Cochrane Kompakt

Welche Vorteile hat die Gabe von Vitamin D bei frühgeborenen und untergewichtigen Säuglingen?

6 hours 8 minutes ago
Kernaussagen
  • Die Gabe von Vitamin-D-Präparaten an Frühgeborene (vor der 37. Schwangerschaftswoche) und Neugeborene mit niedrigem Geburtsgewicht (weniger als 2500 g) senkt wahrscheinlich das Risiko eines Vitamin-D-Mangels (Vitamin-D-Spiegel unter 30 nmol/L) und einer unzureichenden Vitamin-D-Versorgung (Vitamin-D-Spiegel unter 50 nmol/L).

  • Höhere Vitamin-D-Dosen (800 IE/Tag oder mehr) verringern bei Frühgeborenen wahrscheinlich das Risiko eines Vitamin-D-Mangels im Vergleich zu niedrigeren Dosen (200 bis weniger als 800 IE/Tag). Allerdings können höhere Dosen bei einigen Frühgeborenen auch zu übermäßig hohen Vitamin-D-Spiegeln führen.

  • Zukünftige Studien sollten untersuchen, welche Vitamin-D-Dosis in Abhängigkeit vom Gewicht der Neugeborenen optimal ist, und dabei wichtige Ergebnisse wie die Knochengesundheit erfassen.

Warum ist Vitamin D wichtig für frühgeborene oder untergewichtige Säuglinge?

Vitamin D hilft dem Körper, Kalzium aus der Nahrung aufzunehmen. Kalzium ist für die Entwicklung und Stabilität der Knochen unerlässlich. Bei einer unzureichenden Vitamin-D-Versorgung können die Knochen weniger stabil werden und sich verformen oder leichter brechen. Dies wird bei Kindern als Rachitis bezeichnet. Sonnenlicht regt die körpereigene Vitamin-D-Bildung in der Haut an. Es ist außerdem in Fisch, Fleisch und anderen tierischen Lebensmitteln enthalten. Säuglinge sollen vor direkter Sonnenbestrahlung geschützt werden. Da Sonnenlicht normalerweise zur körpereigenen Bildung von Vitamin D beiträgt und Muttermilch nur wenig Vitamin D enthält, besteht bei Säuglingen ein erhöhtes Risiko für eine unzureichende Vitamin-D-Versorgung. Als ausreichend gelten bei Säuglingen Vitamin-D-Spiegel im Blut von 50 bis 250 nmol/L. Werte unter 50 nmol/L gelten als unzureichende Versorgung („Insuffizienz“), Werte unter 30 nmol/L als Vitamin-D-Mangel („Defizienz“). Die Behandlung erfolgt mit Präparaten, die geschluckt oder injiziert werden können. Zu viel Vitamin D (über 250 nmol/L) kann unerwünschte Wirkungen haben, beispielsweise einen erhöhten Kalziumspiegel im Blut oder Nierensteine verursachen. Die Empfehlungen zur Vitamin-D-Supplementierung unterscheiden sich weltweit.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, welche Vitamin-D-Dosis und welche Dauer der Supplementierung für Frühgeborene und Neugeborene mit niedrigem Geburtsgewicht am besten geeignet sind. Uns interessierte, ob eine Vitamin-D-Supplementierung:

  • einen Vitamin-D-Mangel oder eine unzureichende Vitamin-D-Versorgung verringert;

  • die Knochengesundheit verbessert;

  • unerwünschte Wirkungen hervorruft.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien mit Frühgeborenen, die vor der 37. Schwangerschaftswoche geboren wurden, oder mit Neugeborenen mit niedrigem Geburtsgewicht unter 2500 g. Die Studien verglichen eine Vitamin-D-Supplementierung entweder mit keiner Supplementierung oder höhere Dosen mit niedrigeren Dosen.

Wir verglichen und fassten die Ergebnisse der Studien zusammen. Anschließend bewerteten wir anhand verschiedener Faktoren, wie der Methodik und Größe der Studien, wie vertrauenswürdig die Ergebnisse sind.

Was haben wir herausgefunden?

Wir fanden 34 Studien mit 5012 Neugeborenen.

HauptergebnisseVitamin-D-Supplementierung im Vergleich zu keiner Supplementierung (11 Studien, 1.514 Neugeborene)

Eine Vitamin-D-Supplementierung senkt wahrscheinlich bis zur Entlassung aus dem Krankenhaus das Risiko eines Vitamin-D-Mangels. Davon profitiert wahrscheinlich 1 von 4 supplementierten Neugeborenen (4 Studien, 385 Neugeborene). Möglicherweise verringert die Supplementierung auch das Risiko einer unzureichenden Vitamin-D-Versorgung. Davon profitiert möglicherweise 1 von 3 supplementierten Neugeborenen (4 Studien, 385 Neugeborene). Über die Auswirkungen auf die Knochengesundheit und entsprechende Blutmarker wurde nicht berichtet.

Vitamin-D-Supplementierung im Vergleich zu keiner Supplementierung (1 Studie, 2.079 termingenaue Neugeborene mit niedrigem Geburtsgewicht; Vitamin-D-Werte lagen für 453 Kinder vor)

Eine Vitamin-D-Supplementierung verringert wahrscheinlich im Alter von sechs Monaten das Risiko eines Vitamin-D-Mangels. Davon profitiert wahrscheinlich 1 von 3 supplementierten Neugeborenen (basierend auf den Daten von 453 Kinder). Wahrscheinlich verringert sie auch das Risiko einer unzureichenden Vitamin-D-Versorgung; auch hier profitiert wahrscheinlich 1 von 3 supplementierten Neugeborenen. Über die Auswirkungen auf die Knochengesundheit und entsprechende Blutmarker sowie auf übermäßig hohe Kalzium- und Vitamin-D-Spiegel im Blut wurde nicht berichtet.

Vitamin-D-Supplementierung in höherer Dosierung (800 IE/Tag oder mehr) im Vergleich zu niedrigerer Dosierung (200 bis 800 IE/Tag) (25 Studien, 1.546 Frühgeborene)

Höhere Vitamin-D-Dosen verringern wahrscheinlich stärker als niedrigere Dosen das Risiko eines Vitamin-D-Mangels (Nutzen wahrscheinlich bei 1 von 8 supplementierten Neugeborenen; 11 Studien, 672 Neugeborene). Möglicherweise verringern sie auch stärker das Risiko einer unzureichenden Vitamin-D-Versorgung (Nutzen möglicherweise bei 1 von 4 supplementierten Neugeborenen; 11 Studien, 683 Neugeborene). Allerdings führen höhere Dosen wahrscheinlich häufiger zu übermäßig hohen Vitamin-D-Spiegeln (Nachteil wahrscheinlich bei 1 von 25 supplementierten Neugeborenen; 5 Studien, 395 Neugeborene). Höhere Vitamin-D-Dosen verbessern bei Frühgeborenen möglicherweise einige Blutmarker der Knochengesundheit. Allerdings gibt es möglicherweise kaum oder keinen Unterschied bei röntgenologisch erkennbaren Zeichen einer verminderten Knochenmineralisierung (7 Studien, 447 Neugeborene).

Was schränkt die Evidenz ein?

Zur Knochengesundheit und zu unerwünschten Wirkungen, einschließlich erhöhter Kalziumwerte im Blut, liegen nicht genügend Informationen vor.

Unsere Einschätzung beruht darauf, dass die Evidenz auf wenigen Fällen basiert, die Eltern und Beurteilenden wussten, welche Behandlung die Neugeborenen erhielten, und einige Neugeborene nicht bis zum Ende der Studie nachbeobachtet wurden. Wir sind uns hinsichtlich anderer unerwünschter Wirkungen durch übermäßig hohe Vitamin-D-Spiegel und erhöhte Kalziumspiegel im Blut nicht sicher, da nur wenige Ereignisse auftraten und die Zahl der Teilnehmenden gering war.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf den Stand von Februar 2026.

Pharande P, Middleton JL, Cooper C, Pammi M, Osborn DA, Abdel-Latif ME

Welchen Nutzen und welche Risiken haben Progesteronrezeptor-Modulatoren (PRMs) bei der Behandlung von Endometriose?

6 hours 8 minutes ago
Kernaussagen
  • Bei der Behandlung der Endometriose (einer Erkrankung, bei der gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter wächst) zeigten Studien, in denen ein Progesteronrezeptor-Modulator (PRM; ein Medikament, das die Wirkung des Hormons Progesteron im Körper verändert) mit einem Placebo (einer Scheinbehandlung ohne Wirkstoff) verglichen wurde, dass der PRM Mifepriston schmerzhafte Regelblutungen lindern kann. Allerdings kann es zu Hitzewallungen kommen.

  • Ein PRM namens Gestrinon ist bei schmerzhaften Regelblutungen möglicherweise weniger wirksam als sogenannte Gonadotropin-Releasing-Hormon(GnRH)-Analoga (Medikamente, die die von den Eierstöcken produzierte Östrogenmenge senken), kann jedoch Schmerzen beim Geschlechtsverkehr lindern. Gestrinon verursacht zudem möglicherweise weniger Hitzewallungen. Wir wissen nicht, wie Gestrinon im Vergleich zu Danazol nicht menstruationsbedingte Schmerzen, schmerzhafte Regelblutungen oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr beeinflusst. Wir wissen nicht, ob Gestrinon oder Danazol mehr unerwünschte Wirkungen verursacht.

  • Künftige Studien sollten Progesteronrezeptor-Modulatoren mit Medikamenten vergleichen, die derzeit zur Behandlung von Endometriosebeschwerden eingesetzt werden. Außerdem sollten Schmerzen mit anerkannten und zuverlässigen Methoden erfasst werden. Zudem sind größere und sorgfältig konzipierte Studien erforderlich, um den Nutzen und die unerwünschten Wirkungen weiterer Progesteronrezeptor-Modulatoren neben Mifepriston und Gestrinon zu untersuchen.

Was ist Endometriose?

Endometriose ist eine Erkrankung, bei der gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter wächst. Endometriose ist von Östrogen abhängig und tritt daher vor allem im gebärfähigen Alter auf. Sie kann Schmerzen im Bauchraum verursachen, die vor allem während der Periode (Menstruation) oder beim Geschlechtsverkehr auftreten.

Zur Behandlung der Endometriose stehen verschiedene medikamentöse und chirurgische Verfahren zur Verfügung. Progesteronrezeptor-Modulatoren (PRMs) sind Arzneimittel, die die Wirkungsweise des Hormons Progesteron im Körper verändern. Zu den PRMs gehören Mifepriston, Gestrinon, Ulipristalacetat, Vilaprisan und Asoprisnil. Da sie das Wachstum von Gebärmutterschleimhautgewebe verlangsamen oder hemmen können, wurden sie als mögliche Behandlung der Endometriose vorgeschlagen.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten wissen, ob PRMs bei Patientinnen mit Endometriose Schmerzen besser lindern als ein Placebo (Scheinbehandlung), keine Behandlung oder andere Medikamente. Dabei betrachteten wir Schmerzen insgesamt, Schmerzen während der Menstruation und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr

Außerdem wollten wir wissen, welche unerwünschten Wirkungen diese Medikamente haben. Dazu untersuchten wir beispielsweise, wie häufig Hitzewallungen und Übelkeit auftraten.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, die untersuchten, wie wirksam PRMs bei Endometriosebeschwerden sind und welche unerwünschten Wirkungen sie haben. Wir verglichen die Ergebnisse der Studien, fassten sie zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz. Dabei berücksichtigten wir unter anderem die Größe der Studien und wie sie durchgeführt wurden.

Was fanden wir heraus?

Wir schlossen neun Studien mit 922 Frauen im Alter von 18 bis 45 Jahren ein. In den meisten Studien wurden die PRMs Mifepriston oder Gestrinon getestet. Eine Studie untersuchte Asoprisnil, wurde jedoch nur als kurze Zusammenfassung ohne verwertbare Ergebnisse veröffentlicht. In zwei Studien wurden keine der für unsere Fragestellung relevanten Ergebnisse erfasst.

Hauptergebnisse

Progesteronrezeptor-Modulatoren im Vergleich zu Placebo

Im Vergleich zu einem Placebo kann Mifepriston:

  • möglicherweise nach dreimonatiger Behandlung schmerzhafte Regelblutungen verringern (basierend auf einer Studie mit 342 Frauen);

  • möglicherweise mehr unerwünschte Wirkungen wie Hitzewallungen verursachen (1 Studie, 360 Frauen);

  • möglicherweise kaum oder gar keinen Einfluss darauf haben, ob Übelkeit auftritt (1 Studie, 360 Frauen); und

  • Wir sind unsicher, ob Mifepriston Schmerzen beim Geschlechtsverkehr lindert (1 Studie, 223 Frauen).

Progesteronrezeptor-Modulatoren im Vergleich zu anderen medikamentösen Behandlungen

Im Vergleich zu Danazol ergab eine Studie mit 38 Frauen Folgendes:

  • Wir nicht wissen, ob Gestrinon die Schmerzsymptomatik nach sechsmonatiger Behandlung verbessert (1 Studie, 38 Frauen);

  • Wir wissen nicht, ob Gestrinon mehr oder weniger Hitzewallungen verursacht oder ob es keinen Unterschied gibt (2 Studien, 302 Frauen); und

  • Gestrinon und Danazol verursachen möglicherweise in ähnlichem Maße Übelkeit, die Ergebnisse sind jedoch sehr ungewiss (2 Studien, 302 Frauen).

Im Vergleich zu einem GnRH-Analogon (Leuprorelin) ergab eine Studie mit 55 Frauen Folgendes:

  • Gestrinon ist möglicherweise bei der Behandlung von schmerzhaften Regelblutungen nach sechsmonatiger Behandlung weniger wirksam (1 Studie, 55 Frauen); aber

  • Gestrinon lindert möglicherweise Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (1 Studie, 52 Frauen);

  • Gestrinon ist hinsichtlich der Schmerzen insgesamt möglicherweise mit Leuprorelin vergleichbar (1 Studie, 55 Frauen);

  • Gestrinon verursacht möglicherweise weniger Hitzewallungen und ein ähnliches Ausmaß an Übelkeit (1 Studie, 55 Frauen).

Was schränkt die Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Evidenz ist gering bis sehr gering, vor allem weil einige Studien eines oder mehrere der folgenden Probleme hatten:

  • Es nahmen nur wenige Personen an den Studien teil;

  • sie wurden in bestimmten Versorgungssituationen oder Bevölkerungsgruppen durchgeführt;

  • sie verwendeten Methoden, die wahrscheinlich zu Fehlern in ihren Ergebnissen führten;

  • sie berichteten nicht eindeutig darüber, wie sie durchgeführt wurden;

  • sie berichteten nicht eindeutig darüber, ob die Teilnehmenden wussten, welche Behandlung sie erhalten hatten, was die Studienergebnisse beeinflusst haben könnte.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Dieser Review ist die Aktualisierung einer früheren Version. Die Evidenz ist auf dem Stand von April 2026.

Grammatis AL, Gibbons T, Anucha EN, Becker CM

Verhindern multifaktorielle oder mehrkomponentige Maßnahmen Stürze bei älteren Menschen, die zu Hause leben?

1 week 3 days ago
Kernaussagen
  • Kombinierte Maßnahmen, die auf die individuellen Risikofaktoren einer Person zugeschnitten sind (multifaktorielle Ansätze), verringern möglicherweise im Vergleich zur Standardversorgung die Anzahl der Stürze und das Risiko, mindestens zweimal zu stürzen, leicht. Im Vergleich zu Bewegungstraining oder einer Beratung zur Sturzprävention ist der zusätzliche Nutzen jedoch sehr gering oder möglicherweise gar nicht vorhanden.

  • Kombinierte Maßnahmen, bei denen alle die gleiche Behandlung erhalten (mehrkomponentige Ansätze), bieten im Vergleich zu Bewegungstraining oder einer Beratung bzw. Aufklärung zur Sturzprävention möglicherweise nur einen geringen oder gar keinen zusätzlichen Nutzen. Im Vergleich zur Standardversorgung verringern sie jedoch möglicherweise das Risiko zu stürzen.

  • Weitere Forschung ist nötig, um besser zu verstehen, warum Stürze auftreten, wann und wo sie besonders wahrscheinlich sind und wie sich die Wirkungen von Maßnahmen zur Sturzprävention am besten erfassen lassen.

Wie können wir Stürze bei älteren Menschen verhindern, und warum ist dies wichtig?

Stürze zählen weltweit zu den häufigsten Ursachen für Verletzungen und Todesfälle bei älteren Menschen. Menschen können aus verschiedenen Gründen ein erhöhtes Sturzrisiko haben. Zu diesen „Sturzrisikofaktoren“ zählen beispielsweise frühere Stürze, Muskelschwäche, Gleichgewichtsstörungen, Gefahren in der Umgebung und ungeeignetes Schuhwerk. Zu den Maßnahmen zur Sturzprävention gehören körperliches Training, Aufklärung und Beratung sowie die Überprüfung der eingenommenen Medikamente.

Multifaktorielle Ansätze zur Sturzprävention kombinieren mehrere Maßnahmen, die auf die individuellen Risikofaktoren einer Person abgestimmt sind. Im Gegensatz dazu bestehen mehrkomponentige Ansätze zur Sturzprävention aus einer standardisierten Kombination verschiedener Maßnahmen. Diese Maßnahmen können mit der Standardversorgung, mit Bewegungstraining oder mit einer Aufklärung zur Sturzprävention, beispielsweise durch eine Broschüre, verglichen werden.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten wissen, ob multifaktorielle oder mehrkomponentige Maßnahmen zur Sturzprävention bei älteren Menschen, die zu Hause leben:

  • die Anzahl der Stürze verringern;

  • das Risiko, mindestens einmal zu stürzen, sowie das Risiko, zwei- oder mehrmals zu stürzen, verringern;

  • unerwünschte Wirkungen hervorrufen.

