus?

Bei den Versorgungsstrukturen geht es um die praktischen Aspekte der Rehabilitation: Wer unterstützt Sie, wann und wo erhalten Sie Hilfe und wie sind die Leistungen organisiert, um eine reibungslose und effektive Versorgung zu gewährleisten. Dazu gehören beispielsweise die Fragen, wie schnell Sie einen Termin bekommen oder mit der Behandlung beginnen können; ob die Behandlung von einem Arzt, einer Pflegekraft, einem Therapeuten oder einer anderen qualifizierten Fachkraft durchgeführt wird; wie die Arbeitsbedingungen und die Unterstützung für die Personen aussehen, die Sie betreuen; wie verschiedene Gesundheitsdienstleister sich untereinander abstimmen, damit Ihre Versorgung nahtlos ineinandergreift; und ob Sie eine Rehabilitation in einem Krankenhaus, einer Klinik, zu Hause oder im Rahmen einer Telerehabilitation erhalten.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten verstehen:

wie Gesundheitssysteme Rehabilitationsleistungen bestmöglich organisieren können (z. B. wer die Versorgung übernimmt, wie schnell Menschen einen Termin erhalten und ob Technologien wie die Telerehabilitation die Genesung unterstützen);
welche Forschungsergebnisse weltweit dazu vorliegen, wie Rehabilitationsleistungen organisiert und erbracht werden;
wie diese Informationen den Akteuren im Gesundheitswesen als Orientierung bei Entscheidungen zur Rehabilitation dienen können; und
ob neue Arten von Forschung und Richtlinien erforderlich sind, um die Rehabilitationsleistungen zu verbessern.

Wie gingen wir vor?

Dieses Projekt war Teil einer umfassenderen Studie zu Rehabilitation und Gesundheitspolitik. Wir haben drei große Forschungsdatenbanken nach systematischen Übersichtsarbeiten (Zusammenstellungen von Erkenntnissen aus zahlreichen Einzelstudien) zur Art und Weise der Erbringung von Rehabilitationsleistungen durchsucht.

Was fanden wir heraus?

Wir haben 25 systematische Übersichtsarbeiten gefunden. Davon hatten nur fünf systematische Übersichtsarbeiten Ergebnisse, die wir für dieses Projekt verwenden konnten. Sie bezogen sich auf Studien, die hauptsächlich in Ländern mit hohem Einkommen in Europa, Amerika und im westlichen Pazifik durchgeführt wurden. Die Studien bezogen sich auf verschiedene Bevölkerungsgruppen, darunter ältere Erwachsene und Menschen, die sich von einem Schlaganfall erholten.

Hauptergebnisse

Wenn die Behandlung durch andere medizinische Fachkräfte als Ärzte (z. B. spezialisierte Physiotherapeuten) erfolgt, gibt es keine Hinweise auf einen bedeutsamen Unterschied bei den Gesundheitsergebnissen im Vergleich zur Versorgung durch Ärzte.
Wir fanden keine verlässlichen Nachweise dafür, dass es einen Unterschied macht, ob die Behandlung in Krankenhäusern, Praxen oder zu Hause erfolgt. Einige Studien verglichen die Rehabilitation zu Hause mit der üblichen Betreuung vor Ort und kamen zu ähnlichen Ergebnissen für beide Ansätze; allerdings war die Anzahl der Studien gering, und die Evidenz reicht nicht aus, um fundierte Schlussfolgerungen zu ziehen.
Bei Menschen, die sich von einem Schlaganfall erholen, kann die Rehabilitation zu Hause über Videoanrufe oder Apps ähnliche Ergebnisse wie die Rehabilitation vor Ort hinsichtlich der Selbstständigkeit bei Alltagsaktivitäten, des Wohlbefindens, der Depression, der Armfunktion und der Mobilität erzielen; es ist jedoch weitere Forschung erforderlich.

Was schränkt die Evidenz ein?

Viele der Übersichtsarbeiten wiesen methodische Schwächen auf, sodass unser Vertrauen in die Ergebnisse begrenzt ist. Nicht in allen Reviews wurde das Vertrauen in die Evidenz bewertet. Erfolgte die Bewertung, stuften die Review-Autoren das Vertrauen in die Evidenz überwiegend als niedrig ein. Das bedeutet, dass künftige Studien unsere Ergebnisse ändern könnten. Fast alle Studien wurden in Ländern mit hohem Einkommen durchgeführt. Da keine Erkenntnisse aus Afrika, Südostasien oder dem östlichen Mittelmeerraum vorlagen, sind die Ergebnisse möglicherweise nicht generell übertragbar.

Wie aktuell ist die Evidenz?
Die Erkenntnisse sind auf den Stand vom 17. November 2024 aktualisiert.

Del Furia MJ, Minozzi S, Battel I, Cordani C, Arienti C, Atkinson-Graham M, Bakaa N, Capodaglio P, Côté P, Décary S, De Groote W, Duttine A, Engeda EH, Frontera WR, Gimigliano F, Konstantinidis T, Liguori S, Mudau Q, Paoletta M, Ryan R, Sabariego C,…

Welche Operation ist bei Arthrose des Daumens wirksamer?

5 days 11 hours ago
Kernaussagen
  • Im Vergleich zur Trapeziektomie (Entfernung des Knochens an der Daumenbasis) bietet die Trapeziektomie mit LRTI (engl. Ligament Reconstruction and Tendon Interposition, das bedeutet Ersatz des Bandes und Verstärkung des Gelenks durch eine Sehne aus dem Unterarm) 3 bis 54 Monate nach der Behandlung möglicherweise nur einen geringen bis gar keinen Effekt hinsichtlich Schmerzen, Funktion, Gelenkbildgebung oder unerwünschter Wirkungen.

  • Wir wissen nicht, welche Operation bei einer Arthrose des Daumens am besten geeignet ist. In diesem Bereich bedarf es weiterer Forschung.

Was ist Daumenarthrose?

Arthrose ist eine Gelenkerkrankung, bei der die Knorpelschicht des Gelenks immer dünner wird und es zu Umbauprozessen im Gelenk kommen kann. Arthrose am Daumengrundgelenk (Trapezometacarpalgelenk) kann Schmerzen, Steifheit und Kraftverlust im Daumen verursachen. Dies kann sich darauf auswirken, wie gut sich der Daumen bewegen lässt, wie stark der Griff ist und wie gut jemand alltägliche Aufgaben zu Hause oder bei der Arbeit bewältigen kann.

Obwohl viele Menschen unter dieser Erkrankung leiden, lassen sich deren Auswirkungen auf das Befinden nicht mit Röntgenaufnahmen messen. Daher wird eine Arthrose des Daumens anhand ihrer Symptome behandelt und nicht anhand dessen, was auf Röntgenaufnahmen zu sehen ist.

Bei vielen Menschen sind die Symptome sehr gering, sodass keine Behandlung erforderlich ist. Bestimmte Tätigkeiten und Hobbys können die Beschwerden verschlimmern, insbesondere wenn häufige Greifbewegungen oder feinmotorische Bewegungen (z. B. Pinzettengriff mit Daumen und Zeigefinger) erforderlich sind.

Wie wird eine Daumenarthrose behandelt?

Arthrose im Daumen kann behandelt werden mit:

  • nicht-chirurgischen Behandlungsmethoden, wie Schienen oder entzündungshemmende Medikamente

  • Steroidinjektionen

  • Operation - wird oft angewendet, wenn die ersten beiden aufgeführten Methoden nicht zum Erfolg führen

Es gibt viele verschiedene Arten von Operationen, doch alle zielen darauf ab, Schmerzen zu lindern und die Funktionsfähigkeit zu verbessern (bzw. die Einschränkung zu verringern). Bei den meisten Operationen wird zunächst der Knochen an der Daumenbasis entfernt (Trapeziektomie). Anschließend wird das Gelenk entweder rekonstruiert oder stabilisiert, indem Bänder oder Sehnen verwendet werden, die aus einer anderen Körperregion entnommen, von einem Spender gewonnen oder künstlich hergestellt sind. Das gängigste Verfahren ist die Trapeziektomie mit Bandrekonstruktion und Sehneninterposition (LRTI). Dabei wird das Band, das die Knochen zwischen Daumen und Zeigefinger zusammenhält, wiederaufgebaut. Der durch den entfernten Knochen entstandene Hohlraum wird mit einer Sehne aus dem Unterarm aufgefüllt, um den Daumen zu stützen. Andere Operationsmethoden lassen den durch den entfernten Knochen entstandenen Hohlraum bewusst offen, damit er sich mit Narbengewebe füllt (Distraktionsarthroplastik), oder ersetzen das Gelenk vollständig durch ein künstliches Gelenk (Arthroplastik).

Was wollten wir herausfinden?

Für Menschen mit Daumenarthrose wollten wir die besten Operationsmethoden finden, um:

  • Schmerzen, Funktionsbeeinträchtigungen, unerwünschte Ereignisse und Therapieversagen (was zu weiteren Operationen führt) zu verringern, und

  • die Lebensqualität zu verbessern.

Wir wollten außerdem untersuchen, wie sich die verschiedenen Methoden auf die Zufriedenheit der Patienten mit ihrer Behandlung auswirken und wie das Gelenk im Röntgenbild aussieht.

Wie gingen wir vor?
Wir haben nach Studien gesucht, in denen verschiedene Operationsmethoden bei Daumenarthrose verglichen wurden. Die Studienteilnehmenden konnten jeden Alters und jeden Geschlechts sein, an einer leichten oder schweren Arthrose leiden und aus jedem Land der Welt stammen. Wir haben die Ergebnisse verglichen und zusammengefasst und unser Vertrauen in die Evidenz bewertet.

Was fanden wir heraus?

Wir haben 25 Studien mit insgesamt 1591 Teilnehmenden gefunden, bei denen es sich überwiegend um Frauen handelte. In den Studien kamen verschiedene chirurgische Verfahren zum Einsatz. Am häufigsten wurde eine Trapeziektomie mit LRTI durchgeführt. Die Studien begleiteten die Teilnehmenden über einen Zeitraum von 12 bis 120 Monaten.

In keiner der Studien wurde eine Scheinoperation (eine vorgetäuschte Operation ohne die Absicht, die Arthrose zu behandeln) als Vergleich herangezogen.

Hauptergebnisse

Im Vergleich zur alleinigen Trapeziektomie bietet die Trapeziektomie mit LRTI zwischen 3 und 54 Monaten nach der Behandlung möglicherweise nur einen geringen oder gar keinen Vorteil hinsichtlich Schmerzen, Funktion, Gelenkbildgebung oder unerwünschten Wirkungen (4 Studien; 421 Teilnehmende).

Die auf einer Skala von 0 bis 100 gemessene Schmerzintensität (wobei 0 für keine Schmerzen steht) war bei der Trapeziektomie mit LRTI um 2,8 Punkte geringer.

  • Personen, bei denen eine Trapeziektomie mit LRTI durchgeführt wurde, bewerteten ihre Schmerzen mit 23,2 Punkten.

  • Personen, bei denen eine Trapeziektomie durchgeführt wurde, bewerteten ihre Schmerzen mit 26 Punkten.

Die körperliche Funktionsfähigkeit, gemessen auf einer Skala von 0 bis 100 (wobei 0 die beste Funktionsfähigkeit darstellt), war bei einer Trapeziektomie mit LRTI um 0,03 Punkte schlechter.

Unerwünschte Wirkungen: Nach einer Trapeziektomie mit LRTI traten am Ende der Nachbeobachtung bei 66 von 1000 Personen mehr unerwünschte Wirkungen auf im Vergleich zur alleinigen Trapeziektomie.

  • 133 von 1000 Personen berichteten über ein unerwünschtes Ereignis im Zusammenhang mit einer Trapeziektomie mit LRTI.

  • 67 von 1000 Personen berichteten von einem unerwünschten Ereignis im Zusammenhang mit einer Trapeziektomie.

Gelenkbildgebung: Der Abstand zwischen dem Kahnbein (einem Knochen im Handgelenk) und dem ersten Mittelhandknochen (einem Knochen in der Hand, der das Handgelenk mit dem Daumen verbindet) war bei einer Trapeziektomie mit LRTI um 0,1 mm geringer als bei einer Trapeziektomie ohne LRTI.

In den Studien wurden weder die allgemeine Zufriedenheit der Patienten mit der Behandlung noch die Rate an Therapieversagen oder die Lebensqualität erfasst.

Was schränkt die Evidenz ein?

Wir haben wenig Vertrauen in die Evidenz dafür, dass eine Trapeziektomie mit einer LRTI Schmerzen lindert, die Funktion verbessert oder dazu führt, dass mehr Menschen über unerwünschte Wirkungen berichten. Das liegt daran, dass die Studien klein waren und die chirurgischen Verfahren von Studie zu Studie erheblich variierten.

Wir sind uns unsicher, ob eine Operation Vorteile gegenüber dem Verzicht auf eine Operation, nicht-chirurgischen Therapien oder einer Scheinoperation (Placebo) bietet, da wir keine Studien gefunden haben, die diesen Vergleich untersucht haben. Zukünftige Studien werden die aktuellen Einschätzungen wahrscheinlich korrigieren.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Dies ist eine aktualisierte Fassung eines Reviews, der erstmals im Jahr 2005 veröffentlicht wurde. Die Evidenz entspricht dem Stand vom 19. Mai 2025.

Baljer B, Vinycomb T, Low N

Was sind Nutzen und Risiken einer Botox-A-Injektion zur Behandlung anhaltender Nackenschmerzen?

5 days 11 hours ago
Kernaussagen
  • Im Vergleich zu einem Kochsalz-Placebo (einer inaktiven sterilen Salzlösung) kann Botox-A kurzfristig eine leichte Schmerzlinderung bewirken (6 % stärker als unter Placebo). Dieser Effekt hält jedoch nicht langfristig an. Die Betroffenen berichten möglicherweise sowohl kurz- als auch langfristig von einer leichten Verbesserung des Behandlungserfolgs (20 %). Möglicherweise verbessert sich weder die Fähigkeit der Betroffenen, alltägliche Tätigkeiten auszuführen, noch ihr gesundheitsbezogenes Wohlbefinden. Es besteht möglicherweise ein um 16 % erhöhtes Risiko für leichte unerwünschte Wirkungen wie Schmerzen an der Injektionsstelle, Muskelermüdung, Muskelkater oder Kopfschmerzen, die bis zu drei Wochen anhalten können.

  • Die Hersteller von Botox-A haben einen Teil der Forschung finanziert, was möglicherweise die Studien beeinflusst und den Nutzen dieser Behandlung überbewertet hat.

  • Zukünftige Studien sollten größer angelegt sein, methodisch hochwertiger durchgeführt werden und über einen längeren Zeitraum laufen. Die Studien sollten unabhängig finanziert werden.

Was ist Botox-A?

Botox-A ist ein Neurotoxin (eine chemische Substanz), das bestimmte Muskeln vorübergehend schwächt, lähmt oder bestimmte Nerven blockiert. Es wird in Triggerpunkte injiziert. Triggerpunkte sind als besonders empfindliche Knoten in verspannten Skelettmuskelsträngen definiert, die Schmerzen in Körperregionen auslösen können, die nicht direkt an der betroffenen Stelle liegen. Dieses Phänomen wird als übertragener Schmerz bezeichnet.

Botox-A könnte bei hartnäckigen Nackenschmerzen helfen, indem es Muskelverspannungen und -krämpfe sowie die damit verbundenen Schmerzsignale reduziert.

