Cochrane Kompakt

Wie hilfreich und sicher sind verschiedene Formen der Ernährungsunterstützung für ältere Menschen im Krankenhaus mit Mangelernährung oder einem Risiko dafür?

1 day 16 hours ago
Kernaussagen
  • Im Vergleich zur üblichen Krankenhausversorgung senkt medizinische Spezialnahrung (rechtlich: Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke) möglicherweise das Sterberisiko und das Risiko schwerwiegender Krankheitskomplikationen im ersten Monat nach der Krankenhausaufnahme.

  • Bei der Fähigkeit, Alltagsfunktionen auszuführen, der Lebensqualität, der Länge des Krankenhausaufenthalts und beim Körpergewicht sind wir entweder sehr unsicher, welche Vor- und Nachteile die verschiedenen Formen der Ernährungsunterstützung haben, oder die Evidenz zeigt, dass sie im Vergleich zur üblichen Versorgung kaum oder gar keinen Unterschied bewirken.

  • Größere und gut konzipierte Studien, in denen verschiedene Arten der Ernährungsunterstützung miteinander verglichen werden, könnten unser Vertrauen in diese Ergebnisse stärken.

Was ist Mangelernährung?

Mangelernährung liegt vor, wenn die Aufnahme von Energie und Eiweiß nicht ausreicht, um den Bedarf des Körpers zu decken. Dadurch können die Fett- und Muskelreserven des Körpers abnehmen. Mangelernährung schwächt den Körper und beeinträchtigt die Fähigkeit des Immunsystems, Infektionen abzuwehren. Ältere Menschen mit Mangelernährung haben ein höheres Risiko für Krankheitskomplikationen, den Verlust ihrer Selbstständigkeit und den Tod als ältere Menschen ohne Mangelernährung. Auch ihre Lebensqualität ist schlechter.

Ältere Menschen können aus verschiedenen Gründen mangelernährt sein oder ein Risiko für Mangelernährung haben, zum Beispiel wegen Appetitlosigkeit, Problemen beim Kauen, körperlicher Einschränkungen oder Einsamkeit.

Ältere Menschen im Krankenhaus sind besonders gefährdet, eine Mangelernährung zu entwickeln. Möglicherweise essen und trinken sie nicht genug, obwohl ihr Bedarf an Energie und Eiweiß aufgrund ihrer Erkrankung erhöht ist. Etwa ein Drittel bis zwei Drittel der älteren Menschen im Krankenhaus sind von Mangelernährung betroffen oder haben ein entsprechendes Risiko.

Wie wird Mangelernährung behandelt?

Mangelernährung kann auf verschiedene Weise behandelt werden. Dazu gehören medizinische Spezialnahrung mit zusätzlicher Energie, Eiweiß und anderen Nährstoffen, Hilfe beim Essen und Trinken, zusätzliche Snacks, eiweißreiche Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel, Ernährungsberatung und individuell angepasste Kombinationen dieser Maßnahmen.

Was wollten wir herausfinden?

Bei älteren Menschen im Krankenhaus, die mangelernährt sind oder ein Risiko für Mangelernährung haben, wollten wir herausfinden, ob verschiedene Formen der Ernährungsunterstützung der Standardversorgung überlegen sind im Hinblick auf:

  • die Verminderung des Risikos für Todesfälle und schwerwiegende gesundheitliche Beeinträchtigungen (z. B. Komplikationen wie Infektionen oder Wundheilungsstörungen);

  • die Fähigkeit der Menschen zur Bewältigung grundlegender Alltagsaktivitäten und die Verbesserung ihrer Lebensqualität;

  • die Verkürzung des Krankenhausaufenthalts; und

  • die Zunahme von Körpergewicht und Muskelmasse.

Wir wollten auch wissen, welche Art der Ernährungsunterstützung am besten ist.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien mit Menschen ab 65 Jahren, die im Krankenhaus behandelt wurden und mangelernährt waren oder ein Risiko für Mangelernährung hatten. Wir schlossen Studien ein, in denen eine Form der Ernährungsunterstützung mit einer anderen verglichen wurde oder mit der üblichen Versorgung im Krankenhaus (also der normalen Krankenhausverpflegung), teils zusammen mit einer Scheinbehandlung, die genauso aussah wie die getesteten Nahrungsergänzungsmittel. Wir haben alle Maßnahmen zusammengefasst und miteinander verglichen. Wie sicher wir uns bei den Ergebnissen sind, haben wir unter anderem anhand der Studienmethoden und der Zahl der teilnehmenden Personen bewertet.

Was fanden wir heraus?

Wir haben 21 Studien mit insgesamt 3309 älteren Menschen im Krankenhaus mit verschiedenen akuten Erkrankungen gefunden. Wir haben die Ernährungsmaßnahmen, die sie erhielten, in fünf Kategorien unterteilt:

  • medizinische Spezialnahrung in flüssiger oder fester Form (Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke);

  • proteinreiche Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel;

  • energiereiche Ergänzungsprodukte;

  • individuelle Unterstützung beim Essen durch eine Pflegekraft, die zum Beispiel Essensvorlieben berücksichtigt, die Sitz- oder Liegeposition anpasst und beim Essen hilft;

  • eine individuell angepasste, umfassende Ernährungsbetreuung durch eine Diätassistenz oder Ernährungsfachkraft, die zum Beispiel Mahlzeiten anpasst oder berät.

Hauptergebnisse

Im Vergleich zur üblichen Krankenhausversorgung können spezielle Speisen und Getränke nach einem Monat im Krankenhaus möglicherweise:

  • das Sterberisiko senken (57 weniger Todesfälle pro 1000 älteren Menschen);

  • schwerwiegende Krankheitskomplikationen reduzieren (84 weniger pro 1000 älteren Menschen).

Im Vergleich zur Standardversorgung im Krankenhaus sind wir entweder sehr unsicher, wie sich medizinische Spezialnahrung, proteinangereicherte Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel, Energiezusätze, individuelle Unterstützung beim Essen und eine umfassende, individuell angepasste Ernährungsbetreuung auf folgende Endpunkte auswirken, oder diese Maßnahmen haben möglicherweise nur geringe oder gar keine Auswirkungen auf:

  • die Fähigkeit, alltägliche Grundverrichtungen auszuführen;

  • die Lebensqualität;

  • die Dauer des Krankenhausaufenthalts;

  • das Körpergewicht und die Muskelmasse.

Beim Vergleich der verschiedenen Formen der Ernährungsunterstützung zeigte sich nicht, dass eine davon bei den untersuchten Ergebnissen allen anderen überlegen war.

Was schränkt die Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Ergebnisse ist aus mehreren Gründen gering oder sehr gering. In einigen Studien wurden Methoden verwendet, die möglicherweise zu Fehlern in den Ergebnissen geführt haben. Viele Studien waren klein. Außerdem untersuchten sie nicht immer alle Aspekte, die für uns wichtig waren, etwa die Muskelmasse oder den direkten Vergleich verschiedener Formen der Ernährungsunterstützung. Zudem unterscheiden sich ältere Menschen im Krankenhaus stark hinsichtlich ihrer Erkrankungen und ihrer körperlichen Fähigkeiten. Deshalb konnten wir nicht beurteilen, wie sich die verschiedenen Formen der Ernährungsunterstützung bei unterschiedlichen Personen auswirken.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz entspricht dem Stand vom 2. Juli 2024.

Kiesswetter E, Schwarzer G, Stadelmaier J, Lohner S, Grummich K, Dagnelie PC, Beck AM, Beelen J, Botella-Carretero JI, Faxén-Irving G, Hickson M, Iff S, Johansen A, Sharma Y, Sorensen JM, Kaegi-Braun N, Wunderle C, Bongaerts B, Meerpohl JJ, Norman K,…

Welche Vorteile und Risiken hat eine Behandlung mit Melatonin bei Neugeborenen mit neonataler Enzephalopathie?

1 day 16 hours ago
Kernaussagen

- Die neonatale Enzephalopathie (eine Funktionsstörung des Gehirns in den ersten Lebenstagen) gehört zu den Hauptursachen für Tod und Behinderung bei Kindern.

- Unsere Übersichtsarbeit zeigte, dass die Evidenz für eine Behandlung mit Melatonin bei neonataler Enzephalopathie sehr unsicher ist.

- Es sind weitere Studien erforderlich, um zu beurteilen, ob Melatonin bei Neugeborenen mit neonataler Enzephalopathie eingesetzt werden sollte.

Was ist eine neonatale Enzephalopathie?

Die neonatale Enzephalopathie ist eine Störung der Gehirnfunktion in den ersten Lebenstagen. Sie wird durch Sauerstoffmangel oder eine verminderte Durchblutung des Gehirns vor oder um die Geburt herum verursacht. Nach einem Sauerstoff- oder Blutmangel können Gehirnzellen bei Neugeborenen noch lange weiter geschädigt werden, auch wenn die normale Versorgung bereits wiederhergestellt ist.

Wie sieht die übliche Behandlung der neonatalen Enzephalopathie aus?

Die übliche Behandlung der neonatalen Enzephalopathie umfasst eine intensivmedizinische Betreuung, meist auf einer Neugeborenen-Intensivstation. In Ländern mit hohem Einkommen, etwa den USA, Australien und Großbritannien, gehört auch eine Kühltherapie (therapeutische Hypothermie) dazu. Während in Ländern mit hohem Einkommen bei Neugeborenen mit mittelschwerer bis schwerer neonataler Enzephalopathie eine Kühltherapie (therapeutische Hypothermie) eingesetzt wird, gehört diese Behandlung in Ländern mit niedrigem bis mittlerem Einkommen nicht zur üblichen Versorgung.

Inwiefern könnte Melatonin Neugeborenen mit neonataler Enzephalopathie helfen?

Eine Behandlung mit Melatonin, einem Hormon, das der Körper selbst bildet, könnte weitere Schäden an den Gehirnzellen verhindern, wenn sie kurz nach der Geburt begonnen wird. Melatonin kann entweder oral oder über eine Infusion direkt in die Vene verabreicht werden. Wenn Melatonin wirksam wäre, könnte seine Gabe bei Neugeborenen mit neonataler Enzephalopathie dazu beitragen, dass mehr Kinder überleben und mehr Kinder ohne körperliche oder kognitive Beeinträchtigungen überleben.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten untersuchen, ob eine Behandlung mit Melatonin zu besseren Ergebnissen bei Neugeborenen mit neonataler Enzephalopathie führt. Wir verglichen zwei Behandlungsmöglichkeiten: Melatonin zusätzlich zur Kühltherapie mit der alleinigen Kühltherapie sowie Melatonin allein mit der Standardbehandlung ohne Kühltherapie.

Wie gingen wir vor?

Wir haben nach Studien gesucht, in denen die Wirkungen einer Behandlung mit Melatonin mit der Standardbehandlung (mit oder ohne Kühltherapie) bei Neugeborenen mit neonataler Enzephalopathie verglichen wurden. Wir fassten die Ergebnisse der Studien zusammen, verglichen sie und bewerteten die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz – zum Beispiel danach, wie gut die Studien geplant und durchgeführt wurden und wie viele Neugeborene daran teilgenommen haben.

Was waren unsere wichtigsten Ergebnisse?

Wir fanden vier Studien mit insgesamt 155 Teilnehmenden, in denen eine Behandlung mit Melatonin mit einer Standardbehandlung mit oder ohne Kühltherapie verglichen wurde.

Wir sind uns sehr unsicher, welche Wirkungen eine Behandlung mit Melatonin hat auf

  • den kombinierten Endpunkt aus Tod oder Behinderung, gemessen im Alter von 18 Monaten oder später;

  • Tod im ersten Lebensmonat;

  • Behinderung, gemessen im Alter von 18 Monaten oder später; und

  • Anomalien bei einer MRT-Untersuchung (Magnetresonanztomographie) des Gehirns (gemessen in den Bereichen der grauen und weißen Substanz des Gehirns) im ersten Lebensmonat.

In keiner Studie wurde über die Wirkungen einer Behandlung mit Melatonin berichtet auf

  • Multiorganversagen; oder

  • den Bedarf an Medikamenten gegen Krampfanfälle.

Insgesamt ist die Evidenz sehr unsicher. Daher können wir keine Schlussfolgerungen darüber ziehen, ob eine Behandlung mit Melatonin die Ergebnisse für Neugeborene mit neonataler Enzephalopathie verbessern kann oder nicht.

Was schränkt die Evidenz ein?

Wir haben nur vier kleine Studien in diese Übersichtsarbeit einbezogen. Viele der Endpunkte, die wir für wichtig erachteten, wurden nur teilweise oder gar nicht erwähnt. Daher wissen wir nicht, ob eine Behandlung mit Melatonin bei Neugeborenen mit neonataler Enzephalopathie besser wirkt als die Standardbehandlung mit oder ohne Kühltherapie.

Es sind weitere Studien nötig, um zu klären, wie sich Melatonin nach einer neonatalen Enzephalopathie auf wichtige gesundheitliche Endpunkte auswirkt.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von August 2025.

Hurley T, O'Dea M, Aslam S, Stewart PA, Aly H, Cooper C, Robertson NJ, Molloy E

Welche Vorteile und Risiken birgt die Anwendung von Lenacapavir zur Präexpositionsprophylaxe gegen HIV?

1 day 16 hours ago
Hauptaussagen
  • Im Vergleich zur täglich eingenommenen oralen Präexpositionsprophylaxe (PrEP) senkt Lenacapavir die Zahl der HIV-Neuinfektionen innerhalb von bis zu 52 Wochen deutlich stärker und verursacht möglicherweise etwas weniger schwerwiegende unerwünschte Wirkungen. Bei der Gesamtzahl unerwünschter Wirkungen und bei der Sterblichkeit zeigt sich kein oder nur ein sehr geringer Unterschied. Lenacapavir verursacht wahrscheinlich häufiger leichte bis mittelschwere Reaktionen an der Injektionsstelle als eine orale PrEP. (Anmerkung: Die Teilnehmenden der Kontrollgruppe erhielten zusätzlich zur oralen PrEP eine Placeboinjektion.)

  • Zukünftige Studien sollten auch andere Gruppen mit erhöhtem HIV-Risiko einbeziehen und untersuchen, ob sich Resistenzen gegen die PrEP entwickeln. Das bedeutet, dass sich das Virus im Laufe der Zeit so verändern kann, dass das zur Vorbeugung eingesetzte Medikament nicht mehr wirksam ist.

Was ist eine Präexpositionsprophylaxe gegen HIV?

Die Präexpositionsprophylaxe (PrEP) ist ein Medikament, das von HIV-negativen Menschen eingenommen wird, um das Risiko einer HIV-Infektion zu senken. HIV ist ein Virus, das durch Kontakt mit bestimmten Körperflüssigkeiten von Menschen mit HIV übertragen werden kann, zum Beispiel mit Blut oder sexuellen Flüssigkeiten. Jedes Jahr infizieren sich etwa 1,3 Millionen Menschen neu mit HIV. Deshalb ist die Vorbeugung von HIV eine wichtige globale Gesundheitsaufgabe. Die PrEP mit bestimmten antiviralen Medikamenten ist eine der wichtigsten Maßnahmen, um die Ausbreitung von HIV zu verhindern.