Wie sind wir vorgegangen?

Wir suchten nach Studien, in denen multifaktorielle oder mehrkomponentige Maßnahmen zur Sturzprävention mit Bewegungstraining, der Standardversorgung oder einer Aufklärung zur Sturzprävention verglichen wurden. Wir verglichen die Ergebnisse der Studien, fassten sie zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz. Dabei berücksichtigten wir unter anderem die Größe der Studien und wie sie durchgeführt wurden.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 110 Studien mit insgesamt 48.919 älteren Menschen. Davon:

  • befassten sich 65 Studien mit multifaktoriellen Maßnahmen;

  • 44 Studien befassten sich mit mehrkomponentigen Maßnahmen; und

  • 1 Studie untersuchte beide Arten von Maßnahmen.

Die Studien wurden weltweit durchgeführt, vor allem in Australien, Großbritannien und den USA. Das Durchschnittsalter der Teilnehmenden lag zwischen 62 und 85 Jahren. In den meisten Studien nahmen mehr Frauen als Männer teil, und die meisten Studien dauerten etwa 12 Monate.

HauptergebnisseMultifaktorielle Maßnahmen zur Sturzprävention:
  • im Vergleich zur Standardversorgung verringern möglicherweise die Anzahl der Stürze (29 Studien, 9.442 Personen) und das Risiko, mindestens zweimal zu stürzen (17 Studien, 4.826 Personen). Auf das Risiko, mindestens einmal zu stürzen, haben sie jedoch möglicherweise nur geringe oder gar keine Auswirkungen (38 Studien, 12.774 Personen).

  • im Vergleich zu Bewegungstraining ist unklar, ob sie die Anzahl der Stürze oder das Risiko, mindestens einmal zu stürzen, beeinflussen, da die Evidenz sehr unsicher ist. Keine Studie untersuchte das Risiko, mindestens zweimal zu stürzen.

  • Im Vergleich zu einer Beratung oder Aufklärung zur Sturzprävention bieten sie wahrscheinlich keinen zusätzlichen Nutzen und erhöhen die Anzahl der Stürze möglicherweise geringfügig (7 Studien, 9.901 Personen). Sie haben wahrscheinlich nur geringe oder gar keine Auswirkungen auf das Risiko, mindestens einmal zu stürzen (7 Studien, 8.850 Personen), und auf das Risiko, mindestens zweimal zu stürzen (3 Studien, 7.865 Personen).

Mehrkomponentige Maßnahmen zur Sturzprävention:
  • im Vergleich zur Standardversorgung haben sie möglicherweise nur geringe oder gar keine Auswirkungen auf die Anzahl der Stürze (14 Studien, 4.026 Personen), können aber das Risiko, mindestens einmal zu stürzen, verringern (19 Studien, 6.925 Personen). Die Evidenz hinsichtlich des Risikos, zwei- oder mehrmals zu stürzen, ist sehr ungewiss.

  • im Vergleich zu Bewegungstraining haben sie möglicherweise nur geringe oder gar keine Auswirkungen auf die Anzahl der Stürze (8 Studien, 2.160 Personen) und auf das Risiko, mindestens zweimal zu stürzen (5 Studien, 874 Personen). Sie haben wahrscheinlich nur geringe oder gar keine Auswirkungen auf das Risiko, mindestens einmal zu stürzen (10 Studien, 2.920 Personen).

  • im Vergleich zu Sturzberatung oder -aufklärung haben sie möglicherweise nur geringe oder gar keine Wirkungen auf die Anzahl der Stürze (7 Studien, 9.313 Personen) und das Risiko, mindestens einmal zu stürzen (8 Studien, 9.355 Personen). Sie haben wahrscheinlich nur geringe oder gar keine Auswirkungen auf das Risiko, mindestens zweimal zu stürzen (6 Studien, 8.725 Personen).

Unerwünschte Wirkungen waren im Allgemeinen leicht ausgeprägt.

Was schränkt die Evidenz ein?

Wir haben nur mäßiges bis sehr geringes Vertrauen in die Evidenz, da:

  • die Ergebnisse zwischen den Studien variierten;

  • in den meisten Studien wussten die Teilnehmenden wahrscheinlich, welche Behandlung sie erhielten;

  • nicht alle Studien alle für uns relevanten Aspekte erfasst haben; und

  • Die festgestellten Vorteile könnten überschätzt sein, da Studien mit geringeren oder negativen Ergebnissen möglicherweise seltener veröffentlicht werden.

Wie aktuell ist dieser Review?

Dieser Review ist ein Update einer Version aus dem Jahr 2018. Die Evidenz ist auf dem Stand von Mai 2024.

Swarnalatha C, Wood L, Newell P, Clark CE, Adedire O, Clemson L, Sherrington C, Lamb SE

Welchen Nutzen und welche Risiken haben Ausdauer-Trainingsprogramme für Menschen nach einem Schlaganfall?

1 week 4 days ago
Kernaussagen
  • Menschen nach einem Schlaganfall können sicher an Trainingsprogrammen teilnehmen, die Ausdauertraining zur Verbesserung der aeroben Fitness umfassen

  • Ausdauertraining verbessert möglicherweise die körperliche Fitness, verringert Beeinträchtigungen und verbessert Gehgeschwindigkeit und Gleichgewicht am Ende des Trainingsprogramms. Es ist jedoch unklar, ob diese Verbesserungen für die Betroffenen auch tatsächlich spürbar sind.

  • Insgesamt gibt es zur Wirkung von Ausdauertraining bislang nicht genügend Evidenz. Weitere Forschung ist erforderlich.

Was ist ein Schlaganfall?

Ein Schlaganfall tritt auf, wenn die Blutversorgung eines Teils des Gehirns unterbrochen wird und dadurch Hirngewebe geschädigt wird. Die Folgen eines Schlaganfalls können das Leben grundlegend verändern und variieren je nach Schweregrad der Schädigung und der betroffenen Hirnregion. Ein Schlaganfall kann nicht nur die Bewegungsfähigkeit beeinträchtigen, sondern auch Denken, Fühlen und Verhalten beeinflussen. Diese Folgen können nach einem Schlaganfall lebenslang bestehen bleiben. Zu den körperlichen Folgen eines Schlaganfalls gehören eine verminderte aerobe Fitness und Muskelkraft. Beides kann körperliche Aktivität und die Rückkehr zu alltäglichen Aktivitäten erschweren. Eine geringe aerobe Fitness könnte zudem ein Risiko für einen erneuten Schlaganfall darstellen.

Was geschieht während der Rehabilitation nach einem Schlaganfall?

Nach einem Schlaganfall erhalten viele Betroffene eine Rehabilitation, beispielsweise durch Physiotherapeut*innen oder andere Gesundheitsfachkräfte. Ziel ist es, sie dabei zu unterstützen, Schwierigkeiten bei alltäglichen Aktivitäten zu überwinden. Die Rehabilitation umfasst oft verschiedene Arten von Übungen. Eine Trainingsform ist das aerobe oder kardiorespiratorische Training. Dabei bewegt man sich über längere Zeit kontinuierlich, sodass Herz und Kreislauf stärker beansprucht werden und die Herzfrequenz steigt. Dadurch kann sich die Ausdauer verbessern, die beispielsweise für längeres oder wiederholtes Gehen wichtig ist.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob aerobes Fitnesstraining zu jedem Zeitpunkt nach einem Schlaganfall von Nutzen ist, sowohl während des Krankenhausaufenthalts als auch nach der Entlassung. Insbesondere wollten wir wissen, ob aerobes Training nach einem Schlaganfall:

  • sicher ist;

  • die körperliche Fitness und die Bewegungsfähigkeit (einschließlich Gehen und Gleichgewicht) verbessert;

  • das Befinden der Betroffenen verändert (einschließlich Depressionen und Lebensqualität); und

  • das Risiko eines erneuten Schlaganfalls verringert.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen Ausdauertraining für Menschen nach einem Schlaganfall mit der üblichen Versorgung, keinem Trainingsprogramm oder einem Programm ohne körperliche Aktivität verglichen wurde. Wir schlossen nur Studien ein, in denen das Trainingsprogramm ausschließlich aus Ausdauertraining bestand. Studien, die zusätzlich andere Trainingsformen wie beispielsweise Krafttraining umfassten, schlossen wir aus.

Wir haben die Ergebnisse der Studien verglichen und zusammengefasst und unsere Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie den Studienmethoden und der Anzahl der teilnehmenden Personen bewertet.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 53 Studien mit insgesamt 2.672 Menschen mit Schlaganfall. Die meisten Teilnehmenden waren gehfähig. 37 der Studien wurden in Ländern mit hohem Einkommen durchgeführt. Das Durchschnittsalter der Teilnehmenden betrug 61,9 Jahre. Die meisten Studien fanden entweder innerhalb von drei Monaten nach einem Schlaganfall (19 Studien) oder mindestens sechs Monate nach einem Schlaganfall (29 Studien) statt. In 28 Studien erhielten die Personen in den Gruppen mit Ausdauertraining mehr Aufmerksamkeit als diejenigen in den Kontrollgruppen.

In 49 Studien dauerten die Trainingseinheiten zwischen 20 und 60 Minuten; in 48 Studien betrug die Trainingshäufigkeit 3 bis 5 Tage pro Woche. In 37 Studien dauerte das Programm weniger als 12 Wochen. Die Trainingsintensität wurde anhand der maximalen Herzfrequenz, der Herzfrequenzreserve unter Berücksichtigung der Ruheherzfrequenz oder der von den Teilnehmenden subjektiv empfundenen Belastung bestimmt.

In 16 der 53 Studien wurden die Teilnehmenden auch nach dem Trainingsprogramm weiter nachbeobachtet. Die Dauer der Nachbeobachtung lag zwischen 12 Wochen und 12 Monaten nach Beginn des Programms. Eine Studie sah eine sechsmonatige Nachbeobachtung vor, berichtete jedoch nicht darüber.

Hauptergebnisse
  • Aerobes Training hat keinen Einfluss auf die Zahl der Todesfälle am Ende des Programms (36 Studien, 1.563 Teilnehmende) oder bei der Nachbeobachtung (10 Studien, 713 Teilnehmende).

  • Aerobes Training hat keinen Einfluss auf die Anzahl erneuter Schlaganfälle am Ende des Programms (8 Studien, 544 Teilnehmende) und wahrscheinlich auch keinen Einfluss darauf während der Nachbeobachtung (4 Studien, 412 Teilnehmende).

  • Die Evidenz zu den Auswirkungen des aeroben Trainings auf den Blutdruck ist sowohl am Ende des Programms (9 Studien, 535 Teilnehmende) als auch bei der Nachbeobachtung (3 Studien, 155 Teilnehmende) sehr unsicher.

  • Aerobes Training verbessert am Ende des Trainingsprogramms wahrscheinlich geringfügig die aerobe Fitness (13 Studien, 608 Teilnehmende) und die selbst gewählte Gehgeschwindigkeit (16 Studien, 647 Teilnehmende). Bei der Gehgeschwindigkeit ist die Verbesserung jedoch wahrscheinlich zu gering, um klinisch bedeutsam zu sein; bei der aeroben Fitness ist unklar, ob die Verbesserung klinisch bedeutsam ist. Die Evidenz zu den Auswirkungen auf die Funktionsbeeinträchtigung (17 Studien, 1.073 Teilnehmende) und das Gleichgewicht (18 Studien, 772 Teilnehmende) ist dagegen sehr unsicher. Die Ergebnisse bei der Nachbeobachtung sind insgesamt unklar. Die Verbesserung der aeroben Fitness hält möglicherweise an, es ist jedoch unklar, ob sie groß genug ist, um für Menschen nach einem Schlaganfall von Bedeutung zu sein (5 Studien, 237 Teilnehmende).

Was schränkt die Evidenz ein?
  • Die meisten Studien schlossen Menschen ein, die gehen konnten. Über Menschen, die nach einem Schlaganfall stärker in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, ist dagegen nur wenig bekannt.

  • Die meisten Studien fanden in Ländern mit hohem Einkommen statt; über Menschen mit Schlaganfall in anderen Ländern ist wenig bekannt.

  • Insgesamt bestehen viele Unsicherheiten und es liegt nicht genügend Evidenz zu den Wirkungen des Ausdauertrainings vor. Weitere Forschung ist notwendig.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Diese Übersichtsarbeit ist eine von drei neuen Reviews, die gemeinsam eine frühere Übersichtsarbeit zum Fitnesstraining nach einem Schlaganfall aktualisieren. Die Evidenz basiert auf Recherchen, die bis April 2025 durchgeführt wurden.

Kramer S, Cheyne JD, Fawkner S, Hassett L, Johnson L, Mead GE, Rackoll T, Smith J, Wagner V, Saunders DH

Helfen Probiotika bei der Behandlung von akutem infektiösem Durchfall?

1 week 6 days ago
Was ist das Ziel dieses Reviews?

Akute infektiöse Durchfallerkrankungen stellen weltweit ein erhebliches Gesundheitsproblem dar und betreffen insbesondere Menschen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Wir wollten wissen, ob die Einnahme von Probiotika dazu beiträgt, die Zeit bis zum Abklingen der Symptome zu verkürzen. Wir suchten nach Studien, die den Einsatz von Probiotika bei Menschen mit akuter Diarrhoe untersuchten. Wir suchten nach Studien, in denen die Teilnehmenden nach dem Zufallsprinzip verschiedenen Behandlungen zugeteilt wurden. Solche Studien liefern die zuverlässigste Evidenz.

Kernaussagen

Probiotika haben möglicherweise keinen Einfluss auf die Dauer einer akuten Durchfallerkrankung. Wir wissen nicht, ob sie dazu beitragen, dass sich die Betroffenen schneller von der Durchfallerkrankung erholen. Wir benötigen weitere zuverlässige Studien, um beurteilen zu können, ob Probiotika bei akutem infektiösem Durchfall helfen.

Was wurde in diesem Review untersucht?

Als Durchfall bezeichnet man häufigen Stuhlgang sowie ungewöhnlich weichen oder wässrigen Stuhl. Akuter Durchfall kann durch Infektionen des Darms mit Bakterien, Viren oder Parasiten verursacht werden. Die Erreger werden häufig über Wasser oder Lebensmittel übertragen, die mit Fäkalien verunreinigt sind. Akuter Durchfall bessert sich in der Regel innerhalb weniger Tage. Bei schwerem akutem Durchfall kann der Körper große Mengen an Wasser, Salzen und Nährstoffen verlieren. Dies kann zu einer starken Austrocknung führen und in schweren Fällen lebensbedrohlich sein. Die Behandlung von akutem Durchfall soll verhindern oder ausgleichen, dass der Körper zu viel Flüssigkeit verliert. Außerdem soll sie die Genesung beschleunigen und die Zeit verkürzen, in der Betroffene die Infektion auf andere übertragen können.

Probiotika sind lebende Bakterien oder Hefen. Sie sollen das natürliche Gleichgewicht der Mikroorganismen im Darm wiederherstellen, wenn dieses durch eine Erkrankung oder Behandlung gestört wurde. Probiotika werden häufig als „gute“ oder „nützliche“ Mikroorganismen bezeichnet. Sie können beispielsweise in bestimmten Joghurts enthalten sein oder als Nahrungsergänzungsmittel eingenommen werden. Bei akutem infektiösem Durchfall könnten Probiotika auf verschiedene Weise wirken: Sie könnten die krankmachenden Mikroorganismen direkt hemmen, die Abwehrfunktion des Darms unterstützen oder Entzündungen und Schäden an der Darmschleimhaut verringern.

Was sind die wichtigsten Ergebnisse des Reviews?

Wir fanden 82 Studien mit insgesamt 12.127 Teilnehmenden mit akutem Durchfall. Die meisten Teilnehmenden waren Kinder. Nur 26 Studien wurden in Ländern durchgeführt, in denen die allgemeine Sterblichkeit bei Erwachsenen und Kindern hoch war.

In den 82 Studien wurden verschiedene Probiotika mit keiner zusätzlichen Behandlung oder mit einem Placebo verglichen. Wir wollten herausfinden:

• wie viele Personen nach 48 Stunden noch Durchfall hatten; und
• wie lange der Durchfall im Durchschnitt anhielt.

Die Studien unterschieden sich deutlich in ihrer Planung und Durchführung. Die Studien definierten „akuten Durchfall“ und das „Ende der Durchfallbeschwerden“ unterschiedlich und untersuchten zudem viele verschiedene Probiotika. Deshalb konnten nicht alle Studienergebnisse in die Analyse einbezogen werden.

Wir fanden keinen Unterschied zwischen Probiotika und Placebo oder keiner zusätzlichen Behandlung darin, wie viele Kinder nach 48 Stunden noch Durchfall hatten (2 Studien in Ländern mit hohem Einkommen; 1.770 Kinder). Wir sind uns nicht sicher, ob Probiotika die Dauer des Durchfalls verkürzen (6 Studien; 3.058 Personen). Diese Ergebnisse unterschieden sich nicht nach Alter, Ernährungs- oder sozioökonomischem Status, Region oder Rotavirus-Infektion der Teilnehmenden. Auch die Einnahme von Antibiotika oder Zinkpräparaten änderte die Ergebnisse nicht.

Probiotika hatten möglicherweise keinen Einfluss auf:

• die Anzahl der Personen, die länger als 14 Tage an Durchfall litten (neun Studien; 2.928 Personen); oder
• die Anzahl der Personen, die wegen Durchfall ins Krankenhaus eingewiesen wurden (sechs Studien; 2.283 Personen).

Es ist unklar, ob Probiotika die Dauer des Krankenhausaufenthalts im Vergleich zu Placebo oder keiner zusätzlichen Behandlung verkürzen (24 Studien; 4.056 Personen). Nur wenige Studien berichteten über unerwünschte Wirkungen von Probiotika; bei den Personen, die Probiotika einnahmen, wurden keine schwerwiegenden unerwünschten Wirkungen berichtet.

