Welche Vorteile hat die Gabe von Vitamin D bei frühgeborenen und untergewichtigen Säuglingen?
Die Gabe von Vitamin-D-Präparaten an Frühgeborene (vor der 37. Schwangerschaftswoche) und Neugeborene mit niedrigem Geburtsgewicht (weniger als 2500 g) senkt wahrscheinlich das Risiko eines Vitamin-D-Mangels (Vitamin-D-Spiegel unter 30 nmol/L) und einer unzureichenden Vitamin-D-Versorgung (Vitamin-D-Spiegel unter 50 nmol/L).
Höhere Vitamin-D-Dosen (800 IE/Tag oder mehr) verringern bei Frühgeborenen wahrscheinlich das Risiko eines Vitamin-D-Mangels im Vergleich zu niedrigeren Dosen (200 bis weniger als 800 IE/Tag). Allerdings können höhere Dosen bei einigen Frühgeborenen auch zu übermäßig hohen Vitamin-D-Spiegeln führen.
Zukünftige Studien sollten untersuchen, welche Vitamin-D-Dosis in Abhängigkeit vom Gewicht der Neugeborenen optimal ist, und dabei wichtige Ergebnisse wie die Knochengesundheit erfassen.
Vitamin D hilft dem Körper, Kalzium aus der Nahrung aufzunehmen. Kalzium ist für die Entwicklung und Stabilität der Knochen unerlässlich. Bei einer unzureichenden Vitamin-D-Versorgung können die Knochen weniger stabil werden und sich verformen oder leichter brechen. Dies wird bei Kindern als Rachitis bezeichnet. Sonnenlicht regt die körpereigene Vitamin-D-Bildung in der Haut an. Es ist außerdem in Fisch, Fleisch und anderen tierischen Lebensmitteln enthalten. Säuglinge sollen vor direkter Sonnenbestrahlung geschützt werden. Da Sonnenlicht normalerweise zur körpereigenen Bildung von Vitamin D beiträgt und Muttermilch nur wenig Vitamin D enthält, besteht bei Säuglingen ein erhöhtes Risiko für eine unzureichende Vitamin-D-Versorgung. Als ausreichend gelten bei Säuglingen Vitamin-D-Spiegel im Blut von 50 bis 250 nmol/L. Werte unter 50 nmol/L gelten als unzureichende Versorgung („Insuffizienz“), Werte unter 30 nmol/L als Vitamin-D-Mangel („Defizienz“). Die Behandlung erfolgt mit Präparaten, die geschluckt oder injiziert werden können. Zu viel Vitamin D (über 250 nmol/L) kann unerwünschte Wirkungen haben, beispielsweise einen erhöhten Kalziumspiegel im Blut oder Nierensteine verursachen. Die Empfehlungen zur Vitamin-D-Supplementierung unterscheiden sich weltweit.
Was wollten wir herausfinden?Wir wollten herausfinden, welche Vitamin-D-Dosis und welche Dauer der Supplementierung für Frühgeborene und Neugeborene mit niedrigem Geburtsgewicht am besten geeignet sind. Uns interessierte, ob eine Vitamin-D-Supplementierung:
einen Vitamin-D-Mangel oder eine unzureichende Vitamin-D-Versorgung verringert;
die Knochengesundheit verbessert;
unerwünschte Wirkungen hervorruft.
Wir suchten nach Studien mit Frühgeborenen, die vor der 37. Schwangerschaftswoche geboren wurden, oder mit Neugeborenen mit niedrigem Geburtsgewicht unter 2500 g. Die Studien verglichen eine Vitamin-D-Supplementierung entweder mit keiner Supplementierung oder höhere Dosen mit niedrigeren Dosen.
Wir verglichen und fassten die Ergebnisse der Studien zusammen. Anschließend bewerteten wir anhand verschiedener Faktoren, wie der Methodik und Größe der Studien, wie vertrauenswürdig die Ergebnisse sind.