Zu den derzeit verfügbaren PrEP-Optionen gehören täglich einzunehmende Tabletten mit den Wirkstoffkombinationen Tenofovirdisoproxilfumarat/Emtricitabin (F/TDF) oder Tenofoviralafenamid/Emtricitabin (F/TAF) sowie Cabotegravir-Injektionen alle zwei Monate. Diese Medikamente zur Vorbeugung wirken nur, wenn sie regelmäßig angewendet werden: die Tabletten täglich und die langwirksame Cabotegravir-Injektion alle zwei Monate. Lenacapavir ist ein neueres langwirksames Medikament, das nur alle sechs Monate injiziert werden muss.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob Lenacapavir HIV-Infektionen besser vorbeugen kann als orale antivirale Medikamente (F/TDF und F/TAF), Cabotegravir, ein Placebo (Scheinmedikament) oder keine PrEP. Wir wollten auch wissen, ob Lenacapavir unerwünschte Wirkungen verursacht.

Wie gingen wir vor?

Wir haben nach Studien gesucht, in denen Lenacapavir mit oraler PrEP, Cabotegravir, einem Placebo oder keiner PrEP bei HIV-negativen Menschen mit erhöhtem HIV-Infektionsrisiko verglichen wurde.

Wir haben die Ergebnisse zusammengefasst und die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz auf der Grundlage der Studienmethoden und der Größe der Studien bewertet.

Was fanden wir heraus?

Wir haben zwei Studien gefunden, an denen 8660 Personen mit erhöhtem HIV-Infektionsrisiko teilnahmen. In beiden Studien wurde Lenacapavir über einen Zeitraum von 52 Wochen mit einer oralen PrEP verglichen. An den Studien nahmen jugendliche Mädchen, junge Frauen, Menschen unterschiedlicher Geschlechtsidentität sowie Männer, die Sex mit Männern haben, teil. Wir haben keine Studien gefunden, in denen Lenacapavir mit Cabotegravir verglichen wurde.

Lenacapavir verhinderte deutlich mehr neue HIV-Infektionen als die orale PrEP. Insgesamt war die Gesamtzahl unerwünschter Wirkungen in den Behandlungsgruppen ähnlich. Unter Lenacapavir kam es jedoch häufiger zu lokalen Reaktionen an der Injektionsstelle. Die Zahl der gemeldeten Todesfälle unterschied sich nicht zwischen Lenacapavir und oraler PrEP. Keiner der Todesfälle wurde auf eine der beiden Behandlungen zurückgeführt.

Was schränkt die Evidenz ein?

Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz ist für fast alle Ergebnisse hoch. Unsere Ergebnisse beruhen jedoch nur auf zwei Studien, die beide lediglich ein Jahr dauerten. Das reicht nicht aus, um die langfristigen Vorteile und Risiken von Lenacapavir zu beurteilen. Lenacapavir wurde in keiner Studie mit Cabotegravir, einem weiteren injizierbaren PrEP-Medikament, verglichen. Laufende Studien könnten helfen, die Wirkungen von Lenacapavir bei einer breiteren und vielfältigeren Gruppe von Menschen besser zu verstehen.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von Mai 2025.

Ebrahim S, Gloeck N, Adam Z, Tatz G, Nel J, Sinxadi PZ, Dawood H, Kredo T, Cohen K

Macht es einen Unterschied, ob der Blinddarm bei Verdacht auf Blinddarmentzündung minimalinvasiv über einen oder über mehrere Schnitte entfernt wird?

5 days 18 hours ago
Kernaussagen

• Die Behandlung einer Blinddarmentzündung erfolgt in der Regel durch minimalinvasive Chirurgie (laparoskopische Operation oder Schlüssellochchirurgie). Diese Operation kann mit mehreren Schnitten oder mit einem einzigen Schnitt durchgeführt werden. Derzeit gibt es keinen Konsens darüber, welcher Ansatz besser ist.

• Die Entfernung des Blinddarms über einen einzigen Schnitt führt wahrscheinlich zu einem besseren kosmetischen Ergebnis, also zu einem günstigeren optischen Erscheinungsbild des Bauches. Allerdings muss während des Eingriffs möglicherweise häufiger von der ursprünglich geplanten Vorgehensweise abgewichen werden: Es werden dann zwei oder mehr zusätzliche Schnitte nötig oder es muss auf eine offene Operation mit einem größeren Schnitt umgestellt werden.

• Das Risiko für Komplikationen ist wahrscheinlich ähnlich, unabhängig davon, ob der Blinddarm über einen einzigen oder über mehrere Schnitte entfernt wird. Die beiden Verfahren sind wahrscheinlich auch hinsichtlich der Dauer des Krankenhausaufenthalts, der Geschwindigkeit der Rückkehr zu normalen Aktivitäten und der Schmerzen in den ersten 24 Stunden nach der Operation vergleichbar.

Was ist eine Blinddarmentzündung und wie wird sie behandelt?

Eine Blinddarmentzündung ist eine Entzündung des Blinddarms, die verschiedene Ursachen haben kann. Wenn eine Blinddarmentzündung nicht behandelt wird, kann der Blinddarm platzen und zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustands führen. Die häufigste Behandlung einer Blinddarmentzündung ist die operative Entfernung des Blinddarms. Antibiotika können für manche Patientinnen und Patienten eine sinnvolle Alternative sein, doch den meisten wird weiterhin eine Operation empfohlen. Die Operation wird meist laparoskopisch durchgeführt, was auch als „Schlüssellochchirurgie” bekannt ist. Die Operation erfolgt über kleine Schnitte, durch die Instrumente und eine Videokamera in den Bauch eingeführt werden können.

Was wollten wir herausfinden?

Die laparoskopische Operation wird in der Regel über mehrere kleine Schnitte durchgeführt. Inzwischen hat sich jedoch gezeigt, dass sie auch über einen einzigen Schnitt möglich ist. Befürworter*innen dieser Technik gehen davon aus, dass sie für die Patient*innen und Patienten mit weniger Schmerzen verbunden ist. Deshalb wollten wir herausfinden:

1) Ist die Operation mit einem einzigen Schnitt mit weniger Schmerzen und einem besseren kosmetischen Ergebnis verbunden?

2) Ist die Operation mit einem einzigen Schnitt genauso sicher wie die mit mehreren Schnitten?

Wie sind wir vorgegangen?

Wir suchten nach randomisierten kontrollierten Studien, in denen die beiden Techniken zur Behandlung einer vermuteten Blinddarmentzündung verglichen wurden. Dabei werden die Teilnehmenden nach dem Zufallsprinzip einer von zwei oder mehr Behandlungsgruppen zugeteilt. Wir haben die Studienergebnisse verglichen und zusammengefasst und unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie Studienmethoden und Größe der Studien bewertet.

Was haben wir herausgefunden?

Wir fanden 11 Studien mit insgesamt 1373 Teilnehmenden: 689 wurden einer Operation mit einem einzigen Schnitt zugeteilt, 684 einer Operation mit mehreren Schnitten. Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz war niedrig bis moderat, dass die Patient*innnen in der Gruppe mit einem einzigen Schnitt ein besseres kosmetisches Ergebnis und eine ähnliche Häufigkeit unerwünschter Wirkungen hatten als in der herkömmlichen Gruppe mit mehreren Schnitten. In der Gruppe mit einem einzigen Schnitt war das Risiko höher, dass während der Operation auf mehrere Schnitte oder auf eine offene Operation mit einem größeren Schnitt umgestellt werden musste. Manchmal waren auch zusätzliche Schnitte nötig, um weitere Zugänge für den Eingriff zu schaffen. Es zeigte sich kein Unterschied bei den Schmerzen nach der Operation, bei der Zahl von Darm- oder Gefäßverletzungen, Wundinfektionen, Blutungen im Bauchraum, einem paralytischen Ileus (einer vorübergehenden Lähmung der Darmbewegung), der Dauer des Krankenhausaufenthalts oder der Zeit bis zur Rückkehr zu normalen Aktivitäten.

Was schränkt die Evidenz ein?

Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz ist gering bis moderat. Die geringe Vertrauenswürdigkeit der Evidenz ist darauf zurückzuführen, dass manche Ergebnisse in den Studien unterschiedlich gemessen wurden und dass die Studien nicht verblindet waren.Das bedeutet, dass die Teilnehmenden wussten, welche Art von Operation sie bekommen hatten. Dadurch kann es sein, dass sich Teilnehmende oder Behandlungsteam anders verhalten haben, weil die Gruppenzugehörigkeit bekannt war.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von 20. Januar 2024.

Irfan A, Rao A, Ahmed I

Welchen Nutzen und welche möglichen Schäden bringen Medikamente, die bei leicht erhöhtem Blutdruck eingesetzt werden?

5 days 18 hours ago
Kernaussagen
  • Bei Personen mit leicht erhöhtem Blutdruck, die weder an Herz-Kreislauf-Erkrankungen (z. B. einem bereits erlittenen Herzinfarkt) noch an damit verbundenen Risikofaktoren wie Diabetes leiden, senkt die Einnahme blutdrucksenkender Medikamente möglicherweise nicht das Sterberisiko oder die Wahrscheinlichkeit schwerwiegender Herz-Kreislauf-Ereignisse. Diese Aussage beruht auf Daten über einen Zeitraum von zwei bis fünf Jahren.

  • Blutdrucksenkende Medikamente senken möglicherweise das Schlaganfallrisiko (über den untersuchten Zeitraum von zwei bis fünf Jahren). Gleichzeitig erhöht sich jedoch möglicherweise das Risiko unerwünschter Wirkungen, die zum Abbruch der Behandlung führen.

  • Es bedarf weiterer Forschung, um die Effekte blutdrucksenkender Medikamente bei Personen mit leicht erhöhtem Blutdruck, aber ohne bestehende Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Risikofaktoren wie Diabetes, besser zu verstehen.

Was versteht man unter Bluthochdruck?

Bluthochdruck (Hypertonie) liegt vor, wenn der Blutdruck dauerhaft zu hoch ist.

Wie wird Bluthochdruck behandelt?

Abhängig vom Schweregrad und möglichen Begleiterkrankungen lässt sich Bluthochdruck oft durch eine gesunde Lebensweise behandeln – insbesondere durch eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige körperliche Aktivität. Häufig werden auch Medikamente verschrieben.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, welchen Nutzen und welche Risiken blutdrucksenkende Medikamente für Menschen haben, die nur einen leicht erhöhten Blutdruck (systolischer Blutdruck 140 bis 159 mmHg, diastolischer Blutdruck 90 bis 99 mmHg) haben. Dabei ging es um Personen, die ansonsten gesund sind und keine schweren Herz- oder Gefäßerkrankungen oder besondere Risikofaktoren für solche Krankheiten haben.

Wie gingen wir vor?

Wir haben Studien zu blutdrucksenkenden Medikamenten bei Personen mit milder Hypertonie untersucht, um herauszufinden, ob diese das Risiko für Todesfälle und schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse – wie Schlaganfall oder Herzinfarkt – verringern. Wir haben auch das Risiko unerwünschter Wirkungen untersucht. Wir fassten die Ergebnisse der Studien zusammen, verglichen sie und bewerteten die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz basierend auf Faktoren wie der Studienmethodik und der Größe der Studien.

Was fanden wir heraus?

Wir schlossen fünf Studien mit individuellen Daten von insgesamt 9124 Teilnehmenden ein. Davon erhielten 4593 blutdrucksenkende Medikamente, und 4531 erhielten ein Placebo (Scheinmedikament) oder keine Behandlung. Unsere Auswertung deutet darauf hin, dass blutdrucksenkende Medikamente das Risiko für Todesfälle oder schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen innerhalb von zwei bis fünf Jahren möglicherweise nicht senken. Blutdrucksenkende Medikamente senken möglicherweise das Schlaganfallrisiko. Eine dieser Studien befasste sich auch mit unerwünschten Wirkungen, die zum Abbruch der Studie führten. Da uns für diesen Endpunkt keine individuellen Teilnehmendendaten vorlagen, stützten wir uns auf die zusammengefassten Daten der Studie und bezogen alle 17.354 Teilnehmenden in die Analyse ein. Blutdrucksenkende Medikamente erhöhen möglicherweise das Risiko für unerwünschte Wirkungen, die zu einem Studienabbruch führen.

Hauptergebnisse

Bei Menschen mit leichtem Bluthochdruck, die weder an Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden noch entsprechende Risikofaktoren aufweisen, sollte sorgfältig abgewogen werden, ob das durch blutdrucksenkende Medikamente möglicherweise verringerte Schlaganfallrisiko die möglichen Nebenwirkungen dieser Therapie rechtfertigt.

Was schränkt die Aussagekraft der Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Evidenz ist gering, da die Studien nur einen Teil der für unsere Fragestellung maßgeblichen Personengruppe einbezogen, meist sehr klein angelegt waren und insgesamt zu wenige Studien vorliegen, um verlässliche Schlussfolgerungen zu ziehen. Eine der Studien, die ein geringeres Schlaganfallrisiko zeigte, untersuchte Menschen mit Nierenerkrankungen. Daher lässt sich das Ergebnis möglicherweise nicht auf alle Personen mit leichtem Bluthochdruck übertragen. Nur eine Studie berichtete über unerwünschte Wirkungen der Medikamente. Da uns keine individuellen Teilnehmendendaten vorlagen, konnten wir nicht nur die Personen mit leicht erhöhtem Blutdruck ohne Herz-Kreislauf-Erkrankungen auswerten, sondern mussten die Ergebnisse aller Teilnehmenden dieser Studie heranziehen.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von Juni 2024.

Wang D, Wright JM, Adams SP, Cundiff DK, Gueyffier F, Grenet G, Ambasta A

Was sind die Risiken und Vorteile der Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS) oder anderen nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) zur Vorbeugung von Darmkrebs in der Allgemeinbevölkerung?

6 days 18 hours ago
Kernaussagen
  • Ob die tägliche Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS) vor Darmkrebs schützt, ist bisher nicht eindeutig geklärt. Die Studien liefern unterschiedliche Ergebnisse. Klar ist jedoch: ASS erhöht das Risiko für schwerwiegende Blutungen außerhalb des Gehirns. Auch das Risiko einer Hirnblutung (hämorrhagischer Schlaganfall) steigt wahrscheinlich.

  • ASS hat wahrscheinlich keinen Einfluss auf die Anzahl neuer Darmkrebsfälle nach einer Nachbeobachtung von 5 bis 15 Jahren. Nach 15 Jahren senkt ASS möglicherweise die Zahl der neuen Darmkrebsfälle. Die Vertrauenswürdigkeit dieser Langzeit-Evidenz ist allerdings sehr gering.

  • ASS erhöht möglicherweise die Zahl der Todesfälle durch Darmkrebs nach 5 bis 10 Jahren leicht; nach mindestens 15 Jahren zeigt sich möglicherweise ein kleiner Vorteil bei der Darmkrebssterblichkeit. Allerdings sind diese langfristigen Ergebnisse sehr unsicher.

  • ASS hat wahrscheinlich keinen Einfluss auf die Gesamtzahl schwerwiegender unerwünschter Wirkungen, erhöht jedoch das Risiko schwerwiegender Blutungen außerhalb des Gehirns und wahrscheinlich auch das Risiko einer Hirnblutung (hämorrhagischer Schlaganfall).

  • Weitere Studien sind nötig, um die langfristigen Auswirkungen von ASS besser zu verstehen. Außerdem muss geklärt werden, ob auch andere entzündungshemmende Medikamente Darmkrebs vorbeugen können oder nicht.