Wie zuverlässig sind die Ergebnisse?

Frühere Versionen dieses Reviews stützten ihre Schlussfolgerungen auf viele kleine Studien und deuteten darauf hin, dass Probiotika wirksam sein könnten.

Diese neue Analyse zeigt, dass bei diesem Thema eine Verzerrung durch Veröffentlichungsbias vorliegt, da kleine Studien, die positive Wirkungen nachweisen, eher veröffentlicht werden, was die Ergebnisse verzerrt. In der aktuellen Version fanden die Autor*innen Hinweise darauf, dass kleine Studien mit positiven Ergebnissen häufiger veröffentlicht wurden. Zudem wiesen viele Studien methodische Schwächen auf und ihre Ergebnisse unterschieden sich stark. Deshalb stützten die Auto*rinnen ihre wichtigsten Schlussfolgerungen vor allem auf größere Studien mit geringem Verzerrungsrisiko.

Wie aktuell ist dieser Review?

Wir haben Studien berücksichtigt, die bis zum 17. Dezember 2019 veröffentlicht wurden.

Collinson S, Deans A, Padua-Zamora A, Gregorio GV, Li C, Dans LF, Allen SJ

Hilft eine bewegungsorientierte Herzrehabilitation Menschen mit koronarer Herzkrankheit langfristig?

1 week 6 days ago
Kernaussagen
  • Im Vergleich zu keinem strukturierten Bewegungstraining verringert eine bewegungsbasierte Herzrehabilitation bei Menschen mit koronarer Herzkrankheit die Zahl der Herzinfarkte, führt wahrscheinlich zu weniger Krankenhauseinweisungen und senkt das Sterberisiko wahrscheinlich leicht.

  • Eine bewegungsbasierte Herzrehabilitation verbessert wahrscheinlich einige Aspekte der gesundheitsbezogenen Lebensqualität über einen Zeitraum von bis zu 12 Monaten und scheint kosteneffizient zu sein.

  • Neuere Studien schließen nun mehr Frauen ein, untersuchen häufiger Programme für zu Hause und digitale Programme und wurden in mehr Ländern weltweit durchgeführt.

Was ist eine koronare Herzkrankheit (KHK)?

Eine koronare Herzkrankheit (KHK) ist eine Erkrankung, bei der die Blutgefäße, die das Herz mit Blut versorgen, verengt oder verschlossen sind – häufig durch Fettablagerungen. Dadurch wird der Herzmuskel schlechter durchblutet Sie ist weltweit die häufigste Todesursache. Dank besserer Behandlungsmöglichkeiten überleben heute mehr Menschen eine KHK und leben länger mit den Folgen der Erkrankung. Viele Menschen mit KHK leiden bei körperlicher Belastung unter Brustschmerzen (Angina pectoris) und Atemnot sowie häufig auch unter Müdigkeit. Zudem besteht das Risiko weiterer Komplikationen, zum Beispiel eines Herzinfarkts.

Was ist eine bewegungsbasierte Herzrehabilitation?

Die bewegungsbasierte Herzrehabilitation soll Menschen mit KHK helfen, mit ihrer Erkrankung umzugehen, ihre Gesundheit zu verbessern und das Risiko künftiger Komplikationen zu verringern. Sie umfasst strukturierte Trainingsprogramme, die teilweise mit Informationen zur Erkrankung oder psychologischer Unterstützung kombiniert werden.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten wissen, ob Menschen mit KHK durch eine bewegungsbasierte Herzrehabilitation im Vergleich zu keinem strukturierten Trainingsprogramm:

  • ein geringeres Sterberisiko haben;

  • weniger Herzinfarkte haben;

  • seltener weitere Eingriffe am Herzen benötigen, zum Beispiel einen Stent (ein kleines Röhrchen, das ein Blutgefäß offenhält) oder eine Bypass-Operation sowie

  • weniger häufig ins Krankenhaus eingewiesen werden.

Außerdem interessierte uns, ob eine bewegungsbasierte Herzrehabilitation die gesundheitsbezogene Lebensqualität der Betroffenen verbesserte und kosteneffizient war.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen eine bewegungsbasierte Herzrehabilitation bei Erwachsenen mit koronarer Herzkrankheit mit keiner strukturierten Bewegung verglichen wurde. Die Studienteilnehmenden mussten einen Herzinfarkt (Myokardinfarkt) erlitten haben, sich einem Eingriff zur Wiederherstellung der Durchblutung des Herzens (zum Beispiel einer Koronarbypass-Operation) unterzogen haben oder an Angina pectoris beziehungsweise verengten oder verschlossenen Herzkranzgefäßen leiden. Das Training konnte im Krankenhaus, in wohnortnahen Einrichtungen oder zu Hause stattfinden. Die Studien mussten die Teilnehmenden mindestens sechs Monate lang nachbeobachten.

Was fanden wir heraus?
Wir fanden 107 Studien mit 26.886 Teilnehmenden. Die meisten Teilnehmenden hatten einen Herzinfarkt erlitten oder sich einer Bypass-Operation beziehungsweise einem Eingriff zur Öffnung verengter oder verschlossener Herzkranzgefäße (Angioplastie) unterzogen. Die meisten Studien schlossen sowohl Männer als auch Frauen ein, doch Frauen machten insgesamt nur 17 % der Teilnehmenden aus.

In 52 Studien wurde ausschließlich ein Bewegungsprogramm untersucht. Die übrigen Studien untersuchten Bewegungstraining in Kombination mit weiteren Maßnahmen, zum Beispiel Informationen zur Erkrankung oder psychologischer beziehungsweise sozialer Unterstützung. Am häufigsten wurde Ausdauertraining eingesetzt, zum Beispiel Radfahren auf dem Fahrradergometer, Gehen oder Zirkeltraining. Die Häufigkeit und Intensität der körperlichen Aktivität variierte zwischen den Studien. In 27 Studien wurde Bewegung zu Hause untersucht, wobei einige Trainingsprogramme über eine Smartphone-App oder online durchgeführt wurden. Die meisten Studien begleiteten die Teilnehmenden über einen Zeitraum von bis zu 12 Monaten.

Hauptergebnisse

Im Vergleich zu keinem strukturierten Bewegungstraining bewirkt eine bewegungsbasierte Herzrehabilitation über sechs bis zwölf Monate Folgendes:

  • verringert wahrscheinlich die Gesamtsterblichkeit (30 Studien, 10.391 Personen) und senkt wahrscheinlich die Sterblichkeit aufgrund von Herzerkrankungen (20 Studien, 7.277 Personen). Wenn 125 Menschen an einer bewegungsbasierten Herzrehabilitation teilnehmen, wird wahrscheinlich ein Todesfall verhindert. Ebenso kann wahrscheinlich bei 200 Teilnehmenden ein Todesfall aufgrund herzbedingter Ursachen verhindert werden.

  • verringert deutlich die Rate der Herzinfarkte (25 Studien, 8.584 Personen). Pro 71 Teilnehmende an einer bewegungsorientierten Herzrehabilitation wird ein Herzinfarkt verhindert;

  • hat kaum bis gar keinen Einfluss auf die Notwendigkeit weiterer Herzinterventionen (einschließlich Stents oder Bypass-Operationen);

  • verringert wahrscheinlich die Zahl der Krankenhauseinweisungen insgesamt (21 Studien, 3.868 Personen). Von 17 Menschen, die an einer bewegungsbasierten Herzrehabilitation teilnehmen, wird voraussichtlich eine Krankenhauseinweisung verhindert. Möglicherweise werden auch herzbedingte Krankenhausaufnahmen reduziert (6 Studien, 1.550 Personen).

Die Evidenz deutete darauf hin, dass sich die gesundheitsbezogene Lebensqualität durch das Training verbesserte.

Die Evidenz aus acht Studien deutet darauf hin, dass eine bewegungsbasierte Herzrehabilitation kosteneffizient ist.

Was schränkt die Evidenz ein?

Wir haben großes Vertrauen in die Evidenz zu Herzinfarkten und zur Notwendigkeit weiterer Herzbehandlungen. Unser Vertrauen in die übrige Evidenz ist jedoch begrenzt, da einige Studien methodische Schwächen bei der Durchführung oder Berichterstattung aufwiesen. Beispielsweise wissen wir nicht genau, wie konsequent die Teilnehmenden ihre Trainingsprogramme durchgeführt haben. Insgesamt sind Frauen in den Studien nach wie vor deutlich seltener vertreten als Männer. Viele der neuen Studien, die wir gefunden haben, wurden in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen durchgeführt. Daher könnten unsere Ergebnisse für diese Länder relevanter sein als bisher.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Dies ist eine Aktualisierung der vorherigen Version, die 2021 veröffentlicht wurde. Die Evidenz ist auf dem Stand von März 2026.

Dibben G, de Vries FBG, Faulkner J, Oldridge N, Rees K, Stens NA, Thijssen D, Thompson DR, Zwisler AD, Taylor RS

Welche Wirkungen haben Medikamente zur Vorbeugung von Knochenbrüchen bei Männern?

2 weeks ago
Kernaussagen
  • Es ist unklar, ob Medikamente zur Vorbeugung von Knochenschwund (Bisphosphonate) das Risiko für Hüft-, Wirbelsäulen- oder andere Knochenbrüche bei Männern senken.

  • Diese Medikamente verursachen bei Männern wahrscheinlich nicht mehr unerwünschte Wirkungen oder schwerwiegende Gesundheitsprobleme als eine Scheinbehandlung (Placebo).

  • Für andere Medikamente (Analoga des Parathormons (PTH) und des Parathormon-verwandten Proteins (PTHrP), Denosumab und Romosozumab) zeigen sich ähnliche Ergebnisse. Bei PTH-/PTHrP-Analoga besteht jedoch große Unsicherheit hinsichtlich unerwünschter Wirkungen.

Was ist Osteoporose und in welchem Zusammenhang steht sie mit Knochenbrüchen bei Männern?

Knochenverlust (Osteoporose) liegt vor, wenn die Knochendichte abnimmt, sodass die Knochen weniger stabil sind und leichter brechen. Knochenbrüche treten besonders häufig an der Hüfte, der Wirbelsäule und anderen Knochen auf. Bei älteren Menschen entstehen solche Knochenbrüche häufig schon durch einen Sturz aus dem Stand oder aus geringer Höhe. Solche Frakturen können zu lang anhaltenden Schmerzen, zum Verlust der Selbstständigkeit, zu Behinderungen und in einigen Fällen sogar zum Tod führen. Osteoporose bei Männern beginnt in der Regel später im Leben und schreitet langsamer voran als bei Frauen. Auch andere Risikofaktoren für Knochenbrüche, etwa Gleichgewicht, Muskelkraft, Begleiterkrankungen, die Einnahme bestimmter Medikamente und die Art, wie jemand stürzt, können sich zwischen Männern und Frauen unterscheiden.

Ärzt*innen setzen häufig knochenstärkende Medikamente ein, um Knochenbrüchen nach leichten Stürzen oder Verletzungen vorzubeugen. Zu den etablierten Medikamenten gehören Bisphosphonate (Zoledronsäure, Alendronat, Risedronat, Ibandronat), Analoga des Parathormons (PTH) oder des Parathormon-verwandten Proteins (PTHrP) sowie Denosumab oder Romosozumab. Die meisten Untersuchungen zu diesen Medikamenten wurden bei Frauen durchgeführt, insbesondere nach den Wechseljahren. Über die Wirkungen dieser Behandlungen bei Männern mit erhöhtem Frakturrisiko ist weitaus weniger bekannt.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob diese Medikamente Frakturen der Hüfte, der Wirbelsäule oder anderer Knochen reduzieren und ob sie bei Männern mit Frakturrisiko unerwünschte Wirkungen verursachen.

Wie sind wir vorgegangen?

Wir suchten nach Studien, in denen Männer mit einem Frakturrisiko Medikamente wie Bisphosphonate, PTH/PTHrP-Analoga, Denosumab oder Romosozumab im Vergleich zu einer Scheinbehandlung (Placebo) oder anderen Behandlungen erhielten. Wir verglichen die Ergebnisse der Studien, fassten sie zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz. Dabei berücksichtigten wir unter anderem die Größe der Studien und wie sie durchgeführt wurden.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 17 Studien mit 4.132 Männern. Das Durchschnittsalter der teilnehmenden Personen lag zwischen 52 und 73 Jahren. Zwei Studien wurden in Deutschland durchgeführt, vier in den USA, eine in der Türkei, eine in Taiwan und neun Studien waren multinational.

Hauptergebnisse

Im Vergleich zu Placebo über einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren:

  • 0,1 % weniger Personen erlitten eine Hüftfraktur , wenn sie Bisphosphonate einnahmen, doch die Evidenz ist sehr unsicher (4 Studien, 1.635 Personen):

    • 0,2 % der Männer erlitten unter Bisphosphonaten eine Hüftfraktur;

    • 0,3 % der Männer erlitten unter Placebo eine Hüftfraktur.

  • 0,4 % weniger Männer erlitten unter Bisphosphonaten symptomatische Wirbelfrakturen , doch die Evidenz ist sehr unsicher (5 Studien, 1.876 Personen):

    • 0,4 % der Männer erlitten unter Bisphosphonaten eine symptomatische Wirbelfraktur;

    • 0,8 % der Männer erlitten unter Placebo eine symptomatische Wirbelfraktur.

  • Bei der Einnahme von Bisphosphonaten traten bei 0,5 % weniger Männern andere Frakturen (keine Hüft- oder Wirbelfrakturen) auf, doch die Evidenz ist sehr unsicher (6 Studien, 2.043 Personen):

    • 1,6 % der Männer erlitten unter Bisphosphonaten andere Frakturen;

    • 2,1 % der Männer hatten unter Placebo andere Frakturen.

Bisphosphonate erhöhen wahrscheinlich nicht das Risiko für unerwünschte Wirkungen. 4,2 % mehr Männer hatten unter Bisphosphonaten unerwünschte Wirkungen als unter Placebo (7 Studien, 2.548 Personen).

  • Unerwünschte Wirkungen traten bei 74,6 % der Männer unter Bisphosphonaten und

  • bei 70,4 % der Männer unter Placebo auf.

1,2 % weniger Männer brachen die Studie aufgrund unerwünschter Wirkungen ab, wenn sie Bisphosphonate statt Placebo einnahmen. Die Evidenz hierzu ist jedoch sehr unsicher (7 Studien, 2.548 Personen).

  • 2,5 % der Männer brachen die Studie aufgrund von unerwünschten Wirkungen unter Bisphosphonaten ab;

  • 3,7 % der Männer brachen die Studie aufgrund von unerwünschten Wirkungen unter Placebo ab.

Bisphosphonate erhöhen wahrscheinlich nicht das Risiko schwerwiegender unerwünschter Wirkungen (6 Studien, 2.457 Personen). Bei 1,4 % weniger Männern traten schwerwiegende unerwünschte Wirkungen unter Bisphosphonaten auf als bei denjenigen, die ein Placebo einnahmen:

  • 27,2 % der Männer erlitten schwerwiegende unerwünschte Wirkungen unter Bisphosphonaten;

  • 28,6 % der Männner erlitten schwerwiegende unerwünschte Wirkungen unter Placebo.

Einschränkungen der körperlichen Funktionsfähigkeit wurden in keiner Studie untersucht.

Ähnliche Ergebnisse fanden wir für PTH- oder PTHrP-Analoga (4 Studien, 569 Männer), Denosumab (1 Studie, 240 Personen) und Romosozumab (1 Studie, 244 Männer) im Vergleich zu Placebo.

Was schränkt die Evidenz ein?

Wir haben sehr geringes Vertrauen in die Wirkungen von Bisphosphonaten zur Vorbeugung von Frakturen, da nur wenige Studien vorlagen. Zudem war die Nachbeobachtung in der Regel kurz (meist zwei Jahre oder weniger); und es gab in beiden Studiengruppen nur wenige Personen mit Frakturen.

Wir haben nur moderates Vertrauen in die Wirkung von Bisphosphonaten auf unerwünschte Wirkungen oder schwerwiegende unerwünschte Wirkungen, da nicht klar war, ob in allen Studien jedes Ereignis vollständig berichtet wurde. Wir haben sehr geringes Vertrauen in die Wirkung von Bisphosphonaten auf Studienabbrüche aufgrund von unerwünschten Wirkungen, da in einigen Studien nicht klar war, ob die Personen aufgrund von unerwünschten Wirkungen oder aus anderen Gründen aus der Studie ausschieden.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von Oktober 2025.

Braten LC, Suter C, Johnston RV, Hartzell SA, Järvinen T, Buchbinder R

Welche Vorteile und Risiken hat die Holmium-Laser-Enukleation der Prostata (HoLEP) im Vergleich zu anderen Prostataoperationen?

2 weeks 6 days ago
Kernaussagen
  • Holmium-Laser-Enukleation der Prostata (HoLEP) und die Standard-Prostataoperation (transurethral resection of the prostate, TURP) lindern Harnwegsbeschwerden möglicherweise ähnlich gut und verbessern die Lebensqualität in vergleichbarem Maße. Auch schwerwiegende Komplikationen treten im ersten Jahr nach der Operation möglicherweise ähnlich häufig auf.

  • HoLEP verringert im Vergleich zur TURP und im Vergleich zur Prostatektomie (operative Entfernung von Prostatagewebe) wahrscheinlich den Bedarf an Bluttransfusionen. Möglicherweise ist der Bedarf auch im Vergleich zur Laserablation (Zerstörung von Prostatagewebe mit einem Laser) geringer. Pro 1.000 behandelte Männer würden etwa 36 weniger eine Bluttransfusion benötigen (HoLEP vs. TURP).