Es können leichte und vorübergehende unerwünschte Wirkungen auftreten, wie zum Beispiel kleine Stellen, die schmerzen oder empfindlich sind. Es können seltene Ereignisse wie schwere allergische Reaktionen auftreten, die zum Tod führen können.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob bei Menschen mit anhaltenden Nackenschmerzen Botox-A bei der Linderung folgender Symptome wirksamer ist als eine Placebo-Injektion mit Kochsalzlösung (eine inaktive sterile Salzlösung):

  • Schmerz;

  • körperliche Funktionsfähigkeit (Fähigkeit, alltägliche Aktivitäten auszuführen);

  • gesundheitsbezogenes Wohlbefinden;

  • als wie erfolgreich die Betroffenen ihre Behandlung empfanden;

  • Patientenzufriedenheit.

Nackenschmerzen können Symptome im Kopf, im oberen Rücken und im Arm umfassen, die ihren Ursprung im Nacken haben. Nackenschmerzen können mit oder ohne begleitende myofasziale Schmerzen (empfindliche Knoten mit verspannten Muskelsträngen), degenerative Veränderungen, Schleudertrauma-bedingte Beschwerden und vom Nacken ausgehende Kopfschmerzen auftreten.

Wir wollten auch wissen, ob Botox-A unerwünschte Wirkungen hervorruft.

Wie sind wir vorgegangen?

Wir haben nach Studien gesucht, in denen Injektionen mit Botox-A mit einem Placebo verglichen wurden. Wir haben die Ergebnisse der Studien verglichen und zusammengefasst und unser Vertrauen hinsichtlich der Evidenz bewertet. Dabei haben wir Faktoren wie die Studienmethodik, unterschiedliche Behandlungsdosen, die Übereinstimmung der Studienergebnisse sowie die Größe der Studien berücksichtigt.

Was fanden wir heraus?

Wir haben 16 Studien mit insgesamt 855 Personen mit anhaltenden Nackenschmerzen (myofasziale Schmerzen, Schleudertrauma-assoziierte Beschwerden oder vom Nacken ausgehende Kopfschmerzen) gefunden. Sie waren zwischen 18 und 80 Jahre alt, davon waren mehr als die Hälfte (64%) Frauen. Die meisten Studien dauerten zwischen 3 und 12 Wochen; nur zwei Studien erstreckten sich über 24 Wochen oder länger. Sie fanden in Schmerzambulanzen in Krankenhäusern, chirurgischen Abteilungen und an Universitäten in Nord- und Mittelamerika, Europa, dem Nahen Osten und Asien statt. In den meisten Studien wurden kurzfristige Ergebnisse (bis zu drei Monate) berichtet. Die Gesamtdosis an Botox-A lag zwischen 10 und 400 Einheiten und wurde an 1 bis 10 Triggerpunkten verabreicht.

Hauptergebnisse

Bei Personen mit anhaltenden Nackenschmerzen, die mit Botox-A im Vergleich zu Placebo behandelt wurden:

  • kann es möglicherweise zu einer leichten kurzfristigen Linderung der Schmerzen kommen (6 %; 12 Studien, 393 Personen), doch diese Veränderungen haben möglicherweise keine spürbaren Auswirkungen auf den Alltag. hält möglicherweise die festgestellte Schmerzlinderung langfristig nicht an;

  • gibt es möglicherweise nur einen geringen oder gar keinen Nutzen für die alltägliche körperliche Funktionsfähigkeit (2 %; 3 Studien, 76 Personen) oder das gesundheitsbezogene Wohlbefinden, doch sind wir hinsichtlich dieser Evidenz nicht sicher;

  • könnte es möglicherweise sowohl kurzfristig (20 %; 1 Studie, 19 Teilnehmende) als auch langfristig (20 %; 1 Studie, 31 Teilnehmende) eine leichte Verbesserung des von den Teilnehmenden angegebenen Behandlungserfolgs geben;

  • kann möglicherweise das Risiko für leichte Wirkungen wie Schmerzen an der Injektionsstelle, Muskelermüdung, Muskelkater oder allgemeine Kopfschmerzen im Vergleich zu Placebo um 16 % höher sein. Diese unerwünschten Wirkungen können bis zu drei Wochen anhalten.

In keiner Studie wurde die Patientenzufriedenheit untersucht.

Was schränkt die Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Evidenz ist aus mehreren Gründen eingeschränkt.

  • Da die meisten Studien nur kurzfristig angelegt waren, sind die langfristigen Auswirkungen nicht bekannt.

  • Die meisten Studien wurden von Pharmaunternehmen finanziert, sodass die Vorteile von Botox-A möglicherweise überbewertet wurden.

  • Die in mehreren Studien angewandten Methoden haben wahrscheinlich Fehlerquellen eingeführt, darunter die Art und Weise der Gruppenzuteilung sowie die Möglichkeit, dass den Teilnehmenden bewusst war, welche Behandlung sie erhielten.

  • In den Studien wurden unterschiedliche Dosierungen von Botox-A verwendet, was einen Vergleich der Ergebnisse erschwert.

Zukünftige Studien sollten unabhängig finanziert werden, auf fundiertere Methoden zurückgreifen und Langzeitergebnisse liefern.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand vom März 2026. Diese Übersicht ergänzt die 2011 veröffentlichte Vorgängerversion um 10 neue Studien. Wir stellten eine möglicherweise leichte Linderung der Schmerzen fest.

Gross AR, Lee H, Chacko N, Kovacevic L, Smith A, Shanthanna H, Burnie SJ, Forget M, Schneider G, Santaguida PL, Bobos P

Medikamente bei Posttraumatischer Belastungsstörung

5 days 11 hours ago
Warum ist dieser Review wichtig?

Eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) tritt nach dem Erleben eines schweren Traumas auf und verursacht enorme persönliche und gesellschaftliche Kosten. Obwohl die Erkrankung traditionell mit Psychotherapie behandelt wurde, haben sich medikamentöse Therapien bei der Behandlung von PTBS als wirksam erwiesen.

Für wen ist dieser Review interessant?

- Menschen mit PTBS.
- Angehörige und Freunde von Menschen, die an einer PTBS leiden.
- Hausärzte, Psychiater, Psychologen und Apotheker.

Was wurde in diesem Review untersucht?

- Ist eine medikamentöse Therapie wirksam bei der Linderung von PTBS-Symptomen bei Erwachsenen mit PTBS?

Welche Studien wurden in diesen Review eingeschlossen?

Wir schlossen Studien ein, die Medikamente mit Placebo oder einer Kontrollbehandlung (oder beidem) zur Behandlung von PTBS bei Erwachsenen verglichen.
Wir haben 66 Studien mit insgesamt 7442 Teilnehmenden in das Review einbezogen.

Was sagt uns die Evidenz dieses Reviews?

Die Daten sprechen dafür, dass selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (engl. Selective Serotonin Reuptake Inhibitors, kurz SSRI) im Vergleich zu Placebo wahrscheinlich eine positive Wirkung auf die PTBS-Symptome haben, wobei die Evidenz eine moderate Vertrauenswürdigkeit aufweist. Zudem gab es Hinweise, dass das noradrenerge und spezifisch serotonerg wirkende Antidepressivum (NaSSA) Mirtazapin und das trizyklische Antidepressivum (TCA) Amitriptylin möglicherweise bei der Linderung von PTBS-Symptomen wirksam sind, wobei diese Evidenz eine niedrige Vertrauenswürdigkeit aufweist. Wir fanden zudem keine Hinweise auf einen Nutzen hinsichtlich der Anzahl der Teilnehmenden, bei denen sich der Zustand nach der Behandlung mit einem Antipsychotikum im Vergleich zur Placebo-Gruppe verbesserte; dies basiert auf Evidenz mit niedriger Vertrauenswürdigkeit. Bei den übrigen Medikamentenklassen konnten wir keine Evidenz für einen Nutzen hinsichtlich der Linderung von PTBS-Symptomen feststellen.

Es gab Hinweise darauf, dass in der Gruppe der Patienten, die einzelne SSRI-Präparate einnahmen, mehr Patienten aufgrund von unerwünschten Wirkungen aus der Studie ausschieden als in der Placebo-Gruppe. Die absoluten Abbruchraten waren in den SSRI-Gruppen jedoch gering.

Wie sieht das weitere Vorgehen aus?

Die meisten Ergebnisse für die Wirksamkeit der medikamentösen Therapie beziehen sich auf SSRI zur Akutbehandlung. Es besteht ein anhaltender Bedarf an der Entwicklung neuer medikamentöser Therapien für PTBS.

Williams T, Phillips NJ, Stein DJ, Ipser JC

Wie genau sind Modelle zur Vorhersage des Brustkrebsrisikos bei Frauen mit Brustkrebs in der Familie?

5 days 11 hours ago
Kernaussagen
  • Wir haben vier Modelle zur Vorhersage des Brustkrebsrisikos gefunden, die oft genug getestet wurden, um sie genauer beurteilen zu können. Es handelte sich dabei um die Modelle Gail, Tyrer-Cuzick, BOADICEA und BRCAPRO.

  • Das BOADICEA-Modell war eines der zuverlässigeren Instrumente zur Abschätzung des zukünftigen Brustkrebsrisikos bei Frauen mit einer familiären Vorbelastung für diese Erkrankung. Das bedeutet, es könnte ihnen und ihren Ärzten bei der Entscheidung über die Behandlung unterstützen.

  • Weitere Forschung ist erforderlich, damit die vorhandenen Risikomodelle zuverlässiger vorhersagen können, welche Frauen mit familiärer Vorbelastung tatsächlich an Brustkrebs erkranken und welche nicht.

Warum ist es hilfreich, das Brustkrebsrisiko einer Frau vorhersagen zu können?

Frauen, in deren Familie Brustkrebs vorkommt, haben ein erhöhtes Risiko, im Laufe ihres Lebens selbst an Brustkrebs zu erkranken. In Kliniken wird die Wahrscheinlichkeit, dass eine Frau innerhalb eines bestimmten Zeitraums an Brustkrebs erkrankt, häufig mithilfe statistischer Instrumente geschätzt, die als Modelle zur Risikovorhersage für Brustkrebs bezeichnet werden.

Die Möglichkeit, das Brustkrebsrisiko einer Frau mit Brustkrebs in der Familie genau einzuschätzen, hilft Ärzten und der betroffenen Frau dabei zu entscheiden, wie ihr Brustkrebsrisiko bewältigt oder verringert werden kann. Die Behandlung kann Folgendes umfassen:

  • regelmäßige bildgebende Untersuchungen mittels Mammografie oder Magnetresonanztomografie (MRT; ein bildgebendes Verfahren, das detaillierte Aufnahmen des Brustgewebes erstellt), um Brustkrebs möglichst frühzeitig zu erkennen;

  • die Einnahme von risikomindernden Medikamenten; oder

  • in manchen Fällen die operative Entfernung beider Brüste zur Vorbeugung von Brustkrebs.

Derzeit ist unklar, welches der verfügbaren Modelle zur Vorhersage des Brustkrebsrisikos bei Frauen mit Brustkrebs in der Familie am besten funktioniert.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten:

  • Modelle zur Vorhersage des Brustkrebsrisikos ermitteln, die bei Frauen mit Brustkrebs in der Familie entwickelt oder getestet wurden (oder beides); und

  • beurteilen, wie genau sie das zukünftige Brustkrebsrisiko bei diesen Frauen vorhersagen.

Wie gingen wir vor?

Wir haben nach Studien gesucht, in denen diese Modelle entwickelt oder getestet wurden. Wir haben untersucht, wie genau die Modelle das Brustkrebsrisiko vorhersagen, wobei wir uns auf folgende Aspekte konzentriert haben:

  • ob die vorhergesagte Anzahl der Brustkrebsfälle mit der tatsächlich eingetretenen Anzahl übereinstimmte (Kalibrierung); und

  • ob das Modell zwischen Frauen unterscheiden konnte, die an Brustkrebs erkrankten, und solchen, bei denen dies nicht der Fall war (Trennschärfe).

Sobald genügend Studien dasselbe Modell untersucht hatten, haben wir ihre Ergebnisse statistisch zusammengefasst.

Was fanden wir heraus?

Wir haben 12 Modelle zur Abschätzung des zukünftigen Brustkrebsrisikos identifiziert, die in Studien getestet wurden und in denen alle oder die meisten Frauen eine familiäre Vorbelastung für Brustkrebs aufwiesen. Für die Überprüfung der Modelle wurden Daten von zwischen 134 und 130.058 Frauen herangezogen. Die meisten Frauen lebten in Nordamerika, Europa oder Australien, nur wenige stammten aus Asien.

Die Studien wurden von Regierungen (25 Studien), Universitäten (24), gemeinnützigen Organisationen (21) und der Industrie (3) finanziert. Sechs Studien machten keine Angaben zu ihren Finanzierungsquellen, und einige wurden von mehr als einer Quelle finanziert.

Es ist uns gelungen, die Ergebnisse mehrerer Studien für vier Modelle zusammenzufassen: das Gail-, das Tyrer-Cuzick-, das BOADICEA- und das BRCAPRO-Modell.

Kalibrierung: Entsprach die prognostizierte Zahl der Brustkrebsfälle der tatsächlichen Zahl?
  • Die Modelle „Gail“ und „BOADICEA“ schätzten genau die Anzahl der Frauen in den einbezogenen Studien, die innerhalb eines bestimmten Zeitraums an Brustkrebs erkranken würden:

    • Von den 100 Brustkrebsfällen, die Gail vorhergesagt hatte, traten tatsächlich etwa 106 auf;

    • Von 100 von BOADICEA vorhergesagten Brustkrebsfällen traten tatsächlich etwa 98 ein.

  • Das Tyrer-Cuzick-Modell ging davon aus, dass in den Studien mehr Frauen an Brustkrebs erkranken würden, als dies tatsächlich der Fall war. Von den 100 vorhergesagten Brustkrebsfällen traten tatsächlich nur etwa 86 ein.

  • Das BRCAPRO-Modell schätzte, dass in den Studien weniger Frauen an Brustkrebs erkranken würden, als tatsächlich erkrankten. Von 100 prognostizierten Brustkrebsfällen traten tatsächlich etwa 144 auf.

Trennschärfe: Wie gut konnten die Modelle zwischen Frauen unterscheiden, die an Brustkrebs erkranken, und solchen, die nicht daran erkranken?
  • Alle vier Modelle konnten moderat gut vorhersagen, welche Frauen in einem bestimmten Zeitraum an Brustkrebs erkranken und welche nicht, aber keines lieferte wirklich gute Ergebnisse.

  • Die Modelle Tyrer-Cuzick (Version 8), BOADICEA und BRCAPRO konnten in etwa 64 bis 65 von 100 Fällen richtig unterscheiden, welche Frauen an Brustkrebs erkranken würden und welche nicht.

  • Das Gail-Modell schnitt etwas schlechter ab und erkannte nur in 61 von 100 Fällen korrekt, welche Frauen an Brustkrebs erkranken würden.

Was schränkt die Evidenz ein?

Wir haben die Qualität der meisten in unseren Review einbezogenen Studien als schlecht oder unklar bewertet. Das bedeutet, dass wir nicht sicher sein können, dass diese Ergebnisse zuverlässig sind. Unser Vertrauen wurde aus mehreren Gründen geschwächt, darunter:

  • In manchen Studien traten zu wenige Brustkrebsfälle auf, sodass die Genauigkeit der Vorhersagemodelle nur schwer zuverlässig bewertet werden konnte;

  • Nicht alle Studien berichteten die Informationen zur Leistung der Modelle, die wir gesucht haben;

  • In einigen Studien fehlten Informationen oder es wurde nicht erläutert, wie mit fehlenden Informationen umgegangen wurde.