Was ist Darmkrebs und was bedeutet Chemoprävention?

Darmkrebs, auch bekannt als kolorektaler Krebs, ist eine häufige und schwerwiegende Erkrankung. Manchmal entstehen vor diesem Krebs zunächst gutartige Wucherungen im Darm, sogenannte kolorektale Adenome, auch als Darmpolypen bekannt. Seit vielen Jahren interessieren sich Forschende für den Einsatz von Medikamenten zur Senkung des Risikos für Darmkrebs und Darmpolypen. Dieser Ansatz wird als Chemoprävention bezeichnet.

NSAIDs sind eine Gruppe von Medikamenten, die Entzündungen, Fieber und Schmerzen lindern und in niedriger Dosis auch zur Vorbeugung von Blutgerinnseln eingesetzt werden. ASS (z.B. Aspirin) und Ibuprofen sind Beispiele für häufig eingesetzte NSAIDs. Sie wurden zur Vorbeugung von Krebs untersucht, weil man annimmt, dass langfristige Entzündungen zur Entstehung von Tumoren beitragen können.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob ASS und andere NSAIDs bei der Prävention von Darmkrebs und Darmpolypen in der Allgemeinbevölkerung hilfreich oder schädlich sind.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, die als „randomisierte kontrollierte Studien” bekannt sind und in denen ASS oder andere NSAIDs entweder mit keiner Behandlung oder mit anderen Behandlungen zur Prävention von Darmkrebs und Darmpolypen in der Allgemeinbevölkerung verglichen wurden. Wir haben die Ergebnisse dieser Studien (soweit möglich) zusammengefasst und die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz anhand von Faktoren wie der Größe der Studien und der Qualität ihrer Methoden bewertet.

Was fanden wir heraus?

Wir haben 10 Studien gefunden, die untersuchten, ob ASS zur Vorbeugung von Darmkrebs in der Allgemeinbevölkerung beiträgt. An diesen Studien nahmen insgesamt 124.837 Personen teil. Die meisten davon fanden in Europa und Nordamerika statt, eine Studie wurde in Australien durchgeführt und zwei große Studien wurden in Japan durchgeführt. Sieben der Studien untersuchten niedrig dosiertes ASS (75 bis 100 mg täglich), drei untersuchten höhere Dosierungen.

Wir haben keine Studien zu den Wirkungen anderer NSAIDs auf das Risiko für die Entwicklung von Darmkrebs oder Darmpolypen gefunden.

Welche Wirkungen hat ASS auf die Entstehung von Darmkrebs?
  • ASS hat wahrscheinlich keinen Einfluss auf die Anzahl neuer Darmkrebsfälle nach 5 bis 15 Jahren. ASS verringert möglicherweise die Zahl neuer Darmkrebsfälle, wenn es über einen Zeitraum von 15 Jahren oder länger eingenommen wird. Allerdings sind diese langfristigen Ergebnisse sehr unsicher.

  • ASS führt möglicherweise nach 5 bis 10 Jahren zu einem leichten Anstieg der Todesfälle (eine Hypothese lautet, dass ASS das Wachstum von bereits bestehenden fortgeschrittenen Krebserkrankungen bei manchen Menschen beschleunigen könnte) und nach 10 bis 15 Jahren möglicherweise zu einem geringen oder gar keinem Unterschied in der Darmkrebssterblichkeit. Nach einer Nachbeobachtung von 15 Jahren oder mehr senkt ASS möglicherweise die Sterblichkeit. Allerdings sind diese langfristigen Ergebnisse sehr unsicher.

  • ASS hat möglicherweise keinen Einfluss auf die Anzahl neuer Darmpolypen innerhalb von 5 bis 10 Jahren Nachbeobachtung. Auch diese Ergebnisse sind sehr unsicher.

Was sind die Risiken der Einnahme von ASS zur Vorbeugung von Darmkrebs?
  • ASS hat wahrscheinlich keinen Einfluss auf die Gesamtzahl schwerwiegender unerwünschter Wirkungen.

  • ASS erhöht das Risiko schwerer Blutungen außerhalb des Gehirns.

  • ASS erhöht wahrscheinlich das Risiko für Hirnblutungen (hämorrhagische Schlaganfälle).

Wie zuverlässig ist die von uns gefundene Evidenz?

Wir sind sicher, dass das Risiko für schwere Blutungen außerhalb des Gehirns steigt. Die Vertrauenswürdigkeit der Ergebnisse zum Auftreten neuer Darmkrebserkrankungen nach 5 bis 15 Jahren, für schwerwiegende Nebenwirkungen und hämorrhagische Schlaganfälle ist moderat. Die Vertrauenswürdigkeit der anderen Ergebnisse ist gering bis sehr gering.

Drei Hauptfaktoren schränken die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz ein.

  • Es gab nicht genügend Studien, um die Ergebnisse abzusichern.

  • In einigen Studien wussten die Teilnehmenden möglicherweise, welche Behandlung sie erhielten, was die Ergebnisse beeinflussen könnte.

  • Nicht alle Studien lieferten Informationen zu allen Ergebnissen, an denen wir interessiert waren.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Diese Evidenz basiert auf Recherchen in medizinischen Datenbanken, die wir bis März 2025 durchgeführt haben.

Cai Z, Meng Y, Yang W, Han Y, Cao D, Zhang B

Welche Vor- und Nachteile hat antiseptische Nabelpflege bei Neugeborenen zur Vorbeugung von Infektionen und Todesfällen?

1 week 5 days ago
Kernaussagen
  • Das Auftragen von Chlorhexidin auf den Nabelschnurrest eines Neugeborenen senkt in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen wahrscheinlich das Risiko für Infektionen und möglicherweise auch das Sterberisiko. Die Zeit bis zum Abfallen des Nabelschnurrests verlängert sich durch Chlorhexidin wahrscheinlich um ein bis zwei Tage.

  • Für andere antiseptische Substanzen – etwa Alkohol, Povidon-Iod oder Silberverbindungen – ist die Datenlage deutlich unsicherer.

  • In Ländern mit hohem Einkommen ist kein eindeutiger Vorteil von Antiseptika gegenüber einer sauberen und trockenen Nabelpflege erkennbar. Antiseptika verzögern wahrscheinlich das Abfallen des Nabelschnurrests.

Warum ist die Pflege des Nabelschnurrests wichtig?

Nach der Geburt wird die Nabelschnur durchtrennt. Dabei bleibt ein kleiner Nabelschnurrest zurück, der meist innerhalb von fünf bis 15 Tagen austrocknet und von selbst abfällt. In dieser Zeit kann der Bereich leicht mit Bakterien von der Haut des Babys oder aus der Umgebung besiedelt werden. Da der Nabelschnurrest aus abgestorbenem Gewebe besteht, können sich dort Bakterien ansiedeln, was zu einer bakteriellen Entzündung der Haut rund um den Nabel führen kann (sogenannte Omphalitis ). In manchen Fällen können diese Bakterien in den Blutkreislauf des Babys gelangen und eine schwere Infektion im ganzen Körper verursachen, die Sepsis genannt wird. Das kann lebensbedrohlich sein – besonders an Orten mit schlechten hygienischen Bedingungen und eingeschränktem Zugang zu medizinischer Versorgung.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten wissen, ob das Auftragen von Antiseptika (Substanzen, die das Bakterienwachstum hemmen) auf den Nabelschnurrest das Risiko folgender Komplikationen verringert:

  • Tod,

  • Entzündung des Nabelschnurrests,

  • Veränderungen in der Dauer bis zum Abfallen des Nabelschnurrests, die Betreuungspersonen beunruhigen und ihre Pflege des Nabels beeinflussen können, meist jedoch harmlos sind.

Wir wollten außerdem wissen, ob diese Wirkungen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen anders ausfallen als in Ländern mit hohem Einkommen.

Wie gingen wir vor?

Wir werteten randomisierte kontrollierte Studien aus, in denen verschiedene Antiseptika – etwa Chlorhexidin, 70%iger Alkohol, Silbersulfadiazin und Povidon-Iod – entweder mit trockener Nabelpflege, also dem Sauber- und Trockenhalten des Nabelschnurrests, oder mit keiner Anwendung des jeweiligen Antiseptikums verglichen wurden.

Wir haben untersucht, wie sich diese Behandlungen auf Folgendes auswirkt:

  • Tod des Säuglings (innerhalb der ersten 28 Lebenstage),

  • Entzündung des Nabelschnurrests (Omphalitis),

  • Zeit bis zum Abfallen des Nabelschnurrests,

Wir haben die Qualität der Studien bewertet und die Ergebnisse in einer Metaanalyse zusammengefasst. Wir analysierten Studien aus Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen getrennt von Studien aus Ländern mit hohem Einkommen, da sich das Infektionsrisiko zwischen diesen Ländern unterscheidet.

Was fanden wir heraus?

Wir schlossen 18 Studien in diese Übersichtsarbeit ein – neun mehr als in der vorherigen Fassung aus dem Jahr 2013. Die Studien wurden sowohl in Ländern mit niedrigem als auch mit hohem Einkommen durchgeführt und umfassten 143.150 Neugeborene.

In Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen bewirkt die Anwendung von Chlorhexidin,

  • dass möglicherweise weniger Neugeborene sterben, nämlich 18 pro 1000 Neugeborenen ohne Chlorhexidin im Vergleich zu 15 pro 1000 mit Chlorhexidin; dieses Ergebnis ist jedoch unsicher.

  • dass sich wahrscheinlich seltener der Nabelschnurrest entzündet, nämlich bei 87 pro 1000 Neugeborenen ohne Chlorhexidin im Vergleich zu 62 pro 1000 mit Chlorhexidin;

  • Mit Chlorhexidin verlängert sich wahrscheinlich die durchschnittliche Zeit bis zum Abfallen des Nabelschnurrests um etwa 1,85 Tage.

In Ländern mit hohem Einkommen fanden wir für die Anwendung von Chlorhexidin:

  • Zu den Auswirkungen auf die Neugeborenensterblichkeit gibt es keine Daten.

  • Wir wissen nicht, ob Chlorhexidin Infektionen des Nabelschnurrests vorbeugt oder die Zeit bis zur Ablösung des Nabelschnurrests beeinflusst, da die Evidenz hierzu sehr unsicher ist.

In Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen bewirkt die Anwendung von 70%igem Alkohol:

  • Zu den Auswirkungen auf die Neugeborenensterblichkeit gibt es keine Daten.

  • Wir wissen nicht, ob Alkohol einer Infektion des Nabelschnurrests vorbeugt, da die Evidenz sehr unsicher ist.

  • Wir wissen nicht, ob Alkohol Einfluss auf die Zeit bis zum Abfallen des Nabelschnurrests hat, da die Evidenz hierzu sehr unsicher ist.

In Ländern mit hohem Einkommen bewirkt die Anwendung von 70%igem Alkohol:

  • Zu den Auswirkungen auf die Neugeborenensterblichkeit und Infektionen des Nabelschnurrests gibt es keine Daten.

  • Die durchschnittliche Zeit bis zum Abfallen des Nabelschnurrests verlängert sich wahrscheinlich um etwa 1,6 Tage.

Was schränkt die Evidenz ein?
  • Unser Vertrauen in die Evidenz für den Einsatz von Chlorhexidin zur Vorbeugung von Infektionen des Nabelschnurrests in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen ist moderat. Das liegt daran, dass die Teilnehmenden wussten, welche Behandlung sie erhielten, und dass sich die Studienbedingungen teilweise unterschieden. Unser Vertrauen in die Evidenz dafür, dass Chlorhexidin die Sterblichkeit bei Neugeborenen senkt, ist gering. Das liegt daran, dass sich die Ergebnisse der Studien unterschieden und der mögliche Effekt von einem geringen Nutzen bis zu keinem klaren Unterschied reicht. Unser Vertrauen in die Evidenz, dass Chlorhexidin dazu führt, dass der Nabelschnurrest etwas später abfällt, ist moderat.

  • Unser Vertrauen in die Evidenz für den Einsatz von Chlorhexidin in Ländern mit hohem Einkommen ist sehr gering, da nur eine einzige kleine Studie vorlag.

  • Was die Verwendung von Alkohol zur antiseptischen Nabelpflege in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen betrifft, ist unser Vertrauen in die vorhandene Evidenz sehr gering. Es wurden nur wenige Babys untersucht, und die Ergebnisse sind sehr unsicher. Daher wissen wir nicht, ob die antiseptische Nabelpflege mit Alkohol das Risiko für Nabelinfektionen oder die Zeit bis zum Abfallen des Nabelschnurrests beeinflusst.

  • In Ländern mit hohem Einkommen haben wir mäßiges Vertrauen in die Evidenz dafür, dass die antiseptische Nabelpflege mit Alkohol dazu führt, dass der Nabelschnurrest etwas später abfällt. Wir wissen jedoch nicht, ob Alkohol Nabelinfektionen vorbeugt oder die Sterblichkeit von Neugeborenen beeinflusst, da diese Endpunkte nicht untersucht wurden.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Dieser Review basiert auf der bis Dezember 2025 verfügbaren Evidenz und aktualisiert die vorherige Fassung dieses Reviews aus dem Jahr 2013.

Imdad A, Medina M, Cooper C, Bhutta ZA, supported by the Cochrane Neonatal Review Group

Welche Vorteile und Risiken hat Krafttraining für Menschen nach einem Schlaganfall?

1 week 6 days ago
Kernaussagen
  • Menschen nach einem Schlaganfall können an Krafttrainingsprogrammen teilnehmen, ohne dass dadurch zusätzliche Risiken erkennbar sind.

  • Menschen nach einem Schlaganfall können durch Krafttraining wahrscheinlich ihre Muskelkraft verbessern. Ihr Gleichgewicht verbessert sich möglicherweise leicht.

Was ist ein Schlaganfall?

Zu einem Schlaganfall kommt es, wenn die Blutzufuhr zu einem Teil des Gehirns unterbrochen wird. Dies führt zu Schädigungen in bestimmten Bereichen des Gehirns. Die Auswirkungen eines Schlaganfalls können lebensverändernd sein und hängen von der Schwere der Schädigung und der betroffenen Stelle im Gehirn ab. Die Folgen können sowohl körperlicher als auch psychischer Natur sein und nicht nur die Bewegungsfähigkeit, sondern auch das Denken, Verhalten und Empfinden der Betroffenen beeinträchtigen. Diese Folgen können nach einem Schlaganfall ein Leben lang anhalten. Eine mögliche körperliche Folge eines Schlaganfalls ist eine verminderte Ausdauer und Muskelkraft. Dadurch kann die Bewegungsfähigkeit eingeschränkt sein, was die Rückkehr zu wichtigen Alltagsaktivitäten erschweren kann.

Was geschieht während der Rehabilitation nach einem Schlaganfall?

Nach einem Schlaganfall erhalten viele Betroffene Rehabilitationsmaßnahmen, z. B. durch Physiotherapeut*innen oder andere Gesundheitsfachkräfte, um körperliche Einschränkungen im Alltag zu verringern. Diese Maßnahmen können verschiedene Arten von Übungen umfassen, z. B. Krafttraining. Bei diesem Krafttraining (auch Widerstandstraining genannt) trainieren die Betroffenen zum Beispiel mit Gewichten oder Gummibändern. Krafttraining kann die körperliche Fitness verbessern, indem es die Muskeln stärkt, die für Aktivitäten wie das Heben von Gegenständen, das Aufstehen oder das Gehen wichtig sind. Den Betroffenen wird oft auch empfohlen, die Übungen zu Hause fortzusetzen. Deshalb kann zur üblichen Rehabilitation nach einem Schlaganfall auch Krafttraining gehören.