  • Es liegt noch nicht genügend Evidenz vor, um zu beurteilen, ob HoLEP bei sehr stark vergrößerter Prostata oder bei Personen, die bestimmte blutverdünnende Medikamente einnehmen, die bessere Behandlungsmöglichkeit ist.

Was ist eine benigne Prostatahyperplasie?

Die Prostata ist eine kleine Drüse, die nur bei Männern vorkommt. Dabei handelt es sich um eine gutartige Erkrankung, bei der sich die Prostata mit zunehmendem Alter häufig vergrößert. Dadurch kann der Harnfluss behindert werden. Das lässt sich mit einem verengten Schlauch vergleichen: Der Urin kann schlechter abfließen, sodass das Wasserlassen zunehmend schwieriger wird.

Wie wird eine gutartige Prostatahyperplasie behandelt?

Zu den Behandlungsmöglichkeiten zählen Änderungen des Lebensstils, Medikamente und operative Eingriffe. Lange Zeit war die transurethrale Resektion der Prostata (TURP) die am häufigsten durchgeführte Operation. Bei der TURP wird überschüssiges Prostatagewebe mit einem kleinen Instrument entfernt, das durch die Harnröhre eingeführt wird. Heute werden dafür auch Laserverfahren eingesetzt. Eine dieser Laserbehandlungen ist die sogenannte Holmium-Laser-Enukleation der Prostata (HoLEP).

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten wissen, wie HoLEP im Vergleich zu anderen Operationen die Beschwerden und die Lebensqualität beeinflusst und wie sicher das Verfahren ist.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen HoLEP mit anderen Prostataoperationen verglichen wurde. Wir untersuchten, wie wirksam und sicher die verschiedenen Operationsverfahren waren und wie schnell sich die Männer davon erholten. Anschließend fassten wir alle Ergebnisse zusammen und bewerteten die Zuverlässigkeit der einzelnen Studien.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 52 Studien mit 6.242 Männern, die sich einer Prostataoperation unterzogen hatten. Diese Zusammenfassung konzentriert sich auf Studien, in denen HoLEP innerhalb des ersten Jahres nach der Operation mit der TURP verglichen wurde. Die TURP galt lange als Standardoperation bei gutartiger Prostatavergrößerung. Dieser Vergleich ist besonders relevant für Männer, die zwischen verschiedenen Operationsverfahren wählen. Das Durchschnittsalter der Männer lag zwischen 65 und 74 Jahren und die durchschnittliche Prostatagröße in den Studien reichte von 30 cm³ bis 142 cm³. Die Studien wurden in 11 Ländern durchgeführt.

  • Symptome und Lebensqualität : HoLEP lindert Harnwegsbeschwerden möglicherweise ähnlich gut wie die TURP (14 Studien, 1666 Personen) und verbessert möglicherweise auch die Lebensqualität in ähnlichem Maße (6 Studien, 876 Personen). Die festgestellten Unterschiede waren so gering, dass sie für die Männer keine spürbare Bedeutung hatten.

  • Schwerwiegende Komplikationen: Schwerwiegende Komplikationen treten bei HoLEP möglicherweise ähnlich häufig auf wie bei der TURP (10 Studien, 1147 Personen).

  • Erneute Operationen und erektile Funktion: Die Häufigkeit erneuter Operationen und die erektile Funktion sind nach HoLEP und TURP wahrscheinlich ähnlich.

  • Ejakulation: Keine der Studien berichtete darüber, wie sich HoLEP und TURP auf die Ejakulation auswirkten, obwohl dies für viele Männer von großer Bedeutung ist.

  • Bluttransfusion: HoLEP senkt im Vergleich zur TURP wahrscheinlich das Risiko, eine Bluttransfusion zu benötigen. Im Vergleich zu den meisten anderen Operationsverfahren macht HoLEP möglicherweise keinen oder nur einen geringen Unterschied. Etwa 44 von 1.000 Männern benötigen nach einer TURP eine Transfusion, verglichen mit etwa 8 von 1.000 nach einer HoLEP (15 Studien, 1.755 Personen).

  • Wir verglichen HoLEP außerdem mit anderen Laserverfahren, anderen Enukleationstechniken und offenen Operationen. Dabei betrachteten wir auch Ergebnisse, die mehr als ein Jahr nach dem Eingriff erhoben wurden. Diese Ergebnisse sind im Volltext des Reviews dargestellt.

Was schränkt die Evidenz ein?
  • Studienqualität: Die meisten Studien wiesen methodische Mängel auf. So ist es beispielsweise unmöglich, die Operierenden zu verblinden, und auch die Teilnehmenden können nur schwer darüber im Unklaren gelassen werden, welche Operation sie erhalten haben. Dies kann beeinflussen, wie die Ergebnisse gemessen und berichtet werden. Nur wenige Studien verfügten über vorab registrierte Protokolle, sodass einige Ergebnisse möglicherweise selektiv berichtet wurden. Aus diesen Gründen haben wir in viele der Ergebnisse nur geringes oder sehr geringes Vertrauen.

  • Kurze Nachbeobachtung: Die meisten Studien führten eine Nachbeobachtung nur bis zu 12 Monaten durch. Wir wissen nicht, ob die Vorteile von HoLEP langfristig bestehen bleiben oder ob sich die Häufigkeit erneuter Operationen auf längere Sicht wesentlich unterscheidet.

  • Keine der Studien berichtete darüber, wie sich die verschiedenen Operationsverfahren auf die Ejakulation auswirkten. Da etwa drei von vier Männern nach einer HoLEP eine retrograde Ejakulation („trockener Orgasmus“) erleben, ist dies eine wichtige Wissenslücke. Auch Daten zur Harninkontinenz nach der Operation wurden nicht einheitlich erfasst.

  • Erfahrung der Operierenden: Die meisten Operierenden in den einbezogenen Studien verfügten über umfangreiche Erfahrung mit der HoLEP. Die tatsächlichen Ergebnisse können anders ausfallen, wenn die Operierenden noch wenig Erfahrung mit HoLEP haben. Die Komplikationsrate nimmt mit zunehmender Erfahrung weiter ab und stabilisiert sich offenbar erst nach etwa 350 Eingriffen.

  • Begrenzte Evidenz für bestimmte Patientengruppen: Wir konnten nicht untersuchen, ob HoLEP bei Männern mit sehr stark vergrößerter Prostata (≥ 80 ml) oder bei Männern, die blutverdünnende Medikamente einnehmen, anders wirkt, da zu wenige Studien diese Patientengruppen einschlossen. Gerade bei diesen Patientengruppen könnte HoLEP möglicherweise besonders vorteilhaft sein. Daher ist diese Evidenzlücke besonders relevant.

  • Wenige Studien für einige Vergleiche: Die meisten Studien verglichen HoLEP mit TURP. Für Vergleiche mit Laserablation, anderen Enukleationstechniken oder offenen Operationen ist die Evidenz daher weniger sicher.

Wie aktuell ist dieser Review?

Dieser Review ist auf dem Stand vom 08. April 2026.

Sathianathen N, Hwang EC, Brown SJane, Bakker C, Borofsky MS, Ergun O, Dahm P

Welche Wirkungen hat eine Jodsupplementierung zur Vorbeugung von Jodmangelerkrankungen bei Kindern und Jugendlichen?

3 weeks ago
Kernaussagen
  • Eine Jodsupplementierung verbessert die Denkfähigkeit (kognitive Funktion) bei Kindern und Jugendlichen leicht. Das Wachstum (Gewicht) beeinflusst eine Jodsupplementierung möglicherweise nicht oder allenfalls geringfügig. In keiner der Studien wurden unerwünschte Wirkungen berichtet.

  • Eine Jodsupplementierung verringert wahrscheinlich das Auftreten einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) und möglicherweise auch das Risiko, im Säuglingsalter zu sterben, in Regionen mit hoher Säuglingssterblichkeit. Ob eine Jodsupplementierung das Auftreten einer Schilddrüsenvergrößerung (Struma) verringert, ist unklar.

  • Zukünftige Studien sollten sich auf Regionen und Bevölkerungsgruppen konzentrieren, in denen Jodmangel ein Problem sein könnte, und dabei auch Kinder aus sozioökonomisch benachteiligten Gruppen einbeziehen. Zukünftige Studien sollten höhere Joddosen über längere Behandlungs- und Nachbeobachtungszeiträume untersuchen.

Was ist Jod und warum ist es wichtig?

Jod ist ein Mineralstoff, den der Körper für die Bildung von Schilddrüsenhormonen benötigt. Diese Hormone sind wichtig für die normale Entwicklung des Körpers und des Gehirns. Da Jod für die körperliche und geistige Entwicklung wichtig ist, sollten Kinder ausreichend damit versorgt sein. Jodmangel bei Kindern kann das Wachstum und die Entwicklung des zentralen Nervensystems beeinträchtigen. Mögliche Folgen sind Entwicklungsstörungen, eine eingeschränkte geistige Leistungsfähigkeit, eine Vergrößerung der Schilddrüse (Struma) und in schweren Fällen auch ein erhöhtes Risiko, im Säuglingsalter zu sterben.

Wichtige Jodquellen in der Ernährung sind jodiertes Speisesalz, Fisch und andere Meeresprodukte sowie Milch und Milchprodukte. Auch Getreide kann Jod liefern, wenn es auf jodreichen Böden angebaut wurde. Eine Jodsupplementierung kann auf unterschiedliche Weise erfolgen: Jodiertes Öl kann einmalig oder einmal jährlich in einen Muskel gespritzt werden. Kaliumjodid kann dagegen täglich oder wöchentlich in niedriger Dosis als Tablette, Kapsel oder Tropfen eingenommen werden.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob eine Jodsupplementierung im Vergleich zu einem Placebo (Scheinbehandlung) Jodmangelerkrankungen bei Kindern und Jugendlichen verhindern kann. Außerdem wollten wir wissen, ob die Einnahme einer Jodsupplementierung mit unerwünschten Wirkungen verbunden ist.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, die eine Jodsupplementierung mit einem Placebo bei Kindern und Jugendlichen mit einem erhöhten Risiko für Jodmangel verglichen. Wir verglichen die Ergebnisse der Studien, fassten sie zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz. Dabei berücksichtigten wir unter anderem die Größe der Studien und wie gut sie durchgeführt wurden.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden acht Studien mit insgesamt 2.528 Teilnehmenden, die die Wirkungen einer Jodsupplementierung zur Vorbeugung von Jodmangel bei Kindern und Jugendlichen untersuchten. Die Studien wurden zwischen 1982 und 2009 durchgeführt, überwiegend in einkommensschwachen Regionen in Albanien, Bangladesch, Kolumbien, Indonesien, Malawi, Neuseeland und Tansania. In den Studien wurde eine orale Jodsupplementierung mit einem Placebo verglichen. In einer Studie erhielten die Teilnehmenden zusätzlich Eisen.

Jodsupplementierung im Vergleich zu Placebo
  • Eine Jodsupplementierung verbessert die Denkfähigkeit (kognitive Funktion) im Vergleich zu Placebo leicht (1 Studie, 166 Teilnehmende).

  • Eine Jodsupplementierung hat im Vergleich zu Placebo möglicherweise nur geringe oder keine Auswirkungen auf das Gewicht der Kinder (3 Studien, 658 Teilnehmende).

  • Eine Jodsupplementierung verringert im Vergleich zu Placebo wahrscheinlich deutlich das Auftreten einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) (1 Studie, 264 Teilnehmende).

  • Keine der Studien berichtete über unerwünschte Wirkungen der Jodsupplementierung. Auch zur Lebensqualität lagen keine Daten vor.

  • Eine Jodsupplementierung verringert im Vergleich zu Placebo wahrscheinlich das Risiko, innerhalb der ersten sechs Lebensmonate zu sterben (1 Studie, 617 Säuglinge).

  • Ob eine Jodsupplementierung das Auftreten einer Schilddrüsenvergrößerung (Struma) verringert ist auf Basis von 2 Studien mit 432 Teilnehmenden unklar. Eine der beiden Studien verwendete keine ausreichend robusten Methoden. Wir schlossen diese Studie aus der Analyse aus. Danach zeigte sich, dass Jod das Auftreten einer Schilddrüsenvergrößerung (Struma) wahrscheinlich deutlich verringert (1 Studie, 230 Teilnehmende).

Jod- und Eisensupplementierung im Vergleich zu Placebo
  • Es ist unklar, ob eine Jod-plus-Eisen-Supplementierung das Körpergewicht beeinflusst (1 Studie, 146 Teilnehmende).

  • Zu den Wirkungen auf die kognitive Funktion, Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose), unerwünschte Wirkungen, Lebensqualität, Todesfälle jeglicher Ursache und Schilddrüsenvergrößerung (Struma) lagen keine Daten vor.

Was schränkt die Evidenz ein?

Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz war je nach Ergebnis unterschiedlich und reichte von hoch bis sehr niedrig. Unser Vertrauen in die Evidenz war in einigen Fällen begrenzt, weil:

  • es möglich ist, dass die Teilnehmenden in den Studien wussten, welche Behandlung sie erhielten;

  • die Studien an unterschiedlichen Personengruppen durchgeführt wurden;

  • es nicht genügend Studien gibt, um die Ergebnisse mit Sicherheit beurteilen zu können.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von Mai 2025.

Velasco I, Rueda-Etxebarria M, Trak-Fellermeier MA, Taylor P, Rabassa Bonet M, Chi Y, Janka H, Rueda JR

Welche Kombinationen von inhalativen Medikamenten sind bei chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) wirksam und sicher?

3 weeks ago
Kernaussagen

• Die Anwendung eines Inhalators, der einen langwirksamen Muskarin-Antagonisten plus einen langwirksamen Beta-Agonisten (LAMA+LABA) enthält, verbessert bei chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) wahrscheinlich die Lungenfunktion und senkt das Risiko einer Lungenentzündung im Vergleich zu LABA plus einem inhalativen Kortikosteroid (LABA+ICS).

• LAMA+LABA und LABA+ICS verringern COPD-Exazerbationen wahrscheinlich ähnlich stark und verbessern die Lebensqualität wahrscheinlich in ähnlichem Ausmaß.

• Bei Personen, die LAMA+LABA erhielten, war das Sterberisiko wahrscheinlich geringfügig höher.

Was ist eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) und wie wird sie behandelt?

Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) ist eine langfristige Lungenerkrankung, die durch Husten, Auswurf (Schleim aus der Lunge) und Atembeschwerden gekennzeichnet ist. 

COPD wird unter anderem mit sogenannten Bronchodilatatoren (bronchienerweiternden Medikamenten) behandelt. Sie entspannen die Muskulatur der Atemwege und erweitern dadurch die Bronchien, sodass das Atmen leichter fällt. Zwei wichtige Arten von Bronchodilatatoren sind langwirksame Muskarin-Antagonisten (LAMAs) und langwirksame Beta-Agonisten (LABAs). Leitlinien empfehlen für Menschen mit stabiler COPD und hohem Risiko eine Inhalationsbehandlung mit einer Kombination aus LAMA und LABA oder aus LABA und einem inhalativen Kortikosteroid (ICS). Kortikosteroide sind entzündungshemmende Medikamente.

Was wollten wir herausfinden?

Wir untersuchten die Ergebnisse von Studien, in denen die Teilnehmenden nach dem Zufallsprinzip entweder LAMA+LABA oder LABA+ICS erhielten, und verglichen die Wirkungen der beiden Behandlungen.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, die den Nutzen und die Risiken von LAMA+LABA und LABA+ICS bei der Behandlung von Menschen mit COPD untersuchten. Wir haben diese Ergebnisse zusammengefasst und unser Vertrauen in die Evidenz bewertet.

Was fanden wir heraus?

Wir schlossen 19 Studien mit 22.354 Teilnehmenden ein. Die Studien dauerten zwischen 6 und 52 Wochen. An den Studien nahmen mehr Männer als Frauen teil (etwa 70 % der Teilnehmenden waren Männer), und das Durchschnittsalter der Teilnehmenden lag bei etwa 64 Jahren. Die meisten Studien umfassten Menschen mit mittelschwerer bis schwerer COPD. An den meisten Studien waren Pharmaunternehmen beteiligt, was die Zuverlässigkeit der Ergebnisse beeinträchtigen könnte.

Im Vergleich zu LABA+ICS verbesserte LAMA+LABA die Lungenfunktion und verringerte das Risiko für eine Lungenentzündung von 5 % auf 3 %. Gleichzeitig erhöhte LAMA+LABA wahrscheinlich das Sterberisiko geringfügig (von 1 % auf 1,4 %). LAMA+LABA hatte im Vergleich zu LABA+ICS wahrscheinlich kaum oder gar keinen Einfluss auf COPD-Exazerbationen (Schübe). Die Teilnehmenden in beiden Behandlungsgruppen berichteten über eine ähnliche Lebensqualität. Auch das Risiko für schwerwiegende unerwünschte Wirkungen war etwa gleich; solche Ereignisse traten jedoch nur selten auf. 

Was schränkt die Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Evidenz war mäßig bis hoch, da die einbezogenen Studien gut konzipiert waren und eine ausreichende Anzahl von Teilnehmenden mit überwiegend mittelschwerer bis schwerer COPD umfassten.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Diese Übersichtsarbeit ist auf dem Stand vom 10. September 2022. Die Ergebnisse laufender oder künftiger Studien zu neu entwickelten Medikamenten stehen noch aus. Diese Übersichtsarbeit sollte in einigen Jahren erneut aktualisiert werden.

Fukuda N, Horita N, Kaneko A, Goto A, Kaneko T, Ota E, Kew KM

Was sind die langfristigen Wirkungen einer mindestens einjährigen Hormontherapie bei Frauen in der Peri- und Postmenopause?