Wie aktuell ist die Evidenz?
Das Review umfasst Studien, die bis Dezember 2024 veröffentlicht wurden.

McGarrigle SA, Hanhauser YP, Mockler D, Gallagher DJ, Kennedy MJ, Damen JAAG, Bennett K, Connolly EM, Supported by the Cochrane Breast Cancer Review Group

Welche Vorteile und Risiken bieten Medikamente zur Gewichtsreduktion bei Kindern und Jugendlichen?

6 days 11 hours ago
Kernaussagen
  • Es ist unsicher, ob im Vergleich zu Placebo (einer Scheinbehandlung ohne Wirkstoff) Medikamente zur Gewichtsreduktion den Body-Mass-Index (der angibt, ob das Gewicht einer Person im gesunden Bereich liegt) sowie das Körpergewicht leicht senken können. Medikamente zur Gewichtsreduktion haben wahrscheinlich kaum oder gar keinen Einfluss auf die Zahl der Menschen, bei denen unerwünschte oder gesundheitsschädliche Ereignisse auftreten.

  • Wir wissen nicht, ob Medikamente zur Gewichtsreduktion in Kombination mit Änderungen des Lebensstils wirksamer sind als die alleinige Änderung des Lebensstils - oder ob sie zu unerwünschten Wirkungen führen.

  • Um die Vorteile und Risiken besser zu verstehen, benötigen wir weitere Studien, in denen junge Menschen über einen Zeitraum von mindestens einem Jahr begleitet und ihr körperliches und psychisches Wohlbefinden erfasst wird.

Was ist Adipositas?

Adipositas bedeutet, zu viel Körperfett zu haben. Adipositas bei Kindern (0 bis 9 Jahre) und Jugendlichen (10 bis 19 Jahre) erhöht das Risiko für verschiedene Erkrankungen, sowohl kurzfristig als auch im Erwachsenenalter. Adipositas wirkt sich auch darauf aus, wie junge Menschen sich selbst wahrnehmen und mit anderen umgehen, was häufig zu geringem Selbstwertgefühl, Ängsten, Depressionen und sozialen Schwierigkeiten führt.

Wie wird Adipositas behandelt?

Adipositas ist ein komplexes Problem, bei dem viele Faktoren eine Rolle spielen. Kinder und Jugendliche mit Adipositas können von Änderungen ihres Lebensstils profitieren, beispielsweise durch eine verbesserte Ernährung und mehr Bewegung, Beratung und verhaltenstherapeutische Unterstützung. Medikamente zur Gewichtsreduktion kommen in der Regel erst dann in Betracht, wenn eine Umstellung des Lebensstils nicht zum Erfolg geführt hat.

Zur Behandlung von Adipositas bei Kindern und Jugendlichen werden verschiedene Medikamente eingesetzt. Darunter sind neuere Medikamente, die als GLP-1-Agonisten bezeichnet werden und besser unter deren Markennamen, wie z. B. Wegovy und Ozempic, bekannt sind. Wir haben die Wirkungen aller Medikamente zur Gewichtsreduktion gemeinsam betrachtet.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob Medikamente zur Gewichtsreduktion besser wirken als ein Placebo (eine Scheinbehandlung ohne Wirkstoff) oder als eine Umstellung der Lebensstils bei:

  • Senkung des Body-Mass-Index (BMI) – ein Wert, der aus dem Gewicht und der Körpergröße einer Person berechnet wird und angibt, ob sich das Gewicht in einem gesunden Bereich befindet; er wird in Kilogramm pro Quadratmeter (kg/m²) angegeben;

  • Gewichtsreduzierung (kg);

  • das Wohlbefinden steigern.

Wir wollten außerdem herausfinden, ob diese Medikamente dazu führen, dass:

  • unerwünschte Ereignisse auftreten;

  • Personen, die Studien aufgrund unerwünschter Ereignisse vorzeitig abbrechen;

  • durch Adipositas bedingte Gesundheitsprobleme, darunter hoher Blutzucker, Bluthochdruck und ungesunde Blutfettwerte auftreten.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen Medikamente zur Gewichtsreduktion bei Kindern und Jugendlichen mit Placebo, keiner Behandlung, einem anderen Medikament zur Gewichtsreduktion oder Änderungen des Lebensstils verglichen wurden und die mindestens drei Monate dauerten. Wir haben die Ergebnisse der Studien verglichen und zusammengefasst und unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie den Studienmethoden und der Anzahl der beteiligten Jugendlichen bewertet.

Was fanden wir heraus?

Wir haben 37 Studien mit insgesamt 4218 Jugendlichen einbezogen. Bei 28 Studien handelte es sich ausschließlich um Jugendliche. Acht davon waren Kinder und Jugendliche. Eine Studie sah vor, sowohl Kinder als auch Jugendliche einzubeziehen, machte jedoch keine Angaben zu deren Alter. In 31 Studien wurden Medikamente zur Gewichtsreduktion mit Placebo verglichen. In sechs Studien wurden Medikamente zur Gewichtsreduktion in Kombination mit Änderungen des Lebensstils (Änderungen der Ernährung, der körperlichen Aktivität oder beidem) mit alleinigen Änderungen des Lebensstils verglichen.

Hauptergebnisse

Im Vergleich zu Placebo können Medikamente zur Gewichtsreduktion:

  • den BMI möglicherweise um durchschnittlich 1,8 kg/m² senken, basierend auf 25 Studien mit 3091 jungen Menschen. Dies ist nur eine geringfügige Verringerung, die die Gesundheit junger Menschen möglicherweise nicht wesentlich verbessert;

  • möglicherweise zu einer Gewichtsabnahme von durchschnittlich 5,47 kg führen (20 Studien, 2380 Personen);

  • wahrscheinlich kaum oder gar nicht auf das Wohlbefinden junger Menschen Einfluss nehmen (4 Studien, 741 Personen);

  • wahrscheinlich kaum oder gar nicht die Zahl der Personen beeinflussen, bei denen unerwünschte Ereignisse auftraten - was in beiden Gruppen häufig vorkam: Bei 872 von 1000 Personen, denen Medikamente zur Gewichtsreduktion verabreicht wurden, und bei 846 von 1000 Personen, denen ein Placebo verabreicht wurde, traten unerwünschte Ereignisse auf (8 Studien, 1877 Personen);

  • möglicherweise kaum oder gar keinen Einfluss auf die Zahl der Personen nehmen, die Studien aufgrund unerwünschter Ereignisse vorzeitig abbrechen: Von 1000 Personen, denen das Medikament verabreicht wurde, verließen 36 die Studie vorzeitig, verglichen mit 24 von 1000 Personen, denen ein Placebo verabreicht wurde (13 Studien, 2213 Personen);

  • möglicherweise kaum oder gar keinen Einfluss auf durch Adipositas bedingte Gesundheitsprobleme haben (1 Studie, 51 Personen).

Bei den verschiedenen Medikamenten zur Gewichtsreduktion gibt es erhebliche Unterschiede hinsichtlich der Senkung des BMI und des Gewichts.

Wir sind uns sehr unsicher, welche Wirkungen Medikamente zur Gewichtsreduktion in Kombination mit Änderungen des Lebensstils im Vergleich zu alleinigen Änderungen des Lebensstils auf folgende Aspekte haben:

  • Veränderung des BMI;

  • Veränderung des Gewichts;

  • die Anzahl der Personen, die aufgrund unerwünschter Ereignisse vorzeitig die Studie abbrechen.

In keiner der in diesem Vergleich berücksichtigten Studien wurden das Wohlbefinden der Jugendlichen, die Anzahl derjenigen, die unerwünschte Ereignisse erlebt haben, sowie durch Adipositas bedingte Gesundheitsprobleme erfasst.

Was schränkt die Evidenz ein?

Bei beiden Vergleichen war unser Vertrauen in die Evidenz für die meisten Endpunkte eingeschränkt, da die Studien Methoden verwendeten, die wahrscheinlich zu Fehlern in den Ergebnissen führten.

Was Medikamente zur Gewichtsreduktion im Vergleich zu Placebos betrifft , so war unser Vertrauen in die Evidenz für BMI und Körpergewicht ebenfalls eingeschränkt, da die Studienergebnisse variierten. Wir hatten wenig Vertrauen in die Evidenz zur Anzahl der Personen, die Studien aufgrund unerwünschter Ereignisse vorzeitig abgebrochen hatten, da diese sich nur auf wenige Fälle stützten. Wir hatten nur moderates Vertrauen in die Evidenz zum Thema Wohlbefinden, da es zu wenige Studien gab, um sichere Aussagen über die Ergebnisse treffen zu können.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von Juli 2023. Im Juni 2025 haben wir den Stand der laufenden Studien überprüft und die Ergebnisse entsprechend aktualisiert.

Gerardi C, Allocati E, Prutsky G, Carrano FM, Romano E, De Giorgi S, Metzendorf MI, Calcaterra V, Di Lorenzo N, Banzi R

Ist es unbedenklich, die Steroidgabe nach einer Nierentransplantation zu reduzieren?

1 week 2 days ago
Kernaussagen
  • Nach einer Nierentransplantation werden häufig Steroide verabreicht, um zu verhindern, dass der Körper die neue Niere abstößt. Sie können jedoch unerwünschte Wirkungen wie Gewichtszunahme, hohen Blutzucker und Abnahme der Knochensubstanz verursachen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Steroidgabe zu reduzieren, doch müssen diese sorgfältig gegen das mögliche Risiko einer Nierenabstoßung abgewogen werden (bei der das körpereigene Immunsystem die transplantierte Niere angreift).

  • Bei erwachsenen Nierentransplantierten reduziert der Verzicht auf Steroide möglicherweise die Sterblichkeit nach 1 bis 5 Jahren; nach einem Jahr ist dieser Effekt sehr unsicher. Das Absetzen von Steroiden hat möglicherweise nur geringe oder gar keine Wirkungen auf die Sterblichkeit. Der Verzicht auf Steroide erhöht möglicherweise das Risiko einer akuten Nierenabstoßung, doch das Absetzen der Steroide hat möglicherweise nur geringe oder gar keine Wirkungen auf das Abstoßungsrisiko.

  • Der Verzicht auf Steroide senkt möglicherweise das Risiko, nach einer Transplantation an Diabetes zu erkranken. Der Verzicht auf Steroide oder deren Absetzen hat möglicherweise nur geringe oder gar keine Wirkungen auf Infektionen oder herzbedingte Komplikationen.

Worum geht es?

Eine Nierentransplantation ist in der Regel die bevorzugte Behandlungsmethode für Menschen mit Nierenversagen (wenn die Nieren nicht mehr richtig funktionieren). Die meisten Menschen mit einer Nierentransplantation erhalten im Rahmen ihrer Behandlung Steroide. Steroide helfen dabei, eine Abstoßung der neuen Niere zu verhindern (bei der das körpereigene Immunsystem die transplantierte Niere angreift), können jedoch auch unerwünschte Wirkungen wie Gewichtszunahme, hohen Blutzucker und Abnahme der Knochensubstanz verursachen.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten wissen, welche Nutzen und Risiken mit einer Reduzierung der Steroidgabe nach einer Nierentransplantation verbunden sind. Insbesondere haben wir uns zwei Hauptstrategien angesehen.

  • Verzicht auf Steroide, wenn diese nach der Transplantation weniger als 14 Tage lang angewendet wurden.

  • Absetzen der Steroide, wenn diese länger als 14 Tage eingenommen und danach zu einem beliebigen Zeitpunkt abgebrochen wurden.

Wie gingen wir vor?

Wir haben nach Studien gesucht, die sich mit den Nutzen und Risiken des Verzichts auf oder des Absetzens von Steroiden nach einer Nierentransplantation befassen.

Wir haben die Ergebnisse der Studien verglichen und zusammengefasst und unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie den Untersuchungsmethoden und der Größe der Studien bewertet.

Was fanden wir heraus?

Wir haben 53 Studien mit insgesamt 8317 Nierentransplantierten ausgewertet; drei dieser Studien bezogen Kinder mit ein. Die Zahl der in diese Studien randomisierten Teilnehmenden lag zwischen 21 und 560. Die meisten Studien wurden in Europa und den USA durchgeführt. In diesen Studien wurden verschiedene Methoden zur Reduzierung des Einsatzes von Steroiden verglichen.

Bei erwachsenen Nierentransplantierten haben wir festgestellt, dass das Absetzen der Steroide möglicherweise kaum oder gar keine Wirkungen auf die Sterblichkeit hat (nach 1 Jahr sowie nach 1 bis 5 Jahren). Der Verzicht auf Steroide reduziert möglicherweise die Sterblichkeit nach 1 bis 5 Jahren, wobei dieser Effekt nach einem Jahr sehr unsicher ist. Der Verzicht auf Steroide erhöht möglicherweise das Risiko einer akuten Nierenabstoßung, doch das Absetzen der Steroide hat möglicherweise nur geringe oder gar keine Wirkungen auf das Abstoßungsrisiko.

Der Verzicht auf Steroide senkt möglicherweise das Risiko, nach einer Transplantation an Diabetes zu erkranken.

Der Verzicht auf Steroide oder deren Absetzen hat möglicherweise nur geringe oder gar keine Wirkungen auf Infektionen oder herzbedingte Komplikationen.

Was schränkt die Evidenz ein?

Wir haben nur sehr eingeschränktes bis moderates Vertrauen in die Evidenz, da in den Studien unterschiedliche Arten von zusätzlichen Behandlungen zum Einsatz kamen und die meisten Studien vor mehr als 10 Jahren veröffentlicht wurden. Zudem sind diese Strategien möglicherweise nur für bestimmte Nierentransplantierte geeignet, insbesondere für diejenigen mit einem geringen Risiko einer Nierenabstoßung. Außerdem bezogen sich die meisten Studien auf Erwachsene mit einer Nierentransplantation. Wir haben sehr wenig Vertrauen in die für Kinder ermittelten Ergebnisse. Entscheidungen über die Einnahme von Steroiden sollten im Gespräch zwischen dem Patienten und seinem transplantierenden Arzt getroffen werden, wobei das Abstoßungsrisiko und andere gesundheitliche Zustände zu berücksichtigen sind.

Wie aktuell ist dieser Review?

Der Review ist auf dem Stand von April 2025.

Oliveras L, Melilli E, Cruzado JM, Nagler EV, Webster AC, Pascual J, Montero N, supported by Cochrane Kidney and Transplant

Welche Nutzen und Risiken sind mit dem Einsatz von Thromboelastographie- (TEG) und Thromboelastometrie- (ROTEM) Geräten zur Steuerung von Bluttransfusionen bei Patienten mit schweren Blutungen verbunden?

1 week 3 days ago
Kernaussagen

• Es ist möglich, dass TEG (Thromboelastographie) und ROTEM (Thromboelastometrie), die Aufschluss über den Transfusionsbedarf geben, die Sterblichkeit, die Menge des verlorenen Bluts und den Bedarf an Blutprodukten sowie die Notwendigkeit weiterer Operationen verringern können. Dies ist jedoch sehr unsicher. Diese Erkenntnisse beziehen sich vor allem auf Menschen mit Herzoperation.

• Uns lagen keine Informationen über unerwünschte Ereignisse im Zusammenhang mit dieser Diagnostik vor (bspw. Überdiagnostik, die dazu führt, dass Therapien zu früh eingeleitet werden).