Was haben wir herausgefunden?Wir fanden 34 Studien mit 5012 Neugeborenen.
HauptergebnisseVitamin-D-Supplementierung im Vergleich zu keiner Supplementierung (11 Studien, 1.514 Neugeborene)Eine Vitamin-D-Supplementierung senkt wahrscheinlich bis zur Entlassung aus dem Krankenhaus das Risiko eines Vitamin-D-Mangels. Davon profitiert wahrscheinlich 1 von 4 supplementierten Neugeborenen (4 Studien, 385 Neugeborene). Möglicherweise verringert die Supplementierung auch das Risiko einer unzureichenden Vitamin-D-Versorgung. Davon profitiert möglicherweise 1 von 3 supplementierten Neugeborenen (4 Studien, 385 Neugeborene). Über die Auswirkungen auf die Knochengesundheit und entsprechende Blutmarker wurde nicht berichtet.
Vitamin-D-Supplementierung im Vergleich zu keiner Supplementierung (1 Studie, 2.079 termingenaue Neugeborene mit niedrigem Geburtsgewicht; Vitamin-D-Werte lagen für 453 Kinder vor)Eine Vitamin-D-Supplementierung verringert wahrscheinlich im Alter von sechs Monaten das Risiko eines Vitamin-D-Mangels. Davon profitiert wahrscheinlich 1 von 3 supplementierten Neugeborenen (basierend auf den Daten von 453 Kinder). Wahrscheinlich verringert sie auch das Risiko einer unzureichenden Vitamin-D-Versorgung; auch hier profitiert wahrscheinlich 1 von 3 supplementierten Neugeborenen. Über die Auswirkungen auf die Knochengesundheit und entsprechende Blutmarker sowie auf übermäßig hohe Kalzium- und Vitamin-D-Spiegel im Blut wurde nicht berichtet.
Vitamin-D-Supplementierung in höherer Dosierung (800 IE/Tag oder mehr) im Vergleich zu niedrigerer Dosierung (200 bis 800 IE/Tag) (25 Studien, 1.546 Frühgeborene)Höhere Vitamin-D-Dosen verringern wahrscheinlich stärker als niedrigere Dosen das Risiko eines Vitamin-D-Mangels (Nutzen wahrscheinlich bei 1 von 8 supplementierten Neugeborenen; 11 Studien, 672 Neugeborene). Möglicherweise verringern sie auch stärker das Risiko einer unzureichenden Vitamin-D-Versorgung (Nutzen möglicherweise bei 1 von 4 supplementierten Neugeborenen; 11 Studien, 683 Neugeborene). Allerdings führen höhere Dosen wahrscheinlich häufiger zu übermäßig hohen Vitamin-D-Spiegeln (Nachteil wahrscheinlich bei 1 von 25 supplementierten Neugeborenen; 5 Studien, 395 Neugeborene). Höhere Vitamin-D-Dosen verbessern bei Frühgeborenen möglicherweise einige Blutmarker der Knochengesundheit. Allerdings gibt es möglicherweise kaum oder keinen Unterschied bei röntgenologisch erkennbaren Zeichen einer verminderten Knochenmineralisierung (7 Studien, 447 Neugeborene).
Was schränkt die Evidenz ein?Zur Knochengesundheit und zu unerwünschten Wirkungen, einschließlich erhöhter Kalziumwerte im Blut, liegen nicht genügend Informationen vor.
Unsere Einschätzung beruht darauf, dass die Evidenz auf wenigen Fällen basiert, die Eltern und Beurteilenden wussten, welche Behandlung die Neugeborenen erhielten, und einige Neugeborene nicht bis zum Ende der Studie nachbeobachtet wurden. Wir sind uns hinsichtlich anderer unerwünschter Wirkungen durch übermäßig hohe Vitamin-D-Spiegel und erhöhte Kalziumspiegel im Blut nicht sicher, da nur wenige Ereignisse auftraten und die Zahl der Teilnehmenden gering war.
Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?Die Evidenz ist auf den Stand von Februar 2026.