3 weeks 4 days ago
Kernaussagen

• Wirkungen der Hormontherapie auf die langfristige Gesundheit von Frauen sind unterschiedlich, je nachdem, ob sie eine kombinierte Hormontherapie (sowohl Östrogen als auch Gestagen) oder nur Östrogen einnehmen.
• Angesichts der veränderten Dosierungen und Applikationsformen der Hormontherapie im Laufe der Zeit sollten die Ergebnisse dieses Reviews mit Vorsicht interpretiert werden. Die hier zusammengefassten Ergebnisse stammen aus Studien, in denen die Hormontherapie als Tabletten zum Einnehmen verabreicht wurde.
• Künftige Studien sollten die langfristigen Auswirkungen einer Hormontherapie bei Frauen untersuchen, die vor dem 50. Lebensjahr damit beginnen oder deren Eierstöcke infolge einer medizinischen Behandlung nicht mehr funktionieren.

Was sind Menopause und Perimenopause?

Die Menopause tritt natürlicherweise ein – meist zwischen dem 44. und 55. Lebensjahr –, wenn die Eierstöcke keine Eizellen mehr freisetzen und die Produktion der Sexualhormone stark zurückgeht (bis fast zum Erliegen). Die Menopause wird (nachträglich) diagnostiziert, wenn diese Veränderungen dazu führen, dass seit 12 Monaten keine Regelblutung mehr aufgetreten ist. Nach der operativen Entfernung beider Eierstöcke setzt die Menopause sofort ein – der übliche Zeitraum von zwölf Monaten ohne Menstruation gilt hier nicht.

Die Perimenopause ist die Übergangsphase vor der Menopause, in welcher der Hormonspiegel sinkt und die Periode unregelmäßig wird. Sie kann mehrere Jahre andauern und es können Symptome wie Hitzewallungen, nächtliche Schweißausbrüche und Stimmungsschwankungen auftreten.

Ein sinkender Hormonspiegel kann sich auf Herz, Blutgefäße und Knochen auswirken. Er erhöht unter anderem das Risiko für einen ungünstigen Cholesterinspiegel, Veränderungen von Gewicht und Körperfett, Bluthochdruck, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfall sowie für Osteoporose und eine abnehmende Muskelkraft oder Mobilität.

Was ist eine Hormontherapie?

Bei der Hormontherapie wird Östrogen, allein oder zusammen mit einem Gestagen, zur Linderung von Beschwerden in den Wechseljahren eingesetzt. Frauen ohne Gebärmutter können eine reine Östrogentherapie erhalten. Frauen mit Gebärmutter benötigen zusätzlich ein Gestagen, um die Gebärmutterschleimhaut zu schützen und das Risiko für Endometriumkrebs zu senken.

Östrogen kann man als Tablette schlucken oder über die Haut aufnehmen, zum Beispiel als Pflaster oder Gel. Gestagene können als Tablette, über die Vagina oder mithilfe eines Intrauterinpessars gegeben werden – das ist ein kleines T-förmiges Kunststoffteil, das in der Gebärmutter sitzt. Die kombinierte Hormontherapie kann täglich oder zyklisch eingenommen werden. In der zyklischen Form bekommt man täglich Östrogen, aber das Gestagen nur in bestimmten Wochen. Dadurch kann es zu monatlichen Entzugsblutungen kommen.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten untersuchen, ob sich eine Hormontherapie, die über längere Zeit eingenommen wird, langfristig auf die Gesundheit von Frauen auswirkt.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen Frauen in den Wechseljahren, die mindestens ein Jahr lang eine Hormontherapie erhielten, mit Frauen verglichen wurden, die ein inaktives Scheinmedikament (Placebo) einnahmen. Wir fassten die Studienergebnisse zusammen, verglichen sie und bewerteten, wie verlässlich die Evidenz ist – unter anderem anhand der verwendeten Methoden und der Größe der Studien.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 24 Studien mit 45.660 Teilnehmenden. Die meisten Daten stammen aus zwei großen, hochwertigen Studien, die in den 1990er Jahren durchgeführt und Anfang der 2000er Jahre veröffentlicht wurden. Die im Folgenden vorgestellten Ergebnisse stammen aus einer dieser Studien. Die vollständigen Ergebnisse finden Sie im Hauptteil.

Kombinierte kontinuierliche Hormontherapie im Vergleich zu Placebo

Auf der Grundlage der Evidenz aus einer Studie mit 16.608 Frauen, in der die Endpunkte nach einer Nachbeobachtungszeit von etwa 5,5 Jahren gemessen wurden, bewirkt eine kombinierte kontinuierliche Hormontherapie:

• wahrscheinlich keinen oder nur einen minimalen Unterschied, einen Herzinfarkt zu erleiden oder an Lungenkrebs zu erkranken;
• erhöht wahrscheinlich geringfügig das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken (von etwa 19 auf 24 von 1000 Frauen);
• reduziert wahrscheinlich das Risiko von Knochenbrüchen (von etwa 111 auf 87 von 1000 Frauen).

Eine kombinierte kontinuierliche Hormontherapie erhöht möglicherweise:

• das Risiko für einen Schlaganfall (von etwa 13 auf 18 von 1000 Frauen);
• das Risiko für ein Blutgerinnsel in einer Vene (von etwa 10 auf 20 von 1000 Frauen);
• Gallenblasenerkrankungen, die einen chirurgischen Eingriff erfordern (von etwa 16 auf 27 von 1000 Frauen).

Ausschließliche Östrogengabe im Vergleich zu Placebo

Auf der Grundlage der Evidenz aus einer Studie mit 10.739 Frauen, die sich einer Hysterektomie (chirurgische Entfernung der Gebärmutter) unterzogen hatten, bei der die Endpunkte nach 7 Jahren Nachbeobachtung gemessen wurden, bewirkt eine reine Östrogen-Hormontherapie:

• wahrscheinlich keinen oder nur einen minimalen Unterschied, einen Herzinfarkt zu erleiden, ein Blutgerinnsels in einer Vene zu entwickeln oder an Brustkrebs zu erkranken;
• reduziert wahrscheinlich das Risiko von Knochenbrüchen (von etwa 141 auf 103 von 1000 Frauen);
• erhöht wahrscheinlich das Risiko für einen Schlaganfall (von etwa 24 auf 32 von 1000 Frauen) und einer Gallenblasenerkrankung, die eine Operation erfordert (von etwa 27 auf 47 pro 1000 Frauen).

Eine reine Östrogen-Hormontherapie hat möglicherweise keinen oder nur einen minimalen Einfluss darauf, an Lungenkrebs zu erkranken.

Wir verfügten nicht über genügend Daten, um das Risiko einer langfristigen Hormontherapie bei Frauen, die vor ihrem 50. Lebensjahr mit der Therapie begonnen haben, zu bewerten.

Was schränkt die Aussagekraft der Evidenz ein?

Nur etwa 30% der Frauen waren zu Beginn der Studie 50 bis 59 Jahre alt, also die Altersgruppe, die am ehesten eine Hormontherapie gegen Hitzewallungen und nächtliche Schweißausbrüche in Betracht zieht. Darüber hinaus hat sich die Hormontherapie im Laufe der Zeit weiterentwickelt – mit neuen Applikationsformen, unterschiedlichen Hormontypen und angepassten Dosierungen. Die meisten Daten stammen aus einer Studie, in der die Frauen eine Hormontherapie zum Einnehmen erhielten. Diese birgt möglicherweise andere Risiken als die derzeit in der klinischen Praxis verwendeten Anwendungsformen.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von September 2024.

Bofill Rodriguez M, Yong LN, Mirkov S, Bekos C, Lethaby A, Farquhar C

Kann das Training mit Gehirn-Computer-Schnittstellen die Bewegungsfähigkeit und die Bewältigung alltäglicher Aktivitäten nach einem Schlaganfall verbessern?

3 weeks 4 days ago
Kernaussagen
  • Ein Training der Gehirn-Computer-Schnittstellen (engl. Brain-computer-interface, kurz: BCI) kann die Armbewegung möglicherweise etwas verbessern, hat jedoch möglicherweise kaum oder gar keinen Einfluss auf die Beinbewegung. Es ist sehr ungewiss, ob es bei Alltagsaktivitäten hilft.

  • Im Vergleich zu einem „Schein“-BCI (unechten BCI) hat das BCI-Training möglicherweise kaum oder gar keinen Einfluss auf die Bewegungsfähigkeit oder die Alltagsaktivitäten.

  • Es sind größere, gut konzipierte Studien erforderlich, um die tatsächlichen Nutzen und Schäden des BCI-Trainings zu bestätigen.

Was ist eine Gehirn-Computer-Schnittstelle (engl. brain-computer interface; BCI)?

Eine Gehirn-Computer-Schnittstelle (BCI) ist eine Technologie, die eine direkte Verbindung zwischen dem Gehirn und einem externen Gerät herstellt. Dabei werden normalerweise Sensoren auf der Kopfhaut angebracht, um die Gehirnsignale zu erfassen, die entstehen, wenn eine Person sich eine Bewegung vorstellt oder versucht sie auszuführen.

Wie wird BCI nach einem Schlaganfall eingesetzt?

Nach einem Schlaganfall leiden Betroffene häufig unter Muskelschwäche oder Bewegungsausfällen. Beim BCI-Training werden die Gehirnsignale erfasst, die entstehen, wenn eine Person eine Bewegung beabsichtigt. Die Signale werden dann in Echtzeit in ein Feedback umgewandelt. Zum Beispiel erkennt das BCI, wenn der Patient daran denkt, seine Hand zu bewegen. Es löst daraufhin eine Bewegung eines Roboterhandschuhs aus, die Hand zu bewegen, oder stimuliert die Muskeln elektrisch, sodass sich die Hand bewegt. Dieses Feedback erfolgt genau in dem Moment, in dem die Person versucht, die Bewegung auszuführen. Das trägt vermutlich dazu bei, das Gehirn „neu zu vernetzen“ und die Wiederherstellung der Bewegungsfähigkeit zu fördern.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob BCI-Training bei der Verbesserung der Arm- und Beinbewegungen sowie der Fähigkeit zur Ausübung alltäglicher Aktivitäten bei Menschen mit Schlaganfall besser ist als herkömmliche Therapien, andere aktive Behandlungen oder ein Schein-BCI (unechtes BCI). Außerdem wollten wir herausfinden, ob das BCI-Training mit unerwünschten Wirkungen verbunden ist.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, die die Wirkungen des BCI-Trainings bei Erwachsenen untersuchten, die einen Schlaganfall erlitten und infolgedessen Bewegungsschwierigkeiten hatten. Die Teilnehmenden dieser Studien hatten entweder einen Schlaganfall durch ein verstopftes Blutgefäß oder einen Schlaganfall durch eine Blutung im Gehirn erlitten. Die meisten befanden sich einige Monate nach dem Schlaganfall, nachdem sich ihr Zustand stabilisiert hatte. Anschließend haben wir die Ergebnisse der Studien verglichen und zusammengefasst und unsere Zuversicht in die Evidenz bewertet, basierend auf Faktoren wie den angewandten Methoden und der Anzahl der untersuchten Personen.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 43 Studien mit insgesamt 1.628 Erwachsenen, die einen Schlaganfall erlitten hatten. Die Evidenz deutet auf Folgendes hin:

  • Im Vergleich zur herkömmlichen Therapie kann das BCI-Training möglicherweise die Armbewegungen geringfügig verbessern (10 Studien, 611 Personen), hat jedoch möglicherweise kaum bis gar keinen Einfluss auf die Beinbewegungen (1 Studie, 64 Personen). Wir können nicht sagen, ob es bei Alltagsaktivitäten hilft (5 Studien, 282 Personen), da die Evidenz sehr unsicher ist.

  • Im Vergleich zu anderen aktiven Behandlungen kann das BCI-Training das Gleichgewicht möglicherweise leicht verbessern (6 Studien, 165 Personen), hat jedoch möglicherweise kaum oder gar keinen Einfluss auf die Beinbewegungen (4 Studien, 130 Personen). Bei der Armbewegung(14 Studien, 331 Personen) und der Bewältigung von Alltagsaktivitäten (5 Studien, 163 Personen), sind wir nicht sicher genug, um eine eindeutige Aussage zu treffen.

  • Im Vergleich zu einem Schein-BCI, das wie das echte System aussieht und sich auch so anfühlt, aber kein echtes Feedback zu den Gehirnsignalen liefert, macht das BCI-Training möglicherweise kaum einen Unterschied bei den Armbewegungen (9 Studien, 279 Personen), den Beinbewegungen (3 Studien, 106 Personen) oder den Alltagsaktivitäten (1 Studie, 28 Personen).

Wir haben uns auch einige andere Aspekte angesehen, wie beispielsweise erhöhte Muskelspannung, Muskelkraft und die allgemeine Erholung des Nervensystems. Die Evidenz hierzu war zu ungewiss, als dass wir Schlussfolgerungen hätten ziehen können.

Wir wollten außerdem wissen ob unerwünschte Wirkungen auftraten. In vielen Studien wurde jedoch nicht darüber berichtet. In den Studien, in denen dies der Fall war, handelte es sich in der Regel um leichte Wirkungen wie Muskelkater oder Müdigkeit. Da nur sehr wenige Studien dazu ausreichende Angaben machte,können wir nicht mit Sicherheit sagen, ob das BCI-Training ein zusätzliches Risiko birgt.

Was schränkt die Evidenz ein?

Wir haben aus mehreren Gründen wenig bis sehr wenig Vertrauen in die Evidenz:

  • Die meisten Studien waren klein angelegt und umfassten nur wenige Teilnehmende.

  • Viele der Studien wurden so durchgeführt, dass dies die Ergebnisse beeinflusst haben könnte. Beispielsweise wussten die Teilnehmenden oft, welche Behandlung sie erhielten.

  • Die Ergebnisse variierten zudem stark von einer Studie zur anderen.

  • Schließlich wurden einige Studien, die keinen Nutzen feststellten, möglicherweise nicht veröffentlicht. Dadurch könnte das BCI-Training wirksamer erscheinen, als es tatsächlich ist.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von Oktober 2025.

Qin Y, Li M, Li Y, Ma M, Xu J, Lu Y, Shi X, Cui G, Zhao H, Yang K

Mit welchen Methoden lassen sich Blutentnahmen bei Frühgeborenen minimieren?

4 weeks ago
Kernaussagen
  • Die Entnahme von Blut aus der Nabelschnur oder der Plazenta anstelle einer direkten Entnahme bei Frühgeborenen verringert wahrscheinlich die Frühgeborenen-Retinopathie, eine Augenerkrankung, die das Sehvermögen beeinträchtigen kann, und kann Komplikationen wie Hirnblutungen (intraventrikuläre Blutungen) und die bronchopulmonale Dysplasie, eine Form der Lungenerkrankung, reduzieren.

  • Wir wissen nicht, ob die Rückführung des Blutes nach der Untersuchung oder die Anwendung strenger Regeln zur Begrenzung von Blutuntersuchungen dazu beitragen, die Blutentnahmen und die damit verbundenen Komplikationen zu minimieren.

  • Wir benötigen groß angelegte, qualitativ hochwertige Studien, die die Kinder bis zum Alter von mindestens drei Jahren begleiten, um besser zu verstehen, welche Methoden am besten funktionieren und wie sie sich auf die längerfristige Entwicklung auswirken. Zukünftige Studien sollten neben den hier beschriebenen Methoden auch neuere Ansätze untersuchen, wie beispielsweise die Entnahme winziger Blutmengen für Untersuchungen oder die Verwendung anderer Körperflüssigkeiten als Blut, wie Speichel und Urin.

Warum ist es wichtig, die Blutentnahmen bei zu früh geborenen Babys auf ein Minimum zu beschränken?

Babys, die vor der 37. Schwangerschaftswoche geboren werden (Frühgeborene), benötigen während ihres Krankenhausaufenthalts oft zahlreiche Blutuntersuchungen. Da diese Babys sehr klein sind, können wiederholte Blutentnahmen einen großen Teil ihres gesamten Blutvolumens entziehen. Dies kann dazu führen, dass Bluttransfusionen erforderlich werden.

Es wurden verschiedene Methoden untersucht, um den Blutverlust zu reduzieren, beispielsweise die Verwendung von Blut aus der Nabelschnur oder der Plazenta bei der Geburt, die Entnahme sehr kleiner Blutproben, die Rückführung des Blutes zum Frühgeborenen nach der Untersuchung oder die Einhaltung strenger Regeln zur Begrenzung der Häufigkeit von Blutentnahmen. Es ist nach wie vor unklar, welche dieser Methoden wirksam und sicher ist.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob verschiedene Strategien zur Reduzierung der Blutentnahmen bei Frühgeborenen:

  • ihre Überlebenschancen verbessern;

  • körperliche oder geistige Entwicklungsstörungen, darunter Blindheit, Taubheit und Zerebralparese (eine lebenslange Erkrankung, die Bewegung, Körperhaltung und Muskelkontrolle beeinträchtigt), im Alter von 18 Monaten und älter verringern;

  • schwerwiegende Komplikationen reduzieren, darunter die Frühgeborenen-Retinopathie (eine Augenerkrankung, die das Sehvermögen beeinträchtigen kann), Hirnblutungen (intraventrikuläre Blutungen) und die bronchopulmonale Dysplasie, eine Form der Lungenerkrankung.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen verschiedene Strategien zur Blutersparnis mit der üblichen Versorgung von Frühgeborenen verglichen wurden. Wir haben die Ergebnisse der Studien verglichen und zusammengefasst und unser Vertrauen in die Evidenz bewertet, basierend darauf, wie die Studien konzipiert waren und wie viele Frühgeborene daran teilnahmen.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden fünf Studien mit 365 extrem frühgeborenen Kindern (die mehr als drei Monate vor dem errechneten Geburtstermin geboren wurden). Zwei Studien wurden in Indien, zwei in den USA und eine in Israel durchgeführt. Die kleinste Studie umfasste 20 Frühgeborene, die größte 102.