• Die Evidenz ist sehr lückenhaft und es sind weitere Studien mit einer größeren Teilnehmerzahl erforderlich, insbesondere bei Kindern und Personen in anderen Kontexten als der Herzchirurgie.

Was sind TEG und ROTEM?

Die Thromboelastographie (TEG) und die Thromboelastometrie (ROTEM) sind Blutanalysegeräte für den Einsatz am Krankenbett, die zur Überwachung der Blutgerinnung und zur Steuerung von Transfusionen von Blutprodukten eingesetzt werden. Starke Blutungen und Gerinnungsstörungen sind schwerwiegende klinische Zustände, die mit einer hohen Sterblichkeitsrate einhergehen.

Zu den Blutprodukten zählen rote Blutkörperchen, frisch gefrorenes Plasma (FFP = fresh frozen plasma), Gerinnungsfaktorkonzentrate, spezielle Gerinnungsfaktorkonzentrate wie ein Kryopräzipitat oder Thrombozyten.

Warum ist das für Menschen mit starken Blutungen wichtig?

Probleme mit starken Blutungen und der Blutgerinnung können durch eine Reihe von Faktoren verursacht werden, die jeweils unterschiedlich behandelt werden müssen. Bei Menschen mit Blutungen infolge einer Operation, eines Traumas (schwere körperliche Verletzung) oder einer Entbindung lässt sich die Gerinnungsfähigkeit des Blutes mithilfe von TEG- und ROTEM-Tests überwachen. Diese Untersuchungen werden am Krankenbett durchgeführt, um Informationen in Echtzeit zu liefern.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten die Nutzen und Risiken des TEG- oder ROTEM-gesteuerten Einsatzes von Blutprodukten bei der Behandlung von Menschen mit schweren Blutungen und Blutgerinnungsstörungen untersuchen. Dies wurde mit der Verwendung von Standard-Labortests und dem klinischen Urteil der Ärzte verglichen.

Uns interessierten die Wirkungen auf:

• Todesfälle jeglicher Ursache;

• die Verwendung von Blutprodukten;

• die Menge des Blutverlusts;

• die Notwendigkeit einer weiteren Operation;

• die Aufenthaltsdauer im Krankenhaus;

- jegliche unerwünschte Wirkungen.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen untersucht wurde, ob Blutgerinnungsanalysegeräte (TEG oder ROTEM) zur Steuerung der Transfusion von Blutprodukten bei Erwachsenen oder Kindern mit schweren Blutungen im Krankenhaus die Sterblichkeit senken. Die Analysegeräte wurden mit oder ohne weitere Laboruntersuchungen eingesetzt und mit Transfusionsentscheidungen verglichen, die auf klinischer Einschätzung, standardmäßiger Labortests oder beidem basierten.

Wir haben die Ergebnisse der Studien verglichen und zusammengefasst und unser Vertrauen in die Evidenz basierend auf Faktoren wie der Studienmethodik und der Anzahl der Teilnehmenden bewertet.

Was fanden wir heraus?

Wir haben 35 Studien (randomisierte kontrollierte Studien) gefunden, an denen 3096 Erwachsene teilnahmen. Bei den meisten dieser Patienten traten nach einer geplanten Herzoperation starke Blutungen auf.

Hauptergebnisse

Die Anwendung einer TEG- oder ROTEM-gesteuerten Behandlung bei Patienten mit schweren Blutungen könnte im Zusammenhang stehen mit:

• einer niedrigeren Sterblichkeit (19 Studien, 1868 Personen).

• einem geringeren Bedarf an Blutprodukten: frisch gefrorenes Plasma (18 Studien, 1536 Personen) oder Thrombozyten (20 Studien, 1607 Personen).

• keinem Unterschied in der Menge der Erythrozytenkonzentrate (21 Studien, 2003 Teilnehmer).

• weniger erneuten Operationen (13 Studien, 1204 Personen).

• weniger Blutverlust (19 Studien, 1523 Personen).

In keiner der Studien wurden die Risiken einer TEG- oder ROTEM-gesteuerten Behandlung untersucht.

Wir sind sehr unsicher bezüglich dieser Ergebnisse.

Was schränkt die Evidenz ein?

• Die TEG- oder ROTEM-gesteuerte Behandlung muss an einer größeren Anzahl von Patienten, einschließlich Kindern, und bei verschiedenen Blutungsursachen untersucht werden, damit wir mehr Gewissheit über die Ergebnisse gewinnen können.

• Die Anzahl der Todesfälle (Mortalität) war das wichtigste Ergebnis dieses Reviews, jedoch hatte keine der einzelnen Studien ausreichend Teilnehmende, um einen Nutzen dafür nachzuweisen, da er selten auftritt.

• Viele der Studien schlossen Teilnehmende mit geplanter Herzoperation ein, bei der der Blutkreislauf während des Eingriffs außerhalb des Körpers aufrechterhalten wird. Die Ergebnisse könnten je nach Ursache der starken Blutung variieren.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von Januar 2025.

Kvisselgaard AD, Wolthers SA, Wikkelsø AJ., Holst LB, Drivenes B, Afshari A

Welche Vorteile und Risiken birgt eine geplante frühe Geburt nach der 34. Woche für Frauen mit Bluthochdruck in der Schwangerschaft?

1 week 3 days ago
Kernaussagen
  • Eine geplante frühe Geburt führt zu weniger Komplikationen für die Frau, ohne dass sich das Risiko für einen Kaiserschnitt erhöht.

  • Eine geplante frühe Geburt senkt wahrscheinlich das Risiko einer Totgeburt und führt wahrscheinlich zu kaum oder gar keinen Unterschieden beim Risiko einer Einweisung auf die Neugeborenen-Intensivstation. Die Wirkungen auf die Neugeborenensterblichkeit sind unklar.

  • Es sind weitere Studien erforderlich, um die Wirkungen einer geplanten frühen Geburt auf die langfristige Gesundheit von Frauen und Kindern zu untersuchen.

Was ist Bluthochdruck in der Schwangerschaft?

Bluthochdruck tritt bei jeder zehnten Schwangerschaft auf. Frauen, die während der Schwangerschaft unter Bluthochdruck leiden, haben ein erhöhtes Risiko für Komplikationen. Präeklampsie (Bluthochdruck mit Eiweiß im Urin oder mit Auswirkungen auf andere Organe) ist die schwerwiegendste Form von Bluthochdruck während der Schwangerschaft und entsteht, wenn ein Problem vorliegt, das die Plazenta betrifft.

Wird Bluthochdruck nicht frühzeitig erkannt und behandelt, kann es zu Komplikationen kommen. Dazu können Krampfanfälle (Eklampsie), Schlaganfall, Blut- und Leberfunktionsstörungen (HELLP-Syndrom), Atembeschwerden aufgrund von Flüssigkeit in der Lunge (Lungenödem), Plazentaablösung, Leber- und Nierenversagen gehören. Auch das Neugeborene könnte davon betroffen sein, da es möglicherweise nicht so gut wachsen kann. Dies kann dazu führen, dass das Neugeborene nach der Geburt mehr Unterstützung benötigt und ein erhöhtes Risiko besteht, auf die Neugeborenen-Intensivstation verlegt zu werden. Es kann auch dazu führen, dass das Neugeborene tot geboren wird.

Wie wird Bluthochdruck in der Schwangerschaft behandelt?

Frauen, die während der Schwangerschaft unter Bluthochdruck leiden, wird eine sorgfältige Überwachung empfohlen, die regelmäßige Blutdruck-, Urin- sowie Blut- und Ultraschalluntersuchungen umfassen kann. Manche Frauen müssen möglicherweise Medikamente einnehmen, um ihren Blutdruck in einem unbedenklichen Wertebereich zu halten.

Das Einleiten der Geburt des Kindes ist die einzige Behandlungsmethode, die das Risiko schwerwiegender Komplikationen senkt. Der Zeitpunkt der Entbindung hängt jedoch davon ab, in welchem Stadium sich die Schwangerschaft befindet, ob Anzeichen oder Symptome für Komplikationen vorliegen und um welche Art von Blutdruckproblem es sich handelt.

Bei Frauen, die früh in der Schwangerschaft (vor der 34. Woche) unter Bluthochdruck leiden, wird eine sorgfältige Überwachung empfohlen, sofern keine schwerwiegenden Komplikationen auftreten, da eine frühe Frühgeburt Risiken für das Baby mit sich bringt. Im späteren Verlauf der Schwangerschaft (ab der 34. Woche) ist das Verhältnis von Risiken und Nutzen weniger eindeutig.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob eine geplante frühe Geburt bei Frauen mit Bluthochdruck in der Schwangerschaft nach der 34. Woche besser geeignet ist als eine sorgfältige Überwachung (abwartende Beobachtung), um Komplikationen bei Müttern und Neugeborenen zu verringern. Wir wollten außerdem herausfinden, ob eine geplante frühe Geburt mit unerwünschten Wirkungen verbunden ist.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen eine geplante frühe Geburt verglichen wurde mit einer sorgfältigen Überwachung von Frauen mit jeglicher Art von Bluthochdruck während der Schwangerschaft ab der 34. Woche. Wir haben die Ergebnisse der Studien verglichen und zusammengefasst und unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie Studienmethodik und Stichprobengröße bewertet.

Was fanden wir heraus?

Wir haben sechs Studien gefunden, an denen 3491 Frauen mit Bluthochdruck in der Schwangerschaft teilnahmen und die zwischen 2002 und 2022 durchgeführt wurden. Fünf dieser Studien wurden in Ländern mit hohem Einkommen durchgeführt (Großbritannien, Niederlande, USA). Eine dieser Studien wurde in zwei Ländern durchgeführt, die als Länder mit niedrigem Einkommen (Sambia) bzw. mit unterem mittleren Einkommen (Indien) eingestuft wurden. Der Zeitpunkt der geplanten frühen Geburt variierte zwischen den Studien, je nachdem, wann die Studie durchgeführt und welche Art von Bluthochdruck untersucht wurde.

Hauptergebnisse

Eine geplante frühe Geburt verringert Komplikationen bei Frauen mit Bluthochdruck in der Schwangerschaft nach der 34. Woche. Eine geplante frühe Geburt nach der 34. Woche erhöht das Risiko eines Kaiserschnitts nicht. Eine geplante frühe Geburt hat möglicherweise kaum oder gar keinen Einfluss auf das Risiko mütterlichen Versterbens.

Für das Neugeborene führt eine geplante frühe Geburt wahrscheinlich zu einer deutlichen Verringerung des Risikos einer Totgeburt, hat jedoch wahrscheinlich kaum oder gar keinen Einfluss auf das Risiko einer Einweisung auf die Neugeborenen-Intensivstation. Eine geplante frühe Geburt könnte zu kaum oder gar keinen Unterschieden beim Gesamtrisiko für schwerwiegende Komplikationen nach der Geburt, einschließlich des neonatalen Todes, führen, doch sind wir uns hinsichtlich dieser Ergebnisse sehr unsicher.

Was schränkt die Evidenz ein?

Wir sind von unseren Ergebnissen hinsichtlich der Wirkungen einer geplanten frühen Geburt auf das Gesamtrisiko von Komplikationen bei Frauen und das Risiko eines Kaiserschnitts überzeugt. Was die Wirkungen auf die Neugeborenen angeht, sind wir hinsichtlich unserer Ergebnisse weniger sicher, da nur wenige unerwünschte Wirkungen berichtet wurden.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Dieser Review ist eine Aktualisierung einer vorherigen Version. Die Evidenz ist auf dem Stand vom 16. Januar 2026.

Beardmore-Gray A, Rohwer C, Fernandez Turienzo C, Cluver CA

Welche Vor- und Nachteile haben Medikamente, die die Bildung roter Blutkörperchen anregen (Erythropoese-stimulierende Wirkstoffe), wenn sie Frühgeborenen oder Neugeborene mit niedrigem Geburtsgewicht in der ersten Lebenswoche verabreicht werden?

1 week 3 days ago
Kernaussagen
  • Der frühzeitige Einsatz von Medikamenten, die die Bildung roter Blutkörperchen anregen, wie Erythropoetin oder Darbepoetin, führt wahrscheinlich zu kaum oder gar keinen Unterschieden hinsichtlich der Sterblichkeit. Sie verringern möglicherweise mittelschwere bis schwere neurologische Entwicklungsstörungen. Sie haben kaum oder gar keine Wirkungen auf das Auftreten schwerer Augenerkrankungen. Sie verringern möglicherweise den Bedarf an Bluttransfusionen und verringern wahrscheinlich schwere Darmprobleme und schwere Hirnblutungen.

  • Angesichts der Vorteile dieser Medikamente sollte sich künftige Forschung damit befassen, wie diese Medikamente gut in den klinischen Alltag eingeführt und für alle Betroffenen verfügbar und finanziert werden können.

Warum ist eine niedrige Anzahl roter Blutkörperchen ein Problem für Frühgeborene und Neugeborene mit niedrigem Geburtsgewicht?

Rote Blutkörperchen transportieren Sauerstoff durch den Körper und sind für eine gute Gesundheit wichtig. Frühgeborene (Neugeborene, die vor dem errechneten Geburtstermin zur Welt kommen) und Neugeborene mit niedrigem Geburtsgewicht können unter einem Mangel an roten Blutkörperchen leiden. Infolgedessen haben sie ein erhöhtes Sterberisiko, sind anfälliger für schwere Erkrankungen und benötigen unter Umständen Bluttransfusionen (die Zufuhr von Spenderblut direkt in eine Vene mittels Infusion). Neugeborene, die Bluttransfusionen erhalten, sind jedoch möglicherweise einem erhöhten Risiko für Infektionen, schwere Darmprobleme und Augenerkrankungen ausgesetzt.

Was sind Erythropoese-stimulierende Wirkstoffe?

Erythropoese-stimulierende Wirkstoffe (ESAs) sind Medikamente, die die Bildung roter Blutkörperchen anregen. Beispiele für ESA sind Erythropoetin und Darbepoetin.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob die Verabreichung von ESA an Frühgeborene und Neugeborene mit niedrigem Geburtsgewicht in der ersten Lebenswoche Auswirkungen hat auf:

  • den Tod;

  • das Auftreten neurologischer Entwicklungsstörungen;

  • den Bedarf an Bluttransfusionen;

  • das Auftreten einer schweren Augenerkrankung (Frühgeborenen-Retinopathie);

  • das Auftreten schwerwiegender Darmprobleme (nekrotisierende Enterokolitis);

  • das Auftreten schwerer Hirnblutungen (intraventrikuläre Blutungen).

Wie gingen wir vor?

Wir haben nach Studien zu Frühgeborenen (mit einer Schwangerschaftsdauer von weniger als 37 Wochen) oder Neugeborenen mit niedrigem Geburtsgewicht (weniger als 2500 Gramm) gesucht, denen in der ersten Lebenswoche ESA verabreicht wurden. Wir haben Studien einbezogen, in denen ESA mit Placebo (Scheinbehandlung) oder keiner Behandlung verglichen wurden. Wir haben die Ergebnisse der Studien verglichen und zusammengefasst und unser Vertrauen in die Evidenz anhand der Studienmethoden und -größen bewertet.

Was fanden wir heraus?

Wir haben 37 Studien mit insgesamt 6724 Säuglingen gefunden. Die Studien wurden weltweit durchgeführt; die meisten fanden jedoch in Europa statt (15 Studien). Die Studien umfassten zwischen 22 und 1258 Neugeborene.