Was wollten wir herausfinden?

Da die Muskelkraft nach einem Schlaganfall oft vermindert ist, könnte Krafttraining die körperliche Fitness verbessern und die körperlichen Folgen des Schlaganfalls verringern.

Wir wollten herausfinden, ob Krafttraining nach einem Schlaganfall nützlich ist – sowohl früh im Krankenhaus als auch später zu Hause. Konkret wollten wir herausfinden, ob Krafttraining nach einem Schlaganfall sicher ist, ob es die Muskelkraft verbessert, die Bewegungsfähigkeit (z. B. Gehen und Gleichgewicht) steigert, die Stimmung und Lebensqualität beeinflusst und ob es das Risiko für einen weiteren Schlaganfall verringert.

Wie sind wir vorgegangen?

Wir haben nach Studien gesucht, in denen Krafttraining bei Menschen nach einem Schlaganfall getestet wurde. Wir haben nur Studien berücksichtigt, in denen das Trainingsprogramm ausschließlich aus Krafttraining bestand. Studien, in denen auch andere Trainingsformen wie Ausdauertraining eingesetzt wurden, haben wir ausgeschlossen. Wir verglichen die Studienergebnisse, fassten sie zusammen und bewerteten die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz anhand von Faktoren, wie Studienmethoden und Anzahl der eingeschlossenen Personen.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 27 Studien mit 1004 Menschen nach einem Schlaganfall. Die meisten Teilnehmenden waren in der Lage zu gehen. Die meisten Krafttrainingsprogramme begannen mehr als sechs Monate nach dem Schlaganfall, und fast alle waren von kurzer Dauer (weniger als 12 Wochen). Die Krafttrainingsprogramme konnten von den meisten Menschen erfolgreich abgeschlossen werden. Bei diesen Programmen wurden verschiedene Trainingsgeräte verwendet, z. B. Fitnessgeräte, Gummibänder oder einfach das eigene Körpergewicht.

Hauptergebnisse

Teilnehmende konnten das Krafttrainingsprogramm absolvieren, ohne dass dies das Risiko für Verletzungen oder gesundheitliche Probleme erhöhte. Wir wissen nicht, ob Krafttraining kurz- oder langfristig vor einem weiteren Schlaganfall schützt oder einen frühen Tod verhindert.

Krafttraining verbessert wahrscheinlich die Muskelkraft in den betroffenen und nicht betroffenen Armen und Beinen. Das Gleichgewicht verbessert sich möglicherweise leicht. Das könnte das Sturzrisiko nach einem Schlaganfall senken. Das konnte aber nicht direkt bestimmt werden. Auf die Gehgeschwindigkeit wirkt sich Krafttraining wahrscheinlich nicht aus. Das könnte daran liegen, dass die Übungen zwar die Beine stärken, aber nicht speziell auf das Gehen ausgerichtet sind. Wir konnten nicht beurteilen, wie sich Krafttraining auf Beeinträchtigungen insgesamt und auf die Bewältigung von Alltagsaktivitäten auswirkt.

Über mögliche Auswirkungen auf das psychische Befinden weiß man bislang wenig, obwohl sie für Menschen nach einem Schlaganfall wichtig sein können. Daten aus einer Studie deuten darauf hin, dass Krafttraining sich möglicherweise positiv auf Depressionen auswirken könnte.

Was schränkt die Evidenz ein?

An den meisten Studien nahmen Menschen teil, die in der Lage waren zu gehen. Das bedeutet, dass bislang nur wenig über Menschen mit Schlaganfall bekannt ist, die in ihrer Mobilität stärker eingeschränkt sind.

Die meisten Studien fanden in Industrieländern mit hohem Einkommen statt. Das bedeutet, dass bislang nur wenig darüber bekannt ist, wie die Ergebnisse auf andere Regionen der Welt übertragbar sind.

Insgesamt gibt es viele Unklarheiten und nicht ausreichend Evidenz für die Auswirkungen von Krafttraining.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Dieser Review ist eine Aktualisierung einer früheren Review-Version, in der drei verschiedene Trainingsprogramme noch gemeinsam in einem Format behandelt wurden. Die Evidenz ist auf dem Stand von Januar 2024.

Saunders DH, Baker G, Cheyne JD, Cooper K, Fini NA, Kilgour AHM, Swinton PA, Williams G, Mead GE

Welchen Nutzen und welche Risiken haben die verschiedenen Stimulationstechniken des Akupunkturpunkts PC6 am Handgelenk zur Vorbeugung von Übelkeit und Erbrechen nach einer Operation?

2 weeks 1 day ago
Kernaussagen
  • Sowohl invasive (z. B. Nadelakupunktur) als auch nicht-invasive (z. B. Akupressurarmbänder) Stimulationstechniken des Akupunkturpunkts PC6 verringern möglicherweise in Kombination mit Antiemetika (Medikamente gegen Übelkeit) die Wahrscheinlichkeit von Übelkeit und Erbrechen nach einer Operation im Vergleich zu Scheinbehandlungen. Bei einer Scheinbehandlung wird z. B. ein Gerät an einer Stelle angebracht, die nicht zum Akupunkturpunkt PC6 gehört, oder es wird versucht, die Stimulation des Akupunkturpunkts PC6 zu imitieren. Es kann auch ein Placebo (Scheinmedikament - Kochsalzlösung) eingesetzt werden.

  • Die Kombination von nicht-invasiven Stimulationstechniken des Akupunkturpunkts PC6 mit Antiemetika vermindert wahrscheinlich den Bedarf an einer zusätzlichen medikamentösen Therapie im weiteren Verlauf. Ob die Stimulation des Akupunkturpunkts PC6 leichte Nebenwirkungen verursacht, ist unklar, weil in den Studien nur selten darüber berichtet wurde.

  • Es bedarf weiterer methodisch hochwertiger Studien, um den kombinierten Einsatz von Stimulationstechniken des Akupunkturpunkts PC6 und Antiemetika bei Kindern und in Ländern mit niedrigem Einkommen zu untersuchen.

Was sind postoperative Übelkeit und Erbrechen und wie werden diese behandelt?

Nach einer Operation unter Vollnarkose leiden viele Menschen unter Übelkeit und Erbrechen. Diese Beschwerden gehören zu den häufigsten Nebenwirkungen und können bei bis zu 80 von 100 Personen auftreten. Eine Vollnarkose sorgt dafür, dass man während der Operation bewusstlos ist und keine Schmerzen spürt. Antiemetika werden zur Vorbeugung dieser Symptome verabreicht, sind jedoch nur teilweise wirksam. Einige Antiemetika können Nebenwirkungen wie Schläfrigkeit oder Kopfschmerzen verursachen. In Studien wurden außerdem auch postoperative Komplikationen wie Wundinfektionen erfasst. Bei manchen Personen können Übelkeit oder Erbrechen trotz vorbeugender Behandlung gegen Übelkeit zu einem unerwartet längeren Krankenhausaufenthalt führen und mit weiteren Komplikationen verbunden sein. Die Stimulation des Akupunkturpunkts PC6 (Neiguan) am Handgelenk ist eine alternative Methode, die Übelkeit und Erbrechen möglicherweise lindern kann und dabei womöglich weniger Nebenwirkungen hat als herkömmliche Medikamente gegen Übelkeit.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, bei wie vielen Personen nach der Stimulation des Akupunkturpunkts PC6 am Handgelenk postoperative Übelkeit und Erbrechen auftraten und ob es unerwünschte Wirkungen gab. Außerdem wollten wir herausfinden, ob Stimulationstechniken des Akupunkturpunkts PC6, Antiemetika oder beides wirksamer waren als Scheinbehandlungen und welche Technik sich als am wirksamsten erwies.

Wie gingen wir vor?

Wir haben nach Studien gesucht, in denen die Teilnehmenden randomisiert einer Behandlungsgruppe zugewiesen wurden, die eine Stimulation des Akupunkturpunkts PC6 am Handgelenk mit oder ohne Antiemetika erhielten. Dabei wurde sichergestellt, dass die Teilnehmende nicht wussten, ob sie eine aktive oder inaktive Stimulation des Akupunkturpunkts PC6, ein Antiemetikum oder eine Kochsalzinjektion erhielten. Studien, in denen neben PC6 (Neiguan) am Handgelenk auch andere Akupunkturpunkte untersucht wurden, wurden ausgeschlossen. Wir haben direkte Ergebnisse (aus direkten Vergleichen) und indirekte Ergebnisse (aus Vergleichen über eine gemeinsame Vergleichsbehandlung) verschiedener Stimulationstechniken des Akupunkturpunkts PC6 am Handgelenk mit oder ohne Antiemetika verglichen und unser Vertrauen in die Evidenz auf Grundlage der Qualität der Studienmethoden und der Anzahl der Teilnehmenden bewertet.

Was fanden wir heraus?

Wir identifizierten 77 Studien mit 9847 Teilnehmenden, bei denen zwischen dem Aufwachen nach einer Operation in Lokal- oder Vollnarkose und der Entlassung das Risiko für postoperative Übelkeit und Erbrechen bestand. Die meisten Studien konzentrierten sich auf Erwachsene aus Ländern mit mittlerem bis hohem Einkommen.

  • Invasive PC6-Techniken (z. B. Nadelakupunktur) und nicht-invasive PC6-Techniken (z. B. Akupressurbänder) mindern möglicherweise postoperative Übelkeit und Erbrechen (135 bis 247 weniger Personen pro 1000 Personen).

  • Die Kombination von invasiven PC6-Techniken mit Antiemetika führt möglicherweise zu einer moderaten bis starken Verminderung von Übelkeit und Erbrechen nach einer Operation (203 bis 383 Personen weniger pro 1000 Personen).

  • Nichtinvasive Techniken zur Stimulation des Akupunkturpunkts PC6 in Kombination mit Antiemetika verringern wahrscheinlich den Bedarf an zusätzlichen Medikamenten, wenn die erste vorbeugende Behandlung nicht ausreicht (180 weniger von 1000 Personen).

  • In keiner der eingeschlossenen Studien wurden schwere oder langfristige Komplikationen beschrieben. Bei der Stimulation des Akupunkturpunkts PC6 treten möglicherweise leichte, vorübergehende Nebenwirkungen wie Hautreizungen, Blasenbildung, Rötungen und Schmerzen auf. Dieses Ergebnis ist jedoch sehr unsicher.

Was schränkt die Aussagekraft der Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Evidenz ist überwiegend gering. Das liegt unter anderem daran, dass sich die Studien in ihrer Qualität, in den eingeschlossenen Patientengruppen, in der Dauer der Behandlung und darin unterschieden, wann Übelkeit und Erbrechen nach der Operation beurteilt wurden. In vielen Studien wurden unerwünschte Wirkungen nicht konsequent erfasst oder berichtet. Die Ergebnisse weiterer gut konzipierter Studien in Ländern mit niedrigem Einkommen und mit Kindern könnten die Ergebnisse dieses Reviews möglicherweise ändern.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Dieser Review ist die Aktualisierung eines Reviews, der im Jahr 2015 veröffentlicht wurde. Die Evidenz ist auf dem Stand von Juni 2025.

Lee A, Zhang JZ, Xie J, Cheng V, Wong MKH, Yau DKW

Kann eine Opioidabhängigkeit genauso gut in der Primärversorgung wie in spezialisierten Sucheinrichtungen behandelt werden?

2 weeks 2 days ago
Kernaussagen

– Es ist unklar, ob sich die Behandlung von Menschen mit Opioidabhängigkeit in der Primärversorgung im Vergleich zu spezialisierten Suchteinrichtungen darin unterscheidet, wie lange sie im Behandlungsprogramm bleiben oder ob schwerwiegende unerwünschte Wirkungen auftreten. Die Primärversorgung führt möglicherweise eher dazu, dass am Ende der Behandlung nur verschriebene Opioide konsumiert werden.

– Die Vertrauenswürdigkeit dieser Ergebnisse ist gering oder sehr gering, vor allem weil die teilnehmenden Zentren der Primärversorgung und die opioidabhängigen Patient*innen eher untypisch waren, was eine Verallgemeinerung unserer Ergebnisse auf die meisten Einrichtungen der Primärversorgung und die meisten Menschen mit Opioidabhängigkeit schwierig macht.

Was ist eine Opioidabhängigkeit?

Einige Opioide werden als Schmerzmittel verschrieben, zum Beispiel Morphin, Oxycodon und Hydromorphon. Andere, wie Heroin und Fentanyl, werden auch illegal hergestellt und konsumiert. Fentanyl ist allerdings auch als verschreibungspflichtiges Medikament verfügbar. Bei einer Opioidabhängigkeit konsumieren Menschen wiederholt Opioide in einer Weise, die ihnen selbst oder anderen schaden kann. Häufige Anzeichen sind ein starkes Verlangen nach Opioiden und Entzugserscheinungen. Dazu gehören zum Beispiel Angst, Schweißausbrüche, Muskelschmerzen, Schlafprobleme, Übelkeit, Bauchschmerzen und depressive Verstimmungen.

Wie wird eine Opioidabhängigkeit behandelt?

Eine Opioidabhängigkeit wird in der Regel in spezialisierten Suchtkliniken behandelt, in denen oft mehrere Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Dies kann eine „Entgiftung“ (Unterstützung beim Entzug des Medikaments), Beratung und Hilfsleistungen (z. B. Unterstützung bei Wohnungs-, Beschäftigungs- oder Rechtsfragen) umfassen. Die wichtigste Behandlung ist jedoch eine medikamentöse Therapie. Meist werden langwirksame Opioide eingesetzt. Einige wirken an den Rezeptoren im Körper wie andere Opioide und lösen dort eine ähnliche Wirkung aus, zum Beispiel Methadon. Andere besetzen diese Rezeptoren zwar ebenfalls, aktivieren sie aber nur teilweise und wirken deshalb weniger stark, zum Beispiel Buprenorphin. Wenn zu diesem Zweck langwirksame Opioide verschrieben werden, spricht man von einer Opioidsubstitution.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob eine Opioidsubstitution in der Primärversorgung ähnliche oder bessere Ergebnisse erzielt als in einer spezialisierten Suchteinrichtung. Insbesondere wollten wir Unterschiede bei den folgenden Punkten ermitteln:

– die Fortsetzung der Behandlung („Therapietreue");

– kein zusätzlicher Opioidkonsum außerhalb der Substitution;

– das Auftreten schwerwiegender unerwünschter Wirkungen, zum Beispiel ein vorzeitiger Tod oder ein Krankenhausaufenthalt;

– Abbruch der Studienteilnahme aufgrund unerwünschter Wirkungen;

– Verbesserung der Lebensqualität;

– erhöhte Patientenzufriedenheit;

– vorzeitiger Tod jeglicher Ursache;

– vorzeitiger, Opioid-bedingter Tod (z. B. durch eine Überdosis);

– Krankenhauseinweisung oder Einlieferung in die Notaufnahme aus irgendeinem Grund;

– Inhaftierung aus irgendeinem Grund (Gefängnisstrafe oder Untersuchungshaft);

– leichtere unerwünschte Wirkungen (z. B. Entzugssymptome).