Eine Studie wurde von der Regierung, einer Wohltätigkeits-Spendenaktion und einem Technologieunternehmen finanziert. Der Autor einer weiteren Studie war zudem Eigentümer des Unternehmens, das das in der Studie verwendete Blutrückführgerät herstellte und lieferte. Die drei übrigen Studien machten entweder keine Angaben zur Finanzierung oder gaben an, dass keine Interessenkonflikte vorlagen.

Hauptergebnisse

Keine der Studien berichtete über Ergebnisse hinsichtlich körperlicher oder geistiger Entwicklungsstörungen (einschließlich Blindheit, Taubheit und Zerebralparese), als die Kinder 18 Monate alt oder älter waren.

Die Verwendung von Blut aus der Nabelschnur oder der Plazenta bei der Geburt anstelle einer direkten Blutentnahme beim Frühgeborenen:

  • kann möglicherweise Hirnblutungen in der ersten Lebenswoche verringern: Etwa 12 von 100 Frühgeborenen weniger könnten schwere Hirnblutungen erleiden (2 bis 16 Frühgeborene weniger; 2 Studien, 160 Frühgeborene);

  • kann möglicherweise die bronchopulmonale Dysplasie verringern: Etwa 13 von 100 Frühgeborenen weniger könnten diese Lungenerkrankung entwickeln (von 25 weniger bis zu 4 mehr Frühgeborene; 2 Studien, 152 Frühgeborene);

  • verringert wahrscheinlich die Frühgeborenen-Retinopathie, die vor der Entlassung aus dem Krankenhaus behandelt werden muss: Etwa 19 von 100 Frühgeborenen entwickeln wahrscheinlich keine Frühgeborenen-Retinopathie (6 bis 27 weniger Frühgeborene; 2 Studien, 152 Frühgeborene).

Wir wissen nicht, ob die Verwendung von Blut aus der Nabelschnur oder der Plazenta die Überlebensraten der Frühgeborenen verbessert.

Wir wissen auch nicht, ob (1) Geräte, die das Blut nach der Untersuchung in den Blutkreislauf des Frühgeborenen zurückleiten, oder (2) die Einhaltung strenger Regeln zur Begrenzung der Blutentnahme einen Einfluss auf Folgendes haben:

  • die Überlebensraten;

  • schwerwiegenden Komplikationen (einschließlich Frühgeborenen-Retinopathie, Hirnblutungen und bronchopulmonaler Dysplasie).

Nur eine kleine Studie untersuchte jeweils einen dieser Ansätze.

Was schränkt die Evidenz ein?

Wir sind mäßig überzeugt, dass die Verwendung von Nabelschnur- oder Plazentablut die Anzahl der Frühgeborenen, die eine Frühgeborenen-Retinopathie entwickeln, signifikant senkt – unsere Vertrauen darin wurde jedoch dadurch gemindert, dass relativ wenige Säuglinge untersucht wurden. Wir haben wenig bis gar kein Vertrauen in die Evidenz bezüglich der Überlebensrate und anderer schwerwiegender Komplikationen (Hirnblutungen und bronchopulmonale Dysplasie), da die Studien sehr klein waren und die Ergebnisse in einigen Fällen variierten.

Wir haben kein Vertrauen in die Evidenz für (1) Geräte, die Blut in den Blutkreislauf des Frühgeborenen zurückleiten, und (2) die Einhaltung strenger Regeln zur Begrenzung der Blutentnahme, da:

  • zu wenige Studien diese Methoden untersucht haben;

  • die Anzahl der einbezogenen Frühgeborenen gering war;

  • wir Bedenken hinsichtlich der Methoden dieser Studien, der Darstellung der Ergebnisse oder beidem hatten.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von September 2025.

Nissimov S, Sibrecht G, Weerasekara I, Bartocci M, Bruschettini M, supported by Cochrane Sweden and Cochrane Neonatal

Kann eine Behandlung mit Antibiotika den „Superkeim“ MRSA aus den Lungen von Menschen mit Mukoviszidose beseitigen?

4 weeks ago
Kernaussagen
  • Eine frühzeitige Behandlung von Infektionen mit dem Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) (einer Bakterienart, die gegen bestimmte Antibiotika resistent ist) bei Menschen mit Mukoviszidose (CF) scheint möglich zu sein, doch sind wir uns über die Wirksamkeit der derzeitigen Routinebehandlung unsicher.

  • Die längerfristigen Auswirkungen der Behandlung sind unklar.

  • Es sind weitere Forschungsarbeiten erforderlich, um MRSA-Infektionen und deren Behandlung im Zeitalter der CFTR-Modulatoren (Medikamente, die das durch das CF-Gen gebildete defekte Protein reparieren, sodass Salz und Wasser korrekt durch die Zellen transportiert werden können und der Abtransport von Schleim aus der Lunge unterstützt wird) zu bewerten.

Was ist Mukoviszidose (Cystische Fibrose; CF)?

CF ist eine Erbkrankheit, bei der sich zäher Schleim in der Lunge und anderen Organen ansammelt. Für Menschen mit CF ist es sehr schwierig, diesen zähen Schleim abzuhusten. Dadurch können sich darin leicht Krankheitserreger, darunter auch MRSA, vermehren, und das Risiko für Infektionen der Atemwege steigt. CF verschlimmert sich mit der Zeit. Obwohl es derzeit keine Heilung gibt, können viele Menschen mit CF ein aktives und erfülltes Leben führen.

Was ist MRSA und wie wird es behandelt?

MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) sind Bakterien, die unter Umständen Infektionen verursachen und mit Antibiotika behandelt werden können. MRSA ist jedoch gegen bestimmte Antibiotika resistent, was die Behandlung einer Infektion erschwert. Diese Bakterien werden manchmal auch als „Superkeime“ bezeichnet. Eine Infektion mit MRSA ist für Menschen mit CF besonders besorgniserregend, da MRSA vermutlich mehr Schäden verursachen kann als andere Bakterien, die nicht gegen Antibiotika resistent sind.

MRSA wird in der Regel mit einer Kombination aus Antibiotika behandelt, die oral (über den Mund) eingenommen oder inhaliert werden. Ergänzt wird die Therapie durch eine Dekontaminationsbehandlung (Antibiotika-Cremes, die auf die Haut und in die Nasenhöhlen aufgetragen werden).

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten wissen, ob eine Behandlung mit Antibiotika:

  • die MRSA-Infektion in der Lunge von Kindern oder Erwachsenen mit CF beseitigen kann;

  • keine Infektion mit anderen resistenten Bakterien verursacht;

  • keine unerwünschten Wirkungen hervorruft.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen Antibiotika (oral oder inhalativ) zur Behandlung von MRSA-Infektionen bei Menschen mit CF untersucht wurden.

  • Die Studien mussten die Antibiotikabehandlung entweder mit keiner Behandlung, einem Placebo (Scheinbehandlung) oder einer anderen Art von Antibiotika vergleichen.

  • Die Teilnehmenden mussten an CF leiden und eine aktuelle MRSA-Infektion haben.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden fünf Studien, an denen 410 Menschen mit CF und einer diagnostizierten MRSA-Infektion teilnahmen. Die Studien fanden in Italien oder Nordamerika statt und dauerten zwischen acht Wochen und sechs Monaten. Die Teilnehmenden der Studien (gleiche Anzahl von Männern und Frauen) waren jung (das Durchschnittsalter lag zwischen 11 und 25 Jahren).

Orale Antibiotika im Vergleich zu keiner Behandlung (2 Studien, 106 Personen)

Eine Gruppe von Menschen mit CF wurde mit oralen Antibiotika (Trimethoprim, Sulfamethoxazol und Rifampicin oder Cotrimoxazol und Rifampicin) sowie einer Dekontaminationsbehandlung behandelt; die andere Gruppe erhielt keine Behandlung.

  • Orale Antibiotika können MRSA möglicherweise beseitigen. Eine Studie wurde aufgrund der eindeutigen Vorteile der Antibiotika vorzeitig abgebrochen, doch bei einigen Personen klang die Infektion auch ohne Behandlung ab. Nach sechs Monaten gab es zwischen den Gruppen keinen Unterschied hinsichtlich der Anzahl der Personen, die noch MRSA hatten.

  • Antibiotika verbessern möglicherweise die Lungenfunktion.

  • Hinsichtlich der Lebensqualität und unerwünschter Effekte der Behandlung gab es möglicherweise kaum bis gar keinen Unterschied zwischen den Gruppen. Möglicherweise gab es auch kaum bis gar keinen Unterschied hinsichtlich der Häufigkeit von Krankheitsschüben (obwohl eine Studie berichtete, dass in den ersten sechs Monaten weniger Personen, die Antibiotika einnahmen, ins Krankenhaus eingewiesen wurden) oder der Gewichtsveränderung.

Inhalative Antibiotika im Vergleich zu Placebo (2 Studien, 251 Personen)

In beiden Studien wurde eine Standarddosis Vancomycin (ein inhalatives Antibiotikum) mit einem Placebo (einem Scheinmedikament) verglichen, und in einer Studie wurde zudem eine Standarddosis Vancomycin mit einer hohen Dosis verglichen.

  • Inhalative Antibiotika führen im Vergleich zu Placebo wahrscheinlich zu keinem Unterschied in der Lungenfunktion (2 Studien), doch die Ergebnisse einer Studie deuteten darauf hin, dass inhalative Antibiotika nach 20 Wochen wahrscheinlich zu einer leichten Verbesserung führen.

  • Eine Standarddosis Vancomycin hat im Vergleich zu Placebo wahrscheinlich keinen Einfluss auf die Häufigkeit von Schüben (2 Studien);

  • Eine Studie berichtete über eine längere Zeitspanne bis zum nächsten Krankheitsschub bei der niedrigeren Vancomycin-Dosis;

  • Eine Studie berichtete über einen Rückgang der MRSA-Bakterienkonzentration bei einer höheren Dosis Vancomycin über einen Zeitraum von bis zu einem Monat;

  • In keiner der beiden Studien zeigten sich Unterschiede hinsichtlich der Lebensqualität oder unerwünschter Wirkungen.

Orale und inhalative Antibiotika im Vergleich zu oralen Antibiotika plus Placebo (1 Studie, 25 Teilnehmende)

Eine Studie verglich eine Kombination aus oralen und inhalativen Antibiotika mit oralen Antibiotika plus inhalativem Placebo.

  • Wir sind uns nicht sicher, ob eine der beiden Behandlungen einen Einfluss auf die MRSA-Beseitigung hatte;

  • Es gibt möglicherweise nur wenige oder gar keine Unterschiede zwischen den Gruppen hinsichtlich der Lungenfunktion oder unerwünschter Wirkungen. Es ist unsicher, ob es einen Unterschied in der Lebensqualität gibt;

  • Die Studie berichtete nicht über Veränderungen des Gewichts oder der Häufigkeit von Krankheitsschüben.

Was schränkt die Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Evidenz reichte von hoch bis sehr gering. Dies lag möglicherweise an Problemen mit dem Studiendesign (die Teilnehmenden wussten, welche Behandlung sie erhielten) oder daran, dass an den einzelnen Studien nur wenige Personen teilnahmen und viele von ihnen vorzeitig abbrachen.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Diese Übersichtsarbeit aktualisiert unsere vorherige Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2022. Die Evidenz ist auf den Stand vom 28. April 2026.

Lo DKH, Jahnke N, Smith S, Muhlebach MS, Smyth AR, Supported by the Cochrane Cystic Fibrosis Review Group

Helfen Lendenwirbelstützen und andere Hilfsmittel Menschen mit lang anhaltenden (chronischen) Schmerzen im unteren Rückenbereich, sich leichter zu bewegen?

4 weeks ago
Kernaussagen
  • Bei Erwachsenen mit lang anhaltenden (chronischen) Schmerzen im unteren Rückenbereich führen Lendenwirbelstützen, die ohne zusätzliche Behandlung allein angewendet werden, möglicherweise nicht zu einer Verringerung der Schmerzen oder der Funktionsbeeinträchtigung.

  • Bei Erwachsenen mit chronischen Schmerzen im unteren Rückenbereich werden die Schmerzen möglicherweise leicht gelindert, wenn Lendenwirbelstützen zusammen mit entzündungshemmenden Schmerzmitteln (NSAR) angewendet werden, im Vergleich zur alleinigen Einnahme der NSAR. Wir wissen nicht, wie sich dies auf die Funktionsbeeinträchtigung auswirkt. Wir wissen nicht, ob die Kombination von Lendenwirbelstützen mit Aufklärung und Bewegung besser ist als Aufklärung und Bewegung allein, oder ob die Kombination von Lendenwirbelstützen mit Physiotherapie einen Vorteil gegenüber einer alleinigen Physiotherapie bietet.

  • Es sind weitere Forschungsarbeiten erforderlich, insbesondere bei älteren Erwachsenen und Menschen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen.

Was sind Schmerzen im unteren Rückenbereich?

Schmerzen im unteren Rückenbereich sind Schmerzen im unteren Teil des Rückens, die auch in eines oder beide Beine ausstrahlen können. Wenn die Beschwerden länger als 12 Wochen andauern, gelten sie als langanhaltend und werden als chronische Schmerzen im unteren Rückenbereich bezeichnet. Sie sind weltweit eine häufige Ursache für Einschränkungen, die die Lebensqualität der Menschen beeinträchtigen kann. Schätzungen zufolge sind sie die häufigste Ursache für den Bedarf an Rehabilitation. Dadurch verursachen sie hohe Kosten im Gesundheitswesen sowie durch Arbeitsausfälle.

Was sind Lendenwirbelstützen und andere Hilfsmittel?

Zu den Lendenwirbelstützen zählen Bandagen, Gürtel und allgemeine Stützen, die dazu beitragen, den unteren Rücken zu stabilisieren oder zu stützen. Einige bestehen aus Hartplastik, um die Bewegung einzuschränken. Andere sind weicher, ermöglichen eine gewisse Bewegungsfreiheit und bieten dennoch Halt während der Bewegung.

Andere Hilfsmittel sind Gegenstände, die Menschen mit Behinderungen helfen, sich leichter fortzubewegen. Dazu gehören Rollstühle, Elektromobile, Dreiräder, Krücken, Gehstöcke und Gehhilfen wie Rollatoren.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten wissen, ob Lendenwirbelstützen und andere Hilfsmittel für Erwachsene mit chronischen Schmerzen im unteren Rückenbereich dazu beitragen, Schmerzen und Funktionsbeeinträchtigungen zu verringern und die gesundheitsbezogene Lebensqualität zu verbessern. Außerdem interessierten uns die Sicherheit der Behandlungen, ob die Personen, die sie erhielten, sie als hilfreich empfanden, ob sie den Einsatz von Schmerzmitteln und Stürze reduzierten, sowie ihre Wirkungen auf Angstzustände, Depressionen und die Teilnahme an sozialen Aktivitäten.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen Menschen mit chronischen Schmerzen im unteren Rückenbereich entweder eine spezifische Rückenschmerzbehandlung oder die „übliche Versorgung“ (z. B. Schmerzmittel, allgemeine Physiotherapie, Aufklärung) oder gar keine Behandlung erhielten und die Ergebnisse der Gruppen miteinander verglichen wurden. Wir haben die Ergebnisse ähnlicher Studien zusammengefasst und unser Vertrauen in die Evidenz bewertet.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden acht Studien mit 501 Männern und Frauen im Alter von 25 bis 78 Jahren. Sie litten seit einem bis fünf Jahren an chronischen Schmerzen im unteren Rückenbereich. In allen Studien wurden Lendenwirbelstützen (z. B. Bandagen, Korsetts) untersucht. Fünf der Studien fanden in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen (Bangladesch, Iran, Türkei) statt, drei in Ländern mit hohem Einkommen (Japan, USA).

Hauptergebnisse
  • Lendenwirbelstützen allein haben im Vergleich zu keiner Behandlung nach drei Monaten möglicherweise nur eine geringe bis gar keine Wirkung auf Schmerzen und Funktionsbeeinträchtigung (1 Studie, 107 Teilnehmende).

  • Lendenwirbelstützen in Kombination mit Schmerzmitteln können möglicherweise nach drei bis vier Wochen zu einer leichten Verringerung der Schmerzintensität im Vergleich zu Schmerzmitteln allein führen, doch die Evidenz hinsichtlich der Funktionsbeeinträchtigung ist sehr ungewiss (2 Studien, 149 Teilnehmende).

  • Wir sind sehr unsicher hinsichtlich der Wirkungen einer Ergänzung von Bewegungstraining und Aufklärung (d. h. Vermittlung von Wissen über den Aufbau und die Bewegung des unteren Rückens, dessen Funktion bei alltäglichen Aktivitäten, häufige Erkrankungen, die zu Schmerzen im unteren Rückenbereich führen können, sowie verschiedene Behandlungsoptionen zur Bewältigung und Linderung der Symptome) durch Lendenwirbelstützen auf Schmerzen und Funktionsbeeinträchtigung nach sechs Wochen im Vergleich zu Bewegungstraining und Aufklärung allein (1 Studie, 24 oder 25 Teilnehmende).

  • Wir sind sehr unsicher hinsichtlich der Wirkungen einer Kombination aus Lendenwirbelstützen und allgemeiner Physiotherapie (einschließlich Ultraschall, schwacher elektrischer Ströme, Wärme sowie Übungen zur Verbesserung der Flexibilität und Steigerung der Kraft) auf Schmerzen und Funktionsbeeinträchtigung nach vier Wochen im Vergleich zu allgemeiner Physiotherapie allein (1 Studie, 41 Teilnehmende).

Was schränkt die Evidenz ein?
  • Insgesamt haben wir ein nur eingeschränktes Vertrauen in die Ergebnisse, und unsere Schlussfolgerungen könnten sich nach Durchführung weiterer Studien ändern.