Hauptergebnisse

Wir haben festgestellt, dass ESA im Vergleich zu Placebo oder keiner Behandlung:

  • wahrscheinlich zu kaum oder gar keinen Unterschieden bei der Sterblichkeit (24 Studien, 5217 Säuglinge) führen;

  • möglicherweise mittelschwere bis schwere neurologische Entwicklungsstörungen verringern (3 Studien, 1707 Säuglinge);

  • möglicherweise den Bedarf an Bluttransfusionen verringern (21 Studien, 3507 Säuglinge);

  • kaum oder gar keine Wirkungen auf schwere Augenerkrankungen haben (14 Studien, 3844 Säuglinge);

  • wahrscheinlich das Risiko schwerwiegender Darmprobleme verringern (20 Studien, 5749 Säuglinge);

  • wahrscheinlich das Risiko schwerer Hirnblutungen verringern (9 Studien, 2458 Säuglinge).

Was schränkt die Evidenz ein?

Wir haben großes bis eingeschränktes Vertrauen in die Evidenz. In den Fällen, in denen unser Vertrauen begrenzt war, lag dies daran, dass das medizinische Personal möglicherweise wusste, welche Behandlung die Neugeborenen erhielten, und wir über weniger Informationen und Erkenntnisse hinsichtlich der Wirkungen von Darbepoetin verfügen (in 35 Studien wurde Erythropoetin verwendet, während in nur zwei Studien Darbepoetin zum Einsatz kam). Zudem variierten die Behandlungen je nach Altersgruppe, und es ist unklar, wie einige Studien durchgeführt wurden.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von März 2025. Dieser Bericht aktualisiert unseren vorherigen Bericht aus dem Jahr 2020.

Anarna K, Fiander M, Mitra S, Supported by the Cochrane Neonatal Group

Verbessert die Kombination aus Immuntherapie und Chemotherapie im Vergleich zu alleiniger Chemotherapie die Behandlungsergebnisse bei frühem dreifach-negativem Brustkrebs?

1 week 6 days ago
Kernaussagen

- Bei Patientinnen mit frühem, potenziell heilbarem, dreifach-negativem Brustkrebs (Stadien 1 bis 3) ist nach zusätzlicher Gabe von sogenannten Immuncheckpoint-Inhibitoren (Immuntherapie) zur Chemotherapie vor der Operation im Vergleich zur alleinigen Chemotherapie wahrscheinlich häufiger kein Krebs mehr nachweisbar. Auch die Zeit bis zum Wiederauftreten der Erkrankung sowie die Gesamtüberlebenszeit (Zeit von der Diagnose oder dem Behandlungsbeginn bis zum Tod, unabhängig von der Ursache) verbessern sich wahrscheinlich. Allerdings erhöht die zusätzliche Immuntherapie wahrscheinlich das Risiko schwerwiegender unerwünschter Wirkungen. Die Lebensqualität ist bei beiden Behandlungen möglicherweise ähnlich. Die Gesamtzahl an unerwünschten Wirkungen ist wahrscheinlich ebenfalls ähnlich.

- Es gibt möglicherweise keine Verbesserungen bei der Überlebenszeit, wenn die Immuntherapie nach der Operation zur Chemotherapie hinzugefügt wird.

- Künftige Studien sollten untersuchen, wie Immuncheckpoint-Inhibitoren in verschiedenen Gruppen wirken und sich auf Endpunkte wie die Lebensqualität während und nach der Behandlung konzentrieren.

Was sind Immuncheckpoint-Inhibitoren?

Immuncheckpoint-Inhibitoren sind Medikamente, die in der Krebsbehandlung als Teil einer Therapieform, der so genannten Immuntherapie, eingesetzt werden. Sie wirken, indem sie dem Immunsystem helfen, den Krebs zu bekämpfen. Krebszellen können sich der Aufmerksamkeit des Immunsystems entziehen, indem sie ein Signal nutzen, an dem zwei Proteine namens PD-1 und PD-L1 beteiligt sind. PD-1- und PD-L1-Inhibitoren blockieren dieses Signal und erleichtern es dem Immunsystem, Krebszellen zu finden und sie zu bekämpfen.

Warum ist dies für Menschen mit frühem dreifach-negativem Brustkrebs wichtig?

TNBC ist eine aggressive Form von Brustkrebs, die etwa 12% bis 17 % der Brustkrebsfälle ausmacht. Er kann schwieriger zu behandeln sein als andere Arten von Brustkrebs. Eine Chemotherapie ist die Standardbehandlung bei dieser Erkrankung. Sie kann vor der Operation (neoadjuvant) oder nach der Operation (adjuvant) gegeben werden und kann die Überlebenschancen verbessern. Trotz der Behandlung entwickelt sich bei etwa 30 bis 40 von 100 Menschen mit frühem dreifach-negativem Brustkrebs die Erkrankung weiter. Der Krebs breitet sich dann auf andere Teile des Körpers aus. Dies nennt man Metastasierung.

Derzeit werden neue Behandlungsmethoden untersucht, bei denen die Chemotherapie mit Immuncheckpoint-Inhibitoren kombiniert wird. Diese Medikamente helfen dem Immunsystem, Krebszellen besser zu erkennen und anzugreifen. Studien deuten darauf hin, dass diese Kombination die Behandlungsergebnisse verbessern könnte. Es ist wichtig zu wissen, ob diese Kombination wirksam und sicher ist. Nur so können Ärzt*innen und Patientinnen gut informierte Entscheidungen über die Behandlung treffen.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten wissen, ob die Kombination aus Immuncheckpoint-Inhibitoren und Chemotherapie bei Patientinnen mit frühem dreifach-negativem Brustkrebs besser wirkt als die Chemotherapie allein und ob sie sicher ist.

Wie gingen wir vor?

Wir haben nach Studien gesucht, die Immuncheckpoint-Inhibitoren in Kombination mit einer Chemotherapie mit einer Chemotherapie allein verglichen haben. Wir haben die Ergebnisse zusammengefasst und unser Vertrauen in die Ergebnisse auf der Grundlage von Faktoren wie Studienmethoden und Größe der Studien bewertet.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden sieben Studien mit insgesamt 4341 Personen. In zwei Studien wurden PD-1-Inhibitoren (z. B. Pembrolizumab) und in fünf Studien PD-L1-Inhibitoren (z. B. Durvalumab, Atezolizumab) eingesetzt. In sechs Studien erfolgte die Behandlung vor der Operation, in einer Studie nach der Operation.

In Studien, in denen PD-1- oder PD-L1-Inhibitoren zusätzlich zur Chemotherapie vor der Operation mit alleiniger Chemotherapie verglichen wurden:

• hatten die Patientinnen zum Zeitpunkt der Operation häufiger keine nachweisbaren Krebszellen mehr. Etwa 1,5-mal so viele Patientinnen erreichten dieses Ergebnis wie unter alleiniger Chemotherapie;

• lebten die Patientinnen mit Kombinationstherapie länger, ohne dass der Krebs zurückkehrte; und

• senkt die Kombinationstherapie wahrscheinlich das Risiko zu sterben (im Untersuchungszeitraum von 19,8 bis 75,1 Monaten).

Möglicherweise unterscheidet sich die Lebensqualität zwischen den Gruppen kaum oder gar nicht. Bei der Gesamtzahl an unerwünschten Wirkungen oder behandlungsbedingten Todesfällen gibt es wahrscheinlich nur geringe oder gar keine Unterschiede zwischen den Gruppen. Schwerwiegende unerwünschte Wirkungen traten bei der Immuntherapie wahrscheinlich häufiger auf als bei der Chemotherapie allein.

Nur in einer einzigen Studie wurden Immuncheckpoint-Inhibitoren in Kombination mit einer Chemotherapie mit einer alleinigen Chemotherapie nach einer Operation verglichen. Es gibt nach der Operation möglicherweise keine Verbesserung der Ergebnisse durch die kombinierte Therapie.

Was schränkt die Evidenz ein?

Wir sind uns sicher bis moderat sicher, dass die Kombination aus Immuntherapie und Chemotherapie vor der Operation die Überlebenschancen verbessert. Für die Anwendung nach der Operation ist der Vertrauenswürdigkeit der Ergebnisse zur Wirksamkeit nur gering. Das liegt daran, dass nur eine kleine Studie vorlag. In dieser Studie nahmen zu wenige Patient*innen teil, um verlässliche Schlussfolgerungen zu ziehen. Außerdem wussten die Teilnehmenden möglicherweise, welche Behandlung sie erhielten. Das kann die Ergebnisse beeinflusst haben.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand vom 6. November 2024.

Gao Y, Liu M, Li L, Zhang J, Song F, Tian J

Zink zur Vorbeugung und Behandlung von Erkältungskrankheiten

2 weeks 3 days ago

Kernaussagen
- Die Anwendung von Zinkpräparaten führt im Vergleich zu Placebo möglicherweise zu einer nur geringen oder gar keiner Verringerung des Risikos, eine Erkältung zu entwickeln.

- Bei Personen, die bereits eine Erkältung haben, verkürzt sich möglicherweise die Dauer der Erkältung durch Zinkpräparate im Vergleich zu Placebo.

- Es besteht wahrscheinlich ein erhöhtes Risiko für nicht schwerwiegende unerwünschte Ereignisse, wenn Zink zur Behandlung von Erkältungen eingesetzt wird.

Was ist eine Erkältung?
Eine Erkältung ist eine virale Infektion der oberen Atemwege. Es gibt keine spezifische Kombination von Symptomen, die eine Erkältung definiert. Typische Anzeichen sind jedoch verstopfte oder laufende Nase, Niesen, Halsschmerzen, Husten und Müdigkeit, gelegentlich auch begleitet von Fieber. Die meisten Menschen erholen sich in der Regel ohne ärztliche Behandlung von einer Erkältung. Es gibt keine gezielten Behandlungsmöglichkeiten, um Erkältungen vorzubeugen oder ihre Dauer zu verkürzen. Angesichts der Häufigkeit von Erkältungen bei Erwachsenen und Kindern stellen sie eine Belastung für die öffentliche Gesundheit dar und sind eine wesentliche Ursache für Produktivitätsverluste am Arbeitsplatz und Fehlzeiten in der Schule. Die Vorbeugung und Behandlung von Erkältungen durch Zink stößt auf anhaltendes Interesse.

Was wollten wir herausfinden?
Wir wollten herausfinden, ob Zink einer Erkältung vorbeugen und die Dauer einer bestehenden Erkältung verringern kann. Ein Placebo ist ein Präparat ohne Wirkstoff, das jedoch äußerlich einem echten Medikament gleicht. Placebos werden eingesetzt, um zu bewerten, wie sich die Annahme, eine Behandlung erhalten zu haben, im Vergleich zu einer tatsächlichen medizinischen Behandlung auswirkt.

Wir wollten auch herausfinden, ob Zink mit unerwünschten Wirkungen verbunden ist, insbesondere mit solchen, die als mögliche Komplikationen einer Erkältung gelten. Darüber hinaus untersuchten wir den Gesamtschweregrad der Erkältung (nach Einschätzung der Betroffenen), die Dauer einzelner Symptome sowie die Fehltage bei der Arbeit oder in der Schule.

Wie gingen wir vor?
Wir durchsuchten sechs Datenbanken und zwei Register für klinische Studien nach Studien, in denen Zink mit Placebo zur Behandlung oder Vorbeugung von Erkältungen bei Erwachsenen und Kindern verglichen wurde. Wir verglichen die Ergebnisse der Studien, fassten sie mit statistischen Methoden zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz auf der Grundlage spezifischer Faktoren wie dem Risiko für Verzerrungen (Bias) und der Studienmethoden.

Was fanden wir?
Wir fanden 34 Studien zur Vorbeugung oder Behandlung von Erkältungen. Die Studien wurden in 13 Ländern durchgeführt, die meisten in den USA. Zwölf Studien wurden an Kindern (unter 18 Jahren) und 22 Studien an Erwachsenen durchgeführt. Bei den meisten Interventionen wurde das selbstberichtete Verschwinden der Symptome als Behandlungsende erfasst. Die Mindestbehandlungsdauer betrug fünf Tage, die längste Dauer 540 Tage. Die meisten Studien wurden von mit der Industrie verbundenen Organisationen finanziert oder sie machten keine Angaben zu ihrer Finanzierung. Die übrigen wurden von Privatkliniken, nichtstaatlichen Stiftungen, Universitäten oder staatlichen Stellen finanziert.

Wir bewerteten die Auswirkungen von:

- Zink zur Prävention; und

- Zink zur Behandlung.

Wir erhielten folgende Ergebnisse:

Zink zur Vorbeugung

Im Vergleich zu Placebo hat die Anwendung von Zink möglicherweise nur einen geringen oder gar keinen erkältungsvorbeugenden Effekt (9 Studien, 1449 Personen). Zink zur Vorbeugung wirkt sich wahrscheinlich auch wenig bis gar nicht auf die Dauer der Erkältung aus (3 Studien, 740 Teilnehmende) und möglicherweise auch wenig bis gar nicht auf die Schwere der Symptome (2 Studien, 101 Personen). Unerwünschte Wirkungen wurden sowohl von Personen, die Zink erhielten, als auch von denen, die ein Placebo erhielten, berichtet. Am häufigsten traten Veränderungen im Geschmackssinn und Magenbeschwerden auf.

Zink zur Behandlung

Die Anwendung von Zink zur Behandlung einer Erkältung verkürzt möglicherweise die Dauer der Symptome im Vergleich zu Placebo um etwa zwei Tage (8 Studien, 972 Personen). Wir haben jedoch wenig Vertrauen in die Evidenz, die diese Schlussfolgerung stützt. Es ist unklar, ob Zink einen Einfluss auf die Schwere der Erkältungssymptome hat (2 Studien, 261 Personen). Unerwünschte Wirkungen wurden bei Zinkanwendung zur Erkältungsbehandlung häufiger berichtet als bei Placebo-Behandlung. Am häufigsten traten Veränderungen im Geschmackssinn und Magenbeschwerden auf. In Studien, in denen Zink zur Anwendung in der Nase verabreicht wurde, wurden keine Fälle von Anosmie (Verlust des Geruchssinns) berichtet. Es gibt allerdings zu wenige Informationen zu spezifischen Nebenwirkungen.

Was schränkt die Evidenz ein?
Unser Vertrauen in die Evidenz ist überwiegend niedrig bis sehr niedrig, d.h. die Ergebnisse weiterer Studien könnten von den Ergebnissen dieses Reviews abweichen. Mehrere Faktoren verringerten unser Vertrauen in die Evidenz. Erstens wurde in einigen Studien das Verfahren, wie die Studienteilnehmenden nach dem Zufallsprinzip den Behandlungsgruppen zugeteilt wurden, nicht ausreichend beschrieben. Unterschiede zwischen den Studiengruppen könnten daher auf Unterschiede zwischen den Teilnehmenden und nicht auf die Behandlung zurückzuführen sein. Zweitens war die Art, wie Zink verabreicht wurde, zwischen den Studien sehr unterschiedlich. Aufgrund der großen Unterschiede zwischen den Studien sind wahrscheinlich weitere Studien erforderlich, bevor eindeutige Schlussfolgerungen gezogen werden können.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?
Die Evidenz ist auf dem Stand vom 22. Mai 2023.

Nault D, Machingo TA, Shipper AG, Antiporta DA, Hamel C, Nourouzpour S, Konstantinidis M, Phillips E, Lipski EA, Wieland LS

Hilft die Einnahme von Medikamenten Menschen mit Friedreich-Ataxie?