Warum könnte die Behandlung in der Primärversorgung von Vorteil sein?

Einrichtungen der Primärversorgung sind meist wohnortnah und damit leichter erreichbar. Die Behandlung in der Primärversorgung könnte weniger stigmatisierend sein. Regelmäßige Besuche in einer Einrichtung der Primärversorgung könnten außerdem mehr Gelegenheiten bieten, auch andere gesundheitliche Probleme zu besprechen und zu behandeln, die nicht mit der Opioidabhängigkeit zusammenhängen.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen eine Opioidsubstitution in der Primärversorgung mit einer Opioidsubstitution in einer auf Suchterkrankungen spezialisierten Einrichtung verglichen wurde. Wir haben die methodische Qualität der Studien bewertet und ihre Ergebnisse zusammengefasst.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden sieben Studien mit 1952 Erwachsenen mit Opioidabhängigkeit, die entweder in einer Einrichtung der Primärversorgung oder in einer spezialisierten Suchteinrichtung behandelt wurden. Fünf Studien fanden in den USA, eine in Frankreich und eine in der Ukraine statt. Das Durchschnittsalter der Teilnehmenden lag bei 38 Jahren und drei von vier Teilnehmenden waren Männer. Die Studien schlossen Menschen mit einem „hohen Risiko“ aus, zum Beispiel Schwangere, obdachlose Menschen, Menschen mit Alkoholabhängigkeit oder mit anderen psychischen Erkrankungen.

Es ist unklar, ob sich die beiden Gruppen darin unterschieden, wie lange die Teilnehmenden im Behandlungsprogramm blieben (7 Studien, 1952 Personen). Menschen in der Primärversorgung verzichteten möglicherweise eher auf nicht verschriebene Opioide als Menschen in spezialisierten Suchteinrichtungen (5 Studien, 428 Personen). Ob es Unterschiede bei schwerwiegenden unerwünschten Wirkungen gab, ist unklar (1 Studie, 93 Personen).

Personen in der Primärversorgung sind möglicherweise zufriedener mit ihrer Behandlung als diejenigen, die in einer spezialisierten Suchteinrichtungen behandelt werden. Es gab allerdings keine eindeutigen Unterschiede in Bezug auf Lebensqualität, vorzeitigen Tod jeglicher Ursache und leichteren unerwünschten Wirkungen. Zu den anderen Punkten, die uns interessierten, gab es keine Informationen.

Was schränkt die Aussagekraft der Evidenz ein?

Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz ist insgesamt gering, vor allem weil die betroffenen Menschen und die Einrichtungen der Primärversorgung eher untypisch waren. Die eingeschlossenen Personen hatten eher ein geringeres Risiko und waren stabiler als viele Menschen mit Opioidabhängigkeit im Versorgungsalltag. Außerdem hatten die Einrichtungen der Primärversorgung oft schon Erfahrung mit dieser Behandlung oder Zugang zu spezialisierten Fachkliniken – das ist nicht überall so. Es ist unklar, ob sich diese Ergebnisse auf die meisten Menschen mit Opioidabhängigkeit übertragen lassen, da manche von ihnen weniger stabil sind oder ein höheres Risiko haben. Auch ist unklar, ob die Ergebnisse für die meisten Ärztinnen und Ärzte in der Primärversorgung gelten, da viele nur wenig oder keine Erfahrung in der Behandlung von Opioidabhängigkeit haben.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von 7. März 2025.

Perry D, Kirkwood JEM, Doroshuk ML, Kelmer M, Korownyk CS, Ton J, Garrison SR

Ist es für Erwachsene mit mehreren lebensbedrohlichen Verletzungen, die eine Tracheotomie benötigen, besser, den Eingriff früh oder später durchzuführen?

3 weeks ago
Kernaussagen
  • Bei Erwachsenen mit mehreren lebensbedrohlichen Verletzungen zeigt eine einzelne qualitativ hochwertige Studie, dass es möglicherweise kaum einen Unterschied macht, ob eine Tracheotomie innerhalb von neun Tagen nach der Intubation oder erst ab dem 10. Tag durchgeführt wird. Dabei wird operativ eine Öffnung in der Luftröhre geschaffen, damit die Atmung über einen Schlauch direkt durch den Hals unterstützt werden kann. Dies gilt für die Sterblichkeit, die Dauer des Aufenthalts auf der Intensivstation und die Zahl der Lungeninfektionen. Diese Ergebnisse sind jedoch sehr unsicher.

  • Auch Ergebnisse aus weniger verlässlichen Studien, in denen die Patientinnen und Patienten nicht per Zufall auf die Behandlungsgruppen verteilt wurden, deuten darauf hin, dass eine Tracheotomie innerhalb von neun Tagen die Sterblichkeit und die Zahl beatmungsbedingter Lungeninfektionen kaum oder gar nicht beeinflusst. Sie kann aber möglicherweise den Aufenthalt auf der Intensivstation verkürzen. Auch diese Ergebnisse sind sehr unsicher.

  • Es ist ungewiss, wann der beste Zeitpunkt für eine Tracheotomie bei Menschen mit mehreren lebensbedrohlichen Verletzungen ist. Damit man verlässlicher beurteilen kann, ob eine frühe oder spätere Tracheotomie besser ist, braucht es weitere gut gemachte Studien, in denen die Teilnehmenden per Zufall verschiedenen Behandlungen zugeteilt werden.

Was ist eine Tracheotomie?

Bei einer Tracheotomie wird am Hals eine Öffnung zur Luftröhre gemacht. Dort wird ein Schlauch eingesetzt, über den die Atmung unterstützt wird. Wenn Menschen länger beatmet werden müssen, kann eine Tracheotomie gegenüber einem Beatmungsschlauch durch Mund oder Nase sicherer und angenehmer sein. Eine Tracheotomie kann jedoch auch Komplikationen verursachen, zum Beispiel Infektionen oder einen Verschluss der Luftröhre.

Tracheotomien können „früh“ oder „spät“ nach Beginn einer künstlichen Beatmung durchgeführt werden. „Früh“ bedeutet oft innerhalb der ersten neun Tage nach der Intubation und „spät“ nach 10 Tagen oder später.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob bei Erwachsenen mit mehreren lebensbedrohlichen Verletzungen eine frühe Tracheotomie besser ist als eine späte Tracheotomie, um die folgende Kriterien zu verbessern:

  • die Gesamtsterblichkeitsrate;

  • die Aufenthaltsdauer auf der Intensivstation;

  • die Lebensqualität;

  • die Zahl der Menschen, die ein Lungenproblem entwickeln;

  • die Anzahl der Personen mit unerwünschten Wirkungen;

  • die Zeit zwischen dem Einsetzen und dem Entfernen des Beatmungsschlauchs.

Wie sind wir vorgegangen?

Wir haben nach Studien gesucht, die eine frühe und späte Tracheotomie bei Erwachsenen mit mehreren lebensbedrohlichen Verletzungen verglichen. Wir haben die Ergebnisse zusammengefasst und verglichen sowie das Vertrauen in die Evidenz auf der Grundlage von Faktoren wie Studienmethoden und Größe der Studien bewertet.

Was haben wir herausgefunden?

Wir haben eine qualitativ hochwertige Studie mit 60 Personen und 22 qualitativ weniger hochwertige Studien mit 44.811 Personen gefunden. Insgesamt wurde bei 16.360 Menschen eine frühe Tracheotomie durchgeführt. Das Durchschnittsalter der Teilnehmenden lag bei 46,7 Jahren. In den Studien wurde eine frühe Tracheotomie unterschiedlich definiert und variierte zwischen 48 Stunden und 10 Tagen nach der Intubation. Wir waren vor allem daran interessiert, die Tracheotomie innerhalb von neun Tagen nach der Intubation mit der Tracheotomie nach 10 Tagen oder später zu vergleichen, sodass unser Hauptvergleich nur Studien umfasste, die diese Definition verwendeten (die qualitativ hochwertige Studie und fünf Studien von geringerer Qualität).

Ergebnisse unseres Hauptvergleichs

Die Evidenz aus der qualitativ hochwertigen Studie deutet darauf hin, dass eine frühe Tracheotomie im Vergleich zu einer späten Tracheotomie geringe bis gar keine Auswirkungen auf die Sterblichkeit, die Aufenthaltsdauer auf der Intensivstation und die Zahl der Lungeninfektionen haben könnte. Allerdings sind diese Ergebnisse sehr unsicher.

Die Evidenz aus den Studien von geringerer Qualität deutet darauf hin, dass eine frühe Tracheotomie im Vergleich zu einer späten Tracheotomie geringe bis gar keine Auswirkungen auf die Sterblichkeit und die Zahl der durch den Einsatz eines Beatmungsgeräts verursachten Lungeninfektionen haben könnte. Möglicherweise verkürzt sich aber die Aufenthaltsdauer der Menschen auf der Intensivstation. All diese Ergebnisse sind sehr unsicher.

In unserem Hauptvergleich untersuchte keine der Studien die Lebensqualität, unerwünschte Wirkungen oder die Dauer, die die Trachealkanüle liegen blieb.

Was schränkt die Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Evidenz für alle Endpunkte ist aufgrund der Unterschiede zwischen den Studien und den Bedenken hinsichtlich der verwendeten Methoden begrenzt. Da sich die Definitionen für eine frühe Tracheotomie in den berücksichtigten Studien stark unterschieden, war es schwierig, die Ergebnisse direkt zu vergleichen.

Es braucht gut geplante Studien mit einheitlichen Definitionen, um die Auswirkungen verschiedener Zeitpunkte für eine Tracheotomie zuverlässig untersuchen zu können. So ließe sich feststellen, ob bestimmte Zeitpunkte mehr dazu beitragen, das Überleben und die Genesung zu verbessern und Komplikationen zu verringern.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand vom 15. März 2024.

Ansems K, Steinfeld E, Skoetz N, Aleksandrova E, Metzendorf MI, Breuer T, Benstoem C, Dohmen S

Welche Vorteile und Risiken haben die verschiedenen Behandlungen der analen intraepithelialen Neoplasie (abnorme Zellen in der Schleimhaut des Afters und der Haut um den After)?

3 weeks 1 day ago
Kernaussagen

• Für die anale intraepitheliale Neoplasie (AIN) gibt es mehrere Behandlungsmöglichkeiten. Keine Behandlung erwies sich als besser als die anderen, wenn es darum ging, AIN zu entfernen oder ein Wiederauftreten der Erkrankung zu verhindern.

• Insgesamt entwickeln nur wenige Menschen mit AIN Analkrebs. Menschen, die wegen AIN behandelt werden, haben jedoch möglicherweis ein geringeres Risiko, an Analkrebs zu erkranken.

Was ist eine anale intraepitheliale Neoplasie?

Eine anale intraepitheliale Neoplasie (AIN) ist eine seltene Erkrankung der Haut am After oder der Schleimhaut des Analkanals. Ursache ist eine Infektion mit dem humanen Papillomavirus (HPV). Bestimmte Personengruppen haben ein höheres Risiko für AIN, darunter Menschen mit HIV, Männer, die Sex mit Männern haben, und Menschen mit einem geschwächten Immunsystem. AIN verursacht oft keine Beschwerden. Sie kann aber Juckreiz, Blutungen oder das Gefühl einer Schwellung am After auslösen. AIN ist kein Krebs. Es wird jedoch angenommen, dass sich die abnormen Zellen zu Analkrebs entwickeln können (einem Plattenepithelkarzinom).

Wie wird eine anale intraepitheliale Neoplasie behandelt?

Es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten für AIN. AIN kann operativ entfernt oder mit Hitze behandelt werden, zum Beispiel mithilfe der Infrarotkoagulation oder der Elektrokauterisation. Dabei wird das veränderte Gewebe durch Hitze oder elektrischen Strom gezielt zerstört oder verödet. AIN kann auch mit Salben, Gelen oder Cremes behandelt werden, die direkt auf die betroffene Stelle aufgetragen werden. Dazu gehört Imiquimod, ein Medikament, das das Immunsystem anregt. Auch eine Salbe mit Fluorouracil kann eingesetzt werden. Sie soll das Wachstum der veränderten Zellen stoppen.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, welche Behandlungen am besten dabei helfen, AIN zu entfernen, die Entstehung von Analkrebs zu verhindern und das humane Papillomavirus (HPV) zu beseitigen. Wir wollten auch wissen, ob die Behandlungen irgendwelche unerwünschten Wirkungen verursachen.

Wie gingen wir vor?

Wir haben nach Studien gesucht, die verschiedene Behandlungsmethoden für AIN und die Entwicklung von Krebs untersucht und verglichen haben. Wir verglichen die Ergebnisse und fassten sie zusammen. Außerdem bewerteten wir die Vertrauenswürdigkeit die Evidenz auf der Grundlage von Faktoren, wie Studienmethoden, Präzision und Größe der Studien.

Was fanden wir heraus?

Wir haben fünf Studien mit 4907 Teilnehmenden gefunden, die die Einschlusskriterien erfüllten. Alle Teilnehmenden waren Menschen mit HIV. Die meisten waren Männer und im Median 45 bis 51 Jahre alt. Die Studien wurden in den USA, Spanien, Großbritannien und den Niederlanden durchgeführt.

Die wichtigsten Ergebnisse stammen aus einer Studie, in der eine durch hochauflösende Anoskopie gesteuerte Behandlung mit aktiver Überwachung verglichen wurde. Die hochauflösende Anoskopie ist eine Untersuchung, bei der mit einer stark vergrößernden Kamera auffällige Bereiche im oder um den After erkannt werden sollen. Die Studie umfasste 4446 Teilnehmende und untersuchte hauptsächlich die Entwicklung von Analkrebs. Die Forschenden stellten fest, dass nur wenige Menschen mit AIN an Analkrebs erkrankten. Bei Menschen, die wegen AIN behandelt wurden, ist das Risiko für Analkrebs jedoch möglicherweise geringer als bei Menschen, die nur aktiv überwacht wurden. Die Evidenz ist jedoch sehr unsicher.

Im Verlauf der Studie wurden 124 Teilnehmende auch zu ihrer gesundheitsbezogenen Lebensqualität befragt. Forschende fanden heraus, dass die Gruppe mit aktivem Monitoring über eine Verschlechterung der psychischen Gesundheit innerhalb der ersten 28 Tage nach Studienbeginn berichtete, während die Behandlungsgruppe im gleichen Zeitraum über keine Veränderung der Lebensqualität berichtete. Die Evidenz ist jedoch sehr unsicher.

Zwei Prozent (43 von 2227) der Teilnehmenden in der Behandlungsgruppe und 0,2 % (4 von 2219) in der Gruppe mit aktivem Monitoring berichteten über unerwünschte Ereignisse, meist leichte Schmerzen. Die Evidenz ist jedoch sehr unsicher.

In der Studie wurden andere wichtige Endpunkte, die uns interessierten, nicht untersucht. Dazu gehörten zum Beispiel, ob AIN oder das humane Papillomavirus beseitigt wurden, ob die AIN weniger schwer wurde oder ob AIN erneut auftrat.

Einzelheiten zu den Behandlungen und die Ergebnisse der anderen vier Studien sind im Volltext des Reviews zu finden.

Was schränkt die Evidenz ein?