  • Die wichtigste Einschränkung bestand darin, dass die Teilnehmenden und das medizinische Personal wussten, welche Behandlung sie erhielten. Auch wenn sich dies bei solchen Studien nicht vermeiden lässt, könnte es beeinflusst haben, wie die Teilnehmenden ihre Schmerzen oder Funktionsbeeinträchtigungen wahrnahmen und einschätzten.

  • Keine der Studien berichtete über unerwünschte Wirkungen der Behandlungen.

  • Die Merkmale der Teilnehmenden an den Studien wurden meist nicht ausführlich beschrieben. Es ist schwierig einzuschätzen, inwieweit sich die Ergebnisse auf die größere Gruppe von Menschen mit chronischen unteren Rückenschmerzen übertragen lassen.

  • Keine der Studien untersuchte Hilfsmittel zur Fortbewegung, wie Gehhilfen oder Rollstühle, obwohl diese häufig verordnet werden und möglicherweise Auswirkungen auf Schmerzen und Funktionsbeeinträchtigungen haben können. Diese Lücke in der Evidenz ist besonders für ältere Erwachsene und Menschen mit Behinderungen von Bedeutung.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Diese Evidenz ist auf den Stand von Januar 2025.

Arienti C, Lazzarini SG, Zaina F, Cordani C, Dal Farra F, Minozzi S, Kiekens C, Negrini S

Verbessert die Stimulation mehrerer Sinne (wie Hören, Tasten, Schmecken, Riechen) bei Frühgeborenen das Wachstum und die gesunde Entwicklung oder senkt sie das Sterberisiko?

4 weeks ago
Kernaussagen
  • Multisensorische Stimulation (die gleichzeitige Stimulation von mehr als einem Sinn) fördert möglicherweise das Wachstum von Frühgeborenen, indem sie die Gewichtszunahme vor der Entlassung aus dem Krankenhaus steigert. Es ist jedoch unklar, ob sie die längerfristige Entwicklung verbessert oder das Sterberisiko senkt, da die verfügbare Evidenz begrenzt und unsicher ist.

  • Im Vergleich zur Stimulation eines einzelnen Sinnes (nur Tastsinn) ist unklar, ob die multisensorische Stimulation die Gewichtszunahme während der Intervention besser fördert als die Stimulation des Tastsinns allein.

Was ist multisensorische Stimulation und wie funktioniert sie?

Multisensorische Stimulation bedeutet, Frühgeborenen Erfahrungen zu vermitteln, die zwei oder mehr ihrer Sinne anregen. Zu den beteiligten Sinnen und den verwendeten Stimulationsarten gehören:

  • Hören – die Stimme eines Elternteils, Gesang oder beruhigende Musik;

  • Tastsinn – Massage oder passive Bewegungen;

  • Geruchs- und Geschmackssinn – der Geruch der Mutter oder Muttermilch;

  • Gleichgewichtssinn – sanftes Schaukeln oder das Verändern der Position des Frühgeborenen;

  • Sehsinn – sanftes, zyklisch wechselndes Licht sowie einfache Formen, Farben oder sich bewegende Muster.

In der Neugeborenenphase wächst das Gehirn sehr schnell. Positive Sinneserfahrungen in dieser Zeit können Frühgeborenen in vielerlei Hinsicht helfen, beispielsweise indem sie das Gedächtnis fördern, bei der Regulierung von Emotionen unterstützen und das frühe Lernen sowie die Entwicklung verbessern.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob multisensorische Stimulation im Vergleich zur Stimulation eines einzelnen Sinnes oder zur Regelversorgung Frühgeborenen hilft, zu überleben, zu wachsen, gesund zu bleiben und sich gut zu entwickeln. Insbesondere wollten wir herausfinden, ob multisensorische Stimulation möglicherweise:

  • die Zahl der Kinder mit schweren Entwicklungsstörungen im korrigierten Alter von 18 bis 24 Monaten verringert, wie z. B. Zerebralparese, Entwicklungsverzögerungen, Einschränkungen der geistigen Fähigkeiten, Blindheit oder Taubheit;

  • die Zahl der Frühgeborenen verringert, die in der Neugeborenenphase oder vor der Entlassung aus dem Krankenhaus sterben;

  • die Gewichtszunahme der Frühgeborenen bis zu ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus steigert.

Wir untersuchten außerdem weitere wichtige Gesundheitsindikatoren der Frühgeborenen, darunter:

  • wie lange sie im Krankenhaus oder auf der Neugeborenen-Intensivstation (NICU) blieben;

  • wie lange es dauerte, bis sie vollständig über den Mund ernährt werden konnten;

  • wie viele Tage sie auf Atemunterstützung angewiesen waren.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen die multisensorische Stimulation vor der Entlassung des Frühgeborenen aus dem Krankenhaus nach der Geburt begann und in denen die multisensorische Stimulation verglichen wurde mit:

  • keiner Intervention oder der Regelversorgung;

  • der Stimulation eines einzelnen Sinnes.

Wir haben die Ergebnisse der Studien zusammengefasst und unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie der Studiengröße (Anzahl der eingeschlossenen Frühgeborenen) und den angewandten Methoden bewertet.

Was fanden wir heraus?

Wir haben 19 Studien (1.544 Frühgeborene) einbezogen. In 18 dieser Studien wurde die multisensorische Stimulation mit der Regelversorgung verglichen, und in einer Studie wurde die multisensorische Stimulation mit der Stimulation eines einzelnen Sinnes (nur Tastsinn) verglichen.

In 10 Studien bestand das Hauptziel darin, zu untersuchen, wie sich multisensorische Stimulation auf die Gehirn- und Verhaltensentwicklung der Frühgeborenen auswirkt.

Die übrigen neun Studien konzentrierten sich auf die Gewichtszunahme während der Intervention, die Gewichtszunahme vor der Entlassung aus dem Krankenhaus, die Aufenthaltsdauer auf der Neugeborenen-Intensivstation, die Gesamtdauer des Krankenhausaufenthalts, die Zeit bis zur vollständigen Ernährung über den Mund, die Anzahl der Tage mit Atemunterstützung oder eine Kombination dieser Messgrößen.

Wir fanden außerdem 13 laufende Studien und 4 Studien, die noch nicht abschließend beurteilt werden konnten. Diese könnten uns in Zukunft weitere nützliche Informationen liefern.

Hauptergebnisse

Keine der Studien, die multisensorische Stimulation mit der Regelversorgung verglichen, berichtete über den kritischen Endpunkt „schwere Entwicklungsstörung" im korrigierten Alter von 18 bis 24 Monaten. Nur eine Studie untersuchte einen verwandten Endpunkt, nämlich Zerebralparese im Alter von 12 Monaten. Da diese Studie sehr klein war, ist die Evidenz sehr unsicher, ob multisensorische Stimulation das Risiko einer Zerebralparese verändert.

Multisensorische Stimulation führt möglicherweise zu keinem oder nur einem geringen Unterschied hinsichtlich der Sterblichkeit vor der Entlassung aus dem Krankenhaus, obwohl dies nur in einer einzigen großen Studie berichtet wurde. Sie erhöht möglicherweise die Gesamtgewichtszunahme vor der Entlassung, doch ist der beobachtete Effekt gering und seine klinische Bedeutung bleibt unklar.

Im Vergleich zur Stimulation eines einzelnen Sinnes (Tastsinn) konnten wir nicht feststellen, ob die multisensorische Stimulation den Frühgeborenen half, während der Intervention mehr an Gewicht zuzunehmen. Die einzige Studie, die wir fanden, in der multisensorische Stimulation mit der Stimulation eines einzelnen Sinnes verglichen wurde, berichtete nicht über die kritischen Endpunkte, zum Beispiel schwere Entwicklungsstörungen im korrigierten Alter von 18 bis 24 Monaten, den Tod während des ersten Krankenhausaufenthalts oder die Gesamtgewichtszunahme vor der Entlassung.

Was schränkt die Evidenz ein?

Wir haben nur begrenztes Vertrauen in diese Ergebnisse, da viele der Studien klein oder nicht gut konzipiert waren. In mehreren Studien wurden die für uns besonders relevanten Endpunkte nicht berichtet oder es lagen nicht genügend Daten für eine Analyse vor. Aufgrund dieser Einschränkungen können die tatsächlichen Wirkungen multisensorischer Stimulation von unseren Ergebnissen abweichen.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz ist auf den Stand vom 28. November 2025.

Wróblewska-Seniuk K, Lenells M, Prescott MG, Fiander M, Soll RF, Bruschettini M, supported by Cochrane Sweden and Cochrane Neonatal

Schützt Magnesiumsulfat bei Frauen mit einem erhöhten Frühgeburtsrisiko das Gehirn ihres Ungeborenen besser als ein Placebo?

4 weeks ago
Kernaussagen

Die Verabreichung von Magnesiumsulfat an Frauen mit erhöhtem Frühgeburtsrisiko zum Schutz des Gehirns ihres ungeborenen Kindes verringert im Vergleich zu Placebo die Zahl der Zerebralparesen und den kombinierten Endpunkt Tod oder Zerebralparese bei ihren Kindern im Alter von bis zu zwei Jahren.

Künftige Forschungsarbeiten in diesem Bereich sollten sich speziell damit beschäftigen, wie sich die Behandlung auswirkt auf:

- Kinder, wenn sie Jugendliche und Erwachsene sind; und

- verschiedene Gruppen von Frauen mit Frühgeburtsrisiko und mit verschiedenen Arten der Verabreichung von Magnesiumsulfat.

Was ist Magnesiumsulfat?

Magnesiumsulfat ist ein weltweit gebräuchliches Arzneimittel und wird bei verschiedenen Komplikationen in der Schwangerschaft eingesetzt.

Warum ist dies für Frauen mit erhöhtem Frühgeburtsrisiko und deren ungeborenes Kind wichtig?

Frühgeborene (geboren vor der 37. Schwangerschaftswoche) haben ein höheres Risiko für Komplikationen wie Tod und Behinderungen, z. B. eine Zerebralparese. In den letzten Jahren wurde Magnesiumsulfat Frauen verabreicht, bei denen eine Frühgeburt zu erwarten war (aufgrund spontaner vorzeitiger Wehen oder eines medizinischen Grundes für eine frühzeitige Geburtseinleitung oder einen Kaiserschnitt), um das Gehirn des Kindes zu schützen und diese Komplikationen zu verhindern.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob Magnesiumsulfat das Gehirn von Kindern, die wahrscheinlich zu früh geboren werden, besser schützt als ein Placebo (eine Scheinbehandlung, die keinen Wirkstoff enthält, dem getesteten Medikament aber gleicht).

Wir interessierten uns für die Wirkungen von Magnesiumsulfat auf wichtige Endpunkte, darunter: Tod (der Säuglinge oder später im Kindesalter), Zerebralparese und schwere „neurologische Entwicklungsstörungen" (dazu können Endpunkte wie Zerebralparese, Blindheit, Taubheit oder globale kognitive oder intellektuelle Beeinträchtigungen gehören). Wir interessierten uns auch für die Auswirkungen auf wichtige Endpunkte für die Frauen, einschließlich schwerwiegender Komplikationen der Behandlung mit Magnesiumsulfat (Tod, Atem- oder Herzstillstand) und des Abbruchs der Behandlung aufgrund von Nebenwirkungen.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen untersucht wurde, ob Magnesiumsulfat im Vergleich zu Placebo oder keiner Behandlung Nutzen oder Schaden für Frauen und ihre Frühgeborenen mit sich bringt. Wir verglichen und fassten die Ergebnisse zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz, basierend auf Faktoren wie Studienmethoden und -größen.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden sechs Studien, an denen 5917 Frauen vor der 34. Schwangerschaftswoche und ihre 6759 Babys teilnahmen. Die Studien wurden alle in Ländern mit hohem Einkommen durchgeführt. In den einbezogenen Studien wurde Magnesiumsulfat mit einem Placebo verglichen.

Hauptergebnisse

Eine Behandlung mit Magnesiumsulfat hatte bei Frauen mit erhöhtem Frühgeburtsrisiko im Vergleich zu einer Placebo-Behandlung folgende Wirkungen:

- weniger Fälle von Zerebralparese (Evidenz aus 6 Studien mit 6107 Kindern) und des kombinierten Endpunkts Tod oder Zerebralparese (6 Studien, 6481 Kinder) bei Kindern im Alter von bis zu zwei Jahren;

- wahrscheinlich nur ein geringer oder gar kein Unterschied in der Anzahl an Todesfällen (6 Studien, 6759 Kinder), schweren neurologischen Entwicklungsstörungen (1 Studie, 987 Kinder) oder beim kombinierten Endpunkt Tod oder schwere neurologische Entwicklungsstörungen (3 Studien, 4279 Kinder) bei Kindern im Alter von bis zu zwei Jahren;

- möglicherweise nur ein geringer oder gar kein Unterschied bei den oben genannten Endpunkten bei Kindern im frühen Schulalter;

- möglicherweise nur ein geringer oder gar kein Unterschied in Bezug auf schwerwiegende Komplikationen der Behandlung für die Frauen (4 Studien, 5300 Frauen), aber wahrscheinlich eine höhere Anzahl an Frauen, die die Behandlung aufgrund von Nebenwirkungen abbrechen (3 Studien, 4736 Frauen).

Was schränkt die Evidenz ein?

Wir haben großes Vertrauen in das Ergebnis, dass Magnesiumsulfat die Zerebralparese und den kombinierten Endpunkt Tod oder Zerebralparese bei Kindern im Alter von bis zu zwei Jahren verringert.

Wir haben wenig Vertrauen in die Evidenz für die Endpunkte bei Kindern im Schulalter, da die Studien keine Daten für alle Kinder liefern konnten und es bislang nicht genügend Studien und Daten gibt, um sich der Ergebnisse sicher zu sein.

Wir haben wenig Vertrauen in unser Ergebnis, dass Magnesiumsulfat kaum oder keinen Unterschied bei schwerwiegenden Komplikationen der Behandlung für die Frauen macht, da in nur einer Studie ein einziger Fall einer Komplikation berichtet wurde. Wir haben ein moderates Vertrauen in unser Ergebnis, dass Frauen, die mit Magnesiumsulfat behandelt werden, wahrscheinlich eher die Behandlung aufgrund von Nebenwirkungen abbrechen. Die Ergebnisse in den einzelnen Studien fielen unterschiedlich aus, wahrscheinlich aufgrund unterschiedlicher Entscheidungsprozesse, die zum Abbruch führten.

Die Ergebnisse weiterer Forschungsarbeiten zu den Endpunkten, in die wir nur begrenztes Vertrauen haben, könnten von den Ergebnissen dieses Reviews abweichen.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand vom 17. März 2023.

Shepherd ES, Goldsmith S, Doyle LW, Middleton P, Marret S, Rouse DJ, Pryde P, Wolf HT, Crowther CA

Sollte Oxytocin, das zur Unterstützung der Geburt über die Vene gegeben wird, beendet oder weitergegeben werden, sobald die aktive Wehenphase beginnt?

1 month ago
Kernaussagen
  • Wenn eine Schwangere Oxytocin über eine Infusion in eine Vene erhält, um die Geburt einzuleiten oder voranzutreiben, macht es möglicherweise keinen oder nur einen geringen Unterschied für die Wahrscheinlichkeit eines Kaiserschnitts (Entbindung durch einen Schnitt am Bauch), ob das Oxytocin nach Beginn der aktiven Wehenphase abgesetzt oder bis zur Geburt des Kindes weitergegeben wird. Beide Vorgehensweisen scheinen für Mutter und Kind sicher zu sein.

  • Wenn das Oxytocin zu Beginn der aktiven Wehenphase abgesetzt wird, kann dies dazu beitragen, übermäßige Wehen zu vermeiden und die unnötige Gabe des Medikaments zu verringern. Allerdings kann sich dadurch die aktive Wehenphase möglicherweise verlängern. Dies ist jedoch sehr unsicher.

  • Ob Oxytocin weitergegeben oder abgesetzt wird, sollte gemeinsam mit dem medizinischen Fachpersonal entschieden werden. Dabei sollten die jeweilige Situation, darunter der Fortschritt der Geburt, Wehen und der aktuelle Zustand von Mutter und Kind, ebenso berücksichtigt werden wie die Möglichkeiten zur Überwachung von Mutter und Kind und die Wünsche der Frau.

Was ist Oxytocin?

Bei Schwangeren, die kurz vor dem Geburtstermin stehen (d. h. nach der 37. Schwangerschaftswoche), ist künstliches Oxytocin ein Medikament, um die für die Wehen notwendigen Kontraktionen der Gebärmutter (Wehentätigkeit) auszulösen oder diese zu verstärken. Es wird häufig über eine Infusion in eine Vene verabreicht. Sobald die aktive Wehenphase eingesetzt hat (d. h., der Muttermund mindestens 4 cm geöffnet (dilatiert) ist und regelmäßige Wehen auftreten), geht man davon aus, dass der Körper ausreichend natürliches Oxytocin produziert, damit die Geburt weiter voranschreitet. Wenn künstliches Oxytocin auch nach Beginn der aktiven Wehenphase weiter verabreicht wird, kann dies dazu führen, dass die Wehen zu häufig oder zu stark werden. Dadurch kann das Ungeborene belastet werden und möglicherweise die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass die Frau einen Kaiserschnitt benötigt.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten wissen, ob das Absetzen von Oxytocin nach Beginn der aktiven Wehenphase das Risiko eines Kaiserschnitts senkt und ob dies für die Mutter oder Neugeborene Vorteile oder Nachteile hat.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen die beiden Vorgehensweisen bei Frauen mit einer termingerechten Einlingsschwangerschaft (d. h. ein Baby, keine Zwillinge oder Drillinge) verglichen wurden, denen Oxytocin zur Einleitung oder zur Beschleunigung der Wehen verabreicht wurde, um herauszufinden, ob es besser ist:

  • das Oxytocin abzusetzen, sobald die aktive Phase der Wehen beginnt, oder

  • die Oxytocin-Gabe bis zur Geburt fortzusetzen?