2 weeks 4 days ago
Kernaussagen
  • Bei Menschen mit einer fortschreitenden genetisch bedingten Erkrankung namens Friedreich-Ataxie, die Nerven und Muskeln beeinträchtigt, hat die einjährige Einnahme von Medikamenten wahrscheinlich kaum oder gar keine Wirkungen auf die Ataxie-Symptome (Koordinations- und Gleichgewichtsstörungen) oder die Sprachfähigkeit. Allerdings verbessert sich wahrscheinlich die Geschicklichkeit der oberen Extremitäten (die Koordinationsfähigkeit von Armen, Händen und Fingern).

  • Wir wissen nicht sicher, ob die Einnahme von Medikamenten bei Menschen mit Friedreich-Ataxie Wirkungen auf die Herzgesundheit, die Fähigkeit zur Bewältigung alltäglicher Aufgaben oder die Reaktion des Körpers auf körperliche Betätigung hat.

  • Basierend auf der vorliegenden Evidenz ist es sehr ungewiss, ob die Medikamente unerwünschte Wirkungen hervorrufen.

Was ist die Friedreich-Ataxie?

Die Friedreich-Ataxie ist eine seltene Erbkrankheit, die Nerven und Muskeln betrifft und in der Regel im Kindesalter, im Alter zwischen 5 und 15 Jahren, auftritt. Es führt zu Schwierigkeiten bei der Bewegungsausführung, die sich zu Unsicherheit beim Stehen und Gehen entwickelt und dazu führt, dass die Betroffenen im späten Teenageralter oder in den frühen Zwanzigern auf einen Rollstuhl angewiesen sind. Es kann mit einer Wirbelsäulenverkrümmung (Skoliose), einer Fußfehlstellung (Hohlfuß) und Herzproblemen einhergehen. Im Verlauf der Erkrankung treten häufig Sprachstörungen, Hörprobleme, Schwierigkeiten bei der Toilettenbenutzung, Muskelspastizität (unkontrollierbare Erhöhung der Muskelspannung), Depressionen, Angstzustände und Sehstörungen auf. Herzprobleme sind bei fast zwei Dritteln der Menschen mit Friedreich-Ataxie eine Ursache für einen vorzeitigen Tod.

Die klinische Untersuchung und Labortestungen sind für die Beurteilung des Krankheitsverlaufs nicht sehr aussagekräftig, was es erschwert, die Ergebnisse von Studien mit Personen mit Friedreich-Ataxie zu interpretieren.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es für die Friedreich-Ataxie?

Derzeit gibt es keine Heilung für die Friedreich-Ataxie. Es wurden verschiedene Medikamente ausprobiert. Ein neues Medikament, Omaveloxolon, wurde kürzlich in den USA und Europa für Menschen über 16 Jahre mit Friedreich-Ataxie zugelassen.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob eines der in randomisierten klinischen Studien getesteten Medikamente dazu beiträgt, die Lebensqualität von Menschen mit Friedreich-Ataxie zu verbessern. Randomisierte klinische Studien sind Untersuchungen, bei denen einige Teilnehmer ein Medikament, andere ein Placebo erhalten – eine Substanz, die keinen medizinischen Nutzen hat, aber genauso aussieht wie das Wirkstoffpräparat. Keiner der an der Studie Beteiligten weiß, wer das Medikament und wer das Placebo erhält.

Dies ist die dritte Aktualisierung einer Cochrane-Übersichtsarbeit, die erstmals im Jahr 2009 veröffentlicht wurde.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach randomisierten klinischen Studien, in denen bei Menschen mit Friedreich-Ataxie ein Medikament mit einem Placebo verglichen wurde und die mindestens 12 Monate dauerten. Wir haben die Ergebnisse der Studien zusammengefasst und unsere Einschätzung hinsichtlich dieser Evidenz bewertet, basierend auf Faktoren wie der Studienmethodik und der Anzahl der teilnehmenden Personen.

Was fanden wir heraus?

Wir haben acht Studien gefunden, von denen sieben über die Ergebnisse nach einer 12-monatigen Einnahme von Medikamenten oder Placebo berichteten. An den Studien nahmen insgesamt 574 Personen teil, deren Durchschnittsalter zwischen 18 und 35 Jahren lag. Die meisten Teilnehmenden (68 %) litten unter schwerer Ataxie, während 32 % eine mittelschwere Ataxie aufwiesen.

Die Studien wurden in Europa, Nordamerika und Australien durchgeführt. Vier davon wurden von der Pharmaindustrie durchgeführt (d. h. von Unternehmen, die die Medikamente herstellen).

In zwei Studien wurde ein Medikament namens Idebenon eingesetzt, während in den übrigen Studien jeweils ein anderes Medikament zum Einsatz kam: Coenzym Q10 in Kombination mit Vitamin E, Epoetin alpha, Omaveloxolon, Leriglitazon, Pioglitazon und RT001.

Wir stellten fest, dass nach einem Jahr wahrscheinlich kaum oder gar kein Unterschied im Ausmaß der Ataxie festzustellen war, unabhängig davon, ob die Teilnehmer Medikamente oder ein Placebo einnahmen (7 Studien, 513 Personen).

Wir sind uns sehr unsicher, ob das Medikament eine Wirkung auf die Herzgesundheit (gemessen an der Dicke des Herzmuskels), die Fähigkeit zur Bewältigung alltäglicher Aufgaben oder die Ergebnisse bei speziellen Tests hat, mit denen die Reaktion des Körpers auf körperliche Belastung gemessen wird.

Wir haben festgestellt, dass das Medikament die Geschicklichkeit der oberen Extremitäten nach einem Jahr wahrscheinlich verbessert (3 Studien [getestet wurden Leriglitazon, Epoetin alpha und Omaveloxolon], 166 Personen).

Wir uns sehr unsicher, ob die Medikamente mehr unerwünschte Wirkungen verursachen als ein Placebo. Wir sind uns unsicher, ob es hinsichtlich der Anzahl der Personen, die die Einnahme abgebrochen haben, sowie der Anzahl der Personen, die während der Studienjahre verstorben sind, möglicherweise kaum oder gar keinen Unterschied zwischen denjenigen gibt, die das Medikament einnahmen, und denjenigen, die ein Placebo erhielten (6 Studien, 313 Personen).

Was schränkt die Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Wirkungen von Medikamenten bei Ataxie ist nur moderat. Das liegt daran, dass die Ergebnisse nicht sehr genau waren. Wir sind hinsichtlich der Wirkungen des Medikaments auf die Geschicklichkeit der oberen Extremitäten nur moderat überzeugt, da dies lediglich in kleinen Studien berichtet wurde. Wir hatten aufgrund der geringen Teilnehmerzahl in den Studien nur sehr wenig Vertrauen in die anderen Endpunkte. Die Studien lieferten unterschiedliche Ergebnisse, und in einigen Studien wurden nicht die Ergebnisse aller durchgeführten Untersuchungen veröffentlicht.

Es ist schwierig, die individuelle Wahrnehmung hinsichtlich der positiven Wirkungen eines neuen Medikaments zu messen, da diese davon abhängen kann, welche Erwartungen die Person vor Beginn der Einnahme hatte und ob sich ihre Erkrankung im Frühstadium oder bereits im fortgeschrittenen Stadium befindet.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz entspricht dem Stand vom 4. Februar 2025.

Lyons S, Kearney M, Fahey MC, Janjal P, Pandolfo M, Patton P

Ist der Prostata-spezifische Antigen-(PSA)-Test im Blut eine wirksame Früherkennungsuntersuchung für Prostatakrebs?

2 weeks 4 days ago
Kernaussagen
  • Der PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs senkt wahrscheinlich leicht das Risiko, an Prostatakrebs zu sterben. Möglicherweise verringert er auch das Sterberisiko insgesamt. Der PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs hat wahrscheinlich kaum oder gar keinen Einfluss darauf, wie häufig fortgeschrittener Prostatakrebs diagnostiziert wird. Möglicherweise senkt er jedoch die Zahl der Diagnosen von metastasiertem Prostatakrebs – also Krebs, der bereits in andere Körperbereiche gestreut hat.

  • Der PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs erhöht wahrscheinlich die Zahl der Männer, bei denen Prostatakrebs festgestellt wird – insbesondere Krebs im Frühstadium. Dadurch besteht das Risiko, dass manche Männer eine Diagnose und Behandlung für einen Krebs erhalten, der ihnen im Laufe ihres Lebens möglicherweise keine Beschwerden oder gesundheitlichen Probleme verursacht hätte.

  • Ein neuerer Screening-Ansatz kombiniert den PSA-Test mit weiteren Blutmarkern und bildgebenden Untersuchungen der Prostata. Er entdeckt wahrscheinlich mehr Fälle von Prostatakrebs als kein Screening. Ob dadurch weniger Männer an Prostatakrebs oder insgesamt sterben, ist jedoch unklar.

Was ist der PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs?

Prostatakrebs entsteht in der Prostata. Diese kleine Drüse liegt unterhalb der Blase und produziert einen Teil der Samenflüssigkeit. Prostatakrebs gehört zu den häufigsten Krebsarten bei Männern und betrifft vor allem Männer über 50 Jahre. Wenn Prostatakrebs frühzeitig erkannt wird, lässt sie sich in der Regel erfolgreich behandeln. Früherkennungsuntersuchungen sollen Prostatakrebs möglichst früh erkennen, wenn möglicherweise noch keine Symptome vorliegen, oder bevor langsam wachsende Tumore Probleme verursachen.

Der PSA-Bluttest misst die Menge des sogenannten Prostata-spezifischen Antigens (PSA) im Blut. Erhöhte PSA-Werte können auf Prostatakrebs hinweisen. Bei Männern mit erhöhtem PSA-Wert wird häufig eine Biopsie durchgeführt. Dabei wird eine kleine Gewebeprobe aus der Prostata entnommen und auf Krebs untersucht. Anschließend werden Behandlungen wie Operationen oder Bestrahlungen durchgeführt. Diese Behandlungen können jedoch unerwünschte Wirkungen verursachen, zum Beispiel Harninkontinenz, häufigen oder starken Harndrang, Erektionsstörungen oder Darmprobleme.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob die Früherkennung von Prostatakrebs mit dem PSA-Test bei Männern ohne Beschwerden das Risiko senkt, an Prostatakrebs oder aus anderen Ursachen zu sterben. Wir wollten außerdem herausfinden, ob die PSA-Untersuchung:

  • Schaden verursacht;

  • die Lebensqualität von Männern beeinträchtigt; und

  • ob sich die Früherkennung darauf auswirkt, wie häufig Prostatakrebs diagnostiziert wird und in welchem Stadium der Krebs entdeckt wird – ob er noch auf die Prostata begrenzt ist, bereits über die Prostata hinausgewachsen ist oder sich auf andere Körperteile ausgebreitet hat (metastasiert ist).

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, die PSA-Screening bei Männern ohne Krebsbeschwerden mit keinem Screening verglichen. Wir verglichen und fassten die Ergebnisse der Studien zusammen und bewerteten, wie vertrauenswürdig die Evidenz ist. Dabei berücksichtigten wir unter anderem die Studienmethoden und die Anzahl der eingeschlossenen Männer.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden sechs Studien mit insgesamt 789.086 Männern. Die meisten Teilnehmer waren weiß. Die Studien wurden in Kanada, Europa und den USA durchgeführt. Die Männer waren zwischen 45 und 80 Jahre alt und wurden über einen Zeitraum von 3,2 bis 23 Jahren beobachtet.

Hauptergebnisse

Der PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs:

  • verringert wahrscheinlich das Risiko, innerhalb einer Nachbeobachtung von 23 Jahren an Prostatakrebs zu sterben: Pro 1000 untersuchte Männer sterben 2 Männer weniger an Prostatakrebs (Evidenz aus einer Studie mit 162.241 Männern);

  • verringert möglicherweise das Risiko, an irgendeiner Ursache zu sterben: Pro 1000 untersuchte Männer sterben möglicherweise 5 weniger an Prostatakrebs (4 Studien, 675.121 Männer);

  • hat möglicherweise kaum oder gar keinen Einfluss auf die Zahl der Männer mit schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen, wie Todesfällen infolge einer Biopsie oder einer Behandlung von Prostatakrebs (1 Studie, 408.721 Männer);

  • beeinflusst möglicherweise kaum oder gar nicht die Lebensqualität der Männer (1 Studie, 969 Männer).

Was die Diagnose von Prostatakrebs betrifft, gibt es Evidenz aus einer Studie mit 162.236 Männern, dass der PSA-Test:

  • wahrscheinlich die Zahl der Männer erhöht, bei denen Prostatakrebs oder lokal begrenzter Prostatakrebs diagnostiziert wird: Pro 1000 untersuchte Männer wird bei 36 weiteren Männern Prostatakrebs jeglicher Art und bei 34 weiteren Männern lokal begrenzter Krebs diagnostiziert;

  • wahrscheinlich kaum oder gar keinen Einfluss auf die Diagnose von fortgeschrittenem Prostatakrebs hat;

  • möglicherweise die Zahl der Diagnosen von metastasierendem Krebs senkt: möglicherweise 5 Männer weniger pro 1000 gescreenten Männern.

Wir fanden keine Evidenz zu weiteren unerwünschten Wirkungen der Früherkennung. Dazu gehörten Probleme nach Biopsien, wie schwere Infektionen oder Krankenhausaufenthalte, sowie Beschwerden nach Behandlungen, zum Beispiel Harnwegsprobleme, Erektionsstörungen oder Darmprobleme.

In einer Studie mit 60.745 Männern wurde ein neuerer Screening-Ansatz untersucht. Dabei wurde der PSA-Bluttest mit weiteren Bluttests und bildgebenden Untersuchungen der Prostata kombiniert. Dieser Ansatz macht im derzeit überblickten Zeitraum von gut drei Jahren wahrscheinlich bei der Zahl der Prostatakrebsdiagnosen nur einen kleinen Unterschied im Vergleich zu keinem Screening In dieser Studie wurde nicht berichtet, ob sich das Screening auf die Zahl der Todesfälle ausgewirkt hat.

Was schränkt die Evidenz ein?

Wir haben moderates Vertrauen in die Evidenz einer großen, gut durchgeführten Langzeitstudie. In die Evidenz aus den übrigen fünf Studien haben wir weniger Vertrauen, da es Bedenken hinsichtlich der Durchführung der Studien gibt und sich ihre Ergebnisse unterscheiden.

Diese Übersichtsarbeit liefert nur wenige Informationen zu den unerwünschten Wirkungen der Früherkennung. Die eingeschlossenen Studien erfassten solche Daten meist nicht – insbesondere nicht seltene oder erst später auftretende Folgen.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Dies ist eine Aktualisierung unseres Reviews aus dem Jahr 2013. Die Evidenz ist auf den Stand vom 19. November 2025.

Franco JVA, Hwang EC, Jung JH, Vaimberg O, Ilic D, Cleves A, Dahm P

Hilft Plasma (ein Blutprodukt) von Menschen, die sich von COVID-19 erholt haben, bei der Behandlung von COVID-19?

2 weeks 5 days ago
Kernaussagen
  • Plasma aus dem Blut von Menschen, die sich von COVID-19 erholt haben (sog. Rekonvaleszenzplasma), hilft Menschen mit mittelschwerem bis schwerem COVID-19 nicht.

  • Ob Rekonvaleszenzplasma bei Menschen mit einem leichten COVID-19-Verlauf kaum oder gar keinen Unterschied macht, ist unklar.

  • Wir benötigen noch weitere Evidenz über Menschen mit einem leichten COVID-19-Verlauf, über asymptomatische Personen und über Menschen mit einem geschwächten Immunsystem.