Alle Teilnehmenden der Studien waren an HIV erkrankt sind. Unsere Fragestellung war hingegen breiter angelegt. In den Studien wurden auch nicht alle Endpunkte untersucht, die uns interessierten.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Dieser Review ist eine Aktualisierung eines früheren Cochrane Reviews. Diese Evidenz ist auf dem Stand von April 2025.

Pedersen TB, Pachler FR, Rosenberg J, Andresen K

Kann hochintensives Intervalltraining die Herzgesundheit und das Risiko für Diabetes bei gesunden, aber wenig aktiven Menschen senken?

3 weeks 1 day ago
Kernaussagen
  • Bewegungsmangel verursacht weltweit jedes Jahr geschätzte Kosten von 53,8 Milliarden US-Dollar. Regelmäßige Bewegung ist eine einfache, kostengünstige und wirksame Methode, um das Risiko für Herzerkrankungen zu senken – insbesondere für Menschen, die sich bislang wenig bewegen. Viele Menschen erreichen jedoch nicht das von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlene Maß an körperlicher Aktivität.

  • Im Vergleich zu keiner sportlichen Betätigung verringert hochintensives Intervalltraining (HIIT) den Taillenumfang und verbessert die Fitness von Herz und Lunge wahrscheinlich. Auf das Verhältnis von Taillen- zu Hüftumfang hat es jedoch wahrscheinlich keine Auswirkungen. Bei den Triglyceriden im Blut (einer Art von Blutfett) gibt es möglicherweise keinen oder nur einen minimalen Unterschied. Die Ergebnisse für den systolischen Blutdruck (oberer Blutdruckwert) sind sehr unsicher. Im Vergleich zu gleichmäßigen, moderaten Trainingseinheiten kann HIIT die Fitness von Herz und Lunge möglicherweise leicht verbessern. Beim systolischen Blutdruck und den Triglyceriden im Blut gibt es zwischen den beiden Trainingsarten möglicherweise keine oder nur minimale Unterschiede. Ähnlich sieht es beim Taillenumfang und dem Verhältnis von Taillen- zu Hüftumfang aus.

  • Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass HIIT möglicherweise genauso wirksam ist wie Training mit moderater Intensität, um die Herzgesundheit zu verbessern und das Risiko für Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes zu senken. Allerdings sind weitere hochwertige Studien erforderlich, um diese Ergebnisse zuverlässig beurteilen zu können.

Was ist hochintensives Intervalltraining?

Hochintensives Intervalltraining (HIIT) ist eine Trainingsform, bei der kurze Phasen intensiver körperlicher Belastung mit Ruhephasen abgewechselt werden.

Was ist kardiometabolische Gesundheit?

Die kardiometabolische Gesundheit beschreibt die Gesundheit von Herz und Blutgefäßen sowie die Fähigkeit des Körpers, Energie aus der Nahrung zu verarbeiten. Es umfasst wichtige Faktoren wie Blutdruck, Cholesterinspiegel, Blutzucker und Körpergewicht. Wenn diese Werte im gesunden Bereich liegen, ist das Risiko für Erkrankungen wie Herzkrankheiten, Schlaganfall oder Typ-2-Diabetes deutlich geringer.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten wissen, ob HIIT bei inaktiven Menschen die kardiometabolische Gesundheit stärker verbessert als kein Training oder moderates Ausdauertraining (moderate-intensity continuous training, MICT).

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen die Wirkungen von HIIT auf die kardiometabolische Gesundheit mit keinem Training oder mit MICT verglichen wurden. Wir interessierten uns für Studien, die sich mit inaktiven, aber ansonsten gesunden Menschen befassten. Wir fassten die Studienergebnisse zusammen und bewerteten, wie vertrauenswürdig die Evidenz ist. Dabei berücksichtigten wir unter anderem die Studienmethoden, die Größe der Studien und die Menge der verfügbaren Informationen.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 58 Studien mit 2075 inaktiven Erwachsenen. Die einzelnen Studien schlossen 14 bis 90 Personen ein, und die Trainingsprogramme dauerten vier bis 16 Wochen. Fünfunddreißig Studien verglichen HIIT mit MICT, elf verglichen HIIT mit keiner körperlichen Aktivität und zwölf enthielten beide Vergleiche.

Hauptergebnisse

Im Vergleich zu keinem Training verbessert HIIT wahrscheinlich die VO₂ max , die die allgemeine Herz- und Lungenfitness widerspiegelt. HIIT führt auch zu einer leichten Verringerung des Taillenumfangs. Allerdings hat HIIT wahrscheinlich wenig oder gar keine Auswirkungen auf das Verhältnis von Taillen- zu Hüftumfang und möglicherweise auch wenig oder gar keine Auswirkungen auf die Triglyceride im Blut (eine Art von Blutfett). Die Evidenz für HIIT hinsichtlich des systolischen Blutdrucks (oberer Blutdruckwert) ist sehr unsicher.

Im Vergleich zu MICT verbessert HIIT möglicherweise die VO₂ max leicht. Es gibt möglicherweise keinen Unterschied zwischen HIIT und MICT hinsichtlich des systolischen Blutdrucks und der Triglyceride im Blut, und wahrscheinlich gibt es auch keinen Unterschied zwischen den beiden Trainingsarten hinsichtlich des Taillenumfangs und des Verhältnisses von Taillen- zu Hüftumfang.

Keine Studie berichtete über wichtige langfristige Endpunkte wie Herzinfarkte, Schlaganfälle oder Todesfälle.

Was schränkt die Evidenz ein?

Die Vertrauenswürdigkeit der meisten Ergebnisse ist gering bis moderat. Weitere Forschung könnte diese Schlussfolgerungen ändern. Drei Hauptfaktoren schränken die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz ein. Erstens sprach nicht jede Person in den Studien gleich gut auf die Intervention an. Zweitens waren einige Studien sehr klein. Für einige Endpunkte gab es zu wenige Studien, um verlässliche Aussagen zu machen. Schließlich wussten die Teilnehmenden der Studien, welche Intervention sie erhielten.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand vom 13. Oktober 2025.

Strauss JA, Kirwan R, Ranasinghe C, Schwingshackl L, Shepherd SO, Chaplin M, Sguassero Y, Petkovic J, Villanueva G, Dwan K

Hilft eine hochdosierte Lichttherapie bei Neugeborenengelbsucht besser als eine niedrigdosierte?

3 weeks 5 days ago
Kernaussagen
  • Für Neugeborene mit Gelbsucht:

    • Es ist unklar, ob eine hochdosierte Phototherapie (Lichttherapie) im Vergleich zu einer niedrigdosierten Phototherapie das Risiko für Hirnschäden, Zerebralparese oder Tod bei Neugeborenen vor der Entlassung aus dem Krankenhaus verringert.

    • Eine hochdosierte Phototherapie senkt den Bilirubinspiegel möglicherweise etwas stärker als eine niedrigdosierte Phototherapie – gemessen 12 bis 48 Stunden nach Beginn der Behandlung.

  • Größere und besser durchgeführte Studien sind nötig, um verschiedene Dosierungen der Phototherapie zu vergleichen und herauszufinden, welche Dosierung für Säuglinge am besten ist.

Was ist Neugeborenengelbsucht?

Gelbsucht (eine Gelbfärbung der Haut und der Augen) ist die häufigste Erkrankung bei Neugeborenen. Sie wird durch Bilirubin (ein gelbliches Pigment) im Blut verursacht. Bilirubin entsteht im Körper beim natürlichen Abbau alter roter Blutkörperchen. Wenn mehr Bilirubin entsteht, als das Baby über Urin oder Stuhl ausscheiden kann, sammelt es sich im Körper an.

Was ist eine Phototherapie?

Eine Phototherapie (Lichttherapie) ist die Hauptbehandlung bei Neugeborenengelbsucht. Bei der Phototherapie nimmt die Haut das Licht der Geräte auf, ähnlich wie bei Sonnenlicht. Bei der Phototherapie wird spezielles Licht verwendet. Es hilft, Bilirubin in eine weniger schädliche Substanz umzuwandeln, die das Baby über Urin oder Stuhl ausscheiden kann. Die Phototherapie kann in unterschiedlichen Dosierungen verabreicht werden. Mit „Dosis“ meinen wir die Stärke des Lichts, die Art der verwendeten Geräte oder den Abstand zwischen Lichtquelle und Haut des Babys.

Warum ist die Behandlung von Gelbsucht wichtig?

Gelbsucht kann zu Problemen bei der Entwicklung und Funktion des Gehirns führen. (Anmerkung: Eine leichte Gelbsucht ist aber meist normal und kein Grund zur Besorgnis.) Ein Beispiel hierfür ist eine Enzephalopathie, also eine Schädigung oder Erkrankung des Gehirns. Diese kann zu Kernikterus führen, einer dauerhaften Hirnschädigung, die wiederum eine Zerebralparese verursachen kann. Dabei handelt es sich um eine Bewegungsstörung, die die Kontrolle der Muskeln beeinträchtigt. Schwere Hirnschäden aufgrund von Gelbsucht können zum Tod führen.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob eine höhere Dosis Phototherapie bei Neugeborenen zu einer schnelleren Senkung des Bilirubinspiegels führt und das Risiko für Langzeitprobleme oder den Tod aufgrund von Hirnschäden verringert.

Wie gingen wir vor?

Wir haben nach Studien gesucht, in denen verschiedene Dosen der Phototherapie verglichen wurden, um festzustellen, ob unterschiedliche Dosen unterschiedliche Wirkungen haben. Wir haben verschiedene Phototherapiegeräte, unterschiedliche Lichtstärken und verschiedene Abstände zwischen der Haut des Babys und dem Phototherapielicht verglichen. Wir haben die Ergebnisse der Studien zusammengefasst und die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz bewertet, basierend auf Faktoren wie Studienmethoden, Größe der Studien sowie der Übereinstimmung zwischen den Studien.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 41 Studien mit 6927 Neugeborenen, deren Gelbsucht mit Phototherapie behandelt wurde. Die Phototherapiebehandlung in den Studien dauerte zwischen 16 und 60 Stunden.

Hauptergebnisse

Bei Babys mit Gelbsucht:

  • Es ist unklar, ob höhere im Vergleich zu niedrigeren Dosen der Phototherapie das Auftreten von Enzephalopathie oder Zerebralparese reduzieren.

  • Hohe versus niedrige Dosen der Phototherapie:

    • Möglicherweise kein oder nur ein minimaler Einfluss auf die Sterblichkeit während des Krankenhausaufenthalts;

    • Möglicherweis eine geringfügig stärkere Senkung des Bilirubinspiegels 24 oder 48 Stunden nach der Phototherapie;

    • Möglicherweise keine oder nur minimale Auswirkungen auf die Senkung des Bilirubinspiegels 72 Stunden nach der Phototherapie. Die Ergebnisse sind allerdings sehr unsicher.

In keiner der untersuchten Studien wurde über das Auftreten von Kernikterus berichtet.

Was schränkt die Evidenz ein?

Drei Hauptfaktoren schränken die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz ein. Erstens schien es in etwa einem Drittel der Studien so, als seien die Teilnehmenden nicht vollständig nach dem Zufallsprinzip den verschiedenen Behandlungsgruppen zugeordnet worden. Das bedeutet, dass Unterschiede zwischen den Gruppen möglicherweise auf Unterschiede zwischen den Neugeborenen und nicht auf die Behandlungen zurückzuführen sind. Zweitens unterschieden sich die Ergebnisse zu den Bilirubinwerten zwischen den Studien, die diesen Endpunkt berichteten, deutlich. Auch nach einer eingehenden Bewertung wissen wir nicht genau, warum dies so ist. Drittens gab es für die Endpunkte zu Zerebralparese und Tod nur sehr wenige Studien und Teilnehmende. Aus diesen Gründen können wir keine eindeutigen Schlussfolgerungen darüber ziehen, wie gut verschiedene Dosierungen der Phototherapie wirken.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand vom 09. Juni 2025.

Lai NM, Ahmad Kamar A, Lee SWH, Ng KT, Fiander M, Cracknell J, Choo YM, Supported by the Cochrane Neonatal Group

Verringert die Gabe von Zuckerwasser an Neugeborene während Blutentnahmen deren Schmerzen?

4 weeks 2 days ago
Kernaussagen
  • Neugeborene, die während einer Blutentnahme Saccharose (Zuckerwasser) erhalten, haben wahrscheinlich weniger Schmerzen während des Eingriffs und kurz danach als Neugeborene, die keine Saccharose, Wasser oder nur übliche Maßnahmen zur Schmerzlinderung erhalten.

  • Zuckerwasser scheint Schmerzen stärker zu lindern als ein Schnuller. Wir haben keine gute Evidenz für die Wirkungen von Zuckerwasser im Vergleich zu Haut-zu-Haut-Kontakt.

  • Vier Studien berichteten ausdrücklich, dass keine schädlichen Wirkungen wie Würgen oder Apnoe (eine kurze Unterbrechung der Atmung) auftraten. In den anderen Studien wurden keine Nebenwirkungen berichtet.

Worum handelt es sich bei der Saccharose-Schmerzlinderung?

Saccharose ist Haushaltszucker. Eine kleine Menge Zuckerwasser (Saccharose in Wasser gelöst) kann bei Neugeborenen helfen, Schmerzen zu lindern. Etwa zwei Minuten vor oder unmittelbar vor einer Venenpunktion – dabei wird eine Nadel in eine Vene eingeführt, um Blut abzunehmen oder eine Behandlung durchzuführen – wird die Zuckerlösung auf die Zunge des Neugeborenen getropft.

Warum ist Schmerzlinderung für Neugeborene im Krankenhaus wichtig?

Sowohl Frühgeborene als auch termingerecht geborene Neugeborene, die im Krankenhaus behandelt werden, müssen häufig schmerzhafte Eingriffe über sich ergehen lassen, zum Beispiel um Medikamente zu erhalten oder Krankheiten zu diagnostizieren. Schmerzen können für Neugeborene viele Folgen haben. Schmerzen können das körperliche Wachstum beeinträchtigen und die Entwicklung des Gehirns stören. Deshalb ist es wichtig, Schmerzen bei Neugeborenen so weit wie möglich zu verringern, um ihre Gesundheit und Entwicklung zu schützen.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, wie effektiv Zuckerlösung zur Schmerzlinderung bei Neugeborenen während und kurz nach Nadelstichen ist. Konkret wollten wir wissen, wie wirksam eine Zuckerlösung im Vergleich zu anderen Methoden zur Schmerzlinderung ist, zum Beispiel dem Nuckeln an einem Schnuller, dem Stillen oder Haut-zu-Haut-Kontakt mit der Mutter oder dem Vater. Wir wollten außerdem herausfinden, ob die Zuckerlösung negative Auswirkungen hat.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, die die schmerzlindernde Wirkung von Zuckerlösung im Vergleich zu anderen Methoden (z. B. Stillen, Schnuller, Haut-zu-Haut-Kontakt) untersuchten. Wir haben die Ergebnisse zusammengefasst und die Zuverlässigkeit der Evidenz anhand von Faktoren wie der Anzahl der behandelten Neugeborenen sowie der Qualität der in den Studien verwendeten Methoden bewertet.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 29 Studien, die 2764 Neugeborene umfassten. In den Studien wurden unterschiedlich konzentrierte Zuckerlösungen verwendet und sie wurden den Neugeborenen auf verschiedene Weise verabreicht. Die Studien wurden weltweit durchgeführt. Die meisten wurden in Asien durchgeführt, weitere Studien stammen aus Europa, Nordamerika und Südamerika. Alle Studien waren randomisierte kontrollierte Studien, in denen Säuglinge nach dem Zufallsprinzip zwei oder mehr Behandlungsgruppen zugewiesen wurden. Dies ist der beste Weg, um sicherzustellen, dass die Gruppen der Neugeborenen vergleichbar sind und weder die Forschenden noch die Eltern wissen, wer in welcher Gruppe ist. Keine der Studien wurde von der Pharmaindustrie unterstützt.