Wir suchten nach Evidenz bis zum 17. November 2025. Wir haben die Studienergebnisse nach Möglichkeit zusammengefasst, um möglichst umfassende Informationen zu erhalten. Wir bewerteten, wie vertrauenswürdig jede Studie ist und wie sicher wir uns auf die Ergebnisse verlassen können, basierend auf Faktoren wie der Größe der Studien, ob sie gut konzipiert und durchgeführt wurden, sowie der Genauigkeit ihrer Ergebnisse.

Was fanden wir heraus?

Wir haben neun Studien mit insgesamt 4814 Frauen einbezogen. Die Studien fanden in Krankenhäusern in Dänemark, Frankreich, Indien, Iran, Israel, Thailand, der Türkei und den USA statt. In den Studien wurden verschiedene Definitionen der aktiven Wehenphase verwendet.

Hauptergebnisse

Das Absetzen von Oxytocin während der aktiven Phase der Wehen:

  • hat möglicherweise kaum oder gar keinen Einfluss auf die Anzahl der Kaiserschnittgeburten (8 Studien, 4.710 Frauen);

  • hat kaum oder gar keinen Einfluss auf die Anzahl der instrumentellen Entbindungen (5 Studien, 3.776 Frauen); und

  • verringert möglicherweise das Risiko von zu häufigen oder zu starken Wehen (sogenannte Uterustachysystolie oder Hyperstimulation) (3 Studien, 1.371 Frauen);

  • allerdings verlängert es die aktive Wehenphase möglicherweise um durchschnittlich etwa 35 Minuten. Dieses Ergebnis ist jedoch sehr unsicher (8 Studien, 4.141 Frauen).

Darüber hinaus besteht zwischen der Fortsetzung und dem Absetzen von Oxytocin in der aktiven Wehenphase:

  • wahrscheinlich kein deutlicher Unterschied hinsichtlich des Apgar-Scores (eine schnelle Beurteilung des Gesundheitszustands eines Neugeborenen nach der Geburt) (5 Studien, 2.096 Frauen);

  • kaum oder gar kein Unterschied hinsichtlich der Anzeichen einer verminderten Sauerstoffversorgung des Kindes vor der Geburt, gemessen anhand einer Untersuchung des Nabelschnurbluts nach der Geburt (6 Studien, 4.086 Frauen); und

  • kaum oder gar kein Unterschied hinsichtlich der Einweisung auf die Neugeborenenstation (7 Studien, 4.606 Frauen).

Was schränkt die Evidenz ein?

Die Zuverlässigkeit der Evidenz variierte stark. Wir waren uns hinsichtlich der Ergebnisse zu instrumentellen Geburten, einer verminderten Sauerstoffversorgung des Kindes vor der Geburt, sowie zur Einweisung auf die Neugeborenenstation sehr sicher. Hinsichtlich des Apgar-Scores sind wir uns moderat sicher. Bei den Ergebnissen zu Kaiserschnitt und Uterushyperstimulation waren wir etwas unsicher, bei den Ergebnissen zur Dauer der aktiven Wehenphase hingegen sehr unsicher. Einige Gründe für die Unsicherheit waren:

  • dass die Teilnehmenden wussten, in welcher Gruppe sie sich befanden, d. h., ob die Oxytocin-Gabe fortgesetzt oder abgebrochen wurde, was die Ergebnisse möglicherweise beeinflusst hat;

  • dass die Studien unterschiedliche Definitionen für die von ihnen berichteten Messgrößen verwendeten, wie z. B. die aktive Wehenphase, die Uterustachysystolie und die Uterushyperstimulation; und

  • dass die Dauer der Wehen bei den Schwangeren zwischen den Studien variierte.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand vom 17. November 2025.

Boie S, Uldbjerg N, Bor P, Thornton JG, Le Ray C, Glavind J, Goffinet F, Girault A

Können elektronische Zigaretten dabei helfen, mit dem Rauchen aufzuhören und haben sie unerwünschte Wirkungen, wenn sie für diesen Zweck verwendet werden?

1 month ago
Kernaussagen
  • Elektronische Zigaretten mit Nikotin (E-Zigaretten) können Menschen dabei helfen, mindestens sechs Monate lang mit dem Rauchen aufzuhören. Sie sind wirksamer als die Nikotinersatztherapie und wahrscheinlich auch wirksamer als E-Zigaretten ohne Nikotin.

  • E-Zigaretten wirken möglicherweise besser als gar keine Unterstützung oder eine rein verhaltensorientierte Unterstützung. Wir sind sehr unsicher, ob sie mit schwerwiegenden unerwünschten Wirkungen verbunden sind.

  • Wir benötigen jedoch mehr Erkenntnisse, insbesondere über die Wirkung neuerer E-Zigaretten, die Nikotin besser an den Körper abgeben als ältere Modelle. Eine bessere Nikotinabgabe könnte dazu beitragen, dass mehr Menschen mit dem Rauchen aufhören.

Was sind E-Zigaretten?

E-Zigaretten oder „Vapes“ sind Handgeräte, die eine Flüssigkeit erhitzen, die in der Regel Nikotin und Aromastoffe enthält. Bei E-Zigaretten wird das Nikotin nicht durch Rauch, sondern durch Dampf inhaliert. Da bei regulierten E-Zigaretten kein Tabak verbrannt wird, sind Nutzende weniger krankmachenden Schadstoffen ausgesetzt als Menschen, die herkömmliche Zigaretten rauchen.

Die Nutzung einer E-Zigarette wird häufig als „vapen“ (dampfen) bezeichnet. Viele Menschen nutzen E-Zigaretten als Hilfsmittel, um mit dem Rauchen von Tabak aufzuhören. Hier konzentrieren wir uns vor allem auf nikotinhaltige E-Zigaretten.

Was wollten wir herausfinden?

Der Verzicht auf das Rauchen senkt das Risiko vieler Krankheiten. Vielen Menschen fällt es schwer, mit dem Rauchen aufzuhören. Wir wollten herausfinden, ob die Nutzung von E-Zigaretten beim Rauchstopp helfen kann. Zudem wollten wir wissen, ob dabei unerwünschte Wirkungen auftreten.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, die den Einsatz von E-Zigaretten zum Rauchstopp bei Menschen jeden Alters untersuchten.

Wir waren daran interessiert, herauszufinden:

- wie viele Personen mindestens sechs Monate lang nicht rauchten; und

- wie viele Personen nach mindestens einer Woche Anwendung über unerwünschte Wirkungen berichteten.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 80 Studien mit insgesamt 29.861 rauchenden Erwachsenen. Die meisten Studien wurden in den USA (40 Studien) und im Vereinigten Königreich (16) durchgeführt. In den meisten Studien wurden nikotinhaltige E-Zigaretten verglichen mit:

  • Nikotinersatztherapie (z. B. Pflaster oder Kaugummi);

  • Medikamenten zum Rauchstopp (Vareniclin und Cytisin);

  • nikotinfreien E-Zigaretten;

  • Tabakerhitzer (Produkte, bei denen Tabak auf eine ausreichend hohe Temperatur erhitzt wird, sodass Dampf entsteht, ohne dass der Tabak verbrannt wird oder Rauch entsteht; im Unterschied zu E-Zigaretten wird dabei echter Tabak in Form von Tabakblättern verarbeitet);

  • oralen Nikotinbeuteln (Beuteln, die keinen Tabak enthalten, aber Nikotin freisetzen, wenn sie im Mund behalten werden);

  • andere Arten nikotinhaltiger E-Zigaretten (z. B. Pod-Geräte, neuere Geräte);

  • Beratung oder Betreuung (Verhaltensunterstützung); oder

  • keine Unterstützung beim Rauchstopp.

Was sind die Ergebnisse unseres Reviews?
  • Mit E-Zigaretten geben mehr Menschen das Rauchen für mindestens sechs Monate auf als mit einer Nikotinersatztherapie (11 Studien; 4.114 Personen);

  • Mit nikotinhaltigen E-Zigaretten hören wahrscheinlich mehr Menschen für mindestens sechs Monate mit dem Rauchen auf als mit E-Zigaretten ohne Nikotin (7 Studien, 1.918 Personen);

  • Nikotinhaltige E-Zigaretten helfen möglicherweise mehr Menschen dabei, mit dem Rauchen aufzuhören, als verhaltensorientierte Unterstützung oder gar keine Unterstützung (11 Studien, 7.214 Personen);

  • Von 100 Personen, die mit nikotinhaltigen E-Zigaretten versuchen, mit dem Rauchen aufzuhören, schaffen es etwa 8 bis 10. Zum Vergleich: Bei einer Nikotinersatztherapie schaffen es 6 von 100 Personen, bei E-Zigaretten ohne Nikotin ebenfalls wahrscheinlich 6 von 100 und bei keiner Unterstützung oder ausschließlich einer Verhaltensberatung möglicherweise 5 von 100;

  • Möglicherweise unterscheidet sich die Anzahl der unerwünschten Wirkungen bei der Verwendung nikotinhaltiger E-Zigaretten nicht von der bei einer Nikotinersatztherapie. Ob sie sich von der bei keiner Unterstützung oder ausschließlich einer Verhaltensberatung unterscheidet, ist sehr unsicher. Nicht schwerwiegende unerwünschte Wirkungen traten dort allerdings möglicherweise häufiger auf als bei Menschen, die keine Unterstützung oder ausschließlich eine Verhaltensberatung erhielten;

  • In Studien, in denen nikotinhaltige E-Zigaretten mit einer Nikotinersatztherapie verglichen wurden, wurden nur wenige unerwünschte Wirkungen berichtet, darunter auch nur wenige schwerwiegende. Im Vergleich zu nikotinhaltigen E-Zigaretten gibt es wahrscheinlich keinen Unterschied darin, wie häufig:

    • schwerwiegende unerwünschte Wirkungen bei Personen auftreten, die eine Nikotinersatztherapie anwenden;

    • nicht schwerwiegende unerwünschte Wirkungen bei Personen auftreten, die nikotinfreie E-Zigaretten verwenden.

Was schränkt die Evidenz ein?
  • Wir sind von der Aussagekraft der Ergebnisse überzeugt, dass nikotinhaltige E-Zigaretten mehr Menschen dabei helfen, mit dem Rauchen aufzuhören, als eine Nikotinersatztherapie. Für E-Zigaretten ohne Nikotin benötigen wir jedoch weitere aussagekräftige Studien.

  • Auch Studien, in denen nikotinhaltige E-Zigaretten mit Verhaltensberatung oder gar keiner Unterstützung verglichen wurden, zeigten, dass mehr Menschen mit nikotinhaltigen E-Zigaretten mit dem Rauchen aufhörten. Allerdings sind wir bei diesen Ergebnissen unsicherer, weil die Teilnehmenden wussten, welche Behandlung sie jeweils erhielten.

  • Die meisten unserer Ergebnisse zu den unerwünschten Wirkungen könnten sich ändern, sobald mehr Erkenntnisse vorliegen. In den Studien wurden oft nur wenige Fälle von unerwünschten Wirkungen berichtet und die Ergebnisse waren nicht eindeutig.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Dieser Review aktualisiert unseren vorherigen, im Jahr 2025 veröffentlichten Review. Wir werden ihn erneut aktualisieren, sobald neue Evidenz vorliegt. Die Evidenz ist auf dem Stand vom 1. Januar 2026.

Lindson N, Livingstone-Banks J, Butler AR, McRobbie H, Bullen CR, Hajek P, Wu AD, Begh R, Theodoulou A, Ma C, Notley C, Rigotti NA, Turner T, Fanshawe T, Hartmann-Boyce J

Welchen Nutzen und welche Risiken hat Koffein bei Atemproblemen von Neugeborenen, die wenige Wochen zu früh geboren wurden?

1 month 1 week ago
Kernaussagen
  • Nur eine Studie untersuchte, ob die Gabe von atemstimulierenden Medikamenten wie Koffein bei Neugeborenen, die wenige Wochen zu früh geboren wurden, dazu beitragen kann, Probleme mit niedrigen Sauerstoffwerten oder der Atmung zu verhindern oder zu verringern. Das bedeutet, dass wir nur über sehr wenig Evidenz zu ihrer Anwendung verfügen.

  • Koffein verringert möglicherweise die Häufigkeit von Sauerstoffmangel bei späten Frühgeborenen im Verlauf einer Woche nach Behandlungsbeginn. Wir sind sehr unsicher, ob es den Bedarf an Atemunterstützung (zum Beispiel durch Beatmungsgeräte) verringert oder unerwünschte Wirkungen verursacht.

  • Es sind weitere Untersuchungen erforderlich, um festzustellen, ob atemstimulierende Medikamente für Neugeborene, die wenige Wochen zu früh geboren wurden, hilfreich und sicher sind. Wir fanden einige Studien, die bald veröffentlicht werden und dazu beitragen werden, die Evidenz zu aktualisieren.

Was sind späte Frühgeborene?

Neugeborene, die wenige Wochen zu früh, zwischen der 34. und 36. Schwangerschaftswoche, geboren wurden, werden als „späte Frühgeborene" bezeichnet. Diese Frühgeborenen sind noch nicht so weit entwickelt wie termingerecht geborene Neugeborene (nach 37 Wochen oder 8,5 Monaten), und ihre Lungen sowie andere Organe können schwächer sein.

Was ist intermittierende Hypoxämie?

Manchmal kann der Sauerstoffgehalt im Blut für kurze Zeit absinken (ein Zustand, der als intermittierende Hypoxämie bezeichnet wird). Passiert das, fällt das Atmen schwer. Atembeschwerden können langfristige Probleme verursachen, indem sie das Gehirn schädigen.

Was sind Methylxanthine?

Methylxanthine sind Arzneimittel, die das Atmen erleichtern. Sie regen den Atemantrieb an, also den Impuls des Körpers, regelmäßig zu atmen, und erweitern zusätzlich die Atemwege. Koffein ist die am häufigsten verwendete Art von Methylxanthin, da es weniger unerwünschte Wirkungen hat als andere Arten.

Was wollten wir herausfinden?

Obwohl Methylxanthine wie Koffein häufig und erfolgreich zur Behandlung von Atemproblemen bei sehr frühgeborenen (vor der 32. Schwangerschaftswoche geborenen) Neugeborenen eingesetzt werden, kommen sie bei späten Frühgeborenen seltener zum Einsatz, und es ist unklar, ob diese Behandlung ihnen helfen kann. Wir wollten herausfinden, ob Methylxanthine besser als keine Behandlung oder eine Scheinbehandlung (Placebo) geeignet sind, um Probleme mit niedrigen Sauerstoffwerten oder der Atmung bei späten Frühgeborenen zu verhindern oder zu behandeln. Außerdem wollten wir wissen, ob diese Medikamente unerwünschte Wirkungen haben.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen Methylxanthine bei späten Frühgeborenen mit einem Placebo oder keiner Behandlung verglichen wurden. Wir suchten nach Studien, in denen Folgendes gemessen wurde:

  • wie oft bei den Neugeborenen ein niedriger Sauerstoffgehalt auftrat;

  • ob sie Unterstützung beim Atmen benötigten;

  • wie lange sie im Krankenhaus blieben;

  • ob die Behandlung unerwünschte Wirkungen hatte;

  • ob die Neugeborenen bis zur Entlassung aus dem Krankenhaus überlebten.

Wir untersuchten die Ergebnisse der einzigen Studie, die wir fanden. Wir fassten die Ergebnisse zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie der Anzahl der Neugeborenen in der Studie (Studiengröße) und den bei der Durchführung der Studie angewandten Methoden.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden eine Studie aus Neuseeland mit 132 spätgeborenen Frühgeborenen. In der Studie wurden verschiedene Koffein-Dosierungen mit einem Placebo verglichen. Es ergaben sich folgende Ergebnisse:

  • Koffein verringert möglicherweise die Häufigkeit von Sauerstoffmangel bei den Neugeborenen im Verlauf einer Woche nach Behandlungsbeginn.

  • Es ist unklar, ob Koffein bei anderen Problemen hilft, zum Beispiel dabei, Atemunterstützung zu vermeiden, oder ob es den Krankenhausaufenthalt verkürzt oder die Chancen erhöht, bis zur Entlassung aus dem Krankenhaus zu überleben.

  • Es ist unklar, ob Koffein unerwünschte Wirkungen verursacht.

  • Die Studie berichtete nicht über andere wichtige Endpunkte, wie die langfristige Entwicklung oder die Häufigkeit von Atemstillständen (Apnoe).

Wir fanden keine Studien, die untersucht haben, ob Methylxanthine bei diesen Neugeborenen zur Behandlung von Atemproblemen eingesetzt werden können, anstatt sie vorbeugend zu verabreichen.

Was schränkt die Evidenz ein?

Die größte Einschränkung besteht darin, dass wir nur eine Studie gefunden haben. Das bedeutet, dass wir uns hinsichtlich der Ergebnisse nicht sicher sein können. Die Studie berichtete nicht über alle Endpunkte, über die wir mehr wissen wollten, und einige Ergebnisse waren unklar. Unser Vertrauen in diese Ergebnisse ist sehr gering, da sie auf nur einer kleinen Studie beruhen und wir einige Bedenken hinsichtlich der Durchführung und Berichterstattung der Studie hatten. Zukünftige Forschungsarbeiten könnten diese Ergebnisse ändern.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf den Stand von Dezember 2025. Derzeit laufen fünf weitere Studien. Sobald diese abgeschlossen sind, könnten ihre Ergebnisse uns helfen, besser zu verstehen, ob Methylxanthine für spätgeborene Neugeborene hilfreich und sicher sind.

Bodrero E, Isaza-López MC, Pahl A, Fiander M, Soll RF, Bruschettini M, supported by Cochrane Sweden and the Cochrane Neonatal Review Group
Checked
6 hours 8 minutes ago
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