Was ist Rekonvaleszezplasma?

Als eine seiner Abwehrmaßnahmen gegen Infektionen produziert das Immunsystem Antikörper. Antikörper befinden sich als Bestandteile des Bluts im sogenannten Plasma. Das Plasma von Menschen, die sich vom COVID-19-Virus erholt haben, enthält COVID-19-Antikörper. Daraus lässt sich Rekonvaleszenzplasma herstellen, also Plasma, das diese Antikörper enthält.

Rekonvaleszenzplasma wurde erfolgreich zur Behandlung einiger anderer viraler Infektionen eingesetzt. Diese Behandlung (über eine Tropfinfusion oder eine Injektion) ist im Allgemeinen gut verträglich, kann aber dennoch unerwünschte Wirkungen haben.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob Rekonvaleszenzplasma Menschen mit bestätigter COVID-19-Erkrankung hilft. Wir untersuchten:

  • Todesfälle jeglicher Ursache;

  • Verschlechterung des Gesundheitszustands der Menschen, gemessen an der Zahl derjenigen, die auf ein Beatmungsgerät angewiesen waren oder starben;

  • Verbesserung des Gesundheitszustands der Menschen, gemessen an der Zahl der aus dem Krankenhaus entlassenen Patienten;

  • die Lebensqualität;

  • unerwünschte Wirkungen.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen Rekonvaleszenzplasma zur Behandlung von Menschen mit COVID-19-Erkrankung untersucht wurde. Wir schlossen Studien ein, die überall auf der Welt durchgeführt wurden und Personen mit leichtem, mittelschwerem oder schwerem COVID-19-Verlauf einbezogen.

Soweit möglich, haben wir die Ergebnisse der Studien zusammengefasst und analysiert. Wir bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz auf der Grundlage von Faktoren wie Studienmethoden und der Anzahl der eingeschlossenen Personen.

Was fanden wir heraus?

Wir haben 48 Studien mit insgesamt 24.518 Teilnehmenden gefunden. Davon bezogen sich 42 Studien auf Menschen mit mittelschwerem bis schwerem COVID-19-Verlauf, und sechs Studien bezogen sich auf Menschen mit leichtem COVID-19-Verlauf. Die folgenden Ergebnisse vergleichen Rekonvaleszenzplasma mit einem Placebo (einer „Scheinbehandlung“, die keine Wirkstoffe enthält, aber genauso verabreicht wird wie das zu testende Medikament) oder der Regelversorgung von COVID-19-Patienten.

Menschen mit moderater bis schwerer COVID-19-Erkrankung

Bei Menschen mit mittelschwerem bis schwerem COVID-19 hat Rekonvaleszenzplasma:

  • keinen Einfluss auf die Gesamtsterblichkeit bis zu 28 Tage nach der Behandlung. Von 1000 Personen, die ein Placebo oder die Regelversorgung erhielten, starben etwa 230, verglichen mit 220 von 1000 Personen, denen Rekonvaleszenzplasma verabreicht wurde (31 Studien, 20.798 Personen).

  • hat kaum oder gar keinen Einfluss darauf , ob man auf ein Beatmungsgerät angewiesen ist oder stirbt . Etwa 291 von 1000 Personen, die ein Placebo oder die Regelversorgung erhielten, benötigten ein Beatmungsgerät oder starben, verglichen mit 300 von 1000 Personen, denen Rekonvaleszenzplasma verabreicht wurde (8 Studien, 15.189 Personen).

  • ändert nichts daran, ob Menschen aus dem Krankenhaus entlassen werden. In beiden Gruppen wurden etwa 670 von 1000 Personen innerhalb von 28 Tagen aus dem Krankenhaus entlassen (9 Studien, 13.930 Personen).

  • kann möglicherweise zu keinem Unterschied in der Lebensqualität der Betroffenen führen (1 Studie, 483 Personen).

  • hat wahrscheinlich keinen Einfluss auf schwerwiegende unerwünschte Wirkungen. Etwa 109 von 1000 Personen, die ein Placebo oder die Regelversorgung erhielten, hatten schwerwiegende unerwünschte Wirkungen, verglichen mit 129 von 1000 Personen, denen Rekonvaleszenzplasma verabreicht wurde (11 Studien, 5298 Personen).

Menschen mit leichter COVID-19-Erkrankung
  • Wir sind uns nicht sicher, ob Rekonvaleszenzplasma die Gesamtsterblichkeit bis zu 28 Tage nach der Behandlung senkt. Etwa 8 von 1000 Personen, die ein Placebo oder die Regelversorgung erhielten, starben, verglichen mit 10 von 1000 Personen, denen Rekonvaleszenzplasma verabreicht wurde (3 Studien, 1004 Personen).

  • Wir sind uns nicht sicher, ob Rekonvaleszenzplasma die Zahl der Krankenhauseinweisungen oder die Sterblichkeit innerhalb von 28 Tagen nach der Behandlung senkt. Etwa 106 von 1000 Personen, die ein Placebo oder die Regelversorgung erhielten, wurden ins Krankenhaus eingeliefert oder starben, verglichen mit 48 von 1000 Personen, die Rekonvaleszenzplasma erhielten (2 Studien, 493 Personen).

  • Die Verabreichung von Rekonvaleszenzplasma führt möglicherweise zu keinem Unterschied hinsichtlich der Zeit bis zum Abklingen der COVID-19-Symptome (1 Studie, 376 Personen).

  • In keiner der Studien wurde die Lebensqualität der Betroffenen gemessen.

  • Wir sind uns nicht sicher, ob Rekonvaleszenzplasma einen Einfluss auf schwerwiegende unerwünschte Wirkungen hat . Etwa 174 von 1000 Personen, die ein Placebo oder die Regelversorgung erhielten, hatten schwerwiegende unerwünschte Wirkungen, verglichen mit 150 von 1000 Personen, denen Rekonvaleszenzplasma verabreicht wurde (2 Studien, 494 Personen).

Was schränkt die Evidenz ein?

Was Menschen mit mittelschwerem bis schwerem COVID-19 betrifft, sind wir von der Evidenz über die Zahl der Todesfälle jeglicher Ursache sowie darüber, ob sich der Zustand der Betroffenen verschlechtert oder verbessert hat, sehr überzeugt. Diese Ergebnisse beruhen auf zahlreichen hochwertigen Studien mit übereinstimmenden Ergebnissen. Wir sind hinsichtlich der Evidenz für schwerwiegende unerwünschte Wirkungen nur mäßig überzeugt, da diese Wirkungen in den Studien oft nur bei den mit Rekonvaleszenzplasma behandelten Personen oder gar nicht angegeben wurden.

Was Menschen mit einem leichten COVID-19-Verlauf betrifft, haben wir wenig bis gar kein Vertrauen in die Evidenz, da wir in vielen der Studien nicht genügend übereinstimmende Ergebnisse feststellen konnten.

Keine Studie berichtete über die Lebensqualität bei Menschen mit leichter Erkrankung und es liegt nur wenig Evidenz zur Wirkung von Rekonvaleszenzplasma in dieser Gruppe vor.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Dies ist eine Aktualisierung unserer letzten Bewertung, die 2023 veröffentlicht wurde. Die Evidenz ist auf dem Stand von Oktober 2024.

Iannizzi C, Chai KL, Piechotta V, Monsef I, Wood EM, Lamikanra AA, Roberts DJ, McQuilten Z, So-Osman C, Jindal A, Estcourt LJ, Skoetz N, Kreuzberger N

Wie wirkt sich der Kontakt mit Gerüchen auf die körperliche und kognitive Entwicklung von Frühgeborenen aus?

3 weeks 5 days ago
Kernaussagen
  • Der Geruch der Muttermilch der eigenen Mutter verkürzt möglicherweise leicht die Zeit, bis Frühgeborene vollständig über den Mund ernährt werden können. Gerüche wie Vanille oder Zimt verringern möglicherweise leicht, wie häufig Frühgeborene Atemaussetzer haben. Der Duft von Rosen oder der Geruch der Eltern verkürzt möglicherweise leicht die Dauer des Krankenhausaufenthalts. Für alle anderen Ergebnisse ist die Evidenz sehr unsicher.

  • Künftige Studien sollten mehr Säuglinge einschließen, methodisch besser durchgeführt werden und Endpunkte wie Atemprobleme, niedrige Sauerstoffwerte im Blut, ausschließliches Stillen und die langfristige neurologische Entwicklung untersuchen.

Was ist eine Frühgeburt?

Eine Schwangerschaft dauert normalerweise zwischen 37 und 42 Wochen. Von einer Frühgeburt spricht man, wenn ein Baby vor der 37. Schwangerschaftswoche geboren wird. Frühgeborene hatten vor der Geburt weniger Zeit, sich vollständig zu entwickeln. Ihre Organe sind häufig noch nicht ausreichend entwickelt, um selbstständig zu funktionieren. Deshalb benötigen sie oft intensivmedizinische Versorgung und haben ein erhöhtes Risiko für Atem- und Ernährungsprobleme, Infektionen sowie langfristige Entwicklungsstörungen.

Was ist olfaktorische Stimulation und wie funktioniert sie?

Frühgeborene brauchen oft Zeit, um die Fähigkeiten und die körperliche Kraft zu entwickeln, die sie zum Trinken über den Mund benötigen. Bis dahin werden sie häufig über eine Sonde ernährt, die bis in den Magen reicht. Bei der olfaktorischen Stimulation werden Frühgeborene im Krankenhaus gezielt verschiedenen Gerüchen ausgesetzt. So soll untersucht werden, ob sie dadurch schneller mit dem Stillen oder Trinken beginnen können. Verwendet werden dabei z. B. Muttermilchgeruch, Lebensmittelgerüche wie Vanille oder Zimt sowie andere Gerüche wie Rosenduft oder der Geruch der Eltern.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob die gezielte Exposition gegenüber Gerüchen bei Frühgeborenen im Krankenhaus hilfreich und sicher ist und ihr kurzfristiges sowie langfristiges Wohlbefinden fördern kann. Insbesondere wollten wir untersuchen, ob die Geruchsstimulation im Vergleich zu Placebo (Scheinbehandlung), keiner Behandlung oder der üblichen Versorgung:

  • die Zahl der Säuglinge mit Apnoe (kurzen Atemaussetzern) verringert;

  • die Zahl der Säuglinge mit niedrigen Sauerstoffwerten im Blut verringert;

  • die Dauer des Krankenhausaufenthalts verkürzt;

  • die Zeit verkürzt, bis die Säuglinge vollständig selbst mit dem Mund trinken können;

  • die Zahl der Säuglinge erhöht, die ausschließlich mit Muttermilch ernährt werden;

  • die Zahl der Kinder verringert, die im Alter von 18 bis 24 Monaten blind oder taub sind.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen die Geruchsstimulation bei Frühgeborenen mit Placebo, keiner Behandlung oder der üblichen Versorgung verglichen wurde.

Wir verglichen die Ergebnisse der Studien, fassten sie zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie der Studiengröße und den verwendeten Methoden.

Was fanden wir heraus?

Wir schlossen 14 Studien mit 1087 Säuglingen ein. Neun Studien verwendeten den Geruch der Muttermilch der eigenen Mutter, fünf Studien Lebensmittelgerüche wie Vanille, Zimt oder Anis, und drei Studien andere Gerüche wie Rosenduft oder den Geruch der Eltern. In allen Studien wurden diese Gerüche mit keiner Behandlung, Placebo oder der üblichen Versorgung verglichen.

Hauptergebnisse

Der Geruch der Muttermilch der eigenen Mutter verkürzt möglicherweise leicht die Zeit, bis Säuglinge vollständig mit dem Mund trinken können. Es ist unklar, ob dieser Geruch die Häufigkeit von Atemaussetzern oder die Dauer des Krankenhausaufenthalts beeinflusst.

Gerüche wie Zimt, Vanille oder Anis verringern möglicherweise leicht die Häufigkeit von Atemaussetzern. Es ist unklar, ob diese Gerüche die Dauer des Krankenhausaufenthalts oder die Zeit bis zum vollständigen Trinken mit dem Mund beeinflussen.

Rosenduft oder der Geruch der Eltern verkürzen möglicherweise leicht die Dauer des Krankenhausaufenthalts. Es ist unklar, ob diese Gerüche die Häufigkeit von Atemaussetzern oder die Zeit bis zum vollständigen Trinken mit dem Mund beeinflussen.

Was schränkt die Evidenz ein?

Wir haben nur wenig Vertrauen in diese Ergebnisse, da die eingeschlossenen Studien methodische Schwächen hatten und nur wenige Säuglinge einschlossen. Außerdem berichteten mehrere Studien nicht über alle Endpunkte, die für uns wichtig waren.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Es wurden Studien berücksichtigt, die bis zum 2. April 2025 veröffentlicht wurden.

Lenells M, Prescott MG, Wróblewska-Seniuk K, Fiander M, Soll RF, Bruschettini M, supported by the Cochrane Neonatal Review Group and Cochrane Sweden

Wie wirksam sind Maßnahmen zur Sturzprävention bei älteren Menschen im Krankenhaus?

4 weeks 1 day ago
Kernaussagen
  • Eine maßgeschneiderte Aufklärung, die sich an Personal, Patient*innen und Angehörige richtet und mehrere Maßnahmen kombiniert, senkt wahrscheinlich die Zahl der Stürze und das Risiko zu stürzen.

  • Organisatorische Veränderungen in der Versorgung – also Veränderungen daran, wie ein Krankenhaus die Versorgung mit dem Ziel der Sturzprävention organisiert – senken in Akutkrankenhäusern wahrscheinlich die Zahl der Stürze.

  • Multifaktorielle Interventionen – also Maßnahmenpakete, bei denen nach einer individuellen Einschätzung des Sturzrisikos zwei oder mehr Arten von Maßnahmen kombiniert werden – senken wahrscheinlich die Zahl der Stürze und das Risiko zu stürzen. Die Ergebnisse sind jedoch nicht ganz eindeutig: Es ist auch möglich, dass diese Interventionen keine Wirkung haben oder die Zahl der Stürze sogar leicht erhöhen.

  • Körperliche Aktivität hat insgesamt möglicherweise nur geringe oder keine Wirkungen auf das Sturzrisiko im Krankenhaus.

  • Über alle Interventionsarten hinweg senken Sturzpräventionsprogramme möglicherweise die Zahl der Stürze bei älteren Menschen im Krankenhaus, wenn sie gut in die Abläufe vor Ort eingebunden sind, an die Bedürfnisse und Fähigkeiten der Patient*innen angepasst werden und Patient*innen sowie Angehörige oder Betreuungspersonen aktiv einbeziehen.

  • Es sind weitere Studien nötig, um besser beurteilen zu können, wie wirksam die verschiedenen Maßnahmen zur Sturzprävention in Krankenhäusern sind. Das gilt besonders für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen – also Gedächtnis- oder Denkproblemen – sowie für Länder mit niedrigem oder mittlerem Einkommen.

Warum ist es wichtig, Stürze älterer Menschen in Krankenhäusern zu reduzieren?

Stürze bei älteren Menschen im Krankenhaus kommen häufig vor. Sie können dazu führen, dass Betroffene ihre Selbstständigkeit verlieren, sich verletzen oder in manchen Fällen sogar sterben. Wirksame Maßnahmen zur Sturzprävention sind daher wichtig.

Wie werden die Maßnahmen zur Erfassung von Stürzen beschrieben?