Hauptergebnisse
  • Eine Zuckerlösung lindert die Schmerzen von Babys während und kurz nach dem Einstechen der Nadel (30 Sekunden bis eine Minute) wahrscheinlich stärker als gar keine Schmerzlinderung (z. B. Wasser).

  • Im Vergleich zu Haut-zu-Haut-Kontakt sind die Schmerzwerte in der Gruppe mit Zuckerlösung möglicherweise ungefähr gleich (kein klinisch relevanter Unterschied).

  • Zuckerlösung lindert wahrscheinlich die Schmerzen beim Einführen der Nadel im Vergleich zum Stillen.

  • Zuckerlösung (in Verbindung mit Nuckeln an einem Schnuller) lindert wahrscheinlich die Schmerzen während und kurz nach (30 Sekunden bis 2 Minuten) dem Einführen der Nadel im Vergleich zum alleinigen Nuckeln an einem Schnuller.

Keine Studie berichtete über schädliche Nebenwirkungen für einen der untersuchten Vergleiche.

Was schränkt die Evidenz ein?

Zuckerlösung im Vergleich zu keiner Intervention oder Wasser

Wir sind moderat zuversichtlich, dass Zuckerlösung im Vergleich zu keiner Intervention wahrscheinlich Schmerzen lindert. Es ist jedoch möglich, dass in manchen Studien die beteiligten Personen wussten, welche Behandlung die Neugeborenen erhielten. Zudem umfassten die Studien nur eine geringe Anzahl von Neugeborenen.

Zuckerlösung versus Haut-zu-Haut-Kontakt

Es gibt keine Hinweise, dass Zuckerlösung Schmerzen stärker lindert als Hautkontakt. Die beiden Studien lieferten unterschiedliche Ergebnisse. Weitere Studien werden die Ergebnisse für diesen Vergleich wahrscheinlich verändern.

Zuckerlösung im Vergleich zu Stillen

Wir sind moderat zuversichtlich, dass Zuckerlösung wahrscheinlich stärker schmerzlindernd wirkt als Stillen. Die einzige Studie für diesen Vergleich enthielt jedoch keine klaren Angaben dazu, wie die Zuckerlösung verabreicht wurde.

Zuckerlösung mit Schnuller versus Schnuller alleine

Wir sind moderat zuversichtlich, dass Zuckerlösung in Verbindung mit einem Schnuller wahrscheinlich stärker schmerzlindernd wirkt als ein Schnuller allein. Die Studien unterschieden sich darin, wie die Zuckerlösung verabreicht wurde, etwa in der Menge und Konzentration und in der Art der Gabe.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von Juli 2024.

Bueno M, Candido L, Hu J, Fiander M, Cracknell J, Xu E, Kang J, Yamada J, Supported by the Cochrane Neonatal Group

Vitamine und Mineralstoffen für Frauen mit verminderter Fruchtbarkeit (Subfertilität)

1 month ago

Fragestellung des Reviews:
Verbessern ergänzende oral verabreichte Antioxidantien im Vergleich zu Plazebo, keiner Behandlung/Regelversorgung oder anderen Antioxidantien die Fruchtbarkeit bei subfertilen Frauen? die "Standardbehandlung" umfasst weniger als 1 mg Folsäure.

Hintergrund:
Viele subfertile Frauen die sich einer Fruchtbarkeitsbehandlung unterziehen, nehmen auch Nahrungsergänzungsmittel ein, in der Hoffnung dadurch ihre Fruchtbarkeit zu verbessern. Dies kann eine sehr stressreiche Zeit für die Frauen und ihre Partner und Partnerinnen sein. Es ist wichtig, diesen Paaren qualitativ hochwertige Evidenz zur Verfügung zu stellen. Auf deren Grundlage können sie eine informierte Entscheidung treffen, ob die Einnahme von ergänzenden Antioxidantien während Fruchtbarkeitsbehandlungen ihre Chancen verbessert oder unerwünschte Ereignisse verursacht. Dies ist besonders wichtig, da die meisten antioxidativen Nahrungsergänzungsmittel keiner gesetzlichen Kontrolle unterliegen. Dieser Review untersuchte, inwiefern Ergänzungsmittel mit oral verabreichten Antioxidantien die Chancen einer subfertilen Frau erhöhen, schwanger zu werden und ein Baby zu bekommen.

Datum der Suche:
Die Evidenz ist auf dem Stand von September 2019.

Studienmerkmale:
Dieser Review schloss 63 randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 7760 teilnehmenden Frauen ein, welche Antioxidantien entweder mit Placebo, keiner Behandlung bzw. Standardbehandlung oder mit anderen Antioxidantien verglichen.

Finanzierungsquellen
Finanzierungsquellen wurden nur in 27 von 63 eingeschlossenen Studien genannt.

Hauptergebnisse:
Wir sind uns unsicher, ob die Verwendung von Antioxidantien die Zahl der Lebendgeburten erhöht, da die Evidenz von sehr niedriger Qualität war. Aufgrund der Ergebnisse würden wir erwarten, dass von 100 subfertilen Frauen, welche keine Antioxidantien einnehmen, 20 ein Kind bekommen würden. Im Vergleich dazu würden zwischen 24 und 36 von 100 subfertilen Frauen ein Kind bekommen, welche Antioxidantien einnehmen. Evidenz von sehr niedriger Qualität deutet darauf hin, dass Antioxidantien mit einer höheren Rate an klinischen Schwangerschaften in Verbindung steht. Über unerwünschte Wirkungen wurde nur wenig berichtet. Jedoch schien die Einnahme von Antioxidantien nicht zu mehr Fehlgeburten, Mehrlingsgeburten, Verdauungsstörungen oder Eileiterschwangerschaften zu führen.

Hinweise von geringer Qualität deuten darauf hin, dass es keinen Unterschied bei den Raten von Lebendgeburten oder klinischen Schwangerschaften gibt, wenn eine niedrigere Melatonindosis mit einer höheren Dosis verglichen wird. Aufgrund der Ergebnisse würden wir erwarten, dass von 100 subfertilen Frauen, welche eine niedrige Dosis Melatonin einnehmen, 24 ein Kind bekommen würden. Im Vergleich dazu würden zwischen 12 und 40 von 100 subfertilen Frauen ein Kind bekommen, welche eine höhere Dosis Melatonin einnehmen.

Drei Studien berichteten über Fehlgeburten im Vergleich von Antioxidantien zur Antioxidantien Vergleichsgruppe (zwei Studien verwendeten Melatonindosen und eine Studie verglich N-Acetylcystein mit L-Carnitin). In beiden Melatonin-Studien gab es keine Fehlgeburten. Über Mehrlingsschwangerschaften und gastrointestinale Störungen wurde nicht berichtet. Über das Auftreten von Eileiterschwangerschaften wurde nur in einer Studie berichtet. Allerdings traten in dieser keine Eileiterschwangerschaft auf.

In der Studie, in der N-Acetylcystein mit L-Carnitin verglichen wurde, wurde keine Lebendgeburtenrate angegeben. Es gibt nur sehr wenige Evidenz, die auf einen Unterschied in der klinischen Schwangerschaft hinweist. Evidenz von niedriger Qualität zeigen keinen Unterschied bei Fehlgeburten. In der Studie wurde nicht über Mehrlingsschwangerschaften, Magen-Darm-Störungen oder Eileiterschwangerschaften berichtet.

Qualität der Evidenz:
Die Gesamtqualität der Evidenz war durch schwerwiegende Risiken einer Verzerrung aufgrund unzureichender Angaben zu den Methoden, Ungenauigkeit und Inkonsistenz eingeschränkt.

Showell MG, Mackenzie-Proctor R, Jordan V, Hart RJ

Was sind die Vorteile und Risiken von Magnesiumsulfat bei der Behandlung von Kindern unter zwei Jahren mit Bronchiolitis?

1 month ago
Kernaussagen
  • Es ist unklar, ob Magnesiumsulfat allein oder in Kombination mit anderen Behandlungen die gesundheitlichen Ergebnisse bei Kindern unter zwei Jahren mit Bronchiolitis verbessert.

  • Es sind weitere groß angelegte, gut konzipierte Studien erforderlich, die sich mit den Vorteilen und Nachteilen von Magnesiumsulfat bei akuter Bronchiolitis befassen.

Was ist eine akute Bronchiolitis?

Eine akute Bronchiolitis ist eine häufige Lungeninfektion bei Kindern unter zwei Jahren. Die kleinen Atemwege in der Lunge werden verengt oder blockiert, was zu Husten, Keuchen und Atembeschwerden führt. Bronchiolitis wird durch Viren verursacht. Die Behandlung besteht meist aus unterstützenden Maßnahmen, zum Beispiel ausreichend Flüssigkeit und befeuchtetem Sauerstoff. Kinder mit Bronchiolitis benötigen möglicherweise eine Intensivbehandlung.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob Magnesiumsulfat, allein oder in Kombination mit anderen Behandlungen, wirksamer und sicherer ist als andere Behandlungen bei akuter Bronchiolitis.

Wie gingen wir vor?

Wir haben nach Studien gesucht, in denen Magnesiumsulfat (allein oder in Kombination mit anderen Behandlungen) mit anderen Behandlungsoptionen verglichen wurde. Wir haben die Ergebnisse dieser Studien zusammengefasst und die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz anhand der Studienmethoden und der Größe der Studien bewertet.

Was fanden wir heraus?

Wir haben sieben Studien mit 816 Kindern aus Katar, der Türkei, dem Iran, China und Indien einbezogen. Vier Studien umfassten Kinder mit mittelschwerer bis schwerer Bronchiolitis. In den Studien wurde Magnesiumsulfat entweder über einen Schlauch in eine Vene (intravenös) oder als feiner Inhalationsnebel (vernebelt) verabreicht. Es wurde mit einer Scheinbehandlung (Placebo), Medikamenten zur Öffnung der Atemwege (Salbutamol oder Adrenalin), einer Salzlösung (hypertonische Kochsalzlösung), der üblichen Behandlung (Sauerstoff und ausreichende Flüssigkeitszufuhr) oder keiner Behandlung verglichen.

Es ist unklar, ob Magnesiumsulfat allein oder in Kombination mit anderen Behandlungen die Ergebnisse verbessert. Dazu gehören zum Beispiel die Verringerung der Todesfälle, unerwartete medizinische Probleme während der Behandlung, die Dauer des Krankenhausaufenthalts oder die Schwere der Erkrankung (bewertet anhand klinischer Skalen der Ärzt*innnen). Die Zeit bis zur Genesung wurde nicht gemessen.

Was schränkt die Evidenz ein?

Insgesamt ist die Vertrauenswürdigkeit sehr gering, vor allem weil die eingeschlossenen Studien nur wenige Kinder umfassten und die Studien methodische Probleme aufwiesen. Weitere Studien werden wahrscheinlich die Ergebnisse dieses Reviews verändern.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von November 2024.

Chandelia S, Kumar D, Tandon D, Makol J

Verbessert die Kombination aus Immuntherapie und Chemotherapie im Vergleich zu alleiniger Chemotherapie die Behandlungsergebnisse bei frühem dreifach-negativem Brustkrebs?

1 month ago
Kernaussagen

- Bei Patientinnen mit frühem, potenziell heilbarem, dreifach-negativem Brustkrebs (Stadien 1 bis 3) ist nach zusätzlicher Gabe von sogenannten Immuncheckpoint-Inhibitoren (Immuntherapie) zur Chemotherapie vor der Operation im Vergleich zur alleinigen Chemotherapie wahrscheinlich häufiger kein Krebs mehr nachweisbar. Auch die Zeit bis zum Wiederauftreten der Erkrankung sowie die Gesamtüberlebenszeit (Zeit von der Diagnose oder dem Behandlungsbeginn bis zum Tod, unabhängig von der Ursache) verbessern sich wahrscheinlich. Allerdings erhöht die zusätzliche Immuntherapie wahrscheinlich das Risiko schwerwiegender unerwünschter Wirkungen. Die Lebensqualität ist bei beiden Behandlungen möglicherweise ähnlich. Die Gesamtzahl an unerwünschten Wirkungen ist wahrscheinlich ebenfalls ähnlich.

- Es gibt möglicherweise keine Verbesserungen bei der Überlebenszeit, wenn die Immuntherapie nach der Operation zur Chemotherapie hinzugefügt wird.

- Künftige Studien sollten untersuchen, wie Immuncheckpoint-Inhibitoren in verschiedenen Gruppen wirken und sich auf Endpunkte wie die Lebensqualität während und nach der Behandlung konzentrieren.

Was sind Immuncheckpoint-Inhibitoren?

Immuncheckpoint-Inhibitoren sind Medikamente, die in der Krebsbehandlung als Teil einer Therapieform, der so genannten Immuntherapie, eingesetzt werden. Sie wirken, indem sie dem Immunsystem helfen, den Krebs zu bekämpfen. Krebszellen können sich der Aufmerksamkeit des Immunsystems entziehen, indem sie ein Signal nutzen, an dem zwei Proteine namens PD-1 und PD-L1 beteiligt sind. PD-1- und PD-L1-Inhibitoren blockieren dieses Signal und erleichtern es dem Immunsystem, Krebszellen zu finden und sie zu bekämpfen.

Warum ist dies für Menschen mit frühem dreifach-negativem Brustkrebs wichtig?

TNBC ist eine aggressive Form von Brustkrebs, die etwa 12% bis 17 % der Brustkrebsfälle ausmacht. Er kann schwieriger zu behandeln sein als andere Arten von Brustkrebs. Eine Chemotherapie ist die Standardbehandlung bei dieser Erkrankung. Sie kann vor der Operation (neoadjuvant) oder nach der Operation (adjuvant) gegeben werden und kann die Überlebenschancen verbessern. Trotz der Behandlung entwickelt sich bei etwa 30 bis 40 von 100 Menschen mit frühem dreifach-negativem Brustkrebs die Erkrankung weiter. Der Krebs breitet sich dann auf andere Teile des Körpers aus. Dies nennt man Metastasierung.

Derzeit werden neue Behandlungsmethoden untersucht, bei denen die Chemotherapie mit Immuncheckpoint-Inhibitoren kombiniert wird. Diese Medikamente helfen dem Immunsystem, Krebszellen besser zu erkennen und anzugreifen. Studien deuten darauf hin, dass diese Kombination die Behandlungsergebnisse verbessern könnte. Es ist wichtig zu wissen, ob diese Kombination wirksam und sicher ist. Nur so können Ärzt*innen und Patientinnen gut informierte Entscheidungen über die Behandlung treffen.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten wissen, ob die Kombination aus Immuncheckpoint-Inhibitoren und Chemotherapie bei Patientinnen mit frühem dreifach-negativem Brustkrebs besser wirkt als die Chemotherapie allein und ob sie sicher ist.