Studien zu Maßnahmen zur Verringerung von Stürzen bei älteren Menschen werden nach Art der Intervention gruppiert. Dabei dient ein Klassifizierungssystem zur Sturzprävention (Taxonomie), das vom „Prevention of Falls Network Europe“ (ProFaNE) entwickelt wurde, als Orientierung.

Interventionen werden in drei Gruppen eingeteilt: einzelne, multifaktorielle und kombinierte Maßnahmen.

  • Einzelne Maßnahmen: Eine bestimmte Art von Maßnahme wird allen Teilnehmenden der Gruppe angeboten. Zu dieser Kategorie gehören körperliche Aktivität, Maßnahmen zur Verbesserung der Medikamentenverordnung (Medikamentenoptimierung), Anpassungen der Umgebung oder unterstützende Technologien, Aufklärung sowie organisatorische Veränderungen in der Versorgung, also Änderungen daran, wie ein Krankenhaus die Versorgung organisiert, um Stürze zu verringern. Maßnahmen zur Aufklärung über Stürze und deren Vorbeugung für Personal, Patient*innen und/oder Angehörige werden als eigene Gruppe zusammengefasst.

  • Multifaktorielle Maßnahmen: Nach einer Einschätzung des individuellen Sturzrisikos werden zwei oder mehr Arten von Maßnahmen gezielt ausgewählt und kombiniert. 

  • Kombinierte Maßnahmen: Alle Teilnehmenden erhalten dieselbe Kombination von Interventionen.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, welche Maßnahmen Stürze bei älteren Menschen im Krankenhaus verringern – sowohl die Zahl der Stürze (Sturzrate) als auch die Wahrscheinlichkeit, zu stürzen (Sturzrisiko). Außerdem untersuchten wir, wie sich die Maßnahmen auf das Risiko für Knochenbrüche, mögliche unerwünschte Wirkungen und die Kosten auswirken.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen die Ergebnisse von Personen untersucht wurden, die an Maßnahmen zur Sturzprävention teilnahmen, und verglichen diese mit den Ergebnissen von Personen ohne solche Maßnahmen. Wir haben die Ergebnisse der Studien verglichen und zusammengefasst und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie Studiengröße und Methoden.

Was fanden wir heraus?

Wir haben 55 Studien mit insgesamt 104.474 Teilnehmenden gefunden. Im Durchschnitt waren die Teilnehmenden 79 Jahre alt, und 45 % waren Frauen.

  • Aufklärung – für Personal, Patient*innen und Angehörige sowie als Teil von Maßnahmenpaketen – senkt wahrscheinlich die Zahl der Stürze und das Risiko zu stürzen.

  • Änderungen in der Versorgungsorganisation von Akutkrankenhäusern senken wahrscheinlich die Sturzrate. Wir sind uns nicht sicher, ob sich Änderungen in der Versorgungsorganisation auf das Sturzrisiko auswirken. Es wurden keine Studien gefunden, die die Umstellung des Versorgungsmodells in Einrichtungen der subakuten Versorgung untersucht haben.

  • Wir sind uns nicht sicher, welche Wirkungen körperliche Aktivität auf die Sturzrate hat. Körperliche Aktivität hat insgesamt möglicherweise nur geringe oder keine Wirkungen auf das Sturzrisiko im Krankenhaus.

  • Wir sind uns nicht sicher, welche Wirkungen eine Optimierung der Medikamenteneinnahme auf Stürze hat.

  • Multifaktorielle Maßnahmen senken wahrscheinlich die Sturzrate und das Sturzrisiko. Die Ergebnisse lassen jedoch auch die Möglichkeit offen, dass sie keine Wirkung haben oder die Sturzhäufigkeit leicht erhöhen.

Was schränkt die Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Ergebnisse ist begrenzt und reicht von mäßig bis sehr gering. Das lag unter anderem daran, dass die Teilnehmenden in den meisten Studien wussten, welche Behandlung sie erhielten, und dass nicht alle Studien zu allen für uns wichtigen Endpunkten berichteten. Zudem gab es bei einigen Studien Probleme mit der Art und Weise, wie die Daten erhoben wurden.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Dieser Review ist eine Aktualisierung von früheren Versionen des Reviews aus den Jahren 2010, 2012 und 2018. Die Evidenz ist auf dem Stand vom 28. Oktober 2025.

McLennan C, Dyer SM, Kwok WS, Suen J, Marin TS, Haley M, Murray GR, Sutcliffe K, Kneale D, Sherrington C, Cameron ID

Beeinflusst die Tageszeit, zu der eine Herzoperation durchgeführt wird, die Behandlungsergebnisse?

1 month ago
Kernaussagen
  • Die Tageszeit, zu der eine Herzoperation mit Herz-Lungen-Maschine durchgeführt wird, könnte die Behandlungsergebnisse beeinflussen.

  • Wir fanden eine kleine Studie, die darauf hindeutet, dass spätere Herzoperationen (Beginn am Nachmittag) Herzmuskelschäden im Vergleich zu früheren Operationen (Beginn am Morgen) verringern könnten. Für das Überleben während des Krankenhausaufenthalts, Herzinfarkte, Komplikationen wie Herzrhythmusstörungen oder die Dauer des Krankenhausaufenthalts ergaben sich jedoch keine klaren Hinweise auf einen Unterschied. Wir fanden keine Studien zu kurz- oder langfristigem Überleben nach der Entlassung, zur Herzfunktion, zur Dauer der intensivmedizinischen Behandlung oder zur Lebensqualität nach der Operation.

  • Weitere Forschung ist notwendig, um zu klären, ob eine spätere Terminierung von Herzoperationen die Behandlungsergebnisse verbessert.

Was ist eine Herzoperation, und warum könnte der Zeitpunkt wichtig sein?

Herzoperationen werden häufig durchgeführt, um Erkrankungen der Herzklappen oder der Blutgefäße zu behandeln, die die Blutversorgung des Herzens sicherstellen. Viele Eingriffe erfordern den Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine, die während der Operation vorübergehend die Funktion von Herz und Lunge übernimmt.

Der menschliche Körper folgt einem natürlichen 24-Stunden-Rhythmus (zirkadianer Rhythmus), der auch die Herzfunktion beeinflusst. Einige Studien deuten darauf hin, dass das Herz den Belastungen einer Operation am Nachmittag besser standhalten könnte, was das Risiko für Komplikationen verringern könnte. Die Evidenz ist jedoch unklar. Es ist daher wichtig zu untersuchen, ob eine Anpassung der Operationszeiten die Behandlungsergebnisse verbessern kann.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob eine Herzoperation am Nachmittag im Vergleich zu einer Operation morgens bzw. am Vormittag das Überleben verbessert, Herzschäden verringert und Komplikationen verhindert.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach randomisierten kontrollierten Studien, in denen Ergebnisse von Personen verglichen wurden, die morgens bzw. vormittags oder nachmittags operiert wurden. Wir wollten die Ergebnisse der Studien vergleichen und zusammenfassen. Außerdem bewerteten wir, wie vertrauenswürdig die Evidenz ist, zum Beispiel anhand der Studienmethoden und der Anzahl der Teilnehmenden.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden eine Studie mit 88 Teilnehmenden, in der Operationen morgens bzw. vormittags mit Operationen nachmittags verglichen wurden.

  • Überleben: Es wurde nicht berichtet, ob der Zeitpunkt der Operation das kurz- oder langfristige Überleben beeinflusst. In der eingeschlossenen Studie starb während des Krankenhausaufenthalts keine Person.

  • Herzinfarkte: Es gab keinen klaren Unterschied in der Anzahl der Herzinfarkte während oder nach der Operation zwischen Operationen am Morgen/Vormittag und am Nachmittag.

  • Herzmuskelschädigung: Die Studie deutet darauf hin, dass Herzmuskelschäden – gemessen anhand eines Bluttests (Troponin) – bei Operationen am Nachmittag geringer sein könnten.

  • Komplikationen: Es zeigte sich kein Unterschied bei Komplikationen wie Herzrhythmusstörungen (Vorhofflimmern), der Herzfunktion oder der Dauer des Krankenhausaufenthalts.

Was schränkt die Evidenz ein?

Die Evidenz ist begrenzt, da nur eine kleine Studie gefunden wurde. Es ist unklar, ob der Operationszeitpunkt tatsächlich einen Einfluss hat oder ob die Ergebnisse zufällig zustande kamen. Es werden weitere hochwertige Studien mit mehr Teilnehmenden benötigt.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Es wurden Studien bis zum 26. Januar 2025 berücksichtigt.

Liu Z, Penny-Dimri JC, Nagel M, Plummer M, Segal R, Morley PT, Smith J, Perry LA

Können Vitamin D-Präparate bei Kindern bis einschließlich fünf Jahren Arzt- oder Krankenhausbesuche wegen akuter Atemwegsinfektionen verringern?

1 month 1 week ago
Kernaussagen
  • Vitamin-D-Präparate verringern im Vergleich zu Placebo (Scheinbehandlung) möglicherweise geringfügig die Zahl der Kleinkinder, die wegen einer plötzlich auftretenden Infektion der Atemwege und der Lunge (akute Atemwegsinfektionen) ärztlich behandelt oder ins Krankenhaus gebracht werden müssen. Sie haben wahrscheinlich keinen Einfluss darauf, wie häufig solche Arzt- oder Krankenhausbesuche insgesamt pro Kind vorkommen. Höhere Vitamin-D-Dosen führen im Vergleich zu niedrigeren Dosen wahrscheinlich nicht dazu, dass weniger Kinder wegen einer akuten Atemwegsinfektion ärztlich behandelt oder ins Krankenhaus gebracht werden müssen. Auch die durchschnittliche Zahl solcher Besuche pro Kind wurde dadurch nicht verringert (hierzu lagen allerdings nur Daten aus einer Studie vor).

  • Vitamin-D-Präparate scheinen sicher zu sein. Sie erhöhen das Risiko für einen erhöhten Kalziumspiegel im Blut wahrscheinlich nicht oder kaum.

  • Um sicher zu wissen, ob Vitamin D akuten Atemwegsinfektionen bei Kleinkindern vorbeugt, braucht es weitere hochwertige Studien mit einem Vergleich zu Placebo (Scheinbehandlung).

Was sind akute Atemwegsinfektionen?

Akute Atemwegsinfektionen sind Infektionen, die plötzlich beginnen und Nase, Ohren, Rachen, Atemwege oder Lunge betreffen können. Bei Kindern unter fünf Jahren gehören sie weltweit zu den wichtigsten Ursachen für Krankheit und Tod. Akute Atemwegsinfektionen werden durch Viren oder Bakterien verursacht und sind bei Kindern dieser Altersgruppe ein häufiger Grund für Arzt- oder Krankenhausbesuche. Typische Symptome sind Husten, Schnupfen, Halsschmerzen, Fieber und Atembeschwerden. Bei Kindern unter fünf Jahren können zusätzlich schnelle Atmung, pfeifende Atemgeräusche, Trink- oder Essprobleme, Erbrechen sowie ungewöhnliche Schläfrigkeit oder Reizbarkeit auftreten.

Was ist Vitamin D und warum ist es wichtig?

Vitamin D ist ein fettlösliches Vitamin, das vor allem für seine Rolle bei der Knochengesundheit bekannt ist. Es trägt außerdem zur Entwicklung eines gesunden Immunsystems bei, also der körpereigenen Abwehr gegen Infektionen. Der Körper bildet Vitamin D mithilfe von Sonnenlicht. Zusätzlich wird es über wenige Lebensmittel, angereicherte Produkte oder Nahrungsergänzungsmittel aufgenommen. Viele schwangere Frauen und Kleinkinder weltweit bekommen zu wenig Vitamin D, zum Beispiel wegen zu wenig Sonnenlicht, ihrer Ernährung oder anderer Faktoren. Das könnte das Risiko für akute Atemwegsinfektionen bei Kindern erhöhen.

Was wollten wir herausfinden?

Ziel dieser Übersichtsarbeit war es herauszufinden, ob Vitamin D während der Schwangerschaft oder in der frühen Kindheit Folgendes verringert:

  • die Zahl der Kleinkinder, die wegen einer akuten Atemwegserkrankung einen Arzt oder ein Krankenhaus aufsuchen müssen;

  • die Häufigkeit, mit der jedes Kind wegen akuter Atemwegsinfektionen einen Arzt oder ein Krankenhaus aufsuchen muss;

  • Außerdem wollten wir herausfinden, ob Vitamin D Schäden verursacht, indem es den Kalziumspiegel im Blut bei Schwangeren oder Kindern zu stark erhöht.

Wie gingen wir vor?

Wir haben nach Studien gesucht, die entweder Folgendes verglichen haben:

  • die Gabe von Vitamin D im Vergleich zu einem Placebo (einer Scheinbehandlung); oder

  • die Einnahme einer höheren Dosis Vitamin D im Vergleich zu einer niedrigeren Dosis.

Wir haben die Ergebnisse verglichen und zusammengefasst und anhand der Qualität der Studienmethoden bewertet, wie sicher wir uns hinsichtlich der Evidenz sein können.

Was fanden wir heraus?

Wir haben 107 Studien mit insgesamt 31.521 schwangeren Frauen und Kindern gefunden. Vitamin D wurde während der Schwangerschaft, in der frühen Kindheit oder in beiden Phasen verabreicht. Menge und Zeitpunkt der Vitamin-D-Gabe waren unterschiedlich. Es wurde meist täglich verabreicht, manchmal jedoch auch seltener, unter anderem in Form von hohen Einzeldosen. Die Studien wurden in vielen verschiedenen Ländern durchgeführt. Die Studiendauer reichte pro Teilnehmerin bzw. pro Kind von einem Tag bis zu 18 Monaten. Die Studien wurden in Krankenhäusern, Kindertagesstätten, Gemeinden oder Privathaushalten durchgeführt.

Im Vergleich zu Placebo (Scheinbehandlung) verringert eine Vitamin-D-Supplementierung möglicherweise geringfügig die Zahl der Kinder, die wegen einer akuten Atemwegsinfektion ärztlich behandelt werden müssen. Vitamin D verringert wahrscheinlich nicht, wie oft ein Kind im Durchschnitt wegen einer akuten Atemwegsinfektion ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen muss.

Im Vergleich zu niedrigeren Dosen verringern höhere Vitamin-D-Dosen wahrscheinlich weder die Zahl der Kinder, die wegen einer akuten Atemwegsinfektion ärztliche Hilfe benötigen, noch die durchschnittliche Häufigkeit solcher Besuche pro Kind.

Vitamin-D-Präparate scheinen sicher zu sein. Erhöhte Kalziumwerte im Blut traten selten auf. Eine Vitamin-D-Supplementierung hat möglicherweise kaum oder gar keinen Einfluss auf das Risiko, bei Schwangeren und Kleinkindern solche erhöhten Werte zu entwickeln.

Was schränkt die Evidenz ein?

Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz ist niedrig, dass Vitamin D die Zahl der Arzt- oder Krankenhausbesuche wegen akuter Atemwegsinfektionen senkt. Die Ergebnisse waren von Studie zu Studie unterschiedlich: Einige weisen auf einen kleinen Nutzen hin, andere zeigen keine klare Wirkung.

Viele Studien waren klein, was ihre Aussagekraft einschränkt. Außerdem erschwerten Unterschiede bei der Vitamin-D-Dosierung und bei der Erfassung akuter Atemwegsinfektionen, die Ergebnisse der Studien zusammenzufassen und zu interpretieren.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Diese Evidenz ist auf dem Stand vom 18. März 2025.

van Arragon M, Grant CC, Scragg RKR, Jordan VMB
Checked
8 hours 34 minutes ago
Subscribe to Cochrane Kompakt feed