Wie gingen wir vor?

Wir haben nach Studien gesucht, die Immuncheckpoint-Inhibitoren in Kombination mit einer Chemotherapie mit einer Chemotherapie allein verglichen haben. Wir haben die Ergebnisse zusammengefasst und unser Vertrauen in die Ergebnisse auf der Grundlage von Faktoren wie Studienmethoden und Größe der Studien bewertet.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden sieben Studien mit insgesamt 4341 Personen. In zwei Studien wurden PD-1-Inhibitoren (z. B. Pembrolizumab) und in fünf Studien PD-L1-Inhibitoren (z. B. Durvalumab, Atezolizumab) eingesetzt. In sechs Studien erfolgte die Behandlung vor der Operation, in einer Studie nach der Operation.

In Studien, in denen PD-1- oder PD-L1-Inhibitoren in Kombination mit einer Chemotherapie mit einer alleinigen Chemotherapie vor der Operation verglichen wurden:

- hatten die Patientinnen mit Kombinationstherapie wahrscheinlich häufiger zum Zeitpunkt der Operation keine Anzeichen von Krebs;

- lebten die Patientinnen mit Kombinationstherapie länger, ohne dass der Krebs zurückkehrte; und

- senkt die Kombinationstherapie wahrscheinlich das Risiko zu sterben (im Untersuchungszeitraum von 19,8 bis 75,1 Monaten).

Möglicherweise unterscheidet sich die Lebensqualität zwischen den Gruppen kaum oder gar nicht. Bei der Gesamtzahl an unerwünschten Wirkungen oder behandlungsbedingten Todesfällen gibt es wahrscheinlich nur geringe oder gar keine Unterschiede zwischen den Gruppen. Schwerwiegende unerwünschte Wirkungen traten bei der Immuntherapie wahrscheinlich häufiger auf als bei der Chemotherapie allein.

Nur in einer einzigen Studie wurden Immuncheckpoint-Inhibitoren in Kombination mit einer Chemotherapie mit einer alleinigen Chemotherapie nach einer Operation verglichen. Es gibt nach der Operation möglicherweise keine Verbesserung der Ergebnisse durch die kombinierte Therapie.

Was schränkt die Evidenz ein?

Wir sind uns sicher bis moderat sicher, dass die Kombination aus Immuntherapie und Chemotherapie vor der Operation die Überlebenschancen verbessert. Für die Anwendung nach der Operation ist der Vertrauenswürdigkeit der Ergebnisse zur Wirksamkeit nur gering. Das liegt daran, dass nur eine kleine Studie vorlag. In dieser Studie nahmen zu wenige Patient*innen teil, um verlässliche Schlussfolgerungen zu ziehen. Außerdem wussten die Teilnehmenden möglicherweise, welche Behandlung sie erhielten. Das kann die Ergebnisse beeinflusst haben.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand vom 6. November 2024.

Gao Y, Liu M, Li L, Zhang J, Song F, Tian J

Wie lässt sich die Teilnahme an einer Herzrehabilitation verbessern?

1 month ago
Kernaussagen
  • Maßnahmen zur Förderung der Teilnahme an Herzrehabilitationsprogrammen tragen möglicherweise dazu bei, dass mehr Menschen teilnehmen.

  • Die Maßnahmen steigern wahrscheinlich leicht sowohl die Teilnahme an Herzrehabilitationsprogrammen als auch deren Abschlussrate.

  • Wir brauchen weitere gut durchgeführte Studien, um sicher zu wissen, welche Maßnahmen die Nutzung von Herzrehabilitationsprogrammen am besten erhöhen. Weil überwiegend Männer an den Studien teilnahmen, sind weitere Untersuchungen bei Frauen, älteren Menschen und anderen unterrepräsentierten Gruppen notwendig, um die Wirksamkeit und Zugänglichkeit von Herzrehabilitationsprogrammen für alle zu prüfen.

Was ist Herzrehabilitation?

Eine Herzrehabilitation ist ein strukturiertes Behandlungsprogramm, das von speziell geschulten Gesundheitsfachpersonen begleitet wird. Es unterstützt Menschen dabei, sich nach einem Herzinfarkt, einer Herzoperation oder anderen Herzerkrankungen – zum Beispiel einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz) – zu erholen und ihre Herzgesundheit langfristig zu stärken. Eine Herzrehabilitation hilft dabei, die Erholung nach einer Herzerkrankung zu unterstützen, zukünftigen Herzproblemen vorzubeugen und das allgemeine Wohlbefinden zu fördern. Eine Herzrehabilitation wird für Menschen mit diesen Herzerkrankungen ausdrücklich empfohlen.

Was ist das zugrunde liegende Problem?

Trotz ihrer Vorteile nehmen weltweit nur wenige der berechtigten Personen an Herzrehabilitationsprogrammen teil. Auch wenn eine Herzrehabilitation begonnen wird, schließen viele Menschen das Programm nicht vollständig ab.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob Maßnahmen zur Förderung der Nutzung von Herzrehabilitationsprogrammen mehr Menschen helfen:

  • sich für ein Herzrehabilitationsprogramm anzumelden;

  • an einem Herzrehabilitationsprogramm teilzunehmen; und

  • ein Herzrehabilitationsprogramm zu absolvieren.

Wir wollten auch wissen, ob diese Maßnahmen unerwünschte Wirkungen haben könnten.

Wie gingen wir vor?

Wir haben nach Studien gesucht, in denen verschiedene Methoden zur Steigerung der Nutzung von Herzrehabilitationsprogrammen getestet wurden. Es wurden nur Studien berücksichtigt, in denen die Teilnehmenden nach dem Zufallsprinzip zwei oder mehr Behandlungsgruppen zugewiesen wurden. Dies ist die beste Methode, um sicherzustellen, dass die Gruppen zu Beginn vergleichbar sind und dass weder die Teilnehmenden noch das Studienteam wissen, wer welche Behandlung erhält. Wir haben Studien in allen Sprachen berücksichtigt. Wir fassten die Ergebnisse der Studien zusammen, verglichen sie miteinander und beurteilten unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie den Studienmethoden und der Studiengröße.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden insgesamt 47 Studien (58 Vergleiche) mit 10.803 Personen. Die einbezogenen Studien wurden hauptsächlich in Nordamerika und Europa oder anderen Ländern mit hohem Einkommen durchgeführt. Es konnten keine Studien aus Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen eingeschlossen werden. Die Teilnehmenden hatten eine Herzerkrankung, zum Beispiel einen Herzinfarkt, eine Angina pectoris oder eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz), oder sie waren wegen eines Herzproblems operiert worden, etwa mit einer Bypass-Operation oder dem Einsetzen eines Stents. Die meisten Teilnehmenden waren Männer. Die Studien untersuchten verschiedene Ansätze, um die Teilnahme an der Herzrehabilitation zu verbessern. Dazu gehörten: ein früherer Beginn der Rehabilitation, der Einsatz digitaler Angebote, Programme an unterschiedlichen Orten (zum Beispiel zu Hause), Unterstützung durch andere Betroffene oder durch medizinisches Fachpersonal, speziell auf Frauen zugeschnittene Programme sowie kürzere oder flexiblere Angebote.

Hauptergebnisse

Bei Menschen mit Herzerkrankungen bewirken Maßnahmen zur Förderung der Nutzung von Herzrehabilitationsprogrammen:

  • dass sich möglicherweise mehr Patient*innen für die Programme anmelden (27 Studien, 726 Personen);

  • dass wahrscheinlich etwas mehr Patient*innen an den Programmen teilnehmen (18 Studien, 3024 Personen);

  • dass wahrscheinlich etwas mehr Patient*innen die Programme abschließen (19 Studien, 5432 Personen); und

  • Schwerwiegende unerwünschte Wirkungen treten wahrscheinlich nicht auf (6 Studien, 716 Personen).

Was schränkt die Evidenz ein?

Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz war gering bis moderat, unter anderem weil die Studien verschiedene Strategien zur Steigerung der Nutzung der Herzrehabilitation untersuchten. Die Ergebnisse sind zwar vielversprechend, es sind jedoch weitere gut durchgeführte Studien nötig, um zu klären, welche Strategien am wirksamsten sind, besonders wenn es darum geht, Patient*innen dabei zu unterstützen, eine Herzrehabilitation vollständig abzuschließen Es lagen nur wenige Informationen über die Kosten oder die Kosteneffizienz von Maßnahmen zur Förderung der Nutzung von Herzrehabilitationsprogrammen vor. Außerdem braucht es mehr Forschung zu bislang unterrepräsentierten Gruppen, zum Beispiel zu Frauen, älteren Menschen und Personen, die in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen leben. Das kann dazu beitragen, Herzrehabilitationsprogramme für alle Menschen zugänglicher und wirksamer zu machen.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Dieser Review ist eine Aktualisierung unseres Reviews aus dem Jahr 2019. Die Evidenz ist auf dem Stand von März 2025.

Long L, Lin CZ, Davies P, Wells V, Grace SL, Taylor RS

Helfen elektronische oder robotergestützte Gangtrainer (Gangtrainingsgeräte) Menschen nach einem Schlaganfall dabei, besser gehen zu können?

1 month ago
Kernaussagen

- Der Einsatz von elektronischen und robotergestützten Gangtrainern unterstützt in Verbindung mit einer Physiotherapie wahrscheinlich Menschen nach einem Schlaganfall dabei, wieder selbständig gehen zu können. Sie sind möglicherweise besonders in den ersten drei Monaten nach einem Schlaganfall von Nutzen.

- Es bedarf weiterer Forschung, um zu ermitteln, wie häufig und über welchen Zeitraum diese Geräte eingesetzt werden sollten.

Was ist ein Schlaganfall?

Zu einem Schlaganfall kommt es, wenn der Blutfluss in einen Teil des Gehirns unterbrochen wird und dadurch die Versorgung der Gehirnzellen mit Sauerstoff und Nährstoffen nicht mehr gewährleistet ist. Dies verursacht einen plötzlichen Schwächeanfall, der in der Regel eine Körperhälfte betrifft. Wenn die Blutversorgung des Gehirns unterbrochen wird, beginnen Gehirnzellen abzusterben. Dies kann zu einer Schädigung des Gehirns, funktionellen Einschränkungen und sogar zum Tod führen.

Menschen, die einen Schlaganfall überstehen, haben, verursacht durch die Schädigung ihres Gehirns, häufig langfristige Probleme. Körperliche Aktivitäten wie das Gehen können ihnen schwerfallen, zum Beispiel aufgrund einer geschwächten Beinmuskulatur einer oder beiden Körperhälften, steifer Gelenke oder dem Verlust koordinativer Fähigkeiten. Die Betroffenen benötigen möglicherweise eine lange Rehabilitationsphase mit Physiotherapie, bevor sie ihre frühere Unabhängigkeit wiedererlangen. Physiotherapeutische Maßnahmen umfassen Übungen, Massagen, funktionelles Training und Elektrotherapie, mit dem Ziel, die Betroffenen dabei zu unterstützen, ihre Bewegungsfähigkeit wiederzuerlangen.

Gehen nach einem Schlaganfall

Eines der wichtigsten Ziele nach einem Schlaganfall ist es, dass die Betroffenen wieder gehen können. Der Einsatz von robotergestützten Gangtrainern (die für die automatisierte Ausführung von Bewegungen und spezifische Aufgaben programmiert sind) und elektrisch betriebene mechanische (elektromechanische) Gangtrainern wurden dazu entwickelt, die Betroffenen beim Gangtraining zu unterstützen. Menschen, die nach einem Schlaganfall Probleme mit dem Gehen haben, benötigen viel Training, um das Gehen zu verbessern. Es ist unklar, ob der Einsatz von Gangtrainern wirksam sind.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob Gangtrainer in Kombination mit Physiotherapie die Gehfähigkeit von Menschen nach einem Schlaganfall stärker verbessern können als eine Therapie ohne ihren Einsatz.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen der Einsatz von Gangtrainern zur Unterstützung von Menschen nach einem Schlaganfall bei der Wiedererlangung ihrer Gehfähigkeit zu untersucht wurden. Wir waren daran interessiert, herauszufinden:

- wie viele der Teilnehmenden selbstständig gehen konnten;

- wie schnell die Teilnehmenden gehen konnten;

- wie weit sie in 6 Minuten gehen konnten;

- wie viele Teilnehmende aus den Studien ausschieden; und

- wie viele Teilnehmende starben.

Wir suchten nach Studien, in denen die Teilnehmenden den Behandlungsgruppen nach dem Zufallsprinzip zugewiesen wurden. Dieser Studientyp liefert die zuverlässigste Evidenz zu den Wirkungen einer therapeutischen Maßnahme.

Was fanden wir?

Wir fanden 101 Studien mit 4224 Erwachsenen (Durchschnittsalter 47 bis 76 Jahre), die einen Schlaganfall erlitten hatten und das Gehen wieder erlernten. In den Studien wurden die Wirkungen einer Physiotherapie in Kombination mit elektromechanischen und robotergestützten Gangtrainern zur Gangschulung mit den Wirkungen einer alleinigen Physiotherapie oder der Standardversorgung verglichen. In den meisten Studien dauerte das Training drei bis vier Wochen, die kürzeste Dauer war 10 Tage, die längste acht Wochen.

Am Ende des Trainings führte der Einsatz eines Gangtrainers in Verbindung mit einer Physiotherapie, verglichen mit Physiotherapie alleine oder der üblichen Versorgung, zu folgenden Ergebnissen:

- wahrscheinlich hilft es einer größeren Zahl von Betroffenen dabei, selbstständig gehen zu können (51 Studien; 2148 Personen);

- wahrscheinlich erhöht es nicht die durchschnittliche Gehgeschwindigkeit der Betroffenen (73 Studien; 3043 Personen);

- vergrößert nicht die Entfernung, die die Betroffenen innerhalb von 6 Minuten zurücklegen können (42 Studien; 1966 Personen); und

- es hat keinen Einfluss auf die Anzahl der Teilnehmenden, die aus den Studien ausschieden oder die Zahl der Todesfälle (Todesfälle waren selten) (101 Studien; 4224 Teilnehmende).

Auf neun Personen, die mit einem Gangtrainer in Verbindung mit einer Physiotherapie behandelt werden, kommt wahrscheinlich eine zusätzliche Person, die am Ende der Behandlung selbstständig gehen kann.

Bei der Nachbeobachtung zeigte sich, dass die Verwendung eines Gangtrainers in Verbindung mit einer Physiotherapie möglicherweise nicht dazu beiträgt, dass mehr Menschen selbstständig gehen können, und dass sich die durchschnittliche Gehgeschwindigkeit oder die in 6 Minuten zurückgelegte Strecke im Vergleich zur Physiotherapie oder zur üblichen Behandlung wahrscheinlich nicht erhöht.

Was schränkt die Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Ergebnisse variiert von gering bis hoch. Viele Studien hatten methodische Schwächen und basierten auf kleinen Stichproben. Daher ließen einige der Studien den Nutzen der Gangtrainer möglicherweise größer erscheinen, als er in Wirklichkeit ist.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von Dezember 2023.

Mehrholz J, Kugler J, Pohl M, Elsner B
Checked
15 hours 9 minutes ago
Subscribe to Cochrane Kompakt feed